Frisch aus der Druckerei

Frisch aus der Druckerei: Februar 2013

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Der Februar brachte einen neuen Verlag, das Buchdebüt einer Webcomiczeichnerin und auch sonst eine Menge interessanter Neuheiten in die Comicshops und Buchläden. Hier ist wieder unser Überblick über die wichtigsten Novitäten des vergangenen Monats.

HIGHLIGHT DES MONATS

Fatale 1Neben seinen Comics für Marvel (vor allem Captain America) arbeitete Ed Brubaker stets auch an eigenen Serien, immer zusammen mit seinem kongenialen Zeichenpartner Sean Phillips. Die wunderbare Noir-Krimireihe Criminal stammt ebenso von den beiden wie die Pulp-Superschurken-Variation Incognito. Im letzten Jahr verabschiedete sich Brubaker von Marvel und startete, wieder mit Phillips als Zeichner, bei Image die Serie Fatale, deren erster Sammelband nun bei Panini erschienen ist. Hier vermischen sie Brubakers Lieblingsgenre, den Noir-Krimi, mit Horrorelementen. [Leseprobe]

EIGENPRODUKTIONEN

WohlstandThekla Löhr alias TeMeL ist seit anderthalb Jahren mit ihrem Webcomic aktiv, parallel arbeitete sie aber auch an einer langen Comicerzählung. Die ist nun als Album bei Epsilon unter dem Titel Wohlstand erschienen. Sie spielt in einer dystopischen Zukunft, in der der deutsche Staat bankrott ist und eine gnadenlose Leistungsgesellschaft errichtet wurde, in der nur noch Menschen das Recht zu Leben haben, die genügend Arbeitskraft zur Verfügung stellen. [Leseprobe]

Reprodukt legt ein neues Werk von Peer Meter vor, dessen Comics Gift und Haarmann ziemlich erfolgreich sind. Böse Geister gehört nicht zur „Serienmörder-Trilogie“ (die im Herbst mit Vasmers Bruder bei Carlsen abgeschlossen wird), sondern erzählt die Geschichte eines älteren Herrn, der nach langen Jahren sein Elternhaus wieder besucht, damit in die eigene Vergangenheit eintaucht und die „bösen Geister seiner Kindheit“ (so der Pressetext) heraufbeschwört. Meters Szenario wurde umgesetzt von Gerda Raidt aus Leipzig, die bisher vor allem als Kinderbuchillustratorin arbeitete. [Leseprobe]

Im kleinen Nischenverlag Shaker Media erschien mit Der bunte Geruch von R. Hildel erstmals ein Comic. Der Hannoveraner Zeichner erzählt darin eine Art Psychodrama um einen sehr zurückgezogen lebenden Mann, der eine Synästhetikerin kennenlernt. Das übergeordnete Grundthema seiner Geschichte, so Hildel, sei „der (Aus-)Verkauf der nachfolgenden Generation an die Herrschaftsstrukturen unserer Gesellschaft“. [Leseprobe]

Peter Wiechmann, der in den 1960er und 70er Jahren zahlreiche Comicserien vor allem für die Kauka-Zeitschriften Fix & Foxi und Primo schrieb, entstaubt weiter sein Archiv: Nach einigen Gesamtausgaben bei Cross Cult (Andrax, Thomas der Trommler) erscheint der Piratencomic Capitan Terror nun gesammelt bei JNK. Die Gesamtausgabe umfasst insgesamt sechs Bände und enthält nicht nur alle in Primo und Zack erschienen Episoden in Schwarz-Weiß, sondern auch zahlreiche bislang unveröffentlichte, neu betextete Seiten sowie redaktionelles Material von Wiechmann.

AUS SPANIEN

Geschichten aus dem ViertelGeschichten aus dem Viertel ist ein autobiographischer Comic von Gabi Beltrán (zeichnerisch umgesetzt von Bartolomé Seguí), der von seinen Jugendjahren in Palma de Mallorca erzählt, wo er im chinesischen Viertel aufwuchs, in dem die Unterschicht zuhause war. Die episodenhafte Coming-of-Age-Geschichte ist im Avant-Verlag erschienen. [Leseprobe]

AUS DEN USA

Neu im Geschäft ist der Verlag Dani Books von Jano Rohleder, bislang vor allem bekannt als Übersetzer der Disney-Comics von Don Rosa. Nachdem er erfolgreich die Don Rosa Classics auf Englisch verlegt hat, ist er auf den Geschmack gekommen und startet nun ein Programm mit unterhaltsamen Comics aus verschiedenen Genres, die zunächst aus Italien, Frankreich und den USA stammen. Den Auftakt macht Danger Girl: Revolver, in dem die Gruppe attraktiver Agentinnen zurückkehrt, die Ende der Neunziger Jahre von J. Scott Campbell und Andy Hartnell erschaffen wurde und zunächst in einer sehr erfolgreichen Miniserie beim Label Cliffhanger erschien. Autor Hartnell ist immer noch an Bord, doch Zeichner Campbell, dessen sexy Stil der Erfolg zum großen Teil zu verdanken war, steuert nur noch Coverzeichnungen bei. [Leseprobe]

Joe Hill hat sich mit der Mysteryserie Locke & Key einen so guten Namen als Comicautor gemacht, dass nun auch seine Prosatexte als Comics umgesetzt werden. Das Cape, adaptiert von Jason Ciaramella mit Zeichnungen von Zach Howard, basiert auf einer Kurzgeschichte von Hill – ursprünglich gab es nur einen One-Shot, der später dann zu einer Miniserie ausgebaut wurde. Es geht um einen Jungen, dem ein Umhang Superkräfte verleiht. Was ihm später, als Erwachsener, einige Probleme bereitet. [Leseprobe]

Walking Dead-Erfinder Robert Kirkman betreibt inzwischen sein eigenes Label Skybound, das nicht nur die von ihm geschriebenen Comics, sondern auch weitere Serien beheimatet. Im Falle von Dieb der Diebe (Thief of Thieves) stammen zwar Idee und Konzept von Kirkman, die Skripts kommen jedoch von einem Team von Autoren, die sich gegenseitig abwechseln. Kirkman will hier dem Vorbild von TV-Serien nacheifern, wo nach einem ähnlichen Prinzip gearbeitet wird. Der erste Storybogen, der in Paninis erstem Band gesammelt ist, stammt von Nick Spencer (Morning Glories) und stellt uns Redmond vor, einen Einbrecherkönig, der einen ganz großen Coup plant. Das Besondere dabei: Er will nur klauen, was bereits andere vor ihm geklaut haben. [Leseprobe]

Fairest 1Bill Willinghams Serie Fables über die Märchenfiguren, die versteckt in unserer Welt leben, ist seit dem Ende von Hellblazer mit Ausgabe 300 die langlebigste Reihe bei Vertigo, und auch die erfolgreichste. Kein Wunder, dass man hier gerne Spin-Offs wie das inzwischen abgeschlossene Jack of Fables abzweigt. Der neueste Ableger heißt Fairest und verkauft sich in den USA erstaunlicherweise sogar besser als die Mutterserie. Im Gegensatz zu Fables, wo sich ein großer, langer Erzählstrang über die ganze Reihe erstreckt, besteht Fairest aus in sich abgeschlossenen Storyarcs, die von wechselnden Kreativteams erzählt werden. Im Mittelpunkt sollen stets die weiblichen Fabelwesen stehen, so wie Briar Rose alias Dornröschen im ersten Band von Bill Willingham und Phil Jimenez. [Leseprobe]

Der bekannte Grafikdesigner und Buchgestalter Chip Kidd hat sich schon mehrfach als Comicleser und vor allem als glühender Fan von Batman bekannt. Auf sein Konto geht u.a. die Covergestaltung verschiedener Sekundärwerke über DC Comics. Nachdem er vor einigen Jahren eine Batman-Kurzgeschichte für Alex Ross geschrieben hatte, legt er nun seinen ersten Langcomic vor, der natürlich wieder in Gotham City spielt: Batman: Death by Design erscheint bei Panini in der Reihe DC Premium unter dem Titel Batman: Bauwerke des Todes. Im Zentrum stehen hier die Architektur und die Bauwerke von Batmans Heimatstadt. Die überwiegend in Grautönen gehaltenen Zeichnungen stammen vom Engländer Dave Taylor. [Leseprobe]

Auch wer statt diesem eher ungewöhnlichen Batman-Comic lieber ganz klassischen Fledermaus-Stoff sucht, wurde im Februar bei Panini fündig. In der letztes Jahr gestarteten Reihe Batman Collection erscheinen Sammlungen von älteren Geschichten bestimmter Zeichner. Nach Mike Mignola und Marshall Rogers ist nun Jim Aparo (1932-2005) an der Reihe. Dieser Band (der sowohl als Hard- als auch als Softcover erhältlich ist) enthält Hefte aus der Serie The Brave and the Bold aus den Jahren 1971 bis 1973. [Leseprobe]

Aus den Neunziger Jahren stammen die Comics im Band Batman gegen Bane. Der Schurke, der im letzten Batman-Film von Christopher Nolan seinen großen Auftritt hatte, wurde in den hier nachgedruckten Heften von Chuck Dixon und Zeichner Graham Nolan ins Batman-Universum eingeführt. [Leseprobe]

In der Marvel-Abteilung gab es letzten Monat eine weitere Ausgabe der Season One-Reihe, die für neue Leser noch einmal die Ursprungsgeschichten bekannter Marvel-Helden nacherzählt, diesmal mit Doktor Strange. Der von Greg Pak geschriebene Band könnte vor allem aufgrund der Zeichnungen einen Blick wert sein: Die stammen von der Spanierin Emma Rios und wandeln ein gutes Stück abseits dessen, was man von Marvel standardmäßig gewohnt ist. [Leseprobe]

Wem das edle Spirit Archiv bei Salleck Publications zu teuer ist, kann nun schon zum zweiten Mal eine Auswahl guter Einzelepisoden in einem preiswerten Taschenbuch erwerben: The Spirit – Femmes Fatales sammelt 23 Episoden von Will Eisners Comicklassiker, die sich alle um die im Noir-Genre so prägende Figur der verruchten, gefährlichen Dame drehen.

AUS FRANKREICH

Der Nabel der WeltEin alter Maler und sein junges (Akt-) Modell im Dialog über das Leben und die Liebe. Darum geht es in Der Nabel der Welt von Edmond Baudoin, der in Deutschland vor allem durch die beiden von ihm gezeichneten Fred-Vargas-Krimis bekannt ist. Hier zeichnet bzw. malt er anders als im überwiegenden Teil seines Werks mal nicht in Schwarz-Weiß, sondern farbig. Erschienen bei Schreiber & Leser. [Leseprobe]

Bei Epsilon startet der neue Alben-Dreiteiler John Lord von Denis-Pierre Filippi und Patrick Laumond. Hat nichts mit Deep Purple zu tun, sondern mit einem Privatdetektiv, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in New York ermittelt. Nur wenige Wochen später ist übrigens auch gleich der zweite Band erschienen. [Leseprobe]

Ein Krimi mit SF-Einschlag ist dagegen die neue Serie beim All Verlag, C.O.P.S. von Marc Sautriot und Antonio Sarchione. Sie spielt 2031 in Los Angeles, das sich von den USA abgespalten hat und ein Mekka für Kriminelle geworden ist, weshalb man dort eine Spezialpolizei installiert hat. [Leseprobe]

Die Kinder des Kapitän Grant 1Beim Splitter-Verlag gab es letzten Monat drei Nummer-1-Ausgaben von neuen Albenserien: Die Kinder des Kapitän Grant, eine dreiteilige Adaption eines Jules-Verne-Romans von 1867/68, die Alexis Nesme mit anthroporphen Tieren umsetzt [Leseprobe].

Außerdem das düstere Science-Fiction-Epos Khaal von Stéphane Louis und Valentin Sécher [Leseprobe] und ein Krimi in exotischem Ambiente: Tatort Tahiti 1914 von Didier Quella-Guyot und Sébastien Morice spielt auf der sonnigen Südseeinsel vor dem realen historischen Hintergrund, dass auch dort Ausläufer des Ersten Weltkriegs zu spüren waren, als zwei deutsche Panzerkreuzer vorbeikamen. [Leseprobe]

AUS ASIEN

Geliebter AffeMit dem Band Geliebter Affe und andere Offenbarungen bringt Carlsen eine weitere Sammlung von 13 Kurzgeschichten von Yoshihiro Tatsumi, der als einer der Gründerväter des ernsthaften Erwachsenen-Manga (Gekiga) gilt. Ebenso wie der Vorgängerband Existenzen und Tatsumis Autobiografie Gegen den Strom erscheint auch dieser Manga nicht bei Carlsens Manga-Label, sondern mit dem Signet „Graphic Novel“, mit gespiegelten Seiten in westlicher Leserichtung.

Im regulären Manga-Programm von Carlsen fällt die neue koreanische Fantasyserie March Story von Kim Hyung Min und Yang Kyung-Il ins Auge, die in einem fiktiven Europa des 18. Jahrhunderts spielt, auch Horrorelemente enthält und sich eher an ältere Leser ab etwa 16 Jahren wendet.

Monster Hunter – Flash Hunter ist dagegen klassischer Shonen-Stoff und nach Monster Hunter Orage bereits der zweite Manga-Ableger des populären Videospiels.

Für Fans des Bestsellers Black Butler gibt es den Einzelband Rust Blaster, eine Vampirgeschichte, die Yana Toboso in Japan noch vor ihrer Erfolgsserie veröffentlicht hatte.

Der Zweiteiler Sleeping Moon von Kano Miyamoto ist ein Boys-Love-Manga, der nach Aussage des Verlags nicht nur für Fans dieses Genres interessant ist. Denn „Boys Love kann auch anders sein!“ In diesem Fall sorgen düstere Thriller-Elemente dafür, dass es hier für Shonen-Ai-Verhältnisse eher ungewohnt zugeht.

Und auch EMA wirbt mit den Worten „Boys Love einmal anders“ für eine neue Serie: Mein Weg in dein Herz von Hideki Kawai ist laut Verlag „ leicht melancholisch, einfühlsam“ und „in sensiblem Artwork“ gezeichnet. [Leseprobe]

Tokyopop bringt Chibisan Date, die neue Serie von Hetalia-Schöpfer Hidekaz Himaruya. Darin geht es um einen jungen, an sich selbst zweifelnden japanischen Zeichner, der auf einer Insel an der amerikanischen Ostküste lebt. [Leseprobe]

Die Erfolgsserie Marmalade Boy von Wataru Yoshizumi, die vor 10 Jahren bei EMA startete, gibt es nun bei Tokyopop in einer sechsteiligen Neuauflage als sogenannte „Perfect Edition“, die nun auch Farbseiten enthält. [Leseprobe]

Außerdem neu bei Tokyopop: der Einzelband Arinas Sammelsurium, eine Sammlung autobiographischer Episoden von und mit Arina Tanemura (Kamikaze Kaito Jeanne, Shinshi Doumei Cross).

Planet Manga schließlich hat mit Valmont – Gefährliche Liebschaften eine Manga-Adaption des bekannten literarischen Klassikers von 1782 im Programm. Der Zweiteiler stammt von Chiho Saito (Utena. Revolutionary Girl).