Interviews

Interview mit Robert Labs

Robert Labs galt als Senkrechtstarter der deutschen Mangaszene, als er im Alter von 18 Jahren sein Debüt „Dragic Master“ vorlegte. Inzwischen ist er sechs Jahre älter und um viele Erfahrungen reicher. Mit seinem neuesten Werk „The Black Beach – Ein Surfermärchen“ (Carlsen Comics) bewegt er sich weg vom Manga und hin zu einem westlichen Comicstil.

Wir haben Robert auf der Frankfurter Buchmesse getroffen, wo er kurz vorher gerade zum ersten Mal ein fertig gedrucktes Exemplar seines neuen Comics in den Händen halten durfte.

 

 

Comicgate: Robert, nach „Dragic Master“ und „Crewman 3“, die im Mangastil gezeichnet waren, sieht dein neues Werk „The Black Beach“ ganz anders aus. Wie kam es dazu?

Robert Labs: Ich habe irgendwann meine alten Comics, die ich vor Jahren gezeichnet hatte, herausgeholt, und war durchaus stolz darauf. Ich habe gemerkt, dass ich im Mangastil weniger Freiheiten habe, vor allem, was die Entwicklung und den Ausdruck der Figuren angeht. Wenn ich im Comicstil zeichne, gibt es viel weniger Regelvorgaben, an die man sich halten muss.

CG: Was sind das zum Beispiel für Regeln?

RL: Ein Beispiel wäre, dass man im Manga die Mundwinkel einer Figur nur bis zu einem bestimmten Grad dehnen soll, sonst beschweren sich die Leser, dass es kein Manga mehr sei. Im Comic ist einfach viel mehr Vielfalt möglich. Das hier ist jetzt mein „ehrlicher Stil“, meine eigene Sprache, bei der ich mich nicht verstellen und anpassen muss.

  CG: Wie hat denn der Carlsen Verlag reagiert, als du plötzlich mit etwas ganz anderem ankamst?

RL: Die waren natürlich erst mal skeptisch, da dieses neue Projekt recht schwer kalkulierbar ist. Man kann schwer einschätzen, wie es sich verkaufen wird. Ich musste Überzeugungsarbeit leisten, was mir auch gelungen ist. Schließlich ist es ja auch keine komplette Abkehr vom Manga. Im Zeichenstil schon, aber die Erzählweise der Geschichte, die Panelaufteilung usw. haben schon noch Ähnlichkeiten mit Manga.

CG: Was sind die Vorbilder für deinen neuen Stil? Er erinnert sehr an Zeichentrickfilme…

RL: Ja, genau. Ich liebe diesen 2-D-Animationsstil. Ich mag die Sachen von John Kricfalusi („Ren & Stimpy“), oder auch den „Tiki Style“ von Shag. Aber auch „Bone“ von Jeff Smith hat mich beeinflusst.

CG: Wie wird denn der neue Comic jetzt vermarktet?

RL: Es gab einige Ideen, z.B. einen Vorabdruck in einem Surfermagazin, woraus dann aber leider nichts wurde. Ursprünglich sollte der Comic schon im Sommer veröffentlicht werden, es hat sich aber alles verzögert, auch weil Carlsen seine Veröffentlichungstermine umgestellt hat. Wenn „The Black Beach“ im Sommer erschienen wäre, hätte sich eine Promotour durch diverse Strandbars mit Cocktails usw. angeboten, aber im Herbst bringt’s das nicht mehr so. Mal sehen, vielleicht ergibt sich auf der Messe noch was. Genial wäre natürlich ein TV-Auftritt, so wie Ralf König neulich bei Stefan Raab. Aber es ist richtig schwer, da reinzukommen. Ich hatte vor einigen Jahren einen Auftritt bei „Galileo“, den ich selber total schlecht fand, aber es hatte trotzdem einen großen Publicity-Effekt für „Dragic Master“. Man erreicht im Fernsehen einfach wahnsinnig viele Leute, die sonst nie was davon mitkriegen würden.

CG: Damals, als dein erster Manga bei Carlsen erschien, warst du praktisch der erste „Germangaka“ und es gab einen richtig großen Hype um dich, mit Scharen von Teenies, die dich bei Signiertouren belagert haben. Auf der anderen Seite gab es auch viel Kritik, die zum Teil in richtiges Labs-Bashing ausartete. Wie siehst du das im nachhinein?

  RL: Naja, ich war erst damals erst 18 Jahre alt und habe mich schon ein bisschen von dieser Star-Rolle blenden lassen. Mir war das damals gar nicht so richtig bewusst, und ich habe mich auch schwergetan damit. Eigentlich bin ich ein schüchterner Typ, kein Bühnenmensch. Die Leute sollen meine Geschichten mögen, nicht mich als Person. 

CG: Wurde dieser Hype vom Verlag mit angefacht?

RL: Ich denke schon. Über die ganze Promotion hatte ich wenig eigene Kontrolle. Es lief nach dem Motto „ Du bist der Zeichner, lass uns mal den Rest machen.“ Und da Carlsen eben kein Kleinverlag ist, sondern Teil eines großen Konzerns, hat man da selber recht wenig Einfluss.

CG: Wie ist das, wenn es sogar Forenuser gibt, die sich „roblabsfan“ nennen?

RL: Ach, der ist lustig! Zuerst dachte ich ja, dass das mein Vater sei, der mich veralbern will, aber es hat sich rausgestellt, dass es echt ein richtiger Fan ist, der alles verfolgt, was ich so mache. Und das ehrt einen natürlich. Es ist ein komisches Gefühl, aber solche Leute sind wichtig. Wir machen am Samstag auf der Buchmesse ein kleines Treffen von Usern aus meinem eigenen Forum, es gibt Kekse und wir lernen uns kennen. Das sind nicht so viele Leute, aber die sind mir sehr wichtig, und man muss so eine Fanbasis auch pflegen. Das sind auch diejenigen, von denen man Feedback bekommt.

CG: Joachim Kaps, der damals dein Redakteur bei Carlsen war, ist auch so etwas wie dein Entdecker und Förderer. Allerdings ist der jetzt nicht mehr bei Carlsen, sondern hat den deutschen Ableger des TOKYOPOPs-Verlags aufgebaut, welcher hauptsächlich Manga veröffentlicht. Hättest du mitgehen können?

RL: Nein, ich habe einen festen Vertrag bei Carlsen, der bis 2007 gilt. Außerdem war ja damals, als er von Carlsen wegging, noch gar nicht klar, was als nächstes kommt. Das passierte erst ein halbes Jahr später. Und ob „Black Beach“ ins Programm von TOKYOPOP passen würde, weiß ich auch nicht so recht… Aber ich muss auf jeden Fall sagen, dass ich Jo alles zu verdanken habe. Ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier. Danke, Jo. 🙂

CG: Im Gegensatz zu vielen anderen Comicmachern bist du nicht in kleinen Schritten nach oben gekommen, sondern hast einen Senkrechtstart hingelegt.

RL: Das Gute daran, dass ich noch so jung war, als es los ging, war, dass ich den Umgang mit der Sache lernen konnte und mich, mit einem festen Vertrag beim Verlag im Rücken, entwickeln konnte. Das Negativste war sicher, dass ich mir dadurch mein Abi versaut und nicht bestanden habe. Rückblickend habe ich es aber nicht bereut und würde es wieder so machen.

CG: Du bist ja sowohl der Autor als auch der Zeichner deiner Geschichten. Gehört Zeichnen und Schreiben für dich zusammen?

RL: Irgendwie schon. Ich habe nichts gegen Arbeitsteilung, aber vor allem in Amerika ist es ja so, dass der Autor oft viel wichtiger ist als der Zeichner. Der wird zuerst genannt, sein Name steht vielleicht auch größer auf dem Cover. Das finde ich nicht fair. Die Geschichte kommt vom Autoren, aber der Zeichner hat eigentlich viel mehr Arbeit am Comic. Das Schöne am Comic ist ja, dass ich mein eigener Regisseur bin. Da gibt es zwar auch ein paar Menschen, die mitmachen und z.B. über das Cover entscheiden, aber das ist eine  übersichtliche Zahl an Leuten. Wenn man das mit der Filmbranche vergleicht, da sind soviele dran beteiligt, dass man oft den Eindruck hat: „Viele Köche verderben den Brei“. Ich habe neulich „Brothers Grimm“ gesehen, das ist ein gutes Beispiel dafür. Das ist kein echter Terry-Gilliam-Film! Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass ich vielleicht mal eine Geschichte zeichne, die jemand anderes geschrieben hat.

CG: Hast du deine Geschichte schon komplett fertig, bevor du mit dem Zeichnen anfängst?

RL: Beim ersten Band von „Dragic Master“ stand die Handlung vorher fest, beim zweiten ist sie zum Teil erst während des Zeichnens entstanden. Bei „Black Beach“ aber habe ich die ganze Geschichte vorgescribbelt, ehe es ans Zeichnen ging, und das soll auch in Zukunft so bleiben. Wenn man erst mal am Zeichnen ist, wird es mit dem Weitererzählen oder mit Änderungen an der Geschichte sehr schwierig.
Das ist auch der Grund dafür, dasss ich jetzt erst mal einzelne abgeschlossene Geschichten machen will und keine Serien. Da habe ich mir früher zuviel zugemutet. Innerhalb einer Serie ist eine Stiländerung nicht möglich und es gibt die Gefahr, dass die Leser und auch man selbst mit der Zeit das Interesse verliert, vor allem wenn sich Fortsetzungen immer wieder verzögern wie bei „Dragic Master“. Das hat auch viele Leser enttäuscht, was ich gut verstehen kann.

CG: Was sind deine nächsten Projekte nach „Black Beach“?

  RL: „Strawberry Royale“ ist ein Testprojekt – es ist ein Comic für die PSP (Playstation Portable), bei dem ich mal sehen möchte, wie das ankommt. Die Geschichte ist recht simpel, es geht einfach um zwei Tussen, die auf der Suche nach einem Cocktailrezept sind. Es soll einfach actionreich und spaßig sein.

CG: Wie kamst du auf die Idee?

RL: Ich habe gesehen, dass der Eidalon-Verlag Comics für die PSP anbietet („Megatokyo“), außerdem kann man auf pspcmx.com einige US-Comics herunterladen. Bei denen passt allerdings das Format nicht gut. Es sind Comicheftseiten, wo man reinzoomen und herumscrollen muss, um sie zu lesen. Das ist bei „Megatokyo“ besser, und „Strawberry Royale“ wird auch auf das PSP-Format zugeschnitten sein.

CG: Ist das dein eigenes Baby oder ist da der Carlsen Verlag auch mit im Spiel?

RL: Zuerst soll das mal ein kostenloser Testballon sein, nichts kommerzielles. Wenn es sich in die gewünschte Richtung entwickelt, darf ich mehr verraten. 😉

 

 

 

CG: Deine nächste längere Geschichte heißt „El Pajaro“…

RL: Genau. Das ist spanisch und heißt „der Vogel“. Das wird eine ernstere Geschichte, die in den 70er Jahren im südamerikanischen Dschungel spielt. Es ist eine Krimistory mit Mystery-Elementen. Es dreht sich ein wenig um eine von mir entwickelte Theorie über den Chupacabra, den berühmt-berüchtigten „Ziegensauger“ aus Südamerika.
Immer wieder wird von Bauern berichtet, deren Tiere blutleer und „ausgesaugt“ aufgefunden wurden. Daher der Name. Viele Ufologen vermuten dahinter eine wild im Dschungel lebende ausseridische Kreatur, die sich nachts auf die Felder schleicht und ihren Blutdurst stillt. Zumindest wurde sie von vielen Zeugen als „außerirdisch“ anmutend beschrieben. Ich hab mir dazu eine spannende Idee überlegt, nach dem Motto „was wäre wenn“ und garniere das Ganze mit einer kleinen Prise Überraschung…
Erscheinen soll „El Pajaro“ dann im Winter 2006.

CG: Gibt es sonst weitere Pläne für deine Zukunft?

RL: Ein Traum wäre es, an der Kölner Animation School zu studieren, was aber sehr schwierig und auch teuer ist. Die nehmen jedes Jahr nur zehn Leute. In Köln lehrt übrigens Harald Siepermann, der bei Disney u.a. an „Tarzan“ gearbeitet und auch die Figur Alfred J. Kwack entworfen hat. Wäre natürlich fantastisch, ihn mal kennenlernen zu dürfen.

 

CG: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, und viel Erfolg mit deinem Surfermärchen!

Black Beach – Ein Surfermärchen
Carlsen Comics
Text und Zeichnungen: Robert Labs
112 Seiten, Softcover; 7,90 Euro

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Website von Robert Labs
CG-Interview mit Rob aus dem Jahr 2001
Robs Mini Mangas bei Comicgate