Neueste Artikel

Frisch aus der Druckerei: Juli/August 2014

Leider muss es für die Monate Juli und August noch einmal eine komprimierte Kompaktausgabe unseres Novitäten-Überblicks geben. Die Texte zu den neu erschienen Comics beschränken sich auf deutsche Eigenproduktionen und Sekundärliteratur. Die ausländischen Comics werden lediglich aufgelistet.

Diesmal sind, vor allem bei den Eigenproduktionen, noch einige Comics mit dabei, die schon im Juni auf dem Comic-Salon in Erlangen zu haben waren, aber erst im Juli ihren Weg zu den Comicvertrieben und -handlungen gefunden haben, weshalb sie erst jetzt aufgeführt werden.

alt

HIGHLIGHT DES MONATS

78 Tage auf der STraße des HassesSchon als Tokyopop 2011 begann, unter dem eigens eingeführten Label „Manga Madness“ Comics von David Füleki zu veröffentlichen, die ursprünglich im von ihm selbst gegründeten Kleinverlag Delfinium Press erschienen waren, wurde 78 Tage auf der Straße des Hasses als Zweiteiler angekündigt. Nach vielen Verspätungen ist es nun endlich so weit: Band 1 der Taschenbuchreihe ist erschienen – enthalten sind die ersten Kapitel, die ursprünglich in der seit 2008 laufenden Heftserie von Delfinium Prints herauskamen, in überarbeiteter Form. 78 Tage ist eine ebenso epische wie trashige Mischung aus Humor und sinnloser Gewalt und erzählt nicht-chronologisch von, so die Beschreibung des Autors, „zwei Lausbuben, die sich mordend, fressend und singend durch die Lande schlagen“. Sollte man lesen, zumal der Band lächerliche 5 Euro kostet. [Leseprobe]

 

EIGENPRODUKTIONEN

Tokyopop hat noch mehr Eigenproduktionen von einheimischen Mangozeichnern am Start: Crash ’n‘ Burn von Mikiko Ponczeck (Lost and Found) ist eine Boys-Love-Geschichte um zwei Rockmusiker. Auch dieser Band litt unter langen Verzögerungen, dafür erschien im September dann auch gleich schon der zweite Teil der Reihe. [Leseprobe]

Martillo’s Mysterious Books ist ein Shojo-Manga der Berlinerin Luisa Velontrova, in dem zwei Jugendliche im England des 19. Jahrhunderts ein magisches Buch finden. Vorab wurde die Geschichte als Webcomic auf der Tokyopop-Website veröffentlicht, wo sie auch noch komplett gelesen werden kann.

Auch EMA hatte im Sommer eine Manga-Eigenproduktion im Programm, nämlich Dreizehn von de.zibel alias Justyna Koj. Die Boys-Love-Story spielt in einem fantastisch angehauchten Setting in einer deutschen Stadt zu Beginn der Industrialisierung, die Protagonisten sind ein Schornsteinfeger und ein Fabrikarbeiter.

Mit Die Toten konnte der Zwerchfell Verlag erfolgreich beweisen, dass man auch Zombiegeschichten erzählen kann, die in unserer deutschen Realität spielen. In abgeschlossenen Kurzgeschichten von unterschiedlichen Zeichner-/Autorenteams springt man zeitlich und räumlich hin und her, so dass nach und nach ein Gesamtbild der Epidemie entsteht. Nach den bislang vier herausgebrachten Bänden tut sich der kleine Independent-Verlag nun mit dem Platzhirschen Panini zusammen, der mit seiner Vertriebsstruktur noch mal ein ganz neues Publikum für Die Toten erschließen kann. Der erste Band enthält überwiegend Stories, die bereits in den Zwerchfell-Ausgaben erschienen sind, garniert mit zwei neuen Episoden. Für die Zukunft sind zwei weitere Bände pro Jahr geplant, die dann alle nur noch neues Material enthalten sollen. [Leseprobe]

Vor zwei Jahren erschien mit Regina Haselhorsts Mädchencomic erstmals ein Comic in der Zwerchfell-Reihe „Black Label“. Klein und preisgünstig, mit extrem schlichtem Cover, gedacht für „Geschichten, die den Autoren unter der Stiftkappe brannten und einfach mal raus mussten. […] Eigenwillig, schnell und direkt, ein Versuch, der Unmittelbarkeit des Comics näher zu kommen.“ Als dritter Band der Reihe erschien nun Das erste Date (seit langem) von Till Felix (der ab und zu auch mal bei Comicgate mitmischt, z.B. mit seinem Artikel zum Thema Farbdruck im aktuellen Printmagazin). Es geht um ein Paar, das seiner schon lange währenden Beziehung mit einem „wir tun so, als wäre es unser erstes Date“-Spiel frischen Wind einhauchen möchte. [Leseprobe]

KanalBeim Luftschacht Verlag erschien ein neuer Comic des Wiener Zeichners Leopold Maurer: Kanal ist eine 100-seitige Politparabel, in der die herrschenden Politiker eines Binnenlandes mit allen Mitteln einen Zugang zum Meer bauen wollen, egal wie sinnlos das Projekt ist. [Leseprobe]

Dieser Comic dürfte einer der Bestseller des Jahres werden, da er auch viele Nicht-Comicleser erreichen wird: Frühstück bei Stefanie ist eine sehr langlebige Radiocomedy-Reihe des NDR, die in einem „Schlemmerbistro“ spielt und im Norden Deutschlands wohl außerordentlich beliebt ist. Der Comic Nix wie wech! ist bei Rowohlt erschienen, stammt vom NDR-Autorenduo Andreas Altenburg/Harald Wehmeier und wird gezeichnet vom altgedienten Cartoonspezialisten Piero Masztalerz. Die Stammbelegschaft der Radioreihe wird darin auf einen absurden Roadtrip geschickt.

Ein historischer Comic zur jüngeren deutschen Geschichte ist Herbst der Entscheidung von Bernd Lindner und PM Hoffmann, erschienen im Christoph Links Verlag. Es geht um einen jungen Mann, der sich im Herbst 1989 der Leipziger Bürgerrechtsbewegung anschließt und aus deren Sicht den Umsturz in der DDR erlebt. Zeichner Hoffmann holte sich als Autor und Berater den Historiker Bernd Lindner an Bord, der für sein Szenario reale Begebenheiten und Personen mit fiktiven Anteilen mischt. [Leseprobe

Noch mehr Vergangenheitsbewältigung in Comicform gibt es in dem Projekt Tagebuch 14/18, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk initiiert wurde und parallel in beiden Ländern erscheint. Enthalten sind vier Erzählungen, die auf authentischen Tagebüchern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs basieren. Als „Hauptautor“ fungiert der Kölner Historiker und Journalist Dr. Alexander Hogh, die Zeichnungen stammen vom deutsch-französischen Künstler Jörg. Vorwiegend richtet sich das Buch an Schulen, die diese Comics im Geschichtsunterricht einsetzen sollen. Aus diesem Grund gibt es neben der regulären Ausgabe im Tintentrinker Verlag auch eine preisgünstige Variante in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. [Leseprobe]

Auch Die letzten Tage der Menschheit, das lange Zeit als „unspielbar“ geltende Mammut-Theaterstück von Karl Kraus, handelt vom Ersten Weltkrieg. Gemeinsam haben der Autor und Übersetzer Reinhard Pietsch, der Historiker Jörg Zedler und der Schweizer Comiczeichner David Boller (Ewiger Himmel, Tell) den Versuch unternommen, dieses Werk als Comic umzusetzen. Zunächst in Fortsetzungen als Webcomic veröffentlicht, liegt er nun auch in einer Buchausgabe beim Utz Verlag vor. 

Geschichten vom Herrn KeunerVerteilt über mehr als 30 Jahre schrieb Bertolt Brecht immer wieder kurze, parabelhafte Geschichten um den eigenschaftslosen Herrn Keuner, manchmal auch Herr K. genannt. Ein anderer Herr K., nämlich Comiczeichner Ulf K., hat etwa 30 von Brechts Geschichten von Herrn Keuner als Fortsetzungsstrip für die FAZ umgesetzt. Jetzt gibt es sie gesammelt als Buch beim Suhrkamp Verlag. [Leseprobe]

Zwei neue Eigenproduktionen liegen beim Epsilon Verlag vor: Telaya & Dioman – Diesseits der Nacht ist ein romantischer Fantasycomic in Schwarz-Weiß von Zeichner Helmut Schulz. Der 124-seitige Hardcoverband ist der erste Teil einer Buchausgabe des seit Anfang 2014 online auf Deutsch und Englisch veröffentlichten Webcomics.  

Und auch Stephan Hagenow, einer der produktivesten Schmutz- und Schundzeichner Deutschlands, war wieder aktiv und legt mit dem ersten Band von Gundero einen ruppigen Western vor, der mit dem Episodentitel „Hügel der blutigen Kreuze“ schon deutlich zeigt, wo’s lang geht. [Leseprobe]

Grundkurs MordGrundkurs Mord von Vanessa Drossel und Mareike Hansen ist das erste gedruckte Buch aus dem Buddelfisch Verlag, der bislang vor allem in Sachen Webcomics aktiv war. Die Kieler Zeichnerin Vanessa Drossel, ein bekennender Blaulicht-Fan, hat sich schon lange dem Thema Polizei verschrieben, schon ihre Webserie Personality spielte im Polizeimilieu. Der neue Comic ist in Kiel angesiedelt, bringt eine Menge Lokalkolorit mit und will möglichst realistisch und nah am echten Polizeialltag erzählen. [Leseprobe]

Seit dem enormen Erfolg von Jeff Kinneys Diary of a Wimpy Kid (Gregs Tagebuch) ist die Mischung aus Prosatexten mit kleinen Comicsequenzen ein Trend auf dem Buchmarkt für junge Leserinnen und Leser geworden. Auf dieser Welle schwimmt das Buch Bin ich blöd, oder was? – Klassenfahrt des Grauens von Olivia Vieweg, das beim Schneider Verlag als „Comic-Roman“ erschienen ist. Auch hier wird in Form eines Tagebuchs erzählt, die Ich-Erzählerin ist eine 15-jährige Schülerin. [Leseprobe]

Wir bleiben bei Olivia Vieweg, die sich als enorm vielseitig erweist. Innerhalb kurzer Zeit hat sie drei Langcomics veröffentlicht (Endzeit, Antoinette kehrt zurück, Huck Finn), bedient aber zwischendurch auch gerne die kurze Form. Unter dem Titel Hingeschlunzt sammelt sie beim Verlag Schwarzer Turm eine Reihe von skizzenhaften Kurzcomics, oft autobiografischen Episödchen, die teilweise zuvor schon auf ihrem Blog zu sehen waren. [Leseprobe]

Den umgekehrten Weg geht Ulf Salzmann, den wir bislang vor allem durch seinen Webcomic Flausen kennen, dessen Episoden meist nur aus vier Panels bestehen. In Pillen, Rusz und Ratten (ebenfalls Schwarzer Turm) wird es nun etwas länger. Enthalten sind mehrere autobiografische Kurzgeschichten. [Leseprobe, CG-Rezension]

Nicolas Mahler macht neben seinen Comicarbeiten auch ziemlich klassische Cartoons für Zeitungen und Zeitschriften, deren Humor für Mahler-Verhältnisse relativ konventionell ausfällt. Bei Edition Moderne gibt es nun eine weitere Sammlung solcher Arbeiten unter dem Titel Die Smalltalk-Hölle. [Leseprobe]

Falls jemand der Meinung ist, er müsse die Cartoons von Ralph Ruthe unbedingt auf Hessisch haben, kann ihm nun geholfen werden: Es kimmt wie’s kimmt ist genau das. Für die Übertragung ins Hessische sorgte Comedian Bodo Bach. [Leseprobe]

Für Nichthessen ist ebenfalls für Cartoonnachschub aus dem Hause Ruthe gesorgt: Kein Stress! ist bei Carlsen erschienen. [Leseprobe]

 

SEKUNDÄRLITERATUR

Bildlaute & laute Bilder heißt ein Band aus der Reihe Comicforschung beim Ch. A. Bachmann Verlag, der sich mit der Frage beschäftigt, wie das Akustische in Comics dargestellt wird, also Sprache, Klänge und Geräusche. Das Inhaltsverzeichnis der Aufsatzsammlung findet man hier.

Going West!Kurator Alexander Braun hat nach seinen großen Ausstellungen über amerikanische Zeitungscomics und über Winsor McCay eine weitere sehenswerte Schau kuratiert: In Going West! geht es um das Genre des Westerncomics in all seinen Facetten (derzeit im Cartoonmuseum Basel, später auch an anderen Standorten). Wie bei den Vorgängern ist auch hierzu wieder ein umfassender und tiefgründiger Ausstellungskatalog erschienen. Zu ergattern ist er wohl am besten direkt im Museumsshop, er lässt sich aber auch per Mail bei der German Academy of Comic Art bestellen.

 

AUS DEN USA

Vom Glanz der alten Tage von Seth (Edition 52)

Creepy präsentiert: Berni Wrightson (Splitter Verlag)

Sin TituloSin Titulo von Cameron Stewart (Panini Comics)

Black Kiss 1 von Howard Chaykin (Panini Comics)

Sex 1 von Joe Casey und Piotr Kowalski(Panini Comics)

The True Lives of the Fabulous Killjoys von Gerard Way, Shaun Simon und Becky Cloonan (Panini Comics)

Adventure Time 1 von Ryan North et al. (Panini Comics)

Sons of Anarchy 1 von Christopher Golden und Damian Couceiro (Panini Comics)

Charmed 1 von Paul Ruditis et al. (Panini Comics)

He-Man und die Masters of the Universe 1 von James Robinson, Keith Giffen, Geoff Johns et al. (Panini Comics)

Hawkeye Megaband 1 von Matt Fraction, David Aja et al. (Panini Comics)

Silver Surfer: Parabel von Stan Lee und Moebius (Panini Comics)

Marvel Knights: Spider-Man – 99 Prüfungen von Matt Kindt und Marco Rudy (Panini Comics)

Mighty Avengers 1 von Al Ewing, Rob Rodi, Greg Land, Mike Del Mundo (Panini Comics)

Marvel Exklusiv 110: Iron Man – Unausweichlich von Joe Casey und Frazer Irving (Panini Comics)

Marvel Maximum 58: Wolverine – Logan Extrem von Jason Starr, Roland Boschi et al. (Panini Comics)

Guardians of the Galaxy Collection 1 von Brian M. Bendis, Steve McNiven und Sara Pichelli(Panini Comics)

 

AUS ITALIEN

Antonio Ligabue von Giuseppe Zironi und Hannes Binder (Jacoby & Stuart)

{source}
<iframe width=“590″ height=“443″ src=“//www.youtube.com/embed/KA-9LpVm7LA“ frameborder=“0″ allowfullscreen></iframe>
{/source}

 

Fanfulla von Mino Milani und Hugo Pratt (Kult Editionen)

Der Fluss von Alessandro Sanna (Peter Hammer Verlag))

 

AUS SPANIEN

Dieter Lumpen (Gesamtausgabe) von Jorge Zentner und Ruben Pellejero (Finix Comics)

 

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Das falsche GeschlechtDas falsche Geschlecht von Chloé Cruchaudet (Avant-Verlag)

Fluchttunnel nach West-Berlin von Olivier Jouvray und Nicolas Brachet (Avant-Verlag)

Madie und die Liebe von Damien Raymond, Mathias Mercier und Paul Filippi (Carlsen)

Mein Leben ist ziemlich faszinierend von Pénélope Bagieu (Carlsen)

Die große Reise des kleinen Mouk von Marc Boutavant (Reprodukt)

Alans Kindheit von Emmanuel Guibert (Edition Moderne)

Der Astragal von Anne-Caroline Pandolfo und Terkel Risbjerg nach Albertine Sarrazin (Schreiber & Leser)

Süße Versuchung von Jim und Grelin (Splitter Verlag)

Appartement 23 von Guillaume Sorel (Splitter Verlag)

Doppelgänger von Eric Corbeyran und Christophe Bec (Splitter Verlag)

Siberia 56 1 von Christophe Bec und Alexis Sentenac (Splitter Verlag)

Der Pfad des Dao 1 von Mathieu Mariolle und Federico Ferniani (Splitter Verlag)

Das verlorene Land (Gesamtausgabe) von Jean Dufaux und Grzegorz Rosinski (Splitter Verlag)

Schock 1 von Stéphan Colman und Eric Maltaite (Salleck Publications)

Der Prinz der Nacht – Integral 1 von Yves Swolfs (Kult Editionen)

Station 16 von Hermann und Yves H. (Kult Editionen)

 

AUS ASIEN

Drei BlütezeitenDrei Blütezeiten von Fumiko Fumi (Tokyopop)

NightS von Kou Yoneda (Tokyopop)

Tales of Symphonia 1 von Hitoshi Ichimura (Tokyopop)

Westwood Vibrato 1 von In-Wan Youn und Sun-Hee Kim (Tokyopop)

Totally Captivated 1 von Hajin Yoo (Tokyopop)

1001 Knights 1 von Yukiru Sugisaki (Tokyopop)

P.B.B. – Play Boy Blues 1 von Shiuko Kano (Tokyopop)

Programm: 100% Liebe 1 von Kayoru (Tokyopop)

Assassin’s Creed: Awakening 1 von Takashi Yano und Kenzi Oiwa (Tokyopop)

Wir! Jetzt! Hier! von Akira Nakata (Carlsen Manga)

Crimson-Shell von Jun Mochizuki (Carlsen Manga)

Mysterious Honey 1 von Rei Toma (Carlsen Manga)

Ameiro Paradox 1 von Isaku Natsume(EMA)

Shakugan no Shana X Eternal Song 1 von Shii Kiya und Yashichirou Takahashi(EMA)

Last Game 1 von Shinobu Amano (Kazé)

{source}
<iframe width=“590″ height=“332″ src=“//www.youtube.com/embed/oFIEwaYq9UU“ frameborder=“0″ allowfullscreen></iframe>
{/source}

 

Trau Dich 1 von Kai Asou (Kazé)

Die Links hinter den Titeln verweisen jeweils auf Leseproben zum jeweiligen Comic (falls keine deutsche Leseprobe verfügbar ist, zu einer Version in der Originalsprache).

Leto – Reise in die Halongbucht

Cover LetoAnnette Köhns Comic-Debut beginnt wie eine Liebeserklärung an die Macht der Fantasie: Die kleine, stets unter strenger Bewachung stehende Prinzessin Elly lässt sich während einer Operngala von einem kleinen Drachen entführen. In der Drachenhöhle angekommen erzählt der Drache mit dem Namen Leto der Prinzessin, dass ihre Begegnung früher sicher weniger sanft verlaufen wäre. Er zeigt ihr ein altes Buch mit großen, unheimlichen und feuerspeienden Drachen, die Reisende überfallen und Prinzessinnen rauben und quälen. Aber inzwischen sind die meisten Drachen geflohen vor dem Kriegslärm und der Ausbreitung der modernen Menschen. Nur Leto ist geblieben, doch er ist klein geworden und hat gelernt, dass man sich viel besser mit seiner Umgebung verträgt, wenn man nett ist. Einen Wunsch jedoch hat Leto noch: Er möchte einmal im Leben einen weiteren Drachen treffen. Prinzessin Elly rät ihm, nach Vietnam zu reisen, weil dort Drachen noch eine wichtige Rolle in der Kultur spielten. Leto beschließt, sofort auf die Reise zu gehen und Prinzessin Elly verspricht, von Letos Reiseerzählungen einen Comic zu zeichnen.

Damit endet der stärkste und atmosphärischste Teil des Buches. Aber auch die nun folgende Drachenreise ist schön in Szene gesetzt. Leto kollidiert im Flug mit einem Flugzeug und muss einen Teil der Reise als blinder Passagier auf dem Rücken eines Fliegers zurücklegen. Witzig sind die Flughafenszenen, in denen von Leto immer nur ein Körperteil zu sehen ist, weil er sich versteckt halten muss. Mal spitzt sein Kopf zwischen Koffern durch, mal sieht man gerade noch den Schwanz, als er mit dem Förderband verschwindet. Das ist lustig und kindgerecht.

Seite aus LetoIn Hanoi angekommen, gelingen der Zeichnerin einige wunderschön anzusehende Impressionen der Stadt. Leto stößt in einem Park auf zwei versteinerte Drachen, die sich nur durch Magie für kurze Zeit zum Leben erwecken lassen. Diese schicken ihn in die Halongbucht, wo es vielleicht noch frei lebende Drachen geben könnte. Auch die spektakuläre vietnamesische Halongbucht wird von Annette Köhn sehr ansprechend in Szene gesetzt, doch geht dem Comic in diesem letzten Teil merklich die Luft aus: Leto trifft einen freundlichen Affen, der ihm hilft, einen großen alten Drachen zu suchen. Als sie diesen finden, erweist sich der zwar zunächst als ziemlich grimmig, aber dieses Problem ist leicht gelöst: Tatsächlich hatte dieser alte Drache nur zu lange keine Freunde mehr gesehen, außerdem musste bei ihm einfach mal die Wohnung geputzt werden.

Insgesamt ist mir Leto damit leider zu glatt geraden. Alle Figuren sind nett und wollen eigentlich immer nur miteinander spielen. Was zu Beginn einigermaßen gruselig mit einer entführten Prinzessin und Geschichten von bösen Drachen beginnt, entwickelt sich im Verlauf der Handlung mehr und mehr zu einem Comic für Kleinkinder. Das ist zwar oft in schöne, poetische Bilder gekleidet, aber neben einigen Schauwerten muss man sich auch durch seitenweiße sprechende Köpfe kämpfen, ohne dass sich groß Handlung entfaltet.

Seite aus LetoStörend ist manchmal auch die auf lässig getrimmte Sprache. Die größte Entgleisung ist dabei eine Seite, auf der es „voll viel Obst“ gibt, etwas „voll nett“ ist, wo „voll viele Menschen“ inzwischen Smartphones haben und diese Menschen „voll sauer“ sind, wenn ihnen „die Dinger“ von Affen geklaut werden. Solches „Babysprech“ passt weder zu den Figuren noch ist es das Deutsch, das ich meinen Kindern gerne beibringen würde.

Trotz dieser Kritikpunkte sind Annette Köhn aber ansprechende Figuren und einige schöne Inszenierungen gelungen. Auch die unschuldige Naivität des Comics wird sicher ihre Fans finden. Annette Köhn feiert mit Leto ganz sicher auch ein klein wenig ihre eigene Fantasie und ihre Energie, ein eigenes Buch in dem von ihr selbst gegründeten Verlag zu veröffentlichen. Für jeden, der selbst mit der Idee hadert, ob es sich lohnt, mit dem Comiczeichnen zu beginnen, ist sie ganz sicher ein Vorbild: Man muss sich nur trauen. Und die Verarbeitung des Buches ist wie immer beim Jaja-Verlag eine Freude. Leto war übrigens auch für den Comicgartenzwerg in Leipzig 2014 nominiert

Wertung: 7 von 10 Punkten

Ein freundlicher Kindercomic, der etwas mehr Biss vertragen hätte. Trotz kleinerer Schwächen liebenswert.

 

Leto – Reise in die Halongbucht
Jaja Verlag, Februar 2014

Text und Zeichnungen: Annette Köhn
132 Seiten, vierfarbig, Softcover
Sprache: Deutsch
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-943417-33-3
Leseprobe

direkt bestellen beim Jaja Verlag

Abbildungen: © Annette Köhn/Jaja Verlag 

Wollodrin 1 – Der Morgen der Asche

Cover Wollodrin 1Die neue Serie Wollodrin wird im neu lancierten Format „Splitter Double“ veröffentlicht, was hier insofern passend ist, da mit den ersten zwei Teilen der Reihe ein erster Storybogen abgeschlossen wird. Es fängt trostlos an: Eine bunt zusammengewürfelte Schar sitzt im Kerker und wartet aus den unterschiedlichsten Gründen auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Da kommt ihnen natürlich ein Angebot recht, das sie nicht ablehnen können: Ein Adliger verspricht ihnen nicht nur die Freiheit, sondern auch noch eine finanzielle Belohnung, wenn sie die entführte Erbin einer Dynastie wieder beschaffen können. Doch der Auftrag hat es in sich, denn die Entführer sind niemand geringeres als die Orks, die gerade wieder in den Krieg gegen die Menschen ziehen.

Wollodrin von David Chauvel und Jérome Lereculey ist eine überzeugende Fantasyserie, was durchaus überraschend ist, da dieses Genre in seinen Themen doch recht erstarrt und nur in einzelnen Elementen variabel ist. Dafür kamen seit dem großen Erfolg von Der Herr der Ringe schon fast zu viele neue Werke auf den Markt, so dass die Schemata inzwischen sattsam bekannt sind. Umso erfreulicher, wenn man trotzdem noch überrascht werden kann. Das beginnt bereits mit der typischen Queste, die sich hier nicht um einen Gegenstand, sondern um eine Person handelt. Das ist zwar nicht revolutionär, kann aber noch zu einigen Entwicklungen und Verwicklungen führen. Dabei sind die Suchenden zwar alles Helden wider Willen, was dem Genre konform läuft, aber im Grunde keiner von ihnen großes Interesse an der eigentlichen Suche hat, werden die Archetypen ausgehebelt.

Denn im Genre dient die Queste klassischerweise dazu, den Helden reifen zu lassen und ihm eine Entwicklung zu geben. Die Reise ist immer eine Erforschung des eigenen selbst, man findet zu sich und seiner Bestimmung, wobei die Gefährten oder diejenigen, denen man begegnet, immer für eine Wesensart stehen. Wie etwa der weise Mentor, der Vaterersatz und Lehrer. Solche Archetypen fehlen hier, wenngleich man manchmal meint, sie als Mitglieder in der Gruppe wieder zu erkennen. Doch der Umgang mit den Figuren ist neu, denn manche Vorgehensweise ist ungewöhnlich und nicht alle Figuren werden überleben. Dabei ist vor allem die Reihenfolge und um wen es sich handelt, sehr überraschend.

Seite aus Wollodrin 1Ist die Prämisse zunächst Das dreckige Dutzend im Fantasygewand, wird sehr schnell deutlich, dass es sich hier eigentlich um einen Western handelt, da typische Elemente enthalten sind. Die Strukturen und Konstellationen sind sehr deutlich auch dem anderen Genre entnommen. Die Orks sind hier mit den Indianern gleichzusetzen und das Ritterheer mit der US-Armee, welche die Indianer beziehungsweise die Orks aufs Grausamste massakrieren und einen Vernichtungsfeldzug starten. Es geht um Land und Rassismus und das Unverständnis gegenüber einer fremden Kultur. Ein mehr als überraschender Aspekt, denn die Orks waren bislang (fast) immer die Urschurken der Fantasy. Auch abseits dieser Prämissen ist die Reihe sehr abwechslungsreich, voller Wendungen, was die Spannung enorm erhöht. Jede Figur hat einen Hintergrund und ihre eigenen Motive.

Auch die grafische Gestaltung ist meisterhaft: Insbesondere der Panelaufbau erzeugt ein hohes Tempo und dient sich mit seinen doppelseitigen Panoramaansichten auch dem Cinemascope-Format der Westernfilme an. Atemberaubende Perspektiven und schnelle Blickwechsel mit nahezu filmischen Techniken lassen die Action lebendig wirken und man fühlt sich stellenweise wie im Kino. Stark.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Manche Klischees und Archetypen werden gekonnt ausgehebelt, was der Serie Frische verleiht und sie viel mehr in Richtung Western drängt.

 

Wollodrin 1 – Der Morgen der Asche
Splitter Verlag, Juli 2014
Text: David Chauvel
Zeichnungen: Jérome Lereculey
Übersetzung: Tanja Krämling
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-715-5
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche 28/14: Apply some pressure

Unsere Links der Woche, Ausgabe 28/2014:

 

Nach einer urlaubsbedingten Pause melde ich mich wieder zurück und schaufle erst einmal zusammen, was sich in den letzten vier Wochen so angesammelt hat:

The World Is Made Of Cheese – The Applied Cartoon Manifesto 
Issuu, Center for Cartoon Studies 
Auf der Small Press Expo in Bethesda, Maryland verteilte das Center for Cartoon Studies dieses Manifest in Comicform, das Comiczeichner auffordert, sich dem “angewandten Comiczeichnen” zu widmen. James Sturm und Marek Bennet, von denen das Manifest stammt, verstehen darunter alle Formen von Comics oder gezeichneten Darstellungen außerhalb des klassischen Geschichtenerzählens für Comicleser, zum Beispiel grafische Arbeiten für Forschung, Wissenschaft, Industrie, Erziehung oder andere Bereiche.

Die Preisträgerin 2015
Berthold Leibinger Stiftung
Der mit 15.000 Euro am höchsten dotierte Comic-Förderpreis in Deutschland zeichnet seine erste Preisträgerin aus: Unter 113 Einsendungen wählte die Jury das Konzept zum noch nicht veröffentlichten Comic Madgermanes von Birgit Weyhe (Reigen) aus. Auf der Website der Berthold Leibinger Stiftung, die den Preis vergibt, wird nicht nur das Projekt der Siegerin kurz vorgestellt, sondern auch die von neun weiteren Finalisten, die in der engeren Auswahl waren.

Experimentelles für die Hosentasche 
Der Tagesspiegel, Ute Friderich 
Das Feld der selbstverlegten Minicomics ist nach wie vor lebendig. Verkauft werden die kleinen Hefte meist auf Messen und ähnlichen Veranstaltungen, aber “Tiny Masters” aus Leipzig hatte die schöne Idee, ein Mini-Comic-Abo per Versand anzubieten. Der Tagespiegel stellt’s vor.

Comicfestival Hamburg: Programm
Issuu, Comicfestival Hamburg
Das vom 2. bis 5. Oktober laufende Comicfestival Hamburg präsentiert sein Programm in einem schön aufgemachten Heft, das auch kurze Comic-Kostproben von Künstlern (u.a. Luke Pearson) enthält, die beim Festival vertreten sein werden.

Stilübungen: 99 Arten eine Geschichte zu erzählen
dreimalalles.info, Matt Madden/Christian Maiwald
Die noch recht junge, von uns bereits wärmstens empfohlene Website Dreimalalles hat nun auch einen Webcomic, von dem zweimal die Woche eine neue Episode erscheint. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung der 99 Comics, die Matt Madden für sein Buch 99 Ways to Tell a Story gemacht hat. Dabei wird versucht, die immer gleiche Szene auf 99 verschiedene Weisen im Comic zu erzählen.

Mini Magazin
Comic-Werkstatt, Daniel Schreiber
Daniel Schreiber, von dem im Splitter Verlag die Reihe Annas Paradies erscheint, gewährt in mehreren als PDF veröffentlichten “Mini-Magazinen” Einblick in den Entstehungsprozess des zweiten Albums, das in Kürze auf den Markt kommt.

#gerhardschlegellcc
Facebook, alle
Ein schönes Mem machte kürzlich auf Facebook die Runde (und läuft immer noch): Unter dem Hashtag #gerhardschlegellcc zeigen sich Comicmacher und -fans in gestreiften Outfits mit ihren Lieblingscomics. Seinen Ausgang nahm das Ganze wohl ungefähr hier. Mein Lieblingsbeitrag ist natürlich der von Nicolas Mahler.

À Madame Fleur Pellerin, Ministre de la Culture: Soutenez Gilles Ciment, directeur de la CIBDI
AVAAZ.org
Eine französische Petition sammelt Unterschriften für Gilles Ciment, den Direktor des Comicmuseums von Angoulême. Dieser wurde nach größeren Streitigkeiten mit der Stadtverwaltung abgesetzt. Laut dem Petitionstext schuldet man ihm noch mehrere Monatsgehälter und weigert sich, ihm Unterlagen auszuhändigen, die er braucht, um sich arbeitslos zu melden. In der Petition wenden sich nun zahlreiche namhafte Comicschaffende an Kulturministerin Fleur Pellerin und fordern die Wiedereinsetzung Ciments oder zumindest eine gerechte Behandlung für ihn.

Your 2014 Harvey Award Winners
Your 2014 Ignatz Awards Winners
The Comics Reporter
In den USA wurden vor kurzem zwei renommierte Preise verliehen: Zum einen die Harvey Awards, neben den Eisners der zweite große Branchenpreis. Hier stimmen die Comicprofis selbst ab. Die Serie Saga räumte hier in mehreren Kaegorien (Best Writer, Best Artist, Best Cover Artist, Best Continuing Series) ab. Zum anderen wurden auf der Small Press Expo die Ignatz Awards verliehen, die Preise der alternativen Independent-Szene. Der Comics Reporter listet alle Nominierungen und Preisträger übersichtlich auf.

The Last Saturday
The Guardian, Chris Ware
Auf der Website des Guardian erscheint ab sofort jede Woche eine Folge eines neuen Werks von Chris Ware (Jimmy Corrigan). Die mutmaßliche Hauptfigur des Comics, Putnam Gray, wird als “center of the known universe” vorgestellt und sieht schon als Junge greisenhaft aus.

Kingdom Lost
The Bouletcorp, Boulet
Der französische Webcomic-Tausendsassa haut zwischen seinen ständig veröffentlichten Kurzgeschichten en passant mal eben einen Vierzigseiter raus. Darin landen Prinz und Prinzessin aus einer klassischen Fantasyumgebung in unserer realen Welt.

Genndy Tartakovsky’s POPEYE Animation Test
YouTube, SonyAnimation
Popeye soll bald als computeranimierter 3D-Matrose ins Kino kommen. Klingt erst mal furchtbar, sieht aber gar nicht so übel aus:

{source}
<iframe width=“590″ height=“332″ src=“//www.youtube.com/embed/M1lzJuwJD9k“ frameborder=“0″ allowfullscreen></iframe>
{/source}

 

The DuckTales Theme Song with Real Ducks
Oh My Disney
Rausschmeißer für heute: Das Intro der Achtziger-Jahre-Trickserie Duck Tales mit richtigen Küken.

{source}
<iframe width=“590″ height=“332″ src=“//www.youtube.com/embed/txj6ROnIUIo“ frameborder=“0″ allowfullscreen></iframe>
{/source}

Der vergessene Garten

Cover Der vergessene GartenMit Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen hat er eine feinfühlige Familienerzählung gezeichnet, in Die sieben Zwergbären nimmt er Märchen aufs Korn und Pauls fantastische Abenteuer ist ein klassischer Kindercomic. Unter der dem Titel Porträt eines Helden als junger Tor legte er gar eine vielbeachtete Beschreibung der Jugendjahre Spirous vor. Dass der Autor und Zeichner Émile Bravo sich auch an erwachsene Stoffe herantraut, zeigt ein Blick in sein neuestes Buch Der vergessene Garten.

Darin enthalten sind allerhand Kurzgeschichten, die sich in den vergangenen 15 Jahren angesammelt haben und verstreut in diversen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt wurden. Während Bravos bisherige Bücher für alle Altersgruppen lesbar waren, richtet sich der überwiegende Teil der vorliegenden Arbeiten gezielt an eine erwachsene Leserschaft.

Ob die zerstörerischen Folgen der Atomkraft, der unterschwellige Rassismus in Frankreich, die Rückkehr eines Holocaustüberlebenden in seine Heimat – Bravo scheint kein Eisen zu heiß. Mal parodistisch, mal schwarzhumorig bewegt er sich mit seinen oft sehr kurzen Episoden (die manchmal ganz ohne Worte auskommen) einmal quer durch relevante Gesellschaftsprobleme und legt seinen Zeichenstift in die Wunden vergangener wie aktueller Demokratien. So ist Der vergessene Garten auch zwangsläufig als hochpolitisches Comicbuch anzusehen, das die französische Innen- genauso wenig schont wie die US-amerikanische Außenpolitik, die Kolonialzeit ebenso thematisiert wie Nahostkonflikte. Und auch sein eigenes Dasein als Comiczeichner reflektiert Bravo und seziert die Comicindustrie.

Seite aus Der vergessene GartenDass einem dabei als Leser aufgrund der ernsten Motive nicht permanent das Lachen im Halse stecken bleibt, liegt an der extremen Überzeichnung der Sachverhalte wie auch der Figuren. Durch sie verhält sich das Album wie eine Ansammlung von humorigen Kurzgeschichten, die vordergründig sehr spaßig erscheinen. Die politisch-sozialkritischen Botschaften, die sich dahinter verbergen, treten jedoch deutlich zutage und verdienen eine nähere Beschäftigung.

Dazwischen finden sich aber auch die leichteren Töne, die von tiefgängigem Ballast befreiten Erzählungen. Etwa die Schilderung eines für den Schiedsrichter traumatischen Fußballspiels. Oder die Episoden über René, dessen Freund ein Restaurant besitzt und der seiner Familie unbedingt ein besonderes Gericht kredenzen will. Hier wird die Comicsammlung im Ganzen etwas aufgelockert. Comicaffine Leser werden gar die ein oder andere bekannte Figur des frankobelgischen Comics in Gastaufritten entdecken.

Émile Bravo ist ein extrem vielseitiger Künstler. Nicht nur auf grafischer Ebene, sondern auch inhaltlich weist er ein enormes Spektrum an Möglichkeiten auf. Das beweist er in der Werkschau seiner bisherigen Publikationen genauso wie in den Beiträgen innerhalb von Der vergessene Garten.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Lohnenswerte Sammlung mit dem Frühwerk Bravos; bevorzugt Erwachsenen zu empfehlen

  

Der vergessene Garten
Reprodukt, Juni 2014
Text und Zeichnungen: Émile Bravo
Übersetzung: Ulrich Pröfrock
80 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24 Euro
ISBN: 978-3-95640-005-6
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt

Sin City 2: A Dame to Kill For

Poster Sin City 2: A Dame to Kill ForFrank Miller’s Sin City: A Dame to Kill For
USA 2014
Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller
Hauptdarsteller: Mickey Rourke (Marv), Jessica Alba (Nancy), Josh Brolin (Dwight), Joseph Gordon-Levitt (Johnny), Rosario Dawson (Gail), Bruce Willis (Hartigan), Eva Green (Ava), Powers Boothe (Senator Roark), Dennis Haysbert (Manute), Ray Liotta (Joey), Christopher Lloyd (Kroenig)

 

Neun Jahre ist es her, dass die Verfilmung von Frank Millers Sin City-Comics in die Kinos kam. Der Film, den Regisseur Robert Rodriguez gemeinsam mit Miller inszenierte, trug mit dazu bei, dass Comicverfilmungen populär wurden und dass Hollywood ganz gierig auf Comicstoffe wurde. So radikal wie vorher wohl noch keiner übersetzte Rodriguez die Ästhetik der Comicvorlage auf die Leinwand: möglichst eins zu eins, so nah am Original wie nur möglich, als wäre der Comic ein Storyboard.

Das funktionierte wirklich gut. Sin City zeigte visuell etwas, was man vorher noch nicht gesehen hatte und transportierte die Wucht von Frank Millers grob geschnitzter Noir-Hommage kongenial ins Medium Film. Sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern kam er gut an, er lief seinerzeit sogar im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes, wo er den Technikpreis „Prix Vulcain“ erhielt.

Szene aus Sin City 2: A Dame to Kill ForTrotz des Erfolges dauerte es recht lange, bis ein weiterer Film fertig wurde. Sin City 2: A Dame to Kill For ist gleichzeitig sowohl Sequel als auch Prequel zum ersten Film, denn wie schon im ersten Teil besteht er aus verschiedenen ineinandergewobenen Kurzgeschichten, die zeitlich mal vor und mal nach den Ereignissen aus dem 2005er-Film spielen. Größter Unterschied zu diesem ist die Tatsache, dass der neue Film in 3D gedreht wurde, ansonsten bleiben sich Miller und Rodriguez sehr treu. In Sachen Look and Feel knüpft A Dame to Kill For nahtlos an den Vorgänger an, auch sind wieder etliche Schauspieler aus dem ersten Teil mit dabei (u.a. Mickey Rourke, Rosario Dawson und Bruce Willis).

Anders als damals stammt diesmal ein Teil der Story nicht direkt aus den Comics: Nur die titelgebende Miniserie aus den Jahren 1993/94 (deutscher Titel: „Eine Braut, für die man mordet“) sowie die Kurzgeschichte „Just Another Saturday Night“ von 1997 liegen als Comic vor, zwei weitere Plots schrieb Frank Miller eigens für den Film. Die eine dreht sich um die den Zuschauern bereits bekannte Stripperin Nancy (Jessica Alba), in der anderen legt sich der junge Zocker Johnny (Joseph-Gordon-Levitt) mit dem ebenso mächtigen wie fiesen Senator Roark (Powers Boothe) an.

Szene aus Sin City 2: A Dame to Kill ForIm Grunde liefert der neue Sin City-Film genau das Gleiche, was schon der erste geliefert hat: Geschichten voller Sex und Gewalt aus einer unwirklich-künstlichen, aber sehr faszinierenden Noir-Welt, inspiriert von klassischen Hardboiled-Erzählungen und -Filmen, in harten Schwarz-Weiß-Kontrasten, die nur gelegentlich mit gezielten Farbtupfern versehen werden. Wer Sin City kennt, weiß also ziemlich genau, was er in A Dame to Kill For bekommt. Man mag das als Vorteil sehen, aber letztlich gereicht es dem Film zum Nachteil: Man wird nicht mehr überrascht, kommt nicht mehr ins Staunen über diese Mischung aus Schmuddel und Glamour. Man kennt das alles schon. Und hat deshalb umso mehr Gelegenheit, zu erkennen, wie platt das alles eigentlich ist. Obwohl das Sequel knapp 20 Minuten kürzer ist als der Vorgänger, fühlt es sich länger an, denn schon bald setzt ein deutlicher Ermüdungeffekt ein.

Die immergleichen Erzählerstimmen aus dem Off, die allzu bekannten Szenerien von regennassen Straßen, überfüllten Stripclubs und schäbigen Hinterzimmern sind ebenso altbekannt wie die exzessive Gewalt und die Klischees und Stereotypen der Figuren. Hier sind die Bösen nicht einfach nur böse, sondern maximal verkommene Drecksäcke, die Polizei ist durch und durch korrupt und Eva Green als die titelgebende Dame, für die man tötet, ist nicht bloß schöne Femme Fatale, sondern pure Sexgöttin. Dieses Übersteigern ist natürlich das Prinzip von Sin City und geschieht mit voller Absicht, doch scheint es diesmal noch eine Spur mehr ins Groteske überhöht, so dass es des öfteren nur noch peinlich wirkt. (Und über das hier transportierte Frauen- und Männerbild denken wir lieber nicht allzu genau nach.)

Szene aus Sin City 2: A Dame to Kill ForWas Sin City 2 fehlt, ist eine originelle Weiterentwicklung, ein Überraschungsmoment, irgendetwas Unerwartetes. Der 3D-Effekt kann diesen Mehrwert nicht leisten, er ist wie so oft im modernen Kino bestenfalls überflüssig. Hier ist es eher so, dass das 3D dem Bemühen schadet, der Comicvorlage so nahe wie möglich zu kommen, denn diese setzt in ihren extremen, holzschnittartigen Schwarz-Weiß-Kontrasten ganz bewusst auf eine zweidimensionale, sehr flächige Darstellung. Auch dramaturgisch finden Miller und Rodriguez keinen interessanten Weg, die Einzelepisoden zu verknüpfen. Diese plätschern recht beliebig neben- und hintereinander her, meilenweit entfernt von den cleveren Episoden-Verschränkungen eines Robert Altman oder Quentin Tarantino. Vielleicht wäre es schlauer gewesen, sich auf eine Geschichte zu beschränken und diese mit einem Hauch von Inspiration oder Erzählfreude zu präsentieren.

Ja, die Kinoversion von Sin City sieht immer noch einzigartig aus und hat zumindest visuell ihren Reiz, aber ansonsten ist dieses Sequel in allen Belangen enttäuschend. Was vor neun Jahren neu und aufregend war, wirkt heute teilweise sogar unfreiwillig komisch. Auf weitere Fortsetzungen wird man getrost verzichten können.

  

Wertung: 4 von 10 Punkten

Zurück in Basin City gibt es ganz viel „more of the same“, aber so gut wie nichts Neues.

 

Abbildungen: © Sony Pictures Releasing

Beta … civilisations Volume 1

Cover Beta ... civilisationsIm Jahre 2010 erschien mit Jens Harders Buch Alpha … directions der Beginn eines Mammutwerkes. Als erster Teil einer als Trilogie geplanten Beschäftigung mit der Entwicklung der Erde und deren Bewohner, die vom Urknall ausgehend bis in die Zukunft reichen soll. Über vier Jahre später liegt jetzt Beta … civilisations Volume 1 vor, der nicht weniger umfangreiche Nachfolger, dessen zweite Hälfte aufgrund der Fülle an Material später nachgereicht werden muss, bevor es schließlich in Gamma den Abschluss des Langzeitprojektes geben wird.

Das wird voraussichtlich, bei gleichbleibendem Veröffentlichungsrhythmus, etwa 2023 der Fall sein. Dass Harder bis dahin die Lust verlieren könnte, scheint kaum vorstellbar. Zu akribisch hat er seine Arbeit durchgeplant, zu viel Herzblut und Fleiß steckt im bisher Produzierten. Beta … civilisations setzt kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ein. Säugetiere überlebten und setzen ihren Siegeszug fort. Irgendwann entwickelt sich aus dieser Konstellation heraus der erste Vorläufer des Menschen. Der Rest ist Geschichte.

Wobei der Begriff „Geschichte“ sich in Bezug auf das Gesamtwerk Harders nicht ganz so einfach anwenden lässt. Was vordergründig wie ein Comic wirkt (Panels mit gezeichneten Bildern flankiert von einer Erzählstimme) ist in Wahrheit gar keiner. Es wird zwar über das gesamte Projekt hinweg ein Bogen mit einem klaren Anfang (Urknall) und einem Ende (die zukünftige Menschheit) gespannt, dieser wird allerdings primär durch die knappen Textzeilen vorangetrieben und weist erkennbar keinen direkten Bezug zu einzelnen Panels auf (wohl aber zu einem diffusen Bündel an Bildern). Meines Erachtens war es auch niemals Harders Bestreben, seine Idee als „echten Comic“ umzusetzen. Immerhin besteht seine Leistung vor allem im Zusammentragen und Anordnen der Vorlagen. Würde der Textanteil die Seiten dominieren und nicht die ins Auge stechende Vielzahl als Bildern, es würde niemand mehr von einem Comic sprechen.

Es findet genau genommen eine Erzählung statt. Und zwar die eine, die größte und längste, die man sich vorstellen kann. Der Protagonist: Die Menschheit. Gleichzeitig fehlt die Verknüpfung, die Bindung zu dem, was auf den Seiten optisch wahrzunehmen ist, quasi die narrative Forum und Struktur eines Comics. Statt auf Sequenzen, die zwischen zwei benachbarten Panels stattfinden und im Kopf des Betrachters eine Bewegung, einen unmittelbaren Fortlauf generieren, setzt Harder auf eine kompositorische Erzählstruktur, die eher nonlinear verläuft. Bild und Wort stehen damit nur in einem groben Sinnzusammenhang, bei dem beide sich gegenseitig eher begleiten als miteinander zu interagieren, aber kein geschichtliches Netz bilden.

Doppelseite aus Beta ... civilisationsWie für eine endlose Collage setzt Harder seine von unzähligen Vorlagen aus allen Epochen stammenden Abbildungen zeichnerisch um und arrangiert sie zu einer persönlichen Sichtweise auf die Entwicklung von Erde und Mensch. Insofern ist es Harders Versuch, seine eigene Wahrnehmung der Dinge grafisch zu vermitteln. Dementsprechend kann man hier auch von einer subjektiven Gewichtung der Inhalte sprechen und von einer intuitiv geleiteten, assoziativen Erzählstruktur. So folgt beispielsweise einer Vorstellung verschiedener Affenarten, vermittelt über den Begriff der Primaten und der später folgenden Selbstsicht des Menschen als Herrentier (bzw. –mensch), eine Reihe von Bildern, auf denen nacheinander Jesus Christus, Superman, Elvis und Adolf Hitler erscheinen. Das mag an manchen Stellen etwas überfordernd sein und derlei gewagte Darstellungen strapazieren in ihrer Häufigkeit durchaus hin und wieder die Aufmerksamkeit des Lesers, doch das Beispiel belegt gut, wie der Künstler bei seiner Auswahl, bei seinen Arrangements vorging. Immer wieder gliedert er einzelne Entwicklungsschritte aus, zeigt mal mehr und mal weniger ausführlich deren Stellenwert für nachfolgende Glieder in der evolutionären Kette. Das ist mit extremen Zeitsprüngen verbunden, mit einer Flut an Bildern, die aus allen verfügbaren Quellen zusammengetragen wurden und schließlich unvermittelt auf den Betrachter einprasseln.

Das ist in der Gesamtschau brillant und einzigartig. Aber mit Sicherheit ist Beta … civilisations, genau wie sein Vorgänger, kein Comic und auch keine Graphic Novel, wie wahlweise von vielen Medien immer wieder behauptet wird (auf der Infoplattform graphic-novel.info wird der Band übrigens sinnigerweise nicht als „Graphic Novel“, sondern als „Weltchronik in Comicform“ angekündigt). Alpha … directions bekam unterdessen 2010 sogar den Max-und-Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Comic. Eine schöne Anerkennung für Jens Harder, der sich immerhin an ein bislang einzigartiges Unterfangen gewagt hat und sehr viel Mühe und Recherche in das Projekt steckt. Dennoch bleibt die Preisvergabe völlig fehlgeleitet, da man wohl einfach davon ausging, dass ein Buch von einem Comiczeichner, das sehr viele Bilder in kleinen Rechtecken beinhaltet, schon irgendwie ein Comic sein wird.

Aufgrund mangelnder Vergleichbarkeit mit ähnlichen Werken ließe sich Harders Arbeit noch am ehesten als Kunst-Sach-Lehr-Bilderbuch mit wissenschaftlich-atheistischer Grundlage bezeichnen. Oder wie es Kollege Kögel vor einiger Zeit mal kürzer formuliert hat: Ein „großer Evolutions-Bilderbogen“. Trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf …

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Evolution, wie man sie noch nicht gesehen hat: Akribisch setzt Jens Harder sein Opus Magnum fort

  

Beta … civilisations Volume 1
Carlsen, März 2014
Text und Zeichnungen: Jens Harder
368 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 49,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78989-1
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Jens Harder / Carlsen Verlag

 

Apache Junction 1

Cover Apache Junction 1Der klassische Western ist nicht tot zu kriegen. Manchmal erinnert er eher an einen Wiedergänger, einen Zombie, der aus dem Grab wieder aufersteht, um die Menschen an die Vergänglichkeit zu erinnern. Da wird eine Nostalgie geschaffen für ein Genre, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Aber gibt es den Western wirklich nicht mehr? Doch, natürlich. Erst in den letzten Jahren wurden auch lang laufende Serien wie Bouncer und Wanted lanciert, die aber eines gemeinsam haben: Sie zeigen offen Gewalt und Zynismus und vermögen so wohl auch eher die historische Realität einzufangen als glorifizierende oder nostalgische Rückblicke, wie es etwa manchmal Comanche unterläuft. Umso mehr überrascht einen dann der Start einer Westernserie, die genau das macht.

Es wirkt nahezu anachronistisch, wie Apache Junction des Niederländers Peter Nuyten mehr oder weniger alle Genreentwicklungen der letzten Jahre, ja sogar Jahrzehnte, ignoriert. Nostalgiker dürften jetzt natürlich aufhorchen. In der Tat hat Apache Junction mehr mit den frühen Abenteuern eines gewissen Leutnant Blueberry gemeinsam als mit Durango oder Bouncer. Insofern kann man das Altmodische an der Serie sowohl zum als Vor- als auch als Nachteil deuten. Von Vorteil ist das traditionelle Flair, das einen zurückblicken lässt auf Zeiten, in denen das Genre noch naiv und unschuldig war. Doch das mag täuschen.

Ja, der Stil erinnert sehr an Giraud und Blueberry, aber ob man von Naivität sprechen kann, wird sich erst im Laufe der Entwicklung zeigen, es geht hier schließlich auch um die Indianerkriege. Von Nachteil ist jedenfalls der altmodische Ansatz, sehr viel – zu viel – Informationen in die Dialoge zu packen und dementsprechend die Grafik zu vernachlässigen. Action ist Mangelware, obwohl sie sich an mehreren Stellen geradezu anbietet. Die Dialoglastigkeit macht das nicht gerade besser, vor allem ist der Wortreichtum an manchen Stellen schlicht und ergreifend überflüssig. Es entwickelt sich noch eine Form von Krimi, aber nicht in Taten und Bildern, sondern allein im Gespräch. Das will nicht so recht zum Medium Comic passen und ist unbefriedigend. Zynismus und Brutalität fehlen, was manche freuen dürfte, hier aber doch angebracht gewesen wäre, um den Realismus zu erhöhen.

Seite aus Apache Junction 11875 flieht der Chiricahua-Apache Schwarzer Wolf zusammen mit weiteren Kriegern aus dem Reservat und möchte eine neue Armee zusammenstellen, für die er Waffen benötigt. Der Soldat Roy Clinton wird zu einem Fort geschickt, um die Besatzung vor einem möglichen Krieg zu warnen. Doch auf dem Weg entdeckt er eine Leiche und wird selber von Indianern angegriffen, die ihn verletzen. Von einer jungen Frau und zwei Kindern erhält er Pflege, aber keinen Schutz, denn die Indianer planen die Ranch anzugreifen.

Die Indianerkriege waren extrem grausam und was sowohl Soldaten als auch Ureinwohner ihren Feinden antaten, durfte in Filmen (und Comics) bislang nie gezeigt werden. Dagegen wäre so mancher Splatterfilm Kinderkram. Aber tut man den Indianern einen Gefallen, wenn man darauf verzichtet? Indem die historische Realität geschönt wird? Noch haben wir nur den ersten Band vorliegen und man wird es erst mal abwarten müssen.

Leider ist der Comic insgesamt viel zu statisch ausgefallen, um wirklich mitreißend zu sein. Aber die Panoramabilder sind wirklich beeindruckend und vermögen zu überzeugen. Mit dem Nachwort ist ein interessanter und informativer Abriss der Apachengeschichte gelungen, was die Tendenz der Serie etwas deutlicher erahnen lässt. Offensichtlich ist die Reihe als Ehrenrettung der Apachen geplant. Im Comic selbst ist davon noch nicht viel zu spüren, es wird eher noch die Richtung gesucht. Aber es gibt ja genügend Indianer, um die Fährte aufzuspüren.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Altmodisch im guten wie im negativen Sinne sucht die Serie noch ein bisschen ihre Richtung.

 

Apache Junction 1
Splitter Verlag, Mai 2014
Text und Zeichnungen: Peter Nuyten
Übersetzung: James ter Beek
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 14,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-734-6 
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Akte X Staffel 10: 2 – Chitter

Cover Akte X Staffel 10 2Nach den Ereignissen im ersten Teil der zehnten Staffel von Akte X sind Mulder und Scully nun offiziell zurück im FBI-Dienst und bearbeiten die X-Akten. Gleich zu Beginn müssen sie sich mit einem alten Bekannten herumschlagen: Der Plattwurmmann, ein humanoides Wesen, das in der Kanalisation lebt, ist wieder aufgetaucht.

Kenner der TV-Serie dürften sich über dieses Wiedersehen durchaus freuen. In der von Elena Casagrande und Silvia Califano zweiteiligen Story zeigt Autor Joe Harris, dass er sich mit der Materie gut auskennt. Als erneuter Einstieg des Duos Mulder und Scully in einen klassischen Fall der X-Akten eignet sich diese Erzählung jedenfalls sehr gut.

In der darauf folgenden Episode geht es wieder reichlich verschwörerisch zu: Mulder bekommt einen Hinweis, der ihn glauben machen soll, dass Mister X, ein ehemaliger Informant, doch nicht tot ist. Joe Harris spielt hier mit den Erwartungen des Lesers und füllt per Rückblenden einige Lücken in den Darstellungen der geheimnisumwitterten Informanten Mister X und des Mannes mit der tiefen Stimme. Alles in allem ist diese Füllerstory das eigentliche Highlight des Bandes, da sie Figuren behandelt, von denen Fans ohnehin gerne mehr erfahren wollen. Und es ist sehr lange her, dass man diese zuletzt in der (TV-)Serie zu Gesicht bekam. Die Zeichnungen steuert hier wieder Michael Walsh bei, den man bereits aus Band 1 kennt.

Mit „Der zirpende Gott“, gezeichnet von Greg Scott, bekommt der Leser noch einen weiteren klassischen Fall präsentiert, bei dem eine Reihe von Entführungen mit einem übernatürlichen Phänomen in Verbindung stehen könnte.

Sehr aufschlussreich war zur damaligen Zeit die TV-Folge „Gedanken des geheimnisvollen Rauchers“, die dem mysteriösen Antagonisten Tiefe verlieh, in dem man Szenen aus dessen bewegter Regierungsvergangenheit sehen durfte. Analog dazu beschließt der zweite Comicband mit „Weitere Gedanken des geheimnisvollen Rauchers“. In mehreren kurzen Fragmenten werden diverse Ereignisse und Zusammenhänge kurz angerissen. Leider ist dieser Versuch etwas unübersichtlich geraten. Trotzdem eine gute Idee, dieses Element auch in Comicform aufleben zu lassen.

Seite aus Akte X Staffel 10 2So fühlt sich diese zweite Ausgabe wie eine richtig abwechslungsreiche echte Staffel von Akte X an: Mulder und Scully zurück beim FBI, Monster-of-the-Week-Folgen mit alten Bekannten wie auch mit neuen Fällen, dazwischen mehr zu den Protagonisten der Alienverschwörung, und der Kettenraucher erzählt aus seinem Leben. Insgesamt ist das ein toll zu lesender Querschnitt aus allen Versatzstücken, die Akte X seit jeher gekennzeichnet haben. Wer hätte gedacht, dass Joe Harris die zehnte Staffel mit so viel Elan und Mühe angeht?

Auf grafischer Ebene dürfte diesmal übrigens auch für jeden Leser was dabei sein, weil hier wesentlich mehr Abwechslung als noch zuvor geboten wird. Von mainstreamig-glatt (Casagrande & Califano) über sperrig-karg (Walsh) und realistisch-düster (Scott) bis hin zu verwaschen-abstrakt (menton³) ist die zeichnerische Bandbreite recht groß.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Die Mischung stimmt, Inhalt und Optik sind abwechslungsreich. Da gibts für Fans der X-Akten nicht viel zu meckern!

 

Akte X Staffel 10 2 : Chitters
Verlag: Dani Books
Text: Joe Harris
Zeichnungen: Elena Casagrande, Silvia Califano, Michael Walsh, Greg Scott, menton³
Übersetzung: Thomas Gießl
128 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 978-3-944077-50-5
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: dani books

 

Sherlock Holmes und das Necronomicon

Cover Sherlock Holmes und das NecronomiconSherlock Holmes und das Necronomicon ist mehr oder weniger die Fortsetzung zu Sherlock Holmes und die Vampire von London. Gab es den letztgenannten Zweiteiler in zwei einzelnen Bänden bei der Zack Edition, so erscheint der Nachfolger nun zusammengefasst als Doppelband bei Splitter. Wobei der Begriff der Fortsetzung hier nicht ganz passen will, denn die Geschehnisse um die Vampire sind vorbei. Zeitlich spielt das neue Abenteuer von Holmes im Anschluss an seine Erlebnisse mit den Blutsaugern.

Um sich zu erholen, aber auch um sich zu verstecken, begibt sich Holmes auf ausgedehnte Entdeckungsreisen und gelangt so etwa in das ewige Eis, in dem er ein erschütterndes Erlebnis hat. Verstört davon, zieht es ihn zurück nach London, wo er erkennen muss, dass sein Erzfeind Professor Moriarty von den Toten auferstanden ist. Und zwar mithilfe des berüchtigten Buches Necronomicon, welches er nun dazu einsetzen will, seine Macht wiederzuerlangen. Doch kann man mit den verderbten Seiten auch die uralten Götter beschwören und damit die Welt vernichten.

Seite aus Sherlock Holmes und das NecronomiconEbenso wie die Geschichte um die Vampire krankt dieser Band etwas an seiner Prämisse. Es liegt zwar sehr nahe, Ikonen zusammenzuführen und – abgesehen vom medialen und kommerziellen Mehrwert – so eine andere Betrachtungsweise auf bekannte Personen zu erreichen, aber es reicht nicht, einfach nur eine bestimmte Figur zu nehmen. Holmes hat im Laufe seiner Publikationsgeschichte schon oft mit den unterschiedlichsten Menschen und Wesen zu tun gehabt. Seien es nun Jack the Ripper, Zombies, Batman, Außerirdische, Geister, Vampire und nun eben intergalaktische Götter.

Viele der oben Genannten passen auch in die historische Epoche von Holmes, da so das Setting für Gothic Horror genutzt wird. Diese Genre-Spielart war damals sehr beliebt und entstand dort auch eigentlich erst in dem Sinne, wie wir ihn heutzutage verstehen. Hier sei nur das Stichwort „Dracula“ genannt. Das Necronomicon und die Götter um Cthulhu etc. stammen allerdings von H. P. Lovecraft aus den 1930ern und offenbarten einen tiefen Skeptizismus gegenüber der Technik, während das viktorianische Zeitalter hier sehr positiv gestimmt war und eine Dynamik zwischen Fortschrittsglaube und Tradition entstand. Diese verschiedenen Ebenen zusammenzuführen, wird in dieser Veröffentlichung leider versäumt.

Zudem macht Autor Sylvain Cordurie leider nichts aus Holmes‘ Eigenschaften. Seine deduktiven Fähigkeiten sind ungenutzt, er wird als reiner Actionheld eingeführt und bleibt damit beliebig. Auch wirkt das Grundgerüst bemüht und nicht gerade harmonisch. Man hat es einfach eingesetzt, aber irgendwie will es bei mir nicht zünden. Dabei ist der Horroranteil à la Lovecraft durchaus gelungen und nicht übertrieben. Vor allem gewinnt der Band seinen Reiz durch die Zeichnungen von Vladimir Krstic-Laci. Die sind nicht nur gut und fehlerfrei im realistisch frankobelgischen Stil gehalten, sondern schaffen es auch, an den passenden Stellen den Horror nur anzudeuten, womit sie ganz auf der Wellenlänge von Lovecraft liegen. Dieser beschrieb die eigentlichen Schrecken nicht, sondern gab nur Hinweise oder beschrieb die Reaktion seiner Protagonisten. Ebenso ist es hier und das ist eine gute Idee. Eine Fortsetzung wird übrigens am Ende angedeutet (und im Interviewteil auch bestätigt), auch wenn die Summe der einzelnen Elemente hier nicht wirklich aufgehen will.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Spannend und dynamisch mit guten Zeichnungen wirkt die Geschichte doch manchmal zu bemüht, um wirklich zu zünden.

 

Sherlock Holmes und das Necronomicon
Splitter Verlag, Juni 2014
Text: Sylvain Cordurie
Zeichnungen: Vladimir Krstic-Laci
Übersetzung: Swantje Baumgart, Tanja Krämling
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-107-8
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag