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Links der Woche: Mit Jahresrückblicken und Comics, die im Nirvana verschwunden sind

Unsere Links der Woche, Ausgabe 43/2011:

The Wormworld Saga, Kapitel 2: Die Reise beginnt
Wormworldsaga.com, Daniel Lieske
Vor genau einem Jahr veröffentlichte Daniel Lieske das erste Kapitel seines extrem erfolgreichen Onlinecomics und versprach den zweiten Teil für Weihnachten 2011. Das hat geklappt, das neue Kapitel steht seit Heiligabend im Netz. Inzwischen arbeitet Lieske dank einer erfolgreichen Kickstarter-Finanzierung hauptberuflich an dem Projekt, eine Printausgabe erscheint im kommenden Jahr bei Tokyopop.

Der Superknall – fünf Jahre Krise
Zeit Online, Miriam Migliazzi, Mart Klein und diverse Autoren
Die Zeit versucht, den Verlauf der Finanzkrise seit 2007 zusammenzufassen und zu erklären – und tut es in Form eines siebenseitigen Comics, der als PDF verfügbar ist.

RUDI Update v2.011
peter-puck.de, Peter Puck
Ein Lebenszeichen von Peter Puck, dessen Rudi-Comics schon seit längerem pausieren. In dem kurzen Strip blicken Rudi und Fred zurück in ihre eigene Vergangenheit.

Filmpodcast Nr. 266: Poulet aux prunes, Marjane Satrapi.
Sennhausers Filmblog, Michael Sennhauser
In der aktuellen Folge von Kino im Kopf, dem Filmmagazin des Schweizer Radios DRS (für Filmfans generell sehr empfehlenswert) geht es diesmal um Marjane Satrapis Verfilmung ihres Comics Huhn mit Pflaumen.

Die besten Comics des Jahres 2011
FAZ Comic-Blog, Andreas Platthaus
ComicsAlliance 11 Best Comics of 2011
ComicsAlliance
The Best of 2011
Comixology, Tucker Stone
The best comics of 2011: Superhero and mainstream
The best comics of 2011: Graphic novels & art comics
The Onion A.V. Club, Oliver Sava und Noel Murray
Noch mehr Jahresbestenlisten!

The Top 10 Comic Book Trends of 2011
Newsarama
Die Newsarama-Redaktion blickt zurück auf das Jahr und stellt eine Top-Ten-Liste der wichtigsten Trends auf dem amerikanischen Comicmarkt zusammen. Die Top 3: Reboots & Relaunches, pünktliches Erscheinen, gleichzeitige Veröffentlichung von Print- und Digitalausgabe (Day and Date).

Comics‘ Most Notorious No-Shows (Part 1, Part 2)
Comic Book Resources, Chris Arrant
Eine Sammlung von Comicprojekten, die in den letzten Jahren angekündigt wurden, aber bisher nicht erschienen sind und größtenteils wohl auch nie erscheinen werden.

DC Comics: End plans for sequels to Watchmen
change.org, Alan David Doane
Eigentlich finde ich Online-Petitionen grundsätzlich doof, diese hier aber soll zumindest erwähnt werden. Die Gerüchte, dass DC Comics nun vielleicht doch plant, Fortsetzungen (oder Prequels oder Spin-Offs) zu Watchmen zu bringen (und damit Alan Moore, der sich das stets verbeten hat, ganz offiziell einen dicken Stinkefinger zu zeigen), haben sich in den letzten Wochen verhärtet. Auf der Plattform change.org gibt es eine Petition, die DC darum bittet, die Finger von dem Projekt zu lassen, solange man sich mit Moore nicht einig ist.

Johnson Cover Hi-Lo
Dave Johnson
Seit November bloggt Dave Johnson, vielfach gelobter Coverkünstler vieler US-Comics (u.a. 100 Bullets) über sein eigenes Metier. Jede Woche stellt er gelungene und misslungene Comiccover vor und betreibt dabei auch das, was manche gerne „Kollegenschelte“ nennen. Man kann es aber auch als konstruktive Kritik und Ansporn zum Besser-Machen verstehen.

The Marvel Age of Comics
themarvelageofcomics.tumblr.com, Tom Brevoort
Auf einem neu eingerichteten Tumblelog postet Marvels „Senior Vice President of Publishing“ Tom Brevoort Fundstücke aus Marvels Archiven, hauptsächlich abfotografierte Originalseiten aus den Anfangstagen des Verlags.

Hot Rock

hotrock1Die Story des aktuellen Bandes der Noir-Reihe von Schreiber & Leser ist ein veritabler Medienhopper: Ursprünglich Anfang der Siebziger von Schriftteller Donald Westlake als Roman zur Papier gebracht, wurde der Stoff bereits 1972 unter dem Titel Vier schräge Vögel mit Robert Redford in der Hauptrolle verfilmt. Jetzt hat sich der französische Künstler Lax (alias Christian Lacroix) der Ganovengeschichte angenommen und sie als Comic adaptiert.

Hot Rock erzählt von John Dortmunder, der, gerade als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, den nächsten großen Coup angeboten bekommt. Für einen afrikanischen Botschafter sollen er und seine Bande einen Smaragd stehlen. Der gut bezahlte Job entpuppt sich jedoch schnell als nicht enden wollender Alptraum – jeder erfolgreich umgesetzte Plan zur Erlangung des Edelsteins zieht weitere, unangenehme Konsequenzen nach sich.

Lax konzipiert die Handlung als realistische Gaunerkomödie ohne viel Umschweife. Der Leser partizipiert direkt am Vorgehen der Gruppe um John Dortmunder, die auf der Jagd nach dem kostbaren Stein nacheinander ins Museum, in eine Polizeistation und ins Gefängnis einbrechen müssen und damit ihren Aufraggeber immer wieder aufs Neue vor den Kopf stoßen.

hotrock2Sehr gut gefallen hat mir in dieser Hinsicht die Aufteilung der Story in die aufeinander aufbauenden Phasen des Diebstahls. Dadurch entsteht nicht nur oberflächlich eine Taktgebung der Handlung, sondern der Comic erhält insbesondere eine gewisse Dramaturgie, die sich zum Teil mit einer tollen Situationskomik paart. So liest sich Hot Rock einerseits als ernstzunehmender und spannender Noir-Thriller, lädt einen aber aufgrund der Storyentwicklung immer wieder zum Schmunzeln ein.

Überdies kann Lax mit einer überzeugenden zeichnerischen Arbeit punkten. Seine Bilder sind detailliert und auf eindrucksvolle Weise mit satten Pinselstrichen unterlegt. Grafisch ist dem Franzosen damit schon mal ein echtes Schmuckstück geglückt.

Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, sind die Off-Texte, die zwischendurch immer mal wieder die Gedanken von John Dortmunder in der dritten Person nacherzählen. Das wirkt ingesamt wenig passend, scheinen die entsprechenden Passagen doch 1:1 der Romanvorlage zu entstammen. Und nicht jede vermeintlich coole Plattitüde, die einem verruchten Ganoven in einem klassischen Kriminalroman angedichtet wird, lässt sich in eine ansonsten flüssige und unterhaltsame Comicerzählung nahtlos einfügen.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten 

Rasante Crimestory ohne übertriebene Ernsthaftigkeit

 
Hot Rock
Schreiber & Leser, Juni 2011
Text: Lax (nach Donald Westlake)
Zeichnungen: Lax
96 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 17,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-63-0
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Links der Woche: Mit Nullnummern, Rückblicken und Nachrufen

In einer idealen Welt wäre das Ausgabe 51 der „Links der Woche“. Ganz haben wir es dann doch nicht geschafft, diese kleine Rubrik wirklich jede Woche zu befüllen. Vor allem am Jahresende gab es eine größere Lücke (die letzte Ausgabe stammt vom 18. November), aber – guter Vorsatz zu Weihnachten – künftig sollen hier wieder regelmäßig die interessantesten Comiclinks gesammelt werden. Hier nun also unsere Links der Woche, Ausgabe 42/2011:

 

Alfonz – Der Comicreporter
www.alfonz.de
In unserem Interview hatte sich Mit-Herausgeber Matthias Hofmann noch recht weit aus dem Fenster gelehnt: „Sag mal laut „Karacho“. Und dann stell Dir vor, 61.673 Comicfans stehen in Fußballarena „AufSchalke“ und intonieren „Karacho“. Da fliegt das Dach weg.“ Das Dach darf nun liegen bleiben, denn weil der Name „für ein regionales ostdeutsches Szene-Magazin bereits vergeben und rechtlich geschützt war“, benannte sich das neue Comicmagazin noch vor dem Start kurzfristig um und heißt jetzt Alfonz, angelehnt an den schon lange bestehenden Verlagsnamen „Edition Alfons“. Seit Donnerstag gibt es eine erste, 16-seitige Nullnummer, die einen Ausblick auf das Magazin gibt, das ab Sommer 2012 als Printpublikation erscheinen wird. Wer seine E-Mail-Adresse preisgibt, bekommt einen Link zum PDF-Download, für alle anderen gibt es auf der Website eine Flash-Version zum Durchklicken.

E wie Erikativ
Die Welt, Marc Reichwein
In ihrer Kolumne „Sprechen Sie Feuilleton?“ beschreibt Die Welt diesmal recht gelungen das überraschende Anklettern des Stellenwerts von Comics im deutschen Feuilleton in den letzten Jahren. Der Autor betont dabei die Donaldisten-Unterwanderung der FAZ und vor allem den Einfluss des neuen Begriffs „Graphic Novel“.

„Sonst müssen alle Quatsch machen“
taz, Michael Brake
Ein Interview mit Dirk Rehm und Michael Groenewald zum 20. Geburtstag von Reprodukt, in dem das G-Wort natürlich auch nicht fehlen darf. Und zum Schluss äußert Rehm einen Wunsch: „Ich hätte gern ein wenig Konkurrenz, die das Geschäft belebt und an der man sich ein bisschen reiben kann.“

Der letzte Kinnhaken
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
In der vorletzten Woche verstarben gleich zwei wichtige amerikanische Comiczeichner: Joe Simon, der zusammen mit Jack Kirby Captain America geschaffen hat, und Jerry Robinson, der als Erfinder von Batmans Lieblingsfeind, dem Joker, gilt. Der Tagesspiegel ehrte beide mit einem kurzen Nachruf. Ausführliche Nachrufe gibt es natürlich auf amerikanischen Websites wie dem Comics Journal: Jerry Robinson: January 1st, 1922-December 7th, 2011 und Joseph Henry Simon: October 11, 1913 – December 14, 2011.

10 + 5
Titel-Magazin, Christoph Haas
In zwei Jahresbestenlisten stellt Christoph Haas die aus seiner Sicht zehn besten Comic-Neuerscheinungen sowie die fünf besten Wiederveröffentlichungen vor.

Best Graphic Novels of 2011
Johanna Draper Carlson, Comics Worth Reading
Best Manga of 2011

Johanna Draper Carlson, Manga Worth Reading
iFanboy’s 2011 Book of the Year: Petrograd
iFanboy  
Und noch mehr Bestenlisten (und das ist nur eine kleine Auswahl)!

Und als kleiner Weihnachtsgruß zum Schluss: Die schöne Video-Hommage an Bill Wattersons Calvin and Hobbes, in der Calvins unorthodoxe Schneemänner als Animationsfilm umgesetzt wurden:

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Steam Noir – Das Kupferherz 1

Cover Steam Noir 1Manchen Lesern und Fans dürfte dieser Comic nicht gänzlich unbekannt sein, da er schon vorab in Fortsetzungen im Magazin Comix erschien. Nur hat man hier nun den kompletten Band in einer sehr viel schöneren Aufmachung vorliegen. Qualitativ ist an den Cross-Cult-Veröffentlichungen kaum etwas auszusetzen, was Papier, Bindung und Zusatzmaterial betrifft. Hier sind einige Anhänge zu den Storyhintergründen und eine kleine Galerie angefügt.

Der Serientitel trifft Inhalt und Ton ganz gut: „Steam Noir“. Da hätten wir zum einen den Steampunk (Futuristik in einem Ambiente, das vorzugsweise viktorianisch geprägt ist) und die Noir-Stimmung, die vor allem das amerikanische Kino der vierziger und fünfziger Jahre prägte. Dieses war vorzugsweise düster gehalten und schilderte die Ausweglosigkeit von Protagonisten, die ihrem Schicksal trotz aller Bemühungen kaum entkommen konnten. Der erste Band der neuen Reihe der jungen Deutschen Schreuder und Mertikat bietet denn auch von vielem etwas.

In einer Zukunftswelt nach den sogenannten „Blinden Tagen“ gibt es eine Behörde, die sich ungewöhnlicher Fälle annimmt. Architektur, Kleidung und Gesellschaftsstruktur könnten in dieser Welt aus dem viktorianischen Zeitalter stammen. So ist ein Mitglied des dreiköpfigen Ermittlerteams eine Suffragette (eine frühe Feministin) und Tatortermittlerin im Sinne einer Temperance Brennan (Bones). Der Held, Heinrich Lerchenwald, ist ein sogenannter Bizarromant, dessen Aufgabe unter anderem darin besteht, flüchtige Seelen von der Toteninsel einzufangen, die für alle und jeden gefährlich werden können. Der dritte im Bunde ist ein beseelter Maschinenmensch und durchwegs logisch agierender Kriminalist. Das Team wird zu einem Mordfall gerufen, wobei eine Seele den Körper eines Kindes entwendet hat. Dieses schien ein begehrtes künstliches Herz gehabt zu haben. Das führt das Team nicht nur zu einem Wunderheiler, sondern auch mehrfach in Gefahr.

Seite aus Steam Noir 1Man hat also Science-Fiction, Krimi und Historisches mit einem leichten Hauch von Horror. Und das hat durchaus etwas Faszinierendes, da es sich scheinbar mühelos ineinanderfügt. Zu Beginn ist die Steampunkwelt etwas irritierend. Aber gerade das ist reizvoll und der Leser versinkt in dieser Welt und hat Gefallen daran, diese zu erkunden. Vor allem da Schreuder und Mertikat, den meisten wohlbekannt durch ihren preisgekrönten Comic Jakob, kaum etwas erklären und somit zu einer Exploration einladen. Da man sich als Leser noch nicht so recht zurechtfindet, ist die Handlung dementsprechend spannend, da mit jedem Ermittlungsschritt auch mehr von der Welt enthüllt wird. Leider ist das aber nicht richtig mitreißend, der letztendliche Kick fehlt etwas. So gerät die Handlung mehr und mehr aus dem Blick, während man sich auf den Spuren des Settings etwas verliert. Die Anmerkungen im Anhang sind da ganz hilfreich, hätten aber durchaus im Laufe der Handlung eingebettet werden können. Allles bleibt ein bisschen unklar, auch der Kriminalfall selbst – und obwohl sich gegen Ende der Lektüre leichte Enttäuschung und Ratlosigkeit breit machen, hat man zum Schluss durchaus Lust auf mehr.

Seite aus Steam Noir 1Felix Mertikats Zeichnungen sind sehr stimmungsvoll, bisweilen sehr flächig und in großen Panels gehalten. Die vielen guten Ideen – gerade in den Details – machen Steam Noir zu einem optischen Genuss. Aber mit dem Artwork verhält es sich wie mit der Story: Bislang ist es nicht wirklich herausragend und erinnert bisweilen an FreakAngels. In jeder Hinsicht ist noch Luft nach oben und angesichts der kreativ gestalteten Welt ist man neugierig. Nur sollte die Fortsetzung mehr Blick auf die Story legen, denn mit der Umgebung ist man dann ja schon recht vertraut.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Faszinierende Hintergrund-Welt und gute Zeichnungen, die Handlung hat jedoch noch einige Luft nach oben.


Steam Noir – Das Kupferherz 1
Cross Cult, Oktober 2011
Text: Benjamin Schreuder
Zeichnungen: Felix Mertikat
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 16,80 Euro
ISBN: 978-3-942649-27-8
Leseprobe

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Abbildungen: © Felix Mertikat/Benjamin Schreuder/Cross Cult

Das Schattenreich von Troy

Cover Das Schattenreich von TroyMan muss schon ehrlich sein: die meisten der Spin-Off Serien von Lanfeust von Troy, die mittlerweile eine leicht unübersichtliche Anzahl einnehmen, sind qualitativ nicht so hochwertig wie die ursprüngliche oder wie Troll von Troy. Quantität ging da eindeutig zuungunsten von Qualität. Wie schön, dass man nun aber durch Das Schattenreich von Troy wieder versöhnt wird. Action, Spannung und Grusel werden mit den beliebten Zitaten, Parodien und Verweisen gespickt, so dass man mit der Heldin eine gemeinsame Reise ins Schattenreich starten kann.

Die junge Dyssery soll den reichen Phoree heiraten, was sie allerdings nicht will, sondern nur in die Ehe einwilligt, da man den Eltern zu gehorchen hat. Viel lieber möchte sie Theater spielen, was zu jener Zeit aber für eine junge Dame nicht schicklich ist, da dies ein ähnlich hohes Ansehen wie Prostitution hat. Die Hochzeit verläuft trübsinnig für sie und aus lauter Schrecken vor den Annäherungen der Hochzeitsnacht begeht Dyssery Selbstmord. Angekommen im Schattenreich muss sie sich nicht nur zurechtfinden, sondern sich auch Monstern und Dämonen erwehren. Doch auf einmal bekommt sie nun die Möglichkeit, Theater zu spielen. Ihr Ehemann aber macht sich auf den Weg in die Unterwelt, um seine Frau wieder zu holen.

Seite aus Das Schattenreich von TroyWem diese Grundkonstellation einigermaßen bekannt vorkommt, der hat natürlich recht. Christophe Arleston und seine Ko-Autorin Audrey Alwett nehmen sich den Mythos von Orpheus und Eurydike zur Brust (der im Übrigen auch in Neil Gaimans Sandman eine große Rolle spielte). Darin reiste Orpheus in die Unterwelt, um seine während der Hochzeitsfeierlichkeiten gestorbene Eurydike ins Leben zurückzuholen. Gerührt von dessen musikalischen Fähigkeiten, gestatteten Hades und Persephone ihm dies mit einer Auflage, die Orpheus nicht einhielt. Eurydike musste wieder in das Schattenreich zurückkehren. Die Ausgangsbasis ist im vorliegenden Comic also die gleiche wie in der griechischen Sage. Mit einer kleinen, aber wichtigen Änderung: Die Frau will nicht mit, da sie ihren Mann nicht liebt. Allein dieser Aspekt sorgt für viel Humor, aber auch für Stellungnahmen zum Feminismus und zu weiblicher Selbstbestimmung in einer patriarchalischen Welt.

Generell sind in diesem Album so viele Themen und Reisen zu finden, dass es locker für mindestens einen weiteren Band gereicht hätte. Dafür punktet der One-Shot aber mit hohem Tempo und einer guten Dynamik. Schon zu Beginn zitieren Arleston und Alwett Terry Pratchett und seine Scheibenwelt in punkto Götterglauben, machen aber nicht viel daraus (was gegenüber Pratchett auch unfair gewesen wäre). Dass im Theater nur Männer auftreten dürfen, geht auf Shakespeares Zeiten zurück, als Männer die Frauenrollen spielen mussten, da es Frauen untersagt war, diesem anrüchigen Beruf nachzugehen. Dies erlaubt nicht nur ein, zwei eingestreute Shakespearezitate, sondern ermöglicht auch eine feministische Perspektive, da sich die Heldin dagegen auflehnt und über ihr Leben selbst bestimmen will. Sie will kein Objekt sein, auch in sexueller Hinsicht, ist es aber ironischerweise besonders in der Totenwelt, was dem Leser großen Spaß bereitet.

Seite aus Das Schattenreich von TroyGlücklicherweise ist auch der Wortwitz wieder da (etwa bei den Götternamen) und an Action und auch Grusel mangelt es nicht. Dass Dysserys Begleiter ausgerechnet ein frecher und lüsterner Dämon ist, macht die ganze Sache noch sehr viel amüsanter. Generell hat Arleston hier wieder zu alter Stärke zurück gefunden. Viele gute Ideen und ebensolche Themen machen den Band im Verbund mit den gelungenen, detaillierten Zeichnungen von Virginie Augustin (Alim der Gerber) zu einem viel zu schnell zu Ende gehenden Vergnügen.

 

Punkte: 9 von 10 Punkten

Arleston findet zu alter Größe zurück, indem er Wortwitz, Action, Parodie, Spannung, Zitate und Grusel verbindet.

 

Das Schattenreich von Troy
Splitter Verlag, November 2011
Text: Christophe Arleston und Audrey Alwett
Zeichnungen: Virginie Augustin
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-416-1
Leseprobe

 

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Interview with Robert Kirkman

[Hier geht’s zur deutschen Version.]

.thumb_Robert_KirkmanRobert Kirkman first entered the North American comics industry with his own publishing house, Funk-O-Tron. In addition to titles such as Take, which among others included Joe Casey and Charlie Adlard’s „Codeflesh,“ Funk-O-Tron also published Kirkman’s own Battle Pope series. In 2002, Kirkman moved his projects to Image Comics. Starting out with lukewarm initial sales, both of Kirkman’s ongoing series – the superhero epic Invincible and the zombie title The Walking Dead – began to buck the trend in 2003 and have been steadily climbing the sales charts ever since.

Through his success at Image, Kirkman attracted the attention of Marvel Comics. At Marvel, he wrote for company-owned projects such as „Sleepwalker“ (released in Epic Anthology #1), a four-part Captain America story, the X-Men spin-off Jubilee and the fifth-week event Marvel Knights 2099, but most of those projects lacked the critical and financial success of his own creations. Kirkman’s ongoing title Marvel Team-Up has been said to continue until mid-2006, despite mediocre sales. Other upcoming Marvel publications written by Kirkman include the one-shot What if…?: Thor, a short story in Amazing Fantasy #15, the limited series Marvel Zombies and – beginning in January 2006 – the ongoing series Ultimate X-Men. Invincible and The Walking Dead continue to be published through Image Comics, in addition to reprints of Battle Pope, which is being reprinted and for the first time released in full color.

twd_logoOn the occasion of the German release of The Walking Dead through Cross Cult, Comicgate had the opportunity to talk to the prolific author. Translated parts of the conversation can be found in said print edition.

The following interview was conducted via e-mail between October 11 and November 4, 2005. Interviewer was Marc-Oliver Frisch.


Comicgate: When did the idea for The Walking Dead first occur to you? How long did it take from your initial inspiration to the start of the series at Image Comics?

Robert Kirkman: The idea for The Walking Dead came from my love of zombie flicks. I used to watch those movies like they were going out of style and I always wanted to know what happened after the movie. So I came up with the idea to do a comic that was basically a zombie movie that never ended. I wanted to do an open-ended exploration on the zombie holocaust and follow it all the way to its natural conclusion. That was the idea behind The Walking Dead. I came up with the idea probably in October of 2002. I asked Tony Moore to draw up some pages and I pitched the book to Image in December of 2002. Originally I was going to use the name „Night of the Living Dead[the title of a classic zombie film by director George Romero –Marc-Oliver] for the sake of recognizability, since I had heard that movie had fallen into public domain. Jim Valentino, then publisher of Image, suggested I just make up my own name, so that I would own the whole thing. I then came up with the title, „The Walking Dead.“ I don’t know if I’ve ever thanked Jim Valentino for making that suggestion. Anyway, I pitched the book and it was accepted aside from a name change. I wanted it to debut in March of 2003, but Image wanted to hold it for October 2003 so that it could ship around Halloween.

CG: Did you always want The Walking Dead (or Night of the Living Dead) to be a comic book series, or was there a point when you considered another medium for the story?

RK: It was always a comic. It’s what I do for a living. I don’t write TV or novels or cereal boxes. I always wanted to do it as a comic.

CG: Can you walk us through the process of creating a typical issue of The Walking Dead, from gathering story ideas to sending the book to the printer?
twd03 RK: Well, it starts with me getting ideas for the characters. I have a lot of stuff already planned out for specific characters, have for a while. But I don’t know exactly when those events are going to take place in the book, so I have to figure that out and all the while I’m coming up with new stuff that happens before and after those events. So I’m always running through this stuff in my head, when I shower, when I drive, when I’m eating, when I’m supposed to be having a conversation with someone… it’s taken over my life. When it’s time to do any given issue, I try to organize my thoughts into a rough outline. I lay everything out on paper, organize it chronologically and scrawl out dialogue notes. What I end up with is a piece of paper numbered from 1-22 that has notes for what happens on every page. Then I sit down at the keyboard with that thing and use it as a guide to type up the script. I’m not bound to that plot outline, I veer from it quite a bit-I’ve even completely changed the last half of a couple issues at the last minute because I’ve changed my mind. I’ll decide to kill off a character or I’ll decide not to kill off a character… it’s all up in the air until it’s typed up.

From there I send the script off to Charlie [Charlie Adlard, artist of The Walking Dead starting with Vol. 2 -Marc-Oliver]. He usually spends a month or less on the book. He’s a dream to work with, beautiful pages and on schedule every time. I’d marry him if we weren’t both already married to someone else… and heterosexual. He usually roughs out the whole issue (unless I’ve only sent him a partial script, which we’ll both admit happens more times than either of us would like) in pencils first. He breaks down the pages into panels, roughs in the people, details out any complicated items and then jumps into inking. Once the pages are all inked up he sends them off to me.

Back when I lettered the book myself, everything from issue 19 back, I would letter the book at this point. Now, I send the book off to the letterer, Rus Wooton and the gray tone artist, Cliff Rathburn at the same time.

For Rus, I shrink the pages down to jpegs and I do balloon placements. I go into Photoshop and with a mouse I draw in crude little balloon shapes for where the balloons should go on the page. While I do this I do a final pass on the dialogue, changing things, lengthening and shortening dialogue, making things flow better and fit with the art perfectly… at least, that’s what I’m trying to do. I’ve rewritten entire pages in this stage before. I frequently pull out lines of dialogue entirely if they’re not needed. Once Rus has the script and balloon placements, he letters the whole book on the computer, using some program or another.

Meanwhile, Cliff Rathburn is toning the pages… doing his beautiful gray wash painting over Charlie’s inks. He does this in Photoshop as well, I believe. I think the tones are very important to this book. It give it a more finished look, closer to a color book than a black and white book that just runs flat line-art. Although, I must say, it’s a shame that people rarely get to see Charlie’s art in stark black and white. It’s mesmerizing to look at. I’ve stated many times that it kills an entire day when he turns pages in, I just stare at them all day long when I get them. And then my schedule takes another hit when Cliff turns in the toned pages.

After the toning and the letters are done, Rus goes in and merges the lettering with the toned pages, to make them one final completed page. Then that’s sent to Image Comics so they can send it off to the printer.

CG: The Walking Dead, like most of your other works, is serialized in monthly 22-page issues (the standard format in North America) before being collected in trade paperbacks. What role do the two formats play in your approach to structuring and pacing a story?

RK: To utilize the monthly format I always try to write to cliffhangers. I always try to end an issue with a moment that will make the readers hungry to come back for more, so to speak. Now, not every cliffhanger can be some startling event, or after a while they’ll lose all effect, so from time to time I have some pretty lame cliffhangers that are just „whoa, they found a generator“ and stuff like that. But I always try to end on something at least interesting.

Since I know that these issues are going to eventually be collected into paperback volumes, I try to make sure that the first page of every issue fits well next to the last page of the previous issue. So that if they’re read together without any interruption, the transition from one issue to the next isn’t jarring.

I never write the story and plot it out with a six issue break in mind. From time to time if I can, I try to end the sixth issue with a resolution of some kind, but only if the story is flowing to that around the time I’m writing that issue. I would never lengthen or shorten a story to make it fit in a trade paperback. Which is why the third volume ends with a cliffhanger.

CG: Are you happy with the monthly format?

twd_de_01RK: Absolutely. I guess most of Europe is all about the graphic novels, and there’s a lot of them here, in the US, also. But for my money, I enjoy the monthly installment plan. I dig buying monthly comics and getting a serialized story. It’s not the perfect format for every book. And I’m told The Walking Dead does read better in collected form, but I love the single issues. I don’t ever plan to abandon the format.

CG: Speaking of Europe, how familiar are you with the European comics scene? Are there any particular European creators or works that have influenced you?

RK: I live in Kentucky, which I guess is considered one of the more rural states in America. That’s not to say that that stuff is unavailable to me. It’s just that I’d have to specifically special order whatever I want. I’m just not that familiar with European stuff. I mean, I love Moebius as much as anything. He’s probably one of the only guys I know by name. I see stuff like Dylan Dog and Blacksaad and Red Hand, the thing Kurt Busiek did recently. I think that stuff all looks great. I’m a huge fan of the oversized thinner graphic novel format. So much so that I hope to do one myself some day soon. But I’m just not overly familiar with the stuff in general. It’s certainly on my to do list.


CG: I suppose you haven’t seen the new Asterix which came out last week, then.
Is there any chance you’re going to take The Walking Dead to Europe or other parts of the world?

RK: Haven’t seen Asterix, no.

The Walking Dead
is already published in a few countries over there. I don’t really keep track of where, since I let Image Comics handle all that stuff.

CG: I actually meant the story, but that’s interesting, as well.
Let me rephrase: Are there any plans for showing other countries or continents in The Walking Dead, or do you want to keep the focus on the United States?

RK: Well, I plan on staying with the same group of characters throughout the run of the book. The ones that live, of course. There may be times when the core group splits up and I follow both of them. But the only time I’d show what’s going on in Europe for instance is if our characters took a boat over there to see what’s up. For the time being at least, the book will only take place in America.

CG: Without revealing too much to German readers, The Walking Dead has touched upon several controversial social and political issues, including gun control or the death penalty. Now, the United States has been widely lambasted in Germany and Europe at large for many of its policies in those areas, and vocal critics like Michael Moore or Noam Chomsky are treated as pop stars for their opposition to the American administration. What are your thoughts on those reactions in Europe, as a writer and as an American?

RK: I don’t really see how relevant a political question is in the scheme of this interview. Is it okay if I decline to answer this question?
I mean, it would be like asking me about religion. You divide the audience no matter what your opinion is.

CG: Fair enough – feel free to decline any question.
The relevance of the question, to my mind, is that these subjects definitely come up in The Walking Dead in a prominent fashion. Given that they’re fairly relevant political issues in the United States and elsewhere, I thought it would be interesting to have some insight into your thoughts.
Would it help if I rephrased the question, e.g. by leaving out the international aspect?

RK: I’m not really trying to make a statement along those lines in The Walking Dead. That stuff cropped up only because it’s logical that it cropped up, not because I had something to say on the matter. I’m not a writer that tries to forcefeed his views about anything on the public through his work.

That could be my answer to the rephrased question.

CG: Fair enough. Let’s move on, then.
Early on in your career, you created and published a title called Battle Pope, featuring a rather idiosyncratic version of the Pope, which is currently being reprinted at Image. Have the recent death of John Paul II and his replacement with Benedict XVI, a German (and a Bavarian, to boot), given you any ideas for a potential continuation of the title?battle_pope8

 RK: Battle Pope was never even remotely based on the real pope in any way. Battle Pope was basically a superhero comic, featuring a character who  happened to be the Pope. I made little reference to Catholicism or anything like that. So no, a new pope wouldn’t have any kind of bearing on what I would do in future Battle Pope stories. That book is way too silly to be based on anything remotely real. I would like to continue the title if the reprint series continues to do well.

CG: Your Image Comics series Invincible was recently promoted with a special issue which was sold at the reduced price of $ 0.50 and aimed at attracting new readers to the title. Could you shed some light on the economics involved with this sort of promotion, and whether it’s been successful so far?

RK: Invincible #0 was an astounding success. We did a much shorter story, 12 pages, and lowered the price a great deal. As a result of the low price, Invincible #0 sold almost five times what the current issues were selling, and then afterwards the sales on the title abruptly shot up by 20% and have maintained a steady climb since. With the number of copies sold, the issue still broke even. So we didn’t make money off the book, but it helped sales on the series as a whole and it didn’t cost us a dime to do. I was very pleased with how it all turned out.

CG: Were you worried at all that the issue could turn people off the first few collections of the series? After all, Invincible #0 basically reveals the plot of the first 22 issues, spoiling some fairly big surprises for potential new readers in the process.

RK: No, the issue 0 was for people who more than likely wouldn’t buy the trades, so they needed a little push. It spoiled things, yes, but if they liked it they could read the full story by going back and getting the trades or they could continue on with the book from that point on.

I have no regrets.

CG: Except for The Walking Dead, all your current works are superhero titles, and Marvel Zombies, your upcoming limited series, seems to take this dichotomy to its logical conclusion, showing Marvel’s superheroes as zombies. Are you concerned about being typecast as „the superhero guy“ or „the zombie guy“?

marvel_zombiesRK: I’m not concerned at all. I think there’s enough variety inside my superhero work itself to keep things interesting. My zombie book is also just a character study-it could almost just be straight drama, so I don’t really think I’m in any danger of being shoehorned into either category.

CG: In your Marvel titles and in your online column („Buy My Books,“ at Comic Book Resources), you make no secret of your affection for some of the storytelling approaches (like the Michelinie/McFarlane/Larsen Amazing Spider-Man formula of structuring arcs and introducing subplots) and characters (such as Sleepwalker, Darkhawk or Terror, Inc.) that were tremendously popular throughout the early nineties, but seem to have largely fallen out of favor since. Wherein lies the appeal of those styles and characters for you?

RK: That’s back when comics were fun for me… and I think the only reason for that is that I was at „that age“ when I read those things. Everyone who reads comics always has a fondness for the books they read first, the books that got them into comics. They may not be the best comics, and I’ll admit that… but they were what I was reading when I started reading when I was 12 or 14 or whatever. They’re special to me, flaws and all.

CG: Obviously, those books and characters must have made quite an impression on people back then, given that it was the most thriving period of American comics in recent history. Can you elaborate on what you think the strengths of those titles are? In particular, the way you set up subplots and the way you cut back and forth between Peter Parker’s personal life and his exploits as a superhero in Marvel Team-Up reminds me of the approach creators like Michelinie and Larsen employed to great effect fifteen years ago. Would you say that’s a fair comparison?

RK: Absolutely. To me, that’s just how comics are done. A core story for each issue or arc, something that’s entertaining and fairly important… and subplots setting up future core stories. I don’t like it when an entire story is self contained in six issues, followed by another completely self-contained arc. I want things to build in my stories… and build up to payoff, so that people feel rewarded by reading long runs of the books. That’s what I liked as a fan, about those books in particular, and that’s what I like in the books I write. It keeps me interested.

CG: One of the first Spider-Man stories I read was that two-parter with the Punisher, by Michelinie and Larsen, which was followed by a two-parter involving Venom, and then the six-parter which brought back the Sinister Six, and so on – as you say, I liked the way those built on each other and never left you off the hook as a reader. At some point, however, this way of combining flashy „Villain of the Month“ stories with ongoing soap-opera plot threads seems to have been abandoned, and is something of a „lost art“ these days, a few exceptions like Marvel Team-Up or Gødland aside. Why do you think that’s the case?

RK: Things are always changing. I think really all it takes is for someone to get popular doing something else and then it begins to spread throughout the industry. I don’t know where the current seemingly disconnected arc style came from, but I think it had a little to do with the rising popularity of trade paperbacks. It also probably had a little to do with the need to get new readers and to keep things light on continuity so anyone can pick up the book. Personally, I prefer comics the other way. I think dropping things in a story that reflect to old stories makes a new reader want to hunt down back issues. So that’s how I do things, the way I prefer. That’s really all I can do. I’m writing this stuff all day, every day. I’m the one that has to be kept happy.

CG: How personal are your stories? Especially in your longer creator-owned works, The Walking Dead and Invincible, are there any characters or situations you particularly identify with?

RK: All of them, really. I mean, 80% of the time I’m just trying to figure out how I would react to certain situations and writing that. In a lot of cases I try to have characters react in ways I think no one would, just to spice things up, but most of the time, it’s me. So as far as that goes I identify with the characters very much. Now, the situations they’re in and their interactions with other characters, that’s all made up. Some people think writers only write stuff based on their lives and that all stories are thinly veiled retellings of things that happened to them. Not me. If that were the case my life would be way too stupid.

CG: So, to clarify, what you’re saying is that there are no zombies in Kentucky, either?

RK: Correct. Well, for the most part.

CG: What’s your take on the current trend to legally or illegally distribute comics in digital formats, be it as DVDs or CDs, as simple downloads or on platforms like the PSP, Ipods, cell phones or handheld PCs?

RK: I certainly don’t support it. But I don’t get pissed if someone who would never buy my book gets to read it for free, though. I think to a certain extent it can lead to more sales. But it could also, very easily, lead to much, much less sales. I think I’m on the fence with a wait and see on that one.

CG: There appears to be a widespread negative view of manga in the US comics industry which sees Japanese comics as a threat or, at best, as an entry drug for American comics. Do you have any thoughts on this particular debate?

RK: I like Manga. I don’t view it as a threat at all. To see kids reading comics in any form is a good thing, I think.

CG: Which comics are you currently enjoying or looking forward to?

RK: Ultimate Spider-Man, Doc Frankenstein, Planetary, Savage Dragon, Shaolin Cowboy, Runaways, Captain America, and countless others.

CG: Final question. In an old interview, you said: „I don’t think I’ll ever write a book I don’t letter, because I don’t think it would be as good. And I’m such a lettering geek, I don’t think I could trust anyone.“ You’ve since changed your mind, right…?

RK: Well, times change. At the time I was doing only one or two books a month, if I recall. I actually enjoyed lettering back then. The thing about it is, I was so anal about lettering placement and what not I never really got that fast at it. So it took me almost an hour to do some pages and nearly an entire day or more to letter a book. I from time to time will still letter a page or two if it’s easy and I don’t feel like explaining to Rus Wooton (my letterer of choice) exactly what I want. I lettered a page in Invincible #23 and some pages in The Walking Dead #24 recently.

The reason I said what I said in this old interview is because I would often redialogue entire pages while I was lettering. I’d add lines, take lines away, I would make all kinds of changes. Now, I do the same thing, but when I do balloon placements for the letterer instead of when I’m actually lettering. Also, I like lettering to look a very specific way and Rus Wooton has been able to match my lettering almost seamlessly. Rus is a great letterer, he’s a big part of why I feel comfortable working with someone else. He was a sort of understudy for Chris Eliopoulos and Chris’s lettering is kind of what I’ve based all my lettering on, his and John Workman’s stuff… so Rus was the perfect choice.

CG: Robert Kirkman, thank you for taking the time to answer our questions!

Links:

interview with TWD penciller (#1-#6) Tony Moore

Robert’s website (no content at the moment)

Robert’s column at CBR

Cross Cult (German publisher of The Walking Dead)

Image Comics (US publisher of The Walking Dead)

Walking Dead is TM and © Robert Kirkman, 2006. All Rights Reserved.
Mit freundlicher Genehmigung von Cross Cult.

Jessica Blandy 3

Cover Jessica Blandy 3In der Werkausgabe von Jean Dufaux‘ Jessica Blandy bei Schreiber & Leser liegt mittlerweile der dritte Band vor. Diesmal sind sogar gleich vier Abenteuer enthalten, wobei nur zwei inhaltlich eng zusammen gehören. Alle Stories sind dabei deutsche Erstveröffentlichungen.

„Jalaga!“ richtet seinen Schwerpunkt auf die Psyche von Jessica Blandy, die sich noch nicht von ihren grauenvollen Erlebnissen in Mexiko erholt hat. Zur Erinnerung: Im zweiten Band wurde sie unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und sollte als Prostituierte missbraucht werden. Kein Wunder, dass sie nun keine Berührung von einem Mann ertragen kann. Leider macht sie dieses Trauma zu einer Hauptverdächtigen in einer Mordserie an Männern. Die Story erinnert dabei deutlich an Hitchcock und viele Elemente zitieren auch den Altmeister. Vor allem Psycho spielt eine wesentliche Rolle (vor allem visuell in den letzten Panels), aber auch Die Vögel werden graphisch zitiert, wobei inhaltlich eher auf Vertigo angespielt wird. Zwar geht es hier nicht um einen Mann, der eine Frau nach seinen Vorstellungen formt, aber dennoch handelt es sich um eine ähnliche Projektion. Insofern ist die Eingliederung in die übergreifende Handlung sehr gut gelungen, da die psychischen Folgen vorangegangener Abenteuer nicht vergessen werden. Zeichner Renaud versteht es, mit sehr geschickt angesetzten Bildausschnitten und Montagen Zweifel beim Leser zu wecken, ob unsere Heldin nicht in Wirklichkeit die Schurkin ist. Diese hat übrigens, ganz konträr zu den Genrekonventionen, keine Ahnung, was um sie herum geschieht. Jessicas Gegenspielerin ist eine Art dunkles Spiegelbild und führt das aus, wonach Blandy sich insgeheim sehnt. Dadurch wird dieses Abenteuer zu einem psychologisch dichten Thriller.

Seite aus Jessica Blandy 3Das zweite Abenteuer „Ohne Reue, ohne Scham“ ist typisch für die Serie und ihre Herangehensweise, kann also in dieser Hinsicht nicht viel Neues bieten. Jessica erklärt sich bereit, die Autobiographie eines Mafiabosses zu schreiben, wird aber in den blutigen Machtkampf um dessen Nachfolge hineingezogen. Die glatten, schönen, detailreichen Zeichnungen von Renaud kontrastieren erheblich mit der düsteren, brutalen Story. Wie in der ganzen Serie ist der edle Schein nur oberflächlich. Darunter ist alles komplett verdorben, verfault und degeneriert. Die Mafiafamilie gilt als Äquivalent zum Adel mit seinen Erbfolgekriegen und fungiert entsprechend als bestimmendes gesellschaftliches Element. Die Story ist spannend, leidet aber an einem allzu ausufernden Off-Kommentar.

Die letzten beiden Geschichten „Satan, mein Verlangen“ und „Satan, mein Verderben“ gehören inhaltlich zusammen und konfrontieren Jessica Blandy mit Voodoo und Korruption. Jessica wird nach New Orleans gebeten, um dort mit einem alten Widersacher von ihr zu sprechen, der Hinweise auf ein satanistisches Geschwisterpaar geben kann, welches angeblich Menschen zum Selbstmord zwingen kann. Fasziniert nimmt Jessica an und sieht sich immer tiefer in den Sümpfen verstrickt, um auch bald selbst in Lebensgefahr zu geraten. Dufaux versteht es, dem Thema Voodoo durchaus neue Aspekte abzuringen und nicht einfach nur Bekanntes wiederzukäuen. Die eingestreuten Radioansagen geben dabei im wahrsten Sinne den Ton vor: Man bekommt als Tipp den Soundtrack gleich mitgeliefert, um sich noch mehr in der Stimmung zu verfangen. Auch hier werden Referenzen deutlich, wie zum Beispiel zum Film Angel Heart. Das ganze Abenteuer atmet Schwüle und Erotik, aber auch Fäulnis und Gewalt. Der Leser sieht sich unweigerlich in die Handlung gezogen und kann sich den stimmungsvollen Zeichnungen und der spannenden Story nicht entziehen. Die Heldin Blandy begegnet nicht nur den Geistern ihrer Vergangenheit, sondern nimmt den Kampf als Form der Buße auf. Zum Glück erklärt Dufaux nicht viel, sondern deutet nur an, was für den Leser auf eine angenehme Art und Weise sehr irritierend ist. Zunächst fließt die Story so dahin, aber man soll sich nicht täuschen lassen: Unter dem ruhigen Wasser lauern die Alligatoren.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Beeindruckt mit krassem Realismus und Gesellschaftskritik, auch wenn sich die Themen innerhalb der Reihe wiederholen.

 

Jessica Blandy 3
Schreiber & Leser, 2011
Text: Jean Dufaux
Zeichnungen: Renaud
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-70-8
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Lance 2

Cover Lance 2Von der auf insgesamt fünf Hardcover-Alben angelegten Veröffentlichung der klassischen Westernserie Lance liegt nun der zweite Band vor, wobei einige starke Veränderungen im Vergleich zum ersten auszumachen sind.

Das liegt zum einen daran, dass der Erfolg von Lance damals, in den Fünfziger Jahren, dazu führte, dass Warren Tuft nicht mehr nur Sonntagsseiten schuf, sondern auch auf „Daily Strips“ auswich. Interessanterweise laufen die in dem jeweiligen Erzählformat geschilderten Ereignisse parallel. Zum größten Teil kann man sich auf die Sonntagsseiten beschränken, oder nur die Dailies lesen. Die Sonntagsseiten wirken manchmal wie eine wöchentliche Zusammenfassung der Geschehnisse, liefern aber auch einen Ausblick darauf, was in den Tagesstrips noch kommt. Wie es bei Zeitungscomics üblich ist, waren die täglichen Strips in Schwarz-Weiß gehalten und können somit nicht mit der großartigen Kolorierung der Sonntagsseiten punkten. Dafür offenbart sich die Meisterschaft von Tufts auch darin, dass er geschickt mit Graustufen arbeitet und damit eine ebensolche Wirkung erschafft.

Seite aus Lance 2Natürlich sind auch die großformatigen, beeindruckenden Panels auf die Sonntagsseiten beschränkt. Man muss also gegenüber dem ersten Band, der ausschließlich Sonntagsseiten enthielt, leichte graphische Einschränkungen konstatieren. Dafür gewinnt die Story deutlich, da sie durch das Daily-Format um einiges dynamischer und temporeicher wurde. Was nicht verwundert, da die Leser sich ja schon auf den nächsten Tag und ihren Lance freuen sollen.

Zunächst muss die Bedrohung durch die Komantschen (siehe Band 1) bewältigt werden, wobei sich Lance danach in emotionale Angelegenheiten verstrickt sieht, die tragisch enden werden. Der Hauptteil der Story besteht dann aus dem intrigenreichen, spannenden und tragischen Kampf gegen einen Monopolisten, der die Trapper mit überhöhten Preisen gängelt. Lance unterstützt verbotenerweise einen Geschäftsmann, der dieses Monopol brechen will. Vor allem dessen Tochter gerät in Gefahr und treibt Lance in ihm unangenehme Richtungen.

Seite aus Lance 2Der erste Band erinnerte von der Struktur und vom Inhalt her noch sehr an Prinz Eisenherz, nur dass halt kein fahrender Ritter, sondern ein fahrender Leutnant im Westen der Held ist. Hier sind jedoch deutliche Anzeichen der Emanzipation zu finden. Sowohl inhaltlich, da das geschilderte Intrigenspiel nur in einem kapitalistischen Umfeld funktioniert, als auch formal. Zum einen geschieht das natürlich durch die Hinzunahme der Dailies, aber auch durch den Verzicht auf die rein auktoriale Erzählweise. Tufts führte nun Sprechblasen ein, was eine zusätzliche Dynamik erzeugt und den Comic nicht mehr so träge wirken lässt. Generell kann dieser Band mit Spannung, Intrigen, Drama und Action aufwarten. Parallelmontagen dienen dabei als bevorzugtes Mittel. Es gibt einige köstliche, aber auch einige sehr dramatische Liebesszenen und als Prise zwischendurch ist feiner Humor eingestreut. Diese Epoche des (Format-) Umbruchs zeigt nicht nur das zeichnerische Können von Tufts, sondern auch, wie seine Handschrift immer sicherer und eigenständiger wird.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Emanzipiert sich mit dem zusätzlichen Format der Dailies von seinen Vorläufern und gewinnt einiges an Dynamik


Lance, Band 2: Sundays 72 – 105, Dailies 1 – 126
Bocola Verlag, November 2011
Text und Zeichnungen: Warren Tufts
80 Seiten, schwarz-weiß / farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-939625-36-0
Preis: 17,90 Euro
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Bocola

Comicgeschenkideen 2011

alt Hellboy X-MasZu Weihnachten schenkt man lieben Menschen schöne Dinge – das können und dürfen natürlich auch Comics sein. Deshalb hat die Comicgate-Redaktion wieder Ideen gesammelt: Hier sind unsere neuen Geschenktipps, ordentlich nach Zielgruppe sortiert.

All diese Geschenke sind natürlich auch für den eigenen Wunschzettel geeignet. 

Unsere Geschenktipps aus den Vorjahren sind hier zu finden:  2005, 2006, 2008, 2009 und 2010.

Die Comics werden diesmal empfohlen von Andreas Völlinger (av), Benjamin Vogt (bv) Marc-Oliver Frisch (mof), Thomas Kögel (tk) und Christopher Bünte (cb).

(Abbildung: Weihnachtskarte von Dark Horse Comics aus dem Jahr 1998, © Mike Mignola / Dark Horse)

 

 

 

 

 

FÜR DIE ZEIT VOR UND NACH DEM PLATZEN DER FRUCHTBLASE:

Es wird ein HaseEs wird ein Hase
von Till & Cäcilia Felix
Eigenverlag
10 Euro

Im lockeren Skizzenstil hat Till Felix die „gemeinsame“ Schwangerschaft von sich und der Gattin über neun Monate hinweg mit einem täglichen Comicstrip festgehalten. Statt humoristisch schwerwiegender Schenkelklopfer setzt er dabei auf das Festhalten kleiner Alltagsmomente, die mal ganz ordinär, mal geradezu magisch ausfallen und meist mit einer angenehmen Prise selbstironischem Amüsement wiedergegeben werden. Eine feine, entspannte Couchlektüre für alle Menschen, die schwanger sind, waren oder werden wollen. av

Bestellbar nur hier: www.es-wird-ein-hase.de

 

FÜR DEUTSCHLEHRER, LEKTOREN UND ANDERE ORTHOGRAPHIE-FREUNDE:

Der Hartmut kommt, siet unt sigt!Der Hartmut hilft dehm WeinachtzmannDer Hartmut hilft dehm Weinachtzmann
Der Hartmut kommt, siet unt sigt!
von Haggi
Gringo Comics
je 4,50 Euro

Hartmut-Zeichner Haggi ist ein Meister des simplen Zeichenstrichs und es ist immer ein Vergnügen, seine Strichmännchen bei ihren – oft nur auf den ersten Blick – naiv-witzigen Alltagsabenteuern zu begleiten. Meisterlich wird das Ganze aber erst durch die freimütige Verwendung einer ganz eigenwilligen, komplett auf Lautmalerei setzenden Orthographie, die wohl alle jemals in einer Grundschule gemachten Fehler beinhaltet und für sich schon wieder ein kleines humoristisches Kunststück ist. Wer beruflich gegen Rechtschreibfehler ankämpft, wird dieses vergnügliche Sammelsurium verbotener Schreibweisen nach dem ersten Schrecken wohl ganz besonders genießen. av

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FÜR ALLE, DIE MAUS, PERSEPOLIS UND BLANKETS BEREITS IM REGAL STEHEN HABEN:

Stuck Rubber BabyStuck Rubber Baby
von Howard Cruse
Cross Cult
26 Euro 

Stuck Rubber Baby gehört nämlich ganz klar in diese Reihe. Howard Cruse’ in einer schicken Neuauflage nun endlich wieder auf Deutsch erhältliche Comicerzählung über Rassenhass, Homophobie, Liebe und Selbsterkenntnis in den US-amerikanischen Südstaaten der 1960er hat einfach alles, was ein moderner Klassiker braucht. Berührend, intensiv und mit wunderbar anzusehenden akribischen Schraffur-Zeichnungen erzählt – hier ist eine begeisterte Rückmeldung der/des Beschenkten nach der Lektüre so gut wie garantiert. av

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FÜR NAGER: 

MetaMausMetaMaus
von Art Spiegelman
englisch, Pantheon/Penguin/Random House
etwa 20 Euro

„Komische Sache für eine Maus, von einer Versammlung von Katzen eine Auszeichnung für eine Geschichte zu erhalten, die davon erzählt, wie Katzen Mäuse umgebracht haben.“ Die Rede, die Art Spiegelman hielt, als er im Juni 1990 im Rahmen des Comic-Salons Erlangen den Max-und-Moritz-Preis für seine autobiographische Holocaust-Aufarbeitung Maus entgegennahm, ist nur eines von tausenden Dokumenten, die sich in Spiegelmans neuem Buch MetaMaus oder auf der mitgelieferten DVD-Rom wiederfinden. Den Hauptteil des Bands bilden ausführliche Interviews zu den Kernfragen um Maus, denen sich Spiegelman immer wieder ausgesetzt sieht: Warum der Holocaust? Warum Mäuse? Warum Comics? Angereichert werden die Texte um unzählige Skizzen, Fotos, Comics, Original-Schriftstücke und andere Abbildungen und Exkurse, sowie einen umfangreichen Index. Der Clou an MetaMaus ist jedoch die unscheinbare Silberscheibe im vorderen Buchdeckel. Die enthält nämlich nicht nur eine aufwendig verlinkte und auf Stichwortbasis durchsuchbare Digitalversion der kompletten Maus, die sich kapitel- oder seitenweise durchblättern lässt und dabei passende Bild-, Video- und Tonaufnahmen anbietet, sondern auch eine veritable Schatztruhe an weiteren Dokumenten zu allen Facetten des Themas. So findet man hier etwa mehr als 7.000 Skizzen; vier komplette Notizbücher Spiegelmans aus den Jahren 1983 bis 1990; einen 45-minütigen Dokumentarfilm, den Spiegelman selbst 1987 bei einem Auschwitz-Besuch gedreht hat; den Mitschnitt eines vierstündigen Gesprächs zwischen Art Spiegelman und seinem 1982 verstorbenen Vater Vladek aus dem Sommer 1972, als Maus zu entstehen begann (wem das Anhören zu anstrengend ist, der kann es auch im vierzigseitigen Transkript im Buch oder als Textfile auf der DVD nachlesen); und, und, und.

Wer sich auch nur im Ansatz für Maus, für Geschichte oder Geschichten, für Comics, fürs Erzählen oder schlicht für Menschen interessiert, der kommt um MetaMaus nicht herum. Dankeschön for this book, Herr Spiegelman. mof

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FÜR KOMISCHE VÖGEL:

Walt Disney’s Donald Duck: “Lost in the Andes”Walt Disney’s Donald Duck: „Lost in the Andes“
von Carl Barks
englisch, Fantagraphics Books
etwa 20 Euro

Gerade in Deutschland braucht man sich über eine mangelnde Wertschätzung des bekanntesten und stilprägendsten Disney-Zeichners Carl Barks (1901-2000) nicht zu beklagen. Seit 1984 werden dessen Geschichten aus Entenhausen hierzulande von Ehapa in immer neuen Editionen gesammelt und veröffentlicht. Von 1992 bis 2004 brachte es die umfangreichste davon, die Barks Library, auf insgesamt über 130 Bände. Wer neben den markanten deutschen Übersetzungen von Erika Fuchs aber auch die US-amerikanischen Originale lesen wollte, der hatte es bisher ungleich schwerer. Zwar wurden auch diese über die letzten Jahrzehnte immer wieder bei den unterschiedlichsten US-Verlagen in Heft- oder Buchform nachgedruckt, aber eine Edition, die es an Vollständigkeit und Qualität mit der von Ehapa aufnehmen kann, suchte man bislang vergebens. Das soll sich nun ändern. Seit einigen Wochen liegt mit Walt Disney’s Donald Duck: „Lost in the Andes“ die erste Ausgabe einer neuen englischsprachigen Barks-Edition vor. Verantwortlich zeichnet diesmal Fantagraphics, eine der ältesten und renommiertesten Adressen in den USA, wenn es um liebevoll aufgemachte Independent-Comics oder Archiv-Editionen klassischer Comic-Strips geht. Man hat sich was vorgenommen bei dem in Seattle ansässigen Verlagshaus: Es soll schlicht und ergreifend „alles“ veröffentlicht werden, über 30 Bände insgesamt, mit einer Frequenz von zweien pro Jahr.

Die erste Kostprobe weiß zu überzeugen. Der Band enthält Geschichten aus den Jahren 1948 und 1949 und beginnt mit dem 30-seitigen „Lost in the Andes“, das Barks‘ Lieblingsstory gewesen sein soll. Es handelt sich um ein dezent satirisches Abenteuer Swift’scher Prägung, in dem Donald und seine drei Neffen mit einer Expedition in die Anden reisen, um einem spektakulären Fund auf den Grund zu gehen: eckige Eier! Dabei stoßen sie auf eine vergessene Zivilisation, die höchst merkwürdige Sitten pflegt. Hinzu kommen noch drei weitere längere Stories, mehrere Kurzgeschichten und Gag-Einseiter, sowie eine fundierte Einleitung und ein Anhang mit diversen anderen Textbeiträgen. Die Comics selbst sind dabei zwar nicht unbedingt besonders ausgefeilt oder anspruchsvoll in Punkto Handlung, Pointen oder Figuren, fallen aber auch nicht durch Peinlichkeiten oder übertriebene Albernheit auf. Der eine oder andere Schmunzler bleibt nicht aus, und unterm Strich wirken die Stories überraschend zeitlos, was die transportierten Werte und Vorstellungen angeht. Im Mittelpunkt stehen aber natürlich Barks‘ unverwechselbarer Zeichenstil und seine bemerkenswerten Instinkte als Comic-Erzähler. Auch wenn die Strips teilweise in kreativer Fließbandarbeit entstanden und als Teil der heilen Disney-Welt an gewisse inhaltliche Spielregeln gebunden sind, macht das Lesen durchaus Spaß. Dazu trägt auch das unaufdringlich attraktive Gewand bei, welches das Fantagraphics-Team um Kolorist Rich Tommaso und Cover-Designer Jacob Covey dem Buch verpasst hat. Passend zur Saison enthält „Lost in the Andes“ mehrere Geschichten mit Weihnachtsthematik, gibt aber nicht nur deshalb ein feines Geschenk ab. mof

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FÜR KLEINE FÜCHSE:

FennekFennek
von Lewis Trondheim und Yoann
Reprodukt
12 Euro

In Fennek, einem schier unglaublich frechen Comic des französischen Gespanns von Autor Lewis Trondheim und Zeichner Yoann, geht es, wie der Titel andeutet, um einen kleinen Wüstenfuchs. Die Handlung ist schnell erzählt. Der kleine Fennek wird ständig von Schlangen verfolgt, was ihn sehr betrübt. „Blöde Schlangen!“, denkt er sich. „Könnte ich sie doch alle umbringen!“ Um dies zu bewerkstelligen, hat der pragmatische Spitzbube bald einen verflixt schlauen Plan parat: Er muss einfach nur das Halsband des Schamanen finden, um es damit monatelang regnen zu lassen. „Und ohne Sonne, bye-bye Schlangen!“ Also auf ins Abenteuer. Wer nun pädagogisch wertvolle Lektionen von der Stange à la Disney erwartet, der ist ganz schön schief gewickelt. Der Fennek ist ein Fuchs, er ist frech wie Rotz, und er schert sich einen Pups um menschliche Moralvorstellungen. Wenn der Fennek Hunger hat oder sich ärgert, dann beißt er schon mal andere Tiere tot, am liebsten die mit langen dünnen Hälsen. Dabei ist ihm Bösartigkeit aber ebenso fremd wie ein schlechtes Gewissen. Was sollte ein nordafrikanischer Wüstenfuchs auch mit einem schlechten Gewissen anfangen? Er würde ja elendig verhungern.

Das Buch macht große Freude, nicht nur wegen seines grandiosen Humors. Es ist nie grausam, bleibt seiner Hauptfigur immer treu und dem Leser gegenüber ehrlich. Zugeständnisse an Moral oder Schmusepädagogik werden konsequent verweigert. Man staunt darüber, wie entwaffnend unverschämt und wie unverschämt putzig Trondheims und Yoanns kleiner Protagonist wirkt, ohne dabei eine Spur von Authentizität einzubüßen, und wie leichtfüßig und selbstverständlich dieser Balance-Akt gelingt. Ich habe beim Lesen mehrmals laut gelacht. Einen großen Anteil daran, dass das funktioniert, hat die Übersetzung von Kai Wilksen, der jederzeit den richtigen Ton trifft. Fennek ist kein Kinderkram, aber gerade deswegen bestens für Kinder im fortgeschrittenen Lesealter geeignet, denen man auch mal was zutrauen möchte. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich auch mit acht oder neun den Fennek ziemlich klasse gefunden hätte. mof

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FÜR GENERISCH ANTHROPOMORPHE:

Congress of the AnimalsCongress of the Animals
von Jim Woodring
englisch, Fantagraphics Books
etwa 16 Euro

„Frank“, die „generisch anthropomorphe“ Figur des gebürtigen Kaliforniers Jim Woodring, erlebt nun schon seit über zwanzig Jahren ihre surrealen Abenteuer. Dabei ist Congress of the Animals nach dem 2010 erschienenen Weathercraft erst die zweite längere Originalgeschichte, die dem „Frank-Universum“ gewidmet ist, und sogar die allererste, in der „Frank“ selbst die Hauptrolle spielt. Auch der tragische und oft missverstandene „Manhog“ (dt. etwa „das Mannsschwein“), der sadistische „Whim“ (dt. etwa „die Laune“) und „Franks“ treue Haustiere „Pupshaw“ und „Pushpaw“ sind wieder mit von der Partie. Wobei wir, genaugenommen, die Namen all dieser Figuren eigentlich gar nicht kennen. Text gibt es bei den „Frank“-Stories nämlich allenfalls auf dem Buchdeckel, die Geschichten selbst werden allein anhand von Bildern erzählt. Wir „wissen“ nur soviel: Die Hauptfigur von Congress of the Animals ist ein nicht näher bestimmbares Wesen, intelligent, aufrecht und zweibeinig, das zusammen mit zwei kleinen Begleitern in einem märchenhaften Haus wohnt. Und hin und wieder verlässt „Frank“ – nennen wir „ihn“ der Einfachheit halber so – dieses Haus, um in einer wundersamen Fabelwelt seltsame Abenteuer zu erleben.

Auch das „Wissen“ kommt dabei nicht ohne  Anführungszeichen aus, denn wir „wissen“ nie wirklich etwas in Woodrings Comics. Wir sehen vielmehr Dinge, auf die wir uns einen Reim machen dürfen. So erkennen wir, dass auch auf „Franks“ Welt gewisse Regeln gelten. Nach der „Lektüre“ von Congress of the Animals ist „klar“, dass „Frank“ ein gutmütiges, mitunter auch mal naives, gedankenloses oder gar egoistisches Wesen ist, das Fehler begeht und dafür die Verantwortung tragen muss. Warum das „klar“ ist, lässt sich nicht ohne weiteres erklären. Das ist das Verblüffende: Man begreift auf einer instinktiven und emotionalen Ebene, was geschieht, ohne dass es intellektuell einfach zu fassen oder in Worte zu kleiden wäre. Man freut sich für die Figur oder leidet mit ihr, fiebert mit ihr, wenn sie die durchaus vorhandenen Spannungsbögen der Geschichte durchläuft. Kurzum: Man „versteht“, und zwar auf einer sehr viel direkteren und intensiveren Ebene, als es rein über den Verstand möglich wäre. Und das ist nicht nur eins Grundmerkmale, an denen sich jede Literatur messen lassen muss, sondern auch immer wieder ein großes Wunder, sei es bei einem Roman, einem Film oder einem Comic. Und ein Happy End gibt’s auch, soviel sei verraten. Also alles ganz perfekt für die „stille Nacht“, eigentlich. mof

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FÜR ALLE, DIE VON „STREUNERN“ UND „BEISSERN“ NICHT GENUG KRIEGEN:

The Walking Dead – Die CoverThe Walking Dead – Die Cover
von Robert Kirkman, Charlie Adlard und Tony Moore
Cross Cult

26 Euro

Die Zombiserie The Walking Dead ist in Comicform längst ein Renner, inzwischen hat sich auch die entsprechende TV-Adaption etabliert. Rechtzeitig zur Veröffentlichung der ersten Staffel auf DVD und zur deutschen Premierenausstrahlung der zweiten Staffel legt Cross Cult ein voluminöses Artbook vor. The Walking Dead – Die Cover heißt das albengroße Glanzstück, darin abgedruckt sind alle US-Cover bis zum Jahr 2010 inklusive sämtlicher Cover der Sammelbände, Deluxeausgaben und Schuber, natürlich weitreichend kommentiert von den Schöpfern Kirkman, Moore und Adlard. Ein perfekter Ergänzungsband für Fans der Serie, allerdings sollte der Beschenkte mindestens US-Nummer 50 gelesen haben, sonst drohen Spoiler. bv

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FÜR ALLE, DIE DIESES JAHR NICHT BRAV WAREN (UND BESTRAFT WERDEN MÜSSEN):

Punisher – BullseyePunisher – KingpinMarvel Max 40: Punisher – Kingpin
Marvel Max 42: Punisher – Bullseye
von Jason Aaron und Steve Dillon
Panini Comics
je 16,95 Euro

Garth Ennis ist weg, lang lebe der neue Garth Ennis. Und der heißt … Jason Aaron. Ennis, der Marvels Punisher erst durch eine ironische Knights-, dann durch eine kompromisslose Max-Serie geleitete, hat sich nach Jahren von der Figur zurückgezogen. Jason Aaron, sein Nachfolger und Autor des neuen Max-Punisher versucht gar nicht erst verkrampft von der erfolgreichen Stilprägung Ennis‘ loszukommen, sondern schreibt jetzt ironisch und kompromisslos zugleich. Zudem setzt er die Historie auf Null, führt die Schurken Kingpin und Bullseye ganz neu ein. Als Zeichner ist Ennis‘ alter Kollege Steve Dillon an Bord, was ist also neu? Aaron erweitert das gesamte Umfeld des Punisher um eine psychologische Dimension, seine Szenarien sind perfekt, seine Charaktere psychotisch und kaputt. Aarons Punisher ist der beste, den es wahrscheinlich je gab und damit eine empfehlenswerte (blutige) Alternative für den Gabentisch. bv

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FÜR MELANCHOLIKER UND COMICUNKUNDIGE:

Der Alltägliche Kampf – Gesamtausgabe Der Alltägliche Kampf – Gesamtausgabe
von Manu Larcenet
Reprodukt
29 Euro

Eine der besten französischen Comicreihen der vergangenen Jahre, in einer Gesamtausgabe zusammengefasst: Der Alltägliche Kampf erzählt die anrührende Geschichte von Fotograf Marco, der sich in einer Schaffens- und Lebenskrise befindet. Manu Larcenets vierbändiges Werk ist melancholisch und gefühlsnah. Als abgeschlossene Handlung in einem Buch dürfte es sich um ein perfektes Geschenk für Heiligabend handeln, gerade auch für Menschen, die sonst nicht viel mit Comics zu tun haben und die sich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit der Frage konfrontiert sahen, was man sich denn unter den angeblich anspruchsvollen Graphic Novels vorzustellen hat, auf die man vermehrt von Medien und Buchhandel hingewiesen wird. bv

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FÜR DEN COFFEETABLE:

Wednesday ComicsWednesday Comics
von diversen Autoren und Zeichnern
Panini Comics
69 Euro

2009 wagte DC Comics ein interessantes Experiment: Die wöchentliche Comic-Zeitung Wednesday Comics, eine Hommage an die großformatigen Sonntags-Comicbeilagen der Tageszeitungen. Namhafte Autoren und Zeichner wie Neil Gaiman, Kurt Busiek, Paul Pope, Amanda Conner, Mike Allred oder Kyle Baker durften sich an den Helden des DC-Universums austoben, von den „Big Guns“ wie Superman und Batman bis zu obskureren Figuren wie Deadman oder Kamandi. Nicht alle Beteiligten wussten mit dem ungewohnten Format (eine große Seite pro Woche) etwas anzufangen, aber die stilistische und inhaltliche Vielfalt war groß und interessant genug, um einen spannenden Gegenpol zum Mainstream der regulären DC-Comicserien zu bieten. Dem Sammelband in Form eines überdimensionalen Hardcovers fehlt zwar der typische Zeitungsflair der Einzelausgaben, dafür sind die einzelnen Beiträge (die (meist 12teilige Fortsetzungsgeschichten) so viel leichter zu lesen. Und die edle Aufmachung wird dem besonderen Anspruch des Projekts absolut gerecht. Rechtzeitig zum Fest gibt’s bei Panini eine deutsche Ausgabe, limitiert auf 999 Exemplare. tk

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FÜR DIE, DIE NOCH NICHT LESEN KÖNNEN:

Mal döch mal MetalMal döch mal Metal
von Christopher Tauber
Zwerchfell
8 Euro

Zu meiner Zeit habe ich noch die Lustigen Taschenbücher als Malbuch verwendet, bei denen damals jede zweite Doppelseite schwarzweiß war. Dem Nachwuchs von heute stehen weitaus coolere Möglichkeiten zur Verfügung, die ersten Schritte am Zeichentisch zu unternehmen. Beispielsweise das Metal-Malbuch von Christopher „Piwi“ Tauber. Zu 26 Stichworten von A bis Z gibt es hier Ausmal-Motive, die berühmte Heavy-Metal-Covermotive zitieren, unter anderem von AC/DC, Metallica, Slayer oder Kiss. Und zwar nicht als 1:1-Kopie, sondern als originelle Adaption, bei der auch mal um die Ecke gedacht und mit den Augen gezwinkert wird. Weit weg von der penetranten Niedlichkeit herkömmlicher Malbücher, dafür mit einer popkulturellen Würze, die bestimmt auch den kleinen Malstiftschwingern schmeckt. tk

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FÜR KAMPFSPORTLER, KANINCHENFREUNDE UND KUROSAWA-FANS:

Usagi Yojimbo 4Usagi Yojimbo
von Stan Sakai
Schwarzer Turm, bisher 11 Bände
jeweils 12 Euro

Usagi Yojimbo, der Samurai mit den langen Ohren, ein Urgestein des US-Independent-Comics, erscheint und erscheint seit mehr als einem Vierteljahrhundert, weder veraltet noch angestaubt, heftchenweise und als Tradepaperback. Seit Jahren ist die Serie gut aufgehoben und gepflegt bei Dark Horse. Mittlerweile bringt sie es im Amerikanischen auf satte 25 Bände. Hierzulande ist der Hoppler heimisch beim Verlag Schwarzer Turm. Die einzelnen Bände sind rund abgeschlossen und in einem mittelalterlichen Japan angesiedelt, versetzt mit einem Schuss Fantasy, jede Episode eine nach absoluter Perfektion strebende Leseperle, irgendwo einzuordnen zwischen Donald Duck, Lone Wolf & Cub und den Filmen von Akira Kurosawa, wenn es denn sein muss. Stan Sakai hat mit Usagi Yojimbo ein wundervolles Fantasy-Universum erschaffen, in dem der titelgebende Held inzwischen nur noch eine Figur unter vielen ist. Comic-Genuss pur. Eintauchen und genießen. cb

Komplett erhältlich im Freibeutershop.

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FÜR WG-BEWOHNER:

Das Leben ist kein PonyhofDas Leben ist kein Ponyhof
Von Sarah Burrini
Zwerchfell
14 Euro

Apropos nach Perfektion strebende Leseperlen: Das Attribut kann man auch für Sarah Burrinis Das Leben ist kein Ponyhof verwenden. Regelmäßig stellt sie humorige, gefühlvolle, wunderschön gezeichnete Episoden aus der Welt ihrer fiktiven Chaos-WG ins Netz: Sarah, El Pilzo, Ngumbe und Butterblume raufen sich hin und her, streiten sich, vertragen sich wieder, rangeln sich durchs Leben und haben sich gern. Überspannt von wechselnden Storylines gewinnt der Funny-Strip an erzählender Tiefe und Komplexität. Zum Verschenken gibt es diesen Spaß seit kurzem auch, nämlich bei Zwerchfell. cb

Direkt bestellbar im Ponyhof-Shop, dort gibt es auch eine spezielle Weihnachts-Edition.

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FÜR GROSSE UND KLEINE KINDER:

ArriettyArrietty – Die wundersame Welt der Borger
von Hiromasa Yonebayashi
DVD, Universum Film
13,99 Euro / 17,99 Euro (Special Edition)

Das japanische Animationsstudio Ghibli ist bekannt für abendfüllende Zeichentrickfilme von hervorragender Qualität. Titel wie Chihiros Reise ins Zauberland oder Prinzessin Mononoke haben eine weltweite Fangemeinschaft. Das jüngst in Deutschland erschienene Werk Arrietty – Die wundersame Welt der Borger aus dem Studio Ghibli ist eine zarte Liebesgeschichte zwischen einem winzigen Mädchen und einem Menschenjungen. Der auf dem schon älteren Roman Die Borger basierende Film stammt allerdings nicht von Studio-Gründer und Großmeister Hayao Miyazaki (Der schrieb für Arrietty nur das Drehbuch). Die Regie führte dieses Mal der noch unbekannte Hiromasa Yonebayashi. Mit Arrietty feiert er sein Debut und macht dem Studio Ehre. Zauberhaft wird da die Freundschaft zwischen dem herzkranken Jungen Sho und der neugierigen Arrietty erzählt. Sie gehört zu einer aussterbenden Familie winziger Lebewesen, die im Fundament von Shos Zuhause wohnen. Arrietty zeichnet sich durch zerbrechliche, präzise umrissene Figuren aus, die die Handlung tragen. Hinzu kommen tolle Bildwelten und ein feiner Soundtrack. Ein perfekter Weihnachtsfilm, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet. cb

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Smoke City 2

Cover Smoke City 2Auch im zweiten, abschließenden Band bleibt Smoke City eine klassische Heist-Story. Der Coup, eine wertvolle Mumie aus einem Museum zu rauben, war im ersten Band zwar geglückt, jedoch sorgte aber der Verrat eines Bandenmitglieds dafür, dass die Gang gefasst wurde. Doch die Polizei ist viel mehr an deren Auftraggeber interessiert und bietet den Gangstern einen Deal an. Der Gegner aber ist nicht zu unterschätzen und die gestohlene Mumie spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Andeutungsweise sollten hier die Bahnen des klassischen Krimis in Richtung Mystery verlassen werden. Vor allem das Ende des ersten Bandes machte dies deutlich: Darin erwacht im letzten Panel die Mumie zum Leben. Es tut der Serie aber nun recht gut, dass sie das Genre nicht komplett wechselt. Obwohl einige Mystery- bis Horrorelemente nun eine Rolle spielen, bleibt der inhaltliche Schwerpunkt doch überwiegend der Krimi. Somit wird das Angedeutete nur intensiviert und es erfolgt kein sehr großer Bruch. Weiterhin gibt es viele falsche Fährten und Intrigen, wobei das Autorengespann Carré und Mariolle die Spannung eher durch viele Twists als durch Action erzeugt. Diese Twists entstehen auch dadurch, dass verschiedene Personen kurzfristig näher beleuchtet werden und so subjektive Erzählperspektiven entstehen, die nicht zwangsläufig mit dem Geschehen übereinstimmen müssen. Wenn jemand anderen etwas berichtet, so schildert er auch immer seine persönliche Sichtweise. Der Nachteil des Bandes besteht dann auch darin, dass ein Übergewicht auf den Dialogen liegt. Die wechselnden Perspektiven lassen die Story in ihre Einzelteile zerfasern. Und Krimipuristen dürften außerdem durch die übernatürlichen Elemente verschreckt werden.

Seite aus Smoke City 2Benjamin Carrés Zeichnungen passen sehr gut zur düsteren Story, sind teilweise aber immer noch sehr flächig geraten. Durch die Mischung aus Detailreichtum, Flächigkeit und nicht einzuordnenden Gegenständen (wie die merkwürdig aussehenden Computer im Polizeirevier) schaffen sie aber eine gewisse Undefinierbarkeit, die gleich auf mehreren Ebenen greift. Zum einen ist da natürlich das Genre, welches zwischen Krimi und Horror wechselt, zum anderen die Motive und das Gut-Böse-Schema der Figuren, aber auch die offen gehaltene Zeitebene. Man kann nicht genau sagen, wann die Story spielt. Innendekors erinnern bisweilen an Art Deco, Kleidung und Uniformen an die 1930er Jahre und wieder anderes mutet futuristisch an. Das Moderne und das Bekannte wirken gleichzeitig und binden so zum einen den Leser und schaffen gleichzeitig auch Distanz. Die Farbgebung ist sehr gelungen und schafft es, die Neo-Noir-Story mit einer adäquaten Stimmung zu versehen. Das Minenspiel der Protagonisten ist leider wenig ausgeprägt, wird aber durch eine gute Körpersprache etwas ausgeglichen. Seine stärksten Momente hat Smoke City 2 in den dramatischen Szenen, etwa wenn gleich in mehreren Panels ein Fenstersturz gezeigt wird oder ein Ertrinkender in einem großen Unterwasser-Panel scheinbar verloren wirkt. In dieser Hinsicht ist dieser Band sogar besser als der erste.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Düstere Neo-Noir-Story die nun auch genrefremde Elemente einbezieht, aber leider durch wechselnde Erzählschwerpunkte etwas zerfasert.

 

Smoke City 2
Splitter Verlag, November 2011
Text: Benjamin Carré, Mathieu Mariolle
Zeichnungen: Benjamin Carré
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-290-7
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag