Welt am Draht

52 mal berührt: Teen Titans #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 47 von 52: TEEN TITANS #1 von Scott Lobdell und Brett Booth.

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MARC-OLIVER: Der Comic ist nicht halb so schlecht wie ich dachte. Okay, verstehen wir uns nicht falsch: Von der Optik her wäre das Heft 1992 nicht aus dem Rahmen gefallen, eine Szene mit Red Robin ist dreist aus Minority Report geklaut, und auch sonst kommen der Plot und die Figuren nicht unbedingt frisch daher. Aber bei Scott Lobdell und Brett Booth, noch dazu unter einem Chefredakteur Bob Harras, kommt das alles ja nun nicht überraschend. Nein, das Verblüffende ist, dass Teen Titans trotz allem ein relativ lesbarer, sogar leidlich unterhaltsamer Action-Thriller geworden ist.

Lobdell hat jedenfalls schon wesentlich Schlimmeres angerichtet als das hier. Das Heft besteht aus vier Szenen, die zwar keine Preise gewinnen werden, es aber schaffen, die jeweiligen Figuren unfallfrei einzuführen, ohne dabei Langweile aufkommen zu lassen. Die Figuren selbst sind dabei durch die Bank unsympathische Spacken, wohlgemerkt, egal ob Helden oder Schurken. Das kann funktionieren, kann aber auch schnell schiefgehen, wenn nicht bald wenigstens ein Sympathieträger auftaucht. Booths Stil hat sich zwar kaum verändert, aber immerhin hat er einen eigenen, halbwegs erkennbaren Stil, was man ja beileibe nicht allen Jim-Lee-Klonen attestieren kann. Seine Seitenlayouts sind eher antiquiert und ab und an doch etwas rumpelig und unbeholfen, aber auch er macht seinen Job ohne große Schnitzer und hat, was das Storytelling von Seite zu Seite angeht, in den letzten zehn Jahren sogar beachtlich zugelegt.

Leider gibt’s am Ende dann noch den Wermutstropfen, dass man wohl ziemlich direkt in einen Crossover-Modus mit dem ebenfalls von Lobdell geschriebenen Superboy eintreten will. Das kostet nochmal einen Punkt. Dennoch: Modell dummer, lauter Action-Thriller mit Kurzzeit-Unterhaltungswert.

ZOOM-FAKTOR: 5 von 10!


 

BJÖRN: Vielleicht sind wir es falsch angegangen. Vielleicht hätten wir festhalten sollen, wann ein Comic nicht wie frisch aus den frühen Neunzigern aussieht oder sich so anfühlt.

Egal, Teen Titans ist ein gefälliger, unfallfreier Teenie-Comic geworden. Gen13 mit Robin und Wonder Girl. Und erstaunlicherweise schafft es Lobdell sogar, einen Comic mit Teen-Protagonisten zu schreiben, in dem man sich nicht erst durch literweise Blut und Gedärm schlagen muss, um bei der Geschichte anzukommen. Gut, die „jugendliche Metamenschen sind eine Gefahr für uns und werden gehasst“-Schiene ist schon sehr X-Men, aber Lobdell hat das in den Neunzigern bei Marvel kompetent gekonnt, warum soll er es in den 10ern nicht bei DC nochmal machen. Schuster und Leisten und so. Deutlich weniger von den Dauermonologen ausgebremst als Superboy, deutlich verständlicher erzählt als Red Hood.

Und die Teenager, besonders Kid Flash, sind hier – wie du sagst – ganz bewusst unsympathische Spacken, was auf jeden Fall besser funktionieren sollte als die Teenie-Helden in den anderen Titeln, die cool wirken sollen, aber einfach nur völlig vertrottelt daherkommen.

Was Brett Booth betrifft: Im Vergleich zu dem, was er in Anita Blake abliefert, ist das hier schon fast große Kunst. Liegt vielleicht an Andrew Dallhouses knalliger Koloration.

Einmal mehr: Grundsolide Superheldenarbeit. Meilenweit besser als die anderen Sachen, die Lobdell im Rahmen des Neustarts verbrochen hat.

ZOOM-FAKTOR: 5 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

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