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Faszination Comic auf der Frankfurter Buchmesse

 Anfangs war es noch ein auf drei Jahre begrenztes Experiment, doch inzwischen ist die „Faszination Comic“ zum festen Bestandteil der weltgrößten Buchmesse geworden und findet in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal statt. In der kommenden Woche gibt es in Frankfurt wieder die bewährte Mischung aus Verlagsständen, Podiumsveranstaltungen, Signierstunden, Preisverleihungen, kleinen Ausstellungen und dem unvermeidlichen Cosplay. Hier ein kleiner Programmüberblick.

Die „Faszination Comic“ ist zwar in ihrem Charakter ganz anders als „pure“ Comic-Veranstaltungen wie der Comic-Salon Erlangen, nicht zuletzt durch das fehlende Abendprogramm und durch die Einbindung im Kontext einer internationalen Großveranstaltung fehlt ein wenig das Flair eines Szenetreffs. Dem Comicinteressierten bietet die Messe aber genügend Gründe, sich auf den Weg nach Frankfurt zu machen. Die Buchmesse ist von Mittwoch, 14.10. bis Freitag  16.10. nur für Fachbesucher geöffnet, am Wochenende dann für jedermann.

Verlage:
Im sogenannten „Comic-Zentrum“, einem eigenen Bereich in Halle 3.0 des riesigen Frankfurter Messekomplexes, präsentieren sich zahlreiche Comicverlage mit ihrem Programm – darunter nicht nur einheimische, sondern auch internationale Verlage aus den USA, Japan, Korea oder Frankreich.

 Podiumsveranstaltungen: Von Mittwoch bis Sonntag finden tagsüber diverse Präsentationen und Gesprächsrunden statt. Unter anderem feiert die Ehapa Comic Collection das Jubiläum „50 Jahre Asterix“ und stellt den neuen Band 34 vor, der am 22. Oktober erscheint. Die Illustratoren Organisation e.V. präsentiert sich mit einem live abgehaltenen Comic-Jam, es gibt Talkrunden über Graphic Novels im Buchhandel und in Bibliotheken, über elektronisch publizierte Comics, über 100 Jahre „Fumetti“ (italienische Comics) über Comic-Verfilmungen und vieles mehr. Außerdem finden auf der Bühne öffentliche Interviews mit internationalen Gästen statt, darunter Eric Powell (The Goon), Benjamin (Remember), Shaun Tan (Ein neues Land) und Simpsons-Zeichner Phil Ortiz. Am Samstag ist im Messekino vorab die neue Comicverfilmung The Surrogates mit Bruce Willis zu sehen. Die Macher des Comics, Brett Weldele und Robert Venditti, sind ebenfalls anwesend.
Zum kompletten Programm

Signierstunden: Neben den oben bereits genannten Gästen aus dem Ausland signieren wieder zahlreiche  deutsche Comickünstler ihre Werke, z.B. Ralf König, Flix, Ulli Lust, Sascha Hommer, ©TOM und viele andere. Alle Signiertermine

Preisverleihungen: Bereits Tradition in Frankfurt haben die Preisverleihungen. Der Carlsen Verlag schreibt seit 2006 einen Cartoon-Wettbewerb aus, dessen Sieger den Deutschen Cartoonpreis erhält. Die Nominierten kann man hier sehen. Seit 2004 gibt es den Publikumspreis „Sondermann“, dessen Preisträger via Online-Abstimmung ermittelt werden. Zur Auswahl stehen in verschiedenen Kategorien die jeweiligen Bestseller-Titel. Die Nominierten 2009 werden auf Spiegel Online ausführlich vorgestellt.

Ausstellungen: Für die große, ansprechende Präsentation von Comic-Ausstellungen ist auf der Buchmesse nur wenig Platz, so dass diese meist leider etwas untergehen. Dieses Jahr gibt es eine Ausstellung mit den 20 besten Beiträgen zum Deutschen Cartoonpreis sowie die von Tokyopop-Chef Joachim Kaps kuratierte Ausstellung „Peking – Zehn Gesichter einer Stadt“, passend zum diesjährigen Gastland der Buchmesse, China.

Cosplay: Keine Buchmesse ohne verkleidete Manga- und Anime-Fans. Wie üblich haben kostümierte Besucher am Sonntag freien Eintritt. Da die Teenagerscharen in den letzten Jahren zu echten Platzproblemen am Wochenende geführt haben, gibt es heuer erstmals eine eigene „CosplayCorner“ als Treffpunkt außerhalb des Comic-Zentrums. Höhepunkt ist das Finale der 3. Deutschen Cosplaymeisterschaft am Sonntag nachmittag.

Berichterstattung im Netz: Umfangreiche Berichterstattung, v.a. mit vielen Videomitschnitten, wird es wieder bei den Kollegen der Splashcomics geben. Auch auf comic.de wird man sicher wieder Infos und Fotos finden. Auch wir von Comicgate werden vor Ort sein, mehrere Interviews von dort mitbringen und über unseren Twitter-Stream Kurznachrichten von der Messe senden. Behaltet also twitter.com/Comicgate im Auge!


Foto: (CC) Splashcomics 2008

Ex Machina 6

 Mitchell Hundred ist kein gewöhnlicher Mann, seit einem Unfall kann er mit Maschinen und technischen Gerätschaften kommunizieren. Und ach ja, er ist ebenfalls Bürgermeister von New York. Für dieses Amt gab er seine frühere Superheldenidentität als The Great Machine auf. Brian K. Vaughan und Tony Harris lassen ihre Serie Ex Machina demnach gekonnt zwischen der politischen Tätigkeit und der übernatürlichen Fähigkeit der Hauptfigur kreisen. Das klappt erstaunlich gut, auch weil Vaughan viel mit Rückblicken arbeitet und reale Ereignisse in das Comicgeschehen einbaut. So findet man auch in Ex Machina die Anschläge des 11. September oder wie jetzt im sechsten deutschen Band den Blackout (Stromausfall) 2003 in den USA. Allerdings tritt dies für den Leser erst mal in den Hintergrund, denn ein mysteriöser Fremder tritt auf den Plan und scheint mehr über die Herkunft von Mitchell Hundreds Kräften zu wissen. Aber auch diese brisante Entwicklung kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass dieser Band der bislang vielleicht enttäuschendste ist. Doch was will das schon heißen – bei einer Serie, die sich seit Beginn auf sehr hohem Niveau bewegt, ist auch „Blackout“ noch ein ganzes Stück empfehlenswerter als viele andere Reihen.

Ex Machina 6: Blackout
Panini, Juli 2009
100 Seiten, farbig, SC
Preis: 14,95 Euro

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Auf der Suche nach dem Einhorn

 Im Jahr 1471 erhält Juan de Olid, ein treuer Gefolgsmann des Konnetabel Kastiliens (eine Region in Spanien) einen besonderen Auftrag. Er soll sich mit ein paar Dutzend Männern für König Heinrich IV. auf eine abenteuerliche Expedition begeben. Ziel ist die Ostküste Afrikas, ein bis dato weitestgehend unerforschtes Gebiet, über das es mehr Gerüchte denn Fakten gibt. Dort soll Juan de Olid das Horn eines Einhorns erbeuten, dem aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird.

Die Suche nach dem Einhorn entwickelt sich als schier endloses Unterfangen. Auf dem Weg gibt es zahlreiche Verluste zu beklagen und die Gruppe um de Olid muss sich immer wieder unbekannten Herausforderungen stellen. Zu diesen zählt die Begegnung mit den Mauren, afrikanische Stämme verwickeln die Eindringlinge mitunter in blutige Schlachten und die Odysee durch die heiße Steppe fördert Krankheit und Tod bei den Reisenden.

Emilio Ruiz und Ana Miralles ist mit diesem Comicband ein kleines Meisterwerk geglückt, allerdings kann man den beiden Kreativen nicht das alleinige Lob aussprechen. Bei der in sich abgeschlossenen Erzählung Auf der Suche nach dem Einhorn handelt es sich nämlich um eine Umsetzung des gleichnamigen  Romans von Juan Eslava Galan. Und der schien es bereits bei der Vorlage bezüglich der historischen Genauigkeit sehr ernst zu nehmen (wobei Galan bei der Adaption Ruiz und Miralles komplett freie Hand ließ, wie im Anhang des Bandes zu erfahren ist).

 Das Ergebnis ist ein geschichtlich präziser Abenteuercomic, der unaufgeregt anfängt, aber an Brisanz zunimmt, je länger sich die Expedition hinzieht. Der Hauptcharakter, ein kluger und gutaussehender Anführer, der auszieht, um seinem Land Ruhm und Ehre zu bringen, nimmt den Leser mit auf eine Erlebnisreise quer durch den schwarzen Kontinent, der sich zuweilen als grausamer und von gefährlichen Tieren bevölkerter Ort entpuppt. Das Ganze ist unheimlich gut umgesetzt, sind Juan und seine Gruppe doch vergleichsweise zivilisiert und aufgeklärt, stoßen aber blind in neue Regionen vor – im festen Glauben, dass das sagenumwobene Einhorn mithilfe einer Jungfrau einzufangen sein. Die Story entwickelt sehr schnell eine gewisse Dramatik und man fragt sich unweigerlich, ob die Mission überhaupt jemals zu einem guten Ende kommen kann und vor allem, ob die Expedition schlussendlich fündig werden wird.

Zeichnerin Ana Miralles hat deutlich Wert auf eine detailreiche Umsetzung gelegt, so fangen ihre Bilder in wunderbarer Weise die afrikanischen Landschaften, aber auch die Lebensweise und Kultur der unterschiedlichen Bewohner ein. Die leichte Strichführung schafft es auch, jeder noch so kleinsten Bewegung oder Mimik der Figuren Ausdruck zu verleihen und auch die seichte Farbgebung, die viel mit Ockertönen arbeitet, steht perfekt im Einklang zu dem im 15. Jahrhundert spielenden Szenario.

Besonders gefallen hat mir auch die abgedruckte Karte, auf der die Marschroute der Expedition aufgezeigt wird. Man merkt auch hier einfach noch einmal, dass Idee und Entwicklung des Comics sehr wohl durchdacht sind und aus der Romanvorlage unter Nutzbarmachung des Mediums Comic ein eigenständiges Werk geworden ist, das sich mehr als sehen lassen kann.

Über die Beweggründe der Künstler für diese Adaption und den Produktionsprozess informiert auch das Interview am Ende des Bandes, der zweifellos zu einer der besten Albenveröffentlichungen der letzten Monate gehören dürfte.

 

Auf der Suche nach dem Einhorn
Ehapa Comic Collection, September 2009
Text: Emilio Ruiz
Zeichnungen: Ana Miralles
160 Seiten, HC, 39,95 Euro
ISBN: 978-3-7704-3306-3

Exzellente Comic-Expedition

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Abbildungen: © Ehapa Comic Collection

 

Da war mal was…

 2007 erschien im Berliner Tagesspiegel erstmals eine Episode mit dem Titel Da war mal was … Zeichner Flix gab darin eine persönliche Erinnerung an die Zeit zum Besten, in der es noch ein geteiltes Deutschland gab. Daraus wurde eine Serie, deren einzelne Folgen bis heute regelmäßig im Tagesspiegel erscheinen. In einer Buchausgabe vom Carlsen-Verlag kann man nun den Großteil davon auch gesammelt lesen.

Nur in der ersten Episode erzählt Flix eine eigene Anekdote, ansonsten lässt er Freunde und Bekannte zu Wort kommen und setzt deren „Erinnerungen an hier und drüben“ (so der Untertitel des Buchs) in Bilder um. Fast alle von ihnen sind heute wohl zwischen 30 und 40 Jahre alt, erlebten folglich die Zeit der deutschen Teilung als Kinder. Es sind also Kindheitserinnerungen: an die 80er Jahre, an die BRD, an die DDR und vor allem an die jeweilige persönliche Beziehung zu „drüben“. Das Verhältnis zwischen ehemaligen „Ost-Kindern“ und „West-Kindern“ hält sich dabei in etwa die Waage.

Die kurzen Episoden erzählen kleine Geschichten, manchmal harmlos, manchmal witzig, manchmal nett, zwischendurch aber auch mit sehr ernsthaften Untertönen. Auch Mauertote und Stasispitzel sind Thema, werden aber eher subtil behandelt. Im Vordergrund stehen alltägliche, private Erlebnisse, die Politik liefert nur den Hintergrund. Am Stück gelesen erlauben die Da war mal was-Comics einen guten Blick auf die Art, wie das deutsch-deutsche Verhältnis aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen aussah. Ein Blickwinkel, der in den üblichen medialen Erinnerungsformaten, wie sie jetzt wieder überall zu sehen und zu lesen sind, eher selten vorkommt.

 Die einzelnen Comics, die in der Zeitung beinahe eine ganze Seite einnehmen, sind im Carlsen-Sammelband auf jeweils drei Seiten umgebrochen, und statt Zeitungs- gibt es Hochglanzpapier. Das lässt die gelungene Farbgebung gut zur Geltung kommen, mit der Flix hier arbeitet: Jede Episode erhält ihren eigenen Farbton (mal gelb, mal rot, mal grün usw.), der dann in verschiedenen Abstufungen verwendet wird. Überhaupt spielt Flix hier auf originelle und interessante Art und Weise mit grafischen Ausdrucksmitteln: Während der Zeichenstil im Prinzip stets der gleiche bleibt (jener unverkennbare Strich mit den dicken eckigen Nasen), wird in den Details sehr viel variiert. Da gibt es als Hintergrund mal Karo- und mal Packpapier, da wird eine Geschichte in Form eines Memory-Spiels erzählt oder mit zahlreichen kleinen Panels, in der nur kleine Schattenrisse zu sehen sind.

Dieser Band (der natürlich nicht ganz zufällig passend zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls erscheint) erweist sich nicht nur als kurzweilige und visuell äußerst vielseitige Lektüre, sondern bietet mit den ganz persönlichen, grafisch interpretierten Erinnerungen auch eine „Oral History“, einen originellen Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichtsschreibung, der sich angenehm vom Guidoknopp'schen Erinnerungs-Einerlei abhebt.

Da war mal was … Erinnerungen an hier und drüben
Carlsen Comics,
August 2009
Text und Zeichnungen: Flix
Hardcover; 96 Seiten; farbig; 14,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78968-6

Deutsch-deutsche Geschichte, grafisch toll umgesetzt

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Abbildungen: © Carlsen Verlag

Geschöpfe der Nacht

 Panini baut sein Repertoire an Comics aus der Feder von Neil Gaiman weiter aus. Nach der Publikation der Serie Sandman nebst Ablegern, sowie diversen weiteren Vertigo-Stories (Black Orchid, Stardust, Niemalsland), startete unlängst die sogenannte „Neil Gaiman Bibliothek“, oder NGB, wie es auf dem Rücken heißt. Darunter erscheint jetzt auch der dünne Hardcover-Band Geschöpfe der Nacht, der zwei von Gaiman verfasste und von Michael Zulli gezeichnete Kurzgeschichten enthält. Beide lassen sich als Mischung zwischen Horror, Mystery und Märchen beschreiben. Es sind keine grandiosen Stories, die einem lange in Erinnerung blieben, aber wer den Autor kennt, der kann sich auch hier auf einen poetischen, allegorischen Stil verlassen, der gerne zum Nachdenken anregt. In „Der Preis“ wird ein Schriftsteller von einer schwarzen Katze aufgesucht, die ein nächtliches Geheimnis mit sich bringt, in „Die Tochter der Eulen“ geht es um ein ausgesetztes Kind, dem eine übernatürliche Affinität zu besagtem Federvieh nachgesagt wird und das aus diesem Grund von den Dorfbewohnern gemieden wird. Beide Episoden sind malerisch von Michael Zulli umgesetzt worden, wobei die erste wegen ihrer feineren Linienführung und der detaillierteren Darstellung sicherlich grafisch mehr überzeugt. Gerade zum Ende der Eulen-Story driften die Bilder in verwaschene Gefilde ab und sehen mitunter schludrig aus.

Geschöpfe der Nacht
Panini Comics, Juli 2009
52 Seiten, farbig, HC
Preis: 12,95 Euro

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Marvel/Top Cow Crossover 1

Cover Marvel/Top Cow CrossoverCrossover unterschiedlicher Verlage sind ja schon eine Sache für sich. Denn allzu häufig fällt den verantwortlichen Schreibern nicht viel mehr ein als das klassische Muster, bei dem sich zwei Helden oder Superteams begegnen, sich durch ein Missverständnis einen Kampf liefern, nur um sich dann schlussendlich gegen die echten Bösewichter zu verbünden. Viel anders läuft es auch im vorliegenden ersten Sammelband von Marvel/Top Cow Crossover nicht ab.
Nach dem Relaunch der Top-Cow-Produkte durch Panini, bei dem bereits die regulären Serien von Witchblade und The Darkness einen Neustart in Paperbackform erhielten, gibt es jetzt also insgesamt vier Aufeinandertreffen mit den Marvelhelden. Die Stories stammen aus der Feder von Ron Marz (Witchblade, Green Lantern) und Frank Tieri (The Darkness, Batman) und bewegen sich auf eher durchschnittlichem Niveau, viel mehr sollte man aber bei einem derartigen Crossoverband auch nicht erwarten.

Bei „Darkness/Wolverine“, dem ersten enthaltenen US-Heft, handelt es sich um eine Geschichte, die bereits vor einiger Zeit als Einzelheft bei Infinity veröffentlicht wurde und bei der es sich somit im Gegensatz zu den anderen drei Stories um keine deutsche Erstveröffentlichung handelt. Ausgangspunkt ist eine zufällige Kneipenbegegnung zwischen Jackie Estacado, dem aktuellen Träger der Darkness, und Wolverine. Durch Flashbacks wird berichtet, dass Jackies Großvater bereits eine blutige Konfrontation mit Logan hatte. Das Szenario ist ganz gut gewählt, denn Wolverine altert ja kaum und es ist deswegen auch plausibel zu belegen, dass es durchaus vorstellbar ist, dass er bereits auf frühere Träger der Darkness stieß, die ja ihre Macht innerhalb der Estacado weitervererben. „Darkness/Wolverine“ ist sicherlich die qualitativ beste Episode in diesem Band, auch weil Tyler Kirkhams malerische Umsetzung zu beiden Charakteren passt.

Eine Story die im Vergleich dazu völlig harmlos und langweilig verläuft, ist „Witchblade/The Punisher,“ bei dem der Konflikt zwischen Sarah Pezzini, Trägerin der Witchblade und Polizistin, und dem Punisher, der Verbrecher lieber umbringt, anstatt sie ins Gefängnis zu bringen, herausgestellt wird. Ein Gefangenentransport von Sarah wird vom Punisher attackiert, die folgende Begegnung lässt sich mit „Häftling vs. Witchblade vs. Punisher“ schnell zusammenfassen. Lediglich das Ende weiß etwas zu überraschen, folgt es doch nicht dem üblichen Gesetz der Crossover, sondern richtet sich nach dem normalen Verhalten der Figuren.

Ein großer Spaß ist die Story „Cyber Force/X-Men“, die in Wahrheit eine Begegnung zwischen jeweils zwei Mitgliedern der genannten Gruppierungen ist, nämlich Wolverine und Psylocke auf der einen, Ripclaw und Cyblade auf der anderen. Interessanterweise stehen sich damit verlagsübergreifende Spiegelbilder gegenüber, denn zwei von ihnen folgen ihrer animalischen Natur, indem sie mit Krallen kämpfen, die weibliche Fraktion besitzt Psikräfte. Die Geschichte spielt früher, erkennbar an dem Outfit der Helden, und so fühlt sie sich auch an wie eine leicht parodistische Anspielung auf die X-Stories vergangener Tage. Zumal die Handlung, bei der es um Sentinels in Tokio geht, sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt und Zeichner Pat Lee sich gekonnt zwischen Marc Silvestri und Joe Madureira bewegt. Und das funktioniert innerhalb des Rahmens dieser Episode erstaunlich gut.

Den totalen Overkill und womöglich den Rekord im Auftauchen bekannter Protagonisten auf wenigen Seiten liefert das Crossover „Unholy Union“, das diesen wechselreichen Band beschließt. Präsentiert werden Darkness, Witchblade, Ghost Rider, Dr. Strange, Hulk, Cyberforce und eine dunkle Bedrohung. Zusammen ergibt das ein eher fragwürdiges Aufeinandertreffen wahlloser Figuren, die zudem urplötzlich aus dem Nichts auftauchen und irgendwie mitmischen wollen/müssen. Gedacht, so klingt es an, ist das Ganze wohl als Auftakt eines kommenden Krieges; wie der aussieht, bleibt aber abzuwarten. Immerhin Michael Broussard kann mit seiner zeichnerischen Arbeit überzeugen, folgt sein Stil doch dem guten alten Top-Cow-Stil, mit dem er auch als neuer Zeichner der aktuellen Serie um The Darkness zu überzeugen weiß.


Marvel/Top Cow Crossover 1
Panini, September 2009
Text: Ron Marz, Frank Tieri
Zeichnungen: Tyler Kirkham, Adriana Melo, Pat Lee, Michael Broussard
100 Seiten, farbig, SC; 14,95 Euro

Team-Ups von gemischter Qualität

 

 

 

 

 

 

 

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Hack/Slash 3

 Cassie Hack ist zurück. Zusammen mit ihrem furchterregenden Kompagnon Vlad begibt sich die Slasher-Jägerin auch weiterhin auf die Suche nach übersinnlichen Horrorwesen. Und so zurückhaltend mein Urteil über die bisherigen Geschichten (Band 1, Band 2) war, so überrascht muss ich mich doch von der Qualität des dritten Bandes zeigen. Autor Tim Seeley scheint es jetzt besser als noch zuvor zu gelingen, dass es eine stringente Handlung gibt, bei der mehr Wert auf Details gelegt wird. So beginnt „Freitag der 31.“ Mit einem Crossover zwischen Hack/Slash und Chucky, der aus diversen Filmen bekannten Killerpuppe. Dieses ist makaber und witzig zugleich und macht einfach nur Spaß. Zudem ist diese Story sehr gut von Matt Merhoff illustriert worden, der im Gegensatz zu Stammzeichnerin Emily Stone auf klarere Kontraste und dünnere Striche setzt. Der Rest des Bandes folgt eher dem Schema der vorherigen Episoden, es geht u.a. um eine Rockband, die Groupies in die Hölle schickt. Von solch absurder Natur waren die Hack/Slash-Erzählungen zwar immer schon, aber so richtig Gefallen kann ich an dem Konzept erst jetzt finden. Trotzdem, auch wenn Band 3 alles in allem einen Mordsspaß, im wahrsten Sinne des Wortes, bringt, liegt die Chucky-Story nochmals qualitativ weit vor den US-Heften der regulären Reihe, die hier ihren Abdruck finden.

Hack/Slash 3: Freitag der 31.
Cross Cult, September 2009
160 Seiten, vierfarbig, HC
Preis: 19,80 Euro

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Interview mit Christian Moser

 Für ein Interview traf sich unser Redakteur Daniel Wüllner mit dem Zeichner und Autor Christian Moser, vor allem bekannt als Schöpfer der Monster des Alltags, im Baader Café, einer der wohl entspanntesten Münchner Adressen. Dort unterhielten sich die beiden unter anderem über Monster, Rückenschmerzen, „die Innere Leere“ und Stammgäste.

Selbstporträt von Christian MoserComicgate: Ich sitze hier mit Christian Moser im Baader Café. Draußen ist es sonnig und heiß; drinnen sind alle Tische noch frei. Wir haben uns getroffen, um uns ein bisschen über deine Arbeit zu unterhalten. Außerdem ist ja gerade der dritte Teil der Monster des Alltags (Die Teuflischen Tricks der …) erschienen. Aber bevor wir näher auf die kleinen Psycho-Spießgesellen eingehen, lass uns zunächst über deine Arbeit im Allgemeinen reden. Mich würde interessieren, wie dein monströser Arbeitsalltag als Comic-Künstler aussieht und wie du ihn bewältigst.

Christian Moser: Mein Arbeitsalltag kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem, was ich gerade mache. Wenn ich an einem Buch arbeite, dann gibt immer erst mal die Phase, in der ich Ideen sammle. Da ist der Alltag eher unstressig, ich hänge viel in Cafés rum oder radele durch die Gegend. Beim Schreiben dagegen kann es dann recht anstrengend werden, weil ich dazu neige, an jedem Wort endlos herumzufeilen. Die Konzentration fürs intensive Schreiben kann ich zwar meist nicht länger als zwei oder drei Stunden aufrechterhalten, doch trotzdem ist der Tag dann irgendwie voll. Wenn es ans Zeichnen geht, kann ich bis zu zehn oder zwölf Stunden am Tag arbeiten. Es gibt natürlich auch Phasen, in denen ich kein Buch mache, dann arbeite ich an diversen Jobs oder lebe einfach.

CG: Aber hast du dann einen eigenen Rhythmus, so, dass du dir selbst sagst, das war jetzt zu viel? Die zehn oder auch zwölf Stunden, von denen du gesprochen hast – sind die dann das Limit?

CM: Ich höre meistens erst dann auf, wenn ich Rückenschmerzen bekomme; aber das ist wahrscheinlich ein Problem, das die meisten Zeichner haben: Man weiß, dass man gerade in arbeitsintensiven Phasen mehr Sport machen sollte, aber man findet nie die Zeit dafür.

CG: Das Büro ist dein Zuhause?

CM: Ja, ich arbeite zuhause.

CG: Gibt es da Lieblingsinstrumente, mit denen man am liebsten arbeitet? Oder gibt es andersherum Arbeitsschritte, die du nur ungern machst?

CM: Beim Zeichnen versuche ich schon, mich auf die Techniken zu beschränken, die mir am meisten liegen. Am liebsten arbeite ich ganz klassisch mit Bleistift, Feder und Pinsel. Am Computer koloriere ich nur sehr ungern, und wenn es wirklich mal sein muss, dann gebe ich das in Auftrag. Ich bin da nicht gut drin und werde es wohl auch nicht mehr, weil es mir einfach keinen Spaß macht, vor dem Bildschirm zu arbeiten.

CG: Also handelst du ein bisschen nach dem Lustprinzip?

CM: Die Art und Weise, wie der Strich mit der Feder sich auf dem groben Aquarell-Papier moduliert und variiert, ist für mich noch lange nicht ausgeschöpft. Die Feder ist für mich vielleicht etwas ähnliches wie der Geigenbogen für einen Musiker. Im Idealfall ist sie ganz vertraut, fast wie ein Teil  des eigenen Körpers. Aber dann werden die Federn durch die Abnutzung langsam weicher und der Strich zu dick; die neuen Federn sind noch nicht eingeschrieben und kratzen noch zu sehr. So muss man immer darauf achten, dass man sein Arsenal von sechs bis acht Federn parallel benutzt, damit immer mindestens drei optimal einsatzbereit sind. Ja, ich bin wahrscheinlich schon ein wenig ein Material-Fetischist.

CG: Eine Frage, die uns ein bisschen weg von den praktischen Arbeitsweisen hin zu den kreativen Elementen deiner Arbeit führt: Woraus ziehst du deine Inspiration?

CM: Grundsätzlich ziehe ich Inspiration aus allem: Aus Geschichten, die ich von Leuten in der Kneipe höre, aus Filmen, Fernsehen, Büchern und Zeitungen. Es gibt nichts, was man nicht irgendwie umsetzt. Speziell für die Monster sind natürlich Menschen die wichtigste Quelle: Freunde, Bekannte – und natürlich wir selbst, meine Co-Autorin Carolin [Sonner] und ich.

CG: Ist München für dich auch Teil dieser Inspiration? Du bezeichnest ja sogar das Baader Café als dein Zweitbüro. Welchen Anteil haben also die Stadt München und die Münchner Kneipen für deine Arbeit?

CM: Ich bin in München geboren und aufgewachsen und war eigentlich auch nie wirklich weg. Insofern ist diese Stadt natürlich mein Modell der Welt. Man muss den Mikrokosmos durchschauen, um den Makrokosmos verstehen zu können, und der Mikrokosmos ist für mich nun mal München.

CG: Also steht ein Umzug auch gar nicht an?

CM: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich München irgendwann so gut kenne, dass ich nichts Neues mehr finde und es mir langweilig wird. Es ist eher angenehm und beruhigend, viele Menschen zu kennen und ein gut entwickeltes soziales Netzwerk zu haben. Außerdem bin ich gerne Stammgast.

CG: Welche Vorteile schätzt du am Stammgast-Sein?

CM: Man kennt die besten Sitzplätze. Man weiß, wann man wen wo treffen kann. Man ist mit den Kellnern per du. Das hat schon alles seine Vorteile. Ich bin nicht gerne ein anonymer Kunde.

Comicstrich – Das Album, Cover: C. MoserCG: Wenn du von sozialen Netzwerken sprichst, da kann München ja auch mit einigem im Bereich Comics aufwarten. Heute gibt es Comicaze , früher gab es den Comicstrich, bei dem du ja auch eine leitende Position eingenommen hast. Wie siehst du München in Anbetracht der Festivals und Zeichnergruppen als Comicstadt im Vergleich zu Berlin oder Hamburg heute?

CM: Wenn man gerade die Boomzeiten in den 1990ern anguckt, da gab es ja mit dem Comicstrich, Kromix und Sack voller Sorgen eine ganze Reihe von Magazinen. Zu der Zeit war München sicherlich deutlich aktiver als andere Städte. Durch den großen Erfolg der Manga ist das Zeichnen von Comics noch viel populärer geworden. Ich würde mal ganz mutig schätzen, dass es heute in jeder Stadt mit über 500.000 Einwohnern mindestens hundert aktive Comic-Zeichner gibt, ob die nun professionell für Verlage, für Fanzines oder nur zum privaten Vergnügen arbeiten. Es gibt da immer Wellen. Aus dem Umfeld des Comicstrich sind eine ganze Reihe von Leuten bei großen Verlagen gelandet oder zeichnen professionell für die Medien – die nächste Generation steht bestimmt schon in den Startlöchern.


CG: Kommen wir doch zum dritten Band der Monster des Alltags. Da hätte ich zunächst eine Frage zum Konzept der Monster. Ist die Idee dafür aus deinen Kleinen Köpfen erwachsen oder was stand am Anfang dieses Konzepts?

Bild aus dem Projekt CM: Die beiden Projekte unterscheiden sich grundsätzlich, ergänzen sich aber auch: Bei den Kleinen Köpfen zeige ich ja explizit nur das von Leben, Lust und Schicksal gezeichnete Äußere der Menschen, das Innere bleibt ein Rätsel. Ich überlasse es dem Betrachter, sich zu überlegen, wen er da vor sich hat – sozusagen eine nicht erzählte Biografie. Die Monster sind das genaue Gegenteil davon: Hier geht es gerade um die Charakterzüge und Verhaltensweisen, die den Menschen formen, ihn zum Individuum machen. Also gewissermaßen die Voraussetzung für Geschichten, die ich dann aber auch wieder nicht erzähle.

CG: Obwohl sich auch bei den Monstern jeder Leser seine eigene Geschichte baut. Das ist das Interessante an dem Band: Wenn man das Buch so durchblättert, sieht man lauter einzelne Bilder, und doch ist es eine zusammenhängende Comic-Geschichte, denn jeder füllt die Lücken mit seiner eigenen Vorstellung.

CM: Es gibt ja auch ein paar Kapitel in dem Buch, die einen narrativen Bogen haben, zum Beispiel die Beziehungsmonster. Zuerst kommt „die Sehnsucht“ mit dem Wunsch nach Liebe, dann gehen die Frühlingsgefühle („Brunft“, „Balz“ und „Betörung“) auf die Jagd, gefolgt von Beziehungsmonstern wie der „Hingabe“, der „Oberhand“ und dem „Wir“. Zum Schluss befreit sich die „Unabhängigkeit“ aus der Umklammerung und geht mit der „Untreue“ wieder auf die Pirsch.

CG: Du hast dir in diesem Fall einen narrativen Rahmen ausgedacht?

CM: In gewissen Rahmen schon. Aber so richtig konkret durcherzählt werden solche Geschichten nur im Bühnenprogramm. Die Monster-Bücher sollen ja vor allem Bücher sein, in denen man immer wieder kreuz und quer blättern kann.

CG: Du hast dir wirklich viel Mühe gegeben, was das Verzeichnis angeht, „Mose. Mons“, das hängt ja bestimmt auch mit der Zusammenarbeit mit Carolin Sonner zusammen. Ihr habt sehr viel Wert auf Exaktheit und das Layout gelegt. Wenn man sich überlegt, dass du als Comiczeichner und Illustrator mit einer Grafikerin und Layouterin zusammenarbeitest: Wo kann Carolin dir Sachen abnehmen, wie sieht die Zusammenarbeit da genau aus?

CM: Grundsätzlich bin ich ja kein Grafiker; ich hab das nicht studiert und ich weiß, dass ich nicht viel Ahnung von Typografie habe, und deswegen halte ich mich komplett fern davon. Mit Carolin arbeite ich jetzt seit über zehn Jahren zusammen, und ich denke, dass ich mit ihr die perfekte Grafikern gefunden habe. Ihr anspruchsvolles, sowohl klassisch als auch modern anmutendes Design harmoniert hervorragend mit meinen lustigen Zeichnungen – was ja nicht so einfach ist.

Bei den Monster-Büchern arbeiten wir auch inhaltlich zusammen. Zu Anfang überlegen wir gemeinsam, welche Begriffe wir behandeln wollen, zum Beispiel „Eifersucht“ oder „Ungeduld“. Dann erzählen wir uns erst mal eigene Erfahrungen und analysieren Beobachtungen im Freundes- und Bekanntenkreis. Wenn wir dann das Thema eingegrenzt und definiert haben, überlegen wir, wie es mit der Motivation des entsprechenden Monsters aussieht. Die Vorgehensweise des Monsters kann sich ja auf den ersten Blick durchaus von dem Phänomen unterscheiden, das von ihm hervorgerufen wird. Wenn das alles geklärt ist, mache ich mich ans tatsächliche Ausformulieren. Dann feilen wir gemeinsam an den Texten und suchen die Zeichnungen aus. Abschließend bekommt Carolin dann alles und gestaltet das Layout. Sie bestimmt, welches Bild groß gezeigt wird und welches klein, ob hier vielleicht noch eine Vignette fehlt oder dort eine Bildunterschrift. Sie schimpft mich auch gelegentlich, wenn die Texte zu lang sind. Woraufhin ich sie dann schimpfe, wenn die Schriften zu klein sind.

CG: Und wie lange dauert der gesamte Prozess, bis so ein Monster des Alltags das Licht der Welt erblickt, natürlich abgesehen von den ganzen mechanischen Produktionschritten der Buchherstellung, wie dem Druck?

CM: Das ist sehr unterschiedlich. Bei manchen weiß man sofort, wie es funktioniert, man schreibt es hin und das Monster steht. Bei anderen haben wir monatelang hin und her überlegt.

Monster des Alltags, Bd. 3 CG: Also gibt es Monster, die einfacher sind als andere?

CM: Ja, auf jeden Fall. Manchmal fliegt ein fertig entwickelter Text im letzten Moment doch noch raus, weil er einfach nicht in den Zusammenhang des Buches passt. Es gibt einige solcher Wackelkandidaten, die es in keinen der ersten beiden Bände geschafft haben, nun aber perfekt passen. Unser Lektor, Michael Groenewald, hat immer sehr großen Wert auf den „leisen Zweifel“ gelegt. Wir haben lange keine Möglichkeit gefunden, ihn passend einzubauen. Dann haben wir erkannt, dass es sinnvoller ist, die eigentlich von uns favorisierten „Prinzipien“ zu opfern. Der „Zweifel“ hat nun ihren Platz eingenommen, und er macht seinen Job sehr gut.

CG: Um noch einmal auf die Systematik in den Büchern zurückzukommen; Das grenzt ja ein bisschen schon an das Köchelverzeichnis. Wenn man hinten beispielsweise das Register aufschlägt, findet man Querverweise auf Band eins und zwei. Soll das die Wissenschaftlichkeit der Bücher suggerieren?

CM: Zunächst war das in erster Linie eine optische Idee, doch wir haben schnell entdeckt, dass in den Fußnoten und Querverweisen eine wunderschöne, zusätzliche Humorebene steckt. Das Register ist eher praktischer Natur, um dem Leser das Auffinden einzelner Begriffe zu erleichtern – bei drei Bänden mit insgesamt 180 Monstern kann das schon hilfreich sein. Allerdings steckt da auch viel Arbeit drin: Den ersten und zweiten Band gab es ja schon mal bei Knaur. Für die Neuausgabe haben wir beide überarbeitet, es kamen auch neue Monster dazu und dadurch haben sich die Seitenzahlen zum Teil verschoben. Das alles zu korrigieren, ist eine wahre Sisyphosarbeit! Und es ist noch lange nicht alles perfekt: In der derzeitigen Ausgabe beziehen sich der erste Band nur auf sich selbst, der zweite auf die ersten beiden und nur der dritte auf alle drei.

CG: Das heißt, es wird noch mal neu überarbeitete Monster-Bücher geben?

CM: Unbedingt! Im neuen Buch haben wir auch diverse Begriffe als Monster umgesetzt, die in den ersten Bänden noch als ganz normale Worte drinstehen. Da müssen dann wieder neue Quervereise erstellt werden, und und und … Wissenschaft ist schön, macht aber viel Arbeit.


CG: Wenn die Wissenschaft und die Kunst ausgezeichnet werden, dann werden oftmals Statuen ihnen zu Ehren aufgestellt. Für Günther Grass hat die Stadt Danzig den Oskar Matzerath aus Die Blechtrommel als Staute errichten lassen. Wenn München jetzt eine Statue für Christian Moser aufstellen würde, wie würde die aussehen und wo würde die stehen?

CM: Ich glaube, mein Favorit wäre „die Innere Leere“ als begehbare Hohlplastik (lacht); die könnte dann vielleicht auf der Theresienwiese stehen, als neues Wahrzechen des Oktoberfestes.

CG: Dann würde ich noch gerne auf das Bühnenprogramm zu sprechen kommen. Du hast ja gerade mehrere Auftritte gehabt und einige werden noch folgen. Man sieht überall Christian Moser und seine Monster: auf Tassen, auf Plakaten und auf Postkarten. Wo befindest du dich gerade? Liegt dir das szenische Sprechen im Moment gerade mehr?

CM:  Das ist ja immer ein Wechselprogramm. In erster Linie bin ich natürlich schon Autor und Zeichner; aber da schmort man oft im eigenen Saft. Man grübelt viel über seine Arbeit und sich selbst, bekommt Rückenschmerzen und Selbstzweifel. Schreiben und Zeichnen sind ja relativ autistische Beschäftigungen. Da ist es erfrischend, zur Abwechslung auf der Bühne zu stehen. Man liest, bekommt spontane Lacher und Applaus, und danach kann man mit den Leuten quatschen und ein Bier mit ihnen trinken.

Plakat zum Bühnenprogramm mit Severin Groebner CG: Du sprichst auf das fehlende Feedback an, das beim Arbeiten an einem Comic entsteht?

CM: Ja, das kommt bei Büchern schon sehr verzögert. Man schreibt und zeichnet im stillen Kämmerlein, tauscht sich nur gelegentlich mit dem Lektor aus oder mit Freunden, die als Testleser zur Verfügung stellen. Dann läuft das Ganze durch den Verlag, wird endlos korrigiert, bis man es endlich gedruckt in der Hand hält. Eines Tages sitzt man dann beim Signieren auf einer Messe oder in einem Buchladen, und ein Mensch, der das Buch gerade erst gekauft und somit wahrscheinlich noch gar nicht gelesen hat, sagt: Super. Da kommen die Reaktionen auf der Bühne natürlich viel unmittelbarer.


CG: Würdest du die Bühne auch anderen Kollegen empfehlen, um sich neben den notwenigen Illustrationen vielleicht noch nebenher in einem anderen Feld auszutoben? Es gibt ja bereits ein paar Beispiele in der Musik oder beim Film.

CM: Das hängt stark von der jeweiligen Mentalität ab. Es kommt nicht jeder damit klar, auf einer Bühne zu stehen. Als Teenager wollte ich unbedingt Rockstar werden, musste dann aber einsehen, dass das ohne viel Üben kaum klappen wird. Ich habe mich dann fürs Zeichnen entschieden, aber irgendwie haben mir die Auftritte immer gefehlt. Außerdem lerne ich auf der Bühne auch viel über Pointen. Die Texte der Neuauflagen von Band eins und zwei habe ich größtenteils aufgrund meiner Erfahrungen bei Lesungen überarbeitet.

CG: Also eine Abstimmung von Timing, bei dem das szenische Lesen den Humor des Schreibens unterstützt?

CM: Ja, klar gibt es auch immer Unterschiede zwischen dem Vortrag eines Textes und der privaten Lektüre. Der stille Leser verpasst ja nicht die zweite Pointe, weil er noch so laut über die erste so lacht. Live passiert so was schon mal.

Aber beim Vorlesen bemerkt man manchmal, dass einem gar nicht wirklich bewusst war, was an einem Text lustig ist. Man ist sich völlig sicher, hier ist die Pointe! – und dann stellt sich heraus, dass man das Publikum damit zwar zum Schmunzeln bringt, der echte Lacher aber an einer Stelle sitzt, wo man ihn nicht vermutet hätte. So lerne ich auch für zukünftige Texte.

CG: Wenn würdest du als Vorbild bezeichnen?

CM: Ein großes Vorbild ist Ralph Steadman , ein englischer Zeichner, der mittlerweile um die Siebzig sein muss. Er hat beispielsweise mit Hunter S. Thompson für den Rolling Stone Reportagen gemacht. Als junger Zeichner wurde er damals mit Thompson nach Texas geschickt und ist dort wegen seiner sehr radikalen Karikaturen fast gelyncht worden. Ich habe viel von Steadmans Einsatz der Farbe gelernt. Außerdem hat er in den 1970ern und 1980ern ein paar opulente Bildbiografien geschrieben und gezeichnet, die durchaus Vorbilder für meine Bücher über Goethe und Freud sind. Eine über Leonardo da Vinci, eine Autobiografie Gottes und auch eine über Freud, die ganz auf dessen Abhandlung über den Witz beruht. Deshalb habe ich dieses wichtige Werk bewusst ausgespart. Ansonsten haben meine Monster bestimmt etwas von Franquins putzig-schrecklichen Albtraum-Kreaturen. Aber es gibt sicherlich unzählige andere Inspirationen, die einfach so ins Werk einfließen, ohne dass es einem bewusst ist.

CG: Was liest du derzeit? Gibt es etwas, was du empfehlen kannst? Vielleicht Comics?

CM: Gerade bei den Comics versuche ich, alles immer so ein bisschen mitzukriegen. Jetzt habe ich gerade Cyril Pedrosas Drei Schatten gelesen, das hat mir extrem gut gefallen. Und natürlich muss ich an dieser Stelle  Hector Umbra, das neue Buch von Uli Oesterle sehr empfehlen.

Goethe – Die ganze Wahrheit CG: Das hört er bestimmt gern. Du hattest ja bereits gesagt, dass du dich nicht gerne in Schubladen stecken lässt.

CM: Ich versuche eigentlich, nicht zu viel über Genres nachzudenken. Wenn ich ein neues Thema angehe, dann habe ich eine ungefähre Vorstellung, wie es umgesetzt werden müsste. Das passiert aber unter Umständen im Prozess. Als ich damals mit dem Goethe-Buch [GoetheDie ganze Wahrheit] angefangen habe, war da zuerst nur die Idee, eine grafische, humoristische Sache über den Dichter zu machen. Das hätte auch ein Comic werden können, aber schließlich wurden mit die Texte immer wichtiger und es entwickelte sich zum illustrierten Buch.

CG: Gibt es denn in der Zukunft mal den Punkt, an dem du einen narrativen Comic schreiben möchtest, bei dem du ein eigenes Thema erzählst, das dann keine Adaption und kein Monster-Buch ist?

CM: Das will ich schon seit Jahren als nächstes machen. Ich habe auch Berge von angefangenen Geschichten in meinen Schubladen liegen.

CG: Und die verstecken sich dann alle in deinem Schreibtisch?

CM: Naja, ich habe eigentlich immer so zehn bis fünfzehn Projekte, die gerade im Werden sind. Wenn ich ein Buch beendet habe, gönne ich mir eine Zeit, in der ich an fünf bis sieben von diesen Entwürfen herumspiele, bis sich einer davon als Favorit herauskristallisiert. Außerdem muss man natürlich auch ganz praktische Überlegungen berücksichtigen: Bei den Biografien genügt es nicht, dass mich die Person interessiert, sie sollte auch in absehbarer Zeit ein Jubiläum haben. Ohne medienwirksamen Anlass haben gehen solche Bücher sehr leicht unter. Außerdem hat auch der Verlag so seine Wünsche … Und mich selbst führt es natürlich auch in Versuchung, wenn ich weiß, dass sich die Monster und die Biografien nun mal recht gut verkaufen und rein fiktionale Comicgeschichten es sehr viel schwerer haben. Man wird zwar nicht des Geldes wegen Künstler,  aber wenn man dann mal anfängt, etwas damit zu verdienen, ist das doch sehr schön.

CG: Welches von den sieben Projekten, die gerade zeitgleich laufen, steht der Vollendung am nächsten? Was dürfen Leser als nächstes von dir erwarten?

CM: Es wird in den nächsten Jahren zwei neue Biografien und ein kleineres Monster-Buch geben. Zu den Favoriten der „sonstigen“ Projekte gehören ein Buch mit Gedichten, gewissermaßen Wilhelm Busch fürs 21. Jahrhundert, und so eine Art Science-Fiction-Fantasy-Märchen, bei dem ich aber an ein jüngeres Publikum denke.

CG: Du wärst also Kinderbüchern gegenüber auch nicht abgeneigt?

CM: Ganz und gar nicht. Ich illustriere gerade eins von einem englischen Autor, weitere sind im Gespräch.

CG: Damit sind wir auch schon am Ende angelangt. Ich bedanke ich mich ganz herzlich bei dir.

CM: Vielen Dank auch.

Links zum Thema
christianmoser.de
monster-des-alltags.de
Christian Moser bei Carlsen Comics

Abbildungen © Christian Moser, Carlsen Verlag

Wimbledon Green

 Eigentlich sollte es nur eine Fingerübung sein, kleine Comic-Episoden für das private Skizzenbuch. Der kanadische Comic-Künstler Seth (Eigentlich ist das Leben schön) kreierte hierfür die Figur des Wimbledon Green, eines sehr beleibten, verschrobenen und exzentrischen Comicsammlers. Und bald fand er an jenen Versuchen so viel Gefallen, dass er beschloss, mehr daraus zu machen und sie gesammelt als Buch zu veröffentlichen.

Es geht ihm dabei weniger um die Zeichnungen. Im Vorwort betont Seth, dass diese nur Skizzenbuch-Qualität hätten: „Die ganze Sache sollte lediglich ‚gerade gut genug‘ sein.“ Vielmehr wollte sich der Künstler hier an einer besonderen Erzähltechnik versuchen. Denn Wimbledon Green ist eben keine „Graphic Novel“, keine romanartig aufgebaute Erzählung, sondern besteht aus zahlreichen kleinen Einheiten: aus Kurzgeschichten, Titelbildern aus Greens fiktiver Comicsammlung und „Augenzeugenberichten“, die wie in einer TV-Dokumentation von ihrem Verhältnis zu Wimbledon Green erzählen. Da kann dann eine Seite schonmal aus zwölf Panels bestehen, in der zwölfmal der gleiche Kopf zu sehen ist.

 Ein Flickenteppich aus Einzelteilen also, die in ihrer Summe eine wunderbare, melancholische, fiktive Biographie ergeben. Deren Gegenstand ist der manische Comicsammler Wimbledon Green. Nicht irgendein Sammler, sondern – nach eigener Aussage – der größte der Welt. Vor Jahren hat er zufällig einen sehr wertvollen Bestand extrem seltener Comics entdeckt, was ihn zu einem reichen Mann machte, der von seinen Sammlerkollegen teils bewundert, aber auch gehasst oder gefürchtet wird.

Seth spinnt ein Geflecht von Mythen und Geheimnissen rund um Green und die legendäre Sammlung „Wilbur R. Webb“, das sich beim Lesen erst langsam erschließt. Dieser Comic taugt nicht als schnelle Nebenbei-Lektüre, sondern verlangt vom Leser ein selbständiges Zusammenfügen der Bausteine, die ihm Seth zur Verfügung stellt. Dadurch kann man dann umso mehr in dieser seltsamen Parallelwelt versinken, von der hier erzählt wird: scheinbar in der Gegenwart angesiedelt, aber voll von alten Autos und Männern mit Hut. Seth, der selbst stets Hut und Anzug trägt und aus seiner Liebe für die Ästhetik vergangener Zeiten keinen Hehl macht, schafft eine fiktive Sammlerszene, die wie aus der Zeit gefallen wirkt.

 Sein Blick auf diese Szene und die verschrobenen Typen, die sie bevölkern, ist ironisch und leicht spöttisch, letztlich aber sehr liebevoll. Man mag Wimbledon Green anfangs für einen unsympathischen Widerling halten, aber spätestens wenn er von seiner Kindheit und von seinem Lieblingscomic, der Landstreicher-Serie Fine & Dandy, erzählt, wächst er einem doch ans Herz. Wimbledon Green ist teilweise ein wehmütig-nostalgischer Blick in eine Comic-Vergangenheit, die es so nie gegeben hat, hat aber auch rasant-überdrehte Passagen zu bieten: Die längere Geschichte „The Green Ghost“ übersteigert die Jagd nach seltenen Comics zu einer Abenteuergeschichte, die an alte James-Bond-Filme erinnert, wenn sich die konkurrierenden Sammler mit technischen Tricks und fiesen Finten auszustechen versuchen.

Aus den nebenbei skizzierten Übungen ist auf spielerische Weise dann doch ein recht elaboriertes Werk geworden – Seths persönliche Liebeserklärung an die Sammelleidenschaft. Passend zum Thema ist das Buch sehr liebevoll und hochwertig aufgemacht. Bei der deutschen Ausgabe von Edition 52 muss man zwar auf Handlettering verzichten, was hier wirklich schade ist, ansonsten ist sie aber in jeder Hinsicht gelungen.

Wimbledon Green. Der größte Comicsammler der Welt
Edition 52
, April 2009
Text und Zeichnungen: Seth
Hardcover; 128 Seiten; farbig; 25,- Euro
ISBN: 978-3-395229-61-6

Wundervolle, warmherzige Stilübung

einkaufswagen cc
nlintX

Abbildungen: © Edition 52

 

Die Ruhmreichen Rächer 5

 Langsam steuert die „Secret Invasion“ der Skrulls auf der Erde dem Höhepunkt zu, und während sich die Marvel-Heroen mit den außeriridischen Gestaltwandlern, welche die Superheldengemeinschaft in einer perfiden Geheimaktion infiltriert haben, herumschlagen, gibt es auch unter den Skrull-Agenten interessante Entwicklungen.
Wer die Rächer in diesem Band erwartet, wird enttäuscht sein. Die vier hier gesammelten Geschichten sind eher eine Ergänzung zur Haupthandlung, die sich in der „Secret Invasion“-Miniserie abspielt. Es wird enthüllt, wie Elektra durch einen Skrull ersetzt wurde, wie der untergetauchte Nick Fury mit einem Team von NachwuchsheldInnen namens „Secret Warriors“ Guerilla-Krieg gegen die Invasoren führt und was für unerwartete Probleme die Doppelgänger von Hank Pym und dem Kree-Krieger Mar-Vell für ihre Genossen darstellen. Die Helden-Kopien verdanken ihre Perfektion nämlich dem Umstand, dass ihre DNA jeweils mit der des zu verkörpernden Helden verschmolzen wurde. Was dabei von den Skrull-Wissenschaftlern nicht eingeplant wurde, ist, dass die Kopien somit auch die Persönlichkeit der jeweiligen Person entwickeln.
Das alles ist kurzweilig und ansprechend erzählt – solide Brian-Michael-Bendis-Szenarien plus durchweg gute (zuweilen vielleicht etwas unebene) grafische Umsetzung durch Khoi Pham (drei Geschichten) und Stefano Caselli (eine Story) – aber für jemanden, der „Secret Invasion“ ansonsten nicht verfolgt hat, ziemlich verwirrend und zusammenhangslos. Für spontane Einzellektüre ist das Ganze also hochgradig ungeeignet, für Leser des Invasions-Crossovers jedoch durchaus spannend und aufschlussreich.

Kleine Bemerkung am Rande: Beim Lesen fiel mir wieder der Trend Richtung „höher, härter, brutaler“ in den jüngsten Marvel-Mainstreamcomics auf, den ich schon in einer anderen Rezension erwähnte (und Panini-Redakteur Thomas Witzler im Nachwort des Comics bestätigt). Hier foltert Fury Jugendliche für die gute Sache, Messer werden in Augen gerammt und Kopfschüsse exekutiert. Ist das einfach Zeitgeist oder Verlagsstrategie? Und was sagt der Punisher dazu?

Die Ruhmreichen Rächer 5: Secret Invasion
Marvel Deutschland/Panini Comics, September 2009
100 Seiten, Softcover
Preis: 12,95 Euro

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