Mind the Gap

MTG Folge 5: Previews 07/2004

DARK HORSE:
Passend zum demnächst auch in Deutschland startenden Filmauftakt des roten Giganten bringen Mike Mignola und Dark Horse gleich eine Reihe von Hellboy-Comics heraus. Zu diesen gehört auch Hellboy: Weird Tales Volume Two TPB. Die hier gesammelten vier Ausgaben – ausgeschmückt mit Namen wie John Cassaday, P. Craig Russell, Scott Morse und Evan Dorkin – sollten nicht nur Fans sondern auch Neuankömmlinge in der B.P.R.D. erfreuen.

DC COMICS:
Ähnlich wie bei Marvel haben sich auch bei DC einige treue Künstler durch ihre Beständigkeit ausgezeichnet. Zu diesen gehören Jeph Loeb und Tim Sale, die mittlerweile schon einige Superhelden unter die Lupe genommen haben. Catwoman: When in Rome #1 schließt diesmal direkt an die Erfolge von „Batman: The Long Halloween“ und „Dark Victory“ an.

Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Comicverlag die Talente der Monty-Python-Truppe zu Nutze macht. John Cleese berät Autor Kim „Howard“ Johnson, um eine britisch-sarkastische Variante zu „Superman: Red Son of Krypton“ zu schreiben. Superman: True Brit HC spielt mit dem Bild des Helden. Auch wenn der alte Mann John Byrne nicht der kreativste Zeichner ist, wird es wohl doch noch ein netter Comic.

Wenn das nicht Strange ist: Adam Strange #1. Je länger man sich die Titel anschaut, die DC so publiziert, desto deutlicher wird, dass man seine Talente erst einmal bei Vertigo ausprobiert. Auch Autor Andy Diggle (“The Losers“, „Swamp Thing“) musste sich erst dort beweisen, bevor man ihm einen „großen“ Titel zugesteht.

Nicht nur die Aufmachung der Previews-Ankündigungen hat sich bei DC geändert, sondern auch die Einteilung. Ab jetzt erscheinen alle „All Ages“ Titel unter dem Namen „Johnny DC“. Das kleine Maskottchen steht für Batman Strikes #1, Justice League Unlimited #1 und Teen Titans GO! #1.

Geeks aller Welt, vereinigt euch. Michael Moorcock schreibt einen Comic. Genau, eben der Autor der „Elric“-Reihe und „Mother London“. Zusammen mit Zeichner Walter Simonson (“ORION“, „Mighty Thor“) erzählt er die Geschichte vom Aufstieg seines Helden Elric: The Making of a Sorcerer #1.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, John Constantine! Hellblazer #200 feiert Autor Mike Carey mit den Zeichnern Steve Dillon, Marcelo Frusin und Leonardo Manco. Drei mal erlebt unser Held den Horror der Ehe.

IMAGE:
Puttin‘ the Backbone Back ist ein Art Book der anderen Art. Zeichner Jim Mahfood (“Grrl Scouts“) gibt einen kleinen Einblick in sein Werk. Von musikinspirierten Zeichnungen bis hin zu leicht pornographischem Material bietet dieses Buch alles. Es scheint im ersten Augenblick etwas ungewöhnlich, da man nicht weiß, ob man die Skizzen von Jim Mahfood wirklich als Kunst deklarieren soll.

TOP COW:
Keine neue Idee! Dennoch blieb mein Auge bei Myth Warriors einen Moment stehen. Lange genug, um auf den Namen Robert Place Napton aufmerksam zu werden. Der Autor von Mangatiteln wie „Appleseed“ und „Macross“ hat sich für Top Cow an Kampfroboter gemacht, die Göttern nachempfunden wurden. In Wirklichkeit ist es aber das Cover, das sich irgendwo zwischen Joe Madureira und Ted McKeever bewegt, aber von Francis Manapul (“Witchblade“) stammt.

MARVEL:
Neu, neu und neu! Doctor Strange kommt den Berg hinunter. Links neben ihm geht J. Michael Straczynski (“Amazing Spiderman“) und rechts folgt ihnen Brandon Peterson. Diesen beiden Künstler folgen dem okkulten Doktor auf einem Trip durch die Berge. Strange #1.

Zum fünfjährigen Jubiläum haben sich die Marvel Knights noch mehr Verstärkung besorgt. Da schreibt den neuen Black Widow-Comic Richard K. Morgan (“Altered Carbon“, „Broken Angels“). Wem diese Titel nichts sagen, dann liegt das daran, dass Morgan Schriftsteller ist. Wenn man dann noch sagt, dass Bill Sienkewicz (“Stray Toasters“) den Comic zeichnet, kann man sich nicht ganz sicher sein, ob diese beiden Männer einen Comic zustande bringen können, den man auch lesen kann.

Die Dreifaltigkeit von Marvel Knights-Neuheiten beschließt Hulk and Thing: Hard Knocks #1. Auch hier zwei Superstars: Bruce Jones (“Hulk“) und Jae Lee illustrieren eine heitere Unterhaltung zwischen den Orangen und dem Grünen. It’s Clobberin‘ Time.

Marvel Knights 2099. Nein, dass darf Marvel nicht tun, Auch nicht, wenn Pat Lee alle Cover zeichnet! Falls Ihr zu jung seid, um zu wissen, was Marvel mit „2099“ für ein Horrorszenario geschaffen hat, dann lasst Euch eins gesagt sein: Kauft diese Comics nicht! Ich wiederhole: Kauft diese Comics nicht!

Ansonsten gibt es noch ganz viele tolle neue Storylines, Zeichner, Autoren und das 65jährige Jubiläum von Marvel Comics. Dazu erscheint die Sonderausgabe Marvel 65th Anniversary Special.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
Wenn einer von Euch den Film „Waking Life“ von Richard Linklater gesehen hat, weiß er genau, wie man Waterwise GN (Alternative Press) am besten beschreiben kann. Alle anderen haben es genauso schwer wie ich. Wie soll man den Comic von Joel Orff beschreiben? Eine surreale Geschichte über zwei Freunde, die auf ihrem Weg durch eine apokalyptische Welt streunen und sich dabei über die Zerbrechlichkeit der Zivilisation unterhalten.

Pünktlich zur Wahlsaison hat man sich bei Antartic Press gedacht: „Bringen wir doch ein Comic heraus, das den Amerikanern erzählt, wie man zu wählen hat.“ You can vote: Decision Battle 2004. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass man die Trading Card Edition mit Karten wie „Dick Chain-Me“ bestellt.

Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, dem soll gesagt sein, dass dieser Previews sich mit dem Thema Halloween beschäftigt. Und wo kann man sich besser gruseln als in Springfield? Wenn man dann noch die drei schaurigsten Rocker aller Zeiten schreiben lässt – Rob Zombie, Alice Cooper und Gene Simmons – hat man Horror pur. Ob zu diesen Texten die Zeichnungen von Scott Morse und anderen passen, wird sich erst zeigen. Tree House of Horror # 11 (Bongo Comics).

Ein Ausstellungskatalog: 100 Artists see Satan SC (Last Gasp). 100 Comickünstler, unter anderen Dan Clowes und Robert Crumb, stellen ihr persönliches Bild vom Höllenfürsten vor.

Bereits seit langer Zeit ist Comicvirtuose Peter Kuper im Bereich der Literaturadaption tätig. Nach den Geschichten von Franz Kafka nimmt sich der Altmeister den Roman The Jungle von Upton Sinclair vor. Dieses in Deutschland relativ unbekannte Buch führte im Amerika um 1900 zu entscheidenden Veränderungen in der Lebensmittelproduktion. Als erster Graphic Novel Verlag muss man sich bei nbm-publishing eben auch dem entsprechend präsentieren.

Ich habe immer noch nicht den blassesten Schimmer, was die Leute bei Tokyopop vorhaben. Wer sich für Mangas interessiert, sollte sich lieber selber ein Bild machen, bevor man meinen unwissenden Vorschlägen lauscht.

Der Spagat zwischen einem anspruchsvollen Comic und einer niedlichen Geschichte ist dem Top Shelf Verlag wieder hervorragend gelungen. Mit der Graphic Novel Owly schafft sein Schöpfer Andy Runton einen Comic, der durch seine einfachen Linien überzeugt. Statt Worten benutzt der Künstler eine starke Symbolik.

Falls man jetzt noch nicht genug von Halloween hat, dann sollte man sich am Ende noch einmal die Tradepaperback-Ecke anschauen. Dort verstauben noch ein paar alte Comics, die sich mit dem Gruselfeiertag beschäftigen.

BOOKS:
Die Namen Neil Gaiman und Dave McKean verbindet man zusammen ja eigentlich nur mit „Sandman“. Doch hört man den Namen dieses Buches, kann man sich vorstellen, warum sich die beiden wieder einmal getroffen haben. The Day I swapped my Dad for two Goldfish HC (Harper Childrens)kommt in dieser neuen Ausgabe mit einer CD. Auf dieser CD liest Neil Gaiman selbst seine Kindergeschichte vor. Es lohnt sich schon, wenn man nur das Cover gesehen hat.

APPAREL:
Eigentlich die Ecke für T-Shirts. Doch immer wieder siedeln sich hier Produkte aus dem Gehirn von Kevin Smith an. Ziemlich nett sind die Poster, die die Sprüche von Jay und Silent Bob einfangen. Man steht davor und braucht erst einmal ne halbe Stunde, um den Text zu lesen.

Old School T-Shirts: Superman auf blauem, rotem und grünen Grund. Sprüche wie „Superman says ‚Stay in School’“, oder „Say no to Kryptonite“. Wer sich dann noch uncool fühlt, ist selber Schuld.

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers