Leider muss es für die Monate Juli und August noch einmal eine komprimierte Kompaktausgabe unseres Novitäten-Überblicks geben. Die Texte zu den neu erschienen Comics beschränken sich auf deutsche Eigenproduktionen und Sekundärliteratur. Die ausländischen Comics werden lediglich aufgelistet.
Diesmal sind, vor allem bei den Eigenproduktionen, noch einige Comics mit dabei, die schon im Juni auf dem Comic-Salon in Erlangen zu haben waren, aber erst im Juli ihren Weg zu den Comicvertrieben und -handlungen gefunden haben, weshalb sie erst jetzt aufgeführt werden.
HIGHLIGHT DES MONATS
Schon als Tokyopop 2011 begann, unter dem eigens eingeführten Label „Manga Madness“ Comics von David Füleki zu veröffentlichen, die ursprünglich im von ihm selbst gegründeten Kleinverlag Delfinium Press erschienen waren, wurde 78 Tage auf der Straße des Hasses als Zweiteiler angekündigt. Nach vielen Verspätungen ist es nun endlich so weit: Band 1 der Taschenbuchreihe ist erschienen – enthalten sind die ersten Kapitel, die ursprünglich in der seit 2008 laufenden Heftserie von Delfinium Prints herauskamen, in überarbeiteter Form. 78 Tage ist eine ebenso epische wie trashige Mischung aus Humor und sinnloser Gewalt und erzählt nicht-chronologisch von, so die Beschreibung des Autors, „zwei Lausbuben, die sich mordend, fressend und singend durch die Lande schlagen“. Sollte man lesen, zumal der Band lächerliche 5 Euro kostet. [Leseprobe]
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EIGENPRODUKTIONEN
Tokyopop hat noch mehr Eigenproduktionen von einheimischen Mangozeichnern am Start: Crash ’n‘ Burn von Mikiko Ponczeck (Lost and Found) ist eine Boys-Love-Geschichte um zwei Rockmusiker. Auch dieser Band litt unter langen Verzögerungen, dafür erschien im September dann auch gleich schon der zweite Teil der Reihe. [Leseprobe]
Martillo’s Mysterious Books ist ein Shojo-Manga der Berlinerin Luisa Velontrova, in dem zwei Jugendliche im England des 19. Jahrhunderts ein magisches Buch finden. Vorab wurde die Geschichte als Webcomic auf der Tokyopop-Website veröffentlicht, wo sie auch noch komplett gelesen werden kann.
Auch EMA hatte im Sommer eine Manga-Eigenproduktion im Programm, nämlich Dreizehn von de.zibel alias Justyna Koj. Die Boys-Love-Story spielt in einem fantastisch angehauchten Setting in einer deutschen Stadt zu Beginn der Industrialisierung, die Protagonisten sind ein Schornsteinfeger und ein Fabrikarbeiter.
Mit Die Toten konnte der Zwerchfell Verlag erfolgreich beweisen, dass man auch Zombiegeschichten erzählen kann, die in unserer deutschen Realität spielen. In abgeschlossenen Kurzgeschichten von unterschiedlichen Zeichner-/Autorenteams springt man zeitlich und räumlich hin und her, so dass nach und nach ein Gesamtbild der Epidemie entsteht. Nach den bislang vier herausgebrachten Bänden tut sich der kleine Independent-Verlag nun mit dem Platzhirschen Panini zusammen, der mit seiner Vertriebsstruktur noch mal ein ganz neues Publikum für Die Toten erschließen kann. Der erste Band enthält überwiegend Stories, die bereits in den Zwerchfell-Ausgaben erschienen sind, garniert mit zwei neuen Episoden. Für die Zukunft sind zwei weitere Bände pro Jahr geplant, die dann alle nur noch neues Material enthalten sollen. [Leseprobe]
Vor zwei Jahren erschien mit Regina Haselhorsts Mädchencomic erstmals ein Comic in der Zwerchfell-Reihe „Black Label“. Klein und preisgünstig, mit extrem schlichtem Cover, gedacht für „Geschichten, die den Autoren unter der Stiftkappe brannten und einfach mal raus mussten. […] Eigenwillig, schnell und direkt, ein Versuch, der Unmittelbarkeit des Comics näher zu kommen.“ Als dritter Band der Reihe erschien nun Das erste Date (seit langem) von Till Felix (der ab und zu auch mal bei Comicgate mitmischt, z.B. mit seinem Artikel zum Thema Farbdruck im aktuellen Printmagazin). Es geht um ein Paar, das seiner schon lange währenden Beziehung mit einem „wir tun so, als wäre es unser erstes Date“-Spiel frischen Wind einhauchen möchte. [Leseprobe]
Beim Luftschacht Verlag erschien ein neuer Comic des Wiener Zeichners Leopold Maurer: Kanal ist eine 100-seitige Politparabel, in der die herrschenden Politiker eines Binnenlandes mit allen Mitteln einen Zugang zum Meer bauen wollen, egal wie sinnlos das Projekt ist. [Leseprobe]
Dieser Comic dürfte einer der Bestseller des Jahres werden, da er auch viele Nicht-Comicleser erreichen wird: Frühstück bei Stefanie ist eine sehr langlebige Radiocomedy-Reihe des NDR, die in einem „Schlemmerbistro“ spielt und im Norden Deutschlands wohl außerordentlich beliebt ist. Der Comic Nix wie wech! ist bei Rowohlt erschienen, stammt vom NDR-Autorenduo Andreas Altenburg/Harald Wehmeier und wird gezeichnet vom altgedienten Cartoonspezialisten Piero Masztalerz. Die Stammbelegschaft der Radioreihe wird darin auf einen absurden Roadtrip geschickt.
Ein historischer Comic zur jüngeren deutschen Geschichte ist Herbst der Entscheidung von Bernd Lindner und PM Hoffmann, erschienen im Christoph Links Verlag. Es geht um einen jungen Mann, der sich im Herbst 1989 der Leipziger Bürgerrechtsbewegung anschließt und aus deren Sicht den Umsturz in der DDR erlebt. Zeichner Hoffmann holte sich als Autor und Berater den Historiker Bernd Lindner an Bord, der für sein Szenario reale Begebenheiten und Personen mit fiktiven Anteilen mischt. [Leseprobe]
Noch mehr Vergangenheitsbewältigung in Comicform gibt es in dem Projekt Tagebuch 14/18, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk initiiert wurde und parallel in beiden Ländern erscheint. Enthalten sind vier Erzählungen, die auf authentischen Tagebüchern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs basieren. Als „Hauptautor“ fungiert der Kölner Historiker und Journalist Dr. Alexander Hogh, die Zeichnungen stammen vom deutsch-französischen Künstler Jörg. Vorwiegend richtet sich das Buch an Schulen, die diese Comics im Geschichtsunterricht einsetzen sollen. Aus diesem Grund gibt es neben der regulären Ausgabe im Tintentrinker Verlag auch eine preisgünstige Variante in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. [Leseprobe]
Auch Die letzten Tage der Menschheit, das lange Zeit als „unspielbar“ geltende Mammut-Theaterstück von Karl Kraus, handelt vom Ersten Weltkrieg. Gemeinsam haben der Autor und Übersetzer Reinhard Pietsch, der Historiker Jörg Zedler und der Schweizer Comiczeichner David Boller (Ewiger Himmel, Tell) den Versuch unternommen, dieses Werk als Comic umzusetzen. Zunächst in Fortsetzungen als Webcomic veröffentlicht, liegt er nun auch in einer Buchausgabe beim Utz Verlag vor.
Verteilt über mehr als 30 Jahre schrieb Bertolt Brecht immer wieder kurze, parabelhafte Geschichten um den eigenschaftslosen Herrn Keuner, manchmal auch Herr K. genannt. Ein anderer Herr K., nämlich Comiczeichner Ulf K., hat etwa 30 von Brechts Geschichten von Herrn Keuner als Fortsetzungsstrip für die FAZ umgesetzt. Jetzt gibt es sie gesammelt als Buch beim Suhrkamp Verlag. [Leseprobe]
Zwei neue Eigenproduktionen liegen beim Epsilon Verlag vor: Telaya & Dioman – Diesseits der Nacht ist ein romantischer Fantasycomic in Schwarz-Weiß von Zeichner Helmut Schulz. Der 124-seitige Hardcoverband ist der erste Teil einer Buchausgabe des seit Anfang 2014 online auf Deutsch und Englisch veröffentlichten Webcomics.
Und auch Stephan Hagenow, einer der produktivesten Schmutz- und Schundzeichner Deutschlands, war wieder aktiv und legt mit dem ersten Band von Gundero einen ruppigen Western vor, der mit dem Episodentitel „Hügel der blutigen Kreuze“ schon deutlich zeigt, wo’s lang geht. [Leseprobe]
Grundkurs Mord von Vanessa Drossel und Mareike Hansen ist das erste gedruckte Buch aus dem Buddelfisch Verlag, der bislang vor allem in Sachen Webcomics aktiv war. Die Kieler Zeichnerin Vanessa Drossel, ein bekennender Blaulicht-Fan, hat sich schon lange dem Thema Polizei verschrieben, schon ihre Webserie Personality spielte im Polizeimilieu. Der neue Comic ist in Kiel angesiedelt, bringt eine Menge Lokalkolorit mit und will möglichst realistisch und nah am echten Polizeialltag erzählen. [Leseprobe]
Seit dem enormen Erfolg von Jeff Kinneys Diary of a Wimpy Kid (Gregs Tagebuch) ist die Mischung aus Prosatexten mit kleinen Comicsequenzen ein Trend auf dem Buchmarkt für junge Leserinnen und Leser geworden. Auf dieser Welle schwimmt das Buch Bin ich blöd, oder was? – Klassenfahrt des Grauens von Olivia Vieweg, das beim Schneider Verlag als „Comic-Roman“ erschienen ist. Auch hier wird in Form eines Tagebuchs erzählt, die Ich-Erzählerin ist eine 15-jährige Schülerin. [Leseprobe]
Wir bleiben bei Olivia Vieweg, die sich als enorm vielseitig erweist. Innerhalb kurzer Zeit hat sie drei Langcomics veröffentlicht (Endzeit, Antoinette kehrt zurück, Huck Finn), bedient aber zwischendurch auch gerne die kurze Form. Unter dem Titel Hingeschlunzt sammelt sie beim Verlag Schwarzer Turm eine Reihe von skizzenhaften Kurzcomics, oft autobiografischen Episödchen, die teilweise zuvor schon auf ihrem Blog zu sehen waren. [Leseprobe]
Den umgekehrten Weg geht Ulf Salzmann, den wir bislang vor allem durch seinen Webcomic Flausen kennen, dessen Episoden meist nur aus vier Panels bestehen. In Pillen, Rusz und Ratten (ebenfalls Schwarzer Turm) wird es nun etwas länger. Enthalten sind mehrere autobiografische Kurzgeschichten. [Leseprobe, CG-Rezension]
Nicolas Mahler macht neben seinen Comicarbeiten auch ziemlich klassische Cartoons für Zeitungen und Zeitschriften, deren Humor für Mahler-Verhältnisse relativ konventionell ausfällt. Bei Edition Moderne gibt es nun eine weitere Sammlung solcher Arbeiten unter dem Titel Die Smalltalk-Hölle. [Leseprobe]
Falls jemand der Meinung ist, er müsse die Cartoons von Ralph Ruthe unbedingt auf Hessisch haben, kann ihm nun geholfen werden: Es kimmt wie’s kimmt ist genau das. Für die Übertragung ins Hessische sorgte Comedian Bodo Bach. [Leseprobe]
Für Nichthessen ist ebenfalls für Cartoonnachschub aus dem Hause Ruthe gesorgt: Kein Stress! ist bei Carlsen erschienen. [Leseprobe]
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SEKUNDÄRLITERATUR
Bildlaute & laute Bilder heißt ein Band aus der Reihe Comicforschung beim Ch. A. Bachmann Verlag, der sich mit der Frage beschäftigt, wie das Akustische in Comics dargestellt wird, also Sprache, Klänge und Geräusche. Das Inhaltsverzeichnis der Aufsatzsammlung findet man hier.
Kurator Alexander Braun hat nach seinen großen Ausstellungen über amerikanische Zeitungscomics und über Winsor McCay eine weitere sehenswerte Schau kuratiert: In Going West! geht es um das Genre des Westerncomics in all seinen Facetten (derzeit im Cartoonmuseum Basel, später auch an anderen Standorten). Wie bei den Vorgängern ist auch hierzu wieder ein umfassender und tiefgründiger Ausstellungskatalog erschienen. Zu ergattern ist er wohl am besten direkt im Museumsshop, er lässt sich aber auch per Mail bei der German Academy of Comic Art bestellen.
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AUS DEN USA
Vom Glanz der alten Tage von Seth (Edition 52)
Creepy präsentiert: Berni Wrightson (Splitter Verlag)
Sin Titulo von Cameron Stewart (Panini Comics)
Black Kiss 1 von Howard Chaykin (Panini Comics)
Sex 1 von Joe Casey und Piotr Kowalski(Panini Comics)
The True Lives of the Fabulous Killjoys von Gerard Way, Shaun Simon und Becky Cloonan (Panini Comics)
Adventure Time 1 von Ryan North et al. (Panini Comics)
Sons of Anarchy 1 von Christopher Golden und Damian Couceiro (Panini Comics)
Charmed 1 von Paul Ruditis et al. (Panini Comics)
He-Man und die Masters of the Universe 1 von James Robinson, Keith Giffen, Geoff Johns et al. (Panini Comics)
Hawkeye Megaband 1 von Matt Fraction, David Aja et al. (Panini Comics)
Silver Surfer: Parabel von Stan Lee und Moebius (Panini Comics)
Marvel Knights: Spider-Man – 99 Prüfungen von Matt Kindt und Marco Rudy (Panini Comics)
Mighty Avengers 1 von Al Ewing, Rob Rodi, Greg Land, Mike Del Mundo (Panini Comics)
Marvel Exklusiv 110: Iron Man – Unausweichlich von Joe Casey und Frazer Irving (Panini Comics)
Marvel Maximum 58: Wolverine – Logan Extrem von Jason Starr, Roland Boschi et al. (Panini Comics)
Guardians of the Galaxy Collection 1 von Brian M. Bendis, Steve McNiven und Sara Pichelli(Panini Comics)
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AUS ITALIEN
Antonio Ligabue von Giuseppe Zironi und Hannes Binder (Jacoby & Stuart)
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Fanfulla von Mino Milani und Hugo Pratt (Kult Editionen)
Der Fluss von Alessandro Sanna (Peter Hammer Verlag))
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AUS SPANIEN
Dieter Lumpen (Gesamtausgabe) von Jorge Zentner und Ruben Pellejero (Finix Comics)
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AUS FRANKREICH UND BELGIEN
Das falsche Geschlecht von Chloé Cruchaudet (Avant-Verlag)
Fluchttunnel nach West-Berlin von Olivier Jouvray und Nicolas Brachet (Avant-Verlag)
Madie und die Liebe von Damien Raymond, Mathias Mercier und Paul Filippi (Carlsen)
Mein Leben ist ziemlich faszinierend von Pénélope Bagieu (Carlsen)
Die große Reise des kleinen Mouk von Marc Boutavant (Reprodukt)
Alans Kindheit von Emmanuel Guibert (Edition Moderne)
Der Astragal von Anne-Caroline Pandolfo und Terkel Risbjerg nach Albertine Sarrazin (Schreiber & Leser)
Süße Versuchung von Jim und Grelin (Splitter Verlag)
Appartement 23 von Guillaume Sorel (Splitter Verlag)
Doppelgänger von Eric Corbeyran und Christophe Bec (Splitter Verlag)
Siberia 56 1 von Christophe Bec und Alexis Sentenac (Splitter Verlag)
Der Pfad des Dao 1 von Mathieu Mariolle und Federico Ferniani (Splitter Verlag)
Das verlorene Land (Gesamtausgabe) von Jean Dufaux und Grzegorz Rosinski (Splitter Verlag)
Schock 1 von Stéphan Colman und Eric Maltaite (Salleck Publications)
Der Prinz der Nacht – Integral 1 von Yves Swolfs (Kult Editionen)
Station 16 von Hermann und Yves H. (Kult Editionen)
AUS ASIEN
Drei Blütezeiten von Fumiko Fumi (Tokyopop)
NightS von Kou Yoneda (Tokyopop)
Tales of Symphonia 1 von Hitoshi Ichimura (Tokyopop)
Westwood Vibrato 1 von In-Wan Youn und Sun-Hee Kim (Tokyopop)
Totally Captivated 1 von Hajin Yoo (Tokyopop)
1001 Knights 1 von Yukiru Sugisaki (Tokyopop)
P.B.B. – Play Boy Blues 1 von Shiuko Kano (Tokyopop)
Programm: 100% Liebe 1 von Kayoru (Tokyopop)
Assassin’s Creed: Awakening 1 von Takashi Yano und Kenzi Oiwa (Tokyopop)
Wir! Jetzt! Hier! von Akira Nakata (Carlsen Manga)
Crimson-Shell von Jun Mochizuki (Carlsen Manga)
Mysterious Honey 1 von Rei Toma (Carlsen Manga)
Ameiro Paradox 1 von Isaku Natsume(EMA)
Shakugan no Shana X Eternal Song 1 von Shii Kiya und Yashichirou Takahashi(EMA)
Last Game 1 von Shinobu Amano (Kazé)
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Trau Dich 1 von Kai Asou (Kazé)
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Die Links hinter den Titeln verweisen jeweils auf Leseproben zum jeweiligen Comic (falls keine deutsche Leseprobe verfügbar ist, zu einer Version in der Originalsprache).

Annette Köhns Comic-Debut beginnt wie eine Liebeserklärung an die Macht der Fantasie: Die kleine, stets unter strenger Bewachung stehende Prinzessin Elly lässt sich während einer Operngala von einem kleinen Drachen entführen. In der Drachenhöhle angekommen erzählt der Drache mit dem Namen Leto der Prinzessin, dass ihre Begegnung früher sicher weniger sanft verlaufen wäre. Er zeigt ihr ein altes Buch mit großen, unheimlichen und feuerspeienden Drachen, die Reisende überfallen und Prinzessinnen rauben und quälen. Aber inzwischen sind die meisten Drachen geflohen vor dem Kriegslärm und der Ausbreitung der modernen Menschen. Nur Leto ist geblieben, doch er ist klein geworden und hat gelernt, dass man sich viel besser mit seiner Umgebung verträgt, wenn man nett ist. Einen Wunsch jedoch hat Leto noch: Er möchte einmal im Leben einen weiteren Drachen treffen. Prinzessin Elly rät ihm, nach Vietnam zu reisen, weil dort Drachen noch eine wichtige Rolle in der Kultur spielten. Leto beschließt, sofort auf die Reise zu gehen und Prinzessin Elly verspricht, von Letos Reiseerzählungen einen Comic zu zeichnen.
In Hanoi angekommen, gelingen der Zeichnerin einige wunderschön anzusehende Impressionen der Stadt. Leto stößt in einem Park auf zwei versteinerte Drachen, die sich nur durch Magie für kurze Zeit zum Leben erwecken lassen. Diese schicken ihn in die Halongbucht, wo es vielleicht noch frei lebende Drachen geben könnte. Auch die spektakuläre vietnamesische Halongbucht wird von Annette Köhn sehr ansprechend in Szene gesetzt, doch geht dem Comic in diesem letzten Teil merklich die Luft aus: Leto trifft einen freundlichen Affen, der ihm hilft, einen großen alten Drachen zu suchen. Als sie diesen finden, erweist sich der zwar zunächst als ziemlich grimmig, aber dieses Problem ist leicht gelöst: Tatsächlich hatte dieser alte Drache nur zu lange keine Freunde mehr gesehen, außerdem musste bei ihm einfach mal die Wohnung geputzt werden.
Störend ist manchmal auch die auf lässig getrimmte Sprache. Die größte Entgleisung ist dabei eine Seite, auf der es „voll viel Obst“ gibt, etwas „voll nett“ ist, wo „voll viele Menschen“ inzwischen Smartphones haben und diese Menschen „voll sauer“ sind, wenn ihnen „die Dinger“ von Affen geklaut werden. Solches „Babysprech“ passt weder zu den Figuren noch ist es das Deutsch, das ich meinen Kindern gerne beibringen würde.
Die neue Serie Wollodrin wird im neu lancierten Format „Splitter Double“ veröffentlicht, was hier insofern passend ist, da mit den ersten zwei Teilen der Reihe ein erster Storybogen abgeschlossen wird. Es fängt trostlos an: Eine bunt zusammengewürfelte Schar sitzt im Kerker und wartet aus den unterschiedlichsten Gründen auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Da kommt ihnen natürlich ein Angebot recht, das sie nicht ablehnen können: Ein Adliger verspricht ihnen nicht nur die Freiheit, sondern auch noch eine finanzielle Belohnung, wenn sie die entführte Erbin einer Dynastie wieder beschaffen können. Doch der Auftrag hat es in sich, denn die Entführer sind niemand geringeres als die Orks, die gerade wieder in den Krieg gegen die Menschen ziehen.
Ist die Prämisse zunächst Das dreckige Dutzend im Fantasygewand, wird sehr schnell deutlich, dass es sich hier eigentlich um einen Western handelt, da typische Elemente enthalten sind. Die Strukturen und Konstellationen sind sehr deutlich auch dem anderen Genre entnommen. Die Orks sind hier mit den Indianern gleichzusetzen und das Ritterheer mit der US-Armee, welche die Indianer beziehungsweise die Orks aufs Grausamste massakrieren und einen Vernichtungsfeldzug starten. Es geht um Land und Rassismus und das Unverständnis gegenüber einer fremden Kultur. Ein mehr als überraschender Aspekt, denn die Orks waren bislang (fast) immer die Urschurken der Fantasy. Auch abseits dieser Prämissen ist die Reihe sehr abwechslungsreich, voller Wendungen, was die Spannung enorm erhöht. Jede Figur hat einen Hintergrund und ihre eigenen Motive.
Mit Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen hat er eine feinfühlige Familienerzählung gezeichnet, in Die sieben Zwergbären nimmt er Märchen aufs Korn und Pauls fantastische Abenteuer ist ein klassischer Kindercomic. Unter der dem Titel
Dass einem dabei als Leser aufgrund der ernsten Motive nicht permanent das Lachen im Halse stecken bleibt, liegt an der extremen Überzeichnung der Sachverhalte wie auch der Figuren. Durch sie verhält sich das Album wie eine Ansammlung von humorigen Kurzgeschichten, die vordergründig sehr spaßig erscheinen. Die politisch-sozialkritischen Botschaften, die sich dahinter verbergen, treten jedoch deutlich zutage und verdienen eine nähere Beschäftigung.
Frank Miller’s Sin City: A Dame to Kill For
Trotz des Erfolges dauerte es recht lange, bis ein weiterer Film fertig wurde. Sin City 2: A Dame to Kill For ist gleichzeitig sowohl Sequel als auch Prequel zum ersten Film, denn wie schon im ersten Teil besteht er aus verschiedenen ineinandergewobenen Kurzgeschichten, die zeitlich mal vor und mal nach den Ereignissen aus dem 2005er-Film spielen. Größter Unterschied zu diesem ist die Tatsache, dass der neue Film in 3D gedreht wurde, ansonsten bleiben sich Miller und Rodriguez sehr treu. In Sachen Look and Feel knüpft A Dame to Kill For nahtlos an den Vorgänger an, auch sind wieder etliche Schauspieler aus dem ersten Teil mit dabei (u.a. Mickey Rourke, Rosario Dawson und Bruce Willis).
Im Grunde liefert der neue Sin City-Film genau das Gleiche, was schon der erste geliefert hat: Geschichten voller Sex und Gewalt aus einer unwirklich-künstlichen, aber sehr faszinierenden Noir-Welt, inspiriert von klassischen Hardboiled-Erzählungen und -Filmen, in harten Schwarz-Weiß-Kontrasten, die nur gelegentlich mit gezielten Farbtupfern versehen werden. Wer Sin City kennt, weiß also ziemlich genau, was er in A Dame to Kill For bekommt. Man mag das als Vorteil sehen, aber letztlich gereicht es dem Film zum Nachteil: Man wird nicht mehr überrascht, kommt nicht mehr ins Staunen über diese Mischung aus Schmuddel und Glamour. Man kennt das alles schon. Und hat deshalb umso mehr Gelegenheit, zu erkennen, wie platt das alles eigentlich ist. Obwohl das Sequel knapp 20 Minuten kürzer ist als der Vorgänger, fühlt es sich länger an, denn schon bald setzt ein deutlicher Ermüdungeffekt ein.
Was Sin City 2 fehlt, ist eine originelle Weiterentwicklung, ein Überraschungsmoment, irgendetwas Unerwartetes. Der 3D-Effekt kann diesen Mehrwert nicht leisten, er ist wie so oft im modernen Kino bestenfalls überflüssig. Hier ist es eher so, dass das 3D dem Bemühen schadet, der Comicvorlage so nahe wie möglich zu kommen, denn diese setzt in ihren extremen, holzschnittartigen Schwarz-Weiß-Kontrasten ganz bewusst auf eine zweidimensionale, sehr flächige Darstellung. Auch dramaturgisch finden Miller und Rodriguez keinen interessanten Weg, die Einzelepisoden zu verknüpfen. Diese plätschern recht beliebig neben- und hintereinander her, meilenweit entfernt von den cleveren Episoden-Verschränkungen eines Robert Altman oder Quentin Tarantino. Vielleicht wäre es schlauer gewesen, sich auf eine Geschichte zu beschränken und diese mit einem Hauch von Inspiration oder Erzählfreude zu präsentieren.
Im Jahre 2010 erschien mit Jens Harders Buch Alpha … directions der Beginn eines Mammutwerkes. Als erster Teil einer als Trilogie geplanten Beschäftigung mit der Entwicklung der Erde und deren Bewohner, die vom Urknall ausgehend bis in die Zukunft reichen soll. Über vier Jahre später liegt jetzt Beta … civilisations Volume 1 vor, der nicht weniger umfangreiche Nachfolger, dessen zweite Hälfte aufgrund der Fülle an Material später nachgereicht werden muss, bevor es schließlich in Gamma den Abschluss des Langzeitprojektes geben wird.
Wie für eine endlose Collage setzt Harder seine von unzähligen Vorlagen aus allen Epochen stammenden Abbildungen zeichnerisch um und arrangiert sie zu einer persönlichen Sichtweise auf die Entwicklung von Erde und Mensch. Insofern ist es Harders Versuch, seine eigene Wahrnehmung der Dinge grafisch zu vermitteln. Dementsprechend kann man hier auch von einer subjektiven Gewichtung der Inhalte sprechen und von einer intuitiv geleiteten, assoziativen Erzählstruktur. So folgt beispielsweise einer Vorstellung verschiedener Affenarten, vermittelt über den Begriff der Primaten und der später folgenden Selbstsicht des Menschen als Herrentier (bzw. –mensch), eine Reihe von Bildern, auf denen nacheinander Jesus Christus, Superman, Elvis und Adolf Hitler erscheinen. Das mag an manchen Stellen etwas überfordernd sein und derlei gewagte Darstellungen strapazieren in ihrer Häufigkeit durchaus hin und wieder die Aufmerksamkeit des Lesers, doch das Beispiel belegt gut, wie der Künstler bei seiner Auswahl, bei seinen Arrangements vorging. Immer wieder gliedert er einzelne Entwicklungsschritte aus, zeigt mal mehr und mal weniger ausführlich deren Stellenwert für nachfolgende Glieder in der evolutionären Kette. Das ist mit extremen Zeitsprüngen verbunden, mit einer Flut an Bildern, die aus allen verfügbaren Quellen zusammengetragen wurden und schließlich unvermittelt auf den Betrachter einprasseln.
Der klassische Western ist nicht tot zu kriegen. Manchmal erinnert er eher an einen Wiedergänger, einen Zombie, der aus dem Grab wieder aufersteht, um die Menschen an die Vergänglichkeit zu erinnern. Da wird eine Nostalgie geschaffen für ein Genre, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Aber gibt es den Western wirklich nicht mehr? Doch, natürlich. Erst in den letzten Jahren wurden auch lang laufende Serien wie Bouncer und Wanted lanciert, die aber eines gemeinsam haben: Sie zeigen offen Gewalt und Zynismus und vermögen so wohl auch eher die historische Realität einzufangen als glorifizierende oder nostalgische Rückblicke, wie es etwa manchmal Comanche unterläuft. Umso mehr überrascht einen dann der Start einer Westernserie, die genau das macht.
1875 flieht der Chiricahua-Apache Schwarzer Wolf zusammen mit weiteren Kriegern aus dem Reservat und möchte eine neue Armee zusammenstellen, für die er Waffen benötigt. Der Soldat Roy Clinton wird zu einem Fort geschickt, um die Besatzung vor einem möglichen Krieg zu warnen. Doch auf dem Weg entdeckt er eine Leiche und wird selber von Indianern angegriffen, die ihn verletzen. Von einer jungen Frau und zwei Kindern erhält er Pflege, aber keinen Schutz, denn die Indianer planen die Ranch anzugreifen.
Nach den Ereignissen im
So fühlt sich diese zweite Ausgabe wie eine richtig abwechslungsreiche echte Staffel von Akte X an: Mulder und Scully zurück beim FBI, Monster-of-the-Week-Folgen mit alten Bekannten wie auch mit neuen Fällen, dazwischen mehr zu den Protagonisten der Alienverschwörung, und der Kettenraucher erzählt aus seinem Leben. Insgesamt ist das ein toll zu lesender Querschnitt aus allen Versatzstücken, die Akte X seit jeher gekennzeichnet haben. Wer hätte gedacht, dass Joe Harris die zehnte Staffel mit so viel Elan und Mühe angeht?