Rezensionen

Der Seewolf

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Cover Der SeewolfMit seinem aktuellen Comicwerk geht der französische Künstler Riff Reb’s keine Experimente ein: Die Geschichte ist eine getreue Adaption des Romanklassikers Der Seewolf von Jack London, stilistisch baut er auf seinem früheren Comic An Bord der Morgenstern (Carlsen) auf.

Über 100 Jahre hat die Vorlage von Jack London bereits auf dem Buckel, dennoch ist sie auch heute hochaktuell und frisch. Erzählt wird vom Schiffbruch des gebildeten und wohlhabenden Literaturkritikers Humphrey van Weyden, der vom exzentrischen Kapitän Wolf Larsen aufgelesen wird und auf dessen Robbenfänger Ghost landet. Van Weydens Wunsch, an nächstgelegener Küste abgesetzt zu werden, verweigert Larsen und zwingt seinen unfreiwilligen Passagier zu Zwangsarbeit als Küchenhilfe. Wie der Rest der Crew ist er damit weniger Arbeiter als vielmehr Gefangener des tyrannischen Larsen. Doch hinter der Grobschlächtigkeit und Brutalität des Kapitäns verbirgt sich überraschenderweise ein tiefsinniger Kern. Weyden und Larsen diskutieren über Philosophie und Literatur und während Weyden lernt, sich dem rauen Überlebenskampf anzupassen, entspinnt sich zwischen den beiden eine undurchsichtige Beziehung aus Hass und gegenseitiger Bewunderung.

Seite aus Der SeewolfLeider ist in Riff Reb’s Comicversion nicht allzu viel Platz, um diese Beziehung in aller Ausführlichkeit darzustellen (trotzdem sind bereits die Ansätze dahingehend faszinierend). Anstelle dessen steht hier die wundervolle Grafik im Vordergrund. Von der unbändigen Gestalt Larsens bis hin zur brachialen Natur des wogenden Meeres gelingt dem Zeichner die Erschaffung einer sogartigen Atmosphäre. Tatsächlich fühlt man sich direkt an Bord der Ghost versetzt, einer Art schwimmenden Hölle mit Larsen als Teufel. Die detaillierten Bilder des Franzosen sind meisterhaft und dürften nach dem ersten Durchblättern für viele der Hauptgrund für eine Kaufentscheidung sein.

Wie in dem thematisch verwandten An Bord der Morgenstern setzt Riff Reb’s auf eine eher seltene Farbwahl: Jedes Kapitel ist unterschiedlich koloriert und besteht nur aus jeweils einem einzigen Grundton. Das verschafft eine imposante Optik, ist aber leider auch einer der Gründe, warum die Seiten, selbst bei den hellen Farbtönen, insgesamt recht finster geraten sind. Und das wiederum entpuppt sich dann als Nachteil, wenn man den Band als kleinformatiges Splitter-Book druckt. Carlsen hatte An Bord der Morgenstern ebenfalls in einem ähnlichen Format vorgelegt, was ich schon damals angesichts des Detailreichtums der Zeichnungen und der finsteren Kolorierung als eher suboptimal empfunden habe.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

In Ansätzen überzeugende Charakterzeichnungen, allerdings sind die starken Bilder prägender

 

Der Seewolf
Splitter Verlag, Juni 2013
Text und Zeichnungen: Riff Reb’s (nach Jack London)
Übersetzung: Tanja Krämling
136 Seiten, farbig, Hardcover mit Schutzumschlag
Preis: 24,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-636-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag