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Hellblazer 1 – Hölle auf Erden
Trenchcoat, schlechte Rasur, Zigarette: John Constantine ist eine Ikone des amerikanischen Horror-Comics. Dabei ist der ironische Einzelgänger eigentlich Engländer durch und durch. Kaum ein anderer kennt sich mit Schwarzer Magie besser aus als er. In seinem neuesten Hellblazer-Abenteuer Hölle auf Erden erkundet er altbekanntes Terrain zwischen dem Inferno und dem Diesseits.
Autor Mike Carey und Zeichner Leonardo Manco erzählen die Geschichte einer eigentümlichen Seuche, die überall auf der Welt um sich greift. Die Krankheit lässt Menschen ins Koma fallen und ist offensichtlich dämonischer Natur. Wo die Ärzte vor einem unlösbaren Rätsel stehen, fängt die Arbeit von Constantine an. Die Nichte seines alten (und vielleicht einzigen) Freundes Chas ist ebenfalls betroffen. Die Angelegenheit ist also persönlich, und Constantines Motivation entsprechend hoch. Dennoch lässt er sich davon nichts anmerken. Die Nerven zu verlieren – das passt nicht zu einem Kerl wie John. Coolness ist Teil des Geschäfts.
Nach einem kurzen Vorgeplänkel in London begibt sich der Straßenmagier schließlich auf die Suche nach dem Ursprung der Seuche. Die Reise führt ihn nach Los Angeles, in die Stadt der Engel. Chas begleitet ihn, macht den Chauffeur und sorgt für so manchen Fehltritt, wenn Johns Gebahren einmal allzu glatt abläuft. Constantine findet heraus, dass die Hölle expandieren und in L. A. Filialen aufmachen will. Der Dämon Beroul, der es sich in einer verfallenen Villa in den Hügel bequem gemacht hat, benötigt dafür Johns Hilfe. Denn die Hölle ist vielgestaltig, und mehr als ein Seelenknechter möchte in Kalifornien Fuß fassen. Beroul hätte das Revier gerne für sich alleine und die Konkurrenten aus dem Weg. Die Seuche benutzt er als Druckmittel, um John für sich arbeiten zu lassen. Beim Poker um die Hölle von Los Angeles sitzt jedoch noch ein anderer Spieler am Tisch. John bringt den aztekischen Totengott Mictlantecuhtli mit in die Runde. Und der hat nicht vor, Berouls infernalischen Vormarschplänen tatenlos zusehen.
Obwohl es Spaß macht, Constantine dabei zu begleiten, wie er wieder einmal eine Partei gegen die andere ausspielt, bleibt Hölle auf Erden leider nur ein durchschnittliches Horror-Szenario. Irgendwie hat man stets das Gefühl, dass Constantine alles im Griff hat. Dabei gehört er eigentlich auf das zitternde Drahtseil, das die Hölle und die Welt der Menschen überspannt. Frühere Geschichten über den britischen Straßenmagier ließen ihn mehr wanken, das Szenario erschien insgesamt bedrohlicher. Kurz vor dem Abgrund, wo Dämonen sich die Lippen nach seiner Seele lecken, dort sollte Constantines Stammplatz eigentlich sein. In Hölle auf Erden ist er schnippisch, cool und lässig wie immer, aber so richtig nah am Abgrund steht er nicht.
Hölle auf Erden ist im März bei Panini Comics erschienen. Zum ersten Mal wurde die Geschichte in englischer Sprache unter dem Titel All His Engines veröffentlicht (Juli 2006, bei DC/Vertigo).
Hellblazer 1 – Hölle auf Erden
Panini, März 2007 (Leseprobe bei DC)
Text: Mike Carey
Zeichnungen: Leonardo Manco
128 Seiten, vierfarbig, Softcover; 16,95 Euro
ISBN: 9783866073722

Heldentage
Nachdem Felix „Flix“ Görmann in den letzten Jahren bereits drei mehr oder minder autobiografische Bände, nämlich Held, Sag was und Mädchen bei Carlsen vorlegte, erschien jetzt beim selben Verlag ein dicker Sammelband mit Strips in Form eines gezeichneten Tagebuches.
Es begann als Wette, die Flix herausforderte, ein halbes Jahr am Stück jeden Tag eine Seite (meistens 1-4 Panels) zu zeichnen. Doch auch nach dem Gewinn jener Wette (es ging natürlich um Bier) hielt der Berliner die Motivation aufrecht und führte das Projekt konsequent weiter. Heldentage ist demnach ein Mammutwerk geworden, mit einem kompletten Jahr privater Erzählung und Freizeitphilosophiererei. Die darin verarbeitet Qualität konnte man, gerade weil die Strips als Nebenprojekt liefen und weil es die strikte Vorgabe des täglichen Zeichnens einzuhalten galt, von einem kreativen Kopf wie Flix höchstens erhoffen, aber kaum erwarten.
Der Inhalt lässt sich mit dem Rückentext bestens zusammenfassen, denn da steht: „Dieses Buch erzählt kein großes Abenteuer, zumindest, wenn man annimmt, dass der Alltag kein großes Abenteuer ist…“
Für sich genommen wissen die kleinen, alltäglichen Geschehnisse nicht viel Spektakuläres zu berichten. Flix erzählt genau von den Dingen, die ihn an dem jeweiligen Tag am meisten bewegten. Er thematisiert immer wieder die Liebe zu seiner Freundin, wobei die geführten Kommunikationsabläufe zwischen beiden sich wunderbar verfolgen lassen und ein sehr vertrautes Bild von der Beziehung der beiden vermitteln. Immer wieder kehren die kleinen Episoden zu bestimmten Themen zurück, so etwa die regelmäßigen Treffen mit dem Carlsen-Redakteur, vor denen häufig die Angst steht, die schwierige Arbeit am dritten längeren Comic Mädchen, die Erlebnisse auf Messen oder die Schilderung der eigenen Gemütslage. Flix beweist seine grandiose Beobachtungsgabe, die er gepaart mit klarem, präzisen Strich und einer hintergründigen Herangehensweise zu nutzen weiß. Dabei scheut sich der Künstler nicht, Persönliches preiszugeben und reflektiert sein beruflich wie privates Leben auf lockere Art und Weise.
Insgesamt gesehen ist es der Zusammenhang zwischen den Seiten, der Heldentage stark macht. Erzählt wird keine Fiktion und kein bestimmter autobiografischer Abschnitt des Zeichners, sondern das komplette Jahr 2006 aus dem Blickwinkel eines großartigen deutschen Comicschaffenden. Flix' Nebenprojekt besticht also mit dem Konzept eines Comictagebuches, das nie langweilig ist und auch auf den Seiten, auf denen keine Idee Ausdruck findet, mit eben solcher offen zugegebenen Lust-, Ideen- oder Zeitlosigkeit gekonnt und spielend umgeht. Das macht dieses Buch vielleicht zum bislang bemerkenswertesten Werk von Flix.
Heldentage
Carlsen Comics, April 2007
Text und Zeichnungen: Flix
376 Seiten, 18 ,- Euro
ISBN-10: 3551786461

Strichnin 1
Dass Comics inzwischen an den Hochschulen angelangt ist, ist nichts Neues mehr. An vielen Fakultäten, die sich mit Illustration, Design und ähnlichem beschäftigen, werden Comics gemacht. Künstler halten Seminare, Comics werden als Diplomarbeiten abgegeben, Anthologien werden veröffentlicht. Ein Großteil dieser Comics aus dem Hochschul-Umfeld trägt mehr oder weniger bewusst das Label Kunst vor sich her. Das Ergebnis ist dann oft interessant anzuschauen, aber inhaltlich gerne so verrätselt, dass sich Lesevergnügen eher nicht einstellt.
Ich fand es daher sehr erfrischend, dass bei Strichnin, dem neuen Comic-Projekt der FH Augsburg, eben nicht von Kunst die Rede ist, sondern drei andere Worte prominent auf dem Cover prangen: visuell – trivial – narrativ. Gerade der letzte Punkt, das Erzählen, wird von ambitionierten Comic-Künstlern nämlich gerne mal vernachlässigt.
Strichnin, das im Gegensatz zu anderen studentischen Comic-Projekten tatsächlich direkt von der Hochschule herausgegeben wurde, enthält Kurzgeschichten von zehn Studenten, die nach den losen Themenvorgaben „Schlaflos“ und „Hundstage“entstanden, und ist eine wilde Mischung. Von sehr straighten, unterhaltsamen Actiongeschichten über irrwitzige Spinnereien bis zu introspektiven Betrachtungen reicht die Bandbreite. Ein Teil der Geschichten könnte problemlos in Weissblechs Horrorschocker-Reihe passen, andere würde man eher im Strapazin erwarten. Dass in einer solchen Mischung nicht alle Beiträge jeden Leser ansprechen, ist klar. Zusammen geben die Beiträge kein rundes Bild ab, dazu sind sie zu verschieden. Einzeln betrachtet gibt es aber keinen Beitrag, den man als misslungen bezeichnen könnte.
Stilistisch ist Strichnin eine Wundertüte voller schöner Einfälle und mit einer enormen grafischen Bandbreite. Besonders begeistert hat mich der Beitrag von Carla Schostek, „Ullas Rätsel“, dessen Bilder ein bisschen so aussehen, wie wenn Tim Burton ein Bilderbuch für die Kinder der Addams Family gestaltet hätte.
Dass Absolventen von Studiengängen wie Kommunikationsdesign oder „Interaktive Medien“ im grafischen Ausdruck punkten können, ist ja nicht so überraschend. Das schöne an Strichnin ist gerade, dass in allen Beiträgen auch wirklich Geschichten erzählt werden, und so das Versprechen vom Cover, narrativ zu sein, auch tatsächlich eingelöst wird. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Teilnehmer keine Erfahrungen mit Comics hatte. Es wäre zu hoffen, dass zumindest ein Teil der Künstler soviel Spaß am Comic gefunden hat, dass er noch mehr Geschichten in dieser Form erzählen will.
Eine Fortsetzung des Strichnin-Projektes im kommenden Jahr ist bereits geplant. Man kann sich darauf freuen.
Strichnin, Ausgabe 1
FH Augsburg, Fakultät für Gestaltung
Verschiedene Künstler; April 2007
Herausgegeben von Prof. Mike Loos
96 Seiten; teilw. farbig; 8,50 Euro
Direkt bestellbar unter www.strichnin-comic.de
Das 2. Printmagazin von Comicgate
Nachdem wir uns letztes Jahr zum ersten Mal an das Experiment „Printmagazin“ gewagt haben, legen wir nach der größtenteils positiven Resonanz jetzt nach genau einem Jahr nach. Zum Comicfestival in München (7. bis 10. Juni) erschien die 2. Ausgabe des Comicgate-Magazins. Kurze Zeit später werdet Ihr sie auch in Eurem Comicladen erhalten oder aber zumindest bestellen können, da wir diesmal von Anfang an über den Fachhandelsvertrieb gehen.
Auch dieses Jahr erhaltet Ihr für fünf Euro auf 84 Seiten eine Mischung aus redaktionellen Texten und exklusiven Comicseiten, nach dem Vorbild unserer Website. Einen kleinen Wermutstropfen hat die Sache leider: die Innenseiten mussten wir aus Kostengründen diesmal komplett in Graustufen halten. Das DIN A5-Format, die Klebebindung sowie die dickeren Seiten haben wir beibehalten. Der Umschlag wird diesmal cellophaniert.
Texte:
- Interview: Marc-Oliver quetschte Ed Brubaker (Autor von Daredevil, Captain America, Catwoman, Sleeper, Criminal uvm.) aus; bevorzugt zu Themen, auf die noch nicht in anderen Interviews mit ihm eingegangen wurde. Die Veröffentlichung von zwei weiteren seiner Serien auf Deutsch wurde ja gerade angekündigt (Sleeper bei Cross Cult, Criminal bei Panini)
- Portrait: Christopher stellt Eduardo Risso (u.a. Zeichner von 100 Bullets, Vampire Boy) vor und band noch ein paar exklusive Antworten von ihm in das Portrait ein
- Artikel: Der eigene Comicladen – Frauke im Gespräch mit Händlern über ihre Anfänge sowie Blicke hinter die Kulissen
- Artikel: Die Stunde der Märchen – alter Stoff für frische Comics. Thomas gibt einen Überblick über die Verwendung von Märchenmotiven in Comics und hat einige Macher dazu befragt
- Artikel: DC Animated Universe – Qualität im Fernsehformat. Björn resümmiert die Ära von Bruce Timms hochwertigen Zeichentrickserien wie Batman – the Animated Series
- Comics für die Insel – Empfehlungen der Redaktion. Die Redaktion legt Euch diesmal wärmstens ans Herz: Sillage, Didi & Stulle, Katz & Goldt, Fell, Casanova, Local und Phonogram.
40 Seiten Comics von Bastian „Lapinot“ Baier, Irene Bressel, Oliver Hausen, Veronika „Véro“ Mischitz, Christopher „Piwi“ Tauber, Michael Vogt und unserem Helden und Retter in der Not Manuel Clavel (u.a. gibt es von ihm, zusammen mit Jan Dinter, ein neues Comic-Duett, diesmal über Civil War).
Wir würden uns sehr freuen, wenn Euch die Mischung wieder zusagt. Wie auch schon beim Erstling, so ist diese Ausgabe bewusst so konzipiert, dass sie nicht tagesaktuelle Themen aufgreift, sondern auch nach einem halben Jahr noch interessant zu lesen ist.
Natürlich gibt's das Heft nicht nur im Comicladen, sondern ist auch direkt hier bestellbar.
Und so geht's: Ihr füllt das u.a. Formular vollständig aus und schickt es ab. Danach bekommt Ihr üblicherweise innerhalb von 24 Stunden eine Mail mit unserer Bankverbindung und einem bestimmten Verwendungszweck. Wenn der Betrag auf unser Konto überwiesen wurde, geht das Heft per Büchersendung auf die Reise. Porto und Verpackung kosten Euch innerhalb Deutschlands 1,- Euro zusätzlich, für das restliche Europa 3,- Euro.
Wer die Nummer 1 aus dem vergangenen Jahr noch nicht hat, kann diese Ausgabe natürlich gerne mitbestellen. Das Heft kostet ebenfalls 5,- Euro.
Bestellformular:
{FacileForms : Vorbestellung_CGMag_2, 1 , 0}
Leseprobeseiten:
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