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Die Schiffbrüchigen von Ythaq 1

ythaq1 Ein altbekannter, erloschener Verlag erhebt sich phönixgleich aus der Asche, mit einem Tusch und zwei neuen Comicserien! Der Splitter-Verlag ist von den Toten wieder auferstanden. In Wahrheit ist es aber ein ganz neues Team (aus altbekannten Namen; ein jeder schaue selbst auf deren Website), ein neuer Standort, ein neuer Verlag. Mit dem alten Splitter-Verlag hat er nur die Vorliebe für frankobelgische Albenserien gemein.

 
Der Tusch nun, mit dem der Verlag seinen Neubeginn feiert, ist der neue Erfolgshit in Frankreich: Die Schiffbrüchigen von Ythaq, aus der Feder Christophe Arlestons, der in Deutschland hauptsächlich durch Lanfeust von Troy und die Spinoffs zu dieser Serie (Troll von Troy, Gnome von Troy und Lanfeust der Sterne, alle mittlerweile bei Carlsen Comics) bekannt ist.

Der erste Band „Terra Incognita“ macht seinem Namen alle Ehre: Ein Luxusraumschiff gerät in „Seenot“ und stürzt, in seine Einzelteile aufgelöst, auf einen fremden Planeten. Die Bar des Schiffes zerstört bei ihrer unsanften Landung große Teile eines Banfoo-Dorfes. Die drei Insassen der Bar, der Mechaniker Narvarth, die strafversetzte Offizierin Granit und ein verwöhntes Gör – Miss Calista – auf Männerfang sehen sich gefräßigen Fischen und der eigentümlichen Justiz der Banfoos ausgesetzt. Diese stark lispelnde biberähnliche Rasse pflegt das Urteil über Angeklagte sehr demokratisch zu fällen und wer für schuldig befunden wird, landet direkt in einem Meeresbecken mit monströsgefräßigen Fischen. Doch die unfreiwilligen Helden überstehen diese Widrigkeiten mit Müh und Not und machen sich auf die Suche nach den anderen Überlebenden der weit verstreuten Notlandung.

Es gibt da allerdings noch eine andere Partei, die sich auf die Suche macht, und die hat eindeutig unlautere Motive. Die sinistre Markgräfin Ophyde von Bridmoth schickt ihre Häscher nach Überlebenden aus dem All aus, um an deren Technologie heranzukommen. Einer der Häscher ist der grausame und gefährliche Söldner Dhokas. Andere Handlanger Ophydes sind zum Glück einfach zu deppert, um wirklich gefährlich zu sein …

 
Zwar geht die Grafik Adrien Flochs künstlerisch nicht über das hinaus, was man von den meisten französischen Fantasyserien gewohnt ist, aber es macht doch Spaß, die teilweise irrwitzigen Hintergründe und Settings zu bestaunen. Die Stadt Bridmoth zum Beispiel, die nur über eine tiefe und breite Schlucht zu erreichen ist, oder der in die Klippen hinein gehauene Gerichtsplatz der Banfoos, der eine Mischung aus Parlamentsraum und Haifischbecken darstellt. Die Bilder vermitteln zuweilen ein rasantes und actiongeladenes Tempo, das sichtlich vom Manga inspiriert ist, und die erfreulich mitreißend sind.

 
Die Story lebt von der für Arleston typischen Art von Albereien, die man aus Lanfeust von Troy kennt.
So wird in einer Panelüberschrift ein Gasthaus folgendermaßen gelobt: „Im Schnarchenden Zauberbuch gibt es auf jeder Etage warmes Wasser. Man muss es nur hochtragen.“ Oder der Mechaniker sagt, nachdem er eine Kabelverbindung nicht geblickt hat („Lethal Weapon“ lässt grüßen!): „Es war nicht das Grüne, sondern das Rote! Sie sehen sich so ähnlich, dass ich sie dauernd verwechsle …“
Das ist keine große Literatur, aber spannend und spaßig.
Die Figurenkonstellation ist klassisch: ein dümmlicher Kerl unterwegs mit zwei attraktiven Frauen in aberwitzig entblößendem Outfit. Doch trotz aller Klischees und Albernheiten hat die Handlung etliche schöne Abenteuermomente und sogar einen wirklich überraschenden Cliffhanger zu bieten.
 

Dieses Album ist ein rundum gelungener Auftakt des neuen Verlagsprogramms. Was der neue Splitter-Verlag übrigens nicht mit dem alten gemein hat, das ist die schlampige Aufmachung. Beim Neuen geht dem frankobelgischen Albenliebhaber ein Traum in Erfüllung: die Übersetzung ist tadellos, das Lettering ebenfalls. Die Gestaltung des Hardcovers lässt keine Wünsche offen, und innen sind sogar Bildchen der Autoren, der Folgebände und eine deutschsprachige Bibliografie der Verfasser drin. Da kann man als Rezensent schon etwas überschwänglich werden, wenn man diesen Band in der Hand hält. Nicht, weil der Comic neue Maßstäbe setzen würde, sondern weil die Edition neue Maßstäbe setzt. Weiter so!
 

Die Schiffbrüchigen von Ythaq 1: Terra Incognita
Splitter, Oktober 2006
Text: Christophe Arleston
Zeichnungen:Adrien Floch
64 Seiten, Hardcover, farbig; 13,80 Euro

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Cash – I see a darkness

cash Spätestens seit Walk The Line im Kino lief, kann man guten Gewissens von »Cashmania« reden. Franz Dobler, Autor der Cash-Biographie The Beast In Me, verwendet diese Vokabel in seinem Vorwort zu Reinhard Kleists Comicbiographie Cash – I see a darkness. Cashmania. Ein Ausdruck für die allgemeine Begeisterung, die Johnny Cash posthum zuteil wird. Der schwarze Highwayman, Mister Ring-of-Fire, hat es in die Popkultur geschafft. Fast möchte man von Kult sprechen, wäre das Wort nicht so abgegriffen.

Bei Carlsen taucht nun die Lebensgeschichte von Johnny Cash als Comic auf. Neuerdings scheint sich die Comiclandschaft für die Musikszene zu interessieren. Comics über Bob Marley und Frank Zappa stehen bei Ehapa auf dem Programm. Bei Edition 52, die bereits Werke von Kleist veröffentlicht haben, soll im März 2007 eine limiterte und signierte Luxusausgabe von Cash – I see a darkness erscheinen. Mit CD, Hardcover und einem eigenen Titelbild. In Berlin lädt die Galerie Knoth und Krüger ein. Sie stellt in der Oranienstraße 188 die Kleistschen Originalseiten des Comics aus und lädt am 3.11. zu Digger Barnes aus Hamburg mit seinem VJ Pencil Quincy ein. Ob man wohl mit Cowboystiefeln zur Vernissage erscheinen darf?

Kleists Cash – I see a darkness scheint also einen Trend zu treffen. Ist ja auch nicht schwierig. Man nehme: einen bekannten, aber nicht allzu abgegriffenen Musiker. Dazu rühre man seinen Lebenslauf und ein paar seiner Songtexte. Vermische knackige Zitate mit ein wenig Lebensweisheit, Zeitgeist und Fakten – und fertig ist die Biographie!

Sicher, so würde ein Trendprodukt gemacht werden. Zum Glück ist Cash – I see a darkness keines, Reinhard Kleist sei Dank!

Der Zeichner geht mit hartem, aber sehr feinem und kontrolliertem Strich zu Werke. Ganz in Schwarz und Weiß, wie es für Johnny Cash nicht anders sein könnte. Musik, Drogen, June Carter und Folsom Prison – alles, was zu Johnny gehört, ist da. Zwischen die bekannten Fakten mischen sich Untertöne, die tiefer und an den schlichten Ereignissen vorbei blicken lassen. Johnny Cash auf dem Baumwollfeld mit seinem Bruder, familiäre Szenen, die Schlussequenz, in der ein ganzes Leben rekapituliert wird.

Was Reinhard Kleist dem Leser da sehr behutsam mitteilen möchte, hat mit dem Gefühl zu tun, ein Gefangener zu sein. Immer die eigenen Grenzen sehen, gegen sie anstürmen, sie überwinden, bloß, um eine Weile Ruhe zu finden und sich eigentlich doch nicht vom Fleck zu bewegen. Cash fühlte sich eingesperrt. Zunächst im ländlich-armen Milieu seiner Kindheit, dann in seiner Ehe, zuletzt auf der Bühne und im Drogensumpf. Deshalb konnte er in Folsom Prison singen und dazugehören, obwohl er selbst niemals im Knast gesessen hat.

Als auf den letzten Seiten die Geschichte von Glen Sherley zu Ende erzählt wird – einem jungen Inhaftierten, den Cash aus dem Gefängnis in seine Show geholt hat -, ahnt der Leser einen Bruch. Cash, von der Freiheit besessen, erlebte, wie der aus Folsom befreite Sherley draußen an seiner eigenen Freiheit zugrunde ging. Vielleicht hat es geholfen, dass Cash sich zum Ende seiner Tage nicht mehr ganz so gefangen und eingegrenzt in der Welt fühlte.
Denn vielleicht gibt es Vögel, die für den Käfig geboren wurden, und Vögel, die fliegen. Und wer möchte schon in den engen Grenzen eines vergänglichen Trends gefangen sein? Reinhard Kleist offensichtlich nicht.

Cash – I see a darkness
Text und Zeichnungen: Reinhard Kleist
Carlsen, Oktober 2006
207 Seiten, Softcover, schwarz-weiß; 14,- Euro
ISBN 3551768374

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Mind the Gap 27: Previews 09/2006

Neue US-Comics müssen von Händlern jeweils etwa zwei Monate vor Erscheinen vorbestellt werden, was über den Katalog Previews geschieht, in dem die meisten US-Verlage ihre Produkte anbieten. Das Ziel von „Mind the Gap“ ist, euch bei dem Wust an monatlichen Veröffentlichungen einen groben Überblick zu verschaffen und die interessantesten Neuerscheinungen aus Previews hervorzuheben. Wenn der eine oder andere Tipp euer Interesse weckt, könnt ihr den entsprechenden Comic vorbestellen, indem ihr die Bestellnummer an den Comic-Händler eures Vertrauens weitergebt.

previews2006-09Neu im November 2006:

Nostalgisches von Joe Casey und Will Rosado, Mitternächtliches von Mike Carey und Jim Fern, Schmerzhaftes von Garth Ennis und Chris Sprouse, Kostensparendes von Christos N. Gage und Doug Mahnke, Kompaktes von Grant Morrison, Frank Quitely et al., Nachrichtliches von Jonathan Hickman, Amerikanisches von Jamie Delano und Goran Sudžuka, Kommunistisches von Danny Bilson, Paul DeMeo, Adam Brody und Jerry Ordway, Mafiöses von Ron Marz und Mirko Colak, Brutales von Peter David und George Pérez, Herzerweichendes von Ian Shaughnessy und Mike Holmes, Archetypisches von Darwyn Cooke und Tim Sale und Zotiges von Paul Cornell und Trevor Hairsine.

AVENGERS: EARTH'S MIGHTIEST HEROES 2 #1/#2 (von 8)
Marvel Comics | je 22 Seiten | farbig | je $ 3.99 | SEP06 2095/SEP06 2096

avengersObwohl er in den mittlerweile fast zehn Jahren seiner Profikarriere nie zu den ganz Großen im Geschäft gehörte, scheint Autor Joe Casey seine Nische im US-Markt gefunden zu haben. Einerseits bemüht er sich fortwährend um eigene Schöpfungen, wie etwa in Gødland und Rock Bottom, andererseits achtet er mit Projekten wie G.I. Joe: America's Elite, Iron Man: The Inevitable und Fantastic Four: First Family darauf, beim Mainstream-Superhelden-Publikum nicht in Vergessenheit zu geraten.

In letztere Sparte lässt sich auch Avengers: Earth's Mightiest Heroes 2 einordnen, gezeichnet von Will Rosado (CrossGens The Silken Ghost) und getuscht von Marvel-Legende Tom Palmer (Avengers, Marvels Star Wars, Tomb of Dracula). Die Titelbilder stammen von Dave Johnson. Wie mit der Vorgängerserie vor zwei Jahren hat sich Casey auch diesmal wieder eine bestimmte Periode der frühen Avengers-Historie als Spielplatz herausgepickt: Earth's Mightiest Heroes 2 spielt sich zwischen den Seiten und Kästchen von Avengers (Vol. 1) #58-61 ab und begleitet, untermalt und beleuchtet die Ereignisse dieser Ausgaben aus neuen Blickwinkeln. Die Eckpunkte sind damit klar. Die „großen Drei“ der Avengers – Captain America, Thor und Iron Man – tauchen nur am Rande auf, der Android Vision und der Black Panther, Monarch des hochentwickelten afrikanischen Staates Wakanda, sind die neuesten Mitglieder des Teams, Jungspund Hawkeye entwickelt sich langsam aber sicher vom großkotzigen Hitzkopf zum Haupt-Sympathieträger, und Wasp heiratet die wandelnde Identitätskrise Henry Pym (alias Ant-Man, alias Giant-Man, alias Goliath, alias Yellowjacket), der gerade den ersten von vielen Nervenzusammenbrüchen hinter sich hat.

Dass es an Stoff für spannende und dramatische Handlung nicht mangelt, dafür haben Autor Roy Thomas und Zeichner John Buscema vor 40 Jahren also gut vorgesorgt. Weil das Problem mit der „Dekompression“ anno 1968 noch eher bei Tauchern ein Thema war als bei Comic-Autoren, bieten die stramm erzählten Original-Heftchen auch reichlich Gelegenheit, an der einen oder anderen Stelle mal einzuhaken, um die Motivationen der auftretenden Figuren genauer herauszuarbeiten oder nachträglich die eine oder andere Episode einzuschieben, die die Handlungsabläufe vielleicht etwas logischer oder homogener macht.

Leider ist Earth's Mightiest Heroes 2 mit einem Preis von jeweils $ 3.99 für einen Verlagsgiganten wie Marvel unverschämt teuer, weshalb man je nach Gusto besser den unvermeidlichen Sammelband abwarten mag. Wer einen Goldesel mit Dünnschiss in der Garage stehen hat, darf sich derweil schon ab November auf solide Kost von einem der wenigen US-Autoren freuen, die den Spagat zwischen Mainstream- und Independent-Material regelmäßig und mit Bravour meistern.

Links:

Wikipedia: Joe Casey
Wikipedia: Avengers
The Comics Reporter: Interview mit Joe Casey
Newsarama: Interview mit Joe Casey + Vorschau

CROSSING MIDNIGHT #1
DC Comics/Vertigo | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | SEP06 0304

crossing_midnightAutor Mike Carey ist ehemaliger Lehrer und schreibt neben Romanen und Filmen auch jede Menge Comics.
Bis vor kurzem war Carey vor allem für seine Arbeit an Vertigos Hellblazer und Lucifer bekannt sowie durch sehr positiv rezensierte aber leider sehr wenig gelesene Miniserien wie My Faith in Frankie (ebenfalls bei Vertigo erschienen) und Spellbinders (Marvel).
Dieses Jahr bekam Careys Popularität auf dem US-Markt nun einen gehörigen Schub, als er für Marvel Ultimate Fantastic Four und X-Men übernahm und darüber hinaus mit Wetworks dazu beiträgt, DCs WildStorm-Universum neu zu booten. Wer befürchtet, deshalb unbedingt mit Superheldenkram anbandeln zu müssen, um weiterhin Comics des Briten zu lesen, darf aber beruhigt sein. Carey schafft es irgendwie, auch Vertigo weiterhin treu zu bleiben.

Das erste von drei neuen Carey-Projekten, welche bereits angekündigt sind, ist die fortlaufende Serie Crossing Midnight, illustriert von Jim Fern (Fables sowie Füllerausgaben für alle möglichen Serien von Marvel und DC) mit Titelbildern von J.H. Williams III. Laut Carey ist Crossing Midnight auf dem Genrespektrum irgendwo zwischen Horror und Fantasy einzuordnen.
Hauptfiguren sind die japanischen Zwillinge Kai und Toshi. Von den beiden Jungs wurde einer kurz vor Mitternacht, der andere kurz nach Mitternacht geboren, was weitreichende Folgen für ihre Schicksale hat. Übernatürliche Kräfte sind am Werk, und auch der geschichtsträchtige Ort des Geschehens – die Stadt Nagasaki – spielt eine gewisse Rolle.

Mit seinem Superheldenmaterial hat Carey bisher eher gemischte Reaktionen geerntet, die Kritiken für seine Vertigo-Serien waren aber durchweg sehr positiv. Mit Crossing Midnight dürfte sich der Autor also wie zuhause fühlen, nicht nur weil ihm seine eigenen Söhne – ebenfalls Zwillinge – eine Inspiration für Kai und Toshi waren.

Links:

Wikipedia: Mike Carey
Newsarama: Interview mit Mike Carey

THE MIDNIGHTER #1
STORMWATCH: P.H.D. #1
DC Comics/WildStorm | je $ 2.99 | farbig | je $ 2.99 | SEP06 0279/SEP06 0276

midnighterIm November startet Phase Drei der Runderneuerung des WildStorm-Universums.

Der Midnighter, die tödlichere, lustigere und, ach ja, schwulere Variante von Batman, 1997 von Warren Ellis geschaffen und bisher als Mitglied der Authority bekannt, bekommt seine eigene Serie.
Und die offiziell sanktionierte StormWatch-Truppe, in den frühen Neunzigern eine der ersten WildStorm-Reihen überhaupt, nimmt einen weiteren Anlauf.

Für The Midnighter hat man sich das eindrucksvolle Gespann von Autor Garth Ennis (The Boys, Punisher) und Zeichner Chris Sprouse (Ex Machina Special, Tom Strong) geangelt. Was von der Serie zu erwarten ist, erfährt man am besten von Ennis selbst, der im Newsarama-Interview kein Blatt vor den Mund nimmt und die brennendsten Fragen ohne viel Schnickschnack beantwortet.

Was unterscheidet den Midnighter eigentlich von Batman?
„Batman kämpft für den Status quo, der Midnighter für eine bessere Welt. So einfach ist das.“

Wird sich die Handlung von The Midnighter mit den anderen neuen WildStorm-Serien überschneiden?
„Wenn ich mehr als sechs Ausgaben schreibe, werd' ich mir Mühe geben, dass es eine Solo-Sache bleibt, ohne Auftritte der Authority im allgemeinen (Super-Team, *gähn*) oder Apollo [Midnighters Lebensabschnittsgefährte und WildStorms Antwort auf Superman -Marc-Oliver] im besonderen (langweiliger blonder Depp). Und keine Crossovers. Für sowas können sie sich einen anderen suchen.“

Und wie steht's mit der Sexualität des Midnighters?
„Ein Monolog in der Eröffnungsszene spricht seine Sexualität an, aber nicht so, wie es die Leute vielleicht erwarten. Das ist keine komplizierte Sache: Er vögelt gerne Männer. Er vögelt gerne einen bestimmten Mann. Aber das heißt nicht, dass er rund um die Uhr in seiner Nähe sein will. Daher die Solo-Serie. Es gibt diesbezüglich keinen Klärungsbedarf mehr für ihn, also warum sollte das für uns anders sein? Was die Kontroversen angeht, die daraus entstehen könnten – nun, wenn Brokeback Mountain eins gezeigt hat, dann das: Schwule Figuren gehen genau den richtigen Leuten auf den Sack.“

Noch Fragen?

stormwatchStormWatch währenddessen, eine Spezialeinheit der Vereinten Nationen für Konflikte mit supermenschlicher Beteiligung, ist eine Jim-Lee-Schöpfung und debütierte ursprünglich 1993 in StormWatch #1, damals noch bei Image Comics.
Seitdem durchlief die Serie mehrere Inkarnationen: Nach 36 Ausgaben übernahm 1996 Warren Ellis die Reihe und formte sie mit den Zeichnern Tom Raney, Oscar Jimenez und schließlich Bryan Hitch über zwei Jahre hinweg in The Authority um. Im Jahr 2002 gab's dann mit StormWatch: Team Achilles einen Neuanfang, doch die Verkaufszahlen waren schlecht und die Reihe erlangte in erster Linie durch die Eskapaden ihres Autors Berühmtheit. (Micah Ian Wright, der in seinen Comics und in Interviews gerne mit provokanten USA-kritischen Äußerungen eine dicke Lippe riskierte, behauptete jahrelang immer wieder, Mitglied einer Spezialeinheit der US-Armee und an Kampfeinsätzen in Südamerika beteiligt gewesen zu sein – ein übler Schwindel, wie sich 2004 herausstellte. Paolo Pinkel läßt grüßen. Der Zorn bei DC war so groß, dass man sogar die geplante letzte Ausgabe von Team Achilles, die #24, ersatzlos strich.)

Die Neuauflage des Konzepts hört nun auf den Namen StormWatch: P.H.D. (steht für „Post-Human Defense“) und stammt von Autor Christos N. Gage (Union Jack) und Zeichner Doug Mahnke (Team Zero, Seven Soldiers: Frankenstein). StormWatch steht wieder mal im Dienste der UN und setzt sich – im Gegensatz zu Team Achilles – auch wieder aus Supermenschen zusammen. Was P.H.D. hauptsächlich von früheren Versionen unterscheiden soll, ist, dass die Einheit diesmal von der allgegenwärtigen Finanzmisere nicht verschont bleibt. Anstatt mit gigantischen Raumstationen und praktischen Teleportern zu klotzen, kommt es anno 2006 auch bei Superhelden vor allem darauf an, „kosteneffizient“ zu arbeiten. Das hört sich in der Theorie im ersten Moment zunächst mal etwas hanebüchen an, aber in den richtigen Händen kann da schon was draus werden.

Ob Gage diese Hände hat, dazu gibt's momentan noch nicht genug Input (Union Jack #1 liegt noch ungelesen auf meinem Nachttisch – ja, manchmal les' ich den Scheiß, den ich empfehle, tatsächlich sogar selber).

Links:
Wikipedia: Garth Ennis
Wikipedia: Chris Sprouse
Wikipedia: WildStorm
Wikipedia: Midnighter
Wikipedia: StormWatch
Newsarama: Interview mit Garth Ennis
Newsarama: Interview mit Christos N. Gage + Vorschau
Fractal Matter: Interview mit Christos N. Gage
Comic Book Resources: Interview mit Christos N. Gage + Vorschau
Your Mom's Basement: Interview mit Christos N. Gage
Comixfan: Interview mit Christos N. Gage
Newsarama: Vorschau auf The Midnighter #1

NEW X-MEN OMNIBUS (Hardcover)
Marvel Comics | 1096 Seiten | farbig | $ 99.99 | SEP06 2166

new_x-menNach dem Abgesang von Chris Claremont und kurz darauf Jim Lee und Rob Liefeld in den frühen Neunzigern hatte man bei Marvel die kommerzielle Durchschlagkraft des X-Men-Kolosses zwar zunächst durch immer weiter ausufernde, titelübergreifende Geschichten bewahren können. Doch als der US-Markt 1994 kollabierte, blieben auch die populärsten Figuren der Branche nicht verschont.
Autoren wurden immer schneller verheizt, mussten sich mit bisweilen chaotischen Arbeitsbedingungen abfinden und konnten nur selten wirkliche Akzente setzen. Man war zu ängstlich geworden in der Chefetage des Verlags. Sprunghafte, um ihre Arbeitsplätze besorgte Redakteure sagten mal Hüh und mal Hott und bestimmten die Richtung ihrer Geschichten lieber selbst, als sie den von ihn angeheuerten Autoren mit ihren tollkühnen Ideen anzuvertrauen. Längst war die Qualität der Serien unter Kritikern zu einem Witz geworden; die X-Men und ihre inzestuöse, sich scheinbar in einer endlos-Recycling-Schleife befindliche Welt galten als Paradebeispiel für alles, was in der Branche gerade so schief lief; und was am schlimmsten war: Die Verkaufszahlen sanken unaufhaltsam weiter.

Im Jahr 2000, als die beiden X-Men-Serien – wohlgemerkt immer noch die Bestseller der Branche – noch nicht einmal mehr mickrige 100.000 Exemplare absetzen konnten, zog ein neuer Verlagspräsident namens Bill Jemas die Notbremse: Chefredakteur Bob Harras musste gehen. Sein Nachfolger wurde Joe Quesada, der zusammen mit Jimmy Palmiotti zwei Jahre zuvor die erfolgreiche Sparte Marvel Knights aus dem Boden gestampft und kurz vor seiner Beförderung im Tandem mit Jemas gegen alle Voraussagen mit Ultimate Spider-Man und Ultimate X-Men zwei weitere kommerzielle Flaggschiffe für Marvel entworfen und mit den richtigen Autoren und Zeichnern besetzt hatte.

In Windeseile machte sich Quesada nun daran, das krankende Mainstream-Marvel-Programm, allen voran die Spider-Man- und X-Men-Serien, wieder auf Vordermann zu bringen. Der gerade erst zurückgekehrte Claremont musste nach nur zehn Monaten schon wieder seinen Hut nehmen, denn die Reaktionen auf seine Arbeit fielen – zurecht – vernichtend aus und die Verlagsleitung warf ihm und Harras – auch nicht ganz unbegründet – totales Versagen darin vor, den Erfolg des ersten X-Men-Films für höhere Comic-Verkäufe anzuzapfen.

Quesadas Lösung war für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär: Der Schotte Grant Morrison, ausgewiesener Querdenker und Visionär der Branche, der bei der Konkurrenz mit seiner Neuinterpretation von Serien wie Animal Man, Doom Patrol und JLA und mit bahnbrechenden Eigenkreationen wie The Invisibles für Furore gesorgt hatte, sollte mit der eigens für ihn umbenannten Reihe New X-Men Carte Blanche erhalten und das abgetakelte Flaggschiff des Marvel-Universums nicht nur kommerziell, sondern auch in kreativer Hinsicht wieder flott machen.
Das Experiment gelang.

Morrison brachte es fertig, den Absatz zu steigern und gleichzeitig den ramponierten Ruf der Mutantenserie zu kitten. Die Ausgaben New X-Men #114-154 (plus das Sonderheft New X-Men 2001) stellen einen schöpferischen Kraftakt dar, der auf eigenen Füßen steht, ohne dabei die in 40 Jahren angesammelten Handlungsstränge und Traditionen der X-Men außer Acht zu lassen. Die Story der 42 von 2001 bis 2004 erschienenen Hefte ist ein vielschichtiges, von Anfang bis Ende akribisch geplantes und durchgestyltes Epos. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich hier alle typischen Elemente finden, die zum X-Men-Kosmos gehören, von den Seifenoper-artigen Affären und Intrigen bis hin zu futuristischen Massenschlachten – mit traumwandlerischer Sicherheit destilliert Morrison die ureigensten Charakteristiken der Reihe, stets aus verblüffend frischen Winkeln beleuchtet und im Seitentakt um neue Figuren, Konzepte und Ideen angereichert. Von Anfang an wird ein hohes Tempo vorgelegt.

Bereits die erste Seite von New X-Men #114 gibt unmissverständlich die Marschrichtung vor. Zu sehen ist Wolverine, der zum x-ten Mal einen dieser großen, klobigen Sentinel-Roboter mit seinen Klauen bearbeitet.
„Wolverine. Ich glaube, damit kannst du jetzt aufhören,“ sagt sein Teamkamerad Cyclops gelassen, während er dem stählernen Koloss mühelos und etwas gelangweilt mit seinen Laser-Blick den Rest gibt. Kurz darauf nimmt man sich die Zeit, die fünf im Mittelpunkt stehenden Mitglieder des Teams auf zwei Seiten in einer Clipshow vorzustellen, die unweigerlich an den Vorspann einer TV-Serie erinnert. Sie tragen schicke neue Uniformen, haben ihre ausgeleiert-melodramatischen Gesichtszüge gegen Konturen mit Attitüde eingetauscht und sehen auch sonst so frisch aus wie seit Jahren nicht mehr.

Sofort ist klar: Alles wird neu. Alles wird anders. Die X-Men sind plötzlich cool und stylisch und machen Spaß. Es geht vorwärts, und es passiert endlich wieder was. Man erinnert sich, warum man die Serie mal gerne gelesen hat, und man möchte Morrison und Zeichner Frank Quitely (JLA: Earth 2, The Authority) zujubeln. Es bleibt nicht beim bloßen Versprechen, und schnell gesellt sich zum Style die Substanz: In Morrisons erstem Dreiteiler wird der Erzschurke Magneto ohne viel Federlesens „ein für allemal“ ums Eck gebracht – insektenartige, „wild lebende“ Versionen der Sentinels, gelenkt von der neuen Schurkin Cassandra Nova, machen die Mutanten-Insel Genosha dem Erdboden gleich.
Kurz darauf geben sich mit dem „Mann aus Raum X“ (alias Xorn, ein chinesischer Zen-Fuzzi mit verblüffenden Heilkräften und einem schwarzen Loch als Hirn), den jungen Mutanten Angel und Beak und den skrupellosen U-Men, die Mutanten entführen, um sich deren übermenschliche Organe und andere Körperteile selbst einzupflanzen, weitere neue Figuren die Klinke in die Hand.
Wer auf die von Claremont beliebt gemachten, aber thematisch eigentlich eher irrelevanten Weltraum-Eskapaden der X-Men steht, kommt mit ausgedehnten Auftritten der außerirdischen Shi'ar und ihrer Imperialen Supergarde ebenfalls auf seine Kosten. Und damit ist lediglich das erste von Morrisons drei Jahren als Autor von New X-Men abgedeckt. Im weiteren Verlauf wird mit Fantomex eine Figur eingeführt, die sich wie ein Reim auf sämtliche „mysteriösen“ X-Men liest, die es in den frühen Neunzigern so gab und dessen Ursprungsgeschichte das Zeitreisen-Gedöns von Figuren wie Cable oder Bishop kurzerhand umstülpt und auf den Kopf stellt.
Über den Phantomas-Verschnitt geht's dann weiter zu Waffe Plus, Morrisons Neuinterpretation des Waffe-X-Projekts, und bisher verborgene Geheimnisse des mysteriösesten X-Man überhaupt, Wolverine, werden enthüllt. Zwischendurch wird in Afghanistan eine junge muslimische Mutantin namens Soraya von modernen Sklavenhändlern befreit; es kommt unter der Führung des radikalen Halbstarken Quentin „Kid Omega“ Quire zu einem folgenschweren Aufstand in Xaviers Schule; ein Mitglied der X-Men wird ermordet, woraufhin das gesamte Institut unter Quarantäne gestellt wird; und Cyclops und Wolverine durchzechen die Nacht in Sebastian Shaws „Hellfire Club.“

Bevor Morrison mit dem Rausschmeißer „Here Comes Tomorrow“ seine Antwort auf den Klassiker „Days of Future Past“ von Claremont und Byrne liefert, gibt's dann nochmal eine Reinkarnation von Phoenix zu bestaunen, ohne die auch keine anständige X-Men-Geschichte komplett ist. Und, und, und.
Warum sind plötzlich nicht mehr die Mutanten die „bedrohte Spezies,“ sondern die regulären Menschen? Ist Beast wirklich schwul? Und überhaupt: Warum sieht er plötzlich aus wie das Vieh aus dem Disney-Film? Betrügt Cyclops Jean Grey? Wird die bizarre Liebesgeschichte zwischen Beak und Angel ein gutes Ende nehmen? Wie sieht Magnetos Vermächtnis aus? Was treibt Xavier dazu, die Existenz seines Instituts der Öffentlichkeit preiszugeben und rund um die Welt seine X-Corporations zu eröffnen? Kann man ihm noch trauen? Wer ist der Verräter unter den X-Men? Oder gibt es sogar mehrere?
Ganz nebenbei geht die Mega-Erzählung schließlich noch als Kommentar zur Natur des Produktes „X-Men“ und der US-amerikanischen Mainstream-Comic-Branche generell durch. Leider illustrierte Quitely aufgrund seines zeitaufwendigen Stils nur die wenigsten Hefte der Serie. Trotz ein, zwei hässlicher, weil von Igor Kordey hastig gezeichneter, Ausgaben am Anfang, bevor man sich bei Marvel auf die Situation eingestellt hatte, machten Quitelys Vertreter und Nachfolger, Ethan van Sciver, Phil Jimenez, Chris Bachalo, Marc Silvestri, Leinil Francis Yu, John Paul Leon, Keron Grant, Tom Derenick und, ja, auch Kordey, insgesamt einen annehmbaren Job und lenkten nur selten von der faszinierenden Story ab.

Was Marvel hier in einem 1.000-seitigen, übergroßen Mammut-Hardcover-Band vorlegt, ist ein essentielles Werk des Superheldengenres und eine X-Men-Geschichte, die mit den besten Claremont-Stories nicht nur auf Augenhöhe steht.

Links: Wikipedia: X-Men
Wikipedia: Grant Morrison
Wikipedia: Frank Quitely

THE NIGHTLY NEWS #1 (von 6)
Image Comics | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | SEP06 1787

nightly_newsDie Miniserie The Nightly News von Autor und Zeichner Jonathan Hickman ist ein weiteres dieser Projekte, deren Anzeigentext im allmonatlich-allmächtigen Previews-Katalog nicht so recht aus dem Kreuz kommen will bezüglich… äh, worum geht's denn jetzt eigentlich, bitte?

Hauptfigur der Geschichte ist – allem Anschein nach – ein Typ namens The Hand, der Anführer einer gewalttätigen neuen Sekte, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, all diejenigen zu rächen, deren Karrieren, Ehen und Leben von den bösen Medien ruiniert wurden.

Zugegeben, da steckt irgendwo 'ne gute Idee drin. Trotzdem muss ich leider sagen, dass die knarzig geschriebene, grammatikalisch fragwürdige Beschreibung, die – vermutlich vom Autor selbst – an Previews übermittelt wurde, mich nicht gerade mit Zuversicht erfüllt, zumal The Nightly News Hickmans Debüt als professioneller Autor darstellt. Fairerweise sollte aber erwähnt werden, dass Hickman im Interview einen weitaus besseren Eindruck hinterlässt.

Links:

Comic Book Resources: Interview mit Jonathan Hickman

OUTLAW NATION (Paperback)
Image Comics | 456 Seiten | schwarzweiß | $ 15.99 | SEP06 1798

outlaw_nationOutlaw Nation
, geschrieben von dem Briten Jamie Delano (“Captain Britain,“ „Doctor Who,“ Hellblazer) und gezeichnet von dem Kroaten Goran Sudžuka (Y: The Last Man) mit Unterstützung seines Landsmannes Goran Parlov (Punisher), erschien ursprünglich von 2000 bis 2002 als Farbserie bei Vertigo, wurde aber nach 19 Ausgaben eingestellt, weil die Verkaufszahlen zu wünschen ließen.

Jetzt kommt die ganze Sause, die damals überwiegend positive Rezensionen einfuhr, in einem kompakten Schwarzweiß-Band bei Image heraus. Das Konzept der Serie liest sich in der Beschreibung wie eine Oliver-Stone-Verfilmung von „Rip van Winkle“:

Ein „100-jähriger, halb gestörter, unter Amnesie leidender Groschenroman-Autor“ namens Story Johnson kehrt nach Hause zurück, „nachdem er 25 Jahre lang in Vietnam verschollen war.“ Daraufhin muss Johnson feststellen, dass einige Mitglieder seiner Familie verschwunden sind und dass der Rest ihn dafür verantwortlich macht.

Delano selbst beschreibt Outlaw Nation als einen „flotten, hartgesottenen, schwarz-komischen, zugedröhnten politischen Thriller; eine epische Familiensaga, die sich in der Untergrund-Mythologie Amerikas bewegt: Es ist ein 'Road Movie' persönlicher Entdeckungen für Story Johnson, der heimkehrt, um herauszufinden, ob der 'amerikanische Geist' seiner bizarren Familie seinen Widerstand gegen die Unterdrückung des 'amerikanischen Traums' aufrechterhalten hat.“

Das hört sich gar nicht so schlecht an, ist – sofern man Sudžukas Arbeit an Y als Maßstab nehmen kann – sehr schön gezeichnet und im Preis-/Leistungsverhältnis wohl schwer zu schlagen.

Geheimtipp.

Links:

Wikipedia: Jamie Delano
Desperado Publishing: Goran Sudžuka im Profil
Desperado Publishing: Goran Parlov im Profil
Newsarama: 24-Seiten-Vorschau of Outlaw Nation

RED MENACE #1 (von 6)
DC Comics/WildStorm | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | SEP06 0274

red_menaceMan verstehe mich nicht falsch: Hype ist gut, wenn man was verkaufen will. Ein bißchen Augenmaß schadet aber auch hier in der Regel nicht.

Wenn ein Previews-Anzeigentext Red Menace als „most talked-about miniseries of the fall“ bezeichnet, dann fühlt sich der geneigte Käufer zum Beispiel tendenziell nicht motiviert, das Ding zu erwerben, sondern rollt lieber mal ganz kurz mit den Augen. Das ist nämlich billiger und zeitsparender, und man kommt sich abends nicht so verarscht vor.

Hauptfigur von Red Menace, so scheint es, ist The Eagle, ein Superheld im Los Angeles des Jahres 1953, der vom berüchtigten Senator Joe McCarthy – wie alles andere, was in Fuffzigern nicht bei drei auf den Bäumen war – des Kommunismus bezichtigt wird.

Gut und schön, aber spätestens bei einem Blick auf die Namen der kreativen Köpfe des Projektes wird man skeptisch. Illustrator Jerry Ordway (JSA, Top 10: Beyond the Farthest Precinct, U.S. Agent) ist zwar ein erfahrener, grundsolider Vertreter seiner Zunft, der sämtliche Spielarten des Genres im Schlaf beherrscht. Geschrieben allerdings wird Red Menace von nicht einem, nicht zwei, sondern gleich drei Herren, die ihre Brötchen normalerweise mit TV-Serien verdienen und deshalb in der US-Branche momentan schon aus Prinzip als Der Ganz Große Scheiß gelten.
Da wäre zunächst das Gespann von Danny Bilson und Paul DeMeo, das vor über fünfzehn Jahren mal für die kurzlebige TV-Serie The Flash verantwortlich zeichnete, die sich um die DC-Figur drehte. Anno 2006 war das scheinbar Grund genug für DC, den beiden Flash: The Fastest Man Alive, die neu gestartete Serie des roten Flitzers anzudrehen – bei bisher eher verhaltenen Kritiken.
Der dritte im Bunde ist Adam Brody, bekannt unter anderem aus The O.C. Wohlgemerkt: Brody ist kein TV-Autor wie Bilson und DeMeo, sondern Schauspieler. Das heißt natürlich nicht, dass er nicht schreiben kann, aber man möge mir den leisen Verdacht, dass er den Job möglicherweise nicht aufgrund seines großen Talents an Land gezogen hat, vergeben. Insbesondere, wenn Brody mit seiner Kollegin Rachel Bilson geht, ebenfalls aus The O.C. und Töchterchen von – hoppla! – Danny Bilson.
Die Welt, sie ist klein.

Übrigens: Wer dem Anzeigentext immer noch glaubt, dass es sich hier um die Miniserie handelt, über die „im Herbst“ am meisten gesprochen werden wird, der möge sich bitte unverzüglich bei mir melden. Ich habe nämlich eine wunderschöne Brücke zu verkaufen – zum absoluten Schnäppchenpreis und für Selbstabholer.

Links:

Newsarama: Interview mit Danny Bilson
Wizard Universe.com: Vorschau auf Red Menace

RUSSIAN SUNSET #1 (von 5)
Image Comics | 32 Seiten | schwarzweiß | $ 3.99 | SEP06 1789

russian_sunsetUS-Autor Ron Marz (Ion, Witchblade, Green Lantern) und der junge serbische Zeichner Mirko Colak (Cover-Zeichnung: Bart Sears) basteln mit Russian Sunset einen Comic, in dem von „brutalen Gangstern“ über „verführerische Spioninnen“ und „fanatische Terroristen“ bis hin zum „gestohlenen Nuklearsprengsatz“ alles enthalten ist, was man von einem klassischen, post-sowjetischen Spionage-Thriller erwartet.

Hauptfigur der Miniserie ist Nik, der zur Russenmafia von Brooklyn gehört, für einen Spezialauftrag nach Russland geschickt wird und ein „schockierendes Geheimnis“ mit sich herumträgt.

Den goldenen Blumentopf für Originalität im Dienst werden Marz und Colak damit sicher nicht gewinnen, aber vielleicht springt ja ein guter Agentencomic raus – von denen gibt's schließlich nicht so viele in den Vereinigten Staaten. (Vorbehalt: Wenn sich hinter dem „schockierenden Geheimnis“ irgendein Superheldenquatsch verbirgt, wird sich diese vorsichtige Empfehlung binnen nullkommahastenichgesehn selbstzerstören.)

Links:

Wikipedia: Ron Marz
Desperado Publishing: Mirko Colak im Profil
Wizard Universe.com: Interview mit Ron Marz
Newsarama: Interview mit Ron Marz

SACHS AND VIOLENS (Paperback)
DC Comics | 128 Seiten | farbig | $ 14.99 | SEP06 0247

sachs_violensSachs and Violens, die nach Incredible Hulk: Future Imperfect zweite und bisher letzte Zusammenarbeit von Autor Peter David (X-Factor, Fallen Angel) und Zeichner George Pérez (JSA, JLA/Avengers), erschien erstmals 1993 und 1994 als vierteilige Miniserie bei Epic, Marvels damaligem Label für „Erwachsene“- und Autoren-Comics; die Rechte an dem Material blieben aber immer bei den Schöpfern.

Als Davids Fallen Angel nun vor zwei Jahren bei DC Comics eingestellt wurde, fädelte der Autor einen Deal mit DC ein, der es ihm erlaubte, die Reihe bei IDW Publishing neu zu starten. Im Gegenzug erklärten sich David und Pérez bereit, DC einen Sammelband von Sachs and Violens herausgeben zu lassen. Während man die zwei normalerweise eher mit Superhelden, Fantasy oder Science Fiction in Verbindung bringt, geht Sachs and Violens in eine komplett andere Richtung: Dem Model Juanita Jean und dem Kriegsphotografen Ernie platzt der Kragen – sie tun sich zusammen und nehmen es mit Porno-Sklaventreibern, Mördern und religiösen Fanatikern auf, ballern wild durch die Gegend und kriegen dabei einen solchen Kick, dass sie danach erst mal wilden Sex miteinander haben.

Sachs and Violens
ist eine brutale Mediensatire im Stil von Natural Born Killers (na ja, nicht ganz so brutal, und der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass der Comic früher rauskam als der Film), gegen die alles, was der Punisher bis dahin so angestellt hatte, ein Kindergeburtstag war. Mittlerweile haben sowohl David als auch Pérez mit Projekten wie Fallen Angel und Crimson Plague ähnlich schonungslose Arbeiten vorgelegt.

Wer wissen will, wo die beiden zum ersten mal so richtig ihre fiese Seite zeigen konnten, sollte sich Sachs and Violens mal anschauen.

Links:
Wikipedia: Peter David
Wikipedia: George Pérez
Newsarama: Interview mit Peter David

SHENANIGANS (Paperback)
Oni Press | 168 Seiten | schwarzweiß | $ 14.95 | SEP06 3511

shenanigansAutor Ian Shaughnessy (Strangetown) und Zeichner Mike Holmes (ein Neuling in der Branche und Gewinner eines von Oni Press ausgeschriebenen Talentwettbewerbs) wollen mit Shenanigans (auf Deutsch etwa „Mumpitz“, „Blödelei“ oder „Spielerei“) eine romantische Komödie in der Machart eines Billy-Wilder-Streifens vorlegen:
Holdens Freundin Casey (O-Ton Shaughnessy: „eins dieser Mädchen, auf die jeder scharf ist“) erteilt Privatunterricht, wird dabei aber nicht nur von Lernwilligen gebucht. Daraufhin gibt sich Holden, rasend vor Eifersucht, als irischer Austauschstudent aus und lässt sich von Casey unterrichten. Blöd nur, dass sie sich in den Burschen von der grünen Insel verliebt und daraufhin mit Holden Schluß macht.
Und „dann wird's lustig,“ verspricht der Autor.

Shaughnessy bezeichnet Wilders The Apartment als seinen Lieblingsfilm und gibt Irma la Douce (beide mit Jack Lemon und Shirley MacLaine) als direkte Inspirationsquelle an – ein typischer Oni-Stoff, also.

Shenanigans ist was fürs Herz.

Links:

Sequential Tart: Interview mit Ian Shaughnessy

SUPERMAN CONFIDENTIAL #1
DC Comics | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | SEP06 0206

superman_confidentialAuch wenn man Superman normalerweise zum Gähnen findet, macht es einem DC zur Zeit verdammt schwer, abstinent zu bleiben.

Nach All-Star Superman von Grant Morrison und Frank Quitely, Superman von Kurt Busiek und Carlos Pacheco und Action Comics von Geoff Johns, Richard Donner und Adam Kubert schickt man im November mit Superman Confidential eine weitere hochkarätig besetzte Reihe ins Rennen, deren Autoren und Zeichner allerdings mit jedem neuen Zyklus ausgewechselt werden sollen.

Den Anfang machen Autor Darwyn Cooke (DC: The New Frontier) und Zeichner Tim Sale (Catwoman: When in Rome, Hulk: Gray) mit einem Sechsteiler, der Supermans erste Begegnung mit den gefürchteten radioaktiven Bruchteilen seines Heimatplaneten schildert: Kryptonit.

Besonders begeisternd hört sich das zwar noch nicht an, aber dafür hauen Sales auf klassisch getrimmte Zeichnungen umso mehr rein.

Links:
Wikipedia: Darwyn Cooke
Wikipedia: Superman
Wizard Universe.com: Vorschau auf Superman Confidential

WISDOM #1 (von 6)
Marvel Comics/Max Comics | 22 Seiten | farbig | $ 3.99 | SEP06 2157

wisdomWer früher stirbt ist bekanntlich länger tot, oder so ähnlich.

Marvels Max-Label jedenfalls bleibt uns wider Erwarten scheinbar doch noch etwas länger erhalten. Nachdem Alias und Supreme Power ausgegliedert, umbenannt und entschärft worden waren, mit Punisher nur noch eine fortlaufende Max-Reihe erschien und Marvel im allgemeinen weniger risikofreudig wurde als noch in der Bill-Jemas-Ära, schien das Label für Volljährige angezählt.
Aber nix da, man ist nun im Begriff, einen ganzen Schwung neuer Max-Projekte zu starten.

Eins davon ist Wisdom, welches sich um den gleichnamigen britischen Mutanten und Superagenten dreht – nach dem Midnighter (siehe oben) nebenbei die zweite Warren-Ellis-Figur, die im November ihre eigene Serie erhält. Ellis hatte Pete Wisdom – einen seiner kettenrauchenden, grummeligen und leicht schäbigen „typisch britischen“ Helden – ursprünglich für einen frühen Independent-Comic geschaffen, übereignete ihn 1995 aber Marvel, als er die Serie Excalibur übernahm.

Wisdom, ein Geheimagent mit mysteriöser Vergangenheit, besitzt die Fähigkeit, „hot knives“ aus seinen Händen zu schießen – das bedeutet im Deutschen „heiße Messer“ und ist pikanterweise zudem Slang für eine etwas ausgefallenere Methode, Haschisch zu rauchen.
Wisdom erledigte für den konspirativen Dienst Black Air die Drecksarbeit, bevor er die Brocken hinschmiss und als Verbindungsmann zu Excalibur eingesetzt wurde. Bald darauf half er der Superheldengruppe, den kriminellen Machenschaften der Black Air das Handwerk zu legen. Ebenfalls unter der kreativen Leitung von Ellis trat Wisdom eine Zeit lang als Mentor von X-Force in Erscheinung, verschwand danach aber einige Jahre von der Bildfläche. Seit 2005 ist er jeden Monat in der Serie New Excalibur zu sehen, wo er als Mitglied des Super-Geheimdienstes MI-13 ein neues Excalibur-Team versammelt hat.

In Wisdom soll die Figur weitgehend ohne ihre Excalibur-Kameraden zu Werke gehen, dafür aber mit einem neuen Team von MI-13-Agenten. Autor von Wisdom ist der Brite Paul Cornell, der neben Comics (Judge Dredd Magazine) auch TV-Serien (Robin Hood, Doctor Who) und Romane (meistens mit Doctor Who in der Hauptrolle) schreibt.
„[Wisdom] ist süffig und zotig und spielt sich vollkommen in Großbritannien ab“, so Cornell im Interview mit Newsarama. „[…] Ich versuche, ein authentisches Bild des modernen Großbritanniens zu zeichnen, das nichts verniedlicht, aber wo man gleichzeitig noch immer das Mystische finden kann. Also starten wir in der ersten Ausgabe mit einem militärischen Helikopterangriff auf Avalon – automatische Waffen gegen Fabelwesen. Und in Heft Nummer Zwei finden wir was Uraltes und Schreckliches in einem kleinen Dörfchen in Wiltshire. […] Dort ist es, sagen wir mal, nicht gerade unbritisch. Wenn euch der abgebrühte Kneipenhumor gefällt, mit dem erfahrene Briten sich ein bisschen auskennen, gibt's schlechtere Ideen, als hier mal reinzuschauen.“
Auch sonst ist das Interview übrigens 'ne überaus lesenswerte Sache.

Gezeichnet wird Wisdom von Trevor Hairsine (X-Men: Deadly Genesis, Ultimate Six). Man errät's: noch ein Engländer. Leider schlägt auch Wisdom ohne zusätzlichen Inhalt mit frechen $ 3.99 pro Ausgabe zu Buche, was eher auf den Sammelband Lust macht als auf die Einzelhefte.

Links:

http://www.myspace.com/92357526
Wikipedia: Paul Cornell
Wikipedia: Peter Wisdom
Newsarama: Interview mit Paul Cornell (und Redakteur Nick Lowe)

Der Heftchen-Ticker für November

batman_spirit+++ASTONISHING X-MEN #19. Joss Whedon und John Cassaday starten ihren letzten Akt des Kassenschlagers, der – *schock* – sogar monatlich erscheinen soll. (Marvel Comics, $ 2.99)+++AVENGERS NEXT #1/#2 (von 5). Das Marvel-Universum der unmittelbaren Zukunft verkauft sich neuerdings wieder überraschend gut, daher dürfen Tom DeFalco und Ron Lim nochmal ran. (Marvel Comics, je $ 2.99)+++BATMAN/THE SPIRIT. Darwyn Cooke und Jeph Loeb zelebrieren das Zusammentreffen von Bob Kanes und Will Eisners lustig gekleideten Detektiven. (DC Comics, $ 4.99)+++BULLET POINTS #1 (von 5). Reichlich abwegige „Was wäre, wenn…?“-Nummer von J. Michael Straczynski und Tommy Lee Edwards. (Marvel Comics, $ 2.99)+++CONNOR HAWKE: DRAGON'S BLOOD #1 (von 6). Chuck Dixon und Derec Donovan verwalten eine ausgemusterte Comicfigur. (DC Comics, $ 2.99+++DMZ #13. Brian Wood und Riccardo Burchielli starten den dritten Akt der Kriegsreporterserie. (DC Comics, $ 2.99)+++DRAIN #1. Sensationell: Eine Ninja-Vampirin gegen Otto-Normal-Vampire von C.B. Cebulski und Sana Takeda. (Image Comics, $ 2.99)+++FALLEN ANGEL #11. Beginn eines neuen Akts der Serie von Peter David und J.K. Woodward. (IDW Publishing, $ 3.99)+++FANTASTIC FOUR: THE END #1/#2 (von 6). Alan Davis erzählt das Ende der Fantastischen Vier. Echt. franklin_richardsWirklich. Ohne Scheiß! (Marvel Comics, je $ 2.99)+++FRANKLIN RICHARDS: HAPPY FRANKSGIVING! Lustige Lachgeschichten mit viel Spaß von Marc Sumerak und Chris Eliopoulos. (Marvel Comics, $ 2.99)+++GUY GARDNER: COLLATERAL DAMAGE #1 (von 2). Howard Chaykin verwaltet eine ausgemusterte Comicfigur. (DC Comics, $ 5.99)+++THE IMMORTAL IRON FIST #1. Gogo-Gadgetto gelbe Balletschläppchen. Platz da, Chuck Norris! Ed Brubaker und Matt Fraction schreiben, David Aja zeichnet. (Marvel Comics, $ 2.99)+++NINJA TALES. Selbsterklärend, hoffen wir. Von mehreren, zumeist nicht sehr bekannten Leuten. (Boom! Studios, $ 6.99)+++THE OFFICIAL HANDBOOK OF THE INVINCIBLE UNIVERSE #1 (von 2). Kreative Köpfe katalogisieren den krassen Kosmos von Kirkmans kühnem Comichelden. (Image Comics, $ 4.99)+++ONSLAUGHT REBORN #1 (von 5). Eine der meistgehaßten Ideen der Marvel-Geschichte feiert ihr Zehnjähriges – Grund genug für Tausendsassa Jeph Loeb und Skandalnudel Rob Liefeld, Captain America wieder mal mit Motorhaube zu zeigen. (Marvel Comics, $ 2.99)+++PUNISHER WAR JOURNAL #1. Wieder Matt Fraction, diesmal mit Ariel Olivetti. Civil War zieht sich viiiel länger als geplant, deshalb darf der Punisher doch erst im November loslegen mit Böseschurkenabschießen. (Marvel Comics, $ 2.99)+++PUNISHER X-MAS SPECIAL. Raus mit den Stiefeln, und dann nix wie weg: Punisher goes Knecht Ruprecht, von Stuart Moore und C.P. Smith. (Marvel Comics/Marvel Knights, $ 3.99)+++SAMURAI: HEAVEN AND EARTH, Vol. 2 #1 (von 5). Ron Marz und Luke Ross schicken ihren Samurai in die zweite Runde. (Dark Horse Comics, $ 2.99)+++THE TRANSFORMERS: ESCALATION #1. Die Fortsetzung von Infiltration, geschrieben vom ewigen Transformers-Meister Simon Furman, illustriert von E.J. Su. (IDW Publishing, $ 3.99)+++TRANSFORMERS SPOTLIGHT: HOT ROD. Furman und Nick Roche widmen sich Optimus Primes designiertem Nachfolger. (IDW Publishing, $ 3.99)+++ULTIMATE VISION #0. Handliche Sammlung der über mehrere Hefte verteilten Story von Mark Millar und John Romita Jr. (Marvel Comics, $ 2.99)+++WHITE TIGER #1 (von 6). Tamora Pierce, Timothy Liebe und Phil Briones versuchen sich an einer Figur aus Bendis' Daredevil. (Marvel Comics, $ 2.99)+++

Der Bücher-Wurm für November

kane+++B.P.R.D.: THE UNIVERSAL MACHINE (Digest) von Mike Mignola, John Arcudi und Guy Davis+++CAPTAIN AMERICA & THE FALCON: THE SWINE (Paperback) von Jack Kirby (Marvel Comics, $ 29.99)+++CAPTAIN AMERICA: RED MENACE, Vol. 2 (Paperback) von Ed Brubaker und Steve Epting (Marvel Comics, $ 10.99)+++FABLES, Vol. 8: WOLVES (Paperback) von Bill Willingham, Mark Buckingham, et al. (DC Comics/Vertigo, $ 17.99)+++FANTASTIC FOUR: FIRST FAMILY (Paperback) von Joe Casey und Chris Weston (Marvel Comics, $ 15.99)+++FURY: PEACEMAKER (Paperback) von Garth Ennis und Darick Robertson (Marvel Comics/Marvel Knights, $ 17.99)+++KANE, Vol. 6: PARTNERS (Paperback) von Paul Grist (Image Comics, $ 16.99)+++POWERS, Vol. 10: COSMIC (Paperback) von Brian Michael Bendis und Michael Avon Oeming (Marvel Comics/Icon, $ 19.95)+++PUNISHER, Vol. 6: BARRACUDA (Paperback) von Garth Ennis und Goran Parlov (Marvel Comics/Max Comics, $ 15.99)+++

Anregungen, Lob oder Kritik sind wie immer herzlich willkommen. Schaut einfach im Forum vorbei oder schickt eine E-Mail.

Bildquellen: Previews – Diamond Comic Distributors; Avengers, Franklin Richards, Wisdom – Marvel Comics; Batman/The Spirit, Crossing Midnight, The Midnighter, Red Menace, Sachs and Violens, StormWatch – DC Comics; The Nightly News, Outlaw Nation, Russian Sunset – Image Comics; New X-Men – thegreatescapeonline.com; Shenanigans – Oni Press

Interview mit Prof. James Kakalios (OmU)

 

 

James Kakalios ist eigentlich Physik-Professor an der University of Minnesota. Nebenbei ist er aber auch Comicfan – und konnte durch die Verknüpfung von Superhelden und Physik seinen Studenten diese Naturwissenschaft näher bringen, als er es auf konventionellem Weg je schaffte.

Letztes Jahr veröffentlichte er in den USA das populärwissenschaftliche Buch The Physics of Superheroes, in dem er Physik anhand von Beispielen aus der Superheldenwelt erklärt. Dabei findet er für viele Phänomene in den Comics eine wissenschaftliche Erklärung.
Seit kurzem ist das Buch als Physik der Superhelden auf Deutsch erschienen, wobei die 1. Auflage mit 3.000 Stück bereits ausverkauft ist und es nun in die 2. Auflage geht. 

 

 

Please click here for the English version. 

 

Comicgate: Hallo Jim, von der deutsche Ausgabe Ihres Buches, Physik der Superhelden (The Physics of Superheroes), erscheint bald die zweite Auflage. Ich weiß nicht, in wie vielen Sprachen Ihr Buch bisher erschienen ist, aber mal generell gefragt: Haben Sie je damit gerechnet, dass es so erfolgreich sein würde?

jameskakalios_klein James Kakalios: Ich freue mich natürlich darüber, aber das kam für mich schon etwas überraschend. Schließlich beziehe ich mich bei all meinen Beispielen auf Superheldencomics aus den USA. Bis jetzt erschien das Buch – neben den USA – in Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Südkorea und Griechenland.
Superman und Spider-Man kennt man ja überall auf der Welt, aber die Leute werden mehr über den Ant-Man lernen, als sie es je geahnt haben!

 

CG: Das Buch basiert auf Ihrer gleichnamigen Vorlesung, richtig? Wie lange brauchten Sie, um es zu schreiben, und half Ihnen jemand dabei?

JK: Die Idee selber und einige Beispiele waren Bestandteil der Vorlesung, ja. Einige Themen wurden durch Studenten und ihre Projekte für die Vorlesung angeregt, aber das Buch selber musste von Grund auf geschrieben werden, nachdem ich den Vertrag unterschrieben hatte. Für die erste Fassung habe ich etwa anderthalb Jahre gebraucht. Außer meiner Frau, die mir netterweise bei manchen Formulierungen geholfen hat, hatte ich keine weitere Hilfe.
Ein Wort an die Leute, die irgendwann mal etwas Populärwissenschaftliches veröffentlichen wollen – seid clever und heiratet eine diplomierte Sprachwissenschaftlerin! So wie ich.

 

CG: Ich fand es klasse, dass Sie in der Einleitung ausführlich auf die Geschichte der Superheldencomics eingegangen sind. Sehe ich das richtig, dass Sie die Leute nicht nur Richtung Physik, sondern auch Richtung Comics ziehen wollen?

JK: Ja, absolut. Für mich hat „Wissenschaft“ viel mit „Fragen stellen“ zu tun. Und wenn man einmal damit angefangen hat sich zu fragen, wie sich so etwas Solides wie Wissenschaft in die monatlichen Wegwerfheftchen – die sich hautpsächlich an Kinder wenden – eingeschlichen haben kann, dann führt das einen zu der reichhaltigen Geschichte dieses Mediums.
Wenn man jemanden in einem der entlegensten Orte der Welt nach Shakespare befragt, dann erhält man vielleicht nur ein ratloses Gesicht. Aber wenn man danach eine Frage über Superman stellt, dann wird es vermutlich eine Antwort geben! Ich finde es faszinierend, wie sich sich dieses Medium entwickelt hat, und als Professor bin ich es gewohnt, über alles Vorlesungen zu halten, was ich interessant finde.

 

Comicgate: Die Idee, Physik durch Superhelden – die ja reine Fantasieprodukte sind -zu verstehen, erscheint zuerst etwas abstrus. Ich wage zu behaupten, dass sich kein Comicautor jemals konkret Gedanken gemacht hat, ob etwas physikalisch möglich ist oder nicht. Wie und wann kamen Sie auf den Gedanken, dass das einen Versuch wert ist?

JK: Durch Experimente während meiner Vorlesung. In den Physik-Einführungsvorlesungen für die Anfänger werden wir Professoren dazu aufgefordert, etwa alle zehn Minuten den normalen Stoff zu unterbrechen, damit die Studenten am Ball bleiben. Diese Unterbrechungen können z.B. aus einem Experiment oder einem Quiz bestehen. Ich habe mich dann dazu entschieden, mal ab und zu Comic- oder Star-Wars-Beispiele zu bringen. Das war am Anfang noch etwas zögerlich, aber aufgrund der guten Resonanz habe ich dann irgendwann eine komplette Vorlesungsreihe rund um Superhelden aufgebaut, „Alles was ich über Naturwissenschaften weiß, habe ich aus Comics gelernt“.

 

CG: Was für Vorlesungen halten Sie denn momentan? Und haben Sie schon einmal festgestellt, dass Ihre andere Herangehensweise anfangs physikskeptische Leute auftauen ließ?

antman JK: Momentan halte ich eine Einführungsveranstaltung, „Energy and the Environment“ (“Energie in unserer Umgebung“)  für Leute, die nur geringes mathematisches Vorwissen haben. Diese Studenten sind nicht blöd, aber doch etwas voreingenommen, was Physik angeht. Dies ist das letzte Mal, dass sie im College mit Physik in Berührung kommen, aber sie werden Bürger und Wähler für den Rest ihres Lebens bleiben. Das ist also meine einzige Gelegenheit, ihnen mit ein paar Tricks zumindest etwas naturwissenschaftliches Grundwissen zu vermitteln.
Eine Zeitlang habe ich „Statistische Mechanik“ und „Festkörperphysik“ für Physikdiplomanden und -doktoranden gehalten.
Und von “The Physics of Superheroes“, was ja ein zusätzliches, freiwilliges Projekt ist, werde ich wohl mein Leben lang erzählen!

 

CG: Haben Sie für Ihren ungewöhnlichen Zugang zur Physik Rückmeldungen von Comicautoren oder Ihren Uni-Kollegen erhalten?

JK: Ja, ziemlich viel sogar, und eigentlich gab es nur positive Resonanz. Allmählich verstehen wir Wissenschaftler, dass wir uns mehr der Allgemeinheit zuwenden müssen, um den Sinn und Zweck – den Wert – unserer Forschung deutlich zu machen, aber natürlich auch, um die heutigen Schulkinder anzustacheln. Wenn Superhelden die Kinder überzeugen können, sich mit Mathe und Physik zu beschäftigen, dann wäre es nicht das erste Mal, dass sie unseren Tag gerettet hätten!

 

CG: Sogar im Internet habe ich bereits Antworten von Ihnen gefunden auf naturwissenschaftliche Fragen . Sie scheinen wirklich mit vollem Herzen dabei zu sein, wenn es darum geht, Dinge anderen Leuten zu erklären. Manche Leser fragen Sie aber auch Sachen aus anderen Zweigen, wie z.B. aus der Biologie, für die sie sicherlich recherchieren müssen. Woher nehmen Sie die Zeit und die Energie? Wurde Ihnen das alles auch schon mal zu viel?

JK: Wenden Sie sich an die Person, die mir SO VIELE Fragen stellt!
Im Ernst: Ja, das nimmt natürlich alles viel Zeit in Anspruch, und manchmal muss ich die Notbremse ziehen, um auch meinen eigenen Kindern bei den Hausaufgaben helfen zu können.
Aber wenn jemand sich Mühe macht, sich mit einer Thematik beschäftigt und Fragen formuliert, dann sollte derjenige meiner Meinung nach nicht ignoriert werden. Ich habe schon auf Comicmessen mit Besuchern über Physik geschnattert, und sie haben erzählt, wie viel Spaß es ihnen gemacht hat, so einen einfachen Zugang zu einem Physikprofessor zu haben, ihre Fragen stellen und verständliche Antworten bekommen zu können.

 

CG: Sie waren also richtig als „Künstler“ auf Comicmessen anwesend, haben ihre Bücher signiert und mit den Leuten über Physik geredet?

JK: Jup. Ich habe denselben Vortrag gehalten, den ich auch auf wissenschaftlichen Tagungen präsentiere. Mitunter gibt es auch Signierstunden, und ein paarmal wurde ich schon gebeten, etwas reinzuzeichnen. Da ich aber überhaupt kein Zeichentalent habe, male ich dann immer den schematischen Aufba eines Atoms rein mit der Randnotiz, dass das nicht die wirkliche Größe ist!

 

CG: Das muss ja für einen Naturwissenschaftlicher eine tolle Sache sein, auf einer Comicmesse signieren zu können! Sind die Besucher dann erstmal etwas verstört, wenn sie erfahren, was für einen „seltsamen“ Beruf Sie eigentlich haben?

JK: Ja, das ist eine ziemliche coole Sache. Und nein, im Gegenteil, die Leute bleiben sogar für Stunden und fragen alles Mögliche. Sie scheinen es richtig toll zu finden, so einen einfachen Zugang zu einem Physikprof zu haben. Das ist so, als wenn wir einen Arzt oder Rechtsanwalt ausquetschen und ihnen die komischen Fragen stellen könnten, die einem morgens beim Rasieren einfallen.

 

CG: Wenn Sie jemals mal ein paar freie Minuten haben, lesen Sie dann auch Superheldencomics, oder dürfen es auch andere Comics sein? Wir würden uns über ein paar Empfehlungen freuen!

JK: Hehe – ja, ich gehe noch immer jeden Mittwoch in meinen Comicladen (da kommen die wöchentlichen Neuerscheinungen hier in den USA heraus). Mir haben Darwyn Cookes Sachen (er erfand DC: The New Frontier) sehr gut gefallen, er ist momentan mein Lieblingskünstler. Gail Simone ist die Autorin von The New Atom und sie versucht, das Ganze wissenschaftlich korrekt – so wissenschaftlich korrekt es in einem Superheldencomic geht – anzugehen. Ich berate sie dabei etwas. Dann verfolge ich noch die Arbeiten von solchen Autoren wie Mark Waid, Warren Ellis, Alan Moore (seine Nicht-Superheldengeschichten wie z.B. The League of Extraordinary Gentlemen sollte man sich unbedingt mal anschauen), Geoff Johns und Dan Slott. Bei denen schaue ich definitiv mal in Neuerscheinungen rein. Dan Slott schreibt ja die Geschichten für She-Hulk, die ja – davon abgesehen, dass sie eine riesige grüne Frau mit Superkräften ist – als Anwältin mit Schwerpunkt Superhelden auftritt. Dans Sachen sind sehr witzig und clever geschrieben!

 

the_atomCG: Klingt ja spannend, dass Sie Gail Simone beraten! Wie kam es dazu?

JK: Sie hat mir letzte Woche einfach so eine E-Mail geschickt. Ich finde die ganze Sache auch ziemlich cool! Bis jetzt habe ich ihr nur bei einer Sache geholfen. Mal schauen, ob sie noch mehr Fragen hat – oder ob ich dann überhaupt die Zeit dazu habe.

 

CG: Haben Sie auch Ideen zur Handlung oder nicken Sie nur die Tatsachen ab? Würde es Ihnen vielleicht sogar Spaß mehr, mehr aktiv am Comicgeschehen teilzunehmen – vielleicht sogar selber eine Geschichte zu schreiben?

JK: Ich habe in der Tat schon eine Idee für einen Comic, die etwas Physik und eine – so hoffe ich zumindest – interessante Geschichte beinhaltet. So würde der Leser zuerst gar nicht merken, dass er etwas dabei lernt, bis es zu spät ist. Vielleicht werde ich das Ganze mal zukünftig angehen.

 

CG: Wenn Die Leute wegen Ihres Hobbies komisch anschauen und Ihnen erzählen, dass Comics nur was für Kinder seien, was erwidern Sie? Was lieben Sie so an Comics?

JK: Ich frage sie, ob sie in der letzten Zeit überhaupt mal einen Comic gelesen hätten.
Bei so vielen Sachen – von Filmen über Bücher bis hin zum Fernsehen – ist 90% Schrott dabei oder zumindest ist es nicht so berauschend. Aber 10% davon ist hervorragend (deshalb finden wir auch fast alles an klassischer Musik fantastisch – weil nur die besten 10% es bis in unsere Zeit geschafft haben).
Schlussendlich ist es mir aber eigentlich egal, ob jemand etwas gegen Comics hat. Es zeichnet doch unter anderem einen Nerd aus, dass es ihm egal ist, was andere denken.

 

CG: Sie haben Ihre Frau und Ihre Kinder erwähnt. War es schwierig, sie zu Comicfans zu assimilieren (wobei, Sie sehen ja noch recht jung aus, vielleicht sind Ihre Kinder noch zu klein zum Comic lesen)?

JK: Meine Kinder sind 16, 15 und 12 …

 

CG: Ups, da habe ich dann wohl ziemlich daneben gelegen. Immerhin habe ich Sie nicht älter gemacht, als Sie sind.

jameskakalios JK: … sie sind also definitiv alt genug für Comics. Sie lesen sie auch ganz gerne, sind aber längst nicht so große Fans davon wie ihr Vater. Meine Frau ist sehr tolerant in der Beziehung, aber sie hasst es, Comics zu lesen und zeigt sich sehr widerstrebend, sogar wenn ich ihr von Klassikern wie Watchmen vorschwärme.
Meine Familie akzeptiert mein Hobby halt als eine meiner Marotten.

 

CG: Sie unterschreiben Ihre E-Mails oder Internet-Beiträge oft mit dem wahnsinnig langen „Your Friendly Neighborhood Physics Professor, Jim Kakalios“. Davon abgesehen, dass Sie damit zeigen wollen, dass Physiker auch nette Menschen sein können, tippen Sie das wirklich jedesmal ein oder haben Sie es für copy+paste irgendwo abgespeichert?

JK: Da ich das nicht für jeden meiner Ergüsse benutze, tippe ich es in der Tat jedes Mal selber ein. Manchmal schreibe ich auch „From your mild-mannered physics professor, Dr. K“ (wobei das K für „Action“ steht).

 

CG: Was hat K mit „Action“ zu tun? Ist das so was Amerikanisches wie „X-Mas“ anstatt „Christmas“ (Weihnachten)? 

JK: Nein, das hat damit nichts zu tun. Da kein K in „Action“ vorhanden ist, ergibt das keinen wirklichen Sinn. Was ich irgendwie lustig finde, aber die Hälfte meiner Familie findet das nur blödsinnig. Ist wohl eine meiner komischen Seiten.


CG: Jim, nochmals vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben!

 

 

links

Produktseite beim Verlag Roger & Bernhard 

James Kakalios im Gespräch mit ZDF aspekte 

James Kakalios beantwortet wissenschaftliche Fragen (Englisch) wie z.B. „How can Spider-Man stick to walls while wearing gloves?“

Seine offizielle Seite bei der University of Minnesota 

 

physik-der-superheldenPhysik der Superhelden
Autor: James Kakalios
Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Juni 2006; 2. Auflage Oktober 2006
Aus dem Amerikanischen von Doris Gerstner und Christoph Hahn
472 Seiten, 39 Abb., Hardcover; Euro 29,90
ISBN 3-8077-1018-3

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Bildquellen: Rogner & Bernhard, Wikipedia (Ant Man), http://www.empirecollectibles.com/show36b.jpg (The Atom)

 

{mospagebreak title=Interview with Prof. James Kakalios (English)&heading=Interview with Prof. James Kakalios} 

 

 

James Kakalios is a physics professor at University of Minnesota. Besides that, he is also a comic geek, as he calls himself.
He combined these two passions in explaining physics with superhero comics. First in university classes, since last year also by his book The Physics of Superheros. On the occasion of the release of the German version, we spoke to Prof. Kakalios.

 

Comicgate: Hello Jim, thanks for taking the time to answer some questions about you and your book The Physics of Superheros. The German version is just about to be published in the second run. I don't know in how many languages the book is also translated, but generally spoken: did you ever expect it to be so popular – in the USA as in other countries?

jameskakalios_kleinJames Kakalios: This is a pleasant surprise, as all of the examples I employ are from American superhero comic books.  So far the book has been purchased for foreign publication in the UK, Germany, Italy, Spain, South Korea and Greece. While Superman and Spider-Man are certainly well known around the world, these readers in other countries are about to learn much more about Ant-Man than they ever imagined!

 

CG: The book emerged from your lectures, right? How much time did it take you to actually write the book? Did you have some help?

JK: The ideas and arguments came from the course, and some topics were inspired by student presentations in class, but the book had to be written from scratch when the contract was signed.  It took me about 1.5 years to complete the first manuscript. No help in writing or research assistants – aside from wonderful editing from my wife. 
Word of advice to any aspiring popular science writer – be smart like me and marry an English major!

 

CG: I really appreciated the long introductional part which evolved around the history of comics/superheroes. It seems you're really not only interested in dragging the people into physics, but also into comics. Is that correct?

JK: Absolutely. To me, science is about asking questions, and once you start with the question as to how all this correct science wound up in these disposable popular monthlies – intended for kids – it leads you to the whole, rich history of this genre.  If you asked someone in one of the most remote locales on the planet about Shakespeare, you might get a blank look, but then follow up your question with one about Superman, and see the response!  I think its fascinating how this medium evolved – and as a professor – I'm used to giving lectures on anything I think is interesting!

 

CG: The idea of „learning physics from superheroes“ – which are mere creatures out of writers' brains – is very unusual. I dare to say that no comic author ever cared about what is physically possible and what is not. How and when did you come to the point saying this could be interesting?

JK: Through experimentation with my students.  In my regular Freshman Physics class, we are always encouraged to break up the straight lecture every ten minutes or so, to keep students from zoning out.  These breaks may be in the form of a lecture demonstration, a pop quiz, or a worked out example.  As a technique to keep the students engaged, I started – slowly at first – bringing comic books and Star Wars examples into class.  The strong positive response led to me trying to develop an entry class built around superheroes, „Everything I Needed to Know about Physics I Learned from Reading Comic Books“.

 

CG: What classes do you teach? Do you notive students being first „afraid“ of physics and getting into it because of a different access to it?

antman JK: Right now I'm teaching an introductory physics class for those students who have very little math background – called Energy and the Environment.  These students are bright, but they are very intimidated about mathematics.  This is the only physics class they will take in the college career – but they will be citizens and voters for the rest of their life.  So this is my one chance to Jedi mind trick them into learning some basic science.  I've taught Statistical Mechanics and solid state Physics for physics majors and graduate students, and I think I will be teaching The Physics of Superheroes, a Freshman Seminar class that we teach on a volunteer basis in addition to our normal teachign load, for the rest of my life!

 

CG: Did you get response from comic creators or from your scientific colleagues?

JK: The response seems to be strong, and positive.  There's a growing realization that we as scientists have to do a better job reaching out to the general public, explaining the value of our research and also enticing the next generation of scientists from todays schoolkids.  If superheroes can convince some kids to go into math and science – well it wouldn't be the first time these heroes have saved the day!

 

CG: I noticed that even on the internet you are answering questions regarding science (and superheroes). You really seem passionate about explaining things to people. Some readers are also asking non physics questions, e.g. biology. Where do you take the time (and the energy!) to answer these questions? Not only the writing, but also researching stuff is quite time consuming, I guess. Is there a point when it gets too much?

JK: Asks the person who sent THIS MANY questions over the internet!  Yeah – it does take a lot of time, and sometimes I have to put it on hold to help out my own kids with their homework, but if someone takes the time and effort to reach out, I don't think they should be blown off. At comic book conventions, I've sat and chatted about physics topics with attendees at the convention, and theyve commented how it was a joy to have access to a real physics professor, to ask them the type of questions and get personal answers. 

CG: So you've really been to comic conventions as a, kind of, artist, signing books and answering questions?

JK: Yup – I give the same physics talk that I present at science conventions.  I do signings of my book, and sometimes I'm asked to sketch a little drawing.  since I have no artistic talent whatsoever, I draw a schematic of an atom, with a note adjacent to it indicating that it is not the actual size!

 

CG: How cool is that, hehe? Do people shy away when they hear what „strange“ profession you have?

JK: Very cool.  And no – quite the opposite.  People will hang around for hours, asking all sorts of questions, reveling in the fact that they have access to a real physics professor.  Sort of like if we could spend as much time as we wanted talking to a doctor or lawyer, asking the obscure questions that come to you while shaving.

 

CG: If you ever have free time, do you only read superhero comics, or are there also other comic books you enjoy? We'd be happy to hear any comic recommendations (superhero or not)! 🙂

JK: Hah – yes, I still go to my local comic book shop every Wednesday (which is when new comics are released here in the States).  I really enjoy Darwyn Cooke's work – he created DC: The New Frontier, now in trade paperback. He is presently my top creator.  Gail Simone is writing the adventures of the New Atom, and she is striving to make the stories as scientifically accurate as one can in a superhero adventure (I'm actually doing some free-lance consulting for her on such issues as to how would could possible see if the size of a molecule).  I tend to follow the work of certain writiers, so anything by Mark Waid, Warren Ellis, Alan Moore (certainly his non-superhero adventures – such as the League of Extrordinary Gentlemen – are worth consideration), Geoff Johns, Dan Slott will get at least a first look. Dan Slott is writing about She-Hulk, who in addition to being a seven foot tall, green superstrong hero, is a lawyer specializing in superhero law.  Very funny and clever stories, there!

 

the_atomCG: Your „free-lance consulting“ thing for Gail Simone sounds exciting! How did you get in contact?

JK: She sent me an e-mail last week, out of the blue.  It was and is very cool.  So far I've only helped her on one plot point.  We'll see if she needs more – or if I have time!

CG: Do you also propose some plot elements or is it only „yes, that would work“ and „no, that's crap“? Would it appeal to you to be more involved in comics, let's say to create a story of your own?

JK: I have an idea for a storyline, that would incorporate some interesting physics and at the same time tell an (I hope) interesting story – so that the reader would not realize until it was too late that they were actually learning something.  Perhaps I'll pitch it in the future.

 

CG: If people look at at you sceptically at you and tell you that comics are only for kids, what do you tell them? What do you love about comics?

JK: I ask them if they've read a comic book lately.  As with anything, from movies to novels to television – 90% is not very good, and 10% is excellent.  (This is why we find so much classical music to be superb – only the excellent 10% survived over the years and is still played today).  But ultimately, I don't care if someone dismisses comics. Part of being a true geek is not caring what others think.

CG: You mentioned your wife and kids. How difficult was it to assimilate them to comics and physics (but since you don't look that old, your kids might still be too young for that)?

JK: Actually, my kids are age 16.5, 15 and 12.5 …

 

CG: Oops (at least I didn't think you were older than you actually are).

jameskakalios JK: … so they are definitelty old enough for comics.  They like them fine, but are not as into them as their Dad.  My wife is very tolerant of my hobby, but she hates reading comic books and resists, even when I describe such classics at The Watchmen.  Ultimately, they accept that this is one of Dad's quirks.

CG: Your trademark is „Your Friendly Neighborhood Physics Professor, Jim Kakalios“ at the end of your answers and mails. Besides showing that physicists don't bite, do you copy and paste that or do you have to type it everytime? 😉

JK: Since I don't use it for every corrsespondence – I actually write it each time.  Some times I vary it, such as: „From your mild-mannered physics professor, Dr. K“ (the K stands for Action!)

 

CG: Why does K stand for action? Is this an American thing (like X-mas)?

JK: No – it's a non-sequitur joke.  Since there's no K in Action, it makes no literal sense. Which I find amusing, but half of my family thinks is stupid, so I guess it's an idiosyncratic thing.

 

CG: Thanks very much again for taking the time to answer our questions, Jim!

 

 

physik-der-superhelden LINKS:

The Physics of Superheroes at Penguin Books

James Kakalios answers questions like „How can Spider-Man stick to walls while wearing gloves?“

James Kakalios talks with ZDF aspekte (German television show on cultural things; interview in German) 

His official site at University of Minnesota 

 

 

images sources: Rogner & Bernhard, Wikipedia (Ant Man), http://www.empirecollectibles.com/show36b.jpg (The Atom)

Torpedo 1

torpedo1Wer nur für fünf Cent Ahnung hat, was in den Regalen hiesiger Comicdealer steht, der weiß, dass auch Erwachsene gerne Comics lesen. Völljährig zu sein und Bildergeschichten zu mögen wurde in den Fünfzigern vielleicht noch als eine Charakterschwäche getadelt. Heute ist es alltäglich. Trotzdem hat man es als erwachsener Comicleser manchmal nicht leicht, Material zu finden, das dem eigenen Gusto entspricht. Zum Glück gibt es Cross Cult. Das kleine, aber feine Label aus Asperg nimmt die Wünsche des älteren Lesepublikums ins Visier. Die Verleger scheinen es sich auf die Fahne geschrieben zu haben, gleichsam gute Unterhaltung, anspruchsvolle Geschichten und tolles Artwork zu bringen. Mit der Veröffentlichung des ersten Bandes von »Torpedo« – pünktlich zur Frankfurter Buchmesse 2006 – bleiben sie ihrer Linie treu.

Dabei sind die Geschichten um den Mafiakiller Luca Torelli, genannt »Der Torpedo«, keine Neuheit mehr, sondern schon über fünfundzwanzig Jahre alt. 1980 erschien die erste Episode in dem Magazin „Creepy“. Daraus entwickelte sich in den Folgejahren eine Serie, die 1986 zu höchsten Ehren gelangte und in Angoulême den Preis für das Beste Album abräumte. Auf deutsch erschien Torpedo zuletzt 1988 bis 1991 bei Carlsen, zunächst als Album, dann als Taschenbuch. Die Reihe blieb unvollendet und geriet allmählich in Vergessenheit. Inzwischen sind einzelne Ausgaben kaum noch zu bekommen. Freunde des brutalen Mafiakillers dürfen aber nun aufatmen. Bei Cross Cult erscheint in fünf Bänden das Gesamtwerk. Der erste Band enthält fünfzehn Torpedo-Episoden in schwarz-weiß, die jeweils zwischen sechs und zehn Seiten lang sind.

Schauplatz der Handlung ist New York im Jahr 1936. Hauptfigur Luca Torelli ist ein eleganter Killer der Mafia, gerade kultiviert genug, um zu wissen, dass in Spanien Bürgerkrieg herrscht. Er ist ein vornehmer Schlächter im Nadelstreifenanzug, ein hartgesottener Killer, wie er im Buche steht. An seiner Seite wird dem Leser von Episode zu Episode das ganze bestehende Repertoire an Mafia-Stereotypen vorgeführt. Die Anziehungskraft der Torpedo-Storys geht dabei nicht so sehr von den einzelnen Plots aus. Sie sind ein wenig absehbar, wie zu erwarten bei Kompositionen aus Stereotypen. Der Leser erlebt, wie Torpedo gut bezahlte Aufträge erledigt. Manchmal macht er sich selbst zum Auftraggeber, hin und wieder gibt es Rückblenden in seine Vergangenheit. Immer geht es hart zur Sache, blutig und gnadenlos.

Vielleicht rührt die Anziehungskraft dieser Serie von dem non-charmanten Charakter Luca Torelli selbst her. Torpedo ist alles andere als der perfekte Schwiegersohn. Kein Saubermann, kein aalglatter Held, sondern ein Mistkerl. Er zögert nicht, seinen besten Freund oder seine Lieblingshure zu ermorden. Er schießt einem Mann in den Rücken, tötet einen Polizisten und vergreift sich an einer verheirateten Frau, weil sie ihn nicht bezahlen kann.
Als Leser fühlt man sich merkwürdig angezogen und abgestoßen zugleich. Damit reiht sich Torpedo ein in die Reihe schräger Hauptfiguren bei Cross Cult, die nicht im Mainstream liegen, sondern Ecken und Kanten haben. Gut so, denn als erwachsener Leser wünscht man sich erwachsene Charaktere. Und man muss ja nicht jeden sympathisch finden.

Torpedo 1
Cross Cult, Oktober 2006

Text: Enrique Sánchez Abuli
Zeichnungen: Jordi Bernet
144 S. (Hardcover), schwarzweiß; 18,- Euro
ISBN: 3936480443
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