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Comic-Salon 2006: Messebericht

In unserem Blog „Erlangen am Draht“ haben wir Euch live auf dem Laufenden gehalten – nun hier ein Messerückblick mit unseren Eindrücken und jeder Menge Fotos.

Das Comicgate-Team bestand dieses Jahr aus Thomas Kögel, Björn Wederhake, unserem Quasi-Neuzugang Christopher Bünte und meiner Wenigkeit. Damit war es bis auf Chris, der Daniel Wüllner vom letzten Mal sozusagen ersetzte, dasselbe Team wie schon vor zwei Jahren. Eine Truppe also, mit der man sich gerne trifft und jede Menge Spaß haben kann.
Da wir endlich mal etwas Handfestes anzubieten hatten (unser niegelnagelneues Printmagazin), gönnten Chefredaktionskollege Thomas und ich uns den Luxus und beschlossen, mit Comicgate zum ersten Mal einen eigenen Stand zu beziehen. Von der Organisation des Comic-Salons wurde uns ein Internetanschluss zur Verfügung gestellt, und da alles noch eingerichtet und dekoriert werden wollte, machten wir uns schon am Mittwoch auf nach Erlangen. Thomas erwarteten wir erst in der Nacht, denn der Glückspilz hatte es tatsächlich geschafft, durch angeblich völlig reguläre Mittel (Teilnahme am Losverfahren, jaja…) Karten für drei (!) Gruppenspiele der Fußball-WM zu ergattern. Eins davon war halt am Mittwochnachmittag.

Mittwoch, 14. Juni 2006 – Tag X minus 1

Ich sitze auf heißen Kohlen. Unsere Printmagazine sollten laut der Druckerei garantiert am Dienstag eintreffen – was sie natürlich nicht taten. Allerdings habe ich eine Benachrichtigung im Briefkasten gefunden, dass ein Nachbar etwas für mich angenommen habe. In meiner grenzenlosen Druck-Naivität gehe ich davon aus, dass das unsere Magazine sein müssten. Dummerweise ist der Nachbar nicht da (bis heute erwische ich ihn übrigens nicht und weiß immer noch nicht, was da auf mich wartet), und so tappse ich alle halbe Stunde hoch, um nachzuschauen, ob sich was tut. Ich male mir schon Schreckensszenarien aus, wie es wohl ist, in Erlangen an einem leeren Stand zu sitzen, das eifrig beworbene Magazin nicht dabei zu haben und neugierigen Leuten tapfer ins Gesicht zu lächeln und sich irgendeinen Schmarn auszudenken. Oder sich doch lieber direkt irgendwo verstecken?
Die Uhr tickt gnadenlos weiter.
Björn, den ich eigentlich um 14 Uhr vom Erlangener Bahnhof abholen wollte, rufe ich an und sage, dass ich es nicht schaffe. Chris, den ich eigentlich zusammen mit Björn um 14:45 Uhr vom Erlangener Bahnhof abholen wollte, rufe ich an und sage, dass ich es nicht schaffe. Scheiße.
Dann klingelt es unerwarteterweise an der Tür – jemand von einer Spedition. Er hätte da was für mich, so Sachen aus einer Druckerei.
Was? Cool! Also hat der Nachbar was anderes angenommen!
Mit einem breiten Grinsen sage ich unfreiwillig süffisant, dass ich ihm entgegenkommen würde. Tja, meint der Typ, es wäre besser, ich würde mein Auto in die Nähe schaffen. Eine Palette von 145 kg schleppe er sicherlich nicht die Treppe hoch, auch wenn es nur die halbe wäre.
Wie, was… Palette? 145 kg? Aaaargs! Willkommen in der Realität, Frau Pfeiffer. Also mit dem Auto zum LKW gefahren, die Kartons erstaunlicherweise ganz wunderbar in den Kofferraum bekommen, dann Björn Bescheid gegeben und mit einem seligen Grinsen losgekurvt. Mein Auto ist sowieso nicht mit allzu viel PS gesegnet und mit dem Zusatzgewicht verbessert sich die Beschleunigung nicht wirklich. Also schnecken wir beide los – es ist nicht schnell, aber nun zumindest tiefer gelegt. Immerhin für manche Leute die Erfüllung.

In Erlangen treffe ich dann Björn und Chris am Hotel. Da dank einer zum Salon perfekt getimeten Baustelle mein üblicher Weg zum Salon gesperrt ist, kurven wir erstmal eine Weile lang hilflos in der Gegend umher, bis wir das Ziel eher per Zufall erreichen. Anmelden, Stand suchen, Pakete reintragen, anfangen Stand zu dekorieren. Michael Loskill von der Salon-Orga heißt mich zwischendurch freundlich willkommen und gibt mir alles für unseren Internetzugang, so dass der auch noch an dem Tag eingerichtet werden kann. Einen Teil unserer Nachbarn von Blotch, mit denen wir uns in den nächsten Tagen sehr gut verstehen werden, lernen wir bereits kennen: Walter „Ghepetto“ Pfau und Sandra Nußer. Und ein paar bekannte Leute wie Stefan Dinter, Michael Vogt und Andreas Mergenthaler (den ich dort zum ersten Mal in natura kennen lerne) schauen auch schon vorbei. Es fängt alles richtig schön an.

erstes Handanlegen an
den CG-Stand (links Björn, rechts Chris)
 Walter und Sandra von BLOTCH beim Lampen-positionieren Stefan Dinter mit Handy vorm Laptop (man beachte den elegant abgespreizten Finger), während Björn standesgemäß vor ihm auf den Boden liegt

Der Mittwoch Nachmittag / Abend im Kongresszentrum hat eine tolle Atmosphäre. Ich war ja noch nie am Vortag da gewesen, vielleicht bin ich deshalb so fasziniert. Viele andere Stände werden ebenfalls aufgebaut, es wuselt und quirlt nur so um einen herum. Alle sind eifrig am Arbeiten und es liegt, und das klingt jetzt ziemlich kitschig, eine freudige Erwartung in der Luft.

 
Deko machen  Blick vom Foyer Deko machen II

An jeder Ecke wird
eifrig gebastelt. 
Dem Müll zu urteilen scheint man bei Panini bereits fertig zu sein…   … während bei Ehapa noch gebaut wird.

Während die Jungs dann am Abend Fußball gucken gehen, genieße ich mit Michael Vogt, Mel Maathuis und Yann Krehl den warmen Abend in einem Straßencafé. Mit den Leuten von INKplosion haben wir schon seit einigen Jahren guten Kontakt, und es ist immer wieder schön, sie zu sehen und mit ihnen zu schnacken.
Als Deutschland an dem Abend das Fußballspiel gegen Polen gewinnt, ist auf einmal auf den Straßen der Teufel los. Völlig verdutzt schauen wir uns das Spektakel näher an. Die Stimmung ist sehr ausgelassen, aber nicht aggressiv. Eigentlich sehr lustig, das alles. Und total ungewohnt. Wie ich am nächsten Tag erfahre, befanden sich Björn und Chris auch irgendwo in diesen Menschenmassen. Mel und Michael freuen sich einen Tick weniger, denn Ihr noch eben von mir beneidetes Hotel liegt zwar tierisch zentral, aber eben auch direkt an dieser Freudenstraße. Die beiden werden also noch ihren Spaß haben in dieser Nacht. Dank Mels Kamera können wir noch ein paar Beweise von dieser ungewöhnlich guten Laune auf Deutschlands Straßen machen.
Da ich Thomas gegen Mitternacht in Nürnberg vom Bahnhof abholen will und ich die leise Vorahnung habe, dass die Fahrt etwas länger dauern wird als geplant, mache ich mich vorsichtshalber früher auf den Weg. Und das war’s dann erstmal für den Mittwoch.
Ich bin erschöpft, aber glücklich.

Michael und Yann, hinter der Kamera Mel  Auch im beschaulichen Erlangen ging die Fußballpost ab! 

[Zum Donnerstag auf „Vor“ klicken.]

 {mospagebreak title=“Donnerstag, 15. Juni 2006“ toc=“1“}

Donnerstag, 15. Juni 2006 – Tag X

Mit Andreas Mergenthaler von Cross Cult verbindet der Großteil der anwesenden CG-Mannschaft mehr als nur Interesse an den Comics – wir arbeiten bei ihrer Zombie-Serie The Walking Dead mit. Björn interviewte Tony Moore für den 1. TWD-Sammelband, Chris schrieb den Großteil des Artikels über „Zombies in Videospiele“, der im aktuellen 2. Sammelband zu lesen ist, und ich bin verantwortlich für das Lektorat und diskutiere auch gerne mal Einzelheiten mit Übersetzer Marc-Oliver Frisch (der auch ein Teil des CG-Teams ist, aber leider nicht in Erlangen anwesend war) aus.
Klar, dass Andreas und ich uns endlich mal persönlich kennen lernen wollten, um ein bisschen zu plaudern. Uns fiel kein vernünftiger Abend ein, an dem das möglich gewesen wäre, und so lud Andreas zum Frühstücksbuffet in ihr Hotel, das sich direkt neben der Heinrich-Lades-Halle befindet, ein. Auf die Idee, dass die Einladung vielleicht nur selektiv ausgesprochen wurde, kam ich gar nicht, und so fragte ich fröhlich ungeniert, ob er was dagegen habe, wenn ich die drei Jungs mitbringen würde (erst das Nachfragen von Thomas in Erlangen, ob das wirklich okay ginge, schließlich würde das ganz gut was kosten, brachte mich im Nachhinein ins Grübeln, ob ich das alles richtig verstanden hatte). Klar, mailte Andreas, und so stolpern wir am Donnerstag Morgen von unserem Hotel Delphi (ohne Frühstück, dafür billig) in das noble NH-Hotel. Vermutlich sieht Andreas sämtliche Gewinne, die Cross Cult mit Sin City eingefahren hat, just in unseren hungrigen Mägen verschwinden. Das Geld ist allerdings gut angelegt, liebe SC-Käufer: das Essen schmeckt hervorragend, das Geplauder ist sehr nett und die CG-Mannschaft bis zum Abend essenstechnisch versorgt. Herzlichen Dank Euch – und natürlich Andreas!

Um kurz nach elf machen wir uns dann alle Mann auf, schließlich öffnet der Salon um zwölf Uhr zum ersten Mal nach zwei Jahren wieder seine Pforten und bis dahin will ja schließlich noch einiges unternommen werden.

Auf unserer Stand-Rückseite machen sich die Leute von der Alligator-Farm an die Verschönerung ihrer 4m². Wir stellen fest: Kindertapeten sind erstaunlich vielseitig einsetzbar. An dieser Stelle übrigens einen schönen Gruß an Kai Hirdt und Till Felix; leider die einzigen Alligatoren, mit denen ich ein wenig zu tun hatte (die waren aber sehr nett). Vielleicht habe ich mich von der gehäuften Masse an Damen und Herren abschrecken lassen, je ne sais pas. Pardon also für einen Kommunikationsstau meinerseits.
Ihr hättet aber auch mal einzeln vorbei kommen können, dann wäre ich bestimmt nicht so gehemmt gewesen. Demnächst also bitte hintereinander Schlange stehen bei uns zum Hallo sagen und Rapport erstatten. Danke.

   
noch angenehm leerer
Presseraum 
die Krokos beim Dekorieren
(ganz links: Kai Hirdt)
 

Während die Krokos noch tapezieren, ist Comicgates Kreativ-Mastermind Thomas schon am Schnippeln und Kleben. Er hat sich das Magazincover ein paarmal ausgedruckt und bastelt uns nun dekorative Aufsteller. Auch die Idee, die Postkarten einmal quer oben aufzuhängen, stammt von ihm. Wir finden das Ergebnis ziemlich schnieke.

     
 Thomas beim Basteln. Einer der Aufsteller  So sieht er aus, der fertige CG-Stand.

Zwischendurch ist auch Blotch-Mastermind Gabor Racsmany eingetroffen, nachdem er seine Büttel am Vortag den Stand hat aufbauen lassen. Der Mann hat begriffen, wie man’s macht. Gabor habe ich bereits in München auf dem Comicfest 2005 in persona kennen gelernt und wir haben uns direkt gut verstanden. Freut mich also um so mehr, dass er und seine Mannschaft nun unsere Nachbarn auf der anderen Straßenseite sind. Diese Position eignet sich auch hervorragend zur Beobachtung von Blotch. Folgende Szenen ereigneten sich zwar erst später, aber sie passen hier sehr gut hinein:

   
Gabor, Sandra und Walter
kümmern sich fürsorglich um
den Comic-Nachwuchs. 
 Genau, so zeichnet man schöne
Kreise. Ghepetto zeigt den
Kleinen, wie man sich helfen
kann.

Okay, nun ist es also gleich soweit. Das Gerücht geht um, dass draußen ziemlich viele Leute in der Schlange anstehen und darauf warten, reinzukommen. Wow! Die wollen echt zu uns (na ja, quasi uns)? Cooles Gefühl.
Der legendäre berühmt-berüchtigte Rogue-Skizzensammler Tilman „Roguemann“ wurde bereits als Vierter gesichtet. Jetzt ist alles komplett; eine Comicmesse, wie sie sein sollte.

 
Eines meiner persönlichen
Lieblingsfotos: Ein enthusias-
tischer Michael Vogt
vor Kunstrasentapete.
 

Und ja, dann spazieren tatsächlich Leute hinein, die keine weißen Bändel um den Hals hängen haben. Beute! Am Donnerstag sind wir noch etwas schüchtern mit unserem Magazin und labern nur mit denen, die zuerst anfangen zu reden. Man will ja nicht unhöflich sein oder sich aufdrängen. Diese Einstellung wird aber aufgrund von Erfahrungen und Tipps der Profis im Lauf der Veranstaltung weichen. Klappern gehört zum Handwerk, wie ich direkt bei meinem ersten Rundgang bei INKplosion feststellen kann, an dessen Stand Michael Vogt etwas für die Videoreportage von Splashcomics erzählt.
 

Unser Stand ist leider in einer denkbar ungünstigen Ecke der Heinrich-Lades-Halle. Es ist so, dass alle Verlage, die bereits mal auf dem Salon waren, wieder ihren alten Platz bekommen, wenn sie ihn wollen. Heißt, die Haupthalle ist bereits vollgestopft mit den etablierten Ständen, während die neuen in den hinteren Teil (beim Nebeneingang) oder ins Foyer gesteckt werden. Und da ist das Schlenderpublikum deutlich weniger. Etwas merkwürdig erscheint mir deshalb, dass jeder Standmeter dasselbe kostet, egal wo er sich befindet.
Im Nachhinein ist der Donnerstag unser schlechtester Tag, was die harten Zahlen angeht. Aber immerhin, elf Leute haben unser Magazin gekauft. Und es macht einfach einen wahnsinnigen Spaß, da rumzusitzen und ein Produkt anzupreisen, hinter dem man steht (im wahrsten Sinne, haha).

Ein unbekannter Scherzkeks, vermutlich mit dem Humor eines Mr. Proper, bezieht sich direkt mal auf einige ereignisreiche Minuten des letzten Comic-Salons sowie die Tatsache, dass die drei kleinen Konferenzräume des Comic-Salons Raum Asterix, Raum Obelix und Raum Miraculix genannt werden, und tauft kurzerhand die Herrentoilette Raum Uderzo. So ein Schlingel. Das Schild behält aber nicht allzu lange seinen Platz.

     
Comic-Salon 2004: Aushang im Pressebüro, der Urheber des handschriftlichen Kommentars ist uns nicht bekannt. Comic-Salon 2006:
Original … 
und Fälschung.
Thomas denkt zum Glück dran (ich hätte es bestimmt vergessen) und gibt direkt mal fünf Exemplare unseres Magazins an Burkhard Ihme vom ICOM, um uns damit für den ICOM Independent Preis 2007 zu bewerben.

Bastian „Lapinot“ Baier und Anna-Maria Jung, beide im Comicgate-Magazin vertreten, haben ihre ersten Signierstunden bei uns. So ganz will das am Anfang nicht ins Rollen kommen. Wir freuen uns trotzdem total, dass sie bei uns sitzen, denn sie stellen sich als sehr nette Zeitgenossen heraus, und es ist einfach schön, ihnen beim Zeichnen zuzuschauen.

Ich gönne mir nachmittags meinen ersten (und leider auch schon letzten) Vortrag: „Die Maus auf dem Tablett – Comics und Computer“, gehalten von Eckart Sackmann. Aha, und jetzt, da ich ihn dort stehen sehe, bin ich mir nun 100%ig sicher: der Herr, der gestern abend Tische mit uns tauschen wollte und dem ein Dankeschön für’s Mitschleppen etwas schwer über die Lippen kam, das war tatsächlich Herr Sackmann. Aber der Vortrag, der ist recht interessant. Einerseits deckt er die Benutzung von Computern für Comics von den ersten zögerlichen Schritten bis heute ab, wobei er auch einige kritische Dinge anmerkt wie z.B. dass er nicht glaube, dass Jamiri ohne Fotovorlagen arbeiten würde, über Webcomics bis hin zu Computern in Comics. Habe so einiges dazugelernt.

     
Startfolie von Eckart Sackmanns Vortrag.  Vor elf Jahren: der wahrscheinlich erste Comic bewusst für’s Netz. Die Zeiten ändern sich.
     
Jamiri ist eines der bekanntesten Beispiele für digitale erstellte Comics.  Das Auftauchen von Computern in Comics. Es gibt sogar Bücher über Webcomics.

Björn äußert am Nachmittag sein Unverständnis über meine Ausdrucksweise. So viel „süß“, „knuffig“ und „niedlich“ gingen ja gar nicht. Auch wenn ich ihn anscheinend bis jetzt täuschen konnte, nun habe ich mich doch geoutet: ich bin ein Mädchen. Ich benutze Wörter im positiven Sinne, die für Männer nur bah sind. Ups!
Außerdem entwickelt er eine interessante Theorie: ich hätte einen komischen Humor – weil er meine Sprüche nicht richtig einordnen könne. Oookay… Note to self: wenn ich was ironisch oder witzig meine, sollte ich das in Björns Gegenwart vorher deutlich durch Körper- oder direkte Sprache ankündigen.

Da am Abend nach der ICOM Independent-Preisverleihung (der ICOM ist der Interessenverband Comic, Cartoon, Illustration und Trickfilm e.V.) der Goldene Spacken 2006 ausgewählt und verliehen wird (ein Wettbewerb, den wir zusammen mit Schwarzer Turm ausgerichtet haben), versuche ich noch schnell alle eingereichten Spackenbeiträge auf CD zu brennen, damit die nachher per Beamer angezeigt werden können. Sage und schreibe über eine Stunde brauche ich, bis ich das Teil in Händen halte. Irgendwie kommt immer wieder was dazwischen. Eckart Breitschuh, zusammen mit Stefan Dinter Spacken-Juror, vermeldet, dass Fräulein Anni, komplettierende Jurorin, sehr wahrscheinlich in Erlangen nicht anwesend sein kann. Ach du Scheiße! Und jetzt? Wenn ein Juror fehlt, nimmt das einer Live-Ausscheidung doch etwas die Luft. Er versichert mir, dass sie sich was ausdenken würden, und lässt mich dann beunruhigt zurück.

Der erste Messetag nähert sich dem Ende. Das großzügige Frühstück ist nun doch im Magen aufgebraucht und wir beschließen, noch schnell einen Döner einzuwerfen, bevor bereits eine halbe Stunde nach Messeschluss um 19:30 Uhr die ICOM Independent-Preisverleihung, bei der bewusst Preise an kleine Verlage und Fanzines gehen, beginnt. Chris seilt sich nach dem Essen ab, um das wirklich interessante, den Salon begleitende Kinoprogramm zu nutzen. Wir stolpern zehn Minuten zu spät ins Rathaus, welches sich zum Glück direkt an die Heinrich-Lades-Halle anschließt. Ebenfalls zum Glück ist Verlass auf solche Veranstaltungen – sie hat noch nicht begonnen.

 
Ausliegendes Blättchen: die Schlagzeile können wir bestätigen. 

Der Raum ähnelt einem modernen Kongresssaal, im Halbkreis sind die Bänke um die Bühne angeordnet. Wir suchen nach Plätzen im gut gefüllten Raum. Netterweise winkt mich die Zwerchfell-Mannschaft direkt ran, bei ihnen ist noch ein Platz frei. Laut Jan Dinter muss vorher schon die Post abgegangen sein. Jeder Platz hat nämlich ein Mikrofon – und jedes Mikro war am Anfang eingeschaltet. „Was glaubst Du, was passiert, wenn Du lauter Comiczeichner davorsetzt?“ grinst Jan. Hehe, ich kann’s mir denken.

Dann geht’s los, Burkhard Ihme vom ICOM hält ein paar einleitende Worte, bevor er das Wort an den Moderator der diesjährigen Preisverleihung abgibt. Das macht diesmal Harald Havas, der mir eher als Moderator des Max-und-Moritz-Preises der letzten Jahre bekannt ist. Harald führt gewohnt locker-flockig durch’s Programm, was im Gegensatz zu den eher künstlerisch orientierten und dadurch recht steifen Laudatien steht. Allerdings wäre es wohl mal gut gewesen, wenn sich jemand vorher die Texte durchgelesen hätte; Harald stolpert bei so manchen Schreibfehlern und stoppt auch schon mal mitten in einer Laudatio, um das mit Burkhard auszudiskutieren. Manche stören sich daran, wie man später mitbekommt, ich fand’s nicht tragisch. Kommt drauf an, wie ernst man diese Veranstaltung aufziehen möchte.

   
Burkhard Ihme und…   Harald Havas.

   
Leute! Es ist erst Donnerstag!   Nicht jetzt schon schlappmachen!
Jahan!

Schön ist die Tradition, dass der jeweils letztjährige Preisträger die Urkunde an die diesjährigen Gewinner übergibt. Christian Heesch, Zwerchfell-Chef, wird dabei spontan als Joker bestimmt. Wenn einer der Preisträger nicht da ist, muss er halt ran. Nette Aktion.

 
Alle diesjährigen
Preisträger.
 

Dieses Jahr erhielten die Auszeichnungen für:
BESTER INDEPENDENT COMIC: Acht, neun, zehn von Arne Bellstorf (Reprodukt)
BESTER KURZCOMIC: Katze von Klaus Cornfield (Schwarzer Turm)
HERAUSRAGENDES SZENARIO: Menschen am Sonntag von Manuele Fior (Avant-Verlag)
HERAUSRAGENDES ARTWORK: Borderland von MOKI in Panik Elektro 3 (Schwarzer Turm)
SONDERPREIS (COMICPUBLIKATION): www.electrocomics.com (Ulli Lust)
SONDERPREIS (LEISTUNG ODER PUBLIKATION): www.comiczeichenkurs.de (Kim Schmidt u.a.)

Alle Preisträger, Laudatien, lobende Erwähnungen und Jury-Mitglieder finden sich hier .

 
 In friedlicher Eintracht: Susi aus
Havas’/Kiesels Comicstripserie
Fred und der Goldene Spacke 2006,
modelliert von Wittek.

Im Anschluss geht’s dann direkt weiter mit dem Live-Entscheid um den Goldenen Spacken mit dem diesjährigen Motto „Mein größter Fehler“ (hier erfahrt Ihr mehr über diesen Wettbewerb). Eckart und Stefan wird erstmal Bier besorgt und Mille hat die Ausdrucke aller Spackenteilnehmer mitgebracht und verteilt sie an die Jury und uns (das CG-Team hat sich neben dem Technikmensch niedergelassen, um schnell auf die Jury „Bitte mal Spacken Nr. 13 auf die Leinwand!“ reagieren zu können). Die beiden Herren Juroren lassen uns alle ziemlich schwitzen. Sie reden sich warm auf der Bühne, und noch immer ist nicht klar, ob und wer noch zur Jury stoßen soll. Vorher ging das Gerücht um, dass Constanze Döring gefragt wurde, sie aber ablehnte. Mille flüstert mir zu, dass Robi wohl mitmachen würde, wenn sie ihn fragen würden. Ich bin erleichtert – schließlich war Robi Gründungsmitglied des Goldenen Spacken und Teil der Jury im 1. Jahr, bevor er dann im 2. und 3. Jahr von Fräulein Anni abgelöst wurde, und bei der 1. Spackenverleihung 2004 waren die drei ein sehr unterhaltsames Team.Noch immer aber lästern und quatschen unsere beiden Herren da vorne, als ob es kein Morgen gibt und es zeichnet sich immer noch nicht ab, wie sie weiter verfahren wollen. Alle Mann sind wir am Verzweifeln. Dann aber doch endlich der erlösende Satz: es geht um einen dritten Juror und um stilvolle Hawaii-Hemden (mein prüfender Blick auf Robi zeigt: check, er trägt ein knallbuntes Oberteil), und dann wird er tatsächlich auf die Bühne gebeten. Holla, das war spannend.

   
 Noch zu zweit kalauernd…  jetzt zu dritt.
Robi sichtet das Material.

Aus den Wochengewinnern und den Jokerspacken (jeder Juror durfte einen Beitrag nennen, der ihm besonders gut gefallen, aber nicht die Woche gewonnen hat) soll nun live die Entscheidung um den Goldenen 2006 fallen. Wie es nun die Eigenschaft des Wettbewerbs ist, geht das alles verdammt unfair zu. Ivo Kircheis‘ Beiträge – er hatte gleich zweimal je eine Woche für sich entscheiden können – werden erstmal auf einen Beitrag reduziert, nur um dann komplett ausgesiebt zu werden, da er kürzlich Vater geworden ist und deshalb nicht anwesend sein kann. Dann geht es noch munter weiter mit den Beiträgen von Ans de Bruin, Groobert, Andreas Eikenroth  und Anna-Maria Jung, die sich allesamt im Publikum befanden. Sehr schön war der Dialog zwischen der Jury und Anna-Maria: Jury zum Beitrag: “Die Lichtverhältnisse sind da aber überhaupt nicht stimmig.“ Aus dem Publikum: „Da ist ja auch ’ne Straßenlaterne, die ist nur nicht im Bild.“ Ganz kurz hielten die Juroren inne, denn so aufmüpfige Teilnehmer waren sie offensichtlich nicht gewohnt, ehe sie weiterdiskutierten.
Am Ende gewann dann tatsächlich Anna-Marias Nussverkäufer knapp vor Andreas Eikenroths WM-Beitrag, der seine Niederlage mit den Worten „Ich scheiß auf eure Comics, ich mach jetzt Filme!“ kommentierte. Der Saal lag nieder vor Lachen, und Anna-Maria nahm man ihre Freude über den Gewinn absolut ab.

     
Die Dreier-Jury beim Ausdiskutieren.   Die alten Männer und
Anna-Maria.
 Eine strahlende Siegerin.

Der Veranstaltungsort, auch wenn er sehr modern und nicht besonders kuschelig ist, hat mir persönlich sehr gut gefallen; besonders, dass wirklich jeder was sehen kann und sich nicht, wie oft in der Stripbar, mit dem Ton zufrieden geben muss.

Während die anderen noch zum Mexikaner essen gehen, genehmigen Björn, Thomas und ich uns alkoholische Getränke auf dem Platz vor dem Comic-Salon und genießen den warmen Abend. Bis halb eins nachts lässt das Café seine Gäste draußen sitzen, was sehr genial ist. Danach verabschiede ich mich von den beiden. Ich bin so müde, dass mir beinahe im Gehen die Augen zufallen. Und so schiebe ich ab zum Hotel, während die Jungs noch den Schwarzen Ritter aufsuchen, „aber auch nicht mehr so lange bleiben wollen“. Ja ja…

[Zum Freitag auf „Vor“ klicken.]

 {mospagebreak title=“Freitag, 16. Juni 2006“ toc=“1“}

Freitag, 16. Juni 2006

Ab heute müssen wir uns unser Frühstück selber besorgen. Zum Glück gibt es quasi direkt um die Ecke einen Bäcker mit einem kleinen Café-Bereich in einem denkmalgeschützten Haus. Sehr schön hergerichtet und ideal, um den Tag zu beginnen.
Wie das so ist verlieren wir uns beim Schwatzen und überhaupt wird der Weg zum Salon deutlich unterschätzt, so dass wir eine gute Viertelstunde zu spät kommen. Was wir in dieser Zeit schon alles verkauft hätten können! Eieiei… 
Unsere Technik durften wir netterweise in dem Büro unterstellen, das Splashcomics zur Verfügung gestellt wurde. Boah, das ist sogar klimatisiert! Ein bisschen Neid kommt da schon auf aufgrund der Bullenhitze draußen und der stickigen Luft in unserer Ecke der Halle.
Na egal, frisch ans Werk.

Zwei Interviewtermine stehen bald an. Björn hatte schon vor einiger Zeit angefangen, sich mit Frank Neubauer, freier Übersetzer und Redakteur (u.a. für Dino, Infinity, Ehapa), per mail zu unterhalten und möchte nun die Gelegenheit nutzen, das Ganze live fortzusetzen. Und Chris fand den Manga Losing Neverland der deutschen Nachwuchszeichnerin Fahr Sindram hochinteressant, so dass er ebenfalls an dem Morgen ein Interview führt. Das Gespräch mit Fahr, in dem es hauptsächlich um ihre Intention geht, auf so genannte Shotacons (Manga, die von einer sexuellen Beziehung eines Erwachsenen und eines minderjährigen Jungen handeln) aufmerksam zu machen und mit Losing Neverland um den Stricherjungen Laurie deutlich dagegen Stellung zu beziehen, ist bereits bei uns online gegangen.

Das Interview mit Frank, bei dem ich die meiste Zeit vor Ort war (schließlich verbinden mich mit seinem Namen meine ersten „neueren“ Comicerfahrungen; als langjähriger Betreuer der Leserbriefe bei Spawn stand sein Name früher für mich immer für „die Comicmacher“ schlechthin) steht kurz vor der Fertigstellung und wird in den nächsten Tagen hochgeladen. Mit ihm probieren wir zum ersten Mal unser Mikrofon aus, das es erlaubt, das Gespräch direkt auf Festplatte zu speichern. Feine Sache! Per Hand Notizen mitschreiben ist nicht gerade bequem, und ein Diktiergerät ist ja immer mal gerne an genau der wichtigsten Stelle voll. Die Quasi-Generalprobe besteht unser Mikrofon und die entsprechende Software ausgezeichnet, so dass wir uns gewappnet fühlen für die noch folgenden Interviews mit Humberto Ramos und Charlie Adlard.

     
 Frank Neubauer (links) lässt sich von Björn ausquetschen  Fahr Sindram beim Interview mit Chris Was man so alles auf seinem Fotoapparat findet! Ein zufriedener Chris kurz nach dem Gespräch mit Fahr

Das Interview mit Ramos, durch Crimson und Out There einer der Zeichner, der mich schon seit mehreren Jahren interessiert, lasse ich mir bei Carlsen bestätigen. Wir könnten entweder an einer „allgemeinen“ Presserunde am Freitag teilnehmen oder aber am Samstag um 15 Uhr eine Stunde lang mit ihm reden. Da ist zwar eigentlich noch unser Kickerturnier im Gange, da ich aber nicht damit rechne, so weit zu kommen, dass das Comicgate-Team zu dieser Zeit noch spielt, sage ich den Samstag-Termin zu in der Hoffnung, dass Thomas es mir nicht übel nehmen wird, das Kickerturnier organisatorisch alleine zu Ende zu bringen. Ich freu mich schon!
Bei Carlsen treffe ich auch Flix und Ralph Ruthe. Ralph drücke ich schon mal zwei Exemplare unseres Printmagazins in die Hand als Beleg für das Interview mit ihm und als Dankeschön, dass er sich so viel Arbeit für uns macht und 25 vorbestellte Exemplare signieren wird. Mit Flix, der ja seine Cartoons „VerFLIXt!“ schon seit mehren Jahren bei uns veröffentlicht, kann ich leider wie immer nur ein paar kurze Worte wechseln.
Irgendwann klappt’s mal, Flix!

Unsere Standrückennachbarn von der Alligatorfarm mischen derweil die beschauliche Comic-Salon-Runde auf. Mit seinen „Comichetzreden“ echauffiert sich Kroko-Chef Karl Nagel über teure Kunstcomics, die sich kaum jemand leisten kann, und den schlechten Ruf bzw. das Ausbleiben der billigen Schundcomics, die einfach nur unterhalten wollen. Anfangs noch sehr skeptisch betrachtet bzw. ignoriert von den Salon-Besuchern, mausern sich seine regelmäßig statt findenden Reden im Laufe des Salons zu Veranstaltungen mit immer mehr Zulauf. Kein Wunder, ist doch Karl Nagel als Mitinitiator der Chaos-Tage und der APPD erprobt darin, anderen Leuten eine Reaktion zu entlocken. Nur die Axt, die muss er irgendwann weglassen, da sich ein Standnachbar bei den Salon-Organisatoren beschwerte, dass ihm dadurch die Kundschaft ferngehalten werden würde…

Wir können da ähnlich reden von einem anderen Standnachbarn, der möglicherweise *uns* diverse Interessenten ferngehalten hat. Wer bleibt schon gerne irgendwo stehen, wenn nebenan von morgens bis abends ältere Personen einen Ministand umlagern und sich eifrig Bier und Liköre zuführen? Und immer wenn wir nicht aufpassen, wird unser Tisch direkt mal zur Bierflaschenabstellmöglichkeit umgemodelt. Na dankeschön.
Ganz ernsthaft: falls wir den Salon nochmals als Stand mitmachen sollten, werden wir darum bitten, nicht nochmal in der Nähe dieses Ausstellers zu landen.

Während bald der erste Teil des Kickerturniers beginnt, hat sich Anna-Maria zu ihrer freitäglichen Signierstunde am Comicgate-Stand eingefunden. Und klar, wenn man schon einen Gewinner in den eigenen Reihen hat, dann muss das auch gebührend ausgewiesen werden. Heute ist auch deutlich mehr Zuspruch beim Signieren als am ersten Tag.

   
 Karl Nagel, noch mit Axt  Anna-Maria Jung beim Signieren am CG-Stand

 

Nun müssen Thomas und ich aber los zum Kickerturnier, das in Kooperation von Comicgate und dem Comic-Salon stattfindet. Wir haben so weit alles organisiert, was die Anmeldung und die Durchführung angeht, und der Salon kümmerte sich um einen geeigneten Platz und die Tische. Und da muss man loben: die Kickertische sind allererste Sahne, gute Kneipenkicker.

Schon fast beschämend, was für Tische unter dem Label „Offizieller DFB Turnierkicker“ verkauft bzw. vermietet werden. Solch ein Teil kann man nämlich bei Panini bestaunen, die sicherlich auch nicht mit so einem Wrack gerechnet haben. Kai von der Alligatorfarm und ich spielten am Donnerstag mal kurz darauf. Davon abgesehen, dass der Tisch ziemlich wacklig war, kam mir andauernd der Griff der Stangen entgegen…

Wie gesagt, die Kickertische für den Wettbewerb, die sonst dem Publikum zur freien Verfügung stehen, sind prima und die zur Verfügung gestellten drahtlosen Mikros eignen sich hervorragend für diesen Einsatz. Leider ist das Turnier aber unserer Meinung nach zu wenig beworben worden. Auf der offiziellen Salon-Seite konnte ich keinen Hinweis dazu finden, dabei hatte ich eine Grafik gebastelt und den Organisatoren geschickt zur Ankündigung, es wäre also keine Mühe gewesen. Zu dieser unserer Missstimmung kam dann noch der Fakt, dass das Turnier aus heiterem Himmel „The Winner Takes It All“ genannt wurde, was in keinerlei Absprache mit uns geschah; wir hatten schon über einen Monat vorher Namensvorschläge gemacht, auf die aber nicht eingegangen wurde.
Was soll sich denn ein Besucher unter solch einem nichtssagenden Programmpunkt vorstellen können?

 
 Zwischenstand

Dementsprechend mau ist das Publikumsinteresse. Wir haben das Gefühl, dass unsere ganzen Bemühungen im Sande verlaufen sind und fühlen uns etwas im Stich gelassen. Dabei ist der Veranstaltungort mit dem „Aktionsplatz“ durchaus gut gewählt (ansteigende Stufen erlauben den Zuschauern einen guten Blick auf die Tische) und die Moderatoren Eckart Breitschuh und Stefan Dinter, die hier immerhin zwei mal zwei Stunden ihrer Zeit opfern, sowie die Teilnehmer sind blendend gelaunt.

Naomi Fearn spielt Glücksfee und lost die Gruppenspiele aus.
Das Comicgate-Team, bestehend aus Thomas und mir, schafft es durch einen Sieg über Blotch (Gabor und Walter) immerhin, den Freitag zu überleben und wir ziehen in das Viertelfinale am Samstag ein.
Das Team “Witt-Säue“ beschließt kurzerhand, dass Wittek sich einen Finger gebrochen hat (der erstaunlich schnell wieder geheilt ist) und sagt mit dieser Begründung ab, was uns in eine ziemliche Bredouille bringt in der Organisation. Das gegnerische Team INKplosion II ist grummelig deswegen. Nicht böse sein, wir können doch nix dafür… Und Team Reprodukt II ist plötzlich nicht mehr auffindbar und tritt deshalb nicht an.
Der Rest geht gut über die Bühne, und es werden acht Teams ermittelt, die am Samstag gegeneinander antreten werden bis zum letzten Kampf im Finale.

     
Auch dem Nachwuchs wird eine Chance gegeben gegen „Flyarts“.
Eckart und Stefan parlieren im Hintergrund, dass es eine Pracht ist.
 comic.de gegen das Panini-Team…  … welches wenig später eine interessante neue Grifftechnik einführt, die das Team richtig g

     
Links Toonlight gegen Carlsen,
rechts Bunte Dimensionen gegen Alligatorfarm
INKplosion I, im Hintergrund das Team vom Comic-Salon. Katrin und Sascha, die für Zwerchfell spielen.

Als wir, zufrieden über unseren Sieg, zu unserem Stand zurückkehren, finde ich die links abgebildete Nachricht vor. Wie praktisch! So einen Björn sollte jeder am Stand haben, dann klappt’s auch mit der Informationsweitergabe.

Um 18 Uhr gibt es noch ein öffentliches Pressegespräch mit Humberto Ramos, an dem deutlich weniger Interessenten teilnehmen als gedacht. Eingeladen wurder der Zeichner übrigens von Carlsen, die vor kurzem seinen Comic „Die Offenbarung“ herausgebracht haben. Der kleine Raum ist zwar voll, aber ich war mir vorher sicher, dass wir uns irgendwo in einen Ecke quetschen müssen. Pustekuchen – fünf Minuten vor offiziellem Beginn bekommen wir noch bequem Plätze. Chris, Björn und ich hören uns in Anbetracht des morgen anstehenden Interviews das Ganze an – bzw. wir wollen uns das Ganze anhören. Chris verabschiedet sich schon nach fünf Minuten; Björn gibt nach etwa weiteren zehn Minuten seinen Müdigkeitsattacken nach und seilt sich ebenfalls ab.

 
 Matthias Wieland (links) im Gespräch mit Humberto Ramos

Bis auf den etwas zähen Anfang, der dem Beginn von Ramos Karriere nachgeht, ist der Rest des Gesprächs, durch das Matthias Wieland führt, hochinteressant. So erzählt der mexikanische Zeichner (im passenden Trikot, schließlich spielt Mexiko an dem Abend – wird aber verlieren) unter anderem von den starken Unterschieden in der Arbeitsweise für amerikanische und französische Verlage. Mitunter liegt man fast auf dem Boden, da man seine Ratlosigkeit und den Kulturschock aufgrund der „entspannten“ französischen Versorgung mit Skripten und Vorlagen amüsiert nachvollziehen kann (nebenbei hatte er z.B. immer genug Zeit, um an seinem creator owned Projekt Revelations (Die Offenbarung) weiter zu arbeiten). Eine seiner Anekdoten ist, dass er, nach seinen Vorlieben gefragt, sagte, er mache gerne Personen und er hasse technischen Kram wie Raumschiffe. Okay, wurde ihm vom französischen Verlag geantwortet, Raumschiffe kämen leider vor, aber nur ein paar in der Einleitung. Ramos sagte also zu, staunte aber nicht schlecht, als die „Einleitung“ dann etwa 25 oder 30 Seiten und damit über die Hälfte des Bandes ging… Da hat er wohl erstmal geflucht. Auch die unterschiedlichen Herangehensweisen an einen Comic sind für ihn interessant. Bei US-Comics, erzählt er, müssten alle paar Seiten unbedingt Splashpages (also großformatige Aufnahmen mit jeder Menge Action) und generell wenig Gerede rein – bei dem französischen Skript bekam er kaum die Sprechblasen unter, so viel Text war da. Dark Horse sei wohl an dem französichen Titel interessiert, um es auf dem US-Markt erscheinen zu lassen, aber Ramos wehrt ab und sagt, das sei einfach zu viel zu lesen für Amerikaner. Er glaube nicht, dass der Comic dort Erfolg haben werde.
Auch von Marvel weiß er einiges zu berichten. So hatte der Mexikaner Spider-Man übernommen (Bildbeispiel hier), obwohl sein cartooniger Stil vorher klar war. Nachdem es von Fanseite einiges an Beschwerden hagelte, bat Marvel ihn, seinen Stil zu ändern – was für ihn nicht in die Tüte kam; schließlich war es ja nicht so, als ob er sie darüber getäuscht habe, wie sein Spinnenmann aussehen würde. So hörte er also auf mit der Serie und stieg etwas verbittert bei dem Großverlag aus. Interessanterweise fragten sie ihn eine Zeit später, ob er nicht die Serie Wolverine zeichnen wolle. Er sagte „Ja, wenn Ihr mir das Doppelte von dem gebt, was ich für Spider-Man bekommen habe“ – und Marvel sagte zu. Seit März dieses Jahres (US Nr. 42) stammen also die Wolverine-Zeichnungen von ihm.
Humberto Ramos macht einen professionellen, dabei aber nicht negativen Eindruck. Obwohl sein Tag sicher lang war, plaudert er frei von der Leber weg und sehr offen und freundlich über den Alltag eines professionellen Comiczeichners. Er scheint genau zu wissen, was er will, wozu er fähig ist und wozu nicht. [Er gilt übrigens als der einzige Cliffhanger-Zeichner, der aufgrund seiner pünktlichen Arbeitsweise kontinuierlich seine Serie (Crimson) vorantreiben konnte, während Joe Madureira (Battle Chasers) and J. Scott Campbell (Danger Girls) doch eher für ihre Unzuverlässigkeit bekannt sind.]

Und damit geht der 2. offizielle Tag des Comic-Salons für uns zu Ende. Abends gehen wir noch mit den Blotchies essen und schauen danach bei der 15-Jahre-Reprodukt Party in der St ip-Bar rein, bei der u.a. Fil auftritt. Es ist noch so warm draußen, dass man ganz bequem bis spät abends draußen schwätzen kann…

Der Samstag folgt… irgendwann.

Mind the Gap 24: Previews 06/2006

Neue US-Comics müssen von Händlern jeweils etwa zwei Monate vor Erscheinen vorbestellt werden, was über den Katalog Previews geschieht, in dem die meisten US-Verlage ihre Produkte anbieten. Das Ziel von „Mind the Gap“ ist, euch bei dem Wust an monatlichen Veröffentlichungen einen groben Überblick zu verschaffen und die interessantesten Neuerscheinungen aus Previews hervorzuheben.

Wenn der eine oder andere Tipp euer Interesse weckt, könnt ihr den entsprechenden Comic vorbestellen, indem ihr die Bestellnummer an den Comic-Händler eures Vertrauens weitergebt.

Vorbestellungen für August 2006

AGENTS OF ATLAS #1 (von 6)
Marvel Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | farbig | JUN06 1943

Die Vereinigten Staaten der Fünfziger: Es regiert der Haudegen „Ike“ Eisenhower, Senator McCarthy ballert mit roten Farbpatronen rum und der berüchtigte Dr. Fredric Wertham dient als Gallionsfigur für einen politisch und medial groß angelegten Kreuzzug gegen allerhand Jugendgefährdendes. Schon bald ist der Öffentlichkeit klar: Comics machen Kinder dumm, schwul und kriminell.

In dieser heimeligen Atmosphäre wird von Marvel Comics – damals als Atlas Comics bekannt – unter anderem Yellow Claw herausgegeben. In der Serie misst sich der politisch korrekte chinesisch-amerikanische FBI-Agent Jimmy Woo in bester 007-Manier mit dem politisch nicht ganz so korrekten chinesischen Oberschurken Yellow Claw. Außerdem über verschiedene Titel des Atlas-Programms – die wenigsten davon dem Superhelden-Genre zuzuordnen – verstreut zu finden sind die Figuren Gorilla Man, Namora, Human Robot, Venus und Marvel Boy. Aus diesem Fundus bedient sich Agents of Atlas, eine Miniserie von Autor Jeff Parker (The Interman) und Zeichner Leonard Kirk, einem alten Hasen der US-Branche, dessen Arbeit zuletzt in DCs Bloodhound und Top Cows Freshmen zu sehen war.

Marvels Atlas-Epoche ist bisher noch relativ wenig aufgearbeitet worden. Sie liegt irgendwo im Niemandsland zwischen den Vierzigern, dem so genannten „Golden Age“ der US-Comics, in denen frühe Superhelden wie Human Torch, Captain America und Sub-Mariner sich mit Nazis prügelten, und den Sechzigern, dem „Silver Age,“ als Stan Lee, Jack Kirby und Steve Ditko Dauerbrenner wie die Fantastic Four, Hulk, Spider-Man oder Thor schufen. Irgendwie sind die Atlas-Geschichten auch heute noch ein Teil des Marvel-Universums, irgendwie aber auch nicht – es gibt in den Marvel-Comics der letzten 45 Jahre nur wenige, dazu oft widersprüchliche Verweise auf diesen Zeitraum.

Dass dieses Nischendasein eines gewissen Charmes nicht entbehrt, dessen ist sich Parker durchaus bewusst. Er will Agents of Atlas als Mystery-Thriller verstanden wissen, der in der Pulp-Tradition der Fünfziger steht. Topagent Jimmy Woo, mittlerweile nicht mehr beim FBI, sondern für S.H.I.E.L.D. tätig, braucht Verstärkung und trommelt ein paar Bekannte aus den guten alten Zeiten zusammen. Der genaue Grund bleibt mysteriös. Die Agenten von Atlas sind für den Autor dabei nicht in erster Linie Superhelden, sondern Figuren, wie man sie aus trashigen alten Science-Fiction-Filmen kennt. Zwar wird das Konzept von Redakteur Mark Paniccia als Kreuzung aus Justice Society und Doom Patrol umrissen, aber man geht wohl nicht fehl, wenn man grobe Parallelen zu Tom Strong oder Planetary zieht.

Parker hat sich jedenfalls viel vorgenommen, denn für das von unverhohlenem Rassismus geprägte Erscheinungsbild der „Gelben Kralle“ will er eine plausible, den Zeiten angepasste Erklärung abliefern, ebenso wie für den Status der restlichen Figuren im modernen Marvel-Universum.

Links:
Wikipedia: Atlas Comics Interview mit Mark Paniccia
Interview mit Jeff Parker (Comic Book Resources)
Interview mit Jeff Parker (Newsarama)
Interview mit Leonard Kirk
“Agentenprofile“: Jimmy Woo, Marvel Boy, Namora
Temple-of-Atlas-Blog

ATHENA VOLTAIRE: FLIGHT OF THE FALCON #1
Ape Entertainment | 48 Seiten | farbig | $ 4.50 | JUN06 2854

Gewollt pulpy geht’s auch in Athena Voltaire: Flight of the Falcon zu. Ursprünglich als Webcomic veröffentlicht (und als solcher 2005 für einen Eisner-Preis nominiert), erzählt die Serie von Autor Paul Daly, Zeichner Steve Bryant und Colorist Chad Fidler augenzwinkernde Abenteuergeschichten à la Indiana Jones – oder, wie Warren Ellis es ausdrückt, „so ähnlich wie Die Mumie oder Van Helsing, bloß in gut“.

Die Schöpfer haben offenbar keine Hemmungen, Freunde des Genres mit allem zu bedienen, was dazugehört: Kulisse der Handlung ist der Zweite Weltkrieg, die Gegenspieler sind folgerichtig Nazis, die – natürlich – mit einer okkulten Wunderwaffe (in diesem Fall: ein verlorenes Volk von Supermenschen, das im immer gerne bemühten hohlen Inneren der Erde leben soll) die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Tah-ta-ta-taaah, tah-ta-taaa…

Der Neustart der Serie bei Ape Entertainment ist übrigens nicht der erste Versuch, Athena Voltaire auf Papier zugänglich zu machen. Dass beim letzten Mal – vor noch nicht all zu langer Zeit – nach nur einer Ausgabe schon wieder Schicht im Schacht war, lag allerdings nicht etwa an schwachen Verkaufszahlen, sondern daran, dass der damalige Verlag Speakeasy sank- und klanklos versank. Die erste bei Ape Entertainment erscheinende Nummer umfasst nun nicht nur das schon bekannte Material, sondern auch die bisher unveröffentlichte zweite Ausgabe.

Links:
Athena-Voltaire-Website
Vorschau: 22 Seiten von Athena Voltaire: Flight of the Falcon #1
Interview mit Paul Daly, Steve Bryant und Chad Fidler
Interview mit Paul Daly und Steve Bryant

BADLANDS (Paperback)
AiT/PlanetLar | 144 Seiten | schwarzweiß | $ 12.95 | JUN06 2791

Dass Steven Grant nicht nur seit Jahren eine lesenswerte Kolumne nach der anderen produziert, sondern auch ein gestandener Comic-Autor mit jahrzehntelanger Erfahrung ist, dürfte sich herumgesprochen haben. Badlands, gezeichnet von Vince Giarrano, wurde erstmals 1991 von Dark Horse Comics als Miniserie veröffentlicht und kam vor vier Jahren dann bei AiT/PlanetLar heraus. Jetzt gibt’s davon nochmal eine neue Auflage.

Badlands spielt im Jahr 1963 und ist ein Thriller mit dem wahren Mörder von John F. Kennedy als Hauptfigur – ganz frech nutzt Grant hier also geschickt die Mutter aller Verschwörungstheorien des 20. Jahrhunderts als Aufhänger für eine offenbar sehr gelungene Charakterstudie. Geheimtipp.

Links:
Steven Grants „Permanent Damage“

THE BOYS #1-2
DC Comics/WildStorm | je 32 Seiten | farbig | je $ 2.99 | JUN06 0242/JUN06 0243

“Diese Serie wird Preacher über-preachern“, sagt Autor Garth Ennis laut Previews-Info. „Ich liebe [The Boys]“, gibt Zeichner Darick Robertson im Interview mit The Pulse zu Protokoll, „und ich bin erleichtert und begeistert, festzustellen, dass meine Liebe zum Comic und zum Zeichnen nicht tot war, sondern bloß wiederbelebt werden musste“. An der Schaffensfreude der beiden Hauptverantwortlichen wird es bei The Boys also nicht liegen – und wenn diese Herrschaften Ennis und Robertson heißen, dann ist das eigentlich schon mehr als die halbe Miete.

Und damit nicht genug. „[The Boys] ist lustig, es ist düster und es ist clever“, sagt Robertson weiter, der es allem Anschein nach nicht erwarten konnte, endlich seinen Exklusivvertrag mit Marvel Comics hinter sich zu lassen. „Es ist meine beste Arbeit seit Jahren, und ich glaube, dass es einen neuen persönlichen Höhepunkt markiert für Garth Ennis, der über diese Geschichte ganz klar schon lange nachgedacht und etwas Großes geschaffen hat. Wenn ihr meine Arbeit mögt, dann werdet ihr The Boys lieben. Wenn ihr Garths Arbeit mögt, dann werdet ihr The Boys lieben. Wenn ihr uns als Team mögt, dann werden wir eure Erwartungen voll erfüllen.“ Hört, hört.

Was genau lässt den vielseitigen Kalifornier so ins Schwärmen geraten? Prämisse: ‚Die Jungs‘ sind eine von der US-Regierung finanzierte Organisation von besonders starken und außergewöhnlich schlauen Burschen, die eine Weltpopulation von 250.000 Supermenschen unter Kontrolle halten sollen. Rumms. Hört sich im ersten Moment eigentlich eher ernüchternd an, und nicht gerade nach einem Konzept, das nach einer fortlaufenden Serie schreit, geschweige denn, das Preacher das Wasser reichen kann. Hat Ennis nicht schon mit The Punisher oder mit seinen The-Authority-Ablegern genug Ventile, seine Superheldengags an den Mann zu bringen?

Aber lassen wir die Skepsis nicht davon galoppieren. Wenn der Mann aus Irland tatsächlich so lange über The Boys nachgedacht hat, wie Robertson behauptet, dann darf man im Jahre Sechs nach Preacher vielleicht doch mal eine ernsthaftere Abhandlung des Themas erwarten, die Ennis‘ Abneigung gegen das Superhelden-Genre vertiefen soll – die Dissertation zum Kneipenwitz, sozusagen.

Links:
Interview mit Darick Robertson (The Pulse)
Interview mit Darick Robertson (Wizard)

BROWNSVILLE (Paperback)
NBM Publishing | 208 Seiten | schwarzweiß | $ 12.95 | JUN06 0243

Autor Neil Kleid und Zeichner Jake Allen liefern mit Brownsville eine Mafia-Saga ab, die sich nicht mit den in der Populärkultur reichlich behandelten italienischen ‚Mob‘ beschäftigt, sondern – wie schon Judd Winicks Zwölfteiler Caper von 2003/2004 – mit den jüdischen Zeitgenossen der Cosa Nostra.

Der Titel „Brownsville“ bezieht sich hier nicht auf die texanische Stadt gleichen Namens, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern auf eine Wohngegend des New Yorker Bezirks Brooklyn, die zur Zeit der Handlung – den 1930er Jahren – überwiegend von Juden bewohnt wurde. Kleid beruft sich mit seiner Geschichte zum Teil auf reale Mafiagrößen und Begebenheiten, wie beispielsweise ‚Murder Incorporated,‘ eine aus Juden und Italienern bestehende Gruppe von Augtragsmördern, die zur damaligen Zeit für ihre besondere Effizienz und Tüchtigkeit bekannt war.

Der Band ist zwar bereits seit April 2006 zu haben, bisher aber nur in gebundener Form. Anlässlich des Erscheinens der etwas erschwinglicheren Paperback-Variante lohnt sich deshalb für alle, die mit Gangster-Epen etwas anfangen können, vielleicht nochmal ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Links:
Interview mit Neil Kleid

C’EST BON ANTHOLOGY VOL. 1 (Paperback)
C’est Bon Kultur | 140 Seiten | schwarzweiß | $ 21.95 | JUN06 2993

Der Kleinverlag C’est Bon Kultur stammt nicht etwa aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet, sondern aus dem Land der tausend Seen. Dass die Schweden außer Knäckebrot, Stellungsfußball und Death Metal noch was anderes können, behauptet zum Beispiel Warren Ellis, der während eines Aufenthalts auf dem europäischen Festland kürzlich eine Veröffentlichung von C’est Bon Kultur geschenkt bekam und diese in den höchsten Tönen lobte.

Für die C’est Bon Anthology haben sich die Nordmänner und -frauen die Mission auf die Fahnen geschrieben, die Kunstform Comic durch Experimente jenseits der kahlgetretenen Trampelpfade nach vorn zu bringen, was ja schon mal nicht der schlechteste Ansatz ist. Richten soll’s – unter einem Cover des Amerikaners Brian Wood – eine stattliche Ansammlung internationaler Kreativer, zu denen neben Ho Che Anderson und R Kikuo Johnson unter anderem auch die Deutschen Arne Bellstorf und Martin Tom Dieck gehören.

CSI: DYING IN THE GUTTERS #1 (von 4)
IDW Publishing | 32 Seiten | farbig | $ 3.99 | JUN06 3181

Eigentlich ist an der x-ten Comic-Adaption eines Fernsehkrimis ja nicht viel Spektakuläres. Anders als die Konkurrenz, die mit Cover-Varianten und ähnlich einfallslosen und marktverzerrenden Gimmicks um sich wirft, um ihre Verkaufszahlen aufzubessern, hat man sich bei IDW für den neuesten CSI-Ableger aber mal was anderes einfallen lassen. Der Tatort: eine Comic Convention in Las Vegas. Das Opfer: Fünf-Sterne-Gerüchtekoch Rich Johnston, der sich mit seiner Tratschkolumne „Lying in the Gutters“ bekanntermaßen auch im richtigen Leben nicht nur Freunde macht.

Der fiktive Johnston wird hier totgeschrieben respektive -gezeichnet von Steven Grant und Stephen Mooney, und die Liste der prominenten Comic-Schaffenden, die ihre Namen und Gesichter als Tatverdächtige zur Verfügung stellen, ist lang: Joe Quesada, Ed Brubaker, Marc Silvestri, Robert Kirkman, Ben Templesmith, Peter David und Greg Rucka werden im Werbetext aufgezählt, das Promo-Poster zeigt noch einige weitere Bekannte.

Dying in the Gutters geht als netter Gag durch. Autor Steven Grant war der erste, der zugab, dass es sich dabei um eine schamlose PR-Aktion handelt, betonte aber auch, dass er nichtsdestotrotz gleichzeitig Wert darauf gelegt hat, einen lesenswerten, stimmigen Krimi abzuliefern. Rein marketingtechnisch darf man natürlich gespannt sein, ob sich das Umwerben der Leserschaft einer beliebten Internetkolumne entscheidend auf die Absatzzahlen auswirken wird.

Links:
Rich Johnstons „Lying in the Gutters“

IRON MAN: THE INEVITABLE (Paperback)
Marvel Comics | 144 Seiten | farbig | $ 14.99 | JUN06 2026

“Ich benutze Handys und Blackberrys und Laptops, weil man davon ausgeht, dass Tony Stark dieses Zeug benutzen würde… meine Zugeständnisse an den Begriff des ‚Normalen.‘ Aber ich brauche sie nicht. […] Es gibt da draußen Individuen, die so auf gewaltsame Auseinandersetzungen mit mir fixiert sind, dass sie große Anstrengungen unternehmen, um eine herbeizuführen, etwa durch die Ermordung derjenigen, die mir nahe sind. Und all die Überzeugungen, die ich bezüglich meiner selbst und meiner sogenannten Evolution gewonnen habe… missachten sie. Sie begreifen es einfach nicht. Sie bekämpfen eine unvermeidliche Zukunft, aber sie begreifen nicht, dass ich schon dort bin… Ich bin die Zukunft. Ich dachte, ich hätte Abschaum wie [sie] hinter mir gelassen. Ich dachte, ich würde über ihm stehen. Muss ich meine Zeit wirklich in Konflikten mit diesen Leuten verschwenden?“

Wenn ich in der Vergangenheit angedeutet habe, dass sich Autor Joe Casey mit Iron Man: The Inevitable in kreativer Hinsicht – man verzeihe mir den blumigen Ausdruck – die Eier schaukelt, dann nehme ich das hiermit in aller Form zurück. Obiger Auszug stammt aus einer Schlüsselszene des fünften Kapitels der Miniserie, die im August als Sammelband erscheint. Innerhalb von drei, vier Seiten bringt Casey die Figur erstmals auf einen Nenner, der sie für mich interessant macht. In aller Fairness muss man erwähnen, dass es Warren Ellis war, der Iron Man erstmals als „Testpilot der Zukunft“ neu erfinden wollte, aber es ist erst Caseys The Inevitable (“Das Unvermeidliche“), das diese Neuinterpretation des schon vor langer Zeit eingerosteten Iron-Man-Konzepts erstmals in überzeugender Weise umsetzt.

Caseys Iron Man, grandios verwirklicht vom britischen Aufsteiger Frazer Irving (Seven Soldiers) ist ein von den katastrophalen Zuständen der Gegenwart gequälter Visionär, der mit den für ihn unerträglich primitiven und dekadenten Notwendigkeiten des 21. Jahrhunderts schon lange abgeschlossen hat und seither verzweifelt nach Wegen sucht, seiner Umwelt seine (vermeintlich) überlegenen Erkenntisse über den Gang der Dinge so zu vermitteln, dass er dafür Verständnis und Zustimmung erntet.

Links:
Interview mit Frazer Irving

THE LIFE OF POPE JOHN PAUL II IN COMICS (Paperback)
Papercutz | 96 Seiten | farbig | $ 16.95 | JUN06 3310

Der Papst ist tot, es lebe der Papst. Eine autorisierte Comic-Verwurstung Karol Wojtylas (“The Entire Story! From His Childhood in Poland to the Assassination Attempt!“) hat Marvel ja bereits 1983 feilgeboten, in Kolumbien schwingt der Gute seit 2005 als waschechter Superheld sein Zepter, und eine gewisse Ähnlichkeit zu Robert Kirkman und Tony Moores Battle Pope ist – trotz aller Leugnungen des Autors – auch nicht abzustreiten.

Die neueste Variante beansprucht nun eine Rückkehr zur Seriösität: The Life of Pope John Paul II in Comics ist die englischsprachige Veröffentlichung einer italienischen Graphic Novel aus dem letzten Jahr. Kritische Sichtweisen darf man von der „kompletten Biographie“ freilich weniger erwarten, denn das Autoren/Zeichner-Team von Alessandro Mainardi und Werner Maresta hat dafür den – pardon – Segen des Vatikans erhalten. Das äußert sich unter anderem in einem Vorwort von José Kardinal Saraiva Martins, dem Präfekten der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Ob Schwerstversündigte oder Johannes-Paul-Fans sich die Lektüre deshalb auf ihren Ablass anrechnen lassen können, war vor Redaktionsschluss leider nicht zu ermitteln. Religiös und zeitgeistlich unbelastete Menschen werden sich das Gerät wohl allenfalls ins Klamaukschränkchen stellen wollen, sofern dort neben den Autobiographien von Dieter Bohlen und Helmut Kohl noch Platz ist.


LOST GIRLS (Hardcover)

Top Shelf Productions | 264 Seiten | farbig | $ 75.00 | JUN06 3440

Sie „nutzt ihre zierliche Tupfeltechnik, um einige der irritierendsten und brutalsten psycho-sexuellen Visionen darzustellen, die man überhaupt irgendwo zu Gesicht bekommen wird“, schrieb der englische Autor Alan Moore bereits 1983 über die Cartoonistin Melinda Gebbie aus San Francisco. (Moores Artikel „Invisible Girls and Phantom Ladies“ ist zu finden in The Daredevils #6 von Marvel UK.) Vom polnischen Pontifex zum Psycho-Porno – Herzlich willkommen zu „Mind the Gap“, verehrte Zuschauer.

Aber der Reihe nach. Moore und Gebbie sind mittlerweile ein Paar, und ihre neue Kollaboration – immerhin sechzehn Jahre in der Mache – verursacht einigen Wirbel. Nicht etwa, weil sie nur als nobles dreiteiliges Hardcover-Set im Schuber für sage und schreibe 75 Kröten zu haben ist, sondern wegen des pikanten Inhalts: In Lost Girls treffen sich Alice (die aus dem Wunderland), Wendy (die aus dem Nimmerland) und Dorothy (die aus Oz) als Erwachsene in einem schweizer Hotel des Jahres 1913 und erzählen sich dort Geschichten über ihr sexuelles Erwachen.

Moore selbst besteht darauf, Lost Girls als Pornographie zu bezeichnen. Der kauzige Brite will mit einem vielschichtigen, behutsam erzählten und literarisch anspruchsvollen Werk dazu beitragen, das Porno-Genre salonfähig zu machen, das, wie er findet, nicht immer nur auf billigen Schund hinauszulaufen braucht. Ersten Augenzeugenberichten zufolge meint er es damit auch ernst: Auf fast jeder Seite des Schinkens soll es verkehrstechnisch zur Sache gehen.

Nun ist einem neuen Werk von Alan Moore per se schon ein gewisser Medienrummel sicher, und ganz besonders natürlich, wenn man die Faktoren „Porno“ und „USA“ ins Spiel bringt. Was hier nun allerdings erschwerend hinzukommt, ist, daß Lost Girls auch sexuelle Handlungen von Minderjährigen darstellen soll – und zwar sowohl untereinander als auch mit Erwachsenen. Das schlägt Wellen: Der kanadische Comic-Fachhandel hat dem Werk bereits die Absage erteilt, und auch einige US-amerikanische Händler haben schon angekündigt, Lost Girls gar nicht oder nur unter der Ladentheke verkaufen zu wollen. Moores Verteidiger andererseits, unter ihnen Rich Johnston, wiegeln derweil eifrig ab und berufen sich auf die künstlerische Freiheit und darauf, dass Lost Girls ein reines Fantasie- und Kunstprodukt sei.

Ohne die Schwarte selbst gelesen zu haben ist es natürlich nicht möglich, zur Kontroverse konkret Stellung zu beziehen. Rechtlich jedenfalls scheint sich die „virtuelle“ Darstellung sexueller Handlungen von Minderjährigen in einer bisher nicht ausgeloteten Grauzone zu befinden, sofern der Wikipedia-Eintrag (Stand: 21.07.2006) keinen Stuss erzählt. Fest steht: Bei aller Liebe zur Kunst ist es nicht nur verständlich, sondern geboten, dass man sich einem solchen Werk erstmal kritisch und mit äußerster Skepsis nähert, auch wenn der Autor Alan Moore heißt, egal, ob es nun aus rein gesetzlicher Sicht einwandfrei ist oder nicht.

Toll finden muss man sowas auf jeden Fall nicht, insbesondere in Zeiten, wo Pädophile den Schneid besitzen, sich in Vereinen und Parteien zusammenzurotten, um die gesellschaftliche Akzeptanz ihrer „Neigung“ zu fördern. Unabhängig davon, ob die Veröffentlichung des Buchs in Deutschland legal ist, behält sich der Autor dieser Zeilen deshalb hiermit sein rechtsstaatlich zugesichertes Privileg vor, Lost Girls zum Kotzen finden und sich fragen zu dürfen, ob Moore und Gebbie im Hirn noch ganz rund laufen.

Soviel zum Rummel. Ob der Comic zu der Aufregung letztlich tatsächlich taugt oder sich alles – was ja auch schon vorgekommen sein soll – als heiße Luft erweist, werden wir in den nächsten Monaten sicher herausfinden.

Links:
Euphorische Rezensionsschnipsel
“Lying in the Gutters“ zum Thema
Newsarama: Interview mit Alan Moore, Teil 1
Newsarama: Interview mit Alan Moore, Teil 2
Newsarama: Interview mit Melinda Gebbie
Comic Book Resources: Interview mit Alan Moore & Melinda Gebbie, Teil 1
Comic Book Resources: Interview mit Alan Moore & Melinda Gebbie, Teil 2
Comic Book Resources: Interview mit Alan Moore & Melinda Gebbie, Teil 3
Wikipedia: Kinderpornographie
Lost Girls rezensiert von Neil Gaiman

PHONOGRAM #1 (von 6)
Image Comics | 32 Seiten | schwarzweiß | $ 3.50 | JUN06 1681

Musik ist Magie, und zwar nicht nur im übertragenen Sinn. Mit dieser Idee beschäftigt sich Phonogram von Autor Kieron Gillen und Zeichner Jamie McKelvie. Hauptfigur der Serie ist David Kohl, ein sogenannter Phonomancer. Was das genau bedeutet, damit will man noch nicht herausrücken, aber es läuft wohl darauf hinaus, daß ein Phonomancer wohl so eine Art Zauberer ist – nur mit Musik halt. Alles klar?

Der erste Sechsteiler – Fortsetzungen möglich – hat sich stimmungs- und stilmäßig als Inspirationsquelle die Britpop-Welle der Neunziger Jahre ausgesucht, was sich auch in den Cover-Illustrationen niederschlägt: Den Anfang macht eine Hommage an das Debütalbum von Elastica, weiter geht’s dann mit Oasis, Blur, Black Grape, den Manic Street Preachers und Suede.

Da Lobpreisungen von Warren Ellis diesen Monat im Dutzend billiger waren (siehe auch Athena Voltaire und C’est Bon), auch zu Phonogram noch einen Ellis-O-Ton, so zum Abgewöhnen: „Read this or lose.“

Links:
Vorschau: 10 Seiten von Phonogram #1
Interview mit Kieron Gillen und Jamie McKelvie
Phonogram-Blog

PRIDE OF BAGHDAD (Hardcover)
DC Comics/Vertigo | 136 Seiten | farbig | $ 19.99 | JUN06 0255

Autor Brian K. Vaughan und Zeichner Niko Henrichon kredenzen eine Graphic Novel, die auf einer wahren Geschichte beruht: der Geschichte der Löwen des Zoos von Bagdad während der amerikanischen Invasion von 2003. Durch die Darstellung des Martyriums der Tiere, das in verschiedenen Presseberichten seinen Widerhall findet, will Pride of Baghdad sich mit der Bedeutung von Krieg und Befreiung auseinandersetzen. Wir haben es hier also mit einer Orwellschen Fabel mit konkretem Zeitbezug zu tun.

Den einzigen Vorwurf, den man Vaughans ansonsten schon kriminell unterhaltsamen Serien Y: The Last Man und Ex Machina machen kann, ist, dass der Autor sich zu oft zu viele Handlungsstränge zu lange vor sich hin köcheln lässt, ohne dass sich etwas tut, und sich immer wieder in formelhafte Standard-Krimi-Plots flüchtet. Bei einer in sich geschlossenen Arbeit wie einer Graphic Novel dürfte dieses Problem sich kaum stellen.

Fazit: Pride of Baghdad bietet einen sehr originellen und relevanten Ansatz und verspricht, äußerst lesenswert zu werden.

Links:
Interview mit Brian K. Vaughan (Publishers Weekly)
Interview mit Brian K. Vaughan (Wizard)

RUSH CITY #1-2 (von 6)
DC Comics | je 32 Seiten | farbig | $ 2.99 | JUN06 0255

“Schleichwerbung“ heißt auf Englisch „product placement“ und ist in den Vereinigten Staaten weder problematisch noch skandaltauglich. Nun gab’s bei Dark Horse zwar schon diverse von BMW gesponserte Veröffentlichungen rund ums Auto, die im Titel auch als solche gekennzeichnet waren, und bei Marvel hat man das eine oder andere Firmenlogo gegen Bares verbaut. Mit DCs Rush City wird aber erstmals eine Comicserie eigens zur Bewerbung eines Produkts geschaffen, ohne dass der Verlag es für notwendig hält, darauf hinzuweisen.

Tatsache ist: Die Reihe verfügt mit Autor Chuck Dixon und Zeichner Timothy Green II (mit Covern von Jock) über eine solide Mannschaft, existiert aber einzig und alleine deshalb, weil der Auto-Produzent Pontiac damit sein neuestes Modell bewerben will. Und damit nicht genug: Die Titelfigur „Rush“ – samt Karre natürlich – soll auch in diversen Batman-Serien auftauchen, während es in Rush City selbst Auftritte von Figuren aus dem DC-Universum geben wird.

Wer hier zahlt, der sollte sich also bewusst sein, dass er seine Kröten für eine überkandidelte, schön gestaltete Pontiac-Anzeige ausgibt. Darüber kann man sich sicher aufregen, insbesondere der dubiosen Informationspolitik des Verlags wegen, der man schon einen Schuss Böswilligkeit unterstellen kann. Andererseits bleibt aber natürlich erstmal abzuwarten, wie die geneigte Leserschaft auf derartige Tricksereien reagiert, die ja von den Werbestrategen selbst als besonders kritisch und intolerant gegenüber all zu plumper Reklame eingestuft wird.

Links:
Wall Street Journal: Artikel über Product Placement in Comics
Detroit Free Press: Artikel über Product Placement in Comics
Paul O’Briens „Article 10“: Kolumne über Product Placement in Comics

SAVAGE DRAGON #0
Image Comics | 32 Seiten | farbig | $ 1.95 | JUN06 1682

Eigentlich wollte Erik Larsen die Ursprungsgeschichte seiner Figur Dragon ja gar nicht veröffentlichen. Aber dann musste für den sagenumwobenen Image-Comics-10th-Anniversary-Luxus-Band was Besonderes her, und da passte sie halt so schön rein. Und eigentlich wollte Larsen die Geschichte dann nicht nochmal gesondert als Einzelheft veröffentlichen, denn das wäre ja unfair gegenüber denjenigen Fans, die sich extra deshalb den teuren Hardcover-Schinken gekauft hatten. Aber dann hatte das verflixte Ding fünf Jahre Verspätung… (Todd McFarlane war schuld.)

Und überhaupt, was juckt Erik Larsen sein Geschwätz von gestern. Jedenfalls können sich neugierige Gelegenheitsleser wie ich im August auf ein extra-günstiges Savage-Dragon-Heft freuen, das endlich Aufschluss über die Herkunft des „Hulks mit einer Finne auf dem Kopf“ (legendärer, bitterböser Kommentar von Peter David) gibt.

Versöhnlicher Hinweis an alle, die extra wegen dieser Story 50 Mäuse für den fetten, fett verspäteten Vierpfünder berappt haben: Heult doch!

SPIDER-MAN VISIONARIES: KURT BUSIEK, VOL. 1 (Paperback)
Marvel Comics | 176 Seiten | farbig | $ 19.99 | JUN06 2028

Die in diesem Band enthaltenen Hefte erschienen erstmals 1995 und 1996 als Untold Tales of Spider-Man #1-8. Damals wurde die Serie als willkommene Abwechslung gefeiert. Man erinnere sich: Es waren die dunklen Tage der berüchtigten, schier endlosen „Klon-Saga,“ mit der der Verlag seine Gallionsfigur im Namen der Profitmaximierung über Jahre hinweg bis zur Unkenntlichkeit demontierte.

Vor diesem Hintergrund traten Kurt Busiek und Pat Olliffe auf den Plan, sahen, dass es schlecht war, und verlegten ihre Geschichten kurzerhand ganz an den Anfang von Peter Parkers Wirken als Spider-Man, als das Fundament der Mythologie noch keine Risse aufwies. Und tatsächlich gingen die beiden Herrschaften dabei mit einer solchen Frische und Schaffensfreude zu Werke, dass man meinen mochte, Stan Lee und Steve Ditko seien zwischenzeitlich gestorben und angereichert um dreißig Jahre Comic-Evolution wiedergeboren worden.

Jedes der in dem Band enthaltenen acht Kapitel ist eine kleine, aber feine, rasant erzählte und in sich geschlossene Geschichte Lee-und-Ditko’scher Machart, in der sich Schurken (je einer pro Ausgabe, wie sich das gehört), Freundinnen und tyrannische Mitschüler die Klinke in die Hand geben – und zwar nicht nur altbekannte Figuren, sondern auch eigens für Untold Tales kreierte, die sich bemerkenswerterweise völlig nahtlos und organisch in das starke von Lee und Ditko geschaffene Ensemble einfügen. Was noch wichtiger ist: Busiek und Olliffe haben ein messerscharfes Verständnis davon, was den Reiz der Figur ausmacht und warum sie funktioniert, was sich auf jeder einzelnen Seite widerspiegelt.

Gute zehn Jahre nach der erstmaligen Veröffentlichung sticht das in Spider-Man Visionaries: Kurt Busiek, Vol. 1 enthaltene Material als eine Sternstunde für die Figur und für die Macher heraus und unterstreicht die Stärke des ursprünglichen Konzepts, ohne dabei altbacken zu wirken. Im direkten Vergleich mit diesem Material wird die Ideen- und Ratlosigkeit der aktuellen Autoren und Redakteure umso deutlicher.

WHISPER #0 (One-Shot)
Boom! Studios | 24 Seiten | farbig | $ 3.99 | JUN06 2973

Das bislang als Einzelheft gedachte Whisper, gezeichnet von dem Newcomer Joseph Cooper (Cover-Illustration: Kody Chamberlain), ist ein weiteres Werk von Autor Steven Grant (siehe Badlands und CSI: Dying in the Gutters), das im August auf die Menschheit losgelassen wird. Grant schrieb bereits in den Achtziger Jahren eine gleichnamige Serie, die es – erst bei Capital Comics, danach bei First Comics – auf insgesamt immerhin 40 Ausgaben brachte.

Anno 2006 will Grant den neuen Anlauf aber nicht als Nostalgieübung verstanden wissen. Ins neue Jahrtausend gerettet werden lediglich der Titel und die Ausrichtung der Serie, die Protagonistin ist eine brandneue Figur: eine Spionin mit Ninja-Schlagseite, die sich am Vorabend des Hurrikans Katrina in einen Waffen- und Drogendeal einmischt.

Wer Grants wöchentliche Kolumne verfolgt, in der der graumähnige US-Amerikaner immer wieder bissig und pointiert die Handlungen seiner Regierung analysiert und kommentiert, wird von dem aktuellen Bezug der Story nicht überrascht sein. Als Vergleich bietet sich im Comicbereich vielleicht am ehesten Queen & Country an.

Links:
Interview mit Steven Grant

Der Bücher-Wurm: Weitere US-Comics im August

+++KICKBACK von David Lloyd (Hardcover, Dark Horse Comics, $ 12.95)+++ROCKETO, VOL. 1: THE JOURNEY TO THE HIDDEN SEA von Frank Espinosa (Paperback, Image Comics, $ 19.99)+++THE LOSERS, VOL. 5: ENDGAME von Andy Diggle, Jock und Colin Wilson (Paperback, DC Comics/Vertigo, $ 14.99+++

Übrigens: die meisten der hier vorgestellten Comics können u.a. bei dem Berliner Händler Black Dog (vor-)bestellt werden.

Anregungen, Lob oder Kritik sind wie immer herzlich willkommen. Schaut einfach im Forum vorbei oder schickt eine E-Mail.

Bildquellen: Previews – Diamond Distributors; Agents of Atlas, Iron Man, Spider-Man Visionaries – Marvel Comics; Athena Voltaire – Ape Entertainment; Badlands – AiT/PlanetLar; The Boys, Pride of Baghdad, Rush City – DC Comics; Brownsville – Neil Kleid; C’est Bon Anthology – C’est Bon Kultur; CSI – IDW Publishing; The Life of Pope John Paul II in Comics – Papercutz; Lost Girls – Top Shelf Publishing; Phonogram – PhonogramComic.com; Savage Dragon – Newsarama.com; Whisper – Boom! Studios

Bibliographie zu Lewis Trondheim

 

Eine Auswahl an Werken von Lewis Trondheim 

 

1992

Lapinot et les carottes de Patagonie

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: L'Association/Le Lézard

 

1994

Mildiou

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Le Seuil (dt. Mehltau, Reprodukt)

 

Approximativement

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Éditions Cornélius (dt. Approximate Continuum Comics, Reprodukt 1999)

 

1995

La Mouche

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Le Seuil

 

1996

Les Formidables aventures de Lapinot: Walter

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Walter, Carlsen)

 

Les Formidables aventures de Lapinot: Pichenettes

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Verflucht!, Carlsen 1998)

 

1997

Les Formidables aventures de Lapinot: Slaloms

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Slaloms, Carlsen)

 

Non, non, non

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: L'Association (dt. Nein, Nein, Nein, Reprodukt)

 

Le Pays des trois Sourires

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: L'Association (dt. Das Land der drei Lächeln, Reprodukt)

 

1998

Les Formidables aventures de Lapinot: Amour et interim

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Liebe und sonstige Kleinigkeiten, Carlsen)

 

Donjon: Coeur de cannard

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Das Herz einer Ente, Carlsen)

 

Donjon: Le roi de la bagarre

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Der König der Krieger, Carlsen)

 

1999

Les Formidables aventures de Lapinot: Pour de vrai

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Ganz im Ernst!, Carlsen)

 

Les Formidables aventures de Lapinot: Vacances de Printemps

Text: Frank Le Gall, Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Frühlingserwachen, Carlsen)

 

Donjon: La Chemise de la Nuit

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Christophe Blain, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Das Hemd der Nacht, Carlsen)

 

Donjon: Le Cimetière des Dragons

Text: Joann Sfar und Lewis Trondheim, Zeichnungen: Joann Sfar, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Der Drachenfriedhof, Carlsen)

 

Monstrueux Bazar

Text und Zeichnungen: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Monströse Geschichten, Carlsen)

 

Genèses Apocalyptiques

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: L'Association (dt. Apokalyptische Schöpfungen, Reprodukt 2002)

 

2000

Les Formidables aventures de Lapinot: La couleur de l'enfer

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Die Farbe der Hölle, Carlsen)

 

Donjon: La Princesse des Barbares

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Die Prinzessin der Barbaren, Carlsen)

 

Donjon: Un donjon de trop

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Noch ein Verlies, Carlsen)

 

Petit Père Noël

Text: Lewis Trondheim, Zeichnungen: Thierry Robin, Verlag: Dupuis (dt. Hallo, kleiner Weihnachtsmann, Carlsen)

 

Les cosmonautes du futur

Text: Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Dargaud (dt. Die Kosmonauten der Zukunft, Ehapa)

 

2001

Donjon: Un justicier dans l'ennui

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Christophe Blain, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Ein Rächer in Bedrängnis, Carlsen)

 

Donjon: Le Sage du Ghetto

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Der Weise aus dem Ghetto, Carlsen 2004)

 

Donjon: Le Géant qui pleure

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Jean-Christophe Menu, Verlag: Delcourt

 

Donjon: Jean-Jean la Terreur

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Mazan, Verlag: Delcourt

 

Donjon: Le volcan des Vaucanson

Text und Zeichnungen: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Der Vulkan von Vaucanson, Carlsen)

 

Cyberculture, mon amour

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Nicht ohne meine Konsole, Carlsen)

 

Les cosmonautes du futur: Le retour

Text: Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Dargaud (dt. Die Kosmonauten der Zukunft: Die Rückkehr, Ehapa)

 

2002

Donjon: Sortilège et avatar

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Missglückter Zauber, Carlsen)

 

Donjon: Le Jour des Crapauds

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Der Tag der Frösche, Reprodukt 2005)

 

Mister O

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Mister O, Reprodukt 2003)

 

Kaput & Zösky 1: Les Zigouilleurs de l'Infini

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Delcourt (dt. Kaput & Zösky: Die Halunken der Unendlichkeit, Reprodukt 2004)

 

Les Ineffables

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: L'Association (dt. Die Fabelhaften, Reprodukt 2004)

 

2003

Les Formidables aventures de Lapinot: L'accélérateur atomique

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Der atomare Teilchenbeschleuniger, Carlsen)

 

Donjon: Une jeunesse qui s'enfuit

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Christophe Blain, Verlag: Delcourt

 

Kaput & Zösky 2

Text: Lewis Trondheim, Zeichnungen: Eric Cartier, Verlag: Delcourt

 

2004

Les Formidables aventures de Lapinot: La Vie comme elle vient

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Dargaud (dt. Herrn Hases haarsträubende Abenteuer: Wie das Leben so spielt, Carlsen 2005)

 

Donjon: Le dojo du lagon

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Kérascoët, Verlag: Delcourt

 

Donjon: Des Fleurs et des Marmots

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Delcourt (dt. Donjon: Gören, Grünzeug und Geziefer, Reprodukt 2005)

 

A.L.I.E.N.N.

Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim, Verlag: Bréal (dt. A.L.I.E.E.N., Reprodukt 2006)

 

Les cosmonautes du futur: Résurrection

Text: Lewis Trondheim, Zeichnungen: Manu Larcenet, Verlag: Dargaud

 

2006

– Donjon: Des soldats d'honneur

Text: Joann Sfar/Lewis Trondheim, Zeichnungen: Bézian, Verlag: Delcourt

Neues Label: Modern Tales

Stefan Heitzmann zur Neugründung:
“Warum ein neues Label? Die Tatsache, dass unter dem eidalon-Logo bisher sowohl Mangas als auch Independent-Comics erschienen sind, hat die Leser mehr verwirrt, als ich ursprünglich dachte. Teilweise wurden die Leser sogar abgeschreckt. Ein paar von den Kommentaren darüber könnt ihr sehr gut in diversen Comicforum-Diskussionen nachlesen.

Aus diesem Grund wurde das Modern Tales-Label ins Leben gerufen. Es richtet sich an die erwachseneren Leser, welche intelligente Unterhaltung suchen. Im Gegensatz zu unseren Kollegen von Cross Cult, die eine stärkere Nähe zu anderen Medien wie Film und Fernsehen suchen und deren Comics stärker ins Phantastische neigen, sind meine Comics sehr stark mit der Wirklichkeit verbunden. Themen wie Arbeitslosigkeit (Breakfast After Noon) werden zum Inhalt gemacht. Es sind zeitgemäße Geschichten, und daher auch der Name Modern Tales.“

Pressetext:

Modern Tales – Geschichten in Bildern erzählt

Es gibt eine Lücke im deutschen Comicmarkt. Sie klafft zwischen den Mangas, Superhelden, Alben und intellektuellen Autoren-Comics. Was fehlt, ist anspruchsvolle Unterhaltung für Erwachsene, vielschichtige und doch leicht zu lesende Comics, Graphic Novels im klassischen Sinn. Als neues Comic-Label macht sich nun Modern Tales auf, ebenso ansprechende wie anspruchsvolle Comics zu präsentieren.

Wobei: Neu? Nicht ganz.

  1. … das ist nicht mehr eidalon …

Modern Tales ist ein Ableger des Brandenburger Verlages eidalon. Seit dem Jahr 2000 veröffentlichte der Verlag unter der Regie von Stefan Heitzmann unzählige Comics. Zuallererst die sogenannten „Amerimangas“ – Mangas, die in den USA von dort heimischen Künstlern geschrieben und gezeichnet wurden. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel der Serie „Warrior Nun Areala“ Ende der 90er bei einem anderen Verlag war eidalon damit wegweisend hinsichtlich der Amerimangas. Titel wie „Ninja High School“ oder die bereits erwähnte „Warrior Nun Areala“ verhalfen dem Verlag schnell zu einem Namen. Dazu kamen verlagseigene Bestseller wie die „How To Draw Manga“-Reihe, ebenfalls vorrangig von US-Künstlern gestaltet.

Seite aus Gleichzeitig wurde das Programm immer mehr ausgeweitet. Auch auf Titel, die nichts mit den Amerimangas zu tun hatten. Als erster „artfremder“ Titel erschien 2003 „Kissing Chaos“, 2004 folgte der Start der Eisner-prämierten Thriller-Serie „Queen & Country“ sowie der düster-makaberen Serie „Courtney Crumrin“ um ein eigenwilliges Mädchen mit magischen Kräften. Diese Titel entsprachen eher dem klassischen Independent-Comic: Sie waren schwarz-weiß, intelligent, vielschichtig und nicht immer ganz brav. Sie waren – anders.

Ein weiterer Titel, der ebenfalls nicht zu den Amerimangas passte, war der Sammelband mit den philosophisch-witzigen Kurzgeschichten um die merkwürdige Roboter-Engel-WG „Halo & Sprocket“.
Mit diesen Titeln erschloss sich eidalon schnell eine neue Leserschaft. Aber man verwirrte sie auch. Auf der Homepage und im Verlagsprogramm wurden die Amerimangas, die deutschen Manga-Eigenproduktionen („Tomoe“, „Katran“) und die Independent-Titel gleichberechtigt behandelt. „Der deutsche Leser ist konservativ,“ so Verleger Stefan Heitzmann, „er liest meist entweder nur Mangas oder nur Superhelden oder nur Independent-Comics.“ Auf Messen und in Foren habe man immer wieder die Entdeckung gemacht, dass potentielle Leser durch die verschiedenen Programmsparten verwirrt und abgeschreckt wurden.
Der Ausweg aus diesem Durcheinander ist Modern Tales.

  1. … das ist Modern Tales!

„Der Großteil der in Deutschland erscheinenden Comics richtet sich eher an Kinder und Jugendliche, wie man vor allem an populären Titeln wie Micky Maus, Asterix oder den vielen Manga-Titeln sehen kann,“ erzählt Stefan Heitzmann. „Aber die Leser werden erwachsen und finden kaum noch für sie interessante Inhalte. Wir wollen das mit Modern Tales ändern. Es geht um intelligente Unterhaltung für erwachsenere Leser, aber im handlichen Format.“
Man hat dabei u.a. aus den Manga-Erfahrungen der letzten Jahre gelernt. Comics müssen Lesestoff bieten und handlich sein. Das Digest-Format, wie bereits bei „Courtney Crumrin“ und „Queen & Country“ erfolgreich im Einsatz, wird auch für alle anderen Modern-Tales-Titel genutzt.
Nicht nur Serien, auch in sich abgeschlossene Einzelbände sind im Programm vorgesehen.
Bereits jetzt finden sich im bestehenden und kommenden Verlagsprogramm so viele für unterschiedliche Preise nominierte Comics wie bei kaum einem anderen deutschen Verlag. Es sind Zeichner und Autoren wie Greg Rucka, Andi Watson oder Brian Wood, die hier ihre deutsche Verlagsheimat finden werden oder bereits gefunden haben.
Vor allem Lizenzcomics aus dem US-Verlag Oni-Press, aber auch Entdeckungen aus den Programmen anderer nordamerikanischer Independent-Verlage, sind für das neue Label fest eingeplant.
„Im Gegensatz zu unseren Kollegen von Cross Cult, die eine stärkere Nähe zu anderen Medien wie Film und Fernsehen suchen und deren Comics stärker ins Phantastische neigen, sind unsere Comics sehr stark mit der Wirklichkeit verbunden,“ so Stefan Heitzmann. „Es werden Themen wie Arbeitslosigkeit (Breakfast After Noon), die Rolle des Vaters in der modernen Gesellschaft (Little Star – geplant für 2007), der schwierige Weg des Erwachsenwerdens (Lost At Sea) aber auch Terror und Wirtschaftskriminalität (Queen & Country) zum Inhalt gemacht. Es sind zeitgemäße Geschichten, und daher auch der Name Modern Tales.“
Der Name eidalon wird im Zusammenhang mit Modern Tales kaum noch auftauchen. Cover und Buchrücken der Bände wird fortan das Modern-Tales-Logo zieren. Ebenso wurde eine eigene Homepage speziell für diese Comics eingerichtet und ein eigenes Forum im Comicforum wird folgen.
„Der Leser soll ganz genau wissen, was ihn erwartet,“ so Stefan Heitzmann, „Modern Tales wird eine klare Linie an Comics präsentieren.“

Um was geht es nun bei Modern Tales? Hier eine Übersicht der aktuellen Titel, wie sie bereits vorliegen oder bis Herbst des Jahres erscheinen werden.
Achtung! Einige der Titel sind bereits exklusiv vorab auf dem Comic-Salon Erlangen erhältlich – im Handel dann erst einige Wochen später.

Serien:

Kissing Chaos
Ein Road-Movie? Eine Verschwörungsgeschichte? Love Story? Hi-Tech-Thriller? “Kissing Chaos” ist alles das und noch einiges mehr. Zwei Bände der Serie liegen auf Deutsch vor. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und erzählen doch eine zusammenhängende Geschichte.
Im ersten Band sind die drei Teenager Angela, Damien und Raevyn auf der Flucht – vor dem Gesetz, aber auch vor merkwürdigen Männern in grauen Mänteln. Jeder von ihnen hat ein Geheimnis und eine Vergangenheit. Und jeder von ihnen hat Gefühle. Es geht um „Wer liebt wen“ unter außergewöhnlichen Bedingungen.
„Nonstop Beauty,“ der 2. Band, erzählt die Geschichte der vom Leben übersättigten, internetabhängigen Ashley, die durch eine E-Mail mit merkwürdigem Dateninhalt in Kontakt mit Everett gerät. Neben einem Aufstand in einer Disko, an dem Ashley beteiligt ist, tauchen auch hier wieder die grauen Männer auf. Und dann ist da natürlich das alte Problem mit den Gefühlen … Kissing Chaos.
„Kissing Chaos“ ist das Comic-Debüt von Arthur Dela Cruz, der damit 2002 für einen Eisner Award nominiert wurde – als Talent, das größere Aufmerksamkeit verdient hat. Die erste Miniserie wurde außerdem von Ain’t It Cool News/Gray Haven Magazine als eine der 10 besten Comic-Serien des Jahres ausgezeichnet.

Unsere Rezension von Band 2

Queen & Country
Tara Chace ist Agentin beim britischen Geheimdienst. Aber mit James Bond hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: Zwar erledigt Tara ihre Aufträge nach außen hin professionell und gefühllos. Doch nach innen zerbricht sie an den gefährlichen und bizarren Situationen, in die sie geschickt wird, ebenso wie an dem Privatleben, das durch ihren Beruf praktisch nicht existiert.
„Queen & Country“ ist das Langzeitprojekt des Autors Greg Rucka, der in Deutschland vor allem durch seine Arbeiten für „Batman“ oder „Wolverine“ bekannt wurde. Mit Superhelden hat „Queen & Country“ freilich nichts zu tun. Die Serie bleibt bodenständig, egal worum es geht – die Bedrohungen entstammen direkt unserer Welt, die Lösungen des Konfliktes auch. Es geht um russische Mafiosi, Giftgasanschläge und Wirtschaftskriminalität. Und es geht um Agenten, die auch nur Menschen sind, gezwungenermaßen jeden Tag die Welt retten, dabei einen Wust von Bürokratie  durchwaten und versuchen, irgendwie trotzdem noch Mensch zu bleiben.

Für diese realistische Schilderung des Agentenalltags erhielt „Queen & Country“ bereits den Eisner-Award sowie unzählige Nominierungen. Nicht zu unrecht auch aufgrund der Zeichner-Auswahl. Fast jeder Band stammt von einem anderen Zeichner, versammelt ist hier die Creme der nordamerikanischen Independent-Zeichner.

Auf Deutsch erscheint im Juli der vierte Band, weitere Bände erscheinen im halbjährlichen Abstand.

Leseprobe des vierten Bandes bei uns.
Unsere Rezension von Band 2 im Kri-Ticker
Unsere Rezensionen der US-Ausgaben: Band 1, Band 6, Band 7

Courtney Crumrin
Courtney hat selten gute Laune – und doch muss man sie gern haben. Denn Courtney, das kleine Mädchen, das mit ihren Eltern am Stadtrand bei ihrem Onkel lebt, mag genau die Dinge nicht, die kein Kind mag. Nervige Besserwisser. Umständliches Lernen. Lehrer. Ach ja – Courtney ist eine Hexe. Jedenfalls kann sie zaubern. Oder sie versucht es zumindest. Jedenfalls bringt sie der Versuch, sich durch Magie von den unangenehmen Dingen des Lebens zu befreien, in der Regel tiefer in den Schlamassel, als vorher abzusehen war.
„Courtney Crumrin“ ist weit entfernt von der braven Magie etwa eines Harry Potter oder einer Sabrina. Ted Naifehs Serie um die schlechtgelaunte Nachwuchsmagierin besticht durch grimmigen Humor, tiefschwarze Auflösungen der Geschichten – und durch warmherzige Poesie. Denn Courtney ist ja eigentlich kein schlechter Mensch, sie zeigt ihre guten Seiten nur nicht gern.
Dazu passend Naifehs kantige, markante Zeichnungen, die ein normales Schulzimmer ebenso geschickt atmosphärisch umsetzen wie eine unterirdische Trollstadt. Zwei Bände der Serie liegen auf Deutsch vor, der dritte Band erscheint im Herbst.
Ebenfalls in Planung ist Naifehs neuestes Projekt, „Polly und die Piraten.“

Zu unser Rezension des ersten und des zweiten Bandes.

Love As A Foreign Language
Die Geschichte erzählt von Joel, der an einer Privatschule in Korea Englisch unterrichtet und inzwischen das Land mit seinen überfüllten Straßen und der geschmacklosen Popkultur hasst. Am liebsten würde er sofort alles hinschmeißen und in seine Heimat Kanada zurückkehren, wo er einfachen Zugriff auf die amerikanischen Comics hat, die er so liebt. Warum also denkt er über die Verlängerung seines Vertrags um ein weiteres Jahr nach? Ist er verrückt?
Er ist verrückt. Verrückt nach Hana, der neuen Sekretärin der Schule. Aber warum will er bleiben, wenn er es noch nicht einmal schafft, seine neue Liebe anzusprechen? Kann sich Joel bis über beide Ohren in Hana verlieben, ohne neue Tiefen der Depression auszuloten?
Der erste Band dieser 3-teiligen Serie erscheint im August dieses Jahres, ist aber bereits vorab auf dem Comicsalon Erlangen erhältlich. Autor J. Torres wurde im April mit dem Joe Shuster-Award ausgezeichnet – als „Outstanding Canadian Writer.“

Leseprobe bei uns

Einzelbände:

Halo & Sprocket
Ein Einzelband, der trotz seines Personals so gar nichts Mystisches an sich hat. Es geht um einen allwissenden Engel und einen streng rationalen Robot, die zusammen mit ihrer menschlichen Gastgeberin wohnen. Und es geht um Cornflakes, Kunst, Museen, Musik, Männer & Frauen.
Kerry Calen nutzt seine außergewöhnliche Figurenkonstellation zur Alltagsbeobachtung. Nichts liegt ihm ferner als mystischer Mumbo-Jumbo, wie ihn andere Comiczeichner mit Engeln und Robotern veranstalten. Calen seziert das, was wir im Alltag als „normal“ bezeichnen und zeigt auf, wie wenig normal es eigentlich ist.
Dabei ist er unglaublich witzig. Man muss es erleben, wenn Halo und Sprocket mit ihren trockenen, absolut ehrlichen Kommentaren zur Weißglut treiben oder sich über die Menschen und ihr völlig absurdes Verhalten wundern!
Bereits erschienen.

Unsere Rezension im Kri-Ticker

Breakfast after Noon
Rod Grafton und Louise Bright sind verliebt und wollen heiraten. Als sie unerwartet arbeitslos werden, geraten ihre Heiratspläne ins Stocken und sie müssen darüber nachdenken, wie sie ihr weiteres Leben verbringen wollen. Während Louise wieder die Schulbank drückt, versucht Rob alles, seinen alten Job wieder zurückzubekommen. Doch als selbst seine ehemalige Firma schließen muss und alles verloren ist, versinkt Rob in Depressionen, welche ihm nicht nur davon abhalten, einen neuen Job zu finden, sondern auch dazu bringen, Louise abzuweisen.
Im zeitgenössischen England spielend, ist „Breakfast After Noon ein einzigartiges Comicvergnügen, das sich mehr mit den Irrungen und Wirrungen des realen Lebens beschäftigt als mit einer verwickelten Geschichte oder dem Blendwerk des Fantastischen. Mit dem sicheren Geschick, Charaktere mit nur wenig, gut platzierten Strichen zum Leben zu erwecken, hat sich Andi Watson als einer der Top-Comicautoren etabliert. Mit seiner bisher besten Arbeit erschafft er mit „Breakfast After Noon“ ein Universum, in dem sich jeder wieder finden kann, der einmal über beide Ohren verliebt war oder sich in einer Situation befand, aus der er keinen Ausweg mehr sah.
Ein Einzelband von Andi Watson, einem der hochgelobtesten Comiczeichner und –autoren unserer Tage!
Bereits erschienen.

Leseprobe bei Splashcomics

Lost At Sea
Raleigh hat keine Seele. Eine Katze hat sie gestohlen.
Das erzählt sie zumindest den Leuten. Das würde sie zumindest den Leuten erzählen, wenn sie mit den Leuten reden würde. Warum ist alles so schrecklich? Warum ist mit anderen auszukommen so kompliziert? Und warum ist sie in einem Auto mit drei Klassenkameraden auf einer Reise quer durchs Land? Was macht sie hier? Sie kennt sie nicht einmal!

Raleigh ist achtzehn und hat keine Ahnung, was sie macht. Wenn ihr auch mal achtzehn wart, oder verwirrt, oder beides, dann solltet ihr dieses Buch vielleicht lesen.

„Lost At Sea“ ist das Comic-Debüt von Autor und Zeichner Bryan Lee O’Malley, welcher vor kurzem mit dem Joe Shuster-Award als „Outstanding Canadian Cartoonist“ ausgezeichnet wurde. Der Band erscheint im Juni 2006.

Leseprobe bei Splashcomics
Unsere Rezension der US-Ausgabe im Kri-Ticker

Scooter Girl
Ashton Archer hat alles. Er ist der angesagteste Mann in der Schule, das Glück seiner Familie wartet darauf, auf sein Bankkonto überwiesen zu werden, und sein Schrank und seine Garage sind vollgestopft mit der coolsten Ausstattung, die es gibt – von funkelnden Anzügen über todschicke Schuhe hin zum hippen Vesparoller. Es scheint, als ob dem hartherzigen Schönling nichts Schlimmes passieren könnte…
… bis ihm die sexy und elegante Margaret Sheldon mit ihrer Lambretta über den Weg rollt. Von diesem Moment an wird Ashtons Leben zu Hölle. Alle in der Schule hassen ihn, sein Vater erklärt den Bankrott und sein Roller wird von einem Truck geschrottet. Selbst seine Flucht aus der Stadt hilft ihm nicht weiter, denn wo immer er hingeht, folgt auch Margaret. Wie kann er sich von dem Fluch, den diese Frau in sein Leben gebracht hat, befreien? Indem er sich in sie verliebt!
Der Band von Chynna Clugston („Blue Monday“) erscheint im Oktober 2006.

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offizielle Website von Modern Tales (weitere Infos zu allen Serien)

offizielle Website von Eidalon

Modern-Tales-Special bei Splashcomics mit Leseproben