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Ambulanz 13 1 – Das blutrote Kreuz

Cover Ambulanz 13 1 Im Gegensatz zu Deutschland ist in Frankreich der Erste Weltkrieg das verbliebene große Trauma. Während sich in Deutschland der Krieg von 1914 bis 1918 in immer weiter weg gelegene historische Dimensionen begibt, ist in Frankreich der Krieg immer noch in den Köpfen präsent. In Deutschland ist es natürlich der Zweite Weltkrieg, was wenig verwunderlich ist angesichts dessen Schrecken und der enormen Schuld. Warum aber ist der Erste Weltkrieg für die Franzosen so sehr traumatisch, dass Kriegsabenteuer, oder besser Kriegsschilderungen, meistens auf diesen Krieg Bezug nehmen? Schämen sich die Franzosen, dass sie den Zweiten so schnell verloren haben und der Kollaboration des Vichy-Regimes mit den Deutschen, so dass die Resistance im Nachhinein fast schon zu mythologischen Helden stilisiert wurden? Es geht wohl eher darum, dass der Krieg hauptsächlich auf französischem und belgischem Boden ausgetragen worden ist und somit die Erlebnisse viel mehr im kollektiven Gedächtnis behalten wurden, als der Zweite Weltkrieg. Das mag eine mögliche Erklärung sein, was hier aber nicht ganz ausgeführt werden kann.

Es ist jedenfalls auffällig, dass viele Comiczeichner, allen voran Jaques Tardi, immer wieder den „Großen Krieg“ aufgreifen, der das Ende einer ganzen Epoche besiegelte. Auch Mounier, Cothias und Ordas kehren mit ihrer neuen Serie Ambulanz 13 in den Ersten Weltkrieg zurück, um von einem jungen Mann zu erzählen, der zwischen Pflicht, Ehre, Kameradschaft, Unfähigkeit und Arroganz zerrissen zu werden droht. Die Kulisse der Schützengräben eignet sich hervorragend für eine Studie im Miniformat, welche die gesellschaftlichen Zustände der damaligen Zeit betrachten kann. Louis-Charles Bouteloup ist der Sohn eines bekannten Arztes und Abgeordneten, der sich durch einen starken Konservatismus auszeichnet. Er kommt als junger Sanitätsoffizier an die Front, wo er die Verwundeten bergen und versorgen soll. Schon in seiner ersten Zeit sieht er sich eingezwängt zwischen den einfachen Soldaten, die ihm nicht trauen, auch weil er der Sohn seines Vaters ist, und den Offizieren, die ihm misstrauen, weil er seinem bekannten Vater nicht nacheifern will. Somit ist der Held zwischen allen möglichen Lagern eingezwängt. In den Schützengräben lernt Bouteloup die unterschiedlichsten Menschen und ihre Charakteristika kennen.

Seite aus Ambulanz 13 1 Es ist sehr geschickt, dass das Autorenteam Cothias und Ordas einen Sanitätsoffizier als Helden gewählt hat. Seine Stellung als Offizier erlaubt es ihnen, alle Hierarchien der Armee und deren unterschiedliche Haltungen aufzuzeigen. Zudem ist der Held nicht direkt an Kampfhandlungen beteiligt, was ins Auge hätte gehen können. Denn Anti-Kriegs-Filme müssen sich stets auch Action und Gewalt bedienen, um abschrecken zu können. Der Grat zwischen beeindruckenden Effektgewittern und Kritik kann aber schnell verrutschen und den Krieg, unbeabsichtigt, als Abenteuer verklären. Wir waren Helden mit Mel Gibson ist so ein Grenzfall, der zwar durch die gezeigte Härte und Grausamkeit des Krieges den Zuschauer abschreckt, aber dennoch die Tapferkeit und den Mut der Soldaten angesichts eben dieser Gräuel preist. Ein Grenzfall, der in Ambulanz 13 nicht überschritten werden kann, da der Held als Arzt immer nur die schrecklichen Folgen der Kampfhandlungen sieht, wenn alle Tapferkeit und Mut und Ehre zerfetzt auf den Feldern liegen.

Patriotismus und Militarismus kann da wenig aufkommen. Das macht den Band auch so spannend, man fühlt sich bisweilen sogar an einen der besten Filme zum Thema erinnert: Wege zum Ruhm (Paths of Glory) von Stanley Kubrick. Ob die Comicserie da heranreichen wird, werden die nächsten Bände zeigen. Zudem ist der Held als Sanitäter nicht einem bestimmten Bereich (wie etwa der Luftwaffe) zugeteilt und kann so ein breiteres Spektrum von verschiedenen Etappen und Heeresabteilungen abdecken, was einen größeren Blickwinkel erlaubt. Er kann potentiell auf mehr unterschiedliche Figuren treffen als ein Soldat, der meist auf die Personen in seiner Einheit beschränkt ist. Somit können auch mehr Geschichten erzählt werden. Der Schrecken des Krieges kann also in einem großen Panorama entfaltet werden, was in den Folgebänden hoffentlich geschehen wird, ohne durch allzu viel Action zwiespältig zu werden.

Die Zeichnungen sind dabei grundsolide, werden allerdings manchmal von zu viel Off-Kommentar begleitet. Dieser bietet aber gute Inneneinsichten und Psychologisierungen, was wieder mehr erhellt als vernebelt. Ein vielversprechender Serienauftakt, der auch solche Leser ansprechen könnte, die ansonsten um Kriegserzählungen einen großen Bogen machen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Geschickt konstruierte Geschichte, die es erlaubt, vielfältigste Aspekte des Ersten Weltkrieges abseits von Action zu erzählen.

 

Ambulanz 13 1 – Das blutrote Kreuz
comicplus+, Juni 2012
Text: Patrick Cothias, Patrice Ordas
Zeichnungen: Alain Mounier

Übersetzung: Eckart Sackmann
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,00 Euro
ISBN: 978-3-89474-226-3

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Abbildung aus der französischen Originalausgabe, © Grand Angle

Hellboy 12: Der Sturm

Cover Hellboy 12Lange Jahre hat Hellboy-Schöpfer Mike Mignola auf diesen Moment hingearbeitet. Mit „Der Sturm” schließt sich nicht nur die jüngste Trilogie, die mit Duncan Fegredos Arbeit als Zeichner an der Serie begann, auch die ganze bisherige Geschichte um den Höllenjungen gipfelt in einem großen Showdown.

Hellboy, der seit seiner Abkehr von der B.U.A.P. auf Solopfaden wandelt, reist nach England, für dessen Erbe er aufgrund des Besitzes des legendären Schwerts Exkalibur verantwortlich zeichnet. Zusammen mit einer Armee Untoter und der Unterstützung seiner Erzfeindin, der Hexe Baba Yaga, zieht er schließlich in einen alles entscheidenden Krieg gegen die Blutkönigin Nimue.

Das Ende ist dramatisch; wie es mit der Serie danach weitergehen könnte, bleibt offen. Zuvor führt Mike Mignola alle Fäden aus vorherigen Storylines, insbesondere aus den beiden ersten Teilen der Trilogie (Band 9: „Ruf der Finsternis”” und Band 10: „Wilde Jagd”) zusammen und bildet einen runden Abschluss. Auch viele Nebenfiguren dürfen in mehr oder weniger kleinen Rollen nochmals auftreten.

Seite aus Hellboy 12In dem ganzen Geflecht aus Mythen-, Märchen- und Pulpversatzstücken fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten – erst Recht, wenn man jeden Band mit einigen Monaten Pause dazwischen liest. Hellboy ist eine Serie, die stark von ihrer von langer Hand im Voraus geplanten Kontinuität profitiert. Mignola denkt immer etliche Storylines voraus und das merkt man auch.

Begeistert bin ich auch immer noch den Zeichnungen von von Duncan Fegredo, der Mignola aus meiner Sicht mehr als überzeugend vertritt. In Kombination mit der erstklassigen Kolorierung des erfahrenen Dave Stewart wird jede Seite zu einer echten Augenweide. Wenn es nach mir ginge, würde ich die beiden gerne auch in Zukunft weiter an Hellboy sehen.

Wie es mit der Handlung nach dem spektakulären Finale weitergehen wird und welche Stilrichtung die Serie ab sofort einschlagen wird, das bleibt abzuwarten. Ich bin gespannt.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Fulminanter (vorläufiger) Abschluss, der viele aufgeworfene Handlungsstränge aufgreift und zu einem würdigen Ende bringt

 

Hellboy 12: Der Sturm
Cross Cult, August 2012
Text: Mike Mignola
Zeichnungen: Duncan Fegredo
Übersetzung: Frank Neubauer
192 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-86425-035-4
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult

Sasmira 1&2

Cover Sasmira 1Sasmira von Laurent Vicomte erinnert stellenweise stark an die Serie Die Reise ans Ende der Welt. Was natürlich nicht allzu verwunderlich ist, da der Autor und Zeichner jedes Mal der gleiche ist. Allerdings geht die Ähnlichkeit der beiden Serien schon in Richtung Selbstzitat, was Fans erfreuen, aber andere eher enttäuschen wird. Doch Sasmira wäre Unrecht getan, würde man es nur in Verbindung mit der anderen Reihe lesen, denn der Comic ist sehr poetisch und ähnelt damit eher den späteren Bänden der Reise als den ersten, rein fantasygeprägten Abenteuern.

Dabei gelingt es Vicomte, einen hohen Grad an Poesie zu entwerfen, ohne ein einziges Mal kitschig zu werden. Allein das ist schon eine hohe Kunst. Die Themen Zeitreise, unerwiderte Liebe und magische Anziehungskraft fand man allerdings auch schon in den übrigen Comics des französischen Künstlers. Angesichts der hervorragenden graphischen Umsetzung nimmt man das nur allzu gerne hin, denn wie Vicomte mit den Mitteln der bildlichen Erzählung spielt, ist einfach beispielhaft. Schon zu Beginn des ersten Bandes, wenn einzelne Verse über das Wesen der Zeit auf der graphischen Ebene mit verschiedenen Perspektivenfluchtpunkten korrelieren, gehen beide eine enge Symbiose ein. Das gibt nicht nur die Stimmung vor, sondern kann auch immer wieder Metaebenen schaffen. So ist die steinerne Figur im Regen nicht nur eine melancholische Ansicht voller düsterer Schönheit, sie scheint zu Beginn durch die ersten Regentropfen gar zu weinen und ähnelt in einem Zwischenpanel schon fast Darstellungen von Jesus. Religiös ist hier aber nichts angehaucht, vielmehr wird die zeitlose und bedingungslose Kraft der Liebe gepriesen. Aber auch die verschiedenen Blickwinkel und Perspektiven, die Vicomte einnimmt, verleihen der ganzen Serie eine große Klasse. Wie er vom bildlich-auktorialen Erzähler zur subjektiven Sicht der späteren Heldin wechselt, ist bezaubernd. Durch diesen hervorragenden Kniff wird sowohl Stimmung etabliert als auch gleich die Figuren eingeführt und mit wenigen Panels die Konstellation zwischen ihnen klar gemacht. Das ist wahre graphische Poesie.

Seite aus Sasmira 1Nachdem „Der Ruf“ in Frankreich ein großer Erfolg wurde, mussten die Leser fast 15 lange Jahre auf eine Fortsetzung warten, die Vicomte nur dank der Unterstützung von Co-Zeichner Claude Pelet gelang. Splitter veröffentlicht nun eine Neuauflage des ersten zeitgleich mit dem zweiten Band.

Die Poesie, die den Auftakt auszeichnete, fällt in „Der falsche Ton“ leider weitaus geringer aus. Auf den ersten Blick fällt es kaum auf, dass neben Vicomte noch ein weiterer Zeichner hinzugekommen ist, da stilistisch alles gleich bleibt. Nur die außergewöhnlichen Einfälle sind nicht mehr zu finden. Stattdessen wird in eindrucksvollem Dekor geschwelgt, was auch nicht zu verachten ist. Während also die Graphik mit dem ersten Band nicht mithalten kann, nimmt dafür die Story an Fahrt auf. Glücklicherweise entfernt sie sich von Die Reise ans Ende der Welt und geht nun ihre eigenen Wege.

Cover Sasmira 2Nachdem der Musiker Stan mit seiner Freundin Bertille im Laufe von Nachforschungen über ein Foto einer jungen schönen Frau in die Vergangenheit geraten ist, wollen sie, ja müssen sogar, herausfinden, wie es dazu kommen konnte. Und wie sie in ihre Gegenwart zurück reisen können. Denn Bertille gerät zunehmend in Gefahr und Stan erkennt, dass die schöne geheimnisvolle Sasmira, zu der er sich hingezogen fühlt, weitaus mehr Geheimnisse besitzt als gedacht.

Die Geschichte verlässt bekannte dramaturgische Bahnen und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit, welche den Comic auch ohne Action sehr spannend machen. Die Figurenkonstellation, die vielen Fragen und die Twists in der Handlung faszinieren den Leser und lassen ihn die Alben nicht aus der Hand legen. Die Vorfreude auf den nächsten von insgesamt vier Teilen ist groß und es bleibt zu hoffen, dass dieser nicht wieder so lange auf sich warten lässt.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Die Story ist bisweilen ein Selbstzitat, doch ihre Umsetzung ist wahre graphische Poesie.

 

Sasmira
Splitter Verlag, Oktober 2012
Text: Laurent Vicomte
Übersetzung: Tanja Krämling
je 72 Seiten, farbig, Hardcover

Band 1: Der Ruf
Zeichnungen: Laurent Vicomte
Preis: 15,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-479-6
Leseprobe

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Band 2: Der falsche Ton
Zeichnungen: Laurent Vicomte, Claude Pelet
Preis: 14,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-480-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche: Mit Geld, Podcasts und Weihnachtscomics

Zum Jahresende geht es auch in dieser Rubrik ein bisschen ruhiger und vor allem weihnachtlich zu. Die nächsten Links der Woche kommen dann im neuen Jahr. Comicgate wünscht allen Lesern ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr!

Hier sind unsere Links der Woche, Ausgabe 40/2012:

 

Nichtlustig-Cartoonist: „5000 Euro. Das ist ein Witz“
Die Presse, Matthias Auer
Rund um seine Nichtlustig-Crowdfunding-Aktion gab es zuletzt recht viele Interviews mit Joscha Sauer. Besonders interessant ist dieses hier, erschienen in der österreichischen Tageszeitung Die Presse, in dem es eigentlich ausschließlich um ein Thema geht: Geld.

Das Alles
das-alles.de, Dirk und Andi
Ein neuer „Popkultur-Podcast, live aus der zweitgrößten Comicsammlung Mittelfrankens“, bei dem Comics zu den Schwerpunkten gehört. Bei der ersten Folge geht es um „Comics wegen Mädchen“, die zweite dreht sich dann rund um James Bond. Folge 3 soll direkt nach Weihnachten kommen und u.a. den Dredd-Film zum Thema haben.

The Klaubauf’s Wager
ComicsAlliance, Benito Cereno und Evan Shaner
Sehr schicker Weihnachtscomic, in dem Sankt Nikolaus auf den Klaubauf trifft und mit ihm eine Wette eingeht.

Exclusive debut: James Sturm’s ‘A Yeti Christmas’
Robot 6, James Sturm
Ein netter Weihnachtscomic von James Sturm (Markttag), in dem es bei Famillie Yeti zu einem Generationskonflikt kommt.

The Goon Re-Enacts ‚A Christmas Carol‘
und
A Holiday Pummeling
YouTube, geekandsundry
Auf dem YouTube-Kanal „Geek and Sundry“ gibt es regelmäßig Motion Comics vom Verlag Dark Horse, für die verschiedene Comics des Hauses animiert und vertont werden, so dass eine Art Trickfilm dabei herauskommt. Passend zur Jahreszeit war nun Eric Powells Goon-Variation von Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte an der Reihe:

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„Die Hüter des Lichts“: Interview mit Produktionsdesigner Patrick Hanenberger

Filmplakat Die Hüter des LichtsDie Hüter des Lichts (Rise of the Guardians), der neue 3D-Animationsfilm von Dreamworks, läuft derzeit in den deutschen Kinos. Der Weihnachtsmann, die Zahnfee, der Sandmann und der Osterhase sind die Hüter des Lichts, die für ihr Team etwas mehr Ökologie und mehr Nähe zur jungen Zielgruppe suchen und somit dem jugendlich-fröhlichen Jack Frost die Chance geben, ein vollwertiges Mitglied zu werden. Der Film basiert auf der Kinderbuchreihe The Guardians of Childhood von William Joyce, der auch aus dem Trickfilmbranche kommt und mit The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore dieses Jahr den Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewonnen hat.

Für das Produktionsdesign des Films ist der aus Wiesbaden stammende Patrick Hanenberger zuständig. Stefan Svik sprach mit ihm am Telefon über den Film, den Arbeitsalltag bei Dreamworks und die Wichtigkeit der kindllichen Fantasie.

 

Comicgate: Wer waren als Kind Deine persönlichen Hüter des Lichts?

Patrick Hanenberger: Wow, das ist eine tolle Frage (lacht), das ist super. Meine Hüter des Lichts waren früher auch Fabelwesen. Ich hatte eine unheimlich reiche Fantasie und wir haben sehr viel Freizeit in Bayern in den Bergen verbracht, da bin ich auch gerade im Moment. Wolpertinger, Krampus und wie sie alle heissen, diese ganzen europäischen Fabelwesen waren für mich immer eine riesige, riesige Inspiration, eine Fantasiewelt, an die ich als Kind auch geglaubt habe. Ich habe auch an den Osterhasen geglaubt und an den Weihnachtsmann. Das waren für mich Figuren, die man im Wald gesehen hat und bei denen man sich vorgestellt hat, dass sie existieren.

 

Patrick HanenbergerWie bewahrst Du Dir als Erwachsener die Neugier und Zuversicht eines Kindes?

Ich denke, es liegt sehr daran, dass man die Welt mit offenen Augen sieht und alles irgendwie für möglich hält. Ich bin ein sehr weltoffener Mensch, ich reise unheimlich viel, ich gucke mir unheimlich gerne Dinge an. Oft laufe ich einfach nur stundenlang mit einer Videokamera durch die Gegend und nehme visuelle Eindrücke auf. Ich glaube das hängt damit zusammen, dass ich einfach neugierig bin. Und wenn man so eine Neugier immer beibehält, dann hat man auch ein wenig einen kindlichen Blick auf die Welt. Nicht alles als Fakt abstempeln und nicht alles so hinnehmen, wie es ist, sondern Dinge hinterfragen und sich auf viele, fremde Kulturen einlassen, über die man noch nichts weiß. Als konkretes Beispiel: Ich bin vor drei Jahren nach Indien geflogen, für einen Monat, ohne einen Plan zu haben. Einfach nur ein Flugticket gekauft und mit dem Rucksack das Land bereist. Ich kannte dort niemanden, hatte keine konkreten Ziele, gar nichts. Solche Reisen geben mir immer wieder neue Inspiration und öffnen mir die Augen.

 

Ich hätte jetzt noch einige Fragen zum Inhalt des Films, aber vielleicht ist das nicht passend, weil Du der Produktionsdesigner bist und nicht der Regisseur oder Drehbuchautor. Was genau sind die Aufgaben eines Produktionsdesigners und hast Du überhaupt Einfluss auf die Geschichte oder ausschließlich auf den Look des Films?

Als Produktionsdesigner ist man für den kompletten Look des Films verantwortlich. Und man sagt immer „the look and feel of the movie“ [das Aussehen und die Stimmung des Films, Anm. d. Red.]. Der Look überschneidet sich oft mit der Story, zum Beispiel kann man eine Szene, die lustig ist, sehr gruselig aussehen lassen oder auch genau andersherum, etwas Gruseliges lustig darstellen. Ich arbeite mit dem gesamten Team zusammen, mit dem Art Department, mit dem Camera Department, mit dem Model Department, mit dem Texturen-Department, mit den Beleuchtern und so weiter. Dann stelle ich die Vision des Films für den Regisseur zusammen und bin dafür verantwortlich, dass das Ergebnis schön aussieht. Das geht von der Konzeptionsphase bis hin zum Rendering und Lighting. Die Story kann ich nicht in dem Sinne mitgestalten, dass ich etwa das Drehbuch ändern könnte, aber man kann ja viele Dinge inspirieren, zum Beispiel kommt der Schreiber oder der Head of Story zu mir und bittet mich darum, für eine geplante Szene in einem Palast etwas zu zeichnen, damit diese Zeichnung, die ich mir ohne genauere Vorgaben ausdenke, wiederum die Autoren für eine Geschichte inspirieren kann. Und so ist das dann ganz oft. Wir arbeiten sehr eng mit den Autoren zusammen und entwerfen immer wieder Welten, die dann die Schreiber beeinflussen.

 

Du wurdest in Australien geboren, bist in Wiesbaden aufgewachsen, hast an der University of Michigan Industriedesign studiert, bist dann nach Los Angeles gezogen und hast in Pasadena Entertainment Design am Art Center College of Design belegt. Anschließend folgte ein Praktikum bei Pixar und dann kamst Du zu Dreamworks.

Ja, das ist alles richtig.

 

Szene aus Die Hüter des LichtsWas kann man dazu noch ergänzen? Wie bist Du an den Job bei Dreamworks gekommen?

Durch mein Praktikum bei Pixar habe ich mich quasi in die Trickfilmbranche verliebt. Ich fand es toll, dass man bei Trickfilmen alles zu 100 % komplett entwerfen und am Computer zeichnen muss. Darin habe ich ein unheimliches Potenzial gesehen, in diese Industrie einzutauchen. An den Dreamworks-Job bin ich durch meinen damaligen Lehrer und Mentor namens Christian Schellewald, der inzwischen ein guter Freund von mir ist, gekommen. Ich habe viel mit ihm gearbeitet und von ihm gelernt, weil ich seine Arbeiten so toll fand. Ich hatte in dem Jahr nach dem Studium mehrere freiberufliche Jobs angenommen, etwa Spielzeug entworfen für Lego und Hot Wheels, Storyboards für Werbefilme entworfen und auch ein wenig für Roland Emmerich gearbeitet. Bei Dreamworks ergab sich dann eine offene Stelle, auf die ich mich beworben habe. Eingestellt wurde ich als Junior-Zeichner für den Film Ab durch die Hecke und dann habe ich mich bei jedem Film eine Stufe weiter hochgearbeitet.

 

Ich stelle mir das Arbeiten bei Dreamworks SKG (Spielberg, Katzenberg, Geffen) jetzt mal ganz naiv so vor: Als Riesenfan von Kurt Cobain würde ich wahrscheinlich ständig ins Büro von David Geffen laufen und ihn befragen oder mit Steven Spielberg über seine Filme plaudern wollen. Das ist wahrscheinlich kaum der tatsächliche Arbeitsalltag. Wie sieht denn die Realität aus?

(lacht) Der Alltag bei Dreamworks ist zum einen ganz anders als man sich das so vorstellt, zum anderen aber sogar noch viel mehr als man es sich vorstellt. Ab und zu sieht man zum Beispiel Steven Spielberg über den Campus laufen, dann trinkt er einen Kaffee mit Jeffrey Katzenberg und unterhält sich mit ihm. Oder man geht in einen Konferenzraum und dann sitzen die Schauspieler da. Das ist schon ganz so, wie man sich das vorstellt. Der Alltag bei einem Animationsfilm ist, dass man einen Schreibtischjob hat. Man sitzt den ganzen Tag am Rechner und arbeitet auch richtig viel. Ein Job in der Animation bedeutet ganz traditionell den ganzen Tag am Computer sitzen und zeichnen. Aber auf dem Campus sieht man dann schon auch etwas von diesem Hollywood-Leben.

 

Du sitzt also im Filmstudio, oder hast Du ein Home Office?

Ich habe ein Büro bei mir Zuhause, von dort aus arbeite ich an Freelance-Jobs, aber mein Hauptsitz ist bei Dreamworks, da habe ich mein Büro. Dort ist es eine Art Campus, das muss man sich vorstellen wie eine kleine Universität. Dort gibt es verschiedene Gebäude mit den jeweiligen Abteilungen. In der Mitte ist ein offener Platz mit einer Cafeteria. Als Produktionsdesigner sitze ich meist vor meinen Computer, aber ich muss natürlich auch mit den verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten und gehe dann oft von Büro zu Büro und gucke mir die Sachen dann alle an, an denen die Leute arbeiten.

 

Szene aus Die Hüter des LichtsSind Stift und Papier überhaupt noch ein Thema für Dich oder entsteht alles am Computer?

Die ganz grobe Ideenentwicklung, ganz frühe Storyboards und Concept Art entstehen noch traditionell, etwa wenn man bei einem Meeting vor sich hin kritzelt. Aber sobald man Arbeiten erstellen muss, die andere weiterbenutzen müssen, etwa für Modelle, wird das komplett am Rechner gemacht. Ich nenne das trotzdem immer digitale Handarbeit, denn man stellt sich das oft so vor: Man zeichnet etwas, scannt es ein und dann geschieht alles automatisch. Das ist aber nicht so. Wenn man mit Photoshop ein Bild malt, muss man ja trotzdem die Farben auswählen und alles per Hand zeichnen. Man hat nur mehr Möglichkeiten und man kann viel schneller zeichnen. Und genau so ist es bei der Animation. Die Figuren werden alle per Hand animiert, per „key frame animation“. Dafür benutzt man superschnelle Computerprogramme, aber der Mensch behält zu 100 % die Kontrolle darüber, was der Computer herstellt. Der Prozess ist zu 90 % digital, aber wie gesagt ich nenne das digitale Handarbeit, weil man bis zum Schluss jeden Pixel airbrushen und verändern kann.

 

Ich fand an dem Film sehr bemerkenswert, dass bei einem vermeintlichen Weihnachtsfilm, so vehement darauf hingewiesen wurde (von der Figur des Osterhasen), dass Weihnachten gut und schön ist, aber dass Ostern das deutlich wichtigere Fest ist.

(lacht)

Ich finde, dass im Film gar nicht so sehr Weihnachten im Mittelpunkt steht, sondern es vor allem auch um die Filmemacher selbst geht, etwa wenn der Weihnachtsmann daran erinnert, dass man nicht den Kontakt zur Welt der Kinder verlieren soll. Außerdem gibt es im Film auch eine Hommage an Steven Spielbergs Jurassic Park. Sind Spielberg und Dreamworks auch Hüter des Lichts und ist es ein Film über sie selbst und ihre Arbeit?

Eigentlich nicht. Steven Spielberg ist natürlich immer eine Rieseninspiration. Da er auch einer der Mitgründer von Dreamworks war, ist seine Stimme auch immer etwas vertreten in den Filmen. Aber das hast Du schon ganz richtig erkannt. Wir wollten da einige Dinge anders machen bei dem Film. Freut mich, dass Du das jetzt so gesagt hast. Wir wollten einen Denkanstoß geben, was diese ganzen Feste eigentlich bedeuten und dass man den Bezug zu den Kindern immer mehr verliert. Gerade Weihnachten wird immer kommerzieller. Es geht immer mehr darum, Handys zu verkaufen. Der Weihnachtsmann in Deutschland ist inzwischen auch amerikanisch und heisst jetzt Santa Claus und bei mir war es früher immer noch Knecht Ruprecht und der Nikolaus. Wir wollten schon ganz gezielt Leute daran erinnern, ohne erhobenen Zeigefinger, dass es bei diesen Festen um Kinder, um Träume und um Menschlichkeit geht.

 

Character-Poster Die Hüter des LichtsKann man dieses Hineininterpretieren auch übertreiben? Mich erinnert die Anfangssequenz mit Jack Frost im Wasser an den Schluss aus Das Bourne Ultimatum und der Schwarze Mann sieht aus wie der Teufel aus Pans Labyrinth. Musst Du über solche Deutungen eher schmunzeln oder bist Du sogar enttäuscht, wenn solche Details übersehen werden?

Ich glaube solche Dinge arbeiten sich ganz unterbewusst hinein. Wir übernehmen nicht gezielt diese Szene von dort und setzen dieses Element an jener Stelle ein. „Diese Szene war erfolgreich, also setzen wir sie auch ein“, so ist das nicht. Man ist ja irgendwo auch noch Künstler und muss aus seinem Bauchgefühl heraus arbeiten. Natürlich hat man bei bestimmten Figuren auch schon Eindrücke im Kopf, die man früher aufgenommen hat. Aber wir verwenden die Bilder, die passen und sich richtig anfühlen. Wenn es solche Bilder schon mal gab, dann sind das Zufälle. Wir überanalysieren das nicht. Alles ist schon mal da gewesen, das ist einfach so. Man sagt, es gibt überhaupt nur vier oder fünf verschiedene Geschichten seit den griechischen Mythen und seitdem wiederholt sich immer alles irgendwie (lacht).

 

Der Film basiert auf der Buchreihe Guardians of Childhood. Waren die Illustrationen aus den Büchern eine wichtige Orientierung oder auch kreativ einengend?

Gute Frage. Die Bücher sind entstanden, während wir den Film gemacht haben. Bill Joyce, der Autor der Bücher, war einer der Executive Producers des Films und er sollte eigentlich auch mit Regie führen, musste aber aufgrund familiärer Gründe davon Abstand nehmen. Die Inspiration für die Bücher war die Frage seiner Tochter an Joyce, ob sich die Zahnfee und der Osterhase wohl kennen? Das war vor 20 Jahren. Er hat dann lange an dieser Idee gearbeitet und sie Dreamworks angeboten, die daraufhin beschlossen, daraus einen Film zu machen. Und so entstanden die Bücher eigentlich erst simultan zum Film in den letzten fünf Jahren. Ich habe sehr eng mit Joyce zusammengearbeitet, mittels Videokonferenzen und er war auch oft im Studio. Wir haben uns immer abgesprochen, damit die Designs immer noch in die gleiche Welt passen. Wir wollten den Look nicht 1:1 aus den Büchern übernehmen, weil das zum einen technisch schwierig gewesen wäre, da in den Zeichnungen so viele Details enthalten sind. Wir mussten das etwas einfacher machen und konnten nicht eine zehn Meter große Figur mit Felllappen durch eine Wand laufen lassen. Die Details mussten etwas reduziert werden. Trotzdem ist der Film für einen Animationsfilm immer noch sehr detailliert und reich an Texturen, dafür waren die Bücher für mich eine wichtige Quelle. Der Sandmann etwa sieht im Buch genau so aus wie im Film, wobei wir den Sandmann sogar zuerst im Film entworfen hatten, bevor er im Buch auftauchte. Die Zahnfee wiederum haben wir ganz anders gestaltet als in den Büchern.

 

Character-Poster Die Hüter des LichtsEine wichtige Aussage des Films ist für mich, dass man von anderen (älteren Kindern, aber auch von Jugendlichen und Erwachsenen) als etwas naiv und dumm angesehen wird, wenn man weiterhin bedingungslos an das Gute, an den Weihnachtsmann, Superman oder andere Figuren glaubt. Wenn man älter wird, erscheinen die Schurken und das Böse interessanter und cooler als die strahlenden Helden. Ist das auch ein Grund, warum der Weihnachtsmann im Film als cooler, tätowierter Russe dargestellt wird, damit die Guten nicht zu lahm wirken?

Das ist bestimmt einer der Gründe. Unser Ziel war es, wenn wir die Glaubenszeit bei den Kindern um ein Jahr verlängern können, dann haben wir etwas Gutes erreicht. Das war uns ganz wichtig. Es geht nicht um Lügen, sondern darum, dass wir dieses Alter, so ab 6 Jahren, wenn der Glauben etwas zurückgeht, noch etwas verlängern können, das wäre doch toll. Beim Look der Figuren ging es eher darum, dass jeder von ihnen menschliche Werte verteidigt: der Weihnachtsmann steht für Wonder (Staunen), die Zahnfee ist Memory (Erinnerungen), der Sandmann Dreams (Träume), Jack Frost steht für Fun (Freude) und der Osterhase ist Hope (Hoffnung). Wir haben uns diese Werte in unseren Büros aufgehängt. Wenn diese Werte nun wichtig sind und wir sie verteidigen wollen, dann müssen wir die Wächter als Kämpfer und Superhelden darstellen. Es ging also nicht darum, sie oberflächlich cool und kantig zu gestalten, sondern zu zeigen, dass auf der Welt ein Krieg tobt, und dass Angst die Welt beherrschen will. Durch die gewisse Härte der Figuren wollten wir verhindern, dass es zu sehr in Richtung Komödie geht statt eines Fantasiefilms. Ganz wichtig war uns, den Kampf zwischen dem Guten, das uns zu Menschen macht (Bewunderung, Träume, Erinnerungen, Hoffnung) gegen das Böse (Angst und Schrecken) so sanft wie möglich erzählen, dennoch mussten wir diese Figuren als Warriors darstellen. Tatsächlich waren die historischen Vorlagen für St. Nikolaus auch immer recht kämpferisch. Da war schon viel Gewalt in dem historischen Kontext, in dem diese Figuren entstanden sind. Es ist wirklich interessant in diesen Mythen nachzulesen, warum diese Figuren überhaupt entstanden sind.

 

Film ist ein sehr kostspieliges Medium. Gibt es permanent Testvorführungen, um zu sehen welcher Gag ankommt und ändert man dann laufend das Konzept?

Das Konzept bleibt bestehen. Der Kern, also hier der Kampf Gut gegen Böse wird beibehalten, aber natürlich gibt es viele Testscreenings, um den Film quasi zu proben. Wir haben zehn Generalproben, bis der Film ins Kino kommt. Das Studio gibt das vor und wir sehen dann: Das ist zu gruselig, das ist zu lustig, das kommt gut an. Aber das ist eher ein Feintuning. Wenn der Film nun beim Test komplett durchfällt, dreht man ihn nicht nochmal komplett neu. Man muss schon vorher ein gutes Konzept haben. Die Testvorführungen sind eine Chance, den Film zu verbessern, aber die eingeschlagene Richtung wird beibehalten.

 

Character-Poster Die Hüter des Lichts3D ist ein großer Trend. Wird überhaupt noch geprüft, ob und wann 3D sinnvoll ist oder ist es einfach ohnehin ein Muss?

Jeffrey Katzenberg ist ein sehr großer Fan von 3D! Und Dreamworks hat das größte 3D-Studio, das es überhaupt gibt. Mittlerweile wurden dort, glaube ich, zwölf Filme in 3D produziert. James Cameron hat zwei gemacht und danach kommt erst mal nichts. Katzenberg ist ein 3D-Fan und -Fürsprecher, er glaubt daran, dass 3D das Medium am Leben erhält. In Zeiten des Downloads und schwindender Kinobesucher muss sich die Filmindustrie Gedanken darüber machen, warum Menschen überhaupt ins Kino gehen wollen. Das Erlebnis, auf einer Riesenleinwand einen IMAX-Film in 3D zu sehen, kann man zu Hause nicht nachstellen. Dreamworks dreht jeden Film von vornherein in 3D, so dass sie dann auch gut aussehen in 3D. Wir bemühen uns immer, den Zuschauern im Kino etwas zu bieten, das sie daheim nicht haben können.

 

Mir kommt es so vor, dass etwa beim ersten 3D-Film seit der Renaissance dieser Technik, bei Avatar 2009, noch einige Feinabstimmung fehlte, mir wurde etwas übel und ich hatte Kopfschmerzen, was ich bei anderen Filmen nicht mehr hatte. Enttäuschend waren dann auch einige nachträglich für 3D konvertierte 2D-Filme. Ist die Technik besser geworden?

Der erste 3D-Film war übrigens Monsters vs. Aliens, ein Dreamworks-Film von 2009, das ist mir ganz wichtig, weil ich daran mitgearbeitet habe (lacht). 3D wird technisch verbessert. Ein Film, der gleich mit 3D-Kameras gedreht wird wie Der Hobbit, ist dann natürlich technisch besser abgestimmt als etwa Alice im Wunderland. Es kommt natürlich auch auf das Equipment an und ob der Projektor richtig eingestellt ist. Das ist ein sehr fragiles Medium.

 

Character-Poster Die Hüter des LichtsWoran würdest Du abseits von Filmen und Deinem Lehrauftrag gerne noch arbeiten?

Ich arbeite nebenbei an einigen Projekten, etwa gemeinsam mit meinem Freund Christian Schellewald an Die Kolonie, einem Buch über eine Science-Fiction-Welt, die wir uns ausgedacht haben. In meiner Freizeit denke ich mir gerne fremde Welten aus, schreibe dafür Kurzgeschichten und zeichne sie. An anderen Projekten arbeite ich gemeinsam mit meiner Frau, die auch Designerin ist, momentan sind es neun Projekte. Nächstes Jahr planen wir ein freies Jahr, um Zeit dafür zu haben, denn dafür braucht man doch viel Zeit.

 

Hast Du einen Bezug zu Comics?

Als Kind war das meine Inspirationsquelle Nummer 1. Du wirst lachen, was ich gelesen habe, ich war unheimlicher Fan von Lucky Luke. Ich habe gerne Clever & Smart gelesen, Garfield, Ottifanten, später dann Die Sturmtruppen und Werner. Das ist dann leider etwas weggegangen. Als Teenager ist das ein wenig verschwunden. Warum, weiß ich auch nicht. Aber ich versuche inzwischen wieder, so langsam in diese Weile einzusteigen. Ich bin jetzt wieder totaler Novize, aber ich gehe jedes Jahr auf die Comic Con und gucke mir die ganzen Sache dort an. Ich bin schon noch Fan. Ich versuche Kontakt zu Ibáñez herzustellen, der in Spanien lebt. Comic ist ein tolles Medium. Für unser Buch Die Kolonie arbeiten wir gerade an einer Umsetzung als Comic. Also vielleicht melde ich mich dann nochmal, wenn wir was zu zeigen haben (lacht).

 

Stichwort Lucky Luke. Das ist in den USA vielleicht ein weniger bekanntes Phänomen als in Deutschland oder Frankreich.

Richtig.

 

Kannst Du als einzelner Mitarbeiter in so einem großen Unternehmen wie Dreamworks denn solche Einflüsse, also etwa europäische Funnies, einbringen? Gibt es viele Deutsche bei Dreamworks?

Dreamworks ist ein sehr internationales Unternehmen. Es gibt sehr viele Franzosen, Deutsche nicht so viele. Sehr viele Koreaner. Die meisten sind Kanadier, Engländer und Franzosen. Man kann immer eine individuelle Note mit einbringen, das hängt immer davon ab, wie sehr man am kreativen Prozess beteiligt ist. Bei mir war es so, dass ich sehr viel einbringen konnte als Produktionsdesigner. Es ist sehr international und es macht unheimlich viel Spaß, dort zu arbeiten.

 

Vielen Dank für das Gespräch und frohe Weihnachten!

 

 

Patrick Hanenberger
Dreamworks Animation
Die Hüter des Lichts

 

Abbildungen: © Dreamworks Animation,
Foto: PR

Giana Sisters – Twisted Dreams

Giana Sisters – Twisted Dreams

Wer kennt sie nicht, die Great Giana Sisters?

Okay, vermutlich kaum noch jemand, der nicht über 30 Jahre alt ist und die glorreichen Jahre der Heimcomputer-Ära mitbekommen hat. Denn die Great Giana Sisters sind auf C64, Amiga und Atari ST das gewesen, was die Super Mario Bros für Nintendos Konsolenfraktion waren. Das traf zwar nicht unbedingt in qualitativer Hinsicht zu, aber neben der frappierenden Namensähnlichkeit waren auch die ersten Levelaufbauten eins zu eins dem Nintendo-Vorbild entliehen. So kam es, wie es kommen musste: Das Spiel verschwand aus den Händlerregalen. Wahrscheinlich, so munkelte man, auf massiven Druck seitens Nintendo. Der dahinter vermutete Rechtsstreit machte The Great Giana Sisters berühmt und die (urbane) Legende war geboren.

Die Versöhnung ist – unbewusst auf den letzten Drücker – vollzogen worden. Immerhin erschien nach zwei Handyauskopplungen im April 2009 ein neuer „richtiger“ Teil für Nintendo DS, kein halbes Jahr, bevor Giana Sisters-Vater und Entwicklerlegende (posthum Aufnahme in die Hall of Fame als erster deutscher Spieleentwickler) Armin Gessert an einem Herzinfarkt verstarb. Sein 1994 gegründetes eigenes Studio Spellbound meldete im Frühjahr dieses Jahres Insolvenz an und man könnte meinen, dies sei das Ende der Geschichte … ist es aber nicht!

Unter dem Namen Black Forest Games arbeitete man einfach weiter. Fehlte nur noch ein Projekt und das Geld, es durchzuführen beziehungsweise zu Ende zu bringen. So begann die Erfolgsgeschichte von Giana Sisters – Twisted Dreams, welches via Kickstarter als „Project Giana“ die mindestnötige Menge Geld auftreiben konnte, um geboren zu werden. Und man hat Wort gehalten.

Giana Sisters – Twisted Dreams ist dabei nicht etwa ein HD-Remake eines mittlerweile völlig überholten Jump’n Runs, für das ein Haufen alter Säcke in verklärter Erinnerung ein paar Euros haben springen lassen. Nein, es ist ein mutiger Versuch, ein Spiel, das nahezu keine Updates gesehen hat, in allen Belangen in das Jahr 2012 zu katapultieren und sich dabei selbst neu zu definieren; dieses Mal nicht als Klon irgendeines anderen Spiels.

Trailer:

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Die ersten Schritte sind noch altbekannt. Erreiche den Levelausgang und sammle dabei so viele Diamanten wie möglich. Im Gegensatz zu Klempnerkonkurrent Mario geht es dabei munter in alle Richtungen und nicht vorwiegend immer nur nach rechts. Vom Levelausgang halten einen die teils bekannten Gegner, bodenlosen Löcher, tödlichen Objekte, kniffligen Sprungpassagen und das ein oder andere Rätsel, sprich der Levelaufbau, fern.

Warum diese Selbstverständlichkeit erwähnenswert ist? Weil der Levelaufbau sich per Knopfdruck ändern lässt, genauso wie eure Fertigkeitenpalette. Sammelte man früher noch einen Power-Pilz ähnlichen Ball ein, um Giana in ‚Punker‘-Giana verwandeln zu lassen, die mit Blitzen schießen kann, geschieht die Hin- und Rückverwandlung nun wann, wo und so oft ihr wollt. Während die normale Giana Pirouetten drehend durch die Luft schweben kann, beherrscht ihr aggressives Alter-Ego eine Art Spin Dash. Sprich: Sie schießt als rotierender Feuerball pfeilschnell auf die Gegner zu. Ist ein Gegner oder eine Wand getroffen, kann man diesen Effekt auch aneinander ketten für extreme Flipperkugel-Walljumps oder Gegner-Vernichtungs-Stafetten.

Aber, wie bereits erwähnt, auch die Umgebung ändert sich. Einmal grafisch: Denn während die aggro Giana durch eine kunterbunte Welt läuft, mutiert diese für die süße Giana zur absoluten Albtraumvision. Dieser imposant inszenierte Verwandlungseffekt alleine lohnt schon einen Blick auf das Spiel.

Spielerisch hat das Ganze aber ebenso relevante Auswirkungen, denn manche Objekte sind nur in einer Phase der Welt greifbar oder aktiv. So hängt es von der Verwandlungsstufe ab, ob man einen Diamanten nehmen kann, ob eine Plattform nutzbar ist oder sich bewegt oder ob ein Tor sich öffnet. (Böse Zungen kennen das zum Beispiel aus Outland.) Wenn eine Zugbrücke nur in der einen Phase ausgefahren ist, das Tor aber nur in der anderen Phase geöffnet, gilt es die beiden Phasen geschickt kombinieren/wechseln zu lernen, um sein Ziel zu erreichen.

Heile Welt:

Screenshot aus Giana Sisters – Twisted Dreams (heile Welt)


Umschalten auf fiese Welt:

Screenshot aus Giana Sisters – Twisted Dreams (fiese Welt)

 

Last but not least sollte noch erwähnt sein, dass auch die Musik sich ändert. Während die kunterbunte Welt mit teils eingestreuten 8-Bit-Originalsounds aus der Feder von Ursprungskomponist Chris Hülsbeck stammt und sich weitestgehend an den Original-Themes bedient, wandelt sich das Ganze in der Albtraumwelt zu einer harten Gitarrenversion, eingespielt von Machinae Supremacy. (Alten Säcken und Retrofans beide bekannt und beliebt.) Vor kurzem sahnte Giana Sisters – Twisted Dreams den „Deutschen Entwicklerpreis“ für den besten Sound ab.

Eigentlich stimmt also alles. Der Musik ist schmissig, die Grafik toll und die Spielmechanik ist frisch und funktioniert. Kritik, wenn auch teils sehr persönliche, gibt es aber dennoch. So werden die Level schnell ordentlich lang und ungemein knifflig. Je nach Person ein Pluspunkt, lässt sich doch so manches Jump’n Run nahezu mit verschlossenen Augen durchspielen, ich persönlich bin zu meiner Schande dafür aber zu alt, faul oder bequem geworden. Denn teilweise ist es gar nicht so einfach, seine Finger dazu zu bekommen, das Gewollte auszuführen. So geht Gianas Spin Dash immer in die Richtung, in die man beim Auslösen die Richtungstasten/Stick drückt, was aber in Kombination mit einem normalen Sprung schon mal einige Versuche kosten kann. Wenn man zum Beispiel seitlich springt, wobei man den Stick weiter seitlich gezogen halten muss und dann in der Luft hängend einen Spin Dash nach oben machen will, um eine Plattform zu erreichen, sind das verlangte Eingabelatenzen und Genauigkeiten wie bei einem Prügelspiel. Easy to learn, hard to master; zumindest teilweise.

Funktioniert das Ganze aber, geht ein Feuerwerk auf dem Bildschirm ab! Ebenfalls gefielen mir die 2D-Umsetzungen von „Pikomis“ Neuinterpretation besser als ihre 3D-Pendants, aber das mag wiederum eine Frage des Alters und persönlichen Geschmacks sein.

Giana Sisters – Twisted Dreams ist, gerade auch wegen der superschmalen 14,99 Euro (UVP, zum Teil günstiger erhältlich), die das Ganze kostet, jedem zu empfehlen, der beim Begriff „Jump’n Run“ nicht auf den nächsten Baum flüchtet. Dabei ist es völlig egal, ob man das alte Giana Sisters kennt oder nicht. Die alte Garnison erfreut sich zusätzlich an den Neuinterpretationen der bekannten Lieder und dem ein oder anderen Wiedererkennungseffekt, alle bekommen aber ein rundum gelungenes, imposantes, frisches und forderndes Jump’n Run vorgesetzt. Das – das sei auch noch erwähnt – fleißig neue Levels nachgeschoben bekommt wie zum Beispiel Halloween- oder Weihnachtsspecials.

Das Spiel und eine Demo für alle, die immer noch zweifeln, sind momentan ausschließlich als Download für Windows-Systeme erhältlich, via Steam, GoG, GamersGate und Gamesrocket (DRM-frei). Für andere Plattformen wie PS3 sind Umsetzungen geplant.

Giana Sisters – Twisted Dreams
Black Forest Games, Oktober 2012
System: Windows
Preis: 14,99 Euro (UVP, Download)
Homepage des Spiels

Wer eine derartige Spielebegeisterung wie unser Gastautor David M. Malambré aufweist, sollte sich seine dadurch inspirierte Webcomicserie Demolition Squad nicht entgehen lassen.

Abbildungen/Video © Black Forest Games

Tarzan Sonntagsseiten 1 – 1931/32

Cover Tarzan Sonntagsseiten 1Schön ist er geworden, der erste Tarzan-Band des Bocola Verlags. Zehn weitere Bücher sollen demnächst folgen, so dass die legendären Jahrgänge von Hal Foster und Burne Hogarth bald in einer hochwertigen Ausgabe vorliegen. Auch heute noch sind die Tarzan-Sonntagsseiten unbedingt lesenswert, über einige Holprigkeiten im ersten Jahrgang muss man allerdings hinwegsehen.

Der Start der Reihe ist alles andere als rund: Das einzig Positive, das sich über die von Rex Maxon gestalteten Sonntagsseiten 1 bis 28 sagen lässt, ist, dass sie schön bunt sind. Es geht sofort mitten in der Handlung los, ohne Exposition oder Einführung von Figuren: Tarzan hat gerade einen Keiler erlegt und gabelt zufällig zwei Kinder auf, die völlig unmotiviert zunächst seine ständigen Begleiter sind. Was folgt, ist eine Reihe von Standardsituationen, die Maxon ohne jegliche Verve abarbeitet: Die Kinder werden von Tieren bedroht, Tarzan muss sie retten, die Kinder werden von Wilden bedroht, Tarzan muss sie retten, usw. usf. Auch Edgar Rice Burroughs, Autor der ursprünglichen Tarzan-Romane, beschwerte sich damals über die uninspirierten Skripts der Strip-Autoren und die teilweise recht statischen Zeichnungen. Diese Kritik fand Gehör: Burroughs gewann an Einfluss, was sich sehr positiv auf die Serie auswirkte. Eine weitere Verbesserung trat ein, als mit Seite 29 Hal Foster den Zeichenstift übernahm – die Serie war danach eine andere.

Dabei waren die Tarzan-Sonntagsseiten nicht Fosters erster Kontakt mit dem Material. Bereits 1929 hatte er in Tagesstrips den ersten Tarzan-Roman Tarzan of the Apes adaptiert. Auch hier zeigte Foster bereits, dass ihm spannende und atmosphärische Bilderzählungen scheinbar mühelos von der Hand gehen. Die ersten 20 Daily-Strips, in denen das Schicksal von Tarzans Eltern, Lord und Lady Greystoke, nacherzählt wird, die von Meuterern im Urwald ausgesetzt werden, ist auch heute noch unheimlich und fesselnd. In Fosters weiteren Bildstreifen von 1929 mäandert die Erzählung dann mal mehr, mal weniger spannend dahin, bis mit Strip 60 ein vorläufiger Schlusspunkt steht. Diese frühen Foster-Strips, die mit der Greystoke-Geschichte ja auch Tarzans Origin-Story nacherzählen, sind im Bocola- Band mit abgedruckt. Man misstraute wohl zu Recht dem abrupten und ungelenken Anfang der ersten Sonntagsseite von Rex Maxon.

Tarzans erstes WeihnachtenHal Foster, bzw. seine Skript-Autoren, schüttelten in den weiteren Sonntagsseiten von 1931 sehr schnell die ungeliebten Elemente der Maxon-Phase ab. Zunächst erzählen sie ein routiniertes Abenteuer um eine französische Garnision in Afrika. Nach diesem gelungenen Einstand wird es erzählerisch richtig interessant: Um die Weihnachtszeit 1931 wurde das Prinzip der fortlaufenden Handlung für ein paar Wochen aufgehoben zugunsten einseitiger Miniatur-Geschichten, die zu verschiedenen Zeitpunkten in Tarzans Vergangenheit spielen. Die erste Seite dieser Art erzählt in einer Rückblende vom Weihnachtsfest der Greystokes mit ihrem frisch geborenen Sohn Tarzan im Urwald. Die Folgegeseite – ebenfalls völlig losgelöst vom bisherigen Erzählzyklus – handelt vom erwachsenen Tarzan im zivilisierten England. Es ist ein Teil des ursprünglichen Tarzan-Mythos, dass der erwachsene Tarzan sich in die Zivilisation einzugliedern versucht, sich dabei aber letztlich für den Urwald entscheidet; die erste Sonntagsseite von 1932 zeigt davon einen schönen Ausschnitt. Solche Rückblenden, die im Lauf des Jahrgangs 1932 – dann durch die Handlung motiviert – noch öfter stattfinden werden, lassen diese alten Strips teilweise ungewöhnlich modern wirken. Durch diese erzählerischen Kniffe ist der Jahrgang 1932 ein früher Höhepunkt der Reihe.

Die stoische HulviaAber noch etwas anderes gab es ab 1932: Humor und einen Sinn für Ironie. Besonders deutlich wird das in der Geschichte um die junge Frau Hulvia, die im Dschungel strandet und dank ihrer Abgebrühtheit binnen kürzester Zeit von den Eingeborenen als Göttin verehrt wird. Sie ist deutlich ein Vorläufer der kratzbürstigen Frauen, mit denen es Prinz Eisenherz Jahre später zu tun haben wird. Am Anfang der Hulvia-Geschichte geht ein junger Abenteurer auf Expeditionsreise mit Tarzan, um diese geheimnisvolle Hulvia zu suchen. Sein Vater verabschiedet sich von ihm mit den Worten: „Wenn du also unbedingt dein Abenteuer willst – ich will dich nicht davon abhalten. Nur bring mir nicht so eine heidnische Göttin als Frau mit nach Hause. Was würde Mutter Barry dazu sagen!“ Natürlich vorhersehbar, wer am Ende wen mit nach Hause bringt. Foster lernte mit solchen Episoden, wie man gelungene Pointen vorbereitet – etwas was er bei Prinz Eisenherz dann zur Meisterschaft brachte.

Tarzan in AktionDer Tarzan von 1932 hatte mit dem düsteren und romantischen Tarzan of the Apes – anders als noch bei bei Harold Fosters Adaption in den Dailies 1929 – nur noch den Schauplatz gemein. Vielleicht war die Welt 1932 schon zu klein geworden und der Traum vom Platz an der Sonne ausgeträumt – 1912, als Edgar Rice Burroughs‘ Tarzan zum ersten Mal erschien, hatte die Welt da noch anders ausgesehen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Tarzan-Sonntagsseiten postmoderne Ironie sind – tatsächlich handelt es sich um eine der wegeisenden Stripserien aus dem Golden Age der Newspaper-Comicstrips. Damals waren die Tarzan-Comics völlig auf der Höhe ihrer Zeit, aber auch heute wirken die Geschichten – ab der Jahreswende 1931/32 – dank des Erzähltalents aller Beteiligten zeitlos modern. Und während andere Comics heute auf charmante Retro-Optik getrimmt werden, erhält man mit den Tarzan-Sonntagsseiten die authentische Vorlage.

Die kurze, aber gut recherchierte und dokumentierte Einführung von Detlev Lorenz und Uwe Baumann rundet die Ausgabe zusätzlich ab. Da kann man nur hoffen, dass nach den Sonntagsseiten in einer weiteren Reihe auch die Daily Strips noch veröffentlicht werden.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Gelungene Präsentation der klassischen Tarzan-Sonntagsseiten, die ab dem zweiten Jahrgang mit verblüffender Zeitlosigkeit beeindruckt.

 

Edgar Rice Burroughs’ Tarzan – Sonntagsseiten Band 1 – 1931/32
Bocola Verlag, November 2012
Text und Zeichnungen: Rex Maxon, Hal Foster
Übersetzung: Barbara Propach
144 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,90 Euro
ISBN: 978-3-939625-61-2
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Bocola Verlag

Nausea

Cover NauseaEs ist nicht ganz leicht, den Überblick über Robert Crumbs Werk zu behalten. Nicht nur war und ist der Mann enorm produktiv, seine Geschichten haben auch eine zuweilen sehr verwirrende Veröffentlichungsgeschichte. In den USA erschienen seine Comics häufig in Zeitschriften und Anthologien, bis sie irgendwann in Buchform gepresst wurden. Schon bald aber war klar, was für eine prägende Rolle dieser Mann spielte. Schließlich ist er der wohl bekannteste Undergroundzeichner, der nicht nur die Comicszene revolutionierte, sondern es auch als einer der wenigen aus dieser Bewegung schaffte, recht bald von der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden (und sei es durch die Verfilmung von Fritz the Cat).

Spätestens mit seiner Comic-Biografie von Frank Kafka (1993) wurde er auch im Feuilleton besprochen. Wenngleich mit einem erstaunten Augenzwinkern, dass ein solcher Erotomane sich an die Literatur wagte. Und nicht nur daran, schließlich hat er mittlerweile auch das Buch Genesis der Bibel adaptiert, was wohl erst recht manchen befremdete. Aber schon in den 1970ern wurden Stories von ihm in Deutschland veröffentlicht, und so manche seiner Schöpfungen sind mittlerweile im dritten Verlag angekommen.

So richtig neu ist Nausea deshalb nicht. Bis auf die 40 Seiten von „Böses Karma“ sind alle hier enthaltenen Geschichten schon anderswo erschienen, so etwa die Adaption von Philip K. Dicks „Testament“ in der Comic-Edition der FAZ. Einige Skizzen im Band sind auch in der Mammutausgabe der Robert Crumb Sketchbooks enthalten. Aber wer kann sich die teuren Coffeetablebooks aus dem Taschen Verlag schon leisten? Umso schöner also, dass auch der kleine aber äußerst feine Reprodukt-Verlag sich des Künstlers annahm.

Seite aus NauseaDie Geschichten in diesem Band sind thematisch äußerst unterschiedlich und decken damit eine große Bandbreite des Œuvres von Robert Crumb ab. So unterschiedlich die Geschichten sind, so zeigen sie auch, wie sehr es Crumb versteht, alles zu bebildern. Seien es nun Adaptionen literarischer Ergüsse von Sartre („Der Ekel“) oder Dick (das oben erwähnte Pamphlet), von wissenschaftlichen Abhandlungen („Psychopathia Sexualis“ von Dr. R. von Krafft-Ebing, einem der Vorläufer von Sigmund Freud) oder von autobiographischen Notizen („Boswells Londoner Tagebuch“). Alles wird abgerundet durch eine saftige Parodie („Die Abenteuer von Wichita – Ratte und Tänzerin“) und eine Geschichte wie aus den besten wilden Zeiten von Crumb („Böses Karma“). Wer die nicht kennt, sei gewarnt: Bei einigen Geschichten gibt es sehr explizite Szenen. Eine psychedelisch inspirierte Story wie „Böses Karma“, in der auf schöne und erotische Weise ein ödipaler Konflikt dargestellt wird, lässt den Egoismus des Mannes generell deutlich werden.

Die Literaturadaptionen sind zum Teil ironisch gebrochen, allein durch die Bebilderung (etwa die Tiergesichter in der „Psychopathia Sexualis“). Ansonsten ist es ja schon fast ein Sakrileg geworden, Crumb auch mal zu kritisieren. Dennoch muss es mal gesagt sein: Er löst sich oft zu wenig von den literarischen Vorlagen. Er kürzt, ja. Und durch die Kürzung setzt er gewisse inhaltliche Schwerpunkte. Aber die Bilder geben dem Text keine neue Bedeutungsebene. Sie deuten nicht, sie eröffnen keine neuen Horizonte, sondern liefern einfach nur Ansichten zu dem geschriebenen Wort. Aber sein expressiver Strich kann einfach hervorragend die Mimik der Personen wiedergeben und den Betrachter in die Panels saugen. In der „Psychopathia Sexualis“ gelingen dann einige ironische Brechungen, sie hätte aber insbesondere einen deutlicheren zeichnerischen Kommentar verdient gehabt. Generell sind die Emotionen jedoch graphisch meisterhaft dargestellt. So lohnt sich die Anschaffung von Nausea schon allein, um einen Einblick in die große künstlerische Bandbreite von Crumb zu erlangen.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Schöne Sammlung von Adaptionen des großen Meisters, die sich aber von den literarischen Vorlagen nicht genügend lösen

 

Nausea
Reprodukt, Oktober 2012
Text und Zeichnungen: Robert Crumb
Übersetzung: Harry Rowohlt
112 Seiten, schwarzweiß, Hardcover
Preis: 29 Euro
ISBN: 978-3-943143-29-4
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt

Schönes neues Jahr

alt

Cover Schönes neues JahrIn der Edition 52, die man seit einigen Jahren als Stammverlag Barus bezeichnen kann, liegt mittlerweile ein weiterer Band des französischen Künstlers vor: Schönes neues Jahr versammelt drei Kurzgeschichten aus dessen Frühwerk.

Baru, bekannt für die ungeschönte und realistische Thematisierung sozialkritischer Aspekte, porträtiert in der titelgebenden, 1995 entstandenen Story zum ersten Mal nicht die Probleme der Gegenwart, sondern wirft einen kurzen Blick in eine mögliche Zukunft Frankreichs: 2016 haben Rechtsradikale die Wahl gewonnen, die Vorstädte werden mit einer Mauer von den Innenstädten abgegrenzt, die Verlierer und Unliebsamen werden isoliert und scharf kontrolliert.

So untypisch diese Zukunftsvision für Barus Arbeit ist, so muss man aber unbedingt anmerken, dass er kein Interesse daran hat, eine phantasiereiche Dystopie zu kreieren, sondern er versucht vielmehr, sich die gegenwärtige Gesellschaft (aus der Sicht von 1995) so auszumalen, wie sie sich im schlimmsten Falle entwickeln könnte. Erschreckenderweise hat die Realität bezüglich des Aufstands der Vorstädte und der schwelenden Fremdenfeindlichkeit in Frankreich Barus Erzählung in der jüngeren Vergangenheit schon ein Stück weit eingeholt.

„Schönes neues Jahr 2047″, das ebenfalls in dem Band enthalten ist, knüpft an der vorherigen Kurzgeschichte an und spinnt die Idee schließlich weiter. Rund 30 Jahre später sind soziale Brennpunkte noch immer abgeriegelt und die Bewohner versuchen irgendwie, sich mit ihrem Leben dort zu arrangieren.

neuesjahr2„Irische Ballade“ heißt die letzte der abgedruckten Geschichten. Darin wird das klassische Romeo-und-Julia-Thema aufgegriffen und vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen irischen Katholiken und Protestanten abgespielt. Auch diese Episode ist eher unüblich für das Gesamtwerk Barus, fokussiert sie sich doch weder auf ein soziales Problem seines Heimatlandes noch auf die gesellschaftliche Unterschicht oder auf Kleinkriminelle.

Alle drei Stories in dieser Ausgabe sind rau und radikal, auch optisch sind sie in rohem schwarz-weiß gehalten. Der einzige Kritikpunkt an Barus gewohnt überzeugenden Erzählungen ist die etwas vernachlässigte Profilierung der Charaktere. Was aber sicherlich auch der Kürze der jeweiligen Handlung geschuldet ist.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Starke Kurzgeschichten in ungewöhnlichem Sujet

 

Schönes neues Jahr
Edition 52, 2012
Text
und Zeichnungen: Baru
Übersetzung: Uwe Löhmann
144 Seiten, s/w, Softcover
Preis: 15 Euro
ISBN: 978-3-935229-89-0
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Edition 52

Links der Woche: Mit Ladies Nights, unbezahlten Zeichnungen und sexy Hawkeye

Unsere Links der Woche, Ausgabe 39/2012:

 

Von der Angst vor der Einordnung
madamebooks, Madame Books
Comics for Ladies only – Genderfight reloaded?
Lach|witz, der (e), Alexander Lachwitz
Der Carlsen Verlag bewirbt seine neue „Graphic Novels for Ladies“-Edition unter anderem mit Abendveranstaltungen in Filialen der Buchhandelskette Thalia. Madame Books, selbst Buchhändlerin, und Alexander Lachwitz haben beide eine solche „Ladies Night“ besucht und berichten in ihren Blogs darüber.

Die besten Comics des Jahres
tagesspiegel.de
Der Tagesspiegel fragte acht Comic-Experten (darunter auch Comicgates Frauke Pfeiffer) nach ihren persönlichen Comics des Jahres und veröffentlichte diese Bestenlisten nach und nach in den letzten Tagen. Zum Schluss sollten alle acht Teilnehmer nochmal die fünf meistgenannten Comics auf einer Skala von 1 bis 5 einordnen und somit den „Comic des Jahres“ ermitteln. Das Rennen machte der erste Band von Blast von Manu Larcenet. Auf der hier verlinkten Übersichtsseite sind alle Beiträge der Aktion zu finden.

The Return of the Best Damn Comics of the Year — Boing Boing Edition
Boing Boing
Auch beim US-Onlinemagazin Boing Boing machte man eine Umfrage unter verschiedenen Comic-Experten und -machern (darunter Jeff Lemire, Jeffrey Brown, Nate Powell und Douglas Wolk). Der Spitzenreiter heißt hier wenig überraschend Building Stories von Chris Ware.

~ Sorry, german entry! ~
Mind of Maus, Melanie Schober
Die Mangazeichnerin Melanie Schober äußert sich auf ihrem Blog ausführlich über ein wichtiges Thema: „Es KOTZT mich an, dass man als Zeichner andauernd ein schlechtes Gewissen eingeredet bekommt, wenn man für seine Arbeit…. GELD verlangt.“

Die Weihnachtsgeschichte als Comic
comic-kirche.de
Die Evangelische Kirche in Hamburg hatte im Herbst zu einem gut dotierten Comicwettbewerb aufgerufen, dessen Teilnehmer die Weihnachtsgeschichte in Comicform interpretieren sollten. Die drei Preisträgercomics sowie vier „weitere Empfehlungen“ gibt es auf comic-kirche.de online zu lesen.

Alle Jahre wieder – der SPON-Adventskalender
Lach|witz, der (e), Alexander Lachwitz
Wie schon in den Vorjahren gibt es bei Spiegel Online wieder einen Comic-Adventskalender, der überwiegend von Webcomic-Zeichnern bestritten wird. Alexander Lachwitz bemängelt daran besonders die lieblose Gestaltung, die viele der eingereichten Seiten in ein nur noch schwer lesbares Format quetscht. In den Kommentaren meldet sich auch SpOn-Redakteur Stefan Pannor, der den Adventskalender organisiert.

Roland Faelske-Preisträger 2012
Gesellschaft für Comicforschung
Die Uni Hamburg mit ihrer Arbeitsstelle für Graphische Literatur und die Roland-Faelske-Stiftung vergaben kürzlich zum zweiten Mal einen Preis „für herausragende Arbeiten aus dem Themenbereich ‚Comic‘ oder ‚Animationsfilm'“. In zwei Kategorien (Beste Magister-, Diplom-, Master- oder Bachelor-Abschlussarbeit und Beste Dissertation) wurden wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet. Die ComFor nennt die Preisträger und dokumentiert die Jurybegründungen.

Square: Jacques Tardi
YouTube, Mediacontainer
Die wöchentliche Sendung Square stellt jede Woche einen Künstler in den Mittelpunkt. Vor kurzem war Comiczeichner Jacques Tardi an der Reihe.

The Karen Berger era and what comes next
The Beat, Heid MacDonald
Vertigo, das „Erwachsenen-Label“ von DC Comics, wo zahlreiche Klassiker wie Sandman, Transmetropolitan oder Preacher erschienen sind, wurde seit der Gründung 1993 von Karen Berger geleitet, die zuletzt den Titel „Executive Editor & Senior Vice President“ trug. Nun gibt sie diesen Posten auf und trennt sich im März 2013 von DC. Diese Nachricht kommt etwa gleichzeitig mit der Einstellung von Vertigos langlebigster Serie Hellblazer, die nach Ausgabe 300 ins reguläre DC-Universum überführt wird und dort als Constantine weiterlaufen wird. Diese Meldungen und die Tatsache, dass Vertigos Verkaufszahlen stetig sinken und kein echter Bestseller in Sicht ist, lässt viele Branchenbeobachter schon spekulieren, ob das Vertigo-Label wohl bald ganz gestrichen wird. Heidi MacDonald, früher mal selbst Editor bei Vertigo, schaut zurück und blickt nach vorne.   

The Hawkeye Initiative
thehawkeyeinitiative.com
Ein Tumblr-Blog sammelt Zeichnungen, auf denen Marvel-Held Hawkeye in seltsamen Posen zu sehen ist. Die Zeichnungen sind Panels oder Titelbildern von diversen Superheldencomics nachempfunden. Auf den Originalen sind stets weibliche Figuren zu sehen, die in den „Coverversionen“ von Hawkeye ersetzt werden. Der Effekt dieses Spiels: Es soll deutlich werden, „wie deformiert, übersexualisiert und unrealistisch gekleidet Frauen in Comics gezeichnet werden“.

Calvin and Hobbes – The Search Engine
Michael Yingling
Der Software-Entwickler Michael Yingling hat eine Suchmaschine programmiert, die als Suchergebnis zum Stichwort passende Calvin and Hobbes-Strips findet. Auch eine Datumssuche ist möglich. Probiert’s aus!