Welt am Draht

Links der Woche: Mit Neueinsteigern ins Comic-Geschäft, unzufriedenen Kreativen und Super-Putin

Unsere Links der Woche, Ausgabe 21/2011

 

Bestseller ins Bild gesetzt
Buchreport, Till Spielmann
Der Belletristik-Verlag Bloomsbury Berlin veröffentlicht im Herbst eine Comic-, pardon, Graphic-Novel-Adaption des Bestsellers Drachenläufer von Khaled Hosseini. Im Interview mit Programmleiterin Dorothee Grisebach wird eine etwas seltsame Sicht auf das Thema Comics deutlich. Man bringt diese Version unbedingt deshalb auf den Markt, weil man von deren Qualität überzeugt ist, sondern weil man damit potentielle Käufer für den Roman generieren möchte. Man beachte bitte auch die Leserkommentare unter dem Beitrag.

Aus der Lettering-Werkstatt
Reprodukt-Blog, Christian Maiwald
Bei den traditionellen Buchverlagen, die „von außen“ auf das Gebiet der Comics vorstoßen, fällt immer wieder auf, dass zu wenig auf Details wie das Lettering geachtet wird. Bei Reprodukt dagegen schwört man auf aufwendiges Handlettering: „Dieser Arbeitsprozess kostet eine Menge Zeit, zahlt sich am Ende aber aus: Handlettering hat den Vorteil, dass es viel lebendiger erscheint als mit dem Computer gesetzte Schrift.“

Schlechter Nachgeschmack
Comic-Report, Peter Schaaf
Wird der Gratis-Comic-Tag für Comiczeichner, die keine Bestseller produzieren, zum „TeuerSelbstverarschenTag“? Der Düsseldorfer Zeichner Peter Schaaf, der am Gratiscomic Comics für alle (herausgegeben vom ICOM) beteiligt war und in einem lokalen Comicshop signiert hat, zeigt sich in einem Gastkommentar beim Comic-Report sehr enttäuscht.

20 euros, „nonisme“ et quelques bagatelles. Réflexions sur la rémunération des auteurs
Facebook, Kris
Le malaise justifié des auteurs francophones de BD
ActuaBD, Didier Pasamonik
Für Leser, die besser Französisch lesen können als ich: Der Szenarist Kris (Die Welt von Lucie) hat auf Facebook einen längeren Text veröffentlicht, in dem er die Comicverleger auffordert, ihre Autoren besser zu bezahlen, schließlich seien die Lebenshaltungskosten gestiegen, während die Produktionskosten für Verlage gesunken seinen. Ein ausführlicher, vielkommentierter Artikel auf der Comic-Website ActuaBD greift das Thema auf. (Mein Französisch ist leider nicht gut genug, um mich da durchzuquälen – meine Infos stammen aus diesem Posting beim Comics Reporter). 

Jack Kirby Interview
The Comics Journal, Gary Groth
Ein Bestandteil der kürzlich neu gestarteten Website des Comics Journal ist die Online-Wiederveröffentlichung alter Inhalte aus der langen Geschichte des Magazins. Jetzt kann man ein umfangreiches Interview mit Comic-Legende Jack Kirby aus dem Jahr 1990 lesen, in dem er auf seine Karriere zurückblickt – nicht ohne Verbitterung: Nicht nur, dass er schlecht bezahlt wurde und die Rechte an seinen Schöpfungen ebenso an Marvel abtreten musste wie seine Originalzeichnungen – vor allem von Stan Lee fühlt er sich um Meriten gebracht, die eigentlich ihm zustünden. „Stan Lee and I never collaborated on anything! I’ve never seen Stan Lee write anything. I used to write the stories just like I always did.”

Super Putin, Man Like Any Other
superputin.ru, Sergei Kalenik
Ein russischer Webcomic lässt Wladimir Putin und Dmitri Medwedew als Superhelden auftreten und sorgt damit für weltweites Presseecho, auch bei deutschen Nachrichtenagenturen. Ob es sich hier um politische Satire oder um Wahlkampf-PR für Putins Partei handelt, ist unklar. Den Comic selbst, der zwar ziemlich gut gezeichnet, aber ziemlich schlecht erzählt ist, kann man mittlerweile auch in einer „Englishski version“ lesen. 

70 Bob Dylan Comic Book References, Part 5
Comics Should Be Good, Brian Cronin
Zum 70. Geburtstag von Bob Dylan sammelt das Blog Comics Should Be Good 70 Beispiele, in denen Dylan in irgendeiner Form in Comics zitiert wird.