Werkstattbericht: Die Toten und ich

Die Toten und ich 1: Das Konzept

 

So macht man einen Comic – Werkstattbericht: Die Toten und ich

 

So entsteht ein Comic – Werkstattbericht

Teil 1: Psst! Willst Du einen Zombie-Comic schreiben? / Das Konzept

Christopher Bünte, Autor von 'Kleiner Vogel Rot'Anno 2009. Comicfestival München. Wir befinden uns auf der Release-Party von Kleiner Vogel Rot. Ich bin irgendwie zu platt oder zu erkältet oder beides, um ordentlich feiern zu können. Deshalb halte ich mich von lauter Musik und dem schattigen Garten im Hinterhof fern. Stattdessen sitze ich bei Véros Mappe mit den Originalseiten, passe am Verkaufstisch auf, trinke Coke und versuche, die Feier irgendwie auf ruhigem Wege zu genießen. Ab und zu verkaufe ich einen Band. Hin und wieder kommt jemand und wir plaudern. Der Tag klingt aus.

Einer, der auch vorbeischaut, ist Stefan Dinter. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass Véro und ich unser Debüt beim Zwerchfell Verlag herausbringen konnten. Er nähert sich im Plauderton, doch er ist nicht nur zum Plaudern gekommen. Ich bin etwas eingelullt, der Tag war lang. Ich höre schlecht zu und beschäftige mich heimlich die ganze Zeit mit der Frage, wann ich aufbrechen und ins Bett verschwinden kann. Viel geht heute nicht mehr, soviel ist klar.

Dann zieht Stefan mich zur Seite – wie dieser Typ aus der Sesamstraße, obwohl er keinen Trenchcoat trägt. Statt „Psst! Willst Du ein E kaufen?“ fragt er mich: „Psst! Willst Du einen Zombie-Comic schreiben?“ Die Verbindung der Worte Zombie und Comic übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Stefan hat das wahrscheinlich geahnt. Ich kann mal wieder nicht Nein sagen.  Die Monate verstreichen.

Ausschnitt aus dem Konzept zur Comicserie 'Die Toten'Das Comicfestival München ist zu Ende, ich bin auf Sommerarbeit unterwegs. Irgendwann trudelt eine E-Mail ein. Ich glaube, sie kommt von Piwi, dem zweiten Kopf der Zwerchfell-Doppelspitze. Im Attachement: Das Konzept für die neue Zwerchfell-Serie Die Toten. Die Grundidee: Zombies in Deutschland, in kurzen Episoden erzählt. Stefan und Piwi haben ihre Idee unter Comic-Leute getragen, und das Feedback war gut. Die E-Mail ging an eine Gruppe von Schreiber- und Zeichnerlingen, die Interesse geäußert haben und jetzt bei Die Toten mitmachen möchten. Wir sind der erste Kern, der innere Zirkel des geplanten Projekts. Ich finde eine Mischung aus alten Hasen und Grünschnäbeln im Adresskopf der Rundmail. Ich gehöre zu Letzteren und fühle mich geehrt, dabei zu sein. Die Spannung steigt, als ich das angehängte PDF anklicke.

Ausschnitt aus dem Konzept zur Comicserie 'Die Toten' Das Konzept umfasst elf Seiten, wenig Bilder, hauptsächlich Text, der dem geplanten Projekt eine Form geben soll. Stefan und Piwi haben es verfasst, zwecks Orientierung für das Team von Die Toten. Denn ein paar Fragen müssen im Vorfeld geklärt sein:

Sind die Zombies schnell oder langsam? Wie lange dauert es, bis ein Toter wieder aufsteht? Wie schnell geht es mit der Zivilisation den Bach runter? Welche Teile des Landes sind als erstes betroffen? Neben solch inhaltlichen Dingen gibt es Formales: Welche Seitenanzahl soll jede Episode haben? Welches Format? Schwarz-weiß oder Farbe? Erscheinungsweise? Und – im Falle eines finanziellen Erfolges (denn alle Beteiligten machen von Anfang an aus Spaß mit und arbeiten ohne Bezahlung) – wie werden die Kröten verteilt?

Das Konzept wurde mit der Bitte um Feedback verschickt. Beim Lesen fängt es an, in meinem Kopf zu rattern. Ein seltsames Gefühl. Erste Bilder tauchen auf und verschwinden wieder. Ja, ich bin dabei, es kann losgehen!

 

Christopher Bünte ist in Sachen Comics nicht nur als Redakteur bei Comicgate und fudder.de tätig – er schreibt auch selber welche, wie er bereits mit Kleiner Vogel Rot (gezeichnet von Véro), veröffentlicht vom Zwerchfell Verlag, gezeigt hat.

Im selben Verlag erscheint die Zombieserie Die Toten, von der bald die dritte Ausgabe erscheint. In jedem Band sind von unterschiedlichen Autoren und Zeichnern drei Geschichten enthalten, die in verschiedenen deutschen Städten spielen.

Christopher ist momentan für zwei Beiträge als Autor eingeplant. Anhand dieser Beispiele erzählt er, wie so ein Comic überhaupt entsteht – vom eigentlichen Konzept über Ideen und die Zusammenarbeit mit den Zeichnern bis hin zu den fertigen Seiten. Natürlich ist die von ihm beschriebene Herangehensweise nur eine von vielen möglichen.