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11x Fußball

Das Team von INKplosion präsentiert elf kurze Comics zum Thema Fußball, jeweils sechs Seiten lang, und in jeder Geschichte soll mindestens eins der folgenden Stichworte vorkommen: Regen, ein verrückter Professor, die Kantsche Maxime (a.k.a. Kategorischer Imperativ). Diese Vorgaben waren vielleicht ein bisschen zuviel des Guten, denn sie tun den Geschichten nicht unbedingt gut.

Stattdessen wirkt es stellenweise so, als hätten die Autoren eine brauchbare Geschichte im Ärmel gehabt, die dann mit mehr oder weniger großen Anpassungen in das oben erwähnte Korsett gezwungen werden musste. Da muss es dann halt unvermittelt zu regnen beginnen, an irgendeiner unpassenden Stelle wird mal eben Kant erwähnt, und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch noch einen verrückten Professor durchs Bild marschieren lassen. Und schließlich gilt es, die Geschichte auf sechs Seiten zu strecken oder zu schrumpfen, je nachdem.

Am besten klappt die Umsetzung dieser Vorgaben beim Comic von Magnus Siemens und Jan Brauer. Die nehmen den Ball sozusagen volley und albern hemmungslos drauflos: Immanuel Kant wird zum geklonten Super-Schiri, der außer Kontrolle gerät und nur vom „Cyber-Wilhelm“ wieder eingefangen werden kann. Der Professor meint gegen Ende, als alles immer verwirrender wird, lapidar:“Lass mal fünfe grade sein. Wir haben immerhin nur sechs Seiten zur Verfügung. „

Obwohl Fußball für alle Geschichten als Aufhänger und Grundthema dient, ist der Band unglaublich facettenreich. Es gibt lustige und todtraurige Geschichten (und alles dazwischen), Erinnerungen an die Vergangenheit (Uruguay 1930) und Zukunftsvisionen. Noch größer ist die zeichnerische Bandbreite: Man findet hier wirklich elf völlig unterschiedliche grafische Stile (und dank Pin-Up-Galerie noch ein paar mehr), die erfreulicherweise alle auf sehr hohem Niveau stehen. Von Philipp S. Neundorfs an Dave McKean erinnernden Seiten über Michael Vogts klassische Ligne Claire bis zur äußerst hübsch gebastelten Collage bei Alex Gellners Fußballfabel gibt es hier reichlich Leckerbissen fürs Auge.

Schön anzusehender Fußball also, der aber beim Toreschießen (ich meine jetzt beim Inhalt der Geschichten) seine Schwächen hat. Ist die INKplosion-Mannschaft die Elfenbeinküste des Comics? Nun ja, es ist eben das typische Problem von Anthologien, dass es stärkere und schwächere Geschichten gibt, und 11x Fußball enthält keineswegs nur schwache Stories. Als Highlights seien hier die bittere Altenheim-Episode Königsdisziplin von Rainer Jentsch und Alex Gellners Fußballfabel genannt, die einen schönen Kommentar zur Kommerzialisierung des Fußballs abgibt. Andere Geschichten dagegen hätten sicher davon profitiert, wenn man sie nicht auf eine feste Seitenzahl und das Einbinden von Regen, Kant und Professoren festgelegt hätte.

11x Fußball. Ein verrückter Professor, der Regen und die Kant'sche Maxime
INKplosion
11 Kurzgeschichten von Alexander Gellner, Regina Haselhorst, Rainer Jentsch, Beni Merk, Phillip S. Neundorf (Autor: Kent Lafter), Alexander Raphelt, Steffi Schütze (Autor Yann Krehl; Tusche und Farbe: Mana), Helmut Schulz, Magnus Siemens (Autor: Jan Brauer), Sven Strangmeyer (Autor: Yann Krehl) und Michael Vogt.
84 Seiten, farbig, Prestige-Format; 9,80 Euro

–> bei INKplosion bestellen

Bildquelle: www.inkplosion.de

VERTIGO/WildStorm bei Panini

Die zum US-Verlag DC Comics (Batman, Superman,…) gehörenden Unterverlage VERTIGO und WildStorm publizieren einige der beliebtesten Comics für das erwachsene, anspruchsvolle Publikum. V wie Vendetta, The Sandman, Preacher, Transmetropolitan, 100 Bullets sind nur einige der (modernen) Klassiker und Serien wie Y: The Last Man, Fables, The Losers oder Ex Machina machen sich auf, in ihre kommerziellen Fußstapfen zu treten.
Auf Deutsch erschienen so einige dieser Serien bei SPEED (Thomas Tilsner Verlag), der dadurch den (guten) Ruf des deutschen Vertigo-Verlags innehatte, aber auch andere Verlage wie z.B. Schreiber & Leser oder mg/publishing veröffentlichten Comics von VERTIGO bzw. WildStorm.
Letztes Jahr hieß es dann auf einmal, DC hatte sämtliche Lizenzen nicht verlängert und wäre jetzt auf der Suche nach einem Großverlag, um ihm die Rechte für ein Komplettpaket der beiden Unterverlage anzubieten. Was lag näher, als dabei an Panini zu denken, die bereits die Serien des Mutterkonzerns DC betreuen?
Rund ein dreiviertel Jahr hat es gedauert, bis im Juni 2006, kurz vor dem Comic-Salon in Erlangen, diese Mutmaßungen tatsächlich bestätigt wurden und Panini den Vertragsabschluss bekannt gab (währenddessen hatte SPEED im Dezember 2005 Insolvenz anmelden müssen).
Damit besitzt Panini momentan die alleinigen Lizenzrechte für alle Comics aus dem Hause Marvel, DC sowie VERTIGO/WildStorm und ist damit der größte deutschsprachige Comicverlag.

Wie kam es denn jetzt überhaupt zu diesem Vertragsabschluss von Panini?

“Der Kontakt besteht eigentlich schon ‚ewig‘, seit DC zu Panini gekommen ist. Auch gab es schon immer Überlegungen, V/W an Bord zu holen, jedoch war das schwierig, solange einige der interessantesten Lizenzen in Deutschland noch gebunden waren“, so Steffen Volkmer von Panini Comics. Konkretere Gespräche habe es ab dann gegeben, als alle Lizenzen frei wurden, aber sie hätten sich hingezogen, weil man sich erst über den Inhalt und den Umfang des Vertrags klar werden wollte. Der letztendliche Abschluss sei dann aber sehr schnell gegangen. Für einen Lizenzgeber sei es immer einfacher und oft profitabler, mit einem großen Partner zusammenzuarbeiten, was neben der bisherigen guten jahrelangen Zusammenarbeit sicherlich auch einer der Gründe gewesen sei.

Bei VERTIGO/WildStorm gibt es recht viele Serien, bei denen die Rechte komplett oder zumindest teilweise bei den Künstlern liegen. Dies habe aber keinen Einfluss auf deutsche Veröffentlichungen, es sei alles vorab geregelt worden.

Auf die Frage, ob DC den vorherigen Verlagen regelrecht die Lizenzen entzogen hätte und ob es dafür einen konreten Auslöser gab, weicht der Panini-Verlagssprecher aus und antwortet mit einem „Möglich – aber für uns war nur wichtig, dass die Lizenzen wieder frei waren.“ Bei dem SPEED-Verlag habe ich wegen dieser Thematik ebenfalls angefragt, aber leider konnte oder durfte mir der SPEED-Mitarbeiter Matthias Rottler nichts Näheres dazu sagen. Vom Verlagsleiter Thomas Tilsner gab es bis jetzt leider gar keine Auskunft.

Passen denn die ‚typischen‘ VERTIGO-Serien überhaupt ins Panini-Programm, das man doch sehr mit Superhelden in Verbindung bringt? Klar, meint Steffen.
“Wir wollen und werden uns nicht auf Superhelden festlegen. Nicht umsonst stehen wir als Nummer 3 der Manga-Publisher in Deutschland da (mit den affinen Magazinen am Kiosk sogar als Nummer 1), haben eine eigene Anime-Range (und sind hier Marktführer) und sowieso das derzeit größte „gemischte“ Comic-Programm in Deutschland. Simpsons (noch immer eine der erfolgreichsten Comic-Serien überhaupt), Star Wars, MAD, die neuen Buchhandels-Comics: Dungeons&Dragons, CSI, Silent Hill, Tarot (und das sind ja längst nicht alle), sind nun wahrlich keine Superhelden-Comics und erwirtschaften einzeln betrachtet sogar mehr als die Helden und haben eine größere Verbreitung.

DC, Marvel und Co wirken und rechnen sich aber über die Gesamtheit, deswegen erscheinen sie auch im Programm so massiv. Trotzdem wir sind sicher kein reiner Superhelden-Verlag … wohl aber  DER Superhelden-Verlag. So gesehen passen natürlich auch Vertigo und Wildstorm. Letztlich suchen wir aber immer nach interessanten und auch lohnenswerten Themen und da gibt es zur Zeit nicht so viele – bei den beiden Labels finden sich aber noch einige ältere und neue Perlen …“

Neu eingestellt würden keine Redakteure, sondern nur die Strukturen innerhalb der Superhelden-Redaktion & Marketing umgestellt. Diese haben aber Ahnung und seien selber Fans, versichert er. Und auch bei ihren freien Mitarbeitern könne man mit entsprechenden Spezialisten rechnen.

Einige Leser befürchten nun aufgrund des exklusiven Lizenzrechts, dass manche Serien, die bei einer beibehaltenen Aufsplittung der Lizenznehmer auch in Deutschland erhältlich gewesen wären, bei Panini unter den Tisch fallen werden. Dies sei eine unbegründete Furcht, erwidert Steffen Volkmer. „Da sich alle deutschen Lizenznehmer letztlich im Wesentlichen für dieselben Serien interessiert haben, dürfte diese Gefahr nicht bestehen, eher im Gegenteil. Anstatt drei Lizenznehmer, die jeweils eine Serie herauspicken und sich vielleicht trotzdem übernehmen, werden wir einen breiten Querschnitt bieten. Und auch in andere Vertriebskanäle steuern, z.B. den Buchhandel, der in der Vergangenheit mit der Ausnahme von Sandman nicht bedient wurde, wobei ja gerade die anspruchsvollen Vertigo-Titel das Buchhändlerherz eher umstimmen können als die als kommerziell verschrieenen Superhelden.“

Um mal konkret zu werden, hier die VERTIGO-Serien, mit denen wir bald rechnen können.

Als Startserien werden erscheinen:

  • Sandman
  • Y: The Last Man
  • Fables
  • Sandman und Y werden sehr wahrscheinlich im nahtlosen Anschluss als direkte Fortsetzungen der schön gemachten SPEED-Titel verlegt (eine spätere Neuauflage der bereits erschienenen ersten Bände ist im Gespräch), Fables ist zum ersten Mal auf Deutsch zu lesen.
    Da man von Sandman bei SPEED bisher nur Mitte bis Ende des Epos lesen konnte (Nr. 51-75; 1-50 erschienen bereits davor bei Ehapa), heißt das, dass Panini von vorne bzw. mit in Deutschland unveröffentlichtem Material beginnen wird; und zwar konkret mit “Endless Nights“, einer Sammlung von sieben Kurzgeschichten.

    Für nächstes Jahr sind Preacher und ein Nachdruck von 100 Bullets geplant.
    Hellblazer, eine der wenigen Serien, die nicht bei SPEED erschien, sondern bei Schreiber & Leser, wird ebenfalls bei Panini erscheinen, allerdings gibt es hierzu noch keine konkreten Veröffentlichungspläne.

    Aus dem Hause WildStorm sind The Authority und Planetary für Anfang 2007 zu erwarten.

    Damit ist Fables als die einzige wirklich neue Serie auf dem deutschen Markt bekannt gegeben worden.

    Alle „Ausgaben werden überwiegend als Tradepaperbacks im Originalformat erscheinen, flankiert durch HC-Sonderausgaben und einige Prestige-Ausgaben.“

    Man werde sicherlich nicht alles publizieren, so der Panini-Sprecher, aber er stellt einiges in Aussicht: „Wir werden die Range langsam aufbauen und auch Neueditionen vergriffener Titel vorbereiten; und natürlich werden wir dabei die Wünsche der Fans im Auge behalten, anders kann  das nicht funktionieren.“ Und weiter: „Den groben Fahrplan veröffentlichen wir mit der nächsten Vorschau.“ Darin werden auch Informationen zu finden sein über erste Sondereditionen und Specials aus dem VERTIGO/WildStorm-Programm, die bereits zur Comic Action in Essen (19.-22.10.2006) geplant sind.

    Wie sieht’s eigentlich aus mit internationaler Zusammenarbeit? Schließlich wurden ja gerade von Panini für Frankreich dieselben Lizenzen gekauft. Gibt es da sogar gewisse Abhängigkeiten voneinander?
    Auf diese Frage antwortet Steffen Volkmer: „Die Möglichkeit, international zu agieren, ist für uns sehr wichtig – zum einen gibt uns das natürlich in Verhandlungen Gewicht, zum anderen profitieren wir von günstigeren Produktionskonditionen, die sich durch den Zusammendruck von in mehreren Ländern veröffentlichten Ausgaben ergeben.

    Da ergeben sich viele Synergien – Abhängigkeiten egal welcher Art versuchen wir aber zu vermeiden, weil es möglich sein muss, dass wir in jedem Land schnell auf sich verändernde Marktsituationen reagieren können, und sich sowieso die Märkte in verschiedenen Ländern nicht über einen Kamm scheren lassen.

    So gibt es Serien, die in beiden Ländern im gleichen Format laufen, es gibt Serien, die in unterschiedlichen Formaten laufen und es gibt Serien, die nur in einem Land laufen.“

    Obwohl Panini nun die kompletten Lizenzrechte an VERTIGO-Titeln besitzt, kündigte Andreas Mergenthaler von Cross Cult letzte Woche überraschenderweise die Veröffentlichung von zwei Comics für 2007 aus eben diesem Hause an: Jonny Double (von den 100 Bullets-Machern Brian Azzarello und Eduardo Risso) und Gregory (A Gregory Treasure). Wie kam es denn dazu?
    Andreas erzählt: „Dass wir die Titel bekommen haben, ist reine Freundlichkeit von Seiten Panini. Da wir unbedingt das OK von DC für die Neu-Edition unseres vergriffenen dritten HELLBOY-Bandes gebraucht haben, mussten wir noch andere Titel anfragen, um auf die neue „Mindestvertragssumme“ zu kommen. Wir haben eine Liste mit Vorschlägen an Panini geschickt und diese beiden Titel haben sie abgenickt. Ich bin mit der Wahl nicht unglücklich.“

    Und was sagt Panini selber zu der Freigabe von Einzellizenzen?
    “Das ist eine ganz spezielle Ausnahme und wird sicher nicht zur Regel. Aber in Ausnahmefällen kann es so etwas schon geben.“

    Zu guter Letzt: Wie steht man zur Alan-Moore-Kontroverse bezüglich V für Vendetta, das ja offiziell dem Verlag gehört – womit Moore gar nicht glücklich ist – und ins Vertigo-Programm eingegliedert wurde?

    Steffen Volkmer: „Ehrlich gesagt, gibt es da für uns keinen Grund, Stellung zu beziehen. „V“ ist ja bei uns schon gelaufen, damit haben die Streitigkeiten von Moore und Vertigo auch keine Auswirkungen auf uns. Wir alle würden uns natürlich wünschen, dass die Parteien ihren Zwist beilegen, in der Hoffnung, dass es dann wieder zu einer für die Fans fruchtbaren Zusammenarbeit kommen kann.“

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    Panini Homepage

    SPEED Comics (einige der angesprochenen Comics sind noch im Shop erhältlich)

    Schreiber & Leser

    Cross Cult

    angekündigtes Programm Panini Frankreich

    DC Comics (englisch)

    VERTIGO (englisch)

    WildStorm (englisch)

    Extra:
    VERTIGO auf Deutsch
    (alphabetisch geordnet, kein Anspruch auf Vollständigkeit, Stand Juli 2006)

    100 Bullets
    Brian Azzarello, Eduardo Risso
    fortlaufende Serie, aktuelle US-Ausgabe 74, Eisner Award
    Bei SPEED bis US 36 erschienen (dt. Band 1-8)

    Bloody Mary
    Garth Ennis, abgeschlossene 4-teilige Miniserie
    Bei SPEED erschienen (dt. Band 1-2)

    A History of Violence
    John Wagner und Vince Locke, One-Shot
    zuerst Paradox Press, dann scheinbar Vertigo zugeschoben
    US-Neuauflage aufgrund der Verfilmung von David Cronenberg mit Viggo Mortensen, Ed Harris und William Hurt
    dt. bei Dino (Panini)

    Books of Magic
    1.
    4-teilige Miniserie von Neil Gaiman, John Bolton, Charles Vess, Paul Johnson und Scott Hampton
    2. Fortlaufende Serie von John Ney Rieber und diversen Zeichnern, 50 US Ausgaben, alle erschienen (die Serie umfasste 75 Ausgaben, wenn nur 50 auf dt. erschienen sind, fehlen 25) 
    3. Timothy Hunter: Names of Magic; 5-teilige Serie von Bolton
    4. The Books of Magick: Life during wartime, neue fortlaufende Serie von Si Spencer/Neil Gaiman, (Gaiman gibt nur seinen Namen als „Berater“)

    Die oben aufgeführten US-Ausgaben wurden folgendermaßen in Sammelbänden untergebracht:
    The Books of Magic (enthält Miniserie von Neil Gaiman, ca. 192 Seiten)
    The Books of Magic Vol. 1: Bindings (enthält US #1-4)
    The Books of Magic Vol. 2: Summonings (enthält US #5-13)
    The Books of Magic Vol. 3: Reckonings (enthält US #14-20)
    The Books of Magic Vol. 4: Transformations (enthält US #21-25)
    The Books of Magic Vol. 5: Girl in the box (enthält US #26-32)
    The Books of Magic Vol. 6: The burning girl (enthält US #33-41)
    The Books of Magic Vol. 7: Death after death (enthält US #42-50)
    The Books of Magick: Life during wartime Book 1 (enthält US #1-5)

    Bei SPEED bis US 32 erschienen:
    Prestige-Ausgaben 1-10
    Sammelband-Ausgaben 1-7
    Zudem gibt es von der 1. Miniserie (Neil Gaiman) einen umfangreichen Sammelband

    The Children’s Crusade (1993-1994)
    Neil Gaiman
    7-teilige Miniserie
    dt. bei SPEED, u.a. als Paperback Bücher der Magie 2 (Paket Der Kinderkreuzzug 1-3)

    Death: The High Cost of Living, 3-teilige Miniserie
    Bei SPEED und Ehapa als Sammelband erschienen

    Death: The Time of your Life
    Neil Gaiman
    dt. bei Ehapa

    The Dreaming (1996-2001)
    Hauptautorin (ab US 17): Caitlin R. Kiernan
    fortlaufende Serie im Sandman-Universum, beendet mit Ausgabe 60
    dt. bei Ehapa als Sandman Special 1 & 2 (US 1-3, 4-7)

    Enigma
    Peter Milligan
    dt. bei Ehapa

    The Extremist (1993)
    Milligan & McKeever
    4 Ausgaben
    dt. bei SPEED

    The Filth
    Grant Morrison, abgeschlossene 13-teilige Maxiserie
    Bei SPEED bis US 8 erschienen (dt. Band 1- 4)

    Flinch (1999 – 2001)
    Horroranthologie, 16 Hefte
    Lee, Quitely, Corben, Sale
    dt. 2 Bände bei SPEED

    Girl who would be death (1999)
    4 Hefte
    dt bei SPEED

    Goddess (2002)
    Garth Ennis
    8-teilige Miniserie
    dt. bei SPEED

    Hellblazer
    fortlaufende Serie, aktuelle Ausgabe US 222
    11 Sammelbände bei Schreiber & Leser erschienen

    Human Target (1999)
    Peter Milligan
    4 Ausgaben
    dt. bei SPEED

    Lucifer
    Mike Carey
    Sandman Spin-Off, fortlaufende Serie, abgeschlossen mit US 75 (Juni 2006)
    1. Miniserie von Lucifer erschien bei SPEED als Sandman präsentiert #1

    Mister Punch
    Gaiman & MCKean
    dt. bei Ehapa

    Moonshadow, the complete TPB (Graphic Novel)

    DeMatteis & Muth

    dt. bei Ehapa-Feest erschienen

    Preacher
    Garth Ennis, Steve Dillon, Glenn Fabry
    Insgesamt gab es 66 Ausgaben und vier Specials, die folgendermaßen in Sammelbänden untergebracht wurden:
    1. Gone to Texas (enthält US 1-7)
    2. Until the End of the World (enthält US 8-17)
    3. Proud Americans (enthält US 18-26)
    4. Ancient History (enthält die Saint of Killers Miniserie sowie das Preacher-Special: The Story of You)
    5. Dixie Fried (enthält US 27-33 sowie das Preacher-Special: Blood and Whiskey)
    6. War in the Sun (enthält US 34-40 sowie das Preacher-Special: One Man’s War)
    7. Salvation (enthält US 41-50)
    8. All Hell’s A-Coming (enthält US 51-58 sowie das Preacher-Special: Tall in the Saddle)
    9. Alamo (enthält US 59-66)

    Bei SPEED komplett erschienen, und zwar wie folgt:
    Prestige-Ausgaben 1-34
    Gesammelte Ausgaben 1-14
    Miniserien und One-Shots wurden als ‘Preacher Special‘ veröffentlicht:
    Preacher Special 1-9; davon gab es einen Reprint in drei Bänden (enthalten waren jeweils drei dt. Ausgaben)
    Preacher (deutsch): diverse Ausgaben sind ausverkauft

    Sandman
    Neil Gaiman
    Insgesamt gab es 75 Ausgaben, die folgendermaßen in Sammelbänden untergebracht wurden:
    Preludes and Nocturnes (enthält US #1-8)
    The Doll’s House (enthält US #9-16)
    Dream Country (enthält US #17-20)
    Season of Mists (enthält US #21-28)
    A Game of You (enthält US #32-37)
    Fables and Reflections (enthält US #29-31, 38-40, 50, und Sandman Special #1)
    Brief Lives (enthält US #41-49)
    World’s End (enthält US #51-56)
    The Kindly Ones (enthält US #57-69)
    The Wake (enthält US #70-75)

    dt. bei Ehapa (die ersten 50 US-Ausgaben) und SPEED (US 51-75)

    Sandman Midnight Theatre
    dt. Sandman 11 bei Ehapa-Feest, Crossover aus Sandman und Sandman Mistery Theatre

    Sandman Presents:
    Bast: Eternity Game (2003, 3 Hefte)
    The Corinthian: Death in Venice (2001-2002, 3 Hefte)
    The Dead Boy Detectives (2001, 4 Hefte)
    Everything You Always Wanted to Know About Dreams … But Were Afraid to Ask (2001, One-Shot, dt. bei SPEED als „Was Sie schon immer über Träume wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“)
    Love Street (1999, 3 Hefte, Hellblazer als Teenager)
    Lucifer (1999, 3 Hefte, dt. bei SPEED)
    Merv Pumpkinhead – Agent of D.R.E.A.M. (2000, One-Shot)
    Petrefax (4 Hefte)
    Thessaly Witch for hire (96 Seiten)
    Taller Tales (2003)
    Furies (2002, One-Shot) 96 Seiten, Mike Carey

    Scene of the Crime (1999)
    Ed Brubaker
    4 Hefte
    dt bei SPEED

    Shade, the changing Man (1990-96)
    Peter Milligan
    SPEED hat einen Band veröffentlicht

    Swamp Thing
    Bernie Wrightson, später Alan Moore
    dt. bei Carlsen (1990-1992; vor VERTIGO), dann Panini (ab 2003)

    Swamp Thing: Roots One-Shot
    Jon J. Muth
    dt. bei SPEED (Swamp Thing: Wurzeln)

    Terminal City  (1996)
    Dean Motter, Michael Lark
    9 Ausgaben
    dt. bei SPEED

    Transmetropolitan
    Warren Ellis, Darick Robertson, Abgeschlossene Serie, 60 US-Ausgaben
    Bei SPEED komplett erschienen (Band 1-32)
    Zudem gibt es vier Sammelbände (bis dt. 12)

    Uncle Sam (1997)
    Alex Ross
    2 Ausgaben
    dt. bei  SPEED

    Unknown Soldier (1997)
    Garth Ennis, Kilian Plunkett
    4 Ausgaben
    dt. bei  SPEED

    V for Vendetta
    Alan Moore, David Lloyd, TPB, ca. 280 Seiten
    Bei Carlsen, SPEED und Panini als SC & HC erschienen

    War Stories TPB (2004)
    Garth Ennis & diverse
    dt. bei  SPEED

    Winter’s Edge
    dt. bei  SPEED

    Witching Hour
    Jeph Loeb, Chris Bachalo, Abgeschlossene Miniserie ca. 160 Seiten
    Bei  SPEED als Sammelband erschienen

    Y: The Last Man
    Brian K. Vaughan
    fortlaufende Serie, aktuelle Ausgabe US 47, Eisner Award
    Bei  SPEED bis US 10 erschienen (dt. Band 1 und 2)

    Hellboy 7: Seltsame Orte

    Bastians Besprechung:

    „Schwarz und Weiß – ich steh auf diese Seiten…“
    In etwa so würde ich den Eindruck  vom neuesten Hellboy-Band zusammenfassen, denn wieder hat es Mike Mignola geschafft, mich von dem gehörnten roten Höllenjungen zu überzeugen. Aber bevor das hier in Lobhudelei ausartet, klären wir erstmal den Inhalt.

    Hellboy schlägt sich durch zwei Geschichten, die sich aber in Teilen aufeinander beziehen. Der paranormale Ermittler quittierte in der Ausgabe zuvor den Dienst und macht sich in diesem Band auf den Weg nach Afrika. Oder wie der Titel des Bandes schon selber sagt: an Seltsame Orte. Im ersten Fall, Titel: Der dritte Wunsch, einfach schnurstracks in die riesige Badewanne der Erde, in den Ozean. Hier trifft er auf Meerjungfrauen und auf ein Fischmonster namens Bog Roosh, das ihn unter Wasser gefangen hält. Die zweite Geschichte mit dem Titel Die Insel findet dann endlich in Afrika, auf einer kleinen Insel, statt. Hier wird Hellboy in einem Schloss mit merkwürdigen Ereignissen konfrontiert, jedoch erfährt er auch das Geheimnis um seine Rolle bei der Apokalypse und noch viel mehr.

    Die erste Geschichte will vor allem eins, den Leser unterhalten. Der dritte Wunsch bietet von allen guten Hellboyelementen ein bisschen: eine gute Portion Mystik, eine ebenso große Portion Action in Kombination mit Hellboys markanten Sprüchen und eine kleine Prise Wissen über Hellboy selbst. Ähnlich wie in den Kurzgeschichten aus Die rechte Hand des Schicksals oder Sarg in Ketten sind es immer Stories, die sich zwar hauptsächlich um eine mystische Erscheinung drehen, trotzdem nebenbei immer neue kleine Infos zu HB liefern. Diese Art von Geschichten sind für mich immer die Stärken von Hellboy gewesen.

    Darum ist mein Urteil zur zweiten Episode etwas gespalten. Mignola gibt selber zu, Probleme beim Schreiben dieser Geschichte gehabt zu haben. So sollte die Story eigentlich erst von Pilzmenschen handeln, schließlich gab er diese Idee aber auf. Denn der Film zu seinem gehörnten Ermittler nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Da der Kinofilm viele der Geheimnisse um ihn präsentierte, musste Mignola sich bei der nächsten Geschichte etwas Gutes einfallen lassen, damit die Comicleser nicht im Nachteil waren. Zu diesem Zweck spielte er die ganze „Tier der Apokalypse“-Karte aus und verrät in der Insel und dem Epilog die Rolle seiner rechten hölzernen Hand und ihm selbst am Weltenende. Ob das nun so klug war, ist fraglich, denn die Geschichte wirkt jetzt ein wenig überfrachtet mit mythischen Infos und Erklärungen. Um bei den oben erwähnten Zutaten zu bleiben: Statt einer guten Portion Mystik gibt es nun genug Mystik für eine ganzes fünfgängiges Menü, statt der Portion Action gibt's hiervon nur eine Prise und das alles in einer ertränkenden Selbsterkenntnissoße. Die Insel lässt sich nicht so fließend lesen wie Der dritte Wunsch, ist aber im Inhalt trotzdem interessant. Die Frage ist jetzt nur, ob der Autor nicht zuviel preisgegeben hat und ob er noch Trümpfe im Ärmel hat. Aber ich bin da bei Mike Mignola optimistisch.

    Zu den Zeichnungen lässt wie immer wenig sagen, bis auf Folgendes: „Oh Mann!“ Wie immer beweist er, ein Meister der Schwarflächen zu sein, denn jede Fläche hat ihren Sinn und Zweck und vermittelt einen schönen mystisch-gruseligen Stil. Das Zusatzmaterial weiß ebenso zu überzeugen mit dem Vorwort von Gary Gianni, Mignolas Erklärungen zu jeder Episode und seinen Zeichnungen aus dem Sketchbook. Natürlich dürfen fremde zeichnerische Interpretationen nicht fehlen. Alles in allem ist der
    Band es wert, ihn zu kaufen und zwar nicht nur für Hellboyfans, schließlich erfährt jeder Neuling auch die Hintergrundgeschichte rund um den paranormalen Detektiv. Jedoch muss man dafür erstmal die überfrachtete Episode Die Insel überstehen, wer dies aber geschafft hat, der wird Hellboy um einiges besser verstehen.


    Benjamins Besprechung:

    Den höllischen Heroen von Mike Mignola verschlägt es nach seiner Abkehr vom B.U.A.P. in wässriges Gefilde. In Der dritte Wunsch, der ersten Geschichte in diesem Band, bekommt er es mit einer trügerischen Unterwasserhexe, der Bog Roosh, zu tun, die es nicht nur auf den guten Hellboy, sondern auch auf drei Fischmädchen abgesehen hat, deren Wünsche sie laut Sage zu erfüllen imstande ist. Natürlich entpuppt sich die Bog Roosh als wahrlich hexenhaft und wenig vertrauenswürdig…

    In Die Insel landet der Höllenjunge dann auf eben einer solchen. Nur scheint diese Insel auch nicht unbedingt als ruhiges Urlaubsziel zu gebrauchen sein. Stattdessen erwartet ihn dort die definitive Kenntnis über die Herkunft seiner mysteriösen rechten Hand. Und mehr noch: Hellboy schaut in dieser Ausgabe dem Tod ins Auge…

    Mike Mignola lüftet hier erstmals das Geheimnis um die „rechte Hand des Schicksals“ über die er nicht nur die Leser sondern auch Hellboy selbst über so lange Zeit im Unklaren ließ. Und das macht er gekonnt. Die Erklärung fällt sehr lang und komplex aus, bildet aber endlich einen weiteren wichtigen Baustein, mit dem der Charakter künftig vorangetrieben werden kann. Mignola stellt diese Enthüllung in einen äußerst interessanten Kontext, da er diese als Teil von Hellboys kurzer Reise an Seltsame Orte anführt, an deren Ende er allein seinem Schicksal entgegentritt. Wie eigentlich immer bei dieser Serie fordern die Dialoge und die vielen neuen Namen den Leser, gerade wenn dieser sich im Hellboy-Kosmos noch nicht so perfekt auskennt. Andererseits werden sie aufgelockert durch die typisch zynischen Kommentare innerhalb der Story, durch Begriffserläuterungen und durch einleitende Texte Mignolas. Nicht der einzige Bonus, der das CrossCult-Werk attraktiv macht, denn außerdem gibt es noch ein Vorwort, einen alternativen Beginn, Skizzen von Mignola und Pin-Ups deutscher Künstler (z.B. von Robert Labs und Mawil).

    Hellboy 7: Seltsame Orte
    CrossCult
    Text und Zeichnungen: Mike Mignola
    160 Seiten, schwarz/weiß, Hardcover; 18 Euro
    ISBN 3936480079

    Die 90. Minute

    Gestern traf im WM-Halbfinale die deutsche Mannschaft mal wieder auf Italien. Ein Fußball-Klassiker, diese Begegnung. Vor allem, wenn man Menschen fragt, die schon die WM 1970 in Mexiko bewusst miterlebten. Das damalige Halbfinale, bei dem die Italiener in der Verlängerung gewannen, gehört für viele zu den besten WM-Partien der Geschichte. Und wer es gesehen hat, wird sich noch erinnern, wo das war und wie er es erlebt hat. So wie Andreas Austilat: Der war damals 13 Jahre alt und musste etliche Tricks anwenden, um etwas vom Spiel mitzubekommen. Denn eigentlich sollte er längst schlafen.

    Es ist die subjektive Erinnerung an große Fußballspiele, die Die 90. Minute besonders macht. Fünf Spiele, die jeweils erst ganz kurz vor dem Abpfiff entschieden wurden, werden hier nicht neutral wiedergegeben (Wozu auch? Dafür bräuchte man wirklich keinen Comic!), sondern mit ganz persönlichen Erinnerungen der Erzähler verwoben, die diese Spiele als Zuschauer verfolgten. Einzige Ausnahme ist das Spiel FC Bayern – Hansa Rostock (Saison 2000/2001), von dem nicht aus Zuschauersicht erzählt wird, aber trotzdem sehr subjektiv: nämlich aus der Sicht von Torwart Oliver Kahn, der im Endpurt der Partie den Ball persönlich ins gegnerische Tor bugsierte – mit der Faust.

    Die Autoren dieser Fußball-Erinnerungen sind nicht ganz unbekannte Journalisten: Andreas Austilat schreibt für den Tagesspiegel, Philipp Köster ist Chef des Magazins 11 Freunde, Matthias Kalle leitet die zitty-Redaktion und Christoph Amend ist Leiter des „Leben“-Ressorts der Zeit. Ihre Geschichten setzt Zeichner Sascha Dreier in Comics um. Dreier hat den kantigen Strich eines Karikaturisten, ausdrucksstarke Gesichter, die man wiedererkennt, sind seine Stärke. Die Bewegungsabläufe seiner Fußballer wirken meist ein bisschen ungelenk, das macht Dreier aber mit einer großen Liebe zum Detail wieder wett: Von den Trikots bis zu den Stadien, hier stimmen alle Einzelheiten.

    Neben den zwei bereits erwähnten Spielen enthält der Band Erinnerungen an die Bundesliga-Partie Bielefeld gegen 1860 München (Saison 1980/81), das UEFA-Cup-Achtelfinale Dortmund gegen La Coruna (1994) und das legendäre Saisonfinale 2001, als Schalke 04 für fünf Minuten Deutscher Meister war, bis Patrick Anderson in Hamburg ein Tor für den FC Bayern schoss. Die Geschichten sind mehr als pure Nostlagie, kein bloßes „Weißt du noch?“. Aus ihnen spricht die Liebe zum Spiel, die Faszination einer Sportart, die in manchen Momenten große Dramen schreiben kann. Und deshalb ragt Die 90. Minute auch heraus aus der unglaublichen Flut von Bucherscheinungen zur WM. Das hier ist kein schnelles Produkt, das mal eben auf einer Welle mitschwimmt. Das Buch funktioniert ganz unabhängig von dieser WM und kann auch in einigen Monaten noch genauso gut gelesen werden wie heute. Für Fußball-Muffel ist das natürlich nichts, man sollte das Interesse der Macher am Thema schon teilen. Dann aber wird es nicht lange dauern, bis der Funke überspringt.

    Und falls Sascha Dreier neue legendäre Fußball-Dramen sucht, die er verarbeiten kann: Seit gestern ist die Geschichte wieder um eins dieser denkwürdigen Spiele reicher.

    Die 90. Minute. Dramatische Fußballgeschichten
    Tropen-Verlag
    Zeichnungen: Sascha Dreier
    Texte: Andreas Austilat, Philipp Köster, Matthias Kalle, Christoph Amend, Sascha Dreier
    128 Seiten; farbig; 14,80 Euro
    ISBN:  3-932170-79-2

    Bildquelle: tropen-verlag.de

    Das kurze Hallo und das lange Machsgut

    Quasi im Eigenverlag legt Frank „Spong“ Plein hier den Auftakt zu einem kleinen Epos vor, in dem die Hauptfigur Steffen eher mit dem Leben – und vor allem der Liebe – hadert, als es frohgemut zu durchwandern. Damit hat Spong einerseits das Rad nicht neu erfunden, aber der Comic kommt andererseits so frisch und authentisch, so komisch und doch tragisch rüber, dass er was ganz Besonders ist.

    Zuallererst fallen einem der leichtfüßige Humor von gewöhnlichen Situationen auf, in denen sich vermutlich der ein oder andere – vielleicht schon fast erschrocken – wiedererkennt.
    Solche Hundstage hat halt jeder mal, und wenn man sich dann noch so herrlich reinverbeißt wie Steffen, dann kann man sich nur noch wegschmeißen.

    Der Künstler zeigt ein gutes Gespür und Händchen für die Absurditäten des Alltags und schürt ohne Anstrengung Sympathie für seinen Protagonisten – gerade auch, weil Spong durch die Figur von Steffen Verständnis für unsere eigenen Unzulänglichkeiten zeigt. Das gibt einem ein warmes Gefühl im Magen.

    Der Humor steht dabei bittersüß im Gegensatz zu der Rahmenhandlung. Steffen verguckt sich mal wieder in eine Frau und kommt, Schmetterlinge im Bauch, schnell mit ihr zusammen, um sich dann eine Zeit danach – ebenfalls wieder – von ihr zu trennen, zu trauern, sich zu verkriechen und über die Liebe zu sinnieren.
    Das warme Gefühl in der Bauchgegend löst sich auf und hinterlässt nun einen Knoten. Auch bei den leisen Tönen, die ich als noch interessanter empfinde als die Humoreinlagen, schafft es Spong wieder, etwas in einem anzustoßen, Gefühle freizusetzen, die man gerne mal tief irgendwo begräbt. Dieses Herausgraben ist nicht schön, aber mitunter notwendig. Und auch hier wieder kommt seine Kunst durch, den Alltag auf eine anteilnehmende Art zu sezieren.

    Das kurze Hallo und das lange Machsgut zeichnet sich durch ein Wechselbad der Gefühle aus. In der Tradition von einem seiner künstlerischen Vorbilder, Ralf König, die man auch schon in seinen kürzeren Beiträgen (z.B. in Panik Elektro) erahnen konnte, gelingt es Spong, mit diesem Fast-Erstlingscomic ganz groß einzusteigen. Seine Zeichnungen sind zwar recht einfach, treffen aber durch gut eingesetzte Mimik und Gestik immer den Punkt.
    Dabei stellt dieser Comic den Auftakt zu einer längeren Geschichte dar, die in zwei weiteren Heften à 50 Seiten komplettiert werden soll. Dem Inhalt angemessen wäre es schön, wenn sich der Künstler zu einer etwas besseren Aufmachung, z.B. Klebebindung und anderem Druck, entscheiden würde. Dies könnte leider finanziell ein Problem werden, wenn sie wie Das kurze Hallo und das lange Machsgut  in einer Miniauflage von etwa 100 Stück erscheinen, von denen in diesem Moment evtl. noch ein paar Restexemplare im Kölner Comicladen Pin Up oder bei Spong selber ( spong (at) spongcomix.de ) zu haben sind. Es gibt allerdings Pläne, im Herbst 50 bis 100 Stück nachdrucken zu lassen.

    Mit drei befreundeten Kollegen gründete er übrigens vor kurzem das kleine Label Pony X Press, welches von nun an die Heimat ihrer Comics sein soll.

    Das kurze Hallo und das lange Machsgut
    Pony X Press
    Text und Zeichnungen: Spong (spongcomix.de)
    48 Seiten, farbiges Softcover, Inhalt s/w, DIN B5; ca. 8,- Euro

    Luna 1

    Lange haben wir auf diesen Comic warten müssen, schließlich wurde schon vor über einem Jahr im Interview mit Robi das Thema Luna angesprochen. Nun ist es endlich soweit, und der Auftakt zum neuen Projekt von Autor Rochus „Robi“ Hahn und Zeichner Toni Greis, dem bewährten Team von Alraune, ist erhältlich. Im Gegensatz zum vorherigen Projekt handelt es sich hierbei aber nicht um einen Pornocomic, sondern um eine waschechte Science-Fiction-Geschichte.

    Wer jetzt befürchtet, dass er gänzlich auf Tonis wohlgeformte Frauenkörper verzichten müsste, der sei beruhigt: es gibt sie auch hier noch. Nur eben ein wenig sparsamer eingesetzt.
    Denn diesmal ruht der Fokus nicht nur auf den Zeichnungen, sondern auch auf der Geschichte. Diese erzählt von Puni Reka-Grün, die auf „Wulff 33“, einer Plantagewelt für die so genannte Schreckbohne, mit vielen anderen Frauen für den Anbau und die Ernte zuständig ist. Die gesamten äußeren Umstände vermitteln den Eindruck einer Diktatur, freie Willensentscheidungen scheinen nicht möglich zu sein. Einer der wenigen Männer auf dieser künstlichen Welt verliebt sich in Puni und sucht ihre Nähe, obwohl Männern der Kontakt mit Frauen streng verboten ist. Puni erwidert seine Gefühle und so leben sie ihre Beziehung im Verborgenen, immer mit der Furcht, entdeckt zu werden. 
    Punis Anbaumethoden für die Schreckbohne sind ungewöhnlich, aber effektiver als die vorgegebenen – die aus ihren Bohnen gewonnene Droge erzielt höhere militärische Erfolge als gewohnt. Die junge Frau soll unverzüglich abreisen, um der Haupt-Agrarsektion auf Andro-Alpha bei der Entwicklung neuer Richtlinien zu helfen. Dies ist natürlich ein Schock für das Paar; außerdem machen sie noch eine konsequenzenreiche Entdeckung…

    Tonis Zeichnungen sind wie immer ein Augenschmaus. Vor allem weibliche Hinterteile haben es ihm angetan, die er, wie vieles andere auch, konsequent mit Glanzpunkten in runde Form zu setzen weiß. Mir persönlich ist das manchmal schon zu weichgezeichnet, aber das ist Geschmackssache. Was mir störender auffällt ist der etwas sparsame Einsatz von Hintergrundzeichnungen, welche dem ein oder anderen Panel gut getan hätten. Die reduzierte und wohlweislich eingesetzte Farbpalette transportiert die jeweilige, größtenteils beklemmende Stimmung hervorragend.
    Leider kann ich dies nicht über die Geschichte selber sagen. An manchen Stellen wird doch arg schnell über Entwicklungen hinweggefegt, z.B. wie der etwas tumb wirkende Trinar das Herz von Puni nur durch eine Rose erobern konnte – was ja fast schon wieder einen altmodischen Charme besitzt -, so dass man nicht wirklich eine Bindung zu den Akteuren aufbauen kann. Auch über den Hintergrund dieses Systems, der Welten oder der geernteten Droge, die ja anscheinend für Militärzwecke eingesetzt wird, erfährt man rein gar nichts. 
    An einer Stelle war ich mir sogar eine Zeitlang sicher, dass etwas an der Anordnung der Seiten schief gegangen sein müsste, da ein sehr abrupter Übergang von einem Handlungsstrang zum nächsten erfolgte. Aber das war wohl bewusst so angelegt.

    Da Luna auf etwa 200 Seiten angedacht ist, wird wohl noch die ein oder andere Überraschung und Erklärung auf uns warten. Gerade im Hinblick auf eine längere Erzählung hätte ich mir aber am Anfang etwas mehr Zeit für die Einführung der Figuren und Aufbau der Geschichte gewünscht.

    Die Aufmachung des Comics ist sehr schön geworden. Das Heft präsentiert sich fast im DIN A4-Format mit einem Glanzeinband und gutem Papier.
    Neugierig genug bin ich auf den zweiten Band, und Tonis Zeichnungen kann man eigentlich nicht widerstehen. Ich hoffe aber, die Story wird etwas ausgefeilter.

    Luna 1
    Schwarzer Turm (Leseprobe)
    Text: Robi
    Zeichnungen: Toni Greis
    28 Seiten, komplett Farbe, Softcover; 6,50 Euro

    Bestellen beim Freibeutershop

    Der Kri-Ticker #57

    Diesmal mit dabei: Insomnia 1, A.L.I.E.E.N., Das Malträtieren unvollkommener Automaten, Honey Talks!, Der Tod und Das Mädchen 2, Marvel Monster Edition 12: Captain America, Die Unschuldigen, Elbschock! 1, The Doom Patrol Vol. 1: Crawling From The Wreckage, Monipodio! 2: Turris Babel, Aria – The Uses Of Enchantment, Tonto 8: Stormy, Reinventing Comics und Die Katze des Rabbiners 4: Das Irdische Paradies.
    Besprochen von Jens Häuser (jh) und Benjamin Vogt (bv).

    INSOMNIA 1
    Avant-Verlag/Kollektion Ignatz
    Treffen sich vier Skelette zum Skatspielen… Hört sich an wie ein Beginn eines Witzes, gereicht aber auch durchaus zur recht lockeren Einführung einer undurchsichtigen Comicreihe. Einer solchen bedient sich der Amerikaner Matt Broersma im ersten Band seiner Ignatz-Publikation Insomnia. Die Herrenrunde zu Beginn fungiert dabei, soweit Broersmas Werk überhaupt in der Gesamtheit interpretierbar bleibt, als Geschichtenerzähler, also als verlängerter Arm des Autors. Auf den darauf folgenden Seiten: Die Erzählung von Marco Clay, der sich auf der Flucht befindet.
    Der leicht verschwommene Zeichenstil wirkt ungewohnt, hat aber einen gewissen Charme. So passen die ungeraden Striche vor blau-mattiertem Hintergrund sehr gut zur langsamen und ziemlich freien Erzählung. Diese lässt zwar bislang einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Elementen kaum erahnen, fasziniert aber aufgrund der wirren Idee und der Undurchsichtigkeit. Matt Broersma, ein in Deutschland zuvor unbekannter Künstler, legt mit Insomnia weder einen einschläfernden Comic vor, noch löst er eine schlaflose Nacht aus. bv

    A.L.I.E.E.N.
    Reprodukt
    Mit dem Erwerb dieses Comicbandes hält man nicht mehr und nicht weniger als eine Sensation in den Händen. Denn es handelt sich um den ersten Comic für außerirdische Kinder, den Lewis Trondheim zufällig bei einem Picknick fand und alsbald seinem Verlag zum originalgetreuen Abdruck vorschlug. Zumindest will uns das der Franzose tatsächlich weismachen. Auf den Seiten tummeln sich allerhand unspezifische Wesen, die irgendwie auf eine für Menschen unbegreifliche Weise miteinander zu interagieren scheinen. Hin und wieder bedienen sie sich auch sprachlicher Mittel, an deren Interpretationsversuch man als menschlicher Leser aber schnell scheitert. Die Welt von A.L.I.E.E.N. ist aber auch sowas wie der Mix aus oberflächlicher Niedlichkeit und unerwarteter (und sinnfreier) Brutalität à la Happy Tree Friends. Auch deshalb ist man auf jeder Seite aufs Neue versucht, die Frage nach Sinn und Unsinn zu stellen. Wollte der Macher dieses außerirdischen Comicabenteuers seiner Leserschaft etwa gewollt eine willkürliche Erzählweise vorsetzen? So recht glaub ich am Ende dann doch nicht daran. Wiederholen sich doch bestimmte Figuren in allen Teilabschnitten wieder und lassen sich sogar Ansätze eines moralischen Konstrukts innerhalb der Aliengesellschaft ausfindig machen.
    Schlussendlich ist der von Trondheim gefundene Comic weder kindertauglich noch so ganz ernst zu nehmen, aber vor allem eins: verwirrend. Verblüffend ist aber mitunter auch, das der extraterrestrische Comiczeichner, der für dieses Heft verantwortlich ist, mit seinem Zeichenstil und ruhigen Art des Humor-/Gewalteinsatzes schon sein ein bisschen trondheimerisch wirkt. bv

    DAS MALTRÄTIEREN UNVOLLKOMMENER AUTOMATEN
    Rowohlt
    Das neue Werk vom Dreamteam Max Goldt und Stephan Katz überrascht kaum. Aber das ist gar nicht negativ gemeint. Man kennt das ja von den Zweien, diese widerborstigen Cartoons, die von bekloppten One-Pagern bis zu hintersinnigen Kurzgeschichten reichen. Das beginnt schon beim merkwürdigen Titel des Buches, der in tief verbundener Tradition wortwitzreicher Publikationen wie Das Salz in der Las-Vegas-Eule oder Oh Schlagsahne! Hier müssen Menschen sein steht, und reicht bis zum nicht ganz leicht zu verdauenden Inhalt. Aber trotzdem macht’s Spaß. Offenbar auch den Juroren des Max-und-Moritz-Preises diesen Jahres, die „Das Malträtieren unvollkommener Automaten“ in gleich zwei Kategorien vertreten wissen wollte. Max Goldt wurde als „Bester Szenarist“ ausgezeichnet, außerdem war das Buch nominiert als „Bester deutschsprachiger Comic“. Und das ist für einen halb-humorigen Band mit einem Pinguin und einem Kühlschrank auf dem Cover ja gar nicht mal so schlecht und auch nicht so wirklich ungerechtfertigt. bv

    HONEY TALKS!
    Stripburger
    „Comics inspired by painted beehive panels“, klingt komisch, erweist sich bei näherer Betrachtung jedoch als ungemein gut gelungenes Projekt des slowenischen Verlages Stripburger. Der Hintergrund: Damit Bienen zu ihrem jeweiligen Stock zurückfinden, wurden die Holzbretter, durch deren unteres Ende die Bienen hineinflogen, farbig bemalt. Bevorzugt im 19. Jahrhundert wurde daraus dann eine eigene Kunstform, indem man richtige Gemälde auf dem Holz hinterließ. Und so zählen Bienenstockmalereien auch heute noch zur traditionellen slowenischen Folklore. Dem huldigen die Jungs von Stripburger also und veröffentlichten mit Honey Talks! eine kleine feine Box mit neun länglichen Comics (das Format hält sich recht genau an das Aussehen der Originale, sogar an die Aussparung für den Bieneneinflug wurde gedacht), bei denen neun verschiedene Künstler jeweils die Bedeutung eines der Originalgemälde frei interpretieren und eine Geschichte daraus stricken. Die Umsetzungen sind sehr variantenreich: War man im 18. bis 19. Jahrhundert, als sich diese Kunstform etablierte, noch insbesondere darauf bedacht, Kampfszenarios darzustellen oder sozialkritische Themen zu verarbeiten, so gehen die Comickünstler von heute in ihren eigenen Versionen ganz unterschiedliche Wege. So wird vom lustigen über das kriminalistische Genre bis hin zur surrealen oder märchenhaften Ebene fast alles bedient. Und das in ausnahmslos beeindruckender Weise, was aber aufgrund der internationalen Zeichnerschar (ua. mit Anke Feuchtenberger und Rutu Modan) auch nicht verwundert. Atemberaubend schön. bv
    www.stripburger.org

    DER TOD UND DAS MÄDCHEN 2
    Die Biblyothek
    Eine junge Frau wird vom Tod heimgesucht. Dieser kommt ganz klassisch und mit gehörigem Stolz mit Kutte und Sense daher. Doch so ganz ohne Probleme kann auch der Tod nicht seinem Job frönen, denn das Mädchen, wohlwissend um ihr drohendes Schicksal, kennt die Spielregeln und tut deshalb alles um ihren Verfolger abzuschütteln. Soweit die bisherige Geschichte, die man in Band 1 der Österreicherin Nina Ruzicka nachlesen konnte. Anspruchsvolle Situationskomik, gesammelt in einem Album, dessen Erstauflage sogar schon vergriffen ist. Und das zurecht. Jetzt gibt’s also endlich den zweiten Teil. Und auch der büßt nicht viel von seinem besonderem Charme ein. Inhaltlich schlägt Ruzicka eine neue Richtung ein. Wo die beiden Protagonisten zuvor noch verbitterte und permanent streitende Gegenspieler waren, bahnt sich nun sowas wie unkonventionelle Sympathie ihren Weg zwischen das Mädchen und den Tod.
    Es ist äußerst interessant, die beiden bei der Wandlung ihrer Beziehung zu verfolgen. Aus Feindschaft wird Arrangement, aus Zweckbündnis wird… ja, vielleicht sogar Liebe. Die Handlung wird dadurch zwar ein wenig seichter, ist aber immer noch urkomisch und äußerst klug in Szene gesetzt worden.
    Ohne wenn und aber also, eine absolute Kaufempfehlung auch für diese neueste Publikation der Wiener Künstlerin. Brillant. bv

    MARVEL MONSTER EDITION 12: CAPTAIN AMERICA
    Panini Comics/Marvel Deutschland
    Dem altgedienten Weltkriegsveteranen Captain America wurde mal wieder ein Relaunch gegönnt, die neue Serie wird von Ed Brubaker (Gotham Central, Catwoman, Sleeper) geschrieben. Panini präsentiert uns seine ersten beiden längeren Stories kompakt in einer gewaltigen Monster-Edition. Und obwohl Brubaker darin mit mit Caps nicht so recht enden wollenden Vergangenheitstraumata und vorhersehbaren Auftritten von Red Skull, Nick Fury und Sharon Carter auf Altbewährtes setzt, gelingt es dem Autor, spannende Plots zu etablieren, die dank etlicher Rückblenden den Nährboden für schockierende Wendungen bereiten. Das Gute an der deutschen Umsetzung: Die wirklich weitreichende Geschichte, die sich schon jetzt über zig US-Hefte hinzieht, ist aufgrund des dicken Formats in einem großen Happen zu lesen, was den Lesefluss sehr fördert. Das Schlechte: Die teilweise sehr düsteren Zeichnungen von Steve Epting und Michael Lark finden auf dem rauen Papier kaum Anerkennung, sie wirken deshalb äußerst unpassend auf diesem „billigen“ Papier, das Schwarztöne ganz schlecht aussehen lässt. Andererseits kann man ja froh sein, dass die von Kritikern hochgelobte Reihe überhaupt das Licht der Welt auf dem deutschen Markt erblickt. bv

    DIE UNSCHULDIGEN
    Avant-Verlag/Kollektion Ignatz
    Giuliano unternimmt mit seinem Neffen Andrea eine Fahrt zum Meer. Dort will Giuliano seinen alten Freund Valerio treffen, der zwölf Jahre hinter Gittern verbringen musste. Unterwegs erzählt Giuliano seinem Neffen von seiner und Valerios gemeinsamer Jugend, in der sie in der Vorstadt von Polizisten schikaniert wurden. Genau jene Erlebnisse, die auch damals zu Valerios Festnahme führten.
    Der italienische Zeichner und Autor Gipi beeindruckt und überrascht mal wieder. Diesmal hat er sich für die Kollektion Ignatz seines Kollegen Igort eine Kurzgeschichte über zwei Freunde ausgedacht, deren Leben ab einem bestimmten Zeitpunkt in verschiedene Richtungen verlief. Diesen weiß Gipi mit Hilfe einiger Rückblenden genau zu datieren und legt damit genau den Finger auf die Wunde, denn dadurch erklärt er die Figur des Valerio, der zwar immer wieder als der mit Vorsicht zu genießende Bekannte von damals deklariert wird, im Grunde aber lediglich ein Produkt der unglücklichen Umstände seiner Jugend ist.
    Die Unschuldigen ist eine Parabel übers Erwachsenwerden, über Motiv und Unschuld. In sich schlüssig und sehr intelligent umgesetzt. bv

    ELBSCHOCK! 1
    Alligator Farm
    Huch, was haben sich Karl Nagel und seine Crew von der Alligator-Farm dabei nur gedacht? In Comicform lassen sie Gewalt, Terror und schreckliches Grauen auf die gute alte Stadt Hamburg einprasseln. Die WM im eigenen Land wird zur Brutstätte von Anschlägen und Nazi-Gewaltbereitschaft, der brave Fan zum Flüchtigen im allgemeinen Chaos. Ein Alptraumszenario! Und das ist lediglich die Beschreibung einer der sechs Geschichten der ersten Ausgabe. Des weiteren enthalten sind so heikle Themen wie Kannibalismus, Geißelnahme, ein fast zum Tode gehungertes Kind und Alien-Schaulustige während der ultimativen Zerstörung der Erde. Harter Tobak also. Einiges ist direkt an die aktuelle Realität in Deutschland angelehnt, so dass trotz fast klassisch endenden Horrorkurzgeschichten der Bezug zum Hier und Jetzt nie ganz verloren geht.Elbschock! überspitzt diskret und weist auf Missstände in unserer Gesellschaft hin, nicht ohne dabei natürlich auch ein bisschen zu provozieren, z.B. wenn auf Seite 1 ein Mann mit dem Kopf einer Frau auf eine Tankstelle zuläuft. Das erinnert nicht von ungefähr an den Vorfall von Eißendorf kürzlich.
    Also, darf Karl Nagel so „brutal provozieren“ (Hamburger Morgenpost)? Natürlich, denn er zeigt prekäre Situationen lediglich als ein Abbild dessen was sie wirklich sind, nämlich unfassbar. Der Rest ist dann amüsante Ausschmückung und gut erzählter Schockmoment. Die Zeichnergarde ist so imposant wie abwechslungsreich und nur ganz selten hat man das Gefühl, dass in dem wenigen Platz einer Episode die Erzählweise von den imposanten Bilder überrannt wird. Mit Elbschock! 1 ist den Crocos aus Hamburg auf 64 Seiten ein interessantes Heft mit tollen Stories gelungen. Ein nicht allzu teures, polarisierendes Schundheft zum Einstecken und Mitnehmen, mit Ecken und Kanten und heimatbezogenem, selbstdestruktivem Charme. bv

    THE DOOM PATROL: CRAWLING FROM THE WRECKAGE
    DC Comics/Vertigo
    Grant Morrison hat sich mittlerweile einen recht guten Ruf damit gemacht, alten Comichelden einen neuen Anstrich zu verpassen. Mittlerweile hat man ihn unter anderem an die Justice League und die X-Men Hand anlegen lassen. Ende der Achtziger hatte DC ihm die Wiederbelebung der Doom Patrol aufgetragen, an der sich Morrison kreativ austoben konnte.
    Die seltsame Gruppe – im Kern bestehend aus einem menschlichen Hirn in einem Stahlkörper, einer Patientin mit multiplen Persönlichkeitsstörungen, die ihr je nach angenommener Persönlichkeit Superkräfte geben, und einem von negativer Energie besessenen Hermaphroditen – erinnert eigentlich weniger an ein Superheldenteam als an eine Selbsthilfegruppe. Diese Charaktere werden in absurde und surreale Fälle verwickelt, in denen Morrison fest auf den gedanklichen Putz aus Philosophie, Linguistik und Kunst haut, ohne die Comic-Vergangenheit der Charaktere aus den Augen zu verlieren. Die Doom Patrol kämpft hier unter anderem gegen einen gottgleichen Jack the Ripper und ausgesprochene Gegner der Realität, hat aber die ganze Zeit Probleme mit ihrer eigenen Identität, ist sie doch eine Art Justice League für besonders groteske Fälle (sie bewohnt ein ausgemustertes Quartier der JLA).
    Die Mischung aus Tragik, Komik und einer Menge Kreativität macht Lust auf mehr. Die alte Serie selbst muss man nicht unbedingt gelesen haben, um hier seinen Spaß zu finden. jh

    MONIPODIO! 2: TURRIS BABEL
    Monipodio
    Eines der schönsten Indie-Projekte das ich in der letzten Zeit in den Händen halten durfte, kommt aus Italien. Die zweite Konzeptausgabe von Monipodio! bietet eine Menge internationaler Künstler, die den Turmbau zu Babel in größtenteils bezaubernder Weise thematisieren. Dabei ist es natürlich nicht nur logisch, dass die berühmte Sprachverwirrung (meist auf lustige Art und Weise) mit in den Beiträgen verarbeitet wird, was bis zu in Fantasiesprache sprechenden Figuren führt. Nein, auch die Zahl der unterschiedlichen Sprachen, die die Künstler verwenden (je nach Herkunftsland) passen zu diesem Band wie die Faust aufs Auge. Und zum Glück wird am unteren Rand alles in Englisch übersetzt, auch die deutschen Beiträge übrigens, was aus dieser Sicht auch mal nett zu lesen ist.
    Inhaltlich wechseln sich die Zeichenstile ab und gehen in vollkommen verschiedene Richtungen. Ein wundervolles Heft, das trotz Turm zu Babel-Thematik fast ohne Sprachbarrieren auskommt. bv
    www.monipodio.net

    ARIA – THE USES OF ENCHANTMENT
    Infinity
    Die in New York lebende Feenprinzessin Kildare erhält eine Einladung für das Fest zum Jahrestag des Hauses Entyre. Doch dort angekommen, stellt Kildare die oberflächlich freundliche Fassade schnell in Frage. Sie engagiert sich als Ermittlerin, um die Geheimnisse des regierenden Königs Oberon aufzuklären und aus dem fantastischen Reich zu fliehen. Es bleibt ihr auch keine große Wahl, sieht sich Kildare doch zunehmend Gefahren ausgesetzt.
    The Uses of Enchantmentist eine weitere interessante Miniserie aus dem Aria-Universum (die erste erschien vor ein paar Jahren bei Generation Comics). Die Erzählung ist aber auch unabhängig von jeglichen Vorkenntnissen zu genießen. Brian Holguin führt die hübsche Kildare in eine faszinierende Welt voll märchenhafter Magie, sprechender Tiere und sonstiger fabelhafter Bewohner. Dass gerade die Dreck am Stecken zu haben scheinen, ist dann nicht weiter verwunderlich, ist doch die Hauptfigur von Anfang an skeptisch ob dieser Einladung. Gerade diese Brisanz zwischen heiler Welt und Scheinkönigreich mündet dann aber in ein bemerkenswertes Finale mit überraschendem Ausgang.
    Die Zeichnungen sind malerisch schön und wirken gerade durch die seichte Farbgebung wie aus einem Märchenbuch. Kein Wunder, ist doch der Zeichner Lan Medina schon mit der Vertigo-Serie Fables in Sachen bezaubernder Fantasiewelt geübt.
    Was Holguin und Medina vollbrachten ist eine nette Geschichte, die auch für Einsteiger ein in sich abgeschlossenes Kapitel enthält und mit allerlei Einfallsreichtum aufwartet. Trotzdem ist man, gerade vom überragenden Fables, das optisch zuweilen in eine ähnliche Richtung geht, ein so hohes Fantasy-Niveau gewohnt, dass das neue Kapitel von Aria nicht unbedingt über die Bewertung „Ganz nett“ hinauskommt. bv

    TONTO 8: STORMY
    Tonto
    Das Buch zum internationalen Tonto-Comicfestival 2004 in Graz, dort wo sich zum zweiten Mal die österreichische Comicszene traf. Und schließlich kam man nicht nur allein des Zusammenkommens wegen, sondern auch um sich mitunter kreativ zu betätigen. Im traditionellen 24-Stunden-Zeichnen kamen durchaus sehr originelle Beiträge heraus, die die Organisatoren des Festivals und Vertreter der Künstlergruppe Tonto Helmut Kaplan und Edda Strobl nun reichlich verzögert noch in einem Band zusammenfassen. Als achte Ausgabe innerhalb der verlagsinternen Nummerierung, besteht Stormy- Topografien des Jenseits jetzt quasi als eindrucksvolle Werksschau der österreichischen (und ein bisschen über dessen Grenze hinaus) Comicschaffenden, die, obwohl die meisten Beiträge unter Zeitdruck entstanden sind, etliche qualitativ hochwertige Stories vorlegt. Ganz großes Indie-Kino. bv
    comics.tonto.at

    REINVENTING COMICS
    DC Comics/Paradox Press
    Scott McCloud hatte es 1993 geschafft, einen sehr lesenswerten Comic über Comics zu schreiben. Understanding Comics präsentierte die historische Entwicklung, die narrative Form des Mediums und einige gute Gedanken, wie Comics funktionieren. Die Ideen in diesem Buch waren wirklich gut und man kann dem Buch guten Gewissens die Höchstnote geben.
    Die im Jahre 2000 erschienene Fortsetzung von Understanding Comics mit dem frechen Namen Reinventing Comics (dt. Comics neu erfinden bei Carlsen) versucht zwar inhaltlich an den Vorgänger anzuknüpfen, aber dies gelingt leider nur schleppend. Nicht, dass es ein durchweg schlechtes Buch wäre. Es ist ein moderat langweiliges Buch, in dem der Autor –     aufgeteilt in zwei größere Abschnitte – erstens die Entwicklung der Comicindustrie, und was dabei schief gelaufen ist, beschreibt und zweitens einen Ausblick auf die Zukunft des Mediums in Verbindung mit der neuen Technologie (Computern und diesem Internet, von dem alle immer reden) gibt. Allerdings verläuft die ganze Sache eher mühsam, so dass die guten Stellen des Buches sich auf zu viele träge Seiten verteilen. Aber es gibt sie. Das Buch ist teilweise recht informativ, aber nicht so gut, wie man nach Lektüre des ersten Bandes erwartet. Lieber die ca. 20 Euro in den ersten Band stecken. jh

    DIE KATZE DES RABBINERS 4: DAS IRDISCHE PARADIES
    Avant-Verlag
    Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie scheint mir Joann Sfars Katze im vierten Band immer mal wieder realistischer zu wirken als sie vom Künstler tatsächlich darzustellen versucht wird. Vielleicht kommt das daher, dass der Schwerpunkt der Geschichte nicht mehr auf der Sprachbegabung der Katze liegt, denn diese Fähigkeit besitzt sie ja nicht mehr. Oder dass sie überhaupt in dieser Ausgabe mehr in den Hintergrund tritt. Sie mutiert in Das irdische Paradies vom zynischen Wesen zum Erzähler. So bekommen wir die Geschichte vom Malka der Löwen erzählt, von dem auf den Straßen Legenden kursieren und dessen vermeintlicher Tod kolportiert wird. Die Katze des Rabbiners begleitet den Malka und seinen Löwen auf seinem Weg durch die Lande, zwischen Abenteuer und Alterserscheinung. Angekommen in der nordafrikanischen Heimat sehen sich die drei Gefährten dann jedoch mit alltäglicheren Problemen konfrontiert.
    Joann Sfar skizziert zu guter Letzt den Konflikt innerhalb der Bevölkerung, thematisiert Fremdenhass. Hierzu leitet er seine heldenhafte Erzählung des Malka direkt in den sozialkritischen Bereich über. Sfars Charaktere dienen ihm dabei als Überbrückung, die die Handlung immer wieder zusammenhält. Steht Sfars Katze, die übergreifende Hauptfigur in seiner Serie, und deren häufig variierende Darstellung zum Ende des Bandes hin also für die thematische Wandlung eines brillant inszenierten Comics? Wer weiß, auf jeden Fall ist es auch hierbei erstaunlich zu verfolgen, als wie facettenreich und einordnungsresistent sich diese Albenreihe erweist. bv