Rezensionen

Deadpool: Wade Wilson’s War (US)

Cover Deadpool: Wade Wilson's WarWer das Gefühl hat, dass er mit dem Original-Deadpool, dem MAX-Deadpool, dem Pulp-Deadpool und dem Ultimate-Deadpool seine größtmögliche Deadpool-Dosis noch nicht bekommt, der darf drei Kreuze machen; denn dank Duane Swierczynski gibt es jetzt endlich auch die Marvel-Knights-Interpretation von Deadpool.

Das Marvel-Knights-Signet – von dem ich felsenfest glaubte, es wäre Mitte der 2000er aufgegeben worden – nutzt Swierczynski, um seine Geschichte völlig aus der regulären Marvel-Continuity herauszunehmen. Deadpool stellt sich in Wade Wilson’s War einem Kongress-Ausschuss, der herausfinden soll, was es mit einem von Deadpool verursachten Massaker in Mexiko auf sich hatte. Die Frage, die der Comic dabei aufwirft: Ist Deadpool ein mit Superkräften ausgestatteter Eliteagent, den seine eigene Regierung hintergeht oder nur ein armer Irrer, den ein misslungenes Experiment über den Rand des Wahnsinns hinausgetrieben hat und der sich nun für einen Superhelden hält?

Seite aus Deadpool: Wade Wilson's WarWade Wilson’s War zeigt dabei ein Problem auf, das ich bei Deadpool-Geschichten inzwischen öfter erlebte: Für ein paar coole Momente und ein wenig metatextuelle Spielerei verzichten die Autoren gerne mal auf eine stringente Erzählung.

Der Comic wirkt über weite Strecken völlig fragmentarisch: Deadpools Erzählungen von alten Missionen in Nicaragua und Afghanistan haben unterhaltsame Momente, verpuffen aber weitgehend wirkungslos, weil sie nicht in ein größeres Gebilde eingebunden sind. Die Idee, eine Geschichte aus der Perspektive Deadpools und der Perspektive eines Regierungsagenten gleichzeitig zu erzählen, die Rashōmon-Technik also, ist nicht mehr so neu oder unterhaltsam, dass sie eine volle Ausgabe tragen würde; auch wenn sie den ein oder anderen lustigen Moment erzeugt. Ob man derweil den finalen Twist kreativ findet, hängt stark davon ab, ob man Brazil gesehen hat und mochte.

Seite aus Deadpool: Wade Wilson's WarSofern einem ein paar lustige Momente und einige, von Jason Pearson im Stile von Jocks The Losers gut umgesetzte Actionszenen ausreichen, um unterhalten zu werden, ist Wade Wilson’s War einen Blick wert. Mir wäre eine ordentliche Geschichte aber deutlich lieber als eine solche Nummernrevue.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Fragmentarische Nummernrevue statt stringenter Erzählung


Deadpool: Wade Wilson’s War
Marvel Comics, Juni 2011
Text: Duane Swierczynski
Zeichnungen: Jason Pearson
112 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14,99 US-Dollar
ISBN: 978-0785147138

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Abbildungen: © Marvel Comics