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The Right Here Right Now Thing

Cover The Right Here Right Now ThingDrogen also wieder. Am Anfang des Comics packt eine junge Frau zwei Tütchen Stoff sachgerecht in ein Kondom, um es sich sogleich auf der Toilette heimlich vaginal einzuführen. Dann verabschiedet sie sich noch von ihrem Freund – „Vergiss nicht, die Pflanzen zu gießen“ – und verlässt die Wohnung in Richtung Flughafen für einen Kurzurlaub nach Krakau. Dort angekommen, trifft sie alte Freunde, wohl aus Studienjahren. Man reißt das erste Bier auf, bringt sich in Stimmung und schnupft weißes Zeug, um besser durchfeiern zu können. Dann beginnt die muntere Truppe, durch die Krakauer Nacht zu ziehen und einfach noch mal richtig Spaß zu haben.

Man bemerkt einen deutlichen Unterschied zu Paulina Stulins Erstling Mindestens eine Sekunde: Ging es darin noch um die schädlichen Folgen, die Drogenkonsum auf eine ungefestigte Persönlichkeit haben kann, findet in der neuen Veröffentlichung eine deutliche Akzentverschiebung statt. Drogen sind hier ein legitimer Bestandteil des Über-die Stränge-Schlagens, ein Hilfsmittel, um den Alltag möglichst schnell hinter sich zu lassen. Und alsbald taucht die Erzählerin in eine Parallelwelt ein, in der die Verpflichtungen des Alltags keine Rolle mehr spielen und sämtliche Eindrücke mit voller Schärfe wahrgenommen werden. Man trifft zwei interessante junge Männer aus der Computerbranche, die ebenfalls Kurzurlaub machen, und beginnt auf Englisch zu kommunizieren. Das ist durchaus passend, denn die Fremdsprache bietet eine weitere Möglichkeit, das alte Selbst so gründlich wie möglich abzustreifen und in eine neue, unverbrauchte und daher weitaus reizvollere Version seiner selbst zu schlüpfen.

Seite aus The Right Here Right Now ThingThe Right Here Right Now Thing ist von einer eigentümlichen Sehnsucht durchzogen. Die Erzählerin und ihre Freunde stehen schon mitten im bürgerlichen Leben, dennoch ist das exzessive Studentenleben früherer Jahre noch das Leitbild, an dem man sich orientieren möchte. Und dieses eine Mal gelingt der Exzess: Man nimmt Drogen, ohne an die Folgen denken zu müssen, und die Erzählerin hat Sex mit einem Fremden, während der Partner zu Hause ahnungslos ist.

Dennoch ist dem Leser und wohl auch der Erzählerin klar, dass man den perfekten Moment niemals festhalten kann, ja, dass man ihn vielleicht auch nicht ewig aufs Neue hervorrufen kann. Paulina Stulin hat es im Rahmen ihrer Möglichkeiten zumindest versucht: Sie hat die perfekte Nacht ihrer Heldin in einem kleinen Comic festgehalten. Wer das Gefühl einer gelungenen Nacht und des Katers ohne Reue kennt, wird das Right Here Right Now Thing lieben.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Exzess ohne Reue: Das Lesen dieses Comics kann wohlige Flashbacks verursachen.

 

The right here right now thing
Jaja Verlag, Mai 2014
Text und Zeichnungen: Paulina Stulin
52 Seiten, vierfarbig, Softcover
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-943417-48-7
Leseprobe

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Abbildungen: © Paulina Stulin/Jaja Verlag

Pawnee

Cover PawneePatrick Prugnes Pawnee ist die Fortsetzung zu Frenchman, wobei es nicht zwingend erforderlich ist, den anderen Band zu kennen, da die hier erzählte Geschichte auch eigenständig funktioniert. Einzig die Figuren werden beibehalten, und auch wenn keine Entwicklung stattfindet, darf man sich auf ein Wiedersehen freuen.

Angele reist in die neue Welt, um ihren Bruder Alban und ihren Liebsten Louis zu finden. Doch Louis ist verschwunden, und der vom Gesetz gesuchte Alban hat die Suche nach seinem Freund längst aufgegeben. Er sieht keinen Grund mehr, in Amerika zu bleiben, und macht sich auf den Weg zur Küste, um nach Europa zurückzukehren. Ahnungslos, dass seine Schwester bereits in den USA ist und die gefährlichen Weiten durchquert, schließt er sich einer Gruppe von Milizionären an, die allerdings von einem rachsüchtigen Indianer gejagt wird.

Seite aus PawneeDas mit dem Wiedersehen ist auch das größte Manko des Bandes, um einmal mit den negativen Aspekten zu beginnen. Konsequent setzt Prugne die Parallelmontage ein und erzählt im ständigen Wechsel die Reisen der zwei Hauptfiguren. Ein wesentlicher Punkt der Spannung besteht nun einmal in der Frage, ob sie sich finden und begegnen werden, schließlich ist das der eigentliche Grund der Reise. Bei all den Gefahren, bei denen man ohnehin mit den Figuren mitfiebert, ist das der zentrale offene Punkt.

Und wie leichtfertig wird er am Ende verschenkt, indem Prugne überhaupt nicht darauf eingeht. Was wird da nur für ein emotionales und dramatisches Potenzial verschenkt. Hat Prugne sich nicht getraut? War er sich nicht sicher, ob das nicht zu kitschig werden würde? Aber das Wiedersehen überhaupt nicht zu erzählen, ist eine Art Betrug am Leser und entlässt ihn mit einem üblen Gefühl aus der Geschichte, was sie beileibe nicht verdient hat. Zum einen kann man nämlich von Prugnes Aquarellbildern nie genug bekommen. Wie er die Landschaft einfängt und ihr huldigt, wie seine Figuren sich in ihr verlieren und ein Teil von ihr werden, ist wunderschön und lässt einen von der damaligen Zeit träumen. Man fühlt sich unweigerlich in eine Kindheit voller Lederstrumpf-Romane versetzt und reitet mit. Zum anderen ist auch die Story spannend. Denn neben der Reiseerzählung ist Pawnee auch ein Actionkrimi, in dem einer nach dem anderen von einem Indianer ermordet wird und der Held sich in einer Verstrickung gefangen sieht, aus der er nicht entkommen kann. Leider wird er nicht aktiv und seine Erlösung kommt nur von außen.

Generell bleiben die Figuren eher blass und die Story ist zugegeben etwas dünn. Prugne hatte offenbar Mühe, in den Weiten des Westens eine Geschichte zu finden. Da waren ihm, wieder einmal, die Bilder wichtiger. Und die sind ein Fest fürs Auge, wenngleich seine Figuren sich dem Stil von Loisel immer mehr angleichen.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Auch wenn das Ende schon fast ein Betrug am Leser ist, ist die Reise dorthin wunderschön und spannend.

 

Pawnee
Splitter Verlag, Juli 2014
Text und Zeichnungen: Patrick Prugne
Übersetzung: Tanja Krämling
104 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-656-1

Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Dieter Lumpen Gesamtausgabe

Cover Dieter LumpenDieter Lumpen ist eine Comicserie, die im Original zwischen 1986 und 1994 entstand. Entwickelt wurde sie vom argentinischen Szenaristen Jorge Zentner und dem spanischen Zeichner Rubén Pellejero, die unter anderem bei den Comics FM – Auf richtiger Wellenlänge und Die Memoiren des Mr. Griffaton kollaborierten. Im Zentrum steht dabei die titelgebende Figur Dieter Lumpen, eine Art Abenteurer, der im frühen 20. Jahrhundert durch die Welt reist und immer wieder in gefährliche Situationen gerät.

Den Beginn der deutschen Gesamtausgabe bilden acht Kurzgeschichten, die Lumpen bereits als seltsam unnahbaren Globetrotter skizzieren. In drei weiteren albenlangen Geschichten mit unterschiedlichem Umfang setzt sich die Beschreibung des ruhelosen Protagonisten schließlich fort. Beunruhigend sprunghaft durchquert Dieter Lumpen die Kontinente, besucht die Türkei, Israel, Griechenland, Brasilien, China oder die Karibik. Beinahe beiläufig wird zu Beginn der jeweiligen Episoden erwähnt, wo sich Lumpen nun aufhält, und es wird in groben Zügen dargelegt, warum es ihn dorthin verschlagen hat.

Doch seine Herkunft, seine grundsätzliche Motivation, gar seine abschließende Charakterisierung bleiben dabei in weiten Teilen außen vor. Ist Lumpen ein Abenteurer? Ein Opportunist? Ein Krimineller? Das Bild des huttragenden Schönlings bleibt unscharf. Mal ist er ein harmloser Angestellter, der sich als Chaffeur oder Ballonfahrer engagieren lässt, zumeist von Freunden oder hilfebedürftigen Menschen, mal scheint er ein egoistischer skrupelloser Kleinkrimineller zu sein, der jede sich bietende Chance auf Profit sofort am Schopfe packt.

An dieser Stelle hat diese Comicreihe etwas Bemerkenswertes geschafft: Die bewusste Nicht-Definierung der zentralen Figur bei gleichzeitiger Aufwertung des eigentlichen Szenarios. Im Interview am Ende des Bandes drückt Jorge Zentner unmissverständlich seine damalige Intention aus, Dieter Lumpen als letztlich fast austauschbares Stilmittel zu brandmarken, um ihn damit aus dem erzählerischen Kontext herauszulösen. Situative Faktoren stehen dabei im Vordergrund, das heißt, die Figur verschlägt es eben beispielsweise nach Haifa, weil Zentner im dortigen Setting eine bestimmte Handlung verortet sehen möchte.

Seite aus Dieter LumpenDas erklärt auch, warum Lumpen keinen festen Beruf hat, warum er permanent die Orte (gar die Kontinente) wechselt und er auch sonst in kein klassisches Gut/Böse-Schema passt, wie sie sonst viele Comics vorleben. Er entzieht sich dem Leser, bleibt ungreifbar. Das macht eine menschliche Identifikation schwierig bis unmöglich, ist jedoch aus künstlerischer Sichtweise ein interessantes Experiment.

Die einzelnen Folgen sind demnach auch eher durch die ständig rotierenden Handlungsorte und die knackig vorangetriebenen Plots geprägt. Meist dreht es sich hier um fein aufgebaute Ganovengeschichten vor exotischer Kulisse. Gewürzt wird das Ganze mit allerlei Affären und dem ein oder anderen subtilen Schuss Sozialkritik. Alles in allem eine tolle Mischung.

Für den überdurchschnittlich guten Gesamteindruck dieser Comicreihe sorgt aber auch im hohen Maße Zeichner Rubén Pellejero. Mit feinem Strich und einem hervorragendem Gespür für Perspektiven und Schattierungen sorgen seine Bilder erst für die richtige Atmosphäre. Gerade durch die eher groß angelegten, weitläufigen Panels kommt Pellejeros Stil gut zur Geltung. Nicht von ungefähr ist es Zeichnerkollege Tim Sale, der für die vorliegende Gesamtausgabe ein Vorwort verfasst hat. Denn die Grafik in Dieter Lumpen erinnert mit ihrem starken Spiel der Schwarzflächen durchaus an die Arbeiten eines Tim Sale oder Eduardo Risso. Am auffälligsten ist dies bei den ersten vier Kurzgeschichten, da diese zuerst als Schwarz-Weiß-Comics konzipiert waren.

Finix Comics hat sich entschlossen, alle Kurzgeschichten und Alben (von denen eines zuvor noch nicht auf Deutsch erschien) der Serie in einer fetten Gesamtausgabe zu bündeln. Neben dem bereits erwähnten Vorwort gibt es zusätzlich noch Interviews mit Autor und Zeichner, eine Covergallerie und Skizzenmaterial. Das Ergebnis ist eine vorbildliche Gesamtausgabe einer ohnehin empfehlenswerten Comicserie.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Dieter Lumpen ist eine lohnenswerte Wiederentdeckung. Die Gesamtausgabe lässt keine Wünsche übrig.

 

Dieter Lumpen Gesamtausgabe
Finix Comics, Juni 2014
Text: Jorge Zentner
Zeichnungen: Rubén Pellejero
Übersetzung: Oriol Schreibweis
304 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 39,80 Euro
ISBN: 9783941236967

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Finix Comics

Jim Henson’s Tale of Sand

Cover Tale of SandDer Name Jim Henson ist heute untrennbar mit so legendären Produktionen wie der Muppet Show oder der Sesamstraße verbunden. In einer frühen Phase seines Schaffens, zwischen 1967 und 1974, entwickelte Henson zusammen mit seinem langjährigen Kollegen Jerry Juhl das Drehbuch zu Tale of Sand, einem geplanten Film über einen wirren Roadtrip, eine Wüsten-Dramedy. Da sich kein Studio fand, das bereit war, den Streifen zu produzieren, verschwand das Skript bis vor kurzem in der Schublade.

Nicht zuletzt dem Einsatz von Hensons Tochter ist es zu verdanken, dass Tale of Sand nun doch das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte. Nicht als Kinofilm, aber immerhin in Form eines Comics. Für die Umsetzung hat man Zeichner Ramón K. Pérez beauftragt, der aus dem Stoff ein einzigartiges Druckwerk fabrizierte.

Die Handlung setzt unvermittelt ein. Die Hauptfigur, der lässige Hemdträger Mac, steht im Zentrum einer Party in einer Art Wildwest-Städtchen. Während um ihn herum Clowns, Hulamädchen und eine Jazzband wuseln, drückt ihm der Sheriff eine Karte und einen Schlüssel in die Hand und entlässt ihn allein in die Wüste. Scheinbar ein geplantes Happening, in dessen Zentrum Macs Durchquerung der Wüste stehen soll. Nur weiß dieser weder, wo er ist, noch was das Ganze soll.

Diese ersten Seiten des Comics sind gewissermaßen die Einleitung zur eigentlichen Odyssee des Protagonisten. Wie in einem Drogenrausch bebildert Pérez die Szenerie collagenartig und möglichst bunt. Danach wird es (zumindest ein wenig) gediegener, auch farblich: Oft sind hier Ausschnitte oder ganze Panels monoton koloriert und ganz fein mit dem Rest der entsprechenden Seite abgestimmt. Die Anordnung der Bilder ist nicht mehr ganz so fragmentiert wie eingangs, aber immer noch höchst unkonventionell und unvorhersehbar.

Macs Reise wird dabei zur Flucht vor allerlei tödlichen Gefahren. Was ihm in der Wüste so alles begegnet, ist in wenigen Zeilen gar nicht aufzuzählen. Ansonsten ist man an solchen Orten ja eher einsam, in Tale of Sand dagegen bevölkern Limousinen, Panzer, Großwildjäger oder Haie die Wüste, der Rucksack entpuppt sich als Hort für allerlei sinnfreie Kuriositäten, am Pool wartet eine örtliche Schönheit. Als Antagonisten fungieren bevorzugt ein mysteriöser Typ mit Augenklappe sowie ein ungleiches Duo, bestehend aus einem arabischen Krieger und einem Footballspieler.

Seite aus Tale of SandDer gesamte Plot ist surreal und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, worauf die Autoren eigentlich hinaus wollten. Denn die Interpretationsmöglichen sind am Ende doch vielfältig. Die Stilistik ist jedenfalls bemerkenswert. In Tale of Sand läuft eine Dramaerzählung vor einer irrealen Cartoon-Kulisse ab. Das Ergebnis ist verstörend, aber auch ungemein humorvoll. Es wäre sicher interessant zu sehen, wie das Drehbuch als Film ausgesehen hätte.

Was dank Ramón K. Pérez daraus entstanden ist, ist ein wunderschönes Comicbuch. Ihm gelingt es, die über weite Strecken wortlose Erzählung in eine faszinierende Bildsprache zu übersetzen. Nicht von ungefähr wurde dieser Comic mit drei Eisner- und zwei Harvey-Awards belohnt. Hensons und Juhls Vorlage war gut, aber ohne die Arbeit von Pérez wäre daraus niemals so ein großartiges Endprodukt entstanden. Die schicke deutschsprachige Hardcover-Ausgabe enthält als Bonus unter anderem ein Interview mit Pérez, Skizzenmaterial und ein Nachwort von Jim Hensons Tochter Lisa.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Absurd, humorvoll, tragisch. Diese Comicumsetzung eines alten Drehbuchs ist schlichtweg herausragend.

 

Jim Henson’s Tale of Sand
dani books, März 2014
Text: Jim Henson, Jerry Juhl
Zeichnungen: Ramón K. Pérez
Übersetzung: Jano Rohleder
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24 Euro
ISBN: 978-3-944077-41-3
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: dani books

Schattenspringer

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Cover SchattenspringerDie Kindheit war wunderschön … So verklären wir diese frühen Jahre im Nachhinein später zumindest gerne. Aber war damals wirklich alles so perfekt? Kinder können grausam zueinander sein; erst recht, wenn man das Gefühl hat oder den Eindruck vermittelt bekommt: Du bist nicht wie wir, du gehörst nicht zu uns.

Die 1980 in West-Berlin geborene Comiczeichnerin, Autorin und Illustratorin Daniela Schreiter schildert in ihrem autobiographischen Comicdebüt Schattenspringer ihre Kindheit, Schulzeit und den Beginn ihres Studiums. Daniela ist Asperger-Autistin; was hinter diesem Begriff steht, wird im Vor- und Nachwort des Comics erläutert: Es handelt sich um eine Behinderung, um eine Entwicklungsstörung. Dass damit nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile verbunden sind, war kürzlich erst wieder in den Medien, etwa in der WDR-Sendung Quarks & Co., zu sehen. Autisten haben oft Schwierigkeiten, Menschen in die Augen zu sehen, dafür erkennen einige von ihnen Details, die anderen Menschen entgehen – ein riesiger Vorteil beim Entdecken von Fehlern in Zahlenreihen, etwa beim Programmieren. Aber nicht jeder Autist ist ein Supergenie, wie er im Film Rain Man oder in der TV-Serie The Big Bang Theory zu sehen ist. Jeder Autist ist ein Individuum, und die Formulierung „unter Asperger leiden“ ist dabei diskriminierend – das ist ein wichtiges Anliegen von Daniela Schreiter.

Das Cover und auch der Inhalt von Schattenspringer sind von einer Lieblingsgeschichte Schreiters beeinflusst: von Der kleine Prinz (1943) von Antoine de Saint-Exupéry, dem berühmten illustrierten Buch für Kinder und Erwachsene, in dem der Protagonist den Planeten Erde aus Sicht eines Kindes betrachtet, das sich wie ein Außerirdischer fühlt, fremd und teils verwirrt von den seltsamen Gebräuchen der Einheimischen.

„Ihr seid mir zu kindisch“, sagt die kleine Daniela in einer Szene und merkt dann, dass sie doch selbst ein Kind ist. Vieles, was ihr passierte, könnte auch anderen passieren, etwa Menschen mit Depressionen, Rollstuhlfahrern, Migranten, Kindern, deren Eltern beim Kauf der neuen Turnschuhe und Smartphones nicht mithalten können oder wollen und so weiter – es gibt so viele Wege, von der Norm abzuweichen, und darum geht es in diesem Comic ja vor allem, wie der Untertitel bereits ankündigt: „Wie es ist, anders zu sein“.

Seite aus SchattenspringerZeichnerisch erinnert einiges an Schloggers Panini-Debüt danach und an Flix. Die Zeichnungen sind meist niedlich und drollig. Wenn die Figuren laut aufschreien, gemahnt das an Szenen aus den Peanuts. An einigen Stellen zeichnet sich Daniela mit Antennen auf dem Kopf, um zu signalisieren, dass sie sich wie eine Außerirdische fühlt, so wie wir es von einigen meist humoresken Darstellungen von Marsmännchen kennen.

Die Stimmung schwankt zwischen heiter, amüsiert, betrübt und sachlicher Beobachtung des Verhaltens ihrer Mitschüler. Schreiter verdeutlicht sehr gut, wie immens die Reizüberflutung für sie ist, denn ihr Gehirn kann nicht zwischen wichtig und unwichtig filtern, somit ist für sie vieles schwieriger als für andere, aber manches eben auch leichter: So ist sie eine Einser-Schülerin, findet es aber unerträglich, wenn Stoff zu nah an ihrer Haut liegt. Ein Mädchen, dem Berührungen weh tun – Superhelden-Leser denken spontan an Rogue von den X-Men, und tatsächlich hält Daniela den Lesern ein Heft mit Marvels Helden entgegen.

Das Cover und die Inhaltsangabe ließen mich einen schweren, vielleicht auch süßlichen Stoff erwarten, doch dieser Eindruck wurde bereits nach den ersten Seiten korrigiert. Der Comic ist nicht belehrend, nicht deprimierend, sondern wunderbar leicht und stellenweise ausgesprochen lustig erzählt. Wenn Daniela Wortspiele wörtlich nimmt und ihr die Schwalbe, die angeblich einen Sommer machen soll, dafür „einen Vogel zeigt“, kann man laut auflachen!

Wohl jeder Leser, Autist oder nicht, wird in diesem Comic Elemente aus der eigenen Schulzeit wiederentdecken. Außerdem erweitert Daniela den Horizont der Leser, denn viele ihre Ansichten sind originell und erfrischend – wie bei manchen psychologischen Bildern, bei denen unsere Erwartungshaltung bestimmt, was wir darauf erkennen.

Statt abstrakter Zeitungsartikel und TV-Berichte über Inklusion Schattenspringer lesen – und man ist dem Verständnis dieses Themas einen riesigen Schritt näher gekommen. Ein ebenso pädagogisch wertvoller, zutiefst humanistischer als auch extrem kurzweiliger Comic. Eine Fortsetzung des Comics, dessen Erstauflage bereits ausverkauft ist, ist für 2015 geplant.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Tröstlich, berührend und lustig

 

Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein
Panini Comics, März 2014

Text und Zeichnungen: Daniela Schreiter
Extras: Einleitung und Erläuterung des Asperger-Autismus von Benjamin Falk, Vorwort von Daniela Schreiter
160 Seiten, schwarz-weiß mit 9 Farbseiten, Hardcover
Preis: 19,99 Euro
ISBN: 978-3-86201-950-2
Leseprobe

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Abbildungen: © Daniela Schreiter/Panini Comics 

 

Blam! Blam! Blam! – Ein Comic(ver)führer

alt

Cover Blam! Blam! Blam!Gibt es in der deutschen Comic-Kritik zu wenige Verrisse? Diese Frage wurde auf einem Diskussionspanel während des Comic-Salons 2014 diskutiert und sie wurde unter anderem mit der Bemerkung gekontert, es sei weniger die Aufgabe von Rezensionen, zu verreißen, als vielmehr, zum Lesen zu verführen. Fast könnte man meinen, als hätte Frank Schäfer diese Diskussion mitbekommen (was nicht möglich ist), trägt sein erstes Buch über Comics doch den ebenso programmatischen wie zweideutigen Untertitel „Ein Comic(ver)führer“.

Unkritisch ist Herr Dr. phil. Schäfer, der als Musik- und Literaturkritiker unter anderem auch für den Rolling Stone, die taz oder Zeit Online schreibt, dabei allerdings keineswegs. Ulli Lusts jüngstem Werk, der überaus gelungenen Adaption von Marcel Beyers makabrem Roman Flughunde, beispielsweise attestiert er, mit der Häufung des Stilmittels der Onomatopoesie „hilflos-infantil und der existenziellen Grundsituation formal nicht annähernd gewachsen“ zu sein. Dennoch lobt er Ulli Lusts visuellen Einfallsreichtum und findet ihre Stärken beispielsweise in der „Visualisierung des Unaussprechlichen“ oder darin, wie sie „ganz unmittelbar, mit ein paar wenigen Strichen“ die Atmosphäre der Orte auf den Punkt genau darstellen kann und damit auf artifizielle Weise das Erzählte kommentiert.

An anderer Stelle bezeichnet er Will Eisners Spirit-Comics als „manchmal abstrus, unmotiviert, trivial“ und mit einer „allzu entschiedene[n] Richtung ins Volkspädagogische“. Dennoch erkennt Schäfer die Virtuosität, die Originalität und die Innovationskraft Eisners und bezeichnet Eckart Schotts Gesamtausgabe als „liebevoll[…], splendid[…], nicht genug zu loben[…]“.

Mit diesen Beispielen sollte die Haltung Frank Schäfers ausreichend dargelegt sein: Ein Gegenstand muss in seinen Augen nicht perfekt oder makellos sein, es reicht vollends, wenn er aufrichtig, faszinierend, vielleicht auch einzigartig ist. Die Dinge mit all ihren Stärken und Schwächen zu lieben, das zeichnet den wahren Fan aus, und Frank Schäfer ist dies durch und durch und zeigt uns das auch. Er hat uns mit seinem kleinen Büchlein ein schönes Spektrum an wirklich interessanten Comics zusammengestellt und umschifft dabei gekonnt das allzu Offensichtliche und Abgegriffene. Nach einem kurzen Abriss über amerikanische Superheldencomics und Zeitungsstrips, der ein klein wenig wie eine Pflichtübung wirkt, nimmt uns der Autor in immer wieder neue Nischen des modernen Comics mit. Er lässt uns teilhaben an seiner Faszination für Künstler wie Charles M. Schulz, Robert Crumb, Mawil, Reinhard Kleist, Gipi, Chester Brown, Sascha Hommer, Jiro Taniguchi oder Tardi und stellt so unterschiedliche Schlüsselwerke wie Stuck Rubber Baby, Blankets oder auch The Walking Dead vor, dass man sofort mit dem Lesen beginnen möchte.

  

Wertung: 8 von 10 Punkten

Verführung gelungen, Befriedigung garantiert. Mit dem Comicverführer von Frank Schäfer macht man sicher keinen Fehlgriff.

 

Blam! Blam! Blam! – Ein Comic(ver)führer
Andreas Reiffer Verlag, Juni 2014
Text: Frank Schäfer
128 Seiten, Kurzessays mit Bildbeispielen, Softcover
Preis: 9,90 €
ISBN: 978-3-934896-76-5
Leseprobe

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Abbildungen: © Andreas Reiffer Verlag 

Vom Glanz der alten Tage

Cover Vom Glanz der alten TageNach längerer Pause erschien in der Edition 52 nun endlich wieder ein neues Comicwerk des kanadischen Künstlers Seth (i.e. Gregory Gallant) in deutscher Sprache. In Vom Glanz der alten Tage begibt er sich tief in die traditionsreiche Historie des kanadischen Cartoons und lässt dessen Hochzeiten noch einmal bildhaft aufleben.

Doch dabei ist Vorsicht geboten: Wie in seinen bisherigen Arbeiten über einen Witzzeichner (Eigentlich ist das Leben schön), einen Ventilatorhersteller (Clyde Fans) und einen legendären Comicsammler (Wimbledon Green) führt Seth den Leser auch hier in die Irre. Denn die meisten der erwähnten Cartoonisten existieren gar nicht. Deren oft skurrile Schöpfungen, von denen Seth ausschweifend und enthusiastisch berichtet, folglich auch nicht. Und die in diesem Buch zentrale Vereinigung der „Great Northern Brotherhood of Canadian Cartoonists“ (G.N.B.C.C.), eine Mischung aus elitärem Herrenclub und Kunstmuseum mit mehreren Außenstellen? Natürlich frei erfunden.

Vom Glanz der alten Tage ist in diesem Sinne ein typischer Seth-Comic, der auch in seinen bisherigen Werken besonderen Spaß daran hatte, fiktive Biografien mit viel Herzblut und Detailverliebtheit dermaßen authentisch darzustellen, dass man ohne nachträgliche Recherche kaum mehr Fakten von Fiktion trennen kann. Wenngleich einige Begebenheiten, wie die Erzählung über das nördliche G.N.B.C.C-Archiv im Iglu-Design, schon auf den ersten Blick zu absurd sind, um real zu sein.

Seite aus Vom Glanz der alten TageEin unbekannter Erzähler führt den Leser einmal durch alle Räume des Hauptgebäude des G.N.B. Double C. Die Stimme erklärt die wichtigsten Merkmale, Kunstwerke, Decken, Ornamente. Nebenbei liefern Anekdoten über ehemalige Mitglieder des Vereins den passenden Hintergrund. So bekommt der Leser einen Abriss über die Glanzzeiten des kanadischen Cartoons und über dessen Verfall präsentiert.

Diese Schilderungen sind durchaus interessiert, wenngleich man sich deren mangelnden Wahrheitsgehalts stets bewusst ist. Seth erzählt akribisch, taucht tief ein in seine eigens kreierte Welt und schwadroniert von berühmten Cartoonfiguren und wie sie das Leben der Menschen bereicherten. Diese Begeisterung überträgt sich zum Teil auch auf den Leser.

Allerdings ist die streng geordnete Erzählstruktur in (fast ausschließlich) neun gleichförmigen Panels pro Seite und die fortdauernde Aneinanderreihung von Ortsbeschreibungen, Beispielen und biografischen Fakten auf Dauer doch etwas ermüdend. Im Vergleich zu den überaus lohnenswerten Vorgängern lässt Seth hier eine kohärente Handlung vermissen. Erzählt wird ausschließlich aus dem Off, eine emotionale Bindung des Lesers bleibt aus.

So ist Vom Glanz der alten Tage ein eigentümliches Buch, das sich Seth-typisch in purer Nostalgie ergeht, aber dabei leider unnahbar bleibt.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Mühevolle Aufarbeitung mit guten Momenten; leider recht schnell ermüdend

 

Vom Glanz der alten Tage
Edition 52, Juli 2014
Text und Zeichnungen: Seth
Übersetzung: Frank Plein, Thomas Schützinger
136 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 25 Euro
ISBN: 9783935229159
Leseprobe

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Abbildungen: © Seth, der dt. Ausgabe: Edition 52

The Return of the First Avenger

DVD Cover The Return of the First AvengerCaptain America: The Winter Soldier
USA 2014
Regie: Anthony und Joe Russo
Hauptdarsteller: Chris Evans (Steve Rogers/Captain America), Sebastian Stan (James Buchanan „Bucky“ Barnes/Winter Soldier), Anthony Mackie (Sam Wilson/Falcon), Scarlett Johansson (Natascha Romanoff/Black Widow), Samuel L. Jackson (Nick Fury), Robert Redford (Alexander Pierce), Cobie Smulders (Maria Hill)

 

Offenbar hatte man beim Disney-Konzern Angst vor dem Namen Captain America und wollte lieber dessen Verbindung zu den Avengers noch einmal herausstreichen. Also gab man Marvels zweitem Cap-Film in Deutschland den etwas umständlichen Namen The Return of the First Avenger. Der ist jetzt auf DVD und BluRay bei uns erschienen.

Im Original heißt der Film Captain America: The Winter Soldier, was deutlich sinnvoller ist, weil das die beiden wichtigsten Personen im Film sind. Nachdem man im ersten Teil von 2011, Captain America: The First Avenger, die Ursprungsgeschichte des Supersoldaten erzählt hat, die überwiegend zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielte, ist man im zweiten Teil in der Gegenwart angelangt. Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans) arbeitet nach 70 Jahren Kälteschlaf nun für S.H.I.E.L.D., die mächtige Geheimorganisation des Marvel-Universums unter Leitung von Nick Fury (Samuel L. Jackson).

Szene aus The Return of the First AvengerNach einem Einsatz auf einem gekaperten Schiff muss er erfahren, dass S.H.I.E.L.D. an einem geheimen Großprojekt arbeitet: Project Insight ist ein globales Überwachungssystem mit dem Ziel, terroristische und kriegerische Bedrohungen auszulöschen, noch bevor sie wirksam werden. Für den aus einer anderen Generation stammenden Steve Rogers stellt ein solcher Apparat, der Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, einen Affront dar. Im Laufe der Handlung wendet sich der Captain gegen die S.H.I.E.L.D.-Organisation und wird, unterstützt von Avengers-Kollegin Black Widow (Scarlett Johansson) zu einer Art Deserteur und Staatsfeind, der versucht, den Start von Project Insight zu verhindern. Dazu kommt dann noch die Bedrohung durch den geheimnisvollen Winter Soldier, ein Terrorist mit Superkräften, der es auf Nick Fury und Cap abgesehen hat.

Der Konflikt Freiheit vs. Sicherheit ist das zentrale Thema von Captain America 2. Damit befindet man sich voll auf der Höhe des politischen Zeitgeists, denn diese Diskussion wird auch in unserem realen Universum auf vielen Ebenen diskutiert. Der NSA-Skandal, die Vorratsdatenspeicherung, der Einsatz von Drohnen – all das schwingt sehr deutlich mit in diesem Film. Dass er solche Fragen aufwirft und sich dabei auch noch auf der eher liberalen Seite einordnet, ist durchaus überraschend für einen Film, der doch in erster Linie große Popcorn-Unterhaltung sein will. Politische Untertöne oder gar Statements erwartet man im Zeitalter der endlosen Transformers-Fortsetzungen schon lange nicht mehr vom Mainstream-Kino, und auch der Superheldenfilm hat sich – mit Ausnahme von Christopher Nolans Batman-Filmen – bislang nicht damit hervorgetan.

Szene aus The Return of the First AvengerDiese neue, unvorhergesehene Beimischung zu Marvels überaus erfolgreichem Kinorezept ist auf jeden Fall zu begrüßen und tut dem Film sehr gut. Anstelle der etwas drögen Kriegsfilm-Reminiszenzen des ersten Teils tritt nun ein deutlicher Gegenwartsbezug, was den Film sehr viel frischer und moderner wirken lässt als den Vorgänger.

Ein ernsthafter Politthriller, wie in manchen Rezensionen zu lesen war, ist The Winter Soldier deshalb noch lange nicht. Auch wenn man Robert Redford gecastet hat, der die S.H.I.E.L.D.-Führungskraft Alexander Pierce spielt und damit Erinnerungen an 70er-Jahre-Politthriller wie Die drei Tage des Condor weckt, bleibt der Film in erster Linie ein großes Action-Abenteuer mit viel Krawumms und Krawall – nur eben mit einem interessanten gesellschaftspolitischen Unterbau.

Was die Action angeht, gelingen dem Regie-Bruderpaar Anthony und Joe Russo, das bislang keine Erfahrung in dem Genre hatte, sondern vor allem bei der Comedyserie Community Regie führten, einige schöne Momente. Hervorzuheben ist hier vor allem eine Verfolgungsjagd im Straßenverkehr mit Nick Fury, die in ihrer schönen Mischung aus Kinetik, Zerstörung und Humor im besten Sinne an John Landis‘ Blues Brothers erinnert.

Szene aus The Return of the First AvengerÜberhaupt ist der Humor ein nicht zu unterschätzendes Element in diesem Film. Vor allem in den Dialogsequenzen zwischen Captain America und der Black Widow sowie mit dem neu eingeführten Sidekick Sam Wilson alias The Falcon (Anthony Mackie) gibt es immer wieder kleine Gags und Schmunzler, die zeigen, dass sich das Marvel-Filmuniversum nicht übertrieben ernst nimmt (was es auf sehr angenehme Weise von den oft so verkrampft-düsteren DC-Filmen unterscheidet).

Im letzten Drittel verliert sich der Film leider allzu sehr im Bemühen, einen gewaltigen Showdown zu inszenieren. Die leisen Töne kommen dann zu kurz und die politischen Untertöne werden mehr und mehr vernachlässigt. Schade ist auch, dass die Figur des Winter Soldier, die dem Film immerhin den Namen gegeben hat (zumindest im Original), furchtbar blass bleibt. Wir erfahren nie so recht, was diesen Kerl eigentlich antreibt und warum er so handelt, wie er handelt. Letztlich bleibt er – trotz einer emotionalen Enthüllung am Ende – ein unterdurchschnittlicher Standard-Bösewicht.

Szene aus The Return of the First AvengerWettgemacht werden diese Schwächen durch die Spielfreude des Heldentrios Cap, Black Widow und Falcon, durch die stets sehr coolen Szenen mit Nick Fury, der hier mehr Raum bekommt als in allen anderen Marvel-Filmen zuvor, und die Auftritte von Altstar Robert Redford, der hier gar nicht so fehl am Platze wirkt, wie man befürchten könnte.

Alles in allem ist The Winter Soldier, Entschuldigung: ist The Return of the First Avenger ein überraschend guter Superheldenfilm, der sogar den Zuschauern gefallen könnte, die mit dem ersten Teil nicht viel anfangen konnten. Und obendrein gelingt ihm das, was im Marvel Cinematic Universe vielleicht das wichtigste ist: Er macht Lust auf die nächsten Marvel-Filme.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Gelungenes Superheldenspektakel mit aktuellen politischen Untertönen

 

Erschienen ist The Return of the First Avenger am 14.8.2014 in unterschiedlichen Formaten:
als Blu-Ray sowie 3D-Blu-Ray mit Regiekommentar und zahlreichen Extras sowie als spärlich ausgestattete DVD. Außerdem gibt es den Film auf diversen Video-On-Demand-Plattformen.

DVD:
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Blu-Ray-Disc:
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3D Blu-Ray-Disc:
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Abbildungen: © Marvel Entertainment / Walt Disney Studios Home Entertainment

 

Links der Woche 27/14: Da Ya Think I’m Sexy?

Unsere Links der Woche, Ausgabe 27/2014:

 

„Irgendeine Krise ist immer“ oder: „Man muss lieben, was man macht“ – Was ist heute wichtig für Zeichner & Autoren?
Tötlëgër, Sylvia Marquardt
Sylvia Marquardt war auf dem Comic-Salon unterwegs, um den gemeinsam mit Holger Wetscheck geschaffenen Comic Tötlëgër vorzustellen, und hat mit verschiedenen Comicverlegern gesprochen. Daraus entstand ein informativer Artikel, in dem sie die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Gesprächen zusammenfasst.

Comic-Journalismus: Diese Bilder sind nicht lustig
European Journalism Observatory, Wibke Weber
Die Medienwissenschaftlerin Dr. Wibke Weber stellt ein Forschungsprojekt vor, das sich mit Comic-Journalismus beschäftigt – in diesem Fall ist der Journalismus in Comicform gemeint, also journalistische Tätigkeit in der Darstellungsform des Comics, wie sie vor allem durch Joe Sacco bekannt wurde.

Podcasts und Comics – eine Allianz?
Comic-Community, Steffen Liebschner
Steffen Liebschner gehört zu den Machern des Comic-Podcasts Comic-Cookies und beschreibt in diesem Artikel, wie man sich in einem Nischenmedium mit einem anderen Nischenmedium beschäftigen kann. Zusätzlich enthält der Text einige Links zu deutschsprachigen Comic-Podcasts.

Deutschlands erstes Manga-Cafe in Düsseldorf eröffnet
Yagami Okami, Kaito Cross
In Düsseldorf, der Stadt in Deutschland, in der die meisten japanischstämmigen Menschen leben, hat vor kurzem ein Manga-Cafe nach japanischem Vorbild eröffnet. Man bezahlt dort nach der Länge seines Aufenthalts und kann in einer reichhaltigen Mangabibliothek schmökern.

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Deutsch-Französisches Forum junger Kunst
Neu auf dieser Seite, auf der diverse Publikationen des Deutsch-Französischen Forums junger Kunst zur Verfügung stehen, ist die siebte Ausgabe von Schick (PDF) die in diesem Sommer beim jährlichen Comic-Workshop des Forums in Leipzig entstanden ist. Insgesamt 64 Seiten mit Beiträgen von zehn jungen KünstlerInnen.

Zeichnermeile
zeichnermeile.de, Keichi
Es gibt eine immer reichhaltigere Auswahl von gedruckten Comics, die oft in sehr kleinen Auflagen von den Künstlern selbst hergestellt und überwiegend auf Messen und im Direktversand verkauft werden. Zentrale Online-Shops für solche Publikationen, die im regulären Buch- oder Comichandel nicht oder nur marginal vertreten sind, gibt es nur wenige, z.B. den Freibeuter-Shop oder Kwimbi. Das neue Portal Zeichnermeile könnte eine Anlaufstelle für selbstverlegte Manga, zu Deutsch Doujinshi, werden. Hier können die KünstlerInnen ihre eigenen Bücher, Artworks und ähnliche Artikel in eigenen kleinen Shops einstellen, das Prinzip folgt Vorbildern wie Dawanda oder Etsy. Momentan steckt die Zeichnermeile noch in der Startphase – wenn sich genug ZeichnerInnen beteiligen, könnte das für Anbieter und Kunden ein tolles Projekt werden.

New Spider-Woman comic cover condemned for ‚blatant sexualisation‘
The Guardian, Alison Flood
Netz-Aufreger der Woche: Das erste Heft der bald neu startenden Marvel-Serie Spider-Woman bekommt ein Variantcover von Milo Manara, dem 68-jährigen Italiener, der für seine erotischen Comics berühmt ist und seit ein paar Jahren gelegentlich für Marvel arbeitet. Das Cover zeigt die Titelheldin auf allen Vieren in einer Pose, die man vielleicht sexy, vielleicht aber auch sexistisch finden könnte. Es hagelte jedenfalls Kritik, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich zuletzt der Eindruck einstellte, dass es Marvel mit einigen neuen Serien zunehmend gelingt, auch eine weibliche Leserschaft anzusprechen. Diese Bemühungen reißt man mit solchen Covern dann mit dem Hinterteil wieder ein (sorry for the pun!). Interessant dazu auch die Meinung von Comiczeichnerin Amy Reeder (The word that changes everything for me is ‚personhood’”) und die Reaktion von Milo Manara selbst, der schlichtweg nichts verstanden hat (”It’s not my fault if women are like that”).

Let’s Get Naked – 23 Female Cartoonists on Drawing Their Bodies
Buzzfeed, Kristen Radtke
Die Darstellung des weiblichen Körpers in Comics ist ein leidiges Thema, was die eben beschriebene Spider-Woman-Geschichte abermals bewiesen hat. Das liegt unter anderem auch daran, dass die männlichen Zeichner lange Zeit extrem in der Überzahl waren, was sich erst langsam ändert. Der hier verlinkte “Listicle” zeigt in vielen Beispielen, wie Zeichnerinnen (nackte) Frauen zeichnen. Der Unterschied zu Zeichnern wie Manara ist offensichtlich. 

Usagi Yojimbo – „The Last Request“
YouTube, LintikaFilms
Ein siebenminütiger Kurzfilm zeigt, wie eine Verfilmung von Stan Sakais Samuraihasencomic aussehen könnte, und zwar als Puppentrickfilm in Stop-Motion-Technik. Mit diesem Kurzfilm überzeugte die Firma Lintika Films Stan Sakai davon, ihr die Filmrechte für Usagi Yojimbo zu geben. Nun arbeitet man an einem abendfüllenden Film, der auf DVD veröffentlicht werden soll.

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Stanford biologist explains science of origin stories of Captain America and the Incredible Hulk
Stanford University, Bjorn Carey
Der Biologe Sebastian Alvarado versucht wissenschaftlich zu erklären, was bei der Transformation von Bruce Banner zum Hulk und von Steve Rogers zum Supersoldaten genetisch passiert. Dazu gibt es jeweils ein kurzes YouTube-Video (Hulk, Captain America).

The REAL League of Extraordinary Gentlemen
Vimeo, Florian Liedtke
Als Studienprojekt bastelte der Hamburger Designstudent Florian Liedtke einen Vorspann für eine fiktive Verfilmung von Alan Moores League of Extraordinary Gentlemen, an dessen tatsächliche Kinoadaption wir uns lieber nicht erinnern wollen. Er animiert dafür das Original-Artwork von Kevin O’Neill zu einem sehr gelungenen Clip:

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Danger Girl und Die Armee der Finsternis

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Cover Danger Girl und Die Armee der FinsternisDanger Girl, das sexy Spionage- und Abenteurer-Team, und Ash Williams, der kultige Typ mit der Kettensägenhand aus der Evil Dead-Reihe: Das klingt nach einer ungewöhnlichen Genre-Kombination. Das entstandene Comic-Crossover ist jedoch überraschend vergnügliche Actionkost.

Eine böse Organisation hat sich das Buch der Toten, das Necronomicon, unter die Nägel gerissen und möchte die Erde mit einer Armee von Zombies heimsuchen. Grund genug für Danger Girl Abbey Chase und ihre Kolleginnen, das unheilige Artefakt aufzuspüren und die Schurken aufzuhalten. Unterstützung erhält sie dabei von Ash, der schon des Öfteren mit dem Necronomicon zu tun hatte und eine besondere Beziehung zu diesem besitzt. Und für altgediente Danger Girl-Leser gibt es zudem noch ein Wiedersehen mit dem mysteriösen Agent Zero.

Das sechsteilige Crossover, das hier in einem Band gesammelt vorliegt, ist wiederum von Andy Hartnell geschrieben worden, der regelmäßig für die Abenteuer der Danger Girls verantwortlich zeichnet. Ihm ist dabei ein spaßiger Mix aus Horror, Action und Comedy gelungen. Ash harmoniert als eigensinniger Charakter sehr gut mit den Mädels und bewegt sich mit seinem Witz und Charme bestens innerhalb der explosionsreichen Welt von Danger Girl. Überhaupt ist es erfrischend, die Kultfigur aus Sam Raimis Film Armee der Finsternis in Comicform zu erleben. Vielleicht schafft es dessen eigene US-Serie ja auch noch irgendwann nach Deutschland. Dem noch jungen Verlag Dani Books würde sie in jedem Fall gut stehen.

Seite aus Danger Girl und Die Armee der FinsternisDanger Girl und Die Armee der Finsternis ist saubere Unterhaltung ohne allzu großen Anspruch. Dafür ist die Handlung ungemein kurzweilig und ohne Vorkenntnisse zu genießen, da Hartnell in seine Handlung genügend Rückblenden eingebaut, die die Motive und die Vergangenheit der Figuren klären.

Für die Zeichnungen ist Chris Bolson zuständig, der hier einen soliden Job macht. Etwas düsterer und detailreicher als man es bei Danger Girl ansonsten gewohnt ist, glänzt er vor allen Dingen bei Splatterszenen. Bolson ist also eine gute Wahl für ein solches Horror-Comedy-Crossover. Am Ende des Bandes gibt es eine Covergalerie mit allen US-Covern von J. Scott Campbell, Nick Bradshaw und Paul Renaud. 

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Nettes Crossover zwischen zwei Franchises, an dem Fans beider Lager ihre Freude haben werden 

 

Danger Girl und Die Armee der Finsternis
dani books, Februar 2014
Text: Andy Hartnell
Zeichnungen: Chris Bolson
Übersetzung: Arne Voigtmann
160 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16 Euro
ISBN: 978-3-944077-39-0

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: dani books