Rezensionen

Das Cape

Cover Das Cape Das Cape ist keine originäre Comicerzählung von Joe Hill. Der Sohn von Stephen King verfasst zwar regelmäßig Skripte für Comics, nämlich Locke & Key, diese in einem Band abgeschlossene Geschichte ist jedoch eine Comicadaption der gleichnamigen Kurzgeschichte aus der Anthologie Black Box.

Eric ist ein junger Mann, dessen Leben zusehends aus dem Ruder läuft. Aufgrund eines Unfalls während seiner Kindheit hat er oft Kopfschmerzen und kann sich so oft nicht auf seine Aufgaben konzentrieren, was es ihm nicht ermöglicht, einen Job länger zu behalten. Sein Bruder Nicky hingegen ist äußerst erfolgreich. Als Eric noch dazu von seiner Freundin verlassen wird, steht er vor dem Nichts. Doch dann findet er den Umhang wieder, mit dem er als Kind immer Superheld gespielt hat. Und der verleiht ihm tatsächlich besondere Kräfte.

Seite aus Das Cape Dabei ist die Idee an sich nicht sonderlich neu: Ein Artefakt verleiht einem durchschnittlichen Menschen Superkräfte – das kommt ungefähr bei jedem zweiten Helden vor. Und auch dass die Helden zunächst ganz normale, mit Problemen belastete Menschen sind, ist nicht neu, schließlich menschelt es ja auch grundsätzlich bei den Strumpfhosenträgern (vor allem bei Marvel). Hier ist unser potenzieller Held allerdings ein ziemlicher Verlierer, ein Versager wie etwa in Dial H for Hero (dessen Relaunch im Zuge der New 52 man im Zuge der New 52 unbedingt ansehen sollte). Was aber diesem titelgebenden Cape etwas Besonderes verleiht, ist der Umstand, dass es ein Relikt aus der Kindheit ist, als alles noch gut und hoffnungsvoll war. Man konnte frohen Mutes in die Zukunft blicken und erfreute sich auch an Kleinigkeiten. Somit ist das Cape aufgeladen mit Fantasien und Träumen aus der Vergangenheit.

Als der Protagonist nun erwachsen ist, sind all seine Träume gescheitert. Er empfindet nichts mehr außer Neid und Wut und macht alle anderen für sein Versagen verantwortlich, nur nicht sich selbst. Als er das Cape wieder findet, erinnert es ihn daran, was einmal war und was er sich alles erträumte. Nun gibt es ihm zwar nicht die Macht, seine Träume zu verwirklichen, aber um um Rache zu üben. Die Träume wurden von der Wirklichkeit eingeholt und nun rächen sich die genau ins Gegenteil verzerrten Träume an der desillusionierenden Realität. Die Formen von Erics Rache spiegeln immer die jeweils von ihm empfundene Kränkung wieder. Interessant ist, dass er dabei fast immer aus der Luft agiert und das Fliegen an sich zum zentralen Element der Geschichte wird. Was wieder zum Träumen passt, da man normalerweise nur im Traum fliegen kann und folglich in anderen Sphären schwebt.

Hier werden die Träume zunehmend bedrohlich. Da der Held keine Verantwortung übernimmt und sich zu keinem Zeitpunkt selber in Frage stellt, verkehrt sich die anfängliche Sympathie des Lesers schnell in ihr Gegenteil, was schon ein kleiner Kunstgriff der Autoren ist. Ein Mann kann nicht mit seinen Superkräften umgehen und nutzt zu seiner persönlichen Befriedigung (womit er ironischerweise seiner Familie recht gibt, die ihm immer Egoismus vorwarf). Hier, und nicht in einem Übermaß an Superheldenaction, liegt die Spannung und man befindet sich angesichts der realistischen Figuren fortwährend in einem Zwiespalt, wem man nun welche Gefühle zusenden soll. Allerdings erreicht Das Cape nie die Radikalität des Comics A God Somewhere von John Arcudi und Peter Snejberg. Beide sind sich thematisch sehr ähnlich, wobei in A God Somewhere die Konsequenzen von plötzlich erlangter großer Macht ausführlicher ausgearbeitet werden und ihre Dimensionen umfassender sind. Verglichen damit ist Das Cape immer noch gut, wenngleich kein Überflieger.

Seite aus Das Cape Die Zeichnungen von Zach Howard sind solide mit gut gesetzten Zooms. Störend wirkt nur die deutlich sichtbare Rasterung, die vom Zeichner auch schon nervigerweise in Road Rage eingesetzt wurde (übrigens auch eine Adaption einer Kurzgeschichte von Joe Hill). Dies ist zwar eine Hommage an die alten Pulps und die grobe Körnigkeit des Zeitungspapiers, auf dem Comics das Licht der Welt erblickten, aber durch diese künstlich hervorgerufene Maserung bricht er die Erzählung unnötig ironisch auf. Zwar kann man das als Bezugnahme auf frühe Superheldencomics sehen, aber als Kommentar dazu kommt es etwas zu spät.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Spannender, gelungener Band, der im Kern aber nichts Neues bietet und nicht mit dem thematisch verwandten A God Somewhere mithalten kann.

 

Das Cape
Panini Comics, Februar 2013
Text: Jason Ciaramella, nach einer Kurzgeschichte von Joe Hill
Zeichnungen: Zach Howard
Übersetzung: Gerlinde Althoff
128 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3-862015313
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Panini Comics