Brasilien war das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013. Im Comic Zentrum in Halle 3.0 wurden einige Künstler aus Brasilien vorgestellt. Comic-Verlage aus Brasilien allerdings fanden sich in anderen Hallen. Am Messe-Samstag sprachen die Zwillingsbrüder Gabriel Bá und Fábio Moon über ihren Comic Daytripper (gerade bei Panini Comics auf Deutsch erschienen), für den sie 2011 den Eisner Award erhielten, sowie über andere Werke von ihnen. Geboren wurden sie am 5. Juni 1976 in São Paulo. Seit dem Jahr 2000 erscheinen ihre Comics auch auf Englisch. Bisher waren das beispielsweise De:Tales (gerade bei Cross Cult auf Deutsch erschienen), Casanova von Matt Fraction, Moon und Bá oder The Umbrella Academy von Gerard Way und Bá. Im Gespräch auf der Bühne mit Stefan Pannor verrieten sie etwa folgendes zu Daytripper: Es sei kein autobiographisches Werk, anders als die Figur im Buch sei ihr Vater kein Schriftsteller, beim Hund auf dem Cover handelt es sich um den Labrador ihrer Schwester, und so weiter. Eine Sache hassen sie zu zeichnen: Pferde. Ebenfalls unangenehm sei es ihnen, darüber zu reden, wer welchen Teil des Comics gestaltet hat. Viel wichtiger ist es für sie, die Leser zu erreichen und zu berühren. Dabei wollen sie selbst lieber hinter der Geschichte verschwinden, unsichtbar bleiben. Die Leser sollen sich auf die Geschichte konzentrieren und nicht auf deren Schöpfer.
Ich traf Gabriel Bá und Fábio Moon, dank der freundlichen Unterstützung von Panini Comics, am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Dieses Mal tranken sie keinen Kaffee, anders als bei der vormittäglichen Präsentation auf der Bühne. Dort fassten sie ihre Kaffee-Vorliebe so zusammen, wie sie ähnlich auch im Nachwort zu Daytripper zu finden ist: „Kaffee schmeckt gut. Er schmeckt heiß und stark. Genau das erwarten wir von unserem Leben.“
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Comicgate: Ihr seid jetzt schon einige Tage in Deutschland. Sind euch Unterschiede zu Brasilien aufgefallen, hinsichtlich der Menschen und der Comics?
Fábio Moon: Ich denke, das ist ähnlich wie in den USA. Die Leser ähneln sich sehr. Ihre Art der Lektüre. Die Fragen, die sie stellen. Ihre Lieblingsfiguren. Das ähnelt sich.
Da sind sich also Brasilien, die USA und Deutschland ähnlich?
FB: Es ist die selbe Sorte Leser. Die Märkte in Deutschland und in Brasilien sind klein. Als wir in Frankreich waren, fiel uns auf, dass man dort viel mehr kennt als nur die amerikanischen Comics. Dort gibt es ein ganz anderes Publikum. Also sind sich Brasilien und Deutschland sehr ähnlich, aber in Brasilien schauen wir auf eine deutlich längere Karriere zurück. Es gibt viel mehr Comics von uns, als in Deutschland bislang erschienen sind.
Gabriel Bá: Und in Brasilien erscheint ein Comicstrip von uns in der Zeitung. Damit erreichen wir ein anderes Publikum als mit den Comicheften.
Sind diese Strips Erweiterungen zu Daytripper, werden darin die gleichen Themen behandelt (also etwa Liebe und Tod)?
Fabio Moon: Es ist etwas anderes. Es gibt keine durchgängige Geschichte mit wiederkehrenden Figuren. Die Strips behandeln das aktuelle Leben, aber es geht mehr in eine philosophische Richtung. Wir lassen etwa Tiere sprechen und Fragen stellen.
Und dieser Strip erscheint ausschließlich in Brasilien?
Beide: Genau.
FB: Wir stellen ihn auch online, auf unsere Website, aber nur auf Portugiesisch. Den sehen Leute aus aller Welt, ohne die Texte zu verstehen.
Während der heutigen, öffentlichen Gesprächsrunde zu Daytripper hattet ihr bereits erwähnt, dass der Hund auf dem Cover eurer Schwester gehört und dass euer Vater eben nicht der Schriftsteller aus dem Buch ist, dass Daytripper also nicht autobiographisch ist. Zeichnen und schreiben eure Schwester und eure Eltern ebenfalls? Liegt das Talent in der Familie?
Beide: Nein.
FB: Nur wir beide haben diesen Beruf. Die anderen haben normale Jobs.
Ihr seid Zwillinge, habt aber unterschiedliche Namen. Künstlernamen, nehme ich an. Ich hörte vorhin jemanden sagen, dass Bá ein bekannter Fluss in Brasilien sei – stimmt das?
Beide (energisch und leicht erheitert): Neeein!
Habt ihr die Namen ausgesucht, weil sie etwas über euren Charakter aussagen oder haben euch eure Eltern diese Namen gegeben?
FM: Es sind eher Künstlernamen. Bá ist ein Spitzname. Es ist die Kurzform für Gá. Als ich anfing, buchstabieren zu lernen, nannte ich Gabriel Babio. Die Leute nannten ihn Gá, ich machte daraus Bá. Das ist also ein Spitzname. Moon war eine Art Missgeschick. Ich schickte einem Mädchen einen heimlichen Liebesbrief und dann war es schon zu spät, es rückgängig zu machen. Nun dienen uns diese Spitznamen als Künstlernamen und schützen uns vor dem weltweiten Andrang unserer weiblichen Verehrerinnen (lächelt).
Ich hatte auf so etwas getippt wie: Vielleicht fühlt ihr euch besonders naturverbunden, so eine Verbindung zwischen Mond und Erde. Und dann gibt es da ja noch diese angebliche innige Verbindung zwischen Zwillingen, die bisweilen als geradezu „magisch“ dargestellt wird. Ihr habt mit Superhelden-Comics angefangen, etwa mit Geschichten aus dem Hellboy-Universum. Ist diese Zwillingssache eure „Superkraft“? Glaubt ihr an solche übernatürlichen Phänomene? An Dinge wie den Einfluss des Mondes? Gibt es mehr als wir sehen? Oder ist das alles bloß Unfug?
GB: Ach nee.
FM: Ich denke nicht, dass es eine besondere Verbindung gibt. Aber wir wuchsen eng miteinander auf. Wir verbrachten viel Zeit zusammen. Uns verbinden also die gleiche Herkunft und die gleichen Einflüsse.
GB: Ja, genau! Wir sind wie ein altes Ehepaar.
FM: Ja. Wenn du mit jemandem das ganze Leben verbringst, dann weißt du alles über diese Person. Du weißt, wie sie sich fühlt, wie sie denkt, wie sie reagiert. Deshalb kennen wir uns so gut. Eine andere Art von besonderer Verbindung gibt es nicht. Das ist ein Grund, warum wir so schnell gemeinsam arbeiten können. Wir wissen sehr schnell, was der andere meint, was wir voneinander wollen. Das hat keine esoterische Ursache.
Fühlt sich Daytripper deshalb so harmonisch an, ist deshalb die Einheit aus Text und Zeichnungen so stark? So zumindest mein Eindruck.
FM: Ich denke, dass wir als Zwillinge eine andere Sichtweise darauf haben, wie sich Menschen untereinander beeinflussen. Und darauf, wie wichtig die Menschen wirklich sind, die uns umgeben. Dadurch bekamen wir eine Ahnung davon.
GB: Wichtig ist das auch für unser gemeinsames Arbeitsverhältnis. Wir haben früh festgelegt, dass wir uns nicht so wichtig nehmen. Wir sind nicht wichtig. Uns interessiert es nicht, wer welchen Arbeitsschritt erledigt und wer wichtiger ist als Autor und Zeichner. Das ist unwichtig. Es gibt zahlreiche Leser der Comics, die über Autor und Zeichner gar nichts wissen. Das ist auch egal, wenn es nicht gelingt, die Leser in die Geschichte eintauchen zu lassen. Er soll sich in die Welt des Comics einfinden und sich mit den Figuren beschäftigen. Das hinterlässt einen viel dauerhafteren Eindruck als die Frage: Wer hat was gemacht? Ich denke von dieser Herangehensweise profitiert unser Arbeitsverhältnis. Dadurch wirken unsere Comics einzigartig und wie aus einem Guss.
Findet ihr, dass Daytripper das reale, echte Leben im heutigen Brasilien zeigt? Oder ging es euch viel mehr darum, etwas über Familie und Freundschaften zu erzählen, statt Brasilien zu zeigen?
FM: Nun, man kann etwas über Familien, Menschen und Freundschaft in Brasilien erfahren. Einerseits ist es eine universelle Geschichte, weil jeder Familie, Freunde und die daraus resultierenden Probleme hat. Es ist andererseits sehr einzigartig, wie Brasilianer miteinander umgehen. Wer genauer hinschaut, sieht, was in Brasilien anders läuft und was einzigartig ist. Wenn wir alles richtig gemacht haben, können die Leute sich damit identifizieren, unabhängig davon, woher sie kommen. Brasilianer sind anders. Wie sie miteinander umgehen, wie sie Freundschaften betrachten, der Umgang mit der Familie, ihre Arbeitsverhältnisse. Wie sie mit ihren Träumen und ihrem Leid umgehen, wie sie ums Überleben kämpfen und sich um Arbeitsplätze bemühen. Daytripper zeigt, wie Brasilianer auf all diese Dinge reagieren. Aber wenn wir gut gearbeitet haben und aufrichtig genug waren, dann versteht man diese Geschichte auf der ganzen Welt.
Ihr habt mit Verlagen aus den USA zusammengearbeitet. Daytripper ist universell, sagtest du gerade. Ist es trotzdem schwierig, eine Geschichte, die in Brasilien spielt, zu veröffentlichen? Interessieren sich genug Leser in den USA und international für Comics aus Brasilien?
FM: Dadurch, dass die Geschichte in Brasilien stattfindet, konnten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Wir konnten eine aufrichtigere Story erzählen. Und dadurch wollten wir auch einen tieferen Eindruck bei den Lesern erzielen. Würde Daytripper irgendwo anders spielen, dann hätten wir die gleiche Geschichte erzählen können, aber uns hätten die Werkzeuge und Elemente gefehlt, mit denen wir diese Aufrichtigkeit erzeugen wollten. Was würde den Figuren außerhalb Brasiliens widerfahren, wenn sie in eine andere Region des jeweiligen Landes kämen? Wie wäre dort der familiäre Hintergrund? Das konnten wir mit Sicherheit nur für Brasilien richtig einschätzen. Und das war auch im Sinne unseres US-Verlags Vertigo. Sie wollten, dass Daytripper ganz anders wird als irgendeine andere Serie bei Vertigo. Wir sollten die Art Geschichte erzählen, die wir normalerweise schreiben.
Während der Veranstaltung auf der Bühne sagtet ihr etwas sehr Treffendes: „Es gibt viel interessantere Aufgaben im Comicbereich, als die Figuren anderer zu verwenden und die gleichen Geschichten immer und immer wieder von neuem zu erzählen.“ Ist es schwierig, einen Comic wie Daytripper am Markt durchzusetzen? Einen Batman zu gestalten, wäre wahrscheinlich leichter verdientes Geld, dafür aber künstlerisch weniger erfüllend?
FM: Wir machen das, was wir tun wollen…
GB: Ja!
FM: Für uns ist es viel schwieriger, an Superheldencomics zu arbeiten, weil uns die Figuren gleichgültig geworden sind.
Aber als ihr jünger wart, habt ihr sie gelesen?
Beide: Ja, klar.
FM: Als wir jünger waren, als wir selbst nur Comicleser waren, liebten wir Superhelden. Wir haben fast sämtliche Serien gelesen und die Fortsetzungsgeschichten immer weiterverfolgt. Aber inzwischen haben wir den Kontakt dazu verloren. Es dreht sich doch immer nur im Kreis und uns interessieren die Figuren einfach nicht mehr. Obwohl wir Batman lieben, ist es einfach nicht mehr der Batman, den wir früher gerne gelesen haben. Wir könnten uns nicht dazu aufraffen, beispielsweise eine gute Batman-Geschichte zu produzieren. Deshalb arbeiten wir ausschließlich an Projekten, die uns interessieren. Das müssen nicht immer Geschichten sein, die wir selbst geschrieben haben. Etwa, als wir mit Autoren wie Matt Fraction an Casanova oder mit Gerard Way an The Umbrella Academy zusammengearbeitet haben. Das waren Stories, die uns angesprochen haben. Wir halfen dabei, die Figuren zu gestalten. Die Geschichte und die Figuren waren uns wichtig. Auf diese Weise erzielt man die besten Ergebnisse.
GB: Wenn wir viel Geld hätten verdienen wollen, dann wären wir Anwälte oder Ärzte oder so etwas geworden.
Welche Art Geschichten möchtet ihr gerne in zukünftigen Comics erzählen?
FM: Alles mögliche.
Mehr Geschichten über Brasilien?
Beide: Nein!
FM: Mehr Geschichten über Beziehungen. Die können überall spielen. Wir sehen allerdings noch viele Möglichkeiten für Geschichten vor einer brasilianischen Kulisse. Aber Brasilien dient mitunter nur als exotischer Hintergrund. Selbst für Brasilianer! Momentan arbeiten wir an der Comic-Umsetzung eines brasilianischen Romans, der in Manaus spielt. Das ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas. Sie befindet sich mitten im Regenwald. Für den Großteil der Brasilianer ist das eine völlig andere Welt. Das möchten wir gerne näher beleuchten. Etwa die Frage: Wie werden die Figuren durch ihre Umgebung beeinflusst? Außerdem macht es Spaß, diese Landschaft zu zeichnen und es gefällt uns, diese Bilder zu betrachten. Wir freuen uns darüber, wie sich diese Geschichte entwickelt. Das will ich weiterverfolgen. Ich suche mir Themen aus, die ich gerne zeichne. Es dauert lange, einen Comic zu beenden, deshalb ist es wichtig, dauerhaft Freude an der Arbeit zu haben.
Mexiko hat seine Tijuana Bibles (sehr billige, pornographische Untergrundcomics) und Argentinien hat seinen Funny-Comicstrip Mafalda. Viel mehr Comics aus Südamerka fallen mir spontan gar nicht ein, muss ich zugeben. Gibt es eine große Comicszene in Brasilien und ist es bedauerlich, dass sie nicht mehr Beachtung erhält?
FM: Der Comicmarkt in Brasilien ist nicht sehr groß. Der bekannteste Zeichner, den wir haben, ist Mauricio [de Sousa]. Er ist auch hier auf der Buchmesse. Seine Karriere umspannt nun bereits 50 Jahre. Er macht Comics für Kinder und jeder bei uns lernt mit seinen Werken das Lesen. Seine Comics gibt es an jedem Zeitungsstand, überall im Land, einfach zu finden. Jeder kennt seine Figuren. Alles andere ist viel kleiner. So wie in Deutschland: Auflagen um die 3.000 Stück. Die findet man in Buchhandlungen oder in speziellen Comicgeschäften. Sehr schwer zu finden, diese Comics. Die meisten Leute wissen gar nicht, was für eine Vielfalt es an Comics in Brasilien gibt. Viele suchen auch gar nicht erst danach, was die Sache noch schwieriger macht. Also sucht man sich Verlage in den USA oder Frankreich, in deutlich größeren Märkten also. Damit besteht die Chance, selbst mit einer kleinen Auflage, entdeckt zu werden und anderswo weitere Projekte veröffentlichen zu können. Man kann ein großer Name sein in Brasilien und trotzdem nirgendwo sonst gelesen werden. Nur wenige Leute sprechen Portugiesisch. Und von brasilianischen Comics hat kaum jemand je etwas gehört.
GB: In den brasilianischen Zeitungen erscheinen viele Comicstrips. Die laufen seit 30, fast 40 Jahren. In Brasilien sind die sehr bekannt.
FM: Aber die erscheinen in keinem anderen Land. Das ist bedauerlich.
Letzte Frage: Kürzlich habe ich die österreichische Autorin und Zeichnerin Ulli Lust in Hannover zum Interview getroffen (bald hier auf Comicgate). Wir sprachen auch über Daytripper und sie sagte mir, dass sie euch beide sehr gut findet. Habt ihr irgendwelche Favoriten unter den Comickünstlern aus Deutschland, Österreich oder anderen europäischen Ländern?
FM: Wir kennen Ulli. Und wir trafen den Autor des Comics über den fünften Beatle. Das war auf einer Buchmesse in Toronto. Mir fällt gerade sein Name nicht ein …
Arne Bellstorf.
FM: Ja, genau! Und wir kennen den Macher von Der Boxer und dem Comic über Johnny Cash: Reinhard Kleist. Außerdem lieben wir die neuen französischen Zeichner. Die sind sehr gut! Leute wie Cyril Pedrosa. Wir mögen Frederik Peeters …
Beide: … aus der Schweiz …
FM: Und auch einige italienische und spanische Künstler. Wir mögen Gipi und David Rubin. Aber wir versuchen uns überall umzuschauen.
Vielen Dank für das Interview!
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Fábio Moon and Gabriel Bá’s Blog (englisch)
Gabriel Bá bei CrossCult
Fábio Moon bei CrossCult
Daytripper bei MyComics
Abbildungen: © Fábio Moon/Gabriel Bá/Panini Comics/CrossCult
Photos: © Stefan Svik

Am Weihnachtsabend 2011 ist die Welt für Nick Ewing noch in Ordnung: Er genießt einen beschaulichen Abend mit Frau und Kind, sein Sohn schenkt ihm eine gravierte Mundharmonika. Kurz danach bricht die Zombieapokalypse herein und beendet mit einem Schlag das zivilisierte Stadtleben. Einige Zeit später haben sich die Menschen in die Sportstadien New Yorks zurückgezogen, die dort herrschenden Clanchefs teilen die Stadt machtstrategisch unter sich auf. Nick arbeitet für einen dieser skrupellosen Anführer, zumindest solange bis ihn ein persönlicher Verlust auf einen Rachefeldzug führt.
Das eine große Manko ist das Platzproblem. Mit einer weniger starken Fokussierung auf nur eine zentrale Person und mit einer langfristigen Perspektive hätte man das vorhandene Potenzial durchaus nutzen können. Als vollgepackte und überhastete Miniserie bleibt dagegen jeder noch so interessante Ansatz auf der Strecke. Und was das Ganze mit der zombiebeeinflussenden Mundharmonika auf sich hat, ist mir schleierhaft. Außer natürlich dem emotionalen Bezug des Hauptcharakters, der daraus den Antrieb für seine Rache zieht. Naja.
Asterix brauchte einen Relaunch. Das war nach dem vorletzten Band Gallien in Gefahr für jeden so offensichtlich wie ein Hinkelstein. Auch wenn das zunächst nicht jeder der Betroffenen wahrhaben wollte. Ein Jahr ist es nun her, dass Albert Uderzo dem Zeichner Didier Conrad (Helden ohne Skrupel) und dem Autor Jean-Yves Ferri (Die Rückkehr aufs Land) seinen kleinen Gallier anvertraut hat, um die Geschichten fortzusetzen. Jetzt ist Band 35 Asterix bei den Pikten endlich da. Die Ausgangslage für den großen Wechsel im frankobelgischen Comic ist denkbar spannend – die Geschichte verläuft dann aber schnell in altbekannten Bahnen.
Man soll die Bedeutung von Comicpreisen ja nicht überbewerten, aber im Falle von Saga ist schon auffällig, wie sehr die Science-Fiction-Serie aus dem Hause Image zuletzt abgeräumt hat. Mehrere Eisner und Harvey Awards, dazu „Best Graphic Story“ beim renommierten „Hugo“, ein oberer Platz auf zahllosen Jahresbestenlisten 2012 und obendrein höchst respektable Verkaufszahlen in allen Formaten. Die Serie ist das Comic-Comeback von Brian K. Vaughan, der u.a. mit Y: The Last Man und Ex Machina schon nachhaltige Duftmarken gesetzt hatte und im letzten Jahr nach diversen Jobs fürs Fernsehen (u.a. Lost) zu den Comics zurückkehrte. Saga ist, wie der Name schon andeutet, als langes, episches Projekt angelegt und erzählt von einer unmöglichen Liebe in einer stark von Star Wars inspirierten Welt, in der ein großer Krieg herrscht. Die Zeichnungen von Fiona Staples vermischen wuchtiges SF-Flair mit einem feinen Indie-Touch. Die Rechte für die deutsche Ausgabe hat sich Cross Cult gesichert und bringt sie in Form von Hardcover-Sammelbänden, die etwas kleiner sind als das US-Format, aber größer als die A5-Bände, in denen z.B. Hellboy erscheint. [
Reinhard Kleist wurde mit seinen politisch-biografischen Comics (Cash, Castro, Der Boxer) zur Vorzeigefigur des deutschen Graphic-Novel-Booms. Dass er aber schon vorher Comics gezeichnet hat, die näher an klassischen Genres orientiert waren, wissen die meisten Feuilletonleser nicht. Gut und richtig also, dass Carlsen nun eines dieser früheren Werke neu herausbringt: Berlinoir, eine in Berlin spielende Vampirgeschichte, geschrieben vom Romanautor Tobias M. Meißner, erschien ursprünglich zwischen 2003 und 2008 in drei Bänden bei Edition 52. [
Der Hamburger Carlsen Verlag wurde einst gegründet, um die Abenteuer des Bären Petzi und seiner Freunde Pelle, Pingo und Co. in Deutschland zu veröffentlichen. 60 Jahre ist das inzwischen her, und jetzt bekommt auch der Klassiker des dänischen Ehepaars Carla und Vilhelm Hansen seine bibliophile Gesamtausgabe. In zwei Bänden erscheinen Die gesammelten Reiseabenteuer so, wie sie ursprünglich als Zeitungsstrips veröffentlicht wurden, in Schwarz-Weiß und mit neuer Übersetzung.
Der französische Comic Le Transperceneige von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette erschien bei den Nachbarn 1984 und gewann kurz darauf einen Preis in Angoulême, 15 Jahre später legte Zeichner Rochette mit dem Szenaristen Benjamin Legrand noch zwei Bände nach. Alle drei zusammen gibt es nun in einem Band bei Jacoby & Stuart. Schneekreuzer spielt in einer postapokalyptischen Zukunft, in der die letzten Überlebenden in einem endlos fahrenden Zug leben – vorne die Reichen, hinten die Armen. Der Comic wurde gerade in einer prominent besetzten koreanisch-französisch-amerikanischen Co-Produktion von Regisseur Joon-ho Bong (The Host) verfilmt, ein deutscher Kinostart steht noch nicht fest. [
Der Affe von Hartlepool spielt 150 Jahre vorher und erzählt eine satirische Farce aus der Endphase der Napoleonischen Kriege, basierend auf einer
Als diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse rückt Brasilien auch mit einigen Comics in den Blickpunkt. Panini veröffentlicht den Band Der Astronaut, in dem Danilo Beyruth eine in Brasilien sehr populäre Comicserie von Mauricio de Sousa neu interpretiert. [
Im Jahr 1988 erschien in den USA bei Kitchen Sink Press die Miniserie Kings in Disguise von Jim Vance und Dan Burr, die die Geschichte eines obdachlosen jüdischen Jungen während der Großen Depression erzählt, der durch Amerika reist. Der Comic heimste eine Menge Lob und Preise ein, ist aber, soweit ich das recherchieren konnte, nie auf Deutsch erschienen. Doch 25 Jahre später legten Vance und Burr einen Nachfolger (diesmal direkt im Buchformat als Graphic Novel) vor, und den gibt es kurze Zeit später unter dem Titel Auf dem Drahtseil bei Metrolit. Er spielt einige Jahre später, die Hauptfigur Fred Bloch arbeitet inzwischen bei einem Wanderzirkus als Assistent eines Entfesslungskünstlers. [
Comics zu erfolgreichen Videospielen sind zwar inzwischen ein fester Teil des Marktes, aber meistens nicht weiter der Rede wert. Bei The Last of Us – American Dreams (Cross Cult) könnte das anders sein, nicht zuletzt wegen Zeichnerin Faith Erin Hicks, die eher nicht für seelenlose Auftragsarbeiten bekannt, sondern eine feste Größe der Indiecomic-Szene ist. Der Comic, gemeinsam geschrieben von Hicks mit Neil Druckmann, dem Autor des Spiels, erzählt die Vorgeschichte zu dessen Endzeit-Szenario. [
Dan – Einfach unverletzbar stammt aus dem US-Verlag Avatar Press, der vor allem für krasse bis sehr krasse Horrorstories bekannt ist, aber auch dafür, dass namhafte Autoren hier Freiheiten im Auf-die-Kacke-hauen genießen, die sie anderswo nicht haben. David Lapham (Stray Bullets, Crossed) erzählt hier eine derbe Krimikomödie um einen Privatdetektiv, der durch nichts und niemanden verletzt oder gar getötet werden kann. [
Dazu startet mit Age of Ultron das erste Crossover-Event der Marvel-Now-Ära. Wie üblich gibt es hier eine zentrale Miniserie (geschrieben von Brian Michael Bendis mit wechselnden Zeichnern), die bei Panini als Heftserie mit je zwei US-Ausgaben erscheint. Dazu kommt noch eine (diesmal überschaubare) Menge von Tie-Ins als Sonderbände. Erzählt wird eine Geschichte aus der Zukunft des Marvel-Universums, in der der außerirdische Superschurke Ultron die Macht ergriffen hat. [
Fast 15 Jahre hat es gedauert, bis Junji Itos Horror-Manga Uzumaki – Spiral into Horror ins Deutsche übersetzt wurde. Bei Carlsen Manga ist es nun soweit. Die verstörende Geschichte um den Schrecken, der aus seltsamen Spiralen erwächst, wurde 2000 verfilmt, die Vorlage soll aber, so hört man, weitaus besser sein als die Verfilmung.
„Change“, Veränderung, ist das grundlegende Thema dieser neuen Serie aus dem Hause PlemPlem Productions, dem kleinen Verlag aus dem süddeutschen Wörth.
Bei Thomas Wagner, der Bleistift- und Tuschezeichnungen in Personalunion beiträgt, fragt man sich, wo der Junge plötzlich herkommt, denn er überzeugt von Beginn an mit einem sehr sicher wirkenden, ausdrucksstarken Strich. Man sieht eindeutig einen gewissen US-amerikanischen Einfluss, aber nie wirkt etwas abgezeichnet. Den Hintergründen seiner Zeichnungen bemisst er nicht die ganz große Bedeutung zu; das meiste ist, wenn überhaupt, aus dem Kopf gezeichnet. Das ist per se nicht schlimm, man erkennt Hochhäuser als Hochhäuser und eine Kommode als Kommode … doch hier würde es nicht schaden, wenn zumindest ein IKEA-Katalog als Referenz für Inneneinrichtungen herhalten würde, um nicht alles so beliebig aussehen zu lassen.
























John Francis Clayton ist ein junger US-Soldat. Nicht ganz freiwillig, sondern vielmehr durch den blinden Patriotismus seines Vaters getrieben, landet er mitten im Vietnamkrieg. Dort wird der unerfahrene, zurückhaltende Clayton schnell zum Prügelknaben seiner hartgesottenen Kollegen. Inmitten des Dschungels gerät seine Einheit schließlich in einen Hinterhalt, aus dem er als einziger lebend herauskommt. Die Rettung ereilt ihn in Form einer militärisch ausgerüsteten Gruppe von Affen, der sich Clayton im Folgenden ungefragt anschließen muss. Währenddessen wird Dr. Heisler von Afrika nach Vietnam versetzt. Der deutsche Wissenschaftler soll eines seiner unkontrollierbaren Tierexperimente einfangen …
Die Darstellung der Schimpansen-Einheit ist an Coolness kaum zu übertreffen: Army-Uniform, Helm, Sturmgewehr, Fluppe im Mund. Brillant ist aber weniger deren Coolness oder erstaunliche Intelligenz, sondern die verblüffend differenzierte Charakterzeichnung. Ganz ohne Sprache kann man die Tiere auseinanderhalten und tatsächlich deren Persönlichkeit ausmachen, von sanftmütig über hitzköpfig bis herrisch. Auch optisch wird das unterstrichen und jeder erhält eine bestimmte Rolle. So hat zum Beispiel der Anführer eine lange Narbe im Gesicht oder der Sanitäter trägt einen Helm mit rotem Kreuz.