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Ein Vertrag mit Gott


eisner_cover_vertrag_gott Will Eisner – kann man ihn unvoreingenommen lesen, ohne gleich von seinem vorauseilenden Ruf in der Comicszene erschlagen zu werden? Dürfte man sich als Comicrezensent überhaupt herausnehmen, diesen „wichtigsten Zeichner Amerikas“ (F.A.Z.) zu kritisieren? Ich habe versucht, den ersten Band der „Will Eisner Bibliothek“ im Carlsen Verlag, Ein Vertrag mit Gott Mietshausgeschichten so zu lesen, wie es ein unbescholtener Textbücher-Leser tun würde, dem plötzlich dieser voluminöse Band in die Hände fällt – und war schlichtweg begeistert!

Bei einer unvoreingenommenen Annäherung mutet der Titel schon sonderbar an: Kontrakte mit höheren Wesen und Erlebnisse in Mietshäusern sind jedenfalls nicht der Garantieerfolg bei Hollywood-Produktionen. Der Sammelband vereinigt die Geschichten „Ein Vertrag mit Gott“ (1978), „Lebenskraft“ (1983) und „Dropsie Avenue“ (1995), die aus verschiedenen Schaffensperioden stammen, aber dennoch eine gelungene Einheit im vorliegenden Werk bilden.

Verblüffend, wie Eisner es schafft, den Leser anhand von gradlinig erzählten Geschichten eine Zeitepoche, menschliche Gemütsbewegungen und soziale Problemlagen nahe zu bringen. Dabei puzzelt er die einzelnen Episoden geschickt durch zahlreiche Querverweise, neue Generationen, Nachmieter, wiederkehrende Personen zusammen, so dass ständig neue Bedeutungsebenen hervortreten und auf Subtexte angespielt wird. Für Comic-Feinschmecker!

eisner_vertrag_gott_Die ganz gewöhnlichen Vorbehalte gegen die neuen ausländischen Mieter im Viertel werden generationenübergreifend ironisch gebrochen, wenn die vorab beschimpften Engländer später ihrerseits die verhassten „Krauts“ drangsalieren, gemeinsam gegen neureiche Iren vorgehen, anschließend dieselben gegen „Itaker“ und Spanier pöbeln.

Besonders die „Dropsie Avenue“-Geschichte übersteigt mein Analysevermögen: Ich kann nur festhalten, dass die Hauptfigur der Jahrzehnte umgreifenden Erzählungen das Stadtviertel (!) ist. Ich kann nur feststellen, dass die Erzählungen mich von Anfang bis Ende immer tiefer hineingezogen haben, aber ich kann nicht so nebenbei mal analysieren, wie Eisner dies handwerklich bewerkstelligt hat. Faszinierend, aber auch eine Zumutung für konventionelle Leser, die ohne bleibende Hauptfigur und simple Story überfordert sind! Und ganz ungewohnt für US-amerikanische Autoren: ganz und gar nicht prüde…

Erwähnenswert ist zudem, wie aktuell die zahlreichen eingewobenen Themen geblieben sind, die eingebunden sind: 

  • eisner_vertrag_gott_2Die Ausführungen zur Weltwirtschaftskrise von 1929 lesen sich nach der letzten Finanzkrise mit erhöhter Spannung.
  • Der deutsche Dauerbrenner Migration und Integration und schon damals illegale Einwanderer in die USA, aber auch „Parallelgesellschaften“ in US-amerikanischen Städten kommen in hundert Facetten vor.
  • Gottesglaube und erfahrenes Leid (Tod der eigenen Tochter)
  • Immobilienspekulanten, sozialer Aufstieg und asozialer Abstieg eines Stadtviertels, Mietmafia und korrupte Vermieter
  • Liebe und Fremdgehen in Lebenskrisen und zu Zeiten, wenn Geld und nicht Waschbrettbauch für die Partnerwahl entscheidend war.

Zum Äußeren: 508 Seiten stark und edel gebunden, mit Einlegebändchen, macht schon das Zugreifen (haptische) Freude. Das Erscheinungsbild aus beigen Seiten mit dunkelbraunem Kontrast ist angenehm fürs Auge. Das Format der Seiten ist ausreichend groß (oft sind stark verkleinerte Miniaturansichten ein Manko bei gesammelten Nachdrucken, finde ich immer wieder!) und verstärkt die Wirkung der Zeichenkunst Eisners. Vor- und Nachworte runden den exzellenten Gesamteindruck ab. Für eingefleischte Fans gibt es eigens für diesen Band gezeichnete Seiten, die den Übergang erleichtern, insgesamt zwölf an der Zahl.

Ein Vertrag mit Gott. Mietshausgeschichten
Carlsen Verlag, März 2010
Text und Zeichnungen: Will Eisner

Mit einem Vorwort von Will Eisner und einem Nachwort von Andreas C. Knigge
508 Seiten, Hardcover, schwarz-weiß (bzw. sepiafarben), 36 Euro
ISBN 978-3-551-75044-0

Leseprobe

Hervorragend!

Absolut fantastisch, Erzählkunst auf höchstem Niveau!

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Abbildungen © Carlsen Verlag

Bob Dylan – Revisited


bob_dylan_1 Als ich zum ersten Mal die Ankündigung vernahm, dass bei Carlsen Comics ein Comicband mit dem Titel Bob Dylan – Revisited erscheinen wird, ging ich intuitiv davon aus, dass es sich dabei um eine gezeichnete Biografie des Künstlers handeln würde. Aber weit gefehlt, das im mittlerweile bewährten, verkleinerten „Graphic Novel“-Format des Verlages (aber in diesem Fall ausnahmsweise nicht als eine solche deklariert) vorgelegte Buch verzichtet wohltuenderweise komplett darauf, das Leben Bob Dylans nachzuzeichnen oder auch nur dessen Stellenwert für die Folk- und Rockmusik zu beleuchten.

Vielmehr liest sich Revisited als Hommage an Dylans Schöpfungen, sprich seine Lieder. Diverse Zeichner interpretieren darin dessen Songs  allein auf der Basis der Originaltexte. Die Ergebnisse sind mal minimalistisch gehalten, wie Jean-Claude Göttings finstere Umsetzung von „Lay, Lady, Lay“, mal auschweifend und grafisch experimentell wie Dave McKeans Annäherung an den Song „Desolation Row“ oder abstrakt wie Lorenzo Mattottis Variante von „A Hard Rain`s A-Gonna Fall“.

bobdylan02 Insgesamt 13 Lieder, darunter auch einige der bekanntesten wie „Blowin‘ in the Wind“ oder „Knockin‘ On Heaven’s Door“, gezeichnete Coverversionen sozuagen, sind hier verarbeitet worden. Sicherlich gibt es in diesem Zusammenhang sowohl Licht als auch Schatten zu registrieren: Während viele der Beiträge die textliche Vorlage zu einer raffinierten Interpretation verarbeiten, bleiben einige qualitativ auf der Strecke und wissen nicht so recht mit den oft tiefschürfernden Geschichten Dylans umzugehen.

Sehr gut gefällt mir aber insbesondere die ungezwungene Herangehensweise, die dieses Gesamtprojekt verfolgt. Revisited verzichtet auf einleitende Worte, ebenso auf Erläuterungen zum musikhistorischen Kontext oder zur Intention Dylans. Aber derlei Dinge vermisst man auch nicht unbedingt, denn die Comicstories sprechen für sich und stehen als bildhafte Hommage sehr gut alleine da.

bobdylan01 Im Übrigen hat man vor jeder Story den jeweils zugrundeliegenden Songtext abgedruckt, sowohl in englischer Sprache als auch in deutscher Übersetzung. Das ist für das Verständis sicherlich nicht unwichtig. Leider funktioniert die deutsche Übersetzung innerhalb des Comicplots aus meiner Sicht oft nicht besonders toll. „Ich glaub ich klopf ans Himmelstor“ hört sich eben nicht so flüssig an wie „I feel like I’m knockin‘ on heaven’s door“. Allerdings lässt sich ein gewisser Stimmungsverlust bei der Übertragung in eine andere Sprache wohl kaum vermeiden. Nur bei harmonischen, ausgefeilten Liedtexten fällt es offensichtlich stärker ins Gewicht.

Abschließend muss man Bob Dylan – Revisited zwingend jedem langjährigen Fan des Musikers ans Herz legen, zumal die in Bilder verpackten Umsetzungen altbekannter Lieder wesentlich mehr Spaß machen dürften, wenn man mit der Materie bereits vertraut ist. Zum anderen finden aber auch Laien in diesem Band eine unterhaltsame Einführung in das Schaffen Bob Dylans und nebenbei einige interessante Comics namhafter Zeichner.


Bob Dylan – Revisited
Carlsen, Oktober 2010
diverse Autoren und Zeichner
112 Seiten, farbig, Hardcover, 16,90 Euro
ISBN: 978-3-551-77807-9 

 Gut

Unverkrampfte Hommage an die Folk-/Rocklegende mit überwiegend gelungenen Comicbeiträgen

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Abbildungen: © Editions Delcourt, Carlsen Verlag

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Scott Pilgrim vs. The World
USA 2010
Regie: Edgar Wright
Hauptdarsteller: Michael Cera (Scott Pilgrim), Mary Elizabeth Winstead (Ramona Flowers), Ellen Wong (Knives Chau), Kieran Culkin (Wallace Wells), Anna Kendrick (Stacey Pilgrim), Brandon Routh (Todd Ingram), Chris Evans (Lucas Lee), Jason Schwartzman (Gideon Graves)


Eins gleich vorweg: sorry, das wird keine ausgewogene Filmkritik. Ich bin Fan der Scott Pilgrim-Comics von Bryan Lee O’Malley, seit ich im Jahr 2004 den ersten Band gelesen habe, das komplette 6-bändige Epos habe ich inzwischen mehrfach gelesen. Normalerweise verspürt man, wenn man eine Vorlage sehr, sehr gerne mag, bei einer Verfilmung eher Angst als Vorfreude. Das gilt nicht bei diesem Film, denn ich bin auch Fan von Regisseur Edgar Wright, der zuvor Shaun of the Dead und Hot Fuzz gemacht hat. Dass ihm dieses Projekt anvertraut wurde, erschien mir von Anfang an völlig richtig und schlüssig. Und tatsächlich: Er hat die Erwartungen nicht enttäuscht.

Scott Pilgrim vs. the World ist ein ungemein unterhaltsamer und aufregender Filmspaß geworden, der seiner Comicvorlage sehr treu bleibt und sie niemals verrät, sie aber auch nicht sklavisch abfilmt, sondern auf kongeniale Weise ins Medium Film transportiert. Für alle, die immer noch nicht wissen, worum es geht, die Kurzzusammenfassung: Scott ist ein 22-jähriger Kanadier ohne Job, der nicht besonders schlau ist, viel herumhängt, Videospiele zockt, in einer ziemlich schlechten Band Bass spielt und unerwartet seine Traumfrau Ramona trifft. Um mit ihr zusammenzukommen, muss er aber eine hohe Hürde meistern: er muss Ramonas sieben böse Ex-Freunde im Kampf besiegen.

Was als Inhaltsangabe mächtig bekloppt klingt, wurde in Bryan Lee O’Malleys Comicserie zu einer rundum gelungenen – und am Ende auch sehr erfolgreichen – Mischung aus Actionmanga, Generationsporträt, Coming-of-Age-Geschichte und romantischer Komödie, vollgepackt mit popkulturellen Referenzen zu Videospielen, Indierock und Filmen (siehe auch der Artikel „Das Phänomen Scott Pilgrim“ im Comicgate-Magazin 5). Edgar Wright schafft es, diese spezielle Mischung auf die Leinwand zu transportieren, indem er die zentrale Besonderheit der Vorlage beibehält: die völlig selbstverständliche Vermischung der ganz normalen Welt junger Menschen im 21. Jahrhundert mit der Logik von Videopielen, in denen man zwischendurch auch mal Gegner verkloppen muss, um ins nächste Level zu gelangen.

Edgar Wright nimmt diesen Aspekt dankbar auf und betont die Videospiel-Komponente noch sehr viel stärker, als es die Comics tun. Das beginnt schon ganz zu Anfang, wenn das Logo der Universal Studios in pixeliger Commodore-Amiga-Ästhetik mit entsprechendem Sound erscheint. Später gibt es unter anderem die Einblendung eines gelben Wasserstandsbalkens, wenn Scott pinkeln geht, viele Soundeffekte, die an alte 16-Bit-Konsolen erinnern, und ähnliches mehr. Dazu natürlich zahlreiche Kampfeinlagen, die allesamt sehr rasant und einfallsreich gefilmt sind.

Von der Dramaturgie her erinnert der Film ein wenig an Musicals: so wie dort die Schauspieler unvermittelt anfangen zu singen und zu tanzen, so wird hier zwischendurch mal eben gekämpft, ehe die Figuren wieder „normal“ agieren. Beim ersten Kampf mag das noch irritierend wirken, funktioniert aber wunderbar. A propos Musik: auch davon enthält der Film eine Menge, schließlich spielt Scott in einer Band, die wir sowohl im Proberaum als auch auf verschiedenen Bühnen sehen. Die eigens komponierten Schrammel-Rocksongs passen hervorragend.

Neben guter Musik und effektvollen Kampfszenen punktet Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt mit sehr viel Humor (teilweise direkt aus dem Comic übernommen), mit reichlich popkulturellen Anspielungen (von Seinfeld bis Bollywood), mit seinem stellenweise irrwitzig hohen Tempo und mit vielen visuellen Mätzchen wie Splitscreens, Einblendungen (zum Beispiel von Soundwords) und Rückblenden im Comic-Stil. Schon diese Elemente machen den Film zu einem sehr unterhaltsamen und rasanten Spaß. All das wäre aber nur oberflächlicher Nonsens – richtig gut wird es erst dadurch, dass Edgar Wright auch zwei wichtige Aspekte im Auge behält: die Charaktere und das Herz der Geschichte.

Für den Film wurden fast alle Figuren aus der Comicserie übernommen und äußerst passend besetzt: Zwar hat Michael Cera die Rolle des leicht verpeilten Spätjugendlichen vielleicht schon etwas zu oft gespielt (u.a. in Juno und Superbad), trotzdem steht ihm die Rolle des Scott Pilgrim sehr gut. Noch viel mehr glänzen allerdings Kieran Culkin als Scotts schwuler Mitbewohner und väterlicher Ratgeber Wallace und Jason Schwartzman als Gideon Graves, letzter und gefährlichster Ex-Freund und damit der große Endgegner. Ebenfalls als Ex-Freunde dürfen Brandon Routh und Chris Evans mitspielen, die beide bereits Erfahrung mit (Superhelden-) Comicverfilmungen haben: der eine als Superman, der andere als Johnny Storm in Fantastic Four sowie demnächst als Captain America. Alle haben sichtlich Spaß an ihren Rollen und erwecken Bryan Lee O’Malleys Figuren zum Leben, die weit mehr als nur eindimensionale Klischeefiguren sind.

Womit wir beim Herz der Geschichte wären: Unter all dem lauten, bunten, poppigen Spektakel steckt eine anrührende Geschichte vom Erwachsenwerden, von der Kraft der Liebe und davon, wie man mit dem Ballast seiner Vergangenheit umgeht. Dass diese Schicht immer schön durchscheint und von Action und Gags nie völlig verdeckt wird, ist die größte Stärke des Films. Man hätte Bryan Lee O’Malleys Comics wohl kaum besser verfilmen können.

Trotz aller Qualität ist Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt nicht perfekt, kann es gar nicht sein. Da man den Inhalt von sechs dicken Comicbänden auf einen zweistündigen Film verdichten musste, wurden natürlich viele kleine Nebenstränge gestrichen. Das führt – vor allem in der zweiten Hälfte – dazu, dass die Kampf- und Actionszenen vergleichsweise viel Raum einnehmen, während im Comic auch immer wieder Platz für ruhige Momente ist. Dadurch bleiben Nebenfiguren wie Kim Pine und Envy Adams, beides Ex-Freundinnen von Scott, im Film wesentlich blasser und oberflächlicher. Und im Comic gelingt es auch viel besser, den Leser davon zu überzeugen, dass Ramona für Scott wirklich die ganz große Liebe ist, für die es sich wortwörtlich zu kämpfen lohnt. Ein Zuschauer, der den Comic nicht kennt, könnte sich dagegen manchmal fragen, warum Scott nicht einfach die komplizierte Ramona links liegen lässt und sich stattdessen der kleinen Chinesin Knives Chau zuwendet, die ihn sowieso vorbehaltlos anhimmelt.

Diese Schwächen sind jedoch leicht zu verschmerzen, schließlich bekommt man hier einen sehr gelungenen und einfallsreichen Film, der von der ersten bis zur letzten Minute unterhält und sich durch seine originelle Machart und den ungewöhnlichen Genre-Mix wohltuend vom Einerlei des Hollywood-Mainstreams abhebt. Für alle Nerds und Geeks ein wahres Fest, aber auch für die meisten anderen sehr zu empfehlen.

 

Wertung: 


Offizielle Film-Website (englisch)
Offizielle Film-Website (deutsch)
scottpilgrim.com – die Comics
Scott Pilgrim bei Panini Comics

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Blu-Ray-Disc
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Abbildungen: © Universal

Die Toten 1


dietoten1_coverDie lebenden Toten, besser bekannt als „Zombies“, sind zur Zeit ein höchst populäres Thema, mit dem sich etliche Comicserien befassen. Dass die fleischhungrigen Wesen mit dem ungesunden Teint auch auf deutschem Boden ihr Unwesen treiben, ist allerdings neu. Eine massive Zombie-Epidemie sähe hierzulande sicher anders aus als etwa in den USA, zum Beispiel weil bei uns viel weniger Menschen eine Schusswaffe im Kofferraum oder im Nachttisch liegen haben.

Was genau bei einer Zombie-Plage in Deutschland passieren könnte, versucht die neue Comic-Reihe des Zwerchfell-Verlags zu ergründen. In Die Toten erzählen wechselnde Kreativteams kurze, abgeschlossene Geschichten, die an verschiedenen Schauplätzen kurz nach dem Ausbruch einer Zombie-Epidemie spielen. Zusammengehalten werden die einzelnen Stories durch ein übergreifendes Konzept, ersonnen von den neuen Verlagslenkern Stefan Dinter und Christopher Tauber. Demnach brach die Plage am 3. Oktober 2010 aus. Die drei Geschichten im ersten Band spielen etwa eine Woche später, in Frankfurt am Main, in München und auf einer Autobahnraststätte bei Baden-Baden.

dietoten_roemlingAm überzeugendsten schneidet das Frankfurt-Kapitel ab, geschrieben von Christopher Tauber und gezeichnet von Ingo Römling, die auch beide dort leben. Eine Gang jugendlicher Junkies ballert sich ihren Weg durch die Zombiehorden und wird dabei ordentlich dezimiert. Das ist sehr düster, wuchtig, energiegeladen, ziemlich blutig, auf die Zwölf. Rockt. Dass der Ich-Erzähler immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und herspringt, irritiert zuerst ein bisschen, ist aber genau so gedacht und funktioniert am Ende sehr gut. Ingo Römlings Artwork ist sowieso Güteklasse A und erzeugt mit seiner monochromen Farbstimmung eine prima Großstadt-Horror-Atmosphäre.

Ganz anders, was Stimmung und Atmosphäre angeht, ist die  bei Baden-Baden spielende Auftaktgeschichte, Wesentlich ruhiger und braver als oben erwähnte Story, was sowohl für die Zeichnungen von Michael Vogt als auch den Plot von Yann Krehl gilt. Unter der oberflächlichen Harmlosigkeit lauert aber eine schöne kleine Creepyness, die mir gut gefallen hat. Und die Autobahnkirche wird grafisch sehr schön eingesetzt.

Beide Stories zeichnen sich dadurch aus, dass die Figuren und ihre Umgebung realistisch und glaubhaft wirken. Das ist ganz klar die uns bekannte Welt, sogar das uns bekannte Land, in dem diese Horrorszenarien stattfinden, was für einen zusätzlichen Beklemmungs-Effekt sorgt. Unterstützt wird dieser noch von kleinen fiktiven Zeitungsausschnitten, die ebenfalls von der Epidemie berichten.

Ganz und gar nicht realistisch wirkt dagegen die dritte Geschichte, die in München beziehungsweise in der bayerischen Provinz angesiedelt ist und vom Wahl-Münchner Boris Kiselicki stammt. In dieser komplett überzogenen Satire werden alle verügbaren Bayern-Klischees aus der Klamottenkiste geholt: Der Bayer redet komisch, trinkt ständig Bier, trägt selbstverständlich Lederhose und muss zwischendurch immer wieder brunzen. München ist Oktoberfest und P1. Das ist in etwa so lustig wie eine Angela-Merkel-Parodie von Mathias Richling. Also gar nicht.

Viel schlimmer ist aber die Sprache: Dialekt ist in geschriebenem Text von vornherein immer schwierig, es handelt sich schließlich um eine Mundart und nicht um eine Schriftsprache. Macht man es trotzdem, landet man entweder in der Apostrophhölle („Schaut’s wia ma z’samm auf der Wies’n g’soff’n hab’n“ oder so) oder man macht es wie Kiselicki und geht Kompromisse ein. Das Ergebnis ist eine Mischung von Hochdeutsch, Bairisch und falschem Pseudo-Bairisch, oft innerhalb eines einzigen Satzes. Tut mir leid, aber so spricht niemand. Niemand! Ich konnte das fast nicht lesen und fühlte mich, als würde mir eine Band ein Lied auf komplett verstimmten Instrumenten vorspielen.

Zusammengefasst: ein Knüller, eine gute Story, ein Totalausfall. Kein schlechter Schnitt für die erste Ausgabe. Die Aufmachung (Hardcover, ungefähr im US-Format) ist top, zusätzlich bekommt man durch die wechselnden Zeichner und Autoren einen interessanten Querschnitt der aktuellen deutschen Comicszene. Wünschenswert wäre es, wenn es zwischen den einzelnen Episoden etwas mehr Verbindungen geben würde als nur das Setting „Zombies in Deutschland“. Vielleicht treffen ja später mal Figuren aus der einen Story auf Figuren aus der anderen. In jedem Fall kann man sich auf die nächsten Ausgaben freuen; der zweite Band soll noch in diesem Jahr erscheinen.

Die Toten 1
Zwerchfell, Juli 2010
Text: Yann Krehl, Boris Kiselicki, Christopher Tauber
Zeichnungen: Michael Vogt, Boris Kiselicki, Ingo Römling
68 Seiten, Hardcover, farbig & s/w, 14,00 Euro
ISBN: 3-928387-93-6
Blog zur Serie: dietotenblog.blogspot.com

Gut

Trotz einer sehr schwachen Episode ein vielversprechender Auftakt

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Abbildungen © Ingo Römling, Zwerchfell

[Disclosure/Klarstellung: Einige der an diesem Comic beteiligten Künstler haben bereits an den Comicgate-Printmagazinen mitgewirkt]

Sky Doll Lacrima Christi Collection

 Dieses Album ist nach der Spaceship Collection bereits der zweite Band mit Kurzgeschichten aus dem Sky Doll-Universum von Alessandro Barbucci und Barbara Canepa. Wie beim Vorgänger handelt es sich auch hier um sechs Kurzgeschichten von jeweils acht Seiten Länge, geschrieben von den beiden Sky-Doll-Schöpfern und gezeichnet von hochkarätigen Zeichnern aus fünf verschiedenen Ländern (darunter u.a. der Chinese Benjamin, der Serbe Gradimir Smudja und der Franzose Mikael Borgouin).

Im Mittelpunkt aller Geschichten stehen diesmal die beiden Päpstinnen Ludowika und Agape, die in der eigentlichen Serie einen erbitterten Konkurrenzkampf austragen. Die kurzen Episoden sind inhaltlich zum Teil ziemlich krude und verwirrend – selbst wenn man mit Sky Doll vertraut ist, blickt man manchmal nur schwer durch. Wer die Hauptserie dagegen nicht kennt, wird vermutlich erst recht keine Chance haben, diese Stories zu verstehen.

Rein äußerlich sind die Beiträge eine Augenweide. Der spezielle Sky Doll-Mix aus religiöser Ikonographie, futuristischer Science-Fiction und einer großen Portion Erotik scheint für die beteiligten Zeichner sehr anregend zu sein. Die Lacrima Christi Collection bietet pures Eye Candy, nicht nur in den Kurzgeschichten, sondern auch in einer kleinen Pin-Up-Galerie und durch das sehr stylishe und moderne Design des Albums. Für Sky Doll-Fans also eine tolle Sache, die dem Universum und seinen Protagonisten neue Facetten hinzufügt. Eine weitere „Collection“ in diesem Stil ist bereits angekündigt – trotzdem wünscht man sich sich, Barbucci und Canepa würden endlich den vierten Band fertigstellen, auf den die Leser schon seit Jahren gespannt warten.

Sky Doll: Lacrima Christi Collection
Splitter Verlag, September 2010
72 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro

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Essex County 1 – Geschichten vom Land

essex1 Autor und Zeichner Jeff Lemire entführt uns im ersten Band seiner Trilogie in die tiefste Provinz Kanadas, genauer gesagt nach Essex County. Dort lebt der zehnjährige Waisenjunge Lester nach dem Tod seiner Mutter auf der Farm seines Onkels. Doch die Beziehung zwischen den beiden verläuft nicht gerade optimal. Lester, der stets in Superheldenmontur mit Cape und Maske unterwegs ist, flüchtet sich in Fantasien, um so die Einsamkeit und das Unverständnis des noch fremden Onkels hinter sich zu lassen.

Einen Freund findet er in Tankstellenbesitzer Jimmy Lebeuf, der früher ein bekannter Eishockeyprofi war. Mit ihm teilt Lester seine Verteidigungspläne gegen die bevorstehende Alieninvasion, mit ihm baut er ein Fort,  ihm zeigt er seinen selbstgezeichneten Superheldencomic.

Jeff Lemire setzt die Ruhe des Landlebens in langatmigen, oft wortlosen Bildern um und jongliert einfühlsam mit dem Seelenleben eines Kindes. Lesters Aufenthalt bei seinem Onkel ist eigentlich ungeplant und beide müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen. Was nicht so einfach ist in der tristen Einöde, überschattet von der Trauer über den Tod der Mutter.

essexcounty_1_01 Jimmys Rolle in diesem Zusammenhang bleibt nebulös. Im Gegensatz zu Lesters Onkel findet dieser zwar einen schnellen Zugang zu dem Jungen, aber sein Verhalten ist sehr schwer einzuschätzen. Immerhin ist es offensichtlich, dass auch Jimmy, der seine sportliche Karriere unfreiwillig aufgeben musste, auf der Flucht vor der Realität ist.

Lemire schafft es, mit seinen schwarz-weißen Zeichnungen eine berührende Geschichte aufs Papier zu bringen, die den Leser zwischen melancholischen und intensiven Momenten schwanken lässt. Und immer wieder dominieren zwischendurch die stummen Augenblicke, in denen einfach nur ein Protagonist durch den Schnee stapft oder ein Vogel ein Häuserdach anfliegt. Stilistisch erinnert Geschichten vom Land stark an die Zeichnungen von Reinhard Kleist, der Schwarz in ähnlicher Weise einsetzt. Man könnte Lemires Strichführung höchstens als ein bisschen unsteter, ungerader bezeichnen. Das stört aber nicht, sondern verleiht im Gegenteil jedem einzelnen Panel einen besonderen Ausruck.

essexcounty_1_02 Geplant ist der zweite Teil der Essex County-Trilogie übrigens noch für dieses Jahr. Sollte dieses Niveau beibehalten werden, braucht man sich um kommende Bände keine Sorgen machen.

Essex County 1 – Geschichten vom Land
Edition 52, Oktober 2010
Text und Zeichnungen: Jeff Lemire
112 Seiten, s/w, Softcover, 11 Euro
ISBN: 978-3-935229-75-3
Leseprobe (PDF)

 Gut

Starker Schwarz-Weiß-Comic über die Fantasie eines Kindes in der Einsamkeit

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Abbildungen © Jeff Lemire, Edition 52

 

X-Men – Frauen auf der Flucht


Cover von X-Men – Frauen auf der FluchtManara und die X-Women – ob das mal gut geht? Panini Comics hat die Zusammenarbeit von Erotikcomicaltmeister Milo Manara und Marvel-Dauerautor Chris Claremont ins Deutsche übertragen. Im angehängten Interview des Hardcoverbandes offenbart der italienische Zeichner, dass er mit Superheldencomics eigentlich nicht viel anfangen kann. Dennoch kann die europäisch-amerikanische Kollaboration im Comicbereich fast schon auf eine Tradition zurückblicken. Man denke nur an Stan Lee und Moebius, die sich in ihrem legendären Silver Surfer (Splitter) vereint haben oder an etwas jüngere Arbeiten wie Ich bin Legion (Cross Cult) von Fabien Nury und John Cassaday.

In X-Men – Frauen auf der Flucht dreht sich alles um die Suche nach der entführten Rachel Summers-Grey alias Marvel Girl, wofür die anderen Mitglieder der X-Men ihren Urlaub in Südostasien abrechen. Psylocke, Rogue, Shadowcat und Storm verlieren zu allem Übel auch noch ihre Superkräfte und müssen sich gegen Eingeborene wehren, die abgestürzte Flugzeuge anbeten. Warum am Ende dann noch Emma Frost alias White Queen befreit wird und sich an ihrer Peinigerin rächt, ist genauso unklar wie viele andere Ungereimtheiten in der Story.

Claremont bringt die Story erst mal richtig in Schwung, um dann einen Flashback in die jüngere Vergangenheit zu machen. Der Starautor erzählt die Story aus der Perspektive von Kitty Pride alias Shadowcat. Alles nicht Neues und sieht man einmal von dem Verlust der Mutantenkräfte ab, handelt es sich bei diesem Comic um eine peinliche und unnötige Geschichte. Der Autor scheint nur dazu da zu sein, um dem Starzeichner die Bälle zuzuspielen, damit dieser seine berühmten weiblichen Kurven aufs Papier bringen kann. Das wirkt sehr uninspiriert und vorhersehbar.

Beispielseite aus X-Men – Frauen auf der FluchtEinige Comickritiker bewundern Manaras „realistische“ Darstellung von Frauen. Zugegebenermaßen haben die „Schönheiten“ wesentlich realistischere Oberweiten als die Schöpfungen der meisten US-Superheldencomiczeichner. Aber wer mit offenen Augen durch die Welt geht, wird feststellen, dass er dort keine lasziven Frauen vorfindet, die ständig mit offenen Mund und verträumten Blick auf Männerfang aus sind. Nein, auch Manaras Frauenbild ist sehr weltfremd. Zudem wirkt es einfach lächerlich, die ganze Zeit über Frauen in hautengen oder knappen Outfits zu sehen, die ständig ihre Ärsche rausstrecken und auch in den brenzligsten Situationen noch einen „gute“ Figur machen.

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: „Nein!“ Manara und die X-Women – das geht nicht gut. Die äußerst schwach erzählte und mit allen Klischees beladene Story lockt niemanden hinter dem oft zitierten Ofen hervor. Und auch die stets bejubelten Zeichnungen von Manara können sich nicht in die Geschichte integrieren. Alles in allem wirkt der Band sehr gekünstelt. Da wurde auf Biegen und Brechen versucht, zwei internationale Comickünstler in einen Band zu pressen – und das leider kopflos. X-Men: Frauen auf der Flucht ist weder erotisch noch ein anspruchsvoller Comicroman. Die Kombination „USA/Europa“ geht diesmal nicht auf.  Da rettet auch der umfangreiche Anhang, in dem sich neben dem bereits erwähnten Interview mit Manara auch ein Sketchbook, ein Nachwort und das Feature „Hinter den Kulissen“ befinden, nichts mehr.

X-Men – Frauen auf der Flucht
Panini Comics, Oktober 2010
Text: Chris Claremont
Zeichungen: Milo Manara
Hardcover, 68 Seiten, farbig
ISBN: 978-3862010059
Preis: 14,95 EUR

Absolute Geldverschwendung

Die uninspirierte Story und die unrealistischen Bilder wirken einfach nur konstruiert und langweilig

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Abbildungen © Milo Manara, der dt. Ausgabe Panini Comics

Dick Boss

Damit der Output an Publikationen von Nicolas Mahler nicht nachlässt, müssen stets auch neue Konzepte herhalten und die entsprechenden Ergebnisse dieser Einfälle unters Volk gebracht werden. Im vorliegenden Fall bedient  Mahler erneut (nach Längen und Kürzen) die Schnittstelle zwischen Comic und klassischer Literatur und beweist sich als einfallsreicher Grenzgänger.

Nicht mehr als 16 Seiten braucht es dazu. Diese 16 ganzseitigen Zeichnungen dienen als Grundlage für einen Kurzkrimi, der variabel anzuorden ist. Mahler selbst betextet seine Ursprungsanordnung der Bilder und erzählt eine klassische Story um den Detektiv Dick Boss (eine Hommage an die Comicfigur Dick Bos, die von Alfred Mazure ab den 40ern in Holland populär  gemacht wurde). Die folgenden Seiten sind gefüllt mit weiteren Geschichten, in welchen die 16 Bilder von insgesamt zwölf Autoren dann jeweils individuell neu angeordnet und mit eigenen Texten versehen wurden. Diese Arrangements basieren oft auf völlig neuen Ansätzen und verwirklichen bizarre Einfälle, abseits des eigentlichen Detektivthemas rund um Ermittlung, Schießerei und femmes fatales.

Und das funktioniert hervorragend. Zugegeben, anfänglich war ich noch skeptisch, ob es wirklich interessant sein könnte, die gleichen Zeichnungen immer und immer wieder hintereinander (insgesamt zwölfmal) anzusehen. Aber das ist es, vor allem aufgrund der extremen Kreativität der Autoren, die den Interpretationsspielraum der Mahlerschen Bilder bis zum Äußersten ausnutzen und sie durch ihre Texte in absurde Regionen leiten.

Da kann man nur sagen: Das ungewöhnliche Experiment ist geglückt!

Dick Boss
Luftschacht, Oktober 2010
225 Seiten, s/w, Softcover
Preis: 9,60 Euro

 

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Unter dem Hakenkreuz 2 & 3


 Unter dem Hakenkreuz Teil 2 und 3 – im französischen Originaltitel „Amours fragiles“ (in etwa: Zerbrechliche Lieben) – sind weiterhin in einem luxuriös großen Format gedruckt, aber bereits jeweils 30 Seiten kürzer als Band 1; dafür verkauft sie der Verlag 4 Euro günstiger. So luxuriös die Aufmachung, so bescheiden die Fortsetzung des Inhalt, was Spannung und Figurenentwicklung angeht.

Die in gedeckten Farben gehaltene Geschichte des zweiten Bandes, „Ein Sommer in Paris“, die in Deutschland unter der sich zusammenbrauenden Naziherrschaft in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts begann, verlagert sich nach Paris. Martin Mahner konnte mit einem Visum für seine Doktorarbeit aus Deutschland wegziehen und trägt den Leser in das studentische Leben in Paris. Es ist gekennzeichnet von radikalen Ansichten, vom Buhlen um die hübschen Frauen und von den Verlockungen des französischen Staates, seine Freunde doch zu verraten, wenn sie kommunistische Reden schwingen.

 Im dritten Band „Maria“ dient Martin Mahner in nationalsozialistischer Uniform in einem Büro in Deutschland. Die großen Ereignisse sind der Tod des Vaters und die neue Liebe Maria. Die interessantesten Einblicke in die Strukturen Nazi-Deutschlands bietet noch die Episode um den Deserteur Harro und einen Unternehmer, dessen zu Recht getadelte Angestellte sich durch Denunziation tödlich rächen – ein sozialer Mechanismus, wie man ihn auch aus der Zeit der Hexenverfolgungen kennt.

Die vielen, durchaus verheißungsvollen Fäden, die am Ende des ersten Bandes in der Luft schwebten, werden im zweiten und dritten Band aufgegriffen, erklären bislang rätselhafte Episoden im ersten Band, wenn man alle Bände noch einmal durchliest. Insgesamt aber habe ich mich durch Nebensächlichkeiten und belanglose Nebenschauplätze kämpfen müssen, ohne dass sich eine tragende Spannung eingestellt hätte – weder bei den politischen noch bei den mit wechselnden Damen ausstaffierten amourösen Erzählsträngen.

 Über zehn Jahre brauchten Richelle und Beuriot für ihre Recherchen zu den ersten drei Bänden dieser Serie. In Frankreich liegen inzwischen auch Band 4 und 5 vor. Dass die Serie auf zehn Bände angelegt ist, entlockt mir eher einen müden Seufzer ob der Langatmigkeit der Erzählung. Der erste Band hat noch zahlreiche Preise gewonnen, von den Nachfolgebänden ist mir dies nicht bekannt.

Unter dem Hakenkreuz
Schreiber & Leser
Text: Philippe Richelle
Zeichnungen: Jean-Michel Beuriot
je 56 Seiten, Hardcover, Farbe, 18,80 Euro
Nee, das war nix
Langatmige Story, eher für Freaks gut recherchierter Historie

 
Band 2: Ein Sommer in Paris
Oktober 2009

ISBN 978-3-941239-23-4

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Band 3: Maria
April 2010
ISBN 978-3-941239-34-0

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Abbildungen: © Schreiber & Leser

Neuer Webcomic: So so … ja ja

Felos Webcomic: So so ... ja jaUpdate 11.10.2010: Folge 49 („Am Abgrund“)

Zur bequemen Galerieansicht hier klicken.

Felix „Felo“ Herzog, Schöpfer von Horst und sein Pony, ist mit einer neuen Serie am Start.In abstrusen Dialogen lässt er Dr. Achilles Schmitt und das Nashorn, das er neulich auf einer Parkbank getroffen hat, über das Leben philosophieren.

Jeden Sonntag gibt es eine neue Folge!

[Felos Website: fel-o-rama.de]

Das Thema in des Künstlers Worten:

„Ein Mann, ein Schnurrbart! Oder Ein Mann, ein Nashorn? Ein Nashorn, ein Schnurrbart …? Ein Mann, ein Nashorn, ein Schnurrbart und der lange Winter unserer Unzufriedenheit …?
In tiefschürfenden Debatten gehen Dr. Achilles Schmitt und das Nashorn, das er neulich auf einer Parkbank getroffen hat, solchen und ähnlich elementaren Fragen auf den Grund, Fragen nach dem Sinn, dem Sein, dem Wesen, dem Ursprung und wo eigentlich immer die Zeitungen hinkommen, die aus den Briefkästen verschwinden. Wirklich. Das ist sehr lästig. Ich verdächtige den seltsamen Typ aus dem dritten Stock. Den hab ich auch schon mal in Frauenkleidern aus dem Keller kommen sehen. Ehrlich wahr! Nicht gelogen. Sehr suspekt, das alles. Ich wollte es nur erwähnt wissen …
Felix Herzog“