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Home Interviews Interview mit David Füleki

von Frauke Sonntag, 04. März 2012

 

David Füleki, kreatives Vielzeichnertalent und bisher eher für charmant-lockerflockige Unterhaltung wie Entoman, Studieren mit Rind oder die Neuinterpretation von Struwwelpeter bekannt, zeichnet seit etwa einem Jahr auch die Comicstripserie seitwärts für vorwärts - die Zeitung der deutschen Sozialdemokratie. Zehn Strips sind bis jetzt erschienen. Die Folge in der aktuellen Ausgabe März 2012 des vorwärts erregte allerdings heftig die Gemüter der Genossen (anzusehen auf der vorwärts-Website, rechte Spalte unter "Druckausgabe", S. 27). Auf dem JuSo-Blog gab es einen offenen Brief an den vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer, die Facebook-Pinnwand des Magazins läuft heiß bis hin zur Androhung von Abonnementskündigungen und auch ins Lafontaine-Blog hat es die Folge geschafft. Dabei wird vor allem die Redaktion des vorwärts angegangen, weniger der Autor und Zeichner David Füleki.

Kritikpunkte sind unter anderem, dass in diesem Comicstrip ein "sozialistischer Jugendtreff" als gewaltbereit dargestellt wird, dass zwischen den Zielen links und rechts Orientierter nicht differenziert wird sowie klischeehafte Darstellungen in Form eines sächselnden Rechtsradikalen und eines schweinsnasigen Linken.

Wir befragten David Füleki am 03.03.2012 zu diesem Thema.

 

Comicgate: David, kannst Du die Aufregung verstehen? Hast Du mit ihr gerechnet oder wolltest Du vielleicht sogar derart provozieren?

David Füleki - Foto: privatDavid Füleki: Gut, dass Du's schreibst. Bisher hab ich davon nämlich noch gar nichts mitbekommen gehabt. Krass! Hab gerade mal nur die politische Blogosphäre tangiert und schon massig dazu gefunden. Okay. Sowas hatte ich ja noch nie!

Also vorerst: Provozieren kann man nur die, die sich angesprochen fühlen, also die, die sich mit den Figuren identifizieren. Und die Figuren des seitwärts-Comics sind so dermaßen überzeichnet, dass ich bis vor zehn Minuten noch gedacht hätte, dass allen klar ist, dass es sich dabei um eine satirische Übertreibung handelt. Im Kontext weiterer Kapitel erkennt man das auch sicher besser. Generell bin ich davon ausgegangen, dass satirische Überzeichnung hierzulande Tradition hat und klar geht, solange man den Koran außen vor lässt. Aber okay. Dann sind einige Vertreter der linken Ecke wohl nicht ganz der Meinung.

Und klar wird da nicht weiter differenziert - sonst wär die Pointe langweilig! Mein Comic erfüllt ja keinen Bildungsauftrag, er soll eher zum Nachdenken anregen. Das hat er ja auch. Insofern hab ich meine Arbeit wohl ganz gut gemacht, auch, wenn im Lafontaine-Blog steht, dass die Geschichte nicht lustig war. Geschmackssache.

Generell fühl ich mich gerade fast schon ein bisschen zu stolz drauf, dass das erste Mal eins meiner Werke so ein enormes Echo hat. Darf man das in dem Fall überhaupt sagen? Klar, mir tut's leid für diejenigen, die das Ganze fehlinterpretieren oder sich auf den Schlips getreten fühlen. Und für die vorwärts-Redaktion tut mir die Kritik leid. Aber so ein Diskurs ist doch letztlich auch was wert und eigentlich für "politischen Witz" erstrebenswert.

Ansonsten bleibt zu sagen, dass gegen die linke Gesinnung definitiv nichts zu sagen ist, aber sehr wohl gegen den - egal ob links oder rechts motivierten - ausartenden Extremismus, den ich als Tiefost-Kind nur zu gut kenne - von beiden Seiten gleichermaßen. Und eben das ist ja die Botschaft des Comics. Denn bei bloßer Anarchie und Zerstörungsgeilheit verschwimmen eh die politischen Motive.

Übrigens soll der Dialekt des Nazis nicht Ostdeutsch sein. Das ist vielmehr ein Mischmasch aus verschiedensten Dialekten und schlichtweg ironischerweise falschem Doitsch. Da find ich's viel befremdlicher, in dieses Kauderwelsch Sächsisch reinzuinterpretieren, denn das bedeutet ja, dass man in gewisser Weise voreingenommen ist, was mein wunderschönes Heimat-Bundesland anbelangt. Wie man nur auf sowas kommt?

 

CG: Den Erzürnten geht es wohl hauptsächlich darum, dass jeder als (potenziell) gewalttätig dargestellt wird, der sich in einer politisch ambitionierten, demokratischen Jugendarbeit (eben zum Beispiel der "sozialistische Jugendtreff") engagiert.

DF: Ja, ist auch verständlich, sich da aufzuregen, wenn man persönlich betroffen ist. Aber der Comic sollte halt auch echt nicht so oberflächlich gelesen werden, wie er auf den ersten Blick aussieht.

In dem offenen Brief kommt noch mal gut was an Meinungen zusammen - leider sehr einseitig, wenn alles von links kommt. Deswegen mach ich jetzt noch mal 'ne eigene Diskussionsrunde, ist auf meiner Facebook-Pinnwand zu verfolgen [nur mit FB-Account sichtbar - Anm. d. Red.].

 

Die seitwärts-Hauptfigur Def, Daivd Fülekis Alter Ego CG: Gab es einem konkreten Anlass für diese Folge?

DF: Ja, in jeder vorwärts-Ausgabe gibt's ja ein Leitthema. Für die aktuelle Ausgabe war das "politische Jugend".

Autobiografisch gesehen war der Anlass, genau diesen Stoff umzusetzen, die oben genannte Erfahrung auf dem Gebiet. Hier und da versuch ich in die seitwärts-Comics eigene Erfahrungen einzubauen - eben damit dann niemand meckern kann von wegen: "So is das aber nich!" Klappt aber nicht immer.

 

CG: Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Zeitung aus: Besprichst Du Deine Ideen mit einem vorwärts-Redakteur, wurden auch schon mal Folgen abgelehnt?

DF: Jede Folge muss erst mal durch eine Kontrolle, bevor ich ins Reine zeichnen kann, und einige Folgen fallen auch durch. Das hat teils politische Hintergründe, teils aber auch einfach humoristische, wenn mal 'n Gag nicht so zündet.

 

CG: Ziehst Du irgendwelche Konsequenzen aus den heftigen Reaktionen?

DF: Noch keine Ahnung. Hab ja gerade erst davon erfahren.
Man könnte natürlich nachträglich noch mal ein "How to read" zu dem Comic rausbringen, indem genau die ironischen Momente und die Satire erklärt wird. So was find ich dann immer traurig, weil man ja meinen könnte, dass sich das im gegebenen Kontext erübrigt, ohne dass man alles klein und kaputt redet.
Sollten sich aber wirklich enorm viele echauffieren, könnte man eine Entschuldigung anstreben. Schade eigentlich.

 

CG: Wie kam es überhaupt zu dem Kontakt mit vorwärts?

DF: Da hat Tokyopop [der Comicverlag, der David hauptsächlich publiziert - Anm. d. Red.] die Vermittlungsarbeit übernommen. Die vorwärts-Redaktion suchte jemanden für 'nen neuen Comic, Tokyopop hat mich vorgeschlagen, man hat sich in Berlin getroffen und letztlich ist auch was draus geworden. [Link: vorwärts-Interview mit David Füleki zum Einstand]

 

CG: Siehst Du Dich selber als politischen Menschen?

DF: Ja, schon. In gesund-gemäßigtem Rahmen.
Zwar bin ich nicht unbedingt jemand, der sämtliche aktuelle Nachrichten studiert und sich zu allem auf Krampf eine Meinung bildet, aber ich bin auch nicht gerade der, der den ganzen Tag unreflektiert schimpft: "Die [Politiker] machen doch eh mit uns, was sie wollen!"
Wenn mich ein Thema besonders stark betrifft oder interessiert, investiere ich gern die Zeit, mich darin zu belesen und versuche mir daraus 'ne ordentliche Meinung zu bilden.

 

Folge 5 von David Fülekis seitwärts im Magazin vorwärts CG: Kann man sich eigentlich irgendwo alle bisherigen Folgen von seitwärts anschauen?

DF: Das wär natürlich toll, wenn sich jetzt viele die Frage stellen! :-D
Aber ich glaube, das ist nicht möglich. In Berlin werden die Ausgaben sicher in der Redaktion archiviert und ich behalte meine Belegexemplare in Ehren. Aber ein sonstiges Archiv, zum Beispiel online, ist mir ansonsten nicht bekannt. [rechts: eine der älteren Folgen von seitwärts]

NACHTRAG 05.03.2012: Der vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer hat sich mittlerweile ebenfalls zu dem Thema geäußert.

 

CG: Kommen wir zu einem ganz anderen Thema, nämlich Deiner Website Manga-Madness. (Folgende Fragen wurden bereits Ende 2011 gestellt und beantwortet.)
Im Impressum wird der Verlag Tokyopop als Inhaber genannt, obwohl es Deine eigene virtuelle Heimat ist. Was hat es damit auf sich?

DF: Dahinter steckt vor allem die weise Voraussicht eines Jo Kaps' [Verlagsleiter von Tokyopop - Anm. d. Red.], der sich das Ganze ausgedacht hat und sich sicher auch einen nachhaltigen Nutzen für meine Aktivitäten bei Tokyopop von dem Projekt verspricht. In der Tat schweben schon seit einigen Jahren Pläne durch die Tokyopop-Redaktion, wie man meine Internet-Präsenz besser in meine Print-Comic-Karriere einbinden könnte. Es gab sogar konkrete Pläne (unter anderem im Bereich interaktiver Comic), die dann allerdings an ihrer sehr schweren Realisierbarkeit scheiterten. Nun haben wir uns letztlich für einen - oberflächlich betrachtet - klassischen Mittelweg entschieden: Eine Internetseite, auf der ich meine Werke archivieren kann sozusagen. Zudem können nun meine Leser endlich mal einen Großteil meines Schaffens auf einer Seite finden, statt sich durch ein gutes Dutzend Web-Galerien zu klicken.

David Fülekis Butrotkäppchen Die eigentliche Idee hinter der Seite ist, dass ich von Tokyopop-Seiten aus Narrenfreiheit eingeräumt bekomme bei der Gestaltung und Verwaltung der Seite. Und diese Narrenfreiheit kann ich nun ausloten mit vielen Comic-Projekten, die nur mit Online-Publikum realisierbar sind. Das heißt, ich werd auch mein Bestes versuchen, mittels dieses Werkzeugs den Webcomic in irgendeine Richtung weiterzuentwickeln.
Der Nutzen für Tokyopop wird dann darin bestehen, dass meine Experimente eine Art Marktforschung sind, über die man wiederum den Erfolg von möglichen Buchprojekten abwägen kann. Daher sind auch schon erste Print-Umsetzungen solcher - erfolgreich verlaufener - Experimente, in Arbeit wie zum Beispiel die Veröffentlichung der ursprünglichen Webcomics "Blutrotkäppchen" und "Serial Sausage Slaughter" bei Tokyopop.

Die Seite wird regelmäßig aktualisiert und mit neuen Material versehen. Ich veröffentliche jetzt viele meiner Werke - auch solche, die nicht bei Tokyopop erscheinen - unter dem Label "Manga-Madness", um deutlich zu machen, dass in meiner Comic-Welt irgendwie alles miteinander in Verbindung steht. Alles spielt sozusagen im selben Universum - auch, wenn es in der Regel nicht oder nur gering miteinander in Verbindung steht.

 

CG: Wird Tokyopop auch andere Künstler mit eigenen Seiten unterstützen oder hat es vielleicht schon?

DF: Also zumindest von der im Netz ebenfalls sehr aktiven Kollegin Natalie Wormsbecher gibts eine entsprechende Seite. Auch hier sieht man sehr gut den persönlichen Einfluss der Zeichnerin auf die Seiten-Gestaltung und den Aufbau. Es sind also tatsächlich Seiten, die die Künstler repräsentieren und weniger den Verlag, der dahinter steht.
Eventuell sind diese ersten Seiten der Probelauf für mögliche zukünftige Projekte dieser Art.

NACHTRAG 05.05.2012: Laut Natalie hat Tokyopop mit ihrer Website nichts zu tun. Trotzdem lassen wir den obigen Link stehen - einfach, weil die Seite sehr gut gemacht ist.

 

CG: Wie kam es zum Kontakt mit Nichtlustig, der Firma rund um Joscha Sauer, die Dir die Seite programmiert haben? Kannst Du selber updaten oder läuft das alles über Nichtlustig?

DF: Die Nichtlustig-Gang sind ja alte Homies vom Dr. Kaps und ich war auf alle Fälle arg geflasht, dass so hochkarätige Leute mit so 'nem Bummel-"Nachwuchszeichner" wie mir zusammenarbeiten. War auf alle Fälle 'ne feine Sache, auch mit soviel Erfahrung zu tun zu haben. Eine meiner schlechteren Ideen konnten die Jungs mir zum Glück ausreden, einige Ideen, die ich mal besser gehabt hätte, aber nicht hatte, konnten sie mir nahelegen.

Momentan bin ich immer noch im Einarbeitungsprozess, was die Seitenverwaltung anbelangt. Mir wurde da ein Content Management System zurechtgewerkelt und da werd ich noch eingearbeitet. In Kürze kann ich dann hoffentlich das Wesentlichste selbst administrieren und somit auch das Tempo ganz nach meinem Ermessen vorgeben.

 

CG: Gibt es bestimmte Pläne für Manga-Madness (vielleicht Sneaks zu anstehenden Projekten bei Tokyopop) oder ist es auf absehbare Zeit einfach eine Portfolio-Seite von Dir?

DF: Fest steht, dass nach und nach immer wieder alte Sachen ihren Weg auf Manga-Madness finden werden - egal, ob Artwork, Cartoons, Comics oder sonstige Schmankerl. In der Hinsicht hat es also eine Archiv-Funktion. Das heißt, dass vor allem vergriffene und kaum mehr erhältliche Printcomics dort ihren zweiten Frühling erleben werden - stets in einer überarbeiteten, verschönten Form. Gerade für die aktuelle Verlagspolitik meines Kleinverlags Delfinium Prints sowie unsere Leser wird das eine wichtige Rolle spielen, da wir nach und nach unsere älteren Titel nun abverkaufen werden und die in Zukunft gratis online gelesen werden können. Die Idee dahinter ist, dass die Sachen ihr Geld drinhaben, wie man so schön sagt, und jetzt den Fans geschenkt werden.

David Fülekis Studieren mit Rind Für mich aus künstlerischer Sicht wird allerdings das bereits angesprochene Experimentelle von zentralem Interesse sein. Wer letztes Jahr meine Entoman-Comics auf comicstars.de oder in den letzten Jahren meinen Animexx-Comic Studieren mit Rind verfolgt hat, wird vielleicht meine interaktiven Aktionen kennen, die ich regelmäßig mit meinen Lesern durchziehe. Bisher waren all diese "Happenings" (so nenn ich das immer) schöne Erfolge, weshalb ich mich daran auch weiterhin versuchen will. Mir kommen auch ständig neue tolle Ideen, die Leser aktiv zu beschäftigen; mir fehlt nur die Zeit, all diese Projekte umzusetzen. Auf alle Fälle glaube ich, dass ebendiese Interaktivität einer der wichtigsten, wenn nicht gar der wichtigste Grundpfeiler des Webcomics in Zukunft sein wird.

 

CG: Kam der Namensvorschlag eigentlich von Dir? Dein Stil ist meiner Meinung nach ein ganz eigener und hat nicht viel mit dem klassischen Manga zu tun.

DF: Ich weiß gar nicht mehr, ob ich einen eigenen Vorschlag hatte. Manga-Madness war - wie mir berichtet wurde - das Ergebnis eines laaangen Kollektiv-Brainstormings. Ich selbst bezeichne meine Art des Comics ja auch nicht als Manga und mich selbst nicht als Mangaka, aber ich denke, dass es auf alle Fälle Sinn macht, das "Manga" mit in den Titel reinzunehmen. Dabei erhoff ich mir natürlich auch einen gewissen Grad an Unvoreingenommenheit gegenüber japanischen Comics von Seiten potenzieller Leser, die sich sonst wahrscheinlich was entgehen lassen würden.

 

CG: Danke für die Beantwortung unserer Fragen, David!

Kommentare (16)Add Comment
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geschrieben von Sab, am 05. März 2012 um 15.23 Uhr
Offensichtlich hat der Redakteur und auch der Zeichner den Grund der Aufregung nicht verstanden. Es geht nicht darum, dass die Linken als Gewaltbereit überzeichnet werden. Sondern der Punkt ist, dass eine Satire eine grundsätzlich richtige Annahme überzeichnet. Hier wird aber links und rechts gleichgestellt. Das ist eben nicht richtig, diese Gleichstellung wird ald richtige Grundannahme von den Jusos und Falken nicht geteilt und daher die Aufregung.
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geschrieben von Richard Detzer, am 05. März 2012 um 18.46 Uhr
Kein Problem, da erkennbar thematische Aufarbeitung. Es paßt nur nicht in das programmatische Selbstbild der Linken (wovon wir gewarnt werden müssen). Aber es paßt gut in das programmatische Selbstbild der Rechten (wovon wir gewarnt werden wollen). Unter dem Strich ein Meisterwerk der Realsatire, was hiermit gelungen ist.
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geschrieben von Karsten, am 05. März 2012 um 20.03 Uhr
Mich macht die Reaktion der Linken traurig. Hab mich selbst immer als links gesehen und dachte ich wäre da von schlaueren Gleichgesinnten umgeben.
Die dummen Reaktionen auf den Comic, der es eigentlich auf den Punkt getroffen hat, haben mich schockiert!

Jetzt erfahre ich, dass Kommentare, die für den Comic sind, im Blog der Linken gelöscht werden!
Daher versuche ich lieber hier mein Glück.

Linke, die nicht wahrhaben wollen, dass es ein Extremismus-Problem in den eigenen Reihen gibt, sind einfach nur blind! Und mehr als das behauptet der Comic nicht.
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geschrieben von Tsuki, am 05. März 2012 um 20.17 Uhr
@ Sab:
"Hier wird aber links und rechts gleichgestellt."
In deinem Satz fehlt ein ganz wichtiges Wort und dann ist es doch für alle klar: Hier wird links und rechts EXTREMISMUS gleichgestellt.

Mich verwundert es sehr, dass so viele politisch engagierte Menschen sich dermaßen darüber aufregen können und diesen Punkt "übersehen", obwohl man doch gerade in der Politik mit allen möglichen Stilmitteln bewaffnet ist.

Das einer sich da auf die Füße getreten fühlt, sowas findet sich immer, aber das so viele hinter Julian Zado stehen und seine Ansicht teilen ist für mich einfach nur unglaublich.
Insbesondere die Aufforderung von Andreas Marco Klusch und auch von MR fand ich maßlos übertrieben.

Wer sich für meine Meinung zum Leserbrief interessiert:

"Ganz ehrlich, muss ich Julian recht geben. Wie man sieht, ist der größte Teil der Bevölkerung gar nicht mehr so gewillt nachzudenken und nimmt einfach das Oberflächliche, auf dem Silbertablett servierte, an.
Bei all den vielen Medien und Meinungen und vor allem aber auch Interpretationsmöglichkeiten muss man doch dem Volk genau das auf die Nase binden was man sagen möchte, ganz ohne Versteckspiel, so wie es unsere Politiker alle tun. Das sagen, was sie meinen und vertreten. Tut man das nicht, kann nur eins dabei rauskommen “übelste und dümmste polemische Hetze”, was “saudumm” ist. “völliger Bullshit” und “so dumm, dass es brummt”.

Ignorance is bliss.

Ich war zunächst schockiert über die ersten Kommentare und bin letztlich doch sehr dankbar, dass es doch noch einige Menschen gibt, die Nachdenken können. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung für unsere Zukunft."
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geschrieben von Sorata, am 05. März 2012 um 20.30 Uhr
Ich habe mehrfach von Bekannten und Freunden von sehr negativen Erfahrungen mit linken "Gegendemonstranten" gehört und sehe es ja selber immer wieder.
Ja großteils brennen eher Mülltonnen und Autos als Menschen, dennoch bleiben in manchen Fällen auch die durchschnittlichen Bürger nicht vor einem blauen Auge verschont (und in diesen Fällen sind eben auch mal besagte linke Jugendgruppierungen beteiligt).
Und das ist genauso inakzeptabel wie die Straftaten der Rechten! Gewalt und Politische Meinungsäußerung haben nichts zusammen zu suchen und das sollten sich dann auch die linken Gruppen, die sich durch den Comic angesprochen fühlen, beherzigen.

Anstatt also jetzt den ganzen Hass auf diesen Comic zu legen (Feindbilder sind ja immer beliebt), könnte man vielleicht daran arbeiten, dem gemeinen Bürger nen klareres Bild von einem zu schaffen und nen klaren Strich zu "linken Autonomen" u.a. zu ziehen.
Und dabei eben auch auf lokale Gruppierungen streng zu schauen. Es kann ja nicht im Sinne einer Organisation sein, wenn es da selbst in Großstädten zu Übegriffen auf ungescholtene Bürger kommt, weil den Betroffenen langweilig ist.

Außerdem: Wenn das Problem doch so klar und simpel ist, warum wird dann eine persönliche Hass-Schiene gegen den Zeichner gefahren?
Das spricht weniger für politisch engagierte Gruppen erwachsener Menschen, als mehr für ne Gruppe garstiger Kindergartenkinder, die jemanden zum Mobben brauchen.
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geschrieben von János Füleki, am 05. März 2012 um 21.13 Uhr
Also liebe Leute ich bin sowohl links als auch voll der Meinung von Karsten der ein Stück weiter oben was geschrieben hat (mit diesem Satz spar ich mir den Schreibkram smilies/wink.gif)!!!

Desweiteren möchte ich hiermit zum Ausdruck bringen wie stolz mich der ganze Wirbel um meinen Bruder und seine Kritzelleien macht, RESPECT!!!!

Und nicht zuletzt aber am Schluss feststellen und damit allen in´s Gedächtnis rufen das dieser Comic von der Redaktion in Auftrag gegeben wurde, kontrolliert und für gut befunden wurde. Die müssen doch selber am besten wissen wie ihre Anhänger darauf reagieren.

EY Def mach weiter so!!!
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geschrieben von Wohi, am 05. März 2012 um 22.17 Uhr
Also ich glaube, dass die Aufregung schon verständlich ist.

Erstens ist der Comic nicht so originell, dass man ihm jeden kleinen falschen Unterton verzeihen würde.

Zweitens ist es nicht verwunderlich, dass es einfach als Faux-pas zu werten ist, wenn ein Comicstrip in einem sozialdemokratischen Mitgliedermagazin (!) einen "sozialistischen Jugendtreff" zur Heimat des unsympathischen Linksextremisten erklärt, wo sich beide Jugendorganisationen der SPD, die "JungSOZIALISTEN" und die "SOZIALISTISCHE Jugend - Die Falken" aus gutem Grunde dieser Begrifflichkeit bedienen - und dort eben KEINE "linksextremistische Hetze" im Sinne von dumpfer Gewaltbereitschaft betreiben, sondern so ziemlich das Gegenteil. Es gibt eben Unterschiede, die man kennen sollte - ganz besonders, wenn man in einem SPD-Blatt veröffentlicht. Da ist der Autor wohl etwas unbedarft. Noch schlimmer aber, dass die Vorwärts-Oberen selbst diesen Comicstrip durchgehen ließen - das ist schon ein kleiner Beitrag zur unterschwelligen Verunglimpfung der eigenen Jugendverbände und vieler Mitglieder.

Drittens ist aber auch generell die Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremisten hier nicht besonders gelungen - auch wenn ich mir vorstellen kann, was der Autor gemeint hat. Faktisch könnte aber dieser Comic mit der eher primitiven Gleichsetzung (obschon es DEUTLICHE Unterschiede gibt) eher in das Mitgliedermagazin der CDU oder in den Bayernkurier der CSU passen ...
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geschrieben von Sorata, am 05. März 2012 um 22.48 Uhr
>>Faktisch könnte aber dieser Comic mit der eher primitiven Gleichsetzung (obschon es DEUTLICHE Unterschiede gibt)(...)
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geschrieben von Sorata, am 05. März 2012 um 22.58 Uhr
(der eigentliche Kommentar wurde irgendwie verschluckt oÔ)

"Faktisch könnte aber dieser Comic mit der eher primitiven Gleichsetzung (obschon es DEUTLICHE Unterschiede gibt)(...)"

Sind wir echt so kleinkariert, dass wir Extremismus und politische Meinung, die durch Gewalt "ausgedrückt" werden soll, jetzt anhand ner Strichstatistik bewerten?
Dass quasi politisch motivierte Straftaten erst dann schlecht sind, wenn ein gewisses Soll an Opfern angefallen ist?

Ich dachte, wir sind der Bundesrepublik Deutschland und nicht in einer sozialistischen Bananenrepublik?
Wenn wir alle so für Gleichheit sind, dann sollen doch auch bitte Straftaten egal welcher Motivation dahinter gleich gewichtet werden. Nazis sind scheiße, klar. Aber Linke Autonome, die Steine werfen, Leute verprügeln und Sachen anzünden sind auch keine Kavaliere...

Wer sich nicht mit diesem Pack identifiziert sehen will, sollte vielleicht daran arbeiten, dass die breite Öffentlichkeit aus simpler Selbsterfahrung Verbindungen zieht. Immerhin teilen diese Jugend-Organisation die gleiche politische Gesinnung (und sind aus Erfahrungswerten nun auch nicht viel netter zu ihren andersdenkenden Mitmenschen als die bösen Nazis).

Also lieber mal Aufklärungsarbeit leisten, anstatt einen einzelnen Zeichner herummobben zu wollen, weil er unangenehme Tatsachen überspitzt anspricht. smilies/smiley.gif
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geschrieben von mike, am 06. März 2012 um 00.52 Uhr
@Sorata

sollten wir einen unterschied machen zwischen leuten die "Sachen anzünden" und leuten die menschen umbringen?

ich hoffe doch sehr das wir das machen ...
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geschrieben von Beate, am 06. März 2012 um 10.49 Uhr
Das erinnert mich an den Kapf David gegen Goliath. Der David heißt sogar wirklich David und Goliath wird nur die Linke vertreten.

Und mit einfachsten Mitteln, nämlich einem gut platzierten Comic-Angriff bringt der Zwerg den Riesen zu Fall. Oder bringt sich der Riese durch seine eigene Ignoranz eher selbst zu Fall?

Wahrscheinlich jetzt schon der Polit-Comic des Jahres^^
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geschrieben von Stromo, am 06. März 2012 um 13.06 Uhr
Herrlich wie der Füleki die linken aufscheucht wie ne Schar gackernder Hühner. Ganz großes Kino!
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geschrieben von Smoji, am 06. März 2012 um 13.09 Uhr
ich musste auch mal meine Erfahrung machen mit "linkspolitisch engagierten jungen Leuten"
und zwar bei einem von der AntiFa besetztem Haus

weil halt viele aus meinem Bekannten- und Freundeskreis dort regelmäßig zu den kleinen Konzerten hingehen bin ich halt auch öfters mal mit dahin.
Und als ich mal zwischen den Konzerten draußen, auf der anderen Straßenseite mit ein paar anderen Leuten herumstand, die ich da teilweise zufällig getroffen habe, kamen von drinnen ein paar "Verantwortliche" von der Veranstaltung heraus und meinten zu einem Mädel "So! Du verpisst dich jetzt hier und wer was dagegen hat geht auch oder kriegt was aufs Maul!"
Der Anlass dafür war wohl, dass die früher mal mit einem rechtspolitisch-orientiertem Typ zusammen war.
Und jedesmal wenn ich die etwas gefragt habe, was der Grund dafür sei Gewalt anzudrohen oder wo der Unterschied ist, wenn ich jemandem aufs Maul haue weil er anders aussieht oder weil er anders denkt kam nur als Antwort "findste Nazis toll? Willst aufs Maul?"

und an dem Abend viel mir halt auf, dass es wirklich nicht nur Gut und Böse gibt sondern auch Schlecht
Dass das eine Mädel weder links noch rechts ist war denen egal, sie meinten nur "Willst aufs Maul?" Die beiden die da Stress gemacht haben (wohl gemerkt ein Mann und eine Frau) waren alles andere als in der Lage ein Gespräch zu führen und mal auf eine Meinung einzugehen die nicht ihrer entspricht. Und dann war mir klar, dass die damals vor achtzig bis siebzig jahren auch den Arm gehoben hätten. Denn scheinbar ging es ihnen einfach nur ums "Aufs-Maul-Hauen" um ihre Meinung durchzusetzen. Und dass bei der AntiFa faschistische Methoden aus den dreiziger angewendet werden hatte mich die wochen darauf noch echt stark beschäftigt.

Ich will hiermit jetzt auch nicht behaupten, dass alle in der AntiFa Faschisten wären, aber es gibt da nunmal welche und die fallen halt auch am meisten auf.
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geschrieben von Dirk Opisch, am 06. März 2012 um 14.30 Uhr
Eigentlich eine saucoole Aktion mit dem Comic!
Mir spricht der jedenfalls von der Seele und getroffene Hunde bellen.

Jetzt zu dementieren, dass es keine extremistischen Vorkommnisse von links gibt, ist für mich das große FAIL was sich aus der ganzen Diskussion ergeben hat. smilies/cool.gif
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geschrieben von Wohi, am 09. März 2012 um 22.53 Uhr
Ach, jetzt kommen sie alle aus dem Loch, die Angefressenen dieser Erde, die sich sonst nicht trauen, ihren kleinen "Schadenfreuden" zu fröhnen ... Kampf "David gegen Goliath" und so. Hahaha. David ist in diesem Fall wohl eher ein Söldner von Goliath, übersehen? Das, was er sonst so an Comics im gleichen Blatt zu bieten hatte, war zudem ziemlich flach und so plump und klischeeüberladen (gerade auch in Bezug auf Rechtsextremisten), dass es schon nicht mehr lustig war. Hier regen sich nicht "die Linken" (was auch immer das sei) auf, sondern der Sozialdemokratie zugehörige Jugendverbände, die in die Nähe von Schwachmaten gerückt werden, zu denen sie nicht gehören. Intolerante Reaktionen gibt es sicherlich überall mal, auch in "linken Kreisen" (muss man sich gegen wehren, keine Frage) und in diesem Forum, sogar bei Jusos und Falken, aber Intoleranz gehört nicht zu dem, was diese Jugendverbände "predigen" oder politisch fordern/vorgeben. Dafür sind wohl andere zuständig.

Aber wenn man alle über einen Kamm scheren muss und darauf noch stolz ist - bitte, ich lasse euch diesen Stolz gerne, er zeichnet euch (und eure Beschränktheit) im Zweifel hervorragend aus. Denn bei aller Ablehnung von Gewalt und intolerantem Verhalten generell, bleibt es für verstandesmäßig und in punkto Anstand ausreichend bestückte Menschen ein deutlicher Unterschied, ob man Autos anzündet oder Menschen (im Hier und Jetzt, wir reden nicht von den Dreißiger Jahren) ...
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geschrieben von Beate, am 15. März 2012 um 15.35 Uhr
Lieber Wohi,

wie meinst du das mit dem "Söldner von Goliath"? Bedeutet das nicht, dass der Zeichner für die Linke arbeitet? Das ergibt doch in dem Zusammenhang gar keinen Sinn, oder?
Und da du mich persönlich angesprochen hast, wollte ich nur dazu äußern, dass das ein ganz schön unverschäter Ton ist, dass ich "aus einem Loch komme", feige und "angefressen" bin.
Warum kommst du gleich mit so einem Ton? Ich habe doch nur meine Meinung zu dem Thema geäußert.

Und außerdem brennt im Comic am Ende niemand einen Menschen an. Beide wollen ein Auto anbrennen. Das sieht man im letzten Bild ganz gut, finde ich.
Mich wundert das, dass sehr oft das Argument kam, dass der kleine Sozialist ein Auto anbrennt und der kleine Rechte einen Menschen anbrennt oder ermordet. Also auch auf Facebook habe ich das manchmal gelesen und frage mich, wo das zu sehen sein soll?

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