DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 37 von 52: CATWOMAN #1 von Judd Winick und Guillem March.

BJÖRN: Der erste große Aufreger dieser Woche: Die Hypersexualisierung von Catwoman. Und tatsächlich: Wir bekommen zwei Seiten lang Großaufnahmen von Catwomans Spitzen-BH präsentiert, ehe Guillem March (der hier einen echt guten Job hinlegt) sich die Mühe macht, ihr Gesicht zu zeigen. Den Vorwurf des billigen Spiels mit dem Tabu müssen sich die Macher gefallen lassen. Wobei Catwoman als Figur in diesem Heft schon mehr bietet als bloß das aufgesexte Püppchen zu geben. Sie ist eine selbstsichere Frau, die weiß, was sie will und es sich nehmen kann.
Das tut sie allerdings in einer Geschichte, die nie richtig in Tritt kommt: Catwomans Wohnung wird in die Luft gejagt. Das sollte der Aufhänger der Geschichte sein, der Motor. Wer tut denn sowas? Und warum? Stattdessen bekommen wir Catwoman getarnt bei der russischen Mafia, wo sie jemandem das Gesicht zerkratzt, der … tja. Was eigentlich? Ein Flashback soll es uns erklären, ist aber nicht eindeutig genug. Er scheint eine Frau vor den Augen von Catwoman erschossen zu haben. Aber wer er ist, wer die Frau ist, warum er nicht im Gefängnis ist? Nichts davon erklärt der Comic.
Und nach dem Gesichtzerkratzen (dessen Funktion im Plot noch nicht ersichtlich ist) taucht Batman auf und es kommt der zweite Aufreger: Batman und Catwoman haben Sex. (Übrigens in einem Penthouse, nicht auf einem Dach.) Wir erfahren: Nicht zum ersten Mal, und Batman will eigentlich gar nicht und ist dann böse, dass er doch jedes Mal nachgibt. Mit dem Sex selbst habe ich kein Problem, aber: Welche Funktion hat diese Szene in der Geschichte? Warum vergeudet Winick fünf Seiten, also ein Viertel des Heftes, auf etwas, das in drei bis vier Panels erzählt werden könnte? Und was soll das letzte Panel? Batman und Catwoman im Akt (die Kostüme bleiben weitgehend an, so wie die Masken in Millers All Star Batman). Das ist nicht schockierend, es ist keine folgerichtige Entwicklung der bisherigen Handlung, es ist auch kein Cliffhanger (außer Winick glaubt, es wäre spannend herauszufinden, wer von den beiden zuerst kommt), es ist gar nichts. Und damit der krönende Abschluss eines weiteren Heftes, das es in der ersten Ausgabe nicht schafft, eine richtige Handlung in Gang zu setzen.
Wenn es aber Winicks Ziel war, mal eine Sexszene zwischen Batman und Catwoman mit marginaler Nacktheit und maximaler Peinlichkeit der Captions zu schreiben, dann Glückwunsch: Mission accomplished.
ZOOM-FAKTOR: 3 von 10!
MARC-OLIVER: Ich stimme Dir in weiten Teilen zu: Catwoman ist ein im Großen und Ganzen kompetent und ab und zu schön gezeichnetes, bisweilen sogar ganz interessantes Heft – ich denke dabei etwa an die Szene, in der Selina Kyle mit ihrer Freundin Lola spricht. Zwischendurch verliert die Geschichte dann leider komplett den Faden. Das Flashback fand ich dabei aber noch recht selbsterklärend. Was wir wissen müssen, ist, dass der Typ bei der Heldin schon sehr lange auf der schwarzen Liste steht, mehr nicht. Zusätzliche Exposition braucht’s da eigentlich nicht. Und dass sie am Ende dieses speziellen Tages körperliche Nähe als emotionalen Ausgleich sucht, ist halt ein gerne genommenes Klischee – siehe High Fidelity, siehe Monster’s Ball, siehe tausend andere Filme.
Natürlich ist die Sexszene am Ende unfreiwillig komisch. Die Aufregung darum verstehe ich aber auch nicht. Dass Superheldencomics – speziell bei DC – mitunter verdammt kuriose Fetischtripps mit manchmal verdammt unheimlichen Vorstellungen von Sexualität sind, von den Gewaltorgien und den Vergewaltigungsfantasien mal ganz abgesehen, ist doch nun nichts Neues. Statt uns tagelang wortreich darüber zu empören und DC für alle möglichen Übel dieser Welt verantwortlich zu machen, lasst uns doch lieber mal eine offene und erwachsene Diskussion über das Thema führen. Warum haben so viele Superhelden-Autoren und -Fans, gerade bei DC, eine so verkorkste, fetischisierte Vorstellung von Sexualität? Und damit meine ich nicht nur peinliche Vögelszenen wie die hier, sondern auch und vor allem Sachen wie die von Geoff Johns oder Identity Crisis.
Darüberhinaus enttäuscht mich der Comic auf einer ganz anderen Ebene. Ich weiß nämlich jetzt schon, dass ich niemals erfahren werde, ob die Zwei in Löffelchenstellung schlafen, wer von den beiden am nächsten Morgen Brötchen holt oder ob Batman beim Zähneputzen (vor und nach dem Frühstück, denn er ist Batman) eine elektrische Bat-Zahnbürste benutzt.
Und das ist eine verdammte Schande.
ZOOM-FAKTOR: 2 von 10!
Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.


Die Hamburger Künstlerin Moki ist manchen sicherlich bekannt durch ihre Beiträge in der Comic-Anthologie Orang oder durch ihr 2006 erschienenes Buch asleep in a foreign place (Kiki Post), für das sie sogar den Sondermann-Preis für den Besten Newcomer bekommen hat.
Aber natürlich ist das nur die Wiedergabe der Rohskizze der Handlung, die letztlich jeder selbst für sich erschließen muss. Mokis schwarz-weiße Bilder sind einfach wunderschön und behaupten ihren Niedlichkeitsfaktor gekonnt durch runde, organische Formen und süße Wesen, deren emotionaler Ausdruck durch die Stille geradezu aufgeladen wird.
Deadpool ist, ähnlich wie DCs Lobo, eine dieser Figuren, die in den richtigen Händen sehr viel Spaß macht und in den falschen Händen völlig unerträglich ist. Und ein Kreativteam bestehend aus dem hochrespektierten Autor David Lapham (Stray Bullets) und dem unverkennbaren Zeichner Kyle Baker (Why I Hate Saturn) sollte doch mindestens vier fähige Hände mitbringen, oder?
Die ersten drei Ausgaben leiden arg darunter, dass Lapham keine Anstalten macht, eine klare Stoßrichtung vorzugeben: Die Geschichten plätschern scheinbar zusammenhanglos vor sich hin, ohne dass ein erkennbares Moment vorhanden wäre. Erst dann legt Lapham in kleinen Portionen den übergeordneten Handlungsbogen offen: Ist Deadpool wirklich ein Agent der Guten oder ein Handlanger des Bösen? Wird er, wie Gaststar Cable behauptet, die Apokalypse auslösen, oder ist Cable – im MAX-Universum gut möglich – einfach nur ein ausgebüchster Irrer, der sich nur einbildet die Zukunft zu kennen?
Kyle Bakers Zeichnungen sind wie immer ein Highlight, übertriebene Gewalt beherrscht er ähnlich gut wie übertriebene Mimik. Seine Darstellung der Araber in der sechsten Ausgabe ist aber mindestens grenzwertig. Sicher, Baker tendiert als Karikaturist zur Überzeichnung, aber hier schlittert er zielsicher über die Grenze zum Rassismus hinweg. Was in einem fünfzig Jahre alten Funnycomic wie Isnogud als akzeptabel gelten mag, das hat im Kontext von Deadpool MAX deutlich andere Wirkung.
Eine junge Frau wird ermordet, ihre Kehle wurde aufgeschlitzt und anschließend vom Täter wieder sauber vernäht. Der für dieses Verbrechen verantwortlich gemachte Mann sitzt bereits in Untersuchungshaft. Nur der Vater des Opfers glaubt nicht an die Schuld des Inhaftierten. Er beauftragt den Expolizisten und Privatdetektiv Giuliano Nero, die Wahrheit hinter dem Vorfall aufzudecken. Schnell tauchen weitere Leichen auf, deren Stichwunden ebenfalls vernäht wurden. Ein Muster, das auf einen noch frei herumlaufenden Serienmörder schließen lässt, einem gefährlichen Psychopathen, der ritualisierend vorgeht.
Im letzten Abschnitt kehrt man wieder mehr zur klassischen Ermittlung zurück und Alex Crippa bringt einen neuen Fall für seine Hauptfigur aufs Tableau, freilich unter einer anderen Prämisse als noch zu Anfang (den Änderungen, die dafür verantwortlich sind, möchte ich an dieser Stelle meiner Ausführungen nicht weiter vorgreifen).
Vor allen Dingen lebt der Band von seinen Geschichten, die voller Tempo und Action sind. Auffälligerweise wird jegliche übertriebene Gewalt vermieden und nur angedeutet oder im Text erwähnt. Dennoch ist der Band spannend und schickt Eisenherz zwischen die Fronten zweier verfeindeter Städte, auf Schatzsuche und lässt ihn gegen eine Piratenarmee antreten. Was ihn aber wirklich mitnimmt, ist die Entführung (wieder einmal) seiner Frau Aleta durch einen bösen Zauberer. Auch Aletas Schwester wird entführt und trägt maßgeblich zu einem Krieg bei. Letzterer Aspekt ermöglicht eine kleine Anspielung auf den Trojanischen Krieg. Zwar löst die Entführung keinen Krieg aus, sorgt aber für Eisenherz‘ Eingreifen. Der Name von Aletas Schwester, Helene, ist ein deutlicher Verweis auf die Helena der griechischen Sage. Der Entführer heißt Ajaxos und erinnert vom Namen her auch an den antiken Helden Ajax. Alle Abenteuer sind kurzweilig und spannend und liefern dem Leser auch manchen Wiedererkennungseffekt. Gerade in den Aspekten, welche die Beziehung zwischen Mann und Frau betreffen, ist der Humor auftrumpfend.

Im ungefähren Format von Frank Millers 






Von Jochen Schmidt und Line Hoven nehme ich Dudenbrooks in die Hand, auch so ein 300-Format. Die Idee des Buches ist ganz witzig: Man nehme sieben Wörter mit dem gleichen Anfangsbuchstaben und bastele daraus eine kurze, sinnvolle Einheit. Man tue das mit jeden Buchstaben des Alphabets, lasse Illustrationen von Line Hoven anfertigen und mache daraus ein Buch. Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Ab und zu flackert beim Lesen Inspiration auf, der Großteil ist jedoch Nonsens, den ich sofort wieder vergesse. Ich frage mich, warum Line Hoven ihre Kunst für so einen Quatsch zur Verfügung stellt.

