Neueste Artikel

Die Kolkas 6 – Mensch

Cover Die Kolkas 6„Ihr modernen Menschen! Habt ihr geglaubt, ihr seid unsterblich? Ihr seid einzigartig? Außergewöhnlich? Was wisst ihr schon vom Leben?“ – Mit so viel Pathos muss man sich erst mal schreiben trauen. Holger Hofmann wagt es und holt im neuen Zyklus seiner Reihe Die Kolkas zum globalen Rundumschlag aus. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der letzte Baum der Erde, der uns vom Aufstieg der Menschheit erzählt und davon, wie der Mensch sich selbst seine Lebensgrundlage entzog und nebenbei seinen Planet zerstörte. Das ist durchgehend gut strukturiert und stimmig erzählt, auch wenn Holger Hofmann teilweise arg dick aufträgt.

„Einst wart ihr ein Teil der Welt, ein Teil der Natur“, klagt der Erzähler des Buchs. „Ihr wart voller Dankbarkeit und Respekt. Ihr hattet Achtung vor dem Leben und Achtung vor dem Tod. Jedes einzelne Lebewesen hattet ihr mit Würde behandelt und geachtet und respektiert. Auch die, die ihr gegessen habt.“ Solche Texte werden im Buch durch Bilder gestützt, die das primitive Leben als unschuldiges Paradies zeigen, welches durch die Entwicklung von Kultur und Wohlstand aus dem Gleichgewicht gerät. Erst durch menschliche Eingriffe und kulturelle Konstrukte wie Religion werden die Harmonie und der Frieden auf der Welt dauerhaft beschädigt. Gemäß der Verflechtung von allem mit allem gibt es den sorglosen Wohlstand der reichen Länder nur auf Kosten des ganzen großen Restes der Welt, was zur Versklavung der ärmeren Welt führt: „Und selbst euer Gewissen habt ihr abgelegt und euer eigenes Handeln Gott übertragen. In seinem Namen, getrieben von eurer gewissenlosen und maßlosen Gier, habt ihr eure neue Kultur der Herrschaft und Sklaverei der Welt aufgezwungen. Wie töricht und verlogen! Und diese neue Kultur war so mächtig. Die alten friedvollen Kulturen der Kooperation, all die guten Seelen unter euch hatten keine Chance. Sie konnten nur fliehen, sterben, sich versklaven lassen oder selbst ein Teil der neuen Kultur der Herrschaft werden.“

Seite aus Die Kolkas 6Holger Hofmann zeichnet ein schlüssiges Bild dieser fatalen Entwicklung, und je weiter man sich in den Comic hineinliest, desto mehr geht einem dieses Bild an die Substanz, obwohl Hofmann immer wieder Humor in seine Bestandsaufnahme einstreut. Einzig und allein die Darstellung der glücklichen ursprünglichen Menschen mit ihrem direkten Draht zur Natur ist von fast schon sträflicher Naivität, ja Einfalt. So unbeschwert und fröhlich dürfte deren Leben kaum gewesen sein, denn warum sonst hätte der Mensch Schutz in Religion, Kultur, Geldwirtschaft und Fortschritt gesucht? Das primitive Leben ist eben doch zu entbehrungsreich und grausam, und die Natur sicher nicht so gutartig und vollkommen wie uns Hofmann hier weiszumachen versucht. Aber vermutlich blendet er jeden kritischen Gedanken an seine Utopie des ursprünglichen wahren Lebens schlicht weg, um seiner Polemik gegen den Zeitgeist noch etwas mehr Moment zu geben.

Ich halte die neue Kolkas-Episode trotz dieser Schwäche für einen herausragenden Comic, weil es Holger Hofmann auf über 100 Seiten perfekt gelingt, eine wahrhaftige Atmosphäre aufzubauen. Scheinbar mühelos springt er zwischen Poesie, Humor, Empörung und Zynismus hin und her und schafft damit ein beklemmendes Stimmungsbild, mit dem man sich sehr gut identifizieren, an dem man sich aber auch gut reiben kann.

Seite aus Die Kolkas 6Hofmann inszeniert seine kleine Menschheitsgeschichte als Vorspiel zu einem größeren Erzählzyklus. Erst im letzten Kapitel beginnt der eigentliche Plot, an dem die zukünftigen Bände anknüpfen sollen. Hier wird erzählt, wie eine arglose Familie der rigiden Politik eines skrupellosen Raumschiff-Commanders zum Opfer fällt. Hofmann spiegelt hier noch einmal en miniature das negative Menschenbild, das das ganze Buch durchzieht. Am Ende kündigt sich an, dass die letzten Menschen mit ihrem Raumschiff ausgerechnet den Planeten der Kolkas besiedeln wollen, die wir schon aus Holger Hofmanns bisherigen Bänden der Reihe kennen.

Ich empfehle jedem, der erst jetzt die Serie kennenlernen möchte, mit dem vorliegenden neuen Band zu beginnen. Er ist überzeugender und professioneller als die frühen, noch etwas grobschlächtigen Bände. Ganz offensichtlich sieht Holger Hofmann aber noch erzählerisches Potenzial in seinen putzigen Kolkas. Man darf gespannt sein, was er aus dem Aufeinandertreffen der beiden Welten noch herausholen wird.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Poetisch, grimmig und trotz einiger Anflüge von Kitsch beeindruckend: Der Weltuntergang im Zeitraffer und in ziemlich niedlichen Bildern.

 

Die Kolkas 6 – Mensch 
Gringo Comics, Juni 2014
Text und Zeichnungen: Holger Hofmann
140 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 12,80 Euro
ISBN: 978-3940047489
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Holger Hofmann 

 

Rachel Rising 1 – Tochter des Todes

Cover Rachel Rising 1Schön, dass die Comics von Terry Moore dank Schreiber & Leser hierzulande endlich ihren verdienten Platz finden. Nachdem der Verlag die Gesamtausgabe von Strangers in Paradise, Moores Opus Magnum, anging, startete mit Rachel Rising nun gleich noch eine zweite Serie des US-amerikanischen Independentkünstlers.

Darin erwacht die Hauptfigur Rachel Beck unter der Erde und gräbt sich den Weg in die Freiheit. Erst nach und nach realisiert sie, dass sie eigentlich ermordet wurde und gerade von den Toten auferstanden ist. Mehr tot als lebendig und mit deutlichen Würgespuren am Hals versucht sie nun ihren eigenen Mordfall aufzuklären und dabei ihre Freunde und Bekannten von ihrer Existenz zu überzeugen. Währenddessen ereignen sich in dem beschaulichen Städtchen Manson weitere brutale Morde, die mit einer mysteriösen Frau in Verbindung zu stehen scheinen.

Man möchte fast sagen, Rachel Rising ist stilistisch ein typischer Terry-Moore-Comic: Die Handlung wird sehr gemächlich, behutsam vorangetrieben und hält den Fokus stets auf eine überschaubare Zahl an Figuren. Der charakterzentrierte Plot spielt sich zwar vor einer Horror/Mystery-Kulisse ab und spart auch nicht mit expliziten Mordszenen, bleibt aber mit seinen Schwarzweiß-Bildern eher dezent und atmosphärisch dicht. Im Zentrum steht hier ganz klar die Darstellung der Figuren und deren Dialoge. Dabei kann Moore seine erzählerischen Stärken am Besten zur Geltung bringen.

Seite aus Rachel Rising 1Eine Tatsache (neben dem etwas ausgelutschten Untoten-Thema) hat mich an diesem passablen, aber nicht überwältigenden Serienstart, dann doch gestört: Terry Moore bewegt sich aus meiner Sicht hier zu sehr in seiner künstlerischen Komfortzone. Das heißt, dass er sich stark an seinen bisherigen Arbeiten orientiert und außer dem Genrewechsel zu wenigen Veränderungen bereit ist. Ob Titelfigur Rachel, ihre beste Freundin Jet, ihre Tante Johnny, die totbringende Unbekannte oder das kleine Mädchen Zoe; nahezu alle handelnden Personen in diesem ersten Band sind weiblich. Noch dazu sind sie sehr ähnlich gezeichnet wie die Figuren aus Strangers in Paradise. In dieser überaus empfehlenswerten Soap Opera hat die Interaktion wunderbar funktioniert. In Rachel Rising wirkt der vergleichbare Ansatz innerhalb des Mystery-Sujets doch an der einen oder anderen Stelle etwas hilflos.

Kritikfördernd wirkt sich zusätzlich noch die Redundanz des Settings mit modernen „Zombies“ und Morden in einer Kleinstadtidylle aus. Das alles hat man so oder so ähnlich (z.B. zuletzt in Tim Seeleys Revival) schon so oft gesehen, dass man nicht weiß, ob man es in einem Aufguss von Terry Moore zwingend nochmal benötigt.

Losgelöst von diesen Überlegungen ist der erste Sammelband von Rachel Rising durchaus eine unterhaltsame Lektüre. Als mehr als einen gemächlichen, ganz netten Einstieg kann man ihn allerdings nicht bezeichnen. Da wird Moore im weiteren Verlauf hoffentlich noch eine packendere, größere Story mit prägnanteren Alleinstellungsmerkmalen aus dem Hut zaubern.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Terry Moore und Horror? Bislang bleibt das Projekt weitgehend blass

 

Rachel Rising 1 – Tochter des Todes
Schreiber & Leser, April 2014
Text und Zeichnungen: Terry Moore
Übersetzung: Resel Rebiersch
128 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 978-3-943808-35-3
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Terry Moore, der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Die vergessenen Legenden von Lemuria 1

Cover Lemuria 1Wenn sich ein Autorenteam aus Holland an eine Serie macht, weckt das gleich Assoziationen an Storm und Trigan. Was natürlich nicht heißen soll, dass unsere Nachbarn keine anderen Stoffe parat haben, sondern dass viel zu selten Material zu uns herüberkommt, welches nicht schon von dem erfolgreichen Konzept geprägt ist. Das Cover tut noch sein übriges dazu und weckt Assoziationen an die Vorläufer. Und in der Tat gibt es im Fall von Lemuria so manche Parallelen zu den genannten Reihen mit ihrer Vermischung von Fantasy und Science-Fiction.

1970 werden unter den Bergen von Nepal ausgedehnte Höhlen entdeckt, deren Erforschung dreißig Jahre später erstaunliche Aspekte erkennen lassen. Offenbar handelt es sich um Relikte des untergegangenen Kontinents Lemuria. Auf diesem gab es offenbar schon Raumschiffe, Züge und andere moderne Errungenschaften. Von denen kannte der Lemurianer Russ hingegen nur sein Schiff, welches allerdings bei einem Angriff von Außerirdischen zerstört worden ist. Lyann ist eine junge Frau, die in die Sklaverei gezwungen wurde und ihre Familie wiederfinden will. Ihre Schicksalswege beginnen sich zu kreuzen.

Zu Beginn liest sich das wie bei den Serien von Christophe Bec wie etwa Prometheus, Heiligtum, etc. Zu Beginn spielt die Handlung in unserer Realität, es werden einige Bezüge zu Sci-Fi aufgedeckt und Rückschlüsse auf die Vergangenheit gezogen. Ähnlich wie bei dem mythologischen Atlantis werden dem Kontinent Lemuria außerordentliche Errungenschaften in punkto Technik und ein Einfluss dieser Kultur auf andere Hochkulturen wie etwa das antike Ägypten zugeschrieben.

Seite aus Lemuria 1Bevor diese Linien weiter verfolgt werden, eröffnet Autor Sytse S. Algera auf einmal einen neuen Handlungsstrang. Dieser ist lupenreine Science-Fiction auf einem verlorenen Kontinent und der Leser ist zunächst einmal verwirrt, ob es hier nun um eine alternative Realität, eine andere Dimension oder wirklich um die Vergangenheit des mythischen Kontinents gehen soll. Da werden jedenfalls einige Mythen und Legenden unserer Geschichte aufgegriffen und es kommen gar noch Dinosaurier vor. Ein wahres Fressen auch für Esoterikfreaks á la Däniken.

Noch bevor man aber sagen kann, wohin es geht, tut sich ein dritter Handlungsstrang auf, diesmal klassische Fantasy in der Geschmacksrichtung „Sword and Sorcery“. Darin geht es um einen Red-Sonja-Verschnitt und deren Abenteuer. Nun ist man endgültig verwirrt und nach jeder vierten Seite wird der andere Held weiter auf seinem Weg geführt. Gegen Ende werden zumindest zwei der drei Ebenen miteinander verbunden, was dann noch mehr an Storm erinnert als es der Comic eh schon tut.

Dies alles zusammen klingt ziemlich wild und das ist es auch. Aber das erstaunliche daran: es funktioniert. Ja, es ist Trash beziehungsweise Pulp, aber das besonders Schöne daran ist die Tatsache, dass alles möglich erscheint. Zwar fehlt den Vergessenen Legenden von Lemuria eine gewisse Eigenständigkeit, aber die Unvorhersehbarkeit macht das alles sehr spannend.

Die Zeichnungen von Apri Kusbiantoro sind wie bei den bekannten Vorbildern gehalten, aber durch die Technik der Ölmalerei sehr plastisch und kräftig und damit auch einfach schön anzusehen. Leider fehlt es den Actionszenen etwas an Dynamik. Die Kämpfe wirken etwas statisch – da hätten mehr Panels, die eine flüssige Bewegung suggerieren, doch gut getan. Ansonsten ist diese Serie eine angenehme Überraschung und macht Lust auf mehr.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Trotz großer Ähnlichkeiten zu Storm und Trigan macht diese Pulperzählung Laune und Lust auf mehr.

 

 

Die vergessenen Legenden von Lemuria 1 – Die Berge von Moran
Splitter Verlag, Juni 2014
Text: Sytse S. Algera
Zeichnungen: Apri Kusbiantoro

Übersetzung: James ter Beek, Mareike Viebahn
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 14,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-728-5
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Comic-Salon 2014: Das Messe-ABC

alt

Die 2014er-Ausgabe des Comic-Salons Erlangen liegt schon wieder einige Wochen hinter uns. Wir schauen noch einmal zurück, und zwar – wie schon in den vergangenen Jahren – in Form eines Alphabets, in dem wir unsere ganz subjektiven Eindrücke von vier Tagen Festival mit einem Überangebot an Comics und Drumherum wiedergeben.

Vom Comic-Salon 2014 berichten Michel Decomain (md), Christian Muschweck (cm), Thomas Kögel (tk) und Andi Völlinger (av). 

Salon-Panorama

 

A

Alkohol

Die eine Sache, die allgemeine Comic-Veranstaltungen Manga-Conventions voraus haben – das muss der Verfasser dieser Zeilen neidlos anerkennen – ist die Gelegenheit zur künstlich induzierten Stimmungsaufheiterung. Über den eigentlichen Comic-Salon, der nach Sonnenuntergang im Schwarzen Ritter öffnet, braucht ja hier nicht mehr berichtet zu werden, ebensowenig über die samstägliche Verlagsparty, auf der sich die Comicszene wie gehabt in „Menschen mit Freigetränkebändchen“ und „ihre treuen Vasallen“ aufspaltete. Zum Leidwesen der Comicgate-Redaktion ließ sich hier allerdings kein Absacker erwerben, da auf härtere Alkoholsorten im Angebot verzichtet wurde, wohl um eventuellen Peinlichkeiten in der Sonntagsausgabe des Röhrenden → Hirsches vorzubeugen.

Anders sah das am Mondo-Stand aus, wo man aus geschlachteten Drahtesel-Überresten etwas zusammenbastelte, was dem Begriff → Glücksrad ganz neue Bedeutungen verlieh. Als „Trostpreis“ für den verfehlten Mondo-Gewinn gab es nämlich auf Wunsch einen Kurzen aus der eingeschmuggelten Wodka-Flasche. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen einige BesucherInnen nur deswegen wiederholt dort am Rad gedreht haben … Falls also doch noch jemand Bedarf verspürte, sich den Salon schön saufen zu müssen, gab es auch dafür Gelegenheit. (md)

 

Foto: Florian SteinlAlmöhi

Das Münchner Comic-Original Pauli verblüffte so manchen mit seiner 1A-Cosplay-Verkleidung als Heidis Großvater. Den Cosplay-Wettbewerb am Samstag auf der Außenbühne hat er dann aber leider verpasst, es waren halt noch zu viele Paninibildchen einzukleben. (av)

 

B

Botanik

Eine nette Idee war es, die Ausstellung von Émile Bravos Werk als „Comic-Garten“, aufgeteilt in fünf kleinere Gärten, zu präsentieren. Der erste, „märchenhafte“ Garten richtete sich dabei an die kleinen Besucher, für die auch eine kleine Hütte, nämlich das „Zwergbärenhaus“ bereitstand, in dem sie in Bravos urkomischen Bücher über eben jene schräge Märchengestalten schmökern konnten. (Der eine oder die andere erwachsene BesucherIn hatte das nicht ganz verstanden – oder fühlte sich in die eigene Kindheit zurückgesetzt – und quetschte sich zwischendurch auch hinein.) In den weiteren Gärten ging es dann von Bravos Kindercomics bis zu seinen ernsten und politischen Geschichten. Schöne Sache! Nur etwas mehr Deko für die richtige Gartenatmosphäre hätte sein dürfen… (av)

Emile Bravos Garten

 

C

Comic Solidarity

siehe → Webcomics

 

E

Erziehung

Zwerchfell-Zampano Stefan Dinter hatte dieses Jahr Sohn Piet (8) mit im Schlepp, der am Zwerchfell-Stand Kabel verlegen und den gemeinsamen Ninja Koala-Comic signieren durfte. Bei einer Künstlerbesprechung zur Die Toten-Zombieserie saß der Sohnemann brav dabei und lauschte andächtig. Ob der vielen Fachbegriffe musste er dann zwischendurch aber doch mal nachfragen, und Papa Dinter stillte geduldig den Wissensdurst seines Sprösslings:

„Papa, was ist Splatter?“ – „Splatter bedeut, dass es in alle Richtungen spritzt. Wie eine reife Tomate, die auf den Boden geworfen wird und zerplatzt – Splat!“

„Und was ist ein Slasher?“ – „Das ist ein Killer mit einem Messer.“

Dem Verfasser ward dabei ganz warm ums Herz. (av)

 

Einkäufe

In Erlangen komme ich nicht daran vorbei, mich bei dem einen oder anderen Künstler anzustellen und mir in ein neues Buch sogleich etwas hineinmalen zu lassen. Da ich Gedränge gerne vermeide und weil ich das Programm sehr schätze, sind es diesmal gleich drei Egmont-Bücher geworden: Antoinette kehrt zurück, weil ich es schon lange lesen wollte, Wizzywig, weil um Ed Piskor bei uns am Stand ein kleiner Hype entstanden ist, und Das Nao in Brown, weil Glyn Dillon seit seinen Shade-Heften mit Peter Milligan einer meiner ganz großen Stars ist. Ansonsten habe ich mir noch etwas unübersetztes Originalmaterial geholt: Das neue UPgrade, weil mich die Reihe bisher begeistert und weil die Künstler im Innencover so eine liebevolle Hommage an ein Plattencover der Beach Boys kreiert haben (nämlich: „The Beach Boys love you“); Jimmy Corrigan (sorry, liebe preisgekrönte Übersetzer, ich liebe eure Arbeit, wenn sie gut ist, aber manchmal mag ich einfach Original); und – Zeit wird’s – mein erstes Krazy Kat-Buch von Fantagraphics. Außerdem als Mitbringsel noch Held von Flix, natürlich mit passender Widmung und Bildchen. Flix hat es tatsächlich geschafft, das selbe Monsterchen hineinzuzeichnen wie vor 10 Jahren in die erste Fassung. Aber immerhin sieht das neue Bildchen spontaner hingeworfen aus. Man erkennt die zeichnerische Entwicklung. (cm)

 

G

Gewichtiger Preis

Der renommierte Lebensfenster-Preis und der Geist Kurt Schalkers lasteten offenbar schwer auf den schmalen Schultern des diesjährigen Gewinners Pete alias Dominik von Pete’s Daily. Beim Abendessen im dschungelartigen Hinterhof eines brasilianischen Cafés brachte er entgegen aller physikalischen Gesetze einen stabilen Holzstuhl zum Zusammenbruch, was den plötzlich wieder ganz unten angekommenen Künstler auch gleich zu einem neuen Werk inspirierte. (av)

 

Glücksrad

Der Animexx-Stand hatte dieses Jahr wieder neue Gemeinheiten ersonnen, um der nicht enden wollenden Flut der Panini-Klebebildchensammler, die wie gewohnt Gänge und Stände verstopften, den Tag ein bisschen zu „versüßen“. So war für den Stickererhalt ein Glücksraddreh erforderlich, nach dem so tolle Aufgaben wie „Keks kauen und dabei ein Lied pfeifen“, „Stand-Papa WolfE im Quiz-Duell schlagen“ oder „das Standpersonal von Delfinium Prints beleidigen“ erledigt werden mussten. Fraglos zählten die Sticker vom Animexx-Stand so zu den begehrtesten auf dem ganzen Salon. Auch eine Methode, sich ins Gespräch zu bringen … (md)

(Siehe auch → „Alkohol“)

 

H

Hirsch, Röhrender

Nach einer kleinen Abstinenz beim Salon 2012 (bzw. einer Beschränkung auf Röhr-Tweets) meldete er sich dieses Jahr wieder ganz Old-School mit täglichen Papier-Pamphleten zu Wort, auf denen Salon-Klatsch, Peinlichkeiten und wüste Gerüchte zum Besten gegeben wurden. Die Salon-Auszeit war nur an der einen oder anderen Namensunsicherheit zu bemerken, die der Hirsch aber mit feinster Comicszene-Schmutzwäsche galore und perfid-liebevollen Kosenamen wie „Tardioten“ und „Darth Schleglious“ mehr als wett machte. Danke, Hirsch! (av)

Nicht zu vergessen die WM-Nation „Uruk-Hai“ und den „Ritter zum Plauen Haar“. Lange nicht mehr so gelacht. (cm)

PS: Wer nicht in Erlangen war, kann die gesammelten Ergüsse des Hirschen hier runterladen.

 

J

Jukebox

Die Jukebox im Schwarzen Ritter ist nach wie vor die beste Gelegenheit, sich die musikalischen Verfehlungen der vergangenen Jahrzehnte schmerzhaft wieder vor Augen zu führen. Da die Auswahl an hörbarer Musik hier sichtlich eingeschränkt ist, kam durch eine unglückliche Verkettung unabgestimmter Jukebox-Eingaben verschiedener Comic-Schaffender dazu, dass Samstag Nacht zur besten Zeit (also gegen vier Uhr morgens) dreimal hintereinander „The End“ von den Doors ertönte, natürlich jeweils in voller Länge. Ein passend deprimierender Auftakt zum letzten Salon-Tag, doch immerhin gelang es mit vereinten Kräften, den Laser pünktlich zum Sonnenaufgang zu Deep Purples „Child in Time“ weiterhüpfen zu lassen. (md)

 

M

Manga-Markt

Die gute Nachricht: Nach 2012 gab es am Samstag erneut einen Manga-Markt, auf dem die Szene selbstproduzierte Manga und Merchandise anbieten konnte. Die schlechte: Er war, man mag es kaum für möglich halten, noch besser versteckt als 2012. Diesmal wurde, fernab des Rathausplatzes, auf dem Beşiktas-Platz schräg gegenüber, eine Zeltstafette aufgestellt, an deren hinterstem Ende, verborgen hinter einem Spießrutenlauf aus Altpapier- und T-Shirt-Verkäufern, ein paar Tische für das Manga-Volk freigehalten wurden, durch nichts abgetrennt, ausgeschildert oder sonstwie kenntlich gemacht. Einen Vermerk im Messeplan gab es natürlich ebensowenig wie eine Listung der Aussteller, denn dummerweise wurde der Markt erst rund zwei Wochen vor dem Salon ausgeschrieben, nachdem die offizielle Künstlerliste längst geschlossen und die Programme gedruckt waren. Daher wusste letztendlich auch niemand, dass mit Midori Harada tatsächlich eine professionelle japanische Manga-Zeichnerin auf dem Salon anwesend war, was dem für Manga-Interessierte erneut eher ernüchternden Salon tatsächlich etwas Aufwertung hätte verschaffen können. Dafür hörten die sich tapfer durchbeißenden Manga-Marktler am folgenden Sonntag keinen Satz so oft wie: „Ach da wart ihr, ich hab euch die ganze Zeit gesucht!“ (md)

 

Max-und-Moritz-Gala

Trotz des unnötigen Aussetzers der Moderatorin (siehe → von Sinnen) muss man sagen, dass die Preisverleihungsgala im Markgrafentheater mittlerweile eine schöne, runde und wirklich unterhaltsame Veranstaltung ist, der man gerne beiwohnt. Hella von Sinnen als Rampensau und Showprofi bildet ein gutes Tandem mit Christian Gasser als Journalist und Comic-Fachmann. Die beiden harmonieren wirklich gut, beide sind vorbereitet und haben merklich Freude an dem, was sie da tun. In diesem Jahr hatte man auch das Glück, dass viele der Preisträger sehr gut gelaunt und gar nicht auf den Mund gefallen waren, was den Unterhaltungswert nochmals anhob. Das gilt für den freudestrahlenden Mawil und den aufgedreht-fröhlichen Marvin Clifford ebenso wie für Ulli Lust, die, auf der Bühne angekommen, als ehemalige Kostümdame erst einmal die arg schräg sitzende Fliege von Hella von Sinnen richten musste. Dass Lebenswerk-Preisträger Ralf König schließlich im goldglänzenden Fummel die Bühne betrat, war der größte Showmoment in einer fast rundum gelungenen Veranstaltung. Gearbeitet werden sollte noch an der Länge: Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit wird das Sitzfleisch des Publikums schon sehr stark beansprucht. Dass alle Nominierten ausführlich vorgestellt werden, ist zwar lobenswert, doch hier gäbe es Kürzungspotenzial, um die Show auf eine knackige Ideallänge von sagenwirmal 90 Minuten zu komprimieren. (tk)

Mawil Marvin Clifford
Ralf König Ulli Lust

 

P

Pogo

Durch die Ausstellung bin ich zweimal geschlendert. Beim ersten Mal kam mir das alles nur alt und unzugänglich vor, beim zweiten Mal ist mir dann aufgefallen, wie gut die Ausstellung strukturiert war und was es bei Walt Kelly alles zu entdecken gibt. Vieles von Pogo erscheint mir immer noch weit weg und rätselhaft, vor allem die politischen Anspielungen. Ebenso ist mir aber klar, dass es lohnend sein könnte, sich mit der Reihe zu beschäftigen. – „We have seen the enemy, and he is us“: Allein schon wegen solcher essentiellen Wahrheiten und der poetischen Sumpflandschaften werde ich mir Pogo bald einmal genauer ansehen. (cm)

Bild aus der Pogo-Ausstellung

 

R

Ritter, Schwarzer

What happens in the Schwarzer Ritter stays in the Schwarzer Ritter. Wir sind doch nicht der Röhrende Hirsch. (tk)

 

S

Schäufele 

http://www.flausen.net/2014/06/28/diat/

 

Signierstunden

Mann, war das eine Schlange bei Tardi. Wenn man bedenkt, dass jeder zweite in der Schlange einen ganzen Rucksack Tardi-Comics dabei hatte, lässt sich schon verstehen, weshalb manche Verlage solchen Hemmungslosigkeiten gerne einen Riegel vorschieben möchten. Bei Egmont wurde beispielsweise streng darauf geachtet, dass keiner mal im Vorbeigehen ohne Einzukaufen eine Skizze abgreift, auch wenn der Künstler, Ed Piskor beispielsweise, im Moment rein gar nichts zu tun hatte. Andererseits wiederum hat mir am Egmont-Stand gefallen, dass man sich nicht gegenseitig auf die Füße trat und stets auf gesprächige und gut aufgelegte Künstler traf. Ed Piskor beispielsweise meinte, in Amerika wäre das nicht so üblich, sich in seine Bücher etwas hineinmalen zu lassen („Americans don’t want the artist to foul up the books“). Hinreißend war auch Mark Siegel, der mit weißem Stift auf schwarzes Papier eine Meerjungfrau in sein Sailor Twain zauberte. Er erzählte mir, dass er ein großer Fan der europäischen Loreley-Gedichte sei und kam damit vor allem recht gut mit meiner Frau ins Gespräch, die aufgrund ihres Germanistik-Studiums recht vertraut mit den verschiedenen Gedichtversionen des 19. Jahrhunderts ist. (Ich konnte immerhin beisteuern, dass es auch ein Lied von den Pogues mit dem Titel „Loreley“ gibt.) Und was habe ich geschmunzelt über die Sammlerin, die sich von jedem Zeichner eine Szene mit Fuchs zeichnen lässt; auf diese kleine Marotte bin ich fast ein bisschen neidisch. (cm)

Jacques Tardi signiert

 

Signierstunden (2)

Aber immer wieder drängt sich mir auch die unbestimmte Angst auf, dass der Künstler, der vor einem sitzt, vielleicht gerade gar keinen Bock auf Skizzieren haben könnte. Vielleicht will der arme Künstler eines Kleinverlags, der ohnehin den ganzen Tag am selben Stand sitzen muss, ja auch einfach mal ein bisschen vor sich hinsinnieren, aber ständig kommen wildfremde Leute, die sagen „Ich bin dein größter Fan“ und „Mal mir mal …“, und dabei sind das doch vielleicht nur Spekulanten, die auf Wertsteigerung schielen und dabei am Werk und dem Menschen selbst gar nicht interessiert sind? Ach, wer weiß das schon? Man kann ja zum Glück weder in die Köpfe der Fans noch der Zeichner hineinsehen und eine bessere Gelegenheit, seine Idole mal aus der Nähe zu sehen, gibt es einfach nicht. (cm)

 

T

Tischtennis

Jedem, der Kinderland gelesen hat, dürfte inzwischen klar geworden sein, dass Mawil ein großer Tischtennisfan ist. Natürlich wurde auch während des Empfangs zur Ausstellung mit Mawil-Zeichnungen reichlich Doppel und Einzel gespielt. (cm)

 

U

Überstunden

Als die ICOM-Preisträger in der Kategorie „Bester Independent-Comic“ vom letzten Jahr am Donnerstagabend den aktuellen Gewinner verkünden sollten, glänzten die UPgrade-Jungs Sascha Wüstefeld und Ulf Graupner durch Abwesenheit. „Die signieren noch“, rief jemand, was allgemeine Heiterkeit im Publikum erzeugte. Doch der vermeintliche Witz war die Wahrheit: Die beiden hockten auch über eine Stunde nach Messeschluss noch brav an ihrem Tisch und leisteten Fan-Service. Das ist entweder Hingabe oder Wahnsinn! (av)

Die UPgrader signieren. Und signieren. Und signieren.

 

V

verliebt

… habe ich mich in Walt Kellys → Pogo, denn der Ausstellung, die dem hierzulande viel zu wenig bekannten Zeitungscomic-Klassiker gewidmet war, gelang es ganz hervorragend, die besonderen Qualitäten dieses Strips herüberzubringen. Sie zeigte nicht nur toll anzusehende Originale, sondern stellte diese auch in thematische Kontexte und ergänzte das Material mit guten Begleittexten. Dadurch hatten nicht nur Besucher, die Pogo schon kannten, ihre Freude daran, sondern es war auch möglich, Pogo hier erstmals richtig für sich zu entdecken. Mein Geldbeutel war eigentlich ganz froh, dass es die Pogo-Gesamtausgabe von Fantagraphics nicht direkt auf dem Salon zu kaufen gab. Großes Lob an Kurator Carsten Laqua! (tk)

Pogo-Ausstellung

 

von Sinnen

Hella von Sinnen bei der Max-und-Moritz-GalaDas muss man auch erst mal schaffen: Eine junge deutsche Nachwuchs-Mangaka erst wochenlang beknien, dass sie doch bitte zur Max-und-Moritz-Preisverleihung erscheine, weil sie realistische Chancen auf den Publikumspreis habe, diese von der rheinländischen Moderationsfurie dann in einer missratenen Mischung aus gehässiger Stand-Up-Comedy und armselig uninformiertem Manga-Diss in Grund und Boden zu beleidigen und das ausgelobte Brot dann auch noch dem Marvin Clifford in die Hand zu drücken … Nun gut, für den Ausgang der Publikumswahl kann weder Salon noch Frau von Sinnen etwas. Dass eine Preisgala aber vielleicht nicht der richtige Rahmen ist, von Bill-Kaulitz-Mangas mit schwulen Kindern zu fantasieren, statt wie bei den anderen 24 Titeln eine halbwegs respektable Laudatio zu verlesen, hätte eigentlich allen Beteiligten klar sein sollen – besonders, da sich von Sinnen zwei Jahre zuvor bei der Grablicht-Vorstellung exakt genauso aufführte. Die Lernkurve bei Manga ist auf dem Salon eben einfach nicht die Steilste (siehe → Manga-Markt). So bläst nun also aus der Mangaszene ein wütender Shit-Taifun Richtung Erlangen, auf dessen Welle sogar ein kollektiver Protestbrief der Verlage mitsegelt, während sich auch in weiten Teilen des Restes von Comic-Deutschland – und das ist hierbei neu – verständnisloses Kopfschütteln über Frau von Sinnens Ausfälle regt. Daher wünschen wir uns, sollte sie denn im Amt bleiben, für die nächste Max-und-Moritz-Gala ein ausgestelltes Tortenbüffet, von dem man sich bei den passenden Gelegenheiten ein paar Wurfgeschosse holen kann. (md)

 

W

Weltkrieg

Sehenswert war sie ja schon, die Ausstellung der Alten Meister, aber wo ist bloß Charley’s War, der große britische Beitrag zum Thema geblieben? Aber britische Comics hatten es ja noch nie leicht, vom Rest der Welt wahrgenommen zu werden. (cm)

 

Webcomics

Haben es auf Messen natürlich traditionell schwerer als Printcomics, im Rampenlicht zu stehen. Doch selbst sind die Webcomic-MacherInnen: Unter dem Banner „Comic Solidarity“ präsentierte sich eine geballte Ladung von ihnen an einem durchdachten und voluminösen Stand in Halle C, an dem man auf Tablets ihre digitalen Werke betrachten, mit den KünstlerInnen schnacken und sich mit Printeditionen und Merchandise zu ihren Comics eindecken konnte.

Comic Solidarity

Für den informativen wie auch intellektuellen Unterbau sorgte die Veranstaltungsreihe „Webcomics im Fokus“ im nahe gelegenen NH Hotel, wo theoretische Fragen erötert, verschiedene Webcomics vorgestellt und -gelesen und erfolgreiche MacherInnen vor Publikum nach ihren Erfahrungen befragt wurden.

Wie weit man es mit einem Webcomic bringen kann, bewiesen während des Salons übrigens Sarah Burrini, die nach Veröffentlichung ihres Weberfolgs Das Leben ist kein Ponyhof bei Zwerchfell und jüngst auch bei Panini mit einem ICOM-Preis bedacht wurde und Marvin Clifford, der mit der Druckfassung seines Schisslaweng den Max & Moritz-Publikumspreis absahnte. (av)

 

Z

Zum Schluss

… hält man es am Besten mit Luke Pearson, der einen Max-und-Moritz-Preis für Hilda und der Mitternachtsriese bekam, aber selbst nicht anwesend war. Er grüßte stattdessen mit diesem Bild, dessen Aussage wir uns vollumfänglich anschließen. (tk)

Danke Erlangen! (von Luke Pearson)

 

Fotos: Florian Steinl, Frauke Pfeiffer, Thomas Kögel
Abbildung: Luke Pearson

 

Weitere Comicgate-Beiträge zum Comic-Salon 2014:

Links der Woche, Ausgabe 21/2014 – Ein Special zum Comic-Salon Erlangen

Erlangen-Tagebuch, Tag 1 von Thomas Kögel

Erlangen-Tagebuch, Tag 3 von Björn Wederhake

Erlangen-Tagebuch, Tag 4 von Andi Völlinger

 

 

Links der Woche 26/14: It’s gonna backfire, baby

Unsere Links der Woche, Ausgabe 26/2014:

 

Aus Politik und Zeitgeschichte 33-34/2014: Comics
Bundeszentrale für politische Bildung
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte beschäftigt sich ausführlich und tiefgründig mit dem Thema Comics. Nach einer Einführung in Comicform (ein Auszug aus Scott McClouds Comics richtig lesen) gibt es Aufsätze renommierter Autoren wie Andreas C. Knigge, Thierry Groensteen, Dietrich Grünewald und Jaqueline Berndt. Unter anderem geht es um die Frage, ob und wie Comics politisch sind und wie sie in der Geschichtsdidaktik eingesetzt werden können. Das 56 Seiten starke, aus Steuergeldern finanzierte Heft liegt nicht nur als Beilage der Zeitung Das Palament bei, sondern kann auch kostenlos bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellt werden. Außerdem kann man sie gratis auf der Webite lesen und in verschiedenen Formaten (PDF, epub) herunterladen.

Scanlations – Ein Problem?
Dreimalalles, Christian Maiwald
Anlässlich der kürzlich gestarteten japanischen Anti-Piraterie-Initiative “Manga-Anime Guardians Project” (siehe Links der Woche 25/14) spricht Carlsen-Manga-Programmleiter Kai-Steffen Schwarz im Interview über die Rolle von “Scanlations” (von Fans selbst erstellte Manga-Übersetzungen, die urheberrechtswidrig im Netz angeboten werden) und den Umgang seines Verlags damit.

FluxFM Spreeblick mit Reinhard Kleist
FluxFM, Johnny Haeusler
Seit fast zwei Jahren talkt Radiomacher und Spreeblick-Blogger Johnny Haeusler auf dem ohnehin sehr empfehlenswerten Sender FluxFM jeden Sonntag zwei Stunden lang mit einem prominenten Gast. Letzte Woche war erstmals ein Comiczeichner zu Gast. Die Sendung mit Reinhard Kleist kann man online nachhören oder direkt als MP3 (63 Minuten) downloaden.

ZACK-Redakteur Gigi Spina gestorben
Comic-Report, Volker Hamann
Ein Nachruf auf Luigi “Gigi” Spina, der am 4. August mit 79 Jahren in Hamburg verstarb. Spina arbeitete in den 1970er Jahren als Comic-Redakteur beim Bastei-Verlag und entwickelte das Konzept für ein Comicmagazin für jugendliche Leser nach französischem Vorbild. Daraus wurde dann das ZACK, das ein Jahrzehnt lang eine ganze Generation von Comiclesern prägte.

Advice to the mid-career cartoonist who has failed to build an audience
Mike Dawson
Mike Dawson, Podcaster und Comiczeichner, der mit seinen Graphic Novels Freddie and Me und Troop 142 durchaus eine gewisse Bekanntheit im amerikanischen Independentcomic-Sektor erlangte, lässt die Hosen runter und verkündet seine Verkaufszahlen, die vor allem für sein aktuellstes Buch ziemlich enttäuschend sind. Selbstkritisch merkt er an, dass er vor allem dabei versage, sich ein Publikum für seine Comics aufzubauen. Was bleibt ist Frustration und die an sich selbst gestellte Frage, wozu er das eigentlich mache. Das Blogposting wurde in der letzten Woche viel verlinkt und kommentiert, z.B. in ziemlich angriffslustiger Weise von Abhay Khosla, der fragt “Wie sah eigentlich dein Businessmodell (für diese Comics) aus?” Daraufhin schrieb Dawson ein zweites Posting, in dem er seinen Ausgangspunkt noch einmal genauer erklärt, z.B. dass es ihm nicht ums Geldverdienen gehe. Andere Reaktionen kommen von Zeichnerkollegen, die sich mit ähnlichen Problemen plagen, etwa das pessimistische Posting von Sam Henderson, der lange für Nickelodeon, u.a. an Sponge Bob gearbeitet hat.

What’s been happening in the Randy Queen Situation and what the Timeline was
Escher Girls, Ami Angelwings
Auf dem Tumblr-Blog Escher Girls sammelt Ami Angelwings Bildbeispiele dafür, wie Frauen oft in Comics, Videospielen und anderen Medien dargestellt werden, nämlich unnötig stark sexualisiert und/oder in anatomisch völlig unmöglichen Posen, die möglichst “sexy” sein sollen. Unter den dort geposteten Bildern waren auch welche von Randy Queen, der in den 1990er Jahren als Schöpfer der Serie Darkchylde bekannt wurde. Weil er um seinen Ruf fürchtete, forderte er die Firma Tumblr unter Verweis auf sein Urheberrecht auf, die Einträge mit seinen Bildern zu löschen, was auch umgehend geschah. Weitere Drohungen, juristische Schritte gegen die Betreiber des Blogs zu unternehmen, folgten. Der Schuss ging allerdings ziemlich nach hinten los, denn eine nicht ganz kleine Online-Öffentlichkeit (u.a. Twitter-Prominenz wie John Scalzi und Will Wheaton) ergriff Partei für die Escher Girls und der Streisand-Effekt ließ sich wunderschön beobachten. Schließlich entschuldigte sich Queen einige Tage später auf Facebook und musste zugeben, falsch reagiert zu haben. Der oben verlinkte Text fasst die Ereignisse aus Sicht der Escher-Girls-Betreiber zusammen.

Armed Animals Don’t Invent Themselves
The New York Times, Dave Itzkoff
Der neue Marvel-Film Guardians of the Galaxy ist in den USA höchst erfolgreich gestartet. Eine eigene Privatvorführung bekam dabei Bill Mantlo, der die Figur des Rocket Racoon erfunden hat und seit einem Unfall vor einigen Jahren schwer krank ist. Der Artikel in der New York Times erinnert daran, dass all die Comicfiguren, die nun in millionenschweren Kinoblockbustern auftreten und jede Menge Geld einspielen, von Zeichnern und Autoren geschaffen wurden, die aufgrund ihrer Verträge heute nur sehr selten angemessen von ihrer kreativen Leistung (die meist viele Jahre zurück liegt) profitieren können. Im Falle von Bill Mantlo konnte dessen Bruder wohl eine zufriedenstellende Einigung mit Marvel erzielen, allerdings nur, nachdem ein gewisser juristischer und öffentlicher Druck aufgebaut wurde.

Fun Home! The Musical!
Seven Days, Alison Bechdel
Alison Bechdels autobiografischer Comic Fun Home wurde inzwischen als Musical adaptiert. Für das Vermonter Magazin Seven Days hat Bechdel – in Form eines Comics – notiert, wie es sich anfühlt, die eigene Geschichte, die eigene Person, die eigenen Eltern auf einer Musicalbühne zu erleben.

The Myriad Monikers of Gotham’s Villains 2.0
Pop Chart Lab
Alle Batman-Schurken fein säuberlich sortiert und kategorisiert in einer massiven Infografik!

Seht alle 30 Superhelden-Filme bis 2020 in einer Liste!
Moviepilot, Christoph Dederichs
Die Startkalender-Planung der Hollywood-Studios für die nächsten Jahre.

 

Umpah-Pah Gesamtausgabe

Cover Umpah-Pah Gesamtausgabe„Asterix‘ großer Bruder“ wird der grobschlächtige Indianer Umpah-Pah häufig betitelt. Das liegt daran, dass dessen geistige Väter René Goscinny und Albert Uderzo letztgenannten bereits viele Jahre vor dem weltbekannten Gallier mit seinem dicken Freund Obelix erschufen. Im Jahr 1951 war dies, doch es sollte sieben Jahre (und eine konzeptionelle Überarbeitung) dauern, bis die beiden die zuvor von den Verlagen verschmähte Figur wieder aus der Schublade holten. Es folgten fünf albenlange Comics, die aufgrund ihrer stilistischen Nähe zu Asterix heute als direkter Vorläufer gelten. Für kurze Zeit existierten beide Serien sogar noch parallel, bevor sich das Kreativduo dazu entschloss, Umpah-Pah nicht mehr fortzusetzen und sich stattdessen auf ihre wesentlich erfolgreichere Gallier-Reihe zu konzentrieren.

In vielerlei Hinsicht sind die Geschichten um Umpah-Pah, einem Indianer des Wascha-Wascha-Stammes, und dessen unfreiwilligen Kompagnon, den französischen Leutnant Hubert von Täne, ein früher Entwurf von dem, was Goscinny und Uderzo später in Asterix verarbeiteten. Ging die erste Idee noch in die Richtung, Umpah-Pah in einem Reservat mit den Tücken der Moderne zu konfrontieren, findet er sich bei Veröffentlichung der ersten Erzählung im 18. Jahrhundert wieder und erwehrt sich europäischer Kolonialisten.

Seite aus Umpah-Pah GesamtausgabeDer Kampf der Kleinen gegen fremde Besatzer, ein optisch ungleiches Heldenduo, die Haudrauf-Action, eine glücklose Piratenmannschaft und der feinsinnige Humor: Alles erinnert bereits stark an die nachfolgenden Alben von Asterix. Sogar einen Häuptling im Stile eines Miraculix gibt es.

Natürlich fehlte an der einen oder anderen Ecke noch der letzte Schliff. So richtig hatten Goscinny und Uderzo hier noch nicht das perfekte Rezept gefunden. Dass gerade die Plots und Dialoge noch Luft nach oben haben, sollte sich in der ähnlich gelagerten Serie Asterix schnell beweisen. Dennoch sind die fünf entstandenen Umpah-Pah-Comics wunderbare Zeugnisse der Zeit. Nicht nur, weil sie als Blaupause für Asterix herhalten können, sondern weil sie auch unabhängig davon viel Freude beim Lesen bereiten.

Die vorliegende Gesamtausgabe aus der Egmont Comic Collection ist im Prinzip eine leicht überarbeitete Neuauflage eines Komplettbandes, der vor einigen Jahren erschien. Neben einem neuem Cover gibt es einen neu verfassten, längeren redaktionellen Beitrag, der mit spannenden Zitaten gespickt ist, insgesamt aber einen etwas diffusen Eindruck macht. Zudem ist die achtseitige Originalversion von Umpah-Pah enthalten, wie sie ursprünglich für den US-amerikanischen Comicmarkt in Stripform konzipiert war. Das ist ein netter Bonus. Nur haben es die Cover der Einzelalben leider nicht zum Abdruck geschafft. Von einer Gesamtausgabe könnte man dies wohl erwarten. Den positiven Befund über fünf tolle Comicalben zu einem günstigen Preis schmälert das jedoch nicht.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Inhaltlich gute Gesamtausgabe mit Schwächen in der Bearbeitung

 

Umpah-Pah Gesamtausgabe
Egmont Comic Collection, 2014
Text: René Goscinny
Zeichnungen: Albert Uderzo
Übersetzung: Eckart Sackmann, Horst Berner
192 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 25 Euro
ISBN: 978-3-7704-3776-4

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen (Seite aus der frz. Originalausgabe: © Les Editions Albert René

Burn Out

alt

Cover Burn OutEthan Karoshi arbeitet als Police Officer im hitzigen Reno, Nevada. Der alt gediente Haudegen mit den grauen Schläfen und dem mürrischen Blick ist in seinem Beruf angesehen und mit allen Wassern gewaschen. Verheiratet ist er mit der Tochter seines Vorgesetzten. Das Privatleben Karoshis gerät jedoch ins Wanken, als seine Affäre Debra ermordet aufgefunden wird. Prompt wird er zum Tatort gerufen und muss in dem Fall ermitteln. Schnell wird klar, dass irgendjemand darauf aus ist, den ausgebufften Cop zur Zielscheibe zu machen und dessen Leben zu zerstören. Karoshi hat nun alle Hände voll zu tun, nicht nur den Mord aufzuklären, sondern auch Ehe und Job zu retten.

Burn Out ist ein Kooperation des französischen Szenaristen Antoine Ozanam und des in Berlin lebenden, dänischen Zeichners Mikkel Sommer. Der Plot ist ein klassischer Noir-Krimi, in der ein etwas zwielichtiger Antiheld auf Rache sinnt und dabei selbst Opfer einer größeren Verschwörung wird.

Seite aus Burn OutDer Unterschied zu thematisch ähnlich gelagerten Genrevertretern liegt im nicht alltäglichen Schauplatz: Statt in dunklen Gassen der Großstadt wird hier in der schweißtreibenden Gluthitze der Wüste Nevadas ermittelt. Begleitet wird der Abstieg der Hauptfigur von coolen Off-Texten. So wird versucht, dem Leser einen tieferen Zugang zum Innenleben Karoshis zu ermöglichen. Das gelingt ansatzweise, wird aber an vielen Stellen zu stark abgekürzt. Eine richtige emotionale Bindung zu den Protagonisten kommt mit der raschen Erzählweise und der verhältnismäßig knappen Länge des Comics nicht wirklich auf.

Dabei ist Ozanams Handlung sauber gestrickt und durchaus passabel verfasst. Doch leider ist das Ergebnis dann doch nicht mehr als ein ganz netter Thriller mit zu wenigen Überraschungen. Die Bilder von Mikkel Sommer sind skizzenhaft, unruhig und erinnern in ihrem Stil an die Arbeiten Barus. Das garantiert schöne Zeichnungen mit starkem Ausdruck, kann den Gesamteindruck allerdings nicht entscheidend nach oben verbessern.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Ein guter Krimi für zwischendurch, aber nicht unbedingt ein Meilenstein des Genres

 

Burn Out
Avant-Verlag, Juni 2014
Text: Antoine Ozanam
Zeichnungen: Mikkel Sommer
Übersetzung: Annika Wisniewski
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-945034-03-3
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Avant Verlag

Die Haie von Lagos 4 – Die Geister des Meeres

alt

Cover Die Haie von Lagos 4Man konnte gespannt sein auf den neuen Zyklus. Die Haie von Lagos ist schon längst ein Klassiker. Und das nicht nur, weil sie von einem deutschen Zeichner und Autoren geschaffen wurden – zu einem Zeitpunkt, Ende der 1980er Jahre, als das hierzulande noch ziemlich unüblich war. Denn die Serie von Matthias Schultheiss war auch in punkto Sex und Gewalt nicht gerade zimperlich und manche sahen darin auch deutlichen Rassismus (etwa wenn permanent von der „schwarzen Seele“ die Rede ist). Der Comic war also ziemlich kontrovers und Schultheiss hatte sich in einem gewissen Sinne selber eine Falle gestellt, indem er einen zutiefst unsympathischen Helden geschaffen hatte, den er nicht mehr recht in den Griff zu bekommen schien.

Dementsprechend fielen Band zwei und drei damals in Sachen Story ziemlich ab, obwohl mit der Figur der Sarah auch ein moralisches Korrektiv und Sympathieträgerin eingeführt wurde. Nur leider war ihre erwachende Liebe zu Lambert nicht gerade glaubwürdig, da dieser Pirat eben ein wahres Monster ist. Jedenfalls war die Story beendet und die beiden Hauptfiguren ritten, sorry, falsches Genre: segelten in den Sonnenuntergang. Das ergab Raum für Fantasie, aber die ursprünglichen Konflikte waren nun eigentlich beendet. So war die Ankündigung eines neuen Zyklus überraschend und machte neugierig.

Wie das dann auch oft so ist: Die Erwartungen werden hoch und höher geschraubt. So kann der neue Band eigentlich auch nur enttäuschen. Und genau das trifft dann auch ein. Erschreckend ist eigentlich nur die Dimension, in der das geschieht. Eine Story gibt es nicht und Schultheiss setzt ganz auf seine Bilder, was durchaus eine Stärke ist. Dennoch sollte eine zu erzählende Geschichte nicht vergessen werden.

Seite aus Die Haie von Lagos 4Worum geht es eigentlich? Die Antwort ergibt sich auch nicht nach der Lektüre. Schultheiss beginnt dort, wo er Sarah und Lambert am Ende des ersten Zyklus (der gerade ebenfalls beim Splitter Verlag als Gesamtausgabe erschienen ist) verlassen hat: auf dem Meer. Dort werden die beiden Flüchtenden von einem Sturm gebeutelt und Lambert gelingt es, schwer verletzt an einer asiatischen Küste anzulanden. Dort warten aber schon wieder Feinde. Das war es. Eine ausgefeilte Geschichte sieht anders aus und obwohl die Figuren permanent in Aktion sind, führt es eigentlich nirgendwo hin.

Und bedauerlicherweise gibt es in den Rudimenten einer Dramaturgie immer noch ähnlich unausgegorenes esoterisches Geschwurbel wie im ersten Zyklus. Das wird zwar später auf die Spitze getrieben, aber es vermag nicht zu überzeugen. Was hier vorliegt, ist eher eine Variation des Themas „Der alte Mann und das Meer“, welche allerdings manchmal unnötig brutal ausfällt. Denn die Gewalt stützt die Story nicht, hat im Grunde auch keine Aussage und ist hier reiner Selbstzweck. Ja, Lambert ist eine Bestie und hat die Seele eines Hais. Die Kombination von Pirat und Hai wird später, wie oben schon erwähnt, auf die Spitze getrieben: Er verliert ein Auge und beißt zu wie ein Hai, lebt also nach rein tierischen Instinkten, was einen verqueren Reiz besitzt. Und die letzte Seite hält einen schönen kleinen Gag parat, wobei aber unklar bleibt, wohin das führen soll.

Grafisch kommt das alles aber äußerst eindrucksvoll daher. Die Szenen auf dem Meer, und die machen 90 Prozent des Albums aus, beeindrucken und faszinieren. Schultheiss‘ plastischer Stil entfaltet hier voll seine Stärke. Da hätte es den Off-Kommentar, der die Verlässlichkeit der Bilder stellenweise aushebelt, oft gar nicht gebraucht. Jedenfalls sind diese Meeresszenen sehr beängstigend und es wird geschickt mit den Panels und deren Aufbau gespielt. Aber eine Dramaturgie wäre hier hilfreich gewesen. Mal sehen, wohin das im nächsten Teil führen wird.

 

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Eine nicht vorhandene Geschichte wird immerhin in beeindruckenden Bildern erzählt.

Die Haie von Lagos 4 – Die Geister des Meeres
Splitter Verlag, Juli 2014
Text und Zeichnungen: Matthias Schultheiss

48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-742-1
Euro: 13,80
Leseprobe

 

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Matthias Schultheiss/Splitter Verlag

 

Planet der Affen – Die Chroniken von Mak

Cover Planet der Affen – Die Chroniken von MakDank des Film-Prequels Prevolution ist das Planet der Affen-Franchise vor drei Jahren wiederbelebt worden. Die Lizenz für entsprechende Comics liegt beim US-Verlag Boom! Studios (von dem es nach meinem Geschmack bislang zu wenige Serien nach Deutschland schaffen), der mittlerweile eine ganze Reihe von Miniserien und Specials veröffentlicht hat.

Rechtzeitig zum Kinostart der filmischen Fortsetzung Revolution (im Original: Dawn of the Planet of the Apes) startet auch Cross Cult seine Affen-Offensive (u.a. auch mit der Publikation von Pierre Boulles Original-Roman Planet der Affen und einem Artbook) und legt die abgeschlossene Boom!-Serie Die Chroniken von Mak komplett in einer überfetten Hardcover-Ausgabe vor. Neben der 16-teiligen Hauptserie sind darin noch drei darauf aufbauende Specials abgedruckt.

Die Handlung setzt im Jahr 2680 ein, also gut 1300 Jahre vor den Ereignissen der ursprünglichen Filmreihe, aber einige Zeit nach dem Aufblühen der Affenzivilisation wie man es in den aktuellen Filmen zu sehen bekommt. Die Chroniken von Mak erzählt von einer Gesellschaft, in der die Affen zwar bereits sehr dominant sind, aber überwiegend in friedlicher Koexistenz mit den Menschen leben. Zwar gibt es Unzufriedenheit in beiden Lagern, aber der gemeinsame Stadtstaat Mak ist eine Art neutrale Zone, die von Affen und Menschen respektiert wird.

Dass der akute Zustand nur die Ruhe vor dem Sturm markiert, wird dem Leser jedoch schnell bewusst: Ein Attentäter greift den Gesetzesvater an und entfacht damit, unterstützt von einer fanatischen Sekte, den Konflikt zwischen den Rassen. Bis dahin repräsentierte der Gesetzesvater das Zusammenleben und die Ebenbürtigkeit mit den Menschen. Nach dessen Tod, so scheint es, haben Menschen wie Affen einen Vorwand gefunden, um den insgeheim erwünschten Krieg herbeizuführen. Die Affen, um ihre Vorherrschaft zu zementieren und die Menschen, um für ihre Unabhängigkeit und gegen die Unterdrückung zu kämpfen.

So muss Stimme Alaya, die Matriarchin der Affen, sich direkt gegen ihre Kontrahentin Sally, die Vorsteherin des Menschenghettos Skintown, wenden. Brisanterweise sind beide Adoptivenkelinnen des Gesetzesvaters. Die innere Zerrissenheit dieser beiden weiblichen Hauptprotagonisten ist es auch, die die lang ausgebreitete Story von Autor Daryl Gregory trägt. Die Erzählung ist wirklich ungemein spannend und zieht den Leser atmosphärisch völlig in einen epischen Krieg Menschen gegen Affen. Wobei man auch sagen muss, dass Gregory sich einiger gelungener Nebenfiguren bedient, die sich in überwiegender Zahl nachvollziehbar verhalten und gut charakterisiert sind.

Seite aus Planet der Affen – Die Chroniken von MakSehr gut gefallen haben mir überdies auch die starken Zeichnungen von Carlos Magno, der hier für die 16-teilige Hauptserie zuständig ist. Er steht in diesem Band für konstant ausdrucksstarke, fein schraffierte Bilder. Zum Setting der Affen-Zivilisation passt sein Stil hervorragend. Leider wird Magno für die abgedruckten Specials von Zeichner Diego Barreto abgelöst. Dieser kann das hohe Niveau nicht ansatzweise halten und liefert eher solide Standardkost ab. Ohnehin ist es ein kleiner Wermutstropfen, dass zwar die komplette Maxiserie von Magno bebildert wurde, es für die drei Specials jedoch einen Wechsel gab. Denn inhaltlich knüpfen diese fast nahtlos an die Handlung an und sind damit sozusagen ein essentieller Bestandteil einer einzigen großen Geschichte. Zumindest liest sich die deutsche Gesamtausgabe wie eine einzige durchgehende Erzählung.

In jedem Fall ist Die Chroniken von Mak ein unterhaltsames Comic-Kleinod, ein abgeschlossenes Stück über den Krieg zwischen Menschen und Affen. Da die Story auch bedenkenlos ohne Vorkenntnisse zu lesen ist, kann man die Ausgabe auch durchaus denjenigen empfehlen, die mit dem Franchise bislang nichts am Hut hatten. Allein das feine Artwork ist schon einen Blick wert.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Nicht nur vom schieren Umfang her ein starkes Stück; gerne mehr davon

 

Planet der Affen – Die Chroniken von Mak
Cross Cult, Mai 2014
Text: Daryl Gregory
Zeichnungen: Carlos Magno, Diego Barreto
Übersetzung: Andreas Kasprzak
488 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 39,80 Euro
ISBN: 978-3-86425-399-7
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult 

 

Links der Woche 25/14: You’re once, twice, three times a lady

Unsere Links der Woche, Ausgabe 25/2014:

 

Willkommen bei dreimalalles.info
Dreimalalles, Christian Maiwald
Christian Maiwald, der neun Jahre lang Mitarbeiter bei Reprodukt war und noch immer die Website graphic-novel.info betreut, hat ein neues Online-Angebot ins Leben gerufen: Dreimalalles möchte eine Anlaufstelle für Neuigkeiten aus der Comicwelt sein und dabei ausdrücklich die gesamte Bandbreite der Kunstform berücksichtigen: “Kein Genre und keine Spielart sollen hier unerwähnt bleiben” heißt es im Begrüßungsartikel. Die ersten zwei Wochen Betrieb (und dazu die ordentliche Menge von Beiträgen, die schon vor der Online-Schaltung entstanden) zeigen, dass hier eine feine Mischung entsteht, die in den Bookmarks von Comicinteressierten nicht fehlen sollte: Neben kurzen News-Meldungen gibt es reichlich Links zu Rezensionen in der Presse, einen gut gefüllten Veranstaltungskalender, kurze Link-Rundumschläge unter dem Titel “Darüber hinaus”, die bislang noch leere Kategorie mit dem geheimnisvollen Titel “99” und nicht zuletzt auch etwas längere, aus persönlicher Sicht geschriebene, meinungsfreudige Artikel, zum Beispiel zu Comic-Förderungen, zu den Reaktionen auf Hella von Sinnens “Manga-Diss” auf der Max-und-Moritz-Preisverleihung oder zu den Problemen, die bei einer Mischform von Comic und Animation auftreten.

Weltgrößer Comic-Anbieter Comixology verabschiedet sich von Zwangs-DRM
lesen.net, Jan Fischer
Der kürzlich vom Giganten Amazon übernommene Digitalcomic-Anbieter Comixology hat in den letzten Jahren mit satten Wachstumsraten geglänzt und mit dafür gesorgt, dass der digitale Vertriebsweg mittlerweile etabliert ist und Comics auch selbstverständlich auf den Bildschirmen von Tablets, PCs oder Smartphones gelesen werden. Ein ganz entscheidender Nachteil, den der Kauf der digitalen Version gegenüber gedruckten Comics bislang hatte, ist das Digital Rights Management (DRM), das im Prinzip dafür sorgt, dass der Leser den gekauften Comic nicht komplett besitzt, sondern lediglich eine “Lizenz zum Lesen” erwirbt, die ihm auch wieder entzogen werden kann. Nun gibt es für Comics von bestimmten Verlagen die Möglichkeit des DRM-freien Downloads. Wer bei Comixology Comics von Top Shelf, Image, Dynamite gekauft hat, darf diese nun auch als PDF oder CBZ herunterladen und kann sie damit auch völlig unabhängig von der Plattform lesen. Die Großverlage DC und Marvel sowie etliche andere sind hier allerdings noch nicht an Bord. Das Beispiel anderer Medien wie etwa MP3-Musikdownloads hat aber gezeigt, dass auch copyright-restriktive Unternehmen bereit sind, von DRM Abschied zu nehmen, wenn es dem Geschäft dient.

Digital ist besser
Deutschlandradio Kultur, Ralf Hutter und Markus Richter
In der Sendung Breitband, die sich wöchentlich mit digitaler Kultur und Netzthemen beschäftigt, ging es am Samstag um Webcomics. Zunächst in einem Beitrag darüber, dass “die Online-Comicszene in diesem Jahr dem Comic-Salon Erlangen ihren Stempel aufgedrückt” hat, dann in einem Studiogespräch mit den Gästen Sarah Burrini und Lukas Wilde (MP3, 17 Minuten).

Bunte Welle – der deutsche Independent-Comic boomt
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Dass sich eben diese rege online vernetzte Szene mehr und mehr auch in gedruckter Form wiederfindet, beschreibt dieser Artikel: “Der gedruckte deutsche Independent-Comic erlebt derzeit einen Boom wie schon lange nicht mehr.” Zusätzlich zu dem Text, der passenderweise auch im gedruckten Tagesspiegel erschien, gibt es online vier Kurzinterviews mit den Zeichnern Véro Mischitz, Maximilian Hillerzeder und Ulf Salzmann sowie mit Jörg Faßbender, der mit Kwimbi diese Print-Indies verkauft und teilweise auch verlegt.

„Eine sehr direkte, schnelle Kunstform“
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Ein Interview mit Johannes Ebert, dem Generelsekretär des Goethe-Instituts, das seit einigen Jahren regelmäßig auch deutsche Comickünstler als Kulturbotschafter in die Welt schickt und Austauschprogramme mit ausländischen Künstlern initiiert.

Im Netz der Spinne
Bookster, Jakob Hoffmann
Das Online-Projekt Bookster stellt regelmäßig Menschen aus dem Frankfurter Raum vor, die beruflich mit Büchern zu tun haben. Darunter ist auch Ekki Helbig, Inhaber des Comicshops Terminal Entertainment (T3): “Anders als vielen kleinen Buchhandlungen geht es dem Laden gut – weil es der Comicbranche gut geht.”

Dankeschön, auf Wiedersehen
Stuttgarter Zeitung, juw
Nach 13 Jahren muss Naomi Fearn mit ihrem wöchentlichen Strip Zuckerfisch Abschied von den Lesern der Stuttgarter Zeitung nehmen. Als letzten Beitrag gab es einen extragroßen Comic, der fast eine ganze Zeitungsseite einnahm. Künftig will das Blatt stattdessen alle 14 Tage die Comic-Kolumne „Sprechblasen“ bringen. Siehe dazu auch: Stuttgarter Zeitung stellt “Zuckerfisch” ein bei Comic-Community.

2014 Eisner Award winners announced
Robot 6, Kevon Melrose
In mehr als 30 Kategorien wurden letztes Wochenende in San Diego die Eisner Awards verliehen, die jährlich vergebenen Preise der US-Comicbranche (gerne auch als “Comic-Oscars” bezeichnet). Den ganz großen Abräumer gab es in diesem Jahr nicht, aber der Verlag IDW durfte sich mit insgesamt sieben Preisen als Gewinner der Gewinner fühlen. Außerdem bestätigten die Eisners die allgemeine Liebe für Saga (Best Continuing Series, Best Writer, Best Painter/Multimedia Artist). Und endlich wurden auch die Hernandez-Brüder Gilbert und Jaime mit jeweils einem Eisner Award bedacht, die schon seit mehr als 20 Jahren zu den ganz Großen des US-Comics gehören, aber bisher immer leer ausgingen.

Neue Helden braucht das Land
Jungle World, Jan Tölva
Anlässlich der Ankündigung von Marvel, dass ihr Donnergott Thor künftig weiblich und Captain America schwarz sein wird, blickt dieser Artikel auf die Geschichte der Diversität im Superheldencomic.

METI to Start the First Cross-Industry Anti-Piracy Measures for Manga and Anime
Crunchyroll, Mikikazu Komatsu
Das japanische Ministerium für Wirtschaft und Handel (METI) stellte vergangene Woche sein “Manga-Anime Guardians Project” vor: Gemeinsam mit etlichen Verlagen und Publishern soll in den nächsten Monaten soll verstärkt gegen Onlinepiraterie von Manga und Anime vorgegangen und illegale Kopien von zahlreichen Websites entfernt werden. Parallel dazu gibg die Seite Manga-Anime here an den Start, die auf legale Manga- und Animeangebote im Netz hinweist.

San Diego Comic Con 2014 (SDCC) – Cosplay Music Video‏
YouTube, Sneaky Zebra
Auf der riesigen Comicmesse in San Diego, die am letzten Wochenende stattfand, gab es auch wieder jede Menge tolles Cosplay zu sehen. Dieses Video zeigt einige Highlights:

{source}
<iframe width=“590″ height=“332″ src=“//www.youtube.com/embed/p1fAZxSkfRo“ frameborder=“0″ allowfullscreen></iframe>
{/source}