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Batman 16

“Unkraut jäten“ ist das nicht, eher Unkraut modernisieren. Haben in den Ausgaben davor die alten Batschurken, Joker und Scarecrow zum Beispiel, einen neuen, modernen Anstrich bekommen, ist jetzt Poison Ivy dran.

Ein paar Teenager nehmen sich das Leben. Als später herausgefunden wird, dass sich diese in Pflanzenmenschen verwandelt haben, tritt Poison Ivy auf den Plan und verlangt von Bruce Wayne eine Rücktransformation in einen Menschen. In dieser Ausgabe schafft sie es dann, doch neben Batman mischt noch ein weiterer Mann mit, der sich ganz offensichtlich in die Ökoterroristin verliebt hat. Der Zwist zwischen Batman und Hush um Poison Ivy ist fast genauso gut gelungen, wie Pamela Isleys Zweifel und Gewissenbisse. Die modernere Version von Poison Ivy, die am Ende dabei entsteht, wird wahrscheinlich nicht allen gefallen, denn
– Achtung Spoiler! –
Pamela Isley ist nach der Ausgabe tot. Genauso wie Ra´s Al Ghul ein paar Ausgaben zuvor.
– Spoiler Ende –

Man hat das Gefühl, DC räumt zur Zeit kräftig auf mit den Batschurken und auch Batmans Rolle selber. Klar,der grosse Hausputz namens Infinite Crisis steht schon vor der Tür, doch wie bei jedem großen Superheldenaufräumen kann es passieren, dass alte Schurken oder Helden wieder auftauchen. Ich hoffe, dies gilt nicht auch für Batman. Vom neuen Status Quo berichten zwei weitere Geschichten, in denen der Alltag eines Gothamer Polizisten dargestellt wird, eine davon mit der Fledermaus und Detective Montoya. Beide zeigen deutlich, was die neue Garde im Gotham City Poice Department von Männern in Latexunterwäsche halten. Die letzte Story ist wieder ein Teil von David Laphams Stadt der Sünde, das vor den Kriegsspielen angesetzt ist und sich durch die schöne, detailgetreue Beschreibung der Zustände in Gothams Straßen von den anderen Geschichten abhebt.

Trotz der Geschichten aus verschiedenen US-Serien, was meist beim erstmaligen Lesen eher zur Verwirrung führt, ist das alles in allem ein sehr gelungenes Heft, das Batman in düsteren Gassen in schönen Posen und bedrängten Situationen präsentiert. Allerlei Genremixes finden sich in dieser Ausgabe: so hat die Poison Ivy Seifenoperncharakter, zwischendrin gibt es Thrillerelemente und die anderen Stories sind fast  dokumentarisch, wenn sie den Alltag von Polizisten und Gothams Bürgern durchleuchten. Natürlich kommt die batmantypische Spannung nicht zu kurz, wenn er zum Beispiel, von der GPCD niedergestreckt, sich unter einem gewaltigen Kugelhagel und mit letzter Kraft aus dieser Gefahrensituation rettet. Ein üblicher Kritikpunkt bei Superheldencomics fällt diesmal nicht so schwer ins Auge, trotzdem wirkt an manchen Stellen die Mimik zu hölzern und die Gesichter zu klobig.

Ansonsten gilt: Wer eine ausgewogene Mischung aus spannenden Stories will, sollte diese Ausgabe nicht verpassen. Auch für die nächsten Ausgaben sind weitere Aufräumarbeiten geplant, man darf also gespannt bleiben!.

Batman 16
Panini Comics / DC Comics
enthält die US-Ausgaben
Batman: Gotham Knights #64-65, Batman Allies Secret Files 2005, Detective Comics #807
Text: A.J. Lieberman/Russel Lissau/David Lapham
Zeichnungen: Al Barrionuevo/Brad Walker/Ramon Bachs

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Wolverine 28

Wir kennen das alle. Kaum ist man zu Hause, prompt wird in den Nachrichten gesagt, dass es nun Weltfrieden gibt, jeder in Saus und Braus lebt und der Hunger in der Welt de facto gegessen ist. Schließlich wacht man doch auf und merkt, dass man wieder einen dieserhyperrealistischen „Was wäre, wenn“-Träume hatte, die die Welt auf den Kopf stellen.

Wolverine 28 tut genau das, es gehört nämlich zum Großevent House of M, in dem Mutanten die dominante Spezies auf der Erde sind. Wie immer wurde mit großem Klimbim angekündigt, dass von nun an alles anders sei und das Marvel-Universum vor großen Veränderungen stehe. In diesem Heft wird nun Wolverines Rolle im House of M-Universum dargestellt und was ihn hier kennzeichnet. Die gewaltigste Änderung von Autor Daniel Way ist Wolverines Freundin Mystique und Wolverines Drogenabhängigkeit. Schön mitanzusehen ist das Verhalten der Mutanten in dieser neuartigen Welt, die ganz klar zeigt, dass sie, wenn sie die Macht hätten, noch viel skrupelloser wären als die Menschen in der normalen Welt. Alles in allem bietet die Story genug Action und – durch ein Verhör Mystiques – neue Erkenntnisse über Wolverine. Zeichner Javier Saltares besitzt ein Gespür für Details, Schatten und die richtige Perspektive zur richtigen Zeit. Herausragend hierbei ist das seitenfüllende Panel,in dem Wolverine mit Säure angegriffen wird.

Wolverine belegt den ersten Teil des Heftes, der zweite gehört der neuen Serie X-23. Bei X-23 handelt es sich um eine geklonte Tochter Wolverines mit dessen Superkräften. Wie ihr „Vater“ hat sie Krallen, zwei an jedem Fuß und zwei an jeder Hand, und -wie sollte es anders sein- Wolverines Killerinstinkt. Die wichtige Frage, die die Serie stellt: „Was passiert, wenn ich einem Kind diese Superkräfte verleihe?“ Diese Frage beantwortet sie selbst, indem sie über mehrere Seiten Leute abschlachtet. Herausstechend ist hierbei das Umbringen eines Präsidentschaftskandidaten und seiner ganzen Familie, das zwar nicht überraschend kommt, einen aber doch zweifeln lässt, was man von dieser mordenden Hauptfigur halten soll. Es werden ein paar Verwicklungen rund um das Projekt X-23 gezeigt, jedoch der Hauptanteil liegt im Morden, damit dem Leser bewiesen wird, wie brutal sie ist. Die Wendung, die darin vorkommt, ist für meinen Geschmack zu kurz geraten und hätte ruhig etwas länger beschrieben werden können, sie kommt aber trotzdem überraschend. Ich denke, man kann von dieser Zweitserie noch mehr erwarten, diese Folge war jedoch ein wenig  eintönig.

Der einzige Kritikpunkt an der Gesamtausgabe ist das Cover,auf dem Wolvie zwar hübsch posiert, aber sein Gesichtsaudruck eher wirkt, als müsse er nach durchzechter Nacht bei Germany's Next Top Model auftreten.

Wolverine 28
Panini Comics / Marvel Deutschland
enthält die US-Ausgaben Wolverine #23 und X-23 #3
Text: Daniel Way/Craig Kyle
Zeichnungen: Javier Saltares/Billy Tan

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Mind the Gap 23: Previews 05/2006

Neue US-Comics müssen von Händlern jeweils etwa zwei Monate vor Erscheinen vorbestellt werden, was über den Katalog Previews geschieht, in dem die meisten US-Verlage ihre Produkte anbieten. Das Ziel von „Mind the Gap“ ist, euch bei dem Wust an monatlichen Veröffentlichungen einen groben Überblick zu verschaffen und die interessantesten Neuerscheinungen aus Previews hervorzuheben.

Wenn der eine oder andere Tipp euer Interesse weckt, könnt ihr den entsprechenden Comic vorbestellen, indem ihr die Bestellnummer an den Comic-Händler eures Vertrauens weitergebt.

Vorbestellungen für Juli 2006

BATMAN #655
DETECTIVE COMICS #821

DC Comics | je 32 Seiten | je $ 2.99 | farbig | MAY06 0130/MAY06 0132

Das bombastische Seven Soldiers ist noch genau eine Ausgabe von seinem Finale entfernt, die sequentielle Tütensuppe 52 zählt nicht, All-Star Superman erscheint im Schneckentempo und auf seine Neuauflage von Wildcats und The Authority muß man auch noch etwas warten. Was also tun, um die blau lodernde Gier nach Neuem vom derzeit begnadetsten Autor im amerikanischen Comic-Mainstream zu stillen? Die Rede ist – natürlich – von Grant Morrison. Die Antwort, ab Juli 2006: Batman lesen.

Man muss es den Damen und Herren in der Chefetage des New Yorker Comic-Molochs DC lassen: Auch wenn die jüngsten Tendenzen im Verlagsprogramm in Richtung bauchnabelfixierten, fadgekochten Einheitsbreis weisen, hat man mit der Exklusiv-Verpflichtung des schottischen Querkopfs doch einen Coup gelandet. Zielgruppenverödung und kreative Gleichmacherei hin oder her, der Name Morrison zieht nach wie vor. Der glanzstirnige Hobbymagier aus Glasgow bürgt für Qualität und verlangt selbst den eifrigsten Kritikern der derzeitigen Innovationsflaute ein gewisses Maß an respektvoller Aufmerksamkeit ab. (Außer vielleicht wenn er, wie bei 52, als Teil eines „Kompetenzteams“ von Autoren agiert. Aber Schwamm drüber.)

Natürlich ist ein Job als Babysitter einer der beiden großen Verlagsikonen – gerade bei DC, gerade im Jahr 2006 – grundsätzlich mit einer heftigen Resistenz gegen Innovationen und allzu ausgefallene kreative Impulse behaftet. Also wird Morrisons Batman kaum ein Ersatz sein für die tabula-rasa-Romantik von Seven Soldiers, geschweige denn für Eigenkreationen à la The Filth oder We3. Bis der Maestro wieder mal die Kurve zu einer Produktion kriegt, die ihm etwas mehr Handlungsspielraum für Extravaganzen und Ideenfeuerwerke lässt, wird es aber sicher schlechtere Möglichkeiten geben, sich die Zeit zu vetreiben, als seinen Batman zu lesen.

Auch zeichnerisch läßt sich der Verlag nicht lumpen und hat Morrison Andy Kubert zur Seite gestellt, der (wie auch sein Bruder Adam) lange Zeit ausschließlich für die Konkurrenz arbeitete – zuletzt an Neil Gaimans Marvel 1602 – und sich nun erstmals an eine hochrangige DC-Serie wagen darf. Kuberts polierten, ecken- und kantenlosen Stil, der in seinen besten Momenten an den seines Vaters Joe erinnert, muss man nicht mögen, aber technisch ist der Junge fit, und den Verkaufszahlen wird sein Name erfahrungsgemäß auch nicht schaden.

Ach ja, da war noch was: Detective Comics, der andere Batman-Titel, bekommt ebenfalls eine neue kreative Besatzung, bestehend aus Federkielhalter Paul Dini (hauptsächlich bekannt durch seine Arbeit an der Batman-Zeichentrickserie) und Bleistiftpilot J.H. Williams III. Bestimmt auch keine schlechte Kombination, aber es ist schon verdammt ärgerlich, dass Williams dafür offenbar bei Desolation Jones ausgestiegen ist.

Wenn es der Verlag ausnahmsweise mal auf die Reihe bekommen sollte, die angeheuerten Autoren ihre Arbeit machen zu lassen ohne ständig zu Werbezwecken mit dreißig anderen Serien interagieren zu müssen, dann lohnt es sich auf jeden Fall mal, die beiden Titel im Auge zu behalten.

BATTLER BRITTON #1 (von 5)
A MAN CALLED KEV #1 (von 5)

DC Comics/WildStorm | je 32 Seiten | je $ 2.99 | farbig | MAY06 0215/MAY06 0219

Die Handlung: rudimentär. Das Konzept: banal bis grenzdebil. Der Humor: furztrocken und schwarz wie Guinness. Jawoll, DCs WildStorm-Abteilung bringt im Juli zwei neue, bitterböse Miniserien von Garth Ennis an den Start.

Nach The Authority: Kev (2002), The Authority: More Kev (2004) und The Authority: The Magnificent Kevin (2005) bestand die geringfügige Gefahr, dass der Gag um Kev Hawkins, den einfachen britischen Jungen von nebenan, der irgendwie immer wieder in den Mittelpunkt des superheldenverseuchten WildStorm-Universums schlittert, sich eventuell irgendwann einmal totlaufen könnte. Aber nix da. Bei WildStorm hat man dies sofort erkannt und steuert dem jetzt souverän entgegen: A Man Called Kev, die neuste Variante des bewährten Erfolgskonzepts (gezeichnet von Carlos Ezquerra), kommt zur Abwechslung mal völlig ohne The Authority aus. Ob eines derart brillanten Schachzugs ist der kreative und kommerzielle Erfolg natürlich bloß noch Formsache. Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich.

Bei Battler Britton währenddessen handelt es sich um ein Remake des gleichnamigen Klassikers aus den Sechzigern, ursprünglich herausgegeben vom britischen Verlagshaus IPC, welches 2001 von DCs Mutterkonzern Time Warner geschluckt wurde. Normalerweise sind Ennis‘ Kriegsgeschichten ja starker Tobak, für den er seine Witzigkeit gerne mal in der Kiste lässt. Aber wenn man nach dem Anzeigentext geht, mit dem Battler Britton beworben wird, dann dürfte das Material wohl eher in Richtung der schwachsinnig-genialen Adventures in the Rifle Brigade gehen. „Oberstleutnant Robert ‚Battler‘ Britton von der RAF [das steht übrigens für „Royal Air Force,“ liebe RTL-II-Zuschauer – d. Verf.] und sein Geschwader wurden zu einer amerikanischen Basis geschickt,“ heißt es da, „um eine gemeinsame Aktion gegen Hitlers Kriegsmaschine anzuführen. Nun müssen sie Spott, Drohungen und Angriffe überleben… und das allein von den Amis!“ Illustriert wird die rah-rah-rah-Verballhornung von dem Neuseeländer Colin Wilson.

THE ESCAPISTS #1 (von 6)
DARK HORSE TWENTY YEARS (One-Shot)

Dark Horse Comics | 32/24 Seiten | $ 1.00/$ 0.25 | farbig | MAY06 0011/MAY06 0017

Anläßlich des zwanzigjährigen Bestehens von Dark Horse Comics gibt der Verlag im Juli gleich zwei interessante Heftchen zum schmalen Preis heraus, so dass auch so arg gebeutelte Bevölkerungsgruppen wie Studenten, Beamte und Bundestagsabgeordnete mal wieder getrost zufassen können, ohne dafür auf ihr allmorgendliches Frustbier verzichten zu müssen. Fast wie in den goldenen Achtzigern also.

In Dark Horse Twenty Years, zu haben für einen US-Quarter, gibt’s auf 24 Seiten je eine Zeichnung zu bestaunen. Der Witz: Man hat dafür die prominentesten Künstler der Verlagsgeschichte an den Start geschickt und sie Figuren interpretieren lassen, mit denen sie bisher nichts am Hut hatten. Dabei sollen unter anderem eine Star-Wars-Zeichnung von Eric Powell, ein Hellboy von Adam Hughes und der erste Illustrationsversuch überhaupt von Buffy– und Serenity-Schöpfer Joss Whedon herausgekommen sein, der üblicherweise ja eher fürs Schriftliche zuständig ist. Außerdem stehen noch Arthur Adams, Sergio Aragonés, Bob Burden, Paul Chadwick, Frank Miller, Tony Millionaire, Cary Nord, Stan Sakai, Matt Wagner, Chris Warner, Mike Mignola „und andere“ auf der Gästeliste. Sicher kein Meilenstein der Comicgeschichte, aber für den Preis allemal sehenswert.

The Escapists hingegen, eine sechsteilige, monatlich erscheinende Miniserie, ist ein weiteres Projekt, welches auf Michael Chabons Roman The Amazing Adventures of Kavalier & Clay basiert. Inhaltlich knüpft die Serie nahtlos an das kürzlich eingestellte Michael Chabon Presents The Amazing Adventures of the Escapist an, ist aber im Gegensatz dazu keine Anthologie, sondern stammt komplett aus der Feder des von Chabon selbst handverlesenen Brian K. Vaughan, der – wie schon in der letzten Ausgabe von Chabon Presents – von den Zeichnern Philip Bond und Eduardo Barreto unterstützt wird. Die Story spielt in der Gegenwart und dreht sich um den jungen Max, der die Figur des Escapist neu beleben will, nachdem er die alten Comics seines Vaters verschlungen hat. Die Startnummer kommt mit einem schicken FrankMiller-Cover daher und lockt den geneigten Leser mit einem freundlichen Einstiegspreis von einem Dollar. Da Vaughans Serien Y: The Last Man und Ex Machina momentan zu den unterhaltsamsten im US-Mainstream gehören, ist The Escapists nicht nur Freunden der Chabonschen Vollprosa wärmstens zu empfehlen.

DEVI #1
THE SADHU #1
SNAKEWOMAN #1

Virgin Comics | je 32 Seiten | je $ 2.99 | farbig | MAY06 3453/MAY06 3454/MAY06 3455

Die Virgin Group des britischen Guerilla-Unternehmers Richard Branson ist ein Fall für sich. Was 1972 noch ganz unschuldig als Plattenlabel anfing, erstreckt sich mittlerweile über eine ganze Palette aller möglichen und unmöglichen Branchen, von Kosmetika über Softdrinks, Computerspielen und Mobilfunk bis hin zu Reisen, Flug- und Eisenbahngesellschaften, kommerziellen Weltraumflügen und sogar der Vermietung ganzer Inseln. Dabei ging Branson, der nach wie vor alle Fäden in der Hand hält, mehr als einmal mit seinen Vorstößen in neue Produktbereiche baden, hat sich aber dennoch hartnäckig gehalten. Die neuste Geschäftsidee, ein Ableger von Virgin Books, heißt Virgin Comics und wird damit in den Annalen des Firmen-Imperiums wohl irgendwann einmal direkt zwischen „Virgin Cola“ und „Virgin Condoms“ abgeheftet werden.

Bei der Umsetzung seiner Comic-Initiative setzt Branson interessanterweise weder auf anglo-amerikanische noch auf japanische Ansätze, sondern verläßt sich auf eine Gruppe angesagter Macher indischer Popkultur: Virgin Comics (zusammen mit der ebenfalls neu ins Leben gerufenen Schwesterabteilung Virgin Animation) wird in Zusammenarbeit mit Selbsthilfe-Guru Deepak Chopra, Bollywood-Regisseur Shekhar Kapur und dem Verlagshaus Gotham Comics aus Bangalore betrieben, welches die Comics von Marvel, DC, Dark Horse und anderen in Indien herausgibt und zuletzt mit einer indischen Neuinterpretation von Spider-Man Schlagzeilen machte.

Zum Startschuß im Juli werden von Virgin Comics drei Titel auf den US-Markt losgelassen, die alle in indischen Mythen verwurzelt sein sollen. Devi, geschaffen von Shekhar Kapur und realisiert von Siddharth Kotain und Mukesh Singh, dreht sich um eine weibliche Krieger-Gottheit, die in der Gegenwart reinkarniert wird, um einen alten Widersacher zu bekämpfen. The Sadhu, geschaffen und geschrieben von Gotham Chopra (Deepak Chopras Sohn und kreativer Kopf von Gotham/Virgin Comics) und gezeichnet von „Indiens Comic-Zeichner Nummer Eins“ (so der Previews-Text), Jeevan Kang. O-Ton G. Chopra: „Es ist unsere indische Version von Der letzte Samurai!“ Für Snakewoman schließlich, dessen Protagonistin eine auf mysteriöse Weise zur Serienkillerin gewordene junge Frau in Los Angeles ist, greift man auf bekannte Gesichter aus der US-Branche zurück: Autor ist Zeb Wells (New Warriors), Zeichner Michael Gaydos (Alias). Bis September sollen zwei weitere Serien folgen, eine davon auf einem Konzept von Regisseur John Woo basierend, die andere (O-Ton G. Chopra) „unsere Herr-der-Ringe-mäßige Erzählung.“

Nun muss man Virgin sicher attestieren, dass die Idee, den amerikanischen Markt mit einem – aus westlicher (und nicht-englischer) Sicht – relativ „unverbrauchten“ und in der Zukunft potentiell sehr einflußreichen Kulturzweig wie dem indischen zu beackern, grundsätzlich nicht die schlechteste ist. Ähnliches hat man schließlich sogar schon beim deutschen Fernsehen geschnallt, wo seit einiger Zeit regelmäßg Bollywood-Filme zu sehen sind. Und auch die Namen und Referenzen der Verantwortlichen lesen sich zugegebenermaßen ganz hübsch.

In der Praxis fängt dieser gute Eindruck aber leider schnell zu bröckeln an, denn die vorab veröffentlichten Beschreibungen lassen eher den Schluss zu, dass hier sehr plump mit plakativen Klischees und pseudo-religiösem Kitsch hantiert wird, als daß man die ernsthafte Absicht verfolgt, Geschichten authentisch-indischer Prägung zu erzählen. Reinkarnation? Mystische Gottheiten? Eine Heldin, die (O-Ton G. Chopra) „all die verschiedenen Gesichter der Weiblichkeit trägt, von einem verwundbaren und hingebungsvollen bis hin zu dem einer sexy Verführerin, der man nicht widerstehen kann“? Sag bloß. Wie fortschrittlich, wie extravagant. Fehlen eigentlich nur noch der Tempel des Todes, die heiligen Kühe und das Hühnchen mit Curry. Brauchen wir wirklich dringend noch „indische Versionen“ von Der letzte Samurai und Der Herr der Ringe? Hört sich alles verdächtig nach einer kulturell desinfizierten Disney-Interpretation indischer Märchen an, welche man dem US-Publikum mittels ausgelutschter Standard-Fantasy-Motive, der obligatorischen dicken Titten und eines dünnen, betont äck-zoh-thischen Anstrichs unterjubeln will.

Aber wer weiß. Vielleicht tue ich Herrn Chopra und seiner Mannschaft ja Unrecht und uns stehen tatsächlich gut gemachte, kulturell selbstbewußte Comics ins Haus, die sich nicht fürchten, aus der Masse herauszuragen. Zu wünschen wär’s ihnen und uns auf jeden Fall – also toi toi toi, und nichts für ungut.

GØDLAND, VOL. 2: ANOTHER SUNNY DELIGHT (Paperback)
Image Comics | 152 Seiten | $ 14.99 | farbig | MAY06 1725

“I was thinking how the world should have cried on the day Jack Kirby died,“ lamentierte Dave Wyndorf in den ersten Sekunden des sträflich unterbewerteten Monster-Magnet-Albums God Says No aus dem Jahr 2000. Aber natürlich war das nur noch Makulatur, denn der Sänger und Drahtzieher der Band hatte sich schon 1995 mit dem Track „Ego, the Living Planet“ unmissverständlich als Fan der Comics des ein Jahr zuvor verstorbenen „King“ Kirby geoutet. Anno 2001 drehte dann Grant Morrison den Spieß um und benannte eine Figur aus New X-Men nach Monster Magnets monstermäßiger Mittneunziger-Hymne „Negasonic Teenage Warhead“.

Was das alles mit Gødland zu tun hat? Nun, zum einen wird Gødland ebenfalls sträflich unterbewertet, wie die erbärmlichen Verkaufszahlen unschwer erkennen lassen. Zum anderen eignet sich der Comic den unwiderstehlichen Vibe einer Mixtur aus Kirby, Morrison und Rock’n’Roll an – die Lust an der irrwitzigen Idee, die so groß ist, dass sie außerhalb der Vorstellungskraft nicht realisierbar scheint – und macht ihn für einen flüchtigen Moment greifbar. Man kennt diesen Moment. Es ist der Moment, in dem einem Haufen Primaten der schwarze Monolith erscheint; in dem Vincent noch kurz begreift, was für ein Film da läuft, bevor er buchstäblich mit heruntergelassenen Hosen erwischt und mit seiner eigenen Wumme über den Haufen geschossen wird; in dem Neo die Matrix durchschaut und mit einer gelangweilten Handbwegung die Kugeln der Agenten wirkungslos auf den Boden plätschern lässt wie Murmeln. Realität und Fiktion fangen an, Tango zu tanzen. Alles ist möglich. Und man ist eigentlich viel zu beschäftigt, sich auszumalen, was als nächstes kommt, um sich den Rest des Films anzusehen. Ganz großes Kino eben, das noch versteht, dass die Geheimwaffe eines jeden Regisseurs die Vorstellungskraft seines Publikums ist.

In Gødland, Vol. 2: Another Sunny Delight findet man kosmische Schlachten, außerirdische Invasoren Freudscher Prägung und durchgeknallte Superschurken (Grandioser Auftritt: “My name is FRIEDRICH NICKELHEAD. I’m a swinger with a sinister style.“), die sich angeregt über die Meriten von Feld der Träume unterhalten oder in ihrem hochtechnisierten Schurkenunterschlupf zum „Subterranean Homesick Blues“ abhotten.

Gødland ist wach, wichtig und wuchtig, übermütig und verspielt. Joe Casey schreibt. Tom Scioli zeichnet. Wir lesen.

KAFKA (Paperback)
Active Images | 160 Seiten | $ 14.99 | schwarzweiß | MAY06 2766

Der Thriller Kafka von Steven T. Seagle (American Virgin) und Stefano Gaudiano (Gotham Central) stammt ursprünglich aus dem Jahre 1987, wurde 1988 für einen Eisner-Award nominiert und erscheint im Juli 2006 erstmals als Sammelband. Die Story handelt vom Absolventen eines Zeugenschutzprogramms, dem eines Tages mitgeteilt wird, dass seine neue Identität von gleich zwei feindlichen Gruppierungen kompromittiert worden ist, die beide ihre Mitarbeiter als US-Agenten ausgeben.

Um herauszufinden, wer der mysteriöse Protagonist ist oder worum es im Detail geht, muss man das Buch wohl lesen. Wer auf Unterhaltung mit Tiefgang steht, der ist bei Steven T. Seagle aber in aller Regel an der richtigen Adresse, deshalb wär’s schade, wenn Kafka in der allmonatlichen Veröffentlichungsschwemme unterginge.

THE LEFT BANK GANG (Graphic Novel)
Fantagraphics Books | 48 Seiten | $ 12.99 | farbig | MAY06 3133

Die Fantagraphics-Website nennt den Strich des norwegischen Cartoonisten Jason (Hey, Wait…, Why Are You Doing This? dt.: Hey, Warte mal…! bei Schwarzer Turm) einen „pokerfacigen, minimalistisch-anthropomorphischen Stil mit einem mehr als beiläufigen Wink an Hergés Ligne-Claire-Ethos.“ Will sagen: Jason hat genug Selbstvertrauen, seine Geschichten durch sehr spartanische Zeichnungen zu erzählen, in denen keine Menschen die Hauptrolle spielen, sondern sprechende, aufrecht gehende Tiere.

So auch in seinem neustem Werk The Left Bank Gang, welches die Literaten F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Ezra Pound und James Joyce – in beschriebener Art und Weise karikiert – als Protagonisten verwendet. Im Paris der 1920er und in einer Welt befindlich, in der Comics das dominante Medium für Belletristik sind, sollen sich die vier Herrschaften, natürlich alle selbst fleißige Cartoonisten, unter anderem über die Graphic Novels von Dostojewski und Faulkner plaudern.

Das Konzept hört sich in beschriebener Form zweifellos haarsträubend an, sollte aber in der Praxis keiner großen Erklärungen bedürfen. Die Nummer klingt auf jeden Fall abgedreht genug, daß der Previews-Text mit seiner vollmundigen Behauptung, es handele sich bei The Left Bank Gang um „eine der witzigsten und verspieltestesten Graphic Novels des Jahres“ recht behalten könnte, sofern bei der Ausführung nix schiefgeht.

NEXTWAVE: AGENTS OF H.A.T.E. CRAYON BUTCHERY VARIANT
Marvel Comics | 24 Seiten | $ 2.99 | schick für zum Ausmalen

Und einer für die Kuriositätenspalte: Bei der Crayon Butchery Variant (frei übersetzt: „Wachsmal-Massaker-Variante“) von Nextwave: Agents of H.A.T.E. #5 handelt es sich natürlich um nichts anderes als eine Schwarzweiß-Version des regulären Comics. Nextwave (superb: der Titelsong zur Serie als mp3), wir erinnern uns, ist eine Superheldenpersiflage von Warren Ellis und Stuart Immonen, die die Sinnfreiheit zur Kunstform erhebt und ständig auf einem schmalen Grat wandelt – nicht zwischen Genie und Wahnsinn, sondern zwischen Wahnsinn und Schwachsinn.

Okay, Nextwave ist nicht so „janz weit draußen“ wie einst X-Statix oder das fantastische, leider oft unterschätzte Soldier X von Darko Macan und Igor Kordey. Aber im rigide-konservativen Marvel-Programm des Jahres 2006 stellt die Serie trotzdem eine erfrischende Ausnahme da, zu deren Ach-leck-mich-doch-Attitüde die vorliegende Quatsch-Edition vorzüglich passt. Eine Bestellnummer gibt’s für die Nummer übrigens nicht; wer das Heft käuflich zu erwerben gedenkt, der sollte also schnellstmöglich mit seinem Händler in Verhandlungen treten.

SUPERMAN #654
DC Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | farbig | MAY06 0144

Auch DCs zweites (oder besser: erstes) Flaggschiff erhält im Juli eine neue Mannschaft, die in diesem Fall aus Autor Kurt Busiek und Zeichner Carlos Pacheco besteht – einem bewährten Team, also, das schon mit Avengers Forever und Arrowsmith eine sehr gute Figur gemacht hat.

Wenn nun kreative Luftsprünge schon bei Morrisons Batman als unwahrscheinlich einzustufen sind, dann darf man diese hier freilich noch viel weniger erwarten. Denn erstens ist Superman sozusagen der Fahnenträger des Konservativismus unter den Superhelden, zweitens dürfte die Toleranzgrenze des Verlags und seines Mutterkonzerns für Experimente im Angesicht des neuen Superman-Films derzeit sowieso ihren historischen Tiefpunkt erreicht haben und drittens ist der neue Autor selbst nicht gerade als der große Innovator bekannt.

Man verstehe mich nicht falsch: Bei Busiek handelt es sich ohne Zweifel um einen sehr erfahrenen und versierten Schreiber, der einen phänomenalen Riecher dafür hat, mit Ballast überfrachtete Konzepte aufs Wesentliche zu reduzieren und selbst im dicksten Heuhaufen einer verkorksten Idee noch die goldene Stecknadel einer interessanten Perspektive aufzuspüren. Busiek ist ein hervorragender Geschichtenerzähler – aber er ist eben kein „Revolutionär“ im Sinne etwa von Morrison oder Ellis, die sich möglichst mit jedem neuen Projekt auch selbst neu erfinden und die Grenzen des Machbaren ausloten wollen.

Das muss er im Fall von Superman natürlich auch nicht sein, denn Der Superheld überhaupt will gar nicht neu erfunden werden, sondern verlangt bloß nach einer Federführung, die seine Stärken auch im Jahr 68 nach seinem Debüt noch auf eine interessante Art und Weise zu vermitteln weiß. Und dafür sind derzeit wohl nur wenige besser geeignet als Kurt Busiek.

Wer mit der Figur also bisher nicht viel anfangen konnte, dessen Meinung werden wahrscheinlich auch Busiek und Pacheco nicht ändern können. Fans von Superman oder Busiek aber, oder einfach für Leute, denen es Spaß macht, zwei Meistern ihrer Kunst dabei zuzuschauen, wie sie einen alten Kreisel in den höchsten Tonlagen zum Singen bringen, werden an Superman ab Juli ihre Freude haben.

WASTELAND #1
Oni Press | 48 Seiten | $ 2.99 | schwarzweiß | MAY06 3335

Mit Wasteland startet Oni Press mal wieder eine fortlaufende, monatliche Reihe – ein Format, welches man von dem qualitätsbewussten und geschmackssicheren Kleinverlag aus Portland leider viel zu selten zu sehen bekommt. Wasteland ist das Baby von Autor Antony Johnston (Julius, The Long Haul) und Zeichner Christopher Mitten (The Tomb, Last Exit Before Toll), die zuletzt mit dem Spionage-Thriller Queen & Country: Declassified III eine kompetente, aber eher unspektakuläre Arbeit abgeliefert haben.

Wasteland ist allerdings eine ganz andere Baustelle: eine Endzeit-Odyssee im Stil von Y: The Last Man soll’s werden, bloß dass die Katastrophe in diesem Fall mal wieder in einem extremen Anstieg des Meeresspiegels liegt, der die üblichen Nebenwirkungen mit sich bringt; versunkene Millionenstädte, mutierte Menschen und Tiere, neu entstehende Kulturen und so’ne Sachen halt – Waterworld als Comic-Seifenoper, könnte man sagen, wenn man’s ein bisschen gemein formulieren wollte.

Anlass zum Pessimismus gibt’s aber fairerweise bisher absolut nicht. Im Gegenteil, alle Beteiligten scheinen sich richtig ins Zeug gelegt und ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Anläßlich des Serienstarts hat man bei Oni Press eine sehenswerte Mini-Seite ins Netz gestellt, auf der es nicht nur die üblichen Standard-Presseinfos gibt, sondern auch einen Soundtrack zum Comic als mp3 (kreiert von Johnston selbst), Schnickschnack wie Wallpapers und Icons und sogar die ersten 21 Seiten der Debütausgabe zum Antesten.

Ein Interview mit Johnston trägt ebenfalls zum positiven Gesamteindruck bei. Johnston, auf die Frage, ob er denn selbst die Antworten auf die ‚großen Fragen und Geheimnisse‘ der Serie kenne oder ob man das Publikum ähnlich wie bei Lost ewig nur an der Nase herumzuführen gedenke: „Auf die ‚großen Fragen‘ […] gibt’s definitiv Antworten, und ich kenne sie auch. Alles wird zu seiner Zeit enthüllt werden. (In der Tat habe ich auch schon den Handlungsbogen für das letzte Kapitel in der Tasche.)“

Na, das ist doch mal ein Wort. Soviel Hingabe und kreative Integrität gehört belohnt, und Oni erleichtert einem mit der extrafetten, extragünstigen Debütausgabe ohnehin die Kaufentscheidung. Apropos Kaufentscheidung: Die Cover-Illustrationen stammen übrigens von Ben Templesmith.

X-MEN #188-189
UNCANNY X-MEN #475-476

Marvel Comics | je 32 Seiten | je $ 2.99 | farbig | MAY06 2010/MAY06 2011/MAY06 2007/MAY06 2008

Ganz flott: Was haben Steven T. Seagle, Grant Morrison und Peter Milligan gemeinsam? Stimmt, alle haben sich zuerst (unter anderem) beim DC-Comics-Label Vertigo einen Namen gemacht, bevor man sie sich bei Marvel als Autoren der X-Men angelte. Im Juli treten dieser Clique mit Ed Brubaker (Uncanny X-Men) und Mike Carey (X-Men) nun zwei neue Gesichter bei.

Sicher darf man auch hier – siehe die Kommentare zu Batman und Superman – keine Wunder erwarten. Nicht mal ein kleines, wie es Morrison mit seiner Neuintepretation vor fünf Jahren noch vollbracht hat, denn die sprichwörtliche Not, die erfinderisch macht, hat den Medienkonzern ja in der Zwischenzeit längst wieder verlassen. (Den experimentierfreudigen damaligen Verlagschef Bill Jemas hat sie gleich mitgenommen.) Nein, man muss sich wohl auch hier damit abfinden, dass das Attribut „viel versprechend“ in Verbindung mit den beiden großen US-Verlagshäusern derzeit eher auf gute Hausmeister hindeutet als auf spannende Innenarchitekten: Instandhalten heißt die Devise, bloß nicht Renovieren.

Wenn man sich dieser Vorzeichen also bewusst ist und nicht allzuviele Innovationen erwartet, versprechen die Namen der beiden Neuankömmlinge aber soliden Lesestoff fürs geneigte Publikum. Ed Brubaker (Deadenders, Sleeper), der zur Zeit auch Captain America und Daredevil für Marvel schreibt, hat mit der gerade komplettierten Miniserie X-Men: Deadly Genesis zwar gemischte Reaktionen geerntet, aber der Großteil seiner Arbeiten ist dennoch mehr als überzeugend. Dasselbe gilt auch für Mike Carey (Lucifer, My Faith in Frankie), den Marvel nach seiner Miniserie Spellbinders auch gleich noch als neuen Autor von Ultimate Fantastic Four verpflichtet hat.

Zeichnerisch bleibt derweil vieles, wie es ist: Billy Tan, der in den vergangenen Monaten eh immer wieder als Vertretung bei Uncanny X-Men eingesprungen ist, hat man kurzerhand zum offiziellen neuen Zeichner ernannt, während Chris Bachalo von Uncanny X-Men zu X-Men wechselt.

Insgesamt also keine Offenbarung, aber Grund genug für Optimismus, wenn man mit den Konzepten oder Autoren eh schon was anfangen konnte. „Viel versprechend“ eben.

Der Bücher-Wurm: Weitere US-Comics im Juli

+++AFTERWORKS 2 von Ted Mathot, Nate Stanton et al. (Graphic Novel, Image)+++BEDLAM von Keith Giffen, Shannon Denton und Matt Jacobs (Graphic Novel, Image)+++BIGHEAD von Jeffrey Brown (Graphic Novel, Top Shelf)+++BLUESMAN, VOL. 3 von Rob Vollmar und Pablo Callejo (Graphic Novel, NBM)+++DOOM PATROL: MUSCLEBOUND von Grant Morrison, Steve Yeowell, et al. (Paperback, DC/Vertigo)+++THE EXTERMINATORS: BUG BROTHERS von Simon Oliver und Tony Moore (Paperback, DC/Vertigo)+++LOUIS RIEL: A COMIC STRIP BIOGRAPHY von Chester Brown (Paperback, Drawn & Quarterly)+++PATHFINDER von Laeta Kalogridis und Christopher Shy (Paperback, Dark Horse)+++THE PERHAPANAUTS von Todd DeZago, Craig Rousseau und Rico Renzi (Paperback, Dark Horse+++POLLY & THE PIRATES, VOL. 1 von Ted Naifeh (Paperback, Oni)+++SMOKE & GUNS von Kirsten Baldock und Fabio Moon (Graphic Novel, AiT/PlanetLar)+++SUNSET CITY von Rob Osborne (Graphic Novel, AiT/PlanetLar)+++THE SURROGATES, VOL. 1 von Robert Venditti und Brett Weldele (Paperback, Top Shelf)+++24SEVEN von Becky Cloonan, Faryl Dalrymple et al. (Graphic Novel, Image)+++

Anregungen, Lob oder Kritik sind wie immer herzlich willkommen. Schaut einfach im Forum vorbei oder schickt eine E-Mail.

Bildquellen: Previews – Diamond Distributors; Batman, Battler Britton, Detective Comics, A Man Called Kev, Superman – DC Comics; Dark Horse Twenty Years, The Escapists – Dark Horse Comics; Devi – Virgin Comics; Gødland – Image Comics; Kafka, The Left Bank Gang – readyourselfraw.com; Nextwave, Uncanny X-Men, X-Men – Marvel Comics; Wasteland – Oni Press

Comicgate auf dem Comic-Salon 2006

Comicgate ist zum ersten Mal auf einer Messe mit einem eigenen Stand vertreten, und das wollen wir natürlich ausgiebig kommentieren.
Vom 15. bis  zum 18. Juni 2006 findet in Franken (nördliches Bayern, auch wenn das die Franken nicht gerne hören) der 12. Internationale Comic-Salon Erlangen statt. Diese alle zwei Jahre stattfindende Messe ist die größte und wichtigste Comicmesse Deutschlands. Anreisepläne, Eintrittspreise uvm. findet Ihr auf der oben verlinkten Homepage.

An dieser Stelle fassen wir alle Neuigkeiten und Comicgate-Aktivitäten auf dem Salon zusammen.

Unser Team reist mit vier Leuten an: Thomas Kögel, Björn Wederhake, Christopher Bünte und Frauke Pfeiffer werden für Comicgate unterwegs und natürlich auch am Stand sein. Wir freuen uns sehr auf Kontakt, Anregungen und Gespräche mit unseren Lesern!

Neben unseren unten aufgeführten Aktivitäten werden wir, wie schon 2004, live vom Comic-Salon berichten und Interviews führen. Eventuell werden wir dieses Jahr sogar eine Webcam im Einsatz haben (eine Internetverbindung am eigenen Stand ist jedenfalls vorhanden).
Und vielleicht kommt auch wieder einer der beliebten Jam-Comics zustande.

Der Stand:
Unser Stand trägt die Nr. 74 und ist schnell über den Eingang 2 zu erreichen.
Wir haben zwei Messepläne vorbereitet, auf denen unser Stand und die unserer Nachbarn Epsilon Verlag, Alligator-Farm, Bunte Dimensionen und Blotch eingezeichnet sind:

Das Printmagazin:
Wir haben uns einen kleinen Traum erfüllt und ein Printmagazin auf die Beine gestellt. Es hat seine Premiere auf dem Comic-Salon und wir verkaufen es natürlich an unserem Stand.

Die Fakten: 80 Seiten (davon 24 farbig), DIN A5-Format; 35 Comicseiten, der Rest redaktioneller Inhalt (Interviews, Artikel, Leseempfehlungen); 5,- Euro

Das Kickerturnier:
In Kooperation mit dem Internationen Comic-Salon Erlangen veranstaltet Comicgate am 16. und 17. Juni ein Kickerturnier. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten sind hier zu finden.

Das Verlagsprogramm auf dem Comic-Salon:
Wir haben sehr viele Verlage um Informationen zu ihrem geplanten Programm, den anwesenden Künstlern, Aktionen und Bewerbungsmöglichkeiten gebeten. Die immer wieder aktualisierte Zusammenstellung ist über diesen Link zu erreichen.

Interview mit Christopher „Piwi“ Tauber

Comicgate: Erstmal ein paar Worte zu dir selbst: wo lebst du, seit wann zeichnest du Comics, wie verdienst du dein Geld – sicher nicht ausschließlich mit Comics?

Piwi: Ich wohne seit einem halben Jahr in Offenbach in einer WG. Nach Frankfurt hat die Kohle nicht gereicht, was zur Hälfte wohl schon Auskunft über meine Einkunft geben sollte. Aber ich lebe eigentlich ganz gut, tatsächlich überwiegend durch Jobs, die irgendwas mit Comics zu tun haben, sprich Lettering usw. Illustrationen mache ich auch, aber meistens halt auch eine Menge, wofür ich nie Kohle sehe … Comics zeichne ich, seit ich weiß, dass mir das Spaß macht. Angefangen habe ich mit einer Freundin, mit der ich dann sechs Ausgaben lang ein Fanzine gemacht habe. Richtig losgelegt habe ich, als ich vor fünf Jahren nach Stuttgart gezogen bin und dort in der fantastischen Comicszene schnell eingemeindet wurde, obwohl ich kaum den Stift halten konnte. Das war ein Riesenglück für mich, vor allem die Bekanntschaft und ziemlich schnelle Freundschaft mit den Dinters und anderen Comicschaffenden aus Stuggi. Ohne die hätte ich vermutlich irgendwann doch Anwaltsgehilfe gelernt.

CG: Erzähl mal, wie es zu den ersten „Inter Views“ kam. Wer hatte die Idee, mit welcher Band ging’s los?

Piwi: Die Idee zu Inter View stammt nicht von mir, sondern von einem Freund,  Helge Arnold. Helge hat früher viel fotografiert und war ständig bei Interviews dabei. Irgendwann kam ihm dann wohl die Idee, diese Interviews oder die Geschichten aus ihnen visueller umzusetzen als der Standard „Text und Fotostrecke“. Meine ziemlich miesen Comics haben ihm wohl gefallen und irgendwann hat er mich zu den Sportfreunden mitgeschleppt. Das war das erste Interview, aus dem wir einen Comic machen wollten. Was ziemlich geil war, dass wir so einen komischen Tischkicker dabei hatten und dann eigentlich die ganze Zeit nur dieses Billo-Tischfußball gespielt haben. Sportfreund Flo hat das ganze während dem Spielen kommentiert und – schwupps – hatten wir einen recht beknackten Comic … Naja, den musste ich dann halt noch zeichnen.

CG: Die Pop Comics sind ja keine 1:1-Abschriften von Interviews, sondern eher freie Adaptionen. Kannst du uns den Entstehungprozess beschreiben und welchen Anteil die einzelnen Beteiligten (Musiker, Autor, Zeichner) dabei haben?

Piwi: Meistens haben wir schon ein paar Ideen im Kopf, die wir dann den Musikern vor die Füße werfen. Sind aber eigentlich, wenn überhaupt, nur Anregungen und kein Muss … bei manchen kommt man schnell auf die alberne Schiene und es schaukelt sich eigentlich von selbst. Also vielleicht auch nur die, die sowieso gerne erzählen. Aus den Stories, die American Analog Set erzählt haben, hätte man locker ein ganzes Buch alleine machen können. Also … oft sind es halt Anekdoten, die dann übrig bleiben für eine Story. Was aber dann letzten Endes draus wird, mach ich schon mit mir und dem Papier alleine aus.
Jörg hat oft noch gute Ideen, die ich einarbeite oder von denen ich vor der Umsetzung ausgehe … die Musiker kriegen eigentlich immer erst das Ganze zu Gesicht, wenns fertig ist.

CG: Gab es so eine Art Freigabe, dass die Künstler das fertige Comic abnicken und ihr Okay zur Veröffentlichung geben mussten?

Piwi: Nee … Wir haben nur das Transkript vom Fanta-Vier-Interview absegnen lassen. Wer mich mal zurechtsäuft, darf mich gerne hinter vorgehaltener Hand fragen, welche Stelle von Smudo rausgestrichen wurde. Ansonsten haben wir uns einfach selber das machen lassen, was wir wollten.

CG: Wie schwierig ist es, an Interviews mit solchen Bands und Künstlern ranzukommen? Wie schafft man den Zugang, wenn man kein halbwegs namhaftes Musikmagazin oder ein anderes etabliertes Medium im Rücken hat?

Piwi: Für den ersten Band haben wir noch schlichtweg bei den Interview-Anfragen gelogen und gesagt, das Interview sei für die und die hessische Tageszeitung. Also, wir hätten das schon beweisen können, weil Helge damals noch für diverse Zeitungen auf freier Basis gearbeitet hat. Und er kannte auch ein paar Leute von den Veranstaltungsorten, die uns dann irgendwie zur Band gelotst haben. Dann haben wir immer angefangen, wirr von einem Comic-Projekt zu labern und den Interviewten war das meistens eh schnuppe, für wen das ist …

Dann kam ja der erste Band bei Ventil raus und für den zweiten Band hat Jörg, der dann Helges Platz eingenommen hat, ganz direkt und offen gesagt, dass wir Comic-Interviews oder andersrum machen wollen. Und eigentlich war niemand dabei, auch kein Plattenmensch, der gesagt hat, och wie doof, lass mal. Vielleicht hat ab dem Moment, wo Ehapa ins Spiel kam, das eine oder andere besser geklappt. Obwohl, da hatten wir ja schon fast alles im Kasten …

CG: Waren bei den Bands, die du bisher in Comicform porträtiert hast, persönliche Helden dabei? Oder andersrum: welche musikalischen Lieblinge würdest du gerne mal in Inter View behandeln, hattest aber bisher keine Gelegenheit?

 
Ben Folds, gezeichnet von Sarah Burrini

Piwi: Persönliche Helden waren auf jeden Fall dabei, aber eher im ersten Band. Ash beispielsweise und die Eels, und die Weakerthans fand ich damals großartig. Beim zweiten Band habe ich dann den eigentlichen Helden, Ben Folds, nicht mitinterviewen können, weil ich verreist war, aber Cake und die Toy Dolls, das war schon witzig. Naja, und dann war’s beim zweiten Band auch eher so, dass mit den Interviews neue Helden dazu gekommen sind. Saalschutz beispielsweise und die absolut unglaublich tollen Vier von Good Heart Boutique. Beim ersten Band hatte ichs leider irgendwie verkackt, da hatte ich ein Telefon-Interview mit John Flansburgh von They Might Be Giants … und der hat das irgendwie nicht gerafft, was ich wollte. Ich hatte auch, glaube ich, ziemliches Herzrasen und all diese Symptome des Versagens auf meiner Seite. Egal. Nett war er trotzdem und irgendwann krieg ich nochmal ne Chance … Das sind auf jeden Fall nach wie vor die Größten für mich. Und Weezer. Und Rilo Kiley!!! Und und und ….

CG: Wie war die Resonanz nach Veröffentlichung des ersten Bandes und wie kam es, dass der neue zweite Band jetzt beim Ehapa-Verlag erscheint?

Piwi: Die Resonanz war super. Alle Leute haben es geliebt und keiner hat es gekauft …  ähem … Naja, so oder so ähnlich. Also die Presse fands dufte und Ventil hat sich auch gefreut, nur als es dann um einen zweiten Band ging …. Also erstmal hats ewig gedauert, weil Helge sich da immer mehr von zurückgezogen hatte, ich keinen neuen Partner hatte, den aber definitiv brauchte. Irgendwann kam Jörg dann dazu und wir haben eigentlich sofort losgelegt und hatten dann schon einen Haufen Interviews zusammen.

CG: Kanntest du Jörg vorher schon, oder wie passierte das, dass er dazu kam?

 
Jörg Scheller, gezeichnet von Piwi

Piwi: Jörg war und ist der Freund der besten Freundin meiner damaligen Freundin. Er hat über den ersten Teil eine derartige Lobeshymne in den Stuttgarter Nachrichten geschrieben, dass ich erst dachte: Schleimer! Aber irgendwie fand er die Idee und das Projekt wirklich toll. Genauso wie ich seine musikalischen Projekte, die inzwischen nicht mehr existenten Longjumpmin und den Heavy-Metal-Lieferservice Malmzeit. Irgendwann, als klar war, dass Helge nicht mehr mag, hab ich ihn gefragt und – schwupps-  hatte er schon das erste Interview organisiert.

Währendessen waren sich die Ventils uneinig, ob sie noch einen zweiten machen wollen und haben dann uns aber das Ok-go! gegeben, uns vielleicht bei einem anderen Verlag damit vorzustellen. Zwischendurch gab es auch die Überlegung, ob Zwerchfell und Ventil eine Koproduktion machen, aber das hat auch nie hingehauen. Dann wollte ich eigentlich gleich zu Zwerchfell. Stefan Dinter hat mir dann den Vogel gezeigt und gemeint, ich solle doch mal Geld verdienen, weil sich bestimmt einer der größeren Verlage diese Cross-Marketing-Orgie nicht entgehen lassen mag. Ehapa hat dann als einziger Verlag reagiert, von Carlsen kam beispielsweise noch nicht mal eine Absage, was ich sehr geil finde… Vielleicht melden die sich ja mal bei mir in zwei Jahren und sagen dann zu oder ab … Ja. Und Ehapa wollte das dann machen. Und hats dann ja auch gemacht. Stark!

CG: Der erste Band, der beim Ventil Verlag erschien, ist ja in jeder Hinsicht ziemlich Indie. Die beteiligten Künstler, die Zeichnungen, die Sprache (teilw. Englisch), auch die Erzählweisen. Der neue Band beim (für Comic-Verhältnisse) Major Ehapa scheint – allerdings nur auf den ersten Blick – etwas mainstreamiger zu sein. Gab es von Verlagsseite inhaltliche Vorgaben? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Verlag, der u.a. Comics über Atze Schröder und Vanessa S. herausbringt, freiwillig eine surreale Kurzgeschichte wie die von Simian (in Band 1) veröffentlichen würde.

Piwi: Tja …. wenn wir so eine surreale Story drin gehabt hätten, hätten sie’s wohl veröffentlicht. Es gab keine einzige redaktionelle Vorschrift zum Inhalt. Die einzigen Personen, mit denen ich inhaltliche Sachen abgestimmt habe, waren Jörg und Stefan Dinter, der die Redaktion und das Layout gemacht hat. Dass wir etwas mainstreamigere Leute mit drin haben, war Ehapa sicher recht. Dafür haben wir aber auch ein paar echte No-Names reingeschmuggelt, ohne internationalen Indie-Fame … Ich find die Mischung auch ein wenig heterogener als beim ersten Band. Das ist zwar immer noch spexig und introid angehaucht, aber nicht mehr so arg wie bei der Nummer eins. Und ich bin ja auch älter geworden und brauch nicht mehr das Leise als neuestes Laut angepriesen bekommen. Da kann auch ruhig beim nächsten Mal ein Jeanette-Interview dazu … die Alte zu zeichnen macht bestimmt Spass … und wird eine schön depperte Geschichte.

CG: Für die Klatsch- und Tratschtanten in uns allen: Wer waren die angenehmsten, wer die unerträglichsten Interviewpartner?

 
Good Heart Boutique: Seite aus Inter View

Piwi: Vom zweiten Band?

Angenehm Top Five:
1. Barbara Manning und ihre Go-Lucky-Zwillis
2. Matthew Claws von Nada Surf
3. Claudia Gonson von Magnetic Fields
4. Urlaub in Polen
5. Alle anderen …. bis auf … Unangenehm kann man nicht wirklich sagen, der einzige, der wirklich scheiße drauf war an dem Tag, war Fred Frith … aber der hat dann ja auch keinen Comic bekommen. Und Adam Green war halt ziemlich verblasen, aber trotzdem nett.
Und völlig außer Konkurrenz stehen Good Heart Boutique. Die haben sich, als ich noch ein Foto mit einer Band brauchte … naja, sieht man ja im Vorwort. Also, die sind einfach großartig …

CG: Sehr interessant im ersten Band waren auch die kurzen Berichte über die Popcomics, die dann doch nicht zustande kamen. Im neuen Band gibt es diese „Dokumente des Scheiterns“ nicht.

Piwi: Gottseidank nein, beziehungsweise auch, leider nein … ich fand das „Best of Scheitern“ auch super. Aber bis auf diesen Fred Frith haben alle Interviews ihren Weg ins Buch gefunden.

CG: Mit den eingestreuten Comics von Gastzeichnern und vor allem den vielen Pin-Ups im Anhang (die leider viel zu klein abgedruckt sind) ist das ja ein richtiges Schaulaufen der deutschen Indie-Zeichner-Szene geworden, und das bei einem der großen Verlage! Wie hat sich das entwickelt, und welche Rolle spielte Stefan Dinter dabei (ich nehm jedenfalls an, dass er da seine Hände ziemlich im Spiel hatte)?

 
Stefan Dinter, gezeichnet von Piwi

Piwi: Der Stefan ist einer der tollsten, coolsten und lustigsten Stefans, die ich so kenne. Die Idee mit den Gastzeichnern lag irgendwie auf der Hand, weil das für so ein Projekt einfach eine Bereicherung ist … ähm, und ich ein paar Seiten weniger zeichnen musste.
Das Schaulaufen im Bereich der Bandvorstellung kam mir irgendwann in den Sinn, warum, weiß ich nicht. Ich glaube einfach, weil es Spaß macht, Leute anzuhauen und zu sagen: Mach was für mich und du kriegst leider keine Kohle dafür … naja, so nicht. Aber so ein bißchen Redaktionsarbeit macht halt Laune und zu sehen, was die anderen Zeichner da hinzaubern, ist einfach spannend gewesen. Besonders geil finde ich ja die Adam-Green-Illu von Moritz und die MTK von Lomp… Alle anderen sind natürlich auch toll geworden. Stefan hat aber den Kontakt zu einigen Zeichnern hergestellt, also er hatte ihre E-Mail-Adressen. Was vor allem auf sein Konto geht, war überhaupt die Idee, an große Verlage zu gehen und die Ausarbeitung der Bewerbung und last but not least der Kontakt zum Label All-Score Media, die den Sampler produziert haben. Stefan! Danke!

CG: Das Buch steht jetzt in den Comicläden und bei Amazon und vielleicht bei ein paar Buchhändlern. Versucht ihr auch, das Ding an Musikfans ranzutragen, die sich sonst nicht für Comics interessieren? Zum Beispiel über Plattenläden?

Piwi: Wie das mit dem Vertrieb läuft … keine Ahnung … Das ist Ehapas Job und ich hoffe, die kommen da auf den Trichter. Wir sind momentan dran, die deutschsprachigen Bands dafür zu begeistern, das Ding doch über die Homepage zu verlinken oder gar in die Merchandise-Kiste für die nächste Tour zu schmeißen. Ein paar haben auch schon von selber angefragt … Mal schauen, wie sich das entwickelt. Durch das Fanzine Jackpot Baby!, bei dem ich mitmache, weiß ich aber, dass Leute, die sich nerdmäßig mit Popmusik beschäftigen, auch Comics gegenüber immer mehr aufgeschlossen sind. Vielleicht finden die das ja auch beim nächsten Hugendubel-Besuch ganz von alleine …

CG: Ein Teil der Bands stammt aus dem englischen Sprachraum und ist international aktiv. Habt ihr schon über eine englische Ausgabe nachgedacht?

 
Saalschutz, gezeichnet von Haina

Piwi: Es vergeht kein Tag, an dem wir darüber nicht nachdenken. Viel ist da noch nicht in die Richtung unternommen worden, aber wir sind ja noch jung und am liebsten wären wir natürlich big in Japan … Was natürlich schade wäre, wenn man dann auf die deutschen Bands verzichten müsste. Gerade da sind eigentlich meine Lieblingsergebnisse dabei, ganz vorne, genau wie deren Musik, der Saalschutz-Comic.

CG: Stilistisch legst du dich, im Gegensatz zu vielen anderen Zeichnern, die man sofort an ihrem Strich erkennt, nicht eindeutig fest. Du experimentierst viel und dadurch bekommt jede Geschichte ihren eigenen Look. Da ich selber nicht zeichne, hört sich die Frage vielleicht doof an, aber trotzdem: Muss man da eher mühsam drauf achten, unterschiedliche Stile zu verwenden, oder ergibt sich das ganz von selbst?

Piwi: Eigentlich ergibt sich das ganz von alleine, schon deswegen, weil ich gerne so viele Stile beherrschen würde … aber keinen so richtig kann. Also, finde ich. Da ist dann viel Ausprobieren dabei und unmittelbarer, experimentierwütiger Dilletantismus … Inzwischen habe ich so ein bisschen einen Strich und das nötige Werkzeug für mich erschlossen… Was halt doof ist, ist sich auf einen sehr straighten Stil festzulegen. Da finde ich manche Comic-Ansätze, beispielsweise wie das bei den Mädel-Manga passiert, sehr cool. So schwanken zwischen Schwachsinn-Niedlich-Zeichnung und pathetisch-ernsthaftig … Das mag ich… Also… äh… keine Ahnung. Irgendwie so halt. Weiter!

CG: Vor zwei Jahren hab ich dir auf dem Comic-Salon in Erlangen ein kleines dünnes Copyshop-Heftchen mit Mona-Strips abgekauft. Wird man wieder mal was von ihr sehen? Und, das spielt da gleich mit rein, was sind deine nächsten Projekte?

Piwi: Mona hat nach diesem Kopier-Heft noch ein paar neue Strips bekommen. Wegen Inter View und anderen Sachen musste sie erstmal warten … Aber irgendwann kommt die schon mal wieder. Schon alleine, weil jeder sagt, sie wäre cool.

 Mona-Strips von Piwi  

Als nächstes will ich mal ein wenig schreiben, vielleicht für andere, vielleicht setze ich die Stories dann irgendwann selber um. Ja, und die Frankfurter/Offenbacher Comicszene muss mal ein wenig in Schwung kommen. Hier gibts ein paar wirklich gute Köpfe und Zeichner, die aber wenig machen … Denen muss ich mal in den Arsch treten.

CG: Vielen Dank für deine Antworten, Piwi!

Piwi: Ich hab zu danken.

  Exklusiv bei uns: Ein One-Pager mit Adam Green, der in Inter View nicht enthalten ist (dort findet man eine andere Story mit Adam Green).

Piwi schreibt dazu:
“Dieser One-Pager wurde auch aus dem Interview mit ihm erarbeitet und sollte eigentlich beim Anti-Folk-Buch vom Ventil Verlag Verwendung finden. Da sich die Darstellung von Adams Kindheit mit den Recherchen von Martin Büsser gebissen hatte, haben sie’s dann doch nicht benutzt. Offiziell sagt der Green nämlich gerne, dass er eine beschissene Kindheit hatte … In dem Comic von uns ist aber O-Ton verwendet. Also, wen er hier anlügt, weiß ich nicht … is ja auch wurscht.“

GEWINNSPIEL
Comicgate und Egmont vgs verlosen drei Exemplare von Inter View – Pop Comics.
Gewonnen haben: Samuel aus Winnenden, Andi aus Erlangen und Anjuk aus Heikendorf.

Die Saga vom Dunkelelf 1: Heimatland

Panini hat sich Comicadaptionen aus der Rollenspielwelt angenommen und präsentiert mit der Vergessene Reiche-Saga um Drizzt, den etwas anderen Dunkelelf, nach Dragonlance 1: Die Legende von Huma bereits den zweiten Comic aus der Welt von Dungeons & Dragons (kurz D&D).
Die beiden Serien laufen inhaltlich unabhängig voneinander, so dass man hier in ein völlig neues Szenario geworfen wird.

Wer sich für Comics und Rollenspielillustrationen interessiert, sich aber nicht weiter auskennt im D&D-Reich (ergo: die Rezensentin), der hat erstmal ganz schön zu strampeln mit dem ungewohnten Szenario und den vielen exotischen Namen, die sich Fantasy-Autor R.A. Salvatore für sein Dunkelelfenuniversum ausgedacht hat.

Mit der Zeit gewöhnt man sich dann an diese feindliche Unterwelt namens Menzoberranzan, die die Heimat bildet für das matriarchale Dunkelelfenvolk, das seine Clans in so genannte „Häuser“ einordnet. Einziger Lebenszweck der Dunkelelfen scheint es zu sein, in der Rangfolge der Häuser aufzusteigen und somit mehr Macht zu erhalten. „Aufsteigen“ heißt konkret, dass man ein anderes Haus überfällt und sämtliche Clanangehörige tötet. Denn zimperlich geht es weiß Gott nicht zu in Menzoberranzan. Da wird skrupellos getötet, intrigiert und gelogen und selbst vor Brudermord nicht zurückgeschreckt. Alles scheint erlaubt zu sein, so lange man keine Gnade zeigt, Kompromisse anstrebt oder sonstige ehrenhafte Neigungen auslebt. Aus undefinierten Gründen erzürnt dies nämlich die Spinnengöttin Lolth, und ohne ihr Wohlwollen ist der Sieg in einer Schlacht nicht zu erreichen.

In diese heimelige Welt wird Drizzt hineingeboren, dritter Prinz des Hauses Do'Urden – und sollte eigentlich auch sofort wieder getötet werden, um Lolth gnädig zu stimmen für einen Sieg über das Haus Devir. Doch da kurz zuvor der ältesteste Prinz von seinem jüngeren Bruder ermordet wurde, ist das Opfer eines Prinzen aus dem Hause Do'Urden bereits vollzogen und rettet somit Drizzts Leben. Dass er ungewöhnlich ist, bemerken seine Mutter, die Herrin Malice (sic), und Schwestern sofort – er hat violette Augen, wie man sie noch nie gesehen hat.
Drizzt wächst in dieser von Frauen beherrschten Welt auf und wird darauf gedrillt, seine hervorragenden Talente in der Kampfkunst auszubauen und seiner Mutter ohne nachzufragen zu gehorchen. Allerdings zweifelt er immer mehr an dem skrupellosen System und scheint nicht wirklich hineinzupassen. Leise Unterstützung erhält er von seinem Lehrer, dem Waffenmeister Zaknafein. Allerdings sind die unbarmherzigen Regeln zu mächtig, und so wird Drizzt zur Vervollkommnung seiner Kampfkünste an die Akademie geschickt, an der er sich in neun Jahren als bester Kämpfer behauptet. Zaknafein hat die Befürchtung, dass die Akademie den jungen Prinzen gebrochen hätte, was erstaunlicherweise doch nicht der Fall ist. Als Malice mal wieder in den Krieg gegen ein anderes Haus ziehen will, muss sich Drizzt endgültig entscheiden, wo er steht…

Das war im Schnelldurchlauf die Zusammenfassung des Comics, der auf 148 Seiten knapp 30 Jahre im Leben von Drizzt Do'Urden abdeckt. Sehr viel Zeit lassen sich die Macher mit der Vorgeschichte um die Geburt des Prinzen, während seine Jugend und die neun Jahre an der Akademie recht schnell abgehandelt werden. Das bringt einen manchmal etwas aus dem Takt, aber irgendwie muss man ja wohl die Geschichte raffen.

Was mich mehr störte waren diverse Logiklöcher. Zum Beispiel ist Waffenmeister Zaknafein besorgt um Drizzt und will ihn nicht verderben sehen durch die restlichen Dunkelelfen. Allerdings animiert er ihn, sein Bestes zu geben, als seine Mutter den Fortschritt ihres Jüngsten begutachten will. Diese ist sehr angetan und schickt ihn daraufhin zur Akademie, um seine Talente auszuweiten, was Zaknafein gar nicht gefällt. Seine Bitte, ob Drizzt noch bei ihm bleiben könne, wird harsch abgewiesen. Er sei schon gut genug für die Akademie. Die große Frage – warum instruierte Zaknafein Drizzt nicht, seine Künste zu verbergen? Er wusste doch, dass ihm sonst die Akademie blühen würde.

Das ist nur ein Beispiel für diverse Handlungsstränge, bei denen man sich doch mal den Kopf kratzt und leise wundert. Die bösartige Gesellschaft und das Drumherum scheint mir nicht konsequent genug durchdacht worden zu sein. Störend fällt mir auch auf, dass über die dreißig Jahre hinweg bis auf wenige Ausnahmen alle Personen, besonders die oft in Pose gesetzten Frauen, immer dasselbe anhaben – vermutlich, damit sie man sie eindeutig voneinander unterscheiden kann. Dummerweise haben nämlich alle Dunkelelfen weiße Haare, so dass man auch dessen Farbe nicht zur Absetzung der einzelnen Figuren nutzen kann. Was alles nicht gerade für die Fähigkeiten des Zeichners spricht, ordentliche Einzelpersonen auszuarbeiten.
Noch ein Punkt: Ich kenne mich wie gesagt nicht aus in der Welt der Dunkelelfen und weiß deshalb nicht, wie sich das so mit dem Altern verhält. Aber etwas verwundert war ich schon, dass Drizzt ganz normal heranwächst, während die anderen in drei Jahrzehnten keine einzige Falte bekommen haben…

Trotz dieser einzelnen Kritikpunkte ist der 1. Band von Die Saga vom Dunkelelf im Ganzen gesehen ein recht zufriedenstellendes Stück Comic. Der Zeichenstil von Tim Seeley (G.I. Joe und Autor von Loaded Bible) erinnert an gute alte Image-Zeiten, ist bis auf einige kleinere Kritikpunkte sehr ordentlich und bietet kaum Ausfälle – allerdings auch noch keinen wirklich eigenen Stil. Wer sich ein wenig für Rollenspiele und Fantasywelten interessiert, der bekommt hier ein ordentliches Stück Gegenwert, das dank der dichten Handlung für längeren Lesespaß sorgt. Abgerundet wird der Sammelband durch ein Vorwort des Dunkelelfen-Erfinders und Autors R.A. Salvatore, die Coverabbildungen der US-Einzelbände und, nicht zu vergessen, den angenehm anzufassenden Einband.
Ich freu mich jedenfalls auf die Fortsetzung im August 2006. Und so etwas ist ja immer ein ganz gutes Zeichen.

Die Saga vom Dunkelelf 1: Heimatland
(aus Vergessene Reiche – Forgotten Realms)
Panini Deutschland
Buchvorlage: Robert A. Salvatore
Skript: Andrew Dabb
Zeichnungen: Tim Seeley
148 Seiten, komplett farbig, Softcover; 16,95 Euro
ISBN: 3833213884

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