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Donjon -97: Das Ende einer Jugend

 In der großen weiten Comicwelt gibt es kleine Projekte, es gibt große Projekte, es gibt riesig große Projekte und es gibt Donjon. Wer noch das Ende der insgesamt auf 300 Bände angelegten Reihe erleben will, sollte besser kein allzu weit zurückliegendes Geburtsdatum vorweisen können und selbst die Vielschreiber Sfar und Trondheim werden sich schon sicher mehr als einmal selbst verflucht haben für das gigantische Pensum, das sie sich auferlegt haben. Aber kann man denn in dieser Beziehung wirklich Mitleid empfinden mit jemandem, der 100 Bände dem Werdegang einer Figur widmet, die im weiteren Verlauf der Handlung gerade mal eine Nebenrolle spielen wird?

Nicht wirklich. Und das ist wahrscheinlich auch gar nicht nötig, denn dem neuesten Band dieses etwas länger geratenen Prologs (Donjon – Morgengrauen, nummeriert von -99 bis -1) nach zu urteilen macht die Reihe ihren Machern noch genau den Spaß, den man bei einem Comic voller rasender Riesenschnecken, armloser Übermonster und gewaltiger Friedhofstädte mit Namen wie Nekropol erwarten konnte: Er strotzt nur so von fantastischen Slapstickeinlagen, abstrusen Einfällen und bösen Witzen, und beweist mal wieder nicht nur, dass sowohl Lewis Trondheim als auch Joann Sfar zweifellos die besten Humoristen sind, die der frankobelgische Comic seit René Goscinny hervorgebracht hat, sondern auch, dass beide zusammen sogar noch  besseres hervorbringen können als sie es in ihren eigenständigen Arbeiten getan haben.

Dass die beiden aber auch nicht nur lustig können, sieht man an der im Titel angedeuten beginnenden Entwicklung Hyazinths vom jungen Idealisten zum geizigem Burgherrn, den wir aus den späteren Alben kennen: Da werden ganz nebenbei jugendliche Liebesträume von der Realität relativiert und moralische Grundsätze infrage gestellt. Mich haben Sfar und Trondheim zwar nie so ganz überzeugt, dass sie bei diesen menschlichen Themen mit demselben erzählerischen Eifer dabei sind wie bei den humoristischen Teilen ihrer Arbeiten, und es gibt allein bei L'Association einige Zeichner, deren Beschreibung kleinerer und größerer Lebenskrisen mich mehr berühren (Larcenet!!!), andererseits gibt es auch in dieser Beziehung deutlich schlechteres. Ein bisschen gewöhnen muss ich mich noch an „Aushilfszeichner“ Christophe Blain, der die Serie anstelle des hier nur als Autor auftretenden Trondheim grafisch betreut (24/7 arbeiten können scheinbar noch nicht mal französische Comicgötter). Blain pflegt einen kantigen, düstereren Stil, der mich anfangs ein wenig störte, da ich im Rahmen von Donjon eben ganz auf die krakelige Trondheim-Eleganz eingestellt bin. Allerdings trägt dies auch sehr zur Eigenständigkeit der „Morgengrauen“-Bände bei, und unterstreicht den in dieser Reihe hier stärker akzentuierten sexuellen und dunklen Aspekt der Serie.

Insgesamt mal wieder ein absolut makelloser, unglaublich unterhaltsamer Comic, der einem Angst vor dem Tag macht, an dem sich Trondheim und/oder Sfar vielleicht mal leer schreiben könnten und mich dazu verleitet, heftige Stoßgebete Richtung oben zu senden, mich doch bitte noch lange genug hier zu lassen um noch das Ende dieses Projekts mitzuerleben…


Donjon -97: Das Ende einer Jugend
Reprodukt
Text: Lewis Trondheim, Joann Sfar
Zeichnungen: Christophe Blain
48 Seiten, farbig, Softcover; 12,- Euro
ISBN: 3-938511-67-2

eric1

a2

 

Neue Webcomicreihe: Horst und sein Pony

felo_gutgelauntFelo heißt eigentlich Felix Herzog, aber wenn man Anfang der Siebziger der einzige Felix weit und breit ist, und das auf Jahre hinaus, glaubt wohl jeder, dass man einen Spitznamen nicht so nötig hat wie die ganzen Christians, Stefans und Sabinen dieser Welt, da ist man dann so froh, wenn man mit 28 endlich einen ersten eigenen Spitznamen bekommt, dass man den dann auch gleich behält und einfach alles damit unterzeichnet. (Übrigens: Ja. Ich schreibe diesen Text über mich selber. Und ich werde auch weiterhin von mir in der dritten Person sprechen, weil das so schön cäsarisch klingt und weil mir meine ersten beiden Personen unsympathisch sind. Durchgeknallte Psychopaten, die ständig dazwischen quatschen, wen sie nicht gefrALLE UMBRINGEN! BLUT! BLUT! BLUT! Hat jemand meine Mami gesehen? BLUUUUUT! Ruhe dahinten! Ihr haltet den Rand, wenn ich mich mit Erwachsenen unterhalte!)

Nach 10 Semestern Kommunikations-Design-Studium in Würzburg, von denen er ungefähr fünf auch tatsächlich in der FH verbracht hat, merkt Felo, dass ihm Kommunikations-Design überhaupt nicht liegt und belegt aus der Notlage heraus, wenigstens irgendwas zu studieren, bis er weiß, was er eigentlich machen will, das Nebenfach „Animation und Zeichentrick“ und seitdem (das sind jetzt immerhin schon fast zehn Jahre her) macht er eigentlich nichts anderes mehr. Felo verbringt seit 1999 seine Tage im Trickstudio Lutterbeck in Köln, wo er als Storyboarder, Layouter, Character-Designer und Animator an Trickfilmen für u.a. Löwenzahn, Sandmännchen und Die Sendung mit der Maus mitarbeitet. Seit ein paar Jahren animiert er hin und wieder auch niemand geringeren als Die Maus selbst, worauf er so mächtig stolz ist, dass er nicht umhin kann, hier auch noch damit anzugeben, der alte Kotzbrocken.

felo_schlechtgelauntNeben seinem langgehegten Kindheitswunsch, sich später einmal, wenn er groß ist, einen Bart wachsen zu lassen, den er sich schon vor Jahren erfüllte, bleiben ihm nun als unbewältigte Ziele im Leben eigentlich nur noch Weltherrschaft und die Kolonisation des Pluto. (Oder das Finden einer guten Bäckerei in Köln!) Bis das soweit ist, kritzelt Felo nebenbei noch ein bisschen vor sich hin und unterhält auf seiner Seite FEL-O-RAMA eine kleine, aber gebeutelte Leserschaft mit Comics, Kurzgeschichten, Schorftrollen und natürlich mit Horst & seinem Pony. Hinter Horst & seinem Pony verbirgt sich eine faszinierende Geschichte, die aber leider so unwahrscheinlich und schmerzhaft langatmig und –weilig ist, dass ich sie mir sehr gerne vorenthalten möchte. Und das tue ich jetzt auch. (Mist! Jetzt hab ich doch die erste Person verwendet! Na, gut. Muss ich eben doch alle töten, die das hier gelesen haben. Manchmal kann man halt nicht anders.)

Horst und sein Pony bei Comicgate: Einzelcartoons oder durchklickbare Flashgalerie