Neueste Artikel

Rocco Vargas: Das Geheimnis der Monster

Die langjährige Albenreihe „Rocco Vargas“ des spanischen Künstlers Daniel Torres ist ein herrliches Beispiel, wie man einen zeitlosen Comic erschaffen kann. Die einzelnen Geschichten wirken immer wieder aufs Neue befremdlich und irgendwie unnahbar. Gerade deshalb fesseln sie einen. Die Welt des Daniel Torres ist eine komische. Überwiegend Elemente der Science-Fiction vermengen sich bei ihm mit einer Art Seifenoper um den Schriftsteller/Hausmann/Gelegenheitsweltraumheld Rocco Vargas (der vom Aussehen her fast wie die Comicversion des Künstlers selbst wirkt). Am ehesten könnte man diese Reihe wohl mit Alan Moores ABC-Serie „Tom Strong“ vergleichen, wenn gleich man bei Torres natürlich inhaltlich wie auch zeichnerisch die spanischen Wurzeln bemerkt. Und das Besondere bei Rocco Vargas: Den Comic umweht trotz all den Robotern und futuristischen Städten ein mehr als deutlicher Hauch von Nostalgie. Und genau dieser Zwischenweg wirkt mitunter befremdlich auf den Leser.

Im mittlerweile schon siebten Band, der vor kurzem bei der Edition 52 erschien, wird Rocco nach der Präsentation seines neuen Buches in ein aufregendes Abenteuer verwickelt. Dabei wird er, und damit auch der Leser, auch wieder mit den Rechten der Roboter konfrontiert. Eigentlich stellt dieses Thema unterschwellig den Kern dieser Geschichte. Was unterscheidet den Menschen vom Roboter? Was denken Roboter? Und sind Roboter Monster (deshalb der Titel) oder potentielle Individuen, die die Perfektion darin suchen, wie der Mensch zu sein? All diese sozialkritischen Fragen streut Torres immer wieder gern in seine Stories ein.

Grafisch dient dieser siebte Band also wieder mal als ein äußerst gutes Beispiel der „Nouvelle Ligne Claire“. Die Striche des Spaniers sind unheimlich fein und wirken sehr säuberlich in der zumeist kühlen Zukunftswelt. Inhaltlich beeindrucken weniger die zum Ende hin immer häufiger werdenden Actionsequenzen, sondern die sanften Töne dazwischen, wenn ernsthafte und meist nachdenkliche Dialoge ablaufen oder wenn die Hintergründe der Ereignisse Stück für Stück ergründet werden. Leider endet der gelungene Retro-Sci-Fi-Thriller in dieser Ausgabe mit einem Cliffhanger. So bleibt mir nichts anderes übrig, als auf den nächsten Band zu warten und euch in der Zwischenzeit zum Kauf der aktuellen Nummer 7 zu raten, mit der man auch ohne viel Vorwissen in die Welt von Rocco Vargas einsteigen kann.

Rocco Vargas: Das Geheimnis der Monster
Edition52
56 Seiten; 15€ / 35€ (Luxusausgabe mit num./lim. mit signiertem Druck)
gekonnte Comickunst

einkaufswagen_cc.gif

Heinelt, Uwe

Comicgate: Hallo Uwe, bitte stell Dich doch zuerst kurz vor.

Uwe Heinelt: Ja dann leg ich mal los.

Ich wohne in Berlin und bin gerade 37 geworden 🙂
In der ehemaligen DDR habe ich eine Ausbildung zum Offsetdrucker gemacht und dann nach der Wende mein Abitur nachgeholt. Momentan bin ich gerade dabei, mein, wegen Lolle lange ruhen gelassenes, Studium (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin) zu beenden.

CG: Du bist der Schöpfer der Comicfiguren, die in der sehr erfolgreichen ARD-Serie „Berlin, Berlin“ zu sehen waren [Anmerkung: die Hauptfigur „Lolle“ ist Comiczeichnerin und verwendet Uwes Figuren als ihre Schöpfungen; außerdem hat er die Charaktere für die Zeichentricksequenzen entworfen].
Wie kamst Du an diesen Job? Und war dies die erste Zusammenarbeit mit einer Fernsehproduktion?

UH: Ich arbeitete damals neben meinem Studium in der Trickfilmfirma, die den Auftrag bekam, die Animationssequenzen für BERLIN, BERLIN zu produzieren.

Ursprünglich sollte ich eine Zeichnerin beim Zeichnen von Benjamin Blümchen unterstützen. Nun bekam ich die Chance, die später so bekannt werdene Comic-Lolle zu kreieren.
Von der ARD bekam ich die Vorgabe“schräg und super ästhetisch“, und  dann habe ich erst einmal losgelegt. Bis die ARD-Redaktion „ja“ gesagt hat sind dann so ca. acht verschiedene Lolle-Stile endstanden, von Kinderbuchzeichnung bis nahezu realistisch.

CG: Kann man diese Entwürfe irgendwo sehen?

UH: Ja, einige kann man auf meiner Website heinelt-comic.de sehen.

CG: Spielte es für den Job auch eine Rolle, dass Du in Berlin wohnst und daher „vor Ort“ warst?

UH: Ich denke eher nicht. Entscheidend war, welche Firma den Job bekam. Das hätte überall sein können. Die Animationen für die Staffeln 2 bis 4 wurden dann ja auch in Hamburg produziert.

CG: Die Animation der Trickfilmsequenzen stammen ja nicht von Dir.
Bist Du zufrieden mit der Umsetzung, und wieviel Mitspracherecht  hattest Du da?

UH: An einigen Stellen hätte es nach meinem Geschmack vielleicht etwas mehr Action, mehr Kameraschräglagen, überzogene Perspektiven und so geben können. Aber im Großen und Ganzen war alles super.

Auf die Animationen hatte ich nur in der ersten Staffel Einfluß. Ich habe meine Storybords immer mit dem Gagautor und einem Animationszeichner besprochen. Was immer zu einem sehr kreativen Ideenaustausch führte.
Beide sind übrigens beim Lolle Comic 2 [s.u] mit dabei. Der Gagschreiber Dirk Bertram als Autor und der Animationszeichner Peter Weller als Penciler.

CG: Hattest Du persönlichen Kontakt zu den Schauspielern? Wie zufrieden waren sie mit ihrer Comicumsetzung?

UH: Ja, ganz am Anfang war ich mal mit Felicitas Woll im Tonstudio. Dort hat sie die vielen „Ohs“ und „Ahs“ für die Trickfilme eingesprochen. Mit Matthias Klimsa war ich mal auf einem Event in Dettingen (bei Stuttgart).

Ich glaube sie finden die Animationen ganz witzig, Lolle, sorry, Felicitas, hat sich jedenfalls damals im Tonstudio köstlich über die Animationen amüsiert 🙂

CG: Liegt Dir generell ein Stil besonders, oder hat jeder seine Reize?

UH: „Jeder“ ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich probiere wirklich sehr gerne verschiedene Stile aus. Letztendlich schlagen dann aber doch in jedem Stil auch wieder die persönlichen Vorlieben etwas durch. Das sind dann so Sachen wie die Vorliebe für reißerische Dynamik, krasse Perspektiven und auch Feinheiten, wie die Strichführung.

CG: Du zeichnest ja nicht für die Fernsehserie, sondern auch Comicalben zu dieser Serie.
Stand das von Anfang an fest, oder war das eine eher spontane Idee, nachdem „Berlin, Berlin“ immer beliebter wurde?

UH: Nein, das stand nicht von Anfang an fest.

Meine Freundin hatte die Idee gegen Ende der Ausstrahlung der ersten Staffel. Und es liegt ja auch nahe: Eine Serie, in der die Hauptdarstellerin unbedingt Comiczeichnerin werden will und in der ihre Gedanken als Zeichentrickfilme dargestellt werden.

CG: Als Autor des 1. Bandes gibt Egmont vgs David Safier an, der ja auch der Erfinder und „Headautor“ der Serie ist.
Wie muss man sich das beim Comic vorstellen? Bekamst Du ein ausgearbeitetes Skript oder eher einen losen Plot, aus dem er selber was entwickelt hat? Inwieweit hattest Du bei der Geschichte erzählerische Freiheiten?

UH: Ich habe von David eine Art Comic-Drehbuch bekommen, bei dem der Schwerpunkt auf den flüssigen Dialogen lag.

So hatte ich komplette Freiheit bei der Gestaltung des Comicstorytellings, des Layouts und den einzelnen Panels.

CG: Wie groß ist der Einfluss des Lizenzgebers (also in dem Fall die ARD bzw. die „Berlin, Berlin“-Produktion) auf einen solchen Comic?

UH: Natürlich schaut die ARD-Redaktion da noch einmal drauf, aber es gab bisher in Bezug auf Story und Zeichnungen nie Änderungswünsche.

CG: Vor kurzem erschien der 2. Comic zu der Serie, „Mütter sind auch nur Menschen“. Wie hat Deine Mutter den Titel aufgenommen? 😉

UH: Menschlich 😉

CG: Diesmal hast Du mit dem Autor Dirk Bertram zusammengearbeitet.
Warum gab es keine Zusammenarbeit mehr mit David Safier?

UH: David mußte nach der Konzeption des Grundplots und dem Skript für die ersten acht Seiten leider aufhören. Er geriet mit den Drehbüchern für die letzte Serienstaffel zu stark unter Zeitdruck.

CG: Du hast ja mit Dirk ja schon zusammengearbeitet. Habt Ihr die Arbeit an dem Comic strikt getrennt, oder gibt man sich gegenseitig Feedback und Verbesserungsvorschläge?

UH: Aufgrund dieser bereits gemeinsamen Arbeit bei den Animationen zur ersten Staffel  war schon klar, dass die Arbeit mit ihm prima funktionieren würde.

Unsere Zusammenarbeit lief zwar komplett über E-Mail und Telefon ab, aber ein kreatives Abstimmen war natürlich auch so möglich.

CG: Wusstest Du schon von der Einstellung der Serie, als Du mit den Arbeiten zu diesem Band angefangen hattest?

UH: Da bin ich mir jetzt im Nachhinein gar nicht mehr so sicher.

Irgendwann hieß es dann zwar, das wird die letzte Staffel, aber daran habe ich eigentlich genauso wenig geglaubt wie die Fans.

CG: Kann man den Comic von der Serie trennen, oder bedeutet das Serienende auch das Ende der Albumreihe?

UH: Ich denke schon, dass man den Comic von der Serie trennen kann. So könnte BERLIN, BERLIN dann noch eine ganze Weile als Comic weitergehen. Letztendlich hängt das aber vom Verkauf des zweiten Bandes und der Nachfrage nach BERLIN, BERLIN-Comics in den

europäischen Ländern, in denen jetzt die TV-Serie läuft, ab.
Wenn also alles so läuft wie bei Band 1, von dem die komplette Auflage schon verkauft ist, wird das was. 🙂

CG: Von dem 2. Band wurden Vorveröffentlichungen in der BILD Berlin-Brandenburg abgedruckt. Wie kam es dazu, und gab es Reaktionen seitens der Leser?

UH: Ja, das war eine prima Sache. Der BILD-Zeitungsredakteur wollte eigentlich ein Interview mit mir machen, kam dann aber zum Glück auf die Idee, das Ganze mit einer Vorveröffentlichung zu koppeln.
Wie der Comic bei den Lesern angekommen ist, weiß ich leider nicht. Ich hoffe aber, ich konnte zumindest einigen Nicht-Comiclesern das Medium Comic wieder etwas näher bringen. 

CG: Von der Comicreihe zu Berlin, Berlin gibt es ja sogar einen Ableger, nämlich „Zoe! Chaostage“. Lolle arbeitet in der Fernsehserie an diesem Comic, der auch dann tatsächlich im Frühjahr dieses Jahres erschien.
Soviel ich weiß, hattest Du die Idee dazu.
Zeichner ist Christian „Mana“ Nauck, ein vielversprechendes neues Talent aus der Berliner INKplosionsschmiede [zu „Zoe“ haben wir mit Mana im April 2005 ein Interview geführt].
Warum hast Du den Comic nicht selber gezeichnet, und war Mana Deine erste Wahl? War es schwierig, Egmont vgs von einem Newcomer zu überzeugen?

UH: Ich wollte den ZOE-Comic unbedingt veröffentlicht sehen. Ich wußte aber, das ich das neben Lolle Band 2 und meinen Illustrationsarbeiten nicht allein schaffen konnte. (Außerdem bin ich im letzten August noch Papa geworden…:-) )

So suchte ich mir einen Zeichner, der den Comic mit meinen Figuren zu Papier bringen konnte. Das war dann Christian Nauck (Mana). Und, ja: Christian war meine erste Wahl. Ich hatte mit ihm schon im Rahmen meines Illustrationsbüros zusammengearbeitet und wusste, wie gut und diszipliniert er arbeiten konnte. Vom Verlag habe ich in Bezug auf die Auswahl meiner Mitarbeiter freie Hand. Lolle Band 2 ist ja auch mit einer Menge an Mitstreitern entstanden. Wichtig ist, dass die Qualität stimmt und der Termin gehalten wird.

CG: Gerade am Beispiel von Egmont vgs wird deutlich, dass dessen Comicprogramm sich immer stärker an aktuellen Themen und Trends orientiert, da sich diese besser vermarkten lassen. Wie siehst Du, der Du ja davon unmittelbar betroffen ist, diese Entwicklung?
Ist es eine Gefahr, dass Comics Themen nur noch hinterherrennen, anstatt selbst welche zu setzen oder eigene kreative Wege zu gehen?

UH: Das stimmt natürlich, aber die Produktion von Comics muss sich, wenn sie nur halbwegs überleben will, wenigstens auf minimalster Ebene rechnen.

Die gute Nachricht dabei ist, daß die Comics, die hohe Verkaufszahlen erreichen, (hoffentlich) auch weiterhin die Produktion von idealistischen Projekten ermöglichen.

CG: Wirst Du auch in Zukunft viel mit Fernsehproduktionen zusammenarbeiten?

UH: Ja, gerade erst habe ich Requisitenzeichnungen für die SAT 1-Produktion BIS IN DIE SPITZEN gezeichnet. Außerdem sind gerade auch die Romane zur RTL-Serie SCHULMÄDCHEN erschienen. Hier habe ich die Comic-Illustrationen gemacht. Bei Band 2 hat mich dabei tatkräftig Rainer Engel unterstützt.

CG: Gibt es so etwas wie ein Traumpojekt von Dir, was macht Dir besonders viel Spaß?

UH: Es laufen gerade ein paar echt coole Sachen:

Mit Julia Engelhardt, einer der Lolle-Band 2-Koloriererinnen, habe ich gerade ein Kinderbuch fertig illustriert, für das wir noch einen Verlag suchen (DU BIST TOLL, SO WIE DU BIST, Autorin Eva Bacher).Dann gibts da noch meine Lolle-T-Shirts (lolleshirt.de). Und dann wird’s wahrscheinlich mal Zeit für einen richtigen Manga-Comic oder ein superernstes Comicthema.

CG: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

UH: 🙂
Dank und Gruß!

GEWINNSPIEL:
Gewinnt ein von Uwe Heinelt signiertes Exemplar von Berlin, Berlin 2 „Mütter sind auch nur Menschen“ zusammen mit einem beliebigen T-Shirt von lolleshirt.de!
Dazu müsst Ihr folgende Frage beantworten:
Welchen renommierten internationalen Preis, der für Fernsehproduktionen dieselbe Bedeutung hat wie der Oscar für Kinofilme, gewann die Fernsehserie „Berlin, Berlin“ im Jahr 2004?

Update: Das Gewinnspiel ist beendet.

 

Berlin, Berlin 2Berlin, Berlin 2 „Mütter sind auch nur Menschen“
Dirk Bertram, Uwe Heinelt 
80 Seiten
8,- Euro
ISBN/ASIN: 3770420691 

Berlin, Berlin 1Berlin, Berlin „Froschkönige“
David Safier, Uwe Heinelt 
80 Seiten
8,- Euro
ISBN: 3770420683 

 

ZoeZoe! Chaostage
“Lolle Holzmann“, Christian Nauck
Ehapa
46 Seiten
6,50 Euro
ISBN: 3770421205

Uwe Heinelts Illustrationsbüro

die offiziellen T-Shirts mit Lolle-Motiv

Produktseite bei Egmont Ehapa Verlag

offizielle Berlin, Berlin-Homepage der ARD

Interview mit Uwe bei Splashcomics

Lin_c 1

Von Comics aus Österreich bekommen wir in Deutschland nicht viel mit. Trotzdem gibt es und gab es auch schon vor ein paar Jahren einige namhafte Künstler, die aus Österreich stammen, ebenso florieren ehrgeizige Projekte, vor allem an den Knotenpunkten der größeren Städte Wien, Graz und jetzt eben auch Linz.

Dank einer Impulsförderung der Stadt konnten Gottfried Gusenbauer und Gerald Roßbacher ein wunderbares Magazin auf die Beine stellen. Das selbsternannte „Heft für Comics und Bildliteratur“ sieht sich als Plattform zur Präsentation und Vermittlung, genauso gibt es relativ umfassend einen Einblick in die Arbeit österreichischer wie internationaler Künstler. Und nicht zuletzt möchte Lin_c die Lust am Comiclesen neu entfachen.

Einen hohen und edlen Anspruch, den Gusenbauer und sein Team damit an sich selbst gestellt haben. Offenbar aber kein Problem, denn das Heft erfüllt alle Erwartungen, die Macher haben ein wunderbares Standardwerk (eine ganz weitreichende Momentaufnahme der österreichischen Szene und noch etwas mehr) aus der Taufe gehoben.

Lin_c zeigt Porträts einiger junger Nachwuchskünstler und präsentiert Ausschnitte aus deren Comics, gleichfalls werden natürlich auch nicht die hierzulande bekannteren Namen vergessen. So wird Harald Havas (sein Comicstrip „Total Fred“ erschien u.a. beim Zwerchfell-Verlag, bei uns könnt Ihr zu diesem Band ein Interview mit ihm und Reinhard Kiesel lesen)  ebenso vorgestellt wie ein Gerhard Förster („Von Mir! beim Schwarzen Turm) oder der hinreichend bekannte Karikaturist und Cartoonist Gerhard Harderer. Sehr erfreulich fällt auch auf, dass hierbei die redaktionellen Stile arg variieren, also ein Harderer beispielsweise in Form eines kurzen Interviews vorgestellt wird, während von Förster hingegen gleich mehrere Seiten seiner One-Pager als Beispiel seines Schaffens dienen. Und bei manch anderen Künstlern muss man überhaupt erstmal penibel suchen, um herauszufinden, um welche Person es hier geht und was diese uns eigentlich zu präsentieren versucht. Das macht den Inhalt abwechslungsreich und wirkt erfreulich lebendig auf den Leser. Neben den einzelnen Künstlern an sich, die in hoher Anzahl in dem Band vertreten sind, liegt der Fokus des Magazins auch noch auf ein paar weiten Dingen, die thematisiert oder zumindest kurz angeschnitten werden. Zu denen gehört die zweifelsohne nicht zu verachtende Entwicklung österreichischer Comicverlage, dementsprechend kommen auch Verlage wie die Grazer Prequel oder Tonto, Nicolas Mahlers Edition Brunft (oder auch das Allstar-Projekt „50 – Literatur gezeichnet“) zu Wort bzw. zu Bild.

Ein weiterer Punkt, der immer wieder innerhalb des Heftes für Auflockerung und neue interessante Erkenntnisse sorgt, ist die Beziehung vom Comic zu bildender Kunst, Theater und Film und den jeweiligen Überschneidungen. Schlussendlich wird sogar textiles Gestalten in den Vordergrund gerückt, womit man dann ein breites Spektrum der bildgeschichtlichen Randerscheinungen Österreichs wohl mehr als perfekt gewährleistet hat.

Abgerundet wird Lin_c 1 dann auch noch von einem längeren Interview mit den ehrgeizigen Leuten von Stripburger, einem anspruchsvollem slowenischen Comicverlag. Auch das wirkt nicht eine Sekunde deplatziert, sondern ist sehr informativ.

Am Ende der Ausgabe erzählt uns dann noch mal Harald Havas etwas zur Historie der österreichischen Comickunst. Und ich bin letztlich nur noch erstaunt, wie gut dieses Heft gelungen ist und freu mich, dass hoffentlich jetzt immer mehr Leute auf die Kreativen unseres Nachbarlandes aufmerksam werden.

Lin_c 1

113 Seiten

Künstler: diverse

Der Kri-Ticker #51

Diesmal mit dabei: Horrorschocker #6, Bone: One Volume Edition, Dream Police, Die 2,333. Dimension, American Elf – The Sketchbook Diaries, Usagi Yojimbo #14, The Goon: Heaps of Ruination, SOS Comics, Spawn #65, She-Hulk Vol. 2: Superhuman Law, Das Geheime Dreieck #7, und We3.
Besprochen von Frauke Pfeiffer (fp), Björn Wederhake (bw), Benjamin Vogt (bv) und Thomas Kögel (tk).

HORRORSCHOCKER #6
Weissblech Comics
Weissblechs Horrorschocker gehen in Runde 6. Josef Rother (Text) und Eckart Breitschuh (Zeichnungen) steuern diesmal eine (für mich auch die interessanteste) der drei Stories bei, während die beiden anderen in diesem Heft von Herausgeber Levin Kurio gezeichnet und von ihm selbst bzw. von Peter Schaaff geschrieben wurden. Die sehr kurzen und leider fast zu schnell zu lesenden Episoden sind keine überragend anspruchsvollen Comicwerke, aber sie bieten neues Futter für Horrorfans, die die aus Basteis „Gespenster Geschichten“ bekannte Handlungskehrtwendung mit abschließendem Schockeffekt und die eventuelle Schlussmoral schätzen gelernt haben. Und gerade Rothers und Breitschuhs „Mutterliebe“ ist amüsant skurill und überspitzt. Für 3,90 € bekommt man das Genre sicherlich nicht neu erfunden, dafür eine gewollt typische Bedienung desselbigen. Gut zu sehen, dass sich ein Kleinverlag wie Kurios Weissblech Comics eines so speziellen Programms einheimischer Künstlern erfreuen darf und kann. bv
–> bei Weissblech bestellen

BONE: ONE VOLUME EDITION (US-Ausgabe)
Cartoon Books

Eigentlich mag ich Fantasy ja nicht. Natürlich, ich habe „Herr der Ringe“ gelesen, die Filme gesehen und „Baldur’s Gate II“ gespielt, aber da hört es auch schon auf. Schwerter und Zauberei, Helden und Drachen, Könige und finstere Mächte sind eigentlich nicht mein Metier. Um so mehr muss ich Jeff Smith für das loben, was er hier geschaffen hat. Denn all das, was ich eben aufgezählt habe, lässt sich in „Bone“ finden.
Was zunächst aussieht wie ein Funny Book mit lustigen Tieren und knubbelnasigen Figuren, entwickelt sich schnell zu ausgewachsener High Fantasy. Dabei verliert Smith allerdings nie den Blick für das, was er tut. Sicher, er bringt altbekannte Plots ein und es kommt zu Massenschlachten, aber das Kernstück dieses Comics bleiben immer die drei Bone-Cousins, die herrlich charakterisiert und wahnsinnig liebenswert sind. So wie eigentlich alle Figuren in diesem Comic. Jeff Smith hat hier einen Comic mit viel Herz und einer großen Prise Humor geschaffen, eine Welt, in die man sich – auch wegen der detaillierten Zeichnungen – richtig schön hineinverlieben kann und eine Geschichte, von der man eigentlich gar nicht möchte, dass sie zuende geht, weil sie so bewegend und rührend (aber dabei nie kitschig) ist. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Einzelcomics, die über Jahre hinweg erschienen sind, am Stück gelesen wirklich wie ein geschlossener Roman wirken, dann weiß man, wieso „Bone“ derartig viel Lob eingeheimst hat. Smith erfindet hier das Fantasy-Rad nicht neu, aber wenn alle Fantasy so sympathisch und augenzwinkernd präsentiert würde, dann wäre ich dem Genre sicher weniger abgeneigt.
Mit der „One Volume Edition“ erhält man zudem genug Lesestoff für sein Geld, um mindestens eine Woche versorgt zu sein. Der einzige Kritikpunkt ist, dass man dünnes Papier gewählt hat, damit der Wälzer nicht noch dicker wird als er ohnehin schon ist, was leider dazu führt, dass die Schwarzflächen manchmal auf der nächsten Seite durchscheinen. Könnte also sein, dass die Farbversion hier die bessere Alternative ist. Aber insgesamt bleibt trotzdem festzuhalten: So sollten richtig gute Comics aussehen. bw

DREAM POLICE (US-Ausgabe)
Icon / Marvel Comics
Auch in der „Dreamscape“, dem Zwischenreich, in dem sich unsere Träume abspielen, gibt es eine Polizei, die dafür sorgt, dass dort alles in geordneten Bahnen abläuft. Das ist das Konzept von „Dream Police“. Wir begleiten zwei Traumpolizisten bei ein paar ihrer Einsätze; da träumt z.B. eine Nonne von wilden Sexorgien und ein kleiner Junge träumt – leider viel zu lebhaft – von einem entlaufenen Riesendrachen. Es sind nicht mehr als zwei, drei interessante Ideen und genau eine (halbwegs) witzige Pointe, die Joe Michael Straczynski ausreichen, um daraus 34 Comicseiten zu stricken. Dabei werden einzelne Episoden aneinandergereiht, ohne dass eine durchgehende Handlung erzählt wird. Auch die Figuren – sowohl die Cops als auch die Träumer – bleiben sehr blass; für den Leser gibt es kaum einen Grund, sich ernsthaft für deren Schicksal zu interessieren.
„Dream Police“ ist nicht unbedingt ein richtig mieser Comic, sondern einfach nur uninteressant, banal, langweilig, egal. Dem Zeichner Mike Deodato ist dabei kein Vorwurf zu machen, er bringt die düstere Traumwelt kompetent und überzeugend (wenn auch nicht sehr originell) aufs Papier. Einen Minuspunkt gibt es allerdings für das Cover: eine lieblose Collage von zusammengestückelten Einzelbildern aus dem Comic. Alles in allem kann man sich die 3,99 Dollar für diesen One-Shot bedenkenlos sparen, ohne viel zu verpassen. tk

DIE 2,333. DIMENSION
Reprodukt
Julius Corentin Acquefacques lebt eigentlich in einer 3D-Welt. Während einer Lebensrauminspektion, bei der seine Träume kontrolliert werden, fällt Julius jedoch während eines solchen vom Abhang einer Dimensionsebene und reißt dabei einen der drei wichtigen Fluchtpunkte der dreidimensionalen Realität mit sich. Aus seinem Traum erwacht, findet er sich in einer flachen, zweidimensionalen Welt wieder.
Marc-Antoine Mathieu, Zeichner und Autor der etwas eigenwilligen Serie um den „Gefangenen der Träume“, nimmt sich diesmal des Themas Perspektiven an und jongliert damit. Wer die zuvor erschienenden Bände aus der Reihe kennt, weiß, mit welchen Mitteln er seinen Protagonisten zum Spielball seiner eigenen Welt macht und welchen Einfallsreichtum er hierbei immer wieder beweißt. Mathieu versteht das Medium Comic offenbar und weiß es sehr wohl witzig und clever zu zerpflücken. Jedes neue Album bietet eine andere innovative Idee und lässt den Leser phantasievoll teilhaben. Die 2,333. Dimension ist übrigens der Ort zwischen der zweiten und dritten Dimension. Dorthin wird Julius Acquefacques geschickt um sein Missgeschick auszubügeln. Da wo all die anderen Comics anfangen zu existieren, die verworfenen und nie veröffentlichten Comicseiten landen und das Gerümpel der vorherigen Panels lagert, darf der Leser dann auch die dem Band beiliegende 3D-Brille aufsetzen, um noch mehr in die Thematik hinabzutauchen. Eine Geschichte um Perspektive und dimensionale Träume. Ein weiterer erfrischend kluger und amüsanter Comic von Mathieu. bv


AMERICAN ELF – THE SKETCHBOOK DIARIES
(US-Ausgabe)
Fantagraphics
Ich weiss, es ist eine Grundregel, dass man nichts kritisieren sollte, das man nicht zu Ende gelesen, gesehen oder gespielt hat. Eigentlich halte ich mich daran und darum möchte ich der Fairness halber vorneweg betonen: Ich habe „American Elf“ nicht bis zum Ende durchgelesen. Ich habe es versucht – ich habe es wirklich versucht – aber ich konnte einfach nach relativ kurzer Zeit nicht mehr. Angeblich fängt James Kochalka hier das Wunderbare im Belanglosen ein und verdeutlicht uns die Magie in den kleinen Details, die wir im täglichen Leben übersehen. Aber muss man das über 300 Seiten hinweg machen? Tagebücher sind natürlich immer egozentrisch, aber die meisten sagen zumindest etwas über den Menschen aus, der sie schreibt. Das hier kommt mir einfach nur belanglos vor und die Magie, die Kochalka hier angeblich darstellt, empfinde ich als pure Langeweile.
Manchmal, in den Strips um den 11. September 2001 oder um die Schwangerschaft seiner Freundin, kommt dabei auch sowas wie Emotion rüber, zum großen Teil erscheint mir dieses Auge für die Details aber einfach nur gekünstelt und ganz gezielt eingesetzt. Ich für meinen Teil habe das Gefühl, dass Kochalka sehr genau weiß, welche Fäden er in seinen Tagebucheinträgen ziehen muss, um niedlich, harmlos und unschuldig zu wirken.
Wie gesagt, ich habe es nicht geschafft, „American Elf“ am Stück durchzulesen, aber die Passagen in die ich reingeschaut habe, haben mich alle nach kürzester Zeit gelangweilt oder genervt. Oh, hihi, mir ist Zahnpasta auf den Penis gefallen und es kribbelt; oh, hihi, meine Katze kommt aus dem Regen und stinkt nach nassem Fell… wenn das alltägliche Magie und große Comickunst sein soll, dann passe ich dankend und investiere die 30 Dollar, die ich für diesen selbstgefälligen Humbug ausgegeben habe, in Zukunft doch lieber in ein „Marshal Law“-, „Walking Dead“- oder „The Goon“-Paperback. bw
nlintX.gif

USAGI YOJIMBO #14
Schwarzer Turm
Den Schwerpunkt in diesem Band bildet eine längere Geschichte, in der eine Gruppe bekannter Gaststars auftritt. Hase Usagi hilft einem kleinen Dorf im Kampf gegen eine finstere Ninja-Truppe. Und da man Ninjas am besten mit Ninjas bekämpft, werden in einem magischen Beschwörungsritual vier kleine Schildkröten in die Teenage Mutant Ninja Turtles verwandelt.
Diese Geschichte mit dem Titel „Ein bisschen Grün“ verläuft recht schematisch und ohne größere Überraschungen. Im Vergleich mit anderen Usagi-Stories ist sie nicht gerade ein Highlight, vermeidet aber auch die Albernheiten und hirnlosen Endloskämpfe, die man beim Stichwort „Crossover“ fast schon automatisch befürchtet. Richtig poetisch wird es dagegen in der wunderbaren Kurzgeschichte „Jizo“, die von einer unscheinbaren kleinen Statue am Wegesrand erzählt.
Zum Abschluss gibt es die erste Hälfte von „Shi“, und hier muss man die unglückliche Aufteilung des Bandes etwas bedauern: er endet mit einem Mords-Cliffhanger, der Rest der Story erscheint erst in Band 15 und das wird eine Weile dauern. Schade, denn gerade diese Episode hat alles, was Stan Sakais Serie auszeichnet: die richtige Mischung aus Action und ruhigen Szenen, feinsinnigen Humor, interessante Charaktere und tolle Zeichnungen. tk

THE GOON: HEAPS OF RUINATION (US-Ausgabe)
Dark Horse
Es wird mir ja fast schon unheimlich „The Goon“ immer so über den grünen Klee zu loben, aber Eric Powell macht es mir auch nicht leicht, Kritikpunkte zu finden. Also in aller Kürze: Massige Action? Jawoll. Emotionale Momente? Check. Weitere Puzzleteile, die aus dem Goon mehr als einen simplen Haudruff machen? Vorhanden. Zeichnungen, die Action und Emotion gleichermaßen rüberbringen? Sind da. Komplett bizarre Ideen? Genug, um damit alle DC-Serien, die nicht von Grant Morrison geschrieben werden, zu füllen. Dazu kommt in diesem Band ein Crossover mit Mike Mignolas Hellboy, das zeigt, wie sowas gemacht werden sollte, denn selbst der große rote Monsterklopper hat ernsthafte Probleme, sich in der verdrehten Welt des Goons zurecht zu finden. Wenn dann noch Goons Kumpel Frankie darauf besteht, Hellboy konstant als „Rosie“ anzureden und der Dialog „The  Communist Airborne Mollusk Militia!“ – „Damn them!“ fällt, ist Stimmung in der Bude. Wer sich über einen Mangel an Humor in seinen Comics beschwert und „The Goon“ nicht liest, der ist selber Schuld. Nach diesem Band bin ich inzwischen sogar der Meinung, dass Eric Powell doch alle Eisners verdient, die er für seine Serie bekommen wird. bw
nlintX.gif 

SOS COMICS – Wir helfen!
Millus Entertainment
Ein wenig aufdringlich wirkt der plakative Titel dieser Comicsammlung für mich. Fast mit der Brechstange wird dabei auf einen, und der sei hier nicht verschwiegen, noblen Zweck der Aktion hingewiesen: der Erlös geht an die Opfer der Tsunami-Katastrophe. Miguel Riveros („Dunkles Kind“) vereint in Eigenregie gut ein Dutzend interessanter Künstler (die sich auch selber finanziell an der Umsetzung dieses Bandes beteiligt haben), wobei mir die Auswahl der abgedruckten Comics recht beliebig zusammengewürfelt erscheint.
Angefangen bei einer nachdenklichen Erzählung von Riveros selbst, bei der Emotionen über die aufs Minimum reduzierten Zeichnungen gut transportiert werden, über lustige One-Pager von Bettina Kumpe bis hin zu einem Manga der Luxemburgerin Sonia Gleis. Auch positiv hervorzuheben: Die Superheldenparodie „Spider-Maus vs. Galkaktus“ von Laska und die Auswahl an Strips von Magenbitter (dessen Webcomic „Paul“ hier bei Comicgate erscheint). Die Stilrichtungen in „SOS Comics“ driften also weit auseinander.
Schade nur, dass das Zusammenspiel der einzelnen Beiträge überhaupt nicht funktioniert, ein Konzept, eine übergeordnete Thematik oder wenigstens eine minimale Gemeinsamkeit nicht zu erkennen ist. Ebenso besitzt der Band keinerlei Bezug zu Südostasien. Es wird nur äußerst knapp auf den Hintergrund eingegangen, was dort passiert ist und inwieweit man durch den Erwerb dieses Comics wo genau helfen kann oder sollte. Schade.
Insgesamt muss man sagen, dass die Qualität der vertretenen Künstler bzw. deren Arbeiten im Durchschnitt ganz okay ist, die Kollektion im 104 Seiten starken Sammelband aber recht lieblos zusammengeschustert wirkt. Trotz oder gerade wegen der guten Sache hätte ich mir eine etwas rundere Sammlung gewünscht. bv
nlintX.gif 


SPAWN #65

Infinity
Nach einer monatelangen Zwangspause wegen rechtlicher Probleme Todd McFarlanes in den USA ist Infinitys Zugpferd endlich wieder da – und zumindest bis Ende des Jahres sogar jeden zweiten Monat. Es ist natürlich etwas schwer, wieder reinzukommen, aber es passiert einiges in diesem Band. Das Wichtigste: Twitch findet mit Hilfe von Spawn, der mal so richtig zeigen kann, was er für ein Mannskerl ist, seinen Sohn wieder. Die Umstände sind allerdings ziemlich widrig, was auch zu dem Cliffhanger dieser Ausgabe führt.
Mir manchmal etwas zu unproportioniert, so ist Angel Medina doch einer der Zeichner, die ihre Figuren beeindruckend individuell hinbekommen und auch noch in manche Panels schöne Details einbringen. Die gewohnt gute Infinity-Aufmachung sowie eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse (die allerdings aufgrund ihrer Kürze nur was für Leute ist, die die Serie bis kurz vor Schluss mitverfolgt haben) und zwei Seiten Leserbriefe runden das ganze Paket ab.
Kann man nicht meckern drüber, die Fans werden zufrieden sein. fp


SHE-HULK VOL. 2: SUPERHUMAN LAW (US-Ausgabe)
shehulk_tpb_2_supelaw.jpgMarvel Comics
Schade, aber Dan Slott schafft es mit dem zweiten „She-Hulk“-Band nicht, meine Begeisterung für die ersten sechs Ausgaben aufrecht zu erhalten. Der Comic bleibt weiterhin amüsant und selbstbewusst, aber er er geht für meinen Geschmack zu sehr von der selbstironischen Haltung zum Marvel-Universum weg und nähert sich ein bisschen zu sehr den normalen Superheldencomics an.
Nicht dass wir uns da falsch verstehen, das macht „She-Hulk“ keineswegs zu einem schlechten Comic, aber irgendwie haben mir die Juristenstories in Band 1 doch mehr gegeben als die zwei prügellastigen Storylines in „Superhuman Law“. Trotzdem kann man Slott nicht vorwerfen, dass er seinen Sinn für Humor verloren habe, da sind noch genug Anspielungen auf das aktuelle Comicgeschehen, der Humor ist nur spärlicher dosiert als bisher. Bonuspunkte gibt es für den sehr kurzen Gastauftritt von Howard the Duck, der George Lucas verklagt, weil der fette Schmierfink ihm eine Filmtrilogie und Prequels versprochen habe. Sehr gut gelungen sind auch die Seitenhiebe auf „Avengers: Disassembled“ und den erneuten Trend zu „düsteren und erwachsenen“ Comics.
Was ich Dan Slott auf jeden Fall zu Gute halten muss, ist, dass er es versteht, einen Charakter zu schreiben: She-Hulk, die ich bisher nur durch das byrn’sche Cheesecake-Futter kannte und die mir bisher im besten Falle egal war, ist mir unter Slotts Federführung richtig ans Herz gewachsen. Ein sympathischer Charakter mit Stärken und Schwächen, für den ich mich tatsächlich interessiere, was in Superheldencomics längst nicht mehr der Regelfall ist. „Superhuman Law“ ist ein guter Superheldencomic, der Spaß macht, er ist aber für meinen Geschmack etwas zu „normal“. Ich hoffe darum auch, dass Slott in der (sehr amüsant angekündigten) „zweiten Staffel“ etwas von dieser Art von Geschichten abrückt und wieder die Gerichtssäle des Marvel-Universums in den Mittelpunkt stellt. bw
nlintX.gif 

DAS GEHEIME DREIECK #7
geheimedreieck7.jpgEgmont Ehapa
Lange ist es her, seit ich die erste Nummer der von vornherein auf sieben Bände angelegten Comicserie in den Händen hielt. Und genau diese Länge machte sich zwischendurch bemerkbar, die Geschichte wirkte hin und wieder zu gestreckt und langatmig. Dabei ist das Konzept an sich äußerst interessant und die Spannung um die Auflösung der vielfältigen Geheimnisse ist auch nicht von der Hand zu weisen, doch wirkte die Handlung an manchen Stellen zu überladen und einige Rätsel erweisen sich am Ende als unnötige Storyelemente. „Das Geheime Dreieck“ behandelt die Frage, was zu der Zeit um Jesu Tod und Auferstehung wirklich geschah, ob dieser einen verborgenen Bruder hatte und welche Beziehung er zu der Gemeinde der Freimaurer hatte. Rückblickend kommen in der Gegenwart dabei immer weitere Puzzlestücke zum Vorschein, was der Vatikan natürlich verhindern will.
Der Schluss in Band 7 kommt sehr abrupt und genau zu dem Zeitpunkt, als das größte Geheimnis im Begriff ist, gelüftet zu werden. Zuerst ist man etwas enttäuscht, nachdem man so lange mitgefiebert hat und dann so ein vermeintliches schwaches Ende zu lesen bekommt. Es folgt jedoch noch einmal ein letzter Zeitsprung in die Zeit Jesu, bei dem Unglaubliches zum Vorschein kommt. Der Abschluss, so unkonventionell und unerwartet wie er ist, versöhnt dann schließlich doch irgendwie und macht den 7-Teiler zu einer wirklich lohnenswerten Serie. Nur etwas kürzer, dafür weniger verwirrend hätte ich sie mir gewünscht. bv
nlintX.gif 

WE3 (US-Ausgabe)
DC / Vertigo
Eine Katze, ein Hund und ein Kaninchen, die von der US-Army in einem Geheimexperiment zu extrem hochgerüsteten Tötungsmaschinen umgebaut wurden, kommen aus ihrem Hochsicherheitstrakt frei. Wehe, wenn sie losgelassen… Beim Versuch, die drei gefährlichen „Animal Weapons“ wieder einzufangen, hat die Armee einen hohen Blutzoll zu entrichten.
Aus dieser an sich recht simplen und nicht allzu innovativen Grundidee macht Grant Morrison einen erstklassigen Comic. Er erzählt vorwiegend aus der Perspektive der drei Tiere, die in einer vereinfachten Technosprache miteinander kommunizieren und sich selbst eben „We3“ nennen.
Dabei schafft er das Kunststück, dass der Leser sich mit diesen geschundenen und von Menschen missbrauchten Kreaturen identifiziert und mit ihnen mitfühlt, obwohl sie auf ihrem Weg in die Freiheit ein wahres Gemetzel veranstalten. Ein Action-Comic, der gleichzeitig einfühlsam und äußerst gewalttätig ist – eine absolute Rarität.
Aber erst durch die Zeichnungen von Frank Quitely wird „We3“ zu einem ganz besonderen Highlight. Er schöpft die visuellen Möglichkeiten des Mediums voll und ganz aus: sehr kleinteilige Seiten mit dutzenden von Panels, ineinander verschachtelte Bilder, großartige Splashpages. Das Spektrum reicht von der großen Totalen bis zum extremen Close-Up, von der blutigen Splatterszene bis zu herzzerreißend traurig blickenden Hundeaugen.
Unterm Strich haben Morrison und Quitely mit „We3“ einen Comic geschaffen, der sowohl erzählerisch als auch grafisch auf der ganzen Linie überzeugt. Zart besaiteten Menschen ist das Werk allerdings nicht zu empfehlen, denn in Sachen expliziter Gewaltdarstellung ist es nicht gerade zurückhaltend. tk
nlintX.gif

Mergenthaler, Andreas

Comicgate: Hallo Andreas, in wenigen Tagen läuft Sin City in unseren Kinos an. Macht sich das auch auf die Verkaufszahlen der SC Comics bemerkbar? Und vielleicht sogar auch auf andere Comics Eures Verlags?

Andreas Mergenthaler: Hallo Frauke, ja, es ist definitiv nicht zu übersehen, dass dieses Filmchen des verrückten Texaners [Robert Rodriguez, Anm. d. Red.] bald bei uns startet. Wenn man Leute von den Comicfachhandelsvertrieben am Telefon hat, sind sie momentan extrem gut gelaunt, Amazon kümmert sich persönlich um unsere Belange, und selbst die örtliche Buchhandlung, ansonsten eine schwer einnehmbare Festung, stellt auf einmal unsere Comics ins Schaufenster. Am meisten hat mich ein Besuch bei Hugendubel in Berlin beeindruckt: 30 SIN CITY-Bände fett im Regal und daneben zwei bis drei Exemplare von den neusten Carlsen- und Ehapa-Comics. Wunder über Wunder… 

Auf Hellboy hat das bisher noch keinen so großen Einfluß gehabt – leider. Langfristig wird es aber schon was bringen, da viele Comicfachhändler und auch Buchhändler nun endlich Notiz von uns nehmen. Durch die vielen Anfragen von Zeitungen, Zeitschriften und Internetmagazinen wächst natürlich auch unser Presseverteiler – das erleichtert uns die Arbeit bei zukünftigen Veröffentlichungen. Da die Verlagsarbeit aber neben unseren normalen Grafik-Jobs läuft, werden wir im Zuge des SIN CITY-Erfolgs jetzt nicht auf einmal durchstarten und alles mögliche herausbringen. Wir wollen weiterhin möglichst schöne Liebhaberstücke herausgeben und keine Massenware.

CG: War der für Kinofans ärgerlich späte Filmstart (im Vergleich zu den USA) Cross Cult sogar dienlich?

AM: Am Anfang hat es uns natürlich, wie schon bei Hellboy, sehr geärgert, dass der Film verschoben worden ist. Dem Filmeinspiel wird es definitiv schaden, da die US-DVD nur fünf Tage nach dem deutschen Kino-Start erscheint, aber für uns war die Verschiebung natürlich eher positiv. Nur so konnten wir drei Bände vor Filmstart veröffentlichen.

CG: Wann habt Ihr von der Verfilmung erfahren? War da schon die Sin-City-Neuauflage geplant, oder war diese eine Reaktion auf die Neuigkeit?

AM: Dass die Verfilmung kommt, war ja schon seit rund drei Jahren bekannt. Dass Rodriguez das dann so fix runtergekurbelt hat, war aber doch überraschend. Als der International Rights Manager von Dark Horse (SIN CITY US-Verlag) letzten August gemailt hat, dass SIN CITY der große Hype auf der San Diego Comic-Convention war, hab ich ihn einfach nach den Rechten gefragt.
Ich war schon lange Frank Miller-Fan (Year One, Born Again, Elektra Lives Again), hatte aber früher, als Jugendlicher, mit SIN CITY noch nicht viel anfangen können. Ich dachte mir, dass es vielen anderen auch so geht und viele ältere Leser den Stoff sicher gerne in einer Neu-Edition wieder oder neu entdecken wollen. Da der letzte deutsche SIN CITY Verlag, Schreiber & Leser, an einer Verlängerung der Veröffentlichungsrechte oder gar an Neuauflagen nicht interessiert war, bekamen wir auch gleich den Zuschlag.
Anscheinend waren wir der erste deutsche Verlag, der sich um die Herausgabe der Neu-Edition bemüht hatte – später gab’s aber noch drei andere, „große“ Interessenten. Die hatten dann aber leider das Nachsehen. 😉
Übrigens war das Format unserer Hellboy-Bände die Vorlage für die neue SIN CITY US-Edition, die ebenfalls im verkleinerten Format erschien, um sich im Buchhandel besser vermarkten zu lassen und sich von den alten US-Ausgaben deutlich zu unterscheiden. 

CG: Welche ungefähre Auflagenhöhe haben die drei Bände, die bis jetzt draußen sind?

AM: Die Erstauflagen lagen bei je rund 3.500 Exemplaren. Derzeit ist die dritte Auflage von Band 1 (2.000 Stück; 2. Auflage: 2.500 Stück) und die zweiten Auflagen von Band 2 (2.500 Stück) und 3 in Druck (2.000 Stück). Rund um den Filmstart werden die Bände leider zwischenzeitlich nicht lieferbar sein. Wir hatten zwar mit einer guten Nachfrage gerechnet, aber nicht SO gut. Spätestens ab dem 25. August werden alle Bände aber wieder verfügbar sein.
Und es werden ja noch weitere Bände folgen.

CG: Du warst  ja schon in der Pressevorstellung von Sin City. Wie zufrieden bist Du mitder Umsetzung?

AM: Bis auf die Filmmusik, die für meinen Geschmack zu künstlerisch dröge ist, und die fehlbesetzte Jaime King als Wendy/Goldie, bin ich hellauf begeistert! Ich bewundere vor allem den Mut von Rodriguez, ein Projekt mit so subversiven und teils unmoralischen Inhalten auf eigenes (finanzielles) Risiko anzupacken. Der Film ist so herrlich Anti-Hollywood, das es eine reine Freude ist! Die Comics wurden wirklich fast 1:1 umgesetzt, die düstere Atmosphäre ist super, das Brutalitätslevel am Anschlag, die Gags zünden…
Lediglich einige freizügige Szenen der Comics wurden leider entschärft – da haben wohl die Schauspielerinnen nicht mitgemacht. Ich bin schon auf die DVD gespannt, die die Storys der Comics dann wirklich 1:1, einzeln abspielbar, enthalten soll. Einige Szenen wurden für den Kinofilm ja rausgeschnitten.

CG: Im Vergleich zu Hellboy, gibt es bei Sin City ein größeres Interesse,sowohl von anderen Medien als auch von Lesern, an der entsprechenden Comicvorlage?

AM: Von Seiten der Fans war bei Hellboy mehr los. Was das Interesse der Medien angeht, ist bei SIN CITY dafür gut doppelt so viel los. Uns helfen bei SIN CITY aber auch die Kontakte, die wir schon bei Hellboy knüpfen konnten. Deshalb gibt’s viele Kooperationen mit Magazinen wie Max, Maxim, Cinema, Widescreen oder TV-Sendern wie Viva. Auch viele andere Medien, die über den Film berichten, weisen explizit auf unsere Comicausgaben hin. Das freut uns natürlich besonders.

CG: Gibt es Unterschiede oder Einschränkungen in der Handhabung desLizenzmaterials (Hellboy – Sin City)?

AM: Das ist wie Tag und Nacht. Mike Mignola ist der freundlichste und entgegenkommendste Comicschaffende, den man sich vorstellen kann. Weshalb wir bei Hellboy auch so viele Extra-Artikel und neue Pin-Ups machen können.
Bei SIN CITY ist alles ein langer Kampf. Freigaben gibt’s nur selten und dann nur, wenn Miller und sein Anwalt gerade mal sehr gute Laune haben. Seinem US-Verlag geht’s da auch nicht besser als uns. Das ist dann wohl der Unterschied zwischen „Star“ und „Superstar“. Ein Superstar muss sich wohl aus Image-Gründen wie eine ständig überarbeitete Diva benehmen… 

CG: Du hast auf der diesjährigen Comic Con zwar nicht Frank Miller, aber Mike Mignola perönlich kennengelernt. Wie war die Begegnung?

AM: Er saß an seinem Stand, den er sich mit Geoff Darrow teilte und hatte seine Mappe mit Originalseiten dabei – fast wie vor zehn Jahren. Allerdings waren die Hellboy-Originalseiten damals noch erheblich billiger. 😉 Jedenfalls hat er noch mal betont, wie klasse er unsere Ausgaben findet – das Format und besonders die deutschen Pin-Ups, auf die er sich jedes Mal sehr freut. Er war sehr entspannt und beantwortete freundlich alle Fragen seiner Fans. Dabei kam auch das Gespräch auf seinen Kult-Comic „The Amazing Screw-On Head“, der gerade als Zeichentrickserie umgesetzt wird. Ist zwar nur ein einzelnes Heft, aber das müssen wir demnächst endlich auch mal veröffentlichen.

CG: Danke für die Beantwortung der Fragen und weiterhin viel Erfolg mit Sin City und natürlich auch Hellboy (der 2. Teil wird ja gerade gefilmt)!

AM: Bitteschön! Sin City 2 wird, so wie es gerade aussieht, vor Hellboy 2 fertig. Wobei ich auf beide gleich gespannt bin. In Hellboy 2 wird auch der deutsche ektoplasmische Agent Johann Kraus eine wichtige Rolle spielen, der in unserem neuen September-Titel „B.U.A.P. 1: Hohle Erde“ ins Hellboy-Universum eingeführt wird (um noch ein klein wenig Eigenwerbung unterzubringen).

Update vom 8. August:
Einige Kinoketten wie CinemaxX und UCI Kinowelt boykottieren Sin City aufgrund der hohen Verleihgebühren.

Cross Cult
Gringo Comics
Schreiber & Leser

offizielle Homepage der Sin-City-Verfilmung (deutsch)
offizielle Homepage der Sin-City-Verfilmung (englisch)

 
  Sin City 1
 “Stadt ohne Gnade“

 Cross Cult
 216 Seiten, 19,80 Euro

  Sin City 2
 “Eine Braut, für die
 man mordet“
 Cross Cult
 224 Seiten, 19,80 Euro

 

  Sin City 3
 “Das große Sterben“

 Cross Cult
 196 Seiten, 19,80 Euro