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Ravermoon 1 – Das Versprechen der Flammen

Cover RavermoonZugegeben, das Cover der neuen Serie Ravermoon erinnert zunächst an die übliche Heroic Fantasy, von der der Markt doch ziemlich überlaufen ist und die nach einem recht einfachen Prinzip funktioniert: Ein waffenstarker Held oder Heldin wird in Abenteuer verstrickt. Der muskelbepackte Held oder die wohlproportionierte Heldin sind im Grunde ein Äquivalent des einsamen Westernhelden. Clint Eastwood hat mal in einem Interview in schöner Selbstironie auf die Frage geantwortet, wie er seine Western plant: „Ich reite in eine Stadt. Der Rest ergibt sich.“

Der erste Eindruck von Ravermoon weist also ganz in die klassische Genre-Richtung, wobei natürlich der äußerst knackig gestaltete Glutaeus der Coverheldin für den männlichen Leser einen zusätzlichen Anreiz bietet. In diesem Zusammenhang sei gleich erwähnt, dass sich der Comic wohltuend von dem genreüblichen Chauvinismus, wie er etwa bei den Heldinnen Kala, Axa oder Falka zu finden ist, abhebt. Sexismus ist hier nicht zu finden und die Heldin Ravermoon ist durchaus eine starke eigenständige Persönlichkeit. Erstaunlicherweise steht sie auch nicht im Mittelpunkt der Erzählung, sondern taucht erst ab etwa der Hälfte der Geschichte auf.

Zunächst geht es um einen mächtigen Magier, der großen Einfluss auf den König hat und später dafür sorgt, dass die Hauptstadt des Reiches diverse magische Schulen besitzt. Als es einer der unbedeutenderen Schulen gelingt, den Zeitstrom zu kontrollieren, werden in einer einzigen Nacht, alle Vertreter der Schule, bis auf einen, ermordet. Eine geheimnisvolle Kirche versucht unterdessen, auf den König Einfluss zu nehmen. Um die Morde aufzuklären und den überlebenden Magier zu schützen, wird die Söldnerin Ravermoon in die Stadt zurückgerufen.

Autor Seite aus Ravermoon 1Sylvain Cordurie verzichtet hier auf die klassische Fantasyzutat, nach der die Hauptfigur eine Reise antreten muss und mit Gefährten viele Gefahren bestreitet. Stattdessen spielt fast die ganze Handlung nur in einer einzigen Stadt. Insofern wirkt die Söldnerin schon fast wie ein Anachronismus, ist aber die letzte Hoffnung der Behörden. Zudem hat sie ein persönliches Interesse, da der Magier ihr Bruder ist. Cordurie verwendet für seine Geschichte zum größten Teil Krimizutaten. Ein Verbrechen geschieht und nachdem die Behörden nicht weiterwissen, wird ein Spezialist eingesetzt. So kann man das auch bei Sherlock Holmes und in vielen anderen Krimis finden.

Hier befinden wir uns jedoch in einem Fantasyambiente. Zum Glück wird hier nicht einfach nur ein Genremix vorgelegt. Denn genau wie die Heldin betätigt sich auch der Leser als Entdecker. Er erfährt schrittweise immer mehr von dieser Welt, was einen großen Reiz ausmacht. Ähnlich wie die Helden ein Indiz nach dem anderen entdecken, entdeckt auch der Leser immer wieder neue Facetten. Das hält ihn locker bei der Stange. Die detailreichen, realistischen Zeichnungen von Leo Pilipovic geben dabei kleine Hinweise und unterstützen so die Story. Die strotzt vor Anspielungen, Hinweisen und nicht verfolgten Spuren und wandelt damit auf dem schmalen Grat zwischen Frustration und Spannung. Immerhin ist Ravermoon eine wohltuende Ausnahme von der gängigen Fantasy und ihrer sich immer wieder wiederholenden Muster. Der Comic erfindet das Genre zwar nicht neu, ist aber durchaus einen Blick wert. Die Figuren, allen voran auch die titelgebende Heldin, bleiben aber leider etwas blass.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Unterhaltsamer und spannender Fantasykrimi, der den Leser nach und nach die gestaltete Welt entdecken lässt.

 

Ravermoon 1 – Das Versprechen der Flammen
Splitter Verlag, April 2012
Text: Sylvain Cordurie
Zeichnungen: Leo Pilipovic
Übersetzung: Tanja Krämling
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-405-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

X

Cover XWarum sich einen komplizierten Titel ausdenken, wenn es doch ganz einfach geht? Comics von Charles Burns sind ja gemeinhin überhaupt nicht leicht zu verstehen. Das lässt die schlichte Bezeichnung  seines neuen Werkes, X, fast schon ironisch wirken.

Bereits sein opus magnum Black Hole (Reprodukt) war geprägt von albtraumhaften Teenagerängsten, in X entsendet er den Jugendlichen Doug in eine von einer ungeklärten Kopfverletzung verursachten Tour de force aus Erinnerungen und Wahnvorstellungen. Durch ein Loch in der Wand in seinem Schlafzimmer gelangt er in eine (scheinbar) orientalische Stadt, die von unbekannten Wesen bevölkert ist. Ein Kleinwüchsiger lädt ihn zu einem gemeinsamen Mahl ein, Zyklopen mit Mundschutz bereiten eines der omnipräsenten, rotgescheckten Rieseneier zu, bezahlt wird mit einer Zigarette.

Charles Burns‘ X sieht nicht nur auf dem Cover aus wie ein Album von Tim & Struppi, auch im Comic selbst ist eine der beiden Ebenen dadurch gekennzeichnet, dass Doug im Ligne-Claire-Stil gezeichnet ist. Sein Gesicht ist dann aufs wesentliche reduziert, die Augen werden zu kleinen schwarzen Punkten, die Haare zu einer einzigen schmalen Tolle und der Verband an der Außenseite seines Kopfes zu zwei dürftigen Pflastern (die, vom Autor beabsichtigt oder nicht, ein X bilden).

Seite aus XDiese bizarre Ebene entschwindet jedoch immer wieder und zum Vorschein kommt eine zweite Ebene, die aus Erinnerungsfetzen zu bestehen scheint. Burns zeichnet seine Hauptfigur nun wesentlich realistischer und passt sie seinem gewohnten Stil an. Bestimmte Merkmale tauchen in abgewandelter Form in beiden Welten auf, damit verschwimmt die Grenze zwischen ihnen und man gewinnt den Eindruck, dass Doug ein Trauma (oder gar sein gesamtes bisheriges Leben) bedeutungsvoll verarbeitet.

Was mag dahinterstecken? Für Interpretationen gibt es genügend Spielraum. Wer die Werke von Charles Burns kennt, weiß, dass seine Stories vor Symbolik nur so strotzen. Vielleicht kommt aber auch etwas mehr Licht ins Dunkel, wenn man den demnächst erscheinenden Nachfolgeband Die Kolonie gelesen hat.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Verstörender Trip, der die Grenze der Realität auslotet

 

X
Reprodukt, Februar 2012
Text und Zeichnungen: Charles Burns
Übersetzung: Heinrich Anders
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-941099-93-7
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt

Zur Rezension der US-Ausgabe X’ed von Daniel Wüllner

Lust & Glaube

Cover Lust & GlaubeBereits vor einigen Monaten wurde die Neuauflage von Alejandro Jodorowskys (Text) und Moebius‘ (Zeichnungen) dreiteiliger Serie Lust & Glaube aus den Neunzigern bei Schreiber & Leser veröffentlicht, durch den kürzlichen Tod des legendären Zeichners (u.a. Der Incal, Arzach, Die Hermetische Garage, Blueberry) erhält die Publikation nun traurige Aktualität. Mit der schicken Gesamtausgabe der frühen Kollaboration der beiden Altmeister darf man die Zeichenkunst von Moebius alias Jean Giraud nochmal aufs Neue genießen.

Der Band enthält die drei Originalalben „Die Irre von Sacré Coeur“, „Gefangen im Irrationalen“ und „Der Irre von der Sorbonne“. Moebius und Jodorowsky verarbeiten darin die Post-68er-Zustände im Pariser Akademikermilieu. Zentrale Figur ist der hoch angesehene Philosophieprofessor Alain Mangel, der sein Leben pedantisch geordnet hält. Er trägt immer nur lila Klamotten, lebt trotz Ehefrau im Zölibat und umgibt sich mit einer sektenähnlichen Studentenschaft. Doch plötzlich verlässt ihn seine Frau, er lässt sich auf eine verhängnisvolle Liaison mit seiner fanatischen Schülerin Elisabeth ein und der sonst so gefestigte Alain Mangel verliert völlig die Kontrolle über sein Leben.

Durch die Beziehung mit Elisabeth gerät er in einen Strudel aus Spiritualität, Sex und Wahnsinn. Seine neue Partnerin glaubt, dass sie bestimmt ist, mit dem wesentlich älteren Mangel den Erlöser zur Welt zu bringen. Zusammen mit einem Junkie und der Tochter eines Drogenbarons wird der Philosophieprofessor, zum Teil getrieben durch die imaginäre, dämonische Verkörperung seiner Libido, in eine Art religiöse Kommune verstrickt.

Seite aus Lust & GlaubeLust & Glaube ist keine einfache Lektüre, die Handlung ist bewusst aus spirituell-religiösen und philosophischen Versatzstücken gespeist. Während der erste Teil noch recht beschaulich und nachvollziehbar beginnt, gewinnt die Reihe im weiteren Verlauf immer mehr an Dynamik und man weiß als Leser, ähnlich dem bemitleidenswerten Alain Mangel, gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Mangel durchlebt nebenbei eine Metamorphose und gibt sich im dritten Abschnitt gar einer transzendentalen Erfahrung im kolumbianischen Regenwald hin. Diese Wandlung wird auch auch dadurch unterstrichen, dass Moebius‘ Bilder zum Ende hin wesentlich weniger realistisch, phasenweise fast karikierend ausfallen.

Die Gesamtausgabe von Schreiber & Leser im handlichen Hardcoverformat macht einen sehr guten Eindruck, sogar ein lila Lesebändchen hat man sich passenderweise einfallen lassen. Eigentlich fehlen nur die Coverabbildungen der ursprünglichen Einzelalben.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Verstörende Zusammenarbeit zweier Comicveteranen, die abgedrehte Ideen und tolle Zeichnungen bereithält

 

Lust & Glaube
Schreiber & Leser, Oktober 2011
Text: Alejandro Jodorowsky
Zeichnungen: Moebius
192 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-68-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Links der Woche: Mit Preisnominierungen, Yps und einem indischen Superhelden-Team-Up

Unsere Links der Woche, Ausgabe 16/2012:

 

Max und Moritz-Preis 2012
Comic-Salon Erlangen
Die Nominierungen für den Max-und-Moritz-Preis, der im Juni beim Comic-Salon Erlangen verliehen wird, sind da: den „Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk“ wird dieses Jahr der Italiener Lorenzo Mattotti bekommen. Außerdem sind 25 Comics aus den letzten beiden Jahren für verschiedene Preiskategorien nominiert. 22 Titel auf der Liste stammen von der Jury, die auch über die endgültigen Gewinner entscheiden wird, drei Nominierungen entstanden durch eine Publikumsabstimmung in verschiedenen Foren. Alle 25 Comics sind auch für den Publikumspreis wählbar, für den man seine Stimme im Comicforum abgeben kann. Eine Laudatio auf Lorenzo Mattotti und die Jurybegründungen zu den 25 Nominierten sind unter dem obigen Link zu finden. Jeweils achtseitige Leseproben zu fast allen nominierten Comics (mit Ausnahme der japanischen Titel Pluto und Summer Wars) sind bei myComics verfügbar und werden in Kürze auch als eBook verbreitet.

„Yps“ kommt zurück
Spiegel Online, Christian Stöcker
Egmont Ehapa bringt im Oktober, sechs Jahre nachdem der letzte Versuch eingestellt wurde, das Yps-Magazin zurück an den Kiosk. Diesmal explizit gerichtet an die Zielgruppe „Männer zwischen 25 und 44 Jahren“. Das ist nicht nur eine realistische Einschätzung des interessierten Publikums, sondern bedeutet auch eine inhaltliche Neuausrichtung, wobei auch das neue Heft Comics und natürlich ein Gimmick enthalten wird. Chefredakteur wird Ex-FHM-Chef Christian Kallenberg.

YPS reloaded
Selektive Erinnerung, Haiko Hörnig und Marius Pawlitza
Ein Kommentar zum Yps-Relaunch, der so ziemlich alles enthält, was dazu gesagt werden muss. In Comic-Form.

“This Has Been Building”: An Interview with Chris Roberson
The Comics Journal, Tim Hodler
Die Ankündigung von Comicautor Chris Roberson, aus moralischen Gründen künftig keine Comics für DC mehr zu schreiben (siehe Links der Woche 15/2012), schlägt weitere Wellen: Wenig überraschend teilte DC wenig später mit, dass Robersons bereits geplante Ausgaben der Serie Fairest nicht erscheinen werden. Im Interview mit dem Comics Journal nimmt Roberson ausführlich Stellung zu der Thematik.

Remember when Spider-Man, Superman, and Batman teamed up to fight an alien wizard in India?
io9, Cyriaque Lamar
Die Website io9 gräbt einen älteren indischen Comic namens Nagraj Vs. Shakoora The Magician aus, in dem der indische Superheld Nagraj ein Abenteuer mit seinen Freunden Spider-Man, Superman und Batman erlebt, in welchem sie einen bösen zwergwüchsigen Zauberer in die Schranken weisen müssen. Ein wunderbar alberner Ausflug in die schräge Welt der Urheberrechtsverletzung.

Brian Wood’s ‚Local : Polaroid Boyfriend‘
vimeo, Anthony Meadows
Ein knapp zehnminütiger, (überwiegend) schwarz-weißer Kurzfilm, der auf einer Ausgabe von Brian Woods Comicreihe Local basiert. Die Adaption hält sich streng an den Comic, der Bild für Bild umgesetzt wurde:

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Nagraj Vs. Shakoora The Magician

Marvel’s The Avengers

The Avengers HauptplakatThe Avengers
USA 2012
Regie: Joss Whedon
Hauptdarsteller: Robert Downey Jr (Tony Stark / Iron Man), Chris Evans (Steve Rogers / Captain America), Mark Ruffalo (Bruce Banner / The Hulk), Chris Hemsworth (Thor), Scarlett Johansson (Natasha Romanoff / Black Widow), Jeremy Renner (Clint Barton / Hawkeye), Tom Hiddleston (Loki), Clark Gregg (Agent Phil Coulson), Samuel L. Jackson (Nick Fury)

 

Die Idee ist fast so alt wie der Superheldencomic selbst: Man nehme eine Handvoll bekannter Helden und lasse sie gemeinsam als Team antreten. Mit The Avengers setzt Marvel diese Idee nun erstmals im Kino um. Die Besonderheit: Die verschiedenen Superhelden werden (mit einer Ausnahme) von denselben Schauspielern verkörpert, die sie bereits in den Vorgängerfilmen spielten.

Seit Marvel die Filmrechte an seinen Figuren nicht mehr nur an externe Studios vergibt (wie z. B. im Fall von X-Men oder Spider-Man), sondern Filme in Eigenregie selbst produziert (den Anfang machte Iron Man im Jahr 2008), baute man kontinuierlich an dem, was von Anfang an zu den speziellen Erfolgsfaktoren des Comicverlags gehörte: ein zusammenhängendes Universum, in dem die erzählten Geschichten spielen. Iron Man findet also in derselben Welt statt wie Thor, was unter anderem an Kurzauftritten von Samuel L. Jackson zu erkennen war, der als Nick Fury, Leiter der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., ein Team von Spezialagenten zusammenstellt. Die Verträge mit den Hauptdarstellern wurden so gestaltet, dass sie nicht nur für ihre „eigenen“ Filme galten, sondern auch für einem Ensemblefilm, der die Helden zusammenbringt.

Szene aus The AvengersDies geschieht nun in The Avengers: Nick Fury muss sich nicht mehr mit winzigen Gastauftritten nach dem Abspann begnügen, sondern rückt als Hauptfigur ins Zentrum. Er hat den auf Eis gelegten Supersoldaten Captain America aufgetaut, er steht in engem Kontakt mit Iron Man, und auch die Agenten Clint Barton alias Hawkeye und Natasha Romanov alias Black Widow arbeiten für ihn. Letztere schickt er nach Indien, um einen Wissenschaftler aufzuspüren, der sich dort versteckt hält: Bruce Banner, den meisten besser bekannt in seiner wütend-grünen Identität als Hulk. Im Hauptquartier von S.H.I.E.L.D. wird ein kosmischer Würfel untersucht, der schon am Ende des Thor-Films zu sehen war. Dieser Würfel scheint nicht nur eine enorme Energiequelle, sondern auch die Verbindung zu einer anderen Dimension zu sein. Durch dieses Portal kommt schon nach wenigen Minuten Laufzeit der Bösewicht des Films auf die Erde: Thors Bruder Loki reißt sich nicht nur den Würfel unter den Nagel, sondern manipuliert auch gleich noch Hawkeye sowie den Wissenschaftler Professor Selvik für seine Zwecke.

Szene aus The AvengersErfreulich schnell bringt Regisseur Joss Whedon die Handlung in Gang. Mit dem Auftritt von Loki ist der Antagonist und die große Bedrohung, die von ihm ausgeht, bereits präsent, lange bevor das titelgebende Superheldenteam sich endgültig versammelt hat. Den Aufbau des Teams entwickelt Joss Whedon mit gutem Timing parallel zur Jagd nach Loki. Dadurch erhält der Film die so wichtige Balance zwischen rasanter Action und eher ruhigen Momenten, in denen die Figuren und ihre Beziehung zueinander im Mittelpunkt stehen. Hier findet Whedon ausreichend Raum für gelungene Dialoge, für Emotionen und – ganz wichtig – für Humor, der sich vor allem aus den Rivalitäten und charakterlichen Unterschieden zwischen Alphatieren wie Iron Man, Thor oder Captain America speist. Auch wenn das Pendel in der letzten halben Stunde des Films eindeutig zugunsten dröhnender Action ausschlägt, unterscheidet sich The Avengers durch seine starken Figuren (und durch die hohe Qualität der Schauspieler, die sie verkörpern) deutlich von geistlosen Blockbustern à la Transformers.

Szene aus The AvengersWas die Figurenentwicklung angeht, gibt es eine besondere Überraschung und die ist grün: Der Hulk schwingt sich zu einem der sympathischsten Mitglieder der Avengers auf. Ein paar gute und originelle Momente des Drehbuchs sorgen dafür, dass das grüne Monster schnell die Herzen der Zuschauer erobert und sich zu einer Lieblingsfigur des Avengers-Publikums entwickeln könnte – eine Tatsache, die nach dem uninspirierten Vorgängerfilm The Incredible Hulk (mit Edward Norton als Bruce Banner) nicht zu erwarten war. Auch alle anderen Mitglieder des Ensembles kommen mit ihren Eigen- und Besonderheiten zur Geltung. Dass sich dabei manche Figur (an erster Stelle Robert Downey Jr. als Iron Man/Tony Stark) stärker in den Vordergrund drängt als andere, liegt in der Natur der Sache. Trotzdem meistert der Film die nicht ganz leichte Aufgabe, seine vielen Protagonisten halbwegs gleichwertig zu behandeln. Lediglich Jeremy Renner als Hawkeye geht ein wenig unter (was vielleicht auch daran liegt, dass er zunächst zur Seite der „Bösen“ gehört und erst später zu den Avengers stößt).

Szene aus The AvengersAuf Regisseur und Drehbuchautor Joss Whedon lagen von Anfang an enorme Erwartungen, schließlich gilt der Schöpfer von TV-Serien wie Buffy, Angel und Firefly und zeitweilige Autor mehrerer Marvel-Comicserien als Liebling vieler Comic- und Filmnerds. An einem so großen und millionenschweren Unternehmen wie The Avengers, bei dem die kreative Kontrolle einzelner Köpfe immer sehr eingeschränkt ist, war er jedoch noch nie beteiligt – es hätte also auch furchtbar schiefgehen können. Mit diesem Film beweist Whedon aber, dass er auch Blockbuster drehen kann. Zwar fehlt The Avengers die typische Verschrobenheit vieler Whedon-Werke – das hier ist schließlich kein Nischenprogramm für Geeks, sondern Mainstream für die Massen – doch es gelingt ihm, sein gutes Gespür für knackige Dialoge und Charakterentwicklung einzubringen und gleichzeitig auch in der Inszenierung krachender Actionszenen zu überzeugen. Zum Modethema 3D fällt Whedon allerdings auch nicht viel ein; bis auf ein paar recht schicke Sequenzen im großen Schlußkampf gegen ein monströses Alienwesen gibt es hier nichts, was nicht auch zweidimensional genügen würde.

Szene aus The AvengersWer Iron Man, Thor oder Captain America: The First Avenger mochte, sollte The Avengers keinesfalls verpassen. Lose Fäden aus den doch recht unterschiedlichen Vorgängerfilmen werden aufgegriffen und finden zu einem gelungenen Ganzen zusammen. Vorwissen aus diesen Filmen ist zwar nicht unbedingt nötig, aber man geht hier durchaus davon aus, dass die Zuschauer die Figuren und ihre Hintergründe kennen und spart sich ermüdende Erklärungen. Vor allem Zuschauer, die Thor nicht gesehen haben, düften an manchen Stellen die eine oder andere Frage haben.

Natürlich erfindet dieser Film das Genre des Superheldenkinos nicht neu, ist weder besonders tiefgründig noch innovativ. Anders als z. B. die düsteren Batman-Filme von Christopher Nolan, die auch ein Publikum ansprechen, das ansonsten die Finger von kostümierten Helden lässt, will dieser Film niemals mehr sein als ein großes, buntes und furioses Popcornkino-Event. Das aber macht er richtig gut, liefert sehenswerte Action, genügend Humor, ein wenig Drama und bleibt über die volle Laufzeit von immerhin 140 Minuten kurzweilig und unterhaltsam. Die Saison der Sommerblockbuster 2012 hat ihr erstes Highlight.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

So geht Blockbuster! Gelungene Zusammenführung der Marvel-Helden in einem kurzweiligen Action-Spektakel

 

Abbildungen © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Bohnenwelt

Cover BohnenweltFür seine zweite Comic-Veröffentlichung (zehn Jahre nach Inter View – Popcomics von Helge Arnold und Christopher Tauber) hat sich der Mainzer Ventil Verlag einen amerikanischen Comic ausgesucht, der dort schon seit 1983 exisitiert, es aber bislang nie zu uns geschafft hatte: Larry Marders Beanworld, eine, so der Untertitel der US-Ausgabe, „höchst sonderbare Comic-Erfahrung“.

Bohnenwelt ist in der Tat sehr ungewöhnlich. In kurzen Episoden erzählt Larry Marder von einem kleinen, in sich geschlossenen Kosmos, der auf den ersten Blick ganz anders ist als unsere reale Welt – auf den zweiten Blick jedoch viel mit ihr gemein hat. Die Bohnenwelt besteht aus einer Landfläche, auf der jede Menge kleine Bohnen leben. Diese ernähren sich von Kau, einer Substanz, die sie auf Jagdzügen im Untergrund erbeuten müssen. Das Kau wird bewacht von Kreaturen namens Hoi Polloi, die unter der Bohnenwelt leben und dort sogenannte Stummelsprosse zu Kau verarbeiten. Jene Stummelsprosse wiederum wachsen auf einem großen Baum an der Oberfläche der Bohnenwelt, der von den Bohnen als eine Art Gottheit verehrt wird.

Klingt seltsam? Schon, aber Larry Marder stellt uns diese Welt in einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit dar, so dass man es nicht als wirr oder bekloppt wahrnimmt, sondern im Gegenteil als vollkommen logisch und sinnvoll. Das erste Kapitel erklärt den Kreislauf des Lebens auf der Bohnenwelt, der im Prinzip funktioniert wie ein Ökosystem oder ein Organismus. Ein perfektes Gleichgewicht, das von bestimmten Umweltbedingungen abhängig ist. Was geschieht, wenn sich diese ändern, erkundet Marder in den folgenden Kapiteln.

Seite aus BohnenweltDie Protagonisten dieser Geschichten sind leicht überschaubar: Neben der namenlosen Masse an Bohnen, von denen sich die meisten als „Kau-Lanzer“ um die Nahrungsbeschaffung kümmern, gibt es eine Rockband, den heldenhaften Anführer Mr. Spuk und Professor Garbanzo, die Forscherin der Bohnenwelt. Dazu kommt später noch Bohnerich, der mit seiner „Schau-an-Schau“ etwas ganz Neues, bislang völlig Unbekanntes in die Bohnenwelt bringt: Kunst!

Gezeichnet ist Beanworld in einem sehr reduzierten, minimalistischen Stil, der an Kinderzeichnungen erinnert: zweidimensional, mit dem Boden als waagrechtem Strich, fast ohne Hintergründe, mit Figuren im Strichmännchen-Stil und minimalen Gesichtsausdrücken. Diese Reduktion passt perfekt zur Bohnenwelt, die zunächst so simpel und kindlich erscheint, aber auch eine Menge Spielraum für Interpretationen lässt. Die Beanworld-Stories funktionieren als einfache, sehr witzige Unterhaltung. Man kann sich aber von Marder auch einladen lassen, über „große Themen“ wie Wissenschaft, Religion und Kunst nachzudenken. Denn die Bohnenwelt, sagt Marder, „ist kein Ort, sie ist ein Prozess.“ Und an dem hat der Leser mitzuwirken, wie es auch Scott McCloud in seinem Vorwort formuliert: „Von allen Menschen, die jemals die Bohnenwelt besuchen werden, bist Du der einzige, der sie auf diese Weise wahrnehmen kann. Auf Deine Weise. So, wie sie ist.“

Seite aus BohnenweltEin wichtiges Beanworld-Element ist auch die Sprache, für die Marder einen ganz eigenen Slang entwickelt hat. Fast jede Figur hat ihre eigene, spezielle Ausdrucksweise und alle wichtigen Besonderheiten der Bohnenwelt haben skurrile, oft doppeldeutige Namen, die nicht frei erfunden, sondern an bekannte Begriffe angelehnt sind (wie z.B. das Nahrungsmittel Kau oder der lebensspendende Baum namens O’Ma’Pa). An dieser Stelle ist die exzellente Übersetzung der deutschen Ausgabe zu loben, an der die Lyrikerin Daniela Seel zusammen mit dem Comiczeichner Dirk Schwieger (Moresukine) arbeitete. Schwieger ist selbst langjähriger Fan der Serie und schrieb schon 1997 einen englischen Schulaufsatz darüber. Den beiden gelingt es, Marders Sprachwitz auf eine Weise ins Deutsche zu transportieren, für die man ruhig einmal den abgedroschenen Begriff „kongenial“ verwenden darf. Da werden aus den „Chow Sol’jers“ die Kau-Lanzer, aus der „Bone Zone“ die Schädelschicht und der Klebstoff „Gunk’l’dunk“ wird zum Wabb’l’bapp.

Die Bohnenwelt ist skurriles, seltsames Universum, das auf den ersten Blick vielleicht befremdlich wirkt, das sich aber zu erforschen lohnt. Die 272 Seiten des Sammelbands liest man besser nicht am Stück – die Einzelhefte erschienen in relativ großen Abständen und Marder wiederholt die Grundlagen immer wieder, was in geballter Form schnell ermüdend wirkt. Wer aber nach neun Kapiteln am Ende angelangt ist, wird (nicht nur wegen des Cliffhangers) mehr wollen. Zu viele Ecken der Bohnenwelt sind noch unerforscht, zu viele Phänomene unbekannt, zu viele Fragen ungefragt. Und auch wenn nirgendwo auf dem Buch eine „Nummer 1“ steht, ist doch sehr zu hoffen, dass der Ventil verlag noch weitere Bände folgen lässt.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Hoka•Hoka•Wabb’l’bapp! Hoka•Hoka•Hey!


Bohnenwelt
Ventil Verlag, Februar 2012
Text und Zeichnungen: Larry Marder
272 Seiten, schwarz-weiß, Softcover mit Klappenbroschur
Preis: 17,90 Euro
ISBN: 978-3-931555-44-3

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Abbildungen © Larry Marder, der dt. Ausgabe: Ventil Verlag

Zwielicht 1 – Wölfel von Ulf

Cover Zwielicht 1 Man kann so manchen Fan schon stöhnen hören: „Nicht schon wieder eine neue Vampirserie“. Wahrlich machen sie ihrem Namen als Untote alle Ehre. In den letzten Jahren ist in jedem popkulturellen Bereich eine schon fast unübersehbare Anzahl an neuen Titeln und dementsprechend auch Interpretationen festzustellen. Die Blutsauger sind eben nicht unterzukriegen. Zwielicht ist es als einer neuen Vampirserie durchaus gelungen, in einem ziemlich ausgesaugten Segment einige recht neue Aspekte zu finden.

Dabei fängt der Comic nicht unbedingt spektakulär an. Starautor Corbeyran (Der Gesang der Strygen, Schmetterlingsnetzwerk u.v.a.) entwirft darin eine Steampunkwelt, in der eine Stadt von großen, dichten Wäldern umgeben ist, in denen Vampire hausen. Das ist schonmal ein großer Pluspunkt. Warum kam eigentlich so gut wie niemand vorher auf die Idee, Steampunk mit Vampiren zu verbinden? Es fängt also vielversprechend an, das viktorianische Flair ist immer noch das Nonplusultra, wenn es um Vampire geht, weil es eben diese zu ihren den Wurzeln im Gothic Horror zurückführt.

Jedenfalls sehen sich die Menschen dazu genötigt, Milizen aufzustellen, um die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten. Der Anführer der Nachtmiliz ist der geheimnisvolle Wölfel von Ulf, das Ziehkind des aktuellen Bürgermeisters und Stiefbruder des neidischen Anführers der Tagesmiliz. Wölfel wurde als Kind im Wald gefunden. Da dies aber bei Tag geschah, ist er kein Vampir und wurde adoptiert. Nun stellt sich aber heraus, dass offenbar eine neue Rasse von Vampiren entsteht, deren erster Vertreter Wölfel sein könnte.

Seite aus Zwielicht 1Eigentlich gehört es zum Wesen des Steampunk, dass viktorianische Elemente mit Science-Fiction vermischt werden. Letzteres ist hier kaum zu finden, wenn man mal von einigen Fahrzeugen und Waffen absieht. Strenggenommen spielt Zwielicht also nicht direkt in einem Steampunk-Setting, aber bei weitem auch nicht in einem historischens Umfeld. Corbeyran entwirft hier durchaus eine fremde Welt, so dass man Zwielicht getrost dem Genre zurechnen kann. Erstaunlicher- und bedauerlicherweise ist auch der Horror nicht sonderlich ausgeprägt. Aber keine Sorge, es handelt sich auch nicht um romantisches Geschnulze wie in Twilight und dessen Nachkommen.

Im ersten Band der Serie überwiegt Politik und ein Intrigenspiel, das sich gegen den Helden richtet. Dessen mögliche Vampiridentität dient mehr als willkommener Angriffspunkt für die Intrigen seiner Gegner denn als Grundlage für ein Horrorszenario. Corbeyran lässt dabei auf sehr geschickte Weise einige Intrigen ins Leere laufen. Da wird erst lange geplant und dann geschehen Dinge, die das alles obsolet werden lassen. Das dürfte bei solchen Winkelzügen wohl häufiger der Fall sein.

Phasenweise tritt der Band allerdings ziemlich auf der Stelle und ist auch sehr geschwätzig geraten. Erst gegen Ende nimmt die Handlung Fahrt auf. Allerdings auch in einem negativen Aspekt: Der Held findet sich mit den für ihn negativen Enthüllungen erstaunlich schnell ab. Auch die Liebesgeschichte ist zwar für die weibliche Figur glaubwürdig ausgestaltet, aber für die männliche nicht direkt überzeugend.

Seite aus Zwielicht 1Insgesamt kann die Story also noch nicht komplett überzeugen, aber dafür macht die Graphik einiges wett. Gekonnt verbindet Tihomir Celanovic Elemente der viktorianischen Epoche mit Steampunk und schafft es, auch noch Noir-Zutaten dazu zu nehmen. So ist die Stadt an sich ein wesentlicher Bestandteil der Erzählung und es gibt viele schöne Einfälle, wie etwa die teils ungewöhnliche Darstellung von Dialogen. So sieht man einen Dialogpartner in einem Panel etwa nur gespiegelt in einer Flasche und später in der Flüssigkeit. Was es ermöglicht, beide Gesprächspartner in einem Panel unterzubringen, ohne konventionell zu werden. Auch die Farbgebung von Nikola Vitkovic kann überzeugen, wenn etwa Rauchschwaden in der Luft hängen. Leider sind die Posen der Figuren manchmal sehr ausladend geworden, mit einer leichten Tendenz zur Theatralik.

Was ist nun aber neu an den Vampiren? Da soll noch nicht allzu viel verraten werden. Jedenfalls werden sie als ein früherer Evolutionszweig des Menschen dargestellt und ähneln nicht nur optisch den Neandertalern. Dementsprechend wird das Bluttrinken natürlich mit Barbarei und entsprechender Zivilisationsferne gleichgesetzt. Wobei auch das Verhalten der zivilisierten Menschen barbarisch anmutet, nur in einer anderen Form. Gerade wegen dieser Aspekte darf man auf die weiteren Bände dieses Dreiteilers gespannt sein.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Die noch nicht ganz überzeugende Story punktet mit gelungener Graphik und interessanten neuen Aspekten, die der Vampirthematik abgerungen werden.

 

Zwielicht 1 – Wölfel von Ulf
Splitter Verlag, Januar 2012
Text: Eric Corbeyran
Zeichnungen: Tihomir Celanovic
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-434-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche: Mit Raupkopierern, ethischen Fragen und einem Comic-Tagebuch aus Luzern

Unsere Links der Woche, Ausgabe 15/2012:

 

Fünf Fragen: Dr. Jane Redlin | Museum Dahlem
graphic-novel.info
Demnächst im Berliner Museum Dahlem: Die Ausstellung Comicleben, die sich dem Thema mal auf eine etwas andere Weise nährt, als immer nur Originale bestimmter Künstler an die Wand zu hängen. In einem Kurzinterview erklärt Kuratorin Jane Redlin das Konzept.

Interview mit einem Comic-Raubkopierer
Comic-Report, Rich Johnston
Bei Rich Johnston, dem berühmtesten Gerüchtekoch des Comic-Internets und gelegentlich auch Comic-Autor, meldete sich vor kurzem ein ehemaliger Comicpirat namens „Archangel“, der bis zu seinem Ausstieg vor ein paar Jahren zu den aktivsten Mitgliedern der Scanner-Szene gehörte, die Comics einscannen und illegal in Tauschbörsen verbreiten. Johnston führte daraufhin ein Mail-Interview mit Archangel, das beim Comic-Report nun auch in deutscher Übersetzung zu lesen ist. Inhaltlich gibt es nicht allzu viel Neues, interessant ist aber Archangels These, die das Scannen als eine Form der Drogensucht bezeichnet, aus der man nur schwer wieder aussteigen könne, wenn man mal damit angefangen habe.

Webbonus: Kurzfilme von Nicolas Mahler
arte.tv
Nicolas Mahler macht nicht nur Comics, sondern seit vielen Jahren auch kurze Trickfilme. Im Netz waren die bislang kaum zu finden, jetzt aber zeigt Arte fünf Kurzfilme als Bonus zu einem kurzen Beitrag über Mahler, der im Kulturmagazin Metropolis zu sehen war. Große Empfehlung!

The Ethical Rot Behind ‚Before Watchmen‘ & ‚The Avengers‘
ComicsAlliance, David Brothers
Dass die Schöpfer von Watchmen, Alan Moore und Dave Gibbons, vom Verlag DC Comics bezüglich ihrer Rechte an dem Comic nicht gerade fair behandelt wurden, ist bekannt. Vor allem Moore fühlt sich hintergangen und protestiert offen gegen das kürzlich angekündigte Prequel-Projekt Before Watchmen. Seit dieser Ankündigung regt sich in der US-Comicszene lautes und leises Unbehagen. David Brothers bringt dieses Unbehagen in einem lesenswerten Essay zum Ausdruck, in dem er erklärt, er werde künftig keine Comics von DC und Marvel mehr kaufen. Den Ausschlag bei DC gab für ihn die unverschämte Behandlung von Alan Moore, bei Marvel die niemals wiedergutgemachte Ausbeutung von Jack Kirby, der für ein paar Dollar Dutzende von Figuren miterschaffen hat, mit denen Marvel nun (z.B. mit dem Avengers-Film) Millionen verdient. Zitat Brothers: „Es ist ekelhaft, wie würdelos man diese Leuten behandelt. Juristisch sind die Konzerne im Recht, aber aber für mich ist klar, dass Marvel und DC moralisch falsch liegen. Sie haben die Rechte der Schöpfer auf ausbeuterische, unehrliche und beleidigende Art missbraucht, und noch immer ernten sie Profite aus diesem Missbrauch.“

Parting Shot: Chris Roberson Ends Work with DC Comics, Citing Ethical Concerns
ComicsAlliance, Laura Hudson
Am nächsten Tag kündigte Autor Chris Roberson, der verschiedene Serien für DC schreibt, seinen Ausstieg an. Er werde künftig keine Aufträge für DC annehmen, weil er die Art und Weise, wie der Verlag mit verdienten Kreativen und deren Erben umgeht, verurteilt. Den endgültigen Ausschlag für seine Entscheidung habe der Text von David Brothers gegeben. Vielleicht hat der Ärger aber auch damit zu tun, dass Robersons Vertigo-Serie iZombie gerade erst eingestellt wurde. Interessant wird sein, ob weitere Kreative dem Beispiel von Roberson folgen werden, oder ob er ein Einzelgänger bleibt.

Best Job Ever: My Six Months As An Eisner Judge
Publishers Weekly, Brigid Alverson
Die Comic-Journalistin Brigid Alverson (die u.a. bei Robot 6 schreibt) war in diesem Jahr Mitglied der Jury bei den Eisner Awards, die die Nominierten für die einzelnen Kategorien aufstellt. In diesem Artikel plaudert sie ein wenig aus dem Nähkästchen: „It was like being in training, like Rocky if all Rocky did was read and eat.“

Swiss Dispatch (day one)
Gabrielle Bell
Die in New York lebende Indie-Comic-Macherin Gabrielle Bell war zu Gast beim Fumetto-Festival in Luzern und berichtet in ihrem Blog in Comicform darüber. Der obige Link führt zu Tag 1, insgesamt besteht der Reisebericht aus elf Folgen (den besten Überblick bietet dieser Link).

Summer Wars 1

Summer Wars 1Aus dem Blätterwald tönen die Stimmen und warnen vor den Gefahren der digitalen Welt. Es heißt, die sozialen Netzwerke seien gar nicht so sozial und hätten es nur auf unsere Daten abgesehen. Während die digital Zugezogenen aus dem Feuilleton erst allmählich damit beginnen, sich über das Internet Gedanken zu machen, ist die Fiktion schon mehrere Schritte weiter. In dem Anime Summer Wars (2009) von Mamoru Hosoda drängt die virtuelle Welt OZ ihre Schwester, die reale Welt, bis an den Abgrund. Carlsen hat die dreibändige Manga-Adaption des japanischen Erfolgsanime auf den deutschen Markt gebracht.

In traditioneller Leserichtung wird die Geschichte des Oberschülers und Mathe-Genies Kenji Koiso erzählt. Der technophile Stereotyp kennt sich zwar gut mit Computern und Zahlen aus, aber mit der großen Liebe hapert es noch. In eben jenem beschriebenen Sommer wählt ihn seine heimliche Liebe Natsuki zu ihrem Verliebten. Natürlich hat sie eine Agenda; sie will damit ihre alternde Großmutter und den dazugehörigen Familienclan glücklich machen. An dieser Stelle könnte der Anime belanglos in die Annalen der peinlichen Momente zwischen den Geschlechtern eingehen. Gäbe es da nicht OZ.

Anime und Manga führen nicht nur auf den japanischen Inselstaat, sondern eben auch in eine virtuelle Welt, die dem heutigen Internet gar nicht mehr so unähnlich ist. Eine Welt, die all unsere Geheimnisse kennt, eine Welt, die unsere Stromversorgung und unseren öffentlichen Dienst lenkt. OZ vereint all dies in sich und seine Nutzer geben ihre Mündigkeit gerne am Eingang ab. Erst als ein Virus Besitz von OZ ergreift, kommen Zweifel ob des digitalen Angebots auf. Es ist obliegt Kenji, sich dem Virus zu stellen, Natuskis Herz zu gewinnen und ganz nebenbei die Welt zu retten.

Die Welt von OZ (Anime)Während der Anime die virtuelle mit der realen Welt liebevoll kontrastiert, gelingt dies in der gedruckten Adaption nicht. Die Welt OZ lebt gerade durch ihre animierte Tiefenschärfe, ihre unterschiedlich verpixelten Avatare und durch eine poppig-bunte Farbwelt, die dem legendären Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band-Cover der Beatles das Wasser reichen kann. Während dort rosa und blaue Wale die Sicherheitssysteme symbolisieren, versucht man im schwarz-weißen Manga erst gar nicht ein grafisches Pendant zu erzeugen. Eine wirklich durchdachte Verarbeitung des Stoffes durch Panel-Layout oder andere innovative Ideen in der Darstellung bleibt aus.

Punkten könnte die Umsetzung bei der Darstellung von Natsukis Großfamile, die dem Internet als vernetzte Gemeinschaft gegenübergestellt wird. Beim Familiendinner und in Gesprächen in der Küche wird im Film das Zwischenmenschliche durch Dialoge und Wortwitz hervorgehoben. Was erst als chaotisches Durcheinander präsentiert wird, verwandelt sich in der Not zu einem alternativen Netzwerk, das der digitalen Welt noch immer die Stirn bieten kann. Im ersten Band des Manga ist hiervon jedoch nicht viel zu erkennen. Obwohl die Geschichte grafisch äußerst sauber umgesetzt wurde, überzeugt der Manga auf der Handlungsebene nicht. Ein bisschen Slapstick, ein paar schnelle Wechsel der Settingsm unterlegt mit der koordinierenden Stimme der Großmutter; so konkurrieren die beiden Welten im Manga nur durch ihre Leblosigkeit.

 

Wertungalt

Eine Adaption, die zwar der Geschichte treu bleibt, aber nicht die Lust des Originals versprüht.

 

Summer Wars 1
Carlsen Manga, Dezember 2011
Text: Mamoru Hosoda/Iqura Sugimoto
Zeichnungen: Yoshikyuki Sadamoto
192 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 6,95 Euro
ISBN: 9783551762962

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Carlsen Comics

Dylan Dog – Dead of Night

DVD-Cover Dylan DogDylan Dog – Dead of Night
USA 2011
Regie: Kevin Munroe
Hauptdarsteller: Brandon Routh (Dylan Dog), Anita Briem (Elizabeth), Sam Huntington (Marcus), Taye Diggs    (Vargas), Kurt Angle (Wolfgang), Peter Stormare (Gabriel)

 

Schon im Jahr 1997 hatte die Firma Platinum Studios die Filmrechte an Dylan Dog gekauft, jenem italienischen Comic-Klassiker aus dem Genre der „Fumetti Neri“. Doch erst 2011 feierte der fertige Film seine Premiere. In Deutschland kam der Film nicht ins Kino, sondern wurde Anfang des Jahres direkt auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht. Brandon Routh, der als Superman bereits Erfahrung in Sachen Comicverfilmungen vorweisen kann, spielt den Titelhelden: einen coolen Privatdetektiv, der für übernatürliche Verbrechen zuständig ist.

Szene aus Dylan Dog – Dead of NightDie Story von „Dead of Night“ (so der Untertitel) beginnt mit einem Dylan Dog, der sich aus dem Geschäftsbereich des Paranormalen zurückgezogen hat und nur noch als „klassischer“ Privatdetektiv arbeitet. Kleinkram wie das Verfolgen von Seitensprüngen, das Übliche. Doch ein Zufall führt dazu, dass er sich wieder seinem alten Spezialgebiet zuwendet: Ein Mann ist ermordet worden und alle Spuren weisen auf einen Werwolf hin. Die Ermittlungen führen Dylan und seinen Assistenten Marcus in das Milieu von Vampiren, Werwölfen und Zombies, die in New Orleans mehr oder weniger im Verborgenen leben. Dylan hatte früher einmal die Rolle des „Vermittlers“ zwischen diesen Untoten und den Menschen inne, er kennt sich also aus mit diesen Geschöpfen. Bald bringt er in Erfahrung, dass rivalisierende Untoten-Clans auf der Jagd nach einem wertvollen Artefakt sind, mit dem ein mächtiger Dämon heraufbeschworen werden kann. Als jedoch Hilfsdetektiv Marcus gebissen wird und langsam zum Zombie mutiert, werden die Dinge kompliziert …

Szene aus Dylan Dog – Dead of NightSchon diese kurze Beschreibung lässt erahnen: Nichts am Drehbuch von Dead of Night ist wirklich originell. Ständig begegnet man Versatzstücken aus Serien wie Buffy, Angel oder True Blood und Filmen wie Underworld oder Hellboy. Und obendrein ist die Handlung auch noch ziemlich vorhersehbar. Das wäre noch kein Problem für einen Genrefilm, wenn er zum Beispiel über die Figuren einen eigenständigen Ansatz finden würde. Und die Figur des Dylan Dog, wie Tiziano Sclavi sie für seine Comics geschaffen hat, bietet dafür eigentlich beste Voraussetzungen. In den Fumetti ist Dylan ein melancholischer Dandy mit exzentrischen Hobbys, einer ganzen Reihe von Phobien und einem Hang zu schönen Frauen. Leider verschenkt Regisseur Kevin Munroe (TMNT) diese Chance: Brandon Routh ist als Dylan Dog zwar gutaussehend, ansonsten aber blass, glatt, konturlos und ohne jedes Charisma. Außer dem roten Hemd, das er stets zu Jeans und Jacket trägt, hat er nur wenig mit seinem Comic-Vorbild gemein.

Szene aus Dylan Dog – Dead of NightÜberhaupt nahmen die Filmemacher einige gravierende Änderungen gegenüber der Vorlage vor: Der Schauplatz wurde (wohl hauptsächlich aus Kostengründen) von London nach New Orleans verlegt, und Dylans Assistent und Sidekick Groucho, der aussieht wie Groucho Marx, wird im Film durch den Durchschnittstypen Marcus ersetzt. Während der Film aus dem Schauplatz New Orleans überhaupt nichts macht (er könnte im Grunde in jeder beliebigen Stadt spielen), gerät die Figur des Marcus zum Lichtblick in einem insgesamt eher schwachen Film. Sam Huntington (der schon in Superman Returns als Jimmy Olsen als Sidekick von Brandon Routh im Einsatz war) spielt ihn als jung-naiven, leicht trotteligen, aber sehr sympathischen Jungen von Nebenan. Er ist zuständig für den „comic relief“ und das gelingt ihm ganz ausgezeichnet. Sein trockener Humor sorgt für eine ironische Note und rettet den Film über manche langweilige Passage hinweg.

Szene aus Dylan Dog – Dead of NightDass die Masken und Spezialeffekte hier nicht auf allerhöchstem Niveau liegen, sorgt nicht für Minus-, sondern eher für Sympathiepunkte. Hier gibt es kein teures CGI, sondern handgemachte Old-School-Tricks, die zwar nicht perfekt aussehen, aber viel Charme transportieren. Am Ende bleibt ein durchwachsener Gesamteindruck: Dylan Dog – Dead of Night ist kein ganz schlechter Film, durchaus ansehbar und als leichte Kost für Zwischendurch geeignet. Richtig toll ist er allerdings nicht geworden, und seiner Vorlage wird er nicht gerecht. Schade für die Fans der Dylan Dog-Comics (auch wenn das in Deutschland nicht allzu viele sind). Immerhin konnte Kevin Munroe noch ein paar kleine Referenzen im Film unterbringen, die als Verneigung vor dem Comic und als Insidergag für Fans gedacht sind: So trägt zum Beispiel einer der mafiösen Vampire den Namen Sclavi.

Szene aus Dylan Dog – Dead of NightDas vielleicht Aufsehenerregendste an Dylan Dog – Dead of Night ist die deutsche FSK-Freigabe. Ein dicker roter „Ab 18“-Stempel prangt auf dem DVD-Cover. Dabei ist der Streifen kaum verstörender, gruseliger oder brutaler als eine durchschnittliche Folge von Buffy the Vampire Slayer. Wer sich vom „Ab 18“-Siegel harten Horror oder gar blutigen Gore erhofft, dürfte hier extrem enttäuscht werden. Wie die FSK-Prüfer zu ihrer Einschätzung kommen, bleibt rätselhaft. Zum Vergleich: In den USA hat der Film eine PG-13-Freigabe, in Großbritannien ist er ab 15 freigegeben.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Mäßige Horror-Durchschnittkost, die den Geist der Comicvorlage verfehlt

 


Dylan Dog auf der Website von Platinum Studios
Offizielle Dylan Dog-Seite von Sergio Bonelli Editore (italienisch)
Dylan Dog bei Edition Schwarzer Klecks   
Dylan Dog
in der Wikipedia

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Abbildungen © Studiocanal