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„Wir sind nicht wichtig“ – Interview mit Gabriel Bá und Fábio Moon (OmU)

Brasilien war das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013. Im Comic Zentrum in Halle 3.0 wurden einige Künstler aus Brasilien vorgestellt. Comic-Verlage aus Brasilien allerdings fanden sich in anderen Hallen. Am Messe-Samstag sprachen die Zwillingsbrüder Gabriel Bá und Fábio Moon über ihren Comic Daytripper (gerade bei Panini Comics auf Deutsch erschienen), für den sie 2011 den Eisner Award erhielten, sowie über andere Werke von ihnen. Geboren wurden sie am 5. Juni 1976 in São Paulo. Seit dem Jahr 2000 erscheinen ihre Comics auch auf Englisch. Bisher waren das beispielsweise De:Tales (gerade bei Cross Cult auf Deutsch erschienen), Casanova von Matt Fraction, Moon und Bá oder The Umbrella Academy von Gerard Way und Bá. Im Gespräch auf der Bühne mit Stefan Pannor verrieten sie etwa folgendes zu Daytripper: Es sei kein autobiographisches Werk, anders als die Figur im Buch sei ihr Vater kein Schriftsteller, beim Hund auf dem Cover handelt es sich um den Labrador ihrer Schwester, und so weiter. Eine Sache hassen sie zu zeichnen: Pferde. Ebenfalls unangenehm sei es ihnen, darüber zu reden, wer welchen Teil des Comics gestaltet hat. Viel wichtiger ist es für sie, die Leser zu erreichen und zu berühren. Dabei wollen sie selbst lieber hinter der Geschichte verschwinden, unsichtbar bleiben. Die Leser sollen sich auf die Geschichte konzentrieren und nicht auf deren Schöpfer.

altIch traf Gabriel Bá und Fábio Moon, dank der freundlichen Unterstützung von Panini Comics, am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Dieses Mal tranken sie keinen Kaffee, anders als bei der vormittäglichen Präsentation auf der Bühne. Dort fassten sie ihre Kaffee-Vorliebe so zusammen, wie sie ähnlich auch im Nachwort zu Daytripper zu finden ist: „Kaffee schmeckt gut. Er schmeckt heiß und stark. Genau das erwarten wir von unserem Leben.“

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Gabriel BáComicgate: Ihr seid jetzt schon einige Tage in Deutschland. Sind euch Unterschiede zu Brasilien aufgefallen, hinsichtlich der Menschen und der Comics?

Fábio Moon: Ich denke, das ist ähnlich wie in den USA. Die Leser ähneln sich sehr. Ihre Art der Lektüre. Die Fragen, die sie stellen. Ihre Lieblingsfiguren. Das ähnelt sich.

 

Da sind sich also Brasilien, die USA und Deutschland ähnlich?

FB: Es ist die selbe Sorte Leser. Die Märkte in Deutschland und in Brasilien sind klein. Als wir in Frankreich waren, fiel uns auf, dass man dort viel mehr kennt als nur die amerikanischen Comics. Dort gibt es ein ganz anderes Publikum. Also sind sich Brasilien und Deutschland sehr ähnlich, aber in Brasilien schauen wir auf eine deutlich längere Karriere zurück. Es gibt viel mehr Comics von uns, als in Deutschland bislang erschienen sind.

Gabriel Bá: Und in Brasilien erscheint ein Comicstrip von uns in der Zeitung. Damit erreichen wir ein anderes Publikum als mit den Comicheften.

 

Sind diese Strips Erweiterungen zu Daytripper, werden darin die gleichen Themen behandelt (also etwa Liebe und Tod)?

Fabio Moon: Es ist etwas anderes. Es gibt keine durchgängige Geschichte mit wiederkehrenden Figuren. Die Strips behandeln das aktuelle Leben, aber es geht mehr in eine philosophische Richtung. Wir lassen etwa Tiere sprechen und Fragen stellen.

 

Fábio MoonUnd dieser Strip erscheint ausschließlich in Brasilien?

Beide: Genau.

FB: Wir stellen ihn auch online, auf unsere Website, aber nur auf Portugiesisch. Den sehen Leute aus aller Welt, ohne die Texte zu verstehen.

 

Während der heutigen, öffentlichen Gesprächsrunde zu Daytripper hattet ihr bereits erwähnt, dass der Hund auf dem Cover eurer Schwester gehört und dass euer Vater eben nicht der Schriftsteller aus dem Buch ist, dass Daytripper also nicht autobiographisch ist. Zeichnen und schreiben eure Schwester und eure Eltern ebenfalls? Liegt das Talent in der Familie?

Beide: Nein.

FB: Nur wir beide haben diesen Beruf. Die anderen haben normale Jobs.

 

Ihr seid Zwillinge, habt aber unterschiedliche Namen. Künstlernamen, nehme ich an. Ich hörte vorhin jemanden sagen, dass Bá ein bekannter Fluss in Brasilien sei – stimmt das?

Beide (energisch und leicht erheitert): Neeein!

 

Fábio Moon und Gabriel Bá in FrankfurtHabt ihr die Namen ausgesucht, weil sie etwas über euren Charakter aussagen oder haben euch eure Eltern diese Namen gegeben?

FM: Es sind eher Künstlernamen. Bá ist ein Spitzname. Es ist die Kurzform für Gá. Als ich anfing, buchstabieren zu lernen, nannte ich Gabriel Babio. Die Leute nannten ihn Gá, ich machte daraus Bá. Das ist also ein Spitzname. Moon war eine Art Missgeschick. Ich schickte einem Mädchen einen heimlichen Liebesbrief und dann war es schon zu spät, es rückgängig zu machen. Nun dienen uns diese Spitznamen als Künstlernamen und schützen uns vor dem weltweiten Andrang unserer weiblichen Verehrerinnen (lächelt).

 

Ich hatte auf so etwas getippt wie: Vielleicht fühlt ihr euch besonders naturverbunden, so eine Verbindung zwischen Mond und Erde. Und dann gibt es da ja noch diese angebliche innige Verbindung zwischen Zwillingen, die bisweilen als geradezu „magisch“ dargestellt wird. Ihr habt mit Superhelden-Comics angefangen, etwa mit Geschichten aus dem Hellboy-Universum. Ist diese Zwillingssache eure „Superkraft“? Glaubt ihr an solche übernatürlichen Phänomene? An Dinge wie den Einfluss des Mondes? Gibt es mehr als wir sehen? Oder ist das alles bloß Unfug?

GB: Ach nee.

FM: Ich denke nicht, dass es eine besondere Verbindung gibt. Aber wir wuchsen eng miteinander auf. Wir verbrachten viel Zeit zusammen. Uns verbinden also die gleiche Herkunft und die gleichen Einflüsse.

GB: Ja, genau! Wir sind wie ein altes Ehepaar.

FM: Ja. Wenn du mit jemandem das ganze Leben verbringst, dann weißt du alles über diese Person. Du weißt, wie sie sich fühlt, wie sie denkt, wie sie reagiert. Deshalb kennen wir uns so gut. Eine andere Art von besonderer Verbindung gibt es nicht. Das ist ein Grund, warum wir so schnell gemeinsam arbeiten können. Wir wissen sehr schnell, was der andere meint, was wir voneinander wollen. Das hat keine esoterische Ursache.

 

Cover Daytripper Fühlt sich Daytripper deshalb so harmonisch an, ist deshalb die Einheit aus Text und Zeichnungen so stark? So zumindest mein Eindruck.

FM: Ich denke, dass wir als Zwillinge eine andere Sichtweise darauf haben, wie sich Menschen untereinander beeinflussen. Und darauf, wie wichtig die Menschen wirklich sind, die uns umgeben. Dadurch bekamen wir eine Ahnung davon.

GB: Wichtig ist das auch für unser gemeinsames Arbeitsverhältnis. Wir haben früh festgelegt, dass wir uns nicht so wichtig nehmen. Wir sind nicht wichtig. Uns interessiert es nicht, wer welchen Arbeitsschritt erledigt und wer wichtiger ist als Autor und Zeichner. Das ist unwichtig. Es gibt zahlreiche Leser der Comics, die über Autor und Zeichner gar nichts wissen. Das ist auch egal, wenn es nicht gelingt, die Leser in die Geschichte eintauchen zu lassen. Er soll sich in die Welt des Comics einfinden und sich mit den Figuren beschäftigen. Das hinterlässt einen viel dauerhafteren Eindruck als die Frage: Wer hat was gemacht? Ich denke von dieser Herangehensweise profitiert unser Arbeitsverhältnis. Dadurch wirken unsere Comics einzigartig und wie aus einem Guss.

 

Findet ihr, dass Daytripper das reale, echte Leben im heutigen Brasilien zeigt? Oder ging es euch viel mehr darum, etwas über Familie und Freundschaften zu erzählen, statt Brasilien zu zeigen?

FM: Nun, man kann etwas über Familien, Menschen und Freundschaft in Brasilien erfahren. Einerseits ist es eine universelle Geschichte, weil jeder Familie, Freunde und die daraus resultierenden Probleme hat. Es ist andererseits sehr einzigartig, wie Brasilianer miteinander umgehen. Wer genauer hinschaut, sieht, was in Brasilien anders läuft und was einzigartig ist. Wenn wir alles richtig gemacht haben, können die Leute sich damit identifizieren, unabhängig davon, woher sie kommen. Brasilianer sind anders. Wie sie miteinander umgehen, wie sie Freundschaften betrachten, der Umgang mit der Familie, ihre Arbeitsverhältnisse. Wie sie mit ihren Träumen und ihrem Leid umgehen, wie sie ums Überleben kämpfen und sich um Arbeitsplätze bemühen. Daytripper zeigt, wie Brasilianer auf all diese Dinge reagieren. Aber wenn wir gut gearbeitet haben und aufrichtig genug waren, dann versteht man diese Geschichte auf der ganzen Welt.

 

Seite aus DaytripperIhr habt mit Verlagen aus den USA zusammengearbeitet. Daytripper ist universell, sagtest du gerade. Ist es trotzdem schwierig, eine Geschichte, die in Brasilien spielt, zu veröffentlichen? Interessieren sich genug Leser in den USA und international für Comics aus Brasilien?

FM: Dadurch, dass die Geschichte in Brasilien stattfindet, konnten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Wir konnten eine aufrichtigere Story erzählen. Und dadurch wollten wir auch einen tieferen Eindruck bei den Lesern erzielen. Würde Daytripper irgendwo anders spielen, dann hätten wir die gleiche Geschichte erzählen können, aber uns hätten die Werkzeuge und Elemente gefehlt, mit denen wir diese Aufrichtigkeit erzeugen wollten. Was würde den Figuren außerhalb Brasiliens widerfahren, wenn sie in eine andere Region des jeweiligen Landes kämen? Wie wäre dort der familiäre Hintergrund? Das konnten wir mit Sicherheit nur für Brasilien richtig einschätzen. Und das war auch im Sinne unseres US-Verlags Vertigo. Sie wollten, dass Daytripper ganz anders wird als irgendeine andere Serie bei Vertigo. Wir sollten die Art Geschichte erzählen, die wir normalerweise schreiben.

 

Während der Veranstaltung auf der Bühne sagtet ihr etwas sehr Treffendes: „Es gibt viel interessantere Aufgaben im Comicbereich, als die Figuren anderer zu verwenden und die gleichen Geschichten immer und immer wieder von neuem zu erzählen.“ Ist es schwierig, einen Comic wie Daytripper am Markt durchzusetzen? Einen Batman zu gestalten, wäre wahrscheinlich leichter verdientes Geld, dafür aber künstlerisch weniger erfüllend?

FM: Wir machen das, was wir tun wollen…

GB: Ja!

FM: Für uns ist es viel schwieriger, an Superheldencomics zu arbeiten, weil uns die Figuren gleichgültig geworden sind.

 

Cover De:Tales Aber als ihr jünger wart, habt ihr sie gelesen?

Beide: Ja, klar.

FM: Als wir jünger waren, als wir selbst nur Comicleser waren, liebten wir Superhelden. Wir haben fast sämtliche Serien gelesen und die Fortsetzungsgeschichten immer weiterverfolgt. Aber inzwischen haben wir den Kontakt dazu verloren. Es dreht sich doch immer nur im Kreis und uns interessieren die Figuren einfach nicht mehr. Obwohl wir Batman lieben, ist es einfach nicht mehr der Batman, den wir früher gerne gelesen haben. Wir könnten uns nicht dazu aufraffen, beispielsweise eine gute Batman-Geschichte zu produzieren. Deshalb arbeiten wir ausschließlich an Projekten, die uns interessieren. Das müssen nicht immer Geschichten sein, die wir selbst geschrieben haben. Etwa, als wir mit Autoren wie Matt Fraction an Casanova oder mit Gerard Way an The Umbrella Academy zusammengearbeitet haben. Das waren Stories, die uns angesprochen haben. Wir halfen dabei, die Figuren zu gestalten. Die Geschichte und die Figuren waren uns wichtig. Auf diese Weise erzielt man die besten Ergebnisse.

GB: Wenn wir viel Geld hätten verdienen wollen, dann wären wir Anwälte oder Ärzte oder so etwas geworden.

 

Welche Art Geschichten möchtet ihr gerne in zukünftigen Comics erzählen?

FM: Alles mögliche.

 

Seite aus De:TalesMehr Geschichten über Brasilien?

Beide: Nein!

FM: Mehr Geschichten über Beziehungen. Die können überall spielen. Wir sehen allerdings noch viele Möglichkeiten für Geschichten vor einer brasilianischen Kulisse. Aber Brasilien dient mitunter nur als exotischer Hintergrund. Selbst für Brasilianer! Momentan arbeiten wir an der Comic-Umsetzung eines brasilianischen Romans, der in Manaus spielt. Das ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas. Sie befindet sich mitten im Regenwald. Für den Großteil der Brasilianer ist das eine völlig andere Welt. Das möchten wir gerne näher beleuchten. Etwa die Frage: Wie werden die Figuren durch ihre Umgebung beeinflusst? Außerdem macht es Spaß, diese Landschaft zu zeichnen und es gefällt uns, diese Bilder zu betrachten. Wir freuen uns darüber, wie sich diese Geschichte entwickelt. Das will ich weiterverfolgen. Ich suche mir Themen aus, die ich gerne zeichne. Es dauert lange, einen Comic zu beenden, deshalb ist es wichtig, dauerhaft Freude an der Arbeit zu haben.

 

Mexiko hat seine Tijuana Bibles (sehr billige, pornographische Untergrundcomics) und Argentinien hat seinen Funny-Comicstrip Mafalda. Viel mehr Comics aus Südamerka fallen mir spontan gar nicht ein, muss ich zugeben. Gibt es eine große Comicszene in Brasilien und ist es bedauerlich, dass sie nicht mehr Beachtung erhält?

FM: Der Comicmarkt in Brasilien ist nicht sehr groß. Der bekannteste Zeichner, den wir haben, ist Mauricio [de Sousa]. Er ist auch hier auf der Buchmesse. Seine Karriere umspannt nun bereits 50 Jahre. Er macht Comics für Kinder und jeder bei uns lernt mit seinen Werken das Lesen. Seine Comics gibt es an jedem Zeitungsstand, überall im Land, einfach zu finden. Jeder kennt seine Figuren. Alles andere ist viel kleiner. So wie in Deutschland: Auflagen um die 3.000 Stück. Die findet man in Buchhandlungen oder in speziellen Comicgeschäften. Sehr schwer zu finden, diese Comics. Die meisten Leute wissen gar nicht, was für eine Vielfalt es an Comics in Brasilien gibt. Viele suchen auch gar nicht erst danach, was die Sache noch schwieriger macht. Also sucht man sich Verlage in den USA oder Frankreich, in deutlich größeren Märkten also. Damit besteht die Chance, selbst mit einer kleinen Auflage, entdeckt zu werden und anderswo weitere Projekte veröffentlichen zu können. Man kann ein großer Name sein in Brasilien und trotzdem nirgendwo sonst gelesen werden. Nur wenige Leute sprechen Portugiesisch. Und von brasilianischen Comics hat kaum jemand je etwas gehört.

GB: In den brasilianischen Zeitungen erscheinen viele Comicstrips. Die laufen seit 30, fast 40 Jahren. In Brasilien sind die sehr bekannt.

FM: Aber die erscheinen in keinem anderen Land. Das ist bedauerlich.

 

Gabriel Bá mit KaffeeLetzte Frage: Kürzlich habe ich die österreichische Autorin und Zeichnerin Ulli Lust in Hannover zum Interview getroffen (bald hier auf Comicgate). Wir sprachen auch über Daytripper und sie sagte mir, dass sie euch beide sehr gut findet. Habt ihr irgendwelche Favoriten unter den Comickünstlern aus Deutschland, Österreich oder anderen europäischen Ländern?

FM: Wir kennen Ulli. Und wir trafen den Autor des Comics über den fünften Beatle. Das war auf einer Buchmesse in Toronto. Mir fällt gerade sein Name nicht ein …

 

Arne Bellstorf.

FM: Ja, genau! Und wir kennen den Macher von Der Boxer und dem Comic über Johnny Cash: Reinhard Kleist. Außerdem lieben wir die neuen französischen Zeichner. Die sind sehr gut! Leute wie Cyril Pedrosa. Wir mögen Frederik Peeters …

Beide: … aus der Schweiz …

FM: Und auch einige italienische und spanische Künstler. Wir mögen Gipi und David Rubin. Aber wir versuchen uns überall umzuschauen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Fábio Moon and Gabriel Bá’s Blog (englisch)
Gabriel Bá bei CrossCult
Fábio Moon bei CrossCult
Daytripper bei MyComics

 

Abbildungen: © Fábio Moon/Gabriel Bá/Panini Comics/CrossCult
Photos: © Stefan Svik

Key of Z

Cover Key of ZAm Weihnachtsabend 2011 ist die Welt für Nick Ewing noch in Ordnung: Er genießt einen beschaulichen Abend mit Frau und Kind, sein Sohn schenkt ihm eine gravierte Mundharmonika. Kurz danach bricht die Zombieapokalypse herein und beendet mit einem Schlag das zivilisierte Stadtleben. Einige Zeit später haben sich die Menschen in die Sportstadien New Yorks zurückgezogen, die dort herrschenden Clanchefs teilen die Stadt machtstrategisch unter sich auf. Nick arbeitet für einen dieser skrupellosen Anführer, zumindest solange bis ihn ein persönlicher Verlust auf einen Rachefeldzug führt.

Rockmusiker Claudio Sanchez (Coheed and Cambria) und seine Frau Chondra Echert zeichnen gemeinsam als Autoren für den Comic Key of Z verantwortlich. Leider gelingt es ihnen nicht, aus dem vorhanden Potential besonders viel rauszuholen. Dabei ist die grundsätzliche Prämisse, dass sich Menschen aus Schutz vor den Untoten in den großen Stadien New Yorks verschanzen, überaus reizvoll. Schnell merkt man als Leser, dass dieses Konzept der rivalisierenden Gruppierungen, der um Macht buhlenden Gangster viele Möglichkeiten zur inhaltlichen Tiefe eröffnet hätte. In Ansätzen erlebt man zwar die sich in Kürze etablierten Strukturen, etwa wenn sich Vertreter feindlicher Parteien zu einer Konferenz treffen, um über Zollgebühren zu streiten. Anstatt ausgefeilte politische Ränkespiele auszuformulieren, nutzen die Autoren dies nur als vage Kulisse für ihre recht eindimensionale Rachestory rund um die Hauptfigur.

Das trifft im Übrigen fatalerweise auch auf die Zombies selbst zu. Dass sich in der Stadt an jeder Ecke die sogenannten „Schlurfwandler“ tummeln, scheint die Figuren in diesem Comic nicht übergebührlich zu stören. Damit sind auch sie nicht wirklich im Zentrum der Handlung. Bei einer ausgereiften Erzählung mit viel Platz für Reflexionen des menschlichen Miteinanders im Lichte der Apokalypse würde diese Idee funktionieren (siehe große Teile von The Walking Dead). In Key of Z wirkt hingegen alles wie im Eiltempo und ziemlich oberflächlich. Rechnet man die zuvor genannten Faktoren heraus, bleibt als Grundgerüst fast nur noch ein simpler Guter-Mann-jagt-bösen-Mann-Plot übrig, der nebenbei mit etwas unbeholfenen Zeitsprüngen auch noch wenig nachvollziehbar gestaltet ist.

Seite aus Key of ZDas eine große Manko ist das Platzproblem. Mit einer weniger starken Fokussierung auf nur eine zentrale Person und mit einer langfristigen Perspektive hätte man das vorhandene Potenzial durchaus nutzen können. Als vollgepackte und überhastete Miniserie bleibt dagegen jeder noch so interessante Ansatz auf der Strecke. Und was das Ganze mit der zombiebeeinflussenden Mundharmonika auf sich hat, ist mir schleierhaft. Außer natürlich dem emotionalen Bezug des Hauptcharakters, der daraus den Antrieb für seine Rache zieht. Naja.

Zumindest kann Key of Z dank der Zeichnungen von Aaron Kuder mit einem mehr als anständigen Artwork aufwarten. Auch wenn manche explodierende Köpfe seltsam atomisiert aussehen, versteht er sein Handwerk. Die Skizzen Kuders im Anhang des Bandes verraten, wie stark seine Arbeiten sein können, insbesondere, wenn man sie in schwarz-weiß sieht. Vergleicht man diese Seiten mit dem fertig kolorierten Endprodukt, wünscht man sich fast, man hätte es für diesen Comic bei der Rohfassung belassen. Einer nicht ganz unpopulären, thematisch verwandten Comicreihe hat dies jedenfalls nicht zum Nachteil gereicht.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Kann man als Hardcore-Zombie-Fan zwischendurch mal lesen, ein Meisterwerk verpasst man allerdings nicht

 

Key of Z
Cross Cult, August 2013
Text: Claudio Sanchez, Chondra Echer
Zeichnungen: Aaron Kuder
Übersetzung: Christian Heiß
128 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-86425-184-9
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult

Links der Woche 37/13: Pop culture was in art, now art’s in pop culture in me

Unsere Links der Woche, Ausgabe 37/2013:

 

Asterix reborn!
Blogzeit, Harald Havas
Am Donnerstag ist er endlich erschienen (zeitgleich in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern): Der mit viel Marketinggetöse angekündigte neue Asterix-Band, für den Albert Uderzo erstmals ein anderes Autor-Zeichner-Gespann arbeiten ließ. Kaum ein Medium, das Asterix bei den Pikten nicht sofort besprochen hat. Den Grundtenor der meisten Rezensionen könnte man wohl mit „Erleichterung“ beschreiben. Hellauf begeistert ist kaum ein Kritiker, doch fast alle zeigen sich zufrieden, dass die Tiefpunkte der letzten Asterix-Comics von Uderzo überwunden sind und es nun zumindest auf einem soliden bis guten Niveau weitergehen kann. Stellvertretend für die vielen Rezensionen sei hier der Text von Harald Havas verlinkt, der sich kenntnisreich und umfassend mit dem neuen Band beschäftigt.

‚The Counselor‘ features a mystery hero, mystical book
USA Today, Brian Truitt
Der Potsdamer Thomas Leopold alias Tomppa gewann vor zwei Jahren einen Wettbewerb der Plattform Talenthouse, bei dem ein neuer Superheld gesucht wurde. Er gewann mit seiner Figur The Counselor, dessen „Superkraft“ darin besteht, dass er ein Buch besitzt, mit dem er Zugriff auf das gesamte Weltwissen hat. Zusammen mit dem Szenaristen Robert Heracles und der Firma Arch Enemy Entertainment entstand daraus nun ein Comic, der in Fortsetzungen auf der Website der großen US-Zeitung USA Today erscheint.

10 Rules For Drawing Comics
10rulesfordrawingcomics.com/
Diese Website lässt bekannte Autoren und Zeichner (u.a. Mike Allred, Roger Langridge, Johnny Ryan) ihre ganz persönlichen 10 Gebote fürs Comiczeichnen auflisten.

Think of a City
thinkofacity.tumblr.com, Alison Sampson and Ian MacEwan
Tolles neues Tumblr-Experiment der Zeichner Alison Sampson and Ian MacEwan. Verschiedene Künstler zeichnen Szenen aus einer fiktiven, futuristischen Stadt. Kleine gemeinsame Elemente verbinden die einzelnen Bilder. Das ist noch kein Comic, aber wenn es gut läuft, werden die nach und nach veröffentlichten Bilder gemeinsam eine Geschichte erzählen. Und wenn nicht, lernt man immerhin einige hochinteressante Zeichner kennen.

Asterix 35 – Asterix bei den Pikten

Cover Asterix bei den PiktenAsterix brauchte einen Relaunch. Das war nach dem vorletzten Band Gallien in Gefahr für jeden so offensichtlich wie ein Hinkelstein. Auch wenn das zunächst nicht jeder der Betroffenen wahrhaben wollte. Ein Jahr ist es nun her, dass Albert Uderzo dem Zeichner Didier Conrad (Helden ohne Skrupel) und dem Autor Jean-Yves Ferri (Die Rückkehr aufs Land) seinen kleinen Gallier anvertraut hat, um die Geschichten fortzusetzen. Jetzt ist Band 35 Asterix bei den Pikten endlich da. Die Ausgangslage für den großen Wechsel im frankobelgischen Comic ist denkbar spannend – die Geschichte verläuft dann aber schnell in altbekannten Bahnen.

Conrad und Ferri haben für ihren ersten Asterix-Band die perfekten europäischen Problemfelder konstruiert: Ganz Gallien liegt bedeckt unter einer winterlichen Schneedecke – ja, ganz Gallien! Die krisenhafte Kälte lässt alles erstarren, nichts geht voran. Anstatt saftige Wildschweine zu jagen, müssen sich Asterix und Obelix ihre Austern am Strand aufsammeln. Und zu allem Überfluss schleicht sich noch der schleimig-freundliche Volkszähler Publius Plusminus ins Dorf, um genau Buch über die Gallier zu führen. Die Stimmung im Dorf kippt vollends als ein weiterer Gast an den gallischen Gestaden strandet.

Der unbekannte, im Eis eingeforene Krieger wird sogleich ins Dorf gebracht und zunächst für einen krisengebeutelten Iren (Hiberner) gehalten. Doch seine fremdländischen Piktograme und der Kilt weisen ihn als Pikten (aus dem fernen Kaledonien) aus. Breitbrüstig verkündet Majestix von seinem Schild herab: „Für uns Gallier ist das Recht auf Asyl kein leeres Versprechen.“ Frisch aufgetaut kann sich Mac Aphon noch nicht verständigen, betört aber dennoch unbewusst die Gallierinnen. Was Majestix dazu veranlasst, das großzügig gewährte Asyl zurückziehen zu wollen.

Doch Ferri reißt die drei aktuellen europäischen Themen – Eurokrise, Bespitzelung durch NSA und Facebook und Ausländerpolitik – nur an, macht aber weiter nichts daraus. Statt auf die Probleme einzugehen, sucht der neue Autor der Serie, wie in vielen Asterix-Bänden zuvor, die naheliegendste Lösung: die Ferne. Selbstverständlich muss der arme Ausländer sofort in seine Heimtland Schottland zurückgebracht werden.

Mit der Reise beginnt auch das Vergnügen. So lässt es sich prima über die Schotten und ihre Eigenheiten spotten: Sie alle tragen Kilts (gerne auch mal kleinkariert), werfen mit Baumstämmen und trinken jede Menge Malzwasser (Whisky). Und wenn die bekannten Stereotypen ausgeleiert sind, wird den nordischen Nachbarn kurzerhand der britische Kreisverkehr aufs Konto geschrieben.

So albern diese Späße auch sein mögen, so sehr darf man sich über das lang vermisste Schmunzeln freuen, das wieder in einem Asterix-Band Einzug hält. Beim Lesen merkt man förmlich, von welch hinkelsteinschwerer Last Ferri Uderzo befreit hat: von der Pflicht, Autor und Zeichner zugleich zu sein. Es sind die kleinen Wortspiele, die Gags, die versteckten Anspielungen, die Asterix groß gemacht haben. So pantomimt und singt sich Mac Aphon in die Herzen der Gallier. Wobei die Namen der Pikten (wie z.B. Mac Abberh und Minimac) nicht an einen Mac Teefürzweifix aus Asterix bei den Briten heranreicht.

Die undankbare Aufgabe hat hingegen Didier Conrad, der mit seinen Zeichnungen dafür Sorge zu tragen hat, dass Asterix und Obelix, Gutemine und Jellosubmarine, Verleihnix und Automatix, Miraculix und Troubadix und auch Idefix so aussehen wie immer. Jedes zu statische Bild, jedes zu detailreiche Panel, jeder zu cartoonige Strich und jede zu runde Nase wird dem prüfenden Auge der Fans nicht entgehen. Dabei hat er, wie Achdé bei Lucky Luke, eine sehr saubere Arbeit vollbracht. Asterix bei den Pikten sieht aus wie ein Asterix-Band auszusehen hat. Dass Conrad und Ferri bereit sind, ihre eigenen Ideen umzusetzen, zeigt sich bereits auf der Metaebene: in kleinen Piktogrammen und einem grafisch interessant rekonstruierten Schlachtengetümmel.

Nachdem diese Übergangsphase, dieser Band 35, ohne große Zwischenfälle überstanden ist, kann man sich für Ferri und Conrad in Zukunft nur mehr Beinfreiheit wünschen. Vielleicht werden sie dann auch die gesellschaftlichen Probleme in ihrem Comic verhandeln, die so groß zu Beginn der Geschichte angekündigt wurden.

 

Wertung: 7 von 10

Die große Wachablösung im franko-belgischen Comic ist ohne weitere Zwischenfälle vollzogen worden.

 

Asterix 35 – Asterix bei den Pikten
Egmont Comic Collection (HC) bzw. Egmont Ehapa (SC), Oktober 2013
Text: Jean-Yves Ferri
Zeichnungen: Didier Conrad
Übersetzung: Klaus Jöken
48 Seiten, farbig, Hardcover und Softcover
Preis: 12 Euro (HC); 6,50 Euro (SC)
ISBN: 978-3770436354 (HC) / 978-377043354 (SC)

Hardcover:

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Softcover:

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Coverbild: © 2013 Les Éditions Albert René, der dt. Ausgabe: Egmont

 

Anm. der Red.: Gerne hätten wir diese Rezension noch mit einem Auszug aus dem Comic bebildert. Leider gibt es dafür von Verlag und Lizenzgeber eine Liste von Auflagen, die aus unserer Sicht unverhältnismäßig streng und umfassend ist. Wir haben uns daher entschieden, auf weitere Abbildungen zu verzichten.

Frisch aus der Druckerei: August/September 2013

Die aktuelle Ausgabe unserer Neuerscheinungs-Kolumne kommt wieder als Doppelnummer daher und kümmert sich um die Novitäten, die im August und September in die Läden gekommen sind. Jede Menge interessanter Stoff für alle Geschmäcker verließ die Druckereien, hier kommt unser Überblick:

HIGHLIGHT DES MONATS

Saga 1Man soll die Bedeutung von Comicpreisen ja nicht überbewerten, aber im Falle von Saga ist schon auffällig, wie sehr die Science-Fiction-Serie aus dem Hause Image zuletzt abgeräumt hat. Mehrere Eisner und Harvey Awards, dazu „Best Graphic Story“ beim renommierten „Hugo“, ein oberer Platz auf zahllosen Jahresbestenlisten 2012 und obendrein höchst respektable Verkaufszahlen in allen Formaten. Die Serie ist das Comic-Comeback von Brian K. Vaughan, der u.a. mit Y: The Last Man und Ex Machina schon nachhaltige Duftmarken gesetzt hatte und im letzten Jahr nach diversen Jobs fürs Fernsehen (u.a. Lost) zu den Comics zurückkehrte. Saga ist, wie der Name schon andeutet, als langes, episches Projekt angelegt und erzählt von einer unmöglichen Liebe in einer stark von Star Wars inspirierten Welt, in der ein großer Krieg herrscht. Die Zeichnungen von Fiona Staples vermischen wuchtiges SF-Flair mit einem feinen Indie-Touch. Die Rechte für die deutsche Ausgabe hat sich Cross Cult gesichert und bringt sie in Form von Hardcover-Sammelbänden, die etwas kleiner sind als das US-Format, aber größer als die A5-Bände, in denen z.B. Hellboy erscheint. [Leseprobe, CG-Rezension]

 

EIGENPRODUKTIONEN

Bei Knesebeck setzt man überwiegend auf Literaturadaptionen und Künstlerbiografien, und neuerdings mischen sich unter Lizenzen aus dem Ausland auch eigenproduzierte Stoffe. Den Anfang macht das Album Wagner von Andreas Völlinger (übrigens Mitglied der Comicgate-Redaktion) und Flavia Scuderi. Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner erschien der biografische Wagner-Comic (mit etwas Verspätung) im Rahmen eines crossmedialen Projekts namens Wagnerwahn, zu dem auch ein TV-Film und eine App für Tablets und Smartphones gehören. [Leseprobe]

Metrolit bringt mit Plastic Dog eine Sammlung von Kurzcomics von Henning Wagenbreth, die vor bald 10 Jahren in der Zeit abgedruckt wurden – Untertitel: „24 Geschichten aus der Steinzeit des digitalen Buchs“. Der Sammelband in Form eines Pappbilderbuchs ist zuvor auf Französisch bei L’Association erschienen, gehört also strenggenommen gar nicht in die Sparte „Eigenproduktion“. [Leseprobe]

BerlinoirReinhard Kleist wurde mit seinen politisch-biografischen Comics (Cash, Castro, Der Boxer) zur Vorzeigefigur des deutschen Graphic-Novel-Booms. Dass er aber schon vorher Comics gezeichnet hat, die näher an klassischen Genres orientiert waren, wissen die meisten Feuilletonleser nicht. Gut und richtig also, dass Carlsen nun eines dieser früheren Werke neu herausbringt: Berlinoir, eine in Berlin spielende Vampirgeschichte, geschrieben vom Romanautor Tobias M. Meißner, erschien ursprünglich zwischen 2003 und 2008 in drei Bänden bei Edition 52. [Leseprobe]

Das Schweizer Magazin Strapazin, das Urgestein der deutschsprachigen Comic-Avantgarde, hatte für die Ausgabe 112 eine interessante Idee: Alle teilnehmenden Künstler (stolze 150 an der Zahl!) sollten einen kurzen Strip in Schwarzweiß zu einer selbstgewählten Fernsehserie zeichnen. Das Ergebnis ist eine wahre Fundgrube. [Leseprobe]

Die Reihe Weissblechs Weltbeste Comics erfährt einen Relaunch und heißt ab sofort Weissblech Sonderheft. Die erste Ausgabe mit dem schönen Titel Zombie Terror widmet sich dem bei diesem Verlag eigentlich schon lange überfälligen Horrortrend und präsentiert „drei nagelneue Zombie-Comics in bester Weissblech-Tradition“ und eine Bonusgeschichte. [Leseprobe]

Sie erscheinen immer unregelmäßiger, aber sie sind nicht totzukriegen: die Perry-Comics aus der Alligator Farm. Ausgabe 141 von Perry – Unser Mann im All ist die letzte, die als klassisches Heft erscheint (diesmal u.a. mit Beiträgen von Laska Comix und David Füleki!), bevor man sich an ein neues Format wagen wird. [Leseprobe]

Nostalgiker dürfen den 60. Geburtstag von Hansrudi Wäschers Ritter Sigurd feiern. Bei Comics etc. erscheint aus diesem Anlass der Band 60 Jahre Sigurd: Kampf dem schwarzen Schinder. Enthalten ist der erste Sigurd-Comic von 1953 und eine CD mit einer Hörspieladaption dieser Story aus dem Jahr 1976. Sowohl Hörspiel als auch Comic wurden mit neuem Material ergänzt.

Eine Comicreihe für Kinder startet der kleine Pfefferkorn Verlag: Rocky und seine Bande von Stephan Valentin und Jean-Claude Gibert will „im lustigen Comicstil unterhaltsame und abenteuerliche Geschichten aus dem Kinderalltag erzählen, in denen sich ‚größere Themen‘ verstecken“, schreibt der Verlag, der die Reihe zeitgleich auch auf Französisch veröffentlicht. Der Autor ist im Hauptberuf Kinderpsychologe, der Zeichner hat schon etliche Geschichten mit dem Elefanten Babar gemacht. Die ersten beiden Bände widmen sich den Themen Haus- (Rosalie will ein Haustier) und Zootiere (Wir lieben die Freiheit).  

Kein Comic, aber auch schön: Schmythologie, die zweite Zusammenarbeit von Lesebühnen-Superstar Jochen Schmidt und Schabkartonvirtuosin Line Hoven nach dem Wörterbuchprojekt Dudenbrooks. Für die FAZ schrieb Schmidt 71 kurze Erläuterungen zu Fremdwörtern griechischen Ursprungs, Hoven kratzte ein Bild dazu. Bei C.H. Beck sind nun alle gesammelt erschienen. [Leseprobe]

AUS SPANIEN

Bevor das neue Verlagslabel Egmont Graphic Novel auf der Frankfurter Buchmesse richtig gestartet ist, gab es im August schon mal die erste Veröffentlichung (die allerdings schon lange geplant war und ursprünglich in der Ehapa Comic Collection erscheinen sollte): Ardalén ist der erste Langcomic des Spaniers Miguelanxo Prado, der vor allem durch die skurrilen Kurzgeschichten seiner Reihe Der tägliche Wahn bekannt ist. Das Buch beschäftigt sich mit dem großen Thema „Erinnerung“. [span. Leseprobe]

AUS DÄNEMARK

Petzi – Die gesammelten Reiseabenteuer 1Der Hamburger Carlsen Verlag wurde einst gegründet, um die Abenteuer des Bären Petzi und seiner Freunde Pelle, Pingo und Co. in Deutschland zu veröffentlichen. 60 Jahre ist das inzwischen her, und jetzt bekommt auch der Klassiker des dänischen Ehepaars Carla und Vilhelm Hansen seine bibliophile Gesamtausgabe. In zwei Bänden erscheinen Die gesammelten Reiseabenteuer so, wie sie ursprünglich als Zeitungsstrips veröffentlicht wurden, in Schwarz-Weiß und mit neuer Übersetzung.

AUS FRANKREICH

Ein anderer Klassiker, den Carlsen immer mal wieder in neuen Formaten auflegt, ist Die Abenteuer von Tim und Struppi. Die Tintin-Comics von Hergé bringt der Verlag nun in einer Kompaktausgabe. Das sind Hardcover im Buchformat, bei dem die Seiten kleiner als im Original sind, das dafür aber gleich mehrere Geschichten zum günstigen Preis enthält. Zum Auftakt erschienen gleich zwei Bände, insgesamt werden es acht.

Love is in the Air (Guitar) heißt die knapp 300 Seiten dicke romantische Komödie von Yann Le Quellec und Romain Ronzeau, in der ein junger Mann versucht, die in Finnland ausgetragene Luftgitarren-WM zu gewinnen, um seine Traumfrau für sich zu gewinnen. Der Carlsen Verlag hat sich nicht lumpen lassen und legt jedem Exemplar des Buches eine kostenlose Luftgitarre bei! [frz. Leseprobe]

Seit 2009 führt der Zeichner Guillaume Long auf der Website der Tageszeitung Le Monde ein Comicblog namens À boire et à manger, in dem es um Kochen, Essen und Trinken geht. Eine Sammlung von dort veröffentlichten Comics gibt es nun auf Deutsch bei Carlsen in dem Album Kann denn Kochen Sünde sein? [Leseprobe]

SchneekreuzerDer französische Comic Le Transperceneige von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette erschien bei den Nachbarn 1984 und gewann kurz darauf einen Preis in Angoulême, 15 Jahre später legte Zeichner Rochette mit dem Szenaristen Benjamin Legrand noch zwei Bände nach. Alle drei zusammen gibt es nun in einem Band bei Jacoby & Stuart. Schneekreuzer spielt in einer postapokalyptischen Zukunft, in der die letzten Überlebenden in einem endlos fahrenden Zug leben – vorne die Reichen, hinten die Armen. Der Comic wurde gerade in einer prominent besetzten koreanisch-französisch-amerikanischen Co-Produktion von Regisseur Joon-ho Bong (The Host) verfilmt, ein deutscher Kinostart steht noch nicht fest. [Leseprobe]

Kopf in den Wolken ist nach Der Winter des Zeichners der zweite Comic des Spaniers Paco Roca, der bei Reprodukt auf Deutsch erscheint. Er erzählt darin von einem Alzheimerkranken und seinen Mitbewohnern in einem Altenheim. Nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2007 gewann der Comic zahlreiche Preise in Frankreich und Spanien. Auch die Zeichentrick-Verfilmung des Stoffes, an der Roca mitarbeite, ist preisgekrönt, u.a. gewann der Film 2012 beim ITFS in Stuttgart den Preis für den besten animierten Langfilm. Ein deutscher Kino- oder DVD-Start ist bislang leider nicht in Sicht. [Leseprobe]

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Schon im Jahr 2000 erschien bei Reprodukt der Comic Die Fabrik der damals 19-jährigen Frankokanadierin Geneviève Castrée, der extra für den deutschen Verlag entstand. Ihr neuester Comic Ausgeliefert ist eine mehr oder weniger autobiographische Coming-of-Age-Geschichte über ein Mädchen, deren Leidenschaften Musikmachen und Zeichnen sind. [Leseprobe]

Guy Delisle, hauptsächlich bekannt durch seine Reiseberichte aus Fernost oder aus Israel, präsentiert in seinem Ratgeber für schlechte Väter kleine Episoden aus seinem Alltag als Vater zweier kleiner Kinder. Das kleinformatige, aber dicke Bändchen voller “pedagogical incorrectness” dürfte sich auch gut als Geschenk für junge Eltern eignen. [Leseprobe]

Das Feuilleton erfreut sich zur Zeit besonders an Comics, die sich mit der bildenden Kunst und ihren Schöpfern befassen. So wie Einmal durch den Louvre von David Prudhomme (Rembetiko), das sich mit der berühmten Pariser Gemäldesammlung und den Werken, die dort hängen, befasst – vor allem aber mit den Leuten, die sie betrachten. [Leseprobe]

Ebenfalls mit der hohen Kunst spielt der Belgier Brecht Vandenbroucke in dem wortlosen Band White Cube, für den der Avant-Verlag auf seiner Website die drei Schlagworte „Augenschmaus“, „Humor“ und „Kunst“ vergeben hat und u.a. Mark Beyer und ATAK als Referenzen nennt. [Leseprobe]

Bei Avant gibt es außerdem zwei Graphic Novels, die sich mit Kriegen befassen: Auf den Spuren Rogers erzählt Florent Silloray vom Zweiten Weltkrieg aus der Sicht eines französischen Soldaten – dem Großvater des Autors und Zeichners. [Leseprobe]

Der Affe von HartlepoolDer Affe von Hartlepool spielt 150 Jahre vorher und erzählt eine satirische Farce aus der Endphase der Napoleonischen Kriege, basierend auf einer Legende, nach der an der englischen Küstenstadt ein französisches Kriegsschiff strandete, dessen einziger Überlebender ein uniformierter Affe war, der dann von den Bewohnern zum Tode verurteilt und erhängt wurden. Der Comic stammt von Autor Wilfrid Lupano und Zeichner Jérémie Moreau.  [Leseprobe]

Der eben genannte Lupano ist auch der Autor der Serie Alim der Gerber (Splitter Verlag), die von Virginie Augustine gezeichnet wurde. Die wiederum zeichnete auch den Zweilteiler Whaligoe, der jetzt beim Piredda Verlag erschienen ist. Geschrieben vom Tausendsassa Yann erzählt der Comic eine Mystery-Story im Schottland des 19. Jahrhunderts.  [Leseprobe]

Schreiber & Leser bringt in seinem noir-Label eine weitere Krimi-Adaption des Zeichners Christian De Metter: Dead Heart basiert auf einem Roman von Douglas Kennedy, der auf Deutsch als Nur der Himmel war Zeuge erschienen ist und im menschenleeren Binnenland von Australien spielt. [Leseprobe]

Die Italienerin Barbara Canepa kennen wir vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Alessandro Barbucci (W.I.T.C.H., Monster Allergy, Sky Doll). Ihre neue Serie entstand dagegen zusammen mit der Kollegin Anna Merli: End ist ein düster-romantisches Gothic-Märchen, dessen Protagonistin nicht mehr ganz lebendig aber auch noch nicht richtig tot ist. Die Stimmung des ersten Bandes [Leseprobe], der bei Splitter auf Deutsch erschienen ist, gibt der Trailer ganz gut wieder:

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Bei Splitter startete außerdem die Fantasy-Serie Urban von Luc Brunschwig und Roberto Ricci, die in einem gigantischen Vergnügungspark namens Myjoy spielt, wo ein naiver Junge vom Lande dem dortigen Sicherheitskorps beitreten möchte. [Leseprobe]

Unter dem Namen Saria bringt Splitter einen Comic von Vielschreiber Jean Dufaux und Erotik-Altmeister Paolo Serpieri, der als Die Unterwelt vor fünf Jahren schon einmal in der Edition Venus erschienen ist. In den Folgebänden der dreiteiligen Fantasyhorror-Story wird dann Riccardo Federici den Zeichenstift übernehmen. [Leseprobe]

Die Seefahrerabenteuer von Bruce J. Hawker aus den 70er und 80er Jahren, geschrieben von André-Paul Duchâteau und gezeichnet von William Vance, legt Splitter in einer zweibändigen Gesamtausgabe neu auf. [Leseprobe]

Bunte Dimensionen hat neuen Stoff für Fans von Fliegercomics: In Lady Spitfire darf eine weibliche Pilotin im Zweiten Weltkrieg das titelgebende britische Jagdflugzeug fliegen. [Leseprobe]

Etwas verzögert entdeckt nun auch der Verlag Comicplus+ den Markt der hochwertig aufgemachten Gesamtausgaben von Albenserien und (wieder-) veröffentlicht drei Reihen als Hardcoverbände mit dem Inhalt von je zwei Einzelalben plus Zusatzmaterial: Die zehn Gebote, Der Schrei des Falken und Das geheime Dreieck. Letztere macht den Auftakt. Die Gesamtausgabe der esoterischen Mystery-Saga von Didier Convard soll am Ende „wenigstens zehn, unter Umständen auch mehr Bände“ umfassen.

AUS BRASILIEN

Der AstronautAls diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse rückt Brasilien auch mit einigen Comics in den Blickpunkt. Panini veröffentlicht den Band Der Astronaut, in dem Danilo Beyruth eine in Brasilien sehr populäre Comicserie von Mauricio de Sousa neu interpretiert. [Leseprobe]

Von Altmeister de Sousa selbst stammt dagegen Pelezinho, ein Kindercomic zu Ehren von Fußballgott Pelé, der in Brasilien in den 1970ern startete und nun erstmals auf Deutsch beim Rieder Verlag erscheint. Passt natürlich nicht nur zur Buchmesse, wo de Sousa auch zu Gast war, sondern auch zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

AUS DEN USA

Auf dem DrahtseilIm Jahr 1988 erschien in den USA bei Kitchen Sink Press die Miniserie Kings in Disguise von Jim Vance und Dan Burr, die die Geschichte eines obdachlosen jüdischen Jungen während der Großen Depression erzählt, der durch Amerika reist. Der Comic heimste eine Menge Lob und Preise ein, ist aber, soweit ich das recherchieren konnte, nie auf Deutsch erschienen. Doch 25 Jahre später legten Vance und Burr einen Nachfolger (diesmal direkt im Buchformat als Graphic Novel) vor, und den gibt es kurze Zeit später unter dem Titel Auf dem Drahtseil bei Metrolit. Er spielt einige Jahre später, die Hauptfigur Fred Bloch arbeitet inzwischen bei einem Wanderzirkus als Assistent eines Entfesslungskünstlers. [US-Leseprobe]

Ebenfalls bei Metrolit: Der Voyeur, eine Sammlung von Kurzgeschichten von der New Yorker Künstlerin Gabrielle Bell, die in den USA mit ihrem Webcomic Lucky zu einem Liebling der Independentcomic-Szene geworden ist. In Lucky erzählt sie lakonische Episoden aus ihrem Alltag – einige davon sind nun in diesem Buch gesammelt.

Nach einigen Alben aus Frankreich hat sich der kürzlich neu gegründete All Verlag seine erste US-Lizenz gesichert: Guerillas, eine Vietnamkriegs-Satire von Brahm Revel, in der eine Kampfeinheit aus Schimpansen die Hauptrolle spielt. Den zweiten Teil der auf drei Teile angelegten Serie finanzierte Revel mit Hilfe einer Kickstarter-Kampagne. [Leseprobe, CG-Rezension]

Wenn bekannte Musiker als Comicautoren tätig werden, kann das großartige Folgen haben (The Umbrella Academy von Gerard Way) oder auch nur ein lauer Marketing-Gag sein. Claudio Sanchez jedenfalls, Frontmann der Band Coheed and Cambria, arbeitet schon seit Jahren an der SF-Saga The Amory Wars, ist also kein Comic-Neuling. Seine Story Key of Z (geschrieben zusammen mit seiner Frau Chondra Echert, gezeichnet von Aaron Kuder) verbindet die Musik mit dem populären Thema Zombies. Hier gibt es jemanden, der als eine Art Rattenfänger von Hameln die Untoten unter Kontrolle bringen kann: Mit seiner Mundharmonika. Die deutsche Ausgabe ist bei Cross Cult erschienen. [Leseprobe]

The Last Of UsComics zu erfolgreichen Videospielen sind zwar inzwischen ein fester Teil des Marktes, aber meistens nicht weiter der Rede wert. Bei The Last of Us – American Dreams (Cross Cult) könnte das anders sein, nicht zuletzt wegen Zeichnerin Faith Erin Hicks, die eher nicht für seelenlose Auftragsarbeiten bekannt, sondern eine feste Größe der Indiecomic-Szene ist. Der Comic, gemeinsam geschrieben von Hicks mit Neil Druckmann, dem Autor des Spiels, erzählt die Vorgeschichte zu dessen Endzeit-Szenario. [Leseprobe]

Weit weniger vielversprechend klingen da die Comicversionen von Splinter Cell: Echoes [Leseprobe] und Borderlands [Leseprobe] bei Panini. Carbon Grey von Hoang Nguyen wollte ich auf den ersten Blick auch in diese Schublade stecken, aber das liegt vielleicht nur am Cover. Denn die sehr schick gezeichnete Steampunk-Serie (die in den USA bei Image erscheint) hat nichts mit Videospielen zu tun, sondern ist ein Originalstoff. [Leseprobe]

Dan – Einfach unverletzbar 1Dan – Einfach unverletzbar stammt aus dem US-Verlag Avatar Press, der vor allem für krasse bis sehr krasse Horrorstories bekannt ist, aber auch dafür, dass namhafte Autoren hier Freiheiten im Auf-die-Kacke-hauen genießen, die sie anderswo nicht haben. David Lapham (Stray Bullets, Crossed) erzählt hier eine derbe Krimikomödie um einen Privatdetektiv, der durch nichts und niemanden verletzt oder gar getötet werden kann. [Leseprobe]

Bei Panini startet eine neue Garfield-Serie. Diese ist nicht zu verwechseln mit den Zeitungsstrips aus dem Studio von Jim Davis, die bei Egmont als Gesamtausgabe erscheinen – hier handelt es sich um eine Heftserie mit längeren Geschichten. Als Autor hat der US-Verlag Boom Studios hier immerhin Mark Evanier verpflichtet, der für Sergio Aragonés‘ Barbaren Groo schon mehrere Eisner Awards gewonnen hat.  [US-Leseprobe]

Die Science-Fiction-Romanreihe Ender’s Game vom bekannten Schwulenhasser Orson Scott Card kommt bald als teure Hollywoodproduktion ins Kino. Bei Panini gibt’s dazu die Comicadaption, die bei Marvel schon vor einigen Jahren produziert wurde. [Leseprobe]

In der Before Watchmen-Reihe erschienen zwei weitere Bände: Nite Owl von J. Michael Straczynski und Joe Kubert (der noch vor Abschluss der Serie verstarb, so dass sein Sohn Andy, der zuvor für die Tusche gesorgt hatte, übernehmen musste) [Leseprobe] sowie Ozymandias von Len Wein und Jae Lee, der grafisch wohl interessanteste Comic dieses umstrittenen Projekts. [Leseprobe]

Einige neue Serien im Rahmen des „Marvel Now!“-Relaunch bringt Panini direkt als Paperback-Ausgaben: Cable und X-Force von Dennis Hopeless und Salvador Larocca [Leseprobe] ebenso wie Fantastic Four von Matt Fraction und Mark Bagley [Leseprobe] und Savage Wolverine, in dem Logan von Zeichner und Autor Frank Cho in den Dschungel geschickt wird [Leseprobe]. Auch Uncanny X-Force von Sam Humphries und Ron Garney [Leseprobe] und A+X, eine Team-Up-Serie mit abgeschlossenen Kurzgeschichten von verschiedenen Künstlern [Leseprobe], erscheinen in diesem Format.

Age of Ultron 1Dazu startet mit Age of Ultron das erste Crossover-Event der Marvel-Now-Ära. Wie üblich gibt es hier eine zentrale Miniserie (geschrieben von Brian Michael Bendis mit wechselnden Zeichnern), die bei Panini als Heftserie mit je zwei US-Ausgaben erscheint. Dazu kommt noch eine (diesmal überschaubare) Menge von Tie-Ins als Sonderbände. Erzählt wird eine Geschichte aus der Zukunft des Marvel-Universums, in der der außerirdische Superschurke Ultron die Macht ergriffen hat. [Leseprobe]

Drüben bei DC gibt es eine weitere Serie aus dem „New 52“-Neustart von 2011: Demon Knights von Paul Cornell und Diogenes Neves (im Original mitterweile eingestellt) unterscheidet sich vom Rest der DC-Serien dadurch, dass es zwar im Verlags-Universum spielt, allerdings im Mittelalter. Das Ergebnis ist eine Art Superhelden-Fantasy-Mixtur. [Leseprobe]

Ebenfalls aus dem „New 52“-Stall stammt die Serie Batwing, deren erste 13 Hefte Panini in einem dicken Megaband sammelt. [Leseprobe]

Außerdem hat Panini noch klassisches DC-Material aus den 1960er Jahren zu bieten: In der Sonderband-Reihe Justice League of America: Crisis werden jene Comics nachgedruckt, in denen unter Führung von DC-Redakteur Julius Schwartz die Helden der Justice League auf ihre Kollegen aus dem Golden Age, die Justice Society, trafen.     

Die Welle der romantischen Vampire geht weiter, natürlich auch im Bereich der Manga (genauer gesagt: der US-Comics, die aussehen wie Manga). Die Twilight-Adaption von Young Kim wird mit Biss zur Mittagsstunde fortgesetzt. Und auch Interview mit einem Vampir, von dem es bereits Comic- und Mangaadaptionen gibt, wird noch einmal verwertet: Claudias Story von Ashley Witter erzählt die Geschichte aus der Sicht des kleinen Vampirmädchens Claudia. [Leseprobe] Beide sind bei Carlsen Manga erschienen.

AUS NEUSEELAND

Ein Fest für Steampunk-Freunde dürfte Dr. Grordbort`s glorreicher Wegweiser zum Triumph (Cross Cult) sein, ein Sammelband mit Artwork und Kurzcomics von Greg Broadmore, der hauptberuflich als Designer bei der neuseeländischen Effekteschmiede Weta Workshop arbeitet. [Leseprobe]

AUS ASIEN

Uzumaki 1Fast 15 Jahre hat es gedauert, bis Junji Itos Horror-Manga Uzumaki – Spiral into Horror ins Deutsche übersetzt wurde. Bei Carlsen Manga ist es nun soweit. Die verstörende Geschichte um den Schrecken, der aus seltsamen Spiralen erwächst, wurde 2000 verfilmt, die Vorlage soll aber, so hört man, weitaus besser sein als die Verfilmung.

Außerdem bringt Carlsen ein weiteres Werk von Jiro Taniguchi, dem Lieblingsmangaka aller Nichtmangaleser. Der Kartograph spielt Anfang des 19. Jahrhunderts in der Edo-Periode, als Ino Tadataka die erste Landkarte Japans erstellte.

Eher niedlich wird’s dagegen in Die Schokohexe von Rino Mizuho, auch wenn die Geschichte um magische Schokolade im Mysterygenre anegsiedelt ist.

Als „psychopathisch, verstörend und mysteriös“ bezeichnet Tokyopop den neuen Mystery-Fünfteiler Box of Spirits von Natsuhiko Kyogoku und Aki Shimizu. Darin geht es um die Suche nach einem Serienmörder, die zu einem „geheimen Institut“ führt, an dem Menschenexperimente durchgeführt werden. [Leseprobe]

„Boys Love“ im Gefängnis gibt es in Deadlock von Saki Aida und Yuu Takashina, mit hübschen jungen Häftlingen und einem Krimiplot. [Leseprobe]

Und in Resist Destiny von Shiro Yamada (ebenfalls bei Tokypop) geht es mal wieder um Jugendliche, die Dämonen kontrollieren (oder umgekehrt). [Leseprobe]

Drei neue Mangaserien hat Planet Manga im Programm: Angeloid von Suu Minazuki ist eine romantische Ecchi-Komödie, die auf einer Animeserie basiert. Im Actionhorror Crimezone von Kenji Yamamoto geht es sehr blutig zu, und eher offenherzige Erotik gibt es im Vierteiler Velvet Kiss von Chihiro Harumi.

SEKUNDÄRLITERATUR

Der Band Erzählen im Comic, erschienen im Ch. A. Bachmann Verlag, enthält Beiträge zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) aus dem Jahr 2009. Thematisch geht es querbeet von Struwwelpeter über Asterix und David B. bis zu Fils Didi & Stulle. [Inhaltsverzeichnis]

Ausgabe 58 der Zeitschrift Reddition befasst sich mit der sogenannten „Brüsseler Schule“, einer Gruppe von Künstlern, die in den 1950er Jahren beim Magazin Tintin arbeiteten und ihrem Leitbild Hergé folgten. [Leseprobe]

 

The Changer 1

Cover von The Changer 1„Change“, Veränderung, ist das grundlegende Thema dieser neuen Serie aus dem Hause PlemPlem Productions, dem kleinen Verlag aus dem süddeutschen Wörth.

Veränderung bezieht sich natürlich vorrangig auf den Inhalt dieser neuen Heftserie, denn wir begegnen direkt auf der ersten Seite Jacob Dillon, der seine große Liebe kennenlernt und sie direkt auf der zweiten Seite schon wieder durch einen Unfall verliert. Dadurch gerät sein Leben etwas in Schieflage. Durch einen mysteriösen Meteoritenschauer kriegt er aber Kräfte, die ihn selbst in die Lage versetzen, Dinge zu ändern. Viel mehr möchte ich nicht verraten, denn der eigentliche Clou der Geschichte würde allein durch seine Erwähnung hier schon zu viel verraten.

Veränderung bezieht sich aber auch auf vieles um das Heft herum. Es markiert zum Beispiel einen echten Wendepunkt in der Veröffentlichungshistorie des Verlags PlemPlem Productions. Dieser machte sich bisher mit Veröffentlichungen in der Tradition ganz früher Weissblech-Comics einen Namen: Die Geschichten waren krude gezeichnete Erzählungen von drogenabhängigen Katern, Walrossen und bekloppten Robotern, die in Serien wie Whoa Comics oder Dopey und Horst erschienen. 2011 ging man dann erste Schritte in Sachen Superhelden, als das bisher einzige Heft der Serie Teenage Superfreaks herauskam, das aber auch keine ganz großen Wellen schlug. In meinen Augen zu Recht, denn die Zeichnungen waren immer noch unbeholfen, die Farben ein einziger Brei und die Geschichte holprig.

The Changer jetzt ist das erste Heft, das sich nicht mehr sofort auf den ersten Blick als Hobbyprodukt zu erkennen gibt.

Das liegt zum einen an den beiden Männern, die für die grafische Gestaltung des Hefts verantwortlich waren: Thomas Wagner, Zeichner, und Dennis „Bouncie D.“ Lehmann, Kolorist.

Beispielseite aus The Changer 1Bei Thomas Wagner, der Bleistift- und Tuschezeichnungen in Personalunion beiträgt, fragt man sich, wo der Junge plötzlich herkommt, denn er überzeugt von Beginn an mit einem sehr sicher wirkenden, ausdrucksstarken Strich. Man sieht eindeutig einen gewissen US-amerikanischen Einfluss, aber nie wirkt etwas abgezeichnet. Den Hintergründen seiner Zeichnungen bemisst er nicht die ganz große Bedeutung zu; das meiste ist, wenn überhaupt, aus dem Kopf gezeichnet. Das ist per se nicht schlimm, man erkennt Hochhäuser als Hochhäuser und eine Kommode als Kommode … doch hier würde es nicht schaden, wenn zumindest ein IKEA-Katalog als Referenz für Inneneinrichtungen herhalten würde, um nicht alles so beliebig aussehen zu lassen.

Auch bei den Zeichnungen setzt sich das Motto der Veränderung fort, wenn auch sicher nicht beabsichtigt, sondern einfach aus dem Arbeitsvolumen heraus: Man sieht sehr deutlich, wie sowohl Thomas Wagner als auch Dennis Lehmann im Laufe der 36 Seiten besser werden. Die Figuren wirken am Ende der Geschichte deutlich aufgeräumter und gekonnter. Die Farben von Lehmann, die schon zu Beginn der Geschichte angenehm zurückhaltend bleiben, unterstützen die Zeichnung zunehmend durch intelligente Effekte, ohne aber in den Vordergrund zu drängen.

Zum anderen erweckt den Eindruck, dass hier nicht nur Hobbyarbeit geleistet wird, aber die Geschichte von PlemPlem-Mastermind Christopher Kloiber.
Die oben angesprochenen Veränderungen innerhalb der Geschichte, die auch von den Helden und Nebendarstellern direkt herbeigeführt werden, sind bisweilen überraschend intelligent geschrieben. Hier muss man dem Autor ein großes Kompliment aussprechen: Er bricht häufig mit den Erwartungen des Lesers, indem er zum Beispiel die Protagonisten der Geschichte nicht chaotisch losrennen lässt, sondern alles sehr überlegt wirkt. Diese sind nicht nur skizzenhaft angelegt, sondern überzeugen mit Eigenleben. So hat man beim Lesen schon in der zweiten Hälfte dieses ersten Heftes das Gefühl, dass die Figuren die Geschichte vorantreiben, nicht der Plot.

Was ich bis jetzt nicht verstehe, ist die elendige Verenglischung der Namen und wohl auch des Schauplatzes. Das hat, zumindest bisher, keinerlei Mehrwert für die Geschichte, wäre umgekehrt sogar noch ein bisschen schöner, weil es ja eine Erzählung aus Deutschland  ist. Warum also nicht explizit in Deutschland spielen lassen? Und hier und da hakt dann die Geschichte auch noch ein bisschen, wenn beispielsweise auf einer Seite geschrieben steht „Deine Reise hat begonnen“ und auf der darauffolgenden Seite „Deine Reise ist hier zu Ende“.

Aber der Gesamteindruck überzeugt, daher bin ich, vor allem in einer Premierenausgabe, sehr gewillt, über noch nicht so ganz runde Kleinigkeiten hinwegzusehen und mich stattdessen auf die zweite Ausgabe zu freuen. Die leider erst nächstes Jahr erscheint.


Wertung
: 7 von 10 Punkten

Überzeugender Start in eine interessant anmutende Serie, an der vor allem Fans von amerikanischen Superhelden-Comics und Science-Fiction Spaß haben dürften

The Changer 1
PlemPlem Productions, September 2013
Text: Christopher Kloiber
Zeichnungen: Thomas Wagner
Farben: Dennis „Bouncie D.“ Lehmann
36 Seiten, farbig, Heft
Preis: 4,90 Euro
Bestellbar über Verlags-Onlineshop

 

Abbildungen © Thomas Wagner

Links der Woche 36/13: I guess sir, if you say so, some of us just like to read

Unsere Links der Woche, Ausgabe 36/2013:

 

Sind es Comics oder Bücher?
Titel-Kulturmagazin, Andreas Alt
Andreas Alt hat sich auf der Frankfurter Buchmesse umgehört und interessiert sich vor allem für die Frage, ob und wie sich Comics im Buchhandel verkaufen. Antwort: nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.

Quo vadis Comic-Magazine?
PPM Vertrieb, Michael Hüster
Interview mit Georg F.W. Tempel, dem Chefredakteur des Zack-Magazins über die kleine Nische der Comicmagazine.

Der Schlauberger mit seinem Zaubertrank
Mittelbayerische Zeitung
Im Vorfeld der groß angekündigten Veröffentlichung des neuen Asterix-Bandes erzählen 13 deutschsprachige Comiczeichner (u.a. Mawil, Reinhard Kleist, Sascha Hommer und Bela Sobottke), welche Bedeutung die Serie für sie hatte oder immer noch hat.

Fortsetzung folgt …
Welt am Sonntag
Großer Aufmacher der letzten Welt am Sonntag war ein umfangreiches Interview mit Albert Uderzo, der nun bekanntlich endlich loslässt und Asterix in die Hände anderer Autoren und Zeichner legt. Involviert bleibt er natürlich trotzdem: „Ich werde weitermachen und kontrollieren, was mit Asterix geschieht, solange ich lebe und gesund bin.“

Theater-Comic: Captain America auf der Couch
Spiegel Online, Tobias Becker
Im Theater Heidelberg wurde das Stück Sergeant Superpower rettet Amerika von Rebecca Kricheldorf uraufgeführt, das sich an der Figur und an der Publikationsgeschichte von Marvels Captain America orientiert (die Namen aber lieber abändert). Dem Spiegel-Rezensenten ist das Stück „zu lahm für den doch recht banalen, vor allem aber bekannten Inhalt“.

brussels in shorts
passa porta
Das Literaturhaus in Brüssel veranstaltet einen internationalen Comicwettbewerb mit einem tollen Logo. Gesucht werden Kurzgeschichten über Brüssel, die Gewinner werden in die Stadt eingeladen, um dort an dem Comic arbeiten zu können.

Mental Floss Exclusive: Our Interview with Bill Watterson!
Mental Floss, Jake Rossen
Calvin and Hobbes-Schöpfer gilt als legendärer Presseverweigerer, der fast nie Interviews gibt. Nun hat er für das populäre Wissensmagazin Mental Floss eine Ausnahme gemacht. Online gibt es leider nur Auszüge aus dem Gespräch zu lesen.

The Superman Anniversary Short: 75 Points of Annotation
DC Comics, Tim Beedle
DC Comics feiert Supermans 75. Geburtstag mit einem Zeichentrick-Video, das Zeichner und Animator Bruce Timm zusammen mit Zack Snyder, dem Regisseur von Man of Steel produziert hat. Das Video wimmelt von Anspielungen auf Supermans reiche Historie, und der hier verlinkte Text schlüsselt sie alle auf.

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The Walking Dead: A Decade of Dead
YouTube, OfficialTWD
Eine zwanzigminütige Doku, produziert von Robert Kirkmans Firma Skybound, erzählt die Erfolgsgeschichte seiner Comicserie The Walking Dead, deren erstes Heft vor zehn Jahren erschienen ist:

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Some (Very) Personal Work
The Self-Absorbing Man, Paolo Rivera
Zeichner Paolo Rivera (Amazing Spider-Man, Daredevil) hat geheiratet und das Thema Comics zog sich von der Einladungskarte über die Hochzeitstorte bis zu den T-Shirts, die beim Junggesellinnenabschied getragen wurden. Besonders toll ist die Einladungskarte, die als Hommage an Hergé gestaltet wurde.

Asterix ziert sich, Brasilien zeigt sich – Zwei Tage auf der Frankfurter Buchmesse 2013

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Im letzten Jahr besuchte Stefan Svik zum ersten Mal die Frankfurter Buchmesse. Dieses Jahr war er wieder unterwegs und berichtet von seinen persönlichen Eindrücken, die er im Comic-Zentrum und darüber hinaus gesammelt hat.

 

Das Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse besteht in diesem Jahr nicht nur aus den üblichen Messeständen, Signiertischen und einer Bühne. Es gibt auch einen Marktplatz, mit Crêpes-Bude, ein Festzelt, einen Barden, mit dem Lieder über Äppelwoi angestimmt werden, weil nun auch die Simpsons in Mundart vorliegen, neben Klassikern wie Hergés Tim un die hessische Messerstescher oder sechs Asterix-Mundart-Bänden auf Hessisch. Gutes Stichwort: Der neue Asterix-Band, Asterix, das Goldene Kalb, nein, Asterix bei den Pikten war ein vielbeachtetes Thema auf der Messe.

Splitter und Carlsen: Leidenschaft oder Hobby, Risiko vs. Traditionsverlag

Wie beginnen? Chronologisch? Querbeet? Fange ich mal mit dem an, was ich vermisst habe: den Sondermann, beziehungsweise seinen noch nicht gestarteten Nachfolger. Das war ein schönes Ereignis 2012, brachte es doch die Comicszene zusammen, mit ihren Spielarten Manga, Graphic Novels, Cartoons und so weiter. Rein subjektiv blieb mir im Vorjahr besonders Reprodukt in Erinnerung, eben wegen des Sondermann-Preises, den der Berliner Verlag dort mehrfach erhielt. 2013 imponiert ganz klar Splitter, so ist es jedenfalls beim Comic-Frühstück am Freitag, in dem Sätze fallen wie „Ich möchte betonen, dass Splitter kein Hobbyprojekt ist!“

Comic-Frühstück am Samstag zum Thema Gesamtausgaben Diskussion “15 Jahre Zack und die Folgen”
Comic-Frühstück am Samstag zum Thema Gesamtausgaben Diskussion „15 Jahre Zack und die Folgen“

Da entbrennt eine hitzige Diskussion zwischen Steffen Boiselle von Carlsen und Horst Gotta Dominik Madecki von Splitter über Preisgestaltung, unbezahlte Überstunden und anderes. Thema des Gesprächs sind Gesamtausgaben. Die seien bei Splitter besonders schön, auf besonders hochwertigen Papier, lobt sich Madecki. Anerkennung erhalten die Werke des Verlages aber auch aus anderem Munde. Dank Experten wie Volker Hamann, der verriet, in 30 Jahren ein umfangreiches Comicarchiv aufgebaut zu haben, in dem er sehr zügig Informationen findet und damit dann Gesamtausgaben um interessante Hintergrundgeschichten bereichern kann. Auch deshalb sei er ein vielgefragter Mitarbeiter an diversen Neuauflagen. Hamann lobt die große Leidenschaft, die Splitter in seine Comics steckt. Boiselle weist darauf hin, dass Carlsens angestellte Mitarbeiter eben eine vereinbarte Arbeitszeit haben, dass es gilt, einen seit Jahrzehnten bestehenden Traditionsverlag, zu erhalten und Risiken sehr genau abzuwägen. „Bei Carlsen wäre mancher Comic, den Splitter herausbringt, teurer“, denn die Auflage sei ja nicht größer, nur weil der Verlag mehr Mitarbeiter habe. Aus Sicht eines Investors ein Sieg nach Punkten für Carlsen und aus der Perspektive der Leser ein Triumph für Splitter?

Interessanter sind da Fragen nach der Zielgruppe der Komplettbände. Zumeist über 40-jährige, meint Hamann. Warum es das denn gar nicht für Superhelden gäbe, wird gefragt. „Ich habe die ersten zehn Spider-Man-Hefte gelesen und kann verstehen, warum kein Bedarf besteht“, meinte Boiselle. Hamann antwortet diplomatischer: „Die franko-belgischen Alben sind Autorencomics, während bei den Superhelden allein die Figuren im Vordergrund stehen, eine Ausnahme bildet da Stan Lee.“ Kurz in der Erinnerung an den letzten Besuch im Comicshop gewühlt und spontan fällt mir etwa eine Komplettausgabe von Neal Adams‘ Batman-Run ein – aber das ist ein schiefer Vergleich, denn der Panini-Band enthält in diesem Fall kein umfangreiches Bonusmaterial und ist kein dickes, schweres Hardcoverbuch. Interessantes Thema und eine runde Veranstaltung, dieses Comic-Frühstück am Freitag!

Zack und die Folgen

Eine andere Diskussion im Comic-Zentrum widmet sich den 15 Jahren, in denen das Zack-Magazin inzwischen wieder erscheint. „Könnte man da nicht statt dem Fokus auf Abenteuercomics auch mal Funnies einbauen, so wie bei Spirou, oder Erotik und Künstlerischeres wie in Pilote?“, denke ich, frage es aber nicht.

Ich freu‘ mich über die Simpsons!

Evolution: von “Life in Hell” zu “The Simpsons”, Bill Morrison zeigt wie’s geht Bill Morrison zeichnet Mr. Burns. Ausgezeichnet!
Evolution: von Life in Hell zu The Simpsons, Bill Morrison zeigt wie’s geht Bill Morrison zeichnet Mr. Burns. Ausgezeichnet!
Lisa Simpsons deutsche Synchronstimme Sabine Bohlmann Steffen Volkmer entlockt Bobby von Schwanheim (reimtext), dass Moe dessen Lieblingsfigur der Simpsons ist. Passend dazu wird ein Äppelwoi-Trinklied geschmettert
Lisa Simpsons deutsche Synchronstimme Sabine Bohlmann Steffen Volkmer entlockt Bobby von Schwanheim (reimtext), dass Moe dessen Lieblingsfigur der Simpsons ist. Passend dazu wird ein Äppelwoi-Trinklied geschmettert

Bill Morrison zeichnet auf der Bühne. Das hat er schon des öfteren getan, und er tourt auch immer mal wieder durch deutsche Comicläden. Grund genug, um davon weniger begeistert zu sein? Ich fand beide Veranstaltungen mit ihm super. Die sehr stark frequentierte „How to draw the Simpsons“-Zeichenstunde am Samstag ist genau so stark besucht wie die direkt danach folgende Vorstellung des Asterix-Teams (ich schreibe extra „des Teams“ und nicht „des Comics“, denn der wurde kaum vorgestellt). Vielleicht auch wegen der riesigen Erwartungen an den neuen Asterix ist dann die Pressekonferenz zu „Die Simpsons auf Hessisch“ so eine Wohltat. Locker, lustig und ohne das Gefühl, hier würde das wichtigste Werk der Welt präsentiert. [Mehr von mir zu den Simpsons in Frankfurt bei der ComicRadioShow] Es wird herumgealbert, informiert, Bilder aus dem Comic gezeigt, gesungen und gelacht – bei Asterix ist die Atmosphäre eine andere.

Asterix – Europas Comic-Erbe wird in den Highlands verteidigt

Gleich mehrere Veranstaltungen drehen sich um den 35. Asterix-Band Asterix bei den Pikten. Ein Vorabexemplar gibt es nicht. Nichts genaues wird bekannt, dafür ist das Ambiente mit Dudelsackspielern, den freundlichen Pressevertreterinnen von Ehapa in schicken Schottenröcken und Bewirtung mit Zaubertrank aber charmant.

Im Alter zwischen 41 und 46 Jahren schrieb René Goscinny, 1967 bis 1972, jene Asterix-Alben, an die der neue Zeichner Didier Conrad und der neue Autor Jean-Yves Ferri anknüpfen wollen. Noch mehr Zahlen gefällig? Verkaufsstart von Asterix bei den Pikten ist der 24. Oktober. Das Album wird in 23 Sprachen und einer europaweiten Auflage von fünf Millionen Exemplaren erscheinen, davon 1,5 Millionen auf Deutsch. Sowohl Übersetzer Klaus Jöken als auch Conrad und Ferri sind Jahrgang 1959, damit wurden sie im gleichen Jahr geboren, in dem auch der kleine Gallier das Licht der Welt erblickte, wie bei der Veranstaltung am Samstag betont wird. 54 Jahre oder 41 Jahre – muss das Ergebnis deshalb schlechter sein? Diese Fragen werden auf der Asterix-Pressekonferenz am Freitag nicht gestellt. Dabei könnte hier eine Parallele zu Wetten dass…? hergestellt werden: Warum moderiert Markus Lanz die Sendung und nicht jüngere, vielleicht frischere Typen wie Joko und Klaas? Wahrscheinlich wegen der Zahlen – fünf Millionen Exemplare! Einer der bekanntesten europäischen Comics soll fortgeführt werden. „Wird der denn endlich mal wieder lustig, so wie es die Bände von Goscinny waren?“ fragt ein Mann auf der Pressekonferenz. „Das ist angedacht“, lautet die Antwort. Wird hier nur noch die Asche angebetet oder das Feuer weitergetragen? Und vor allem: Was ist der Inhalt des Albums? Diese Fragen bleiben unbeantwortet.

Der neue Asterix-Autor Jean-Yves Ferri spricht zu Übersetzer Klaus Jöken während der Diskussion am Samstag Asterix' neuer Zeichner Didier Conrad
Der neue Asterix-Autor Jean-Yves Ferri spricht zu Übersetzer Klaus Jöken während der Diskussion am Samstag Asterix‘ neuer Zeichner Didier Conrad
Asterix-Pressekonferenz am Samstag Mit Pauken und Trompeten, oder viel mehr mit Dudelsack und Schottenrock wurde der neue Asterix präsentiert
Asterix-Pressekonferenz am Samstag Mit Pauken und Trompeten, oder vielmehr mit Dudelsack und Schottenrock wurde der neue Band präsentiert

Dafür verraten die beiden: Idefix lebt. Die Pikten sind super, weil wenig über sie bekannt ist, das erlaubt viel Freiraum. In Zukunft würden sie gerne auch etwas modernisieren, aber Band 35 soll ein sehr traditioneller Asterix werden. Wird es Gastauftritte bekannter Schotten geben? Sean Connery war bereits in einem anderen Album dabei, deshalb wird er nicht bei den Pikten, also dem Stamm aus Schottland, zu sehen sein. Zum Schluss der Gesprächsrunde, auf der keine Fragen der zu einem geringen Teil auch kleinen Zuschauer vorgesehen sind, gibt es noch eine kleine Spitze gegen die USA. Ob das Duo denn so eine enge Freundschaft verbinden könne wie Uderzo und Goscinny, wo Conrad doch seit langem in Kalifornien wohnt, fragt Moderator Lou Richter, der sich als „Bild- und Tonstörung des Fernsehens“ vorstellt, und warum denn Asterix in den USA kein Erfolg sei? „Weil sich die Leser in den USA als einzige mit den Römern identifizieren würden und nicht mit den Galliern.“ Dafür gibt es Beifall und Gelächter aus dem Publikum. Das hat der aktuelle Zeichner von Lucky Luke, Achdé, im Comicgate-Interview diplomatischer formuliert: „Man muss es sich so vorstellen: Wenn die Amerikaner einen Comic über Franzosen machen würden, mit Baskenmütze und Baguette unterm Arm, würde das in Frankreich auch nie ankommen.“ Und „auch die Franzosen mögen die Amerikaner. Aber die Amerikaner haben auch keine Lust darauf, dass ihnen jemand den Spiegel vorhält.“ Bei einem Werk wie Asterix, für das Jöken Monate zum Übersetzen benötigt, anders als die zwei Wochen für ein Album von Lucky Luke, weil es so voller Wortwitz und Anspielungen sei, und das noch dazu seit Jahrzehnten im Schulunterricht eingesetzt wird, ist dieses populistische Amerika-Bashing etwas enttäuschend. Zumindest soll das neue Album es aber kein weiteres Gallien in Gefahr werden, bei dem sich die Gallier gegen Superhelden und Mangafiguren zur Wehr setzen mussten. Das beste Mittel dagegen, der Zaubertrank quasi, wäre der feine, kluge Witz eines René Goscinny.

Asterix-Gesprächsrunde am Samstag Der Übersetzer steht im Regen: Klaus Jöken und das neue Asterix-Team
Asterix-Gesprächsrunde am Samstag Der Übersetzer steht im Regen: Klaus Jöken und das neue Asterix-Team

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, beklagt sich ein Journalist auf der Pressekonferenz. Damit ist die strenge Geheimhaltung gemeint, eine Pressekonferenz, bei der letztlich nichts Essentielles gezeigt und Fragen nur ausweichend beantwortet werden. So richtig springt die Stimmung nicht über. Vielleicht hätte die angenehm unaufgeregte Simpsons-Pressekonferenz mit der für Asterix zusammengelegt werden sollen. Etwas von dem anarchischen Witz und der Aufbruchstimmung des frühen Asterix hätte sicher nicht geschadet.

Gastland Brasilien

Ehrengast Brasilien. Comicverlage aus Brasilien, außerhalb von Halle 3.0. Hängematten am Stand. Von Fotos abgesehen habe ich das beim Messerundgang nicht selbst erblickt. Dafür bekomme ich am Rande ein Lob für den herrlich entspannenden Messeauftritt des Partnerlandes von 2012, Neuseeland, mit. Nach dem Besuch der Messehalle hätte man sich ganz relaxt gefühlt, höre ich. Und dieses Jahr? Karneval und Comics? Die Brüder Fábio Moon und Gabriel Bá, die ihre neuen Comics für Panini und Cross Cult promoten, entsprechen jedenfalls nicht dem Klischee vom vor Temperament übersprudelnden Südamerikaner. Ruhig und zurückhaltend wirken die beiden bei jeder Gelegenheit, egal ob beim Signieren und Zeichnen, im Gespräch auf der Bühne oder später im Interview für Comicgate: Sie sind sehr still. Aber so viele extrovertierte Comicmacher, wie etwa Greg Capullo 2012 bei unserem Interview, treffe ich gar nicht. Vielleicht verbindet das (Comic-)Zeichner? Menschen, die nicht so schrill und laut sind wie, sagen wir mal Herr Glööckler, der auch auf der Messe war, wie ich der Zeitung entnehme und ein Buch vorstellt, das sie „unbedingt lesen müssen“, so zumindest seine Worte.

Gábriel Bá beim Signieren am Freitag Mauricio de Sousa trifft auf seine Leser
Gábriel Bá beim Signieren am Freitag Mauricio de Sousa trifft auf seine Leser

Über den Tellerrand hinaus geschaut

Wie sieht es wohl außerhalb der Halle 3.0 aus, wo das Comic-Zentrum seinen Platz hat? Hier gibt’s ja durchaus so einiges, was nichts mit Comics zu tun hat – das Comic-Zentrum belegt flächenmäßig wohl weniger als 10% der gesamten Buchmesse-Fläche. Auf dem Weg zum Büro der bienenfleißigen, perfekt organisierten Messeberichterstatter von Splashcomics geht es vorbei an Prominenten wie Heiner Geißler und der erstaunlich erfolgreichen Publikation Landlust. Über die Rolltreppe drinnen oder über die Treppe an der Außenwand, wenig optimal dank des kalten Regenwetters, geht es hoch in Halle 3.1. Religiöse Bücher finden sich hier, mir kommt ein Mönch entgegen. Mein Weg führt mich an einer hölzernen Druckmaschine vorbei, an der ein Mann Papier bedruckt. Die Halle ist an diesem Freitag erheblich leerer, dafür wesentlich wärmer geheizt als das Untergeschoss. Zwischen all dem schaue ich kurz beim Hannibal Verlag vorbei und erkundige mich, ob es weitere Sachbücher zum Thema Comics geben wird, nachdem dort neulich Superhelden von Grant Morrison erschien (siehe Rezension). 2014 wird es einen Titel über Siegel und Shuster, die Schöpfer von Superman, geben. 

In Halle 3.1 wird noch selbst gedruckt, jedenfalls hier “Comics gehören zur Pop-Kultur”: Eckhard Schwettmann vom Hannibal-Verlag
In Halle 3.1 wird noch selbst gedruckt, jedenfalls hier „Comics gehören zur Pop-Kultur“: Eckhard Schwettmann vom Hannibal-Verlag

Nicht geschafft

Die Präsentation und Signierstunde von Reinhard Kleist. Verena Klinke und Felix Mertikat. Eine Zeichnung von Ari Plikat. Rattelschneck. Joscha Sauer. Melanie Schober. Sarah Burrini. Die ersten zwei von drei Gesprächen zu Brasilien und seiner Comicszene. Gemütliches Flanieren durch die Hallen. An den Verkaufstresen etwas auftreiben, was lecker schmeckt. Alles nicht geschafft.

Geschafft

Interessant war’s trotzdem, Spaß gemacht hat’s auch. Aber gibt es wirklich so viele Bücher zu sehen? Ab Samstag war es eher eine Menschen- und keine Büchermesse. Kaum Unterschiede zu einem Sommerschlussverkauf (oder „Sale“, wie sowas heute heißt) auszumachen. Nun ist wieder Stille eingekehrt. Der Leseherbst hat begonnen. Daytripper, eine Gesamtausgabe von Splitter wie Bruce J. Hawker, Jimmy Corrigan, Asterix bei den Pikten oder ganz was anderes lesen? Muss auch nicht zwingend auf Hessisch sein.

Ab Samstag früh kamen die Cosplayer und das Gedränge in Halle 3.0 wurde enorm Direkt neben der Bühne mit Asterix und den Simpsons flanierten Pikachu und allerhand andere japanische Comicfiguren
Ab Samstag früh kamen die Cosplayer und das Gedränge in Halle 3.0 wurde enorm Direkt neben der Bühne mit Asterix und den Simpsons flanierten Pikachu und allerhand andere japanische Comicfiguren
Verkaufsstand nahe des Comic-Zentrums Der Lappan-Stand – eines der originelleren Konzepte für die Gestaltung des Messeauftritts
Verkaufsstand nahe des Comic-Zentrums Der Lappan-Stand – eines der originelleren Konzepte für die Gestaltung des Messeauftritts
Vater und Sohn. Luis und Romulo Royo stellen Zeit des Bösen vor. Alea iacta est! Ach nee, das war ja Asterix. Das hier ist bei
Vater und Sohn: Luis und Romulo Royo stellen Zeit des Bösen vor. Alea iacta est! Ach nee, das war ja Asterix. Das hier ist bei Zeit des Bösen. Und gar nicht zum Gähnen!
Der Stand von Cross Cult Warnung vor nuklearer Aufrüstung? Rätselhafte Installationen am Carlsen-Stand
Der Stand von Cross Cult Warnung vor nuklearer Aufrüstung? Rätselhafte Installationen am Carlsen-Stand
Was manche nicht alles zu Signierstunden anschleppen ... Der Messestand von Egmont
Was manche nicht alles zu Signierstunden anschleppen … Der Messestand von Egmont
Noch zwei Monate bis Weihnachten Hinten rechts auf der Freifläche: Das Lesezelt, in dem der Presse das Team von Asterix 35 vorgestellt wurde
Noch zwei Monate bis Weihnachten Hinten rechts auf der Freifläche: Das Lesezelt, in dem der Presse das Team von Asterix 35 vorgestellt wurde


Alle Fotos: © Stefan Svik

Links der Woche, Ausgabe 35/13: All is fair

Unsere Links der Woche, Ausgabe 35/2013:

 

Akram Raslan reported dead.
Cartoonists Rights Network International, Dr. Robert Russell
Nach Informationen des Cartoonists Rights Network ist der syrische Karikaturist Akram Raslan getötet worden. Der Künstler, der durch seine regimekritischen Zeichnungen, die er bei Facebook veröffentlichte, ins Visier der Assad-Diktatur geraten war, wurde im vergangenen Jahr verhaftet. Gemeinsam mit anderen Regimegegnern wurde ihm im Juli unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Prozess gemacht, wobei er wahrscheinlich zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Wie CRNI unter Verweis auf anonyme Quellen berichtet, wurde Raslan aber direkt nach Prozessende hingerichtet. Syrien verschärft also sein rigides Vorgehen gegen Kritiker – im Jahr 2011 wurden Raslans Kollegen Ali Ferzat beide Hände gebrochen, so dass er nicht mehr arbeiten kann.

Frankfurter Buchmesse – Faszination Comic 2013
Splashcomics
Heute geht die Frankfurter Buchmesse zuende, deren Comicbereich in diesem Jahr – diesen Eindruck hat man zumindest als Daheimgebliebener – wieder ein Stück umfangreicher geworden ist als im Vorjahr. Zum Teil liegt das sicher auch an der Präsentation des neuen Asterix, der eigentlich bereits als Comicbestseller des Jahres feststeht. Die Kollegen von Splashcomics dokumentieren den Comicteil der Buchmesse in ihrer gewohnten multimedialen Mischung aus Texten, Fotos, Videos und Hörbeiträgen.

Preisträger 2013 – Sachbuch
Deutscher Jugendliteraturpreis
Der renommierte, seit 1956 vom Bundesfamilienministerium gestiftete Deutsche Jugendliteraturpreis wurde auf der Buchmesse verliehen. In der Kategorie Sachbuch geht der Preis an Reinhard Kleists Der Boxer – Die wahre Geschichte des Hertzko Haft. Die Jurybegründung lobt „eine atmosphärisch dichte, künstlerisch überzeugende grafische Erzählung und ein Sachbuch mit großem Aufklärungspotenzial.“

Preisgekrönte Pointen
Der Tagesspiegel
Traditionell vergibt der Carlsen Verlag in Frankfurt den Deutschen Cartoonpreis. In der Kategorie für Newcomer gewann Pascal Heiler, bei den Profis Till Mette. Der Tagesspiegel zeigt eine Auswahl der eingereichten Cartoons in einer Klickstrecke.

Von Petzi und von Agenten
Frankfurter Neue Presse, Thomas Scholz
Die Frankfurter Neue Presse beschreibt in einem Artikel den gut gehenden Comicmarkt und vermisst Innovationen: „vielmehr kehrt, besonders bei den großen Verlagen, eine bürgerliche Beschaulichkeit im Programm ein. Diese beschert uns zwar einige aufwendige Ausgaben alter und neuerer Klassiker, doch nach wahren Neuheiten muss man wesentlich länger suchen, als es notwendig ist.“

Riskante Verhandlungen mit den Druckern und das Abgewöhnen von Ticks
boersenblatt.net, Johannes Wetzel
An Asterix kam auf der Buchmesse niemand vorbei. Das Buchhandelsbranchenmedium Börsenblatt sprach mit Didier Conrad, dem Autor des neuen Albums Asterix bei den Pikten, das in knapp zwei Wochen auf den Markt kommt. Siehe auch „Welcher „Asterix“ ist der Beste?“ bei Spiegel Online.

Comic-Stipendium 2014
Egmont Verlagsgesellschaften
Zum zweiten Mal schreibt Egmont ein Comic-Stipendium aus. Zeichner unter 35 Jahren können Konzepte oder fertige Comics einreichen, der von einer Jury ausgewählte Gewinner bekommt ein Preisgeld (bzw. „Stipdendium“) von 5.000 Euro vom Verlag und darf seinen Comic dort veröffentlichen. Die Siegerin von 2012, Olivia Vieweg, sitzt diesmal mit in der Jury.

New Yorker Nerd-Messe: Comic Con verschickt Tweets im Namen ihrer Gäste
Spiegel Online, Chris Stöcker
Heute geht auch die New York Comic Con, nach der Convention in San Diego die zweitgrößte Comicmesse in den USA, zuende. Dort gab es einen peinlichen kleinen Eklat, als die Veranstalter mit Hilfe einer App Twitter-Nachrichten direkt über die Accounts von einigen ihrer Besucher verschickten.

Popular Comic Books Get Mashed Up With Lamps
EliteFixtures
Comics und Lampen! Großartig!

Guerillas 1

alt

Cover Guerillas 1John Francis Clayton ist ein junger US-Soldat. Nicht ganz freiwillig, sondern vielmehr durch den blinden Patriotismus seines Vaters getrieben, landet er mitten im Vietnamkrieg. Dort wird der unerfahrene, zurückhaltende Clayton schnell zum Prügelknaben seiner hartgesottenen Kollegen. Inmitten des Dschungels gerät seine Einheit schließlich in einen Hinterhalt, aus dem er als einziger lebend herauskommt. Die Rettung ereilt ihn in Form einer militärisch ausgerüsteten Gruppe von Affen, der sich Clayton im Folgenden ungefragt anschließen muss. Währenddessen wird Dr. Heisler von Afrika nach Vietnam versetzt. Der deutsche Wissenschaftler soll eines seiner unkontrollierbaren Tierexperimente einfangen …

Guerillas ist eine Serie des US-Verlages Oni Press, weshalb man sie nicht unbedingt beim jüngst wiederbelebten All Verlag erwartet hätte, der bislang ausschließlich Lizenzen aus Frankreich aufgelegt hat. Über den Mut, diese in drei Bänden geplante Reihe nach Deutschland zu bringen, muss man allerdings froh sein. Denn hinter der leicht kruden Inhaltsbeschreibung (Affen im Vietnamkrieg) verbirgt sich ein hervorragender Comic.

Autor und Zeichner Brahm Revel beginnt die Handlung ruhig mit einem Soldatentrupp, der ein vietnamesisches Dorf durchforstet und zerstört. Hier werden die Gräueltaten beider Kriegsparteien überdeutlich gemacht und mithilfe des ängstlichen Hauptprotagonisten konterkariert. Ironischerweise überlebt der friedfertige Clayton, dessen persönliche Motive per Rückblenden unterfüttert werden, als einziger die ersten paar Seiten. Er soll im späteren Verlauf als menschliches Bindeglied zu den Affen fungieren, deren Auftauchen für den Leser ebenso befremdlich ist wie für Clayton.

Seite aus Guerillas 1Die Darstellung der Schimpansen-Einheit ist an Coolness kaum zu übertreffen: Army-Uniform, Helm, Sturmgewehr, Fluppe im Mund. Brillant ist aber weniger deren Coolness oder erstaunliche Intelligenz, sondern die verblüffend differenzierte Charakterzeichnung. Ganz ohne Sprache kann man die Tiere auseinanderhalten und tatsächlich deren Persönlichkeit ausmachen, von sanftmütig über hitzköpfig bis herrisch. Auch optisch wird das unterstrichen und jeder erhält eine bestimmte Rolle. So hat zum Beispiel der Anführer eine lange Narbe im Gesicht oder der Sanitäter trägt einen Helm mit rotem Kreuz.

Sehr überzeugend sind auch die eindrucksvollen Zeichnungen von Brahm Revel. Das Abbild des Dschungels Vietnams ist sehr stimmig und dient als perfekte Kulisse für die äußerst dynamischen Guerillakämpfe. Kernthema ist jedoch die Menschlichkeit. Es wird die Frage aufgeworfen, ob Affen für den Menschen Kriege ausfechten dürfen, weil sie entbehrlicher sind. Revels Guerillas stellt dieser Idee eine Gruppe Affen entgegen, die so menschlich agieren, dass sie sich kaum mehr von den Menschen unterscheiden. Insofern wird hier die wissenschaftliche Ethik der Tierexperimente an ihre Grenzen gebracht. Eingebettet in ein Szenario, das über Sinn und Unsinn, über Tod und Leid des Krieges per se referiert, ist das sehr anschaulich gelungen.

Ein großes Lob auch an den All Verlag, der den ersten Band von Guerillas als Hardcover im Kleinformat veröffentlicht und passenderweise mit rauem Papier versehen hat, wodurch die starken schwarz-weiß-Bilder Revels perfekt zur Geltung kommen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Starke Zeichnungen + starker Plot + starke Affen = ein echter Geheimtipp

 

Guerillas 1
All Verlag, September 2013
Text und Zeichnungen: Brahm Revel
Übersetzung: Peter Liehr
160 Seiten, s/w, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN 978-3-926970-40-4
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: All Verlag