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Comicfest München 2005
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| Öffnungszeiten einer Kneipe in der Großstadt |
Da ich nur von Freitagnachmittag bis Samstagabend mit dabei war, gibt’s von mir nun meinen persönlichen, aber zeitlich recht eingeschränkten Erfahrungsbericht (über all die fantastisch positionierten, Frustationsgrade explosionsartig nach oben treibenden Einbahnstraßen in München, nicht ausgeschilderten Orientierungspunkte wie z.B. den totaaal unwichtigen Hauptbahnhof oder eben die Museumsinsel, Taxiherden, in denen man sich fühlt wie ein Häschen in einer Gnustampede, und mysteriösen Öffnungszeiten in dem Stadtteil, in dem sich mein Hotel befand, will ich lieber keine Worte verlieren 😉 ).
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| Das Forum am Deutschen Museum |
Die Lage an sich fand ich recht schick. Macht schon was her, so auf einer Insel in der Isar. Die Räumlichkeiten waren an sich ausreichend, wobei mich ein wenig die für meinen Geschmack etwas zu zahlreich aufgestellten Stellwände gestört haben. Dadurch wirkte optisch alles etwas eingekesselt. Wie auch in Erlangen gibt es zwei Stockwerke. Im Erdgeschoss befanden sich die Aussteller und Händler, und im Keller die Ausstellungen und eine Bühne.
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| Der Eingang zum Comicfest |
Ein zweites, größeres Manko war das zeitweise lautstarke Überschneiden eines Vortrags und einer Animevorführung. Ist halt nicht besonders toll, gegen die Spice Girls anbrüllen zu müssen. Obwohl der Anime-Ton im Lauf des Vortrags dankenswerterweise leiser gedreht wurde, hatten beide Seiten vermutlich nicht unbedingt ihre Freude an der anderen Veranstaltung. Da sollte man im nächsten Jahr die beiden Orte noch etwas auseinander ziehen.
Am Freitag galt es für mich zuerst mal zu schnacken mit den Leuten, die man immer wieder gerne sieht. Außerdem habe ich unseren Cartoonisten Miguel Fernandez persönlich kennen gelernt und direkt mal in seinem ersten, druckfrischen Comic „Felsfest Open Air“ reinschauen können. Auch Gabor Racsmany von Blotch zählt zu meinen neuen in natura Bekanntschaften.
Ist echt nett, immer mal wieder die Leute hinter den mails und Zeichnungen kennen zu lernen. 🙂
| Ralf König (links) stellte sich den Fragen von Andreas C. Knigge |
Um 18 Uhr wurde der Stargast des Comicfests, Ralf König, von Andreas C. Knigge interviewt. Der etwas knötterig wirkende Comiczeichner erzählte aber seiner Miene zum Trotz sehr ausführlich und interessant über sein Schaffen und Tun. Dass er nicht sonderlich begeistert ist von den bisherigen Verfilmungen seiner Comics (Der bewegte Mann, Das Kondom des Grauens, Wie die Karnickel, Lysistrata), ist vermutlich bekannt. Interessant fande ich, dass er sich für seine Comics keine Skripte erstellt, sondern einfach drauf los zeichnet. Oft weiß er selber auch nicht, wie der Comic endet oder wie umfangreich er wird. So geschah es dann, dass sein neuer Comic „Dschinn Dschinn“ in zwei Teile aufgeteilt wurde, damit schon mal die ersten 170 (!) Seiten veröffentlicht werden können. Der erste Band, welcher aber wohl relativ abgeschlossen ist, erscheint in ein paar Wochen, am zweiten arbeitet Ralf noch.
Er selber liest kaum Comics. Als Medium fände er es für seine Geschichten wunderbar (er veröffentlicht seine Arbeiten seit 25 Jahren!), aber die meisten Comics auf dem Markt wären ihm zu unrealistisch und zu kurz. Dafür freue er sich sehr, wenn ihm doch mal was nach seinem Geschmack nach unter die Nase gehalten würde. So hätte es z.B. “Blankets“ geschafft, ihn zu fesseln.
Natürlich lag auch ein Augenmerk des Interviews auf dem schwulen Schwerpunkt in Ralf Königs Comics. Er sei immer noch etwas erstaunt, dass sich die Bände auch an Heterosexuelle verkaufe, so der Zeichner und Autor. In Spanien wäre das ähnlich wie in Deutschland, während die Comics in Frankreich noch nicht aus der Schwulenszene herausgefunden hätten. Vielleicht ändere sich das aber noch ein wenig dadurch, dass „Wie die Karnickel“ im Frühjahr auf dem wichtigen Comic-Festival in Angoulême mit dem Preis für das beste Comic-Szenario 2004 ausgezeichnet wurde.
Insgesamt wirkte der studierte Künstler, der schließlich einer der erfolgreichsten und bekanntesten Comiczeichner Deutschlands ist, auf eine angenehme Art abgeklärt und gleichzeitig bodenständig.
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| Ein König aus dem Jahr 1998 |
Von Ralf König waren auch Originale ausgestellt, einerseits Seiten aus den Comics, auf denen man sehen konnte, dass er nicht viel (oder gar nicht?) größer zeichnet als es nachher gedruckt wird, und andererseits auch einige Ölbilder aus den Neunzigern.
| Eine Blaustiftzeichnung von Thomas von Kummant |
Eine andere Ausstellung fand ich wirklich bemerkenswert, und zwar die von Thomas von Kummant zu „Die Chronik der Unsterblichen“. Einfach Wahnsinn, was für eine Atmosphäre
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| Ausstellung beim Comicfest 2005 |
der Mann in seinen Bilden heraufzaubern kann, das hat ja schon den Comic so beeindruckend gemacht. Und bei den Originalen kommt das nochmal besonders schön raus. Aber selbst mit einem einfachen Blaustift bekommt er stimmungsvolle Zeichnungen hin, von denen andere nur träumen können.
Richard Corben war ebenfalls mit einer Galerie seiner realistischen SciFi-Zeichnungen vertreten. Soweit ich das gesehen habe, waren aber leider keine Originale dabei – im Gegensatz zu Harvey Kurtzman, von dem zwei Originalseiten, unter anderem zu einer nicht veröffentlichten „Christmas Carol“-Geschichte, zu bestaunen waren.
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| Stefan Dinter bei seinem ersten Vortrag an diesem Tag. |
Am Samstag habe ich mir dann erstmal bei Stefan Dinters Vortrag angehört, wie man sich als Zeichner richtig bei einem Verlag bewirbt. Gewohnt flockig und tapfer gegen die Anime-Mucke ankämpfend ließ er so einige Tipps und Tricks springen inklusive ein paar warnender “Willkommen in der Welt der Freischaffenden“-Worte.
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| Es hatten sich eine Menge Nachwuchszeichner eingefunden. |
War sicherlich für die anwesenden Zeichenaspiranten recht interessant.
Ich glaube, Stefan könnte einem sogar aus dem Telefonbuch vorlesen, es wäre immer noch unterhaltsam.
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| Jan bei dem liebstem Hobby der Dinter-Brüder: unauffällig filmen |
Um 14 Uhr traf ich dann beim CosPlay-Wettbewerb einen zweiten Dinter, und zwar Jan, der eifrig seine neue Videokamera zur Aufnahme des Spektakels einsetzte (“Das ist wie bei ’nem Autounfall: man muss einfach hingucken“).
Und man höre und stauen: es gab sogar eine Figur, die wir kannten! Ein eher zierlicher junger Mann hatte sich als Hellboy verkleidet! An der Körpersilhouette hätte er noch etwas arbeiten müssen, aber der Rest sah richtig gut und nach echt viel Arbeit aus. Sogar die Finger der rechten Faust konnte er einzeln bewegen, wenn ich das richtig gesehen habe. Und wenn ich mich richtig erinnere, war er sogar in der Siegermannschaft.
Auch einige der anderen Köstume waren beeindruckend.
So sehr sich das Äußere der Darsteller unterschied, so unterschiedlich waren auch die schauspielerischen Leistungen auf der Bühne. Manche zogen ihr geprobtes Stück aber erstaunlich locker durch. Nicht schlecht.
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| Hellboy beim CosPlay |
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| Die CosPlay-Jury sieht noch nicht ganz überzeugt aus |
Irgendwie ist es schon komisch: die westlichen und die östlichen Comicfans waren auf derselben Messe anwesend, für jeden war was geboten, und trotzdem gab es kaum Überschneidungen. Die Mangaleute blieben unter sich (die gingen sogar am Samstag vor der ICOM-Preisverleihung und dem Spacken! Frechheit 😉 ) und schauten kaum bei den alteingesessenen Verlagen vorbei (Verlage mit Manga im Programm waren keine dabei), dafür wurden sie andererseits auch ganz gut ignoriert von den alten Hasen. Es war eher ein Nebeneinander als ein, vielleicht auch erstmal nur zaghaftes, Miteinander.
Mal sehen, ob das vielleicht doch noch irgendwann zusammenwachsen kann. Ich bin aber momentan noch sehr skeptisch.
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| FIL vor begeistertem Publikum |
Zum Abend hieß es für mich dann noch umziehen (schließlich hatte die Spacken-Jury den kongenialen Plan geschmiedet, uns alle geschniegelt und gebügelt zu präsentieren), und dann konnte es auch schon losgehen mit den Preisverleihungen. Davor trat noch FIL auf, Comiczeichner und Entertainer, von dem ich aber leider nur noch die letzten zehn Minuten mitbekommen habe. Ich denke aber, der heiteren Stimmung nach zu urteilen war sein Programm sehr witzig, und ich hatte garantiert was verpasst.
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| Burkhard Ihme mit einleitenden Worten |
Der ICOM Independent Comicpreis wurde von Burkhard Ihme eröffnet und dann von Harald Havas auf seine gewohnt lockere Art moderiert. Allerdings ist es halt trotz allem eine Preisverleihung und kein Unterhaltungsprogramm, insofern war es sicherlich kein leichtes Spiel, nach FIL auf die Bühne zu gehen.
Gewonnen hat in der Kategorie
+Bester Independent-Comic: Stefan Atzenhofer – Blue Moon of Kentucky (Schwarzer Turm)
+Bestes Fanzine: Herrensahne
+Bester Comicbeitrag (funny): Panik Elektro 2 beim Schwarzer Turm (funny?!)
+Bester Comicbeitrag (realistisch): Bosnian Flat Dog (Reprodukt)
+Bestes Szenario: Thomas Gilke – Import/Export (in EDIT 34)
+Sonderpreis: Deutsche Comicforschung 2005 (comicplus +)
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| Harald Havas moderiert und Bernd Glasstetter und Stefanie Urbig übergeben als Vorjahresgewinner die Urkunde für den Sonderpreis an Eckart Sackmann |
Lobende Erwähnungen erhielten
+Naomi Fearn – Dirt Girl (Zwerchfell)
+Die Piccolo-Reihe (Gringo Comics)
+Paul Hoppe – Die Schlange (Zwerchfell)
+Ulf K. – Sternennächte (Edition 52), Mawil – Die Band (Reprodukt), Tobias O. Meissner und Reinhard Kleist – Berlinoir 2 – Mord!
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| So hat ein Publikumspreisgewinn auszusehen! |
Nach der ICOM Preisverleihung ging es dann noch mit der Verleihung des Goldenen Spacken 2005 ans Eingemachte (die Vorausscheidung konntet Ihr ja hier auf Comicgate die letzten sechs Wochen mitverfolgen). Ich hatte davor quasi beim spontanen virtuellen Streichholzziehen verloren und die Anmoderation übernommen, der man die nicht vorhandene Vorbereitungszeit auch ein gaanz klein wenig angemerkt hat. Den Preis für den von den Lesern ermittelte Publikumssieger, ein von allen Verantwortlichen (besonders von Wittek) liebevoll verschönerter Panik Elektro 3 Band, erhielt Tobi Dahmen für sein Spackenpaar Nr. 75.
Von der Technik ging dann zum Glück alles in Ordnung (danke an Markus Gruber für’s Beamerbedienen).
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| Von Anni hängt’s jetzt ab: Gewinnt Anna-Maria oder Clemens? |
Die Jury war in schönster Schwatzlaune und so unnachvollziehbar, wie es vermutlich das gesamte Publikum erwartet – und erhofft – hat. Von den zehn Kandidaten wurden am Anfang direkt mal fünf rausgekegelt, damit man nicht so viel Arbeit hat. Dann wurde sich erstmal ausführlich über einige Einsendungen unterhalten, wobei die Jury die Beiträge von Sascha Ehlert auf eine gewissen Art und Weise anerkennend würdigte – niemand sonst hätte so kontinuierlich an seiner Linie festgehalten und sich so konsequent der Kritik und den Verbesserungsvorschlägen verweigert wie er. Man schmiedete auf der Bühne sogar schon Pläne für einen Goldenen Ehlert…
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| Auch am Ende noch totaaal gut drauf: die Juroren Eckart, Anni und Stefan mit dem Gewinner Clemens Kügler (der mit dem Goldenen Spacken in der Hand) |
Bei den letzten drei übriggebliebenen Anwärtern auf den Goldenen Spacken wurde dann nochmal abgestimmt. Letztendlich setzte sich Clemens Kügler mit der Nr. 44 gegen Anna-Maria Jung mit ihrer Nr. 27 durch.
Für diese Urteilsfindung benötigte die Jury mehr als eine geschlagene Stunde. Reife Leistung, meine Dame und Herren!
Für Verköstigung während der Preisverleihung war übrigens auch gesorgt, denn das Organisationsteam des Comicfests hatten sogar eine Torte mit dem Maskottchen der Messe anfertigen lassen. Herzlichen Dank dafür!
Nachdem wir dann noch abends mit einer Horde von 40 Comicleuten nach einer indifferenten Suche nach was Essbarem schließlich bei einem Italiener gelandet waren, der sicherlich trotz gequältem Gesichtsausdruck und später Stunde noch ein sehr gutes Geschäft mit uns machte, war mein Comicfest-Aufenthalt quasi zu Ende.
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| Hier der Beweis: Wittek (rechts) ohne Zöpfchen mit Spong beim Signieren von Panik Elektro 3 |
Ach ja, noch etwas Getratsche zum Schluss: Wittek hat sich vor wenigen Tagen sein kleines Markenzeichen-Zöpfchen abgeschnitten. 13 Jahre wär’s alt gewesen, und er hätte keinen Bock mehr drauf gehabt. Kann zumindest ich gut verstehen…
Zum Schluss noch ein Dankeschön an die Hauptorganisatoren des Comicfests, Elke Reinhart und Gerhard Schlegel von Laska Comix, Markus Gruber und Rainer Schneider!
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offizielle Homepage des Comicfests
Berichterstattung bei Splashcomics
Berichterstattung bei Highlightzone
Berichterstattung bei comic.de
Abschließend noch die Fakten zum PENG!, der bereits am Donnerstagabend verliehen wurde. Ausgewählt wurde der Gewinner von Fachleuten per mail-Abstimmung in zwei Wahlgängen.
Hier nun die sechs Kategorien und die entsprechenden Gewinner in fett (die jeweiligen zwei Alternativen hatten es im ersten Wahlgang ebenfalls in die Endauscheidung geschafft):
Bone von Jeff Smith (Carlsen)
Lucky Luke Werkausgabe (Ehapa)
Hellboy
4. Besondere Leistungen eines Verlegers
Dirk Rehm (Reprodukt)
Dirk Rehm ( Die Sputnik-Jahre)
Michael Hau ( Herbstfall)
Gerhard Förster ( Blueberry)
Wettbewerb: Spacken in Love 2005
Der Gewinner des Goldenen Spacken 2005 steht fest!
Im Rahmen des Münchner Comicfests 2005 wurde er am 3. September nach der ICOM-Preisverleihung von der gesprächigen und gut gelaunten Jury, bestehend aus Anni Gsottschneider, Eckart Breitschuh und Stefan Dinter, in einem nervenaufreibenden Showdown ermittelt.
Gewonnen hat Clemens Kügler mit dem Spackenpaar Nr. 44.
Oswald und Hannelore aßen am liebsten Brote mit grober Mettwurst. Sich gegenseitig die Zahnzwischenräume sauber zu lutschen, war nur eine weitere Facette ihrer wundervollen Beziehung.
Den Publikumspreis, ein von allen Juroren und Initiatoren signiertes und verschönertes Panik Elektro 3, konnte Tobi Dahmen mit der Nr. 75 (nach unten scrollen) abstauben.
Gestatten: die Bölkens aus Bretten!
Und noch einen Gewinner gibt es: wir verlosten unter allen Teilnehmern an der Publikumspreisabstimmung einen Überraschungspreis.
Herzlichen Glückwunsch an alle drei Gewinner!
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Alle wichtigen Infos sowie die Ergebnisse des letztjährigen Spackenwettbewerbs findet Ihr auf den Seiten von Schwarzer Turm. Unbedingt lesen, damit Ihr nachher nicht jammern könnt, man hätte Euch nicht gewarnt! *g*
Die 1. Spackenwoche (4 Einsendungen):
Zu allen Bewertungen
Direkt zu den Wochensiegern (Jonas Brühwiler und Adrian vom Baur)
Die 2. Spackenwoche (16 Einsendungen):
Zu allen Bewertungen
Direkt zum Wochensieger (Jörg Vogeltanz)
Die 3. Spackenwoche (13 Einsendungen):
Zu allen Bewertungen
Direkt zur Wochensiegerin (Anna-Maria Jung)
Die 4. Spackenwoche (12 Einsendungen):
Zu allen Bewertungen
Direkt zum Wochensieger (Clemens Kügler)
Die 5. Spackenwoche (14 Einsendungen):
Zu allen Bewertungen
Direkt zur Wochensiegerin (Lisa Polk)
Die 6. Spackenwoche (22 Einsendungen):
Zu den Bewertungen und den Jokerspacken
Direkt zum Wochensieger (Robert Kruemel)
Direkt zu den Jokerspacken
Gesamtübersicht aller eingesandten Spacken 2005 (Achtung: evtl. lange Ladezeiten für Analogmodem- und ISDN-User!)
Ganz gleich
Einige von uns dürften das gut kennen: man hat vor ein paar Jahren die Schule abgeschlossen und seine ländliche Heimat Richtung Großstadt verlassen, um dort zu studieren. Dazu gehört natürlich auch ausgiebiges Abhängen mit den Kumpels, Herumphilosophieren und gegenseitiges Popkulturwissen-Abfragen. Aber immer wieder passiert es, dass man mit dem alten Leben, das man doch hinter sich lassen wollte, konfrontiert wird – und solche Momente können schön, peinlich oder richtig ätzend sein.
Davon erzählt Derek Kirk Kim in „Ganz gleich“. Simon trifft nach einigen Jahren eine frühere Freundin wieder, mit der es leider nie zu einer Beziehung kam, und erfährt, dass sie bald heiraten wird. Mittelpunkt der Handlung aber ist die Suche nach einem Unbekannten: Simons Kommilitonin Nancy bekommt seit ihrem Umzug jede Menge Liebesbriefe, die an ihre Vormieterin gerichtet sind, die aber von Nancy gesammelt, gelesen und sogar beantwortet werden. Gemeinsam mit Simon beschließt sie, den mysteriösen Schreiber dieser Briefe ausfindig zu machen. Die Suche führt überraschend in das Dorf, in dem Simon aufgewachsen ist.
Die vordergründige Handlung ist aber nicht das Wichtigste an „Same Difference“ (so der Originaltitel): vielmehr geht es um die Darstellung von Befindlichkeiten und Stimmungen, die man in dieser Phase des Lebens hat. In den vielen kleinen Dialogen um eigentlich unwichtige Themen entstehen glaubwürdige Charaktere, in denen man durchaus sich selbst oder andere Menschen aus seinem Umfeld wiedererkennen kann. Eine Alltagsgeschichte also, mit einem autobiographischen Touch und melancholischen Momenten. Aber im Gegensatz zum Schwermut in manch anderen Comic-Selbstbespiegelungen (“Blankets“, „Eigentlich ist das Leben schön“) ist „Ganz gleich“ im Grundton sehr positiv und bietet auch viele lustige Szenen. Humor und Ernsthaftigkeit halten sich hier angenehm die Waage. Kim hat einen sehr stimmigen Erzählton für seine Geschichten gefunden, der übrigens auch in der deutschen Übersetzung von Björn Laser und Andreas Wieland sehr gut rüberkommt. Die zahlreichen Popkultur-Referenzen, z.B. Anspielungen auf obskure Filme oder Promis, die in Deutschland keiner kennt, werden dankenswerterweise von den Übersetzern in einem eigenen kleinen Anhang erklärt.
Dass Derek Kirk Kim, ebenso wie seine Hauptfiguren Simon und Nancy, aus Korea stammt, sieht man ein wenig an seinen Schwarz-Weiss-Zeichnungen: ein sehr hübscher Stilmix aus dem, was man von US-Indiecomics kennt, und einigen kleinen Manga-Anleihen, die zwischendurch aufblitzen. Kim erhielt im letzten Jahr den Eisner Award als „Talent Deserving A Wider Recognition“, also als Talent, das größere Aufmerksamkeit verdient. Genau das ist ihm zu wünschen.
Ganz gleich
Reprodukt
Text und Zeichnungen: Derek Kirk Kim
88 Seiten; 12 €
Gegen den Strich: Soundsuche
„Auschwitz“ und „Yossel, 19. April 1943“
Im Mai 2005 erschienen in der Ehapa Comic Collection zeitgleich zwei ungewöhnliche Werke, die beide das Thema Holocaust behandeln; „Auschwitz“ vom Franzosen Pascal Croci und „Yossel, 19. April 1943“ vom Amerikaner Joe Kubert.
Auf den ersten Blick haben diese beiden Graphic Novels viel gemeinsam. Schließlich haben beide den Anspruch, von der Judenvernichtung während des „Dritten Reichs“ zu erzählen, und beide tun dies durch fiktive Geschichten, die sich aber trotzdem authentisch anfühlen und historisch akkurat sein sollen. Trotz aller grundsätzlichen Gemeinsamkeiten sind „Auschwitz“ und „Yossel“ jedoch zwei sehr unterschiedliche Werke.
Das beginnt schon bei der Grafik. Sowohl Pascal Croci als auch Joe Kubert lassen die Farben weg, so wie das auch Steven Spielberg in seinem Film „Schindlers Liste“ gemacht hat, der von Croci im Anhang als Vorbild und Referenz angegeben wird. Davon abgesehen sieht „Auschwitz“ jedoch völlig anders aus als „Yossel“: Pascal Croci verwendet die gewohnte Comic-Sprache, also ein Seitenlayout, das aus mehreren Panels besteht, und Dialoge in Sprechblasen. Ganz anders bei Comicveteran Joe Kubert: „Yossel“ sieht eher aus wie ein Skizzenbuch. Es gibt keine umrahmten Panels, die Bleistiftzeichnungen bleiben im groben Entwurfsstadium und werden von Textboxen begleitet, Sprechblasen gibt es keine. Das sorgt für eine größere Verfremdung und Abstraktion, man bleibt als Leser etwas mehr auf Distanz.
Beide Comics legen einen Schwerpunkt auf die Schilderung des grausamen Alltags, mit dem die Gefangenen im KZ bzw. im Ghetto konfrontiert waren und versuchen darzustellen, wie der Einzelne damit umging.
In „Auschwitz“ wird die zentrale Geschichte von einer Szene umrahmt, die 1993 in Ex-Jugoslawien spielt und das Geschehen damit in einen historischen Kontext stellt. Ein jüdisches Ehepaar erinnert sich angesichts des Bürgerkriegs an den Holocaust und daran, wie sie gemeinsam mit ihrer Tochter nach Auschwitz gebracht wurden. Dabei wird die erste Hälfte aus der Sicht des Mannes und die zweite aus der Sicht seiner Frau erzählt.
Der Ich-Erzähler in „Yossel“ ist dagegen ein 15-jähriger Junge, begeisterter Comiczeichner, der ins Warschauer Ghetto gehen muss und sich dort am Aufstand, der am titelgebenden 19. April 1943 begann, beteiligt. Sein Zeichentalent sichert ihm für eine Weile das Überleben, da die Nazischergen sich von ihm gerne als “Übermenschen“ zeichnen lassen und er deswegen nicht wie so viele andere nach Auschwitz deportiert wird. Was dort an Unvorstellbarem geschieht, erfährt Yossel erst, als ein KZ-Insasse, der aus Auschwitz fliehen konnte, im Ghetto davon erzählt.
Kuberts Erzählperspektive ist eine „Was-wäre-wenn“-Sicht auf sein eigenes Schicksal, das ihm hätte passieren können, wenn seine jüdische Familie nicht 1926 (zwei Monate nach seiner Geburt) aus Polen nach Amerika emigriert wäre. Dadurch wird „Yossel“ zu einer sehr persönlichen Geschichte.
Croci, der diese biographische Verbindung nicht hat, gründet seine Geschichte auf verschiedene Gespräche, die er mit Überlebenden geführt hat. Dafür legt er einer Figur Wort in den Mund, die (laut Anhang) seine eigenen sind: sie fragt, ob sich Menschen nicht „in Frieden hassen“ könnten, anstatt sich zu bekriegen und zu vernichten. Seiner Ansicht nach ist die christliche Forderung nach Nächstenliebe eine Illusion und ein brüderliches Miteinander verschiedener Religionen unmöglich. Zweifellos eine provokante Position, über die sich durchaus streiten lässt. Ob es allerdings sinnvoll ist, eine solche These in einem zeitgeschichtlichen Comic zum Thema Holocaust zu verpacken, ist fraglich.
Neben diesem etwas unangenehmen Beigeschmack ist bei „Auschwitz“ auch die Kürze des Albums problematisch. 76 Seiten sind nicht viel, wenn man möglichst viele Eindrücke der Vernichtungslager vermitteln will. Stellenweise wirkt es daher ein bisschen so, als wenn Croci hastig einzelne Punkte abhakt, um danach gleich zum nächsten zu eilen.
Dadurch ist für mich persönlich unterm Strich „Yossel“ das bessere Werk. Joe Kubert erzählt ruhiger und ausführlicher, der Leser bekommt tiefere Eindrücke als bei Croci. Im letzten Drittel läuft Kubert allerdings Gefahr, den Spannungsbogen zu sehr anzuziehen und den Leser in einer Verfolgungsjagd um Yossels Leben fiebern zu lassen als wäre das ein Hollywood-Actionreißer.
Sowohl „Auschwitz“ als auch „Yossel“ haben also ihre Schwächen, dennoch ist die Lektüre beider Bücher empfehlenswert. Beide sind grafisch absolut überzeugend und eine passende Antwort auf die Frage, ob es überhaupt legitim ist, dieses Thema in einem Comic zu behandeln (wie die Bild-Zeitung bei Erscheinen der beiden Bände besorgt fragte).
Diese Frage hat allerdings schon vor Jahren Art Spiegelman mit „Maus“ eindeutig beantwortet und damit einen Maßstab gesetzt, dem weder „Yossel“ noch „Auschwitz“ das Wasser reichen können.
| Auschwitz Ehapa Comic Collection Text und Zeichnungen: Pascal Croci 128 Seiten; 22,- Euro
Zur Leseprobe |
Yossel, 19. April 1943 Ehapa Comic Collection Text und Zeichnungen: Joe Kubert 88 Seiten; 16,- Euro
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Gegen den Strich: Brauner Bär
Comicmovie Datenbank: Sin City
Seit kurzem läuft die lang erwartete Verfilmung von Frank Millers „Sin City“ endlich auch in den deutschen Kinos. Aus diesem Anlass gibt es hierzu einen ausführlichen Eintrag in unserer Comicmovie Datenbank.
Neben einer umfassenden Inhaltsangabe (Achtung Spoilergefahr!) findet ihr eine kleine Liste bemerkenswerter Besonderheiten und natürlich eine ausführliche Bewertung des Films.
Bitte hier klicken!
Betelgeuze 1-3
Ich muss gestehen, die wenigen frankobelgischen Serien, mit denen ich bis jetzt in Kontakt kam (Blueberry, Rubine, Michel Vaillant), haben mein Interesse nicht gerade gefördert, weitere Comics dieser Art kennen zu lernen.
Zum Glück hat mich die Inhaltsbeschreibung von Betelgeuze doch neugierig gemacht. Denn ansonsten hätte ich eine der besten Comicserien, die ich bis jetzt in diesem Jahr gelesen habe, verpasst.
Momentan gibt es drei Bände auf deutsch, aber weitere sind bereits in Vorbereitung.
Ein Forschungstrupp hatte sich zum sechsten Planeten des Sterns Betelgeuze aufgemacht, um die überprüfen, ob dieser besiedelt werden könnte. Der Kontakt brach aber unerklärlicherweise ab. Sechs Jahre lang hat man nichts mehr von ihnen gehört.
Außerdem sendet ein geheimnisvolles Wesen, Mantrisse genannt, Signale von dem Kolonialplaneten Aldebaran nach Betelgeuze. Nun soll ein neu entsendete Gruppe herausfinden, was auf dieser fremden Welt passiert ist…
Betelgeuze ist die direkte Fortsetzung der fünfteiligen Serie Aldebaran (auch erschienen bei Epsilon), die ich aber (noch) nicht gelesen habe. So habe ich mich also als Neueinsteiger in das Universum von Leo (Luiz Eduardo de Oliveira) gewagt.
Das geht auch erstaunlich gut. Außer, dass ich noch nicht viel über die Mantrisse weiß, habe ich nicht das Gefühl, dass mir wichtige Kenntnisse fehlen.
Leo erschafft mit zurückhaltenden, unspektakulären Bildern seine eigenen Welten. Dabei scheint seiner Fantasie keine Grenzen gesetzt zu sein, wenn es darum geht, sich fremdartige Pflanzen und Tiere auszudenken. Gerade der realistische Zeichenstil macht das Ganze umso faszinierender und glaubwürdiger.
Leider steht das genau dann ein wenig im Weg, wenn man die Cover als Kaufanreiz auslegen möchte. Diese sind nämlich – zumindest für jemanden, der die manchmal fast schon aggressiven Cover der US-Comics gewohnt ist -, viel zu schlicht, als dass sie einen neugierig machen.
Aber nicht nur zeichnerisch beherrscht der Mann sein Handwerk. Selten habe ich eine Geschichte so verschlungen, die angenehmerweise immer mal wieder ein paar Haken schlägt und deshalb nie langweilig wird. Neben der Suche nach den Geheimnissen von Betelgeuze gibt es auch noch die zwischenmenschliche Ebene, durch die der Leser die Protagonisten nach und nach kennen lernt. Die Charaktere wirken überzeugend (wenn auch in seltenen Fällen etwas stereotypisch), und man fiebert mit, wie es weitergeht.
Ein Detail ist mir besonders aufgefallen: Leo scheut sich nicht, seine Figuren nackt zu zeigen. Eigentlich sogar auffallend oft. Aber da das nie aufgesetzt oder aufmerksamkeitsheischend wirkt, ist es einfach eine nette, fast befreiende Abwechslung zu den nackedeifreien US-Comics.
Ein spannender und trotzdem angenehm unaufgeregter Comic, dessen Handlung man fasziniert mitverfolgt und der seinen Preis absolut wert ist. Mein erster Comic dieses Jahr mit der Höchstnote. Hoffentlich bringt Epsilon bald den vierten Band heraus!
Betelgeuze 1: Der Planet
ISBN 3-932578-30-9
Betelgeuze 2: Die Überlebenden
ISBN 3-932578-48-1
Betelgeuze 3: Die Expedition
ISBN 3-932578-59-7
Autor, Zeichnungen: Leo
Epsilon Verlag
je 48 Seiten, farbig, Softcover
je 9,- Euro
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Betelgeuze-Seite von Epsilon (mit direkter Bestellmöglichkeit)
offizielle Aldebaran-/Betelgeuze-Seite von Dargaud (frz. Verlag)
schöne Fanseite zu Leo und Aldebaran…
… sowie Betelgeuze (auf französisch)
Jenseits der Zeit
Gute Freunde tun manchmal etwas merkwürdige Dinge: Mutproben, Doktorspielchen, den Nachbarn ärgern… Vielleicht haben auch Georges Abolin und Oliver Pont solche Sachen gemacht. Seit ihrer Kindheit in Südfrankreich hat sich einiges verändert, doch die gemeinsame Leidenschaft für Comics ist geblieben. Im vergangenen Jahr erschien im Verlag Dargaud die jüngste Produktion der beiden, der Comic-Roman Jenseits der Zeit, in Deutschland seit kurzem bei Carlsen erhältlich. Darin geht es – Wen wundert’s? – um Freundschaft.
William fühlt sich noch nicht so richtig wohl in seinem neuen Zuhause. Die Leute aus dem kleinen Dorf Barellito sind eigenartig und nicht besonders freundlich. Noch kennt er hier niemanden. Zwar ist das Wetter in Italien besser als in London, aber ihm fehlen seine alten Freunde. Das Anwesen, das seine Eltern geerbt haben, ist alt und baufällig, überall liegt Staub, und es riecht komisch. Allerdings ist die Aussicht gut und man kann jederzeit im Meer schwimmen gehen. Zu dem Haus gehört ein Landungssteg. Dort soll bald ein prächtiges Dampfschiff anlegen, mit dem sein Vater losfahren und viele Fische fangen will.
Zum Glück gibt es Lisa. Sie ist auch nicht von hier. Seit einigen Jahren lebt das schwarzhaarige Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater nebenan, auf dem Nachbargrundstück. Sie ist ein wenig verrückt, aber freundlich und humorvoll. Zusammen erkunden William und Lisa die Steilküste, gehen schwimmen und beobachten heimlich die Dorfbewohner. Ein bisschen ist William in sie verliebt, das muss er zugegeben. Neben dem schüchternen Rotschopf gibt es in Lisas Leben noch zwei weitere Freunde, den pummeligen Nino und den halbstarken Paolo. Die Vier bilden bald eine feste Clique, albern herum und genießen den Sommer. Es scheint so, als hätte sie das Schicksal zusammengeführt.
Georges Abolin, Olivier Pont
Carlsen Hamburg 2005 (Erstausgabe Dargaud: Paris 2004)
202 Seiten, Hardcover, farbig
29,90 Euro
ISBN 3-551-78371-3
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