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Der Tod und das Mädchen

Diese skurrile Serie, in der eine junge Frau vom Tod in Person verfolgt wird, war ursprünglich ein Webcomic, der mehrere Jahre auf dem Comickanal des ORF On (Onlineangebot der „Österreichischen Rundfunks“) veröffentlicht wurde. Dort war sie sehr erfolgreich und hatte viele Fans. Relativ kurzfristig hieß es dann im Mai dieses Jahres, dass ORF On sein Comicportal zum Juli hin einstellen werde, was für alle beteiligten Künstler sehr überraschend kam. Da der Comickanal eine der wenigen Onlineportale war, die für Webcomics bezahlen konnten, war die Schließung für die Künstler problematisch; schließlich fiel neben der Veröffentlichkeitsmöglichkeit auch ein finanzielles Standbein weg (wir berichteten hier und hier).

Nina Ruzicka entschloss sich schließlich nach langem Überlegen, Der Tod und das Mädchen drucken zu lassen. Dabei gab es so einige Hürden zu nehmen, wie ihr Druckbericht ausführlich und, trotz der gar nicht so lustigen Probleme, amüsant erklärt (übrigens interessant für alle, die irgendwann mal vorhaben, ihre Comics drucken zu lassen).

Oftmals in traditionellen Drei bzw. Vier-Panel-Geschichten wird von einer jungen Frau erzählt, der der Tod auf den Fersen ist. Eigentlich war es ihr bereits als kleines Mädchen bestimmt zu sterben. Aber da man dazu dem Tod in die Augen gucken und ihn bei irgendeinem Namen nennen muss, wurde dies durch widrige äußere Umstände immer wieder verhindert.
Fünfzehn (im original Online-Strip: zwanzig) Jahre später treffen sie sich zufällig wieder. Da der Tod ein schlechter Verlierer ist, will er nun endlich seinen Auftrag von damals zu Ende führen und verfolgt das Mädchen auf Schritt und Tritt. Dieses weiß aber um die Spielregeln, und so zanken und streiten sich die beiden, dass es eine wahre Pracht ist.
Dabei wird der Tod keinesfalls als altehrwürdige und weise Instanz dargestellt, sondern als eitler, selbstgerechter Pfau, der alles dafür gibt, dass er gewinnt. Aber auch er muss sich an Regeln halten (wer diese erstellt, wird allerdings, zumindest in diesem Band, nicht deutlich), und so darf er z.B. nicht mehr aktiv eingreifen, um den Tod eines Menschen herbeizuführen. Das Mädchen hingegen macht einen an sich pfiffigen, aber auch leicht erregbaren Eindruck. Und so scheint sie fast eine Herausforderung darin zu sehen, den Tod auf die Palme zu bringen.

Respektlos und erfrischend unbekümmert geht Nina Ruzicka mit dem in unser Gesellschaft oft tabuisierten Thema “Tod“ um. Trotz der Gags und des Funny-Zeichenstils kommen aber auch immer mal wieder philosophische Gedanken über das Sterben und der Umgang damit auf, was einen angenehmen Kontrast zu den an sich auf Pointen getrimmten Cartoons darstellt. Von diesen ernsteren Untertönen, weiterhin im Kontrast zur Leichtfüßigkeit des sehr menschlichen Todes, würde ich persönlich gerne mehr sehen. Schließlich beschäftigen wir uns alle mehr oder minder mit der Thematik, aber so richtig sprechen will kaum einer drüber. Da ist es beruhigend und interessant zu sehen, dass sich andere Leute auch so ihre Gedanken dazu machen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, will Nina aber die Geschichte sowieso weg von den Pointen hin zu einem mehr zusammenhängenden Comic bringen.

Das Format selber ist gut gewählt, es ist so groß, dass bequem drei Strips untereinander passen. Mit den 55 reinen Cartoon-Seiten hat man ’ne Menge zu lesen. Außerdem werden 37 zusätzliche Strips gebracht, die online nicht veröffentlicht sind, also ein Kaufanreiz auch für Kenner der Serie. Toll fand ich die Hintergrundinformationen, die es noch im Anschluss gibt und in denen zu bestimmten Strips etwas erklärt wurde, wie dies auch schon online geschieht.
Das Titelbild selber will mir allerdings nicht so recht gefallen. Das Motiv macht zwar neugierig, aber insgesamt wirkt es etwas zu schlicht. Außerdem sieht das Mädchen wie eine Zeitreisende aus den Achtzigern aus (Hinweis auf ihre gewollte Unscheinbarkeit?), so dass man vielleicht gar nicht auf den Gedanken kommen könnte, dass das ein brandneuer Comic ist.
Etwas unglücklich auch der Rückentext, der zentriert wurde und deshalb kein schönes Schriftbild abgibt (warum keinen Blocksatz?). “Dies ist der erste Band von dreien zum ersten Teil von Der Tod und das Mädchen“ ist als Information sicherlich notwendig, aber viel zu sperrig. Auch hier würde ich raten, beim nächsten Mal eine handlichere Aussage zu finden, zum Beispiel in zwei Sätze aufzuteilen.
Im Comic selber fällt mir störend der Gebrauch von zu vielen Schriftarten auf, wobei eine wie nachträglich reinretuschiert (einige Texte wurden in der Tat verändert, u.a. aus juristischen Gründen) und zu sehr nach unordentlicher Handschrift aussieht. Allerdings ist das auch schon so bei den Onlineausgaben so. Mehr Einheitlichkeit würde hier mehr Ruhe ins Schriftbild reinbringen.
Mein letzter Kritkpunkt betrifft das Papier, das mir schon zu satiniert rüberkommt und sich nicht so gut anfühlt. Ich bin schon immer drauf und dran, eine Seite anreißen zu wollen, um zu sehen, ob da überhaupt noch Fasern drin sind oder ob es nur noch Plastik ist. Bis jetzt konnte ich mich noch beherrschen.
Alles in allem stören also nur Kleinigkeiten, die teils auch auf die Unerfahrenheit im Druck zurückzuführen sind.

Ein erfrischender Comic der anderen Art, der sich momentan noch sehr cartoonig gibt. Ich bin gespannt auf die zwei weiteren Bände, die dann den ersten Teil von Der Tod und das Mädchen abschließen und in denen es sicherlich wieder Extraseiten geben wird. Und dann ist da ja noch der zweite Teil, dessen Anfänge man beim Comickanal nachlesen kann und den Nina nun auf ihrer Seite cartoontomb.de fortführt.

Der Tod und das Mädchen
Die Biblyothek
Zeichnungen und Text: Nina Ruzicka
64 Seiten, durchgehend farbig, Softcover; 12,- Euro (22,- SFr)
ISBN: 3-9810480-0-8

portofrei bestellen bei cartoontomb.de

1. Teil: Der Tod und das Mädchen (über 150 Folgen!) lesen beim Comickanal

Anfang 2. Teil: Der Tod und das Mädchen lesen beim Comickanal

Der Tod und das Mädchen: Hauptseite der Autorin mit aktuellen Folgen, Hintergrundinformationen und mehr

Bouncer 4

Bouncer ist ein knallharter Western, der keine Tabus kennt. Django und andere Italo-Western wirken gegenüber Bouncer wie Gute-Nacht-Geschichten. Zimperlich sollte man also nicht sein, wenn man ein Album des einarmigen Saloon-Rausschmeißers (Bouncer) und Aushilfs-Henkers aufschlägt. Hier wird der Wilde Westen nicht glorifiziert, im Gegenteil, er wird negativ dargestellt. Jodorowsky schafft eine Welt voller Verdorbenheit, Gewalt und Menschverachtung, die Boucq in eindrucksvollen Bilder umgesetzt hat.

In Band 4 – Die Rache des Einarmigen – wird der in Band 3 begonnene Zyklus fortgesetzt, dessen Ende dann in Band 5 („Die Beute der Wölfinnen“) folgen soll. Der Bouncer will die Tragödie um seine Geliebte Noemie aufklären. Dazu wird er anfangs des Bandes in einen blutigen Kampf um eine Ranch verwickelt. Drahtzieher dieses Überfalls ist der Großgrundbesitzer Clark Cooper, dem schon fast ganz Barro-City gehört (siehe Band 3). Jetzt will er sich mit seinen Revolvermännern eine weitere Ranch einverleiben. 17 kaltblütige Männer kämpfen gegen zwei Alte, eine Witwe und einen Knaben. Doch halt! Da gibt es noch unseren behinderten, tragischen Helden: den einarmigen Bouncer, der geschickter ist als eine ganze Armee von skrupellosen Gangstern. Der Leser ahnt schon, dass die Gangster-Truppe keine Chance hat. Auf den ersten zwanzig Seiten des Albums wird ein beeindruckendes actionreiches Feuergefecht zwischen den Parteien geschildert, das durch sein spektakulären und auch blutigen Szenen eine fantastische Atmosphäre schafft. Dazu trägt insbesondere auch die Kolorierung bei, die diesmal von Sébastien Gérard und Francois Boucq stammt. Beeindruckend fand ich besonders auch die farbliche Darstellung der im Kampf um die Ranch entstehenden Flammenhölle.  

Nach der Schlacht um die Ranch könnte es zum eigentlichen Showdown zwischen Bouncer und dem Bösewicht kommen. Doch Jodorowsky entführt den Leser, wie bereits mit den ersten beiden Bänden, wieder in die Vergangenheit von unserem Helden. Dachte der Leser, er wüsste bereits alles über das zerrüttete Familienleben des Bouncers, so wird ihm hier eine weitere tragische Facette der Familienchronik vorgeführt. Und um allem noch die Krone aufzusetzen, erfährt der Leser, wem Bouncer letztendlich seinen Aushilfsjob als Henker zu verdanken hat. 

Mit Bouncer wird das Western-Genre nicht neu erfunden. Viele Versatzstücke sind dem Westernfreund wohl bekannt: der einsame, tragische Held, der mächtige Tycoon, der sich einer ganzen Stadt bemächtigen möchte, seine missratenen Söhne, ein korrupter Sheriff. Aufgegriffen wird z. B. auch das aus Rio Bravo bekannte Phänomen, dass der Held nur Unterstützung von Schwachen erhält und der Gegner mit den versammelten Banditen der gesamten Gegend somit noch überlegener und bedrohlicher wirkt. Waren aber in Rio Bravo nur die Helfer (ein Säufer, ein Alter, ein junges Greenhorn) des Helden gehandicapt, so ist es hier der Held selber, der mit seiner Behinderung ebenso für die Schwachen und Unterdrückten steht. Die Macher haben keine Probleme damit, den Stumpf des Armes deutlich in Szene zu setzen, und das sogar auf dem Cover des Albums selber. Symbolträchtig schließt sich dann auch noch ein dreibeiniger Hund dem Bouncer an. Indianer, Chinesen, Schwarze sind seine weiteren Wegbegleiter. Auch der Inhaber des Inferno Saloons, Lord Diablo, der in Band 3 vorkommt, passt gut ins Bild der vom Leben benachteiligten Menschen. (Makaber ist es schon, wenn jemand, der seine Leiden einem Feuer verdankt, seinen Saloon „Inferno“ und sich selber „Lord Diablo“ nennt). Die Alben werden damit zum großen Plädoyer für alle Unterdrückten, Schwachen, Kranken, Behinderten und Alten.

Obwohl die moralische Keule sehr groß ist, mit der Jodorowsky hier schwingt, glaube ich nicht, dass diese Botschaft überall ankommen wird. Dafür ist das Drama um den Bouncer zu vordergründig und fast schon übertrieben. Für manche Leser könnte die Story auch ein wenig überzogen und unglaubwürdig sein. Manche Wendung in der Story (z. B. im dritten Band: Begegnung von Noemie mit ihrer alten Jugendliebe) ist schon äußerst unwahrscheinlich.

Für Westernfreunde dürfte Bouncer aber trotz allem gute Unterhaltung sein.

Bouncer 4: Die Rache des Einarmigen
Autor: Alexandro Jodorowsky,
Zeichnungen Francoise Boucq
Egmont Ehapa
56 Seiten, farbig, Hardcover
12,- Euro
ISBN 3-7704-2818-8

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Comic Action / Spiel 2005

Die liebe Verwandschaft…

Spiel/Comic Action 2005
Messebericht von Karsten Schreurs – subjektiv wie Sau!

Wenn man die Geschichte dieser „ComicAction“ betrachtet, verwundert es nicht, dass Comicgate-Mastermind Frauke fast schon verzweifelt nach CG-Redakteuren Ausschau hielt, die sich auf den Ableger der Essener Spielemesse verirren könnten.

Der Beginn der CA ist mittlerweile fast schon legendär. Verlage mit Rang und Namen waren vertreten, und man schürte die Hoffnung auf ebenbürtige Konkurrenz von bereits etablierten Comic-Veranstaltungen wie dem Erlanger Comic-Salon!

Außerdem machte man oft zum ersten mal persönlich Bekanntschaft mit seinen nächsten Verwandten: den Rollenspielern. So manches Kostüm und Gebahren dürfte Unbedarften nachhaltig in Erinnerung geblieben sein. Neue Welten taten sich auf…

 
Die Zeichenallee 2005 (ebenfalls Rollenspiel-Illustration: Jenny Dolfen)

Für mich selbst war die CA ’99 eine Initialzündung und bestärkte mich massivst in meiner Comic-Zeichner-Aktivität. In Erlangen noch nicht ganz zu Hause, bot die erste Zeichnerallee eine der wenigen Möglichkeiten zum persönlichen Austausch unter den aufstrebenden Zeichnern und es wurden Kontakte geknüpft, die noch Jahre später bestand haben sollen.

Mit Sascha Thau, Mana, Martin Schlierkamp und vielen anderen war der Nachwuchs angetreten! Man hatte seinerzeit die Mappen ausgestellt, freute sich über jede Skizze, die man Besuchern zeichnen durfte und war kurzzeitig König der Welt, wenn ein Verlags-Mitarbeiter Kärtchen verteilte – es herrschte Aufbruchstimmung!

Sechs Jahre später. Mittlerweile hat jeder Zeichner seinen Verlag gefunden, seinen Comic gezeichnet, das Signieren ist Routine geworden, der Idealismus ist dem schnöden Mammon gewichen und für seine kostümierte Verwandschaft hatte man nur noch Häme und Ignoranz übrig.

Insbesondere für Kleinverlage wie Zwerchfell, Fake Press etc. wurde ein Auftritt aus finanzieller Sicht nicht mehr lohnenswert und über die Jahre bröckelte stetig der Anteil an Verlagen, bis – je nach Gusto – der harte Kern oder ein Häufchen Elend übrig blieb…
 

“Ich fahr‘ nach Essen – aber nicht wegen der ComicAction!“

Mit den Jahren und nach vielen Comic-Seiten musste ich mir eingestehen, kein wirklicher Comiczeichner zu sein. Es entpuppte als so arbeitsintensiv, dass meine Affinität zum Medium diesen Umstand nicht mehr decken konnte. Comics zu zeichnen ist ein langwieriger (sowie zuweilen auch langweiliger) Prozess, und es ist kein Zufall, dass viele aufstrebende Comiczeichner beim PinUp-Zeichnen hängen bleiben, wollen bei Comics doch ungleich mehr Aspekte in der Gestaltung beachtet werden, an denen man sich leicht verheben kann.
Außerdem ist es immer von Nachteil, wenn man das Comiczeichnen in erster Linie als Kompromiss zum Filmemachen betrachtet – man wird dem Comic in dieser Form niemals gerecht. Ich bin auf ewig dankbar für die Menschen, die ich durch Comics kennenlernen durfte, aber schon vor einem Jahr kristallisierte sich heraus, dass es für mich nicht die Erfüllung ist, weil es einfach zu keinem wirklich befriedigendem Ergebnis führte…

… und in der Stunde der schweren Resignation stand plötzlich und tröstlich die liebe Verwandschaft auf der Matte!

Die Spielemesse ’05 durfte ich nun unter den Fittichen eines Rollenspiel-Verlages verfolgen, und ich war gespannt auf das neue Klientel, dass man in seinen alten Tagen gerne mal milde belächelte, denn ich war an der Illustration des „Unknown Armies“-Rollenspiel beteiligt und wollte die Chance nutzen, alle Beteiligten mal persönlich kennenzulernen.

 
Das Zentrum des Geschehens

Der „Vortex-“ und „Sighpress“-Verlag teilten sich mit ihren Publikationen „Unknown Armies“ bzw. „Degenesis“ einen großzügigen Stand. Insbesondere der „Sighpress“-Verlag mischt seit ca. zwei Jahren die RPG-Szene mit ihrem Endzeit-Spiel mächtig auf, entsprechend groß war die Fanbase und der Andrang, der über die Tage fast konstant blieb.

Illustrator-Kollege Klaus Scherwinski und „Sighpress“ler Alexander Malik führten mich zuvor in die Eigenheiten der RPG-Szene ein, so dass der Kultur-Schock ausblieb und man recht schnell auf den Trichter kommt, dass Rollenspieler- und Comicleser nicht wirklich viel unterscheidet – ein Fan
ist ein Fan ist ein Fan! Und auch die Macher sind nicht anders als ihre Comic-Kollegen – nette und kompetente Menschen, egal mit wem man es zu tun hat, und mit denen man sich auch über das gemeinsame Steckenpferd hinaus gerne weitreichender befasst.

Ein schöner Moment – egal ob beim Comic oder RPG – ist in der Regel das erste Betrachten der frischen Publikation. „Unknown Armies“ kommt mit fast 400 Seiten daher, mattes Hardcover, gebunden, stylisches Layout und viele schöne Illus – chic ohne Ende! In dieser Form hab‘ ich’s nicht erwartet und es kommt für mich als ehemaligen „Heftchen-Zeichner“ schon recht beeindruckend daher.

 

[Anm. d. Red.: Der Autor dieses Berichts :P]

Entsprechend verantwortungsbewusst wurde mit dem Signieren losgelegt, und man darf annehmen, dass kaum ein Exemplar ohne Zeichnung verkauft wurde – und man hat eine beträchtliche Anzahl verkauft! Nicht nur der Verlag war mehr als zufrieden über diesen Erfolg, denn bei einem Stückpreis von 42,- € ist ein Verkauf keine Selbstverständlichkeit, von Spontan-Käufen wie bei Comics ganz zu schweigen…

Zwischenzeitlich wurde natürlich öfters bei den Comic-Leuten direkt nebenan vorbeigeschaut, und es ist doch immer wieder schön, sich mit alten Bekannten auszutauschen – auch wenn diese rar gesät waren.

Bei der CA schien es sich oberflächlich um drei größere Stände zu handeln:

 
Gabriele Dell’Otto

Panini, Paperwerks (Infinity) und Splashpages, drumherum tummelten sich diverse Händler und hartgesottene Kleinverlage. Natürlich waren auch wieder die üblichen Verdächtigen zugegen, so entwickelt Michael Hartmanns denkwürdige Dell’Otto-Begrüßung „Gabriele! *Du* – HIER?!“ mittlerweile bemerkenswerte Running-Gag-Qualitäten, während man in Geier (von Schwarzer Turm) und Levin Kurio (Weissblech Comics) wieder einmal Gesprächspartner erster Güte vorfand.

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die Jungs von Weissblech

Mit Levin wurde sogar einiges an zukünftige Bemühungen in Sachen Comic gespinnt – mal sehen, was daraus wird, mehr als PinUp-Gedöns wird aber wohl nicht bei rumkommen, da haben mich die RPGler doch schon ziemlich versaut, aber zumindest waren diese nicht schuld daran, dass auch der Nightfaller Daniel Kiessler den Comics den Rücken gekehrt hat und diesmal am Rande der CA zu finden war. Der Junge hat seine Berufung ebenfalls in den (erotischen) PinUps gefunden, denn die werden einfach besser bezahlt…

Ein Argument, das man leider immer öfter hört. Selbst Geier brachte mein Weltbild gehörig ins Wanken, als sein zaghaftes Hadern mit den Comics anklang. Levin verwendet mittlerweile so ziemlich jeden Kniff, um mit seinem „Weissblech“-Verlag Umsätze einzufahren – was wohl auch zu seiner eigenen Überraschung tatsächlich klappt!

Unterschiede zwischen der RPG- und Comic-Szene sind u.a. im Finanziellen zu finden. Selbst bei kleinen Rollenspiel-Verlagen wird ein Illustrator entlohnt, auch wenn es zuweilen lediglich symbolischen Charakter hat. Bei den Comics ist ein Newcomer schon erfolgreich, wenn ein Verlag die kompletten Druckkosten übernimmt, allerdings wird auch bei den Rollenspielern knapp gehaushaltet und einen nennenswerten Umsatz dürfte dort auch nur die Spitze des Eisbergs verbuchen.

 
Marko Djurdjevic

Der Illustrator von Rollenspielen hat sowieso einen etwas anderen Stellenwert, verglichen mit dem eines Comiczeichners. Die Autoren reißen sich regelrecht um die wenigen Profis, die mit viel Überzeugung und wenig Entgeld nicht selten jahrelang an einem Spiel/Buch arbeiten.
Die Besten unter ihnen genießen dafür einen regelrechten Popstar-Status. Entsprechend der Auftritt von Marko Djurdjevic: in kürzester Zeit mutierte der Vortex-/Sighpress-Gemeinschaftsstand zum „Marko-Stand“. Es war ihm gegönnt, ist „Degenesis“ illustrativ anderen deutschen Rollenspielen (und vielen Comics!) meilenweit überlegen! Marko arbeitet mittlerweile in den Staaten für prominente Kundschaft und hat nicht nur seinen Kollegen aus der alten Heimat einiges zu berichten. Nur gerne über die Schulter gucken lässt man sich beim Signieren von einem solchen Schwergewicht nicht wirklich – welcher Filmschüler hätte schon gerne einen Steven Spielberg auf dem Set?

Aber im Grunde sind alle Bildchenmaler gleich gestrickt, und so gab’s auch unter den anderen Zeichnern am Stand wie Klaus Scherwinski, Tobias Mannewitz und Felix Mertikat viele Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch. Klaus hetzte wie immer von Stand zu Stand, Tobias präsentierte erste Previews zum Rollenspiel „Aera“, genauso wie Felix für „Requiem of a soul“.

Weniger Neuigkeiten bei den Comics. Natürlich gab es die üblichen Messe- und Sonder-Editionen u.a. von Panini und dem neuen deutschen Verlag EXP-Comics, der sich auf Variantcover (insbesondere eigens für ihn produzierte) spezialisiert hat. So zeichnete Daniel Kießler (Nightfall Studiosdrei sehr schöne Variantcover für Infinity-Serien
Eine wirkliche Neuigkeit dürfte das Aufleben des EEE-Verlages darstellen (Comic „Faust #10 – Liebe der Verdammten AKT 13“ von David Quinn & Tim Vigil und der Kalender „10 Kleine Grufties für das Jahr“ von Christian von Aster, Schwarwel und P.M. Hoffmann), allerdings haben es die Rollenspieler bei ihren Ankündigungen leichter: es reicht eine gute Story und ein paar nette Illus, um potentielle Kunden anzufixen und neugierig auf ein Produkt zu machen, das „demnächst“ erscheint…wobei „demnächst“ in dieser Beziehung einen äußerst dehnbaren Begriff darstellen kann.

 
 beim Stand vom Turm

Was den Comic-Verkauf angeht scheint es z.B. beim „Schwarzen Turm“ noch vertretbar gelaufen zu sein – bei der Erkundigung behielt Geier zumindest seine Fassung. Levin urteilte mit dem üblichen „Könnte besser sein…“, aber wo kann es das nicht…?

 

So muss das sein: Gedränge bei den Comics!

Trotzdem machte die CA einen durchaus gemütlichen Eindruck! Wenn man die Resonanzen im Internet verfolgt, ist für einige Besucher durchaus etwas dabei gewesen, und „leer“ wirkte die Halle nie. Besonders der Splashpages-Stand sorgte mit diversen Aktionen für Belebung der Halle, auch wenn ich mich nicht für jede begeistern konnte. Die Marktschreier-Idee z.B. wurde nett moderiert und hatte Charme, allerdings war dieser „Comic-Battle…-Jam“ oder wie immer man das nannte nun überhaupt nicht mein Ding! Unter Kommentaren und Kameras abwechselnd mit einem Kollegen zu zeichnen, was dann im Internet und auf Großleinwand projiziert wird, ist vielleicht noch ein gutes Forum für publicitygeile Zeichner-Sternchen, aber fragt bitte nicht mehr die Zeichner, die sich eh schon in den dunkelsten Winkeln der Halle verkrochen haben – ich hänge da nicht aus Jux rum! Wie Jamiri empfinde ich das Show-Zeichnen in dieser Form als äußerst unangenehm und war froh, als es vorbei war… nichts für ungut, aber zumindest die Zuschauer dürften ihren Spaß gehabt haben.

Das Essener Nachtleben liess‘ sich diesmal sogar ohne Alkohol-Vergiftung gestalten! Leider bot sich nur eine Übernachtungsmöglichkeit für die vier Tage (…und da geht ein ganz fetter Dank an Klaus Scherwinski, der damit noch was gut bei mir hat!…) bei den anderen Abenden musste ich früher zur
Heimfahrt aufbrechen, aber es gab immer genügend Zeit für ein bisserl RPG-Gossip und Berichte aus der Szene. Ein sehr spannendes Umfeld, und ich bin dankbar für die Aufklärungen von den Autoren Tim & Michael, Jasper, Chris, Maja und natürlich dem Malik! Mögen Euch die Illustratoren auf ewig
wohl gesonnen sein!…:)…

 
Schließlich sitzt man in der letzten Bahn nach Hause und ist um viele Eindrücke reicher. Zum Beispiel, dass man sich an kostümierte Rollenspieler(innen!) durchaus gewöhnen kann! Manchen steht so etwas ganz offensichlich sogar besser als „Real-Life“-Klamotten und beweisen mehr Geschmack als so mancher Backfisch im Sailor-Moon-Outfit, aber Blut ist bekanntlich dicker als Wasser. Deshalb verbindet RPG und Comic mehr, als man über die Klischees abgrenzen kann oder möchte. Beides wird konsumiert bzw. „erlebt“, um in andere Welten zu versinken, und jedes Medium bietet da seine
eigenen speziellen Möglichkeiten.

An den Möglichkeiten des Comics habe ich mich seit 1999 bereits probiert. 2005 ist das Jahr mit einer neuen Initialzündung, und ich bin gespannt, wohin einen die Rollenspiele führen – die ersten Weichen sind jedenfalls gestellt…

[Anm. d. Red.:
Zum Autor: Karsten Schreurs hatte erste Schritte in Richtung Comics unternommen (“Der gelbe Drache“ bei Final Art, „Der Fischer und seine Frau“ in „Grimm 6“ bei Zwerchfell), war dann aber abgetaucht, um sich beim Filmemachen zu verwirklichen. Nun also eine Wende zurück zur Illustration, diesmal zu den Rollenspielen. Seine frisch aufgeräumte Seite findet man unter grobi-grafik.de.]

[Alle Fotos von der Comic Action 2005 wurden uns freundlicherweise von Millus zur Verfügung gestellt. Alle Fotos von der Spiel 2005 stammen von Alexander Malik, sighpress.de. Herzlichen Dank Euch beiden!]

offizielle Seite der Comic Action

ausführliche Berichterstattung bei den Splashpages

eine sehr schöne Fotoberichterstattung von Sighpress

Horrorschocker 7

Der deutsche Independent-Verlag Weissblech-Comics veröffentlicht in seiner Horrorschocker-Reihe schon seit einiger Zeit Horrorgeschichten in alter Tradition. In der aktuellen siebten Ausgabe gibt es zum einen die Geschichte „Blutige Sümpfe“ mit fiesen Mördermücken – von Herausgeber Levin Kurio und Rainer F. Engel in Szene gesetzt -, und zum anderen die Kurzgeschichte „Quarantäne“ von den INKies Yann Krehl und Michael Vogt.

Levin fragt im Heft, wie die als Experiment gedachte längere Geschichte bei den Lesern ankommt.
Prinzipiell ist gegen eine längere, ausgefeilte Handlung ganz und gar nichts einzuwenden, möchte ich meinen – doch gerade die Beispielgeschichte „Blutige Sümpfe“ zeigt, dass man sich nicht über Seitenzahlen definieren sollte. Die Geschichte hängt zwischendrin spannungstechnisch. Die Aufmerksamkeitsdauer hätte man durch eine straffere Erzählung deutlich erhöhen können, so wirkt “Blutige Sümpfe“ etwas ausgewalkt und schwach auf der Brust. Dadurch, dass man durch das Titelbild einen Teil der Auflösung schon kennt, wie auch mein Kollege Thomas im Kri-Ticker bereits anmerkte, wird natürlich dem Horror in den Köpfen, der ja meist der gruseligste ist, vorweggegriffen. Aber auch so ist die Vorstellung von ekligen Riesenmücken immer noch recht… eklig. Die andere Hälfte der Auflösung (nämlich, was es mit diesen Viechern überhaupt auf sich hat) ist ziemlich profan, aber das sieht mir ganz nach gewolltem Trash aus.
Überzeugend ist die aufgebaute Atmosphäre der Fünfziger Jahre und der Natur – da fühlt man fast den Schweiß die Haut herunterperlen, während man mit dem Protagonisten die Sümpfe erforscht.
Eins nervt aber doch gewaltig: Ausrufezeichen werden deutlich zu oft benutzt. Wenn es andauernd eingesetzt wird, dann ist der Effekt dahin, eine Aussage als besonders wichtig zu kennzeichnen oder bestimmte Emotionen zu vermitteln.
Denn ohne hässliche Menschen keine schönen. Oder so.

Yanns Geschichte, von Michael Vogt umgesetzt, weiß durch ihre unerwartete Pointe zu gefallen. Die Zeichnungen sind so souverän, wie man es von Michael erwartet hat, allerdings mitunter etwas arg dunkel geraten. Vielleicht ein Fehler der Druckerei?

Als Gimmick gibt es noch ein, nicht sehr aufregendes, Horrorschocker-Poster sowie ein interessanter Blick hinter die Kulissen im Mitarbeiterporträt, diesmal über Rainer F. Engel, dem Zeichner von „Blutige Sümpfe“.

Insgesamt eine ambitionierte, liebevoll gestaltete Serie, der man deshalb auch den ein oder anderen Hänger verzeiht.
Und: Band 8 ist bereits in der Mache.

Horrorschocker 7
Text: Levin Kurio, Yann Krehl
Zeichnungen: Rainer F. Engel, Michael Vogt
36 Seiten, komplett farbig, Heftformat; 3,90 Euro
ISSN: 1860-983X
bei Weissblech bestellen

Der Kri-Ticker #52

Diesmal mit dabei: Asterix #33: Gallien in Gefahr, Kiss Kiss Bang Bang #1, Sin City 3: Das grosse Sterben, Wha… Huh?, Yakitate Japan! #1, Horrorschocker #7, Marvel Exklusiv 56: Marvel Knights – 4, Felsfest Open Air, Lobo: Infantizid und Horst #14.
Besprochen von Benjamin Vogt (bv) und Thomas Kögel (tk).

ASTERIX #33: GALLIEN IN GEFAHR
Ehapa Comic Collection
Zitat Albert Uderzo: „Dieser Band könnte mein letzter sein, aber ich will, dass er alle umhaut“ — Mission accomplished, Monsieur. Wenn es Uderzos Ziel war, die Asterix-Fans nach den schwachen bis mittelmäßigen Alben der letzten Jahre mit dem neuen Band vollends zu verstören, dann ist ihm das gelungen. Wer hätte ernsthaft erwartet, dass das gallische Dorf im neuen Abenteuer tatsächlich von Außerirdischen und Superhelden heimgesucht wird? Während die Leserschaft nun zwischen Wut und Verzweiflung schwankt, reibt sich Uderzo zuhause vermutlich die Hände, freut sich darüber, alle überrascht zu haben und bestellt den nächsten Ferrari für seine Sammlung.
Man muss den neuen Band wirklich nicht mögen – dazu ist die Story mit ihren plumpen Anspielungen auf Disneyfiguren, Manga und Science Fiction viel zu banal (und eigentlich schon 10 Seiten vor Schluß beendet). Aber dass Uderzo, dieser alte Herr, den Mut (oder den Wahnsinn?) besitzt, so mit seinem Lebenswerk umzuspringen, auf alle Erwartungshaltungen zu pfeifen und das Ding so durchzuziehen, wie er’s für richtig hält, dafür gebührt ihm wirklich Respekt. tk

KISS KISS BANG BANG #1
CrossGen Comics Deutschland
Zugegeben, im CrossGen-Universum, wo fast alle Serien mal mehr, mal weniger miteinander verbunden sind, ist es nicht leicht, als Neuleser einzusteigen. Zumal das Projekt CrossGen auch in Deutschland kurz vor dem Abschluss steht. „Kiss Kiss Bang Bang“ ist jedoch inhaltlich absolut unabhängig, somit kann die Miniserie auch ohne Vorwissen gelesen werden. Die erste von zwei Prestigeausgaben macht auf jeden Fall schon mal so viel Laune, dass ich die actionreiche und spitzfindige britische Agentenserie nur jedem wärmstens ans Herz legen kann. Tony Bedards explosive Geschichte um den legendären Charles Basildon (ein Typ, zehn mal cooler als James Bond) und seine neue Partnerin hat alle wichtigen Elemente eines kurzweiligen Comicvergnügens: Spannung, kluge Dialoge und ein abgedrehter Bösewicht. Und nicht zu vergessen die sehr schönen Zeichnungen von Mike Perkins, die zwar im CrossGen-typischen Stil bleiben, aber ähnlich wie Greg Lands Bilder bei „Sojourn“ aus dem Durchschnitt herausragen. Da kann auch jeder Nicht-CrossGenleser zugreifen. bv

SIN CITY 3: DAS GROSSE STERBEN
CrossCult
Der Titel hält, was er verspricht. Aber zuviel von der Handlung möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn mittlerweile gibt es meiner Meinung nach entscheidende Spoiler an jeder Ecke vorab zu lesen, vor allem seit in den Medien intensiv über den Kinofilm berichtet wird. Und ich bin froh, dass ich die Comicvorlage vorab lesen konnte, um mir nicht die Überraschung beim jeweiligen Aufschlagen der nächsten Seite nehmen zu lassen. Dafür ist die Episode mit Dwight und den Prostituierten von Sin City zu gut und zu gewichtig. Ein lange währendes Abkommen wird gebrochen, viel Blut fließt und Dwight ist aus irgendeinem Grund mittendrin.
Auch wenn viele der auftretenden Charaktere in „Das große Sterben“ bereits in Band 2 wichtige Personen waren, so liegt der Unterschied zu „Eine Braut, für die man mordet“ in der von Frank Miller nun noch weiter gesteigerten Brutalität. Genau wie sein Kumpel Marv ging Dwight McCarthy wegen einer Frau auf Rachefeldzug, aber nun erwartet Sin Citys dunkle Gassen ein ganz neuer Konflikt. Ein Krieg bricht aus, das große Sterben beginnt. Perfekt inszeniert von Miller, der auch hier wieder exakt die richtigen Fäden für eine spannende Story zieht. Nur das Ende, also der Showdown, den hätte ich mir noch ein wenig länger gewünscht und nicht so abrupt. Aber was macht das schon groß aus bei einem insgesamt erstklassigen dritten Band (vielleicht dem besten bisher?) der deutschen HC-Reihe, der auch noch ein paar ergänzende Galeriebilder von namhaften Künstlern wie Mike Allred, Joe Kubert oder Mike Mignola enthält. bv

WHA… HUH? (US-Ausgabe)
Marvel Comics
Was wäre, wenn… Marvels Autorenriege ihr eigenes MAD-Magazin machen dürfte? So ähnlich muss man sich das Konzept dieses One-Shots vorstellen, der eigentlich parallel zu den „What if“-Ausgaben im Dezember 2004 erscheinen sollte, aber erst jetzt auf den Markt kam. Brian Michael Bendis, Mark Millar und Kollegen veralbern hier hemmungslos das Marvel-Universum, die Comicbranche und nicht zuletzt sich selbst. Dabei stellen sie so interessante Fragen wie „Was wäre, wenn alle Avengers Bärte hätten?“ oder „Was wäre, wenn die Identity Crisis im Marvel-Universum stattgefunden hätte“? Die Antworten sind kleine One-Panel-Gags oder Kurzcomics zwischen einer und vier Seiten Länge und schwanken zwischen überhaupt-nicht-komisch und tatsächlich-ziemlich-witzig. Den Vogel schießt Brian K. Vaughan ab, wenn er fragt: „Was wäre, wenn Galactus eine Lebensmittelvergiftung bekäme?“
Mit der Wahl von Jim Mahfood als Zeichner für diesen Nonsens hat Marvel das richtige Händchen gehabt: sein Stil passt perfekt, zudem würzt er auch die laueren Gags noch dadurch, dass er viele kleine witzige Details in seinen Zeichnungen unterbringt.
Um wirklich Spaß an „Wha… Huh?“ zu haben, sollte man ein bisschen über das Marvel-Universum und auch über die Geschehnisse im Comic-Business Bescheid wissen, denn ein Großteil des Hefts ist extrem Insider-lastig geworden. Wer diese Voraussetzungen mitbringt und nicht gerade den feinsinnigsten Humor erwartet, wird sich hier gut amüsieren. tk

YAKITATE JAPAN! #1
Egmont Manga & Anime
Ein Manga übers Brotbacken – darauf muss man erst mal kommen. Aber in Japan ist schließlich alles möglich und so verfolgen wir in dieser Serie den Jungen Azuma, der das ultimative Ja-Pan (Pan=Brot) backen und seine reisverliebten Landsleute zum Brot bekehren will. Azuma hat großes Talent und bringt die erstaunlichsten Backkreationen zustande. Er verfügt nämlich über die besondere Gabe, dass seine Hände besonders warm sind (sog. „Solar-Hände“) und so beim Kneten den Teig zu einem echten Super-Teig machen.
Aus diesem Setting macht Takashi Hashiguchi einen actionreichen Manga, bei dem jede Menge altbekannte Strickmuster angewandt werden. Natürlich strebt Azuma auf die beste Bäckerschule Japans und muss dort erst mal eine Aufnahmeprüfung im K.O.-System bestehen. In diesem Rahmen kann dann eine der bewährten Turniergeschichten erzählt werden, in der es gemeine Prüfer, hinterhältige Rivalen, fiese Tricks und natürlich ein hübsches Mädchen gibt.
Neben einigen Comedy-Einlagen wird „Yakitate Japan“ auch noch durch lehrbuchhafte Ausführungen zum Thema Brotbacken bereichert. Man soll ja schließlich auch was lernen. Letzten Endes handelt es sich hier trotz der ungewöhnlichen Idee um einen recht konventionellen Manga – eher ein schnell verschlungener Sandwich als ein sättigendes Vollkornbrot. tk

HORRORSCHOCKER #7
Weissblech Comics
Meistens besteht Weissblechs Horroranthologie aus Kurzgeschichten von bis zu 10 Seiten Länge. Diesmal gönnen sich Autor Levin Kurio und Zeichner Rainer F. Engel etwas mehr Platz: in „Blutige Sümpfe“ erzählen sie von einem FBI-Agenten, der in den sumpfigen Südstaaten eine mysteriöse Mordserie aufklären soll. Die Story fühlt sich sehr nostalgisch an und atmet den Geist der alten EC-Horrorcomics. Da verzeihe ich auch gerne den Naziwissenschaftler als Bösewicht. Aber musste es denn wirklich sein, dass die Auflösung in Wort und Bild auf dem Cover herausgebrüllt wird?
Eine ganz andere, modernere Stimmung verbreiten Yann Krehl und Michael Vogt (INKplosion) mit ihrer Geschichte „Quarantäne“, die in einer Welt spielt, in der die Mehrheit der Menschheit von einer Seuche dahingerafft wurden. Hier braucht man keine Monster, um Horror zu verbreiten — der Schrecken für einen Überlebenden auf der Suche nach Nahrung geht von zwei Mit-Überlebenden aus, die ihn nicht besonders gut behandeln… tk
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MARVEL EXKLUSIV 56: MARVEL KNIGHTS – 4

Panini/Marvel Deutschland
Um Verwechslungen gleich vorzubeugen: „4“ ist keine Nummerierung, sondern der Titel der gleichnamigen US-Serie, deren erste sieben Hefte hier versammelt werden. Denn, man kann es fast erraten, es handelt sich um Geschichten der Fantastischen Vier in der Marvel-Knights-Variante, also bei einem Label, das den altbekannten Helden einen neuen Anstrich verleiht oder ihnen zumindest neue Aspekte abgewinnen kann. Und das schafft „4“ von Autor Roberto Aguirre-Sacasa und Zeichner Steve McNiven ohne Zweifel. Die beiden erschufen eine ganz ruhige Erzählung über Marvels First Family, in der es tatsächlich mehr um den Zusammenhalt des Teams und die privaten Problemchen geht. Der Fokus wird also bei den Fantastischen Vier mal endlich wieder nicht auf Reisen in die Negativzone oder Kloppereien mit Dr. Doom gelegt. Und das liest sich dann auch tatsächlich ganz flüssig und weiß zu gefallen (außerdem sind McNivens Striche sehr fein und detailreich).
Trotzdem muss ich diesem Exklusiv-Band ein gemischtes Urteil ausstellen. Erstens: So interessant es auch zu beobachten ist, wie Ben, Reed, Johnny und Susan mit der plötzlichen Existenzangst umgehen (Geld weg, Haus weg) und sich als Superhelden ganz normale Jobs suchen müssen, so halte ich dieses Szenario doch für arg übertrieben. Eine einzige Erfindung des als genial deklarierten Mister Fantastic würde doch wohl mehr als genug für den Lebensunterhalt einbringen, so möchte man annehmen. Und zweitens ist die darauf folgende Geschichte „In der Wildnis“ schon wieder ein kleiner Rückfall in actionlastigere Zeiten. Aber abgesehen von diesen beiden Kritikpunkten weist diese neue Serie bislang immer wieder neue geniale Momente auf und wirkt insgesamt mehr als nur gut. bv

FELSFEST OPEN AIR
Schwarzer Turm
Miguel Fernandez erzählt die Geschichte vom schüchternen Jungen, der zusehen muss, wie seine Sandkastenfreundin an einen schmierigen Typen gerät, und sich trotzdem aufrafft, ihr Herz zu erobern. Das hatten wir schon in ca. 370 Hollywoodfilmen, TV-Serien und Teenie-Romanen. Plotmäßig gibt es hier also wirklich nichts neues. Origineller ist da schon das Setting, denn der Großteil der Geschichte spielt auf einem Rockfestival. Hier werden zwar auch wieder alle gängigen Klischees durchdekliniert, aber das geschieht auf sehr witzige und sympathische Weise.
Fernandez zeichnet in einem netten Semifunny-Stil, der mich, ähem, an das Sparkassenheftchen „Knax“ erinnert (sorry, das ist nicht so negativ gemeint, wie’s vielleicht klingt). Störend wirkt für mich – neben der arg klischeehaften Handlung – die Verflechtung von Realität und Fiktion. Es passt nicht recht zusammen, wenn zwischen Apocalyptica und Marylin Manson die erfundene Band … auf die Bühne tritt und fürchterliche Songtexte zum Besten gibt. Trotzdem: „Felsfest“ macht Spaß. Der Comic will unterhalten und das gelingt ihm auch. Vor allem jene, die öfter mal ein Festival besuchen, kommen hier auf ihre Kosten. Wie wär’s mit einem Schwarzer-Turm-Stand beim nächsten Rock am Ring oder Roskilde? tk


LOBO: INFANTIZID
Panini/DC Comics
Ich liebe Lobo, seinen derben Humor, seine extreme Gewaltbereitschaft und die bisweilen unrealistischen Geschichten, mit denen der letzte Czarnianer konfrontiert wird. Aber ich glaube, am meisten mag ich Lobo wohl für seine lässige Einstellung: Saufen, ficken, fräggen. Ich mein, der galaktische Kopfgeldjäger killt ja nun wirklich alles und jeden auf teils bestialische Weise, auch wenn ihn nur jemand schief anguckt. Naja, manchmal auch ohne das, nur so zum Spaß eben. Auch seinen eigenen Heimatplaneten hat er komplett entvölkert. Aber belangt wird er für seine Taten nie, und auch wenn, würde er sich einen Dreck darum scheren. Das macht Lobo so cool und für mich persönlich auf komische Weise zum Kult.
Besonders extrem und abartig werden Lobos Erlebnisse, wenn die alten Hasen Keith Giffen und Alan Grant zusammen am Ruder sitzen. So wie in „Infantizid“, einer Miniserie, in der Lobo mit der angeblichen Einberufung zum Militärdienst in eine Falle gelockt werden soll. Denn was der Präsi nicht weiß: dahinter steckt eine Gruppe seiner Nachkommen, die er irgendwann mal auf seinen Touren achtlos gezeugt hat. Und die wollen jetzt mit allen Mitteln Papis Tod herbeiführen.
Nicht nur der Inhalt ist tatsächlich so verrückt wie er sich anhört, auch die Gewaltszenen werden zum Ende hin immer absurder und durch diverse Gimmicks von Giffen immer weiter gesteigert. Nichts für zart besaitete, aber natürlich absolut nicht unlustig. So wie ich Lobo liebe. bv

HORST #14
Schwarzer Turm
Unter einer falschen Überschrift („Schöne Zeiten mit Dottie“ gab’s doch bereits im letzten Heft!) erzählt Horst diesmal wieder von der Zeit, als er als Wrestlingmoderator Horst Brack im Fernsehen auftrat und gelegentlich auch mal selbst in den Ring stieg. Horsts Eskapaden als frauenjagender Schwerenöter treten hier zugunsten kleiner amüsanter Anekdoten in den Hintergrund. Damit wir nicht ganz auf nackte Tatsachen verzichten müssen, hat Robi ein Benefiz-Fußballspiel „Herren gegen Damen“ mit anschließender Gemeinschaftsdusche eingebaut. Naja, sowas gehört in dieser Serie wohl dazu.
Außerdem enthält das Heft den dritten Teil von „Der Rückfall“, in dem Horst seine Odyssee durchs Rotlichtmilieu fortsetzt.
Solide geschrieben, astrein gezeichnet – eigentlich gibt es wenig zu meckern an „Horst“. Wer leichte Unterhaltung mit erotischem Touch sucht, wird hier bestens bedient. Dass es bei mir trotzdem nicht so recht Klick macht, liegt vermutlich am Humor, der meistens knapp an meiner Wellenlänge vorbeischrammt.  tk

Acht, neun, zehn

Arne Bellstorf legt ein Debütalbum vor, das mit einigen sehr guten Ansätzen überrascht, aber insgesamt trotzdem nicht vollends überzeugen kann. Sein Comic „acht, neun, zehn“ orientiert sich stilistisch in etwa an den ruhigen Erzählungen von Daniel Clowes oder Adrian Tomine.
Dabei versprüht Bellstorf mit seinem Werk vor allem eins: Langeweile. Aber das soll und muss in diesem Fall auch so sein. Denn genau diese Stimmung herrscht in Christoph Bachmanns Leben in jenem geschilderten Sommer. Christoph, der ziemlich träg wirkende junge Mann auf dem Cover, erlebt die ganz normale Jugend-Tristesse. Ein paar Wochen Ferien, hinter sich ein verkorkstes Schuljahr, vor sich die freien Tage daheim mit seiner Mutter, der man seit der Scheidung des Vaters auch irgendwie nicht mehr viel zu sagen hat, und die Wiederholung der zehnten Klasse vor Augen.
So ganz allein ist Christoph dann scheinbar doch nicht, als er sich in Miriam aus dem Blumenladen verliebt. Aber auch diese Beziehung entpuppt sich für ihn als emotionaler Niederschlag und hebt die im Comic vorherrschende negative Grundstimmung kaum.
„acht, neun, zehn“ wandelt zwischen Traurigkeit und Lethargie, der Inhalt ist kurz zusammenzufassen, und die knappen Dialoge stehen ihm im nichts nach. Die beim Leser sehr schnell eintretende Langeweile ist Bellstorfs größtes Plus, aber auch der offensichtliche Punkt, an dem man Kritik üben könnte. Die Charaktere, die fast alle ohne richtig ausgeprägtes Kinn auskommen müssen und dadurch sehr gleichgültig wirken, kommen mit nur wenigen Worten aus. Die Zeichnungen sind klar und einprägsam, und die Rollen für solch ein archetypisches Comicgeschöpf der modernen biografischen Kleinstadt-Jugenderinnerung wurden genau richtig verteilt.
Doch obwohl Arne Bellstorf scheinbar alles richtig macht, ist mir seine Story an einigen Stellen zu dürftig. Oder zu dick aufgetragen, je nachdem. Ich vermisse ein wenig den emotionalen Zugang. Die Geschichte wirkt recht blass, wenn man bedenkt, dass man doch als Leser eigentlich mit der depressiven Hauptperson mitfühlen soll und ja auch eine Liebesbeziehung eingebaut wurde, die mich persönlich aber ziemlich kalt gelassen hat.
Trotzdem geht die Atmosphäre in „acht, neun, zehn“ in eine sehr gute Richtung, und auch zeichnerisch wirkt Bellstorf solide. Am besten gefällt mir aber das Gespür für den Moment des Künstlers. Da merkt man sehr schnell, dass die Wechselwirkung der oftmalig einsätzigen Sprechblasen mit den komplett wortlosen Panels sehr bedacht ist und genau dort das Potential des Newcomers zu erkennen ist. Obwohl für mich also sehr interessante Ansätze zu erkennen sind und es handwerklich kaum etwas zu bemängeln gibt, bleibt es aufgrund der Kritikpunkte an der Geschichte und deren Konzept bei einer mittleren Bewertung.

Acht, neun, zehn
Arne Bellstorf
96 Seiten, schwarzweiß, Klappenbroschur, 13,- Euro
ISBN: 3931377989

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“Acht, neun, zehn“-Special inkl. Interview bei Splashcomics