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In der Strafkolonie

Cover In der StrafkolonieDer Knesebeck Verlag hat sich in seinem Comicprogramm auf Literaturadaptionen konzentriert und bietet nach Die Verwandlung mit In der Strafkolonie eine weitere Bearbeitung einer Kafka-Geschichte als Graphic Novel an.

Ein Reisender besucht eine Strafkolonie und bekommt von einem Offizier eine Hinrichtungsmaschine präsentiert, die mit spitzen Nadeln das Urteil in den Körper des Verurteilten hineinschreibt, der letztendlich daran sterben wird. Die Bewunderung des Offiziers seinem verstorbenen Kommandanten und Erfinder der Maschine gegenüber befremdet den Reisenden immer stärker, während der Offizier das praktizierte Justizsystem anpreist.

In der Strafkolonie ist eine strenge Adaption der Novelle von Franz Kafka. Da sie sich sehr eng an die Vorlage hält, deutet sie nicht oder will ihr keine neuen Aspekte abgewinnen, was beispielsweise durch Einsatz von Off-Kommentaren möglich wäre. Indem Szenarist Ricard und Zeichner Mael komplett auf einen solchen verzichten, zeigen sie nicht nur ihre gestalterische Meisterschaft, da allein die Bilder, der Dialog und die Mimik der Protagonisten für sich sprechen, sondern setzen eben auch keinen irgendwie gearteten erzählerischen Schwerpunkt. Sie machen es sich aber auch nicht einfach und verzichten darauf, Kafkas Erzähltext direkt zu übernehmen, wie es ansonsten oft bei Lieraturadaptionen der Fall ist. Stattdessen gehen sie einen schwereren Weg und legen den Fokus auf die Bilder. Nur der Dialog ist Kafka entnommen, alle Beschreibungen und emotionalen Zustände sind dagegen allein in den Bildern zu finden.

Seite aus In der StrafkolonieRicard und Mael halten sich zwar an Kafkas bedrückende und grausame Novelle, die erschreckend hellsichtig war (geschrieben wurde sie 1914) und das maschinelle Töten der zwei Weltkriege vorwegnahm, aber irgendetwas Neues gewinnen sie daraus nicht. Gerade eine Versetzung in die Zeit der Weltkriege oder in die Gegenwart mit Phänomenen wie Abu Ghraib hätte dem Stoff seine Zeitlosigkeit wiedergegeben und aufgezeigt, wie aktuell das Geschilderte noch ist. Dennoch wird deutlich, dass bereits eine Anklage in gewissem Sinne eine Verurteilung darstellt. Denn allein eine Anklage impliziert eine mögliche Schuld und demnach ein gesellschaftliches Stigma. Schließlich wird dem vermeintlich Schuldigen die Möglichkeit zur Tat und eine gewisse psychische Disposition dazu unterstellt. In der Geschichte erfährt der Verurteilte sein Urteil erst bei der Bestrafung, womit beide Aspekte untrennbar ineinander fallen. Doch Kafkas Stoff ist vielschichtig genug, dass jeder Leser andere inhaltliche Schwerpunkte setzen kann, wie etwa der fatale Gehorsam des Offiziers.

Die Zeichnungen der Gesichter sind schon fast expressionistisch und man hat das Gefühl, dass sie manches Mal in Linien zerfallen könnten. Doch Mael gelingt es hervorragend, Emotionen rein durch seine Zeichnungen auszudrücken. Ist aber eine Adaption, die lediglich nacherzählt und keine Wertung, keine Sichtung, keine Aktualisierung und Gewichtung vornimmt, wirklich nötig? Könnte man da nicht einfach erneut die Novelle lesen?

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Strenge Adaption, die keine Fokussierung vornimmt, sondern nur bildlich nacherzählt: zwar gekonnt, aber nicht unbedingt nötig.

 

In der Strafkolonie
Knesebeck Verlag, Januar 2012
Text: Sylvain Ricard
Zeichnungen: Mael
Übersetzung: Anja Kootz
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-86873-459-1
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Knesebeck

Links der Woche: Mit Forenumzügen, schwulen Superhelden und einem Manifest

Letzte Woche haben wir aus Gründen pausiert, deshalb gibt es heute eine extragroße Ausgabe mit den besten und wichtigsten Comiclinks aus den letzten 14 Tagen. 

Unsere Links der Woche, Ausgabe 19/2012:

FAQ
Daisuki
Das Manga-Magazin Daisuki aus dem Carlsen Verlag wird nach neun Jahren eingestellt, denn: „Trotz einiger sehr treuer Daisuki-Leser gingen in den letzten Jahren die Zahlen des Magazins kontinuierlich zurück und mittlerweile macht Daisuki jeden Monat deutliche Verluste.“ Die an Mädchen gerichtete Zeitschrift überlebte damit deutlich länger als das Jungs-Pendant Banzai!. Auf einer Sonderseite im Web beantwortet die Redaktion die drängendsten Fragen.

In eigener Sache: Die Rückkehr der Manga ins Comicforum
Splashcomics, Bernd Glasstetter
Nachdem etliche unangekündigte Umstrukturierungen im Comics-in-Leipzig-Forum für großen Unmut gesorgt haben, wechseln am 31. Mai fast alle Manga-Verlage, die dort ihr offizielles Forum hatten, zu comicforum.de (von wo aus sie teilweise vor etlichen Jahren weggezogen waren, weil sich ein Großteil der Manga-Community eben im CiL-Forum tummelte).

Grußworte und Blitzinterviews
YouTube, ComicClash
Der von den Magazinen Moga Mobo und Epidermophytie initiierte Comic Clash, ein Wettbewerb der Comicmagazine, geht in die entscheidende Runde: 20 fertige Magazine liegen vor. Bewertet werden Sie in drei Teilen: in einer Online-Abstimmung, gegenseitig von den Teilnehmern sowie von einer prominenten Jury, deren Mitglieder sich in kurzen Clips auf YouTube vorstellen.

Comic-Transfer: Comic-Autoren aus Europa und der arabischen Welt im Dialog
Goethe-Institut
Eine neue Inititative des Comic-affinen Goethe-Institus bringt Comicmacher aus Europa mit welchen aus dem arabischen Raum zusammen. Das neu gestartete Blog „Comic-Transfer“ bringt zunächst Comicbeiträge dreier Zeichner aus Berlin, Paris und Beirut, die in einem Ringtausch die Wohn- und Arbeitsorte gewechselt haben.

Auftakt
Comicfestival Hamburg
Nach einem Jahr Pause wird es in diesem Herbst wieder ein Comicfestival in Hamburg geben. Die Website kündigt eine „Verlagsmesse und Small Press Börse“ an, dazu „Ausstellungen verschiedener Künstler, internationalen Gästen und zahlreichen Mini-Ausstellungen in Ladengeschäften“.

Das Beste in Bildern
Die Welt, Thomas von Steinaecker
In ihrer Beilage „Die literarische Welt“ blickt die Tageszeitung Die Welt auf den aktuellen Trend, Klassiker der Literatur in Comicform zu adaptieren und nimmt recht kritisch einige Beispiele unter die Lupe.

Brecht muss noch warten
Die Welt, Matthias Heine
Auf der gleichen Seite spricht Suhrkamp-Mitarbeiter Winfried Hörning im Interview über die Comicaktivitäten des renommierten Literaturverlags, die unlängst mit Nicolas Mahlers Thomas-Bernhard-Adaption Alte Meister gestartet wurde.

The A to B Manifesto. The creator as retailer
Gladstone’s School for World Conquerors, Mark Andrew Smith
Mark Andrew Smith, Comicautor und Miterfinder der Anthologie Popgun, finanziert derzeit sehr erfolgreich ein Comicprojekt über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Parallel meldet er sich mit einem Manifest zu Wort: Demnach stehen wir vor einer Blütezeit der „creator owned“-Comics (also solchen, die nicht im Auftrag einer alle Rechte besitzenden Firma wie Marvel oder DC entstehen). Allerdings seien die Kreativen im derzeitigen US-Vertriebsmodell diejenigen, die als allerletztes Geld sehen würden. Smiths Lösungsansatz: Der Comicmacher muss selber zum Händler werden und auf direktem Weg ein Geschäft mit dem Endkunden abschließen.

CREATORS’ RIGHTS: How the Jack Kirby case caused acclaimed ROGER LANGRIDGE to quit DC and Marvel
Comic Riffs, Michael Cavna
Nachdem Chris Roberson sich aus ethischen Gründen von DC Comics verabschiedet hat (siehe letzte Links der Woche) kündigt Comicautor Roger Langridge (The Muppet Show), der diverse Serien für Marvel geschrieben hat, jetzt einen ähnlichen Schritt an und erklärt im Interview seine Beweggründe.

Gay superheroes soar into comic book battle
The Guardian, Ben Quinn und Mark Brown
Ein großes Echo fand diese Woche die Ankündigung, dass in Kürze die erste gleichgeschlechtliche Hochzeit in einem Marvel-Comic stattfinden würde. Fast gleichzeitig kündigte auch Konkurrent DC an, dass demnächst ein prominenter Comicheld sein Coming-Out haben soll. Neben dem üblichen Presseecho gab es auch die unvermeidlichen Pawlow’schen Reaktionen von reaktionären Spinnergruppen wie „One Million Moms“ (was in Sachen Publicity aber nur guttun kann und bestimmt einkalkuliert war). Lesenswerter Kommentar zum Thema: Marvel and DC just go GAY, all of a sudden!, in dem J. Caleb Mozzocco die Verlage im 21. Jahrhundert willkommen heißt und fragt, was daran eigentlich so besonders sein soll.

Disassembled
vimeo, Junaid Chundrigar
Hübscher zweiminütiger Zeichentrickfilm mit den Marvel-Helden als schrägen Cartoonfiguren, die einen schlechten Tag erwischt haben.

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Neil Gaiman Addresses the University of the Arts Class of 2012
vimeo, The University of the Arts Philadelphia
Neil Gaiman hält eine Rede vor Absolventen einer Kunsthochschule und ermuntert sie mit dem Aufruf „Make good art!“

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Marvel’s Avengers
My Paper Heroes, Xavier Gale-Sides
Die Helden aus dem Film, den gerade alle zu lieben scheinen, als Pappfiguren zum Selberbasteln. Wirklich hübsch!

Zeit der Asche

Cover Zeit der AscheAuf Geheiß des Zwergenrates begeben sich die drei mutigen Krieger Noren, Aren und Oten ins ferne Land Erwandor, um dort den Nachfolger ihres verstorbenen Königs aufzuspüren. Doch der Weg ist gepflastert mit allerlei Gefahren, zu viele für drei unerfahrene Zwerge. Also engagieren sie den gerissenen Reiseführer Firfin, kurz darauf wird zusätzlich noch der plumpe Söldner Morkai angeheuert.

Die drei in dieser Gesamtausgabe versammelten Alben von Zeit der Asche wurden bereits vor etlichen Jahren vom Alpha Verlag im Rahmen des Magazins Schwermetall bzw. in der Reihe Schwermetall präsentiert veröffentlicht. Splitter bringt nun die komplette Serie in einem schicken Hardcover-Band.

Im Grunde haben Szenarist Bruno Chevalier und Zeichner Thierry Ségur mit Zeit der Asche einen Comic umgesetzt, der gerade am Anfang an Herr der Ringe erinnert. Auch hier versammeln sich Gefährten, um an ihr Ziel zu gelangen. Im weiteren Verlauf relativiert sich dieser Eindruck und die dreiteilige Geschichte (zufällig also auch eine Trilogie) fährt einen völlig einen anderen Kurs.

Seite aus Zeit der AscheChevalier zündet in seiner Handlung ein Feuerwerk aus Gefahren, bösen Wesen und unwegsamem Gelände. Fast ohne Pause werden Actionszenen aneinandergereiht – da fällt es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Man könnte auch sagen, dass der Plot überfrachtet ist und es die Kreativen mit der auf dem Backcover propagierten „einzigartigen Fantasy-Vision“ zu gut gemeint haben. Trotz des atemlos machenden Geschehens ist es mir nicht leicht gefallen, beim Lesen am Ball zu bleiben. Das zweifelsohne herausstechende Fantasykonzept von Zeit der Asche ist engagiert, aber teilweise klischeehaft, es ist pompös, aber auch hin und wieder kitschig.

Der zuletzt genannte Punkt wird noch durch Thierry Ségurs Zeichenstil verstärkt: Die Bilder sind sehr detailreich, wirken aber wenig realistisch. Was erstmal kein sonderlich großes Problem darstellt. Nur sind selbst Gefechte in dunkler Nacht mit Blitz und Donner im Hintergrund derart grell und poppig mit hellen, flächigen Beige- und Ockertönen koloriert, dass es sehr zur individuellen Geschmackfrage verkommt, ob man sich mit dieser für einen klassischen Fantasycomic befremdlichen Optik anfreunden kann.

Von der Story her würde ich jedem Fantasyanhänger empfehlen, dass er zumindest mal einen prüfenden Blick in die sehr schön gestaltete Gesamtausgabe wirft.


Wertung 6 von 10 Punkten

Gewöhnungsbedürftige Fantasy-Trilogie

 

Zeit der Asche (Sammelband)
Splitter Verlag, Oktober 2011
Text: Bruno Chevalier
Zeichnungen: Thierry Ségur
Übersetzung: Tanja Krämling
152 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-275-4
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Kreuzfahrer 2 – Die Pforte des Hermes

Cover Kreuzfahrer 2Der erste Band der im Rahmen der Splitter Books als Zweiteiler erscheinenden Serie Kreuzfahrer war zunächst ganz im Rahmen anderer vergleichbarer Comics wie Kreuzzüge oder Traum von Jerusalem gehalten. Zum Ende hin überraschte er aber mit einer Mischung, die sich aus dem strengen Gewand des Mittelalterhistoriencomics entfernte, Mystery und Horror hinzufügte und in einem kleinen, hier sehr kritisierten Science-Fiction-Aspekt endete. Man durfte also bei dem zweiten Band „Die Pforte des Hermes“ sehr skeptisch sein, wohin die Reise nun gehen würde. Für alle Science-Fiction-Gegner sei hier eine Beruhigung ausgesprochen.

Den SF-Aspekt baut das Autorenteam Izu und Alex Nikolavitch im zweiten Teil kaum aus. Allerdings mischt es einen anderen Faktor bei, der an die abstrusen Theorien eines Erich von Däniken erinnert. Das dürfte dann auch starke Geschmackssache sein und die Leserschaft spalten. Sci-Fi-Fans dürften mit den Historienaspekten wenig anfangen können und die Mittelalterfans wiederum nichts mit dem technischen Kram. Gut, der Gedanke, dass einige zivilisatorische Maßnahmen und Entwicklungen von Außerirdischen angestoßen wurden, ist beileibe nicht mehr so neu. Hier wird das Ganze aber auch auf die Religion erweitert (was im Übrigen auch nicht so neu ist). Jesus wäre demnach ein Außerirdischer gewesen, hier wird ein abgestürzter Raumfahrer als Engel interpretiert und dessen Macht missbraucht (ein zombieerschaffendes Elixier soll benutzt werden, die Gegner zu besiegen und die Herrschaft zu erlangen). Das dürfte manchen Lesern den Kopf wackeln und den Schädel dröhnen lassen, als ob sein Ritterhelm einen Schlag mit dem Morgenstern bekommen hat.

Seite aus Kreuzfahrer 2Gut, man kann diese Aspekte ja vielleicht noch etwas wegschieben. Oder man lässt sich einfach darauf ein und genießt die Action und die Spannung, die hier sehr an Resident Evil erinnert. Eine Mixtur macht aus Menschen zombieähnliche Wesen und manchmal mutieren sie sogar zu noch größeren Monstern. Dass die Hauptfigur hier eine Frau ist, erinnert dann auch sehr an Alice aus Resident Evil. Die bisherigen Hauptfiguren werden etwas an den Rand gedrängt, gleichzeitig werden aber neue Charakterisierungen versäumt. Da wird nur erwähnt, dass die Heldin eine tragische Vergangenheit hat und ein Geheimnis mit sich trägt (welches in einem Relativsatz auch beiläufig aufgelöst wird). Dass der Band mit einer nicht gleich als solchen zu erkennenden Rückblende beginnt, ist auch nicht gerade hilfreich.

Doch die oben erwähnten Genre-Zutaten reichen den Machern dann immer noch nicht. Sie mischen auch noch den Golem sowie reale historische Figuren dazu, um immerhin einen kleinen Anschein der historischen Möglichkeit der geschilderten Geschehnisse anzudeuten. Insgesamt wird das aber alles arg konfus und hat keine richtige Linie, geschweige denn einen thematischen Schwerpunkt.

Alles für sich genommen hat das seinen trashigen Reiz, ohne zu irgendetwas Rundem zu finden. Das „Ende“ ist zwar ganz „witzig“, aber das kämpferische Finale enttäuscht, weil es zu schnell abgehandelt wird und viel Dramatik verschenkt wird: Einen der Oberschurken sieht man dann auf dem Boden liegen und eine der Figuren sagt, sie habe ihn getötet. Von einem dramatischen Zweikampf ist aber rein gar nichts zu sehen. Auch wenn das jetzt alles etwas sehr negativ klingen mag, so hat dieser zweite Band doch ein recht hohes Tempo, Spannung, Action und viel Blut. Krude, aber nicht schlecht. Aber auch kein Meisterwerk und nicht so gut wie der erste Band.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Der im ersten Band noch angedeutete Science-Fiction-Aspekt wird zugunsten deutlicher Bezüge zu Resident Evil fallen gelassen.

 

Kreuzfahrer 2 – Die Pforte des Hermes
Splitter Verlag, April 2012
Text: Izu/Alex Nikolavitch
Zeichnungen: Zhang Xiaoyu
Übersetzung: Resel Rebiersch
128 Seiten, farbig, Hardcover mit Schutzumschlag
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-335-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Die gläsernen Schwerter 1 – Yama

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Cover Die gläsernen Schwerter 1Die Sonne erlischt, die Erde ist dem Untergang geweiht. Um die ganz große klimatische Katastrophe in einem nicht näher benannten Fantasy-Universum zu überleben, sollen vier magische Schwerter der Menschheit den Weg in eine neue, sichere Dimension weisen. Die gläsernen Schwerter fielen parallel verteilt aus dem Himmel herab und müssen zur Entfaltung ihrer Kräfte von einem Auserwählten vereint werden.

Eine der Klingen geht in einem beschaulichen Dorf nieder, das vom üblen Despoten Orland terrorisiert wird. Schnell erregt das Schwert die Aufmerksamkeit Orlands, allerdings gelingt es nur dem kleinen Mädchen Yama, der Tochter des Häuptlings, es aus dem Eisfelsen herauszuziehen. Yama flieht und schwört Orland Rache. Unterwegs trifft sie auf den weißhaarigen Einsiedler Miklos, der sie unter seine Fittiche nimmt und in den Folgejahren trainiert.

Die gläsernen Schwerter ist eine rein weibliche Koproduktion, was für Fantasycomics eher unüblich ist. Sylviane Corgiat und Laura Zuccheri sind hierzulande sogar gänzlich unbekannt. Das dürfte sich mit dem Start dieser fünfteiligen Serie schnell ändern. Die beiden Frauen erfinden das Genre nicht neu, ehrlicherweise sollte man sogar sagen, dass Stories über auserwählte Kinder aus Prophezeiungen so ziemlich das Einfallsloseste sind, was ein Autor fiktionaler Comics benutzen kann. Doch ich sehe, wie im vorliegenden Fall, gerne darüber hinweg, wenn die Story dermaßen souverän und packend umgesetzt wurde. Man muss ein Genre nicht immer revolutionieren wollen, wenn man es begnadet beherrscht.

Seite aus Die gläsernen Schwerter 1Sylviane Corgiats Handlung ist einfach gestrickt, aber außerordentlich spannend und gefühlsnah. Gerade der letztgenannte Punkt grenzt Die gläsernen Schwerter von vielen vergleichbaren Titeln ab. Das Konzept des Artefakte-Sammelns zur Rettung der Welt wurde unterdessen auch selten in einem so schönen Setting präsentiert. Die Bilder von Laura Zuccheri sind wirklich eindrucksvoll und auf den Punkt genau zu Papier gebracht. Ob detailgetreue Mimik, blühende Landschaften, exotische Wesen oder Kampfszenen: Zuccheri scheint das perfekte Gespür für jede Situation zu besitzen und macht jede Seite zu einem kleinen Kunstwerk.

Vor dieser bezaubernden Kulisse vergisst man die Vorhersehbarkeit des Plots schnell. Auf die Fortsetzung dieser Serie dürfen sich alle Freunde brillanter Zeichnungen und souveräner Fantasy-Comics in jedem Fall freuen.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Stark erzählt, brillant gezeichnet, ein echter Kauftip

 

Die gläsernen Schwerter 1 – Yama
Splitter Verlag, September 2011
Text: Sylviane Corgiat
Zeichnungen: Laura Zuccheri
Übersetzung: Resel Rebiersch
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-319-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche: Mit Marketing-Begrifflichkeiten, Gratiscomics und Jack Kirbys Sohn

Unsere Links der Woche, Ausgabe 18/2012:


Comics, inklusive Graphic Novels
graphic-novel.info
Die Redaktion der Marketing-Website graphic-novel.info verspürt das Bedürfnis, klarzustellen, dass Graphic Novels Comics sind: „Auch wenn der Begriff ‚Comic‘ durch seine Fixierung auf das Komische nicht besonders geeignet scheint, um auch vielschichtige Themen und kunstvolle grafische Umsetzungen zu benennen, ist er doch der Oberbegriff für die Erzählform, zu der auch Graphic Novels gehören.“

Grafik Novels sind unser Leben (zur „Special for Ladies Edition“ von Carlsen)
Grober Unfug Blog
Überspannt der Carlsen Verlag sein Graphic-Novel-Marketing, wenn er jetzt eine speziell an Frauen gerichtete Schiene „for ladies“ einführt? Zumindest sorgt er für Erheiterung über Promo-Accessoires („Deko-Kissen 40x40cm“) und eigenwillige Grammatik („Graphic Novel für Frauen sind mehr als ein Buch“).

Lebensfenster
Flausen, Ulf Salzmann
Die Jury von „Lebensfenster“, dem „Kurt-Schalker-Preis für grafisches Blogen“ hat aus ihrer Nominierungsliste sechs Webcomics gestrichen, übrig bleibt eine Shortlist von vier Nominierten, von denen einer beim Comic-Salon Erlangen zum Sieger gekürt wird.

Dark Knight Rises und Co.: Was haben Comicläden vom Superhelden-Hype?
Filmjunkies
Die Website Filmjunkies befragt einige größere deutsche Comicläden, ob und wie sich der Boom der großen Superheldenfilme im Kino auf ihren Umsatz auswirkt.

Von der Geschichte gezeichnet
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Als Nachfolger von Flix‘ Don Quixote stellt die F.A.Z. ihren neuen Fortsetzungscomic vor: Als ich so alt war von Katja Klengel, eine „autobiographisch grundierte Geschichte ihrer eigenen Beziehung zur Großmutter“. Die einzelnen Folgen sind auf auf Blattonisch, dem Blog der Künstlerin, zu finden.

Rezensionen der Gratis Comic Tag-Hefte
gratiscomictag.de
Heute ist Gratis-Comic-Tag, fast alle Comic-Fachläden in Deutschland verschenken zum dritten Mal eigens produzierte Kostenlos-Hefte. Auf etlichen Blogs und Webseiten wurden die 30 Hefte bereits vorgestellt und besprochen. Die GCT-Website listet alle Links auf. Wir geben noch einen dazu: Beim Comic-Report erklären zwei Comichändler, warum sie in diesem Jahr das Plakat zur Aktion nicht aufhängen.

Growing up Kirby: The Marvel memories of Jack Kirby’s son
L.A. Times Hero Complex, Neal Kirby
Jack Kirbys Sohn Neall erinnert sich in einem langen Aufsatz an die Zeit Anfang der 60er Jahre, als sein Vater am heimischen Zeichentisch zigarrerauchend Comics für Marvel zeichnete und damit berühmt wurde.

Adapting Your Own Work: An Interview with Ed Brubaker
Genre Hacks, Sean Hood
Ed Brubaker schreibt zur Zeit das Drehbuch für eine Filmadaption seines Comics Criminal. Im Gespräch mit Sean Hood, der ebenfalls Drehbuchautor ist (er schrieb das Conan-Remake von 2011), spricht er über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Comic und Film und über das zunehmende Interesse von Hollywood an Comics.

Durandal 1 – Die bretonische Mark

Cover Durandal 1Autor Nicolas Jarry bleibt seinen Lieblingsthemen treu. Da wäre auf der einen Seite der Historiencomic, für den er mit Der tönerne Thron eine exemplarische Serie geschaffen hat, in der reale Geschehnisse mit einigen fiktionalen Figuren erzählt werden. Zum anderen tummelte sich Jarry mit Götterdämmerung und Odin ja auch schon in der Sagenwelt. Götterdämmerung (Splitter Verlag) war eine Bearbeitung bzw. Interpretation der Nibelungensage und Odin (Ehapa) ist eine Comicbiographie, wenn man es denn bei einem Gott so nennen kann, des Gottvaters der Asen.

Nachdem der Autor bereits die Nibelungen für den Comic bearbeitet hat, macht er sich nun an das französische Äquivalent. Was für die Deutschen die Nibelungensage, nicht nur vom Schauplatz her gesehen, sondern auch als identitätsstiftende Erzählung zu Zeiten, als es keine deutsche Nation gab, ist für die Franzosen das Rolandslied. Allen Fans des Mittelalters dürfte das Rolandslied bekannt sein, da es quasi von einem mustergültigen Ritter und seinem magischen Schwert erzählt.

Im Jahre 772 ist der Krieg Karls des Großen gegen die Sachsen auf dem Höhepunkt. Während eines entscheidenden Gefechts starb der Markgraf der Bretagne. Sein Enkel Roland, der noch ein Junge ist, aber schon fleißig an den Waffen übt, sehnt sich nach Ruhm und Ehre und ist erpicht darauf, das legendäre Schwert seines Großvaters, Durandal, zu erhalten. Doch eine geheimnisvolle Frau aus dem Norden fordert es ein und bekommt es zu Rolands Leidwesen auch. Vier Jahre später ist Roland ausgewachsen und muss erkennen, dass die Bretagne vielen Gefahren ausgesetzt ist. Sein Vater droht Opfer einer Intrige zu werden, Aufstände erschüttern das Land und auch im hohen Norden wird die Ordnung gestürzt.

Seite aus Durandal 1Im Gegensatz zu anderen Sagen und Legenden, sind im Rolandslied, und damit auch in der Comicadaption, die starken historischen Einflüsse deutlich benennbar. Während man sich bei den Nibelungen schon etwas auf die Suche nach dem historischen Hintergrund machen muss, beziehen sich die geschichtlichen Ereignisse des Rolandsliedes eindeutig auf die Ära Karls des Großen. Es werden gar konkrete Jahreszahlen genannt.

Im ersten Band wird dieser historische Pfad kaum verlassen. Es gibt zwar einige leichte Fantasyeinflüsse wie zum Beispiel Seherinnen und Orakel, die aber nicht sonderlich relevant sind. Drachen, Monster und anderes Getier kommen nicht vor. Vielmehr geht es um reale Bedrohungen wie Aufständische und Verschwörer. Die verschiedenen, gegeneinander intrigierenden Seiten bleiben allerdings noch etwas unklar.

Der ganze Band ist sehr stimmungsvoll und realistisch gezeichnet mit einer gelungenen Farbgebung. Man wird förmlich in die Zeit gezogen. Ähnlichkeiten zur Artussage und dem Schwert Excalibur sind natürlich alles andere als zufällig. Das Rolandslied ist für die Franzosen ebenso identitätsstiftend wie die Artussage für die Engländer und das Nibelungenlied für die Deutschen, jedoch sehr viel realistischer. So hat das Schwert Durandal wohl vermeintlich magische Kräfte, dient aber, wie Excalibur, hauptsächlich als Symbol. Das wäre eine Erklärung, warum Schwerter überhaupt Namen hatten. Zum anderen waren sie aufgrund ihrer Materialien und der Notwendigkeit des Gebrauches sehr kostbar und immer schon ein Statusmerkmal.

Insgesamt kann dieser erste von insgesamt vier Bänden noch nicht absolut überzeugen, bietet aber sehr gelungene Unterhaltung für Geschichtsfreunde, Mittelalterfans und Fantasyanhänger.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Stimmungsvolle, spannende, bislang etwas unübersichtliche Adaption des Rolandsliedes.

 

Durandal – Buch 1: Die bretonische Mark 
Splitter Verlag, April 2012

Text: Nicolas Jarry

Zeichnungen: Gwendal Lemercier

Übersetzung: Tanja Krämling

56 Seiten, farbig, Hardcover

Preis: 13,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-427-7

Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Legenden der Gegenwart

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Cover Legenden der GegenwartNachdem in der Ehapa Comic Collection bereits im Jahr 2008 mit Fins de Siècle ein Sammelband mit den Alben „Der Schlaf der Vernunft“ und „Treibjagd“ vom Kreativteam Pierre Christin und Enki Bilal neu aufgelegt wurde, legt der Verlag mit Legenden der Gegenwart eine weitere Gesamtausgabe der beiden Künstler vor.

Der umfangreiche Hardcover-Comic vereint die lose zusammenhängenden Alben „Die Kreuzfahrt der Vergessenen“, „Das steinerne Schiff“ und „Die Stadt, die es nicht gab“, die allesamt aus den 1970er Jahren stammen. Bilal und Christin fingen den damaligen Zeitgeist, gegen Militärs, Autoritäten und Kapitalisten aufzubegehren, ein und ließen ihre Geschichten ins Fantastische, Illusorische, Utopische abdriften.

Die erste Story der beiden dreht sich um das beschauliche Dorf Liternos, das von der herannahenden Urbanisierung, von luftverpestenden Fabriken geplagt ist. Als zwei Fremde im Dorf eintreffen, beginnen plötzlich alle Häuser der Stadt zu schweben.

„Das steinerne Schiff“ erzählt hingegen von einem alten Schloss in der Bretagne, das zu einem modernen Tourismusdomizil umgebaut werden soll. Allerdings hat der Schlossherr, ein greiser Magier, etwas dagegen.

In „Die Stadt, die es nicht gab“ versucht die Erbin eines Industriemagnaten aus einer deprimierenden, nordfranzösischen Arbeitersiedlung eine ideale, autonome Gesellschaft zu errichten.

Alle drei Erzählungen besitzen äußerlich eine sehr ähnliche Grundstruktur. Stets paart sich Gesellschaftskritik mit düsteren Zukunftsaussichten, seien sie finanzieller, ökologischer oder persönlicher Natur. Die Handlung hebt dann ab in fantastische, übersinnliche Gefilde. Als roter Faden dient ein mysteriöser, weißhaariger Mann, der immer rechtzeitig an den Schauplätzen dieses Bandes auftaucht. Er scheint gleichzeitig Zeitzeuge, als auch Manipulator zu sein.

Legenden der Gegenwart ist ein Ausdruck von Pierre Christins intensiver Art des Erzählens auf der einen Seite, von Enki Bilals brillanter Zeichenkunst auf der anderen. Letzterer bediente sich zur damaligen Zeit noch einer deutlich konventionelleren Ausdrucksweise als er es bei seinen jüngsten Arbeiten zeigte.

An Ehapas Gesamtausgabe kann man eigentlich nur bemängeln, dass die ursprünglichen Cover der Einzelalben nicht abgedruckt wurden.

Wertung: 8 von 10 Punkten

Drei fantastische Klassiker der Altmeister Christin und Bilal

 

Legenden der Gegenwart
Ehapa Comic Collection, Januar 2012
Text: Pierre Christin
Zeichnungen: Enki Bilal
Übersetzung: Resel Rebiersch
200 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 45 Euro
ISBN: 978-3-7704-3540-1

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Graphic-Novel-Symposium: Ulli Lust, Barbara Yelin und Flix in Saarbrücken

Im Rahmen der 12. Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse lockt die saarländische Landeshauptstadt mit Comiczeichnern aus Deutschland, Frankreich und Belgien.

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Wenn vom 10. bis 13. Mai 2012 die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken zum 12. Mal ihre Pforten öffnet, wird auch diesmal, wie bereits im letzten Jahr, der Comic im Fokus der Aufmerksamkeit stehen.

Unter anderem sind auch drei Berliner Zeichnerinnen und Zeichner mit dabei.

Barbara Yelin (Gift, „Riekes Notizen“ in der Frankfurter Rundschau) hat im vergangenen Semester mehrere Comic-Kurse an der HBKsaar betreut und ist als Kuratorin und Mitorganisatorin an der Veranstaltung vor Ort. Außerdem werden Ulli Lust (Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens) und Flix („Schöne Töchter“ im Tagesspiegel, „Heldentage“ bei FAZ.net) mit Vorträgen und Seminaren zu Gast sein.

Flix kehrt damit nach zehn Jahren an seine Alma Mater zurück, denn seine erste Graphic Novel Held war 2002 gleichzeitig auch seine Diplomarbeit an der HBKsaar.

Ebenfalls mit Vorträgen und/oder Seminaren vertreten sein werden Vincent Burmeister aus Hamburg, Maximilien Le Roy und Benjamin Lacombe aus Frankreich, sowie Fabienne Loodts aus Belgien.

Die von Barbara Yelin kuratierte Ausstellung „Comicaleidoscop“ von Nachwuchskünstlern der HBKsaar wird am Freitag, 11. Mai, 18:00 Uhr mit einer Vernissage im Foyer der HBKsaar eröffnet. Ab 23:00 Uhr steigt im Blau Niteclub dann die Release-Party einer neuen Comic-Anthologie der HBKsaar-Studenten und -Studentinnen.

Das Graphic-Novel-Symposium mit Präsentationen der Zeichner findet am Samstag, 12. Mai, ab 9:00 Uhr im VHS-Festsaal statt. Am Mittwoch, 16. Mai, ab 19:30 Uhr, lädt die Aula der HBKsaar außerdem zu einem Vortrag mit Flix.

Diese und alle weiteren Informationen finden sich auch auf den Webseiten des Graphic-Novel-Symposiums und der studentischen L.I.N.S.-Edition der HBKsaar. Eine Facebook-Seite zur Release-Party gibt’s ebenfalls.

Links der Woche: Mit Diskussionen zur Graphic Novel, zum Urheberrecht und zum Hulk

Unsere Links der Woche, Ausgabe 17/2012:

 

Ihr da oben, wir da unten
tagesspiegel.de, Lars Banhold
Eigentlich ist längst alles gesagt zu Vor- und Nachteilen der Bezeichnung „Graphic Novel“. Dieser Beitrag von Lars Banhold ist trotzdem überaus lesenswert, weil er prägnant erklärt, warum hinter dem Begriff und seiner Verwendung in Deutschland „ein bildungsbürgerliches Denken [steckt], das spätestens seit den Siebzigern überwunden schien“.

Urheberrechtsdebatte – Kommentar von Ingo Römling
janoschtroehler.com, Ingo Römling
Die Debatte zum Thema Urheberrecht ist in vollem Gange, seit die Piratenpartei bei der Wahl im Saarland ein Sensationsergebnis schaffte. Hier ein Diskussionsbeitrag aus der Sicht eines Urhebers, des Illustrators und Comiczeichners Ingo Römling (der Cover und einen Beitrag für unser 4. Comicgate-Magazin beigesteuert hat, vor allem aber bekannt durch Die Toten).

Gleep! Roar! Yeek!
Der Freitag Community, Maike Hank
Am 5. Mai findet im US-Comichandel wieder der Free Comic Book Day statt (nicht zu verwechseln mit der deutschen Variante, dem Gratis-Comic-Tag, der ist erst eine Woche später). Auch der Berliner Comicladen Grober Unfug beteiligt sich daran und hat vorab einer Handvoll Blogger einen großen Packen Gratiscomics zur Verfügung gestellt. Neben (der Comic-Unerfahrenen) Maike Hank schreiben auch Roter Kater, nerdzweipunktnull, Ein Comic Leben und JFI über das FCBD-Angebot.

Read The Cartoon Crier Online Today!
Center for Cartoon Studies
Beim New Yorker MoCCA-Festival wurde diese Woche die 36-seitige Zeitung The Cartoon Crier verteilt, erstellt von der The National Cartoonists Society und dem Center for Cartoon Studies. Das Konzept dieser Zeitung ist eine Umkehrung des klassischen Begriffs „the funny pages“, mit dem die Comicseiten der Tageszeitungen bezeichnet wurden. Diese Zeitung enthält keine lustigen, sondern nur traurige Strips – darunter sowohl Klassiker wie Family Circus, Beetle Bailey oder Dennis the Menace als auch neu geschaffene Comics von Künstlern wie Ivan Brunetti oder James Sturm. Die komplette Zeitung gibt’s auch online, wobei sich dieses Format auf Papier sicher viel besser liest als am Bildschirm.

Als Batman mal wieder schwul war
Stefan Pannor
Für den Playboy hat Comicautor Grant Morrison versucht, kurze Psychogramme diverser Superhelden aufzustellen. Dabei fällt auch der Satz „Batman is very, very gay“, was der deutschen Presse Anlass genug ist, (mal wieder) ein paar „Batman ist schwul“-Artikel zu veröffentlichen. Eine Tatsache, über die sich Stefan Pannor zu Recht aufregt. Der Originalbeitrag aus dem Playboy ist übrigens (frei von Nackedei-Bildchen) hier zu finden.

Thrillbent
Center for Cartoon Studies
Mark Waid hat sein Webcomic-Portal Thrillbent gestartet, auf dem er künftig regelmäßig Online-Comics veröffentlichen will, sowohl eigene als auch Comics anderer Autoren. Nach der schon vor ein paar Wochen als Teaser erschienenen Kurzgeschichte Luther startet Thrillbent mit der Serie Insufferable, gezeichnet von Peter Krause, der mit Waid auch an Irredeemable zusammengearbeitet hat. Beide Comics arbeiten mit einer speziellen, auf das elektronische Format zugeschnittenen Erzählform.

The Physics of The Hulk’s Jump
Wired Science Blogs, Rhett Allain
Wie funktioniert das eigentlich rein physikalisch mit dem Hulk und seinen extrem hohen Sprüngen? Was für Kräfte wirken da? Das Wissenschaftsblog von Wired geht der Sache auf den Grund. Mit toll aussehenden, komplizierten Formeln! Wer sich noch mehr für die Thematik interessiert, dem sei übrigens das Buch Physik der Superhelden des Physikprofessors James Kakalios empfohlen.