Rezensionen

Die zwei Weißen Magier

Es ist selten, dass über einen Comic so wenige Informationen existieren wie bei diesem. Abgesehen vom Text auf dem Buchrücken, der auch auf der Website von Kult Editionen zu finden ist, existieren so gut wie keine Infos, weder zu Autor und Zeichner, noch zum Inhalt oder zum Hintergrund der Geschichte. Auch das Buch selbst enthält kaum Angaben, man erfährt weder den Originaltitel noch den Übersetzer. Ob Andres Ponce nun der Autor und Dario Brizuela der Zeichner ist oder umgekehrt, oder beide im Team gearbeitet haben, man erfährt es nicht.

Vielleicht liegt das ja daran, dass es einfach egal ist. Denn Die zwei Weißen Magier zählt  zum Belanglosesten, was ich seit langem gelesen habe. Eine lieblos zusammengestrickte 08/15-Fantasystory um ein junges Geschwisterpaar, dessen Vater ein großer und berühmter Magier ist, und das nun selbst allerlei Abenteuer zu bestehen hat. Der Autor wirft eine Handvoll sattsam bekannter Genrezutaten in den Topf (Magische Edelsteine, Zaubersprüche, gehörnte Dämonen, Portale usw.), vergisst aber die entscheidenen Gewürze, z.B. einen sinnvollen und spannenden Handlungsbogen oder Charaktere, die wenigstens ansatzweise interessant wären. Stattdessen holpert sich der Plot unmotiviert von einem Kampf „Gut gegen Böse“ zum nächsten. Für jedes Problem oder Hindernis gibt es – schwupps – eine (meist recht hirnrissige) Lösung, und schon steht das nächste Problem an. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist ebenso klischee- und schablonenhaft wie die Figuren, die sich in ihr bewegen.  Ponce und Brizuela scheinen sich gar nicht recht für sie zu interessieren, ihnen scheint es vor allem darum zu gehen, ihr Personal von einer Gefahr zur anderen zu hetzen.

Recht gelungen sind die Zeichnungen, die sich stilistisch bei Zeichentrickfilm und ein wenig Manga bedienen. Kompetent umgesetzt, ansprechend koloriert, aber ein bisschen seelenlos, ohne markante Eigenheiten.

Die Story (die zwar durchgehend erzählt wird, aber eigentlich aus drei Episoden besteht) hat in etwa das Niveau und die Tiefe einer durchschnittlichen Pokemon-Folge. Deren Zielgruppe könnte vielleicht auch an diesem Fastfood-Comic Gefallen finden. Der Rest sollte von den Weißen Magiern lieber die Finger lassen, es sei denn er findet Gefallen an Apostroph-Stilblüten wie „Nicht's“.

Ich kann es verstehen, wenn solch lieblose Geschichten im Rahmen von Franchises entstehen (der Comic zum Spielzeug, zur TV-Serie usw.), wo es oft so viele Vorgaben gibt und so viele Leute mitreden wollen, dass ein halbgares Endprodukt entsteht. Bei einem, wie es scheint, eigenständigen Projekt, wo die Schöpfer ihrer Fantasie freien Lauf lassen könnten (wenn sie denn eine hätten), ist so ein Ergebnis einfach nur eine Riesenenttäuschung.

Die zwei Weißen Magier
Kult Editionen
Andres Ponce und Dario Brizuela
156 Seiten; farbig; 15,- Euro
ISBN:  90-78285-03-6

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