Rezensionen

Star Trek 1: Spiegelbilder

 In der Folge „Ein Paralleluniversum“ der originalen Star Trek-TV-Serie bekam man erstmals einen Einblick in eine alternative Realität. Eine Realität, in der das böse Gegenstück zu James T. Kirk die Enterprise befehligt und der alternative Mr. Spock durch einen simplen Bart erkennbar gemacht und dadurch zum Widersacher deklariert wurde.

Der Comicband „Spiegelbilder“ von Scott und David Tipton greift diese Idee erneut auf und zeigt uns einen Blick in das Paralleluniversum der vermeintlich bösen Version der Enterprise-Crew. Die Geschichte setzt an einem Punkt ein, an dem ein junger Kirk noch als Commander unter Captain Pike auf der I.S.S. Enterprise dient. Vermehrt gerät Kirk jedoch in Verdacht, gegen Pike zu intrigieren und es entbrennt schnell ein stiller Kampf, bei dem beide den jeweils anderen zuerst beseitigen und die Machtposition sichern wollen, ohne aber ihre Karten zu früh auf den Tisch zu legen.

Der Spiegelwelt-Kirk wird hier als junger, ambitionierter und skrupelloser Mann dargestellt, der einen cleveren Plan verfolgt, bei dem womöglich auch weitere Mitglieder der Crew involviert sind. Zudem arbeitet Kirk an einer neuartigen Maschine, deren Einsatz kurz bevorstehen soll.

 Der Blick ins Paralleluniversum von Star Trek ist im vorliegenden Comicband vor allem eins: erfrischend anders. Den Autoren gelang ganz sicher nicht das große Meisterwerk, dafür legen sie eine spannende Story vor, bei der der Leser immer wieder überrascht wird. Zum einen liegt das an der Konstellation der Figuren, bei der man sich nie sicher sein kann, wer welche Pläne verfolgt und welche Allianzen es innerhalb der Crew gibt. Zum anderen liegt innerhalb der Charaktere selbst ein gewisses unvorhersehbares Potential. Denn das Verhalten der uns vertrauten Personen weicht erheblich, aber eben nicht immer genau spiegelbildlich, von dem Verhalten der hier gezeigten Gegenstücke ab. Als böse stigmatisiert scheint jedoch die gesamte Parallel-Crew inklusive Captain Pike zu sein, immerhin sind sie im Auftrag des Terranischen Imperiums unterwegs. Der Machtkampf um die Führungsrolle erhält dadurch einen gesonderten Stellenwert im moralisch ohnehin bedenklichen Fahrwasser, in dem man sich bewegt.

In einem kurzen Zwischenspiel springt die Handlung gut sieben Jahrzehnte in die Zukunft. Als Analogie zu der eben beschriebenen Machtübernahme sieht man einen jungen Jean-Luc Picard, der sich an Bord der Starbreaker befindet. Während einer Konfrontation mit den Cardassianern sieht Picard seine Chance, den Befehlshabenden Sorek abzusetzen und selbst Captain des Schiffes zu werden. Dieses Zwischenspiel ist aufgrund der Kürze etwas zu schlicht geraten, trotzdem verfehlt es seine Wirkung auf den Leser nicht: Dem wird nämlich auf subtile Weise vor Augen geführt, dass sich im Terranischen imperium Geschichte beständig wiederholt, dass Verrat und gewaltsame Machtenthebung das gängige Mittel in Spiegeluniversum sind.

 Noch ein Wort zu der zeichnerischen Qualität: David Messina, der bereits für Star Trek: Countdown, den Prolog zum neuen Kinofilm  verantwortlich war, kommt über ein gewisses Niveau leider nicht hinaus. Seine Bilder passen zwar von der Atmosphäre und der kühlen Farbgebung her recht gut zu Star Trek-Abenteuern, aber Messina stößt gerade in der Darstellung von Mimik und Schattierungen an seine Grenzen. Besonders ärgerlich ist dies z.B., wenn ein und dieselbe Figur auf drei nachfolgenden Bildern drei komplett unterschiedliche Gesichtszüge verpasst bekommt. Da wird Kirk vom pausbäckigen Mann mit dicker Nase innerhalb zweier Panels plötzlich zur schmalgesichtigen Person mit eingefallener (postoperativer) Michael-Jackson-Nase. Schade eigentlich, denn die Story hätte an einigen Stellen einen beständigeren Zeichner verdient gehabt.

Erwähnenswert ist aber, dass man Messina dafür gewinnen konnte, das Cover exklusiv für die deutsche Ausgabe des Comics komplett neu zu gestalten. Auch wenn ich persönlich die US-Originalcover von Joe Corroney, die am Ende des Comics abgedruckt sind, präferiere, ist das von Messina entworfene Bild durchaus gelungen.

 

Star Trek 1: Spiegelbilder
Cross Cult, September 2009
Autoren: Scott Tipton, David Tipton
Zeichner: David Messina
128 Seiten; vierfarbig; 14,80 Euro (SC), 19,80 Euro (HC)

ISBN (SC): 978-3-941248-42-7
ISBN (HC): 978-3-941248-43-4

Frische, spannende Story, zeichnerisch zäh

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Abbildungen: © Cross Cult