Garg, das ist ein kleines, hellbläuliches Monster-Mädchen. Es wohnt beim erfolglosen Schriftsteller Benni, der Garg irgendwann einfach vor seiner Haustür fand. Das Zusammenleben des bücherverschlingenden, abenteuerlustigen Wesens mit seinem inoffiziellen Adoptivpapa schildert das kreative Duo ASP (dahinter verbirgt sich Alexander F. Spreng, Autor und Sänger der gleichnamigen Gothic-Band) und Ingo Römling, der als Zeichner auch unter der Pseudonym „monozelle“ unterwegs ist (Übrigens ist das nicht das erste Comicprojekt der beiden, denn 2006 erschien bereits ihre Kollaboration Varieté Obscurals Printcomic).
Seit 2007 veröffentlichen sie den Strip 7 Jahre mit Garg (www.siebenjahremitgarg.de), jetzt gibt es erstmals einen gedruckten Sammelband. Und der beinhaltet neben den den klassischen Strips in Schwarz-Weiß auch eine längere, kolorierte Geschichte, die stlististisch völlig andere Wege einschlägt.
„Mein Findetag“, so der Titel dieser Episode, beleuchtet das Garg’sche Äquivalent zum uns bekannten Geburtstag. Denn, klar, einen solchen hat das Monsterlein nicht, deswegen zelebriert es mit Benni den Tag ihres ersten Zusammentreffens. Die Bilder sind hier nicht nur farbenfroh ausgestaltet, sondern nehmen auf den Seiten viel Raum ein. Einige Zeichnungen erstrecken sich sogar aufs komplette A4-Format des Albums. Die Story ist in vielerlei Hinsicht ein Stilbruch zu dem, was der Leser in der ersten Hälfte des Bandes sehen kann. Sogar auf Dialoge wird komplett verzichtet, stattdessen werden die Bilder von Gargs Ausführungen in Reimform untermalt.
All das wirkt überraschend und ist sehr sympathisch umgesetzt. Zumal es das starre Konzept des Strips aufbricht und beweist, dass der Charme auch ohne viel Worte erhalten bleibt. Trotzdem hat mich die überlange Bonusgeschichte etwas gestört, bzw. hätte ich stattdessen doch noch ein paar Strips gelesen. Der Grund dafür ist, dass Garg und Benni ohne das Korsett der knappen Form das gewisse pointierte Moment fehlt, dass der gereimte Monolog überdies zwar nett, aber keinen Ersatz für einen klugen Dialog bilden kann.
Die Strips brauchen sich hingegen auch vor ganz großen Vorbildern nicht zu verstecken. Hier fabuliert Texter ASP um wunderbar anrührende, geistreiche Situationen herum. Ob es nun um Gargs Wunsch eines Weltraumfluges geht, oder um Bennis verzwickte Jobsuche, stets enden die sich auf maximal drei Seiten erstreckenden Storys mit einer mehr oder weniger offensichtlichen Pointe. Das sorgt beim Lesen zumeist für ein Schmunzeln, machmal ist 7 Jahre mit Garg aber auch richtig, richtig lustig.
Richtig gelungen ist nebenbei bemerkt auch die Aufmachung des im Eigenverlag produzierten Sammelbandes. Die auf angenehm rauem Papier gedruckten Seiten sind in einem schicken Hardcover-Einband verpackt. Und im redaktionellen Part klärt ASP unter anderem die Frage nach dem ungewöhnlichen Titel des Comics.
Wem diese Ausstattung allerdings zu profan erscheint, dem kann auch alternativ mit einer limitierten Kunstlederausgabe mit Silberprägung geholfen werden. Auch diese gibt es im ASP-Shop unter www.thetalesofasp.com.
7 Jahre mit Garg – Gesamtausgabe 2007 bis 2010
Eigenverlag, August 2010
Autor: ASP
Zeichner: Ingo Römling
124 Seiten, s/w + farbig, HC, 26,90 Euro

Klasse Stripserie mit monströsem Niedlichkeitsfaktor, leichte Abzüge gibts nur wegen der Farbstory
Abbildungen: © Ingo Röming / ASP

Batman ist tot, lang lebe Batman! Mit dem Sammelband Batman – Was wurde aus dem Dunklen Ritter? schlägt Panini zwei Fliegen mit einer Klappe. Primo: Die erste Episode im Band ist zugleich die längste. Auf 60 Seiten breitet sich da Batman: Whatever Happened to the Caped Crusader? aus, eine Zäsur im Batman-Universum; das US-Original erschien im April 2009, die Beerdigung des Fledermaus-Helden, stilecht mit Kostüm und Sarg auf einer Doppelseite. Ähnliches kannte man bereits von Superman, wohl wissend, dass zugkräftige Flagschiffe der Verlage niemals wirklich sterben, sondern immer wieder aus der Asche neugeboren werden. Kubert zeichnet wie ein junger Gott, und Gaiman hebt an zu einer reflektierten, metaphysischen Betrachtung, ohne den Leser allzu sehr mit Prügeleien oder anderen banalen Ereignissen zu belästigen. Manch einem könnte das zu abgehoben sein.

Im Zuge der Verfilmung des Videospielklassikers Prince of Persia erschien unlängst der begleitende Comicband „Vor dem Sandsturm“, der laut Cover die Vorgeschichte zum Kino-Hit enthalten soll (was so viel bedeutet wie: irgendwas zwischen „wichtige Ergänzung“ und „billige Abzocke“). Zudem ist der Comic logischerweise ein Disney-Produkt; und zwar eines, das mit der Beteiligung von Spawn-Schöpfer Todd McFarlane wirbt. Grund genug also, dieser Publikation eine Chance zu geben und unvoreingenommen an die Sache zu gehen (dazu muss ich sagen, dass ich den Film bislang noch nicht kenne).