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Frisch aus der Druckerei: Dezember 2012

Der Dezember war ein Monat mit relativ wenigen Neuerscheinungen auf dem deutschen Comicmarkt. Das gibt uns die Gelegenheit, nach einer viel zu langen Pause wieder tief Luft zu holen und einen neuen Anlauf für diese Kolumne anzugehen. Thomas Kögel blickt wieder zurück auf die wichtigsten und interessantesten Novitäten des Vormonats, der Focus liegt wie gewohnt auf Einzelbänden und Serien-Neustarts.

HIGHLIGHT DES MONATS

Chagall in RusslandVom Avant Verlag kamen kurz vor Weihnachten mehrere sehr interessante Neuheiten, darunter zwei neue Bücher vom französischen Ausnahmekünstler Joann Sfar: Neben dem vierten Teil seiner Reihe Klezmer erschien der Band Chagall in Russland, dessen Titelheld zwar ein jüdischer Maler namens Marc Chagall ist, der aber noch lange kein biographischer Comic über den gleichnamigen Künstler ist. Sfar lässt sich von dessen Leben eher lose inspirieren und erzählt von einem jungen Mann, seiner Liebe zur Kunst und seiner Liebe zu einem Mädchen. Eine wichtige Rolle spielt auch hier, wie in vielen anderen von Sfars Comics, die jüdische Lebenswelt. Neun Seiten aus dem Buch kann man hier probelesen.

AUS SÜDAFRIKA

Doppeltes Glück mit dem Roten Affen heißt die erste deutsche Veröffentlichung von Joe Daly. Der in Kapstadt lebende Zeichner hat bei Kennern der englischsprachigen Independent-Szene schon länger einen Namen. Die beiden Stories in dem jetzt veröffentlichten Band lassen sich laut Verlagsinfo „irgendwo zwischen Hergé, Freak Brothers und Magnum“ einordnen. Eine Kostprobe gibt’s hier.

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Noch einmal kurz zurück zu Joann Sfar: Die Zeichnungen von dessen Serie Professor Bell hat ab dem dritten Band Hervé Tanquerelle übernommen, der nun wiederum mit dem Kollegen David B. an einer Kriminalgeschichte zusammengearbeitet hat: Die falschen Gesichter spielt im Frankreich der 1970er Jahre, beruht auf wahren Begebenheiten und zeigt abermals die Vielseitigkeit des David B., der sich nach autobiographischen, surrealistischen und historischen Themen nun auch im Thrillergenre versucht (Leseprobe)

Gringos LocosJijé, Franquin und Morris – drei der ganz Großen des belgischen Comics, die in Gringos Locos aber nicht als Autoren oder Zeichner, sondern als Comicfiguren in Erscheinung treten. Die drei lernten sich beim Magazin Spirou kennen und traten 1948 eine lange gemeinsame Studienreise in die USA und nach Mexiko an. Autor Yann und Zeicher Olivier Schwartz machten daraus eine teils fiktive, teils biographische Geschichte, die zuerst (natürlich) im Spirou-Magazin erschien und für Wirbel sorgte, weil die Nachfahren der Künstler die Veröffentlichung in Albenform zunächst verhindern wollten (siehe dazu den Bericht, der vor einem Jahr beim Comic-Report erschien). Schließlich hat man sich dann doch geeinigt und das Album erschien mit ein paar Monaten Verzögerung. Nun liegt es auch in deutscher Übersetzung beim Carlsen Verlag vor. Für Französisch-Kundige gibt es eine Leseprobe und einen schicken Trailer:

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Beim Tod von Moebius im März 2012 wurde wieder schmerzlich deutlich, dass viele seiner Comics hierzulande höchstens antiquarisch verfügbar waren. Cross Cult schafft nun Abhilfe: Der Verlag, der zuvor schon Neuauflagen von Arzach und Die hermetische Garage veröffentlicht hatte, ergänzt seine „Moebius Collection“ nun um gleich fünf Bände auf einmal: Die blinde Zitadelle, Zwischenlandung auf Pharagonescia, The Long Tomorrow, Die Ferien des Majors und Der Mann von der Ciguri enthalten überwiegend Kurzgeschichten, die zuletzt vor gut zwanzig Jahren in der Carlsen-Reihe Universum der Wunder zu lesen waren. Zu allen Bänden der Reihe sind Leseproben verfügbar. Zusammen mit der Neuedition von Der Incal (Splitter Verlag) und dem posthum erschienenen, unvollendeten Comic Arzak, der Raumvermesser (ECC) kann man sich nun mit voller Wucht in die Moebius’schen Traumwelten stürzen.

Die Frau ist frei geborenIn der „Books“-Reihe des Splitter Verlags gibt es eine dicke Graphic Novel von jenem Team, das sich bereits in Kiki de Montparnasse (Carlsen) mit dem Leben einer französischen Künstlerin beschäftigt hat. Nun gehen José-Louis Bocquet und Catel Muller noch ein paar Jahrhunderte zurück und porträtieren Olympe de Gouge, eine Schriftstellerin, die zur Zeit der Französischen Revolution lebte, als wichtige Vorkämpferin für Frauenrechte gilt und wie so viele ihrer Zeitgenossen unter der Guillotine endete. Zehn der insgesamt 480 Seiten von Die Frau ist frei geboren lassen sich hier probelesen.

Pelikan Protokoll ist bereits die vierte Serie von Richard Marazano, die beim Splitter Verlag erscheint. Hier arbeitet er, wie schon in Der Schimpansenkomplex, mit Zeichner Jean-Michel Ponzio zusammen und erzählt eine SF-Mysterygeschichte, in der 15 Personen für als Versuchskaninchen für ein wissenschaftliches Experiment herhalten müssen (Leseprobe).

Schritte ins LichtDie neue Serie vom All Verlag kommt im gewohnten Gewand eines 48-seitigen frankobelgischen Albums, wird vom Verlag aber als „Graphic Novel“ beworben: Schritte ins Licht von Bruno Marchand ist eine im Ligne-Claire-Stil gezeichnete Mysterygeschichte, die in der Nachkriegszeit spielt: Eine junge Frau begibt sich darin auf Spurensuche nach ihrem Vater der im Zweiten Weltkrieg angeblich Verrat begangen hat. myComics hat eine Leseprobe.

Ein Mix aus Agentenstory und Science-Fiction ist die Serie Carmen McCallum von Olivier Vatine, Fred Duval und Gess. Zwei Bände daraus erschienen Mitte der Neunziger bei Ehapa, nun bringt Bunte Dimensionen einen Sammelband des ersten, aus drei Teilen bestehenden Zyklus, der damit erstmals komplett auf Deutsch vorliegt.

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AUS DEN USA

Batman: Hinter den SpiegelnPanini legt einen neuen Comic mit Zeichnungen Sam Kieth vor, an den Spong neulich einen schönen Liebesbrief geschrieben hat: In der Reihe DC Premium erscheint der Band Batman: Hinter den Spiegeln, geschrieben von Bruce Jones, der davon erzählt, wie Batman das erste Mal auf seinen Widersacher Mad Hatter traf. Der Comic erschien in den USA nicht wie üblich zuerst als Heftserie, sondern direkt als Hardcover-Band. Diesen hat das Wilde Dutzend hier besprochen und hält ihn zwar für unausgereift, empfiehlt ihn aber durchaus allen Fans von Sam Kieth. Der Liebesbriefschreiber hat ihn bestimmt schon. Eine Kostprobe gibt’s bei myComics.

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AUS ASIEN

CoelacanthReichlich neue Mangserien, überwiegend für die weibliche Zielgruppe, starteten im Dezember bei EMA: Zum Beispiel der Zweiteiler Coelacanth von Kyoko Shimotsuki, eine Mysterygeschichte, in der zwei Teenager versuchen, den Mord an einem Lehrer aufzuklären. Ein Shojo-Manga, der aber wohl etwas ernsthafter daherkommt als die meisten anderen Vertreter des Genres.

Romantischer geht es in Dear! von Kaco Mitsuki (Sora Log) zu, das ebenfalls aus zwei Bänden besteht und eine klassische Dreiecksgeschichte erzählt. Der purpurne Fächer von Kyoko Kumagai ist ein Mix aus Romanze und Fantasygeschichte, und auch GDGD-Dogs von Ema Toyama (xx me!, An deiner Seite) fällt in die Schublade „Romance“. Letzterer gehört zu den immer zahlreicheren Manga, deren Hauptfiguren Mangazeichner sind.

Highschool Girls von Akiko Morishima ist ein Yuri-Manga, in dem sich zwei Mädchen verlieben und der unter EMAs „Adult“-Label erscheint. Der Verlag möchte nach eigener Aussage „für die zahlreichen Liebhaber des Genres mit diesem besonders schönen zweibändigen Werk die Chance bieten, eine kleine Lücke in dem in Deutschland noch zögerlich erschlossenen Markt zu schließen.“

Leseproben zu den genannten EMA-Serien finden sich im Programmheft Shinkan (PDF).

Carlsen Manga bringt die achtteilige Reihe Venus versus Virus von Atsushi Suzumi, in der ein Mädchen gegen Viren in Gestalt von Monstern kämpfen muss. Hier eine englischsprachige Preview.

SEKUNDÄRLITERATUR

Wir schließen den Kreis und gehen zum Abschluss in jene kreative Brutkammer, zu denen auch die eingangs erwähnten Sfar, David B. und Tanquerelle gehör(t)en: L’Association, das als Künstlerkollektiv und alternativer Verlag für eine grundlegende Auffrischung des französischen Comics sorgte und dessen Bedeutung man wohl kaum hoch genug einschätzen kann. Die aktuelle Ausgabe der Reddition widmet sich in zahlreichen Beiträgen ausschließlich der Association und ihren Künstlern. Digital reinblättern kann man hier.

Links der Woche 2/13: Nothing Compares 2 U

Diese Woche gab es nicht so wahnsinnig viel Neues, daher ist diesmal auch Platz für ein paar schöne Comics, die schon einige Wochen alt, aber immer noch sehr verlinkenswert sind.

Unsere Links der Woche, Ausgabe 2/2013:

 

U-Comix startet durch – Interview mit Steff Murschetz
Comic-Report, Matthias Hofmann
Das Underground-Magazin U-Comix, das in den 1970er und 80er Jahren zuerst beim Volksverlag, später bei Alpha Comic erschien, kommt zurück. Initiator ist der Comiczeichner Steff Murschetz, der schon seit einer Weile das Webportal undergroundcomix.de betreibt. Im Interview spricht er über seine Pläne und amüsiert mit ein paar humorigen Antworten.

Comic-Leser bleiben dem Papier treu
Buchreport
Das Branchenblatt Buchreport berichtet über die Umsätze im Comic-Markt 2012. Demnach werden die größten Umsätze nach wie vor im Pressegrosso, also an den Kiosken, gemacht. Mit einem Anteil von 20% schiebt sich der Buchhandel auf den zweiten Platz und überholt damit den Comicfachhandel. Was digitale Comics angeht, spricht der Buchreport von geringer Nachfrage und stellt fest: „Zumindest vorerst bleibt der deutsche Comic-Leser ein höchst konservativer Konsument.“

Der Crumbathon
tagesspiegel.de, Thomas Hummitzsch
Thomas Hummitzsch hat sich die beim Taschen Verlag erschienenen Robert Crumb Sketchbooks vorgenommen. Er begibt sich auf einen mehr als elfstündigen „Crumbathon“ und berichtet in einem langen, aus acht Teilen bestehenden Artikel über seine Leseerfahrung.

Announcing the 2012 Comics Industry Person of the Year: Eric Stephenson
The Beat, Heidi Mac Donald
Das US-Comicblog The Beat hat zum Jahresende wieder eine Umfrage innerhalb der Comicbranche gemacht und gefragt, wer 2012 die wichtigsten und einflussreichsten Personen des Jahres waren. Klarer Sieger wurde Eric Stephenson, Chef von Image Comics, dessen Verlag zunehmend mit großer inhaltlicher Vielfalt und erfolgreichen „creator-owned“ Comics von bekannten Autoren und Zeichnern punktet und damit einen klaren Gegenpol zu den „Big Two“ Marvel und DC bildet.

Bambule
pit-reisst-aus.jimdo.com, Andi Lirium
Der Hamburger Künstler Andi Lirium hat nach Punkrock Heartland eine weitere Geschichte im Punk-Milieu gezeichnet. Diese ist recht politisch, „größtenteils autobiographisch“ und steht auf seiner Homepage komplett zum Download zur Verfügung (unten nach den acht Vorschau-Seiten auf das PDF-Symbol klicken).

Schisslaweng
marvcomics.com, Marvin Clifford
Ebenfalls mehr oder weniger autobiographisch: Die neue Webcomic-Reihe von Marvin Clifford (Shakes & Fidget), die seit Anfang Dezember läuft und mittlerweile auf sechs Folgen angewachsen ist. Jeden Mittwoch gibt es eine neue Episode aus dem „turbulenten (oder auch nicht turbulenten) Alltag eines Comiczeichners“.

Keller
comicmatscher.blogspot.de, Matthias Lehmann
Eine schöne 14-seitige Kurzgeschichte, die Matthias Lehmann auf seinen Blog gestellt hat. Bis vor kurzem war dort auch noch ein feiner Fortsetzungscomic zu finden, der aber inzwischen wohl leider gelöscht wurde. Schade, denn Lehmanns tolle Zeichnungen sind gedruckt bislang leider sehr rar (zuletzt zu sehen in dem „Kunst-Comic“ über Claude Monet im Prestel Verlag).

Am Anfang war die Sonne
Zeit Online, Evelyn Finger
Zeit Online besucht Jens Harder, der gerade am zweiten Teil seiner Trilogie arbeitet, die mit Alpha. Directions begann.

X:enius – Comics, Manga und BD… – Wissen über die 9. Kunst
YouTube, Mediacontainer
Das Wissensmagazin X:enius von Arte beschäftigt sich eine knappe halbe Stunde mit Comics. Unter anderem dabei: Johann Kiefersauer (Mecki), Inga Steinmetz (Alpha Girl), Clément Baloup, Reinhard Kleist und der Donaldist Martin Söllig. Überraschungsarme Sendung für jene, die sich mit Comics auskennen, für interessierte Neulinge aber sicher interessant.

Deutsch-deutsche Geschichten: Interview mit Thomas Henseler und Susanne Buddenberg

Thomas Henseler und Susanne Buddenberg dürften aufmerksamen Comicfans durch ihre beiden dokumentarischen Comics zur deutsch-deutschen Vergangenheit ein Begriff sein. Bis vor kurzem war eine ihrer Kurzgeschichten zum Thema Berliner Mauer in der Berliner U-Bahn zu besichtigen, nicht weit vom ehemaligen „Tunnel 57“. Diese exklusive Ausstellung ist inzwischen abgehängt, aber bereits diesen Monat wird es in einer Vernissage des Berliner avant-Verlags gleich mehrfach Gelegenheit geben, die beiden Künstler und ihr Werk näher kennenzulernen (siehe Ankündigung des avant Verlags).

Im Januar 2013 hatte unser Redakteur Christian Muschweck die Gelegenheit, mit den beiden Künstlern ein Interview per E-Mail zu führen.

 

Comicgate: Ihr habt euch schon in eurem Comic Grenzfall mit der deutsch-deutschen Geschichte auseinandergesetzt. Woher kommt dieses Interesse an genau diesem Thema?

GrenzfallThomas Henseler und Susanne Buddenberg: Als Storyboarder waren wir an einigen Filmproduktionen zum Thema DDR beteiligt. In der Auseinandersetzung mit der Thematik stellten wir fest, wie wenig wir eigentlich über das Leben in der DDR wussten. Wir wollten mehr über den Alltag in einer Diktatur erfahren und fanden natürlich besonders spannend, wie es ist, dagegen aufzubegehren. Wir dachten uns, so eine Geschichte könnten wir auch in Comicform erzählen. Wir sind dann im Internet auf der Seite jugendopposition.de auf die Kurzbiografie Peter Grimms, der Hauptfigur aus Grenzfall, gestoßen. Seine Geschichte las sich wie aus einem Lehrbuch für Dramaturgie, wie eine Blaupause für einen Thriller: Es gab Protagonisten und Antagonisten, unerwartete Wendepunkte und zum Schluss noch eine überraschende Auflösung. Das hätte man sich als Drehbuchautor gar nicht besser ausdenken können. So entstand unser Ansatz für einen dokumentarischen Comic.

BERLIN hat auf mich einen recht didaktischen Eindruck gemacht [unsere Rezension], was bei einer Zusammenarbeit mit der „Bundesstiftung Aufarbeitung“ ja sicherlich gewollt ist. Von wem ging der Impuls für diese Zusammenarbeit aus?

Die Ideen zu den Comicprojekten Grenzfall und BERLIN – Geteilte Stadt sind von uns. Bei der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ hatten wir Anträge zu den jeweiligen Comicprojekten eingereicht und diese sind auch bewilligt worden. Inhaltlich hatten wir keine Auflagen und konnten die Comics nach unseren Vorstellungen umsetzen. Dabei sind wir von der Stiftung immer konstruktiv und motivierend unterstützt worden. Die historischen Hintergrundinformationen, die einen didaktischen Eindruck machen können, sind immer Teil der Konzeption gewesen. Die einzelnen Storys sollten in einen größeren Zusammenhang eingebettet werden, um die Gesamtsituation deutlich zu machen und Entwicklungen aufzuzeigen. Dadurch, dass die einzelnen Geschichten weiter mit Fakten unterfüttert wurden, konnten wir deutlich machen, dass es keine singulären Erscheinungen, sondern gesamtgesellschaftliche Entwicklungen waren. Diesen Infoteil wollten wir aber so kurz, prägnant und anschaulich wie möglich halten, schließlich liest man einen Comic.

Ich würde gerne mehr über die Entstehung des Buchs erfahren. Wie war die Arbeit mit den Zeitzeugen, ab wann wurden die historischen Beiträge geschrieben etc.?

Die Arbeit mit den Zeitzeugen war ganz wunderbar: Man hatte uns zu sich nach Hause eingeladen, ganz viel persönliches Material zur Verfügung gestellt, für uns die Fotoalben geöffnet und uns in stundenlangen Interviews Fragen beantwortet. Außerdem hatten wir historische Berater, die uns über den ganzen Entstehungszeitraum des Buches begleitet haben. Die Zeitzeugen und die Berater haben wir in jede Phase der Entstehung mit einbezogen und ihre Anregungen aufgenommen. Wir konnten jederzeit nachfragen, wenn etwas unklar war und durch ihre Hilfe größere Fehler vermeiden.

Wir mussten uns in die Figuren und ihre Geschichten hineindenken, haben auf dieser Grundlage ein Drehbuch geschrieben. Wenn sich dies dann für alle Beteiligten gut anfühlte, waren wir schon mal auf dem richtigen Weg. Die historischen Beiträge entstanden parallel zur Comicentwicklung.

Wie kann man sich eure Arbeitsteilung vorstellen?

Die Chronologie der Arbeitsschritte ist folgende: Ideenfindung und Konzeption, Recherche, Interviews, Drehbuchentwicklung, Auflösung der Bilder in Einstellungen, Skizzen, Seitenaufteilung, Zeichnung und Kolorierung. Die meisten Entwicklungsschritte entstehen in Teamarbeit und wir diskutieren sehr viel. Sehr intensiv wird die Auseinandersetzung, wenn wir in der Auflösung der Geschichten um jedes einzelne Panel feilschen und versuchen, den bestmöglichen Blickwinkel zu finden. Hier entstehen schon die ersten Thumbnails, die als Grundlage für die weitere Seitenaufteilung dienen. Dann fertigt Thomas die Zeichnungen und Susanne die Grauwerte der Seiten an.

Die Geschichten stellen in gewisser Weise auch eine Chronologie der Mauer dar, von der ursprünglichen Abriegelung bis zum 9. November 1989, als die Mauer fiel. Es gäbe sicherlich noch Hunderte interessanter Geschichten zu erzählen. Gibt es Zeitzeugenberichte, die zur Auswahl standen, die aber dann aus Platzgründen nicht genommen wurden? Gibt es die eine oder andere Anekdote?

Berlin, ein dokumentarischer ComicNa ja, so groß war die Auswahl auch wieder nicht, weil die Geschichten bestimmte Kriterien erfüllen sollten: 1. Die Zeitzeugen mussten damit einverstanden sein, dass ihre Lebensgeschichte in Comicform verarbeitet wird und sie mussten für Interviews zur Verfügung stehen. 2. Die Protagonisten der Geschichten mussten zum Zeitpunkt der Handlung Schüler oder junge Erwachsene sein. 3. Die Geschichte musste in die historische Chronologie passen, wir wollten einen Bogen vom Mauerbau bis Mauerfall spannen. 4. Der authentische Ort musste noch soweit intakt sein, dass man die damaligen Ereignisse heute noch vor Ort gut nachvollziehen kann. 5. Die verschiedenen Orte sollten in relativer Nähe zueinander liegen und gut erreichbar sein, da der Comic auch als historischer Stadtführer genutzt werden kann. Die Haupthandlungsorte im Comic sind Bahnhof Friedrichstraße, das Lazarus-Krankenhaus an der Bernauer Straße, das heutige Finanzministerium, das Brandenburger Tor und der ehemalige Grenzübergang an der Bornholmer Straße.

Es hätte schon noch ein paar Zeitzeugenberichte gegeben, die wir gerne mit in das Buch genommen hätten. Zum Beispiel die Geschichte vom „Tunnel 57“. Hier geht es um eine Tunnelflucht unter der Bernauer Straße hindurch, wobei 57 Menschen unter dramatischen Umständen die Flucht von Ost- nach West-Berlin gelang. Diese Geschichte bietet alles, was eine spannende Geschichte ausmacht: Liebe, Lüge, Verrat und Tod. Nur den authentischen Ort, den Tunnel, den gibt es natürlich nicht mehr, was dann auch das Ausschlusskriterium war, die Geschichte nicht mit ins Buch zu nehmen. Später hatten wir dann aber doch noch die Möglichkeit bekommen, die Geschichte zu erzählen und zwar in einer Ausstellung im U-Bahnhof Bernauer Straße, ganz nah am authentischen Ort. Die Geschichte war dort für alle Besucher auf
3,50m x 2,50m großen Tafeln zu lesen und hing dort vom 3. Oktober (dem Jahrestag der Flucht) bis Mitte Dezember 2012.

[Aktuelle Information: Auch Tunnel 57 erscheint demnächst als Comic. Näheres dazu hier.]

Wie geht es den interviewten Personen eigentlich heute? Konnten sie sich ohne weiteres an ihre neuen Lebensumstände anpassen? Gab es Gewissensbisse? Vielleicht auch Unsicherheiten, Ängste? Wurde die DDR-Vergangenheit verdrängt oder war man vielleicht sogar ein bisschen stolz darauf?

Im Mittelpunkt der Interviews mit unseren Zeitzeugen stand in erster Linie ein kurzer Zeitraum im Leben der Protagonisten, der existenzielle Folgen hatte und einen Wendepunkt in deren Leben beschreibt. Wir fragten auch nach der Motivation, also welche Ereignisse oder Entwicklungen zu dieser bestimmten Entscheidung geführt haben. Allen Zeitzeugen gemeinsam ist, dass sie sehr integre Persönlichkeiten sind, die ihren eigenen Weg gegangen sind. Wir sind herzlichen, offenen, neugierigen und jung gebliebenen Menschen begegnet. Die Zeit nach den Ereignissen war nicht Gegenstand unserer Untersuchung und danach haben wir die Zeitzeugen nicht direkt befragt.

Was wir wissen, ist, dass Regina Zywietz nach ihrer Flucht zuerst bei ihrer Lehrerin wohnte, die sie mit Unterkunft, Essen und Kleidung versorgte; sie hatte bei ihrer Flucht nur die Kleider, die sie buchstäblich am Leibe trug, sie konnte ja nichts mitnehmen. Wie sich jeder vorstellen kann, ist es nicht besonders angenehm, so von anderen abhängig zu sein. Ihre Eltern hatte sie erst einige Jahre später wiedersehen können, als es das Passierscheinabkommen gab.

Familie Holzapfel, die spektakulär mit einer Seilbahn geflüchtet ist und für sich keine Alternative mehr in der DDR gesehen hatte, bereute ihre Flucht in den Westen keinen einzigen Tag.

Jan Hildebrandt, der den Mauerfall an seinem 18. Geburtstag miterlebt hatte, freut sich auch heute noch jedes Mal, wenn er dort, wo früher die Mauer stand, einfach ungehindert weiterfahren kann.

 

Wäre eine Fortsetzung des Projekts denkbar?

Eine Fortsetzung des Projektes wäre schon denkbar, vorausgesetzt wir finden neue Perspektiven, Aspekte und Erzählformen. Und ob die Fortsetzung für sich alleine stehen kann. In BERLIN haben wir kurze spektakuläre Geschichten mit existenziellen Entscheidungen in einem historischen Kontext erzählt. Für längere epischere Ausführungen, wie zum Beispiel das Leben der Zeitzeugen nach der Flucht bis heute, haben wir im Moment nicht die personellen Kapazitäten – es sei denn, wir ziehen nach Japan und haben ganz viele Assistenten : )

Uns freut jedenfalls, dass es Leser gibt, die sich für dokumentarische, authentische Geschichten in Comicform interessieren. Denn was der Dokumentarfilm kann, kann der Comic auch auf ähnliche Weise, mit seinen eigenen Mitteln.

Wie schwierig und aufwändig war denn die Suche nach geeignetem Bildmaterial?

Wir haben wochenlang ganz unterschiedliche Materialien und Quellen gesichtet: sehr viele Bücher zum Thema, im Internet und in Facharchiven. Einiges war schon durch die Arbeit am Grenzfall-Comic vorhanden. Aber trotz dieser Vorkenntnisse war die Suche nach dem Bildmaterial sehr aufwendig. Ganz besonders hilfreich war die Möglichkeit, in der Gedenkstätte Berliner Mauer zu recherchieren. Die Dokumentation zum Mauerbau in den verschiedenen Jahrzehnten, insbesondere zur Bernauer Straße, ist hier sehr umfangreich.

Aber auch unsere Zeitzeugen waren eine große Hilfe, was Fotos anbelangt: so stellte man uns Familienfotos zur Verfügung, die wir verwenden durften. Familie Holzapfel hat uns außerdem mit Zeitungsausschnitten aus den 1960er Jahren versorgt, die über ihre Flucht berichteten. Im heutigen Ministerium der Finanzen (dem damaligen Haus der Ministerien), von dem die Holzapfels geflüchtet sind, haben wir an einer Führung durch das Gebäude teilgenommen, sodass wir uns ein Bild vor Ort machen konnten. So konnten wir historische Aufnahmen mit Fotos von heute abgleichen. Durch diese verschiedenen Quellen konnten wir uns die damalige Situation sehr plastisch vorstellen.

Wie findet ihr den Umgang mit der DDR-Vergangenheit in der deutschen Medienlandschaft? Seht ihr das Problem einer ostalgischen Verklärung angesichts von Filmen wie „Goodbye Lenin“ oder „Sonnenallee“? Und wie groß ist die Gefahr, das alles zu historisieren, mit einem Gefühl des Abschlusses und dass dieses Thema keine Relevanz mehr für die Gegenwart hat?

Dass das Thema keine Relevanz mehr hat, können wir nicht feststellen. Eher im Gegenteil: das Medieninteresse zum Erscheinen unseres Buches war groß (selbst die Tagesschau berichtete) und die Reaktionen der Leser sind sehr positiv. Ganz unmittelbar bekommen wir dies bei Lesungen mit, die wir auch in Schulen geben. Auch gab es schon einzelne rührende Leserbriefe. Wir treffen dabei immer wieder auf Menschen aus Ost und West, die über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Mauer erzählen: egal ob sie Taxifahrer, Fliesenleger oder Radiomoderatoren sind. Das BERLIN-Buch bietet hier die
Möglichkeit, sich mit der Vergangenheit und vielleicht mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen, die dann in die Gegenwart hineinwirkt.

Was unterscheidet eine erzählte Anekdote von einer gezeichneten Anekdote? Welchen Sinn macht es überhaupt, Zeichnungen beziehungsweise Bildergeschichten von den Erinnerungen der Menschen anzufertigen?

Bei einer erzählten Anekdote macht sich der Leser sein eigenes Bild, es wird aber sehr von dem erinnerten realen Bild, das der Zeitzeuge im Kopf hat, abweichen. Bei einer gezeichneten Anekdote, so wie wir es gemacht haben, ist das Bild, das der Leser sieht, sehr genau mit dem Erinnerungsbild des Zeitzeugen abgestimmt. Auch kann sich eine einzelne Person nicht immer an alles erinnern, was schon viele Jahre zurückliegt. Aber je mehr wir recherchiert haben, je mehr Personen wir zu einem bestimmten Ereignis befragen konnten, umso genauer wird dieses Bild. Viele von Ihnen sind heute 70, einige sogar 80 Jahre alt. Wenn sie sterben, ohne dass dieser Bilder- und Erfahrungsschatz dokumentiert ist, ist er für immer verloren.

Bei der Darstellung von Geschichte im Comic muss man immer ein wenig die Informationsdichte der historischen Literatur reduzieren. Natürlich ist didaktische Reduktion eines der Grundprinzipien im Schulunterricht, trotzdem erscheint mir die Ausdrucksmöglichkeit im Comic begrenzt. Sicher hat der historische Comic aber auch seine Berechtigung und seine Vorzüge. Was meint ihr?

Szene aus dem Comic BerlinIn der Geschichte „Das Krankenhaus an der Mauer“ im BERLIN– Buch haben wir versucht, die genauen Todesumstände von Ernst Mundt zu rekonstruieren: Auf einer Friedhofsmauer balancierend versuchte er, von Ost- nach West-Berlin zu gelangen und wurde, kurz bevor er die rettende andere Seite erreichte, von einem DDR-Transportpolizisten erschossen. Mitarbeiter des Lazarus-Krankenhauses konnten nicht helfen, weil er sich auf DDR-Gebiet befand. Für unsere Recherche konnten wir die Archive der Stiftung Berliner Mauer nutzen: Wir sichteten Text-Dokumente, Ortspläne und Fotos aus der polizeihistorischen Sammlung über den Vorfall, konnten die Interviews von Herrn und Frau Malchow (unseren beiden Hauptfiguren in der Geschichte, die im Krankenhaus arbeiteten) einsehen, hatten einen Filmbericht der Berliner Abendschau, die über den Vorfall berichtete zur Ansicht, einen RIAS-Mitschnitt einer Augen- und Ohrenzeugin zur Verfügung und Fotos von Ernst Mundt, wie er aussah und welche Kleidung er an dem Tag trug. Aus diesen unterschiedlichen Quellen ergab sich allmählich ein recht klares Bild, wie bei einer Tatort-Rekonstruktion konnten wir die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen.

Bei Tatort-Fotos liegt es in der Natur der Sache, dass die Orte nach der Tat gezeigt werden. Bei unserer zeichnerischen Interpretation, die so genau wie möglich den eigentlichen Tathergang beschreiben sollte, lassen wir den Leser mit Ernst Mundt über die Mauer flüchten, der Leser ist ganz dicht dran und sehr viel emotionaler beteiligt als bei einer nüchternen Tatortbeschreibung. Der Geschichtscomic hat hier Möglichkeiten, wie es sonst nur Reenactment-Einspielungen im Dokumentarfilm haben.

Kann man sagen, dass eure künstlerischen Einflüsse im filmischen Storyboard liegen? Welche Comiczeichner beziehungsweise welche Comicerzähler haben euch dann beeinflusst?

Wir denken sehr filmisch, das heißt, Texte und Bilder werden vor unserem inneren Auge sehr schnell in Sequenzen umgesetzt. In Bildern zu denken und visuell zu erzählen haben wir während des Studiums an der Filmhochschule gelernt. Dort haben wir für eigene Filmprojekte die Drehbücher immer schon in Storyboards vorvisualisiert. Später haben wir dann professionell als Storyboarder für TV-Serien, Event-Movies und Kinofilme gearbeitet. Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls hatten wir dann an mehreren Filmen mitgearbeitet, die sich mit der DDR und dem Mauerfall beschäftigt hatten, und das fanden wir dann so spannend, dass wir dem Thema treu geblieben sind. Unsere Comicprojekte planen wir ähnlich wie ein Filmprojekt: angefangen von Stoffentwicklung und Dramaturgie über Casting und Locationssuche, Szenenbild, Requisite, Kostüm- und Maskenbild bis Kameraeinstellungen und Schnitt. Mit diesen filmischen Mitteln möchten wir den Leser in die Geschichte hineinziehen. Über eine extravagante Seitengestaltung würde der Leser eher reflektieren, dies würde ihn von der Geschichte ablenken. Diese Erzählweise finden wir auch bei unseren Vorbildern Jiro Taniguchi und Naoki Urasawa so gut. Bei Taniguchi ist die unaufgeregte, sachliche, sensible, sich Zeit lassende Erzählung sehr inspirierend, bei Urasawa das emotionale, ausdrucksstarke, mitreißende Storytelling. Interessant bei Taniguchi und Urasawa ist auch, wie die fotorealistischen Hintergründe sehr gut mit den Figuren korrespondieren. Bei beiden ist auch die Hell-Dunkel-Gestaltung sehr gelungen. Beide haben natürlich einen viel größeren Mitarbeiterstab, müssen sehr viel mehr Seiten produzieren, aber können dadurch auch viel epischer und umfangreicher erzählen, als wir mit zwei Leuten es könnten. Und wir möchten nicht vergessen, Joe Sacco, den Begründer des Comicjournalismus, zu erwähnen, dessen Reportagen bezüglich Zeitzeugen, Interviews, akribischer Recherche, detailtreue und realistische Darstellung uns sehr beeinflusst haben.


Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!

Grenzfall und Berlin – geteilte Stadt sind im avant Verlag erschienen.

© Fotos: Anna Schmelz; Abbildungen: Thomas Henseler und Susanne Buddenberg

Frenchman

Cover FrenchmanDer französische Zeichner, Autor und Kolorist in Personalunion, Patrick Prugne, konnte in den letzten Jahren die deutsche Leserschaft schon mit mehreren Alben für sich gewinnen: sowohl Canoe Bay als auch Die Herberge am Ende der Welt (sowie das etwas ältere Fol) wussten die geneigten Betrachter mit ihren Aquarellbildern zu fesseln. Prugnes Sujets waren den breit angelegten Panels, die man für Aquarelle benötigt, damit diese Technik gut wirken kann, auf gelungene Art und Weise angepasst. Canoe Bay spielte in den frühen Siedlungszeiten der USA, also vor der Epoche, die gemeinhin als Western gilt, und Die Herberge am Ende der Welt spielte an einer Küste und wusste mit beeindruckenden Meereseindrücken zu punkten. Man konnte also gespannt sein, wohin Prugne seine Leser diesmal mitnimmt.

Bereits die Ankündigung weckt sowohl Enttäuschung als auch Freude. Denn ebenso wie Canoe Bay spielt Frenchman in den frühen Jahren der USA. Für Fans des ersteren ist das erfreulich, denn sie wissen, was sie erwarten können, aber man kann auch enttäuscht sein, da Frenchman wie eine Kopie daherkommt und sich auf altvertrautem Grund bewegt. Als ob Prugne seinen Erfolg mit einem artverwandten Band sicherstellen wollte. Dass er diese Zeit liebt, wie man anhand des umfangreichen Bonusmaterials mit den detaillierten Studien erkennen kann, ist dabei ein Pluspunkt. Aber leider ist die Story nicht sonderlich überzeugend.

1803 trat Napoleon Bonaparte den Staat Louisiana für sechzehn Millionen Dollar an die USA ab. Ein Konflikt zwischen den Amerikanern und den französischstämmigen Siedlern war vorprogrammiert. Die Handlung des Bandes setzt 1804 ein, als die französische Armee unter per Losentscheid Soldaten rekrutiert. Der junge Alban hat Glück und muss nicht dienen, aber dafür sein Freund, der auch der Verlobte von Albans Schwester ist. Da dieser aber adlig ist, kauft ihn sein Vater frei und denunziert Alban als vermeintlichen Deserteur. Alban wird in den Dienst gepresst, während Louis de Mauge zurückgeschickt wird. Doch Louis ahnt nichts von den Hintergründen. Alban gerät schnell in Schwierigkeiten und flieht mit einem Trapper in die unbekannte Wildnis, verfolgt von Kopfgeldjägern. Louis schließt sich einer Gruppe Banditen an, um Alban möglichst sicher heimbringen zu können, aus Ehrempfinden und weil er es Albans Schwester versprochen hat. In der Wildnis entscheidet sich das Schicksal aller Personen.

Seite aus FrenchmanWas erhebliches dramatisches Potential in sich birgt und schon fast nach Klassikern wie James Fenimore Cooper (Lederstrumpf) und Alexandre Dumas klingt, wird aber allzu schnell merkwürdig ausgebremst. Zu stark und zu schnell verschleppt Prugne die Story und verliert sich ebenso wie seine Protagonisten in die Weiten des Westens. Das liegt vor allem an seinem hervorragenden Stil der Aquarellmalerei. Wie schon in Canoe Bay schwelgt Prugne und mit ihm auch der Leser in den beeindruckenden Panoramapanels. Sie kommen gut zur Geltung und die Technik korreliert hervorragend mit den Naturansichten. In dieser Hinsicht ist Frenchman ein sehr schöner Band.

Aber leider kann er inhaltlich nicht mit seinen Vorgängern mithalten. Zum einen ist er zwar ein typischer Frühwestern, der die kärgliche Besiedlung, den Rassismus und die Staatenformung mit einer Huldigung an die ungezähmte Natur verbindet, aber zu sehr in den Genrekonventionen verhaftet bleibt, um dem ganzen etwas Neues abgewinnen zu können. Zum anderen liegt der Schwerpunkt zu sehr auf der Optik, die alles beherrscht. Das ist für einen Comic prinzipiell nicht schlecht, aber die Dramaturgie sollte nicht vernachlässigt werden. Man bekommt den Eindruck, dass sich Prugne ab der Hälfte des Bandes nicht mehr für die eigene Geschichte interessierte. Dazu gehört, dass die Figuren zu blass bleiben, um wirklich Identifikationspotential besitzen zu können. Diese Eindimensionalität ist enttäuschend. Und ähnlich wie die Figuren verliert sich die Story in den Weiten Amerikas. Das Ende hängt dann zu sehr in der Luft und der spannende historische Hintergrund kommt ebenso zu kurz wie der Rassismus und die Feindschaft zwischen Amerikanern und Franzosen. Da wäre insgesamt mehr drin gewesen. Und dass Prugne das kann, hat er schon bewiesen. Schade.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Kurzkritik: Figuren und Story verlieren sich allzu bald in den Weiten Amerikas, da das Hauptaugenmerk irgendwann nur noch auf der hervorragenden Optik liegt.

 

Frenchman
Splitter Verlag, Oktober 2012
Text und Zeichnungen: Patrick Prugne
Übersetzung: Tanja Krämling
104 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-499-4
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Kililana Song 1 – Eine Kindheit in Kenia

Cover Kililana SongAngesichts des Zweiteilers Kililana Song, dessen erste Hälfte letzten Herbst erschienen ist, ist es nahezu ein Wunder, dass noch keiner der Comics von Benjamin Flao auf Deutsch vorliegt. Abgesehen von einem kleinen Beitrag in der Anthologie Bob Dylan: Revisited aus dem Carlsen Verlag ist jedenfalls mir keine deutsche Veröffentlichung von Flao bekannt. Man kann man hier also wahre Entdeckung machen.

Zunächst mag man vielleicht etwas skeptisch sein, wenn ein französischer Autor und Zeichner eine Kindheit in Kenia schildern will. Schimmert da eventuell Kolonialromantik durch? Ist es ein pädagogisches Lehrstück über die bösen Taten der Westler, was zu politisch korrektem Sozialkitsch führen kann? Oder ein Buch in Richtung Kulturschock, das vornehmlich aufklären will? Wenn man den Band dann aufschlägt, ist schon nach wenigen Seiten klar, dass nichts davon vorliegt. Vielmehr wird ein kleines Panorama der kenianischen Gesellschaft entworfen. Alles im Miniformat, wobei jeweils eine Figur für eine generelle Lebensweise und Biographie stehen mag.

Das klingt jetzt nach einem großen und schweren Epos, das mit großer Gewichtung daherkommt und sich unter seinem eigenen Vorhaben beugt. Aber auch hier irrt man, denn der ganze Comic ist von einer schwebenden Leichtigkeit durchdrungen und trotz der vielfältigen Figuren und Sichtweisen übersichtlich und extrem unterhaltsam. Flao hat da einen wunderschönen und in seiner Schlichtheit schon fast genialen Einfall: der junge Elfjährige Naim. Dieser wird bei seinem ersten Auftritt von seinem sehr viel älteren Bruder durch die Straßen der Stadt gejagt und allein diese Verfolgungsjagd, welche sich durch fast den gesamten ersten Band zieht, ermöglicht es, verschiedene Stationen der Stadt und ihrer Einwohner abzuklappern, und stellt so viele verschiedene Lebensentwürfe quasi im Vorbeigehen vor. Dabei beschränkt sic Flao nicht auf die Afrikaner selber, sondern betrachtet auch westliche Geschäftemacher und Abenteurer, die in dem Land gestrandet sind. Naim jedenfalls möchte nicht in die Koranschule, wohingegen sein Bruder Hassan darauf besteht. Naim geht den ganzen Tag über seinem Bruder aus dem Weg, besorgt für einen alten Mann Rauschgift, führt Touristen, lernt eine nette Prostituierte kennen, einen geschwätzigen Stummen (generell einer der schönsten Einfälle seit langem!), einen Schmuggler und und und, womit seine Freunde noch nicht einmal aufgezählt sind. Die ganze Handlung des ersten Bandes spielt in nur zwei Tagen, wobei sich erst gegen Ende eine richtige Dramaturgie erschließt.

Seite aus Kililana SongAber ein solches Panorama von vielen verschiedenen Personen und deren Leben ist spannend genug, um den Leser vom ersten Bild an mitzureißen. Alle Episoden und Begegnungen ergeben eine Spannung und ein Tempo, wie es selbst manche Actionfilme nicht zustande bringen. Insgesamt liegt hier ein wirklich wunderschöner Band vor, dessen Zeichnungen Assoziationen an niemand geringeren als an Hugo Pratt wach werden lassen. Das bezieht sich vor allem auf die großen Panels, die mit Aquarelltechnik gestaltet sind und häufig auf Panelgrenzen verzichten.

Auch wenn Flaos Gesellschaftsschilderung mit leichter Hand entworfen ist, verschweigt er doch nicht die Missstände. Hier steckt wirklich alles drin: afrikanische Tradition, Moderne, Tourismus, Drogen, Kriminalität, Korruption, Behördenwillkür, Religion, Armut, der Kontrast zwischen westlichem Wunschdenken und afrikanischer Realität, Gewalt, Liebe, Herzlichkeit, Fanatismus, Animismus, und und und. Das erstaunlichste daran ist: Kililana Song wirkt niemals überladen. Oft genügen Flao kurze Szenen von wenigen Panels, um ein Thema deutlich zu machen und zu zeigen, dass auch dieser Aspekt in Kenia vorkommt. Und da der Held ein kleiner Junge ist, gibt es immer wieder auch sehr herzliche Momente und durch den Band zieht sich ein sehr dezenter Witz, der nicht nur köstlich, sondern bisweilen auch sehr intelligent ist. So denkt Naim etwa, als er seinem frömmelnden Bruder Hassan entwischt ist: „Hassan betet dauernd, weil er sich vor Gott fürchtet. Ich mich auch ein bisschen. Aber Gott kennt mich und deshalb bin ich beruhigt. Er wird mich schon verstehen.“ So viel in so wenigen Worten ausgesagt. Das ist wie die großen Panels, welche das Kolorit entfalten und sich so in einen ganz großen Wurf einbetten. Einer der schönsten Comics des Jahres.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Ein ganz großer Wurf, der mit leichter Hand eine afrikanische Gesellschaft mit all ihren Facetten schildert.

 

Kililana Song 1 – Eine Kindheit in Kenia
Schreiber und Leser, September 2012
Text und Zeichnungen: Benjamin Flao
Übersetzung: Resel Rebiersch
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,80 Euro
ISBN: 978-3-943808-01-8
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Links der Woche 1/13: And the world remembers his name

Neues Jahr, neue Nummerierung, neue Überschriften (ich versuche, passende Songzeilen zu finden. Mal sehen, wie lang das gutgeht).

Unsere Links der Woche, Ausgabe 1/2013:

 

Zeichnen, um zu überleben
Spiegel Online, Stefan Pannor
Keiji Nakazawa 1939 – 2012
tagesspiegel.de, Lars von Törne 
Historische Aufklärung in der populären Kunst
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Martin Jurgeit 
Keiji Nakazawa, 1939-2012
The Comics Journal, Matt Thorn 
An Weihnachten wurde bekannt, dass am 19. Dezember der japanische Comickünstler Keiji Nakazawa gestorben ist. Er wurde mit seinem Manga Hadashi no Gen (Barfuß durch Hiroshima) berühmt und ist mit diesem Werk mitverantwortlich dafür, dass japanische Comics auch im Westen Fuß fassen konnten. Hier eine Auswahl aus den zahlreichen Nachrufen.

Große Götter und kleine Mädchen
Telepolis, Ulrike Heitmüller
Die Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hat eine Broschüre über „Religiöse Themen in der Manga-Literatur“ veröffentlicht. Telepolis führte ein Interview mit dessen Autor, dem österreichischen Religionswissenschaftler Franz Winter.

Die Jahresend­weihnachtsgala
Yay, Comics!, Carlito und Mike
Ein Comic-Jahresrückblick zum Hören. Der Podcast Yay, Comics! hat zahlreiche Comicmenschen (u.a. Sarah Burrini, Stefan Dinter, Naomi Fearn, Comicgate-Pilotin Frauke Pfeiffer und die Mannschaft des Groben Unfug) zu ihrem Comicjahr 2012 befragt. Zwei unterhaltsame Stunden sind das Ergebnis ( direkt zum MP3).

Jahresrückblick 2012
Splashcomics, Jons Marek Schiemann, Christel Scheja, Bernd Glasstetter, Marcus Koppers
Vier Jahresrückblicke von Mitarbeitern der Website Splashcomics, die jeweils auf ihr ganz persönliches Comicjahr 2012 zurückschauen.

Die Wissenschaft vom Comic – Comicwissenschaft
YouTube, Mediacontainer
Die Bügel- Nachmittagssendung Hallo Hessen im Hessischen Rundfunk wollte den 65. Geburtstag von Dagobert Duck feiern und lud sich dazu den Comicforscher Bernd Dolle-Weinkauf ins Studio ein. Der dann gleich mal zum Einstieg klarstellte, dass Comicfiguren gar keinen echten Geburtstag haben.

Die Cover für 2013
Comicforum/Gratis-Comic-Tag, Bernd Glasstetter
Am 11. Mai 2013 verteilen Comichändler zum dritten Mal eigens produzierte Gratiscomics an die Kundschaft. Welche Comics es diesmal gibt und wie ihre Cover aussehen, wurde im Comicforum bekanntgegeben.

Grimoire Vol.: 1 Wandering Destiny
startnext, comic-culture-team
Auch der kleine Comic Culture Verlag versucht sich am Crowdfunding. Mit Hilfe der Leser soll eine Neuauflage des ersten Bands von Grimoire von Marika Herzog finanziert werden. Damit ist dieser Versuch das erste Manga-Crowdfunding-Projekt in Deutschland. Aktuell steht die Finanzierung bei 10% und läuft noch 40 Tage lang.

Die Liga der Internet-Schurken
Digitale Gesellschaft, Gregor Sedlag
Der Lobbyverband Digitale Gesellschaft hat im Dezember einen Fortsetzungscomic als Adventskalender veröffentlicht. Die Schurken der Superheldenstory sind netzpolitische Reizthemen wie der Bundestrojaner, das ACTA-Abkommen oder ein Abmahnanwalt. Ihnen treten Hacker und Aktivisten als Helden entgegen. Inzwischen ist der Comic komplett online lesbar, beim Hackerkongress 29C3 in Hamburg wurde auch eine gedruckte Auflage verteilt.

Jacques Tardi refuse la Légion d’honneur
Le Monde 
„Das lehne ich mit der größten Entschlossenheit ab“
tagesspiegel.de, Lars von Törne 
Comicautor und -zeichner Jacques Tardi sollte den Orden der französischen Ehrenlegion bekommen, eine hohe Auszeichnunge des französischen Staates. Tardi jedoch lehnte ab: Er wolle frei bleiben und sich von keinerlei Machthaber abhängig machen. Mit seiner Verweigerung stellt sich Tardi in eine Reihe mit etlichen Berühmtheiten, die den Orden ebenfalls ablehnten.

2012 : prolifération et polarisation (PDF)
ACDB, Gilles Ratier
Der zahlen- und faktenreiche Jahresrückblick 2012 für den französischen Markt, zusammengestellt vom Kritikerverband ACBD. Demnach erschienen in Frankreich im letzten Jahr 5.565 Comics, davon 4.109 Erstveröffentlichungen (eine Steigerung um 4,28% gegenüber dem Vorjahr). Unter den 326 Verlagen dominieren vier große Gruppen den Markt, die für knapp 45% der Publikationen verantwortlich sind.

Mohammed-Comic ist „völlig halal“
taz, Rudolf Balmer
Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo sorgte mal wieder mit einer kalkulierten Provokation für großes Presseecho. Am 2. Januar erschien ein Sonderheft mit der Biographie des Propheten Mohammed in Comicform, gezeichnet von Chefredakteur Charb. Zwar gab es noch vor Erscheinen des Hefts verschiedene besorgte und empörte Reaktionen, aber insgesamt blieb es ruhig, wie die SZ schreibt: „Die Reaktionen von islamischer Seite sind bisher so gut wie inexistent. Es ist, als wären die Frommen diesmal schlauer als die Frechen.“

Death! Sex! The Comic Book Sales Bump
Bloomberg Businessweek, Eric Spitznagel
Im Rahmen der Marvel-NOW!-Neustarts endet Amazing Spider-Man mit Ausgabe 700 um ab Januar von Superior Spider-Man abgelöst zu werden. Damit einher geht eine massive Änderung, was die Hauptfigur angeht (Achtung Spoiler, der Link verrät einiges!). Die Marvel-PR nennt es „the single most seismic shift in Spider-Man’s history“. Autor Dan Slott bekam daraufhin Morddrohungen und das Heft 700 verkaufte sich natürlich bestens. Aus diesem Anlass nennt das Wirtschaftsmagazin Businessweek die vier sichersten und lukrativsten Methoden, die man anwenden kann, um die Verkaufszahlen zu steigern.

I’m ready
American Elf, James Kochalka
Am 31. Dezember beendete James Kochalka sein Comic-Tagebuch American Elf. Seit Oktober 1998 hat er jeden Tag (mit nur einem Tag Pause!) einen Kurzcomic aus vier Panels veröffentlicht, der aus seinem Leben erzählt und damit ein eigenes Genre begründet (dass der deutsche Pionier des Tagebuch-Comicbloggens, Kurt Schalker, ganz ähnlich heißt, ist einer der vielen unergründlichen Zufälle in der Wunderwelt des Comics). Hier sein letzter Strip.

Topcomics 2012 – Die Favoriten der Redaktion

Das Jahr 2012 ist endgültig vorbei, und damit wird es auch für uns Zeit, noch einmal zurückzuschauen auf die besten Comics, die im vergangenen Jahr erschienen sind. Die Comicgate-Redakteure haben wieder ihre ganz persönlichen Listen mit ihren Lieblingscomics des letzten Jahres zusammengestellt. Ganz subjektiv, mal mit und mal ohne Reihenfolge, mal drei, mal fünf, mal zehn Nennungen – hier sind unsere Topcomics 2012!

Unsere Topcomics der Vorjahre: 20092010 und 2011.

DIE TOP 5 VON BENJAMIN VOGT

Morning Glories 2Morning Glories
von Nick Spencer und Joe Eisma
Panini Comics
je 19,95 Euro

Sechs Jugendliche werden unverhofft an der Elite-Akademie Morning Glory angenommen. Damit werden sie Teil einer Konspiration sadistischer Pädagogen. Weshalb werden die Schüler dort festgehalten? Warum müssen sie grausame Tests durchstehen? Welches große Geheimnis verbirgt sich hinter den Mauern der Schule? Nick Spencers Serie ist extrem undurchsichtig, mysteriös, (übersinnlich?) und wartet an jeder Ecke mit einer überraschenden Wendung oder einem Cliffhanger. Flashbacks und persönliche Verwicklungen aus der Vergangenheit der Figuren verhelfen zu einem Lost-artigen Gesamteindruck. Wenn Spencer weiß, worauf er mit dieser Serie zusteuert, dann kann daraus ganz Großes entstehen. Einen großartigen Lesespaß bereiten bereits die ersten beiden deutschen Sammelbände.
[Rezension bei Comicgate]

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Blast 1 – Masse
von Manu Larcenet
Reprodukt
29 Euro

Ein grotesker Mann unter Mordverdacht, gepeinigt vom Blast, einem visionärem Anfall. Manu Larcenets neues Projekt beginnt denkbar beeindruckend. Mit wenigem Mitteln und einer messerscharfen Charakterisierung entwickelt er einen ungewöhnlichen Psychothriller. Wie die Geschichte weitergeht, wird äußerst spannend zu beobachten sein.
[Rezension bei Comicgate]

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SupergodSupergod
von Warren Ellis und Garrie Gastonny
Panini Comics
je 16,95 Euro

Bei diesem Band handelt es sich weniger um einen Comic, wie man ihn im klassischen Sinne erwarten würde, sondern vielmehr um eine retrospektive Erzählung. Berichtet wird von der Apokalypse, die die Menschheit selbst verschuldet hat. Im Zuge des globalen Wettrüstens erschufen die Staaten ihre eigenen Überwesen. Die Situation gerät außer Kontrolle, die neu geborenen Supersoldaten begreifen sich schnell als der Menschheit überlegene Götter.
Ähnliche Ansätze (Überwesen, politische Implikationen, Außerirdische) ist man von Ellis bereits gewohnt, selten hat er die Stücke so konsequent und in sich abgeschlossen zusammengeführt. Das ist narrativer und grafischer Größenwahn, eben passend zum Ende aller Menschen. Ein Comic des Autors, der nach Transmetropolitan und Planetary endlich mal wieder so richtig vorzeigbar ist.

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A God Somewhere
von John Arcudi und Peter Snejbjerg
Panini Comics
24,95 Euro

Noch ein Comic zum Thema „Gott“ in den Top 5. „Die menschlichste Version der Geschichte eines Superhelden, die ich je gesehen habe.“ sagt Mike Mignola. Dem bleibt eigentlich kaum etwas hinzuzufügen. Die Geschichte von einem Mann, der zum Helden wird und anschließend zum weltentrückten Gott und seinem Freund, der daran verzweifelt, ihn noch irgendwie zu erreichen. Der Einzelband aus dem Hause Vertigo ist brillant erzählt, berührt und schockiert.

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Quai d' OrsayQuai d’Orsay
von Christophe Blain und Abel Lanzac
Reprodukt
36 Euro

Ein Blick hinter die Kulissen der französischen Poltitik. Außenministers Alexandre Taillard de Vorms  muss Reden halten, Krisen abwenden und seine verqueren Visionen verbreiten. Das ist neben all den spannenden Bezügen zum realen Geschehen vor allen Dingen herrlich amüsant. Das umfangreiche Album ist aus vielerlei Gründen als eines der ganz großen Higlights der vergangenen Jahre zu bezeichnen.

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DIE TOP 3 VON KATRIN WEISS

Vinland Saga 41. Vinland Saga
von Makoto Yukimura
Carlsen Manga
je 7,95 Euro

Wikinger sind nicht unbedingt ein typisches Sujet für eine deutsche Mangaveröffentlichung umso spannender ist es, was Makoto Yukimura mit seiner Vinland Saga geschafft hat. Der Titel besticht besonders mit seinem aufwändigen Artwork und der flotten Erzählweise, wobei besonders die Kampf- und Schlachtenszenen für viel Schwung sorgen und mit dem ungewöhnlichen Szenario und den historischen Bezügen angenehm unangestrengt verbunden wurden.
Die Geschichte ist recht simpel strukturiert: Der junge Thorfinn, der als Sechsjähriger mit ansehen musste, wie sein Vater getötet wurde, sinnt auf Rache und heuert auf einem Söldnerschiff der jomsburgischen Wikingerflotte an, um den Mörder seines Vaters, der der Kapitän des Trupps ist, in einem Duell herauszufordern und zu besiegen. Doch bevor er sein Ziel erreichen kann, muss er sich erst in zahlreichen Kämpfen während des Kriegs um England behaupten. Wirken die Figuren zu Beginn zwar noch recht blass und stereotypisch, verleiht ihnen Yukimura im weiteren Verlauf reichlich Ecken und Kanten, so dass man beim Lesen unbewusst immer mehr mit ihnen mitfiebert. Das macht die Serie ungemein sympathisch und die detailverliebten, klaren und übersichtlichen Zeichnungen tragen ihr übriges dazu bei, dass man von Vinland Saga nicht genug haben kann, sobald die Handlung in Fahrt gekommen ist.
[Rezension bei Comicgate]

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Die Wormworld Saga 12. Die Wormworld Saga, Band 1: Die Reise beginnt
von Daniel Lieske
Tokyopop
12,00 Euro

Noch eine epische Saga mit hohem Potential: Dieser Band ist die Printversion eines Webcomics, der mich enorm beeindruckt hat. Besonders die digitalen Zeichnungen von Lieskes Wormworld Saga mit ihren satten Farben haben es mir angetan. Der Stil harmoniert wunderbar mit der Fantasygeschichte: Sie erzählt von dem circa elfjährigen Jonas Berg, der während der Sommerferien im Haus seiner Großmutter ein Portal entdeckt, das ihn in eine fremde dschungelartige Welt versetzt, die fern an Camerons Pandora-Wald aus Avatar erinnert. Zwar bedient sich die Serie an mehreren solcher Fantasyklischees, jedoch ohne sie sich plump, unoriginell oder auffällig zu eigen zu machen. Dafür überzeugt die Saga zu sehr mit ihrem Arrangement aus opulenten Zeichnungen, den durchweg liebenswerten Charakteren und einem Charme, dem man sich kaum entziehen kann. Mir hat an der Onlinefassung zwar besonders die Realisation als „unendliche Leinwand“ gefallen, die sich immer weiter aufrollt, doch Tokyopop hat einwandfreie Arbeit bei der Seitenmontierung geleistet. Zudem ist die Ausgabe qualitativ enorm hochwertig gestaltet worden und bietet einiges an Bonusmaterial wie Skizzen oder Erläuterungen von Lieske.

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Billy Bat 13. Billy Bat 1
von Naoki Urasawa (mit Takashi Nagasaki)
Carlsen Manga
8,95 Euro

Urasawa macht es in jeder seiner Serien im ersten Band sehr spannend, doch in Billy Bat hat er sich damit selbst übertroffen. Das erste Kapitel beginnt mit einem cartoonhaften Fledermausdetektiv namens Billy Bat, der optisch stark an eine Mischung aus Felix the Cat, Mickey Mouse und Batman erinnert. Er ist gerade mitten in einem Fall, als die Perspektive plötzlich umschlägt und man einen Comic im Comic vor sich hat. Kevin Yamagata – Amerikaner mit japanischer Abstammung – ist der Zeichner, der 1949 in den USA sehr erfolgreichen Serie „Billy Bat“. Als er scheinbar durch Zufall erfährt, dass seine Hauptfigur möglicherweise das Plagiat einer japanischen Mangaserie sein soll, macht er sich auf die Reise, um sich bei dem ursprünglichen Erfinder persönlich zu entschuldigen. Klingt zunächst recht unspektakulär, doch bald überschlagen sich die Ereignisse: Kevin wird in einen Mord verwickelt, plötzlich tauchen überall Fledermauspiktogramme auf und es scheint eine oder mehrere Verschwörungen in seinem Umfeld zu geben. So verwirrt Kevin am Ende des ersten Bands gegenüber den Geschehnissen ist, so unwissend ist auch der Leser im Bezug auf den weiteren Verlauf der Handlung. Urasawa reißt zahlreiche Handlungsstränge an und verbindet sie immer wieder mit verschiedenen mysteriösen Verweisen auf historische Ereignisse oder kulturelle Phänomene. Man bekommt das Gefühl, am Anfang einer langen Reise zu stehen, die ihren Protagonisten quer durch die Geschichte vom Verhältnis zwischen Mensch und Kunst jagt – ein Gefühl, als wäre dies nur der Anfang von etwas Großem gewesen.

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DIE TOP 3 VON CHRISTIAN MUSCHWECK

PackeisPackeis
von Simon Schwartz
Avant Verlag
19,95 Euro

Der Comic spielt im 19. Jahrhundert – einer Zeit, in der es noch Abenteuer zu erleben und Entdeckungen zu machen gab. Immer wieder werden in Packeis aber irritierende Szenen geboten, in denen die Schattenseiten des damaligen Expansionsdrangs durchschimmern; die Forscher und Entdecker waren oft eben keineswegs die strahlenden Helden, zu denen sie später manchmal verklärt wurden. Trotzdem zeichnet Simon Schwartz in einem Stil, der auch jüngeren Lesern gefallen dürfte, und mit Matthew Henson, dem gewieften Begleiter des Nordpolfahrers Robert Peary, gibt es auch eine astreine Identifikationsfigur . Erzählerisch und zeichnerisch ist Packeis eine der ansprechendsten Graphic Novels des letzten Jahres.

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Hera zum RuhmHera zum Ruhm
von Le Tendre und Rossi
Schreiber und Leser
27,80 Euro

Wie in allen guten Göttersagen wird auch hier das wahre Leben abgebildet: Teilweise sehr witzig, aber in seiner Gesamtheit unvermeidbar tragisch. Ganz großer Stoff, bei dem zwei alte Routiniers alle Register ziehen. Hoffentlich gibt es davon bald noch mehr zu sehen. Lobenswert ist auch die Aufmachung des Buches mit Skizzen, Entwürfen und Anmerkungen, die in diesem Fall wirklich auch Spaß machen.

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Buddha 3Buddha
von Osamu Tezuka
Carlsen Verlag
je 22,90 Euro

Lieber Carlsen Verlag. Danke, dass ihr eine der besten Serien aller Zeiten auf Deutsch veröffentlicht. Bei euch kann man sich wenigstens darauf verlassen, dass die Bände zügig auf den Markt kommen. Warum aber nur habt ihr das schlichte, aber ansprechende Design eurer bisherigen Mangas nicht beibehalten? Musste es unbedingt eine neue Papiersorte sein, die sich zwar gut anfühlt, bei der aber die Rückseite durchscheint? Und warum habt ihr die Seitenzahl der Originalbücher nicht übernommen, so dass die farbigen Intro-Seiten jetzt willkürlich in der Mitte eines Bandes auftauchen? Aber vielleicht sollte man sich besser daran freuen, dass es diese Farbseiten in eurem Buddha überhaupt gibt, was ja keine Selbstverständlichkeit ist. Geht bitte vorsichtig, verständnisvoll und artgerecht mit Tezukas Comics um. Sein Werk ist hier in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen, und es wäre schön, wenn es in Deutschland noch viele weitere Reihen vom japanischen Disney geben würde.

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DIE TOP 10 VON MARC-OLIVER FRISCH
(…, der sich in seinem Rückblick ausschließlich auf US-Genre-Heftserien konzentriert.)

Zaucer of Zilk #110: ZAUCER OF ZILK: Einfallsreicher, schön gereimter britischer Heldenklamauk von Brendan McCarthy und Al Ewing, so nach dem Motto: Lewis Carroll und die Beatles treffen sich während der Sgt.-Pepper-Sessions auf ein Tässchen LSD. (IDW)

 

09: THE MASSIVE: Brian Wood kehrt nach DMZ und Northlanders Vertigo den Rücken, bzw.: wird rausgekehrt, und started mit den Zeichnern Kristian Donaldson und Garry Brown eine schnieke schicke stylische neue kuschelig-sozialromantische Öko-Endzeit. (Dark Horse)

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08: THE INFERNAL MAN-THING: Selbst fünf Jahre nach seinem Tod ist Steve Gerber noch dem Großteil seiner Konkurrenz voraus. Marvel hat sich ein Herz gefasst und Kevin Nowlan die Story nach 30 Jahren fertigzeichnen lassen. Hat sich gelohnt. Nicht vergessen: In Man-Things Hand wird die Furcht zum Brand! (Marvel)

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Fatale #1007: FATALE: Die US-Website ComicsAlliance bringt’s mit ihrer Preis-Kategorie auf den Punkt: „Der Comic von Ed Brubaker und Sean Phillips, der dieses Jahr erschienen ist.“ Denn: Hier wird immer absolut solide, absolut lesenswerte Genrekost auf Top-Niveau geboten. Diesmal: Crime noir trifft Horror. Außerdem hat Brubaker 2012 nach acht Jahren meist solider Arbeit seinen Captain America zu Ende gebracht und sich fürs Erste von der Superhelden-Klitsche Marvel verabschiedet. (Image)

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06: CHEW: John Layman und Rob Guillory schließen die erste Hälfte ihrer irrwitzigen, irre witzigen Achterbahnfahrt durch alle möglichen Genres mit einem herzhaften Faustschlag in die Weichteile ab. Ebenfalls empfehlenswert für Freunde des süffigen Science-Fiction-Halligalli: Laymans aktuelle IDW-Reihe Mars Attacks mit Zeichner John McCrea. (Image, bzw. auf Deutsch von mir übersetzt bei Cross Cult)

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Butcher Baker #105: BUTCHER BAKER, THE RIGHTEOUS MAKER: Mittlerweile wird jeder wissen, ob er Joe Casey mag oder nicht. Der Mann experimentiert sich nun seit 15 Jahren kreuz und quer durch den US-Markt, greift einige der beeindruckendsten Zeichner ab (hier: Mike Huddleston!) und ist mittlerweile durch seinen Erfolg in der Trickfilmbranche finanziell so rundum sorglos, dass er in seinen Interviews fast immer frei von der Leber weg übers erbärmliche US-Comicgeschäft herzieht und mit 95,3 Prozent Wahrscheinlichkeit irgendjemand sein Fett von ihm weg kriegt, mit dem es sich 97,8 Prozent von Caseys Kollegen lieber nicht verscherzen würden. Hat dieses Jahr allerdings nicht so viele Interviews gegeben – vermutlich, weil sich 96,9 Prozent seiner Kollegen als ausreichend korrupt erwiesen haben, um ihre Zunft um zirka 25,53 Jahre zurückzuwerfen, nach zirka 1986/1987. Ach so: Butcher Baker. Konzept: rabiater Ex-Superheld macht Super-Terroristen platt. Ist sowas wie der kleine Bruder im Geiste von Caseys Automatic Kafka. Geriet vielleicht auch deshalb eine Ausgabe kürzer als jene 2003 eingestellte WildStorm-Serie. Macht trotzdem einen Heidenspaß. Ebenfalls von Casey im Jahre 2012: Haunt (mit Nathan Fox!) und Gødland (mit Tom Scioli!). (Image)

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Orc Stain #704: ORC STAIN: Von James Stokoes grafisch kieferbrechender Ork-Saga mit Vietnam-Einschlag kam 2012 genau ein Heft raus, aber das reicht immer noch, um fast alle anderen abzuhängen. Ansonsten bringt Stokoe mit seinen Zeichnungen in Godzilla: The Half-Century War bei IDW gerade die Fans des japanischen Echsenlulatschs zum Platzen. Plopp! Da hat wieder einer ein Heft an der falschen Stelle aufgeschlagen. Stokoe ist derzeit der visuell beeindruckendste Zeichner des US-amerikanischen Genrecomics. Sollte man daher vielleicht mal gelesen oder im publizistischen Sinne verlegt haben. (Image)

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Saga Vol. 103: SAGA: Brian K. Vaughans Rückkehr ins Comic-Geschäft nach jahrzehntelanger Abwesenheit, in Szene gesetzt von der famosen Fiona Staples. Schon bevor das erste Heft erschien, löste Saga in den USA eine erbittert geführte Debatte über das Für und Wider des Stillens aus, was für sich genommen eigentlich kaum mehr zu toppen ist. Das Konzept: Romeo und Julia überleben, kriegen zusammen ein Kind, schließen sich der Rebellion gegen das Galaktische Imperium an und werden treue Abonnenten der Zeitschrift Eltern. Der Killer-Instinkt der Macher geht auf. Kommerzieller Erfolg stellt sich ein. Applaus, Applaus, Applaus. (Image, möchte ich dieses Jahr gerne übersetzen, bitte.)

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Prophet Vol. 102: PROPHET: Der mürrische Mainstreamschlechtfinder Brandon Graham muss derzeit arg als Konsens-Indie-Nudel herhalten, vor allem, seit er es irgendwie gepackt hat, aus Rob Liefelds Rambo-meets-Terminator-Abklatsch einen nicht nur lesbaren, sondern oft sogar ungemein faszinierenden, unter anderem vom phänomenös fabutastischen Faryl Dalrymple (Name ist echt, der Rest erfunden) gezeichneten Moebius-Abklatsch zu machen. Grahams Eigenproduktionen King City und Multiple Warheads sind auch ganz nett, aber mit Prophet hat er den Vogel 2012 ziemlich abgeschossen. Bleibt abzuwarten, wann er seine erste Schachtel Kreide frisst, um dann doch mal zu sehen, wie das so ist, wenn man irgendwelche von begeisterten Teamplayern totredigierten Superboy- oder Iron-Man-Comics für ein gescheites Seitenhonorar und ein paar Krümel von der Tantiementafel schreibt. Toi, toi, toi. (Image)

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Casanova: Avaritia01: CASANOVA: Apropos Kreide fressen und so. Man hört ja bestümmt zu Recht viel Begeisterung für Matt Fractions Hawkeye (mit David Aja und Javier Pulido!), und seine 2012 abgeschlossener Iron Man-Zyklus war weit überdurchschnittliche Superhelden-Unterhaltung, Defenders war ganz nett, und seine neuen Serien Fantastic Four und FF machen auch keinen schlechten Eindruck. Aber warum ich mal ziemlich begeistert von Fraction war, daran konnte ich mich erst wieder erinnern, als ich den zur Hälfte 2012 erschienenen dritten Band von Casanova (mit Gabriel Bá!) nochmal rausgekramt und gelesen habe. Was für ein Ausnahme-Autor, wenn er sich nicht gerade mit einer Schachtel Kreide sediert hat, um im Marvel’schen Kuschelkonferenzraum nicht im Affekt und in Akkordarbeit die fleißig dilettierende Klonarmee von Brian Michael Bendis eigenhändig zu erwürgen – für sich ja schon ein Fulltime-Job. Was für ein grandioser Comic. Was für eine verdammte Schande, dass ich Casanova noch nicht übersetzen durfte. Hier macht einer, der genau weiß, wo der Hund begraben liegt, einen einmaligen, mit schwindelerregender Intensität und halsbrecherischem Tempo erzählten Pop-Comic übers Pop-Comic-Machen, übers Kreativsein, übers Leben. Und über sich. Resultat: Platz 3 hinter Chris Ware und Joe Sacco in der faktischen und repräsentativen Jahreswertung 2012. Ach, Matt Fraction. Ach. (Marvel/Icon)

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DIE TOP 3 VON THOMAS KÖGEL

BohnenweltBohnenwelt
von Larry Marder
Ventil-Verlag
17,90 Euro

Larry Marders Bohnenwelt passt in keine Schublade. Man könnte es als philosophischen Strichmännchencomic bezeichnen, erfasst damit aber noch lange nicht den Kern. Mit sehr reduzierten Schwarz-Weiß-Zeichnungen entwirft Marder seine Beanworld, einen Mikrokosmos, der wie ein Ökoysystem ganz eigenen Regeln folgt. Was innerhalb dieser Regeln geschieht, können kleine Kinder als lustige Abenteuer und Erwachsene als vielfach interpretierbare Parabeln über den Menschen, das Universum und die Kunst lesen. Die (herausragend übersetzte!) deutsche Version kam viele Jahre nach dem Original und ging leider in der Masse der Veröffentlichungen ein wenig unter. Grund genug, sie hier noch einmal hervorzuheben und zu empfehlen.
[Rezension bei Comicgate]

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Das UPgrade 1Das UPgrade 1
von Sascha Wüstefeld und Ulf S. Graupner
zitty
9,90 Euro

Das UPgrade ist etwas, was man in Deutschland nicht oft bekommt: ein astreiner Popcomic. Mit einer Geschichte, die vor allem Spaß machen und unterhalten will, mit überaus professionellen, augenschmeichelnden Zeichnungen, mit hervorragender Farbgebung und einer rundum modernen Optik auf der Höhe der Zeit. Die Story um den ehemaligen Jungpionier Ronny Knäusel, der seine Gabe des Teleportierens für Republikfluchten aus der DDR einsetzt und damit zum Superhelden wird, spielt mit Elementen der Ostalgie, ist dabei aber niemals piefig oder rückwärtsgewandt. Wenn Wüstefeld und Graupner jetzt jedes Jahr ein Heft auf diesem Niveau produzieren, könnten sie Stammgäste in diesem Jahresrückblick werden.
[Rezension bei Comicgate]

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Sweet Tooth 2Sweet Tooth
von Jeff Lemire
DC/Vertigo (deutsch bei Panini Comics)
14,95 bzw. 16,95 Euro

Nächste Woche erscheint in den USA das 40. und letzte Heft einer Serie, die ein Paradebeispiel dafür ist, wie ein Brückenschlag zwischen Mainstream und Independent aussehen kann: Sweet Tooth ist eine im Grundsatz triviale Genregeschichte aus einer post-apokalyptischen Zukunft, in der die wenigen Kinder mit tierischen Missbildungen wie Hirschgeweihen zur Welt kommen. Jeff Lemire erzählt sie aber als sensible Coming-of-Age-Geschichte mit sehr viel Feingefühl für seine Figuren. Es gibt zwar Action, Blut und Schießgewehre, wichtiger aber sind Gefühle, Träume und zwischenmenschliche Beziehungen. Seine krakelig-kantigen Zeichnungen, die auch immer wieder mit der Form Comic experimentieren, passen hervorragend und tragen viel zur Stimmung dieses Comics bei. Dass die Serie nun bald enden wird, ist zwar schade, aber sinnvoll – schließlich steuerte sie von Anfang an auf ein klares Ziel zu, bei dem das Geheimnis der Ursache der großen Katastrophe enthüllt wird.

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DIE TOP 3 VON STEFAN SVIK

A God Somewhere1. A God Somewhere
von John Arcudi und Peter Snejbjerg
Panini Comics
24,95 Euro

Eine Superheldengeschichte, die mich bei ihrem Erscheinen besonders aufgrund ihres poetischen Titels angesprochen hatte, aber nicht gänzlich überzeugen konnte. Dennoch musste ich in den folgenden Monaten immer wieder an diesen Comic denken. Story und Zeichnungen sind gut, aber das wirklich hervorragende ist die Stimmung, die durch diesen ungewöhnlichen Blick auf Superhelden erzeugt wird.

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Aquaman 12. Aquaman 1
von Geoff Johns und Ivan Reis
Panini Comics
14,95 Euro

Der DC-Neustart war super! Ich bin sehr zufrieden mit Snyders und Capullos Batman, ich habe mich positiv von Animal Man überraschen lassen, aber der uncoolste Held der Welt, Aquaman, hat mir besonders gut gefallen! Ich mag Underdogs und Aquaman wird, auch in diesem Comic, ständig verspottet, dabei wächst er doch trotz (oder wegen?) all der Kritik weit über sich hinaus und rettet eine Welt, die peinlich davon berührt ist, ausgerechnet von Aquaman gerettet werden zu müssen.
[Rezension von US-Heft #1 bei Comicgate]

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Abstract City3. Abstract City – Mein Leben unterm Strich
von Christoph Niemann
Knesebeck
19,95 Euro

Kein Comic, sondern ein etwas anderes Buch. Da ich mich immer über neue Impulse freue und mit diesen mal verblüffenden, oft sehr lustigen Bildern viel Spaß hatte, konnte ich auch den Sondermann 2012 für dieses Werk absolut nachvollziehen. Nach Abstract City hat man zwangsläufig einen anderen, gelasseneren Blick auf den Alltag. Nicht nur mit Lego, sondern mit vielen anderen Mitteln lässt sich Überraschendes, Cleveres und Lustiges gestalten.

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DIE TOP 3 VON JONS MAREK SCHIEMANN

Auch dieses Jahr ist es nicht gerade einfach, eine Liste der drei besten Comics des Jahres zu erstellen. Im Gegensatz zu letztem Jahr waren aber in Mehrheit eher durchschnittliche, wenngleich unterhaltsame und grundsolide, Bände vertreten. Wenn für diese kurze Liste ein einziges Kriterium angelegt wird, ist es doch möglich, drei Titel zu benennen. Das Kriterium ist das der Begeisterung. Es gab viele gute Comics, aber nur wenige, die mich wirklich begeistern konnten. Hoffentlich wird die Auswahl nächstes Jahr wieder etwas schwieriger sein. Die drei folgenden müssen aber einfach erwähnt werden:

Klilana Song 1Auf dem ersten Platz finden wir den ersten Band der neuen Serie Kililana Song: „Eine Kindheit in Kenia“ (Verlag Schreiber und Leser, 24,80 Euro) von Benjamin Flao. Hier wird ein kleines Panorama der kenianischen Gesellschaft entworfen. Alles im Miniformat, wobei jeweils eine Figur für eine generelle Lebensweise und Biographie stehen mag. Obwohl ein Epos, ist der ganze Band von einer großen Leichtigkeit und Übersichtlichkeit durchdrungen. Dabei gelingt dem Autor und Zeichner Flao gerade in der Struktur eine meisterhafte Leistung, wenn er seinen jungen Helden durch die Stadt und damit stellvertretend durch die Gesellschaft schickt. Ein faszinierendes Panorama entfaltet sich vor dem Leser, welches zudem alle Bandbreiten der Emotionen anspricht.

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Sasmira 1Laurent Vicomte ist den meisten Lesern schon durch die Serie Die Reise ans Ende der Welt bekannt. Und auch wenn die ersten beiden Teile von Sasmira (Splitter Verlag, 14,80 bzw. 15,80 Euro) thematisch manches mit den späteren Bänden der anderen Serie gemeinsam haben, so sind sie doch bezaubernd, und vor allem der erste kann mit einigen hervorragenden graphischen Ideen punkten, die in diesem Jahr doch zum größten Teil Mangelware waren. Sasmira ist sehr poetisch, ohne kitschig zu sein, kein Genrestück, aber doch spannend, erotisch ohne Peinlichkeit und einfach nur schön. Und auch wenn der Inhalt manchmal wie ein Selbstzitat wirkt, ist es doch einfach meisterhaft, wie Vicomte mit den Mitteln der bildlichen Erzählung spielt. Das ist wahre graphische Poesie.
[Rezension bei Comicgate]

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HelldoradoDer dritte Platz gebührt dem Trio Jean David Morvan, Miroslav Dragan und Ignacio Noe mit ihrem Band Helldorado (Epsilon, 30 Euro). Die Geschichte ist zwar nichts für zarte Gemüter, aber er ist ein Historiencomic, wie er sein sollte. Er erzählt zwar eine fiktive Geschichte, aber die Begebenheiten und Grausamkeiten spielten sich genau so ab, wie es hier in schonungsloser Offenheit geschildert wird. In der historischen Perspektive werden beängstigenderweise aktuelle Bezüge hergestellt und man bekommt in der Rückschau auch Aspekte der jüngeren Vergangenheit geboten. Graphisch beeindruckend und schonungslos, lassen einen gerade die grausamen Szenen nicht los und entkommen doch immer der Verherrlichung. Auch die „Flüge“, um die Handlungsorte miteinander zu verbinden, sind eine sehr gute Idee, da sie das Tempo erhöhen, jeden Ort an den anderen binden und eine erzählerisch-graphische Einheit bilden. Ein Album, das man nach dem Lesen nicht einfach weg legen kann und noch einige Zeit nachwirkt.
[Rezension bei Comicgate]

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DIE TOP 5 VON FRAUKE PFEIFFER
(zuerst erschienen im Rahmen der Serie „Die besten Comics des Jahres“ beim Tagesspiegel)

Platz 5: Schöne Töchter
von Flix
monatlich in der Sonntagsbeilage des Tagesspiegel, Sammelband bei Carlsen für 2013 geplant

Kurze Gefühlsregungen, die nur einige Sekunden dauern, oder aber Emotionen, die man ewig mit sich herumträgt – Flix vermag es, um dieses Ungesagte, Unsichtbare herum glaubhafte kleine Geschichten zu basteln. Wenn man wie dieser Künstler ein guter Beobachter ist, reichen wenige Panels und Momentaufnahmen, um den Leser mit auf Reisen zu nehmen, die ihm vermutlich häufig vertrauter erscheinen, als er es gedacht hätte.

 

PortugalPlatz 4: Portugal
von Cyril Pedrosa
Reprodukt
39 Euro

Der Franzose Cyril Pedrosa arbeitet in diesem visuell beeindruckenden Werk die Geschichte seiner portugiesischstämmigen Familie auf. Lange verdrängt und eher durch einen Zufall ausgelöst, macht er sich mit Mitte 30 auf die Suche nach dem, was Heimat und Familie für ihn tatsächlich bedeuten könnte. Farbenprächtig, melancholisch und anrührend.
[Rezension bei Comicgate]

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Blast 1Platz 3: Blast 1
von Manu Larcenet
Reprodukt
29 Euro

Manu Larcenet zeigt sich mit diesem Werk stilistisch sehr experimentell; auch inhaltlich bewegt er sich auf neuem Terrain und wagt sich an die ausschweifende Charakterisierung eines Mörders. Die ihm eigene Leichtigkeit, die – trotz treffsicherer Charakterisierung und sozialkritischer Töne – seine sonstigen Werke auszeichnen, weicht hier einer intensiven Schwere, die trotzdem faszinierend ist und der man sich geradezu ausgesetzt fühlt. Eine fantastische Erweiterung der Bandbreite dieses begabten Künstlers.
[Rezension bei Comicgate]

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American Vampire 4Platz 2: American Vampire
von Scott Snyder und Rafael Albuquerque
Panini Comics
16,95 bzw. 19,95 Euro

Diese kurzweilige Serie hat das Pech, in der Hochzeit der Vampir-Überdrüssigkeit veröffentlicht zu werden – oder gerade das Ziel, einen weiteren Gegenentwurf zu Twilight & Co. zu bieten. American Vampire liefert glaubhafte, vielschichtige Figuren ab und zeigt im Laufe der Ausgaben, wie sorgfältig dieses Universum aufgebaut ist. Zudem driften Scott Snyder und Rafael Albuquerque gerne mal ab und bieten auch wunderbar atmosphärische Szenarien, die zum Beispiel an B.P.R.D. erinnern. Die Starthilfe durch Stephen King wäre wahrhaftig nicht nötig gewesen.
[Rezension bei Comicgate]

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Das UPgrade 1Platz 1: Das UPgrade 1
von Sascha Wüstefeld und Ulf S. Graupner
zitty
9,90 Euro

Quietschbunt, durchgeknallt und voller Liebe zum Detail: Der Independent-Überraschungshit von Sascha Wüstefeld und Ulf S. Graupner wirft einen um mit seiner Ost-Charmeoffensive und der frischen Unbekümmertheit. Und wer seine Hauptfigur „Ronny Knäusel“ nennt, kann nur zu den Guten gehören.
[Rezension bei Comicgate]

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Interview with Colin Wilson

Colin Wilson mit dem Comicgate-Magazin auf der Frankfurter Buchmesse 2012Colin Wilson is a comic book artist connecting continents. He was born in New Zealand, lived in England an France in the 1980s and 1990s and moved to Australia in 1997. His first professional comics appeared in the British anthology 2000 AD, since then he made comic books for both sides of the anthology: He worked for Frech and Belgian publishers (The Young Blueberry, Bullet in the Head) as well as American publishers (Point Blank, Star Wars: Invasion). When New Zealand was guest of honour at the Frankfurt Book Fair in 2012, he was invited by German publisher Panini to do some signings in Germany. Stefan Svik met him at a comics store in Hanover for the following interview.

[Hier geht’s zur deutschen Version!] 

 

Colin Wilson and I are introduced, we shake hands and we start the interview with a little gift from Hanover: Herrenhäusener Pils und Bahlsen Kekse.

Comicgate: I know you prefer wine (he said so in the interview printed in the deluxe edition of Battler Britton, his homage to war comics from the 50s and 60s he made with author Garth Ennis), but we are in Nothern Germany, so I give you beer.

Colin Wilson: Thank you. I think the beer will not leave the shop (laughs).

 

Garth Ennis is from Northern Ireland and your are a … Kiwi … is that expression an offence?

(Laughes) No, it’s pefectly accurate.

 

Cover von Heft #1 der US-Ausgabe von Battler Britton (gezeichnet von Gary Leach)Is Battler Britton more about a conflict berween the Commonwealth Nations vs the USA rather than the Allies vs Germany? Do you find yourself in the story?

I find myself in the airplanes. The flying was the thing that got me interested in doing the book. The story is an homage to a Scottish artist who I grew up with, who was very good at drawing planes from Second World War. That was what got me into the story. I had no idea what Garth would take the story to.

 

Did you have any contact with Garth Ennis or was it only via e-mail?

Only by e-mail at first, but after the first monthly issue I have visited him in New York and spent an evening drinking Guinness with him (smiles and laughs) and socializing. It was a good chance to meet someone. Most often I work from Australia so I usually don’t meet the people I work with.

 

Would it be easier for your career as an artist living in the USA?

No, I don’t think so. Not these days. Once upon a time it was almost essential but it’s no longer like that with the internet. It’s a good excuse every few years to travel like this year to Germany to meet people, but e-mail makes life so much easier. It’s just fantastic.

 

Do you have a comics scene in New Zealand?

We do. In both New Zealand and Australia. When I first started drawing comics there wasn’t anyone else I knew that was interested in that kind of thing. And because of publishing a fanzine a long time ago I started to get to know people. Now in Melbourne, where I live at the present time, we have a fantastic little comics scene, with people self-publishing, people working for overseas. We meet once a month. It can be 35 to 40 people there in one afternoon. We usually talk everything but comics, but it’s a good chance for new people who look for work. We can encourage them. That’s going on for the last 5 to 10 years, I guess.

 

Cover Point BlankYou were invited to the book fair in Frankfurt 2012 because you are from New Zealand. Is there a touch of New Zealand in your work?

In my work not so much, but it’s fantastic to get that opportunity, because from the New Zealand I know, comic artists are invisible and not very appreciated by society. But obviously things are changing now. Being invited to Frankfurt is a major step for people realizing that there are artists from New Zealand working in comics and other media.

 

Would Maori culture or other subjects related to New Zealand be interesting stories for your comics?

For me not too much. But other artists have done that. Mine is much more a straight-forward commercial comic work and I am an artist for hire. Whereas there are creators in Australia and New Zealand who do a much more personal work. They publish their work e.g. in local newspapers and I think it’s a great step for people living there being inspired by their surroundings.

 

At this stage the interview took a break because Colin had to start signing. The rules: Only the first 15 in the queue receive a sketch, because Wilson is a rather slow artist. When it was my turn, I continued asking questions while he was drawing sketches.

Which one is your favorite Garth Ennis comic?

I don’t read them. They are… (thinks)

 

… over the top.

(smiles) Yes, that’s the right word for it.

 

What’s easier for you to draw, machines or people?

Machines. It’s more fun and I like planes and racing cars a lot.

 

Have you been to a Formula 1 race yet?

Yes. But, you know, in Melbourne the best seats are owned by the big companies.

 

Would you like to do a Formula 1 comic?

No.

 

In the Battler Britton interview you said you are fascinated by Germany. What does that mean?

You know, the fact that it is a very important country and the history of the last 100 years. In New Zealand I learned about Europe, but mainly about Britain.

 

Seite aus Battler BrittonI ask him to draw a Messerschmitt Me 262 plane and show him the french comic book Ciel en ruine as a reference.

That’s the most beautiful plane to draw. I haven’t done it before. I think I know this series.

 

And the Stuka (an abbrevation for „Sturzkampfflugzeug“ Junkers 87) is the most difficult one to draw, like you said in the Battler interview?

Yes, it is.

 

I show him a photograph of the Gotha Go 229 / Horton H IX airplane.

Do you know this plane?

No. Was it a real plane?

 

Yes it was. It was the first stealth jet fighter. It was made out of wood to avoid radar. No metal, a one-wing plane. 50 years ahead of it’s time. A secret weapon like the Me 163 and the V2. They have one in a museum in the USA.

Really? Making a plane out of wood is very good so it doesn’t get too heavy. The Corsair was made of wood as well.

 

Not so good if the plane is shot at.

That’s true.

 

Being set in World War II, Battler Britton features a lot of swastikas. Despite certain exceptions, officially it is not allowed to use the Swastika in Germany.

Do you know about the Swastika, that it’s not allowed to use it?

I have just learned that this moment. From the history I can understand that.

 

In Germany coping with World War II is like walking on very thin ice. Do you care about the difference between SS, Wehrmacht and Luftwaffe or were they all just Nazis?

You know, Garth and I care a lot about historical accuracy, but comic books tend to be more black and white and generalize things, make it easier.

 

But the story is mainly the job of the author, in this case Garth Ennis, and you don’t have too much influence on it.

Yeah, that’s right.

 

Cover Blei im SchädelWere did you live in England?

I lived near London. I started in a social flat.

 

Are the people in England different from the people in New Zealand?

When I grew up we felt very much like we were British, including the houses and so on. I always wished we would develop more of an own identity. That’s changed now.

 

Most people think New Zealand is a dream location and it’s as pretty as they have seen it in the Lord of the Rings movies. Is it like that?

Oh yes, it is. I know a lot of the places from the movie, even though they did some tricks for the movie.

 

At this point, our time was up and we continued the interview via e-mail.

Did your visit change your image of Germany a lot or have you expected it to be just like it is? Is it a lot different than the countries you have lived in?

I had a great time … I wasn’t sure exactly what I had to expect, but the two weeks I recently spent there went by so quickly that I’d like to organize a lot more time in Germany when I am next in Europe. One thing that really did surprise me is just how small Germany seems … I’m a huge history fan, and I’ve read so much about European history and the dominant part that Germany has so often had there over the last 150 years, and yet it seemed much smaller than I had expected. Impressive, and very interesting.

 

Cover La Jeunesse de BlueberryDo you think comic book artists get more respect now than in the past, when they were not even allowed to sign their artwork? The French started calling comics the Ninth Art, do the English-speaking countries pay the same respect?

No, I’m afraid that in English speaking countries comics remain very much invisible in mainstream media, and comic authors have a long way to go before they are treated the way they are in France. It is a cultural thing, and despite the high profile of recent US movies such as The Avengers, Iron Man or the Dark Knight trilogy, these days English language comics are still pretty much invisible to the average consumer, and are all but ignored by the mainstream media.

 

Which character or plane to you have to draw most often at comic book shop signings? Can it be a drag to do the same thing too often (like being The Rolling Stones and you have to perform „Satisfaction“ over and over again. Must be hard. 😉 )?

I’ve never had a problem with this, as I made the decision early on to try and not repeat the same two or three images of each character I draw while signing books at a convention or bookshop. That way it never becomes boring. Some days after several hours of drawing the same character – and I drew a LOT of Blueberries during my recent visit to Germany! – and you are tired, it can become difficult to always come up with something new. Eventually you can find yourself drawing similar poses of your most popular characters, but it is not too difficult to add one or two little touches just to keep everything fresh and interesting.

 

Seite aus Star Wars: InvasionHow much freedom do you have as a Star Wars author? Do you know the movies and the rest of the franchise? Is it a good opportunity to get some kind of secure income or is it a lot of stress because you have to produce a lot of pages in a short time?

I was amazed to discover that Tom (Taylor – the writer on Star Wars: Invasion) and I had almost complete freedom to do what we wanted to with our recent Star Wars series. We knew that Lucasfilms looks very closely at everything set in the Star Wars Universe, and early on I was very aware of this, but gradually I discovered that we was free to create and design a huge amount of new characters and hardware to include in the series. Obviously we were both very aware of the overall look and feel of everything SW related, and I’m sure that we would not have been given such freedom with Invasion if Dark Horse were not confident that we would respect everything that had already been published, but it was really encouraging to be allowed such freedom to work within a universe that had had such a huge influence on the both of us over the last 30 years.

My only real problem is with the amount of work that is required to produce a regular 22-page US comic series. I have never worked with an inker and so I was only prepared to do the artwork if I could do it all myself, and luckily Dark Horse were prepared to accept a large gap between each story, so that I was able to spend the time I required to produce the artwork. Obviously it is not a good idea to have too long a break between each story arc, and unfortunately the constant deadlines can still become really exhausting …

 

Seite aus Battler BrittonI think Battler Britton is mainly a homage to the artists of the 50s and 60s and the war is more like a game rather than actual reality. There is no political message in it at all, I think. The battles, combats and heroes of this comic serve primarily as entertainment, similar to early war movies. Would you agree?

Perhaps there is some truth there, and with Battler Britton Garth and I certainly wanted to pay homage to the small format UK WW2 comics that we both grew up with. My usual approach is to try and make everything as realistic as possible in the art I produce for the various action series that I have worked on, and so to treat Battler a little more lightly was something I found very refreshing at the time. And of course it was also a wonderful opportunity for me to pay homage to a comic artist who had a tremendous influence on me when I was growing up – the great Ian Kennedy.

 

War movies have changed from A Bridge Too Far and Battle of Britain to Saving Private Ryan. Nowadays there’s more realism, pain and horror in those movies. The characters don’t act like John Wayne any more. Tony Soprano would ask: ‚What happened to the strong, silent guy, where is Gary Cooper now?‘ Garth Ennis is a huge fan of Clint Eastwood. Do you think Battler Britton would work in this modernized, post-cold-war make-over?

No, I can’t imagine Battler working that way. While those Fleetway WW2 books from the 50s and 60s were very much a product of their time, the best of the stories often involved complex character interactions and moral issues raised by war, and for me they certainly served as a wonderful introduction to what comics can be capable of doing. As with westerns, war books and movies these days really need to be more extreme and realistic, but this just means that one day someone will find a way to handle things in a new or refreshing way, or rediscover an ‚old‘ approach – e.g. the film The Artist earlier this year – and tastes will change.

 

Do you like what men have become, you know, the Kurt Cobain type or Justin Timberlake or Matt Damon? Or haven’t men changed at all and that’s just an image the TV wants us to believe?

I think that it is always very risky to compare reality with the current trends in modern media. The high profile figures we see in movies or rock or the media are really only a product of the era that produce them. Time moves on, fashions change, and a few of our current media „stars“ will last the transition, but will we really be admiring Lady Gaga in 10 years time?

 

Seite aus Battler BrittonCould you decide how the Deluxe Battler (published by Panini in Germany to coincide with Wilson’s visit) would look like or is that the job of the publisher?

Garth and I were both asked to write new introductions for the Deluxe Battler, and I supplied the additional artwork, but Panini were responsible for putting the edition together. I may have been told, but it never registered with me that this was to be in that larger format, and so I was pleasantly surprised to see the edition when I arrived in Germany. Panini did a wonderful job!

 

Is it more fun to do Battler than Star Wars?

How can I favour one over the other? Both have been great to work on, and I am very proud to have had the opportunity …

 

Will we get more of Battler Britton or other war stories from you (and Garth)? Which are your next comics?

Both Garth and I would love to do more Battler Britton stories, but unfortunately both our schedules probably won’t allow space for this, at least in the foreseeable future. I am currently working with Frank Giroud on a XIII Mystery book for Dargaud, and following this I have a completely new series for Delcourt to start into, and so it may be a while before I can return to our favourite RAF WW2 pilot …

 

You also worked on Judge Dredd comics for some time. Do you still follow that character, do you know the new movie?

I had the opportunity to work at 2000 AD during a wonderful era that introduced a huge amount of talent that went on to make an impact in comics, but I think I was already working in France by the time that the next wave of names – Garth Ennis, Alan Moore, Simon Bisley etc – worked for the weekly. I moved to Paris in about 1983, and at that time Judge Dredd and 2000 AD were practically unknown in France, and so I wasn’t aware of this new influx of talent until years later.

 

colinwilson1Which are your favourite comics and artists?

This is something that always changes, as one of the riches of the medium that you are always discovering new artists and writers who are doing wonderful work that you previously had no idea even existed. Just this week, a friend showed me a terrific Tex book illustrated by the wonderful Corrado Mastantuono, who until then I had never even heard of before! A couple of months ago I stumbled onto the amazing work of Marcos Mateu-Mestre. Where do these guys come from?

 

Thank you very much for your time and tell the people in Australia: There’s more than Bavaria, beer and sausages in Germany. 🙂

Not that there is anything wrong with Bavaria, beer OR sausage! 🙂
But I had a terrific time, and we are already talking about doing something similar in a year or so. I’m looking forward to it!

Interview mit Colin Wilson (OmU)

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Colin Wilson mit dem Comicgate-Magazin auf der Frankfurter Buchmesse 2012Colin Wilson ist ein Comiczeichner, der die Kontinente verbindet: Geboren und aufgewachsen in Neuseeland, lebte er in den 1980er und 90er Jahren erst in England, dann in Frankreich und seit 1997 in Australien. Seine ersten professionellen Comics entstanden für das britische Magazin 2000 AD, bis heute arbeitet er sowohl für den frankobelgischen (Die Jugend von Blueberry, Blei im Schädel) als auch für den amerikanischen Markt (Point Blank, Star Wars: Invasion). Zur Frankfurter Buchmesse, deren Gastland Neuseeland war, lud ihn Paninicomics nach Deutschland ein und schickte ihn auch auf eine kleine Signiertour in verschiedene Städte. Bei seinem Signiertermin in Hannover traf ihn Stefan Svik zum Interview.

[Click here for the ENGLISH VERSION!]

 

Colin Wilson und ich werden einander vorgestellt und ich beginne das Interview mit zwei kleinen Geschenken aus Hannover: Herrenhäuser Pils und Bahlsen-Kekse.

Comicgate: Ich weiß, Sie bevorzugen Wein (so ist es in dem Interview nachzulesen, das im Bonus-Teil der Deluxe-Edition von Battler Britton steht, der Hommage an die Kriegscomics der 1950er and 1960er, die Colin Wilson gemeinsam mit Autor Garth Ennis erschaffen hat), aber wir sind hier in Norddeutschland, also habe ich Ihnen ein Bier mitgebracht.

Colin Wilson: Dankeschön. Ich denke das Bier wird den Laden nicht verlassen (lacht).

 

Garth Ennis stammt aus Nordirland und Sie sind ein … Kiwi … (ich überlege) ist diese Bezeichnung eine Beleidigung??

(Lacht) Nein, das ist die korrekte Bezeichnung.

 

Cover von Heft #1 der US-Ausgabe von Battler Britton (gezeichnet von Gary Leach)Geht es in Battler Britton eher um den Konflikt zwischen den Commonwealth-Nationen und den USA statt um den Kampf zwischen den Allierten und Deutschland? Können Sie sich auf diese Weise in der Story wiederfinden?

Ich finde mich in den Flugzeugen wieder. Die Fliegerei war das Thema, das mich dafür begeisterte, diesen Comic zu zeichnen. Die Geschichte ist eine Hommage an einen schottischen Zeichner, mit dessen Werken ich aufgewachsen bin. Er war sehr gut darin, Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg zu zeichnen. Das brachte mich dazu, mich an dieser Geschichte zu beteiligen. Ich wusste nicht, welche Story Garth erzählen würde.

 

Hatten Sie persönlichen Kontakt mit Garth Ennis oder lief das ausschließlich per E-Mail?

Anfangs nur per E-Mail, aber nach Erscheinen des ersten Hefts habe ich ihn in New York besucht und wir tranken einen Abend lang Guinness und unterhielten uns. Das war eine gute Gelegenheit, jemanden kennenzulernen. Meistens arbeite ich von Australien aus, deshalb treffe ich die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, normalerweise nicht

 

Würde es Ihre Zeichnerkarriere erleichtern, wenn Sie in den USA leben würden?

Nein, ich denke nicht. Heutzutage nicht mehr. Früher mal war das fast schon eine Voraussetzung, aber aufgrund des Internets ist das nicht mehr so. Der persönliche Kontakt ist eine guter Vorwand, um alle paar Jahre mal zu verreisen, so wie dieses Jahr nach Deutschland, aber E-Mail hat alles erheblich erleichtert. Das ist einfach fantastisch.

 

Gibt es in Neuseeland eine Comic-Szene?

Ja, die gibt es. Sowohl in Neuseeland als auch in Australien. Als ich anfing, Comics zu zeichnen, kannte ich niemanden, der sich dafür interessierte. Vor langer Zeit brachte ich mal ein Fanzine heraus und so lernte ich Leute kennen. Inzwischen gibt es in Melbourne, wo ich derzeit lebe, eine fantastische kleine Comic-Szene, mit Leuten, die ihre Werke selbst verlegen oder mit Künstlern die für Auftraggeber in Übersee arbeiten. Wir treffen uns einmal im Monat. Zu so einem nachmittäglichen Treffen kommen bis zu 35-40 Teilnehmer. Normalerweise reden wir dabei über alles außer Comics, aber es ist trotzdem eine gute Gelegenheit für neue Leute, die auf Job-Suche sind. Wir können sie ermutigen. Das geht jetzt so, seit fünf bis zehn Jahren, glaube ich.

 

Cover Point BlankSie wurden auf die Buchmesse 2012 in Frankfurt eingeladen, weil sie aus Neuseeland stammen [Anmerkung d. Red.: Neuseeland war das Gastland der Messe 2012]. Ist Ihren Comics eine neuseeländische Note anzumerken?

In meinen Arbeiten steckt das nicht so sehr drin, aber es ist toll, diese Gelegenheit bekommen zu haben, denn in dem dem Neuseeland, das ich kenne, sind Comic-Künstler nahezu unsichtbar und ihr gesellschaftliches Ansehen ist nicht sehr hoch. Aber offensichtlich ändern sich die Dinge allmählich. Zur Messe nach Frankfurt eingeladen worden zu sein ist ein Riesenschritt, um den Leuten zu zeigen, dass es in Neuseeland Künstler gibt, die für Comics und andere Medien arbeiten.

 

Wären die Maori-Kultur oder andere Themen mit Bezug zu Neuseeland interessante Geschichten für Ihre Comics?

Für mich persönlich nicht so sehr. Aber andere Künstler haben sich dessen angenommen und diese Themen behandelt. Ich mache eher gradlinige, kommerzielle Comics und übernehme Auftragsarbeiten. Aber es gibt in Australien und Neuseeland auch Künstler, die sich sehr viel persönlicheren Arbeiten widmen. Sie veröffentlichen ihre Comics z.B. in den örtlichen Tageszeitungen und ich finde, es ist eine großartige Entwicklung, dass sich die Menschen, die dort leben, von ihrer Umgebung inspirieren lassen.

 

Hier war das Interview erstmal zu Ende und die Signierstunde begann. Die Ansage war: Nur die ersten 15 in der Schlange bekommen eine Zeichnung, weil Wilson sehr langsam zeichnet. Als ich an der Reihe bin und Colin Wilson um eine Zeichnung bitte, kann ich ihm weitere Fragen stellen, was ihn beim Zeichnen nicht weiter stört.

Welcher ist ihr Lieblings-Comic von Garth Ennis?

Ich lese sie nicht. Sie sind … (überlegt)

 

Zu übertrieben?

(lächelt) Ja, das ist der passende Ausdruck dafür.

 

Was fällt Ihnen beim Zeichnen leichter: Menschen oder Maschinen?

Maschinen. Das macht mir mehr Spaß und ich mag Flugzeuge und Rennwagen sehr gerne.

 

Waren Sie schon mal bei einem Formel-1-Rennen?

Ja. Allerdings gehören in Melbourne die besten Sitzplätze den großen Unternehmen.

 

Würden Sie gerne einen Comic über die Formel 1 zeichnen?

Nein.

 

Im Battler Britton-Interview hatten Sie gesagt, dass sie von Deutschland fasziniert seien. Was fasziniert Sie an Deutschland?

Etwa die Tatsache, dass es ein sehr wichtiges Land ist, ebenso interessiert mich die jüngere deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre. In Neuseeland habe ich europäische Geschichte gelernt, aber hauptsächlich ging es dabei um Großbritannien.

 

Seite aus Battler BrittonIch bitte ihn, eine Messerschmitt Me 262 zu zeichnen. Dafür zeige ich ihm als Vorlage den ersten Band des Comics Himmel in Trümmern.

Das ist das allerschönste Flugzeug, dass es zu zeichnen gibt. Ich habe es bisher noch nicht gezeichnet. Ich glaube, ich kenne diese Comic-Reihe.

 

Und die Stuka (Abkürzung für den Sturzkampfbomber Junkers 87) ist das am schwersten zu zeichnende Flugzeug, wie sie im Imterview für Battler Britton gesagt haben?

Ja, das stimmt.

 

Ich zeige ihm ein Foto der Gotha Go 229 / Horton H IX.

Kennen Sie dieses Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg?

Nein. War das ein echtes Flugzeug?

 

Ja, das war es. Es war der erste Tarnkappen-Düsenantrieb-Jäger. Er wurde statt aus Metall aus Holz hergestellt und war ein Nur-Flügler, um vom Radar nicht entdeckt zu werden. Das Flugzeug war seiner Zeit 50 Jahre voraus. Eine Geheimwaffe, oder wie es in der NS-Propaganda hieß, eine „Vergeltungswaffe“, so wie die Me 163 oder die V2. Es gibt ein Exemplar einer Go 229 in einem Museum in den USA.

Tatsächlich? Ein Flugzeug aus Holz herzustellen ist sehr gut, denn dadurch wird es nicht zu schwer. Die Corsair wurde ebenfalls aus Holz gefertigt.

 

Holz ist nicht so vorteilhaft, wenn auf das Flugzeug geschossen wird.

Das stimmt.

 

Da Battler Britton im Zweiten Weltkrieg spielt, tauchen in dem Comic an einigen Stellen Hakenkreuze auf. Bis auf wenige Ausnahmen ist es in Deutschland nicht erlaubt, dieses Symbol zu verwenden. Wussten Sie das mit dem Verbot des Hakenkreuzes in Deutschland?

Das habe ich just in diesem Moment zum ersten Mal gehört. Wenn man den geschichtlichen Hintergrund bedenkt, kann ich dieses Verbot nachvollziehen.

 

In Deutschland ist die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ein heikles Thema, das äußerstes Fingerspitzengefühl verlangt. In Battler Britton werden die Begriffe Deutsche und Nazis ziemlich synonym verwendet. Ist es Ihnen wichtig, zwischen SS, Wehrmacht und Luftwaffe zu unterscheiden oder waren einfach alle Deutschen Nazis?

Ach, wissen Sie, Garth und ich sind sehr um historische Genauigkeit bemüht, aber Comics neigen dazu, eher ein schwarz-weißes Bild der Welt zu zeigen, Dinge zu verallgemeinern und simpler zu gestalten.

 

Aber die Story kommt im Wesentlichen vom Autor, in diesem Fall von Garth Ennis, und Sie haben nicht besonders viel Einfluss darauf?

Ja, das stimmt.

 

Cover Blei im SchädelWo haben Sie in England gelebt?

Ich lebte in der Nähe von London. Anfangs wohnte ich in einem Sozialbau.

 

Waren die Menschen in England anders als in Neuseeland?

Als ich aufwuchs, fühlten wir uns sehr stark wie Briten. Wir übernahmen sehr vieles von dort, etwa die Art Häuser zu bauen und so weiter. Ich hatte mir immer gewünscht, dass wir eine eigene Identität entwickeln würden. Das hat sich inzwischen in diese Richtung verändert.

 

Viele Menschen denken, dass Neuseeland ein traumhaft schönes Reiseziel ist und dass es so malerisch aussieht, wie sie es aus den Herr der Ringe-Filmen kennen. Entspricht dieses Vorurteil der Wirklichkeit?

Ja, es ist wirklich so. Ich kenne viele (Dreh)-Orte aus dem Film, aber natürlich wurden für die Filme einige Spezialeffekte eingefügt und damit die Orte etwas anders dargestellt als in der Realität.

 

Manche Leute sagen, Neuseeland ist so wie Europa in den 1950er Jahren, stimmt dieses Image mit der Realität überein?

Oh ja, definitiv!

 

Ab hier wurde das Interview per E-Mail fortgesetzt.

Hat Ihre Deutschland-Reise Ihr Bild von Deutschland sehr verändert oder war es genau so wie Sie es erwartet hatten? Ist Deutschland sehr viel anders als die Länder, in denen sie bisher gelebt haben, also Neuseeland, England und Australien?

Ich hatte eine großartige Zeit! Ich wusste nicht recht, was auf mich zukommt, aber die zwei Wochen dort vergingen so rasch. Nächstes Mal in Europa möchte ich gerne mehr Zeit für Deutschland einplanen. Eine Sache hat mich sehr überrascht, nämlich wie klein Deutschland zu sein scheint. Ich bin ein riesiger Geschichts-Fan und habe so viel über europäische Geschichte gelesen, auch über die häufige Vorherrschaft Deutschlands in den letzten 150 Jahren. Und dann war es doch viel kleiner als ich es mir vorgestellt hatte. Beeindruckend und sehr interessant.

 

Cover La Jeunesse de BlueberryFinden Sie, dass Comic-Künstlern inzwischen mehr Respekt gezollt wird als in der Vergangenheit, in der sie meist nicht mal namentlich genannt wurden? In Frankreich etwa spricht man von Comics als der Neunten Kunst. Ist die Wertschätzung für Comics in den englischsprachigen Ländern so hoch wie in Frankreich?

Nein, ich fürchte nicht. In der englischsprachigen Welt bleiben Comics für die breite Masse und in den Mainstream-Medien nahezu unsichtbar. Comic-Autoren steht noch ein langer Weg bevor, bis sie so geachtet werden wie in Frankreich. Das ist einfach kulturell bedingt. Trotz der vielbeachteten US-Filme wie The Avengers, Iron Man oder der Dark Knight-Trilogie werden englischsprachige Comics von Otto Normalverbraucher ziemlich übersehen. Und die etablierten Medien ignorieren Comics gänzlich.

 

Welche Zeichenwünsche wurden bei ihrer Signier-Tour am meisten geäußert? Kann es auch lästig werden, etwas zu häufig zeichnen zu müssen? Ich stelle mir das so vor wie bei den Rolling Stones, die seit 50 Jahren immer und immer wieder „Satisfaction“ spielen müssen. Das ist furchtbar öde und anstrengend, oder? 🙂

Damit hatte ich noch nie Schwierigkeiten, denn ich beschloss früh, nicht das selbe Motiv zwei oder drei Mal exakt gleich zu zeichnen, wenn ich auf einer Messe oder in einem Comic-Geschäft zeichne. Auf diese Weise wird es niemals langweilig. Manchmal, nachdem ich mehrere Stunden die selbe Figur gezeichnet habe – und ich habe während meines Deutschland-Besuchs gerade wirklich VIELE Blueberrys gezeichnet! – und ich etwas erschöpft bin, dann kann es mühsam werden, mit immer neuen Ideen daherzukommen. Möglicherweise ertappt man sich dabei, immer wieder die selben Posen seiner populärsten Figuren zu zeichnen, aber es ist nicht schwer, ein, zwei Kleinigkeiten hinzuzufügen, um die Arbeit frisch und interessant zu halten.

 

Seite aus Star Wars: InvasionWie viel Entscheidungsspielraum hat man als Autor und Zeichner für Star Wars? Kennen Sie sich mit dem „expanded universe“ von Star Wars aus? Bedeuten diese Jobs eher ein erfreuliches festes Einkommen oder ist das eher Stress, weil innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Zeichnungen entstehen müssen?

Ich war überrascht, als ich feststellte, dass Tom (Taylor – der Autor von Star Wars: Invasion) und ich fast völlige Freiheit bei der Arbeit an unserer Star Wars-Serie genossen. Wir wussten, dass Lucasfilms sehr genau hinsieht, was im Star Wars-Universum geschieht, und das war mir von Anfang an bewußt. Doch dann fand ich allmählich heraus, dass wir freie Hand dabei hatten, eine Vielzahl neuer Figuren und Geräte erfinden und gestalten und in die Geschichte einbauen durften. Natürlich waren wir uns des Designs und der Stimmung des Star Wars– Universums sehr bewußt und ich bin mir sicher, dass wir für Invasion nicht solche Freiheiten eingeräumt bekommen hätten, wenn Dark Horse nicht überzeugt gewesen wäre, dass wir die bislang bei ihnen erschienenen Comics nicht respektiert hätten. Es war wirklich ermutigend, dass man uns beiden diese Freiheit gab, um dieses Universum mitzugestalten, dass seit 30 Jahren so einen riesigen Einfluß auf uns hatte.

Das einzig ernsthafte Problem war die geforderte Menge an Zeichnungen, die für eine monatlich erscheinende 22-seitige US-Comicserie notwendig ist. Ich hatte vorher noch nie mit einem Koloristen gearbeitet, deshalb war ich nur daran gewöhnt, eine Zeichnung zu gestalten, wenn ich sie auch komplett allein fertigstellen kann. Glücklicherweise war Dark Horse darauf vorbereitet, dass es zwischen den einzelnen Geschichten eine längere Pause gab. Auf diese Weise hatte ich Zeit, das geforderte Artwork zu produzieren. Offensichtlich ist es keine gute Idee, zwischen den Kapiteln eine zu lange Pause zu machen, und leider können diese ständig einzuhaltenden Abgabetermine sehr anstrengend werden …

 

Seite aus Battler BrittonIch verstehe Battler Britton hauptsächlich als Hommage an die Zeichner und Autoren der 1950er und 1960er und die Darstellung des Krieges eher als „Kriegsspiel“ denn als Abbild der echten Kriegswirklichkeit. In diesem Comic findet sich keinerlei politische Aussage, finde ich. Ähnlich wie in frühen Kriegsfilmen dienen Schlachten, Kämpfe und Helden hier eher der Unterhaltung und Zerstreuung des Publikums. Würden Sie dem zustimmen?

Vielleicht ist da etwas Wahres dran. Mit Battler Britton wollten Garth und ich den kleinformatigen, britischen Kriegsomics Respekt erweisen, mit denen wir beide aufgewachsen sind. Für gewöhnlich ist es mein Ansatz, alles so realistisch wie möglich zu gestalten, so halte ich es bei all den verschiedenen Actionserien, an denen ich bisher gearbeitet habe. Den Battler etwas weniger akribisch realistisch zu gestalten, empfand ich zu der Zeit, als er entstand, als sehr belebend. Und natürlich war es eine wundervolle Gelegenheit für eine Hommage an den Comic-Zeichner, der so einen immensen Einfluss auf mich gehabt hat: der großartige Ian Kennedy.

 

Kriegsfilme haben sich von Die Brücke von Arnheim und Die Luftschlacht um England hin zu Der Soldat James Ryan verändert. Heute wird in solchen Filmen größerer Wert auf Realismus, Schmerz und Horror gelegt. Die Figuren handeln nicht mehr wie John Wayne (der Hauptdarsteller aus Der längste Tag). Um Tony Soprano (frei) zu zitieren: „Wo ist der starke, stille Typ geblieben, wo ist Gary Cooper heutzutage?“ Garth Ennis ist ein Riesenfan von Clint Eastwood, wie sein Werk andeutet. Denken Sie, dass für Battler Britton so eine Modernisierung in Richtung von Filmen wie Der schmale Grat und ähnlicher Post-Kalter-Kriegs-Filme funktionieren würde?

Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass Battler auf diese Weise funktionieren würde. Die Fleetway-Hefte über den Zweiten Weltkrieg aus den 1950er und 1960er Jahren waren ganz stark von der damaligen Zeit geprägt. Die besten Geschichten davon boten häufig vielschichtige Figuren und moralische Fragen, die der Krieg aufwarf. Für mich persönlich dienten sie sicher auch als wundervolle Einführung in die Möglichkeiten, die Comics bieten können. So wie auch bei den Western-Filmen müssen Kriegscomics und Kriegsfilme heute in der Tat extremer und realistischer aussehen, aber dieser konstante Wandel bedeutet auch, dass eines Tages jemand einen wiederum neuen oder erfrischenden Blick finden oder einen „alten“ Ansatz wiederentdecken wird, so wie es etwa Anfang 2012 mit der Wiederbelebung des Stummfilms durch The Artist geschehen ist, und dann ändert sich der Geschmack wieder.

 

Sind Sie zufrieden damit, wie sich das Männerbild verändert hat? Diesen Typus Kurt Cobain, Justin Timberlake oder Matt Damon, meine ich. Oder haben sich Männer gar nicht wirklich verändert und dieses Image ist nur etwas, dass uns Massenmedien wie das Fernsehen einreden wollen?

Ich finde es immer sehr gefährlich, die Wirklichkeit mit aktuellen Medientrends gleichzusetzen. Die viel beachteten Figuren, die wir in Filmen, Rockmusik oder anderen Medien sehen, sind nur ein Produkt ihrer jeweiligen Zeit. Die Zeiten ändern sich, die Vorlieben ändern sich. Einige wenige unserer aktuellen „Stars“ werden den Wandel überstehen, aber werden wir in zehn Jahren noch Lady Gaga bewundern?

 

Sind Sie Garth Ennis während ihrer Arbeit für Judge Dredd begegnet? Verfolgen Sie die Entwicklung dieser Figur (Dredd, nicht Ennis) weiter? Kennen Sie die Neuverfilmung von Judge Dredd, die 2012 anlief?

Ich hatte die Gelegenheit, während einer wundervollen Zeit an 2000 AD zu arbeiten, in der ich eine Vielzahl von Talenten kennenlernte, die die Comic-Szene beeinflusst haben, aber ich glaube, ich war schon in Frankreich, als der nächste Schub neuer Künstler kam – Garth Ennis, Alan Moore, Simon Bisley etc. Ich zog so um 1983 nach Paris, und damals waren Judge Dredd und 2000 AD in Frankreich praktisch unbekannt, deshalb bekam ich erst Jahre später etwas davon mit, was die neuen Künstler dort geschaffen hatten.

 

Seite aus Battler BrittonKonnten Sie beeinflussen, wie die Deluxe-Ausgabe des Battlers [die Panini anlässlich von Wilsons Deutschland-Besuch veröffentlichte] aussieht, oder lag diese Entscheidung allein beim Verlag?

Sowohl Garth als auch ich wurden gebeten, für den Deluxe-Battler neue Einführungen zu schreiben. Ich habe außerdem noch die Extra-Zeichnungen für den Bonusteil zur Verfügung gestellt, aber für den Gestaltungs- und Herstellungsprozeß war Panini verantwortlich. Ich wurde zwar darüber informiert, dass das Buch im Großformat geplant war, aber ich hatte das wohl etwas überhört, deshalb war ich dann freudig überrascht, als nach meiner Ankunft in Deutschland das fertige, großformatige Buch sah. Panini hat wundervolle Arbeit vollbracht!

 

Bereitet es mehr Freude, Battler zu zeichnen als Star Wars?

Wie könnte ich eines dem anderen vorziehen? Beides habe ich überaus gerne gezeichnet und ich bin sehr stolz darauf, dass ich diese Gelegenheiten bekommen habe…

 

Wird es von Ihnen (und Garth) weitere Bände von Battler Britton oder andere Kriegsgeschichten geben? Was sind Ihre nächsten Comic-Projekte?

Sowohl Garth als auch ich würden liebend gern mehr Battler Britton-Geschichten gestalten, aber leider lassen uns unsere Terminpläne dafür keinen Platz, zumindest nicht in absehbarer Zukunft. Momentan arbeite ich mit Frank Giroud an einem XIII Mystery-Album für Dargaud, und danach fange ich mit einer komplett neuen Serie für Delcourt an. Es wird also etwas dauern, bis ich zu unserem Lieblingspiloten der Royal Air Force aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehren kann.

 

colinwilson1Welches sind Ihre Lieblingscomics und -Künstler?

Das ändert sich laufend und das ist auch ein positiver Aspekt daran, für dieses Medium zu arbeiten: Man entdeckt ständig neue Zeichner und Autoren, die wundervolle Arbeiten abliefern und von denen man vorher nicht mal ahnte, das es sie überhaupt gibt. Gerade erst diese Woche hat mir ein Freund ein tolles Tex-Buch gezeigt, dass vom wundervollen Corrado Mastantuono illustriert wurde, von dem ich bis dahin noch nie zuvor gehört hatte! Vor einigen Monaten bin ich quasi über die erstaunlichen Werke von Marcos Mateu-Mestre gestolpert. Woher kommen diese Leute?

 

Genießen Sie Ihre Zeit in Deutschland und bitte erzählen Sie den Australiern, dass Deutschland mehr ist als nur Bayern, Bier und Bratwurst.

Nicht dass etwas an Bayern, Bier oder Bratwurst auszusetzen wäre 😉
Ich hatte eine großartige Zeit in Deutschland und wir planen bereits etwas Ähnliches für nächstes Jahr oder so. Darauf freue ich mich schon!

 

Abbildungen: © Colin Wilson, DC Comics, Dargaud, Dark Horse, Cross Cult, Bunte Dimensionen
Fotos: © Stefan Svik

Goliath

Cover GoliathDer schottische Zeichner, Autor, Illustrator und Cartoonist Tom Gauld ist hierzulande nicht sonderlich bekannt. Ganz im Gegensatz zu seiner Heimat, wo er wöchentliche Comicstrips für den Guardian zeichnet, in diversen Anthologien publizierte und kleinere Buchveröffentlichungen aufweisen kann. Goliath ist sein erster längerer Comic, und die Idee dahinter ist sehr überzeugend.

Goliath ist ein kleiner Verwaltungsangestellter im Heer der Philister, welches Israel erobern will. Obwohl körperlich ein Riese, hat Goliath mit dem Kriegswesen nichts anderes im Sinn als Zahlen für die Verpflegung und andere Statistiken auszuarbeiten. Die Ruhe in der Etappe kommt ihm sehr gelegen. Leider wird der König der Philister etwas unruhig, da sich sein Heer und das der Israeliten nur noch belauern und somit keine Entscheidung herbeigeführt werden kann. Da kommt einem Hauptmann die Idee, eine symbolische Kriegsführung einzurichten: Er steckt den sanftmütigen Goliath in eine Rüstung, setzt Gerüchte in Umlauf und lässt Goliath jeden Morgen und Abend eine Herausforderung in Richtung des gegnerischen Heeres rufen.

Seite aus GoliathWie gesagt: Die Goliath zugrundeliegende Idee ist sehr gut. Man nehme eine sprichwörtlich gewordene Situation und erzähle sie aus der Sicht des ewig Benachteiligten. Im Grunde war das schon längst überfällig. David gegen Goliath ist ein immer und ewig verständliches Symbol und längst schon im Sprachschatz selbstständig geworden. Während aber David ein biblischer Held ist, durchaus mit negativen Eigenschaften, ist über seinen Gegner Goliath so gut wie nichts bekannt. Da können sich also Autoren und Zeichner richtig austoben und diese (historische?) Leerstelle ausfüllen. Wenn man das dann noch wie hier mit einer satirischen Absicht verknüpft, wenn das Kriegswesen parodiert und psychologische Kriegsführung erläutert werden soll, kann doch im Grunde nichts schief gehen. Meint man jedenfalls.

Aber leider bleibt der Band weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zum einen ist Tom Gaulds kindlich-naiver Strich sehr gewöhnungsbedürftig und kann nicht sonderlich überzeugen. Das liegt weniger am Stil, sondern eher an der graphischen Einfallslosigkeit. Da passiert einfach nichts, obwohl die Gestik der Figuren gut deren innere Gefühlslage wiedergibt. Viel gravierender ist es für eine Satire, dass es nur äußerst selten wirklich komische Momente gibt. Es ist einfach nicht lustig. Zudem kommt einem die Hauptfigur Goliath auch nicht gerade nahe und so verpuffen alle dramatischen Elemente. Die Verdeutlichung der symbolischen Kriegsführung ist zwar gelungen, aber die Psychologie des Krieges wird nur selten angedeutet. Trotz einer sehr schönen Szene mit Images und Gerüchten, ist das letztendlich zu wenig. Alles ist nur ein Kiesel in der Wüste. Trotz vieler guter Ansätze scheitert Gould. Er will zuviel, schafft es nicht, sich zu beschränken und bleibt damit immer nur in Andeutungen und Ansätzen stecken.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Macht leider überhaupt nichts aus einer sehr guten Idee und großem Potential

 

Goliath
Reprodukt, September 2012
Text und Zeichnungen: Tom Gauld
Übersetzung: Nicolas Mahler
96 Seiten, zweifarbig, Softcover mit Klappenbroschur
Preis: 15,00 Euro
ISBN: 978-3-943-14326-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt