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Der Kri-Ticker #62

Diesmal mit dabei: Mutter hat Krebs, Popeye, Courtney Crumrin im Königreich des Zwielichts, Bob Marley- Die Legende der Wailers, Zwarwald – Elementartierchen, Jazam! 1: Märchen, Es war keinmal, 5 ist die perfekte Zahl, The Darkness: Prelude / Witchblade: Demon, Shaun of the Dead, Bonk, Interiorae 1 und Vampire Boy 2.

Besprochen von Björn Brüggemann (bb), Frauke Pfeiffer (fp), und Benjamin Vogt (bv).

MUTTER HAT KREBS
 Knesebeck
So unscheinbar dieses kleine Büchlein ist, so unheimlich ausdrucksstark ist Mutter hat Krebs von Brian Fies. Dabei erzählt der Autor und Zeichner von der Krebserkrankung seiner Mutter ganz offen und in sehr vielen Details. Und auf welche Weise er das Thema für sich selbst verarbeitet, ist hervorragend. Fies dramatisiert nicht, spielt aber die Probleme, die mit der Krankheit für ihn und seine Familie einhergehen, auch nicht herunter. Spielerisch wird hier für jeden neuen Abschnitt, der stellvertretend für einen Gedanken oder ein spezifisches Entwicklungsstadium steht, eine neue Ausdrucksform gesucht und mit grafischen, oft sehr unerwarteten oder unkonventionellen Mitteln umgesetzt. Dieser Comic ist auch eine Art Familientherapie, da die Beziehung des Künstlers zu seinen Schwestern und seinem Vater sich auch aufgrund der Erkrankung ändert und deshalb auch von zentraler Wichtigkeit für Fies zu sein scheint. Dabei wirkt Mutter hat Krebs schlussendlich in vielfacher Hinsicht: Für Brian Fies, für seine Mutter und für alle, die in ihrer Familie ein ähnliches Schicksal erleiden, ist dieser Band eine ehrliche, nicht verbitterte, Mut machende Angelegenheit. Alle anderen bekommen einen herzzerreißenden Comic, der die Grenzen des Mediums auslotet, ohne dabei an Gefühl und Humor zu verlieren. Eine brillante Publikation, die für seine Vorabversion im Internet sicherlich nicht zu Unrecht mit dem Eisner-Award ausgezeichnet wurde. Die deutsche Ausgabe dieses, jetzt bereits als Klassiker geltenden Bandes, schafft mit Einleitung und Nachwort die sensible Herangehensweise an ein schweres Thema und sollte deswegen und wegen der hohen inhaltlichen Qualität in keinem Comicregal fehlen (irgendwo in der Nähe der Werke Scott McClouds). bv

 

POPEYE
marebuchverlag

Dieser Band ist ein Pflichtkauf für alle, die die Anfänge des Comicseemanns nachlesen und sich einen gut aufgemachten Gesamtband ins Regal stellen wollen. Die Ausgabe vereint die allerersten Comicstrips von Autor und Zeichner E. C. Segar, die zwischen den Jahren 1929 und 1938 entstanden und zur damaligen Zeit in etlichen Zeitungen abgedruckt wurden. Interessanterweise zeigt uns diese Urversion einen ganz anderen Popeye, als man ihn in der späteren Abfolge (nach Segars frühem Tod) kennen lernen sollte. So liegt dem Matrosen mit der merkwürdigen Aussprache stets ein markiger Spruch auf den Lippen und nicht nur er, sondern auch die Nebenpersonen (wobei Popeye selbst als Nebenperson eingeführt wird) und die Geschichten weisen eine immense Vielschichtigkeit auf. Die Strips lesen sich gerade hinsichtlich der damaligen Zeit in Amerika sehr hintergründig.
Das Buch aus dem marebuchverlag ist aufwendig gestaltet, beginnt mit einem Vorwort und behandelt am Ende zusätzlich Popeyes historischen Kontext. Sehr großes Lob muss auch dem Übersetzer Ebi Naumann gelten. Der Hamburger musste unter Beachtung mehrerer Aspekte eine ganz neue Sprachgestaltung konzipieren, die auf die Figur Popeye maßgeschneidert ist, ohne dabei bei der Übertragung ins Deutsche zu viel des eigentlichen Charmes zu verlieren (auch dieser Prozess wird im Buch von Naumann geschildert). Und das ist auf den über 450 Seiten großartig gelungen. Ein Klassiker mit passender Ausstattung also. bv

 

COURTNEY CRUMRIN IM KÖNIGREICH DES ZWIELICHTS
 Modern Tales
Im dritten und vorerst letzten Band dieser schönen Reihe von Ted Naifeh ist der Fokus nicht mehr alleine auf die eigentlich immer schlecht gelaunte und mit wachen Augen durch ihre Umgebung streunende Courtney gerichtet, sondern sie muss sich mit anderen Kindern – ibah! – herumschlagen und den kleinen, verzauberten Bruder einer ihrer Mitschüler retten. Klar, weil die anderen zu blöd dafür sind. Hätten sie mal auf Courtney gehört und nicht diese obskuren Zaubersprüche ausprobiert, von denen sie keine Ahnung haben. Eigentlich selber schuld, sollen sie halt sehen, wie sie damit zurecht kommen. Aber dann fällt ihnen irgendwann doch nichts anderes mehr ein und sie suchen Rat bei Courtney. Die will zwar erst nicht, aber dann tut ihr der Kleine irgendwie Leid und die Gruppe macht sich auf den Weg in die Unterwelt, um ihn wieder zurückzuverwandeln – dass dabei einiges schief geht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Und das ist auch schon der Knackpunkt, warum dieser Band der schwächste des Trios ist: im Gegensatz zu den ersten beiden Ausgaben ist diesmal so einiges vorhersehbar. Und ihre dämlichen Mitschüler nerven einfach – nicht nur Courtney, sondern auch den Leser. Auch hätte ich es als angenehmer empfunden, wenn eine kleinere Schriftgröße genommen worden wäre, damit an manchen Stellen ganze Sätze in die Sprechblase reinpassen. Die Enge der Blasen war ja auch schon in den Vorgängern ein Problem, womit man als Übersetzer und Letterer irgendwie klar kommen muss. Insgesamt natürlich immer noch eine sehr ordentliche Anschaffung mit liebevollen, fantastischen und detailreichen Zeichnungen und einer griesgrämigen und trotzdem verletzlichen Courtney. fp

 

BOB MARLEY – DIE LEGENDE DER WAILERS
 Ehapa Comic Collection
Ehapa hat sich seit einiger Zeit ja fast schon als Fachverlag für musikalische Comicthemen herausgestellt. Dass dabei nicht immer höchste Qualität gegeben ist, zeigt dieser Band über die Reggaelegende Bob Marley. Erdacht und gezeichnet vom französischen Künstler Roland Monpierre, erzählt er die Geschichte von Marley, von den frühen ersten Schritten in Jamaika bis hin zu Plattenvertrag und Tournee. Leider kommt die Erzählung dabei viel zu spaßig und unbeholfen daher und die Zeichnungen wirken nicht nur wegen der überbordenden „Bunstiftfarbgebung“, sondern auch wegen der oftmals unübersichtlich platzierten Sprechblasen unpassend. Zwar ist die zeichnerische Arbeit Monpierres an sich nicht schlecht, aber die merkwürdigen Farben im Zusammenspiel mit dem cartoonhaften Stil führen den Comic, auch inhaltlich gesehen, in recht austauschbares Gewässer. Wenig legendär wird hier also über Bob Marley und die Wailers berichtet, hinterm Ofen verlocken dürfte das, zum 25. Todestag, nur wenige hartgesottene Fans des Musikers. bv

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ZWARWALD – ELEMENTARTIERCHEN
Reprodukt

Seit über zwei Jahren gibt es die kurzen Episoden von Zwarwald bereits regelmäßig im Internet zu lesen, Grund genug also, die amüsanten Geschichten von Autor Leo Leowald auch mal in gedruckter Form vorzulegen. So gibt es in dem mit Elementartierchen betitelten Sammelband auf fast 100 Seiten mit vielen bekannten und zusätzliche einer neuen längeren Episode reichlich gut gemachte Lesekost. In der Welt von Zwarwald protokolliert Leowald alltägliche Gedanken, oft Nonsens, der auf spontanen Ideen beruht, einige Male aber auch tiefschürfende Wiedergaben exakter Beobachtungen. Allesamt haben sie letztlich eine beständig hohe Qualität gemeinsam, was sowohl den mit genau passenden Farben unterlegten und mit Schnabelwesen gefüllten zeichnerischen Aspekt, wie auch die behandelten Themen mit ihrer gut überlegten Umsetzung, anbelangt. Wenn in einer Story Robbie Williams Stress mit seiner polnischen Haushaltshilfe hat, ist das Zwarwald’sche Absurdität mit Hang zum Realismus. Wenn Leowald von seinen jungen Jahren als Aushilfe im Pornokino zu berichten weiß, dann ist das autobiografisch, verständlich und vom Stil her berichtend. Schließlich ist dann auch noch der Anteil dieses Buches anzuführen, der gar nicht einzuordnen ist, nämlich immer dann, wenn der Inhalt keinen erkennbaren Rhythmus mehr aufweist oder ein Ende mit nicht vorhandener Pointe glänzt. Elementartierchen ist all das und damit ein wundervoller erster Gesamtband eines Künstlers, der mit seinem Einfallsreichtum irgendwo zwischen Lewis Trondheim und Nicolas Mahler einzuordnen ist. bv

JAZAM! 1: MÄRCHEN
 Das hier ist ein ganz besonderes Projekt – es entstand spontan durch ein paar ambitionierte Jungzeichner im Comicforum, die den Wunsch hatten, unter einem Motto eine Printmagazinreihe herauszubringen. Von dem Ansatz geht das in Richtung Panik Elektro, wobei dort mit Schwarzer Turm ein professioneller Verlag dahintersteht, während Jazam! in Eigenproduktion entstand.
Für den ersten Band, bei dem Adrian vom Baur, David Koslowsi und Nico Simon die Organisation übernahmen, einigte man sich per Abstimmung auf „Märchen“ als Oberthema, welches dann nach Belieben illustriert und umgedeutet werden konnte.
Das professionelle Cover von Steven Bagatzky ist ein schöner Blickfang (wenngleich ich Braun und Lila nicht wirklich für geeignete Farben des Logos halte) und macht Lust auf mehr.
Wie eigentlich immer bei solchen Zusammenstellungen schwankt dann aber die Qualität des Inhalts doch merklich. Bei manchen Künstlern bewahrheitet sich die Weisheit, dass gute Zeichner (noch?) nicht automatisch gute Erzähler sind. So bringen z.B. Said Omar Eshaq und Jan H. Langbein jeweils einen eigenen, ausdrucksstarken Zeichenstil mit, verlieren sich aber in ihren Erzählungen. Dazu im Gegensatz stehen andere Zeichner noch vor einigen Mühen, ihre Anatomiekenntnisse und räumliche Vorstellungskraft auszubauen. Und dann gibt es Künstler wie Véro, bei denen man sich fragt, warum die noch nicht professionell veröffentlicht werden.
Beeindruckend ist die enorme Stilvielfalt und der Mut zu Experimenten, der in Jazam! gezeigt wird. Auch der redaktionelle Teil ist nicht zu kurz gekommen, wird doch sowohl das Projekt als auch jeder der 27 beteiligten Künstler ausführlich vorgestellt.
Ich weiß, es musste billig gedruckt werden, trotzdem kann ich nicht unerwähnt lassen, dass mir der Digitaldruck so gar nicht gefallen will. Vielleicht kann man beim nächsten Band da doch was dran drehen?
Trotz meiner Kritikpunkte ist dies aber ein wirklich schöner, über 100 Seiten starker Querschnitt durch den Comicnachwuchs dieses Landes (und der Nachbarn), auf das die Macher stolz sein können. Da will ich mehr von sehen!
Und wen's interessiert: Meine persönlichen Favoriten aus diesem Band sind „Das eigensinnige Kind“ von D.M. Marquardt, die „Fucked-Up Fairy Tale“ von Lukas Jüliger, „In der Stadt“ von Véro, „Märchenstunde“ von Alexander Gellner und „Besuch vom Ding zur nächtlichen Stunde“ von Anna-Maria Jung. fp

Zu bestellen auf der schön gestalteten Website www.jazam.de

 

ES WAR KEINMAL  
eswarkeinmalSchwarzer Turm
Und noch eine Märchen-Anthologie mit diversen Nachwuchskünstlern, die kurz vor Jazam! erschien. Die beiden Bände kann man aufgrund der ähnlichen Thematik ganz gut miteinander vergleichen. Entstanden ist dieser hier aus einem Wettbewerb des Verlags, in dem man ein Konzept einer Anthologie vorstellen sollte. Die schlüssigste Idee gewann und damit wurde Beatrice Beckmann frischgebackene Herausgeberin. Inhaltlich sind die beiden Anthologien gar nicht so weit voneinander entfernt, versuchen sich doch junge Künstler an der Neuinterpretation von Märchen, entweder mit alternativem Ende, in eine andere Zeit geholt oder aber, und das fällt hier deutlich mehr auf, als Parodie. Leider gleitet das manchmal sehr ins nichtssagende Alberne ab, weswegen mir eine Geschichte doch zu zäh wurde und ich sie abgebrochen habe. Der jüngeren Zielgruppe könnte es aber durchaus gefallen. Zeichnerisch präsentiert Es war keinmal auf über 200 Seiten im typisch kleinen Mangaformat nur deutschsprachige Mangakünstler, und im Durchschnitt muss man den beteiligten Zeichnern ein höheres Niveau bescheinigen. Der Detailreichtum in manchen Geschichten ist beeindruckend. Auch hier zeigt der Nachwuchs, was er kann – und das ist mehr als ordentlich -, bekommt aber in manchen Beiträgen Abzüge in der Story-Umsetzung. Da fehlt in manchen Fällen halt einfach noch etwas die Erfahrung.
Am besten hat mir „Grimm(ig)“ von Melanie Schober gefallen, weil da mal jemand auch verdammt gut erzählen kann. Straff und spannend konstruiert, das fällt positiv auf. Überzeugend fand ich noch „Gevatter Tod“ von Olivia Viehweg, „Das gläserne Herz“ (welches aber keine wirkliche Pointe hatte?) von Daniela Uhlig und „Der Froschkönig“ von Lisa Rau. Auch diese Sammlung enthält die Vorstellung aller beteiligten Künstler sowie ein Interview mit Beatrice Beckmann, wodurch der positive Eindruck abgerundet wird. fp

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5 IST DIE PERFEKTE ZAHL
 Avant-Verlag
In eisigen, blau-schwarzen Bildern erzählt Igort die Geschichte des Mafioso Peppino, der früher als Killer in den Diensten seines Capo stand. Doch jetzt führt Sohn Nino das Erbe des Vaters weiter. Als Nino von einem Auftrag nicht zurückkehrt, hat Peppino eine Vision. Beunruhigt geht er nach Hause zurück und stößt auf zwei ihn erwartende Killer. Peppino merkt, dass er und Nino von der Mafia verraten wurden und macht sich auf die Suche nach dem Mörder seines Sohnes. Stur versucht er seine Vorstellung von Gerechtigkeit durchzusetzen, löst dabei einen Mafiakrieg aus und bekommt den Mörder seines Sohnes zu fassen. Aber der Killer Peppino bringt es nicht über sich, ihn zu töten. Peppino versucht seiner Gegenwart und Vergangenheit zu entfliehen und setzt sich nach Südamerika ab.
Igort bringt die Stilmittel des Film Noir in gezeichnete Form, das Neapel der 60er Jahre wird in dunklen und schattenreichen Bildern porträtiert, die Atmosphäre ist düster. Im Kontrast dazu stehen die Anthropomorphisierungen und zerfließenden Körper der Träume und Visionen. Auch der Seitenaufbau ist dabei immer abwechslungsreich, von einer strengen Anordung gleichgroßer Panels über sich auflösende Strukturen hin zu ganzseitigen Bildern und stummen Passagen.
Die große Vielfalt an Erzähl- und Zeichenstilen, sowie die unzähligen Anspielungen machen den Comic zu einem Werk, dass sich nicht mit einem Mal erschließen lässt. Trotzdem wirkt 5 ist die perfekte Zahl nicht unruhig, die vielen Einflüsse sind zu einem stimmigen Ganzen verwoben. bb

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THE DARKNESS: PRELUDE / WITCHBLADE: DEMON
Infinity

Der Titel könnte etwas irreführend sein – in diesem One Shot gibt es kein Crossover der beiden Hauptfiguren (was ja nicht das erste Mal wäre), sondern es handelt sich um zwei separate, abgeschlossene Geschichten in einem Band. Nur eines haben sie gemeinsam: sie wurden beide von Jae Lee gezeichnet. Und das kann sich sehen lassen.
In der vom altbekannten Paul Jenkins geschriebenen Darkness-Geschichte rächt sich Jackie an einem Bombenleger, den er in einem Haus aufspürt. Und, oh Wunder, einmal sieht man nicht sämtliche Eingeweide durch die Luft fliegen, sondern man darf sich einfach seinen Teil denken. Was ja oft gruseliger ist als die explizite Darstellung. Ebenso subtil, wenn man es so nennen möchte, ist das atmosphärische Artwork von Jae Lee. Sehr reduzierte Farben (von Jose Villarubia), texturierter Hintergrund, guter Einsatz der vielen Schwarzflächen. So gefällt einem Jackie wieder – düster, geheimnisvoll, entschlossen. Diese Kurzgeschichte ist ordentlicher als manche der Handlungsbögen, die sich sonst über vier Hefte hinziehen.
Comic Bad Boy Mark Millar (Wanted) versucht sich als Autor an einer Witchbladestory, in der Sara einem Mörder hinterherhetzt, der es eigentlich auf sie abgesehen hat. Obwohl hier mehr passiert als im Darkness-Teil, empfinde ich letztere als die stimmigere Umsetzung. Die Farben (von June Chang) bei Witchblade sind ebenfalls sehr reduziert, wirken aber aufgrund der oft hintergrundarmen Panels etwas aufgesetzt. Sara Pezzini sieht mir zu glatt, zu sauber aus, was auch schon dem Cover nicht gut bekommt. Die Geschichte wirkt etwas bemüht, bietet aber immerhin einen einigermaßen überraschenden Schluss.
Insgesamt allein aufgrund des Darkness-Teils und der hübschen Flip-Ausgabe (zwei Cover) die Anschaffung wert. fp

SHAUN OF THE DEAD
 Ehapa Comic Collection
Leider habe ich den gleichnamigen Film noch nicht gesehen, aber unabhängig davon fühle ich mich bei dieser Comicadaption bestens unterhalten. Ein gutes Zeichen, wo doch viele Umsetzungen von Film zu Comic einfach nur schlecht sind.
In Shaun of the Dead geht es um einen Loser, der mit seinem Job unzufrieden ist und Probleme mit der Freundin hat. Der gute Mann heißt Shaun. Er und sein Kumpel Ed müssen sich plötzlich weg von der Playstation bewegen, um Zombies mithilfe von Cricketschlägern und fliegenden Schallplatten zu bekämpfen.
Shaun of the Dead ist eine britische Parodie auf Romeros Dawn of the Dead. Der Comic ist sehr lustig und nimmt das Genre gnadenlos aufs Korn. Chris Ryall und Zach Howard setzen den untoten Spaß sehr dynamisch in Szene und leisten damit solide Arbeit.
Alle, die die Filmvorlage möglicherweise bereits kennen, bekommen storytechnisch wahrscheinlich nicht viele neue Einblicke, aber zumindest eine sehr gute Comicversion des Stoffes. Und wer den Film, so wie ich, nicht kennen sollte, der darf sich über urkomischen, gut gemachten Zombiespaß freuen. bv

BONK
Achterbahn

Die Cartoons, die in Bonk versammelt sind, zeichnen sich zumeist von einem um die Ecke gedachtem Humor aus. Olle Berg lässt darin großen und kleinen Fantasien freien Lauf. Das Ergebnis ist ein nicht ganz leicht zugänglicher Band. Manche Comics sind ohne Umschweife zum Brüllen komisch, viele andere hingegen bleiben eher unverständlich und erschließen sich wohl nur dem schwedischen Künstler selbst. Olle Bergs Zeichenstil bedient sich abstrakter, eckiger Menschen und Gebilde. Kein Wunder, dass das und die Hintergründigkeit der oftmals unpointierten Witze in Bonk, obwohl klar dem Cartoon-Genre angehörend, als verstörend empfunden werden kann. Allein wegen der zwischenzeitlich fabelhaften Gags darf man aber auf jeden Fall mal reinschnuppern. bv

 

INTERIORAE 1
 Avant-Verlag
In einer Wohnsiedlung stattet ein geisterhafter weißer Hase den verschiedenen Bewohnern einen Besuch ab, solidarisiert sich mit ihnen, kennt sie genau und beobachtet sie. Anschließend erstattet er schließlich spätabends dem schwarzen Monstrum im Keller Bericht und stellt eine Verbindung zu den Träumen der Menschen her, von denen sich die Dunkelheit ernährt.
Interiorae ist ein auf drei Bände angelegtes Werk innerhalb der Kollektion Ignatz, das von der italienischen Künstlerin Gabriella Giandelli erdacht wurde. Mit klaren Bleistiftzeichnungen erzählt sie darin eine poetische Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen und das Leben miteinander. Giandelli beschreibt Wohngebäude als funktionierende Organismen, die über Träume und Fantasien der Bewohner am Leben erhalten werden und sogar den Tod überdauern können. Als metaphorisch bedachtes, verträumtes Stadtmärchen gelingt es Interiorae schnell, eine ruhige Atmosphäre zu erschaffen, die als besonders gelungen gelten darf. bv


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VAMPIRE BOY 2
 CrossCult
Ein namenloser Junge wacht, gestärkt von der Sonne, aus einem hunderte von Jahren andauernden Schlaf auf. Er ist unsterblich, genau wie seine Erzfeindin Ahmasi, die alsbald Jagd auf ihn macht. Der Fluch des namenlosen Jungen scheint neben dem lebenslangen Aussehen eines Kindes wohl auch der in regelmäßigen Abständen erfolgende Abschied von seinen Freundschaften zu sein. Dass solch ein Verlust nicht immer nur mit der normal begrenzten Lebensdauer dieser zu tun hat, wird dem Leser in Carlos Trillos und Eduardo Rissos zweitem Band von Vampire Boy früh bewusst. Ahmasis Rachedurst lässt auch Unbeteiligte in den Konflikt geraten.
Carlos Trillo schafft es auch weiterhin, seiner Erzählung die richtige Mischung aus Absurdität, Gewalt und Sex einzuverleiben. Mit weiteren Erinnerungen an die bewegte Vergangenheit des Vampirjungen gelingt dem Autor spielend leicht der Ausgleich zur gnadenlosen Blutfehde der unsterblichen Protagonisten. Auf unterhaltsame Weise bekommt so der Leser einen uralten Mythos frisch und in der heutigen Zeit spielend dargereicht. Einfache Details und prägnante Dialoge lassen mehr über Beweggründe und Psyche der Charaktere erahnen, ohne die ausgewogene Balance zwischen Wut und Gefühlen, Hass und Humor im Plot außer Acht zu lassen. Wenig bleibt über Rissos Zeichnungen zu sagen, denn die sind wie immer perfekt und mustergültig. Auf weitere seiner Arbeiten darf man sich auch in Zukunft mit der dritten Ausgabe von Vampire Boy und dem One-Shot Jonny Double bei Cross Cult, sowie der Fortführung von 100 Bullets bei Panini freuen. bv


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Bildquellen: comiccombo.de und die jeweiligen Verlage

Conan 2 – Der Gott in der Kugel…

conan2… und andere Geschichten.“

Conan der Barbar ist eine Legende. Und er geht wieder in Serie. Seit kurzer Zeit verstricken Kurt Busiek und Cary Nord den wilden Cimmerier in neue Abenteuer. Nach dem fabelhaften ersten Band kommt nun die Fortsetzung: „Der Gott in der Kugel“. Was Autor und Zeichner angefangen haben, entwickeln sie konsequent weiter. Zwar kein Höhenflug, dafür aber ein wasserdichtes Fantasy-Spektakel. Dämonen und Gemetzel inklusive, denn schließlich ist es Conan.

In den dreißiger Jahren erfand der Texaner Robert E. Howard die Figur Conan: Ein wilder Barbar aus dem Norden, der seine Heimat verlassen hat, um die Länder der Welt zu bereisen. Er stolpert von Abenteuer zu Abenteuer, und sein Schwert und seine Fäuste leisten ihm dabei gute Dienste. Conan ist seitdem zu einer Legende geworden. Klassische Fantasy-Literatur kann nicht mehr ohne ihn gedacht werden.

In den letzten Jahren haben sich Comicautor Kurt Busiek und Zeichner Cary Nord an eine Neufassung des Helden gewagt. Im ersten Band „Die Tochter des Frostriesen“ sahen die Leser eine frische und lebendige Neuinterpretation des Barbaren. Busieks und Nords großer Verdienst ist es, Conan den Cimmerier ins Heute transportiert haben, ohne ihn anstauben oder albern wirken zu lassen.

So hinreißend der erste Band war (Doppelrezension bei Comicgate) , so gespannt durfte man auf den zweiten sein. Es würde schwer werden, das Lesegefühl von „Die Tochter des Frostriesen“ zu übertrumpfen, denn kaum etwas ist spannender, als der gelungenen Neuentwicklung einer alten Figur beizuwohnen. Der nächste Schritt würde nicht einfach werden.

conan2_kampf Der zweite Band setzt sich erneut aus mehreren, miteinander verflochtenen Haupt- und Nebenhandlungen zusammen. Will man die beiden wichtigsten Erzählstränge nennen, kommt man auf „Der Gott in der Kugel“ und „Der Ibis und die Schlange“. Im ersten Teil reist Conan in die nemedische Stadt Numalia, um sich als Dieb zu versuchen. Dort leben viele reiche Händler, so auch der fettleibige Kallian Publico. Conan lässt es sich nicht nehmen, nachts in dessen Schatzhaus einzusteigen. Kaum hat er das fremde Gemäuer betreten, stolpert er jedoch über Kallians Leiche. Sie ist noch warm. Schnell sind Wachen zur Stelle, die Conan des Mordes verdächtigen.
Im zweiten Teil des neuen Conan-Bandes tritt der Barbar in die Dienste des Ibis-Priesters Kalanthes. Er begleitet ihn als Söldner auf seiner Reise in die Stadt Hanumar. Kalanthes will dort mit Hilfe uralter, namenloser Götter einen mächtigen, bösartigen Zauberstein vernichten. Thoth-Amon, der finstere Priester des Schlangengottes Set, hat jedoch etwas dagegen. Er hätte den Zauberstein gerne für sich. Mit allen Mitteln versucht er, die Vernichtung des Artefakts zu verhindern. Als sich die Ereignisse zuspitzen, muss Conan erkennen, dass auch er inzwischen in die Fehde der beiden Priester verwickelt ist.
Wer nun in dem zweiten Conan-Band zu viele textlastige Ränkespiele und Debatten vermutet, liegt falsch. Denn Conan bleibt Conan. Zwar ist er nicht ungeschickt oder dumm, aber Probleme löst er vorzugsweise auf eine Weise: Mit dem Schwert.

Obwohl die Handlungen in ihrer Wiedergabe oberflächlich erscheinen, sollte man sich nicht täuschen lassen. Den Geschichten von Busiek haftet eine beeindruckende Komplexität an, die Howards Grundlage nur gerecht wird. Denn Conan bezeichnet mehr als nur eine einzelne Figur. Der Name steht für ein ganzes Fantasy-Universum. So entsteht fast beiläufig ein detailliertes Bild des fiktiven Landes Nemedia, durch das Conan reist. Ein wenig mehr Stadtansichten wären sicherlich wünschenswert gewesen. Hyperborea aus Band 1 bleibt nach dem Lesen plastischer in Erinnerung als Numalia oder Hanumar.

conan2_thothamon Zurück zur Eingangsfrage: Was kommt nach der (Neu-)Entwicklung des Helden? Busieks Antwort lautet: Die Entwicklung seiner Gefährten und Gegner. „Der Gott in der Kugel“ konzentriert sich nicht mehr so sehr auf die Charakterisierung Conans, sondern nimmt ihn zurück zugunsten anderer Figuren in seinem Umfeld. Im Hinblick auf die Fortführung der Serie scheint dieser Schritt sehr sinnvoll. Und der Leser ist dankbar. Conan kennen wir jetzt schließlich. Jetzt müssen neue, starke Figuren her, zwischen denen er sich bewegen kann. Insgesamt vier werden davon in „Der Gott in der Kugel“ präsentiert: Janissa die Witwenmacherin, die Knochenfrau, der Ibis-Priester Kalanthes und der Set-Priester Thoth-Amon. Letzterer wird Conan-Fans noch als der spätere Erzfeind des Barbaren in Erinnerung sein.

conan2_kaefer Der zweite Conan-Band „Der Gott in der Kugel“ ist eine runde Sache. Die beiden enthaltenen Geschichten sind detailverliebt, actionreich und spannend. Sie öffnen dem Leser ein Fenster in die fantastische Welt des Barbaren Conan; da möchte man gar nicht so schnell wieder zurückkehren. Der Anfang der Serie wurde konsequent weitergedacht. Es wurde viel Wert auf die Gestaltung der zukünftigen Gegner und Gefährten gelegt, was sich in den kommenden Bänden hoffentlich auszahlen wird. Dabei tritt die Titelfigur im Vergleich zum ersten Band ein wenig in den Hintergrund. Notwendigerweise wirkt die Geschichte dadurch zersplitterter, das euphorische Hochgefühl von „Die Tochter des Frostriesen“ bleibt leider aus. Neueinsteigern ist daher der erste Band eher zu empfehlen. Alle anderen Fans des wilden Cimmeriers werden ihre Freude an dieser neuen Dosis Fantasy-Abenteuer haben.

Conan 2 – Der Gott in der Kugel und andere Geschichten
Panini, November 2006
Text: Kurt Busiek
Zeichnungen: Cary Nord
160 Seiten, farbig, Softcover; 16,95 Euro
ISBN 3833214376

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Bildquelle Cover: comiccombo.de

Comicgeschenkideen 2006


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Weihnachtsmann
von David Füleki

Wie schon in den vergangenen Jahren, so hat sich unsere Redaktion auch diesmal Gedanken gemacht, was man an aktuellen Comics so alles Schönes zu Weihnachten verschenken kann.

Das Besondere: wir haben das 2005er System der Zielgruppen beibehalten. So sollte sich bei insgesamt 25 Empfehlungen sowohl für den Herrn Papa über den besten Freund bis hin zur kleinen Cousine was finden lassen.

Und wer sich die 2005-er Tipps noch mal anschauen will, der findet sie hier.

Die Comics werden diesmal empfohlen von Christopher Bünte (cb), Stefan Dinter (sd), Thomas Kögel (tk), Frauke Pfeiffer (fp), Benjamin Vogt (bv), Andreas Völlinger (av), Simon Weinert (sw) und Daniel Wüllner (dw).


Der zu Beschenkende ist …

… ein (lesefaules) Kind:

joey_waechter-der-nachtJoey und die Wächter der Nacht
von Mike Bullock und Jack Lawrence
Ehapa Comic Collection
10,- Euro

Es soll leider Kinder geben, die schon bei dem Gedanken ans Lesen schreiend reißaus nehmen und sich hinter einem Wall aus DVDs und Videospielen verbarrikadieren. Mit diesem Comic-Album stehen die Chancen nicht schlecht, sie wieder hervorlocken zu können. Die an Animationsfilme erinnernden Zeichnungen springen einen geradezu an, die actionreiche Story ist kindgerecht, aber nicht dumm, und die tierischen Helden sind eine perfekte Mischung aus cool und knuffig.

Kinder, die gerne lesen, würden sich aber sicher auch drüber freuen… av

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monster_allergy1Monster Allergy 1-7
von Alessandro Barbucci, Katja Centomo und Francesco Artibani
Ehapa Comic Collection
jeweils 8,50 Euro

Du suchst was für die kleine Cousine oder einen Neffen? Ich empfehle Monster Allergy als perfekte Unterhaltung für fast alle Altersklassen (ab circa acht Jahren, würde ich mal sagen). Sieben Bände sind bisher erschienen, und die kann man auch als „Großer“ ganz prima selber lesen. tk

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… der eigene oder ein Fremd-Papa:

peanuts1Die Peanuts Werksausgabe 1 (1950-1952), 2 (1953-1954)
Charles M. Schulz
Carlsen Comics
jeweils 29,90 Euro

Die Peanuts von Charles M. Schulz hat sicher auch euer Vater gerne gelesen. Der freut sich bestimmt über die wunderschöne Peanuts-Gesamtausgabe, deren erste zwei Bände soeben bei Carlsen erschienen sind und die jedes Jahr um zwei weitere Bände ergänzt wird. tk

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corto-maltese5Corto Maltese 5: „Die Äthiopier“
von Hugo Pratt
Kult Editionen
24,95 Euro

Ich muss gestehen, ich kenne diese neue, kolorierte Ausgabe nicht, weil ich kein Rezensionsexemplar bekommen habe (grummel). Aber ich kenne zumindest die französische Schwarz-weiß-Ausgabe, und – sei’s drum: Jeder Band der Corto-Maltese-Reihe ist eine Empfehlung, egal ob Rezi-Exemplar oder nicht.
Hugo Pratt ist einer der wichtigsten nicht mehr lebenden Comickünstler überhaupt. Seine Figur des durch die Welt ziehenden Kapitäns ohne Schiff, Corto Maltese, erlebt eine Reihe von Abenteuer, die zwischen realem Kriegsgeschehen und mysteriösen, magischen Begebenheiten irisieren. „Die Äthiopier“ ist einer der besten Bände der Serie, er versammelt eine Handvoll Kurzgeschichten, die das gesamte Oeuvre eines – von mir übrigens durchaus verehrten – Karl May einfach beiseite wischen. Grafisch Aufsehen erregend! Wichtig! sw

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… die/eine Freundin:

cc3Courtney Crumrin 1-3
von Ted Naifeh
Eidalon/Modern Tales
9,90 bzw. 11,90 Euro

Die Reihe um die missmutige, angehende Zauberin Courtney Crumrin wurde vor kurzem – vorerst – abgeschlossen. In einer angenehm subjektiven, aber nicht einfältigen Art schlägt sich Ted Naifeh auf die Seite der Außenseiterin, und es macht immer wieder Spaß, wenn Courtney ihrer gehässigen Umwelt eine Lehre erteilen kann. Er lässt seine Protagonistin aber auch schwerwiegende Fehler machen – sie ist keine unantastbare Hauptfigur, sondern ein Mädchen, das noch viel lernen muss. Deswegen ist diese Serie trotz der mitunter putzigen Zeichnungen nichts für Kinder, sie würden die Hintergründe und Verflechtungen nicht verstehen.
Der dritte Band schwächelt aufgrund seines verlagerten Fokus etwas im Gegensatz zu den grandiosen ersten beiden, trotzdem ist das ein tolles Paket zum Verschenken, das mit Sicherheit gut ankommen wird bei allen Mädels, die zumindest ein bisschen Fantasie haben. fp

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love1Love as a Foreign Language 1
von Joseph Torres, Eric Kim
Eidalon/Modern Tales
11,90 Euro

Und noch eine Serie von Modern Tales, die ich guten Gewissens als mädchenkompatibel empfehlen kann (obwohl auch mit Sicherheit Männer ihre Freude dran haben werden!).
Spricht Courtney Crumrin eher die düstere, pessimistische Seite in einem an, so ist Love as a Foreign Language genau das Gegenteil. Der erste Band ist ein Guter-Laune-Comic, der einen mitleiden (und mitfreuen) lässt, wie sich der frustrierte Englischlehrer Joel im fremden Korea plagt. Er möchte nach Ablauf seines Vertrages unbedingt wieder zurück nach Hause – bis er der neuen Sekretärin begegnet, die auf einmal das schreckliche Land gar nicht mehr sooo schrecklich erscheinen lässt …
Klingt alles ziemlich käsig, ist aber intelligente, leichtfüßige, witzige und absolut kurzweilige Unterhaltung. Band 2 ist für April 2007 angekündigt. fp

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… ein guter Kumpel:

didi_stulle6Didi & Stulle 6: Der Plan des Gott
von Fil
Reprodukt
7,- Euro

Was schenkt man dem Kumpel, mit dem man dauernd Kneipentouren unternimmt, unfeine Witze austauscht, an der Playstation zockt und alberne Horrorfilme guckt?
Unbedingt Didi & Stulle!
Vorzugsweise den neuesten Band, „Der Plan des Gott“. Da passt der Titel schon super zu Weihnachten.

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mufi5Die kleinen Mutterficker 5: Life @ St. Quentin
Dinter Bros.
Zwerchfell
10,- Euro

Eine der schönsten Parodien auf Neusprech, Hip-Hop-Dicke-Hose, Grufties und Möchtegerns. Hier kriegen ein paar Jugendkulturen ordentlich ihr Fett weg. Mit etwas zeitlichem Abstand zu seinen eigenen Teenie-Tagen ist der Band nur zum Genießen – und gelegentlichem, peinlich berührten Kopschütteln, falls man sich doch irgendwo wiedererkennen sollte. Aber das muss man ja nicht zugeben. fp

MuFi 5 kann auch im ICOM Independent Shop bestellt werden.

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… in seinen/ihren Zwanzigern und hat ein Faible für Popkultur und witzige Dialoge:

ganz_gleichGanz gleich
von Derek Kirk Kim
Reprodukt
12,- Euro

Hier haben wir es mit einem Künstler zu tun, der sich so richtig darauf versteht, das Lebensgefühl der Generation 20+ einzufangen. Die Figuren, die er auf einen kleinen Roadtrip mit überraschendem Ausgang schickt, sind sympathisch-neurotisch und trotz ihrer humorvollen Diskussionen mangelt es der Geschichte nicht an Tiefe. Gepaart mit dem klaren und ansprechenden Zeichenstil, einem Mix aus Manhwa und US-Independent, ergibt das einen schönen Comic-Band zum Immer-wieder-Lesen. av

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… ein Musikfan:

interview_popcomics2Inter View 1 – Pop Comics Vol. 2, Nr. 1
von Jörg Scheller, Christopher „Piwi“ Tauber und Gastzeichnern
Ehapa Comic Collection
13,- Euro

Denjenigen eurer Freunde, die sich keine Comics kaufen, weil sie das ganze Geld für CDs und Konzerte ausgeben, schenkt ihr am besten Inter View – Pop Comics. Dort finden sie dann die ganzen Musikhelden wieder, die sie aus ihren Musikzeitschriften kennen: von Promis wie Farin Urlaub oder Lemmy bis hin zu eher unbekannten Acts wie Saalschutz oder Good Heart Boutique. tk

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cashCash – I see a darkness
von Reinhard Kleist
Carlsen Comics
14,- Euro

Johnny Cash, der Man in Black, könnte der erste Hardrocker der Welt gewesen sein. Mit Gitarre und Geschichten im Gepäck zog er aus, um die Countrymusic für immer zu verändern. Doch der Erfolg hatte auch Schattenseiten, wie Reinhard Kleist in seiner fabelhaften Biographie erzählt. Wer noch etwas Geduld hat (bis März 2007), der kann sich die limierte Luxusedition bei Edition 52 (mit CD, Hardcover mit neuem Motiv und signiertem Druck) vorbestellen.
Und warum eigentlich immer Schwarz? Wollen wir warten, bis es was Dunkleres gibt? cb

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… ein Entdecker:

shenzhenShenzhen
von Guy Delisle
Reprodukt
18,- Euro

Bei Zeitgenossen, die gerne Neues entdecken, liegt man mit Shenzen sicher richtig. Guy Delisles Erzählungen von seinem beruflichen Aufenthalt in China sind stilistisch und erzählerisch ungewöhnlich, und auch Schauplatz und Handlung sind ziemlich exotisch. Und ganz nebenbei macht die Lektüre dieses Comics auch sehr viel Spaß. tk

Guy Delisles Reisebericht von seinem beruflich bedingten Chinaaufenthalt, wunderbar biografischer Comic, der auch Nicht-Comickundige fesseln wird. bv

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giraffenkunst2007 Kalender: Giraffen-Kunst-Cartoons 2007
von Martin Mißfeldt
Duplicon
11,95 Euro

Wer kunstinteressierte und gleichzeitig aufgeschlossene Freunde hat, der macht sie vielleicht mit diesem ungewöhnlichen Kalender glücklich. Der Künstler Martin Mißfeldt  hat sich 13 bekannte Gemälde aus diversen Epochen vorgeknöpft und sie mit seinen Giraffenhälsen neu interpretiert. Die Bezeichnung „Cartoon“ darf dabei nicht in die Irre führen – es handelt sich um Illustrationen, in denen er den Stil des jeweiligen Malers adaptiert.
Auf seiner Website dynoxicon.de kann man die neuen Motive mit den Originalen vergleichen sowie handsignierte Kalender bestellen. fp

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… ein Krimi-Fan:

120ruedelagare120, Rue de la Gare
von Jacques Tardi
Edition Moderne
29,80 Euro

Die erste große und vollkommen überzeugende Romanadaption eines der wichtigsten lebenden Comickünstler überhaupt. Tardi brilliert in Überlänge mit seiner knollengesichtigen Hauptfigur Nestor Burma, mit den klügsten, vielschichtigsten Schwarz-Weiß-Zeichnungen, mit einem Krimi, der nicht nur unterhält, sondern auch in die abscheulichen Tiefen unserer europäischen Geschichte und Gesellschaft führt. Ein typischer Tardi, vielleicht der beste Tardi.
Schon allein die Tatsache, dass Edition Moderne diesen Comic in einer günstigen Gesamtausgabe wieder aufgelegt hat, ist wie Weihnachten. Warum soll man es dann nicht auch sich selbst oder anderen schenken, wenn’s doch schon wie Weihnachten ist? sw

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die_offenbarung Die Offenbarung
von Paul Jenkins, Humberto Ramos
Carlsen Comics
18,- Euro

In dieser abgeschlossenen Erzählung werden Geheimnisse im Vatikan zu Tage gefördert, als Detektiv Charlie Northern einen vermeintlichen Selbstmord untersuchen soll. Paul Jenkins und Humberto Ramos (beide waren vielleicht nie besser als hier) gelang es dabei, unheimliche Spannung zu erzeigen. Für Freunde des Thrillers, der auch mal ins Übernatürliche abgleiten darf, also eine perfekte Gelegenheit, sich diesen schicken HC-Band selber schenken zu lassen. bv

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… ein Superheldenleser:

young_avengers1 Young Avengers
Jim Cheung , Allan Heinberg
Marvel/Panini
14,95 Euro

Die kleine Version des großen Marvelteams, den „Rächern“, liest sich in der eigenständigen Serie sehr gut. Dabei lösen sich etliche Geheimnisse um die Titelhelden selbst, die man so sicher nicht erwartet. Ein echter Lichtblick unter dem oft durchschnittlichen Superheldenmaterial. Zwei Sonderbände sind bislang erschienen. bv

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… ein Liebhaber des Crime Noir:

Sin City 1-7
Frank Miller
Cross Cult
Preis: diverse

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Torpedo 1
E.S. Abuli, Alex Toth und
Jordi Bernet
Cross Cult
18,- Euro
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sincity7 Zu den beiden Serien gibt es nicht mehr viel zu sagen, beide sind Klassiker.

 

Sin City hat gerade den vorerst letzten deutschen Band erreicht, womit sich dem liquiden Verschenker die gute Gelegenheit ergibt, seinem besten Freund, der bislang vielleicht Millers Werk nur aus dem Kino kannte, gleich mit den kompletten sieben Büchern zu beglücken!

Gerade erst begonnen hat dagegen die fünfteilige Gesamtausgabe von Torpedo, in der es ähnlich kriminell zugeht. Tolle Zeichnungen, harte Shortstories, für den erwachsenen Anspruch. bv

 

torpedo1Leben in Little Italy ist hart. So hart wie Luca Torelli, den alle nur „Torpedo“ nennen. Er ist die Speerspitze des Organisierten Verbrechens, ein Profikiller der Mafia, ein harter Kerl.
Hart geht es natürlich auch zur Sache im ersten Band der wunderschönen Neuauflage von Cross Cult.
Bräute, Bier und Blaue Bohnen – oder war das ein anderer? cb

 

 

… ein ernsthafter Fußballfan:

90minuteDie 90. Minute
von Sascha Dreier
Tropen Verlag
14,80 Euro

Klamaukige Fußballer-Comics gab es im Vorfeld der WM ja genug. Bei diesem Band kommen endlich die Leute zum Zug, für die der Sport mehr als nur eine Spaßangelegenheit ist, denn hier werden fünf „dramatische Schlussphasen der (deutschen) Fußballgeschichte“ originell und völlig subjektiv nacherzählt. Wahre Fans werden diesen Comic lieben – und Schalke-Anhänger bei der letzten Geschichte Tränen in den Augen haben. Versprochen. av

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… jemand, der einen schönen Kaffeetisch (oder hohe Regale) hat:

new_frontierAbsolute DC: The New Frontier (Hardcover, englisch)
von Darwyn Cooke
DC Comics
56,45 Euro

Darwyn Cookes Story vom Ende des Golden Age bis zur Gründung der Justice League of America ist nicht nur zeichnerisch ein Genuss, sondern liegt hier auch in Form eines wunderschön gestalteten Überformat-Hardcover-Backsteins im Schuber vor, der die Geschichte erst so richtig zur Geltung kommen lässt. und hintendrauf noch mit einer opulenten Sketchbook Section aufwartet.
Kann man – nach dem Lesen – auch mal auf dem Couchtisch liegen lassen. Nur so zum Da-liegen-und-gut-aussehen. sd

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pe4… jemand, der deutscher Comicszenekenner werden will:

Panik Elektro 4: Mein größter Fehler
Hrsg.: Wittek
Schwarzer Turm
18,- Euro

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flitter1Flitter 1: Kleiner als das Leben, größer als die Realität
Hrsg.: Kai Pfeiffer
Avant-Verlag
16,- Euro

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Panik Elektro: Was jährlich erscheint und so genial ist, muss auch alle Weihnachten wieder auf den Wunschzettel der
1. zu Bekehrenden, die denken, gute Comiczeichner gäbe es nur im Ausland, oder
2. der tief in der Materie steckende Sammler von Indie-Comics, der hier die voll fette zum Jahresende bekommt.
Eine fette Sammlung, zum vierten Male, auf vielen Seiten mit unterschiedlichsten Künstlern viel zu schmökern.

Auch der Berliner Avant-Verlag begibt sich auch auf die Spuren deutschsprachiger Künstler und stellt mit dem Band Flitter verschiedene Comicerzähler der neueren Generation vor. Mawil, Bellstorf, diceindustries, Hommer, Pfeiffer, Stoltz und andere in interessanten Geschichten.
Sehr schöner Band. bv

… egal wer:

bone1 Bone 1: Flucht aus Boneville (Collectors Edition / in Farbe)
von Jeff Smith
Tokyopop
10,- Euro

Man kann es sich mit den Geschenken dieses Jahr auch leicht machen: Einfach eine Palette von Bone-Bänden kaufen und an ALLE verschenken. Die Zufriedenheitsquote dürfte ziemlich hoch sein, denn diese fantasievolle und witzige Kult-Serie ist für so gut wie jeden was, von der Manga lesenden Cousine bis zum Opa, der noch eine alte Micky-Maus-Sammlung im Keller hat. Und selbst Besitzern der bereits vor einer Weile bei Carlsen erschienenen Schwarz-Weiß-Ausgabe kann man das schön gemachte, handliche Hardcover mit gutem Gewissen unter den Tannenbaum legen. Die neue, aufwändige Kolorierung ist nämlich der perfekte Grund für ein Wiederlesen.
Wer sich nicht über Bone freut, sollte nächstes Jahr am besten ganz von der Geschenkeliste gestrichen werden! av

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calvin_hobbes1Calvin und Hobbes (Neuedition)
von Bill Watterson
Carlsen Comics
je 12,90 Euro

Bill Wattersons Elternschreck Calvin geht wieder auf die Pirsch – bis jetzt sind fünf Bände der Neuedition erschienen. Mit dabei ist wie immer sein Plüschtiger Hobbes, der in seiner Fantasie zum Leben erwacht. Gemeinsam liefern sich die beiden Wortgefechte und Sprachduette.
Sie sind Ikonen des amerikanischen Comic Strips, die ihresgleichen suchen. Das Universum, abgebildet auf eine amerikanischen
Vorstadt, und ein Junge, der es verstehen möchte. Witzig, frech und geistreich. cb

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… ein Comicnarr, der eh schon alles andere hat:


best_american_comics2006 The Best American Comics 2006 (englisch)
von Anne E. Moore, Harvey Pekar
Houghton Mifflin Company
18,60 Euro

Heutzutage, und besonders zu Weihnachten, behaupten ja viele, dass sie eh schon alles haben. Inwieweit das auch auf Comicleser zutrifft, kann ich nicht genau sagen. Mit The Best American Comics 2006 als Geschenk ist man da auf jeden Fall auf der sicheren Seite, denn man verschenkt mit diesem Buch mehr als nur einen Comic, sondern vielmehr eine Vielzahl von kleinen sonderbaren Geschichten. So lassen sich in dem Band Größen wie Robert Crumb, Chris Ware und Joe Sacco finden, neben denen aber immer noch genug Platz für junge Künstler wie z.B. Rebecca Dart mit ihrem Rabbithead bleibt. Das Schöne an Anthologien ist, dass sie ein bisschen wie Antiquariate sind: es ist egal was man gesucht hat, denn man findet ganz sicher etwas anderes, von dem man zunächst gar nicht wusste, das es einem fehlt. Helft anderen Comiclesern das zu finden, was sie nicht suchen. Auch sehr gut geeignet für Nicht-Comicleser, falls es solche Leute noch gibt.

Und falls man dann doch schon alles in diesem Band kennt, sollte man einfach eine der folgenden Anthologien verschenken: Ivan Brunettis An Anthology of Graphic Fiction, Cartoons, and True Stories, McSweeney’s Quarterly Concern 13 oder einfach gleich Kramer’s Ergot 6. dw

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Bildquellen: Comiccombo.de außer Bone 1 (tokyopop.de), Die kleinen Mutterficker 5 (zwerchfell.de), Absolute DC: The New Frontier (beaucoupkevin.com), Torpedo 1 (crosscult.de)

Aya

 Ein Mädchen aus einer Region, die wir in der Regel nur aus Krisenmeldungen in den Fernsehnachrichten kennen, emigriert nach Frankreich. Später, als junge Frau, erzählt sie vom Leben in dem Land, aus dem sie stammt – in Comicform. Das klingt ganz nach der Iranerin Marjane Satrapi, die mit Persepolis eine Erfolgsstory geschrieben hat. Die Rede ist hier jedoch von Marguerite Abouet. Sie stammt von der Elfenbeinküste, Aya ist ihr erster Comic.

Gemeinsam mit dem französischen Zeichner Clement Oubrerie erzählt Abouet vom Alltag junger Ivorerinnen und Ivorer Ende der 70er Jahre. Aya und ihre Freundinnen leben in Yopougon, einem Stadtteil von Abidjan, der größten ivorischen Stadt. Sie wohnen noch bei ihren Familien, sind noch nicht erwachsen, aber auch keine Kinder mehr. Und wie fast alle Teenager dieser Welt sind sie neugierig auf das Leben, wollen Spaß, Partys und Jungs.

Doch das Leben in Yopougon ist ein bisschen anders als in Westeuropa. Die vielköpfigen Familien werden patriarchalisch von den Vätern regiert und ernährt, die Frauen führen den Haushalt und auch die Mädchen Adjoua und Bintou haben sich bereits mit ihrer künftigen Rolle abgefunden. Ihnen geht es darum, einen möglichst reichen Ehemann zu finden und vorher noch soviel Spaß wie möglich zu haben. Aya ist da ein wenig anders: sie hat Ehrgeiz, will studieren und Ärztin werden. Für Jungs interessiert sie sich nicht so sehr.

Der Comic, dessen Handlung in einer Folge von kurzen, lose zusammenhängenden Episoden erzählt wird, lebt vom Gegensatz zwischen der ernsthaften, verantwortungsbewussten Aya und ihren (allzu) lässigen Freundinnen. Sie mögen Aya vielleicht spießig finden, aber letzlich sind sie selbst die eigentlichen Spießer. Den Abschluss und Höhepunkt der Graphic Novel bildet eine Hochzeit, die aber ganz und gar nicht glamourös ausfällt …

Aya, in Frankreich in Form von zwei Alben erschienen, auf Deutsch in einem (etwas verkleinerten) Hardcover-Band veröffentlicht, gewann Anfang dieses Jahres auf dem Comicfestival in Angoulême den Preis für das beste Newcomer-Album. Den Juroren dürfte vor allem die Frische und Unverbrauchtheit der Geschichte, ihrer Personen und auch der Zeichnungen gefallen haben. Clement Oubrerie zeichnet in einem einfachen, aber wirkungsvollen Strich, der, manchmal ein wenig krakelig, an die Bilder von Manu Larcenet (Der alltägliche Kampf) erinnert.

Beim oberflächlichen, schnellen Durchlesen von Aya dürfte man etwas enttäuscht sein, da die Geschichte wie gesagt eher episodenhaft und ohne straffen Handlungsbogen erzählt wird. Zudem wirken einige Figuren, vor allem die männlichen, allzusehr wie klischeehafte Abziehbilder. Der Comic gewinnt aber sehr viel, wenn man zwischen den Zeilen bzw. zwischen den Panels liest: denn ganz nebenbei, ohne dozierend zu wirken, vermittelt Marguerite Abouet ein Bild von der Alltagsgesellschaft der Elfenbeinküste. Das zeigt uns einerseits, dass Afrika nicht nur aus Hungersnöten und Bürgerkrieg besteht, auf der anderen Seite aber auch keine exotische heile Welt ist.


Aya
Carlsen Comics, November 2006  
Text: Marguerite Abouet
Zeichnungen: Clement Oubrerie
112 Seiten, farbig, Harcover; 14,90 Euro
ISBN: 3-551-73711-8

  ungewöhnlicher Comic mit leichten Schwächen in der Dramaturgie

 

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Tosca

tosca Es gibt eine Menge Mafia-Filme, von Der Pate über Donnie Brasco bis Mickey Blue Eyes oder gar Bullets over Broadway. Das Schöne an ihnen ist, dass sie alle mit Figuren arbeiten, die man bereits kennt: der Pate, der Anwalt, der Killer, die schöne Tochter des Paten etc. Schwarze Anzüge, schwarze Sonnenbrillen und schwarze Limos gehören zur Ausstattung der famiglia, und dem Paten ist das Pokerface wenn nicht angeboren, so doch antrainiert, oder, wie im Falle des Comics Tosca, chirurgisch ins Gesicht gepflanzt.

 

Tosca ist ein weiterer Mafia-Film, bin ich versucht zu sagen. Es ist zwar ein Comic mit allem, was dazu gehört – Bilder, Sprechblasen und ein wenig Onomatopöie -, aber beim Lesen hatte ich den Eindruck, Der Pate, Teil 7 oder 8, anzugucken. Die drei Alben lange Geschichte, die hier in einem Sammelband präsentiert wird, beginnt damit, dass ein Mann seinen Bruder rächt, der an einer Überdosis Drogen gestorben ist. Er erschießt auf der Straße zwei Drogendealer und wird dafür zum Tod verurteilt. Doch der DEA-Agent (U.S. Drug Enforcement Administration) Harvey Clegg inszeniert seinen scheinbaren Tod und rekrutiert ihn als Handlanger. Er wird operativ in den Patensohn John Tosca verwandelt, der mit seiner Familie gebrochen hat und als ordentlicher Student sein Leben verbringt. Der wahre John Tosca wird beseitigt und durch den falschen ersetzt, der sich bei seinem Vater meldet und ein Versöhnungstreffen vereinbart.

Doch bevor sich Vater und Sohn sehen, wird der Chef des Tosca-Clans ermordet. Der falsche John muss notgedrungen das Erbe antreten. Das ist keine leichte Aufgabe, da der fortschrittliche Paliacci-Clan mit neuen Methoden dabei ist, den Drogenmarkt komplett zu übernehmen. John Tosca bietet Paliacci die Zusammenarbeit und einen Deal an, den der fortschrittliche Pate auf ganz altmodische Weise besiegeln will: John soll seine Tochter Angelina heiraten. John ist mit diesem mittelalterlichen Vertragsabschluss einverstanden, zumal er Angelina bald kennen lernt und die beiden sich ineinander verlieben.

Das ruft allerdings Cicero, auch Carlo genannt, den Haus- und Hofkiller der Paliaccis, auf den Plan, den Geliebten Angelinas, der seinem Namenspatron aus der Renaissance, Carlo Gesualdo, nacheifert. Dieser ertappte seine Frau und ihren Liebhaber auf frischer Tat und erschlug sie. John Tosca sieht sich nun vielen Bedrohungen gleichzeitig ausgesetzt: Er muss den Attentaten Ciceros entgehen, und er muss die von ihm herbeigeführte Razzia bei den Paliaccis überleben, bei der ein Mega-Drogendeal aufgedeckt werden soll. Schlussendlich muss er dem Agenten Clegg entkommen, der ihn nach getaner Arbeit der Bequemlichkeit halber ausschalten möchte.

 

Wie schon gesagt, das liest sich alles ganz hervorragend, so, wie sich ein Pate-Film ansehen lässt. Das Ganze wird souverän und unaufgeregt erzählt, mit wohlgesetzten Spannungsbögen versehen, intelligente Dialoge, überzeugende Figuren, alles sehr tadellos – vorausgesetzt man mag das Genre, und vorausgesetzt, man ist bereit, sich altbekannte Figurenkonstellationen und Handlungsversatzstücke noch mal neu und ein wenig variiert vorsetzen zu lassen. Denn Tosca bietet in dieser Hinsicht zwar den ein oder anderen neuen Einfall, aber nichts Grundlegendes und auch nichts Umwerfendes. Oder anders gesagt: Die Geschichte ist spannend und unterhaltsam, obwohl man die einzelnen Elemente so oder so ähnlich schon kennt.

 

Ein großes Plus an der Sache ist eine feine Note unterschwelligen Humors. Die Autoren lassen hin und wieder durchblicken, dass das Ganze nicht so bierernst gemeint ist. Vor allem zeigt sich das in dem bösen Zynismus, der John und Angelina antreibt und ihre überschwängliche Liebe konterkariert, und der nicht ins Klischee der großen Mafia-Epen passt.

 

Francis Vallès macht seine Arbeit als Zeichner sehr gut, seine Hintergründe schaffen einen realistischen, detailfülligen Rahmen für die klar erzählte Handlung. Die Figuren sind ebenfalls sehr klar gezeichnet, ohne dabei steif zu wirken. Insgesamt strahlt die Optik eine erfrischende Eleganz aus, die den Eindruck, man würde einen Film gucken, unterstreicht. Was übrigens nicht heißt, dass der Comic in enervierendem Maße filmische Schnitttechniken zum Einsatz brächte.

 

Lobend muss auch die Kolorierung von Marie-Paule Alluard erwähnt werden, die zum eleganten Äußeren dieses Comics sehr erheblich beiträgt. Und die Aufmachung verdient ebenfalls ein Lob. Das relativ großformatige Hardcover (größer als die üblichen Softcoveralben; dasselbe Format, das die Alben des neuen Splitter Verlags haben) ist den Augen eine Freude. Die Autoren kriegen im Anhang jeweils ihre eigenen Personenakten des DEA, genau wie die Hauptfiguren auf dem Rückcover. Eine kleine Covergalerie am Ende vermittelt abschließend noch einmal die Atmosphäre, in der sich diese Geschichte abspielt: Schwarze Anzüge, schöne Patentöchter und geladene Pistolen – sexy.

 

Ein Punkt, den ich persönlich etwas mühsam finde, sei abschließend angemerkt: Dass der Killer Cicero die Geschichte seines Namenspatrons Carlo Gesualdo referiert, ist ja schön und gut. Aber was hat ein Renaissancemensch in einem Mafia-Comic zu suchen? Freilich, er ist berühmt, dieser Gesualdo, aber ist es zwingend, dass er zum tausendsten Mal wegen des Totschlags an Frau und Liebhaber herhalten muss? Und weiß überhaupt einer, dass die eigentliche Leistung dieses Menschen nicht Mord und Totschlag waren, sondern die fast modern anmutende Perfektionierung der so genannten Chromatischen Motette? Wer von den Tausend, die über seinen Inflagranti-Totschlag fabuliert haben, hat jemals eine Motette von Gesualdo gehört, ist sich dessen eigentlicher musikgeschichtlicher, künstlerischer Leistung bewusst geworden? Das ist so wie mit seinem Komponistenkollegen Jean Baptiste Lully: Keiner hat einen Ton seiner Werke gehört, aber jedermann weiß, dass er an einer Verletzung starb, die er sich mit seinem Dirigierstock aus Versehen zugefügt hatte. Damit muss man wohl leben: Sensationsgeilheit statt Kunstbeflissenheit. Was soll sich ein Mafia-Killer schon mit Chromatischen Motetten auseinander setzen?
Ich bin mir durchaus bewusst, dass diese Bemerkung vollkommen überflüssig war, aber ich hatte noch eine Scharte aus meiner Rezension zu Quintett 1 + 2 auszuwetzen, in der meine Lücken im Fach Instrumentenkunde so schmerzhaft zu Tage traten. Das ist hiermit überflüssigerweise geschehen.

Bleibt zu sagen, dass Tosca sehr zu empfehlen ist für all diejenigen, die gern mal einen Mafia-Film im Comic lesen möchten: Intelligent, spannend, witzig und schön aufgemacht.

 

Tosca Gesamtausgabe
Epsilon, Mai 2006
Text: Stephen Desberg
Zeichnungen: Francis Vallès
Kolorierung: Marie-Paule Alluard
144 Seiten, farbig, Hardcover; 30,- €
ISBN 3-932578-86-4

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Bildquelle: epsilongrafix.de