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Gift


 Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen, werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder thematisiert – und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet wurde.

Die (Rahmen-) Handlung des Comics beginnt viele Jahre später. Auf einer Zugfahrt erinnert sich eine ältere Dame an einige Tage, die sie in, Bremen verbracht hat, und berichtet einer jungen Mitfahrerin davon: 1831 kam sie in die Hansestadt, um Recherchen für einen Reiseführer anzustellen. Die namenlose Dame dient nun als Protagonistin des Comics, aus deren Perspektive alles geschildert wird. Sie erlebt eine Stadt, die nur ein Thema kennt: Gesche Gottfried, die Giftmörderin, die im Gefängnis sitzt und bald öffentlich enthauptet werden soll. Das Thema interessiert die junge Frau, sie spricht mit Bremer Bürgern, vom Pfarrer über einfache Leute bis zum Verteidiger Gottfrieds. Dabei stößt sie immer wieder auf großes Misstrauen und offene Abneigung, schließlich ist man es nicht gewohnt, dass sich allein reisende Frauen in anderer Leute Angelegenheiten einmischen und sich sogar noch eine eigene Meinung erlauben. Schließlich erhält sie auch noch eine Abschrift der Protokolle von Gesche Gottfrieds Polizeiverhör und wird schließlich Zeugin ihrer öffentlichen Hinrichtung.

 Peer Meter, der selbst aus Bremen stammt und sich seit Jahren intensiv mit dem Fall Gottfried auseinandersetzt (er veröffentlichte bereits drei Bücher zum Thema) nimmt dokumentarische Fakten, die vor allem aus den Verhörprotokollen stammen, als Gerüst seines Comics, strickt daraus aber eine eigene, fiktive Geschichte. Das funktioniert erzählerisch sehr gut: die Frau, die als fremder Neuankömmling mit dem Fall konfrontiert wird, ist auf dem gleichen Wissensstand wie die meisten Leser; alles was sie erfährt, erfährt der Leser gleichzeitig mit.

Mit der Zeit wird diese Perspektive aber auch zum Problem des Buchs, denn die Protagonistin hat eine ziemlich klare Meinung von den Vorgängen in Bremen und von den örtlichen Bürgern. Als selbstbewusste, prä-feministische Frau ist sie entsetzt von der konservativen, strengen und frauenfeindlichen Stimmung in der Stadt und empört darüber, dass Gesche Gottfried von Anfang an keine Chance auf ein faires Gerichtsverfahren hatte. Stellenweise hat man den Eindruck, sie wäre eine Zeitreisende aus dem Jahr 2010, die mit dem heutigen Wissen und den heute geltenenden gesellschaftlichen Standards auf die Hanseaten von 1831 blickt. Weil der ganze Comic strikt aus der Perspektive jener Frau erzählt ist, muss auch der Leser zwangsläufig diese Perspektive einnehmen. Die moralische Beurteilung des Geschehens bleibt dem Leser nicht selbst überlassen, sondern wird ihm von der Erzählerin (oder, besser gesagt: vom Autor) aufgezwungen. Weil die Serienmörderin und der Umgang mit ihr nur von einer Seite beleuchtet wird, kann man sich kein eigenes Bild machen.

 Dieser Umstand trübt die ansonsten sehr gelungene Graphic Novel, die besonders durch das Artwork von Barbara Yelin glänzt. Ihre schwarzweißen Bleistiftzeichnungen schaffen eine düster-atmosphärische Stimmung. Fast alle Panels haben etwas Skizzenhaftes, Unfertiges an sich, wichtiger als filigrane Details ist für Yelin der Einsatz von Licht und Schatten, von Schwarz und Weiß und den Nuancen dazwischen. Die unbehagliche Atmosphäre, die dadurch geschaffen wird, passt perfekt zum Inhalt und erinnert an einen anderen Comic, der sich mit einem Serienmörder-Mythos beschäftigt: From Hell von Alan Moore und Eddie Campell.

Dessen außerordentliche Qualität erreicht Gift zwar nicht, dennoch lohnt die Lektüre. Durch die Mischung aus Fakten und Fiktion schaffen Meter und Yelin eine interessante Struktur, weg von der strikten Nacherzählung historischer Tatsachen, hin zu einer spannenden Dramaturgie. Diese hätte noch mehr überzeugt, wenn der Autor nicht seinem Drang nachgegeben hätte, die Geschehnisse aus unserer heutigen Sicht moralisch zu bewerten.


Gift
Reprodukt, März 2010
Text: Peer Meter
Zeichnungen: Barbara Yelin
200 Seiten, Softcover, schwarz-weiß, 20 Euro
ISBN: 978-3-941099-41-8

Spannende Mischung aus Fakten und Fiktion, sehr atmosphärisch, aber mit moralischem Zeigefinger

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Abbildungen: © Barbara Yelin, Peer Meter, Reprodukt

 

Officer Downe (US)

OfficerDowne.jpgDie erste Textbox im ersten Panel auf der ersten Seite gibt uns eine Ortsangabe: „Motherfuckin' L.A.“ – und setzt damit ganz nebenbei auch noch den Ton für diesen Comic. In Officer Downe drehen Autor Joe Casey und Zeichner Chris Burnham alle Regler auf 11 und präsentieren eine völlig irrsinnige Story, in der ein Über-Polizist gegen mehrere Über-Verbrecher antritt und nur ein Ziel kennt: Aufräumen, aber richtig. Officer Terrence Downe ist der beste und härteste Cop, den das L.A.P.D. hat. Wenn er mal im Einsatz tödlich verletzt wird, kann er in kurzer Zeit zusammengeflickt und wiederbelebt werden (wie das funktioniert, wird auf nette Weise erklärt, tut aber eigentlich nichts zur Sache). In dieser Geschichte mit dem treffenden Titel „Tough Shit“ bekommt er es mit dem Schurken Zen Master Flash zu tun.

Casey und Burnham wollen nicht viel mehr als einfach die Sau rauslassen und, vor allem in Sachen Gewalt, alle Geschmacks- und Jugendschutzgrenzen überschreiten. Das erinnert ein bisschen an den Punisher, vor allem aber an Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow, was wohl auch zeichnerisch ein Vorbild für Chris Burnham war. Allzu originell ist das also nicht mehr – man merkt dem Projekt jedoch den Spaß an, den seine Macher damit hatten. Sie wissen, wie albern das hier ist und nehmen sich und ihren Comic nicht ernster als nötig. Alles ist mindestens eine Nummer zu groß, total überzogen und „over the top“. Und gerade deshalb macht Officer Downe Spaß zu lesen. Das unmoralisch-pubertäre Vergnügen am Auf-die-Kacke-Hauen trägt diesen Comic, und für einen One-Shot ist das auch völlig in Ordnung. Eine längere Serie muss man aus diesem Stoff aber wirklich nicht machen, denn auf Dauer würde sich die kompromisslose Vollgas-Attitüde des Comics wohl sehr schnell abnutzen und nur noch langweilen.

Officer Downe
Image Comics, Juli 2010
Heft, 48 Seiten, farbig
Preis: 4,99 US-Dollar

 

Heiligtum 1 – USS Nebraska


Cover von Heiligtum 1Christophe Bec lässt es scheinbar ganz schön krachen. Denn mit dem ersten Heiligtum-Band „USS Nebraska“ ist bei Splitter nach Prometheus und Carthago seine dritte Albumserie gestartet. Doch bei dieser Science-Fiction-Mystery hat er das Schreiben an seinen Kollegen Xavier Dorison abgegeben. Dieser Autor hat sich durch die Verbindung von Mystery und Zeitgeschichte wie in W.E.S.T. oder Mystery und Science Fiction wie in Prophet 1 – Ante Genesem inzwischen einen Namen gemacht. Splitter hat die etwas ältere Zusammenarbeit der beiden Franzosen aus dem Jahr 2001 anscheinend neu für sich entdeckt und nun für den deutschen Markt herausgebracht.

Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft, im Jahr 2029. Es geht um das amerikanische U-Boot USS Nebraska, das in den Tiefen des Mittelmeers ein merkwürdiges Signal empfängt. Als die Besatzung den Ort lokalisiert, stößt sie auf das Wrack eines sowjetischen U-Boots, das in der Nähe eines gigantischen Artefakts liegt. Doch die Tauchmannschaft, die der Kommandant ausschickt, um dessen Inneres zu erforschen, kehrt nie mehr zurück. Sie hat sich in eine rätselhafte Kultstätte begeben, die sich unmittelbar bei dem sowjetischen U-Boot befindet. Nach und nach geschehen auch auf der Nebraska seltsame Stör- und Unfälle.

Seite aus Heiligtum 1Die Story kommt nur schleppend voran und kann erst gegen Ende des Bandes richtig Spannung aufbauen. Außerdem erinnert die Mischung aus Akte X und Das Boot einfach zu stark an die anderen Arbeiten von Christophe Bec, wodurch die Handlung vorhersehbar wird, ja man erwartet sogar, dass sich im nächsten Augenblick (wieder) etwas Mysteriöses ereignet. Man merkt dadurch, dass Bec in seinen Solo-Arbeiten (milde formuliert) stark von seinen Autoren-Kollegen Dorison oder auch Richard Marazano (Der Schimpansenkomplex), mit dem er bei Zero Absolu zusammengearbeitet hat, beeinflusst wurde.

Das ist natürlich ungerecht gegenüber Dorison, der sich 2001 noch nicht mit vergleichbaren Comics messen lassen musste. Ganz im Gegenteil – die Mystery-/Near-Future-Science-Fiction ist erst in den letzten Jahren mit den erwähnten Splitter-Titeln ins Rollen gekommen. Von daher kann man dem Autor durchaus eine Vorreiterrolle zuordnen.

Die Zeichnungen von Bec erreichen nicht ganz die fotorealistische Schärfe, die er in seinen anderen Arbeiten vorweisen kann. Aber der Ansatz dazu ist hier bereits deutlich erkennbar, und auch in Heiligtum wirkt der realistische Zeichenstil zu hölzern und starr. Die Farben von Homer Reyes sind zurückhaltend, dafür hat er für das Artwork Lichteffekte eingesetzt. Die Bilder übertragen die Stimmung der Erzählung aber trotzdem in passender Weise.

Es bleibt noch abzuwarten, wie sich die Serie in Band 2 „Der Weg in den Abgrund“ und danach im Abschlussband „Moth“ entwickelt wird. Die Story ist steigerungsfähig. Schließlich ist der rätselhafte Zusammenhang mit den historischen Ereignissen von 1945 nur angedeutet und das Geheimnis der Kultstätte unter Wasser noch nicht gelüftet worden.

 

Heiligtum 1 – USS Nebraska
Splitter, Juni 2010
Text: Xavier Dorison
Zeichnungen: Christophe Bec
Hardcover, 64 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-148-1
Nicht so prickelnd

Die Story kommt nur langsam in Fahrt, und die Bilder wirken starr

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Abbildungen © Christophe Bec, der dt. Ausgabe Splitter

Red Button Boy

 Ein weißer Raum, mittendrin ein Telefon auf einem Podest und ein kleiner Junge mit einem roten Knopf auf die Brust geschnallt. Das ist die spartanische Kulisse, vor der Zeichner Timo Decker sein charmantes (Comic-) Schauspiel ablaufen lässt. Warum der junge den Knopf trägt, warum er einen Helm auf hat? Man erfährt es nicht. Der Red Button Boy hat ohnehin nur die eine Daseinsberechtigung: Er muss unbedingt herausfinden, wofür dieser verdammte Knopf gut ist. Aber soll er das Drücken des Knopfes tatsächlich riskieren? Mahnende Worte erhält der verzweifelte Junge von der unbekannten Stimme aus dem Telefon, die scheinbar über vieles Bescheid weiß, aber gemeinerweise nur in Rätseln spricht. Richtig süß ist Deckers Figur geworden, wie sie auf kindlich-naive Weise experimentiert und hinter das Geheimnis des Knopfes zu kommen versucht. Sensationell, wie dem Künstler dabei die trickreiche Variation von Mimik und Körperbewegung leicht von der Hand zu gehen scheinen. Gute Voraussetzungen für einen amüsanten, lustigen und einfallsreichen Comic. Red Button Boy ist all das, ein echter Geheimtipp also.

Entstanden ist diese gelungene Mischung aus Mangaanleihen und humoristischem Cartoon an der Fakultät für Gestaltung  der Hochschule Augsburg. Da kann man nur hoffen, dass Timo Decker noch viele weitere Comicprojekte in Angriff nimmt. Und bitte bitte irgendwann Red Button Boy 2.

Red Button Boy
Eigenverlag, Juni 2010
50 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 5,50 Euro

Als iPhone-App zu haben über www.redbuttonboy.com

 

Faust – Der Tragödie erster Teil


 Noch bevor Flix mit Held und dessen Nachfolgebänden seinen Durchbruch als Comiczeichner schaffte, hatte er bereits einen Comic bei Eichborn veröffentlicht, der mittlerweile längst vergriffen ist: Who the Fuck is Faust?, seine parodistische Version des großen deutschen Literaturklassikers. Im letzten Jahr kehrte Flix zurück zu diesen Wurzeln und widmte sich noch einmal dem Faust. Für die FAZ entstand ein 80-teiliger Fortsetzungscomic, der von Juli bis Dezember 2009 lief und nun als leicht überarbeitete Buchausgabe bei Carlsen vorliegt.

Die Technik, die Flix für seinen Faust anwendet, ist eigentlich recht einfach: Er übernimmt Goethes Geschichte in ihren Grundzügen und überträgt sie aus dem 16. Jahrhundert ins heutige Berlin. Faust ist ein Geisteswissenschaftler (“Habe nun, ach …“) und, wie das heute so ist, verdient sein Geld als Taxifahrer. Sein Freund und Mitbewohner Wagner ist ein im Rollstuhl sitzender Schwarzer und Gretchen ist die Tochter eines türkischen Gemüsehändlers. Auch wenn Flix aus Goethes Tragödie eine gagreiche Komödie macht und sich allerhand erzählerische Freiheiten nimmt, bleibt das Handlungsgerüst seines Comics recht nahe an der berühmten Vorlage – bestimmt keine schlechte Idee, schließlich hat man in dem alten Geheimrat Goethe einen Szenaristen, der über alle Zweifel erhaben ist. Im Zentrum stehen, wie im Original, der Pakt, den Faust mit Mephisto abschließt, weil jener eine Wette mit Gott laufen hat, sowie die Liebesgeschichte zwischen Gretchen und Faust.

 Flix nutzt also den Goethe'schen Rahmen für seine Geschichte und bringt dabei immer wieder augenzwinkernde Verweise auf das Original, wörtliche Zitate oder Anspielungen auf Johann Wolfgang von Goethe unter (so trägt beispielsweise der Pudel, in dem sich Mephisto materialisiert, den Namen Charlotte von Stein). Eine Form von Humor, die sich vor allem jenen erschließt, die den Original-Faust kennen und damit bestens geeignet für die bildungsbürgerliche Leserschaft der Frankfurter Allgemeinen. Doch zum Glück ist dieser Comic kein reiner Insidergag für Germanisten, sondern funktioniert auch allgemein als eine Art romantische Komödie, selbst für Leser, die gerade krank waren, als Faust im Deutschunterricht behandelt wurde.

Neben den Seitenhieben aufs Original wirft Flix einen satirischen Blick auf die Gegenwart, auf den Berliner Alltag, auf Multikulti-Ideale und -Probleme, auf den Krieg der Geschlechter und auch aufs Thema Religion. Das ist meistens witzig und unterhaltsam, aber auch arg zahnlos. Statt Biss und satirischer Schärfe gibt es harmlose Wohlfühl-Gags, manchmal auch arg platte Kalauer (wenn z.B. die Klingel an der Haustür von Gretchens türkischer Familie „Düng-Döng“ macht). Der Flix'sche Humor ist niemals böse oder abgründig, er tut nicht weh. Er lässt sich leicht konsumieren und macht durchaus Spaß, bleibt aber zwangsläufig an der Oberfläche.

 Akzeptiert man diese Schwäche, wird man an Faust – Der Tragödie erster Teil seine Freude haben. Zeichnerisch und erzählerisch beherrscht Flix sein Handwerk bestens. Da Faust als Fortsetzungscomic in kleinen Häppchen entstand, legt der Autor ein hohes Tempo vor und würzt den Stoff mit zahlreichen Pointen. Trotzdem gelingt es ihm, das große Ganze im Blick zu behalten. Die Buchausgabe wirkt zum Glück nicht wie eine Kette von Mini-Episoden, sondern als geschlossenes Werk aus einem Guss. Und auch die Aufmachung des Hardcover-Bandes als leicht angeschrabbelte Reclam-Ausgabe ist äußerst gelungen. Schade nur, dass hier alles ein bisschen zu brav bleibt. Mit mehr Biss und weniger Niedlichkeit wäre dieser Faust ein richtig großer Wurf geworden.

Faust – Der Tragödie erster Teil
Carlsen, März 2010
Text und Zeichnungen: Flix
96 Seiten, Hardcover, schwarz-weiß, 14,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78977-8

Hübsche Klassiker-Satire, die ruhig etwas bissiger hätte ausfallen dürfen

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Abbildungen: © Flix, Carlsen

 

Die Bielefeld Verschwörung


 Es ist ein alter Scherz aus den Urzeiten des Internets, der sich bis heute gehalten hat: Bielefeld gibt es gar nicht. Alles was auf die Existenz dieser Stadt hindeutet, ist ein Gerücht, gestreut von bösen Mächten (wahlweise CIA, Illuminaten oder Außerirdische), die die Bevölkerung einlullen wollen, indem sie so tun, als würde es die Stadt wirklich geben. Mit dieser Satire, die sich weniger über Bielefeld lustig macht als vielmehr über die zahlreichen Verschwörungstheorien, die gar nicht krude genug sein können, beschäftigt man sich natürlich auch in Bielefeld selbst. An der dortigen Hochschule entstand vor kurzem der Film Die Bielefeld Verschwörung, begleitend dazu erschien auch ein Roman und eine Comic-Adaption.

Die Bielefeld Verschwörung dreht den Spieß um: hier wird nicht behauptet, Bielefeld existiere nicht. Stattdessen haben fiese Finsterlinge in Bielefeld ihr Hauptquartier errichtet, von dem aus sie die Weltherrschaft oder ähnliches anstreben. Die Stadt wird mehr und mehr von der Außenwelt abgeschottet, was die Bielefelder aber nicht mitbekommen. Nur ein misstrauischer Professor namens Wanstohn riecht den Braten und stellt Nachforschungen an. Dabei helfen ihm drei Studenten, denen keine Mission zu gefährlich ist.

Aus dieser Prämisse macht Autor Thomas Walden, der als Medienwissenschaftler an der Uni Bielefeld lehrt, eine wilde Farce, bei der die titelgebende Verschwörung gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Sein Film, beziehungsweise sein Roman und sein Comic sind eher eine Parodie auf Agentenfilme à la James Bond, nur dass er an die Stelle des Superspions ein studentisches Kumpeltrio setzt, das ein wenig an die Drei Fragezeichen erinnert. Ansonsten findet man die üblichen Zutaten: fiese Superschurken und skrupellose Handlanger, attraktive Damen und falsch spielende Verräter, umotivierte Handlungssprünge von einem Land zum anderen und wieder zurück. Allzu originell ist das alles nicht geraten, wenn man mal vom Handlungsort Bielefeld absieht. Für einen guten Thriller ist Die Bielefeld Verschwörung nicht spannend genug, für eine gelungene Satire nicht witzig genug.

 Der Plot ist arg holprig geraten, leidet unter allerlei Logiklöchern und Sprüngen in der Handlung, die es dem Leser schwer machen, der Geschichte zu folgen. Möglicherweise funktioniert das im Film und im Roman besser – falls ja, ist die Adaption zum Comic nicht gut gelungen. Hier wird nie so richtig klar, wer warum welche Ziele verfolgt, wieso die Handlung plötzlich nach Griechenland verlagert wird, nur um wenig später abrupt wieder zurück nach Deutschland zu springen, und was das eigentlich alles mit Bielefeld zu tun hat.

Zeichnerisch hat diese Adaption durchaus ihren Reiz: Im Gegensatz zu den überflüssigen Comicvarianten großer Hollywood-Filme, die meist versuchen, möglichst realistisch den Look des Films nachzuahmen, bringt Zeichner Embe (der aus der Nähe von Bielefeld stammt) seine ganz eigene Note in das Projekt. Sein Zeichenstil geht eher in Richtung Cartoon und fällt vor allem dadurch aus dem Rahmen, dass alle seine Protagonisten zwei unterschiedlich große Augen haben (ein Merkmal, das auch auf seine anderen Comic, wie z.B. seine Beiträge in Perry – Unser Mann im All) zutrifft. Lediglich die immer wieder eingestreuten Ansichten von lokalen Gebäuden oder Plätzen sind realistisch und wirklichkeitsnah, ansonsten reagiert Zeichentrick-hafte Vereinfachung, die in ihren besten Momenten an die Simpsons erinnert.

Die Bielefeld Verschwörung hat einen interessanten Ansatz und eine originelle grafische Umsetzung, kann aber als Geschichte nicht überzeugen. Zu holprig ist die Story, zu schablonenhaft die Figuren, zu lahm die Gags (Nur ein Beispiel: Die Frauen im Comic heißen Luci Fair und Rita Lihn. Wirklich.). Für Menschen in und um Bielefeld (sollte die Stadt denn tatsächlich existieren) hat dieses multimediale Paket sicher seinen Reiz, was vor allem am Lokalkolorit liegt. Der Nicht-Bielefelder dagegen bleibt eher unbeeindruckt.


Die Bielefeld Verschwörung
Pendragon Verlag, Mai 2010
Text: Thomas Walden
Zeichnungen: Embe
88 Seiten, Softcover, schwarz-weiß, 10,95 Euro
ISBN: 978-3-86532-199-2

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Nette Idee, durchwachsene Ausführung.

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Abbildungen: Embe, Pendragon Verlag

R.I.P. Best Of 1985-2004


Cover der französischen Ausgabe von R.I.P.Hand Made Quality – so verweist der Zürcher T.O.T.T. alias Thomas Ott völlig zu Recht mit breiter Brust auf seine außergewöhnliche Technik. Denn Ott zeichnet nicht. Nein, er entlockt seine bitterbösen Geschichten schwarzem Schabkarton – und durch Kratzen mit einem Rasiermesser! In der Edition Moderne sind regelmäßig Arbeiten des Ausnahmetalents wie Cinema Panopticum oder The Number 73304-23-4153-6-96-8 erschienen, mit R.I.P. Best Of 1985-2004 liegen seine Kurzgeschichten erstmals in einem Band vor.

Die Kurzgeschichten sind mal ein und mal mehrere Seiten lang. Ott versteht es dabei stets, seine Pointen zu setzen. „You have to do something while waiting for death“ – das Zitat des Schriftstellers Håkan Nesser steht quasi einleitend als Schlüssel zum Werk TOTTs, dessen Arbeiten von einem tiefen Anarchismus und Nihilismus geprägt sind. Der Tod ist auch ein wiederkehrendes Motiv in TOTTs Kurzgeschichtenband. Der Tod, das ist der schwarze Schabkarton. Die ausgekratzten Linien flimmern nur für eine Sekunde wie ein kurzer Lichtschimmer auf, um eine Geschichte zu erzählen, nur um dann wieder im Nichts des Schwarz zu verschwinden.

Der Tod drückt sich schließlich auch im Nichtvorhandensein eines Textes aus – sprich, TOTT macht Stummcomics. Und das macht ihn erst recht zum erzählenden Virtuosen oder zum virtuosen Erzähler. Denn die Kraft der Bilder wiegt dadurch doppelt so viel wie bei textbehafteten Comics. TOTT versteht es routiniert und meisterlich, nur durch die Mimik seiner Figuren oder durch ungewöhnliche Perspektiven seine Geschichten zu erzählen, wofür andere Autoren mehrere Seiten oder gar ganze Bücher benötigen.

Obwohl der Zürcher die Genres dabei wechselt wie andere Leute ihre Unterwäsche, bleibt das zynisch-nihilistische Leitmotiv immer erhalten – die Atmosphäre des Vergeblichen und des Scheiterns, die überall mitzuschwingen scheint. Hinzu kommt aber eben noch das anarchistisch-satirische Element, wodurch die pessimistische Weltsicht aufgelockert und erheitert wird. Ob Crime Suspense, Shock Suspense, Horror-Satire oder abgedrehte Fantastik – TOTT benutzt seine pointierten Schauergeschichten, um auf hintergründige Weise Kulturkritik auszuüben. So bekommen Anhänger des Jugendwahns und Schönheitsoperationen genauso ihr Fett weg wie geldgieriger Abschaum. Die moralisch einwandfreien Helden dagegen scheitern. Egal ob es nun der Clown ist, der Selbstmord begeht, oder der ambitionierte Held, der bei einem Rettungsversuch erschossen wird.

Beispielseite aus R.I.P.Die Qualität und die Durchschlagskraft der Geschichten schwanken in R.I.P. Best Of 1985-2004. Nicht alle Erzählungen sind Meisterstücke und manche verfallen mehr ins gewaltverherrlichende Splatter-Genre als andere. Durch die Radikalität seiner Bilder und Geschichten erinnert er an kompromisslose Filmemacher und deren Werke wie David Lynch, Quentin Tarantino, Robert Rodriguez, Aki Kaurismäki oder die Coen-Brüder. Und tatsächlich listet TOTT diese Regisseure neben weiteren Künstlern auf aus allen Nähten platzenden Seiten im Anhang auf. Aus dem Comicbereich nennt er beispielsweise Lorenzo Mattotti oder Robert Crumb. Apropos Comicbereich – in einer Episode hat er in R.I.P. Best Of 1985-2004 mit dem Franzosen David B. (Die heilige Krankheit, Kapitän Scharlach, Auf dunklen Wegen) zusammengearbeitet, welche auch zu den besten Geschichten zählt, denn hier kommt der fantastische Einfluss David B. bereichernd zu TOTTs hypnotischen Bildern hinzu.

TOTTs Strich – wenn man das überhaupt so sagen kann – ist genauso so scharf wie das Instrument, das er dafür verwendet. In endlos erscheinender Arbeit beseitigt TOTT in endlos vorkommenden Schraffuren und Kreuzschraffuren, was er seinem Schabkarton nicht mehr zugesteht. Man kommt beim Lesen einfach nicht mehr aus dem Staunen heraus – da ist die rasante Dynamik der zuckenden Linien, das Spiel mit dem Licht, wie es sonst meist nur im Kino vorkommt, sowie der Wechsel von genialer Einfachheit und akribischer, ja besessener Detailverliebtheit.

Wenn TOTT konsequenter sozial- und kulturkritisch und etwas weniger auf seine Splatter-Effekte setzen würde, dann wäre R.I.P. Best Of 1985-2004 eine hervorragende Publikation geworden. So bleibt es immer noch ein guter Stummcomic, der allein schon durch die atemberaubenden Bilder begeistert.

R.I.P. Best Of 1985-2004
Edition Moderne, Mai 2010
Szenario und Zeichnungen: Thomas Ott
Halbleinenband, 192 Seiten, schwarzweiß, 26,- Euro
ISBN 978-3-03731-052-6

Website des Verlags mit Otts Werken
Website des Künstlers

Gut!

Buchstäblich messerscharfe Bilder treffen auf unzimperliche und pointierte Kurzgeschichten!

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Abbildungen: Cover © L'Association (mangels größerem Cover von Edition Moderne) und TOTT, Seite © Edition Moderne und TOTT

Neukölln als Comic


Zwischen Rütli-Schule und Dreißigjährigem Krieg –
Vorstellung des Jubiläumscomics in Berlin

Comic zum 650. Geburtstag NeuköllnsDer berüchtigte Berliner Stadtteil Neukölln feiert sein 650. Stadtjubiläum. Das Kulturamt Neukölln beauftragte zu diesem Anlass die Autorin und Filmemacherin Anna Faroqhi mit einem Comic über die Geschichte des Orts. Der im Dağyeli-Verlag erschienene Band trägt den Titel „Weltreiche erblühten und fielen – 650 Jahre Geschichte Rixdorfs und Neuköllns“ und hebt damit schon das Underdog-Image Neuköllns hervor.

Deren Bewohner mussten im Schatten der Großen dieser Welt leben: Seitdem Neukölln (damals noch unter dem Namen Richardsdorp) laut Urkunde am 26.Juni 1360 von Mönchen des Johanniterordens gegründet wurde, ist die Geschichte von Zuwanderung, Armut und Überleben geprägt. Aus Richardsdorp wurde schließlich Rixdorf, das sich 1912 in Neukölln umbenannte, weil sein schlechter Ruf als Vergnügungsviertel die Grundstückspreise drückte.

Anna Faroqhi bei der Präsentation ihres Comics und der Geschichte  NeuköllnsDie Idee zu diesem Projekt kam Dorothea Kolland, der Leiterin des Kulturamts Neukölln, bei einem Besuch in Toronto. Sie bemerkte dort, dass das Einwanderungsland Kanada seiner multikulturellen Bevölkerung in öffentlichen Bibliotheken mehrsprachige und leicht verständliche Literatur über ihre neue Heimat zugänglich machte. Darunter befanden sich auch Comics für Erwachsene, damit weniger Belesene nicht auf Kinderliteratur zurückgreifen müssen, wenn sie sich unterhalten oder bilden wollen. Dorothea Kolland beschloss also, das Neuköllner Jubiläum mit einem Comic zu würdigen, um der Mehrheit seiner Bewohner die Geschichte des Stadtteils vermitteln zu können.

Auch die gebürtige Berlinerin Anna Faroqhi lebt in Neukölln. Sie bezeichnet sich als „Nebenbei-Zeichnerin“, sah in dem Projekt aber eine Möglichkeit, über das Zeichnen ein Gespür für die Ortsgeschichte zu entwickeln. Empfohlen hatte sie sich in den Augen von Dorothea Kolland mit einem Film über Neuköllner Häuser, die Spuren von jüdischer Geschichte und Widerstand in der Nazizeit tragen.

Seite aus Anna Faroqhis Neukölln-ComicAnna Faroqhi näherte sich der Vergangenheit ebenso über Originalzeichnungen und -fotos und verband die Geschichtsstunde mit Alltagserlebnissen ihrer eigenen Familie inmitten ihrer multikulturellen Umgebung. Deswegen sagt sie über ihre Arbeit: „Dieser Comic ist nicht von außen gemacht, sondern kommt von innen.“ Die Menschen auf den Bildern, die wir von Neukölln sehen, existieren wirklich. Um die Vielfalt Neuköllns zu zeigen, stellt Anna Faroqhi sie mit biografischen Notizen vor: den Falafelverkäufer, eine traumatisierte Besucherin auf dem türkischen Friedhof oder den Taxifahrer, der jeden Tag im Vorbeifahren seiner Familie winkt.

Seite aus Anna Faroqhis Neukölln-ComicBei solch einem pädagogischen Herzensprojekt wäre es ungerecht, sich an den etwas simplen Zeichnungen zu stoßen. Der den gesamten Band durchziehende Ton eines Kinderhörspiels wiegt da deutlich schwerer. Die subjektive Erzählweise stellt zudem gerade im Kontrast zur problematischen Vergangenheit und Gegenwart die Faroqhische Familienidylle recht penetrant heraus, so dass letztendlich doch dort eine Kluft besteht, wo eine Brücke geschlagen werden sollte.

Aber letztlich sind ästhetische Kriterien hier weniger relevant als die Wahl des Kulturamts Neukölln, gerade auf den Comic zu setzen, um möglichst viele Einwohner zu erreichen, was man als Zeichen dafür werten mag, dass das Medium einen weiteren Schritt hin zu einer arrivierten Kunstform getan hat.
(Website des Kulturamts Neukölln zum Programm des 650. Jubiläums)

Weltreiche erblühten und fielen – 650 Jahre Geschichte Rixdorfs und Neuköllns
Dağyeli-Verlag, Juni 2010
Text und Zeichnung: Anna Faroqhi
Paperback, 120 Seiten, schwarz-weiß; 9,50 Euro
ISBN: 978-3-935597-82-1

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Aliens: Nekropolis

 Endlich gibts auch hierzulande neues Comicmaterial zu den bekanntesten Xenomorphen unserer Zeit. Diesmal, im Gegensatz zu den den drei bisherigen Aliens-Bänden von Cross Cult, in Farbe, im US-Format und neben der Hardcover-Version wahlweise auch als Softcover erhältlich. Leider kann der neue Einzelband „Nekropolis“ qualitativ nicht an den weitaus stylischeren Geschichten der Schwarz-Weiß-Reihe anknüpfen. Erzählt wird aus der Sicht des Wissenschaftlers David Sereda, der am Anfang des Comics über die Kultur der Aliens sinniert (als Prolog ist diese Szene auch Teil jenes Heftes, das Cross Cult zum Gratis-Comic-Tag besteuerte), bevor er sich an Bord des Raumschiffes Vidar in Richtung des Planeten Chione begibt. Dort haben Archäologen eine außerirdische Ruinenstadt ausgegraben. Welche tödliche Falle sich im Innern verbirgt, dürfte für den Leser kaum eine Überraschung darstellen. Verblüffender ist da schon die Verwandlung des unscheinbaren Sereda in einen coolen, schießwütigen Soldaten. Die ihm zur Seite stehende Gruppe Überlebender dezimiert sich freilich aufs Ende zu, der Rest ist Überlebenskampf und viel Ballerei.

Natürlich ist das das vornehmliche Konzept des Franchise, einen über die Maßen anspruchsvollen Comic sollte man demnach auch gar nicht erwarten. Erhofft hatte ich mir allerdings ein paar frische Ideen. In dieser Form kann „Nekropolis“ sich jedenfalls nicht von anderen beliebigen Sci-Fi-Comics abheben. Die Zeichnungen bedienen einen ordentlichen US-Standard, nicht mehr, nicht weniger. Für eingefleischte Aliens-Fans mag das alles genügen, doch ich vermisse dann doch die gruselige, beklemmende Atmosphäre, die mir die farbfreien Erzählungen im verkleinerten A5-Format auf wenigen Seiten zu vermitteln wussten. Das mag nun an der Arveit des Kreativteams John Arcudi und Zach Howard liegen oder an der Aufmachung des Bandes.

Aliens: Nekropolis
Cross Cult, Juni 2010
104 Seiten, farbig, SC und HC
Preis: 14,80 Euro (SC), 19,80 Euro (HC)

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Comic-Salon 2010: Das Messe-ABC

 Von A wie Armdrücken bis W wie Western berichten wir auch in diesem Jahr wieder von unseren persönlichen Eindrücken, die wir auf dem Comic-Salon Erlangen hatten. Vier Tage voller Comics, mit wenig Schlaf und einem Überangebot von Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Filmen und mehr. Wir brauchten ein wenig Zeit, mussten alles erstmal ein wenig sacken lassen und haben nun aufgeschrieben, was hängenblieb in diesem Jahr.

Vom Comic-Salon 2010 berichten an dieser Stelle Andi (av), Christopher (cb), Daniel (dw), Frauke (fp) und Thomas (tk).

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A

Armdrücken

Steffi Schütze vs. Regina HaselhorstDer neue Volkssport auf dem Comic-Salon – und das nicht nur bei gestandenen Kerlen wie Eckart Breitschuh, Boris Kiselicki und Ingo Römling: auch die Berliner Comicdiven Regina Haselhorst und Steffi Schütze zeigten beeindruckende Muskeln und Technik. Weitere Armdrückduelle, die wir gerne gesehen hätten:
Hella von Sinnen vs. Erlangens Oberbürgermeister
Harald Havas vs. aha
Und natürlich:
Eckart Sackmann vs. die Jury des Max & Moritz-Preises (av)
(Foto: Maikel Das)

B

Banner

 Hat nichts mit Bruce Banner oder Hulk zu tun. Den Stand von Comicgate zierte in diesem Jahr zum ersten Mal ein schmuckes Banner. Alu-Kiste auf, ausrollen, einstecken – fertig! (cb)

D

Demonstration

 Die Juroren des Max-und-Moritz-Preises gaben sich in diesem Jahr betont innovativ. Mit Schildern, auf denen die Namen der Nominierten zu lesen waren, demonstrierten sie … ja, was eigentlich? Dass Namen eben doch nur Schall und Rauch sind? Dass Menschen in Smokings und handgearbeitete Holzschildchen in krassem Gegensatz zueinander stehen? Oder dass Abstimmungsverfahren bei prestigeträchtigen Großpreisen auch nicht viel komplexer sind als Punkt-Punkt-Komma-Strich? (cb)

F

Fotolovestory

Foto-Love-StoryWieder einmal hat sich gezeigt, dass Cosplayer keine Scheu davor haben, sich ablichten zu lassen. Vielmehr scheint es zu einem Sport geworden zu sein, möglichst viele willige Fotografen auf sich zu ziehen. So stark scheint die Anziehungskraft der kostümierten Helden zu sein, dass sich immer mehr unverkleidete Menschen mit auf die Fotos drängen. Der junge Mann auf dem Beispielfoto fühlt sich sichtlich wohl, doch wirkt er mehr wie ein Fremdkörper in einer Bravo-Fotolovestory neben den Damen. (dw)

H

Hahn, die Sache mit

Hahn und MeterDie wohl unterhaltsamste Podiumsdiskussion auf diesem Comic-Salon trug den Titel „Schreiben für den Comic“. Man versammelte sich zahlreich, um zu erfahren, dass die deutsche Comicszene nun einen Szenaristen gefunden habe, den man gebührend feiern konnte: Peer Meter (Foto rechts). Endlich würde das schreibende Volk Einzug in die Comicwelt halten. Diesem Siegeszug stand nur eine kleine Sache im Wege, ein Mann im Hahnenkostüm. Der zweite Szenarist, der geladen war, Rochus Hahn (Schwarzer Turm und Drehbuchautor von Das Wunder von Bern), kam in entsprechender Garderobe. Wie sollte man aber mit einem Autor umgehen, der so verkleidet die Bühne betrat und dann druckreif über seine Erfahrungen als Comicautor erzählt?
Während die anderen Gäste sich sehr verwundert zeigten, hatte Moderatorin Brigtte Helbling – nach einem anfänglichen Fauxpas, bei dem sie, noch nicht den Nachnamenwitz begreifend, Robi als „im Huhnkostüm“ vorstellte – die Ruhe weg, lenkte die Unterhaltung und fragte nach der Zusammenarbeit von Autor und Zeichner. Obwohl die Frage, wie man für den Comic schreibt, nicht beantwortet wurde, stellte diese Diskussion wieder einmal heraus, wie subversiv der Comic und seine Akteure wirklich sind. Denn auch für die Autoren gilt: Der Comic ist eine Form, die sich nicht in ein Museum hängen lässt, die keine fixen Vorgaben hat, sondern gelebt werden muss. Einhellig einigte sich die Runde darauf, dass einen hervorragenden Comic weder guter Text noch gute Zeichnungen ausmacht, sondern die textliche und zeichnerische Kunst des Erzählens. Was gekonnt sein will. (dw & fp)

I

ICOM Independent-Comic-Preis

Bester Independent-Comic: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust

Bester Kurzcomic: „Die Schande von Rahlstedt“ von aha, in: Epidermophytie 15 – A tribute to Koma-Comix

Herausragendes Artwork: Ein Mann geht an die Decke von Katharina Greve

Herausragendes Szenario: drüben! von Simon Schwartz

Sonderpreis für eine bemerkenswerte Comicpublikation: SPRING 6: „Verbrechen“

Sonderpreis für eine besondere Leistung oder Publikation: Vicky Danko, Beatrice Beckmann, Olivia Vieweg für das Engagement beim Independent Manga

Lobende Erwähnungen:
Dave Grigger von Mamei und Ivo Kircheis
Die Anthologie Jazam!
Kleiner Vogel rot von Christopher Bünte und Veronika Mischitz
Leroy & Dexter von Thomas Gilke

Und wie das so bei Preisverleihungen ist, gab es am Ende einige zufriedene oder immer noch freudig überraschte Gesichter, Schulterklopfen und Händeschütteln und lange Mienen – sei es aus Enttäuschung, dass man (wieder mal) übergangen wurde oder aus Solidarität mit geschätzten Comickünstlern, die leer ausgingen.
Ein Kritikpunkt ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen: Wenn Verlage wie Reprodukt und avant sowohl beim ICOM Independent-Comic-Preis als auch beim Max-und-Moritz-Preis  (siehe M) mit Nominierungen vertreten sind, muss man die Frage stellen, wofür denn eigentlich das „Independent“ noch steht bzw. wo sich diese Verlage mittlerweile selbst verorten. Dass in diesem Fall Ulli Lust nicht nur den ICOM-Preis in der Hauptkategorie „Bester Independent-Comic“ abräumte, sondern auch noch den Publikumspreis des Max-und-Moritz-Preises mit ihrem von avant verlegten Comic gewann, stieß bei manchem Anwesenden auf leichtes Unverständnis. Die doppelt prämierte Künstlerin löste das Dilemma jedoch sehr diplomatisch: Als sie auf der Bühne des Markgrafentheaters von Moderator Denis Scheck gefragt wurde, ob sie stolz sei, den Max und Moritz-Preis gewonnen zu haben, antwortete sie: „Ich freue mich vor allem, dass ich den ICOM-Preis gewonnen habe.“ Das dürfte einige Gemüter wieder besänftigt haben. (av)

J

Jamiri

War zwar im Programm als anwesender Künstler aufgelistet, aber hat sich offenbar vor dem Trubel gedrückt. Oder hat der notorisch publikumsscheue Zeichner etwa seine Ankündigung aus dem Interview im Comicgate-Magazin 4 wahr gemacht und war incognito mit falschem Bart auf dem Salon unterwegs? (av)

Jubiläum

Jan Dinter (rechts) hat Geistesblitz, Thomas Kögel (links) freutsUnglaublich! Bereits zehn Jahre haben wir auf dem Buckel und fühlen uns eigentlich noch ganz gut. Zur Feier des Jahres brachten wir unseren ersten gedruckten Band eines einzelnen Künstlers heraus (siehe „Schwarz, weiß, tot“). Zusammen mit dem Comicforum, das 2010 ebenfalls sein zehnjähriges Jubiläum feiert, verteilten wir auf dem Comic-Salon Flyer zu einem Gewinnspiel mit fiesen Fragen und tollen Gewinnen. Thomas hat während der vier Tage seine wahre Berufung als Rätselonkel gefunden und eine wahre Freude daran entwickelt, die Rätselnden auf die richtige Fährte zu führen (auf dem Foto Jan Dinter rechts). Unsere gemeinsame Jubiläumsseite: 10jahrecomics.de! Direkt auf dem Salon gab es auch was zu gewinnen, siehe Quiz. (fp)

K

Kaffeeautomat

 Der Retter in der Not! Quell allen Lebens (zwischen 10-12 Uhr vormittags)! Milchschaumdüse inklusive! Tagein, tagaus wurde der Kaffeeautomat liebevoll gepflegt von den charmanten, eifrigen Pressedamen! Wir danken Euch! (cb)

Kitzmann Bräu

 Kitzmann, das bei Salon-Besuchern beliebte, einheimische Erlangen-Bier. Nach jahrelangen akribischen Forschungen ist es zwei Mitgliedern von Comicgate endlich gelungen, den Ursprungsquell dieses blubbernden Kaltgetränks ausfindig zu machen. (Ausfahrt bitte Tag und Nacht freihalten!) (cb)

M

Mahler, Nicolas

 Der Österreicher hatte zwei neue Bücher am Start, eine eigene Ausstellung auf dem Salon, wurde beim Max und Moritz-Preis zum Besten deutschsprachiger Comic-Künstler erklärt und hatte natürlich auch Signierstunden zu absolvieren. Wie schafft man ein solches Pensum? Einfach Kollegen und Pressefritzen mit einspannen! Merkt doch sowieso keiner, wenn da auf einmal Jens Harder oder Lars von Törne sitzen! (tk)
(Abbildung: Screenshots von comicforum.de)

Max-und-Moritz-Preis

Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Pierre Christin

Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Nicolas Mahler

Bester Comic-Strip: Prototyp / Archetyp von Ralf König

Bester deutschsprachiger Comic: Alpha. Directions von Jens Harder

Bester internationaler Comic: Pinocchio von Winshluss

Bester Comic für Kinder: Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln von Nadia Budde

Spezialpreis der Jury: Salleck Publications und Carlsen Comics für ihre Will Eisner-Ausgaben
Die Spirit Archive und Ein Vertrag mit Gott. Mietshausgeschichten

Sonderpreis für eine studentische Comic-Publikation: Strichnin von der Hochschule Augsburg / Fakultät für Gestaltung

Publikumspreis: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust

In Comickreisen wird gerne gelästert, die Preisverleihung sei immer wieder die ödeste, drögste und langweiligste Veranstaltung des gesamten Salon-Programms. In diesem Jahr war das nicht der Fall, auch dank Co-Moderatorin Hella von Sinnen, die der Gala den dringend benötigten Schwung verschaffte (siehe auch V wie „von Sinnen, Hella“). Leider konnte auch sie nicht verhindern, dass der Abend zwischendurch einige Längen bekam und mit zweieinhalb Stunden Dauer einfach zu lang wurde. Es war warm, es war spät, die Leute hatten Durst und wollten nur noch raus. Kein Wunder, dass sich das Publikum nicht lange bitten ließ, als Nicolas Mahler, zum Schluss des Abends als Bester deutschsprachiger Comic-Künstler ausgezeichnet, anstelle einer Dankesrede nur einen Satz sagte: „Können wir Schluss machen?“ Wenn sich 2012 ein Regisseur finden sollte, der den Abend straff auf 90 Minuten Laufzeit verknappen kann, wäre das ein mindestens ebenso großer Gewinn wie die unterhaltsame Frau von Sinnen.
Kritische Gedanken zur Auswahl der nominierten Titel gibt es hier zu lesen. (tk)

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N

Na’vi, der

Salon-Na'viGanz im Zuge von James Camerons Mega-Blockbuster Avatar, dessen 3D-Effekte von der gesamten Comicgate-Redaktion als reine Hascherei empfunden wurde, durften die Effekte auch auf dem Comic-Salon nicht fehlen. Cameron schickte einen seiner Statisten, um ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Da der Werbeetat aber wohl schon vollendens ausgeschöpft war, musste der arme Laiendarsteller die blaue Schmiere selber auftragen. Ein Video von dieser seltsamen Verwandlung gibt es bestimmt bald auf der Deluxe-Edition von Avatar in der stylischen 4E-Box. (dw)

P

Pink

Pauli in pink … leuchtet seit Neuestem die Haarpracht des Münchner Comic- und Weizenbier-Maskottchens Pauli. Etwa ein fehlgeschlagener Versuch, sich die Haare in seiner erklärten Lieblingsfarbe Rot zu färben? Harmonierte jedenfalls hervorragend mit Ans DeBruins grünen Strähnen am Stand nebenan. (av)
(Foto: Maikel Das)

PR

PF-ElfeEs geht doch wirklich nichts über eine gute PR. Während wir uns wie Schneekönige und -innen über unserer neues Zweimeterzwanzig-Comicgate-Banner freuten, waren die Herren vom Stenarts Ltd. schon zwölf Schritte weiter. Sie ließen einfach eine junge Dame im Feenkostüm über die Messe laufen und Flyer für ihren Comic/ihr Animationsprojekt Ria verteilen. Living PR nennt man wohl sowas. Nur musste sie den Gästen verständlich machen, dass sie kein Cosplayer sei, sondern Werbung für einen neuen Comic mache. Fast alle männlichen Besucher und Aussteller wollten mehr über den Comic wissen. (dw)

Q

Quiz

Frauke auf der Bühne am 2. TagBernd auf der Bühne am 1. TagAn allen vier Tagen machten sich entweder Comicgate oder Comicforum auf der Außenbühne zum Affen: Anlässlich unseres zehnten Jubiläums (siehe „Jubiläum“) traten nach dem Prinzip „Blamieren oder Kassieren“ je nach Tag Bernd, Henning (beide vom Comicforum), Thomas oder Frauke jeweils einzeln gegen Leute aus dem Publikum an und mussten Fragen beantworten. Wenn wir schneller waren, bekamen wir nix, wenn der Besucher schneller war, bekam er einen Comic. Eigentlich ganz einfach. Je nach Sicht dummer- oder schlauerweise waren die Uhrzeiten an den ersten beiden Tagen aber so ungeschickt gelegt, dass draußen nicht viel los war und es mancher Anstrengung bedurfte, Leute zum Mitmachen zu bringen. Spontan legten wir dann den Termin für die letzten zwei Tage auf die Mittagszeit. Moderator Michael machte seine Sache super, so dass die Aktion sehr locker wurde. Nur die von ihm erdachten Fragen waren etwas einseitig auf Animationsfilme, Klassiker oder Kindercomics ausgerichtet. Wenn man da oben steht, findet man es schon komisch, dass man Menschen zu ihrem Glück beschwätzen muss. Die Fragen waren nämlich wirklich machbar: Einerseits bekam ich es noch auf die Reihe, dass Schneewittchen der erste Disney-Zeichentrickfilm war und dass Linus von den Peanuts mit einem Schnuffeltuch durch die Gegend rennt – stand aber ratlos vor der Frage, von wem Klopfer der beste Freund ist. Tja, wieder was gelernt. (fp)

R

Raumnot

Schmiss im Jahr 2008 Ehapa noch samstags eine exklusive Verlagsparty für geladene Gäste, gab es dieses Mal eine große, für die Allgemeinheit offene Gemeinschaftssause von Carlsen, Panini und Ehapa. Der Ort: ein thailändisches (Bar-)Restaurant names Zen. Schicke Location in einem restaurierten Erlanger Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert – nur für eine derartige Party ziemlich ungeeignet, denn die Fläche verteilt sich dort auf insgesamt drei, für sich genommen eher schmale Etagen. Das hatte folgendes Szenario zur Folge: Im Erdgeschoss staute sich alles hoffnungslos, was die ohnehin warme Frühsommernachtstemperatur noch einmal rasant ansteigen ließ. In der zweiten Etage konnte man sich zwar bewegen, aber dafür hatte das Thermometer noch einmal um mindestens fünf Grad zugelegt. In der dritten Etage herrschte schließlich drückendes Tropenklima, was dazu führte, dass auf der von DJ Christopher „Piwi“ Tauber bestens beschallten Tanzfläche das Bier literweise wieder augeschwitzt wurde und Schweißflecken sich rasant über die gesamte Gaderobe ausdehnten. Wohl denen, die dunkel gekleidet waren.
Während hoch oben trotz der widrigen Umstände ausgelassen getanzt wurde, nahm die Partymeute auf Straßenniveau die Situation gewohnt kreativ in die Hand und verlegte die Feier kurzer Hand nach draußen vor das Zen – was wiederum den Türstehern nicht ins Konzept passte, die das geschäftige Raustragen der Partygetränke schnell wieder stoppten. Nutznießer des Abends: der am nächsten stationierte Budenbesitzer, der somit kurzer Hand zum Open-Air-Party-Caterer aufstieg und die überraschte Wirtin des Schwarzen Ritters, in dem sich einige weniger hitzebeständige Comicmenschen an diesem Abend bereits deutlich früher einfanden als gewohnt. (av)

S

Schalker, Kurt

Wenn man sich in vielen Jahren an die 2010er-Ausgabe des Comic-Salons erinnern wird, wird man mit Sicherheit davon sprechen, dass 2010 das Jahr war, in dem Kurt Schalker wiederentdeckt wurde. Der Doyen, der Pate, der Urvater der Comicblogger. Vor dem Salon kannte niemand diesen Namen, hinterher war er in aller Munde, nachdem er auf der Podiumsdiskussion „Comics 2.0“ erstmals gewürdigt wurde. Mehr über Kurt Schalker hat Klaus Schikowski für uns aufgeschrieben. (tk)

Schiebermützen

 Klarer Style-Trend 2010: Auf den Kopf muss eine Schiebermütze. Auf unserem Bild beweisen dies (von vorne nach hinten): Christian Nauck, Falk „Zapf“ Holzapfel und Andi Völlinger. Unsere Prognose: 2012 wird auch Landrömers Kauboi (im Bild hinten rechts) Schiebermütze tragen. (tk)

Schwarz, weiß, tot – Cartoons von Lapinot

Bastian beim Signieren von Schwarz, weiß, totheißt der Cartoonband, den wir anlässlich unseres zehnjährigen Online-Jubiläums herausgegeben haben und auf den wir mächtig stolz sind. Autor und Zeichner ist Bastian „Lapinot“ Baier, der an allen vier Tagen netterweise fleißig signiert hat. Es war sehr spannend, die Reaktionen der Leute beim Reinblättern zu beobachten. Entweder grinsten sie verzückt und zeigten ihren Begleitern begeistert die Cartoons oder legten den Band verwirrt wieder zurück. Schwarzer Humor ist halt nicht jedermanns Sache … Highlight war sicherlich der Sonntag, an dem ein Kunde sage und schreibe sechs Bände gekauft hat, weil ihm immer wieder neue Leute einfielen, denen er einen schenken wollte. Bastian hatte mit dem Signieren gut zu tun und war glücklich. Mehr zu Schwarz, weiß, tot hier auf der Produktseite. (fp)

Sprechblase, Die

Es ist doch immer eine Freude, auf dem Salon neue Menschen kennen zu lernen; Kollegen, die auch an ihren Comicmagazinen arbeiten. Gerne unterstützt man diese technikversierten Menschen mit Equipment und guten Ratschlägen. Dennoch kann es dabei mal passieren, dass die eigene Gutmütigkeit zu einem Dorn im Auge wird. Da wir dank der Comicforschung wissen, dass fast jede Sprechblase einen solchen Dorn besitzt, verwunderte es nicht, dass er manchmal sticht. Gefühlte fünfhundert Besuche des Redakteurs später sind wir trotz strapazierter Nerven beide zu dem gleichen Schluss wie Mawil gekommen: „Wir können ja Freunde bleiben!“ (dw)

Sticker-Album

 Beim letzten Salon 2008 war das extra aufgelegte Panini-Sammelalbum noch eine Neuheit, diesmal schon eine kleine Tradition: Auch in diesem Jahr konnten die Besucher an vielen Verlagsständen, Ausstellungen und anderen Standorten auf Sticker-Jagd gehen. Und wie sie auf die Jagd gingen: Da die Auflage der Sticker diesmal kleiner war als vor zwei Jahren, neigte sich bei manchen der Vorrat recht schnell dem Ende entgegen, einige Sticker waren nach kurzer Zeit vergriffen (es sei denn man teilte die Sticker so vorausschauend in Portiönchen ein wie Andreas Mergenthaler von Cross Cult auf unserem Foto). Die Folge des Engpasses: weinende Kinder, ernsthaft enttäuschte, fast schon beleidigte Erwachsene. Aber auch ein ehrliches Glänzen in Männeraugen. Wer hätte gedacht, dass sich gestandene Comicveteranen wie Hartmut B. so über ein unscheinbares Aufkleberchen freuen kann, das ihm noch in der Sammlung fehlte? Und wer hätte gedacht, dass die aller-allerletzten Zecher, die Sonntagnacht im Schwarzen Ritter verblieben sind, keine Comiczeichner, sondern zwei völlig ins Tauschen und Kleben vertiefte Fanboys waren? (tk)

T

Tierkostüme

Hoppel-Greta … waren in Erlangen total en vogue. Neben Robis spektakulärem Auftritt im Hahnenkostüm bei bei der Podiumsdiskussion „Schreiben für den Comic“ (siehe „Hahn, die Sache mit“) sah man auch Tijuana-Bible-Macherin Greta im Hasenkostüm durch die Heinrich-Lades-Halle hoppeln (süüüß!). Grund war eine verlorene Wette mit Moritz Stetter, deren Zweck gegenseitige Motivation bei den jeweiligen Comicprojekten sein sollte. Das komplette Zeichner-Duell der beiden läßt sich hier nachverfolgen. (av)

V

von Sinnen, Hella

Ihre Affinität zu Comics bewies Hella von Sinnen im letzten Jahr, als sie für die Ehapa Comic Collection einen Band mit Carl-Barks-Geschichten zusammenstellte und diesen auf der Frankfurter Buchmesse promotete. Dass sie in diesem Jahr als Co-Moderatorin bei der Preisverleihung des Max-und-Moritz-Preises auf der Bühne stehen sollte, weckte im Vorfeld eher gemischte Gefühle. Die Frau, die sich einst im Privatfernsehen Torten ins Gesicht schleudern ließ und heute gerne etwas zu laut links außen in einer dieser Panelshows mitgackert, als Conferencier im Markgrafentheater? Noch dazu neben dem eher schwäbisch-behäbigen Dennis Scheck? Die Wahl entpuppte sich jedoch als Glücksgriff: Hella von Sinnen trug entscheidend dazu bei, dass die Preisverleihungs-Gala in vielen Momenten einen gewissen Showcharakter bekam, also unterhaltsam war. Ihr (vermutlich einstudiertes, aber trotzdem sehr charmantes) Eingreifen bei der Rede des Bürgermeisters brachte ihr viele Sympathien. Positive Überraschung: Frau von Sinnen konnte glaubhaft vermitteln, dass sie sich tatsächlich mit den nominierten Comics befasst hatte und die meisten auch richtig gut fand. (tk)

Wobei Ihre spontan wirkende Art zwar einerseits für Schwung sorgte, andererseits ihre Neigung, anderen Leuten ins Wort zu fallen und sich immer wieder in den Mittelpunkt zu rücken, mich zwiegespalten zurücklässt, ob sie die richtige Wahl für solch eine Moderatorentätigkeit ist. Dass man es ihr abnahm, dass sie sich tatsächlich auf die Comics und die Moderation vorbereitete, ist aber wirklich ein überraschender Pluspunkt. (fp)


W

Western

 Zieh, Fremder! Unter diesem subtilen wie einprägsamen Titel wurden im Großen Saal der Heinrich-Lades-Halle Originalseiten diverser franko-belgischer Western präsentiert. Die Besucher ritten an der Seite von Kurator Klaus Schikowski (Foto), der seinen Treck fachkundig zu diversen Legenden wie Jerry Spring, Leutnant Blueberry, Comanche, Buddy Longway und Bouncer führte. Das Western-Genre als traditionsreicher Eckpfeiler in der franko-belgischen Comic-Landschaft. Die Zelte dieser Ausstellung wurden exklusiv auf dem Comic-Salon aufgeschlagen und werden leider in keinem weiteren Saloon zu sehen sein. (cb)


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