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Dracula

dracula1Unter dem schlichten wie eindeutigen Titel Dracula verbirgt sich nichts weniger als eines der, ja vielleicht sogar das schönste und ambitionierteste Comicprojekt über den wohl berühmtesten aller Vampire.

Françoise-Sylvie Pauly und Pascal Croci, letzterer war u.a. für das vor einigen Jahren veröffentlichte und nicht unumstrittene Auschwitz verantwortlich, widmen dem untoten Blutsauger ein Werk in zwei Teilen:

Der erste Teil behandelt die Legende von Vlad Tepes, dem Pfähler, die durch ein fiktives Aufeinandertreffen des Romanschreibers Bram Stoker mit einem Archivar des British Museum in London eine rückwirkende Betrachtung erhält.

Der zweite Abschnitt orientiert sich an Stokers berühmtem Roman Dracula, adaptiert diesen aber nur sehr grob. Die Hauptfigur selbst taucht nicht persönlich auf, stattdessen stehen Jonathan Harker, Abraham van Helsing und Mina Harker im Mittelpunkt, aus deren jeweiliger Perspektive ein Stück der Erzählung präsentiert wird.

Pascal Crocis und Françoise-Sylvie Paulys Comic ist keine typische Nacherzählung des Dracula-Mythos. Die beiden drehen die Vorlagen und beleuchten sie von allen Seiten, arrangieren die Elemente neu und generieren ihren ganz subjektiven Mythos, so wie sie ihn für richtig halten. Das Engagement des Kreativteams und die Verbundenheit zur Thematik ist spürbar und sorgt für ein überzeugendes Ergebnis. Gerade Crocis gruselige Figurenentwürfe, seine Landschaftsimpressionen und stimmige Kolorierung lässt einem sprichwörtlich das Blut in den Adern gefrieren. Das gesamte Album ist von einer kühlen Atmosphäre ummantelt, die Bilder von einsamen, schneebedeckten Wäldern und Schlössern tun da ihr übriges.

Damit ist Dracula auch das bislang attraktivste Album in Ehapas All-in-one-Programm und vor allen Dingen eines, bei dem man sicher sein kann, dass man für die veranschlagten 39,95 Euro einen lohnenden Comic erhält. Übrigens hält dieser Band erfreulicherweise auch einen zehnseitigen Bonuspart bereit, in dem die Autoren über den Entstehungsprozess des Comics reden und einige frühe Entwürfe zum Abdruck kommen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Faszinierende Eigeninterpretation des Dracula-Mythos, grafisch anspruchsvoll

 

Dracula
Ehapa Comic Collection, Oktober 2010
Text: Pascal Croci, Francoise-Sylvie Pauly
Zeichnungen: Pascal Croci
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 39,95 Euro
ISBN: 978-3-7704-3427-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Ehapa Comic Collection

Ganarah 1-3

Cover Band 1Drei Jahre musste der geneigte Fan warten, bis der dritte Band der Serie Ganarah von Fabrice Meddour erschienen ist. Dieser ist zugleich auch der Abschluss der Reihe, welche leider dennoch Stückwerk bleibt.

Stilistisch erinnert Ganarah leicht an Loisel (Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit). Vor allem die Nebenfiguren, die Tiere und die Frisuren der Figuren machen den Einfluss Loisels deutlich. Was nicht unbedingt schlecht sein muss, es gibt schließlich schlechtere Vorbilder. Nur will Meddours Stil nicht immer zu einem harmonischen Ganzen zusammenfließen. Zu sehr erinnert die Hauptfigur, vor allem deren Augen, zeichnerisch an eine Mangafigur. Von der Actiondynamik der Manga hat Meddour leider wenig übernommen. Für eine Serie, in der Action großgeschrieben wird, ist diese recht undynamisch ausgefallen. Das liegt vor allem daran, dass die Sprünge zwischen den Panels recht groß sind und deshalb etwas unzusammenhängend wirken.

„Sprung“ scheint auch das Zauberwort für die ganze Serie zu sein. Im ersten Band wird das Pulver noch nicht verschossen. Eine eigentliche Story ist kaum vorhanden und die Spannung besteht lediglich darin, wie es mit den eindimensionalen Charakteren weitergehen mag. Es gibt inhaltlich einige große Sprünge und der Sinn und Zweck des Ganzen erschließt sich nicht. Warum sind die Arenenkämpfe für die Städte so wichtig? Warum wurde Ganarah, eine Königin und Amazone, die offenbar die beste und beliebteste Gladiatorin war, verbannt? Warum werden die neuen Kämpfer gehasst? Was hat es mit der geheimnisvollen jungen Frau auf sich, die offenbar manchmal zu einem fleischfressenden Monster mutiert? Anhand dieser Fragen hat man schon eine Inhaltsangabe. Außer Fragen bleibt am Ende aber auch nichts übrig. So wird sämtliche Spannung auf den zweiten Band geschoben.

Cover Band 2Wer dann gehofft hat, dass die Fragen im zweiten Teil zumindest teilweise endlich beantwortet werden, sieht sich derbe enttäuscht. Die Story hat enorme Lücken und viele Handlungsfäden des ersten Bandes werden komplett ignoriert. Auch treten einige gravierende Fehler auf: So ist bei zwei zeitlich parallel verlaufenden Handlungssträngen einmal Tag und einmal Nacht! Die Geister, die eine ganze Stadt bedrohen und Ganarah jagen (was eigentlich schon die ganze Geschichte ausmacht: die Bedrohung und die Flucht vor den Geistern), sind zwar gelungen, aber alles wirkt wie Stückwerk und die Handlung springt unmotiviert zwischen Figuren und Handlungssequenzen hin und her und ergibt kein harmonisches Ganzes. Dass ausgerechnet die geheimnisvolle junge Frau aus dem ersten Band, Tchenee, die Schuldige ist, hat Dramenpotential, weil sie und Ganarah sich näher kamen, aber es funktioniert rein gar nichts und so macht sich der schale Geschmack der Enttäuschung breit.

Nach vier Jahren besteht dann die Hoffnung, dass Meddour im Abschlussband alle Fäden verknüpft und alle Fragen beantwortet. Tja, das einzige, was sich verbessert hat, ist das Artwork, das einen sehr viel sichereren Eindruck macht und gut ins Auge fällt. Leider sind alle inhaltlichen Schwächen beibehalten worden – es wird sogar noch schlimmer: Die Struktur der ganzen Erzählung wird noch mehr zerrissen und viele Zeitfehler in Kauf genommen. Sprünge kommen nicht nur vor, sie legen auch noch mehrere Saltos ein. Zwischen dem Geschehen in Band 2 und dem in Band 3 ist offensichtlich viel passiert. Allein, es wird nicht gesagt, was.

Seite aus Band 3Auf einmal bekommt der Leser, falls er es überhaupt bis zum dritten Band durchgehalten hat, Informationen, die schon in den ersten Band gehört hätten. Erst jetzt wird deutlich, warum die Arenenkämpfe so wichtig sind oder was es mit den „Fluxen“ auf sich hat. Erst jetzt erfährt man, warum Tchenee im zweiten Band zur Schurkin wurde. Auf einmal scheint sie kein Monster mehr zu sein wie im ersten Band, aber was oder wer ist sie eigentlich? Das weiß offensichtlich auch der Autor nicht. Die Struktur des Comics löst sich komplett auf. Anstatt alles zu verknüpfen, werden auf einmal neue Fäden gesponnen! So tauchen beispielsweise Magier auf, die eine zentrale Rolle spielen sollen. Es bleibt jedoch schleierhaft, welche.

Von der ganzen Serie bleibt der Eindruck wie von einem Spielfilm, der eigentlich sechs Stunden dauert und auf zwei Stunden zusammengekürzt worden ist. Alles ist Stückwerk und zeichnet sich nur durch Sprünge aus. Die Story hat so große Lücken, dass komplette Armeen durchmarschieren könnten. Als Fazit bleibt nur der Gedanke, den man schon am Ende des ersten Bandes hatte: Das hatte Potential.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Dokument einer einzigen großen Konzeptionslosigkeit. Eine nur rudimentär vorhandene Story, die an großen Sprüngen und Schwächen leidet.

 

Ganarah
Text und Zeichnungen: Fabrice Meddour
Splitter Verlag
je 48 Seiten, farbig, Hardcover

Band 1: Die Tränen von Armon Surath
August 2007
ISBN: 978-3-939823-60-5
Preis: 12,80 Euro
Leseprobe

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Band 2: Ein Palast, Bäume und blutrote Früchte
März 2008
ISBN: 978-3-939823-62-9
Preis: 12,80 Euro
Leseprobe

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Band 3: Stimmen der Vergangenheit
Februar 2011
ISBN: 978-3-939823-63-6
Preis: 13,80 Euro
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche: Mit Jerry Siegels Witwe, Uderzos Tochter und einer E-Mail aus Japan

Unsere Links der Woche, Ausgabe 13/2011:

 

Mein Comic Spezial Nr 2
Papiertourist, Daniel Schwarzt
Der Videoblogger Daniel Schwarzt bespricht regelmäßig Bücher in Form von YouTube-Videos. Nun beschäftigt er sich zum zweiten Mal ausführlich mit Comics. Die knapp 20 Minuten lange Sendung stellt u.a. Chew, Die Bruderschaft der Krabbe und die Dracula-Adaption von Pascal Croci vor. Sehenswert, vor allem wegen der aufwändigen visuellen Umsetzung, für die einzelne Panels aus den Comics animiert wurden.

100 Sekunden Wissen: Graphic Novel
SR DRS, Ellinor Landmann
Der Schweizer Rundfunk DRS erklärt in einem kurzen Hörstück die Vokabel „Graphic Novel“ und betrachtet die Wortschöpfung durchaus kritisch. Einen Comic „Graphic Novel“ zu nennen, sei so ähnlich, wie die Putzfrau zur „Raumpflegerin“ zu machen. 

Letter From Lois Lane To Time Warner Boss
Deadline, Nikki Finke
Die Witwe von Jerry Siegel, der zusammen mit Joe Shuster Superman erfunden hat, schrieb wenige Wochen vor ihrem Tod im Februar 2011 einen Brief an Jeffrey Bewkes, den CEO von Warner Brothers. Als Muttergesellschaft von DC Comics liegt Warner seit Jahren mit den Erben von Shuster und Siegel im Rechtsstreit. Das Copyright an Superman wurde den Erben gerichtlich zuerkannt, aber die Warner-Anwälte versuchen mit immer neuen Mitteln, Zahlungen hinauszuzögern und den Fall in der Schwebe zu halten. In ihrem Brief wirft Joanne Siegel dem Warner-Boss Böswilligkeit und Schikane gegenüber ihr und ihrer Familie vor. Der Rechtsstreit könnte laut Siegel längst abgeschlossen sein, wenn Bewkes das nur wollte. Deadline hat den Brief im Wortlaut veröffentlicht.

Modern Marvel
New York Times, Dave Itzkoff
Ein Artikel der New York Times beschäftigt sich mit der aktuellen Lage von Marvel Comics, die zwar Erfolg im Filmgeschäft haben und auf dem Heftchenmarkt klarer Marktführer sind, aber vor einer unsicheren Zukunft im Comicgeschäft stehen: weil sie den Markt mit zu vielen Heften und immer neuen Crossover-Events überfluten, während sich der Heftchenmarkt generell auf dem absteigenden Ast befindet.

Arnold Schwarzenegger is back as ‚The Governator‘
Entertainment Weekly, Benjamin Svetkey
Diese Meldung stammt nicht vom 1. April: Nachdem Arnold Schwarzenegger nun nicht mehr Gouverneur von Kalifornien ist, will er wieder ins Entertainment-Business zurückkehren. 2012 soll eine Zeichentrickserie namens The Governator ins Fernsehen kommen, in der Arnie als Ex-Gouverneur auftritt, der als Superheld Verbrecher bekämpft. Der ewige Superhelden-Onkel Stan Lee ist als „Co-Developer“ mit an Bord.

Asterix creator embroiled in family feud after sacking daughter
The Independent, John Lichfield
Der Familienstreit um Asterix wird immer bizarrer: Die Tochter von Albert Uderzo hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Ihr Vater werde von böswilligen Menschen ausgenutzt und falsch beraten. Unter anderem geht es um einen Klempner, der Uderzo dazu überredet haben soll, ein Mirage-Kampfflugzeug zu kaufen. Hintergrund des Konflikts ist, dass Uderzo die Asterix-Rechte, die er früher in seinem eigenen Verlag unter Geschäftsführung seiner Tochter Sylvie verwaltete, an den Verlag Hachette verkauft hat und Sylvie keinerlei Einfluss mehr hat. Für Frankophone: Das Original-Interview mit Sylvie Uderzo aus der Zeitung Le Parisien steht hier.

Numerology, 2010 Edition
du9, Xavier Guilbert
Eine sehr ausführliche, englischsprachige Analyse des französischen Bande-Dessinée-Marktes, mit vielen Zahlen untermauert. Der Comicmarkt in Frankreich, der in den letzten Jahren stets gewachsen ist, hat seinen Zenit überschritten, befindet sich im Sinkflug und leidet an Überproduktion, weil die Verlage sinkende Auflagen durch einen höheren Output kompensieren wollen. 

Koga’s Email
Joe is Japanese, The Fates Crew
Die Macher der halb-autobiographischen Anime- und Webcomic-Serie Joe is Japanese, die von einen Typen handelt, der halb Schotte und halb Japaner ist, haben nach der Erdbebenkatastrophe eine E-Mail aus Japan bekommen. Sie stammt von Koga Sato, einem Animationszeichner, der das Vorbild für eine der Nebenfiguren in Joe is Japanese ist. Aus dieser berührenden, traurigen, aber stellenweise auch witzigen E-Mail entstand der 11-seitige, sehr lesenswerte Webcomic Koga’s Email. 

Neue Serien bei Zwerchfell
Woohoomania, Christopher Bünte
Dass der Zwerchfell Verlag nach dem sensationellen Erfolg von Die Toten jetzt volle Pulle auf Line Extension setzt, der Serie gleich mehrere Spin-Offs verpasst und die Kuh nach allen Regeln der Kunst melkt, das finden wir uneingeschränkt super.

Dietrich von Bern 1-3

dietrich1Dietrich von Bern zählt zu den bekanntesten deutschen Sagenfiguren., Ende der 70er traute sich der damals sehr umtriebige Szenarist Peter Wiechmann an eine der ritterlichen Legende nahen Adaption für den Kauka Verlag. Ursprünglich als Teil der Fix und Foxi Extra-Taschenbücher veröffentlicht, liegt erst jetzt, 30 Jahre später, eine ansprechende Komplettedition vor.

Cross Cult, der Verlag, der sich in den letzten Jahren ja einiger beliebter Wiechmann-Schöpfungen annahm (Andrax, Thomas der Trommler, Hombre) setzt dabei wie schon bei Andrax auf das „klassische“ A5-Format (wenn man bei einem gerade 10 Jahre jungen Verlag schon von klassisch sprechen mag). Und das obwohl das raue Papier und die das Design der Bände eigentlich identisch ist mit den im Albenformat veröffentlichten Ausgaben von Hombre und Thomas der Trommler.

Der Grund dafür scheint aber einleuchtend. Sieht man sich doch beim Lesen von Dietrich von Bern mit einer Seitenaufteilung konfrontiert, die den Bildern gehörigen Platz zur Entfaltung verschafft. Zeichner José Rafael Méndez Méndez verwendet nie mehr als drei Panels pro Seite, manchmal nimmt ein Bild sogar die komplette Seite ein. Zudem spiegelt die Grafik in diesem dreiteiligen Epos durch das Fehlen von Sprechblasen zusätzlich eine gewisse Offenheit wider.

Die Geschichte des aufstrebenden Königsohns Dietrich, der in Bern (der alte deutsche Name für die italienische Stadt Verona) aufwächst, ist in mehrere Kapitel aufgeteilt, die von unterschiedliche Heldentaten handeln, vom Kampf gegen einen Riesen bis zum Zwist mit seinem Onkel Ermanarich. Unterstützt wird er dabei stets von seinem Gefährten und Waffenmeister Hildebrand.

Die drei Comicbände stehen außerdem unter jeweils einem anderen Titel („Ruhm“, „Verrat“, „Rache“), die sich direkt auf den Werdegang von Dietrich beziehen.

Stilistisch erinnert das Werk stark an Prinz Eisenherz, was auch nicht unbedingt verwundert, da Peter Wiechmann diesen persönlich zur damaligen Zeit als verantwortlicher Redakteur für die Primo-Comics von Kauka an Land zog. Auffallend ist vor allen Dingen, dass der gesamte Erzähltext inklusive Dialoge sich außerhalb der Zeichnungen abspielt, Text und Bild also separat gehalten sind. Ganz ähnlich dem Konzept von Prinz Eisenherz also.

Trotzdem sollte man nicht den Fehler machen, dieser deutschen Eigenproduktion (unter Mithilfe eines spanischen Zeichners), die sicherlich mit zu den beeindruckendsten im Werk von Peter Wiechmann zählt, ihre dem äußeren Anschein nach gleichartige Gestaltung vorzuwerfen. Dietrich von Bern ist ein dynamischer, actionreicher Comic, der hohe Eigenständigkeit besitzt.

dietrich3Und er ist, wenn man so will, ein typischer Wiechmann-Comic. Das kann man nun gut finden oder nicht. Gerade die hölzernen, gestelzten Texte stoßen so manchem Kritiker ja übel auf. Ich muss sagen, dass diese Kritik doch insgesamt übertrieben ist. Zugute halten muss man Wiechmann, dass er selbst erkannt hat, dass seine 30 Jahre alten Texte aus heutiger Sicht überholt sind. Aus diesem Grund hat er auch alle Seiten der drei Bände nochmals komplett überarbeitet, Sätze umgestellt, Formulierungen verfeinert. Das Ergebnis seines Engagements? Eine kleine Portion antiquierter Ausdrucksweise kann man Dietrich von Bern auch in der aktuellen Version nicht absprechen. Zu einem ganz großen Teil lässt sich dies bei aller Vernunft aber bei einem mittelalterlichen Stoff auch nicht vermeiden. Und das ist ja schließlich bei einem historischen Comic auch erwünscht.

Als das einzig Seltsame an Wiechmanns Arbeit empfinde ich die Nachwörter und Zwischentexte (in denen der zeitgeschichtliche Kontext der jeweiligen Kapitel näher beleuchtet wird), denn diese strotzen geradezu vor geschwollenen Sätzen und merkwürdigen Berichten aus biografisch-subjektiver Sicht. Das ist nicht falsch zu verstehen: Dort wo er wirklich über den damaligen Entstehungsprozess oder über die Comiclandschaft der 60er/70er Jahre spricht, liest man mit Spannung. Leider finden sich dazwischen jedoch zu viele pseudokünstlerische Ausführungen.

 

Wertung8 von 10 Punkten

Sehr gute Umsetzung einer deutschen Sage mit zeitlosen Bildern

 

Dietrich von Bern
Cross Cult
Text: Peter Wiechmann
Zeichnungen: Rafael Mendez
je 196 Seiten, braun-weiß, Hardcover
Preis: je 22 Euro
 

Band 1: Ruhm
September 2010
ISBN:
978-3-941248-97-7

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Band 2: Verrat
Dezember 2010
ISBN: 978-3-941248-98-4

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Band 3: Rache
März 2011
ISBN: 978-3-941248-99-1

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Abbildungen © Cross Cult

Disclosure/Klarstellung: Die drei Bände wurden von CG-Redakteurin Frauke Pfeiffer lektoriert.

Comic-Fachpressen-Index 2006-2008

Die Welt der deutschsprachigen Fachmagazine, die sich mit Comics beschäftigen, ist ziemlich überschaubar. Trotzdem erscheinen, verteilt auf diverse Publikationen mit ganz unterschiedlichen Erscheinungsweisen, Schwerpunkten und Zielgruppen, im Laufe eines Jahres doch eine ganze Menge Interviews, Rezensionen und Fachartikel. Wer regelmäßig eines oder mehrere dieser Magazine und Jahrbücher liest, kennt bestimmt das Problem: Man erinnert sich, irgendwo mal einen bestimmten Artikel gelesen zu haben, möchte es gerne nachlesen, weiß aber nicht mehr in welchem Magazin und in welcher Ausgabe er stand. 

Bei Online-Publikationen besteht dieses Problem nicht, Google und Co. helfen in aller Regel schnell weiter. Bei Printprodukten müssen andere Wege gegangen werden. Dies ist das Ziel des Comic-Fachpressen-Index von W.P. Berres, der als „Register deutschsprachiger Comic-Fachperiodika“ die hiesige Fachpresse inhaltlich erschließt. Berres, seit Jahren Mitstreiter beim Kölner Fanzine Zebra, gibt diesen bibliographischen Band als Zebra-Sonderausgabe heraus. Nach Indizes für die Jahre 1989-1995, 1996-1999 und 2000 sowie einer eigenen Ausgabe für die Comixene ist dies bereits der fünfte Index (die Lücke zwischen 2001 und 2005 soll später geschlossen werden).

Ausgewertet hat Berres so ziemlich alles, was sich als Periodikum mit Comics beschäftigt: von kostenlosen Blättchen wie Wieselflink oder Comics Info bis zu den dicken Jahrbüchern Deutsche Comicforschung und Comic!-Jahrbuch, von ZACK, Reddition und Comixene bis zu Spezialisten-Fanzines wie Der Donaldist, Tim – Das Magazin oder Das sagte Nuff!. Und unser eigenes Print-Baby, das Comicgate-Magazin, ist auch dabei. Der Clou am Fachpressen-Index ist nun, dass die Inhalte dieser Magazine auf mehreren Wegen zugänglich sind. Zum einen gibt es für jede Publikation ein Inhaltsverzeichnis, das jeden einzelnen Artikel mit Autorenangabe auflistet. Daneben gibt es mehrere Register, über die man wiederum auf die Inhaltsverzeichnisse verwiesen wird: das Verfasser-Register sortiert die Artikel nach Autoren, das Personen-Register verzeichnet diejenigen, die Gegenstand der Artikel sind, also vor allem Zeichner und Szenaristen. Besonders wertvoll ist das Sachregister, das Artikel inhaltlich erschließt und nach Schlagworten gliedert. Im Titel-Register schließlich sind Artikel nach den Titeln der Comics gegliedert, die sie behandeln.

In anderen Fachbereichen, vor allem in der Wissenschaft, wird eine derartige Erschließung von Zeitschrifteninhalten meist an Bibliotheken gemacht. Auch Herausgeber W.P. Berres ist hauptberuflich im Bibliothekswesen aktiv und wendet hier sein Fachwissen auf seine Leidenschaft, die Comics, an. Natürlich ist so ein Index ein sehr spezielles Nischenprodukt für eine recht kleine Zahl von Nerds und Spezialisten – umso mehr muss man den Hut ziehen vor der beharrlichen Fleißarbeit und Akribie, in der diese Bibliographie entstanden ist (bei den Comictiteln wird sogar jeweils der Originaltitel genannt – allein das erfordert schon eine Menge Recherchearbeit). Noch schöner wäre natürlich, wenn der Band zeitlich weniger stark hinterherhinken würde oder wenn die erschlossenen Informationen auch in digitaler Form zugänglich wären – das wäre aber sicher zuviel verlangt von einem kleinen Hobbyprojekt.

Grafisch und gestalterisch ist der Index sehr nüchtern und betont unspektakulär gehalten. Die bibliographische Bleiwüste, die so ein Projekt notgedrungen mit sich bringt, wird aber immerhin durch etliche Skizzen und Illustrationen der verschiedensten Comiczeichner aufgelockert, die vermutlich vom Autor auf Messen und Conventions eingesammelt wurden.

Akribische Fleißarbeit, die für Spezialisten ein sehr wertvolles Hilfsmittel darstellt
(Wertung entfällt, da kaum vergleichbar mit dem, was wir sonst besprechen)

ZEBRA-Sonderband 13:
Comic-Fachpressen-Index 2006-2008. Register deutschsprachige Comic-Fachperiodica
Eigenverlag, Februar 2011
Zusammengestellt und herausgegeben von W.P. Berres
100 Seiten, schwarz-weiß, geheftet
Preis: 10,00 Euro

Online bestellen beim Freibeutershop oder per Mail an GoGer (at) web.de

Die Kriegerinnen von Troy 1 – Yquem der Großzügige

Troy ist nicht mehr nur ein Planet, sondern ein einziges riesiges Franchise geworden. Nachdem Lanfeust von Troy so erfolgreich wurde und den Troll von Troy als Spin-Off gebar, wurde Lanfeust nicht nur zu den Sternen geschickt, es wurden auch mehrere andere Serien entwickelt, welche die Geschichte von Troy und die Abenteuer von unterschiedlichsten Charakteren beleuchten. Einige dieser Serien sind bislang noch gar nicht auf Deutsch erhältlich. Wenn man aber Die Kriegerinnen von Troy als Beispiel für noch fehlende Bände nimmt, dann ist auch äußerste Vorsicht angeraten.

Der Reiz von Lanfeust und Troll liegt in der Verbindung einer klassischen Fantasyerzählung, die trotz allem nicht mit Gewalt spart, mit satirischen und humorvollen Elementen. Gerade in Troll von Troy gibt es so manchen Seitenhieb auf gesellschaftliche Entwicklungen wie etwa Gentechnik. So ergeben sich spannende, humorvolle und actionhaltige Abenteuer, die eine Ausnahmestellung im Fantasygenre beanspruchen können und halten. Die Kriegerinnen von Troy haben leider nichts davon.

Während eines Piratenangriffs auf See treffen sich die beiden Söldnerinnen Raya und Lynche auf gegnerischen Seiten. Das hindert sie aber nicht daran, nachdem sie wieder an Land sind, gemeinsam einen zu trinken. Beide nehmen den Auftrag an, einen humanitären Konvoi als Schutz zu begleiten. Doch so humanitär ist der Konvoi nicht und besonders Lynche hat eine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die ihr nicht bekommen wird. Und welche Rolle spielt die Kriegerin Issan?

Die Zeichnungen von Dany (Rote Ohren) haben ihren bekannten Charme – die drei Söldnerinnen sind hübsch und verlieren auch sehr oft unmotiviert ihre Oberteile, was manchen Augenschmaus zulässt. Aber die Story liefert nur grundsolide Fantasyunterhaltung mit klassischen „Sword and Sorcery“-Elementen à la Conan oder Red Sonja. Letztlich gilt sowohl für die Geschichte als auch für die Zeichnungen: solide, aber nichts Besonderes.

Der Band ist insofern enttäuschend, da alle Elemente, welche die Troy-Serien so beliebt machen, fehlen. Individuelle magische Kräfte werden nur bei den drei Kriegerinnen erwähnt, aber auch bei diesen Figuren ziemlich vage gehalten und kommen – außer bei Raya, die mit Reptilien sprechen kann – kaum vor. Ironie und Satire sind hier gar nicht zu finden und Humor taucht leider auch nur ab und zu auf. Obwohl der Herr von Troy, Serienschöpfer Christophe Arleston, hier Unterstützung von Melanyn hat, den man als Autor der Serien Excalibur, Die Geister von Troy und Tykko der Wüstensohn (auch ein Troy-Spin-Off) kennt, glänzt der Band durch Einfallslosigkeit. Zu hoch liegt die selbst errichtete Messlatte der Autoren. Hoffentlich haben sie nicht ihr Pulver verschossen.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Für ein Abenteuer auf Troy enttäuschend. Alle Elemente, welche die Lanfeust– und Troll-Serien so beliebt machen, kommen hier nur rudimentär vor.

 

Die Kriegerinnen von Troy 1: Yquem der Großzügige
Splitter Verlag, Februar 2011
Text: Christophe Arleston, Melanyn
Zeichnungen: Dany
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80
ISBN: 978-3-86869-255-6
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Splitter Verlag

Links der Woche: Mit viel Japan und viel Stoff aus großen Zeitungen

Unsere Links der Woche, Ausgabe 12/2011:

 

Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan liegt inzwischen zwei Wochen zurück, die Folgen beschäftigen das Land und die Welt weiterhin. In der letzten Woche erschienen diverse Artikel in der Presse, die sich damit beschäftigen, wie die japanische Kultur, also auch Manga- und Animemacher, mit dem Thema umgeht. Und auch auf verschiedenen Veranstaltungen in Deutschland (wie z.B. der Leipziger Buchmesse) spielte das Thema eine Rolle.

Hexe Kiki hilft Japanern beim Weiterleben
Spiegel Online, Barbara Bollwahn
Barbara Bollwahn besuchte ein Symposium beim Japanisch-Deutschen Zentrum in Berlin mit dem Titel „Ist Manga Literatur?“, das natürlich von den Ereignissen überschattet war, auch weil einige Teilnehmer absagen mussten. Die Titelfrage wurde zum Glück direkt mit Ja beantwortet. 

Können Sie den Schrecken in Bilder fassen?
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Der japanische Anime-Regisseur Keiichi Hara (Crayon Shin-Chan) war eigentlich nach Deutschland gekommen, um seinen neuen Film Colorful vorzustellen. Die Filmvorführungen wurden abgesagt, der Filmemacher nahm aber trotzdem einige Termine war, zum Beispiel ein ausführliches Interview für die FAZ

Die Katastrophe leben
Frankfurter Rundschau, Christian Schlüter
Die Tatsache, dass Japan ständig von Erdbeben bedroht ist, ist in der Popkultur tief verwurzelt, schreibt Christian Schlüter und führt als Beispiel den Manga Tokyo Inferno an (auf Deutsch bei Tokyopop erschienen). Der Artikel erschien auch in der Berliner Zeitung.

Hiroshima, war da was?
Spiegel Online, Stefan Pannor
Ähnlich gelagert ist dieser Artikel, wobei hier statt Erdbeben die atomare Bedrohung und ihr Einfluss auf Japans Popkultur im Mittelpunkt steht. Die längere Manuskriptfassung des Artikels steht in Stefan Pannors Blog.

1 000 Kraniche für Japan
Berliner Zeitung, Sabine Vogel
Wie die japanophilen Fans und Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse mit der japanischen Katastrophe umgingen, beschreibt dieser Artikel aus der Berliner Zeitung.  

Hold On Japan
fumioworld.blogspot.com, Fumio Obata
Fumio Obata ist ein aus Japan stammender Illustrator, Animator und Comiczeichner, der in Schottland lebt. Auf seinem Blog verarbeitet er die Geschehnisse in Japan seit dem 11. März in einem täglichen gezeichneten Tagbucheintrag.

Mädchen, träume
Der Tagesspiegel, Pia Frey
Zum 25-jährigen Jubiläum der Pferdecomic-Zeitschrift Wendy besuchte der Tagesspiegel die Redaktion im Berliner Ehapa Verlag und erklärt die Geschichte des Magazins.  

Bild und Text und noch viel mehr
Berliner Zeitung, Doris Meierhenrich
Ein unausgesprochener Konflikt
die tageszeitung, Waldemar Kesler
Am Berliner Maxim-Gorki-Theater findet gerade die Veranstaltungsreihe „Reality Kills – Kriegsbilder im Comic und auf der Bühne“ statt. Neben szenischen Lesungen aus Comics (z. B. von Simon Schwartz oder Ulli Lust) wird dort auf der Bühne mit dem Verhältnis zwischen Comic und Theater experimentiert. Kernstück der Reihe ist eine Bühnenadaption von Emmanuel Guiberts Comic Alans Krieg. Die beiden Texte sind sich relativ einig darin, dass Comic und Theater weiterhin zwei Welten bleiben, die nicht unbedingt aufeinander gewartet haben. Interessant sind die unterschiedlichen Blickwinkel. Die Theaterkritikerin der Berliner Zeitung meint, bei Alans Krieg würde „aus einem schlechten Comic ein erfreulicher Erzähltheaterabend gemacht“ und hält das Theater für eine „weit umfassendere Kunst“. taz-Autor Waldemar Kesler nimmt dagegen eher die Position des Comiclesers ein.

Wenn der Hammer fällt
Süddeutsche Zeitung, Roland Huschke
Die SZ traf Regisseur Kenneth Branagh am Set von Thor, der neuesten Marvel-Verfilmung, die im April die Saison der diesjährigen Superhelden-Blockbuster einläuten soll.

Paperbacks
DeviantArt, Fonografiks
Eigentlich schon etwas älter, aber letzte Woche in den sozialen Netzwerken nochmal nach oben gespült: Eine schöne Galerie von Coverentwürfen aus dem britischen Lettering- und Designstudio Fonografiks: Comicserien, gestaltet im Retrostil von billigen Taschenbüchern der 60er Jahre.

Cosa Nostra 5 – Murder Inc.

Chauvel und Le Saec setzen ihre Geschichte des organisierten Verbrechens in New York mit „Murder Inc.“ fort. Aufgrund ihres „True Crime“-Charakteristikums ist die Reihe sehr faszinierend. Schließlich werden hier reale Fälle und Personen behandelt, die heute zumeist hinter popkulturellen Arbeiten wie Filmen, Romanen und anderen Comics kaum mehr zu entdecken sind. Was ist Mythos und was Realität? Die ganze Reihe Cosa Nostra ist ein historisches Sachbuch in Comicform. Und das hat als bebildertes Geschichtsbuch über Verbrechen seinen Reiz, weil es die Mythen ignoriert.

Manche Mängel des Bandes liegen im Genre selbst begründet. Die Gesichter etwa sind von Erwan Le Saec sehr verwechselbar gezeichnet und nur durch kleinste Kleinigkeiten auseinanderzuhalten (was durch die kleinen Panels zusätzllich erschwert wird). Nun will es schon die Natur eines Geschichtscomics, dass viele Personen und viele Namen vorkommen. Hier droht der Leser den Überblick zu verlieren. Wenn man dann noch nicht einmal die Personen auseinanderhalten kann, braucht es schon eine gehörige Portion Konzentration.

Ermüdend wirkt Cosa Nostra auch dadurch, dass manche wichtigen Elemente der Vorbände hier nicht mehr auftauchen. Der soziokulturelle Kontext, also warum zu dieser Zeit in dieser Situation diese Personen als Verbrecher aufsteigen konnten, wird vernachlässigt. Das ist insofern bedauerlich, da die Murder Inc. in zehn Jahren 3000 Menschen ermordete! Da bräuchte man schon detailliertere soziokulturelle Einsichten, um diesen „Erfolg“ zu erklären und nicht eine endlose Aneinanderreihung von Namen, Daten und Fakten, in der sich vieles wiederholt. Warum die Organisation so lange unbehelligt blieb, wird auch nicht richtig klar. Was die Lektüre noch zusätzlich erschwert, ist der mangelnde rote Faden. Die ganze Geschichte hat keine Struktur. Bei einer Biografie wäre es der Lebensfaden, aber bei einer Organisation mit so vielen Figuren ist kein Faden, sondern eher ein Knäuel vorhanden. Oder, für den Autor, ein gordischer Knoten.

Graphisch ist auch der fünfte Band im realistischen frankobelgischen Stil gehalten. Leider fallen Le Saec keine besonderen Bilder ein. Waren im Vorgängerband noch schön versteckt Symbole eingearbeitet, fallen hier nur einige gewagte Perspektiven und die sehr gelungene Farbgebung auf. Die Verwendung von Zooms, also das schrittweise Annähern von einer Totalansicht bis hin zu Details, welches den Leser quasi in den Bodensatz der Stadt führt, ist zwar gelungen, geschieht aber zu häufig. Auch dieser Mangel an graphischen Ideen führt zu Ermüdungserscheinungen beim Leser.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Historisch faszinierend, ist der fünfte Band der epochalen Serie leider recht einfallslos geraten und hat keinen roten Faden. Einer der schwächsten Bände der Reihe.

 

Cosa Nostra 5 – Murder Inc.
Schreiber& Leser noir, Januar 2011
Text: David Chauvel
Zeichnungen: Erwan Le Saec
176 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-55-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Laika

Beim Schweizer Verlag Atrium erscheint nach Logicomix und Waltz With Bashir ein weiterer Comic: Der britische Autor und Zeichner Nick Abadzis zeichnet in Laika die wahre Geschichte der Hündin nach, die 1958 im Rahmen des sowjetischen Raumfahrtprogramms als erstes Säugetier ins Weltall geschossen wurde. Basierend auf akribischen Recherchen hat der Comic den Anspruch, eine wahre Geschichte nachzuerzählen. Abadzis tut dies jedoch nicht streng dokumentarisch, sondern erlaubt sich auch fiktionale Elemente und Dramatisierungen. Laika gehört also einem Genre an, das man in Film und Fernsehen als „Doku-Drama“ bezeichnet.

Die Hündin Laika ging als erstes Lebewesen in die Geschichte ein, das in den Weltraum befördert wurde. Dies geschah im November 1957 bei der Mission Sputnik 2, die nur wenige Wochen nach der ersten Sputnik-Mission stattfand: Der UdSSR gelang es mit Sputnik noch vor den USA, einen Satelliten ins All zu schießen, was in der westlichen Welt den sogenannten „Sputnik-Schock“ auslöste und zum jahrzehntelangen „Space Race“ zwischen den USA und der Sowjetunion führte. Jene erbitterte Konkurrenz vor dem Hintergrund des Kalten Krieges ist in dem Comic deutlich präsent, allerdings nur im Hintergrund. Die Story konzentriert sich auf die Mission Sputnik 2 und auf ihre tierische Pilotin, deren Leben von der Geburt bis zum Tod im Orbit nacherzählt wird.

Laika hieß eigentlich Kudrjawka, wurde als streunende Hündin in Moskau eingefangen und der sowjetischen Luftwaffe als Testhund übergeben. Die genaue Herkunft der Hündin ist zwar unbekannt, Nick Abadzis ersinnt jedoch eine fiktive Herkunftsgeschichte: Wir sehen, wie sie zur Welt kommt, wie sie als Welpe einem Jungen geschenkt wird, der gar kein Interesse an einem Haustier hat und sie entsprechend behandelt, wie sie von dem Jungen in den Fluss geworfen wird, sich als Streunerin durchschlägt und schließlich Opfer des Hundefängers wird. All das ist nicht belegt, dient aber dazu, dass der Leser eine empathische Bindung zu der tierischen Hauptfigur aufbaut.

Das Medium Comic böte theoretisch die Möglichkeit, die Hündin Laika als Erzählerin auftreten zu lassen oder ihr die Fähigkeit zu sprechen zu verleihen. Dies würde aber wiederum den dokumentarischen Ansatz zerstören, weshalb Nick Abadzis glücklicherweise darauf verzichtet. Stattdessen wählt er mehrere Protagonisten, aus deren unterschiedlichen Blickwinkeln er die Geschichte erzählt: Die beiden wichtigsten sind Sergei Koroljow, der Chefingenieur und Leiter der sowjetischen Weltraumforschungsprojekte, und die fiktive Figur der Jelena Dubrowskaja, die als Hundetrainerin die Hunde am Moskauer Institut für Flugmedizin betreut.

Sowohl diesen beiden als auch einigen Nebenfiguren wird viel charakterliche und emotionale Tiefe verliehen, so dass Laika mehr ist als nur die Wiedergabe eines historischen Geschehens. Abadzis macht klar, dass die Beteiligten der Sputnik-Missionen unter großem Druck standen und ihre Arbeit vor allem als Erfüllung einer patriotischen Pflicht verstanden. Vor allem bei der Hundetrainerin Jelena wird das große Dilemma deutlich, in dem sie steckt: Sie will gute Arbeit leisten und den Erwartungen ihrer Vorgesetzten gerecht werden, es geht ihr aber auch um das Wohl ihrer Tiere. Doch die Supermacht im Hintergrund sitzt am längeren Hebel. Letztlich gibt es für sie keinen Weg zu verhindern, dass Laika in eine Raumkapsel gesteckt und damit in den sicheren Tod geschickt wird. Denn eine heile Rückkehr zur Erde war für das Tier nie vorgesehen.

Das zentrale Motiv, das sich durch den Comic zieht, ist das Gefühl von Mitleid mit den als Versuchsobjekt missbrauchten Tieren. Abadzis bezieht klar Position und beendet sein Werk mit einem Zitat des Wissenschaftlers Oleg Gasenko, der Jelenas direkter Vorgesetzter war: „Wir haben zu wenig aus dieser Mission gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen.“ Mit diesem moralischen, tierschützerischen Ansatz bewegt sich der Comic auf einem schmalen Grat, denn allzu leicht könnte die Geschichte sentimental, gefühlsduselig oder gar kitschig werden. Abadzis schrammt hier manchmal haarscharf an der Grenze entlang, etwa wenn er den Hund in Traumsequenzen in Richtung Mond fliegen lässt.

Dass Laika aber nie zu sehr in sentimentale Gefilde abdriftet, verdankt sich einerseits dem dokumentarischen Stil, der immer die Oberhand über die fiktionalen Elemente behält, zum anderen den Zeichnungen von Nick Abadzis. Diese sind weder süßlich-verniedlichend noch fotorealistisch – sie sind ziemlich unspektakulär, handwerklich solide und funktional. Hier geht es nicht um zeichnerische Virtuosität – die Bilder haben der Geschichte zu dienen. Die meisten Seiten sind vollgepackt mit Panels (15 bis 20 Einzelbilder auf einer Seite sind keine Seltenheit) – da ist es umso sinnvoller und wichtiger, dass die einzelnen Bilder nicht auch noch mit Details überladen sind. Das Storytelling in Laika funktioniert trotz der vielen kleinen Panels bestens. Man merkt, dass Abadzis ein alter Hase ist, der schon seit Ende der 80er Jahre Comics macht (auch wenn sein Name hierzulande bisher völlig unbekannt war).

Laika, 2008 mit dem Eisner Award als „Best Publication for Teens“ ausgezeichnet, ist eine interessante Lektüre, die dem Leser ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Raumfahrt und des Kalten Krieges nahebringt. Gelegentlich wirkt der Comic etwas zu didaktisch, zu sehr auf Schullektüre getrimmt. Aber alles in allem gelingt Nick Abadzis ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Comics auch bestens dazu geeignet sind, das Feld zwischen Dokumentation und Drama zu besetzen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Doku-Drama über ein spannendes Stück Zeitgeschichte, das die Balance zwischen Fakten und Gefühl zu halten versteht


Laika
Atrium Verlag, März 2011
Text und Zeichnungen: Nick Abadzis
208 Seiten, farbig, Softcover mit Klappenbroschur
Preis: 20,00 Euro
ISBN: 978-3-85535-002-5 
Leseprobe

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Abbildungen: ©  Nick Abadzis, der dt. Ausgabe: Atrium Verlag

Wanted 1 – Die Brüder Bull

Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, eine neue Westernserie zu starten. Der Western gehört in der Unterhaltungskultur zu einem der beliebtesten und langlebigsten Genres. So war der allererste Spielfilm, wenn man eine zusammenhängende Story und eine Dramaturgie als Kriterium nimmt, ein Western: The Great Train Robbery von 1903. Angesichts des Alters und der unübersehbaren Vielzahl von Vertretern des Genres, stellt sich natürlich die Frage, was eine weitere Serie denn so Neues bieten kann. Denn die Stoffe sind mittlerweile sehr rar gesät und andere Western nehmen mittlerweile viele Anleihen bei anderen Genres. Der große Klassiker Comanche zum Beispiel ist manchmal eher ein Krimi im Westerngewand.

Wanted sucht sich deutlich einen Weg und nimmt Anleihen bei bekannten Stilarten und Serien. Von Leutnant Blueberry hat Wanted die engagierte, sozialkritische Herangehensweise und von Durango die Härte. Die Narben des Helden, welche durchaus recht plakativ sind, indem sie ein „W“ (für Wanted) bilden, erinnern etwas an Jonah Hex. Auch die Zeichnungen erinnern wieder an die Serie Durango von Yves Swolfs, die übrigens inzwischen, ebenso wie Wanted, von Thierry Girod gezeichnet wird.

Doch zum Band selbst: Schon das erste Panel scheint aus einem Film von John Ford zu stammen, der vorzugsweise im Monument Valley seine Meisterwerke wie Ringo und Der schwarze Falke drehte. Auch hier also stellt sich der Comic bewusst in eine Genretradition und steckt seinen Claim ab. Erzählt wird realistisch und historisch korrekt. Was einen bei Autor Simon Rocca nicht sonderlich verwundert, da er mit Vae Victis bereits eine auf historischen Tatsachen basierende Serie schuf. Der Band ist auch sehr brutal geworden, was allerdings den historischen Tatsachen entspricht. Schon der Italowestern war mit seinem Zynismus näher an der historischen Wirklichkeit als der US-Western. „Die Brüder Bull“ schildert, wie der Kopfgeldjäger Wanted über ein schwerverletztes Halbblut stolpert, dessen indianische Familie von skrupellosen und grausamen Skalpjägern ermordet worden ist. Eher widerwillig tut sich Wanted mit dem auf Rache sinnenden Yaqui Jed zusammen, um die Skalpjäger zu finden.

In der Story wird nichts beschönigt. Nicht nur orientiert sich der Band an authentischen Figuren (Kit Carson gab es wirklich), sondern schildert auch mit voller Härte den Vernichtungskrieg gegen die Indianer. Das ist stellenweise nichts für Zartbesaitete. Aber es wühlt den Leser auf und macht ihn wütend. Diese emotionale Anteilnahme – der Leser will, dass die Skalpjäger gefangen werden und ihre gerechte Bestrafung erhalten – macht den Band sehr packend und beantwortet damit alle aufgeworfenen Fragen zur Rechtfertigung einer neuen Westernserie. Denn Wanted ist engagiert, spannend und unterhaltsam. Der Charakter des (Anti-)Helden ist noch etwas undurchsichtig und sehr grob gestrickt, aber in den nächsten Bänden ist da ja noch Spielraum.

Graphisch ist die Schule von Swolfs unübersehbar, aber auch leichte Anleihen von Giraud (Blueberry) kann man ausmachen. Manche Effekte, wie etwa eine leichte zackige Aureole, um das Entsetzen des Charakters zu verdeutlichen, sind etwas altbacken, aber eine lange Reise durch das Entfernen von Panelabgrenzungen (als Äquivalenz zu Überblendung im Film) zu nutzen, ist sehr geschickt. Vor allem Montage und Schnitte sind sehr überzeugend und äußerst gelungen. Besonders auf den ersten zwei Seiten sind diese sehr eindrucksvoll und schockierend. Die Farben von Jocelyne Charrance sind merkwürdig blass und damit recht gewöhnungsbedürftig. Andererseits erwecken sie den Eindruck, als ob die Panels von der Wüstensonne New Mexicos gebleicht worden wären, was für die Story wieder sehr treffend ist.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Harte, aber historisch fundierte und engagierte Story, die die Brutalität des Italowestern mit der epischen Erzählweise des US-Western verbindet. Etwas zahme Zeichnungen, aber sehr gute graphische Montagen.

Wanted 1 – Die Brüder Bull
Splitter Verlag, Februar 2011
Text: Simon Rocca
Zeichnungen: Thierry Girod
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-242-6
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag