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Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An 1 & 2


Die Jungfrau im Freudenhaus“Rühr mich nicht an“ bellt es immer wieder aus der Kehle der unschuldigen Blanche, während sie mit der Reitpeitsche auf ihre Verehrer einprügelt. Mit diesem Mantra als Titel, Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An, legen Hubert und das Künstler-Duo Kerascoët die ersten beiden (in sich abgeschlossenen) Bände eines erotischen Krimis vor, der gleichzeitig ein Sittenpanorama der wilden Dreißiger in Paris zeichnet.

Die züchtige Blanche verliert durch ein Gewaltverbrechen ihre Schwester Agathe und dringt in eine Welt voller Intrigen und schmutziger Fantasien ein, um den Mord aufzuklären. Vielleicht nicht ganz so bemüht postfeministisch wie Tardis Heldin Adèle Blanc-Sec, widersteht die Protagonistin ihren Freiern und behält auch in prekären Lagen immer ihre Würde: „Ich erlaube Ihnen nicht, mich anzufassen.“

Die Avancen der geifernden Männer und die konstante Ablehnung wirken dabei nie redundant. Noch bevor es zum eigentlichen Akt kommen kann, nutzen die Künstler die ganze Palette von Gestik und Mimik, um die Situationen zu deeskalieren, ohne ihnen dabei ihre Spannung zu nehmen. Allein Blanches Augen werden zu neugierigen Scheinwerfern, mit denen sie auch die Entdeckungslust einer Miss Marple bei Weitem übertrifft.

Ein erotischer KrimiDie Marschroute für diesen erotischen Krimi verhält sich genrekonform. Das ausgeklügelte Spiel aus Verdächtigungen und Anschuldigungen wird ausschließlich von den gewitzten Dialogen getragen, die gerade genug Informationen bieten, um den Leser bei der Stange zu halten. Nur für die Einleitung und den Epilog bedient sich Hubert kurzer, erläuternder Captions, die aber stets, wie es sich für einen guten Krimi gehört, nur die eingeschränkte Sicht von Blanche widerspiegeln.

Eine schnelle Abfolge von relativ kleinen Panels kommt dem Genre Krimi entgegen. Die Handlung wird zügig vorangetrieben und wird immer wieder dann verlangsamt, wenn sie sich zu überschlagen droht. Die Geschwindigkeitswechsel der Erzählung werden durch den Kontrast von dunklen, abgründigen Nacht- und Kellerszenen und hellerleuchteten Zimmern des Nobelbordells Pampadour verstärkt.

Rasche PanelabfolgeSzenarist Hubert, der auch für die kontrastreiche Kolorierung verantwortlich ist, und das Künstlerduo Kerascoët (Jenseits mit Fabien Vehlmann) beweisen, dass die Form des französischen Albums mit seinem starren 48-Seiten-Format noch lange nicht ausgeschöpft ist. In der deutschen Veröffentlichung musste das Hardcover einem Softcover weichen, was der Publikation aber keinen Abbruch tut. Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-an bietet den perfekten Rahmen für eine Geschichte voller Spannung und Erotik.

Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An
Reprodukt, Juni 2010
Text: Hubert
Zeichnungen:
Kerascoët
Übersetzung: Kai Wilksen
48 Seiten, farbig, Softcover,  je 12,00 Euro

Gut!

Ein frivol anrüchiges und spannendes Sittenbild vom Paris 30er Jahre, das sich nicht zieren muss und ruhig angerührt werden kann

Band 1: Die Jungfrau im Freudenhaus
ISBN: 978-3-941099-43-2
Leseprobe 

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Band 2: Blut an den Händen
ISBN:
978-3-941099-44-9
Leseprobe

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Abbildungen: © Kerascoët, Reprodukt

Interview mit Felix Mertikat und Benjamin Schreuder


Cover von JakobDie Märchenfabel Jakob ist das Comicdebut des Zeichners Felix Mertikat (geb. 1983) und des Autors Benjamin Schreuder (geb. 1981). Der Band entstand als Diplomarbeit am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg.

Der kleine Jakob versteht nicht, dass seine Mutter gestorben ist. Der Pfarrer versucht es ihm zu erklären, indem er ihren Tod mit „sie ist von uns gegangen“ umschreibt. Jakob nimmt diesen Satz wörtlich und hofft, dass er seine Mutter auf ihrer weiten Reise noch einholen kann. Er begibt sich auf eine lebenslange Suche, denn niemand außer den Raben und Füchsen kennt den Weg zu dem Ort, an dem Jakob seine Mutter zu finden hofft.

Comicgate: Wie seid Ihr bei Jakob zusammengekommen? Habt Ihr während des Studiums schon miteinander gearbeitet?

Benjamin Schreuder: Ich habe das Glück gehabt, Felix im Herbst 2008 sehr bald nach Beginn meines Studiums kennenlernen zu dürfen. Ich entwickelte mit einem Regie-Studenten das Drehbuch für einen Fantasy-Film, und Felix wurde mir gleich als zeichnerische Wunderwaffe des Projekts angekündigt. Seine Skizzen brachten faszinierende Details für Figuren und die Erzählwelt in die Geschichte ein. Felix und ich stellten fest, dass wir eine ähnliche Lust am Fabulieren haben und eine Faszination für groteske, düstere Märchenwelten teilen. Trotzdem war ich überrascht, als er mir beim Glühwein am Weihnachtsmarkt von dieser Geschichte mit dem kleinen Jungen „Jakob“ erzählte und mich frei heraus fragte, ob ich Lust hätte, einen Comic mit ihm zu schreiben.

CG: Felix, was bedeutet es Dir, dass Jakob als erstes Comicprojekt von der Filmakademie Baden-Württemberg als Abschlussarbeit anerkannt wurde? War es ein besonderer Ansporn für Dich, die Idee durchzusetzen?

Felix Mertikat: Auf jeden Fall kann man sagen, dass es eine Menge Eigeninitiative brauchte, um sich gegen eine vom Film dominierte Projektauswahl aufzulehnen. Zum Glück konnten das Konzept und die ersten Zeichnungen genug Vertrauen schaffen, dass der Jakob-Comic angenommen wurde. Für mich war es natürlich toll, dass ich als Zeichner in einem solchen Medium arbeiten durfte, obwohl das Profil der Schule natürlich ein gänzlich anderes ist.

CG: Wie kommen zwei Endzwanziger darauf, sich einer Geschichte über den Tod zuzuwenden?

Benjamin Schreuder: Ich denke, sich mit der Endlichkeit, Sterblichkeit und Verlust(ängsten) auseinanderzusetzen, ist nur scheinbar eine Sache für Menschen in ihrer Midlife Crisis oder auch alte, griechische Philosophen mit Bärten. Kinder fragen ja bereits, wo ihr Haustier hingeht oder eben ihre Oma, nachdem sie gestorben sind. Sie malen sich reich aus, was das heißt, „im Himmel“ zu sein. Für Kinder ist alles noch da, nur halt woanders oder in anderer Form. Felix und ich haben uns diesen spielerisch-intuitiven Umgang mit dem Thema „Tod“ bewahrt. Für uns ist es auch nicht damit getan, dass ein Gehirn aufhört zu funktionieren und der Körper in seine Bestandteile zerfällt. Bei uns bleiben da viele Fragen. Auf der anderen Seite ist es so, dass durch die Pressetexte und den Text auf dem Backcover des Jakob-Buchs („Tod durch Kinderaugen“ usw.) der Fokus stark auf dieses Thema gelenkt wird. Felix und ich haben in der Entwicklung der Geschichte nie großartig über Tod gesprochen. Was uns mehr interessierte, war die tragische Suche des Jungen, seine Sehnsucht nach der Mutter, sein Fragenstellen und die hilflosen und oft manipulativen Antworten der Erwachsenen. Jakob ist sicherlich ebenso eine Geschichte über Freundschaft, Liebe zur Mutter, über die Sinnsuche, über das Altwerden … letztlich mehr über das Leben als über den Tod.

CG: Wieso begibt sich ausgerechnet ein Kind auf den letzten Weg?

Felix Mertikat: Tolkien hatte dazu bereits geschrieben, dass es „das unwahrscheinlichste Wesen“ sein würde, welche die Reise unternimmt. Einen alten Mann auf den letzten Weg zu senden ist glaubwürdig, einen Erwachsenen spannend und wenn ein Kind diese Reise antritt, kann eine besonders erzählenswerte Geschichte rauskommen. Die Fallhöhe ist schlicht größer!

Seite aus JakobCG: Habt Ihr die Idee, ein Märchen zu erzählen, als Wagnis empfunden, weil es als etwas Altbackenes wahrgenommen werden könnte? War das vielleicht sogar eine Herausforderung für Euch oder war es einfach einer gemeinsamen Vorliebe für Märchen geschuldet?

Benjamin Schreuder: Ähnlich wie den Themenkomplex „Tod“ haben wir den Märchencharakter unserer Geschichte nie besonders reflektiert. In Jakob kommt wohl zunächst mal unsere Vorliebe für die Bereiche Märchen, Mythen, Surrealismus und Fantasy/Science Fiction zum Ausdruck. Auch arbeiten Felix und ich viel mit Ideen aus unseren Träumen und Tagträumen, die ja oft märchenhaft sind – und schließlich sind ja Märchen und Mythen nichts anderes als kollektive Träume. Jakob ist aber sicherlich eher eine persönliche, moderne Interpretation der Märchengattung: Es gibt nicht den guten König, die schöne Prinzessin oder das immergute Helfertier. Es kann also kein Happy End geben. Umgekehrt gibt es in „Jakob“ aber auch nicht den bösen Zauberer oder die Hexe, denn auch daran glauben wir nicht. Wir wollten ein Märchen schreiben, das nichts vorgaukelt, nichts verkitscht und keine sedative Wirkung hat – im Gegenteil.

CG: Gab es literarische oder grafische Vorbilder, die ganz besonderen Einfluss auf Jakob genommen haben?

Felix Mertikat: Die Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen, Michael Ende, Saint-Exupéry, Murakami und Kafka hatten einen unterschwelligen literarischen Einfluss auf unsere Ideen. Zeichnerisch fällt es da schwerer, einzelne Personen oder Produkte zu nennen. Mike Mignola, Alfons Mucha, die Optik der Studio-Ghibli-Filme und einige Bilder, deren Urheber ich gar nicht kenne (die aber sicher auf meinem Rechner liegen), haben mich sicherlich inspiriert.


CG: Was beim Lesen sofort ins Auge springt, ist die experimentierfreudige Anordnung der Panels. Habt Ihr Euch darüber verständigt oder blieb das vor allem eine Sache des Zeichners? War das von Beginn an geplant oder ergab es sich im Verlauf der Arbeit?

Benjamin Schreuder: Da ich zeichne wie ein Siebenjähriger, ist alles Visuelle zunächst mal Felix‘ Bereich. Er hat mich aber immer an seinen Vorstellungen und Entwürfen teilhaben lassen. Wie schon beim gemeinsamen Entwickeln der Geschichte entstand die Paneleinteilung völlig intuitiv. Uns war wichtig, dass das Buch „ein Herz“ hat und das ist eben wichtiger als technische „Sauberkeit“ und Perfektion. Ein gewisses Chaos, gewisse Redundanzen machen die Bilder und die in ihnen vermittelte Welt erst lebendig und persönlich.

Seite aus JakobCG: Felix, war es für Dich schwierig, sich nach der Arbeit als Illustrator auf die Gesetze der Comicerzählung einzulassen?

Felix Mertikat: Jein. Hätte ich einen typischen Comic gemacht, wäre das auf jeden Fall so gewesen. Aber die Art, wie ich bei Jakob vorgegangen bin, passt natürlich sehr zu meiner Arbeitsweise und der Routine, die ich über Jahre entwickelt habe. Die großen Illustrationen mit den kleinen Inserts zum Beispiel machten den Schritt zu der für mich neuen Erzählform Comic kleiner. Meine langjährige Erfahrung als Illustrator hat mir zudem geholfen, präzise in einem Bild eine Aussage zu treffen, während ich in der Arbeit als Storyboarder ein Gefühl dafür entwickelt habe, wie man eine Geschichte ohne Text erzählen kann. Die Arbeit am Comic aber hat etwas Drittes in mir eröffnet, eben die Verschmelzung beider „Fähigkeiten“.

CG: Ihr arbeitet gerade an einem Animationskurzfilm, der Jakobs Geschichte erzählt. War Jakob schon als gleichzeitiges Film- und Comicprojekt angelegt?

Benjamin Schreuder: Die Idee, die Comicbilder in Filmform zu bringen, kam erst später. Eine Freundin hat für die Pflichtpräsentation an der Filmakademie den inzwischen im Internet verbreiteten Trailer für uns gemacht. Wir fanden, dass die Erzählweise mit „virtuellen“ Schwenks, Zoom, Überblendungen und Schnitten ganz gut zu den Bildern passt und einen traumartigen Sog erzeugt. So kam es zu der „Stills-Animated-Fassung“, die wir während des Comic-Salons in Erlangen präsentiert haben. So wie’s aussieht, werden wir den Film noch mit Musik und Stimmen vertonen. Eine Festival-Auswertung ist denkbar.

CG: Was sind die Gründe dafür, dass Ihr gemeinsam mit Beren Baumgartner eine Crossmedia-Studio aufbaut? Welche Projekte stehen dafür bei Euch auf dem Plan?

Felix Martikat: Hauptgrund war sicherlich die Vereinigung unterschiedlicher Fähigkeiten und Talente, die wir drei zusammen in das Zeitland-Studio einbringen: von Benjamin beim Text, von mir bei der Grafik und von Beren beim Game-Design, der interaktiven Medien-Auswertung und dem wirtschaftlichen Management. Ich würde sagen, dass wir der Synergie Vorschub geleistet haben. Als Studio sind wir auch einfach schlagkräftiger und können unseren eigenen Ideen und Projekte anders auf dem Markt durchsetzen.
Wir entwickeln fürs nächste Jahr einen neuen Comic für Cross Cult: eine Kriminalgeschichte in einem Steampunk-Universum voller übernatürlicher Phänomene und bizarrer Maschinen. Parallel arbeiten wir am Browsergame Rust Raiders, das uns den digitalen Markt erschließen soll. Für beide Welten ist eine crossmediale Auswertung geplant, es soll zum Beispiel auch ein Hörspiel geben und andere sinnvolle Medienderivate, die neue Aspekte der jeweiligen Welt erfahrbar machen, womöglich Brettspiele, interaktive Internetseiten oder Romane.

CG: Danke für das Gespräch!

NACHTRAG 30.08.2010
Wie soeben bekannt gegeben wurde, erhalten Felix Mertikat und Benjamin Schreuder den diesjährigen Sondermann-Preises im Bereich „Newcomer“ auf der Frankfurter Buchmesse (Comic-Zentrum) Anfang Oktober.


Bei Cross Cult gibt es eine zwölfseitige Leseprobe. Die Künstler haben ein Blog über Jakob eingerichtet.

Jakob
Cross Cult, Juni 2010
Text: Benjamin Schreuder
Zeichnungen: Felix Martikat
Hardcover, 64 Seiten, farbig; 16,80 Euro
ISBN
: 978-3941248823

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 Abbildungen © Felix Martikat

D 1 – Lord Faureston


 Eben erst von einer seiner großen Expeditionen zurückgekehrt, genießt der draufgängerische Forscher Richard Drake die Vorzüge, die London zu Ende des 19. Jahrhunderts für die vornehmere Gesellschaft bereithält. Ob in noblen Zigarrenclubs, beim elitären Fechttraining oder in pompösen Ballsälen, Drake ist der unternehmerische Antiheld der viktorianischen Dekadenz.

Die Liebe zu Catherine Lacombe, die Captain Drake nach seiner Rückkehr bei einem Tanz kennenlernt, positioniert ihn in einer Konkurrenzsituation zum gleichfalls verührerischen wie geheimnisumwitternden Frauenschwarm Lord Faureston. Der bleiche Casanova buhlt nämlich ebenfalls um die Gunst von Miss Lacombe.

Wenig ist bekannt über Faureston, lediglich der harmlose Bankangestellte Mister Jones glaubt dessen wahre Identität zu kennen. Jones ist nachts im Geheimen als Vampirjäger unterwegs und ist sich sicher, dass Lacombe eine untote Gefahr darstellt. Aber ist Jones tatsächlich vertrauenswürdig? Kann man seinen unglaublichen Behauptungen Glauben schenken? Zum Wohle seiner Angebeteten versucht Richard Drake schließlich die ganze Wahrheit aufzudecken.

Ab diesem Zeitpunkt wird dieses erste Album der mit dem schlichten Titel D ausgestatteten Serie auch erst richtig interessant. Drake ist äußerlich ein grober Mann, der auf seinen Reisen spürbar viel erlebt hat, aber erst jetzt, in der europäischen Heimat, seine spektakulärste Erfahrung macht. Doch wie soll er nun damit umgehen, dass sein gutaussehender Nebenbuhler ein echter Vampir sein soll?

 Alain Ayroles und Bruno Maiorana, das kreative Duo hinter dem Comic Garulfo, erzählen eine geradlininige Horrormär, die ihre Besonderheit dadurch gewinnt, dass sie elementar an den Zeitgeist des ausklingenden 19. Jahrhunderts in Europa gebunden ist. Impressionen der Straßen und Lokalitäten sind detailiert ausgestaltet und grafisch verspielt. Der Abend im Ballsaal zu Beginn des Bandes wurde einprägsam ausgestaltet und gipfelt in Drakes Ausbruch aus der noblen Gesellschaft, indem er einen falschen Pagen in den Garten verfolgt und seinen Heldenmut unter Beweis stellen darf. Das sind Momente innerhalb des Plots, die die innere Zerrissenheit der Figur sehr gut widerspiegeln.

Überhaupt ist es der Authentizität der Personen vorbehalten, dem viktorianischen Zeitalter erst so richtig Leben einzuhauchen. Drake ist Mitglied der feinen Gesellschaft und angesehener Abenteurer, Jones, der als ängstlich und unglaubwürdig vorverurteilt wird, arbeitet immerhin seriös bei einer Bank und sogar Lord Faureston trägt gerne Frack und Zylinder.

D verleiht dem oft herangezogenen Vampirmythos Stil. Und das Album ist zudem gerade aufs Ende zu recht spannend. Die beiden weiteren Ausgaben dieser dreiteilgen Serie werden sich augenscheinlich noch stärker auf das Duell der beiden Hauptprotagonisten konzentrieren. Und das macht neugierig genug.

Wer sich einen speziellen Eindruck von diesem empfehlenswerten Comic verschaffen will, dem sei der entsprechende, von Splitter erstellte Trailer in deren You Tube-Channel empfohlen.

D 1 – Lord Faureston
Splitter-Verlag, Juni 2010
Text: Alain Ayroles
Zeichnungen: Bruno Maiorana
64 Seiten, farbig, Hardcover, 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-152-8

Spannende Vampirkost von den Garulfo-Machern

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Abbildungen: © Splitter Verlag

 

Le Monde Diplomatique: In 50 Comics um die Welt


In 50 Comics um die WeltManchmal bedarf es einer Reproduktion von Werken, die ansonsten nur von den Männern der Altpapiersammlung in Augenschein genommen werden. Der deutsche Comic-Verlag Reprodukt hat sich der hehren Aufgabe angenommen und hat 50 Comics der Monatszeitung Le Monde Diplomatique in einem Band zusammengeführt. Das Resultat ist ein Foliant, der sowohl durch sein ungewöhnliches Format als auch durch seine überwältigende Farbpracht und durch seine schiere Vielfalt überzeugt.

Geboren in den großen amerikanischen Zeitungen fristet der Comic seit über hundert Jahren ein Dasein irgendwo in einer undefinierbaren Nische zwischen der Populär- und Hochkultur. In unserem neuen Jahrtausend sprießen zwar immer mehr Projekte, die darum bemüht sind, dem Comic seine alte Größe (sowohl vom Format als auch vom Ansehen) wiederzugeben, doch die Kultur des ganzseitigen Comics scheint verloren. Vom alternativen Kramer's Ergot 7 über DCs Mainstreamcomics in Wednesday Comics bis hin zu Dave Eggers eigenwilligem Zeitungsprojekt San Francisco Panorama werden Comicstrips auf Zeitungspapier gepresst ohne dabei eine natürliche Regelmäßigkeit zu erzeugen.

Obwohl die Comic-Connoisseure Armin Abmeier und Helmut Kronthaler bemüht sind, eine lückenlose Chronologie des Comicstrips von eben diesen Anfängen bis heute im Vorwort nachzuzeichnen und dabei auch unbekanntere Strips wie Naughty Pete ans Tageslicht zu bringen, wäre am Ende eine kurze Einführung in Le Monde Diplomatique und den Stellenwert der dort veröffentlichten Comics  wünschenswert gewesen, um wirklich als Einleitung in den Band zu dienen.

Allgegenwärtige Wut bei GipiGanz heimlich still und leise bringt die Monatszeitung Le Monde Diplomatique seit 2005 am Ende jeder Ausgabe eine komplette Comicseite heraus. Karoline Bofinger ist dafür verantwortlich, dass diese letzte Seite des Gemeinschaftsprojekts der deutschen Tageszeitung taz und der Schweizer WOZ bebildert ist. Zum 15-jährigen Jubiläum erscheint nun der Sammelband der Comics.

Nicht nur das Format der Comics, sondern auch das teure Papier der Reproduktion machen Lust, in die Welt dieser Comics einzutauchen. Eine Welt bevölkert vom Who is Who der derzeitigen Comic-Avantgarde: Von Henning Wagenbreth und Max Anderson über Anke Feuchtenberger und Olivier Schrauwen bis hin zu Gipi und Amanda Vähämäki sind alle Nationen und Altersklassen vertreten.

Abstrakter Comic von M.S. BastianDabei spielt es nicht unbedingt eine Rolle, ob die Arbeiten einen direkten politischen Bezug haben, wie Martin tom Diecks wortwitzige Umwelt-Allegorie „Grashalme“, oder eher einen einen interessanten Freiraum für Gedanken schaffen, wie das postmoderne Spiel eines M.S. Bastians. Alle Künstler nutzen ihre jeweilige Zeichentechnik im ungewohnten Format zur Gänze aus und überzeugen durch eine gewaltige Farbpracht.

Stellvertretend sei hier nur Hennig Wagenbreths Beitrag vorgestellt, dessen Texte, laut Autor, „maschinell hergestellt wurden“ und mit „'tobot-automatische Illustrationssysteme' illustriert“ wurden. Das Resultat spiegelt die Absurdität einer wirtschaftsorientierten Welt wider, in der „Jugendliche befürchten, Arbeitslose werden rückwärts über Steine stürzen“.

Ausschnitt von Martin tom Diecks BeitragEin mutiges Unterfangen ist In 50 Comics um die Welt alle mal. Wie die Strips von Richard F. Outcault (The Yellow Kid) und Robert Crumb vor ihnen, laden die Künstler ein, sich Gedanken über unsere moderne Gesellschaft zu machen und erfüllen so die Prämisse dieser Kunstform. Auf den Seiten von Le Monde Diplomatique und in diesem Sammelband beweisen die Künstler, dass der Comic trotz aller Fragen bezüglich seiner Wertschätzung in unserer Gesellschaft, sein subversives Potential noch nicht eingebüßt hat.

Le Monde Diplomatique: In 50 Comics um die Welt
Reprodukt, Mai 2010
Text und Zeichnungen: Diverse

Herausgeber: Karoline Bofinger
64 Seiten, farbig, Hardcover,  28,00 Euro
ISBN: 978-3-941099-45-6
Leseprobe

Gut!

Ein äußerst ansehnliches Familientreffen der internationalen Comic-Avantgarde

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Abbildungen: © die jeweiligen Autoren, Reprodukt, Le Monde Diplomatique

Oh nein! Ich bin ein Mädchen! 5. Akt, 2,5. & 4. Kapitel

29 Seiten aus direkt zwei neuen Kapiteln des 5. Aktes „Oh nein! Ich bin ein Mädchen!“: Jan kehrt zur Polizei zurück und will diesmal alles richtig machen. Dummerweise schafft sie es nicht, ihre Geschichte zu Ende zu erzählen – ihr Körper funkt dazwischen …

Das 2,5. und 4. Kapitel des 5. Akts: „Automatik“ und „In der Defensive“

[Übersicht aller bisherigen Akte.]

[Thread im Comicforum mit dem wöchentlichen Update von ONIBEM.]

Zorro vs. Dracula


Reguläres Cover von Zorro vs. DraculaDa möchten Don Diego de la Vega und sein Diener Bernardo einfach nur eine ruhige Schifffahrt unternehmen … und müssen unterwegs gleich dem legendären Vampirfürsten Dracula entgegentreten. Dieser hat sich nämlich ebenfalls als Passagier an Bord begeben und möchte von Spanien nach Frankreich übersiedeln. Don Diego, der nachts als maskierter Rächer Zorro für Gerechtigkeit kämpft, hat sich glücklicher Weise kurz zuvor in Toledo vom Meisterschmied Rambak ein spezielles Schwert anfertigen lassen. Nur dass es so schnell zum Einsatz kommen muss, damit hat Zorro freilich nicht gerechnet. Auf hoher See, fürs erste zusammen auf dem Schiff gefangen, entbrennt zwischen Zorro und Dracula schnell ein erbittertes Duell. Vor allem um das Schicksal der unschuldigen Carmelita Rodriguez wollen beide mit unterschiedlichen Intentionen kämpfen.

Wer hätte gedacht, dass man den bereits 1919 erfundenen Heroen Zorro nach 18 Jahren mal wieder in einem deutschsprachigen Comic zu Gesicht bekommt? Der 2007 gegründete Lehmann Verlag, der auch eine 20-teilige Sherlock Holmes-Comicreihe herausgibt und unter dem Label „Classic Heroes“ firmiert (damit dürfte die Programmausrichtung in etwa klar sein), zeichnet sich für das unerwartete Revival verantwortlich. Zorro vs. Dracula, ein One-Shot (basierend auf einer im Jahre 1993 vom US-Verlag Topps veröffentlichten Miniserie), ist da erst der Anfang, denn weiteres Zorro-Material für die „Zorro Edition“ (Blog) ist bereits in Vorbereitung (mehr zu den Hintergründen erfährt man in einem Interview mit dem Verleger Thorsten Lehmann).

Variantcover von Zorro vs. DraculaDie Aufmachung dieses Comics des jungen Verlages ist, gemessen an den Standards anderer Verlage, recht unspektakulär. Das muss aber nicht zwangsläufig ein Minuspunkt sein. Der Band erscheint im US-Format und mit Softcover, das Papier ist diesem nostalgisch angehauchten Lesevergnügen entsprechend nicht allzu glänzend. Alles in allem hat man hier gute Arbeit geleistet.

Kritikpunkte, so man denn welche suchen möchte, ergeben sich unter anderem beim Bonusmaterial, auf welches extra auf dem Backcover hingewiesen wird. Im Grunde besteht der Extrateil nämlich lediglich aus einem knappen Nachwort von Zeichner Thomas Yeates. Die vollmundig angekündigte Covergalerie und die unveröffentlichten Skizzen und Zeichnungen entpuppen sich letztlich als Miniversionen, die in dem gerade erwähnten Nachwort integriert sind. Das ist dann doch etwas enttäuschend. Andererseits darf man auch nicht bei jeder Publikation überhaupt Bonusmaterial über die eigentlichen Comicgeschichten hinaus erwarten.

Ärgerlicher ist schon eher ein Produktionsfehler, der sich zum Ende des  Bandes hin eingeschlichen hat. Eine ganze Doppelseite weist einen Fehldruck in Form eines grafischen Dopplungseffekts auf, wie ich es hier laienhaft nennen will. Dadurch entsteht der grausige Eindruck eines 3D-Comics ohne zugehörige Brille. (Wie mir mitgeteilt wurde, betrifft dies jedoch nicht die gesamte Auflage, sondern ist als ärgerlicher Ausnahmefehler des mir vorliegenden Exemplars zu werten)

Seite aus Zorro vs. DraculaDiese kleinen Startprobleme sollen jedoch nicht vom eigentlichen Kern der Sache, sprich dem Inhalt, ablenken. Zorro vs. Dracula ist durchaus als gelungenes Crossover einzustufen. Sicher, das Duell „Horrormonster gegen Degenkünstler“ dürfte nicht jedermanns Fall sein, und die im 19. Jahrhundert spielende Handlung mag für den ein oder anderen recht antiquiert wirken. Dem entgegen steht jedoch ein herrlich nostalgischer Charme, gelungene Zeichnungen und eine einfallsreiche Lokalität: Das Schiff ist Dreh- und Angelpunkt der Story und schafft es, die Protagonisten ausgesprochen gut in Szene zu setzen. So schwebt Dracula schon mal mit seinen Fledermausschwingen eindrucksvoll vom Mast hinunter, während Zorro grazil über die Reling balanciert – all das, während sie sich auf dem Meer fortbewegen. Dieser ständige Bewegungsfluss ist letztendlich auch der große Kniff, den Autor Don McGregor gefunden hat, um die Geschehnisse spannend zu halten.

Zorro vs. Dracula ist übrigens auch als limitierte Variantcover-Ausgabe erhältlich (unteres Cover).

 

Zorro vs. Dracula
Lehmann Verlag – Classic Heroes (Zorro Edition), Juni 2010
Text: Don McGregor
Zeichnungen: Thomas Yeates
72 Seiten, farbig, Softcover; 14,95 Euro

ISBN: 978-3939273042
Blog zur „Zorro-Edition“
Interview mit Verleger Thorsten Lehmann von Martin Boisen

Ganz okay

 

 

 

 

 

 


Zwei legendäre Figuren treffen aufeinander. Das Ergebnis?
Ein nettes, nostalgisches Leseerlebnis.

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Abbildungen © Thorsten Lehmann Verlag

Baker Street 2


Cover von Baker Street 2Eine Holmes-Parodie als Comic – so könnte die Serie Baker Street aus der Feder von Szenarist Pierre Veys (Harry Cover – Die bezaubernde Parodie) und Zeichner Nicolas Barral auf den Punkt gebracht werden. Das Duo hat zuvor bereits bei der Krimi-Satire Die Abenteuer von Philip und Francis zusammengearbeitet, die inhaltlich und stilistisch die Baker Street-Geschichten quasi vorweggenommen hat, aber nach einem Band eingestellt wurde. Der Titel der Holmes-Reihe ergibt sich aus der Londoner Straße, in der sich die Wohnung des berühmtesten literarischen Detektivs befindet.

Im Gegensatz zum Auftaktband „Sherlock Holmes fürchtet sich vor gar nichts“ enthält der zweite Band „Sherlock Holmes und der Club der tödlichen Sportarten“ keine Sammlung von episodenhaften Kurzgeschichten, sondern eine einzige, längere Handlung. Dabei erweist sich der vielschichtige Fall als überaus verzwickt: Sherlock Holmes und Dr. Watson werden vom nervenzermürbenden Inspektor Lestrade zu fünf verschiedenen Verbrechen hinzugezogen, die vordergründig erst einmal nichts miteinander gemein haben.

Die Abenteuer des Meisters der Deduktion werden in Baker Street zunächst ganz nach dem Vorbild von Arthur Conan Doyle präsentiert: Da ist der unverkennbare Deerstalker als Markenzeichen von Holmes, die ungleiche Männerfreundschaft zwischen dem Detektiv und seinem Chronisten, die bekannten Nebenfiguren wie Inspektor Lestrade aus dem Scotland Yard. Doch neben diesem „Grundgerüst“ beziehungsweise neben dieser Hommage entpuppt sich die Serie zugleich als Verballhornung der Vorlage. Denn es kommt durchaus vor, dass sich Holmes irrt oder verheerende Fehler macht wie ein Streichholz in einer Lagerhalle mit hoch entflammbarem Puder zu entzünden. Die Zankereien zwischen den Streithähnen Holmes und Watson werden zuweilen überspitzt und bis zum Äußersten getrieben.

Seite aus Baker Street 2Die Gags funktionieren dabei fast immer. Manchmal aber schießen die Autoren über das Ziel hinaus, übertreiben zuweilen oder warten mit vorhersehbaren Pointen auf. Der Humor, der sich neben der Holmes-Watson-Konstellation vor allem aus der Verachtung für Lestrade und Scotland Yard speist, wird auch durch die cartoonhaften Zeichnungen unterstrichen. Barrals detailierter Strich hebt die markanten Gesichtspartien zur Karikatur hervor. Er benutzt auf gekonnte Weise viele comictypische Stilmittel wie Speedlines oder Sternchen, um eine Szene auf die Spitze zu treiben.

Auch der zweite Band von Baker Street ist eine gelungene Parodie auf Doyles Romane. Es ist gute Genre-Kost mit bisweilen schwankend guten Pointen. Veys und Barral sind ein eingespieltes Team, das sich hervorragend ergänzt. Baker Street 2 ist sicherlich für Holmes-Fans oder Anhänger der Kriminal-Parodie eine Pflichtlektüre. Allen anderen ist aber zunächst ein Blick in das Album zu raten. Ein großes Plus der Reihe ist sicherlich noch die zügige Veröffentlichung: Band drei erschien im Juli, und die Bände vier und fünf  sind für Herbst/Winter 2010 geplant.

Baker Street 2 – Sherlock Holmes und der Club der tödlichen Sportarten
Piredda Verlag, Mai 2010
Szenario: Pierre Veys
Zeichnungen: Nicholas Barral
Hardcover, 48 Seiten, farbig; 13 Euro
ISBN: 9783941279360

Leseprobe auf der Verlags-Website
Geht so

Gelungene Hommage und Parodie mit Semi-Funny-Zeichnungen

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Abbildungen © Nicolas Barral, der dt. Ausgabe Piredda Verlag

Der schreckliche Papst 1 – Giuliano della Rovere


 Alexandro Jodorowsky, einer der ganz großen Comicautoren, meldet sich mit seiner neuen Serie Der schreckliche Papst zurück. Hatte sich Jodorowsky zunächst viel mit Science-Fiction beschäftigt (John Difool mit Moebius, Die Kaste der Meta-Barone mit Juan Giménez) und dann mit Western (Juan Solo und Bouncer) drückt er nun dem historischen Comic seinen Stempel auf. Die mit Milo Manara begonnene Serie Borgia (bei Kult Editionen) läuft noch und schon kommt quasi die Fortsetzung heraus.

Jodorowskys Interesse an der Mafia kam auch schon in seiner Serie über die erste „Mafiafamilie“ der Geschichte, den Borgias, zutage. Und gerade dieses Interesse verleitet ihn zu einer Fortsetzung. So ist es kaum zu vermeiden, dass sich die beiden Serien inhaltlich sehr ähneln und der Wiedererkennungsfaktor hoch ist. Zudem fängt Der schreckliche Papst da an, wo die Borgias enden (werden): mit dem Tod des Papstes Alexanders VI., Rodrigo Borgia. Der Kardinal Giuliano della Rovere, ein Erzfeind des toten Papstes, will selber Papst werden und unternimmt alles, um dieses Ziel zu erreichen: Erpressung (auch sexuelle), Bestechung, Mord, Intrigen und Drohungen. Alles genau so, wie sein Vorgänger, der Borgiapapst Alexander der VI, es getan hatte. Nur hatte Alexander seine Familie um sich, die Rovere nicht hat. Später versammelt jedoch auch er seine Verwandtschaft um sich und die Serien werden sich noch ähnlicher.

 Zwar ist das alles historisch interessant und übersichtlich gehalten und auch als Historienkrimi spannend zu lesen, aber die einzige wirkliche Neuerung gegenüber Borgia ist eine kleine Akzentverschiebung. War in der Vorgänger-Reihe schon viel Sex zu sehen (immerhin ist Manara, der Großmeister des erotischen Comics, der Zeichner), auch Inzucht, so ist der Sex in Der schreckliche Papst homosexueller Natur (ohne ins Pornographische abzugleiten). Und das ist wirklich neu und provokant: einen Papst bei homosexuellen Akten darzustellen – schließlich wird Giuliano della Rovere zum Papst gewählt und übernimmt als Julius II. das Pontifikat.

Dass der Zeichner Theo sich zehn Jahre lang auf Illustrationen spezialisiert hatte, merkt man dem Band stark an. Fast ausnahmslos werden große Panels verwandt, welche die ganze historische Wucht einzufangen vermögen. Erstaunlicherweise werden bei aller zeichnerischen Liebe zum Detail manche Hintergründe nicht weiter ausgestaltet. Gesichter werden komplett weggelassen und im perspektivischen Hintergrund (beim Fluchtpunkt) verschwimmen Farben und Formen etwas zu früh. Auch erstarren die Körperhaltungen gerade in dramatischen Szenen oft zu Posen und verlieren an Dynamik. Gerade das allerletzte Panel ist hier zu sehr auf Effekt ausgelegt. Die Orgie zu Beginn und die zeichnerische Darstellung des Charakters Aldosi sind eine deutliche Hommage an Manara, Theos zeichnerischem Vorgänger.

 Was aber wirklich beeindruckt und so manche Kleinigkeiten mehr als wettmacht, ist die meisterhafte Handhabung des Lichtes. Die Atmosphäre des sonnendurchfluteten Italiens ist zauberhaft, die Nutzung des natürlichen Lichtes durch die Sonne fabelhaft. Je nach Stimmung und Tageszeit der Handlung sind die Szenen unterschiedlich beleuchtet. Dadurch kommen fast nie einheitlich helle Panels vor. Man bekommt den Eindruck, dass die Bilder aus sich selber leuchten und die wirkliche Sonne die Story erhellt. Grandios.

Der schreckliche Papst 1 – Giuliano della Rovere
Splitter Verlag, Juli 2010
Text: Alexandro Jodorowsky
Zeichnungen: Theo
Hardcover, 56 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-161-0

Ganz okay

Historisch interessantes Album, fast deckungsgleich mit Borgia, aber durch Zeichnungen und Milieu überzeugend.

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Abbildungen © Splitter Verlag

Flattr bei Comicgate

 Einige von Euch haben es bestimmt schon entdeckt oder über unseren Twitter-/Faceboook-Account mitbekommen: Wir haben auf Comicgate Flattr-Buttons eingeführt. Mit diesem recht neuen Mikro-Bezahlsystem hat man die Möglichkeit, einzelne Beiträge oder Websites finanziell zu honorieren – und das mit einem einen einzigen Klick. Die Registrierung war aus Testgründen bis vor kurzem nur über eine Einladung möglich, seit etwa zwei Wochen kann sich jeder dort registrieren.

Flattr ist in der Bloggerszene schnell sehr beliebt geworden, um Anerkennung auszudrücken. In der andauernden Diskussion, wie sich Webseiten finanzieren können, gibt es die zwei Extreme „kostenloser Inhalt, durch Werbung finanziert“ (was durch AdBlocker vermindert wird) und „keine Werbung, dafür wird der Inhalt erst nach bezahlter Freischaltung zugänglich“. Das aus Schweden stammende Flattr könnte eine Alternative sein und basiert auf freiwilliger Zahlung und weiterhin kostenlos zugänglichen Inhalten.

Das Prinzip funktioniert so: Nach der Registrierung legt man eine Summe fest, die man pro Monat insgesamt ausgeben möchte, mindestens 2 Euro  (wobei Flattr 10% einbehält). Jeden Flattr-Button kann man nur einmal im Monat anklicken. Nach Ende des Monats wird die Summe auf alle beflattrten Artikel aufgeteilt. Je mehr Buttons man also angeklickt hat, desto weniger ist der einzelne Klick wert. Durch Summierung können aber bei stark frequentierten Seiten trotzdem beeindruckende Summen zustande kommen, wie z. B. die taz oder private Blogs/Podcasts wie Spreeblick und The Lunatic Fringe zeigen.

Bei Comicgate gibt es zwei Flattr-Möglichkeiten: einmal einen Button als generelles Dankeschön für die Seite (linke Menüspalte). Außerdem hat fast jeder unserer Artikel seinen eigenen Flattr-Button, so dass Ihr bestimmte Artikel gezielt honorieren könnt.

Hier noch das Erklärvideo zum Prinzip (auf Deutsch):