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Das Reich Sienn 2 – Ein Hauch von Absynthe


 Die Suche nach den machtverleihenden Knochen des toten Zauberers Yarlig geht weiter. Konsequent wird dabei die Mischung aus den Filmen Der Herr der Ringe und vor allem Zwei glorreiche Halunken fortgesetzt. Diesmal liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem klassischen Italowestern. Ganze Szenen und Dialogsequenzen werden eins zu eins übernommen.

So zum Beispiel bei der Begegnung der Halbelfe Laam mit ihrem Bruder oder der Verhörszene im Gefangenenlager. Auch die Soldaten tragen nun Südstaatenuniformen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Der Zwerg Sadwin rutscht in die Rolle von Lee van Cleef und die Halbelfin Laam übernimmt gleichzeitig Clint Eastwoods Rolle und die von Eli Wallach. Action, Witz und satirische Seitenhiebe (vor allem auf das Gesundheitswesen) machen weiterhin die Serie aus, wenngleich der Witz etwas zurückgeschraubt wird.

 Was den Band aber weiterhin spannend macht, sind die wechselnden Konstellationen der Schatzsucher. Vor allem strotzt er vor guten Ideen wie zum Beispiel dem originellen Umgang mit dem alten Mythos der Sirenen. Witzig ist die unerwartete Verwendung der Elfengöttin: fett geworden von den ganzen Opfergaben muss sie nun entschlacken und sitzt Zigarre rauchend in der Badewanne. Was für ein herrlicher Gegensatz zu den ätherischen Elfen aus Herr der Ringe.  Auch werden immer mehr Hintergründe zu den einzelnen Charakteren geliefert. Vor allem zu Laam, die dem Leser in diesem Band etwas sympathischer wird. Der Oger Frozen gerät etwas aus dem Fokus, aber da er nicht mehr depressiv ist, ist er auch nur noch halb so lustig. Der Zwerg wird immer böser, liefert aber auch den besten One-Liner des Bandes, der hier nicht verraten werden soll. Absynthe, die im ersten Band eher als Anhängsel wirkte, bekommt eine größere Rolle. Wenngleich insgesamt gesehen die Story nicht so richtig voran kommt, ist sie doch sehr spannend und unterhaltsam zu lesen, da sich die Charaktere beginnen zu ändern.

Die Kolorierung von Stambecco ist hervorragend. Besonders bei der Traumsequenz mit der Elfengöttin kommt das zur Geltung. Ein und dieselbe Farbe in Abstufungen so zu verwenden, dass sie nicht verschwimmt, ist einfach klasse. Bei den Gesichtszeichnungen von Francois Gomes kann man manchmal leichte Mangaeinflüsse erkennen, die nicht so ganz passen wollen. Aber dennoch wird die hohe Qualität des ersten Bandes beibehalten. Man achte auch auf die vielen kleinen Details!

Das Reich Sienn 2 – Ein Hauch von Absynthe
Splitter Verlag, Mai 2010
Text: Jean-Luc Istin, Nicolas Pona
Zeichnungen: Francois Gomes
Hardcover, 56 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-095-8

Gut

Ein spannendes, humorvolles Album mit einer funktionierenden Mischung aus Herr der Ringe und Zwei glorreiche Halunken.

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Abbildungen © Splitter Verlag


Die Kosmonauten der Zukunft 3 – …sind schon wieder da!

 Für die beiden Schüler Guido Falter und Martina Höhne ist das Leben irgendwie auch nicht mehr so einfach wie es mal war. Begann der erste Band dieser Serie noch damit, dass die beiden auf infantil-verzückende Weise über eine allumfassende Alien- und/oder Roboterverschwörung plauderten, sind sie jetzt mittendrin. Band 3 führt die beiden Kosmonauten der Zukunft, die bereits zuvor schockierende Wahrheiten über sich selbst erfahren mussten, ins große galaktische Abenteuer. Zwischen Mawisianern, Rebellenarmeen und unzähligen Klonen kämpfen sie um ihr Schicksal.

Wenn sich die französischen Künstler Lewis Trondheim und Manu Larcenet zusammentun, um einen spacigen Science-Fiction-Comic zu fabrizieren, kann man sich bereits ungefähr ausmalen, was dabei herauskommt. Die Kosmonauten der Zukunft ist eine sehr empfehlenswerte Funnyserie, die gespickt ist mit absurden Situationen und brillantem Humor. Bereits die beiden im Jahr 2002 bei Ehapa veröffentlichten ersten Alben haben äußerst viel Spaß bereitet. Und dafür steht auch der abschließende dritte Band ein, auch wenn dieser für mich persönlich nicht an die Brillianz der ersten beiden heranreicht. Dass das Ende übrigens bei Finix erscheint und nicht bei Reprodukt, sozusagen dem deutschen Stammverlag Trondheims und Larcenets, hat mich bei der Ankündigung doch sehr verwundert. Dem Leser kann's egal sein, zumal sich beide Verlage in punkto Qualität ihrer Produkte in nichts nachstehen. Hauptsache man kann diese tolle Reihe endlich komplett im Regal stehen haben.

Die Kosmonauten der Zukunft 3 – …sind schon wieder da!
Finix, Juni 2010
48 Seiten, Softcover
Preis: 11,80 Euro

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Maria und ich


 Ich muss zugeben, dass mich beim Schreiben dieser Zeilen das schlechte Gewissen plagt. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass negative Kritik an einem sehr persönlichen Buch, welches von einem Familienmitglied des Autors handelt, zu üben, bei mir irgendwie Unbehagen auslöst.

In Maria und ich beschreibt Miguel Gallardo in Worten und Bildern die Verbindung zu seiner autistischen Tochter Maria. Vom Gefühl her steht Gallardos Werk damit in einer Reihe mit vergleichbaren Comics wie Die Heilige Krankheit (David B. erzählt von der Epilepsie seines Bruders) oder Mutter hat Krebs von Brian Fies, in denen Künstler ebenfalls die Krankheit eines geliebten Menschen thematisieren.

Gallardo skizziert auf über 60 Seiten einen Trip nach Gran Canaria nach, den er mit seiner Tochter unternommen hat. Anders jedoch als beispielsweise  bei David B. verbleibt die Erzählstruktur sehr oberflächlich und stützt sich vornehmlich auf aneinandergereihte Fakten. Maria und ich wirkt auch eher wie eine Anleitung für Eltern mit autistischen Kindern oder wie ein Plädoyer für die Einzigartigkeit von Gallardos Tochter, aber leider weniger wie ein strukturierter und stimmiger Comic. Schludrig und schemenhaft sind einzelne Bilder zwischen längere Textpassagen gekritzelt, fast hat es den Anschein, dass man eher in einer Reisereportage blättert, so akribisch wie der Autor die Trivialitäten des Alltags, Beobachtungen im Flugzeug, im Hotel, am Strand, zu vermitteln versucht.

 Der Bogen zum zentralen Thema, dem Autismus Marias, gelingt Gallardo nur immer wieder mit dem Holzhammer: Äußerst nüchtern kommentiert er alle Eigenarten seiner Tochter, das Zwicken gegenüber lieb gewonnen Menschen, ihre besondere Sprechweise oder ihr erstaunliches Erinnerungsvermögen. Zwischen all der Betonung, wie toll und einzigartig Maria trotz oder gerade wegen ihrer Behinderung doch ist, lässt der spanische Künstler eine konsistente Handlung vermissen. Maria und ich mangelt es zudem schlichtweg an Witz und Pointen.

Eine Seite in dem Buch verdeutlicht sehr gut, worauf sich die meisten meiner Kritikpunkte beziehen: Gallardo versucht, Marias Wirkung auf fremde Passanten zu verdeutlichen und zeichnet dazu ein ganzseitiges Bild, auf dem er und Maria als schattierte Umrisse von einer Wolke aus starrenden Augen beobachtet werden. Sicherlich kann man als Leser nachvollziehen, welche unangenehme Aufmerksamkeit hier angedeutet wird, aber zumindest bei mir hat das keine große Emotion ausgelöst. Und so zieht auch der Rest des Buches an mir vorbei, ohne mich besonders anzurühren.

 Was bleibt, ist ein Projekt, das wohl zum einen Teil als Hommage an Maria Gallardo gedacht war, zum anderen Aufklärung über Autismus betreiben soll. Letzteren Punkt unterstreicht auch der Abdruck von Piktogrammen, an denen sich Betroffene im Alltag visuell orientieren können, und kleinen Bildern, die typische Verhaltensweisen autistischer Menschen grafisch zusammenfassen.

Miguel Gallardos Ambitionen, ein Buch über seine Tochter zu fertigen, möchte ich hier nicht schlechtreden und, wie eingangs erwähnt, fällt es mir schwer,  einen Comic, der dem Autor persönlich sehr viel bedeuten muss, derart hart anzugehen. Ehrlicherweise muss man jedoch sagen, dass dem Spanier kein überdurchschnittlicher Comic geglückt ist.

 

Maria und ich
Reprodukt, April 2010
Autor/Zeichner: Miguel Gallardo
68 Seiten, zweifarbig, Hardcover, 14 Euro
ISBN: 978-3-941099-28-9

Uninspirierter, nüchterner Comic, der einem schwierigen Thema nicht gerecht werden kann


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Abbildungen: © Reprodukt

DC Premium 65: Batman – Kakofonie


Batman: KakofonieOhne Whitney Ellsworth würde es diesen Comic nicht geben. Und Hunderte weitere Batman-Geschichten, darunter einige der besten Comics mit dem Mitternachtsdetektiv, ebenfalls nicht. Das ist ein Fakt.

Whitney wer?

Nun, der Mann war Anfang der 1940er Redakteur bei DC und seinem beherzten Eingreifen ist es zu verdanken, dass eine für Batman 1 geschaffene Figur nicht wie geplant direkt nach ihrem ersten Comicauftritt gleich wieder das Zeitliche segnete und so das Schicksal unzähliger Einwegschurken geteilt hätte. Es handelte sich − unglaublich aber wahr − um den Joker. Man stelle sich das einmal vor: Eine Welt ohne Comics wie The Killing Joke oder The Man Who Laughs und ohne den Überblockbuster The Dark Knight. DC bzw. Warner Bros sollte Whitney Ellsworth wohl ein Denkmal bauen.

Über die Jahre mauserte sich der auf diese Art gerettete clownhafte Soziopath zu einem der bekanntesten und meistverwendeten Comicschurken und heimste Titel wie „Number One Greatest Villain of All Time“ (Wizard Magazine) ein. Wie bei wohl allen herausragenden fiktiven Bösewichten liegt auch im Fall des Jokers ein nicht unbeträchtlicher Teil seiner Anziehungskraft in der Beziehung zu seinem Helden-Gegenstück begründet: Der von tiefer Neurose immer wieder in den nicht enden wollenden Kampf gegen die Kriminalität getriebene Dunkle Ritter und der irre „Clownprinz des Verbrechens“, dessen einziger Lebenszweck darin besteht, Batman zu zerstören. In unzähligen Geschichten wurde das Verhältnis der beiden Erzfeinde thematisiert, ihre charakterliche Nähe ausgelotet, sie als Ying-und-Yang-Gegenpole gedeutet, die ohne einander nicht existieren können.

Aber irgendwann kann auch der besten Beziehung die Luft ausgehen. Irgendwann erwischt der Fluch der Serie auch die spannendsten Figurenkonstellationen. Irgendwann möchte man nicht mehr lesen, wie der Joker Dutzende Menschen tötet, danach von Batman verprügelt wird und im Arkham Asylum landet, von wo er bald entkommt, Dutzende Menschen tötet und yadda yadda yadda

Batman: Kakofonie Im Fall von Batman − Kakofonie sprengt der Joker nach seiner jüngsten Flucht eine Schule in die Luft, um sich an B-Schurke Maxie Zeus zu rächen, der sich erdreistet hatte, das eigentlich tödliche Joker-Gift in verschnittener Form als Designerdroge zu verscheuern. In der Explosion stirbt eine Schulklasse voller Minderjähriger inklusive Zeus’ Neffen. Wäre Batman ein Anti-Held wie der Punisher, würde er den Joker dafür zweifelsohne jagen und töten. Da er aber als einer der „guten“ Helden einen strengen „Du sollst nicht töten“-Moralkodex vertritt, ist sein Ziel natürlich, den wahnsinnigen Schurken zurück in die Anstalt zu bringen, in der vagen Hoffnung, dessen psychotischer Geisteszustand könne doch noch geheilt werden. Alles wie gehabt also.

Aber Filmemacher und Gelegenheitscomicautor Kevin Smith (Zack and Miri Make a Porno) treibt (zusammen mit seinem grundsolide agierenden Zeichenpartner Walt Flanagan) das Szenario in diesem Fall einen Schritt weiter. Batman wird nämlich ebenfalls gejagt − vom lautmalerischen Heldenkiller Onomatopoeia, den Smith einst als Green-Arrow-Gegner ersonnen hatte. Ohne unnötig viel zu verraten: Der brisante Dreieckskonflikt endet damit, dass Batman einen durch Onomatopoeia tödlich verwundeten Joker in den Armen hält, während dieser die Chance zur Flucht nutzt. Batman lässt den einen Killer entkommen, um dem anderen das Leben zu retten. Und an dieser Stelle möchte man am liebsten zusammen mit Comissioner Gordon brüllen: „Bist Du irre? Lass ihn sterben.“ Huch?! War das etwa Smiths Absicht? Dem Leser seine niedersten Lynchmobinstinkte vor Augen zu führen und zu zeigen, was Batman eigentlich zum Helden macht?

Vielleicht.

Das Problem ist dabei jedoch, dass es Smith nicht gelingt, den Leser auf Batmans Seite zu ziehen und ihn von dessen Haltung zu überzeugen, davon, dass dieser „das Richtige“ getan hat.

Dass dies nicht funktionieren will, ist jedoch nicht allein Kevin Smiths Schuld, sondern letztendlich der allgemeinen Entwicklung von Superheldencomics seit den düsteren 1990ern geschuldet. Indem man die Helden grimmiger und die Schurken skrupelloser machte, wollte man sich realistischer geben und Comics auch für die durch mediale Gewalt abgebrühten Leser interessant halten. Während sich viele Superschurken in Sachen Grausamkeit fortan immer mehr an realen und filmischen Serienkillern orientierten, blieben die meisten Helden trotz martialischerer Kostüme und tiefer runtergezogenen Mundwinkeln jedoch letztendlich dieselben. Pfadfinder, die ihre Widersacher am Ende der Geschichte mit einem Netz oder Batseil verpackt der Polizei übergeben. Kostümierte Weltverbesserer gegen Psychopathen, die Hannibal Lecter Nachhilfe in Perfidität geben könnten. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Gerade in Comics um relativ geerdete Helden wie Batman gibt es seit Jahren unübersehbare Annäherungen ans Psychothriller-Filmgenre, was teils hervorragend funktioniert und einige fantastische Geschichten hervorgebracht hat, aber sehr oft an eben jenem großen Spalt krankt, der sich zwischen den beiden kaum vereinbaren Ansprüchen aufgetan hat: eine Superheldengeschichte zu erzählen und gleichzeitig einen drastischen Thriller um brutale Killer oder psychopathische Massenmörder. In einer fiktiven Welt, in der die übelsten Schurken nie wirklich für ihre unbeschreiblichen Taten bezahlen müssen, sondern nur vorübergehend ins Gefängnis oder die Psychiatrie wandern, kann es keine befreiende Katharsis geben und als Ergebnis muss sich beim Leser irgendwann Unbefriedigung breit machen. Gerade Geschichten, in denen sich Held gegen Schurke, Gut gegen Böse, behaupten muss, leben davon, dass den Schurken am Ende ein angemessenes Schicksal ereilt. Figuren wie der Joker sind dagegen immun. Ihn schützen sein Beliebtheit und das Gesetz der Serie.

Batman: KakofonieKevin Smith kann man für diese Entwicklung freilich nicht verantwortlich machen. Was das Fass in seinem Fall jedoch zum Überlaufen bringt, ist, dass er Batman und den Joker am Ende der Geschichte zu einem Gespräch im Krankenhaus zusammenbringt, in dem die beiden ihre antagonistische Beziehung in bester „Lass uns drüber reden“-Manier erörtern. Das klingt schon in der Theorie nach einer schlechten Idee und das Ergebnis ist trotz Smiths glücklichem Händchen für Dialoge eher gruselig.

Wenn Batman seine Entscheidung, den Erzfeind nicht sterben zu lassen, mit dem altbekannten Mantra „Ich habe Menschen sterben sehen. Ich schwor damals: Nie wieder“ erklärt, klingt dies angesichts der Tatsache, dass der Joker bereits hunderte (!) Menschen auf dem Gewissen und gerade erst eine Gruppe Schulkinder in die Luft gejagt hat, wie Hohn. Vor allem, da der durch massive Psychopharmaka-Gaben (vorübergehend) geistig beinahe stabile Joker postwendend versichert, dass er solange weitermorden wird, bis Batman tot ist. Die Sympathie des Lesers − meine jedenfalls − hat Batman bzw. Kevin Smith hier verloren. Es hat beinahe etwas Erbärmliches, wie der Dunkle Ritter dem sedierten Schurken die Aussage entlocken will, dass er ihn vielleicht ja gar nicht wirklich töten möchte. Man kann den Joker nicht über Jahre hinweg zu einem massenmordenden Monster bar jeglicher Menschlichkeit hochstilisieren und dann erwarten, dass man als Leser noch Verständnis dafür hat, dass sein Wohlergehen dem ansonsten nicht sehr zimperlichen Batman wichtiger ist, als das seiner zahlreichen vergangenen und zukünftigen Opfer. Der Leichenberg ist dafür einfach zu hoch.

Bedeutet das, dass ich für mehr tödliche Selbstjustiz in Superheldencomics plädiere? Dass die Helden sich endlich ihren Antagonisten anpassen und − wie Green Arrow in der kürzlich heiß diskutierten Miniserie JLA: Cry for Justice − jene Schurken, die mit einer Tracht Prügel und Gefängnisseelsorge nicht mehr zu rehabilitieren sind, für immer aus dem Verkehr ziehen sollen?

Nein.

Ich wünsche mir im Gegenteil, dass die Autoren die Gewalt- und Bodycount-Schraube wieder etwas zurückdrehen. Das bedeutet nicht, dass ich die Batman-Comics in die Zeit von Rainbow Batman und Bat-Hound zurück wünsche. Gerade einer dem Pulp-Genre verbundenen Figur wie Batman stehen erwachsene Geschichten äußerst gut. Aber „erwachsen“ muss nicht bedeuten, dass man sich in Sachen Sadismus und Brutalität zu immer neuen Höhen aufschwingt. Denn wohin dies Figuren wie Batman und den Joker in ihrer Beziehung letztendlich führt, illustriert Batman − Kakofonie anschaulich: in eine Sackgasse.

DC Premium 65: Batman – Kakofonie
Panini Comics, Februar 2010
Text: Kevin Smith
Zeichnungen: Walt Flanagan
100 Seiten, Softcover 14,95 Euro; Hardcover 25 Euro
Nicht so prickelnd
 

Handwerklich einwandfreier Comic, der jedoch drastisch vor Augen führt, was faul ist im Superheldengenre.


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Abbildungen: © DC Comics / Panini

 

Das Große Spiel 1 – Ultima Thule

 1945, der Zweite Weltkrieg ist gerade vorbei, ansonsten ist alles anders. Frankreich und Großbritannien gingen als Sieger aus dem Krieg hervor, aber Deutschland und die Sowjetunion stehen weiterhin im Konflikt miteinander. Nestor Serge, ein französischer Journalist, soll den Absturz des Zeppelins „Charles de Gaulle“ untersuchen und gerät dabei in eine mysteriöse Verschwörung.

Bis hierhin ist dieser Comic vom Kreativteam Jean-Pierre Pécau und Leo Pilipovi ein historischer Thriller in einem fiktiven Europa. Die beiden haben etwas verworrene zeitgeschichtliche Veränderungen vorgenommen, was sicherlich legitim ist. Sehr seltsam wird es, als der deutsche Comicheld und Kostümträger „Streitaxt“ sich als reale tödliche Person herausstellt und Serge von Nazi-Werwölfen verfolgt wird. Wie derlei Dinge nun in den geschichtlichen Kontext der Serie passen, bleibt erstmal offen. Angedeutet wird in Band 1 lediglich, dass in der Welt von Das Große Spiel Magie zu existieren scheint. 

Zugegeben, die übernatürlichen Elemente in diesem Comic wirken beim ersten Lesen völlig deplatziert und extrem idiotisch in ihrer Ausführung. Andererseits weiß man bislang so gut wie gar nichts über deren Herkunft oder Gewichtung für die übergeordnete Handlung. Von daher bin ich zwiegespalten, auch weil allein der dreiste Kitsch mit dem Nazi-Comichelden irgendwie einen gewissen Charme versprüht. Es bleibt abzuwarten, wie sich das noch entwickelt oder gar steigern kann.

Das Große Spiel 1 – Ultima Thule
Bunte Dimensionen, November 2009
48 Seiten, Hardcover
Preis: 14,- Euro

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Gorn 10 & 11


 In den beiden letzten Alben von Gorn, der großartigen Fantasyserie von Tiburce Oger, spitzt sich die Handlung nochmal gehörig zu. Der von Finix veröffentlichte, finale Zyklus (der mit Band 9 begann und mit Band 11 abgeschlossen ist) konzentriert sich auf die Erben des titelgebenden Ritters Gorn, welche nun nichts weniger als einen umfassenden Krieg zwischen Gut und Böse auszufechten haben.

Maëlle, die Tochter von Gorn, die Halbelfin Eloise und die kräftig gebaute Lady Gorge bilden in diesem Konflikt die vorderste Front, was erstaunlich ist, denn welcher Fantasycomic ist schon derart von Frauen dominiert? Aber genau das tut der Geschichte auch gut und es wird Einsteigern leicht gemacht, den Geschehnissen zu folgen. Mit der Person Gorns wird man z.B . gar nicht erst konfrontiert (Geistererscheinungen nicht eingerechnet), dadurch bekommt man in diesen letzten Bänden schnell das Gefühl, dass man sich mit neuen Figuren auseinanderzusetzen hat und Zeuge eines weitestgehend eigenständigen Abschnittes wird.

Zugegeben, einige Punkte des Plots von Tiburce Oger erscheinen etwas willkürlich oder lassen das große Ganze leicht unstimmig wirken. Andererseits muss man zum Konzept auch nicht wirklich viel mehr sagen, als dass das Fantasygenre auch hier nicht neu erfunden wird: Gorn präsentiert eine Welt, in der Zwerge, Elfen und Menschen eine Allianz gegen das Böse eingehen; gekämpft wird gegen Trolle, Dämonen und Drachen. All dies ist sicherlich nichts, was man nicht schon zu genüge gesehen hätte. Trotzdem handelt es sich um einen sehr guten Comic. Das liegt vor allen Dingen daran, wie Oger die eben geschilderten Komponenten zusammensetzt und zur Geltung bringt.

 Besonders in grafischer Hinsicht brilliert die Serie ungemein. Die Zeichnungen sind gerade bei größeren Panels sehr detailverliebt und erhalten durch die ausgewogene und stimmige Farbgebung einen starken Kontrast. Zudem beherrscht Oger das Wechseln in verschiedene Perspektiven sensationell gut, was auch der Grund dafür ist, dass die Story unheimlich Atmosphäre gewinnt. Ob es nun tosendes Schlachtengetümmel mit dem Zoom oder eine mittelalterliche Burg mit Weitwinkel einzufangen gilt: Selten war Fantasy so anschaulich und fesselnd. Zusammen mit der soliden Handlung kann man dem letzten Zyklus von Gorn nur eine absolute Kaufempfehlug aussprechen.

Kleine Randnotiz: Band 11 der Softcoverausgabe weist im Gegensatz zu den anderen Bänden einen labbrigeren Umschlag auf, dafür sind die Farben auf der Impressumsseite (auf der auch alle Cover der Serie abgedruckt sind) jetzt deutlich kräftiger. Man sieht, alles hat seine Vor- und Nachteile. Stören an diesem marginalen Wechsel kurz vor dem Ende dürften sich ohnehin nur die ganz kleinlichen Sammler.

Leseproben gibt es hier:
http://www.finix-comics.de/vorschau/gorn10_vorschau_1.html
http://www.finix-comics.de/vorschau/gorn11_vorschau_1.html

 

Gorn 10 – Nebelaugen
Finix Comics, Februar 2010
Text und Zeichnungen: Tiburce Oger
48 Seiten, farbig, 11,80 Euro (SC), 17,80 Euro (HC)
ISBN: 978-3-941236-18-9 (SC)

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ISBN: 978-3-941236-19-6 (HC) 

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Gorn 11 – Schattengedächtnis

Finix Comics, Mai 2010
Text und Zeichnungen: Tiburce Oger
48 Seiten, farbig, 11,80 Euro (SC), 17,80 Euro (HC)
ISBN: 978-3-941236-20-2 (SC)

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ISBN: 978-3-941236-21-9 (HC) 

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Gut!

Klasse Abschluss einer großartigen Comicreihe


Kurt Schalker – Der Vater des modernen Online-Strips

 Er gilt als das bestgehütetste Geheimnis des deutschen Comics: Kurt Schalker.
Viel ist nicht über ihn bekannt und selbst der jährlich erscheinende Comic-Almanach Deutsche Comicforschung hat es noch nicht gewagt, etwas über den „Urvater der Comic-Blogger“ zu veröffentlichen, zu vage ist die Faktenlage. Und die täglichen Comics, die Schalker in seinem Bekanntenkreis zeigte und in denen er persönliches und autobiografisches bekanntgab, gelten weithin als verschollen.

Auf einem Podium auf dem Comic-Salon in Erlangen 2010 wurde dann das Geheimnis gelüftet: Nahezu alle heutigen Comic-Blogger bekennen sich zu Schalker und sehen in ihm ein Vorbild. Weil sich zeitgleich der 100. Geburtstag jährte, kommen nun mehr und mehr Fakten ans Licht und es wird Zeit Kurt Schalker die Ehrung zukommen zu lassen, die ihm auch gebührt.

Das von Ulf Salzmann entdeckte Foto Kurt Schalker wurde am 10. Juni 1910 vermutlich in der Nähe von Gelsenkirchen geboren. Auf einem nun  von Comic-Blogger Ulf Salzmann wiedergefundenen Familienfoto sieht man ihn im Kreise seiner Familie, mit Vater Willibald, Mutter Hulda und seinen Brüdern Albert, Hans und Rudolf, der leider in Verdun fiel.

Schon früh ist er begeistert von den Bildergeschichten und frühen Comics, die in Deutschland durch die Zeitschrift Simplicissimus ungemein populär sind. Vater Willibald und Bruder Rudolf versorgen ihn mit seit Kindstagen mit den neuesten Karikaturen und Bildergeschichten. Besonders gefällt ihm der Zeichner Heinrich Kley, der ihm eine große Inspiration war.

Besonders viel ist über den weiteren Werdegang nicht bekannt und auch die umstrittenen Weltkriegsjahre sind noch relativ unerforscht. Diese Jahre spalten dann auch die Forschung. Während einige davon ausgehen, dass er eingezogen wurde, vermuten andere, dass er sich als Witzbildzeichner in Zeitschriften unter Pseudonym einen Namen machte. So soll er unter dem Pseudonym „Pinguin“ in der Kölnischen Illustrirten eine regelmäßige Seite gehabt haben, auf der er mit unverfänglichen Witzen die Bevölkerung erheiterte. Diese Bildwitze entfernen sich vom karikaturesken Stil der Zeichner im Simplicissimus und nähern sich vielmehr der Ligne Claire von Hergé an. Allerdings hat eine einfache Linienführung durchaus auch Olaf Gulbransson in Deutschland salonfähig gemacht. Diese Information gilt jedoch als ungesichert.

Nach dem Krieg verliert sich seine Spur, er wird natürlich im Ruhrgebiet vermutet, aber erst 1956 tritt er in Gelsenkirchen wieder ans Licht der Öffentlichkeit. Dann erscheint nämlich erstmals seine Serie Lebensfenster, die ihn bekannt macht. Dort veröffentlicht er täglich einen Vier-Panel-Strip über den deutschen Alltag der „Fünfziger im Ruhrpott“, wie es der Blogger Leo Leowald weiß, der ebenfalls stark beeinflusst ist. Leowald zählt auf: „Kicken, Kirche, Schützenfest. (…) Liebe zum Verein.“
Wie der bekannte Comic-Zeichner und Blogger Flix sehr schön in seinem Geburtstagsstrip aufzeigt, hat Schalker diese Strips dann seinen Freunden und Bekannten täglich präsentiert.

Dabei griff er auf schon früh auf „süße Häschen“ als zusätzliche Figuren zurück, wie es heutzutage fast Usus ist. Dies hat der Blogger Johannes Kretzschmar alias Beetlebum in seinem Blog entdeckt. 1963 in Schalkers Serie Heimat tauchen sie erstmals auf, allerdings nicht um „die eintönigen Schlackeberge von Gelsenkirchen freundlicher erscheinen zu lassen“, wie es Kretzschmar vermutet, sondern wie Schalker auf Facebook betont, weil er Hasen gern hatte und seine Frau Gisela ein vorzügliches Hasenragout kochte.

Später nutzte Schalker dann die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung um seine Strips zu präsentieren, allerdings hatten damals noch viele Menschen kein Internet und die Ladezeiten via Modem waren zu lang, so dass sich dieser Vertriebsweg nicht als erfolgversprechend erwies. Deshalb sind seine Strips vermutlich auch nicht archiviert.

Schalkers Profilfoto auf seiner Facebook-Seite Erst in Erlangen taucht Kurt Schalker aus der Anonymität auf, viele Zuhörer des Podiums reagierten erstaunt, hatten sie doch noch nie von ihm gehört.  Warum Kurt Schalker bislang ein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Comic-Szene war, kann vielleicht mit der Namensähnlichkeit zu seinem amerikanischen Kollegen James Kochalka (americanelf.com) zusammenhängen. Dieser wird immer gerne als der erste Comic-Blogger gesehen. Denn phonetisch klingen beide Namen ähnlich und aufgrund der Unwissenheit über Kurt Schalker haben viele womöglich Kochalka verstanden – auch wenn natürlich der Gelsenkirchner gemeint war. Bei der Diskussionsrunde über deutsche Comic-Blogs wurde nun erstmals dessen richtiger Name offenbar.

Leo Leowald hatte gar Kontakt zu ihm und nun hat Schalker auf Facebook eine eigene Seite aufgebaut, die sich binnen kürzester Zeit enormer Beliebtheit erfreut, auch wenn Schalker selbst dem „Gesichtsbuch“ leicht skeptisch gegenübersteht. Auch den Hype um seine Person kann er nicht ganz nachvollziehen, aber sein Humor, sein feines Spiel mit Ironie sind erfrischend angenehm. Nun obliegt es den Verlagen, das Werk von Kurt Schalker neu zu entdecken und sein Hauptwerk Lebensfenster zu veröffentlichen – wenn man es dann findet. Denn scheinbar hat es Schalker selbst vernichtet, oder aber seine (zweite?) Frau hat die Bildergeschichtenheftchen weggeworfen. Eine Sysiphosarbeit also, die sich aber lohnen sollte. Denn Comic-Zeichner wie Schalker – mit einem so weitreichenden Einfluss auf die Blogger – hat Deutschland nicht so viele.

Kurt Schalker wurde jüngst 100 Jahre alt, aber wir haben die Freude, ihn heute wieder zu entdecken. Auf die nächsten Hundert und auf alle Fundstücke, die wir freudig erwarten, damit die Biografie von Kurt Schalker nicht mehr so viele weiße Flecken aufweist. Er selbst würde vermutlich zu seiner „Wiederentdeckung“ sagen: „Das Leben und die Comics sind alles nur ein großer Spaß.“

 

Unser Gastautor Klaus Schikowski, Comic-Publizist aus Köln, veröffentlicht u.a. in den Fachzeitschriften Comixene, Reddition und Comic!-Jahrbuch. Sein Buch Die großen Künstler des Comics erschien im edel Verlag. Er moderierte die im Text angesprochene Diskussionsrunde über Comic-Blogs beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen.


Kapitän Scharlach

Cover von Kapitän ScharlachDie Piraten sind in Paris eingefallen! Ein Dreimaster gleitet zwischen den Fassaden des Faubourg Saint-Germain. An Bord und sogar in einer Spelunke entfesselt Kapitän Scharlach Blitze und heftige Regenschauer. Alles scheint, als wäre eine von Autor Marcel Schwobs Romanfiguren zum Leben erweckt worden! Und zwar von Autor David B. (Die Heilige Krankheit bei Edition Moderne, Auf dunklen Wegen bei avant, Der Hop-Frog-Aufstand bei Epsilon) und Zeichner Emmanuel Guibert (Der Fotograf bei Edition Moderne, Schwarze Oliven bei Epsilon). Schwob war einer der großen Gelehrten seiner Zeit. Er wird in Chaville bei Paris in eine großbürgerliche Familie von Rabbinern und Ärzten geboren.

Aber nun wird Marcel Schwob zur Hauptfigur in diesem Comic. Der Büchernarr wird von zahlreichen mysteriösen Ereignissen in Paris heimgesucht. Seine Bewunderung für das Abenteuer und das Verbrechen wird durch wahre Geschehnisse auf die Probe gestellt, als seine Freundin Monelle von dem stets maskierten Kapitän Scharlach auf dessen fliegendes Schiff entführt wird. Doch so leicht will Schwob nicht aufgeben.

David B. strickt einen herrlich amüsanten Plot, der eine Verbeugung vor dem Erzählen und dem Lesen ist. Die fanatische Hingabe an die Welt der Bücher und vor allem der viktorianischen Literatur ist in jedem Panel spürbar. Allein die Steam-Punk-Elemente wie der Zeppelin mit Maschinengewehr kann beispielhaft für die Hommage an diese Literaturepoche genommen werden. Schwobs Liebe für Abenteuerromane oder der phantastischen Literatur wie Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel beziehungsweise Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde werden von David B. dabei mühelos in die Erzählung der Graphic Novel übersetzt.

Innenseite aus Kapitän ScharlachAuch weitere literarische Reminiszenzen an Klassiker wie Alexandre Dumas‘ Der Mann in der eisernen Maske werden beispielsweise durch die Figur des Kapitän Scharlachs verkörpert und wie dessen rätselhafter Name gegen Ende aufgeklärt wird, macht Kapitän Scharlach zu einem vielschichtigen Verweiskomplex. Aber David B. fügt in seine phantastische Kriminal- und Abenteuergeschichte auch eine ordentliche Portion schwarzen Humor ein. Nicht zuletzt die anarchistische Grundhaltung der Piraten sorgt für einen satirisch-absurden Erzählton.

Doch damit nicht genug: Mit dem unkonventionellen Verhältnis von Schwob und der janusköpfigen Monelle, die zugleich Hure und Heilige zu sein scheint, sind in Kapitän Scharlach auch noch Elemente des Beziehungsromans enthalten, die in angemessener Kürze einfühlsame psychologische Charakterskizzen des ungleichen Paares liefern. Auch die Nebenfiguren sind beachtenswert. So verweist das ermittelnde Duo – der egozentrische und kalte Commisaire und sein Assistent Pélicain – augenscheinlich auf Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes und Dr. Watson, womit wir erneut bei der viktorianischen Literatur angekommen wären.

Innenseite aus Kapitän ScharlachDie Bilder von Kapitän Scharlach bestechen durch Guiberts individuellen Strich, der sich durch kräftig getuschte Linien auszeichnet. Dessen Zeichnungen sind dabei leicht reduktionistisch, weisen aber dennoch Details auf. Einmalig ist die flächige Aquarellfarbtechnik, die feine Nuancen durch Pinselspritzer und Verdünnung durch Wasser oder dem leicht übermalten Konturen erzeugt. Bemerkenswert ist auch das Spiel mit dem Licht, das Guibert mit genial einfachen beziehungsweise einfach genialen Mitteln erzielt – nämlich indem er sich beispielsweise auf einen Farbton konzentriert und diesen lediglich leicht variiert.

Kapitän Scharlach ist inhaltlich, erzählerisch und grafisch ein herrlich-amüsanter Comic, der durch die Vermischung von Abenteuer und Phantastik innerhalb eines historischen Rahmens eine Hommage an die viktorianische Literatur beziehungsweise an die Welt der Bücher überhaupt darstellt. Aufgrund der Verbindung von einfühlsamen Charakterdarstellungen und einem satirisch-absurden Humor sticht Kapitän Scharlach angenehm aus der überhandnehmenden Flut an Comicpublikationen heraus.

 

Kapitän Scharlach
avant-verlag, April 2010
Text: David B.
Zeichnungen: Emmanuel Guibert
Softcover, 64 Seiten, farbig; 19,95€
ISBN: 9783939080428

Hervorragend!

Facettenreiche phantastische Abenteuer-Satire mit künstlerisch einmaligen Bildern

 

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Abbildungen © Emmanuel Guibert, der dt. Ausgabe avant-verlag

Comicgate-Magazin 5

Cover Comicgate-Magazin 5Nummer 5 des Comicgate-Magazins erschien Juni 2010 enthält die bewährte Mischung aus ausführlichen, online nicht erhältlichen Artikeln und Interviews sowie Comic-Kurzgeschichten, die fast alle exklusiv für das Magazin entstanden sind. Das Cover stammt diesmal von Christian Nauck.

128 Seiten, teils farbig; DIN A5; 6,50 Euro
ISBN: 978-3-9813729-1-5

MEINUNGEN ZU DIESER AUSGABE:

„Gute Mischung und spannende Artikel, das ist wieder eine feine Ausgabe geworden! Da werde ich mit Sicherheit noch mal einen ganzen Abend drin lesen. Von mir aus könntet ihr die Printausgabe öfters bringen, Comicgate ist das beste Magazin derzeit.“
Ekki Helbig, Comicladen T3 Terminal Entertainment, Frankfurt

„Sehr schöne und sehr runde Ausgabe.“
Joachim Kaps, Verlagsleiter TOKYOPOP

BEZUG:
Unsere Magazine sind direkt über den Comicfachhandel, mittels ISBN über den Buchhandel, online beim Freibeutershop und zum Teil bei Amazon erhältlich (Nr. 4, Nr. 5). Sie können auch direkt bei uns hier bestellt werden.

INHALT:

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis Comicgate-Magazin 5

Artikel:

  • Auf zu neuen Ufern – Deutsche Zeichner im Ausland (Andreas Völlinger)
  • Scott Pilgrim – Vom Geheimtipp zum Pop-Phänomen (Thomas Kögel)
  • Die Welt hinter der Welt – was Hintergründe in Comics erzählen (Daniel Wüllner)
  • Supermann, was nun? Eine kleine Geschichte der Superhelden und wozu sie gut sind (Marc-Oliver Frisch)
  • Aus der Schublade der Geschichte – Erich Ohsers Karikaturen im „Vorwärts“ (Christopher Bünte)

Interviews mit:

  • Ralf Keiser („Programmleiter Comic“ bei Carlsen Comics; Frauke Pfeiffer)
  • Ulrich Scheel; zum Artikel „Deutsche Zeichner im Ausland“ (Andreas Völlinger)
  • Christian Nauck; zum Artikel „Deutsche Zeichner im Ausland“ (Andreas Völlinger)


Im Porträt
mit Exklusivzitaten: Nicolas Mahler (Benjamin Vogt)

Unser Fragebogen wurde diesmal ausgefüllt von: Andreas Platthaus, Kurt Busiek, Dave Sim, Bodo Birk (Leiter Comic-Salon), Lars von Törne (Der Tagesspiegel), Alexandra Germann (Programmleitung Ehapa Comic Collection und Egmont Manga & Anime)

Inselcomics – Empfehlungen der Redaktion

Comicbeiträge von:

Leseprobe:

Zapf: Die Pfade von Juun Martin Rathscheck: Ferkel & der Golem: Spleens Michael Vogt: Los 7 Mariachis: El Pollo de la Muerte Regina Haselhorst: Kalles Kneipe Ambroggio: Karate Scorpion

Hintergrund:

Seit 2006 bringt Comicgate einmal jährlich ein Printmagazin heraus mit einer Mischung aus redaktionellen Texten, Interviews und Comicseiten von Profi-Illustratoren und begabten Nachwuchskünstlern. Bis auf wenige Ausnahmen enstehen alle Beiträge exklusiv für den Druck und sind nicht online erhältlich. Die Inhalte haben eine eher grundsätzliche Natur, so dass sie nicht  schon nach kurzer Zeit unaktuell geworden sind. Mit Comicgate-Magazin 3 erhielt Comicgate 2009 beim ICOM Independent-Comic-Preis den „Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation„.

Reisende im Wind 6.2 – Das Mädchen vom Bois-Caiman

 Nun also das Finale des großen und großartigen Comicromans der Reisenden im Wind. USA 1862. Der amerikanische Bürgerkrieg spaltet das Land. Die junge Zabo muss New Orleans verlassen und trifft nach einer abenteuerlichen Reise auf einer abgelegenen Plantage erstmals ihre Urgroßmutter Isabeau de Marnaye, die ihrer Nachkommin ihre Lebensgeschichte erzählt, wie man schon in den ersten Bänden der Serie lesen konnte. Der Faden wird wieder aufgenommen und verknüpft verschiedene Schicksale in Amerika miteinander. Im zweiten Band setzt Isabeau den Bericht aus ihrer Familiengeschichte fort.  So wird auch deutlich, wer nun das titelgebende Mädchen ist. Diese Auflösung wird manchen Leser überraschen, denkt man doch zunächst an jemand anderes. In den filigranen Naturzeichnungen offenbart sich wieder einmal die Meisterschaft von Francois Bourgeon und versetzt damit den Leser direkt in die Zeit und in die Örtlichkeiten. Besonders beeindruckend ist es, wie er es schafft, mit einigen wenigen, kaum wahrnehmbaren Strichen, das Älterwerden seiner Hauptfigur aufzuzeigen.

Generell muss man aber leider feststellen, dass richtig herausragende graphische Einfälle fehlen. Es gibt zwar einige gute Montagen, aber eine richtige dynamische Zeichnung fehlt. Auch die Handlung plätschert etwas dahin wie Sumpfwasser. Sie liest sich zwar flüssig und angenehm, aber gerade die dramatischen Aspekte kommen manchmal etwas zu kurz. Vieles erschließt sich aus den Dialogen, ohne ein Äquivalent in den Bildern zu haben. So wird von Schicksalen berichtet, sie werden aber nicht gezeigt. Dabei hätten gerade diese noch einige Actionszenen liefern können. Bourgeon betätigt sich hier mehr als Naturmaler denn als Geschichtenerzähler. Für ein Finale ist das aber viel zu ruhig, behäbig und damit doch leicht unbefriedigend.

Reisende im Wind 6.2 – Das Mädchen vom Bois-Caiman
Splitter, April 2010
88 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 17,90 Euro

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