Mind the Gap

MTG Folge 4: Previews 06/2004

DARK HORSE:
Die Jungs von Dark Horse haben sich auf ihr gutes altes Zugpferd zurückbesonnen. Mit Aliens vs. Predator: Thrill of the Hunt TPB schlachtet man einen Ochsen. Dabei springt nicht nur der Comic von Mike Kennedy und Roger Robinson (Batman:Gotham Nights) raus, der zum zweiten Mal den letzten Kampf der beiden Außerirdischen zeigt, sondern auch ein ganzes Sortiment von Plüschtieren und anderem Merchandise. Hatte ich bereits erwähnt, dass es dazu auch noch einen Film geben wird?

Es scheint sich eingebürgert zu haben in der Welt der Comics, dass man als Autor einfach so vorbeikommen kann und sofort von jedem gelobt wird. So auch bei Schreiberling Mark Ricketts (Nowheresville). Das neue Wunderkind erzählt in Lazarus Jack TPB die Geschichte vom Zauberer Jackson Pierce, der mit Hilfe von schwarzer Magie seine verschwundene Familie wieder finden will.

DC COMICS:
Trotz des neuen Designs bei DC Comics sind es immer noch die altbewährten Methoden, die Leser zu ködern. Obwohl es mir schon einige Mühe abverlangt hat, mich durch den Dschungel der neuen Titeln zu kämpfen, habe ich folgende Titel hervorgehoben:

Ganz stolz ist DC auf seine Idee mit den 12-Cents-Comics. Man glaubt doch tatsächlich noch, dass die Jugendlichen den günstigen Comic kaufen, nur um dann die anderen acht Batman-Serien lesen zu müssen. Und das drei Monate lang: War Games.

Weitere Methoden, neue Leser zu ködern, bietet uns DC mit Majestic #1. Nach dem gelungenen Debüt im DC-Universum versucht der Superheld einen Weg zurück in seine Heimat zu finden. Als Bösewicht wird ihm der Eradicator zur Seite gestellt. Etwas mehr als die paar Seiten im Previews bietet dccomics.com.

Vom „Wizard“ wird die neue Versessenheit auf das Wiederaufbereiten alter Serien bei Marvel und DC positiv gesehen. Auch wenn Manhunter #1 nicht mehr ganz die neue Idee ist, so sollen Schreiber Marc Andreyko (Torso) und Zeichner Jesus Saiz dennoch versuchen, bereits zum fünften Mal, Jack Kirbys Heldin wieder interessant zu machen.

Es sieht fast so aus, als würde man sich in The Authority: Human on the Inside HC Themen annehmen, die sonst nur für Vertigotitel bestimmt sind. So bringt Ben Oliver (Puncture) die drei Rachegöttinnen zum Leben, während der Drehbuchautor John Ridley (Three Kings) ihnen die richtigen Texte auf den Leib schneidert. Hinter der ganzen Intrige gegen The Authority kann natürlich nur einer stehen: Der amerikanische Präsident.

Wie bereits letzten Monat angekündigt, hat man sich bei DC Humanoids Publishing angenommen. Eine interessante Mischung, da sie vor allem eine amerikanisch-europäische Zusammenarbeit auf der kreativen Ebene, wie am Beispiel von I am Legion: The Dancing Faun deutlich wird, fördert. Vielleicht sind wir hier genau an dem Punkt, an dem John Cassaday (Planetary) und der europäische Autor Fabien Nury dem amerikanischen Mainstream ein neues Gesicht geben.

Wenn ich die Herrschaften auf die Titelseite des Previews aufmerksam machen dürfte? Dort befindet sich das erste Bild einer Serie, die nur Frank Quitely (New X-Men) so schön gestalten konnte. Im Previews werdet Ihr weitere Bilder finden und sehen, was ich meine. Er besitzt die Fähigkeit, in einem Comic wie WE3 #1, bei dem die Tiere die Protagonisten sind, die Menschen wie Monster aussehen zu lassen. Hierzu muss sein Partner Grant Morrison mit seinem britischen Sarkasmus nicht mehr viel hinzufügen.

IMAGE:
Mit Six OGN hat Michael Avon Oeming (Powers) eine Alternative zu „Men in Black“ geschaffen. Diesmal sind es aber nicht die Menschen, die sich um die Aliens kümmern müssen. Die Außerirdischen selbst haben Agent Six beauftragt, alle flüchtigen Agenten wieder einzufangen. Doch wird er in der Lage sein, in unserer emotionalen Welt klar zu kommen? Eine richtige Tour de Psychoanalyse erwartet uns.

Ich bilde mir wirklich ein, in den Augen von Ely diesen dummen Gesichtsausdruck von Earthworm Jim wieder zu erkennen. Wenn man davon ausgeht, dass Doug Tennapel der Erfinder beider Serien ist, kann dies sicher zutreffen. In Tommysaurus Rex findet man den Witz von Filmen wie „Elliot das Schmunzelmonster“, doch leider nicht mehr als das.

TOP COW:
Wie lange haben wir darauf gewartet? Endlich hat es Tony Daniel geschafft, ganz alleine einen Comic zu schreiben und zu zeichnen. HumanKind heißt das gute Stück und verspricht uns: NICHTS. Es scheint nun überall bekannt zu sein, dass man sich bei Top Cow jeder aufgewärmten Idee herzlich annimmt. Da war ja „The Tenth“ noch besser, Mr. Daniel!

MARVEL:
Während man im „Wizard“ bereits darüber philosophiert, ob das Ultimate-Universum das „normale“ Marvel-Universum ablösen soll, schreibt Brian K. Vaughan fröhlich weiter. Was es sonst neues gibt? Ab>Ultimate X-Men #50 ist auch Andy Kubert wieder dabei. Und Gambit ist auch mit von der Partie.

Jeder Avenger ist dabei. Wirklich jeder! Aber ist das Grund genug, Avengers #501 zu bestellen? Wenn das nicht reichen sollte, dann gibt es da ja noch Brian Michael Bendis und David Finch. Die beiden können auch Stroh zu Gold spinnen.

“Revamp Fever“ Teil 2: X-Force #1 ist leider erst die zweite Auflage des Titels aus den Achtzigern. Gleiches kreatives Team, gleiches Team-up, gleich lahme Story?

Wenn man sich die Vorschau von X-Men: The End Book One: Dreamers and Demons anschaut, da weiß man ohne hinzusehen, wer dafür verantwortlich ist: Chris Claremont. Der gute alte Chris ist wieder da und hat gleich seine alten Ideen mitgebracht. Da haben wir die Shi’Ar, die Brood und ein Hound. Wenn nun keiner mehr weiß, wovon ich hier eigentlich rede, dann hat Chris Claremont sein Ziel erreicht. Lasst Chris nicht gewinnen!

Dann doch lieber einen schönen Spin-Off als ein billiges Remake. Bei Doctor Spectrum kann man wenigstens von einer neuen Geschichte ausgehen. Auch wenn uns Marvel hier leider keinen Vorgeschmack gibt, auf was wir uns bei den Zeichnungen von Travel Foreman und dem Geschriebenen von Samm Barnes freuen können.

WIZARD:
Was haben Kirsten Dunst, Jerry Seinfeld, Joss Whedon und Kevin Smith gemeinsam? Genau, sie schreiben alle für die Jubiläumsausgabe des Wizard X. Hinzu kommen noch mehr Seiten als zuvor und ein Cover, das auch ich nicht schlecht machen kann. Jim Lee und Alex Ross zeichnen Superman und Batman.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
Auch die Kleinverlage müssen jetzt schon um ihre Leser kämpfen. Da reicht es AdHouse Books, den Machern von Pink Sketchbook nicht aus, dass sie schon den brillanten Scott Morse für ihre erste Ausgabe haben. Nein, sie geben uns zu jeder Ausgabe noch einen pinken Plastikumschlag und einen Sticker. Danke, Jungs!

Die beste Idee des Monats geht auf jeden Fall an den Amaze Ink Verlag. Nicht nur, dass sie Bill and Ted Comics veröffentlichen, sie bringen uns auch 15 Minutes #1. Der Comic stellt die 15 Minuten Ruhm da, die laut Andy Warhol jedem Menschen zuteil werden. In der ersten Ausgabe bekommt ein Durchschnittsbürger per Post die mächtigste Waffe der Welt. Und dann…?

Bei Antartic Press scheint man der Auffassung zu sein, dass die amerikanische Bevölkerung trotz CNN-Berichten nicht vollständig über Saddam Hussein informiert worden sei. Da Comics diese Aufgabe, wie jeder weiß, vortrefflich erfüllen, hat man sich dazu entschieden, Dictators: Saddam Hussein herauszubringen, um den Diktatoren dieser Welt gerecht zu werden.

Das ist nun wirklich der letzte Witz über Aspen Entertainment. So beeindruckend sich Michael Turner nach seiner Krebserkrankung zurückgemeldet haben mag, auf so viele Nullnummern, Sonderausgaben und Variantcover wie bei Soulfire #1 können wir gerne verzichten. Mal sehen ob es eine Nummer zwei geben wird. Ich nehme noch Wetten an!

Oft kann ich den Tradepaperbacks, die versuchen, alte Serien wieder aufzuwärmen, nichts abgewinnen, doch bei The Terminator Rewired GN (iBooks) muss ich ehrlich gestehen, dass da schon so einige gute Geschichten dabei waren. Es sollte schon reichen, sich die Namen auf der Zunge zergehen zu lassen: James Robinson, Matt Wagner, Alan Grant und Guy Davis.

Steve Niles hat jetzt sogar sein eigenes Imprint (Unterverlag) bei IDW Publishing: Meeednight Pulp. Der erste Comic dieser Serie ist Secret Skull.

Ein sehr viel versprechender Comic aus dem Hause Moonstone macht sich einen Namen: Cyclone Bill and the Tall Tales #1. Dan Dougherty erzählt seine kleine Geschichte von dem Aufstieg und Fall einer Rockband. Doch dem noch nicht genug. So schafft Dougherty eine so genannte Tall Tale, eine Lügengeschichte nach dem Muster von Mark Twain (Huckleberry Finn). Am Ende fragt man sich, ob es wirklich Elvis war, der die Charaktere nach Graceland eingeladen hat.

Nach dem Erfolg von „Days like This“, einem quasi dokumentarischen Comic, haben sich J. Torres (Teen Titans Go!) und Scott Chandler (Guys who bowl) wieder zusammengesetzt, um Scandalous GN (Oni Press) zu kreieren. Eine Geschichte über das Hollywood der 50er Jahre. Eine Mischung aus Stars und Intrigen, die auch Robert Altmans Film „The Player“ blass aussehen lassen würde.

BOOKS:
Sowohl laut „The Comics Journal“ als auch dem Previews als DAS Buch für Comics bekannt. Kramer’s Ergot 5 TP (Gingko Press) bietet für 35 Dollar 320 Seiten angefüllt mit Comics von Leuten wie Chris Ware, dem deutschen Helge Ruemann, dem Altpunk Gary Panter, Ron Rege Jr. und vielen anderen.

Nachdem ich mir schon „The Philosophy of D’oh“ gekauft habe und auch von dem Band über die Religion bei den Simpsons nicht ablassen konnte, muss ich nun auch die beiden neuen Bände haben, um meine Freunde an meinem Wissen teilhaben zu lassen: The Quotable Bart & Homer TPs.

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers