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Sun Village


Sun VillageEine Wohnsiedlung in den Berghang gebaut, so angelegt, dass auch jeder gleich viel Sonne bekommt, eine Ansammlung von Wohnmaschinen mit allen Extras – vom Flachbildschirm bis hin zur Hypothek von 35 Jahren – das ist Sun Village. Die traurige Wirklichkeit der einzelnen Existenzen, die sich hinter dieser musterhaften Fassade verbirgt, ist beispielhaft für unsere moderne Welt. Der gefeierte Mangaka Inio Asano zeichnet in seinem neuen Manga Sun Village ein einfühlsames und poetisches Bild dieser Welt, ohne dabei ihre Brutalität und ihre Trostlosigkeit außen vor zu lassen.

Mit seinem zweiteiligen Manga What a Wonderful World hat Asano bei EMA bereits 2007 wunderbare Kurzgeschichten aus einem modernen Japan vorgelegt. Obwohl sein neuester Manga Sun Village als „abgeschlossene Geschichte“ präsentiert wird, handelt es sich hierbei eher um einen Episodenfilm, dessen Figuren aus verschiedenen Perspektiven zu sehen sind, wie sie immer wieder an den harten Kanten der Betonwüste anecken und zu zerbrechen drohen.

Asano lässt zunächst sein Alter Ego, den Mangazeichner Nozu, die Wohnanlage nach neuen Geschichten für seine Comics durchstreifen. Am Rand dieses ersten Kapitels positioniert Asano geschickt die losen Enden von anderen Geschichten, denen er in den folgenden Kapiteln nachgehen wird. Bereits nach dem ersten Kapitel tritt Nozu wieder in den Hintergrund und übergibt das Wort und auch die Möglichkeit, seine Gedanken zu äußern, den jeweiligen Protagonisten der drei übergreifenden Kapitel.

Gescheiterte ExistenzenDie Helden sind Jugendliche, die ihre Unschuld längst verloren haben, und junge Erwachsene, die irgendwo zwischen kindlichen Phantasievorstellungen und dem Erwachsenendasein gefangen sind. Die wirklichen Erwachsenen dagegen mutieren zu lustlosen, lethargischen Randfiguren, die Selbstmord als einzigen Ausweg aus der Wohnsiedlung und ihrer jämmerlichen Existenz sehen.

Der eigentliche Kontrast in Sun Village entsteht aber erst auf der erzählerischen Ebene. Auf der einen Seite führt Asano die harsche Realität der Bilder kompromisslos vor Augen: Menschen erhängen  oder stürzen sich von Hochhäusern. Auf der anderen Seite bietet er seinen Figuren komplett schwarze Panels an, um ihnen Raum und Zeit für die Entfaltung ihrer Gedanken zu geben: „Wenn wir uns von unseren Zielen verabschieden … wenn unsere Träume und Wünsche sterben … können wir dann in dieser absurden Welt noch bei Verstand bleiben? Geht das überhaupt? Folglich müssen alle Erwachsenen irgendwie verrückt sein.“

Der Blick zum Himmel verstelltDie grafische Darstellung von Sun Village erinnert nicht so sehr an die actionreichen Mangas, sondern mehr an die Gekigas von Jiro Taniguchi, der keine schnellen Panelabfolgen, sondern grafische Freiräume zum Verweilen schafft. Auch Asano schafft diese Orte der Reflexion in seinem Manga, doch wird der  Blick gen Himmel und die Zeit zum Nachdenken immer wieder durch eine mit dem Lineal gezogene Kante eines Hochhauses beschnitten. Die harte Fassade entzieht den Figuren die Möglichkeit zur Ruhe zur kommen.

Sun Village ist eine poetische Reise in die Vororte, in ein Leben, das so durchorganisiert ist, dass es der menschlichen Individualität kaum genug Raum lässt, um sich zu entfalten. Doch ebenso wie die traurigen Existenzen, die an  ihrem Leben scheitern, brechen andere Figuren Asanos wie Löwenzahn durch die Ritzen im scheinbar undruchdringlichen Beton der Neubausiedlung.

Sun Village
shodoku / Schreiber & Leser, Mai 2010
Text und Zeichnungen: Inio Asano
216 Seiten, s/w, Softcover; 14,95 Euro
ISBN: 978-3-941239-31-9

Leseprobe

Eine poetische Reise in die Vororte unserer modernen Welt.

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Abbildungen © Inio Asano, der dt. Ausgabe Leser & Schreiber


Marvel 1602


Cover von Marvel 1602Der Hintergrund für Marvel 1602 ist unlängst bekannt: Aufgrund der Terroranschläge vom 11. September 2001 wollte Erfolgsautor Neil Gaiman (Sandman) kein Szenario zwischen Wolkenkratzern schreiben. So vollzog er die literarische Flucht „nach hinten“. Also ab in die Vergangenheit! Bei Panini Comics ist im Frühjahr eine weitere (Softcover-)Gesamtausgabe der von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeierten Serie erschienen. Offensichtlich traf er mit seinem eskapistischen Rückzug den Nerv der Zeit. Jedenfalls hat sich Gaiman mit Andy Kubert (Wolverine – Origin) zusammengetan, um das vertraute Marvel-Universum in das Jahr 1602 zurückzuverlegen.

Im elisabethanischen England greift König James von Schottland nach der Krone, während der Großinquisitor Enrique von Spanien Jagd auf die „Hexenbrut“ – außergewöhnlich Begabte – macht und die Tochter des Führers der Überseekolonien gemeinsam mit einem „Wilden“ um Hilfe bittet. Sir Nicholas Fury und Dr. Stephen Strange haben am Hof der Königin von England alle Hände voll zu tun, während Graf Otto von Doom seine finsteren Pläne schmiedet. Die Welt scheint ohnehin aus den Fugen, da unerklärliche Wetterphänomene als Vorboten des Weltuntergangs gedeutet werden.

Gaiman vermischt hier auf gekonnte Weise Elemente der Science Fiction (Zeitreise, Zeitanomalien, Alternativwelt) mit Fantasy (Riesendrachen, Magie) und steckt das Ganze in einen geschichtlichen Rahmen. Neben den politischen Ränke- und Machtspielen zwischen Vatikan, Inquisition, England und Schottland greift der Autor genauso auf volkskundliche Hintergründe wie Hexenverfolgung zurück, die sich hervorragend für die Marvel-Welt erweist, weil es dort von begabten Mutanten, Magiern und Hexen nur so wimmelt. Problematisch sind aus ethischer Sicht dagegen die post-9/11-Reflexe Gaimans: Zum Beispiel billigt Elisabeth die Anwendung von Folter, was unwillkürlich an die Guantanamo-Exzesse denken lässt und dadurch einen bitteren Nachgeschmack erzeugt.

Seite aus Marvel 1602Die Grafik besticht durch einen starken Hang zum Mystischen und Übernatürlichen. Kuberts individueller Strich weist einen leichten Einschlag zum Rundlichen, Kindlichen auf, was zum Märchenautor Gaiman jedoch hervorragend passt. Die detaillierten Zeichnungen sind außerdem von Schraffuren gekennzeichnet, was den übernatürlichen Effekt noch einmal verstärkt. Das Artwork besticht darüber hinaus durch eine ungewöhnliche Kolorierungstechnik. Richard Isanove trug die leuchtenden Farben direkt auf die Bleistiftzeichnungen Kuberts auf, wodurch ein besonderer Effekt entsteht. Die gewöhnlich starken Tuschekonturen fehlen dadurch, was die Figuren plastischer erscheinen lässt. Die Kolorierung selbst wird von mystisch wirkenden Farben dominiert: violett, rosa, türkis und blau.

Gaiman hat mit Marvel 1602 innerhalb des Superheldengenres für viel Furore gesorgt. Seine märchenhafte Parallelwelt ist als traumatisierte Reaktion auf 9/11 zu verstehen und deshalb mit Vorsicht zu lesen. Trotzdem kann die grandios erzählte Geschichte in den Bann ziehen und auch für Gelegenheitssuperheldencomicleser interessant sein, die sich für Genre-Crossover oder märchenhaft-morbide Geschichten begeistern. Die Zeichnungen Kuberts sind einmalig und werden durch die außergewöhnliche Kolorierung Isanoves ergänzt.

Marvel 1602 (Gesamtausgabe)
Panini Comics, April 2010
Text: Neil Gaiman
Zeichnungen: Andy Kubert
Softcover, Seiten, farbig; 19,95€
ISBN: 978-3866079304

Leseprobe bei myComics (34 Seiten)
Ganz okay

Die spannende Geschichte und die magischen Bilder ziehen in ihren Bann!

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Abbildungen © Andy Kubert, der dt. Ausgabe Panini Comics

The Warlord 1 – Skartaris


 Während eines Erkundungsfluges kommt US-Airforce-Pilot Travis Morgan vom Kurs ab und entdeckt eine abgeschottete Welt im Erdinneren. Skartaris heißt das archaische Negativ zu der uns bekannten Außenwelt. Mit Schwert und Pistole kämpft er sich fortan durch ein Reich voller Dinosaurier, Ungeheuer, Sklaventreiber und Despoten. Zeit scheint irrelevant, denn die verläuft in Skartaris mal rasend schnell, mal scheint sie still zu stehen. Kein Wunder also, dass dem Krieger aus der vermeintlich fortschrittlicheren Zivilisation über Nacht auf dem Kopf und im Gesicht eine weiße Haarpracht wächst.

Nachdem Morgan als Sklave gefangen genommen wird und als Todeskämpfer in einer Arena antreten soll, sprengt er die Ketten und verhilft allen Mitgefangenen zur Freiheit. Beflügelt von diesem Erfolg beschließt er, so viele Männer wie möglich hinter sich zu sammeln, um einen Großangriff auf den sinistren Magier Deimos zu wagen. Dies ist letztlich die Geburtstunde des Warlord, eines US-Amerikaners, der als Fremder zur Legende wurde.

Mit The Warlord hält einer der großen Helden der 70er und 80er Jahre in deutschen Landen erneut Einzug, nachdem Ehapa dem Comic über längere Zeit einen Platz in der Sammelreihe „Die Großen Phantastic-Comics“ bot. Cross Cult präsentiert die Serie von Mike Grell nun als vorläufig auf sechs Bände angelegte Werkausgabe. Das erste Sammelwerk enthält neben den Nummern 1-10 der US-Serie The Warlord auch die achte Ausgabe des „1st Issue Special“, welches den frühesten Auftritt von Travis Morgan enthält, noch bevor dieser seine eigene Reihe erhielt.

 Mutig hat der Verlag sich entschlossen, The Warlord komplett in Schwarz-Weiß zu veröffentlichen. Das Ergebnis dürfte allerdings auch den letzten Skeptiker überzeugen: Grells ausdrucksstarker und von anatomischer Präzision beherrschter Strich gewinnt durch die fehlende Kolorierung unheimlich an Kontrast und Detailschärfe. Gerade die pompösen Doppelseiten zu Beginn jedes Kapitels sind ambitionierte Kunstwerke, bei deren Betrachtung man sich schon beim ersten Durchblättern überhaupt gar keinen Farbtropfen vorstellen mag.

Als jemand, der zum ersten mal The Warlord chronologisch und am Stück liest, war ich überrascht, dass mich die Stories, die ja bereits drei Jahrzehnte auf dem Buckel haben, immer wieder zum neugierigen, raschen Weiterblättern animieren konnten. Mike Grell baut mit Cliffhangern fortdauernd neue Spannung auf; und das obwohl die Abenteuer des Travis Morgan mit wenigen häufig wiederkehrenden Plotelementen auskommen. Als Amalgam aus Conan und Tarzan gerät der Warlord von einem unmöglichen Kampf in den nächsten und führt parallel die beinahe genauso komplizierte Schlacht, seinen Platz in Skartaris zu finden.

Aber auch wenn das kriegerische Gebahren der Hauptfigur, die begleitende Beschwörung der Warlord-Legende aus dem Off und die unvermittelten, nach stets ähnlichem Schema ablaufenden Kämpfe zuweilen ermüdend wirken, ist Grells Serie insgesamt fantastisch. Zeichnerisch sowieso, aber auch inhaltlich. Grell lässt seinen Charakter zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wissenschaft und Wildheit wandern. Nicht nur emotional, sondern eben auch tatsächlich physikalisch. Das ist tolle Unterhaltung, jedoch mit nachdenklichen Zwischentönen.

Die angehängte Covergalerie ist im Gegensatz zu den Comicseiten in diesem Band in Farbe gehalten, ebensowie der bebilderte  Redaktionsbeitrag von Jochen Ecke, der hier sehr klug über Leben und Schaffen Mike Grells referiert.

The Warlord 1 – Skartaris
Cross Cult, Juni 2010

Text und Zeichnungen: Mike Grell
224 Seiten, Hardcover, s/w (16 Farbseiten), 22 Euro
ISBN 978-3-941248-87-8

Brillante Werkausgabe mit barbarischem Flair

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Abbildungen: © Cross Cult


 

Buddy Longway 20 – Legende

Buddy Longway 20Der Start des Western-Epos Buddy Longway liegt nun mittlerweile gut 30 Jahre zurück (Band 1 erschien 1981 bei Carlsen). Die Geschichte um einen Trapper in den Rocky Mountains, der sich in eine Squaw verliebt, findet im 20. Album schließlich seinen Abschluss. Ein von vornherein geplantes Ende, wie Derib selbst sagt. Und in eben jenem wird nochmal die ganze Gefühlspalette bedient. In der Tat halten sich im Finale schöne und traurige Momente die Waage, zusätzlich sorgt ein mit rohen Bleistftilinien gezeichneter und durch seichte Aquarellfarben unterlegter Epilog  dafür, dass der große Zyklus um Buddy Longway als runde Sache erscheint.

Ein großes Lob gebührt den Jungs von Finix Comics, dem als vierter deutscher Verlag im Bunde die Ehre zuteil wurde, die Erzählung über die Jahre hinweg fortzusetzen. Neben dem überraschenden Finale, das wohl nicht jedem langjährigen Leser gefallen wird, lassen sich im Extrateil des Hardcoverbandes noch weitere Highlights entdecken: Sowohl ein mehrseitiges Portrait des verantwortlichen Künstlers Derib als auch ein Interview mit diesem findet man im Anhang. Da spürt man einfach den redaktionellen Aufwand für eine Serie, die diesen auch sicherlich verdient hat.

Buddy Longway 20 – Legende
Finix Comics, Juni 2010
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro

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RIA – Die Lichtclan-Chroniken 1

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DOPPELREZENSION

Rezension von Frauke:

Das Cover von RIA 1Es scheint eine Art Gesetz zu sein, dass es auf jeder Comicmesse einige unerwartete Publikumsrenner gibt, die niemand auf dem Radar hatte. Auf dem diesjährigen Comic-Salon waren dies z. B. Red Button Boy und eben RIA. Zwar machte kurz vor dem Comic-Salon ein sehr professionell wirkendes Teaser-Video die Runde, aber mit einem solchen Ansturm hatte wohl auch das Team rund um Zeichner Thorsten Kiecker nicht gerechnet. Ihren Stand, der unter dem Verlagsnamen Stenarts lief, habe ich nicht einmal ohne Publikum davor gesehen. Dafür sorgte neben dem Comic sicherlich auch der gut aufgemachte Stand (siehe ihr Projektblog) mit großflächigen Bannern, Computern – mit denen man sich das Augmented-Reality-Feature (dazu später mehr) zeigen lassen konnte – und last, but not least die Personifizierung ihrer Hauptfigur Ria (s. Foto links unten), welche man zuerst als Cosplayerin verortete, die aber fleißig Werbung machte.

PF-ElfeWas ist also dran an diesem ersten Band aus den angedachten vierbändigen Lichtclan-Chroniken? Zuerst mal die fantastischen, dem Zeichentrick verbundenen Zeichnungen von Thorsten Kiecker, bei denen die Figuren in detaillierte, offensichtlich mit viel Liebe und gekonnten Farbe gestalteten Hintergründe platziert wurden. Allerdings kommen einem bei manchen der Helden direkt Assoziationen: Der weise Erfinder Uri ähnelt dem Zauberer Merlin aus Die Hexe und der Zauberer, und Ria erinnerte mich aufgrund ihrer maskenähnlichen Gesichtszeichnung sofort an Pixars Die Unglaublichen.

Dieser Wiedererkennungseffekt beschränkt sich nicht auf das Aussehen einiger Protagonisten. Auch die rasante Handlung wirkt in großen Teilen wie ein Versatzstück aus Film- und Computerspielmotiven. Der junge Krieger Loan, Letzter seiner Art, erweckt durch Zufall die Tochter der verstorbenen Königin Sira und befreit sie aus ihrem Schutzkokon, in dem sie sich Zeit ihres Lebens befand. Sie kann nicht reden und weiß offensichtlich nichts von der Welt. Loan nimmt sie mit in seine Gemeinschaft, deren Anführer, der ältere Uri, sie schnell als Ria und damit als die letzte Hoffnung erkennt, ihre Welt vom bösen Noctus und seinen Schergen, den Shadens, zu befreien. In einer Erweckungszeremonie erhält sie von ihrer Mutter das Wissen um sieben Fragmente, die gefunden werden müssen, um Noctus für immer zu verbannen.

So weit, so simpel. Dass der Comic sehr viel Wert auf die Grafik legt, sieht man dem schönen Bonusmaterial an, in dem die Entwicklungen der Hauptfiguren und des Fluggerätes vorgestellt werden. Dort findet man auch vier Symbole für ein ungewöhnliches Extra, die Augmented Reality (augmented = vergrößert). Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, ein Abbild der Wirklichkeit mit künstlichen Objekten zu überlagern bzw. diese Objekte in das Bild hinein zu bringen. Es entsteht also eine Mischung zwischen Realität und Schein. In diesem Fall benötigt man eine Webcam und ein Plugin, das man installieren muss. Und „schon“ (mich hat’s mit Webcam installieren, Plugin herunterladen/installieren und diversen Browserabstürzen etwa eine Stunde gekostet) erhält man eine oder mehrere dreimensionale, sich leicht bewegende Figuren in die live von der Webcam gefilmte Ausgabe des Comics, die man sich – je nach Winkel der Kamera – in allen Perspektiven anschauen konnte. Eigene Aufnahmen:

Extra bei RIA: Augmented Reality Extra bei RIA: Augmented Reality
 Extra bei RIA 1: Augmented Reality

Ein lustiges und interessantes – weil neuartiges – Goodie, das aber für den Comic keinen wirklichen Mehrwert hat. Da wäre mehr Zeit für die Ausarbeitung einer Story besser investiert gewesen.

Überraschend ist die Menge an Personen, die am Projekt mitgewirkt haben – von Zeichner und Autoren bis hin zu Farbassistenz sind es allein 21 Künstler beim Comic selber, dazu kommen noch ein Musiker (Website) und die Leute vom Augmented-Reality-Feature. Auch sprachlich geht RIA einen ungewöhnlichen Weg: Der – dank Muttersprachler gut gesprochene – Trailer lässt es schon erahnen, der Comic ist international ausgelegt. Er wurde ursprünglich auf Englisch angefertigt und dann ins Deutsche übersetzt (wobei die englische Version noch nicht erhältlich ist). Diese wirkt größtenteils gelungen, auch wenn ein Korrektorat (besonders in Bezug auf Zeichensetzung) dem Lesefluss zuweilen gut getan hätte.

Ein weiter Kritikpunkt für mich ist der Druck. Der Digitaldruck auf glänzendem Papier lässt die Farben extrem leuchten, mitunter wird man fast erschlagen von der Farbgewalt. Der Glanz stört die Lesbarkeit, und die Genauigkeit des Strichs scheint unter dem Druck gelitten zu haben; so wirken manche Linien leicht verschwommen.

Das Stenarts-Team hätte sich mit diesem optisch opulenten Projekt grafisch nicht besser empfehlen können, für einen guten Comic braucht es allerdings noch eine interessante Geschichte.

Gastrezension von Zeichner Geier:

Seite aus RIA 1Die Überraschung beim Comic-Salon war RIA Die Lichtclan-Chroniken. Da taucht aus dem Nichts ein Album auf, das einen erstmal umhaut und begeistert. Stilistisch erinnert es an einen Trickfilm; aufwendige, gemalte Hintergründe und Figuren in einem klaren Strich ohne Schraffuren oder Schwarzflächen. Die Panels sind bis ins Detail liebevoll ausgezeichnet, eine tolle Farbgebung und pointiert eingesetzte Computereffekte. Höchstes zeichnerisches Niveau, das an Barbucci erinnert, begeistert und zum Spontankauf verleitet. Freudig beginnt man zu lesen – und ist schnell ernüchtert. RIA ist, wie Camerons Avatar, optisch grandios – mit einer Story zum Weglaufen. Figuren und Handlung sind aus dem Baukasten nach Schema F konstruiert, man weiß jederzeit, was geschehen wird. Ohne die Bilder wäre RIA leider völlig belanglos und uninteressant, Schade, das hätte nicht sein müssen.

Da ist der junge, ungestüme Krieger, dessen Eltern (Überraschung!) von den Schergen des Bösewichts ermordet wurden und in Son Goku sein unübersehbares Vorbild hat. Der weise Alte und Vaterersatz, der ein Geheimnis hütet, der drollige Bürgermeister und natürlich zwei lustige Sidekicks. Der ehedem verbannte Schurke ist mit seinen grausamen Kriegerhorden zurückgekehrt und droht, wieder mal alles zu erobern. Wozu ist egal, Bösewichte machen sowas nun mal. Nur ein Mädchen, das erstmal nichts von seiner Bestimmung weiß, kann die Welt vor dem Untergang retten – und zufällig stolpert der Held über sie. Der Schurke bekommt das natürlich mit und so machen sich die Gefährten auf den Weg ins Abenteuer…

Seite aus RIA 1Das kennt man alles zur Genüge und Überdruss. Die Figuren sind Standards und die Handlung eine schon tausendmal gesehene und gelesene „Quest“-Geschichte, die schablonenhaft Punkt für Punkt jedes Klischee abarbeitet. Lediglich ein putziges Tier als Begleiterin des Mädchens fehlt (noch). Sowas ist alles mögliche, aber nicht im Ansatz originell. Völlig unverständlich, dass diese platte Story akzeptiert wurde, als Roman hätte RIA sicher keinen Verlag gefunden, so ausgelutscht ist die Handlung. Die einzige Erklärung: Thorsten Kieker, Chef und Zeichner hatte die „Idee“ zu RIA. Da kann man wie bei Uderzo nur sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten! Ein guter Zeichner ist nicht zwangsläufig auch ein guter Autor.

Aber vielleicht hat man auf eine neue Story auch gar keinen Wert gelegt, sondern lediglich eine Rahmenhandlung als Plattform benötigt um mit der Grafik auftrumpfen zu können. Das Produkt RIA ist eindeutig international angelegt, möglich, dass – um möglichst viele potenzielle Kunden anzusprechen – bei der Handlung auf Experimente zu Gunsten bewährter Storylines verzichtet wurde. Bezeichnend, dass für das Artwork 19 Leute zuständig waren, bei der Story dagegen nur ein Autorenpaar und der Chef genannt werden.

Seite aus RIA 1Dass RIA ein rein visuelles Projekt ist und die Story lediglich notwendige Nebensache, zeigt auch der Anhang: ein umfangreiches Making-Of, wie man es sonst nur bei Trickfilmen sieht. Da wird die Entwicklung der Figuren und Settings dokumentiert, ein 3-D-Gimmick, das technisch sicher anspruchsvoll und innovativ ist, hervorgehoben, aber praktisch kein Wort über die Story verloren. Dafür ist zeitgleich zum Album zusätzlich ein Artbook erschienen. Und als wäre das nicht genug, wird als nächstes noch ein Artbook mit zwei Kurzgeschichen angekündigt und nicht etwa die Fortsetzung von RIA.

Insgesamt ein ambitioniertes Projekt, grafisch in der Championsleague mit einer Story aus der Kreisliga. Ärgerlich, weil man bei einem Comic nicht nur Bilder anschauen, sondern auch bei der Handlung mitfiebern und überrascht werden möchte, was bei RIA dank der uninspirierten Figuren und Story schlicht nicht möglich ist. Augenfutter, das nach dem Lesen einen schalen Nachgeschmack hinterlässt.

 

RIA Die Lichtclan-Chroniken – Same der Hoffnung
stenarts, Juni 2010
Text: Fred Pullin, Mary Pullin, Thorsten Kiecker
Zeichnungen: Thorsten Kiecker + Assistenten
Farben: Fabian Schlaga + Assistenten
Softcover, sehr farbig, 64 Seiten; 12,50 Euro
ISBN: 978-3000315169
Website zum Projekt: lightclan-chronicles.com
Teaservideo

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Abbildungen © stenarts

Die Plastikmadonna


Das Cover von Die PlastikmadonnaDie französischen Künstler Pascal Rabaté und David Prudhomme sind spätestens seit diesem Jahr dem deutschsprachigen Comicleser nicht mehr unbekannt. Von beiden wurde unlängst je ein Werk bei Reprodukt veröffentlicht, zum einen Rabatés Bäche und Flüsse, zum anderen Prudhommes Rembetiko. Die Plastikmadonna, eine Kollaboration, erschien nun bei Carlsen unter dem großzügig bedientem Graphic-Novel-Label.

Rabaté führt uns darin als Erzähler ganz leise an den Alltag der französischen Provinz heran und mitten hinein ins Familienleben der Garniers. Die Großeltern, die gläubige Katholikin Émilie und der strenge Kommunist Édouard, liefern sich ein ständiges verbales Geplänkel und töten mit ihren eskalierenden Streitereien den letzten Nerv ihrer Kinder und Enkel. Zum Stein des Anstoßes – bzw. zum letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – wird schließlich eine Plastikmadonna, ein Souvenir, das Émilie von ihrer jüngsten Wallfahrt mitbringt. Provokativ platziert sie die Figur für alle gut ersichtlich auf dem Fernsehgerät; prompt reagiert Édouard mit einer Mischung aus Zorn, Schmollen und Reaktionsbildung. Tatsächlich hängt er direkt über die Madonna ein Bild von Lenin auf.

Als dem angeblich heiligen Souvenir auch noch eine rote Flüssigkeit von den Augen rinnt, entgleist dem mürrischen Großvater die Situation vollends. Aufgescheucht durch das scheinbare Wunder erweckt die Madonna nicht mehr nur das Interesse seiner Familie, sondern auch das des ganzen Dorfes und der Kirchenvertreter.

Rabaté gelang hier wirklich eine großartige Charakterstudie. Er seziert auf sehr ruhige und behutsame Weise die Konstellation der Familie Garnier und erschuf einen faszinierenden Comic, der sich auf bitter-komödiantische Weise den Themen Glaube, Liebe und Toleranz nähert.

Die Bilder, umgesetzt von Prudhomme, sind von geradezu zierlichen Linien beherrscht. Damit orientieren sich die Zeichnungen sehr an der inhaltlichen Atmosphäre. Im Vergleich zu Pascal Rabatés Grafik bei Bäche und Flüsse (das ebenfalls aus der französischen Provinz erzählt) ist Prudhommes Arbeit deutlich kantiger und farblich zurückhaltender.

Alles in allem ist Die Plastikmadonna ein außerordentlich schöner Comic. Und es unterstreicht das enorme Talent der beiden französischen Künstler. Ob bei Reprodukt oder bei Carlsen, in jedem Fall wünscht man sich noch viele weitere Comics von Pascal Rabaté und David Prudhomme in deutscher Übersetzung.

 

Die Plastikmadonna
Carlsen Comics, Juni 2010
Text: Pascal Rabaté
Zeichnungen: David Prudhomme
128 Seiten, farbig, Hardcover; 18,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78969-3

 

 

 

 

 

 

Sehr stimmige, teils skurrile Familiengeschichte

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Abbildung © David Prudhomme, der dt. Ausgabe Carlsen Comics

 

Die Reise mit Bill


Cover von Die Reise mit BillWie aus dem Nichts meldet sich nach langer Comicabstinenz einer der, auch international, renommiertesten deutschen Comicschaffenden eindrucksvoll zurück. Die Rede ist von Matthias Schultheiss, der vor allen in den 80ern seine große Zeit hatte und mit Alben wie Trucker, Die Haie von Lagos oder Die Wahrheit über Shelby für Furore sorgte. 1993 versuchte er gar, seinen eigens für den US-Markt entwickelten Helden Propellerman über dem großen Teich zu platzieren. Leider blieb der beim US-Verlag Dark Horse publizierten Miniserie kein großer Erfolg beschieden. Seitdem war es um Schultheiss ziemlich ruhig gewesen, zumindest in Sachen Comic, denn der gebürtige Nürnberger arbeitete fortan bevorzugt als Drehbuchschreiber.

Sein fast 300 Seiten starkes Comeback, das als Splitter Book (in Lizenz, zuerst erschien es vor kurzem auf Französisch) erschienene Album Die Reise mit Bill, wirkt wie ein Paukenschlag. Matthias Schultheiss belegt damit eindrucksvoll, dass er zeichnerisch und schreiberisch noch weiter gereift ist.

Sein Comic ist ein dicht gepacktes, bezauberndes Roadmovie: Luke und seine Tochter Tweety reisen mit dem Auto einmal quer durch die USA; sie steigen in einem Diner ab, genießen die Landschaften und begegnen schließlich Bill, einem Kriegsveteran, der seine Beine bei einem Hubschrauberabsturz verloren hat. Luke nimmt den im Rollstuhl am Straßenrand sitzenden Anhalter mit und macht vor allem Tweety eine Freude damit. Dem Mädchen wächst Bill schnell ans Herz und sie überzeugt ihren Vater sogar davon, dass sie unbedingt Bill helfen müssten, zu seinem Bestimmungsort zu gelangen. Ein Schamane, der von Tweety kurzum zum Zauberer verklärt wird, soll ihm seine Beine wiedergeben können.

Seite aus Die Reise mit BillWas folgt, ist ein Reise, die den Leser stark an den nordamerikanischen Kontinent heranführt. Durch Wüste über Sumpfgebiet bis hin zu Alaska scheint Schultheiss geradezu für die Schönheit un Vielfältigkeit der Natur zu werben, vor allen Dingen, da er recht früh innerhalb der Geschichte klar macht, dass Luke sich quasi auf der Flucht vor einer selbstzerstörerischen Welt befindet und einsame Straßen den Städten vorzieht. In der Tat wird die Dreiergruppe im weiteren Verlauf mit den hässlichen Seiten der menschlichen Zivilisation konfrontiert: Ein Mädchen wird von ihrem Vater geschlagen, einem Mann die Zunge rausgeschnitten und Schwarze rassistisch beschimpft. Im Kontrast dazu zelebriert Schultheiss über viele Seiten die Schönheit und Klarheit des arktischen Eismeeres, in welchem Bill seine Erlösung sucht, körperlich wie auch seelisch.

Dass gerade diese letzten Kapitel gehörig surreal geraten sind, macht es schwer, den Comic als Ganzes einzuordnen. Der irreale arktische Trip ist für mich eine überspitzte Darstellung des Freiheitgedankens, der in diesem Werk eine übergeordnete Rolle zu spielen scheint. Bis dorthin darf Die Reise mit Bill aber eben auch als fantastisch illustriertes Roadmovie gelten, das trotz starker Anbindung ans Thema Amerika den moralischen Zeigefinger nie zu lange oben lässt und Kritik nachdenklich und subtil einstreut. Tatsächlich konzentriert sich das Geschehen auf das Verhältnis zwischen den drei Hauptprotagonisten, deren Freundschaft mit jedem gemeinsamen Erlebnis spürbar wächst.

Die Rückkehr von Matthias Schultheiss auf den deutschen Comicmarkt ist damit rundum geglückt. Und mehr noch, Die Reise mit Bill ist womöglich auch das bislang eindrucksvollste Album des Künstlers. Sicherlich ist es schon jetzt als eine der schönsten Publikationen eines deutschsprachigen Zeichners in diesem Jahr zu bezeichnen.

 

Die Reise mit Bill
Splitter-Verlag, Juni 2010
Text/Zeichnungen: Matthias Schultheiss
288 Seiten, farbig, Hardcover; 29,80 Euro
ISBN: 978-3-940864-05-5

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Grandiose Bilder, starke Story, Matthias Schultheiss war wohl nie besser als hier!

 


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Abbildungen © Matthias Schultheiss, der dt. Ausgabe Splitter-Verlag

Predators


Cover von Predators (Softcover-Ausgabe)Gerade erst startete der dritte Predator-Streifen in den deutschen Kinos, schon gibt es bereits die „offizielle Vorgeschichte“ exklusiv in Comicform. Eine in den letzten Monaten und Jahren bei US-Verlagen beliebte Praxis, wie auch ein Rückblick auf die die ebenfalls hierzulande veröffentlichten Comicprologe zu den Filmen Star Trek, 28 Days Later oder The Hills Have Eyes beweist.

Im Gegensatz zu den aufgezählten Beispielen versucht der zweigeteilte Predators-Prolog nicht, krampfhaft die filmische Kontinuität mit wichtigen Fakten zu erweitern oder auszuschmücken. Die beiden Storys spielen zeitlich unmittelbar vor den Geschehnissen des von Robert Rodriguez produzierten Kinostreifens, verlassen sich jedoch fast vollständig auf eine ausgeprägte Charakterzentrierung.

Die erste, von Marc Andreyko (Torso) verfasste Geschichte beginnt in Afghanistan, wo US-Soldat Drake mit seinem Trupp gerade ein Talibannest ausheben will. Plötzlich erwachen die Männer mit einem Fallschirm über einem fremden Dschungelplaneten. Drake, der wie die anderen Protagonisten des Films (Söldner, Killer, Soldaten) ein erfahrener Kämpfer ist, spielt im Kino nur eine klitzekleine Rolle, wird von Andreyko jedoch im Comic stark herausgehoben. Eigentlich ist er sogar die zentrale Figur hier, wäre da nicht der ebenfalls in der ersten Story porträtierte Noland, der auf der Leinwand von Laurence Fishburne verkörpert wird. Als Veteran und taktischer Krieger hält dieser sich bereits längere Zeit auf dem Planeten auf und versucht im Angesicht der Predators zu überleben. Drake und Noland verbindet fortan das Vorhaben, selbst vom Gejagten zum Jäger zu werden.

Seite aus PredatorsMit völlig anderen Voraussetzungen geht Autor David Lapham (Stray Bullets) an den zweiten Teil dieses Bandes. Er erzählt die Vorgeschichte des von Adrien Brody gespielten Royce und verzichtet dabei sowohl auf die Kulisse des Dschungelplaneten als auch auf den Auftritt der titelgebenden Alien-Jäger. Laphams Handlung spielt in einem vom Bürgerkrieg zerrütteten afrikanischen Land. Royce, ein skrupelloser Söldner, wird angeheuert, mit allen Mitteln gegen die Rebellen vorzugehen.

Wie eingangs erwähnt, liefern diese beiden Geschichten nur sehr wenige handlungsrelevante Hintergründe. Wer sich Predators im Kino angesehen hat, der weiß jetzt auch nicht viel mehr, als dass die außerirdischen Hobbyjäger einen Haufen halbwegs ebenbürtiger Gegner entführt hat, um mit ihnen ihr tödliches Spiel zu spielen. Bessere Einblicke hat man nach dem Lesen des Comicprologes vielmehr in die Figuren Noland und Royce, denen einfach hier mehr Tiefe zugestanden wird. Schön auch, dass man bei Dark Horse mit Marc Andreyko und David Lapham zwei fähige Schreiber verpflichten konnte. Allein dadurch wird dieser Band zwar nicht zur ganz großen Kunst, aber er bewegt sich plottechnisch und textlich auf einem ordentlichen Niveau. Die beiden Zeichner, Guilherme Balbi und Gabriel Guzman, liefern solide Arbeit ab, auch wenn gerade Guzman einige Posen und Mimiken gehörig verunglückt sind. Zu gute halte ich den beiden in jedem Fall, dass sie sich nicht sklavisch an den Versuch geklammert haben, Laurence Fishburne und Adrien Brody unter allen Umständen so realistisch wie möglich nachzuzeichnen.

 

Predators
Cross Cult, Juli 2010
Texte: Marc Andreyko, David Lapham
Zeichnungen: Guilherme Balbi, Gabriel Guzman
104 Seiten, farbig; Softcover: 14,80 Euro; Hardcover: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-941248-96-0 (SC)
ISBN: 978-3-941248-95-3 (HC)
Ganz okay

Eine gute Ergänzung zum Film; gerade für die, denen er stilistisch und inhaltlich gefallen hat 

Softcover:

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Hardcover:

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Abbildungen © Guilherme Balbi, Gabriel Guzman, der dt. Ausgabe Cross Cult

 

Der Planwagen des Thespis 2


Cover von Der Planwagen des Thespis 2Bei Der Planwagen des Thespis handelt es sich um eine Western-Reihe aus dem Frühwerk Christian Rossis. Über zwanzig Jahre hat die Serie inzwischen auf dem Buckel. Was die Serie durch eine altbackene Grafik eingebüßt hat, kann sie mühelos durch den für das Western-Genre anspruchsvollen Inhalt wieder wettmachen. Frei von Pathos und Klischees vermag Rossi dieses Genre um einige Facetten zu erweitern. Und das schafft der Comickünstler, der in den ersten beiden Bänden noch selbst für das Szenario verantwortlich ist, indem er mehrdimensionale Figuren beschreibt, die durch differenzierte Haltungen und philosophische Dialoge auffallen.

Die Story spielt im Herbst 1865. Nachdem sich der junge Drustan, der aus den Südstaaten stammt, dem selbsternannten Theaterdirektor Hermes und dem schlagkräftigen Joe Adam angeschlossen hat, müssen die drei Ungleichen mal wieder Hals über Kopf fliehen. Denn die Gäste eines Saloons haben die „Dramaturgie“ ihres Auftritts nicht nachvollziehen können. Und so ziehen sie auch weiterhin mit ihrem klapprigen Planwagen und einer spärlichen Theaterausrüstung durch die vom Bürgerkrieg zerrissenen Staaten Nordamerikas. Nach einer Büffeljagd treffen sie unvermutet auf einen Altbekannten, der inzwischen bei den Indianern lebt.

Seite aus Der Planwagen des Thespis 2Kennern fällt vielleicht auf, dass Rossis Strich zu diesem Zeitpunkt seiner Laufbahn noch ganz von Jijés Jerry Spring und Girauds Leutnant Blueberry inspiriert war. Die ausdrucksstarken Zeichnungen sind von kräftigen Linien und großzügigen Schattierungen gekennzeichnet. Die Kolorierung ist geprägt von matten, flächigen, erdfarbenen Tönen, die fast einen einheitlichen Ton kreieren, was garantiert keine grafische Meisterleistung ist, aber dennoch stimmungsvoll daherkommt.

Die ersten Bände von Der Planwagen des Thespis wurden ursprünglich als Softcoveralbum (Bd. 1: Adlib Verlag; Bd. 2: Feest Verlag) veröffentlicht. Beim Piredda Verlag liegen nun überarbeitete Versionen mit neuen Übersetzungen und neuem Lettering vor. Wie schon W.E.S.T. erschien auch der Planwagen des Thespis monatlich als Hardcoverausgabe im Überformat, die Serie schloss im Juli 2010 mit vier Bänden ab.

„Der schwarze Indianer“ kann insgesamt an den Auftaktband „Shakespeare und Muerte Kid“ nahtlos anknüpfen, auch wenn der ironische Ton abgenommen hat. Der Planwagen des Thespis ist eine völlig andere Western-Serie und trotz oder wegen ihres Alters noch eine unterhaltsame Lektüre.

 

Der Planwagen des Thespis – Der schwarze Indianer
Piredda Verlag, Mai 2010
Text/Zeichnungen: Christian Rossi
Hardcover, 48 Seiten, farbig; 14,50 Euro
ISBN: 978-3941279544

Ganz okay

Western mit Anspruch und etwas veralteter Grafik

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Abbildungen  © Christian Rossi, der dt. Ausgabe Piredda Verlag

 

Marvel Noir – Wolverine


Cover von Marvel Noir – WolverineDies ist der dritte Band der Marvel-Noir-Reihe. Nach Spider-Man und den X-Men wird diesmal Wolverine in die Welt des Noir-Genres adaptiert, das seine Vorbilder in den Hard-Boiled-Novel-Autoren Raymond Chandler (The Big Sleep) und Dashiell Hammet (The Maltese Falcon) hat. Der Autor Stuart Moore (Wolverine, Iron Man, Spider-Man) hat sich hierfür mit dem Zeichner C. P. Smith (Spider-Man Unlimited, Punisher X-Mas Special) zusammen getan. Nachdem der Spider-Man-Band aufgrund seiner bunten Ästhetik nicht auf ganzer Linie überzeugen, jedoch X-Men wegen dessen konsequenter Noir-Umsetzung umso mehr begeistern konnte, sind die Erwartungen an Wolverine hoch.

New York City, 1937: Die Brüder Jim und Dog Logan betreiben eines der besten Detektivbüros. Jim weiß, wie der Hase läuft. Doch alle Erfahrung und Fähigkeiten helfen ihm nichts, als eine reiche Frau namens Mariko Yashida im Büro auftaucht und mit ihr Jims schmerzhafte Vergangenheit. Nachdem sein unterbelichteter Partner von seiner Recherche nicht zurückkehrt, gerät Jim bei der Suche nach Dog immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Erinnerungen.

Klingt nach einem typischen Wolverine-Plot – ist es auch. Moore bedient sich dabei nicht nur offenkundig bei The Maltese Falcon, sondern ebenso aus dem Wolverine-Repertoire – dem Dilemma, das sich aus dem Gegensatz zwischen seiner animalischen und der menschlichen Seite ableiten lässt: Unvereinbar stehen sich hier scheinbar Instinkt und Vernunft gegenüber. Mit diesem bekannten Erzählfundus schafft Moore durch episodenhafte Flashbacks eine Charakterskizze Logans, die seinen Werdegang zum Tiermenschen nachzeichnet, der im berauschten Zustand des Zorns seinem Instinkt freien Lauf lässt. Das überträgt er wiederum gekonnte in die Welt des Noir-Genres. So entpuppen sich die Frauen (Mariko und seine Jugendliebe Rose) als typische Femmes Fatales, wohingegen mit der hilfsbereiten Yuriko Oyama aber auch ein weiteres Frauenbild entworfen wird.

Düster, viele Schatten und wenig Farben. So lässt sich die stimmungsvolle Gesamtästhetik auf den Punkt bringen, die damit perfekt zur Noir-Atmosphäre passt. Smiths einzigartiger Strich besticht durch filigrane Linien und expressive Zeichnungen, die voll von verschnörkelten und oft fragmentarischen Ornamenten sind. Vor allem das genretypische Motiv des Gitters, das bereits im Film Noir die ausweglose Situation versinnbildlicht, sticht dabei ins Auge. Die Kolorierung von Rain Beredo hält sich dezent zurück. Sie weist teilweise Nuancen auf und erinnert an mit viel Wasser durchtränkte Aquarellfarben.

Mit Marvel Noir – Wolverine ist Moore und Smith eine dicht und spannend erzählte und grafisch stimmungsvoll inszenierte Geschichte gelungen. Natürlich kennt man die charakterliche Entwicklung Logans schon aus anderen Geschichten wie Wolverine – Origin. Trotzdem: Ohne ihre Superkräfte bekommt der Leser tatsächlich wie bereits in Marvel Noir – X-Men altbekannte Figuren in einem neuen Licht präsentiert. Der Reiz, der vom Noir-Genre ausgeht und die Möglichkeiten, die das Genre bietet, sind einfach unerschöpflich.

 

Marvel Noir: Wolverine
Panini Comics, April 2010
Text: Stuart Moore
Zeichnungen: C. P. Smith
Softcover mit Faltcover, 108 Seiten, farbig; 14,95€

22-seitige Leseprobe bei myComics
Ganz okay

Dicht erzählte Noir-Adaption mit stimmungsvollen Bildern

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Abbildung © C. P. Smith, der deutschen Ausgabe Panini Comics