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52 mal berührt: Catwoman #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 37 von 52: CATWOMAN #1 von Judd Winick und Guillem March.

catwoman

BJÖRN:alt Der erste große Aufreger dieser Woche: Die Hypersexualisierung von Catwoman. Und tatsächlich: Wir bekommen zwei Seiten lang Großaufnahmen von Catwomans Spitzen-BH präsentiert, ehe Guillem March (der hier einen echt guten Job hinlegt) sich die Mühe macht, ihr Gesicht zu zeigen. Den Vorwurf des billigen Spiels mit dem Tabu müssen sich die Macher gefallen lassen. Wobei Catwoman als Figur in diesem Heft schon mehr bietet als bloß das aufgesexte Püppchen zu geben. Sie ist eine selbstsichere Frau, die weiß, was sie will und es sich nehmen kann.

Das tut sie allerdings in einer Geschichte, die nie richtig in Tritt kommt: Catwomans Wohnung wird in die Luft gejagt. Das sollte der Aufhänger der Geschichte sein, der Motor. Wer tut denn sowas? Und warum? Stattdessen bekommen wir Catwoman getarnt bei der russischen Mafia, wo sie jemandem das Gesicht zerkratzt, der … tja. Was eigentlich? Ein Flashback soll es uns erklären, ist aber nicht eindeutig genug. Er scheint eine Frau vor den Augen von Catwoman erschossen zu haben. Aber wer er ist, wer die Frau ist, warum er nicht im Gefängnis ist? Nichts davon erklärt der Comic.

Und nach dem Gesichtzerkratzen (dessen Funktion im Plot noch nicht ersichtlich ist) taucht Batman auf und es kommt der zweite Aufreger: Batman und Catwoman haben Sex. (Übrigens in einem Penthouse, nicht auf einem Dach.) Wir erfahren: Nicht zum ersten Mal, und Batman will eigentlich gar nicht und ist dann böse, dass er doch jedes Mal nachgibt. Mit dem Sex selbst habe ich kein Problem, aber: Welche Funktion hat diese Szene in der Geschichte? Warum vergeudet Winick fünf Seiten, also ein Viertel des Heftes, auf etwas, das in drei bis vier Panels erzählt werden könnte? Und was soll das letzte Panel? Batman und Catwoman im Akt (die Kostüme bleiben weitgehend an, so wie die Masken in Millers All Star Batman). Das ist nicht schockierend, es ist keine folgerichtige Entwicklung der bisherigen Handlung, es ist auch kein Cliffhanger (außer Winick glaubt, es wäre spannend herauszufinden, wer von den beiden zuerst kommt), es ist gar nichts. Und damit der krönende Abschluss eines weiteren Heftes, das es in der ersten Ausgabe nicht schafft, eine richtige Handlung in Gang zu setzen.

Wenn es aber Winicks Ziel war, mal eine Sexszene zwischen Batman und Catwoman mit marginaler Nacktheit und maximaler Peinlichkeit der Captions zu schreiben, dann Glückwunsch: Mission accomplished.

ZOOM-FAKTOR: 3 von 10!


MARC-OLIVER: Ich stimme Dir in weiten Teilen zu: Catwoman ist ein im Großen und Ganzen kompetent und ab und zu schön gezeichnetes, bisweilen sogar ganz interessantes Heft – ich denke dabei etwa an die Szene, in der Selina Kyle mit ihrer Freundin Lola spricht. Zwischendurch verliert die Geschichte dann leider komplett den Faden. Das Flashback fand ich dabei aber noch recht selbsterklärend. Was wir wissen müssen, ist, dass der Typ bei der Heldin schon sehr lange auf der schwarzen Liste steht, mehr nicht. Zusätzliche Exposition braucht’s da eigentlich nicht. Und dass sie am Ende dieses speziellen Tages körperliche Nähe als emotionalen Ausgleich sucht, ist halt ein gerne genommenes Klischee – siehe High Fidelity, siehe Monster’s Ball, siehe tausend andere Filme.

Natürlich ist die Sexszene am Ende unfreiwillig komisch. Die Aufregung darum verstehe ich aber auch nicht. Dass Superheldencomics – speziell bei DC – mitunter verdammt kuriose Fetischtripps mit manchmal verdammt unheimlichen Vorstellungen von Sexualität sind, von den Gewaltorgien und den Vergewaltigungsfantasien mal ganz abgesehen, ist doch nun nichts Neues. Statt uns tagelang wortreich darüber zu empören und DC für alle möglichen Übel dieser Welt verantwortlich zu machen, lasst uns doch lieber mal eine offene und erwachsene Diskussion über das Thema führen. Warum haben so viele Superhelden-Autoren und -Fans, gerade bei DC, eine so verkorkste, fetischisierte Vorstellung von Sexualität? Und damit meine ich nicht nur peinliche Vögelszenen wie die hier, sondern auch und vor allem Sachen wie die von Geoff Johns oder Identity Crisis.

Darüberhinaus enttäuscht mich der Comic auf einer ganz anderen Ebene. Ich weiß nämlich jetzt schon, dass ich niemals erfahren werde, ob die Zwei in Löffelchenstellung schlafen, wer von den beiden am nächsten Morgen Brötchen holt oder ob Batman beim Zähneputzen (vor und nach dem Frühstück, denn er ist Batman) eine elektrische Bat-Zahnbürste benutzt.

Und das ist eine verdammte Schande.

ZOOM-FAKTOR: 2 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

52 mal berührt: DC Universe Presents #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 36 von 52: DC UNIVERSE PRESENTS #1 von Paul Jenkins und Bernard Chang.

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BJÖRN: DC Universe Presents scheint der Ort im neuen DC-Universum zu sein, an den Miniserien gehen, um zu sterben. Die erste Miniserie stellt, in leicht abgeänderter Form, das Konzept von Deadman nochmal vor: Ermordeter Trapezkünstler muss die Leben anderer Menschen leben und verbessern, um zu sich selbst zu finden und eine Chance auf Erlösung zu haben. Das ist ziemlich Quantum Leap (scheint eine populäre Idee zu sein, in diesem Neustart-Universum), bietet aber einiges an erzählerischen Freiheiten, weil Paul Jenkins den Comic in den sechs Heften in jede beliebige Richtung lenken kann.

Es passiert nicht viel in dieser ersten Ausgabe, die eher daran interessiert ist, die Figur Boston Brands etwas genauer auszuleuchten, der zunehmend Menschen helfen soll, die jene Art von Problemen haben, die sich nicht mit ein paar Maulschellen plus Superhelderei lösen lassen. Und nun fängt Brand an sich zu fragen, ob er überhaupt jemals eine Situation wirklich verbessert hat. Jenkins legt ein sehr tragfähiges Fundament für die nächsten fünf Ausgaben und der Endpunkt des Heftes lässt genug Fragen offen, um mich als Leser zurückzuholen. Ein stellenweise holpriger Start, aber das liegt daran, dass Jenkins erst mal die Figur ausgiebig vorstellen möchte, ehe er den Plot in Bewegung setzt. Besser als Hefte, die beides versäumen. (Supergirl, ich gucke in deine Richtung.)

Zwei Fragen bleiben offen: Warum trägt der verwundete Soldat seinen Helm im Büro seiner Psychologin? (Trauma oder fauler visueller Kompromiss, um ihn sofort als Soldaten zu identifizieren?) Und: Wie passt dieser Deadman zu dem Deadman, den wir in Hawk & Dove gesehen haben? Klar, diese Miniserie kann in der Vergangenheit spielen und Deadman fängt erst später an, Dove zu daten. Aber ich interpretiere das hier als weiteren Hinweis darauf, dass DC keinen Masterplan für sein neues Universum in petto hat.

ZOOM-FAKTOR: 6 von 10!


MARC-OLIVER: Mit den Continuity-Fragen beschäftige ich mich nicht so sehr – solange jede Serie für sich genommen schlüssig ist, ist es mir völlig wurscht, ob der Deadman aus Hawk & Dove zu dem aus DC Universe Presents passt. Der Reiz der Marvel- und DC-Figuren liegt für mich gerade darin, dass sie – wenn man sie lässt – Raum für endlos viele, jeweils komplett unterschiedliche Interpretationen von allen möglichen Autoren und Künstlern bieten.

Davon abgesehen kann ich zwar theoretisch nachvollziehen, warum Du das Heft gut findest, aber in der Praxis kann ich leider noch nichts von dem erkennen, was Dir gefällt. Eine an Quantum Leap angelehnte Serie, in der die Hauptfigur über die Leben und Fehler anderer Menschen einen Zugang zu sich selbst findet (siehe auch Peter Milligans Human Target), erscheint mir nämlich eine hervorragende Idee. Das ist eigentlich genau das, worum es in der Fiktion – der guten jedenfalls – geht: Man bekommt im besten Fall einen Einblick in die Hintergründe menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns in ganz speziellen Situationen, und dadurch lernt man – wenn man Glück hat – auch sich selbst etwas besser kennen.

Jenkins deutet das zwar an, liefert konkret aber leider nur langweiliges Expositionsgewichse mit Nebensträngen, die die Story eher verwässern, als sie zu bereichern. Okay: Boston Brand hat sein Leben verjuchheit und bekommt nun über die Leben anderer Menschen eine Chance auf Wiedergutmachung. Muss man das unbedingt auf 20 nimmerendenwollenden Seiten breitkauen? Eine besondere Geschichte hat Jenkins in der Debütausgabe jedenfalls nicht auf dem Herzen. Das ist hier im Grunde genommen eine reine Theoriestunde wie aus dem dramaturgischen Mittelalter der Silver-Age-Flashbacks, nur weniger charmant.

Bernard Changs Zeichnungen gefallen mir sehr gut. Der Mann ist nun auch schon etwas länger im Geschäft und hat sich stilistisch und handwerklich stark weiterentwickelt. An ihm liegt’s nicht. Aber wenn Jenkins mich hiermit überzeugen will, dass er ein tragfähiges Konzept für Deadman hat, dann hätte er das am ehesten geschafft, indem er mir dieses Konzept in Aktion zeigt. Fängt die eigentliche Geschichte dann im nächsten Heft an? Gut möglich, denn gute Ansätze gibt es. Wiederkommen werde ich nach dieser zermürbenden Vorstellung aber nicht, dafür gibt’s zu viele gute Comics.

ZOOM-FAKTOR: 3 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Wandering Ghost

 

wandering1Die Hamburger Künstlerin Moki ist manchen sicherlich bekannt durch ihre Beiträge in der Comic-Anthologie Orang oder durch ihr 2006 erschienenes Buch asleep in a foreign place (Kiki Post), für das sie sogar den Sondermann-Preis für den Besten Newcomer bekommen hat.

Ihr neues Buch Wandering Ghost knüpft an Altbewährtem an und lässt sich als weiterer Ausdruck einer märchenhaften, stummen Fantasiewelt bezeichnen.

Manchmal möchte man ja gerne in den Kopf des Künstlers gucken, gerade wenn man sich, wie im Fall vom Moki, mit einer allegorisch-surrealen Welt voller Fabelwesen konfrontiert sieht. Welche Intention steckt dahinter? Nun, im vorliegenden Comic möchte man mit ein wenig gutem Willen eine Coming-of-Age-Story entdecken. Die Problematik des Erwachsenwerdens wird erzählt aus der Perspektive eines kleinen, affenartigen Wesens mit großen Kulleraugen und noch größeren Ohren. Nach einer kurzen Reise über Stock und Stein und bis in den Himmel hinauf, erwacht es als großes, hasenartiges Wesen mit buschigem Schwanz. Fortan wird der Große vom Kleinen begleitet, von, wenn man so will, seinem kindlichen Ich in Form eines omnipräsenten Geistes.

wandering2Aber natürlich ist das nur die Wiedergabe der Rohskizze der Handlung, die letztlich jeder selbst für sich erschließen muss. Mokis schwarz-weiße Bilder sind einfach wunderschön und behaupten ihren Niedlichkeitsfaktor gekonnt durch runde, organische Formen und süße Wesen, deren emotionaler Ausdruck durch die Stille geradezu aufgeladen wird.

Vom Rhythmus, von der Art der Zeichnungen und der wortlosen Geschichte erinnert das Werk an Tommi Musturis Unterwegs mit Samuel (Reprodukt), nur ohne Farbe und mit Niedlichkeit anstelle von überbordendem Surrealismus. Grafisch ist Moki zudem etwas dezenter, aber nicht weniger anspruchsvoll.

Dem Band ist übrigens ein eigens geklammertes und herausnehmbares Extraheft beigefügt, welches einige ganzseitige Illustrationen der Figuren und Landschaften von Wandering Ghost beinhaltet. Dort gibt es sogar ein paar Farben zu sehen, auch wenn sich die Auswahl auf verschiedene Brauntöne beschränkt.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Bezaubernder Comic, der ohne Worte wirkt

 

Wandering Ghost
Reprodukt, April 2011

Story und Zeichnungen: Moki
88 Seiten, schwarz-weiß & farbig, Softcover
Preis: 16 Euro
ISBN: 978-3-941099-79-1
Leseprobe

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Abbildungen: © Moki / Reprodukt

52 mal berührt: Supergirl #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 35 von 52: SUPERGIRL #1 von Michael Green, Mike Johnson und Mahmud Asrar.

supergirl

BJÖRN: Wenn du schon Demon Knights für übermäßig langsam hälst, wie muss dann erst deine Reaktion auf Supergirl aussehen?

Das hier ist ein Heft in dem wirklich nichts – aber auch gar nichts! – passiert, das dafür aber über 20 Seiten mit vielen großen Panels: Supergirl landet auf der Erde, prügelt sich mit Männern in Robo-Anzügen und dann taucht Superman auf. Scheint, den Erstausgaben zufolge, seine Hauptaufgabe zu sein: Grüßgott-August des neuen DCU. In den alten Tagen hätte man so etwas auf drei Seiten erzählt, heute braucht man ein ganzes Heft, um ein Skript von maximal zwei DIN-A4-Seiten umzusetzen. Spannung gibt es auch keine, weil klar ist, wo Supergirl sich befindet, und eine echte Geschichte kommt vielleicht im nächsten Heft. Oder man versucht da, ein einziges Panel mal auf Heftlänge zu strecken. Man will ja nichts überstürzen.

Schade eigentlich, denn die Zeichnungen von Mahmud Asrar sind echt hübsch und die Actionszene flutscht. Nur dass auf der Handlungsebene eben gar nichts passiert.

Habe ich zumindest noch die Zeit anzumerken, dass Supergirl mit dieser aufgebappten Unterwäsche das bisher groteskeste der neu entworfenen Kostüme abgekriegt hat. Vor allem, wenn das wirklich hautfarbene Hosen sein sollen, die sie da trägt. Hm. Vielleicht ist das das große Mysterium der Serie: Hautfarben oder beinfrei? Oder vielleicht, wie der Rest des Heftes, völlig egal.

ZOOM-FAKTOR: 2 von 10!


MARC-OLIVER: Die ersten drei Seiten des Hefts finde ich super. Wunderschön gezeichnet – und vor allem koloriert von Dave McCaig – und ein astreiner Spannungsaufbau. Da freut man sich dann richtig auf die Story – und wird enttäuscht. Das Problem finde ich dabei aber gar nicht, dass nichts passiert, sondern eher, dass dieses „Nichts“ nicht halb so gut aussieht oder so gut erzählt ist wie eben diese ersten drei Seiten.

Der Unterschied ist so krass, dass ich nochmal nachschauen musste, ob vielleicht zwei verschiedene Zeichner oder auch Koloristen an der Ausgabe beteiligt waren. Aber Fehlanzeige. Es sieht aus, als hätten Asrar und McCaig mit jeder Seite weniger Lust oder Zeit gehabt für das Heft, vielleicht auch beides. Man kann durchaus ganze Ausgaben mit Kampfszenen füllen, aber die müssen dann mehr können als einfach nur „kompetent“ zu sein. Tun sie hier leider nicht. Im Gegenteil: Das wird optisch alles zunehmend unspektakulärer mit fast jeder Seite.

Die Orientierungslosigkeit der Figur vermittelt die Geschichte hingegen recht effizient mit einigen wenigen, wohlplazierten Andeutungen, die meine Neugier als Leser geweckt haben. Und dass Superman auftaucht, hat mich auch nicht gestört – wenn man schon akzeptiert, dass es eine Serie mit Supergirl als Hauptfigur gibt, dann bietet sich das ja an.

Das neue Kostüm der Figur ist mir allerdings auch aufgefallen. Scheint so eine Art Höschen-Fetisch-Ding zu sein. Ist zwar originell für eine Superheldenserie, find ich generell aber eher … creepy.

Womit wir summa summarum unterm dicken Strich so etwa bei 08/15 gelandet wären.

ZOOM-FAKTOR: 5 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Deadpool MAX: Nutjob (US)

Cover Deadpool Max: NutjobDeadpool ist, ähnlich wie DCs Lobo, eine dieser Figuren, die in den richtigen Händen sehr viel Spaß macht und in den falschen Händen völlig unerträglich ist. Und ein Kreativteam bestehend aus dem hochrespektierten Autor David Lapham (Stray Bullets) und dem unverkennbaren Zeichner Kyle Baker (Why I Hate Saturn) sollte doch mindestens vier fähige Hände mitbringen, oder?

Nach diesem Tradepaperback, bestehend aus den ersten sechs von zwölf Ausgaben, bin ich da nicht mehr so ganz sicher. Die erste Frage, die Mr. Lapham selbst im Nachwort der dritten Ausgabe anreißt, ist welchen Grund es überhaupt gibt, eine MAX-Version von Deadpool zu erschaffen. Die MAX-Version des Punishers konnte immerhin darauf verweisen, dass die Aktionen des Bestrafers in einem realistischen Universum ohne Superhelden eine ganz andere Wirkung entfalten. Ähnlich auch die MAX-Version von Powerman, die Brian Azzarello schrieb.

Aber gleich die erste Geschichte, in der Hammerhead (einer von Spider-Mans Erzfeinden) einem seiner Handlanger mit einem gezielten Headbutt den Kopf platzen lässt, verdeutlicht, dass dies nicht Laphams Absicht ist. Diesen Blickwinkel wählen eher Mike Benson und Adam Glass in Deadpool Pulp.

Deadpool MAX wirkt zunächst wirklich so, als könnte das hier auch ein ganz normaler Deadpool-Comic sein, nur dass Lapham jetzt Fäkalhumor und Titten, sowie ein paar Vergewaltigungswitzchen ins Heft bringen darf. Die Gewalt selbst ist immerhin nur marginal härter als das, was im normalen Marvel-Universum akzeptabel ist, besonders da sie durch Bakers cartoonige Linienführung einen gewissen Tom-&-Jerry-Effekt erhält. Deadpool als Figur erscheint bisher hingegen erstaunlich zurückgenommen. Kein Durchbrechen der vierten Wand, kaum saloppe Sprüche, keine Popkulturreferenzen. Und in mehreren Ausgaben ist Deadpool nicht einmal der Fokuspunkt für den Leser. Ich bin mir nicht sicher, ob Lapham wirklich der passende Autor für Deadpool ist.

Seite aus Deadpool Max: NutjobDie ersten drei Ausgaben leiden arg darunter, dass Lapham keine Anstalten macht, eine klare Stoßrichtung vorzugeben: Die Geschichten plätschern scheinbar zusammenhanglos vor sich hin, ohne dass ein erkennbares Moment vorhanden wäre. Erst dann legt Lapham in kleinen Portionen den übergeordneten Handlungsbogen offen: Ist Deadpool wirklich ein Agent der Guten oder ein Handlanger des Bösen? Wird er, wie Gaststar Cable behauptet, die Apokalypse auslösen, oder ist Cable – im MAX-Universum gut möglich – einfach nur ein ausgebüchster Irrer, der sich nur einbildet die Zukunft zu kennen?

In der Gesamtheit stellt Deadpool MAX einen seltsamen Mischmasch aus verschiedenen Tonfällen dar, der sich in Ausgabe 3 besonders herauskristallisiert: Einerseits gibt es eine völlig überzeichnete Actionszene inklusive einer Lack-und-Leder-Nazibraut, in der Lapham mal kurz Howard Chaykin zu kanalisieren scheint, auf der anderen Seite ist der Weg dahin eine völlig humorlose Betrachtung des Antisemitismus in den USA der letzten hundert Jahre. Und die Fäkal- und Vergewaltigungswitze (die laut Internationalem Humorgerichtshof lustig sind, weil hier Männer von anderen Männern vergewaltigt werden) lassen den ernsthaften Beginn der dritten Geschichte ebenfalls völlig deplatziert wirken und erinnern eher an Garth Ennis, wenn er keine Lust hat sich Mühe zu geben und nur billige Schockmomente runterleiert.

Seite aus Deadpool Max: NutjobKyle Bakers Zeichnungen sind wie immer ein Highlight, übertriebene Gewalt beherrscht er ähnlich gut wie übertriebene Mimik. Seine Darstellung der Araber in der sechsten Ausgabe ist aber mindestens grenzwertig. Sicher, Baker tendiert als Karikaturist zur Überzeichnung, aber hier schlittert er zielsicher über die Grenze zum Rassismus hinweg. Was in einem fünfzig Jahre alten Funnycomic wie Isnogud als akzeptabel gelten mag, das hat im Kontext von Deadpool MAX deutlich andere Wirkung.

Da Lapham in den Ausgaben 4 bis 6 so langsam Tritt findet, besteht die Hoffnung, dass Deadpool MAX in den letzten sechs Ausgaben noch eine gute Agentengeschichte wird, die den scheinbar unnötigen ersten drei Ausgaben rückwirkend einen erkennbaren Sinn gibt. Aber bisher spielen Lapham und Baker hier deutlich unter ihren Verhältnissen mit einer Figur, mit der sie nicht so Recht warm zu werden scheinen. Ich frage mich wirklich, ob diese Geschichte vielleicht ohne Deadpool und die damit verbundenen Erwartungen besser funktionieren würde.


Wertung5 von 10 Punkten 

Seltsamer Mischmasch, der sowohl unter den Möglichkeiten des Kreativteams als auch denen der Hauptfigur bleibt


Deadpool MAX: Nutjob
Marvel Comics, Juni 2011

Text: David Lapham
Zeichnungen: Kyle Baker
144 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,99 US-Dollar
ISBN: 978-0785148500

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Abbildungen: © Marvel Comics

Nero

nero1Eine junge Frau wird ermordet, ihre Kehle wurde aufgeschlitzt und anschließend vom Täter wieder sauber vernäht. Der für dieses Verbrechen verantwortlich gemachte Mann sitzt bereits in Untersuchungshaft. Nur der Vater des Opfers glaubt nicht an die Schuld des Inhaftierten. Er beauftragt den Expolizisten und Privatdetektiv Giuliano Nero, die Wahrheit hinter dem Vorfall aufzudecken. Schnell tauchen weitere Leichen auf, deren Stichwunden ebenfalls vernäht wurden. Ein Muster, das auf einen noch frei herumlaufenden Serienmörder schließen lässt, einem gefährlichen Psychopathen, der ritualisierend vorgeht.

Bis hierhin schreibt Szenarist Alex Crippa einen klassischen Thriller: Nero folgt Spuren, befragt Menschen und kommt dem Täter gefährlich nahe. Das liest sich zwar als Comicerzählung nicht schlecht, aber mehr als jedem x-beliebig ähnlich gestrickten Kriminalfall in einem frei zu wählenden Medium möchte ich Crippas Version nicht zugestehen.

Die Handlung dreht sich im zweiten abgedruckten Teil (von insgesamt drei Original-Alben in diesem All-in-One-Band), fortan bauen die Geschehnisse lose auf dem zuvor geschilderten Fall auf, erweitert wird das Ganze jedoch zu einem Psychothriller. Im Zentrum steht dann die Psyche von Giuliano Nero, der, ausgelöst durch das Trauma der ersten Story, als verzweifelter, besessener Einzelgänger charakterisiert wird.

Seite aus NeroIm letzten Abschnitt kehrt man wieder mehr zur klassischen Ermittlung zurück und Alex Crippa bringt einen neuen Fall für seine Hauptfigur aufs Tableau, freilich unter einer anderen Prämisse als noch zu Anfang (den Änderungen, die dafür verantwortlich sind, möchte ich an dieser Stelle meiner Ausführungen nicht weiter vorgreifen).

Sieht man sich Nero in seiner Gesamtheit an, würde ich die Arbeit als wenig inspirierten Thriller bezeichnen, dem man zwei nicht wirklich geglückte Fortsetzungen folgen ließ. Wo die erste Geschichte zumindest solide Kost ist, verläuft sich der Rest in einer wenig überzeugenden Fokussierung auf den weitestgehend profilbefreiten Privatdetektiv.

Wenn man sich die über 170 Seiten spart (und die immerhin fast 40 Euro), verpasst man nichts. Richtig gute Krimis findet man andernorts zuhauf. Immerhin die Bilder von Andrea Mutti sind aus meiner Sicht nicht zu kritisieren und könnten für den ein oder anderen Leser beim Durchblättern im Laden ein Kaufanreiz sein. Seine mattierten Zeichnungen sind eher zurückhaltend, überzeugen aber durchaus im Ausdrucksverhalten der Personen und in der Darstellung der Hintergründe.

 

Wertung4 von 10 Punkten  

Höchstens als leichte Unterhaltung zwischendurch für Thriller-Fans zu empfehlen

 

Nero
Ehapa Comic Collection, Juli 2011
Text: Alex Crippa
Zeichnungen: Andrea Mutti
176 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 39,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3449-7
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection

52 mal berührt: Nightwing #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 34 von 52: NIGHTWING #1 von Kyle Higgins und Eddy Barrows.

nightwing
altMARC-OLIVER: Es wird oft verkannt, dass ein großer Teil der „Kunst“ beim Geschichtenerzählen einfach nur harte Knochenarbeit ist. Ideen, Talent, Inspiration – alles wichtig, sicher. Aber schlussendlich kommt’s darauf an, ob man den Willen und das Durchhaltevermögen hat, sich auf seinen Arsch zu setzen und daraus eine Geschichte zu basteln, die funktioniert, fesselt, neue Wege geht und sowohl den Verstand als auch das „Herz“ des Lesers gewinnen kann. Das ist kein Zufall, nicht einem göttlichen Geistesblitz geschuldet, sondern einfach eine Frage von Disziplin und Zielstrebigkeit.

Das bedeutet, kurz und knapp, dass ein Autor, der etwas auf sich hält, immer die originellst mögliche Lösung anstrebt – nie den Weg des geringsten Widerstands geht, sondern sich möglichst viele Elemente seiner Geschichte möglichst neu ausdenkt.

Kyle Higgins geht leider meistens den Weg des geringsten Widerstands. Will er auf die Befindlichkeit seiner Hauptfigur eingehen, kaut er alles haarklein in Monologboxen durch und spuckt es dem Leser vor die Füße. Will er zeigen, dass sein Schurke ein richtig schlimmer Finger ist, lässt er ihn von zwei Typen anmachen, die zufällig rumstehen und ihn anpöbeln, und die er dann auseinandernehmen kann – und die, wie originell, zwei möglicherweise kriminelle, möglicherweise Drogen rauchende Schwarze sind. Und der Schurke selbst ist übrigens ein Killer, der’s auf den Helden abgesehen hat, und er kommt extra dafür mit dem Bus an. Warum den Kopf anstrengen, wenn doch alles so einfach gehen kann?

Higgins‘ Umgang mit Genre-Standards ist leider auch nicht besonders überzeugend. Dass in Superheldencomics die Menschen etwa zu blöd sind um zu merken, dass Clark Kent in Wahrheit Superman ist, das verkraftet die sogenannte „Suspendierung des Unglaubens“ eines Lesers in der Regel so lange, wie man ihn nicht mit der Nase darauf stößt. Wenn hier nun Dick Grayson von einem vermeintlich brandgefährlichen Profikiller ausfindig gemacht, verfolgt und angegriffen wird, der dann nicht imstande ist zu merken, dass er es binnen ein, zwei Minuten mit ein und derselben Person zu tun hat, bloß, weil die sich eine winzige Maske ins Gesicht geklebt hat, dann ist das definitiv zu viel des Guten.

Mit Eddy Barrows ist es wie mit vielen anderen der derzeitigen DC-Zeichner: Er versteht sein Handwerk recht gut und setzt die Story gefällig in Szene, bleibt dabei stilistisch aber sehr beliebig.

ZOOM-FAKTOR: 3 von 10!


BJÖRN: Ich merke inzwischen, dass wir gerade in der „kompetenten Mittelklasse“ in unseren Bewertungen auseinanderdriften. Denn nichts anderes ist Nightwing: Kompetente Mittelklasse mit allen Stärken und Schwächen des Superheldengenres.

Da sind die geschwürhaft wuchernden Captions, die uns jede Kleinigkeit erzählen müssen. Da ist der von dir erwähnte Moment, in dem der Superschurke nicht merkt, dass Dick Grayson sich nur eine Maske ins Gesicht pappt. Da ist der Umstand, dass man es wieder mal auf 20 Seiten nicht schafft, ein Konzept erkennbar werden zu lassen oder einen größeren Angelhaken auszuwerfen als „dieser Schurke könnte Nightwing töten“. Und da ist auch eine gewisse visuelle Belanglosigkeit. Der Schuft sieht schon arg nach der Hauptfigur aus Wanted mit grünem Anstrich aus, während Nightwings neues Kostüm mehr als dezente Anleihen beim Kostüm aus Batman Beyond betreibt.

Aber auf der anderen Seite gelingt es Kyle Higgins, mir die Figur Dick Grayson und seine Motivation nahe zu bringen, er schafft es, die Continuity einzubinden, ohne – wie die Legion-Titel – den Leser völlig zu damit zu strangulieren, er bringt die (vermute ich mal) neuen Nebenfiguren im Heft unter und hat trotzdem noch Raum für zwei ordentliche Actionszenen, bei der ich die erste (eine Prügelei in einer fahrenden S-Bahn) wirklich schick und energisch umgesetzt fand. Nightwing ist ganz dicht dran am Prototyp der Superheldengeschichte, die jeden Monat etwas Abenteuer in Heftform bringen will. Ich selbst habe zwar kein Interesse daran, aber wenn man so etwas sucht, dann findet man in Higgins‘ und Barrows‘ Nightwing einen Comic, der alle richtigen Knöpfe drückt.

ZOOM-FAKTOR: 5 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Prinz Eisenherz: Foster & Murphy-Jahre 3 – 1975/1976

Cover Prinz Eisenherz – Die Foster & Murphy-Jahre 3

Während die reguläre Prinz Eisenherz-Gesamtausgabe mit den Arbeiten von Hal Foster im Bocola-Verlag schon bei Band 15 von 18 angekommen ist, erscheint nun der dritte Band mit den Comics der nachfolgenden Ära, in der Foster mit  John Cullen Murphy zusammenarbeitete. Hal Foster hatte seine Schöpfung 34 Jahre lang Woche für Woche im Alleingang erzählt und gezeichnet. Mit 78 Jahren überließ er seine Geschichte dann seinem selbst auserkorenen Nachfolger John Cullen Murphy. Anfangs zeichnete Foster jedoch noch selber die Skizzen und lieferte den Text für Murphy. Dementsprechend wird diese Phase auch die „Foster & Murphy-Jahre“ genannt. Bocola veröffentlicht die in diesem Zeitraum entstandenen Bände in fünf Teilen in der üblichen Reproduktion. Später führte John Cullen Murphy die Serie alleine weiter, ab 1979 war er allein für die Zeichnungen zuständig, wurde aber von seinem Sohn (Text) und seiner Tochter (Kolorierung und Lettering) unterstützt. Bis 2004 arbeitete Murphy an der Serie, bis er sie an das neue Team Gary Gianni und Mark Schultz abgab. Ironischerweise nur einige Monate vor seinem Tod.

Dem vorliegenden Band merkt man noch deutlich die Einflussnahme von Foster an. So lieferte Foster die detaillierten Skizzen, überließ es aber Murphy, sie in Reinform zu bringen und damit seinen Stil auszuarbeiten. Eisenherz ist auf dem gewohnt hohen Niveau, zeigt aber schon Änderungen zur bisherigen Veröffentlichung. So sind manche Panels deutlich größer als bisher gewohnt, was mit dem damals kleiner werdenden Zeitungsformat zu tun hat. Dementsprechend sind auch die Hintergründe um einiges weniger ausgestaltet, als es Foster noch selber getan hat. Oftmals wird darauf sogar völlig verzichtet. Die Kolorierung ist auch lange nicht mehr so gut, sondern manchmal schon fahrlässig bis schlampig durchgeführt. Konturen werden verwischt und manchmal ist sie so flächig, das kaum etwas erkennbar ist. Bei den Figuren aber kann Murphy das Niveau von Foster durchweg halten, macht die Charaktere jedoch auch etwas kantiger. Der Konservatismus ist auch beibehalten: Die Edlen sind schon von der Haltung her erkennbar und die Schurken nicht nur unrasiert, sondern haben auch einen verschlagenen Blick, eine geduckte Körperhaltung und sind schlecht gekleidet. Arme Leute wirken manchmal wie Neandertaler, was nicht ihrem Wesen entsprechen muss, aber Eisenherz feiert generell ja die klassischen Rittertugenden. Und diese Sehnsucht nach den Tugenden lässt dann auch die Edelleute verklären. Arme Leute wurden schließlich keine Ritter.

Seite aus Prinz Eisenherz – Die Foster & Murphy-Jahre 3Vor allen Dingen lebt der Band von seinen Geschichten, die voller Tempo und Action sind. Auffälligerweise wird jegliche übertriebene Gewalt vermieden und nur angedeutet oder im Text erwähnt. Dennoch ist der Band spannend und schickt Eisenherz zwischen die Fronten zweier verfeindeter Städte, auf Schatzsuche und lässt ihn gegen eine Piratenarmee antreten. Was ihn aber wirklich mitnimmt, ist die Entführung (wieder einmal) seiner Frau Aleta durch einen bösen Zauberer. Auch Aletas Schwester wird entführt und trägt maßgeblich zu einem Krieg bei. Letzterer Aspekt ermöglicht eine kleine Anspielung auf den Trojanischen Krieg. Zwar löst die Entführung keinen Krieg aus, sorgt aber für Eisenherz‘ Eingreifen. Der Name von Aletas Schwester, Helene, ist ein deutlicher Verweis auf die Helena der griechischen Sage. Der Entführer heißt Ajaxos und erinnert vom Namen her auch an den antiken Helden Ajax. Alle Abenteuer sind kurzweilig und spannend und liefern dem Leser auch manchen Wiedererkennungseffekt. Gerade in den Aspekten, welche die Beziehung zwischen Mann und Frau betreffen, ist der Humor auftrumpfend.

Auffällig oft arbeitet Foster mit Zwillingspärchen. So steht hier eines stellvertretend für den ersten Mord der Geschichte, welcher auch ein Brudermord war: Kain und Abel. Die Konsequenzen werden hier aber eher vernachlässigt. Warum Foster so oft Zwillinge einbringt, die Töchter von Eisenherz sind ja auch Zwillinge, wäre eine Untersuchung wert.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Spannende und kurzweilige Abenteuer wie gewohnt, mit deutlichen Verschiebungen im zeichnerischen Stil

 

Prinz Eisenherz 3: Jahrgang 1975/1976
Bocola Verlag, August 2011
Text und Zeichnungen: Hal Foster und John Cullen Murphy
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,90 Euro

ISBN: 978-3-939625-24-7 

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Bocola Verlag

52 mal berührt: Legion of Super-Heroes #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 33 von 52: LEGION OF SUPER-HEROES #1 von Paul Levitz und Francis Portela.

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MARC-OLIVER: Ach du dickes Ei. Dieses Heft liest sich, ohne übertreiben zu wollen, wie eine giftige Trotzreaktion auf die Idee, das DC-Universum durch einen Neustart vielleicht etwas einstiegsfreundlicher zu machen. DC-Urgestein Paul Levitz hat sich, so wird gemunkelt, seine weitere Tätigkeit als Autor für DC bei seinem letztjährigen Abgang als Verlagsmanager in den Auflösungsvertrag schreiben lassen. Und hier wirft er – nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich – dem Leser alle drei, vier Seiten eine ganze Gruppe neuer Figuren an den Kopf und tut dabei so, als wäre die bloße, enzyklopädische Aufzählung diversen Trivialwissens gleichbedeutend mit Charakterisierung. Es werden jeweils Name, Alias, „Heimatwelt“ und Fähigkeiten in einem entsprechenden Infokästchen aufgelistet – insgesamt 14 mal im 20-Seiten-Comic, womit noch nichtmal alle Hauptfiguren abgedeckt werden.

Der Comic – es geht um eine „Legion“ der Superhelden in ferner Zukunft, die das Universum beschützen und hier irgendwelche Missionen erfüllen – gehört zu der zum Glück auch bei DC seltener werdenden Spezies von Serien, die glauben, ihre Figuren seien schon alleine wegen der in der Vergangenheit angehäuften Geschichten so eindrucksvoll und ehrfurchtgebietend, dass es keiner weiteren Anstrengungen seitens der Kreativen bedarf, um einen Leser in Verzückung zu versetzen. Das lassen auch die Zeichnungen von Francis Portela vermuten, die durschnittlich gekonnt sind und sich stilistisch irgendwo zwischen Dave Cockrum, George Pérez und John Byrne anno 1979 orientieren.

Schön, es mag auch heute noch möglich sein, ein paar tausend Fans zu finden, die an so etwas ihren Spaß finden und von der geradezu mutwilligen Verschlossenheit gegenüber „nicht Eingeweihten“ eher heiß gemacht als abgestoßen werden. Einen Neustart braucht man für diese Zielgruppe aber nicht anzuzetteln. Zu allem Übel tritt hier auch noch die Figur mit dem Purpur-Umhang in den Vordergrund, mit der DC zur Sicherheit schonmal vorab den Glauben an die langfristige Eigenständigkeit sämtlicher 52 Serien torpediert hat.

ZOOM-FAKTOR: 2 von 10!


BJÖRN: Legion of Super-Heroes ist endlich mal etwas anderes: Während sich ein ganzer Schwung neuer Serien anfühlt, als wären die 1990er zurück, stellt Paul Levitz sicher, dass einem beim Lesen Schlaghosen und Plateauschuhe wachsen, dermaßen 1970er ist sein Comic sowohl in Zeichnungen als auch in den Dialogen.

Am Anfang dachte ich: Okay, Name und Kräfte der Figuren per Kasten einzuführen ist etwas holprig, aber immer noch besser als damit die Dialoge vollzustopfen. Und dann tauchen gefühlte 200 Figuren auf, von denen gefühlt ein Viertel so einen Kasten verpasst bekommt. Das nutzt Levitz hoffentlich in jeder Ausgabe, wie sonst soll ich mir merken, wer jetzt dieser eine Kerl mit dem einem Satz auf dieser einen Seite war?

„Ha! Ertappt“, wird Paul Levitz jetzt rufen. „Du Banause bist ja gar kein Legion-Leser, wenn du nicht sofort weißt, dass Thom Kallor von Xanthu das Gewicht von Dingen erhöhen kann! Und jetzt schleich dich zurück zu deinen neumodischen Post-Crisis-Comics! Du Haderlump!“

Zumindest kommt mir die ganze Ausgabe so vor, als wenn mir das Levitz deutlich machen will. Auf den ersten Seiten dachte ich nämlich auch noch: Okay, mal wieder Rückgriff auf frühere Continuity, die ich nicht verstehe. Aber insgesamt längst nicht so schlimm wie in Legion Lost. Und dann kommt Referenz um Referenz auf Hefte, die ich nie gelesen habe. Flashpoint und ein verlorener Green-Lantern-Ring, gestorbene Legionäre und begangene Fehler. Nichts wird erklärt, alles wird als gegeben vorausgesetzt. Und am Ende bricht irgendwer durch eine Wand und Chamäleonkerl fragt erstaunt: „Ein Daxamit?“ Was sicher total packend wäre, wenn ich den Hauch einer Ahnung hätte, was ein Daxamit ist. Gut, für solche Feinheiten oder das Gefühl, dass die Geschichte irgendwohin steuert, hat Levitz keine Zeit, weil er auf jeder Seite acht neue Figuren präsentieren muss.

Ich nehme es Levitz nicht einmal übel: Der Mann ist seit fast 35 Jahren immer mal wieder in Legion-Geschichten verstrickt, da muss man auf die alten Tage nicht was völlig Neues anfangen. Und wenn ich die Dialoge richtig verstehe, dann spielt seine Legion weiterhin im alten Universum, nicht im Relaunch-DCU. Nur: In dem Fall sollte die DC nicht die Frechheit besitzen, eine Nummer 1 auf ein Heft zu pappen, das einfach da weitermacht, wo man vor dem Neustart aufgehört hat. Bei DC Universe Online Legends ging das ja auch. Ich könnte mich natürlich, wie das einige Fans sicher vorschlagen werden, erst mal per Wikipedia in die Legion-Geschichte seit 1977 einlesen. Aber wenn man Hausaufgaben machen muss, um eine Nummer 1 zu verstehen, dann läuft da etwas grundfalsch.

In dieser Form ist Legion of Super-Heroes schlicht Verarsche des zahlenden Publikums.

ZOOM-FAKTOR: 0 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Frankfurter Buchmesse: Faszination Comic 2011

Der Manhwa-Gemeinschaftsstand auf der Frankfurter Buchmesse 2011

Frankfurt. Buchmesse. Ich schlendere am Donnerstag durch Halle 3 und Halle 4, stöbere, lese hier und da, abwartend, was mir so in die Finger kommt. Es ist angenehm, die großen Massen kommen wohl erst am Wochenende.

Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander KiellandIm ungefähren Format von Frank Millers 300 schwuppt mir am Carlsen-Stand Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland in die Hände. Beim ersten und zweiten Durchblättern grafisch beeindruckend. Noir. Zeichner Vincent Burmeister kommt von der Alligator Farm, der kann was, ohne Frage. Die Handlung hingegen … Puh. Um eine unzureichend motivierte, psychopathische Hauptfigur häkelt sich eine stotternd erzählte Dreiecksgeschichte, so kurz und gradlinig wie ein IKEA-Bleistift. Die Sätze schaffen es nur selten über eine Länge von sieben Worten hinaus. Insbesondere den folgenden hätte irgendein fähiger Redakteur unbedingt tilgen sollen: „Sie war sehr schön.“ Geht gar nicht. Alexander Kielland, ein weiteres Exemplar der Schublade: „Geil gezeichnet, kacke erzählt.“

Ähnlichkeiten zwischen Comiccover: Macbeth und 100 Bullets

Ich schlendere weiter und sehe mich um. Plötzlich fällt mir auf, wie eigenartig es ist, auf der Frankfurter Buchmesse zu sein und man hat auf den Gängen Platz. Am Stand von Campfire wirkt ein Cover aus der Ferne wie der erste Band von 100 Bullets. Mal gucken. Indisch. Erster Eindruck: Sieht alles aus wie US-Comics, TPBs, irgendwie superheldisch. Ich nehme wahllos einen Band vom Regal, bei dem mir das Cover gefällt, und fange an zu blättern.

Ein indischer Comic: Ravana – Roar of the Demon King

Ravana – Roar of the Demon King. Könnte vom Titel her auch eine Erweiterung von Magic – The Gathering sein. Wie ich im Innenteil erfahre, handelt es sich um eine Geschichte aus der indischen Mythologie; um einen Menschen, der zum Gottkönig wird, zum Dämon, was weiß denn ich. Nicht schlecht gezeichnet, könnte auch ein aktuelles Conan-Heft sein. Irgendwie zieht es mich aber nicht rein. Was mir am meisten Spaß macht, sind bestimmte Details, die mir die ganze Sache irgendwie sympathisch machen. Vorne, auf dem Innencover, steht „This book belongs to:“ und danach eine Linie, auf der man als stolzer Besitzer seinen Namen eintragen soll. Habe ich so bei Comics auch noch nicht gesehen, jedenfalls in keinem Conan-Heft. Auf derselben Seite, auch schön, das so genannte Mission Statement: „…to recount stories of human values…“ Huch! Eine Moral-Keule?! Neben Ravana stehen beispielsweise Comics über Oliver Twist, Nelson Mandela, Macbeth, Moby Dick usw. usf. Zusammengefasst: uralte Geschichten, schick gezeichnet, moralapostolisch gekrönt und geadelt. Eigentlich ja das altbewährte Prinzip der illustrierten Klassiker … Bitte weitergehen.

 

Einer der Manhwas auf der Frankfurter Buchmesse 2011: Milkyway Hitchhiking

Ich schlendere weiter und sehe mich um. Plötzlich fällt mir auf, wie eigenartig es ist, auf der Frankfurter Buchmesse zu sein und es regnet nicht. Bei Daewon C.I. Inc., einem Manhwa-Gemeinschaftsstand, setze ich mich hin, weil hier nicht viel los ist und bequem aussehende Sitzwürfel rumstehen. Ich beginne zu blättern, in Milkyway Hitchhiking. Sieht fein aus, ziemlich süß und girly, dünne Outlines, viel Weiß, sehr sanfte, ausgewogene Kolo. Das Buch ist auf Koreanisch, ich verstehe nix, aber offenbar geht es um eine oder um mehrere Katzen. Auf dem Cover klebt die englische Zusammenfassung. Die Katze heißt Milkyway und besucht in jeder Episode eine andere Person. Jede Person ist besonders von einem Gefühl geprägt, zum Beispiel von Wut, Trauer, Hass oder Liebe. Das Gefühl von Girlyness verdichtet sich.

 

Paranoid Kid von Jung YumiTipp: Paranoid Kid von Jung Yumi

Am selben Stand stoße ich auf eines meiner persönlichen Highlights der Buchmesse: Paranoid Kid. Klein, schwarz-weiß, eher unscheinbar, beim genaueren Ansehen jedoch intensiv. Die Künstlerin heißt Jung Yumi und wurde 1981 in Korea geboren. Das Prinzip des Buches ist simpel und leicht zu durchschauen. Auf der linken Seite steht Text, auf der rechten befindet sich ein Selbstportrait der Künstlerin. Beides bildet eine Einheit. Die Arbeiten stammen aus einer Zeit, als sie Anfang Zwanzig war. Sie zeichnete in der Nacht, wenn sie sich einsam fühlte. Sie möchte trösten. Die Arbeiten machen einen ganz merkwürdigen, sanften Eindruck auf mich, irgendwie meditativ. Jung Yumi begibt sich auf die Suche nach der eigenen Identität. Teilweise fühlt sich das surreal an, teilweise konsumkritisch, immer jedoch leicht und unaufdringlich, von einer eleganten Schlichtheit. Eine Doppelseite gefällt mir besonders gut. Da steht geschrieben: „Stay still. | Stay quiet. | Calm. | Concentrate | on what’s important.“ Daneben sieht man die Künstlerin, die eine Waage auf dem Kopf balanciert. Jung Yumi ist Animationskünstlerin. In Europa wurden ihre Arbeiten bereits in Cannes, auf dem Berliner Film Festival und auf Arte gezeigt.

 

http://www.cultureplatform.com/store/books.html

http://www.youtube.com/watch?v=MHHMtQ8lK5I

Eins der diesjährigen Highlights: Habibi von Craig Thompson

Andreas Platthaus (links) im Gespräch mit Craig Thompson (rechts)

Ich schlendere weiter und sehe mich um. Plötzlich fällt mir auf, wie eigenartig es ist, auf der Frankfurter Buchmesse zu sein und der Zwerchfell Verlag ist nicht da. Ich gehe weiter und sehe ein Buch, über das man reden wird, in den Feuilletons, auf der Buchmesse: Habibi von Craig Thompson. Nach seinem erfolgreichen Debüt Blankets hat er es endlich geschafft, ein zweites Buch vorzulegen. Thompson ist persönlich auf der Buchmesse erschienen und stellt sich einem Gespräch mit Andreas Platthaus. Es gibt großen Applaus, als beide die Bühne betreten. Platthaus wirkt ein wenig aufgeregt. Craig Thompson wirkt schmal, fein und konzentriert. Natürlich wird viel verglichen. Im Gegensatz zu Blankets ist Habibi nicht sehr linear, sagt Thompson. Blankets war eine minimalistische Geschichte, Habibi ist eine Kollage. Ihr liegt die Struktur einer 3 x 3 Matrix zugrunde. „Klingt kompliziert, aber lesen sie das Buch, sie werden schon sehen…“ Angefangen hat er mit Habibi im Januar 2004. Herausgekommen ist ein unglaublich dicker Wälzer, fast 680 Seiten, im Fachjargon ein „Backstein“. Zuerst wollte Thompson sich dem Genre von 1001 Nacht nähern, dann vergrößerte er den Rahmen, wollte über das Judentum, das Christentum und den Islam sprechen, über sexuelle Traumata, über die Schuld der USA an der Armut anderer Nationen. Als einen großen Einfluss nennt er den Franzosen David B. Und wer sich zum Beispiel die Mühe macht, Habibi und Die heilige Krankheit nebeneinander zu legen, wird sehen, was Thompson damit sagen will. Ich lese Habibi nach dem Bühnengespräch an, bewundere die grafische Großartigkeit und die geschickte und nicht sofort durchschaubare Erzählweise Thompsons. Es ist eine Liebesgeschichte in einer harten und grausamen Welt, schwarz-weiß, für Erwachsene, perfekt geeignet für die aktuelle Graphic-Novel-Bresche des Buchhandels. Ohne Zweifel ein toller Comic, den man sich in Frankfurt angucken sollte. Ich persönlich werde ihn mir nicht zulegen, weil ich schon immer eine gewisse Schwierigkeit mit Thompsons Blick auf die Welt hatte. Bei Craig Thompson existiert Gott. Oder anders gesagt: Die Existenz Gottes wird mir zu wenig diskutiert. Es hilft beim Lesen ungemein, wenn man gläubig ist – unabhängig von der Religion. Mir persönlich geht da etwas verloren.

 

Line Hovens DudenbrooksVon Jochen Schmidt und Line Hoven nehme ich Dudenbrooks in die Hand, auch so ein 300-Format. Die Idee des Buches ist ganz witzig: Man nehme sieben Wörter mit dem gleichen Anfangsbuchstaben und bastele daraus eine kurze, sinnvolle Einheit. Man tue das mit jeden Buchstaben des Alphabets, lasse Illustrationen von Line Hoven anfertigen und mache daraus ein Buch. Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Ab und zu flackert beim Lesen Inspiration auf, der Großteil ist jedoch Nonsens, den ich sofort wieder vergesse. Ich frage mich, warum Line Hoven ihre Kunst für so einen Quatsch zur Verfügung stellt.

Eine Eigenproduktion von Ehapa: Im Bann der Hexer

Ich schlendere weiter und sehe mich um. Plötzlich fällt mir auf, wie eigenartig es ist, auf der Frankfurter Buchmesse zu sein und Fahr Sindram hat keine roten Haare. Ich gehe weiter, finde ein schwarz-weißes Album von Ehapa. Unzufrieden stelle ich bei Im Bann der Hexer von Florian Biege und Alexander Berger fest, dass ich inzwischen sehr empfindlich bin, wenn Comics sich selbst übertrieben ernst nehmen. Bei Kleiner Vogel rot [Christophers eigenem Comic – Anm. d. Red.] konnte man schließlich auch ab und zu mal lachen, ohne dass es die Geschichte gestört hätte. Diese so genannte indianische Sage erzählt gezwungen mystisch von einer Figur, die ihren Bruder retten will. Ich langweile mich, die Motivation ist zu schwach herausgearbeitet. In der Mitte des Albums habe ich noch immer keine Ahnung, was die Geschichte eigentlich von mir will. Grafisch okay, aber ich lege es zur Seite.

 

Ein halbfiktionaler Comic über Laika, den ersten Hund im All

Außerordentlich gut gefallen hat mir Laika von Nick Abadzis. Es geht um den Wettlauf ins Weltall aus der Sicht der Sowjetunion. Toll gezeichnet, toll erzählt. Ich lese mich fest. Scheint mir eine wirklich lesenswerte Graphic Novel zu sein, die etwas zu sagen hat. Ich bedauere, dass ich nicht genug Zeit im Gepäck habe, um sie vollständig zu lesen. Vielleicht ein andermal, vielleicht kaufe ich sie mir.

 

Leo Leowalds neues Werk: Stopptanz

Auch geil, wie immer, Leowalds Neuestes: Stopptanz. Kurze Episoden mit unvorhersehbaren Gedankenschlenkern. Geistreich, subversiv, aber selten brüllend komisch. Es geht nicht nur um den Gag. Darin ein guter Cartoon auf Kosten von Harry Potter. Im Klappentext eine ungezwungen hingeschwurbelte Beschreibung des Künstlers. Hier hat Comic noch was mit Freiheit zu tun. Ich kann das gut leiden.

Mein Tag auf der Buchmesse neigt sich dem Ende entgegen. Ich treffe mich mit alten Freunden und wir gehen Burger essen in einem American Diner. Comics habe ich keine gekauft, irgendwie fehlte mir der Ansporn, obwohl ein paar gute Sachen dabei waren. Erlangen ist halt doch geiler.

 

© Fotos: Christopher Bünte