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Aldebaran 1-5

Science-Fiction verbindet man spätestens seit der Zeit von Star Trek und Star Wars gerne mit riesigen Raumschiffen und spektakulären technischen Erfindungen, mit Weltraumschlachten und feindlichen Aliens. Wer das vom fünfteiligen Aldebaran-Zyklus erwartet, könnte enttäuscht werden. Aldebaran ist das genaue Gegenteil. Man fühlt sich eher in die Vergangenheit zurückversetzt. Es geht nicht um Hochtechnologie, sondern um das (Über-)Leben auf einem fremdartigen Planeten mit seiner fantastischen, aber teils auch sehr gefährlichen Flora und Fauna.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht jedoch ein noch viel geheimnisvolleres Wesen: der Mensch mit all seinen Facetten.

Die Menschheit hat den großen Sprung geschafft und einen fremden Planeten besiedelt; Aldebaran-4, der 64 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Doch nach einiger Zeit ist der Kontakt zur Erde abgebrochen, so dass die Zivilisation von Aldebaran seit 100 Jahren isoliert ist. Fernab von der Erde hat sich auf Aldebaran eine einfache Zivilisation entwickelt. In einem kleinen, beschaulichen Fischerdorf leben unbeschwert Kim Keller (13) und Marc Sorensen (17). Eine Katastrophe macht aus diesen beiden Teenagern eine ungewollte Schicksalsgemeinschaft, die sich zusammen gegen eine teils feindliche Natur und gegen eine diktatorische Regierung durchschlagen muss. Der Leser begleitet die Jugendlichen auf ihrer Reise über den Planeten und lernt mit ihnen die fantastische Natur dieser Welt kennen.

Mit viel Einfallsreichtum hat Luis Eduardo de Oliveira (Leo) beeindruckende Lebensformen und Landschaften geschaffen wie z. B. einen Sandtintenfisch, einen Caravelli (der eine Kombination zwischen Ballon, Drache und Dinosaurier ist) oder die geheimnisvolle Mantrisse in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Die Faszination von Aldebaran beruht also nicht auf irgendwelcher Wundertechnik, sondern auf der Erkundung und Erforschung einer unbekannten Welt.

Aus der Sicht der Teenager wird dem Leser aber auch ein grausames, tyrannisches politisches System vorgeführt. Mit großer Vehemenz lernen die beiden die auf dem Planet herrschende Diktatur kennen. Polizei und Priester als Symbole der Staats- und Kirchenmacht führen ein totalitäres Regime, in dem die Presse- und Kunstfreiheit eingeschränkt ist, Unschuldige verfolgt und ohne Prozess auf Dauer inhaftiert werden und sogar Frauen zur Schwangerschaft gezwungen werden sollen. Alles geschieht aus Sicht der Tyrannen nur zum Wohl des Volkes, damit das Überleben auf Aldebaran gesichert wird. Dass ein Überleben grundsätzlich auch ohne Tyrannei möglich wäre, zeigt Leo am Anfang des ersten Bandes mit dem kleinen Fischerdorf.
Mit den Schilderungen verarbeitet Leo, der 1944 in Rio de Janeiro geboren wurde, seine Erfahrungen aus Südamerika.

Doch die Teenager entdecken nicht nur diese Welt, sondern auch die erste große Liebe und machen die ersten sexuellen Erfahrungen. Die daraus entstehenden zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikte nehmen weite Teile der Geschichte ein. Leo greift dabei auf die üblichen Klischees zurück, wie z. B. die unerfüllte Liebe zu einem idealisierten Mädchen oder die Verführung durch eine ältere, verheiratete Frau. Die Erlebnisse sind so geschildert, dass man sich damit leicht identifizieren kann. Automatisch denkt man an seine eigene Jugendzeit zurück. Man kann sich gut in die Personen hineinversetzen. Ein wenig übertrieben ist vielleicht, dass fast alle Frauen den jungen Ich-Erzähler rumkriegen wollen. Leo nutzt dies, um den Leser mit einigen wohlgeformten Körpern zu erfreuen, wobei die Grenze zur Jugendgefährdung nie überschritten wird.

Reizvoll ist auch, dass wir die Charaktere über mehrere Jahre mitverfolgen können. So wird aus Kim, der frechen, kleinen, dürren Göre, im Laufe der Bände eine junge, ansehnliche Frau.
Die Bände haben auch gewisse religiöse Elemente. Leo stellt einerseits die Institution der Kirche negativ dar, indem er die Priesterschaft zu Mitgliedern des totalitären Systems werden lässt. Getrennt von dieser Kritik sind in den Bänden aber Situationen geschildert, die mich an biblische Ereignisse erinnern: die Sintflut, die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies und das Jüngste Gericht.

Zeichnerisch sind die Bände zwiespältig. Neben der überragenden und wundervollen Darstellung der Natur fallen die Zeichnungen bei den menschlichen Charakteren ein wenig ab. Das zeigt sich insbesondere an den Gesichtern, die manchmal einen bewegungslosen, zementierten, eingefrorenen Eindruck hinterlassen, so dass die Mimik begrenzt erscheint und Gefühlsregungen nicht immer besonders gut zu erkennen sind. Dieser Eindruck wird meines Erachtens durch die gleichförmigen Lippen der Personen und teilweise ins Leere starrende Augen erweckt. Leo ist aber damit immer noch meilenweit vom Einheitsgesicht von Jean Graton bei der Serie Michel Vaillant (Seven Island) entfernt. Man muss dies aber als seinen Zeichenstil akzeptieren, auch wenn mir Gesichter in anderen Comics besser gefallen. Das gilt ebenso für seinen fast gänzlichen Verzicht auf Bewegungs- bzw. Actionlinien, so dass die Bände insgesamt eher ruhig daherkommen. Damit wird ein beschaulicheres Ambiente geschaffen, das zu diesem Comic aber passt, da Aldebaran  bei weitem kein Actioncomic sein will.

Wenn ich schon mal bei den Schwächen bin, bleibt noch zu erwähnen, dass ich an einzelnen Stellen die Dialoge für Teenager etwas zu abgehoben empfunden habe. Das waren dann eher gepflegte Konservationen zwischen zwei Heranwachsenden als eine ungezwungene Plauderei zwischen Teenagern.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Aldebaran eine wunderbare Kombination aus Science-Fiction, Politik, Religion und Zwischenmenschlichem. Dazu noch eine gehörige Portion Geheimnisvolles und Spannung.
Insgesamt gehört für mich die fünfteilige Serie, einschließlich der Nachfolgeserie  Betelgeuze (zur Rezension der Bände 1 bis 3), zu den schönsten frankobelgischen Reihen.
Übrigens ist für den Dezember 2005 beim Epsilon Verlag ein Sammelband mit der Gesamtausgabe von Aldebaran angekündigt (ISBN 3-932578-99-6, 244 Seiten, farbig, HC 50,- Euro).

Aldebaran 1: Die Katastrophe
ISBN 3-932578-18-X
Aldebaran 2: Die Blonde
ISBN 3-932578-17-1
Aldebaran 3: Das Foto
ISBN 3-932578-20-1
Aldebaran 4: Die Gruppe
ISBN 3-932578-22-8
Aldebaran 5: Das Wesen
ISBN 3-932578-25-2
Autor und Zeichnungen: Leo
Epsilon Verlag
je 48 Seiten , farbig, Softcover
je 8,80 bis 10,- Euro

Epsilon Verlag

Flix

Comicgate: Hallo Flix, seit kurzer Zeit ist Dein neuer Comic „VerFLIXt!“ draußen, der diesmal keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern eine Sammlung Deiner Cartoons, die u.a. im Internet bei uns zu lesen sind, enthält.
Seit wann hast Du die Idee, die Strips gedruckt zu bringen? Oder war das eine Idee von Deinem Verlag Carlsen?

Flix: Die Idee zu dem Band entstand, als gerade „sag was“ fertig war und ich mit meinen Redakteuren bei Carlsen zusammen saß und wir die Zukunft planten. Sie wollten gerne so schnell wie möglich einen neuen Comic à la „held“ oder „sag was“ haben, und ich sagte, dass das nicht so schnell ginge, weil ich erst was erleben muss, bevor ich einen neuen Band zeichnen kann. Und dafür bräuchte ich Zeit. Vor 2006 sei nicht mit einem neuen Comic zu rechnen. Eher später. Und da ihnen das eine zu lange Wartezeit bis zum nächsten Flix-Buch war, haben wir überlegt, was man noch machen könnte. Mir sind dabei meine Cartoons zunächst gar nicht eingefallen, weil die für mich immer so ein Nebenbei-Produkt waren, die zwar entstanden, aber nicht für eine Buchveröffentlichung taugten. Dachte ich. Na ja, der Verlag sah das anders.
Antje Haubner und die anderen Carlsen-Leute kannten die Gags aus dem Internet, haben um eine Auswahl davon gebeten, sie sich dann gemeinsam angeschaut und sehr gelacht. Damit war für sie sofort klar, dass das das nächste Flix-Buch werden sollte.
CG: Wie viele VerFLIXt!-Toons hast Du denn insgesamt mittlerweile schon gezeichnet?

Flix: Ich weiß es nicht, aber ich schätze so circa 200 Stück. Viele davon „gehen“ aber aus heutiger Sicht überhaupt nicht mehr. Ich hab ja nicht aus Überzeugung angefangen Cartoons zu machen, sondern einfach weil sich immer mal wieder ein paar Ideen gefunden haben, die ich zwar schön fand, aber in keinem Comic unterbringen konnte. Darum habe ich dann Ein-Bild-Witze draus gemacht. Und die dann zur Unterhaltung meiner Freunde per E-Mail rund geschickt. Das war so ca. im Jahr 2001. Ein paar Witze waren gut, aber nur die wenigsten. Der erste Witz, den ich gezeichnet habe, war übrigens „Das andere Links“; der hat es sogar (in überarbeiteter Form) ins VerFLIXt!-Buch geschafft. Aber ansonsten ist aber von den frühen Gags völlig zu Recht viel im Mülleimer gelandet.
CG: Wie zeichnest Du sie – analog, digital oder halb/halb?

Am Anfang waren es ganz einfache Kuli-Kritzeleien. Ohne Vorzeichnung direkt aufs Papier. Dann kamen ein paar Copic-Graustufen dazu. Dann ein bisschen Copic-Farbe. Die waren blöd zu scannen, aber das war egal. Durfte ruhig krampig aussehen, war ja „nur“ ein Nebenprodukt. Mehr Gedanken um die Optik habe ich mir erst dann gemacht, als die Gags hier auf comicgate.de veröffentlicht wurden und kurz darauf bei der Saarbrücker Zeitung. Da dann das Nachjustieren der gescannten Copic-Farben am Rechner zu aufwändig wurde, habe ich begonnen, die Zeichnungen gleich am Rechner zu kolorieren. Erst ziemlich bunt. Und dann immer reduzierter in den Farben, bis sich dieser
etwas monochrome Style eingestellt hat, den die Toons heute haben und der mir sehr gefällt.
CG: Wie lange brauchst Du in etwa für einen Toon? Und zeichnest Du jede Woche einen, oder immer mal wieder ein paar und pausierst dann?

Flix: Ich hab hier neben meinem Schreibtisch eine Ablage, in deren obersten Fach Scribbles für Cartoons lagern. Die mache ich, wann immer mir einer einfällt.
Und dann, wenn ich mal wieder ein paar Cartoons zeichnen muss, weil die Abgabe für die Zeitung drückt oder das Buch oder was auch immer, dann gucke ich die Scribbles durch und suche mir die schönsten vier bis fünf Stück raus. Die werden dann überarbeitet und ins Reine gezeichnet. Das Zeichnen selbst dauert etwa eine Stunde pro Cartoon, das anschließende Kolorieren am Rechner, je nach Detailvielfalt, ein bis zwei Stunden.
CG: Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen „Cartoon“ und „Toon“, und warum benutzt Du oft (und ich auch, dank Dir 😉 ) letzteren Begriff?

Flix: Gute Frage. Ich mag das Wort „toon“ lieber, obwohl ich es synonym für „Cartoon“ verwende. Ich glaube, es klingt frischer und ein bisschen weniger nach Uli Stein-Mäusen.

CG: Haben die Toons im Band ein Oberthema? Nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?

Flix: Das Oberthema des ersten VerFLIXt!-Buches ist im weitesten Sinne „Mann und Frau, Liebe und Beziehung“. Das hat sich aus dem vorhandenen Material ergeben, die meisten guten Gags haben sich irgendwie darum gedreht. Zudem wird mir auf Grund meiner Comics von Verlagsseite aus bei diesem Thema eine gewisse Expertise zugetraut. Wie dem auch sei…
Auf jeden Fall passt der Band so ganz gut zu meinen letzten Büchern, auch wenn es eben eine Cartoon-Sammlung ist und kein Comic.
CG: Du hast alle Toons, die es in den Band geschafft haben, neu gezeichnet. Was hat Dich an den alten Versionen gestört?

Flix: Hauptsächlich das Aussehen. Ich wollte, wenn ich schon einen Cartoonband mache, dem Leser kein wildes Sammelsurium meiner Zeichnungen der letzten Jahre anbieten, sondern ein rundum schönes Buch. Es sollte trotz der fehlenden durchgehenden Geschichte eine durchgehende Optik haben, einen roten Faden, eine kleine Dramaturgie. Für meine Begriffe sind die meisten Cartoonbücher zu knallig, als ob sie dem potentiellen Käufer sagen wollten: „Ich bin quietschbunt, also bin ich lustig!“ Das mag ich nicht.

   
 die alte Version  die neue Version
CG: War es schwierig, sich für ein Titelbild zu entscheiden? [Ich persönlich denke ja, dass Du lustigere Ideen in petto hast…]

Flix: Nein. Einer meiner ersten Vorschläge war das Blumenmädchen und der Bienenmann, und das war auch von Verlagsseite sehr willkommen. Die beiden auf dem rosa Hintergrund drücken genau das aus, warum es geht: FrauenMännerMissverständnisse. Ursprünglich war die Szene ein Cartoon und hatte die Unterzeile „Wenn Waldorfschüler Liebe machen“. Aber das Bild funktioniert auch ohne zusätzlichen Text.
CG: Hast Du eigentlich einen Lieblingstoon?

Flix: Ja. Der ist im großen Rattelschneck-Buch, und da liegt ein Mann auf dem Boden, und seine Frau kommt rein und sagt: „Mensch Hans! Du hier tot auf dem Boden?! So kenn ich Dich ja gar nicht!“ Fantastisch!!! Darüber muss ich immer wieder lachen. Den hätte ich gerne selber gemacht.

CG: Und von Deinen eigenen, welcher gefällt Dir da am besten?

Flix: Von meinen eigenen ist der Gag mit dem Holzfällerpärchen, wo beide unter einem umgesägten Baum liegen und er „Shit!“ sagt und sie: „Aber über mich lachen.“, mein liebster.
Der ist so simpel und so treffend und so doof, das gelingt nur selten. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin. Es scheint, als wäre der einfach da gewesen.

Ursprünglich lagen dort sogar drei Personen mit je einem Baum drauf. Aber mit zwei Personen funktioniert er einfach noch besser.

CG: Was hat es mit Deiner Aktion “Flix liest laut“ auf sich?
Flix: „FLIX LIEST LAUT“ ist der Titel meine Lesetour, die ich im Oktober durch Deutschland und (zum ersten Mal) Österreich machen werde. Ich lese dabei aus meinen Comics vor, hauptsächlich aus „held“ und „sag was“, mache dazu passende Geräusche und etwas Musik, und währenddessen werden die Bilder des Comics auf eine große Leinwand projiziert. Das Ganze dauert ca. 80 bis 90
Minuten und ist eine Mischung aus Hörbuch und Kino. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder festgestellt, dass Comic-Signierstunden, die nicht auf Messen stattfinden, meist eher mäßig besucht sind.
Und mal ganz ehrlich: warum sollte da auch jemand hingehen? Wenn man kein eingefleischter Comic-Fan ist, ist es nicht sehr spannend zu sehen, wie sich jemand über ein Buch beugt und eine kleine Zeichnung hineinkritzelt, dabei hochkonzentriert und kaum ansprechbar ist. Man steht also daneben, wartet und dann geht man wieder. Da fehlt für den Besucher definitiv der Unterhaltungsfaktor.
Vorgelesen bekommen aber viele gerne. Jeder, der mal gebabysittet hat, weiß das aus eigener Erfahrung. Und dass es auch für Erwachsene interessant ist, belegen gut sichtbar das rasante Wachstum des Hörbuchangebotes und die steigende Zahl von Lesebühnengründungen in der ganzen Republik. Was liegt da näher, als auch Comicgeschichten vor Publikum vorzutragen. Für Leute,
die meine Comics bereits kennen, ist es schön, sie auch mal zu hören, und für Leute, die meine Comics nicht kennen, ist es ein guter Einstieg. Letztes Jahr habe ich in Darmstadt vor knapp 200 Leuten gelesen. Das macht viel Spaß.

CG: Hast Du da noch Lampenfieber, oder fühlst Du Dich wohl in der Rolle des Alleinunterhalters? Könntest Du Dir vorstellen, auch mal richtig auf die Bühne zu gehen, also was nicht mehr wirklich viel mit Comics zu tun hat, so wie z.B. Fil?

Flix: Fil ist ein ganz Großer! Mit ihm möchte ich mich wirklich nicht vergleichen. Der hat’s einfach im Blut, der macht eine richtige Show mit allem Drum und Dran. Ich bin kein Entertainer. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Ich kann nicht Gitarre spielen, ich kann nicht singen. Auch frei reden auf der Bühne fällt mir nicht leicht; jeder der in Erlangen 2004 im Markgrafentheater dabei war, weiß das. Aber Lesen habe ich mal gelernt, da habe ich eine richtige Ausbildung gemacht, und das wäre ja schade, wenn das im Beruf keine Rolle mehr spielen sollte.
Ich lese gerne und gerne auch vor. Wie groß das Publikum ist, spielt dabei keine Rolle. Das ist schön, wenn es nur meine Freundin ist, wenn es ein gemütlicher Vorleseabend mit Freunden ist oder eben auch vor vielen fremden Menschen. Wenn ich ein Buch in der Hand habe, habe ich ja einen Leitfaden, an dem ich mich den Abend über entlanghangeln kann. Ich muss nichts auswendig wissen, keine Stichworte treffen oder ähnliches, sondern kann Seite um Seite vortragen. Dann bin ich nicht aufgeregt, das geht dann meistens ganz gut.

CG: Liest Du nur in den vier Städten, die auf Deiner Homepage stehen, oder gibt es noch mehr Stationen? Wonach habt Ihr die Städte ausgesucht?

Flix: Es gibt noch mehr Stationen. Insgesamt sind es im Moment sechs Abende in sechs verschiedenen Städten. Saarbrücken, Heidelberg, Darmstadt, Wien, Hamburg und Hannover.
Die Städte wurden danach ausgesucht, wo es engagierte Buchhändler gibt, die sich auf das „Wagnis“ Comic-Lesung einlassen wollen. Wenn der Buchhändler vor Ort nicht wirklich überzeugt ist, dass
das eine gute Sache ist, dann ist es besser, den Ort nicht zu besuchen.
Denn natürlich läuft eine Comic-Lesung anders ab als eine klassische Signierstunde, ist ein bisschen komplizierter in der Vorbereitung. Es ist ja eine Abendveranstaltung, findet also außerhalb der üblichen Öffnungszeiten des Ladens statt, man muss also ein paar Mitarbeiter dahaben, man braucht ein bisschen Equipment, etwa eine Leinwand, einen Projektor, Mikro etc. und einen Raum, der groß genug ist für etwa 50 bis 100 Personen. Dazu muss Werbung für die Veranstaltung gemacht und den
Leuten erklärt werden, was sie erwartet. Das ist ein gewisser Aufwand, der geleistet werden muss. Und wenn das nicht erfüllt wird, wirds kein schöner Abend. Für alle Beteiligten. Und in diesen sechs Städten gibt es eben diese Vorraussetzungen für den Leseabend. Mal sehen, wenn’s gut klappt und es sich rumspricht, dann trauen sich vielleicht im nächsten Jahr schon acht oder zehn Buchhändler, diese Veranstaltung zu wuppen. Wir werden sehen. Für mich ist dieses Auf-Tour-Sein ein bisschen von dem Rock’n’Roll, den ich immer mit dem Medium Comic verbunden habe.
Ich freu mich schon den Satz zu brüllen: „Heidelberg, seid ihr gut drauuuuuuf?
CG: In den FAQs auf Deiner Seite steht „…und ich zudem dank der Kollegen Ralph Ruthe und Joscha Sauer viel über das Cartoonmachen dazugelernt habe…“
Was genau hast Du denn gelernt – bzw. was hast Du vorher falsch oder anders gemacht?

 
 v.l.n.r.: Flix, Joscha, Ralph

Flix: Dass Cartoons ganz anders als Comics funktionieren.
Beim Comic erzählt man großzügiger. Was in ein Bild nicht hineinpasst, daraus macht man zwei. Oder drei.
Beim Cartoon geht das nicht. Da muss alles sitzen; jedes Detail, jede Geste, jedes Wort. Alles muss in einem Bild auf den Punkt kommen. Und da habe ich vorher viel weniger drauf geachtet. Ralph und Joscha haben mich immer wieder drauf hingewiesen, was in meinen Gags funktioniert, und wo es hakt. Das war nicht immer angenehm; wer hört schon gerne viel Kritik. Aber es hat sich gelohnt, und ich bin ihnen dafür sehr sehr dankbar.

CG: Haben diese Zeichner auch was von Dir gelernt?

Flix: Wie man einen gefüllten Truthahn zubereitet. Mit Rotkohl.
CG: Man hört ja oft dieselben Namen auf einem Haufen: Flix, Joscha Sauer, Mawil, Ralph Ruthe… Seid Ihr alle privat befreundet, und das erst durch’s Zeichnen? Wie sehr lasst Ihr Euch gegenseitig in Eure Arbeit reinreden?

Flix: Reinreden tun wir uns eine ganze Menge. Wir stehen in stetigem Mail-Kontakt und sind sehr dankbar für die „Allen Antworten“-Funktion. Wir zeigen uns Idee, Skizzen, Scribbles, fragen uns gegenseitig, wenn’s Probleme gibt oder wenn man bei dem, was man gerade macht, unsicher ist. Kommentare sind immer erwünscht, weil sie von „Fachleuten“ kommen, die genau verstehen, was man macht. Aber die schlussendliche Entscheidungshoheit, wie was genau gemacht wird, liegt bei jedem selber. Das ist die Arbeit. Und privat befreundet sind wir auch noch.
CG: Mit Deinen vorherigen Comics hast Du jeweils eine Geschichte erzählt, jetzt mit den Cartoons geht es ja schon etwas in die Reviere von Joscha und Ralph. Gibt das dann irgendwelche Spannungen, oder ist das eher anerkennend so nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“?
Flix: Spannungen gibt es zwischen uns keine. Im Gegenteil; es ist eher so, dass wir uns gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln. Ich glaube nicht, dass ich es geschafft hätte, einen Cartoonband zu machen, wenn Ralph und Joscha nicht gesagt hätten: „You can do it, Flixi!“.
Es ist ja so, dass ich alle Cartoons, die ich gemacht habe, mit ihnen besprochen und diskutiert habe. Ähnlich läuft es, wenn Joscha oder Ralph ein Buch machen. Wir sind keine Konkurrenten. Wir reden viel, und überlegen, was zu wem passt, und was eher nicht funktioniert.
Und weil jeder seinen eigenen Stil hat, seinen eigenen Humor und seine eigenen Themen, kommen wir uns auch nicht ansatzweise ins Gehege.

CG: Denkst Du, der Markt für Cartoonbände ist bald gesättigt, oder ist da noch Luft für andere Zeichner?
Flix: Die Frage ist ja albern. Cartoonbände sind ja keine Mobiltelefone, wo der Markt, wenn jeder eins oder zwei von den Geräten hat, weitgehend gesättigt ist. Cartoonbände kann man ja Hunderte besitzen. Neinnein, wenn jemand lustige Bilder malt, dann ist für den auch Platz.
CG: Weißt Du, in welcher Auflage „VerFLIXt!“ gedruckt wird?

Flix: Die Startauflage von „VerFLIXt!“ liegt bei 8000 Exemplaren, wovon just in dem Moment 7218 Exemplare jetzt schon weg sind. Wenn das so weitergeht, werden wir wohl bald nachdrucken müssen.

CG: Wow, herzlichen Glückwunsch! Und das innerhalb von nicht mal drei Wochen! 
Viel Werbung wurde auch noch nicht gemacht, oder?

Flix: Nee, Werbung gab’s noch nicht. Ist gerade alles erst am anlaufen.

CG: Gibt es einen (noch) unbekannteren Cartoonisten, von dem Du denkst, dass er noch groß rauskommen wird? Bei Toonster werden ja z.B. eine Menge Nachwuchszeichner veröffentlicht.

Flix: Wessen Arbeit ich persönlich sehr schätze ist die von Leo Leowald, der einen täglichen Strip auf seiner Website zwarwald.de zeigt. Seine Zeichnungen und Szenen haben eine schöne Schrulligkeit, die ich mag. Zudem scheint der Mann sehr fleißig zu sein, was für einen Zeichner auch sehr wichtig ist. Mal sehen, vielleicht wird das ja noch was.
Tex Rubinowitz ist ja auch wahnsinnig schrullig und hat guten Erfolg.
Also, Leo, wenn Du das hier liest, hau rein!
Auch gut: Adam. Der ist auch sehr lustig UND hat einen eigenen Stil. Das gefällt mir. Von ihm habe ich aber seit einiger Zeit nix mehr gesehen. Aber da liegt Potenzial.
Die meisten Sachen von Toonster dagegen treffen nicht so meinen Humor und auch die Optik ist mir oft zu unprofessionell. Da sehe ich noch nicht so bald ein „großes Rauskommen“.
CG: Siehst Du Dich immer noch in der Entwicklung, oder hast Du nun zu Deinem eigenen Stil gefunden?

Flix: Keine Ahnung. Ich mag meinen Stil, wie er im Moment ist; er ist relativ eigen und effizient. Ich kann alles darstellen, was ich möchte. Das ist schon mal gut. Das dachte ich aber auch schon vor drei Jahren und vor fünf auch. Und trotzdem hat sich was verändert. Ich denke, dass sich ganz unwillkürlich der eigene Stil mit der eigenen Person wandelt. Und das ist gut so. Ich möchte nicht wie Jim Davis seinen Garfield meine Charaktere über 20 Jahre schablonenartig ähnlich zu Papier bringen.
CG: Was siehst Du als Deinen persönlichen Schwachpunkt beim Zeichnen an?

Flix: Frauen. Es ist schwierig, sie so zu zeichnen, dass sie gut, aber nicht wie ein Sexsymbol aussehen. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern. Terry Moore ist da ein gutes Vorbild.
CG: Erzähl doch mal ein bisschen was zu Deinem nächsten geplanten Comic, „Mädchen“. Daran arbeitest Du gerade, richtig?

Flix: Richtig. Ich habe wieder ein paar Sachen erlebt, und gerade hab ich angefangen, sie aufzuzeichnen. Es wird wieder ein richtiger Comic. Nichts Großes, kein „Lebenswerk“, eher eine kleine Liebelei, ein Sommertag, vielleicht zwei, aber kaum mehr. Die Story steht in weiten Teilen, sie
spielt in Berlin und knüpft an „sag was“ an. Aller Voraussicht nach wird das Buch mehr Seiten haben als meine letzten Geschichten, also wird es auch noch eine Weile dauern, bis es fertig ist. Aber Herbst 2006 ist als Erscheinungstermin geplant. Ich hoffe, dass alles hinhaut.

CG: Ist der Titel eigentlich als Singular oder als Plural gedacht?

Flix: Ob Singular oder Plural, da stimmt beides. Es geht in „Mädchen“ um ein bestimmtes Mädchen, aber auch um Mädchen im Allgemeinen.

CG: Und? Ist es wahr, dass man als Comiczeichner all die hübschen Mädchen bekommt? 😉

Flix: Ja.

CG: Wird es auch mal Flix-Merchandising (Postkarten, Kalender o.ä.) geben?

Flix: Es ist gerade ein Flix-Postkarten-Set erschienen, das von cartoonkaufhaus.de produziert und vertrieben wird. Außerdem habe ich  Ende letzten Jahres mit meinem Freund Max zusammen in kleiner Auflage und mit viel Handarbeit ein „sag was“-Komplettpaket produziert, das aus dem Buch, dem Soundtrack, Birnenchutney, Wodka O. und einem verhaarten Abfluss bestand. Die sind aber alle schon weg. Kalender oder Actionfiguren sind nicht in Planung.

CG: In der Comicausgabe der Zeitschrift MAX gab es ein schönes Interview mit Dir (mit dem Fauxpas des Redakteurs „The dark night returns“…).
Wie kam da der Kontakt zustande? Hast Du viel Resonanz zu diesem Interview bekommen? Wie fandest Du die Auswahl und die Konzeptionierung dieser Ausgabe; denkst Du, damit konnten Leute auf Comics neugierig gemacht werden?

Flix: Die MAX-Comicausgabe, das war schon ein Ding…
Wie der Kontakt zustande kam weiß ich gar nicht mehr, ich glaube, jemand aus der MAX-Redaktion

hat bei mir angerufen. Die suchten halt noch einen deutschen Zeichner und haben irgendwo meine Sachen gesehen und gelesen. Das hat ihnen wohl gefallen, und weil da auch noch der Max&Moritz-Preis recht aktuell war, hat das den Ausschlag gegeben, den Artikel zu machen.
Die Resonanz war relativ groß darauf, allerdings weniger bei den Verkaufszahlen meiner Bücher als bei den Bewerbungen auf den angeblichen Praktikumsplatz, den ich zu vergeben hätte.
Knapp 50 Anfragen, teilweise mit Bild und Lebenslauf, hatte ich plötzlich auf dem Schreibtisch von allen möglichen Leuten, die gerne Comiczeichner werden wollten. Irre. Leider musste ich allen absagen, weil ich einfachen keinen Praktikanten beschäftigen kann.
Das Zeichnen an sich ist eben, zumindest so wie ich arbeite, eine Tätigkeit, die man am besten allein macht. Das kann mir keiner helfen. Auch beim Colorieren ist es schwierig. Ich trinke auch nicht sehr viel Kaffee, sodass das Kochen davon nicht anfällt, Altpapier trage ich einmal die Woche zum Container, auch das schaffe ich allein. Nein, ich hab beim besten Willen keine Arbeit für einen Praktikanten.
Allerdings habe ich ein zwei Leute, die sehr engagiert waren/klangen, zu mir ins Atelier eingeladen und ihnen alles gezeigt; wie ich arbeite, was ich für Werkzeuge benutze etc. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen das zumindest ein bisschen geholfen hat, einfach mit dem Comicmachen anzufangen.

Die MAX-Ausgabe ansich fand ich ambitioniert, aber ein bisschen kraftlos.
Schade, dass hauptsächlich die Klassiker aus den 90ern gezeigt und vorgestellt wurden. Dabei hat sich in den letzten 15 Jahren unheimlich viel beim Medium Comic getan. Aber an und für sich war die Ausgabe ein Schritt in die richtige Richtung, auf jeden Fall besser als aktuell die „Comic-Bibliotheken“ der Bild oder FAZ.

CG: Was stimmt denn Deiner Meinung nach nicht mit den Bild/FAZ-Editionen?

Flix: Grundsätzlich finde ich die Aktion ja gut. Comics für das Volk, das ist schon prima. Doch jetzt kommt das grosse ABER: Es werden nahezu ausschließlich „Klassiker“ angeboten, die jeder schon kennt. Donald Duck, Supermann, Werner. Es wird dem Leser genau das als Comic-Highlights präsentiert, was er eh schon kennt.
Eine Erweiterung des Horizonts?! Pustekuchen.
Die gesamte Entwicklung der letzten fast 20 Jahre wird, abgesehen vom STRIZZ-Band der FAZ (aber warum der es in die Sammlung geschafft hat, ist ja wohl klar), außen vor gelassen.
Nichts gegen Mickey Maus und Batman. Die haben ihre Berechtigung und sind wichtig. Aber sie sind nicht alles. Mit ihnen als Aushängeschild wird dem deutschen Leser mal wieder kommuniziert: Comics sind Kinderkram, der billig ist und auf schlechtem Papier gedruckt. Und das verstärkt die Vorurteile, mit denen meine Kollegen und ich zu kämpfen haben. Und selbst wenn diese Bibliotheken den einen oder anderen animieren über den Tellerrand zu schauen und mal in die Comicabteilung seiner Buchhandlung zu gehen… Wer ist denn noch bereit, für ein 64-seitiges Farbalbum 12 Euro auszugeben, wenn er in der Kollektion ein 240 Seiten Hardcoverband für 4,90 Euro bekommen hat?! Ich bin kein Fachmann, aber ich glaube, nicht sehr viele.
Die Spanische Zeitung EL PAIS hat Anfang des Jahres auch eine Comickollektion herausgegeben, in der natürlich auch die Klassiker vertreten waren. Aber auch Bände von Marijane Satrapi, Lewis
Trondheim, Barú und Matotti. Und ab dem Punkt wird es interessant. Wenn der normale Leser über eine Reihe zu Dingen hingeführt wird, die er noch nicht kennt. Aber diese Chance ist sowohl von der FAZ als auch von der BILD vertan worden.
CG: Wie viel Druck (zeitlich, thematisch, erfolgsmäßig) spürst Du allgemein durch Deinen Verlag?

Flix: Erstaunlich wenig. Die Termine sind im Großen und Ganzen sehr weit gesteckt, so dass ich eigentlich selten in Verzug komme. Thematisch genieße ich inzwischen ebenfalls große Freiheit, sodass ich die Themen, die mir wichtig sind und die ich gerne machen würde, auch machen kann. Ein großes Glück. Und da die Verkaufszahlen für den Verlag voll und ganz im grünen Bereich liegen, gibt es auch keinen übermäßigen „Erfolgsdruck“.
CG: Von den Comicveröffentlichungen alleine kannst Du dann aber noch nicht leben, oder?

Flix: Nö. Aber das wird von Jahr zu Jahr besser.
CG: Wie lange planst Du denn Deine Veröffentlichungen voraus?

Flix: Zur Zeit reicht die Planung bis Ende 2007.
CG: Okay, von „Mädchen“ Ende 2006 wissen wir ja bereits. Darfst Du schon verraten, was wir sonst noch von Flix zu sehen bekommen werden?

Flix:  Geplant ist weiterhin ein zweiter „VerFLIXt!“-Band, ein Büchlein mit dem Titel „Ich hab Dich TROTZDEM lieb“ und noch ein Buch, zu dem ich aber noch nix sagen kann und will, weil das noch zuuu schwammig ist. Da bitte ich noch um Geduld.

CG: Bist Du eigentlich vertraglich exklusiv an Carlsen gebunden, oder ist das eher „freiberuflich“ zu sehen?

Flix: Nein, ich bin vertraglich nur für bestimmte Projekte an Carlsen gebunden. Allerdings ist Carlsen schon daran interessiert, dass ich all meine großen Projekte bei ihnen veröffentliche und versucht nach Möglichkeit, auf meine Wünsche und Ideen einzugehen. Und ich fühle mich bei dem Verlag sehr wohl,
gut aufgehoben und gut vertreten.
CG: Bereust Du Deine Entscheidung, nach Berlin gegangen zu sein, oder bist Du glücklich dort? Was gefällt Dir am besten, was am wenigsten?

Flix: Ich bin hier sehr glücklich. Es war genau der richtige Zeitpunkt für mich, den Schritt in die Großstadt zu wagen. Ich bin in Berlin weich gelandet, habe das Glück, dass viele nette Kollegen und Freunde in unmittelbarer Nähe wohnen, liebe das Kulturangebot und das Tempo der Stadt. Ich habe das Gefühl, dass ich, seit ich in Berlin wohne, wirklich und ernsthaft Comiczeichner bin. Das ist ziemlich gut.
Was ich nicht mag ist, dass ich merke, wie man, wenn man eine Weile in Berlin gelebt hat, ein bisschen „versaut“ für Restdeutschland wird, weil es hier einfach so viel Angebot für so wenig Geld gibt. Ich glaube, dass es schwer fällt, davon wieder loszulassen; es wird sicher nicht einfach werden, eines Tages hier wieder die Koffer zu packen und weiter zu ziehen…

CG: Du glaubst also schon, dass Du da irgendwann wieder wegziehen wirst?

Flix: Och, irgendwann bestimmt. Bisher bin ich ja aus jeder Stadt, in der ich mal gewohnt habe, irgendwann wieder weggezogen.
Berlin ist super, keine Frage. Aber ob es der optimale Ort für den Rest des Lebens ist, das muss sich erst noch zeigen.
CG: Unterrichtest Du eigentlich noch in Saarbrücken an der Uni?

Flix: Dieses Semester nicht.

CG: Im neuen Panik Elektro 3 von Schwarzer Turm gibt es eine Zusammenarbeit zwischen Dir und Mawil. Wer kam denn auf diese nette Idee, Eure beiden unterschiedlichen Zeichenstile in einen Comic zu stecken?

Flix: Die Idee kam uns beim nachmittäglichen Tischtennisspiel, als der Abgabetermin für das PE immer näher rückte und wir beide feststellten, dass wir jeweils eigentlich zugesagt hatten, einen Beitrag zu zeichnen, aber eigentlich keine gute Idee.
Und so haben wir überlegt, eine Anti-Lovestory zu zeichnen, mit einem Setting, was möglichst weit von Romatik entfernt ist. So ist an zwei Abenden in meiner Küche der 4-Seiter „Space Hasi feat. Gingi Lacer“ entstanden.
“Gingi Lacer“ ist übrigens eigentlich der Name einer spanischen Zahncreme, die Mawil mal gesehen hat. Als wir jetzt im Mai zusammen in Barcelona waren, haben wir sie wieder entdeckt.

CG: Zur Frankfurter Buchmesse machen Du und Mawil wieder gemeinsame Sache: Ihr fordert zum Tischtennis-Turnier des Todes (TTTT) heraus.
Wie intensiv habt Ihr Euch vorbereitet? Man will den Gegnern ja nix schenken… 😉

Flix: Den Winter über haben wir sehr regelmäßig gespielt. Im Frühjahr auch.
In den letzen Wochen hat das Training etwas nachgelassen, weil immer mal der eine oder der andere nicht in Berlin oder sehr beschäftigt war. Wir sind also wieder besiegbar geworden…
CG: Bist Du zufrieden mit den großen Entscheidungen, die Du bis jetzt in Deinem Leben getroffen hast?

Flix: Funny van Dannen hat mal sehr treffend gesagt: „Ich könnte mehr Geld verdienen mit dem was ich tue, aber ich könnte nicht besser leben.“ So ähnlich geht’s mir.
Es war gut, nach Berlin zu ziehen und nicht nach Barcelona. Es war gut, Kommunikationsdesign zu studieren und nicht Musik. Es war gut, sich trotz aller Unkenrufe für den Beruf des Comiczeichners zu
entscheiden und die Jobangebote bei Scholz&Friends und Jung van Matt auszuschlagen. Und es tat meiner Arbeit gut, von einem Kleinverlag zu einem Großverlag zu wechseln. Ich bin zufrieden. Und das auf hohem Niveau.
CG: Was hast Du Dir noch für die Zukunft vorgenommen? Wo und wie siehst Du Dich in fünf und in zehn Jahren?

Flix: Ich würde gerne jedes Jahr ein Buch machen, ganz kontinuierlich, gerne bei Carlsen. Ich möchte gerne noch ein paar Mal auf Lesetour gehen, würde gerne einen Roman schreiben, ein Otto-Robotto-Bilderbuch zeichnen und eine schöne Verfilmung meiner Comics erleben.
CG: Danke für die Beantwortung der vielen Fragen und alles Gute für die Zukunft!

VerFLIXt!
Autor und Zeichner: Flix
Carlsen Comics
64 Seiten, farbig, Hardcover, 10,- Euro
ISBN: 355178194X

Flix‘ Homepage
VerFLIXt!-Toons bei Comicgate
1. „Seitenwechsel“-Strip bei Spiegel Online
Flash-Spiel von Flix bei „Fotofritzen“
Flix beim Goethe-Institut
Carlsen-Verlag
Verlag Schwarzer Turm
Zwerchfell-Verlag
“held“ und „sag was“ bei der ComicCombo bestellen

Und nun zu unserem Gewinnspiel!

Beantwortet einfach die Frage richtig, und Ihr habt die Chance, einen von drei signierten „VerFLIXt!“-Bänden zu gewinnen.

Nur vollständig und korrekt ausgefüllte Formulare nehmen an der Verlosung teil. Jeder darf nur einmal teilnehmen, ansonsten wird man von dem Gewinnspiel ausgeschlossen.

Der Einsendeschluss ist der 04. Oktober 2005.

Bei mehr richtigen Einsendungen als Gewinnen entscheidet das Los.
Eure Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben.

Viel Glück!

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Persepolis I und II

“Persepolis“ ist eine Autobiographie: Marjane Satrapi erzählt von ihrem Leben, ihrer Kindheit und ihrem Erwachsenwerden. Und doch ist „Persepolis“ viel mehr als das.

Denn Marjane Satrapi stammt aus einem Land, das die meisten von uns nur aus den TV-Nachrichten kennen: dem Iran. Satrapi, die heute in Frankreich lebt, war irgendwann genervt von der Tatsache, dass die meisten Europäer den Iran einseitig als islamischen Gottesstaat und seine Bewohner entweder als unterdrücktes Volk oder als potenzielle Terroristen verstehen. Also beschloss sie, ihre Geschichte, und damit auch die ihres Landes, zu erzählen.

Im ersten Band von „Persepolis“ erleben wir Marjanes Kindheit. Sie ist 10 Jahre alt, als der Schah gestürzt und die Islamische Revolution ausgerufen wird. Aus der Perspektive ihrer Familie erfahren wir, was dieser Umsturz für die einzelnen Menschen bedeutet hat. Es entsteht ein System der Unterdrückung, unter dem besonders Frauen zu leiden haben. Marjanes liberale Eltern schicken ihre Tochter im Alter von 14 Jahren nach Wien, wo sie ein freieres Leben führen soll.

Der zweite Band, „Jugendjahre“, handelt zunächst von Marjanes Zeit in Wien – alles andere als eine unbeschwerte Jugend. Hier lässt sich sehr gut nachvollziehen, was es heißt, fremd zu sein und nicht dazuzugehören. Doch auch als Marjane nach ein paar Jahren zu ihrer Familie nach Teheran zurückkehrt, fühlt sie sich nicht wohl – sie ist fremd im eigenen Land.

Das besondere an „Persepolis“ ist für mich, wie elegant und beiläufig darin Alltag und Politik verknüpft werden. So werden auch komplexere Sachverhalte sehr locker eingebunden, und das Ganze liest sich unglaublich leicht und flüssig. Das mag auch an Satrapis Zeichenstil liegen: dieser ist sehr einfach gehalten, viele Gesichter scheinen nach dem Punkt-Punkt-Komma-Strich-System entstanden zu sein. Eine Bildsprache, die so klar und unmissverständlich ist, dass sie für jedermann sehr leicht zugänglich ist. Zeichnerische Meilensteine können damit nicht gesetzt werden, aber Satrapi kann damit auch ein Publikum erreichen, das sonst um Comics einen Bogen macht.

Obwohl der Inhalt der „Persepolis“-Episoden manchmal alles andere als lustig ist, zieht sich ein humorvoller Ton durch die beiden Bücher, der die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Wie nebenbei lernt der Leser eine Menge über den realen Alltag in einer völlig fremden Kultur. Das viele Lob und die zahlreichen Preise, die Marjane Satrapi dafür eingeheimst hat, sind zweifellos verdient.

Persepolis I: Eine Kindheit im Iran

Text und Zeichnungen: Marjane Satrapi
HC-Ausgabe: Edition Moderne
164 Seiten; 22,00 €
Taschenbuch: Ueberreuter
164 Seiten; 22,- €
(als Softcover von Ueberreuter: 9,95 Euro)

Persepolis II: Jugendjahre
Text und Zeichnungen: Marjane Satrapi
HC-Ausgabe: Edition Moderne
192 Seiten; 26,- €

Felsfest Open Air

Normalerweise haben wir bei Comicgate seit jeher das ungeschriebene Gesetz, keine Rezension über Comics von Mitarbeitern zu verfassen.
Da ich aber erstens nichts von der Entstehungsgeschichte mitbekommen habe (Blut, Schweiß und Tränen würden den Rezensentenblick vielleicht trüben… 😉 ) und zweitens noch die Meinung eines völlig Unbeteiligten eingeholt habe, erlaube ich mir, das Gesetz zu brechen.

Miguel Fernandez, Cartoonist bei uns und bei INKplosion, legt mit Felsfest Open Air seinen ersten Comic vor.

Der Einstieg in die Geschichte kommt einem erstmal reichlich bekannt vor:
Frederik, unglücklich verliebt in die beste Freundin aus Kindertagen, trifft sich in einem Café mit ihr und hat seinen ganzen Mut zusammengenommen, um ihr endlich seine Liebe zu gestehen. Aber dummerweise kommt der schüchterne Brillenträger nicht zu Wort, denn Clair ist ihrerseits frisch verliebt, und zwar in Bon Jochen (!), ein Musiker, dessen Band am nächsten Tag auf dem riesigen Felsfest Open Air spielen wird.
Frederiks bester Freund Delli, Festivalgänger erster Güte, bekommt die ganze Szene mit, und so beschließt Frederik, dass er sich an Delli und seine Kumpels dranhängt und mit auf’s Felsfest kommt, um Clair nicht kampflos aufzugeben.
Ab hier beginnt dann der eigentliche Spaß und das Innovative an diesem Comic. Besonders Festivalgänger werden ihre wahre Freude haben bei den ganzen Szenen, in denen es um Zeltaufbau, Dixieklos, Essensbeschaffung und Vorglühen geht. So bekannt kommt einem das alles vor, dass man immer wieder breit grinsen muss. Auch sprachlich dreht Miguel auf und kann so manchen verdammt guten Schenkelklopfer raushauen. Er hat einfach ein ausgezeichnetes Gespür für gute Pointen und knackigen Wortwitz.
Leider verliert er sich an anderer Stelle aber manchmal in den Dialogen. Die kommen dann etwas langatmig und steif daher. Und auch wenn es der Story dienlich ist, man nimmt es Clair einfach nicht ab, dass sie sich einen solchen Typen wie Bon Jochen ausgesucht haben soll. Da ist dann doch etwas zuviel Ratlosigkeit auf Seiten des Lesers.
Im zweiten Teil des Comics rutscht die Geschichte dann etwas weg vom Festivalgeschehen und rückt wieder Frederiks Werben um Clair in den Vordergrund. Nach einigen teils herzigen, teils verrückten Verzweiflungstaten und Zwischenfällen wird die Geschichte dann recht konventionell beendet.

felsfest_mm.jpgDie Zeichnungen sind prima. Sie wirken schön locker, und jede Figur sieht unverwechselbar aus; das ist ja des öfteren ein Manko bei Zeichnern. Der Stil ist noch nicht ganz einheitlich, was aber nicht besonders störend wirkt.
Außerdem kann er recht gut karikieren, wie man links sehen kann.

Felsfest Open Air ist der gelungene Einstand eines talentierten Comiczeichners. Wenn Miguel noch ein wenig an seinen Dialogen und dem Handlungsfaden feilt, dann stehen uns da noch einige interessante Sachen bevor. Ich freu mich drauf.

Das dickste Lob gibt es aber indirekt von meinem Freund, der sonst alle Comics (außer Rudi) mit demselben Gesichtsausdruck beehrt wie schimmelige Salami kurz vor’m Flüssigwerden.
Er hat Felsfest in einem Rutsch durchgelesen, zwischendurch feist grinsen müssen und es dann mit einem „Das ist ja richtig nett!“ zurück auf den Tisch gelegt. Das will was heißen…

Felsfest Open Air
Schwarzer Turm
Autor und Zeichnungen: Miguel Fernandez
48 Seiten, farbig, Softcover; 10,- Euro
ISBN: 3934167241

Felsfest bei Schwarzer Turm (inkl. 10-seitiger Leseprobe)

Nagel, Karl

Karl Nagel (der eigentlich Peter Altenburg heißt) gründete vor über zwanzig Jahren das Illustrations-Magazin „Fantastrips“, das jedoch schnell wieder eingestellt wurde. In den 80er und 90er Jahren war er in der Punkszene sehr aktiv, wo er u.a. als Initiator der Hannoveraner „Chaos-Tage“ und 1998 als Kanzlerkandidat der “Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands“ (APPD) bekannt wurde.
2004 erweckte Nagel “Fantastrips“ als Online-Magazin wieder zum Leben und gründete Anfang 2005 die Alligator Farm.

Comicgate: Wie ist das Projekt „Alligatorfarm“ zustande gekommen?

Karl Nagel: Im Grunde genommen ist es eine ganz alte Idee. Um 1980 herum hatte ich das Comicmagazin „Fantastrips“ gestartet. Das hatte sich die Aufgabe gestellt, ein Dach für Zeichner aus dem deutschsprachigen Raum zu sein. Ich war damals noch ziemlich jung, 19 Jahre, und wie das bei Projekten so ist in dem Alter: man hat keine Freundin, hat sonst nichts besseres zu tun, also macht man halt irgendein Fanzine oder ein Magazin. Ich war unerfahren, hatte aber hochfliegende Träume, und dazu gehörte u.a. auch, mal mit anderen Leuten zusammen ein Studio zu gründen.

Am Ende ist das aber alles an unserer Unerfahrenheit gescheitert. Die Sache hat sich in Luft aufgelöst, irgendwann war ich pleite, hab mir ’ne Lederjacke geholt, mir die Haare bunt geschnitten und „leckt mich alle am Arsch“ gesagt. Für mich war Ende 1981 die ganze Comicgeschichte erledigt. Ich habe mich zwar immer noch damit beschäftigt, meine Sammlung, v.a. Sekundärliteratur, wurde immer größer, aber ich hatte nichts mehr mit der Szene zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres passierte es dann, wie eine Art Flashback. Alte Träume wurden wieder ausgebuddelt, so wie wenn man feststellt: da hat man noch ein paar unerledigte Sachen rumliegen. Der erste Schritt war, „Fantastrips“ online wieder zu beleben. Es gab ziemlich viele Reaktionen darauf, auch von Leuten, die früher dabei waren. Dann ging es echt Schlag auf Schlag: hier im Haus wurde eine Wohnung frei, und ich musste eh raus. Zusammen mit einer zweieinhalbjährigen Tochter in einer Wohnung konnte ich kaum mehr vernünftig arbeiten. So Töchter kratzen ja gerne mal an der Bürotür…

Dann habe ich einfach diese Wohnung angemietet, und es konnte los gehen. Mit Wittek, den ich flüchtig vom Hamburger Comicstammtisch und von der INC. kannte, habe ich dann jemanden gefunden, der zeichnerisch sehr fit ist. Er hatte Lust, an der Sache mitzuwirken, und dann fing ich an, die örtlichen Fachhochschulen, Schulen, Comicläden usw. mit Plakaten zu bestücken, und im Laufe der Zeit trudelten diverse Leute ein. So ist diese Geschichte also gewachsen aus der Reaktivierung eines verschollenen Traums von Anfang der 80er.

CG: Wie ging es dann weiter, nachdem die ersten Leute an Bord waren?

KN: Es haben sich eine ganze Menge Leute gemeldet, fast zwanzig, und am Anfang hatte ich keine großen Qualitätskriterien vorgegeben. Wenn man mit so etwas anfängt, hat es keinen Sinn, schon anhand der ersten Mappe zu glauben, man wisse, was in den Leuten drinsteckt und was nicht. Ich musste da auch erst Erfahrungen sammeln. Ich hab gesagt: „Lass die Leute erst mal machen, und dann schauen wir mal, was dabei rauskommt.“ Demzufolge war das erste halbe Jahr ein ziemlich harter Ritt: es sind viele Leute ein- und ausgegangen, und wir haben festgestellt, dass man doch ein gewisses Niveau und eine gewisse Power braucht; dass es nicht reicht, einmal die Woche für drei Stunden vorbeizukommen, wie in einem Zeichenkurs. Demzufolge gibt es inzwischen schon mindestens 15 Leute, die mittlerweile nicht mehr dabei sind. Ein gewisser Stamm von Leuten hat sich aber mittlerweile herauskristallisiert, mit dem jetzt die Sachen durchgezogen werden.

CG: Wie groß ist im Moment der harte Kern?

KN: Der richtig harte Kern besteht aus etwa sieben Leuten, und dann nochmal ungefähr genauso viele, die zwar keine Verantwortung tragen, aber bei den Projekten mitmachen.

CG: Eure ersten Projekte heißen „Elbschock“, „Alphatier“ und „Perry – Unser Mann im All“. Wie sehen diese Projekte im Einzelnen aus?

KN: Ich wollte mal ein Magazin machen, das ein bisschen in der Tradition der Schwarz-Weiß-Magazine der 70er aus den USA steht, angefangen von „Creepy“ und „Eerie“ bis hin zu ganz anderen Sachen, wie den Marvel-Comics, die es damals gab. Angefangen vom rauhen Papier bis hin zu einer pulp-mäßigen Atmosphäre. Nicht unbedingt Superheldenkram, sondern eher Horror, Grusel – nicht nur mit Monstern, sondern auch durchaus Großstadthorror. „Elbschock“ war also die erste Idee: normale Kurzgeschichten von sechs bis zehn Seiten, Geschichten, die sich in Hamburg (oder auch anderswo) abgespielt haben, oder auch erfunde Geschichten, die ihren Schauplatz in Hamburg haben. Das ist schon ziemlich schräges Zeug, eine Geschichte handelt z.B. vom Kannibalen von Rothenburgsort – da haben wir den Kannibalen von Rotenburg nach Hamburg transferiert, da ich zufällig diesen Menschen persönlich kenne. Bei dem habe ich mal übernachtet, und es hat mich natürlich gejuckt, das, was mir durch den Kopf gegangen ist, in einer Kurzgeschichte zusammenzufassen. Andere Geschichten handeln von Terroristen, die Hamburg mit einer Atombombe plattmachen, oder von Hip-Hop-Jugendlichen, die in einem Vorort-Ghetto eine Familie als Geiseln nehmen, bis ihr Song im Radio gespielt wird.

Es hat sich dann aber herausgestellt, dass noch nicht viele unserer Zeichner in der Lage sind, solche inhaltlich eher komplexen und sehr emotionalen Geschichten wirklich gut hinzukriegen. So haben wir gemerkt, dass es noch eine Weile dauern wird, bis das „Elbschock“-Projekt fertig wird. Das kann durchaus Anfang nächsten Jahres werden, bis alle Geschichten fertig sind.

Aber was macht man mit den Leuten, die noch nicht so gut sind? Also haben wir ein anderes Projekt gesucht, bei dem die Leute im Team zusammenarbeiten können. Da wurden dann zwei Sachen parallel geschaffen: einmal das „Alphatier“, der Hamburger Superheld, und „Perry – unser Mann im All“. Es hat sich dann gezeigt, dass man das Perry-Thema einfach schneller entwickeln kann. Es gab schon Vorlagen, ein komplettes Universum, eine alte Serie, aus der man sich Anregungen holen kann. So etwas hilft gerade Leuten, die noch nicht so erfahren sind, ganz gut vorwärts zu kommen. Mit „Perry“ kommen wir auch ganz gut voran.

CG: Den Entwicklungsstand bei „Perry“ kann man recht gut mitverfolgen, da ihr das Projekt recht offensiv im Internet präsentiert. In Eurem Forum beim Comicforum, in dem ihr Skizzen und Seitenlayouts präsentiert habt, gab es teilweise recht harsche Kritik. Wie geht man mit sowas um?

KN: Wenn ich mir die Kritik summa summarum anschaue, war die doch zu 80 Prozent positiv. Es waren nur zwei oder drei Leute, die negativ reagiert haben, und selbst die waren nicht wirklich böse gemeint. Man muss damit leben können. Ich kann dazu nur sagen, dass das Heft, wenn es erstmal fertig ist, ziemlich außergewöhnlich aussehen wird. Es wird sich deutlich von allem unterscheiden, was in den letzten Jahren an deutschen Produktionen erschienen ist, da bin ich ziemlich sicher. Wir werden eine aquarellierte Farbgebung machen, keine Computer-Kolorierung. Sowas macht heute sonst keiner mehr. Wir hatten halt Lust, ein ganz klassisches Retro-Heft zu machen, das auch ein bisschen nostalgisch aussieht. Wenn da jemand andere Vorstellungen hat, ist das auch fair, damit hab ich kein Problem. Das ist eben unsere Schnapsidee, also ziehen wir die so durch, wie wir’s für richtig halten.

CG: Wo sollen denn eure Comics erscheinen, im Eigenverlag?

KN: Momentan gibt es Gespräche mit Martin Jurgeit von der COMIXENE (die haben ja mit JNK einen eigenen Vertrieb). Diese Gespräche sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber es sieht ganz gut aus. Wir werden sicherlich keine Mörder-Auflage machen, wir können ja auch gar nicht einschätzen, wie gut sich das Ding verkauft. So zwischen 2.000 und 4.000 werden wir wohl machen und dann gucken wir, was passiert.

CG: „Alphatier“ wird dann das nächste Projekt nach „Perry“?

KN: Genau, Till Felix sitzt da zur Zeit dran. Die Thumbnails für die komplette erste Story von ca. 28 Seiten stehen, und Till zieht das ganze zur Zeit auf DIN A3 hoch. Später wird das dann an andere Leute übergeben, die dann die Details ausarbeiten werden.

Aber nochmal zurück zum Thema „offensive Werbung im Internet“: Das hat natürlich damit zu tun, dass es mir wichtig ist, in den nächsten Monaten auch überregional weitere Leute in das Projekt einzubinden. Normalerweise arbeite ich auch als Programmierer, und da habe ich ein Content Management System geschrieben, mit der u.a. die Fantastrips-Seite verwaltet wird. Ich bin dabei, dieses CMS zu einem Tool auszubauen, mit dem man gemeinsam einen Comic produzieren kann. Beispiel: man legt ein Projekt an, z.B. Perry #133, dazu gibt es dann Infos wie Plot, Seitenbeschreibungen, Charaktere usw. Dann kann man z.B. zu jeder Seite Bilder aufladen, man kann zu jedem Thema eigene Vorschläge machen, ähnlich wie in einem Forum. Aber die Struktur folgt dem jeweiligen Projekt, also z.B. seitenweise oder nach Designthemen oder inhaltlichen Fragen. Auf diese Art möchte ich versuchen, auch Leuten von außerhalb Hamburgs die Gelegenheit zu geben, bei diesem Studioprojekt mitzuarbeiten. Und da muss natürlich vorher entsprechend die Trommel gerührt werden. Ich habe schon den Eindruck, dass es daran großes Interesse gibt. In ein paar Wochen wird es damit wohl losgehen.

CG: Lass uns zum Thema Geld kommen. Wie ist die „Alligatorfarm“ finanziert, wer trägt die Kosten?

KN: Ich trage alles komplett alleine. Man muss es sich so vorstellen: es gibt mehrere Räume (zusammen mit Küche, Toilette und Flur sind es 76 m²). Es ist nicht riesig, aber wir haben eine recht große Bibliothek mit Lehrmaterial. Das technische Equipment ist okay, vom A3-Scanner über Laser- und Tintenstrahldrucker bis zu ein paar Computern. Das hat sich teilweise durch meinen Programmierer-Beruf ergeben, und im Prinzip hab ich hier einfach meine persönliche Sammlung reingestellt. So musste ich nicht viel Extra-Geld für Hardware, Bücher u.ä. ausgeben.

Auf der anderen Seite fallen natürlich Miete und laufende Kosten an, die ich versuche, mit meinem Beruf zu erwirtschaften. Das sind ungefähr Kosten von 800 bis 1000 Euro im Monat seit Anfang des Jahres, ohne dass wir bisher nur einen müden Euro umgesetzt haben. Das ist natürlich kein Spaß! Aber andererseits kann man das auch absetzen, und ich sage mir, das wird schon irgendwie gut gehen. Den Leuten, die hier mitmachen, ist auch völlig klar, dass es ein Gemeinschaftsprojekt ist, und ich habe mich erstmal nicht mit so Sachen wie Honoraren belastet. Später, wenn die Dinger dann laufen, wenn was draus wird, dann wird man halt schauen, inwiefern man die bisherigen Kosten davon tragen kann und wie man die Überschüsse verteilt. Falls es denn jemals so weit kommt – bei 2.000 bis 4.000 Heften kann man keine großen Gewinne erwirtschaften.

Aber mir persönlich ist es einfach wichtig, das Ding so durchzuziehen. Wenn mir eine Sache sehr wichtig ist, dann gehe ich zwar nicht unbedingt über Leichen, aber ich bin dann ziemlich radikal bei der Umsetzung und versuche das unbedingt durchzuziehen. Wenn das dann Geld und Energie kostet, dann muss man da eben durch… Andere rauchen, saufen, fahren Auto oder haben eine teure Freundin – hab ich alles nicht, insofern leiste ich mir diesen Spaß.

CG: Da kann ich dir nur einen langen Atem wünschen…

KN: Das kann alles auch wieder zusammenbrechen – wenn es beruflich mal wieder schlechter laufen sollte, dann ist es durchaus möglich, dass die Sache hier wieder zusammenklappt. Aber was soll man da machen? Es gibt keine Sicherheit, ich mach’s einfach solange, wie es geht. Wenn es irgendwann nicht mehr gehen sollte – Pech gehabt. Aber ich habe keine Alternative dazu – mit Risiko habe ich jedenfalls keine Probleme.

CG: Würdest du sagen, dass die Alligatorfarm gewissermaßen „Punk“ ist?

KN: „Punk“ ist vielleicht zuviel des Guten, aber es gab mal einen bestimmten Begriff in der Punkszene, der nannte sich „DO IT YOURSELF“. Der Hintergedanke ist, nicht zu warten, bis dir irgendjemand den Arsch abputzt und dir den Müll aus dem Weg räumt und dir tolle Sachen anliefert, sondern zu sagen: „Hey, ich mach’s einfach selbst.“ Und das ist genau der Punkt: ich erwarte eigentlich von niemandem was, ich mach’s einfach selbst. Ich möchte einfach eine gute Sache durchziehen und ich glaube daran, dass gute Sachen entstehen, wenn man viel Power in etwas reinsteckt. Ich möchte mit den Leuten hier gute Sachen machen – alles, was ich hier rumliegen sehe, gibt mir das Gefühl, dass sich die Energie auch lohnt, die man hier reinsteckt.

Es ist insofern nicht Punk, weil es kein chaotisches Prinzip ist, dem Zufall ausgesetzt, bei dem man mal schaut, was dabei rauskommt. Hier werden schon konkrete Ziele vorgegeben. Aber es ist auch deswegen „Do it yourself“, weil das Thema Geld nicht im Vordergrund steht. Es geht nicht um klassische Kommerzialität, sondern auch ums Spaß haben, und keine Sklavennummer daraus zu machen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich damit Dingen, die ich einmal behauptet habe, untreu werde. Fairness ist für mich ganz wichtig. Ich will kein Imperium mit 1.000 Sklaven aufbauen, sondern lieber mit Leuten auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Da ich nunmal der Älteste von uns allen bin und in der Lage bin, das zu finanzieren, stecke ich mein Geld und meine Erfahrung rein. Das ist der Teil, den ich leisten kann. Die anderen müssen dann eben ihre Power, ihre Begeisterung und ihre Zeichentalente einbringen.


CG: Zeichnest du selber auch?

KN: Ich zeichne, aber das hält sich sehr in Grenzen. Vielleicht werde ich ein paar Seiten tuschen, aber ich hatte nie die Energie, wirklich soviel Zeit mit Zeichnen zu verbringen. Ich hatte immer alles mögliche im Kopf, ich habe jahrelang Musik gemacht, den ganzen APPD-Kram usw. Ich habe mich dem Zeichnen nie so stark gewidmet, dass ich hätte gut werden können. Aber trotzdem hat es mich immer interessiert. Mit anderen Leuten zusammen ’nen Comicverlag und ein Studio zu machen – ich denke, das ist schon ’ne klasse Sache!

CG: Das ist also quasi ein langgehegter Traum, den du dir jetzt verwirklicht hast.

KN: Aber hallo! Für mich ist das momentan der letzte große Traum, den ich noch auf der Rechnung hatte. Im Grunde habe ich schon alles gemacht, was mir wirklich wichtig war. Jetzt bin ich sogar noch Vater geworden vor zweieinhalb Jahren – und damit ist für mich ’ne Menge abgegessen, aber das Zeichnen ist noch übriggeblieben. Damit war klar, dass das jetzt ansteht.

CG: Ein anderes Thema, mit dem du dich jetzt auch wieder beschäftigst, ist die APPD. Die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands tritt ja zur Bundestagswahl wieder an.

KN: So ist es. Wir hatten die APPD 1999 aufgelöst, weil uns das alles über den Kopf gewachsen war. Aber andere Leute haben sie ein Jahr später wieder neu gegründet und nochmal von vorne angefangen. Vor etwa einem Jahr habe ich dann festgestellt, dass alle möglichen Händler meine T-Shirts aus dem Wahlkampf 1998 fleißig nachmachen und gutes Geld damit verdienen. Und da bin ich auf die Idee gekommen, dass ich das auch selbst machen kann. Das war der Anfang, ich habe dann mit jemandem zusammen die APPD-Website wieder hochgezogen, die ziemlich verlottert war und auf der nichts mehr passierte. Damit ist eine gewisse Eigendynamik entstanden, und als dann überraschend die Neuwahlen ausgerufen wurden, wollten plötzlich alle möglichen Leute, dass wir an der Wahl teilnehmen. Also haben wir die gröbsten Strukturen wieder in Gang gesetzt. Es ist in zwei Monaten nicht hinzukriegen, das alles aufzubauen, was wir 1998 gemacht haben, aber zumindest haben wir, wie es aussieht, zumindest in Hamburg und Berlin die Wahlteilnahme geschafft. Jetzt produzieren wir erst mal ein paar Wahlwerbespots und schauen dann mal, was für Unsinn uns noch so einfällt, um die Leute ein bisschen zu ärgern.

Es ist sehr interessant, wie manche Leute auf uns so reagieren, dass sofort der Schaum aus dem Mund kommt. Da wird man in politische Diskussionen verwickelt, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Diese Leute sind einfach nicht in der Lage, die Essenz zu begreifen, um die es dabei geht: diese Mischung aus Humor und unserem Kopfschütteln über eine Welt, die uns ziemlich wahnsinnig vorkommt. Viele verstehen das nicht, aber für uns macht das die Sache nur noch lustiger. Auf Wahlkampfständen in der Innenstadt kommt es manchmal zu Begegnungen und Diskussionen, die man am liebsten wortwörtlich aufzeichnen möchte und sich fragt: „Was ist das denn für’n Film?“

CG: Insofern passt es ja auch ganz gut, dass ihr mit der PARTEI, die aus der Titanic-Redaktion hervorging, kooperieren wollt.

KN: Ja, aber da wird wohl eher nichts daraus werden. Wir haben vor ein paar Wochen länger telefoniert und wollten einiges zusammen machen. Aber das hat sich dann eher zu einer Einbahnstraße entwickelt. Im Prinzip kann man eh nicht soviel zusammen machen, die sind auch auf einem anderen Trip als wir. Bei denen erschöpft sich das Ganze eigentlich in ein oder zwei Parolen – „Das Merkel darf nicht Kanzler werden“ und „Die Mauer muss wieder her“. Mehr sehe ich da nicht drin und finde das eher ein bisschen dünn.

CG: Aber der Geist, der dahintersteckt, die Motivation bei einer Bundestagswahl ernsthaft (oder auch nicht so ernsthaft) mitzumachen, ist schon ähnlich, oder?

KN: Der ist mit Sicherheit ähnlich: einfach dieses Gefühl, dass man sich in dem existierenden Parteienzirkel überhaupt nicht wiederfindet, dass das wie ein Blick auf einen anderen Planeten ist. Und dieses Gefühl spiegelt sich dann darin, einfach selbst eine eigene Partei zu machen und auf die Gesetzmäßigkeiten, die man für so irre hält, nochmal einen draufzusetzen. So gesehen sind die Rezepturen schon ähnlich, und wenn das nicht so wäre, hätten wir die auch gar nicht angerufen.

CG: Ich bedanke mich für das Interview und wünsche der Alligatorfarm viel Erfolg mit ihren Projekten!

Alligatorfarm

Forum der Alligatorfarm im Comicforum

Übersicht über alle Perry-Rhodan-Comics (Eintrag in der „Perrypedia“)

Fantastrips

Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands

Scurvy Dogs: Rags to Riches (US)

Verflixt, ich wollte diesen Comic wirklich viel mehr mögen, als ich es am Ende getan habe. Ich wäre dafür sogar gewillt, Ryan Younts Zeichenstil als „funktionell“ zu bezeichnen, auch wenn er in Sachen Perspektive, Detailarbeit und Mimik noch einiges zu lernen hat und auch wenn seine Figuren allesamt ziemlich steif aussehen. Das Problem an der Sache ist, dass ein Großteil der Witze einfach nicht richtig zündet. Dabei sind genug Ideen vorhanden, die mir richtig gefallen haben: Piraten versuchen moderne Berufe zu finden, singen Karaoke oder rotten eine Zivilisation hyperintelligenter Primaten aus. Das ist bizarr genug, um meinen Geschmack zu treffen. Und es sind auch genug Gags und Anspielungen vorhanden, um mich amüsieren zu können.

Nur: manchmal sind die Referenzen so sehr auf irgendwelche obskuren popkulturellen Phänomene der USA aus den Siebzigern oder Achtzigern bezogen und kommen in so kurzer Folge hintereinander, dass ich nicht die leiseste Ahnung habe, worum es da jetzt geht. Und in diesen Momenten wird der Comic für ein paar Seiten einfach nur langweilig. Darunter leiden besonders die letzten beiden Geschichten, die extrem szenenhaft wirken und wirklich nur noch aus solchen Referenzen bestehen. Mir persönlich waren die ersten Stories mit einem „durchgängigem“ Plot lieber. Wobei es auch bei den szenenhaften Stories immer noch tolle Momente gibt: AiT-Boss Larry Young ist der König der Hobo-Mafia, Black- und sein Bruder Bluebeard hassen sich wegen ihres Musikgeschmacks, und die Hintergrundgeschichte von Hauptfigur Blackbeard wird in Form des Aufsatzes einer Drittklässlerin präsentiert. Das sind die Szenen, in denen „Scurvy Dogs“ wirklich glänzt und zeigt, was hier drin gewesen wäre, wenn man nicht so oft dem Bedürfnis nachgegeben hätte, einfach nur abstrus oder obskur zu sein.

Wer glaubt, sich in der amerikanischen Popkultur auszukennen und Piratencomics mag, der kann mal reinschauen, aber insgesamt hatte der Comic einfach zuviel Leerlauf, um eine Kaufempfehlung auszusprechen. Aber ich will zumindest noch erwähnen, dass hinten im Comic eine Art „Audiokommentar“ vorhanden ist, ein mehrseitiger Text, in dem die Schöpfer jede einzelne Seite besprechen und erklären, was da passiert, wieso es passiert und was sie viel lieber gemacht hätten, wenn Yount ein besserer Zeichner wäre. Das ist ein wirklich nettes Bonusfeature, das ich gerne auch in anderen Comics sehen würde.

Scurvy Dogs: Rags to Riches
AiT/PlanetLar
Text: Andrew Boyd
Zeichnungen: Ryan Yount
160 Seiten; 12,95 $

nicht so toll

MTG Folge 15: Previews 09/2005

READ OF THE MONTH
 
NIGHT FISHER (GN, 144 S., SW/Fantagraphics/12,95)

 

Loren Foster lebt mit seinem Vater seit sechs Jahren auf einer paradiesisch anmutenden Hawaii-Insel. Das Ende der Highschool naht, und auch die augenscheinlich idyllische Umgebung kann nicht die Risse verbergen, die sich in Lorens Leben auftun. Mit seinem besten Freund Shane hat er sich auseinander gelebt. Lauren hat davon gehört, dass Drogen eine Rolle spielen. Oder vielleicht auch Shanes neue Clique.

Night Fisher wurde schon vor einiger Zeit von Fantagraphics angekündigt und im Previews just mit einer ganzen Seite beworben („The most existing graphic novel debut of 2005“). Ja, so werden große Erwartungen geweckt.

Es reicht allerdings ein kurzer Blick auf die sieben Preview-Seiten (R. Kikuo Johnsons Homepage > Comics) um sich davon zu überzeugen, dass hier nicht zu hoch gestapelt wird. Tatsächlich lassen Kikuos Strich und vor allem seine wunderbare cinematographische Montage eher auf einen reifen, kompletten Künstler vermuten. Gepaart mit den gut getakteten, natürlich wirkenden Dialogen macht die Preview für diese Coming-Of-Age Geschichte definitiv Appetit. Tipp!

[Seite 281]

 
Und jetzt alphabetisch, der Verlage nach.
 

Alternative Comics
 
PIZZERIA KAMIKAZE (TPB, 100 S./14,95)
PLACEBO MAN (TPB, 108 S., SW/14,95)
 
Ob man sich da wirklich einen Gefallen damit tut, wenn man die ersten Paperbacks der Brüder Hanuka beide im gleichen Monat veröffentlicht…?
Ihre Serie Bipolar wurde allseits gelobt, geawarded und sonst was. Und die Previews sehen auch allesamt klasse aus. Der „Magische Realismus“, der sich darin andeutet, würde die Schublade Hernandez anbieten. Auch Brüder, wohlgemerkt.
[Seite 221]
 

Avatar
 
WARREN ELISS’ APPARAT VOLUME 1 (TPB, 112 S., SW/12,99)
 

Wem vier monatliche Pulp-Noir-Ein-Mann-Eine-Aufgabe-Serien aus Ellis’ Feder nicht genügen (Jack Cross, Desolation Jones, Down, Fell), darf hier gerne noch einmal zuschlagen.
[Seite 240]
 
 

Chuleta Press
 
HELLO (GN, 88 S., SW/10,00)
 

Wie, ihr kennt Chuleta Press nicht? Kein Wunder, handelt es sich hierbei um den Eigenverlag Fay Ryus. Xeric Award sei Dank darf sie jetzt ihren Mini-Comic in einem etwas größeren Format und definitiv einem beträchtlich größerem Publikum vorstellen. Xeric Awards-Comics sind bekanntlich viel öfter Hits denn Misses, und die Preview-Seiten versprühen charmante Naivität, gepaart mit lustigtraurigen Metapherbildfolgen. Das Herz, das sich selbst einmauert und Strichliste über seine Hafttage führt, hat es mir besonders angetan.
[Seite 250]  
 

 
DC Comics
 
ALL-STAR SUPERMAN (Ongoing, 32 S./2,99)
MANHUNTER VOL.1: STREET JUSTICE (TPB, 128 S./12,99)
SEVEN SOLDIERS: THE BULLETEER #1 (4Mini, 32 S./2,99)
SEVEN SOLDIERS: FRANKENSTEIN #1 (4Mini, 32 S./2,99)
WINTER MEN #4 (8Mini, 32 S./2,99)
DMZ#1 (Ongoing, 32 S./2,99)
THE FOUNTAIN (HC, GN, 176 S./39,99)

 
MORRISON!
QUITELY!
SUPERMAN!
Schon in wenigen Monaten wird es heißen: nix mit make my marvel, Make my A.S.S.!

Manhunter von Marc Andreyko ist eine recht traditionelle Sup- nee, Abenteuerserie. Es geht um eine Frau, Mitte 30 und geschieden, tagsüber Anwältin und Rabenmutter, nachts Heldin mit ’nem Zauberkampfstab. Die etwas widersprüchliche Prämisse mag die Würze sein, die der Serie ihren „realistischen“ und individuellen Touch verleiht. Der Bendis-like Dialogwitz tut sein übriges. Think: Superhelden-Soap für Erwachsene.
Der Morrison-Söldner-Wahn geht mit der für meinen Geschmack etwas zu gut „ausgestattenen“ Buletteer und dem wiederum von Doug Mahnke extrem cool in Szene gesetzten Frankenstein in die Endrunde. Was soll man zu Morrison-Comics noch sagen außer: kaufen, lesen, staunen.
Wir werden noch unseren Enkeln davon erzählen, die Ära Morrison, ach ja…

Winter Men waren der Überraschungshit meiner diesmonatlichen Comiclieferung. John Paul Leons Zeichungen erinnern mich an den frühen Fegredo. Die Geschichte wirkt (bei aller Übertreibung, wenn es um SUPERHELDEN geht) sehr geerdet, das moderne Russland scheint mir gut eingefangen. Insoweit ich das beurteilen kann, natürlich. Immerhin habe ich einen coolen Schimpfausdruck aus dem Rumänischen wiedererkannt. Brett Lewis hat seine Osteuropa-Recherche also gemacht.

Brian Wood zum ersten in diesem Monat. In DMZ entwirft Wood eine in Anbetracht von Katrina erschreckend plausible Zukunftsfantasie. Während Amerikas Streitkräfte in fremden Ländern kämpfen, eröffnet die Miliz in der Heimat eine neue Front. In diesem Bürgerkrieg gerät ein junger Journalist zwischen die Fronten und sieht die Chance seines Lebens gekommen: Kriegsberichterstatter im eigenen Land zu werden.

Aronovskys nächsten Film schon mal als Comic preview-sehen? Für 40 Dollar? Kent Williams hat in der Vergangenheit mit Blood: A Tale und Havok & Wolverine: Meltdown zwei sehr schöne Mini-Serien illustriert. Ob er ein ebenso guter Autor ist, erscheint mir allerdings zweifelhaft. Zumindest lassen die steifen Sätze in der zweiseitigen Preview diesen Schluss zu.
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Dementian Comics
 

NOTHING BETTER #1 (Ongoing, 32 S., SW/2,95)

 

Das sieht nach Futter aus für jene, die nach Blankets Entzugserscheinungen hatten und immer noch haben. Coming-Of-Age Serie mit Gutmenschen-Teenies, Selbstzweifel, dem Herrn Jesu und den ganz großen Gefühlen. Könnte nett sein, doch leider gibt es keine Preview, deswegen ergeht die Kaufempfehlung nur an Mutige.

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Drawn & Quarterly
 
WIMBLEDON GREEN: THE GREATEST COMIC BOOK COLLECTOR IN THE WORLD (GN, HC, 128 S./19,95)
 

Da möchte ich gar nicht viele Worte verlieren. Dieses Schmuckstück von Seth anzupreisen ist ungefähr so redundant wie die Feststellung, dass die Indielastigkeit dieser Kolumne die meisten wohl nur annervt. Sei’s drum. […5 Minuten später…] Und an dieser Stelle wollte ich elegant zur 20(!)seitigen Preview überleiten, doch wie ich leider feststellen muss, ist diese mittlerweile offline. Ich habe mich auf jeden Fall köstlich amüsiert und werde mir diese Perle nicht entgehen lassen. […5 Minuten später…] Top. Google Desktop und Cache-Suche sei Dank, habe ich noch einige Seiten gefunden, die ihr euch hier anschauen könnt. Und hier. Und hier. Und hier noch. Tipp!

[Seite 274]

 
Fanfare / Ponent Mon
 

JAPAN AS VIEWED BY 17 CREATORS (TPB, 256 S., SW/25,00)

 
DER amerikanische Edelverlag für Comics aus Japan. In dieser Compilation werden Kurzgeschichten versammelt, die den Blick der Einheimischen sowie der Fremden (um genau zu sein, der französischen Fremden, die für zwei Wochen lang in japanische Städte gesteckt wurden) auf Japan und seine Kultur zum Thema haben. Wieder eine „exquisite“ Preisgestaltung, aber in diesem Fall sollte man dank des Umfangs und der Autorenliste definitiv auf seine Kosten kommen. Namedropping als Kaufanreiz:  Frédéric Boilet, Benoît Peeters, François Schuiten, Joann Sfar, Kan Takahama, Jiro Taniguchi etc.
Einige Vorschauseiten findet ihr hier unter „In the making“.

[Seite 280]

 

Fantagraphics 
 
THE THREE PARADOXES (GN, 80 S./11,95)
 

Die neue GN von Paul Hornschemeier. Das einstündige Interview mit diesem sympathischen Herrn wartet immer noch darauf, von mir fertig übersetzt zu werden. In der Zwischenzeit und bis sein geniales „Mother Come Home“ endlich auf Deutsch erscheint, begnügen wir uns mit diesem Kurztrip in Pauls Welt. Ein Autobio-Comic der etwas anderen Art wird uns hier versprochen. Wer Pauls skurrilmenschliche Comics kennt, weiß, dass es sich lohnt, ihm in die Irrationalitäten und in den Zauber des Alltags zu folgen. Für Neueinsteiger wiederum ist das auch angenehm preisgünstig gestaltet, like in „What a great jumping-on point!“

Tipp!

[Seite 281]

 

Marvel Comics
 

AMAZING FANTASY #15 (32 S./3,99)
BOOKS OF DOOM #1 (6Mini, 32 S./2,99)
FANTASTIC FOUR: THE WEDDING SPECIAL (64 S./4,99)
THE THING #1 (Ongoing, 32 S./2,99)
X-FACTOR #1 (Ongoing, 32 S./2,99)

 

Irgendeinen Gimmick mussten sie sich ja einfallen lassen für die 15 (ihr kommt eh nicht drauf, was vor gut 40 Jahren in der gleichen Nummer passierte). Und da sind vier Kurzgeschichten von Marvels bei den Fans so beliebten zweiten Autorengarde mit massig neuen Helden, Spass und Action ja nicht das Falscheste, was man da tun kann. Viel besser als ein Holographix-Cover ist das auch.

Ed Brubaker zählt (schon fast) zur ersten Garde. Deswegen darf er nicht ganz so viel Spaß haben und wurde zur Franchise-Verwaltung abkommandiert. Aber es ist schon originell. Eine Doom-Origin (Endlich! Man sagt, die siebte sei immer die Beste!). Und eine X-Men Miniserie (wow, lang ist’s her – eine Mini-Serie – MIT DEN X-MEN!), deren Verkaufsbeschreibung mit den legendären Worten abschließt: „… that will have X-Men fans talking for years to come!“ Gänsehaut pur.
 
Im Wedding Special der FF entpuppt sich just im Moment des Kusses vor dem Altar, dass Susan mit der Geschlechtsumwandlung doch größere Probleme hat als zunächst angenommen. Sie wehrt Reeds Antrag also in letzter Sekunde ab, um sich auf den restlichen 60 Seiten mit Northstar über ihre nächste Zukunft im Marvel Universum zu beraten. Jean-Paul Beaubier erzählt ihr vom kurzen Ruhm und dem ewigen Schlamassel, den sein Coming-Out mit sich brachte. Inklusive Tod, Wiedergeburt und vielen schlechten Witzen. Auf der letzten Seite nimmt sich Susan das Leben. Nichts wird mehr danach so sein wie es davor war! Und Susan könnte ein Lied davon singen. Wenn sie denn noch am Leben wäre. Oder… ist sie es etwa?! Key-Issue!

Dan Slott schreibt nach She-Hulk nun das nächste Power-House im Marvel-Haus und man kann davon ausgehen, dass es gute Unterhaltung wird. Ben ist jetzt ein reicher Don, der sein Geld cool verprasst und BlingBling-mäßig unterwegs ist. Die Frage, ob 7(!) Fantastic Four Comics in einem Monat sein müssen, stellen wir lieber den anderen Titeln. ’CAUSE IT’S CLOBBERIN’ TIME!
Oh je. Muss es denn ‚ne X-Serie sein? Egal, ich weiß ja, dass Peter Davids X-Factor mit einer normalen Buddy-X-Men-Serie etwa so viel zu tun haben wird wie Chuck Austen mit ausgeklügelten Storylines. Im Endeffekt handelt es sich hier um eine Art Noir-Detektiv-Büro, dessen Angestellte ausrangierte C-List-Mutanten sind. So habe ich das zumindest verstanden oder verstehen wollen. Ryan Sook als Zeichner ist auch nicht die schlechteste Wahl. Tipp!

 
Narwain Publishing
 

NARWAIN PREVIEW (32 S./2,49)

 

Wäre das nicht cool? Ein neuer Verlag? Mit so ’ner Hand voll Serien an Start gehen, die sonst wo abgelehnt… äh… keine Chance bekamen? Obwohl sie so cool sind? Fantasy und Agenten und Hororzombies und  so? Alle Genres und so? Und im nächsten Monat noch mal ’ne Hand voll? Jeden Monat ’ne Hand voll neue? Ist Alias nicht auch cool? Wäre es nicht cool, für das Verlagsprogramm-Preview dreist 2,49 Dollar zu verlangen? Und davon auch noch ein Variant-Cover zu machen? Also von den Preview-Heftchen? Wie wäre das? Das wäre voll NARWAINSTYLE!

 
 
Oni Press
 

STRANGETOWN (12Mini, 32 S./2,95)
LOCAL (Ongoing, 32 S./2,95)

 

Starker Monat für Oni Press!

Strangetown ist Chynna Clugstons neue vierteljährliche Serie um eine … merkwürdige Stadt. Es geht vor allen Dingen um Vanora, die dort vor einigen Jahrzehnten gestrandet ist, also wortwörtlich. Jetzt haben wir 1993, und die durchaus normale Vanora muss sich in einer Stadt zurechtfinden, in der Unnormalität die Regel ist.

Da Twin Peaks und Strangehaven mir Strangeness-Fetischisten noch lange nicht genug sind, kann ich Chynnas neusten Streich kaum erwarten! Tipp!

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Local wiederum macht es sich zur Aufgabe, Amerikas Städte zu erkunden. Den Menschen und seiner Geschichte in seiner … Stadt. Erstmal keine besonders aufregende Angelegenheit, wenn der Autor nicht Brian Wood hieße. Nach dem Indie-Erfolg Demo liefert er hiermit den nächsten 12-Teiler ab mit in sich abgeschlossenen, monatlichen Geschichten. Da ist die Prämisse fast egal. Tipp!

[Seite 312]
ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers
Preisangaben in US-Dollar

W.E.S.T.

W.E.S.T. ist die Abkürzung für das „Weird Enforcement Special Team“, bestehend aus vier Veteranen des Wilden Westens. Allesamt sind coole, abgefahrene Typen, die nichts erschüttern kann, sei es die kurz bevorstehende, eigene Hinrichtung oder ein Russisches Roulette. Ihre Methoden sind rau, aber wirksam. Deswegen werden sie zusammengetrommelt und nach New York geholt. Denn ihr Feind ist noch weit gefährlicher und skrupelloser, als sie zunächst ahnen. Aber wer ist ihr Gegner? Sind es sogar die 100 einflussreichsten Männer der USA?

Schauplatz dieses Zweiteilers sind die USA Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist die Zeit des Umbruchs. Der technische Fortschritt hält Einzug in die neue Welt und verdrängt damit den Wilden Westen und seine Legenden. Die ersten Automobile sind unterwegs, Straßenbahnen verkehren, und Elektrizität soll von den Wasser-Kraftwerken an den Niagarafällen zu einer Ausstellung in Buffalo für 240.000 Glühlampen transportiert werden. Doch die Sicherheit des Präsidenten steht auf dem Spiel. Unerklärliche Morde bzw. Selbstmorde machen die Runde durch die bessere Gesellschaft von New York. Aus diesem Grund wird das Special-Team mit Veteranen aus dem Westen ins Leben gerufen. Diese stehen im krassen Gegensatz zu dieser aufstrebenden, modernen Metropole und der High Society, allen voran zu der Familie von Senator Lennox. Doch der Schein trügt. Hinter der glitzernden Fassade einer heilen Politiker-Welt herrscht das Grauen: die Frau trinkt, der Sohn ist opiumsüchtig, und der Senator giert nach Macht. In diese Welt kehrt Kathryn Lennox, die junge, emanzipierte Tochter des Senators, aus Europa zurück. Sie muss nach ihrer Ankunft Schreckliches miterleben. 

Die Autoren haben mit den beiden Alben einen spannenden, unterhaltsamen, aber auch anspruchsvolleren Mystery-Thriller geschaffen, der einen bis zum Showdown im zweiten Band immer mehr in seinen Bann zieht. Dorison und Nury versetzen den Leser in die Situation der Tochter, die mit Unverständnis in die Geschehnisse hineingezogen wird. Die fiktive Story ist anhand von tatsächlichen Ereignissen (Zugunglück von Paris im Bahnhof Montparnasse am 22.Oktober 1895, Panamerikanische Ausstellung in Buffalo im Jahr 1901) und real existierenden Personen („Teddy“ Roosevelt, Aleister Crowley) entwickelt worden. Ich mag es, wenn geschichtliche Ereignisse in eine spannende Erzählung eingebunden werden. Aufgrund des historischen Hintergrundes wirkt diese fantastische Geschichte viel authentischer.

Doch es funktioniert auch ohne Kenntnis der wahren Geschehnisse. Ein Geheimbund, Okkultismus und ein gutes Maß an Action sind die unterhaltenden Elemente. Die Politik und die damit verbundene Machtgier stimmen einen auch nach dem Ende des zweiten Bandes noch nachdenklich. Der Zyklus bietet somit Raum für Interpretationen des Stoffes und Spekulationen. 
Auch zeichnerisch sind die beiden Bände ein Hochgenuss. Ich fühlte mich stellenweise in die Bilder hineingezogen und konnte fast hören, wie das Beil auf mich zugeflogen kam, um dann mit einem lauten Krachen im Holz stecken zu bleiben. Bei vielen Panels kann man lange Zeit verweilen und noch mehr Details erkennen. Auch die Erzählweise der Bilder ist außergewöhnlich. Durch vereinzelte Aussparungen in der bildlichen Darstellung wird die Phantasie des Lesers angeregt. Einzelne Lücken muss man gedanklich ausfüllen, so dass Mitdenken gefragt ist. Ein schönes Beispiel dafür ist eine Szene beim Russischen Roulette im ersten Band. Es wird nicht gezeigt, wie Morton den Revolver abdrückt, sondern wie sich das Gesicht seines Gegenübers verändert, bis es anstatt „Peng!“ nur „Clic!“ macht. 

Ähnlich gut durchdacht scheint mir die Farbgebung, die auch vom Zeichner Christian Rossi stammt. So dienen Gelbtöne dazu, bestimmte Konfliktsituationen und Gefühle darzustellen. Besonders augenscheinlich wird dies, als Kathryn ihren Vater im zweiten Band anschreit.

Insgesamt sind die beiden Bände „Der Fall Babylons“ und „Century Club“ für mich sehr gelungene Kunst-Werke. Deshalb vergebe ich hier die Höchstnote.  

W.E.S.T. 1: Der Fall Babylons
ISBN 3-7704-2894-3
W.E.S.T. 2: Century Club
ISBN 3-7704-2895-1

Egmont Ehapa   
Text: Xavier Dorison und Fabien Nury,
Zeichnungen und Farben: Christian Rossi
je 56 Seiten, farbig, Hardcover
je 12,- Euro