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Die Zeitfalte

zeitDie Zeitfalte erschien ursprünglich 1962 als Roman, verfasst von Madeleine L’Engle. Bis heute gilt er als Kinderbuchklassiker. Jetzt hat sich die amerikanische Zeichnerin Hope Larson aufgemacht, das Werk als opulente Graphic Novel zu adaptieren.

Leider ist mir die Vorlage nicht bekannt, weshalb ich keinen Vergleich zwischen den Roman und seiner Comicumsetzung ziehen kann. Die Handlung indes scheint nicht groß abzuweichen: Die vierzehnjährige Meg, ein Mädchen ohne viel Selbstbewusstsein, lebt in einer ungewöhnlichen Familie. Die Mutter ist eine brillante Wissenschaftlerin, der Vater arbeitet angeblich als Physiker an einem streng geheimen Projekt und ist verschollen. Megs Bruder, der kluge wie eigenbrödlerische Spätentwickler Charles Wallace, steht seiner Schwester noch am nächsten. Einzig die beiden weiteren Geschwister, Zwillinge, sind unauffällig. 

Eines Tages begegnen Meg und Charles Wallace dem jungen Calvin. In einer stürmischen Nacht verschlägt es die drei mithilfe der drei Gestalten Frau Wasdenn, Frau Dergestalt und Frau Diedas auf einen anderen Planeten und es beginnt eine intergalaktische Suche nach dem vermissten Vater. Per Tesserung, einem Raumsprung durch eine Zeitfalte, bewegt sich das Trio fort und wird schließlich mit dem finsteren Es konfrontiert, das Menschen unter seine Kontrolle bringt.

Seite aus A Wrinkle in Time Die Zeitfalte ist eine Coming-of-Age-Geschichte mit klaren Botschaften (Liebe, Zusammenhalt, Freiheit), die sich in einem Setting zwischen Science-Fiction und Fantasy bewegt. Als Kindererzählung ist das durchaus nett anzuschauen, zumal die Charaktere nicht zu simpel gestrickt und die wissenschaftlich unterfütterte Story nicht zu überfordernd ist. Doch in Comicform wirkt Die Zeitfalte mit seinen beinahe 400 Seiten doch auch recht langatmig. 

Die Bilder von Hope Larson sind nicht spektakulär, sondern eher schlicht geraten. Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen mit hellblauer Untermalung passen insgesamt recht gut für dieses lehrreiche Sci-Fi-Märchen. Allerdings hätten gerade die Sci-Fi-Elemente für meinen Geschmack grafisch etwas effektvoller ausgeschmückt werden können. Trotzdem ist Die Zeitfalte ein recht unterhaltsamer Kinder- und Jugendcomic, der nicht zu Unrecht 2013 den Eisner Award in der Kategorie „Beste Publikation für Teenager“ (Alter 13-17) gewann.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Schönes Buch für junge Leser, das nur an seiner immensen Länge leicht krankt

 

Die Zeitfalte
Atrium Verlag, Oktober 2013
Text und Zeichnungen: Hope Larson, nach dem Roman von Madeleine L’Engle
Übersetzung: Wolf Harranth
392 Seiten, s/w mit Schmuckfarbe, Hardcover
Preis: 24,95 Euro
ISBN-13: 978-3-85535-441-2

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Abbildung aus der US-Ausgabe A Wrinkle in Time, © Macmillan

Liebe ist die Hölle

Cover Lliebe ist die HölleEs ist schon eine seltsame Welt, in der eine subversive Fernsehserie wie The Simpsons den Mainstream derart infiltrieren kann, dass die Subversion vom Mainstream nicht mehr zu unterscheiden ist. Eben noch als Attacke auf gesellschaftliche Absurditäten gedacht, war die Reihe auch schon von der Gesellschaft aufgesaugt und zum Milliarden-Dollar-Franchise aufgepumpt. Über 20 Fernsehstaffeln, ein riesiger Mitarbeiterstab, Millionengagen, Werbeverträge, Comics, verschwenderische Massen an sinnlosem Merchandising sowie Unmengen an wissenschaftlichen und unwissenschaftlichen Büchern darüber sind das bisherige Resultat. Was richtet das eigentlich in den Köpfen der Verantwortlichen an? Und was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn das defätistische Denken der Simpson-Familie auf eine derart große Resonanz stößt und die Identifikation mit Antihelden wie Homer und Bart von Kindern schon mit der Muttermilch aufgesogen wird?

Seite aus Liebe ist die HölleMatt Groening scheint dieser Zustand selbst nie ganz geheuer gewesen zu sein. Das erklärt auch, weshalb er die Arbeit an seiner Comicstrip-Reihe Life in Hell nie aufgegeben hat – erst 2012 erschien die vorerst letzte Folge. Diese Stripreihe lief bereits seit den späten 70ern und war ursprünglich nur zum privaten Vergnügen für Groening und seine Freunde gedacht, ehe sich ein größerer Erfolg einstellte. Im Laufe der 80er Jahre hat sich die Anzahl der Zeitungen, die den Strip veröffentlichten, allerdings schnell vervielfacht. Love is Hell war der erste Sammelband, den Groening in den USA veröffentlichte, und nun startet auch Reprodukt mit der Veröffentlichung von Groenings frühen Arbeiten. Es werden hoffentlich auch die Fortsetzungen mit Titeln wie School is Hell, Work is Hell oder Childhood is Hell bald folgen, denn die Übersetzung der vorliegenden Ausgabe ist durchgehend inspiriert und witzig.

Die Lektüre versetzt einen zurück in eine Welt, in der die Verhältnisse noch klar voneinander getrennt sind. Matt Groenings Underground-Humor blickt von sehr weit außen auf die Gesellschaft und ist noch völlig unbefleckt von der schrillen Massenkultur. Liebe ist die Hölle bietet einen ebenso bösen wie entlarvenden Blick auf zwischenmenschliche Mechanismen und den Kitt, der uns zusammenhält. Kernstück des Bandes ist ein Ratgeber zu Beziehungsfragen, der dem Leser in Form von Fragebögen, Tortendiagrammen, Ratgebern, Wimmelbildern, fingierten Werbeflyern oder auch ganz klassischen Cartoons stets aufs Neue sehr treffend den Spiegel vorhält. Man erfährt unter anderem, wie viele Sorten von Liebe sich tummeln, in welche Typologien man Freunde und Freundinnen unterscheiden kann, welche Arten von Beziehungen es gibt und was die 22 Stadien eines gebrochenen Herzens sind. Durch die Fallbeispiele wird man dabei von einem neurotischen Hasenpärchen geführt, das schon deutliche Züge und Charaktereigenschaften der Simpsons trägt.

Seite aus Liebe ist die HölleIn manchen Strips erschlägt Groening einen förmlich mit Text, dann wieder sprechen allein die Bilder. Geprägt vom Underground-Comic hat Groening einen minimalistischen Stil entwickelt, der oft mehr nach Schülerzeitung als nach Hollywood aussieht, gerade deswegen aber bestens geeignet ist, seinen fiesen Humor zu transportieren. Man kann sich gut vorstellen, dass Cartoonisten wie Scott Adams (Dilbert) oder Randall Munroe (xkcd) von diesen Arbeiten beeinflusst worden sind.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Matt Groenings Humor wirkt in seiner ursprünglichen Form wie aus einem Paralleluniversum, in dem es keine Simpsons gibt. Entwaffnend genial.

 

Liebe ist die Hölle
Reprodukt, Dezember 2013
Text und Zeichnungen: Matt Groening

Übersetzung: Matthias Wieland
48 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 12,00 Euro
ISBN: 978-3-943143-47-8
Leseprobe

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Abbildungen: © Matt Groening, der dt. Ausgabe: Reprodukt

 

Akte X Staffel 10: 1 – Believers

Cover Akte X Staffel 10 1Über elf Jahre nach der Ausstrahlung der letzten Folge von Akte X wird die Mysteryserie also tatsächlich fortgeführt. Leider nicht im Fernsehen, aber Gott sei Dank auch nicht in Form eines weiteren zusammenhangslosen Kinofilms. Nein, die Comicform hat sich in jüngster Vergangenheit für derlei Fortsetzungen angeboten, beispielsweise bei Joss Whedons erfolgreicher Fortführung von Buffy.

Die zehnte Staffel setzt inhaltlich dort an, wo Staffel neun der TV-Serie aufhörte. Allerdings sind einige Jahre für Mulder und Scully vergangen, in denen sie nach Quittierung ihres FBI-Dienstes unter falschem Namen in Anonymität lebten. Bis plötzlich Deputy Director Skinner auftaucht und von einem Hackerangriff auf das FBI berichtet. Unter anderem könnten auch die X-Akten betroffen sein. Schnell wird klar, dass es den Angreifern eigentlich um Scullys Kind geht, das sie zu dessen eigenem Schutz damals zur Adoption freigab. Mulder und Scully versuchen die fanatische Sekte aufzuhalten und somit das Kind zu schützen.

Der erste Storybogen der neuen Staffel macht vieles richtig. Allen voran wäre hier der Umstand zu nennen, dass das Thema Alienkolonisation (der rote Faden durch die gesamte Serie) wieder aufgenommen wird. Leider beschert uns das auch eine erneute Begegnung mit Elementen der letzten zwei bis drei Staffeln, die nicht so wirklich überzeugen konnten und vieles der ursprünglichen Spannung und des Rätselfaktors kaputt machten (zum Beispiel Scullys Baby, Alien-Mensch-Hybriden, Doggett und Reyes), aber das ist weniger diesem Comicprojekt anzulasten als dem Kreativen hinter der TV-Serie, Chris Carter, der sein Werk zum Ende hin in diese Thematik manövriert hat.

Autor Joe Harris bleibt also nicht viel anderes übrig, als alle vorliegenden Handlungsfäden aufzunehmen und sie konsequent fortzusetzen. Interessanterweise wird er bei der Entwicklung des Plots von Carter persönlich unterstützt, was man dem Comic auch anmerkt. Denn, und das ist der riesige Pluspunkt des ersten Bandes, das typische Akte X-Feeling, die Chemie zwischen Mulder und Scully, der Wortwitz, das alles findet sich in „Believers“ wieder.

Zusammen mit den vielen bekannten Gesichtern aus der TV-Serie und etlichen kleinen Anspielungen auf vergangene Geschehnisse fühlt sich das tatsächlich wie eine echte neue Staffel Akte X an. Ein größeres Lob kann man von einem Kenner der vorherigen neun Staffeln letztlich nicht bekommen.

Seite aus Akte X Staffel 10 1Ganz gut gefallen haben mir auch die Zeichnungen von Michael Walsh, die eher simpel erscheinen, aber die Figuren gut zur Geltung kommen lassen. Man erkennt alte Gesichter, ohne dass versucht wird, diese krampfhaft realistisch abzubilden. Mit ihrem reduzierten Stil erinnert Walshs Arbeit an eine Mischung aus David Aja und Michael Avon Oeming, leider aber sehr weit von der Perfektion der beiden entfernt. Auch wenn manche Panels misslungen sind, vermitteln Walshs Bilder alles in allem dennoch die richtige Stimmung für Akte X.

Harris und Carter haben in ihren ersten Storybogen Believers aus meiner Sicht, bei allen lobenden Worten, zu viel versucht reinzupacken. Alle Nebenfiguren erhalten ihren Auftritt, selbst wenn es nur für ein, zwei Seiten und wenn deren Erscheinen unter den Lebenden eigentlich unmöglich ist. Das sorgt nicht gerade für Plausibilität, ist aber freilich ein nettes Gimmick für die Fans. Stattdessen hätte man die Figuren, wenn überhaupt, behutsamer und nachdrücklicher zurückkehren lassen sollen.

Offensichtlich wollten die Schreiber gleich fulminant mit dem gesamten Ensemble operieren und durch die Alien-Storyline bereits zum Ende des ersten Bandes einen neuen Status Quo präsentieren, der die Grundlage für die weitere Fortführung der zehnten Staffel darstellt. Wie es scheint, sind dann auch gemächlicheren Fällen mit Monster-of-the-week-Episoden Tür und Tor geöffnet.

In der deutschen Ausgabe sind auch alle – zum Teil bemerkenswerte – Cover und Variantcover abgedruckt, unter anderem auch mit Zeichnungen von Dave Sim und Dave Johnson. 

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Für Akte X-Kenner ein echtes Must-Have, trotz Schwächen ist der Grundtenor dieser Serie hervorragend

 

Akte X, Staffel 10: 1 – Believers
dani books, Dezember 2013
Text: Joe Harris , Chris Carter
Zeichnungen: Michael Walsh
Übersetzung: Alex Kurzweil
136 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14,- Euro
ISBN: 978-3-944077-44-4
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: dani books

Rocky & Hudson – Die schwulen Cowboys

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Cover Rocky & HudsonDas Verlagsprogramm von Diábolo Comics ist immer für eine Überraschung gut. Also liegt nun ein ein kleines, querformatige Hardcover-Büchlein namens Rocky & Hudson vor. Untertitel: „Die schwulen Cowboys“. Das ist eigentlich auch schon alles, was man an Inhaltsbeschreibung benötigt für diese Ansammlung an Comicstrips des brasilianischen Künstler Adão Iturrusgarai.

Rocky und Hudson (eine Anspielung auf den homosexuellen amerikanischen Schauspieler Rock Hudson) sind zwei Cowboys, die klamottentechnisch stets im Partnerlook herumlaufen und sich auch sonst wie ein Ei dem andern ähneln. Nur an der Körpergröße kann man die beiden auseinderhalten. Natürlich hatten es schwule Cowboys im Wilden Westen nicht gerade einfach, schließlich war die Menschheit nicht so aufgeklärt und tolerant wie heute (zumindest in einigen Teilen der Erde). Wobei sich die beiden Kumpels auch nicht gerade dezent verhalten – im Gegenteil. Da werden Indianer nicht erschossen, weil sie zu hübsch zum Sterben sind, an der Bar wird Eierlikör bestellt und pofreie Jeans zur Schau getragen.

Das alles ist natürlich auf der humoristischen Ebene anzusiedeln, denn Iturrusgarais Strips erzählen zwar auch fortlaufende Handlungsstränge, sind aber zuvorderst so angelegt, dass sie innerhalb von drei Panels eine Pointe abliefern. An einigen Stellen mag man auch durchaus Gesellschaftskritik entdecken, etwa wenn in der Westernstadt eine Prohibition von Homo-Küssen verhängt wird oder ein Therapeut „akute Maskulinitis“ diagnostiziert und den Cowboy zum „richtigen Schwulen“ umerziehen will. Aber für eine ernsthafte Message des Künstlers sehe ich keine wirklichen Ansatzpunkte. Dafür bedient sich Iturrusgarai zu sehr Klischees und überhöht sie. Mal geschieht dies etwas platt, mal bitterböse, mal lustiger, mal weniger.

Seite aus Rocky & HudsonBei mir persönlich hat der Humor keinen großen Anklang gefunden. Nicht weil hier zwei Schwule im Zentrum stehen, nicht wegen des Wildwest-Settings, sondern weil der Künstler sich einzig und allein abgedroschenen Schwulenklischees, bzw. beim vermeintlich typischen Verhalten von Schwulen, bedient. In jeder zweiten Episode findet man einen schlüpfrigen Gag. Und jeder Gag dazwischen bezieht sich auf das Modebewusstsein von Rocky und Hudson. Das Spiel mit den Klischees mag ja am Anfang ganz nett sein, aber irgendwann nervt es dann, weil Iturrusgarai es einfach übertreibt mit der puren Fülle von immer wiederkehrenden Inhalten.

Die Art der Gags ist damit dermaßen einseitig, dass wohl nur wenige Leser diesem Band etwas abgewinnen können. Andererseits muss ich schon fast bewundern, dass man über 200 Strips zeichnet, die allein von Schwulenklischees zehren. Das muss man auch erst mal schaffen. Wer sich davon angesprochen fühlt, wird aber herzhaft bedient. Humor ist schließlich auch Geschmackssache.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Gnadenloses Bedienen von Schwulenklischees. Geschmackssache.

 

Rocky & Hudson – Die Schwulen Cowboys
Diábolo Comics, Januar 2014
Text und Zeichnungen: Adão Iturrisgarai
Übersetzung: Tilman Zens
104 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 9788415839576
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Diábolo Comics

Frisch aus der Druckerei: Dezember 2013

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Der Dezember bot etwas weniger Neuerscheinungen und Serien-Neustarts als andere Monate, trotzdem sind einige interessante Titel unter den Novitäten zu finden. Hier wie üblich unser umfassender Überblick über die Comic-Neuheiten des Vormonats:  

 

HIGHLIGHT DES MONATS

FeynmanNobelpreisträger Richard Feynman (1918-1988) zählt zu den wichtigsten Wissenschaftler-Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts. Bekannt wurde er nicht nur durch seine Forschungen auf dem Gebiet der Quantenphysik, sondern auch durch die besondere Fähigkeit, seine Wissenschaft in Vorlesungen, dem Publikum, auch Nicht-Fachleuten, zu vermitteln. Die in den USA vielfach gelobte Comic-Biographie des Physikers, geschrieben von Jim Ottaviani und gezeichnet von Leland Myrick, ist Teil des ersten Halbjahresprogramms vom neuen Label Egmont Graphic Novel. [US-Leseprobe, CG-Gastrezension von Physiker Florian Aigner]

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EIGENPRODUKTIONEN

TesseraktDer Berliner Verlag SuKulTur bringt seit Jahren die Leseheftreihe „Schöner Lesen“ heraus, kleine gelbe Hefte im Reclam-Stil für kleines Geld, die in einigen Städten auch an Süßwarenautomaten gekauft werden können. Für die Coverillustrationen dieser Bändchen waren mit Mawil, Jule K. oder Sascha Hommer schon einige Comiczeichner aktiv, doch mit Tesserakt von Tim Gaedke alias Doppeltim ist nun der erste echte Comic in dieser Reihe erschienen. Es ist davon auszugehen, dass es darin nicht um den gleichnamigen McGuffin aus Marvels Avengers-Film gehen wird. [Bestellbar für nur 2,- Euro hier oder bei Kwimbi]

Ein Sachcomic für ein genz bestimmtes Nischenpublikum erscheint beim Bund Verlag, einem Fachverlag für Arbeitsrecht, der den deutschen Gewerkschaften gehört: Mit einer Prise Zucker ist bereits das zweite Gemeinschaftswerk von Zeichner Reinhard Alff und dem Arbeitsrecht-Experten Prof. Wolfgang Däubler. Mehrere kurze Comicepisoden erzählen darin „irr­witzige Geschichten aus dem Alltag eines Betriebsrats“, so der Untertitel. [Website zum Buch]

AUS DEN USA

Liebe ist die HölleLange bevor er mit den Simpsons berühmt wurde und ein Vermögen machte, schuf ein gewisser Matt Groening die Stripserie Life is Hell, von der wöchentlich neue Folgen in verschiedenen linksalternativen Zeitungen der USA erschienen, und zwar kontinuierlich bis ins Jahr 2012. Das Personal dieses meist sehr textlastigen Comics, menschenähnliche Hasen sowie das schwule, Fes-tragende Paar Akbar und Jeff, beschäftigte sich mit allen möglichen Facetten des Lebens, nicht zuletzt mit der Liebe. Ein Teil dieser Strips wurde um 1990 herum beim Krüger Verlag auf Deutsch veröffentlicht, jetzt wagt man bei Reprodukt einen neuen Anlauf und startet mit Liebe ist die Hölle, einem Zyklus von 1984, der damals auch der erste amerikanische Sammelband der Reihe war. [Leseprobe]

Die Comicfassung von Quentin Tarantinos Django Unchained, die auf dessen „ungekürztem Originaldrehbuch“ basiert und im Original bei Vertigo herauskam, gibt es nun bei Eichborn als deutschsprachigen Hardcover-Band. Die Adaption stammt von Reginald Hudlin, der als Produzent auch am Film beteiligt war. Gezeichnet hat R.M. Guera (Scalped), allerdings unterstützt von mehreren Aushilfszeichnern. [Leseprobe, CG-Rezension]

Revival 1Tim Seeley hat sich mit seiner Serie Hack/Slash unter Horrorcomicfreunden einen Namen gemacht. Seine Image-Serie Revival (mit Zeichner Mike Norton) trägt im Original den Untertitel „A rural noir“, ist also ein düsterer Thriller auf dem Lande. In einer Kleinstadt in Wisconsin kehren die Toten zurück ins Leben, allerdings nicht als hungrige Zombies, sondern „fast normal“, aber eben nur fast. Die deutsche Fassung erscheint bei Cross Cult. [Leseprobe]

In wenigen Wochen bringt Hollywood Paul Verhoevens Klassiker RoboCop in einem Remake zurück auf die Leinwand. Cross Cult nimmt das zum Anlass, die vor 10 Jahren entstandene Comic-Miniserie nach Deutschland zu bringen, auf deren Cover ein prominenter Name prangt: Der von Frank Miller, der das Drehbuch zu RoboCop 2 von 1990 geschrieben hatte, das aber wegen „Unverfilmbarkeit“ stark abgeändert wurde. Steven Grant adaptierte jenes Originaldrehbuch von Miller schließlich zu einem Comic, der von Juan Jose Ryp gezeichnet wurde. [Leseprobe]

In der Krimiserie Castle spielt Nerd-Liebling Nathan Fillion einen Bestsellerautor, der nebenbei der Polizei bei der Verbrechensaufklärung hilft. Die Bücher des fiktiven Richard Castle erschienen dann, geschrieben von unbekannten Ghostwritern, tatsächlich. Die deutschen Fassungen dieser Romane laufen bei Cross Cult mit großem Erfolg, so dass man dort nun auch einen Comic aus dem Hause Marvel herausbringt, der auf einer angeblichen Castle-Roman basiert: Richard Castles Deadly Storm – Tödlicher Sturm erzählt den ersten Fall der Romanfigur Derrick Storm. Anders als bei der Romanreihe sind die Urheber hier nicht geheim: Es sind die Autoren Brian Michael Bendis und Kelly Sue DeConnick sowie Zeichner Lan Medina. [Leseprobe]

Und weil Cross Cult mittlerweile als Fachverlag für Zombiefragen gelten kann, ist dort auch der Comic zum beliebten Smartphone-Spiel Plants vs. Zombies gut aufgehoben, der vom US-Verlag Dark Horse ursprünglich als digitaler Comic angeboten wurde und später als Print-Sammelband erschien. Für gewöhnlich sind solche „der Comic zum Franchise“-Projekte eher überflüssig, aber hier wurde immerhin Paul Tobin als Autor gewonnen, der ein gutes Händchen für kinderfreundliche Action hat (Marvel Adventures Spider-Man) und mit seiner Frau Colleen Coover tolle Indie-Comics (Bandette) macht. [Leseprobe]

Der Begriff „Kultserie“ klingt immer ein bisschen doof, aber bei Akte X erscheint er doch angebracht. Auch über zehn Jahre nach Ende der TV-Serie haben Mulder und Scully, die FBI-Agenten fürs Paranormale, noch eine große und treue Fanbase. Die dürfte sich freuen, dass die X-Files nun als Comic fortgesetzt werden. Nach dem Vorbild von Buffy the Vampire Slayer macht man auch hier bereits im Serientitel klar, dass der Comic dort ansetzt, wo die Fernsehserie aufhörte: Akte X – Staffel 10 erscheint auf Deutsch bei dani books. [Leseprobe]

Plume ist ein Webcomic von K. Lynn Smith, den es jetzt auch als deutsche Printversion bei dani books gibt. Er erzählt eine Rachegeschichte mit übernatürlichen Elementen, die in einem Western-Setting angesiedelt ist. [Leseprobe, CG-Rezension]

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LOEG – Das schwarze DossierIn der Serie Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen lassen Alan Moore und Kevin O’Neill literarische Helden aus 100 und mehr Jahren Popkultur zusammentreffen. Die schrägste, unzugänglichste, teilweise aber auch originellste Ausprägung dieser Serie war der Hardcoverband The Black Dossier von 2007, der in unterschiedlichsten Textformen (nicht nur Comics!) eine fiktive Historie der verschiedenen Ligen quer durch die Jahrhunderte ausbreitet. Nach jahrelangen rechtlichen Bedenken hat DC nun auch die Freigabe für Übersetzungen erteilt, und so konnte Das schwarze Dossier nun endlich bei Panini erscheinen. Übrigens: Anders als im fertigen Band angegeben, stammt nicht die gesamte Übersetzung von Gerlinde Althoff – „Feenlands Schicksalsfügung“ sowie der Schlussmonolog des Prospero wurde von Alwin Müller-Arnke übersetzt. [Leseprobe, CG-Rezension der US-Ausgabe]

Der letzte Band der Before Watchmen-Reihe ist wohl gleichzeitig auch der unbefriedigendste: Crimson Corsair ist eine Piratengeschichte, von der in jedem Einzelheft der verschiedenen Before Watchmen-Miniserien ein paar Seiten erschienen sind. Noch vor der Fertigstellung der Geschichte zerstritten sich jedoch Autor Len Wein und Zeichner John Higgins, so dass der Comic nie richtig abgeschlossen wurde. Neben dem unvollendeten Piratencomic enthält der Band noch zwei eilig nachgeschobene Geschichten, die in der ersten Ankündigung des Before Watchmen-Projekts nicht vorgesehen waren: Moloch von J. M. Straczynski und Eduardo Risso und Dollar Bill von Len Wein und Steve Rude. [Leseprobe]

Die Sache mit den Adjektiven ist immer etwas schwierig bei Marvel, nicht nur bei den X-Men. Im Zuge der jüngsten Serien-Neustarts („Marvel Now!“) gab es nach den All-New und den Uncanny X-Men auch eine neue Nummer 1 für die Serie, die einfach nur X-Men heißt. Hier steht ein komplett weibliches Mutantenteam (und auch weibliche Schurken!) im Fokus, geschrieben wird die Serie, die bei Panini in Form von Sonderbänden erscheint, von Brian Wood und gezeichnet von Olivier Coipel. [Leseprobe]

In der DC-Ecke kommt ein weiterer Titel, der 2012 mit den „New 52“ gestartet wurde: Nightwing von Kyle Higgins und Eddy Barrows gehört zur Familie der Batman-Serien und dreht sich um den ehemaligen Robin, Dick Grayson, der zurück auf seine Ursprünge als Zirkusartist geführt wird. [US-Preview]

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Marjane Satrapis Persepolis, vor einigen Jahren Mit-Auslöser der Graphic-Novel-Welle, darf mittlerweile als moderner Klassiker gelten. Umso erfreulicher, dass die Edition Moderne nach der zweibändigen Hardcoverausgabe und den Taschenbüchern aus dem Ueberreuter-Verlag nun eine erschwingliche Gesamtausgabe anbietet, die den kompletten Comic in einem Band mit Klappenbroschur enthält. [Leseprobe]

Das SchlossIm Knesebeck Verlag ist eine weitere Adaption eines Stoffs von Franz Kafka erschienen. Das Schloss wird gezeichnet vom Tschechen Jaromir 99 (Alois Nebel), das Skript stammt von David Zane Mairowitz, der damit nach Der Process und Robert Crumbs Kafka schon zum dritten Mal Kafka und Comics zusammenbringt. Die von Mairowitz kuratierte Ausstellung „K: KafKa in KomiKs“ ist noch bis zum 7. Februar im Literaturhaus Stuttgart zu sehen. [Leseprobe]

Der 11. September als Hintergrund für einen Politthriller: Im Sechsteiler Wer steckt hinter 9/11 (Comicplus+) von den Autoren Jean-Claude Bartoll und Eric Corbeyran und Zeichner Jef wird laut Verleger „keine Verschwörungstheorie ausgelassen“. [Leseprobe]

Außerdem wird die historische Abenteuerserie Der Schrei des Falken von Patrice Pellerin als Gesamtausgabe mit je zwei Alben pro Band bei Comicplus+ neu aufgelegt.

Die gute alte Artus-Sage darf mal wieder als Ausgangsmaterial für einen Fantasycomic herhalten, und zwar für die Excalibur Chroniken (Splitter-Verlag) von Jean-Luc Istin (Die Druiden, Das fünfte Evangelium) und Zeichner Alain Brion. [Leseprobe]

Irgendwas mit Krieg und Flugzeugen erzählen Eric Loutte und Emmanuel Herzet im ersten Band der Serie Zentauren (Bunte Dimensionen). [Leseprobe]

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AUS DEN NIEDERLANDEN

Vom JenseitsVom Jenseits und andere Erzählungen von H.P. Lovecraft adaptiert der Niederländer Erik Kriek in Comicform. Die von vielen Horrorfans kultisch verehrten Lovecraft-Geschichten gelten als besonders schwer bildlich darzustellen – zwar wurden schon einige Film- und Comicadaptionsversuche gemacht, aber bisher kaum mit durchschlagendem Erfolg. Krieks Annäherungen an Lovecraft sind nun vom Avant-Verlag auf Deutsch zu bekommen. [Leseprobe]

Nachdem der Verlag Comicplus+ mit einigem Erfolg die Winnetou-Comics von Helmut Nickel aus den frühen 60er Jahren wiederveröffentlichte, bringt man nun weitere Karl-May-Adaptionen vom spanischen Zeichner Juan Arranz, die ursprünglich ab 1963 im niederländischen Magazin Sjors erschienen sind. Die zweibändige, limitierte Ausgabe ist im klassisch-grünen Design des Karl-May-Verlags gestaltet.

AUS ASIEN

Seiyuu! Say you! 1Ich gebe zu, ich kenne mich bei Manga nicht so richtig gut aus (das erklärt auch, warum der Asien-Teil dieser Kolumne oft etwas karger ausfällt), aber mich amüsieren und faszinieren immer wieder die unendlich vielfältigen Berufswelten, in denen Mangaserien spielen können. Ob Bäcker, Basketballer oder Briefträger, kaum ein Berufsbild wird ausgespart. Seiyuu! Say you! von Hirotaka Kisaragi (EMA) dreht sich nun um Synchronsprecher von Anime-Trickfilmen, die sich – natürlich – in einem knallharten Business bewegen, wo nur die besten bestehen können. [Leseprobe]

Blast of Tempest von Kyo Shirodaira und Ren Saizaki, bei Carlsen neu gestartet, ist ein Mystery-Fantasy-Mix, in dem ein paar jugendliche Helden die Welt vor dem Untergang retten müssen. Garniert ist das Ganze mit Anspielungen und Zitaten aus den Shakespeare-Dramen Der Sturm und Hamlet.

Die Serie Wish aus dem Studio Clamp (1996-1998), in der Engel auf Erden wandeln, bringt Carlsen in einer zweibändigen Sammelband-Edition neu heraus, die aus zwei dicken 400-Seiten-Wälzern besteht.

Die neue Tokyopop-Serie Fetish Berry sieht erst mal nach einer klassischen Romance-Serie aus, scheint dann aber doch etwas ungewöhnlichere Pfade zu beschreiten. Die Hauptfigur ist ein Mädchen, dass magisch von Händen, Armen oder anderen Einzelteilen von Jungs angezogen wird. [Leseprobe]

Darf ein Mädchen keine sexy Manga zeichnen? Klingt wie eine Diskussion im Comicforum, ist aber der Titel einer Mangaserie von James Hotate, die in erster Linie eine Lovestory erzählt (Planet Manga).

SEKUNDÄRLITERATUR

StrippedStripped – A Story of Gay Comics von Markus Pfalzgraf, erschienen im Bruno Gmünder Verlag, ist ein üppiger Bildband mit zahlreichen Auszügen aus schwulen, teils sehr expliziten bis pornografischen Comics, ergänzt mit kleineren Artikeln in deutscher und englischer Sprache. [Leseprobe]
(Anmerkung: Der Band taucht irrtümlich in dieser Liste auf. Eigentlich erschien er schon vor einem Jahr, also im Dezember 2012. Das soll aber kein Grund sein, ihn hier gar nicht zu erwähnen.)

Eine Mischung aus Bildband und „Making of“ ist Die Welt der Vier von der Baker Street, ein Begleitbuch zur Albenserie von Jean-Blaise Djian, Olivier Legrand und David Etien, das ebenso wie die Comics beim Splitter Verlag erschienen ist. Autoren und Zeichner liefern darin umfangreiches Bild- und Hintergrundmaterial zu ihrer Geschichte um Sherlock Holmes‘ junge Gehilfen. [Leseprobe]

„Warrens Horror-Magazine“ lautet das Thema von Ausgabe 59 der Reddition. Die Artikel im Heft beschäftigen sich mit Serien wie Creepy, Eerie und Vampirella, mit denen der Warren Verlag seit den 1960er Jahren erfolgreich war, sowie mit dessen Zeichnern wie Richard Corben oder Bernie Wrightson. [Preview]

Links der Woche 2/14: The king is gone, but he’s not forgotten

Unsere Links der Woche, Ausgabe 2/2014:

 

„Subkulturelles Utopia der sexuellen Identitäten“
jetzt.de, Kathrin Hollmer
Ein Interview mit Markus Pfalzgraf, dem Autor des Buchs Stripped – A Story of Gay Comics: „Das könnten Schulen und der Fußball von Comics lernen: eine Gelassenheit und einen normalen unaufgeregten Umgang. Keine überdrehte Diskussion, in der sich alle mit Respekt überschlagen.“

„Superpenner“-Comic rettet Menschenwürde? – Aufwertung oder Abwertung von Wohnungslosen?
YouTube, Mediacontainer
Das Comicheft Superpenner liegt seit Montag der aktuellen Ausgabe des Berliner Straßenmagazins Straßenfeger bei. Dahinter steckt die Werbeagentur Scholz & Friends, wie sich nicht zuletzt am gelungenen Marketing mit umfassender Berichterstattung in den Medien zeigt. Die Aktion scheint insgesamt gut anzukommen, trotzdem ruft der Comic aus „Superheldenklischees gemixt mit Berlinklischees“ (so Autor und Zeichner Stefan Lenz) auch gemischte Gefühle hervor. So stellt sich der YouTube-Comicberichte-Sammler „Mediacontainer“ einige Fragen zu einem „Comic, der irgendwie ratlos macht.“

Comicbuchpreis
Berthold Leibinger Stiftung
Die Berthold Leibinger Stiftung, gegründet vom langjährigen Chef des schwäbischen Maschinenbauunternehmens Trumpf, vergibt erstmals einen Preis für Comics, der mit 15.000 Euro bemerkenswert hoch dotiert ist und der auch in Zukunft jährlich ausgeschrieben werden soll. Gesucht wird ein „hervorragender, unveröffentlichter, deutschsprachiger literarischer Comic, dessen Fertigstellung absehbar ist.“ Die Auswahl trifft eine namhaft besetzte Fachjury unter dem Vorsitz von FAZ-Journalist Andreas Platthaus. Bewerben kann man sich bei der Stiftung bis zum 1. Juli. Interessant dazu ist auch die Diskussion im Comicforum zu diesem Preis.

Unerklärte Verklärung
Frankfurter Allgemeine, Andreas Platthaus
Es gibt wieder einen neuen Fortsetzungscomic in der FAZ: Comixzeichner in Berlin stammt von Thomas Bunk, dessen Wurzeln in den Undergroundcomix der 1970er Jahre liegen. In dem vier Wochen lang laufenden Comic (der auch online auf faz.net zu lesen ist) erzählt er autobiografisch von seinen Erinnerungen an diese Zeit.

Digital lesen: Die besten Angebote für Comics auf dem Tablet
Spiegel Online, Joachim Kläschen
SpOn syndiziert einen Artikel aus der Zeitschrift Mac & i. Dieser stellt Angebote vor, mit denen man Comics für Tablet-Computer kaufen und lesen kann, und vergisst auch nicht, die DRM-Problematik zu erwähnen. Für Einsteiger ein passabler Überblick.

The Politics of the Superhero
Metafilter, MartinWisse
Das wissenschaftliche Journal PS: Political Science & Politics veröffentlicht die Beiträge eines Symposiums zum Thema „The Politics of the Superhero“.

The Comic King of Guatemala
thecomickingofguatemala.com, George Clipp & Jonathan Barnes
Ein knapp 10-minütiger Kurzfilm über ein amerikanisches Paar, das den ersten Comicladen in Guatemala eröffnet hat:

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Don’t Be a Dick: A Comic About How to Talk About Comics
Bitch Media, The Ladydrawers
Auf der Website des Magazins Bitch (Untertitel: „feminist response to pop culture“) erscheint eine Serie von sechs Webcomics zu der Frage, wie das von männlichen weißen Heterosexuellen dominierte Comicgeschäft bunter und für alle Sorten von Menschen freundlicher werden könnte. Im ersten Teil geht es zunächst mal ums Grundsätzliche, nämlich um Comics und ihre komplizierte Terminologie.

365 Days of KirbyTech
Comics oughta be fun!, Bully
Ein US-Comicblog beschäftigt sich das ganze Jahr über täglich mit all den abgefahrenen Maschinen und Geräten, die Jack Kirby für seine Comics erfunden hat.

Danger Girl: Trinity

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Cover Danger Girl: TrinityWenn hübsche Frauen in sexy Outfits herumballern, dann liest man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Danger Girl-Comic. Nach dem durchaus passablen Vorgänger Revolver legt dani books gleich die brandneue Miniserie Trinity vor.

Autor Andy Hartnell spielt mit dem Titel nicht nur auf die dreiköpfige Gruppe rund um Abbey Chase und die Schwestern Sydney und Sonya Savage an, sondern setzt seine Geschichte in Form von drei parallel laufenden Handlungssträngen um, die sich erst zum Ende hin kreuzen: Abbey gerät auf Schatzsuche in Ägypten in die Fänge eines falschen Prinzen, woraufhin Deuce (der Leiter der Danger-Girl-Missionen) ihre beiden Kolleginnen zu Rettung schickt. Dumm nur, dass die beiden sich ebenfalls in tödlicher Gefahr befinden und erst mal ihre eigene Haut retten müssen.

Die Story ist nicht unbedingt tiefsinnige Comickost, aber das versucht sie auch gar nicht zu sein. Dafür ist sie allerdings eines: Perfekte Actionkost mit hohem Unterhaltungswert. Lässt man nämlich den zugrundeliegenden Plot mal beiseite, kann man richtig viel Spaß mit dem Band haben. Man ist zwar schnell durch mit dem Lesen, fühlt sich aber bestens unterhalten.

Hartnells Idee mit den drei Handlungssträngen (einer für jede der drei Hauptprotagonistinnen) zeigt sich schnell relativ originell, weil dadurch zusätzlicher Pep in die ohnehin schon flotte Erzählweise kommt und nebenbei die obligatorischen Stärken der Figuren hervorgehoben werden. So sieht man Abbey als Ärchäologin auf dem Pfade eines Indiana Jones, Sydney als femme fatale in Spionagemission in London und Sonya im Dschungel des Kongo als draufgängerische Amazone.

Seite aus Danger Girl: TrinityEin netter Effekt ist übrigens auch der Einsatz von drei verschiedenen Zeichnern, für jeden Part ein anderer, was vor allen Dingen deshalb gut funktioniert, weil keiner der Künstler qualitativ völlig abfällt. Und sie sind zusätzlich auch noch in ihrem Stil völlig klar voneinander abgrenzbar. Danger Girl: Trinity ist also kein zeichnerischer Einheitsbrei, sondern eine gut gemixte Komposition, die auch dann noch funktioniert, wenn sich die Wege der Frauen langsam kreuzen und der Handlungsort an einen gemeinsamen Punkt verlagert wird. Die Bilder von John Royle erinnern dabei stark an die des Serien-Mitschöpfers J. Scott Campbell (der für Trinity immerhin die Cover gezeichnet hat), Harvey Tolibaos Stil lässt sich noch am ehesten mit den weniger gelungenen Arbeiten von Leinil Yu vergleichen und Stephen Molnars Arbeit weckt Assoziationen an Frank Cho.

Insgesamt bleibt sich die Serie treu und sie behält sich den Geist der bisherigen Abenteuer. Für die nahe Zukunft sollen bei dani books dann weitere Miniserien aus dem Danger Girl-Kosmos folgen, u.a. auch das Crossover mit der Armee der Finsternis.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Hat alles, was man von einem typischen Danger Girl-Comic erwartet + eine gelungene Dreiteilung

 

Danger Girl: Trinity
Dani Books, November 2013
Text: Andy Hartnell
Zeichnungen: John Royle, Harvey Tolibao, Stephen Molnar
Übersetzung: Arne Voigtmann
104 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14 Euro
ISBN: 978-3-944077-37-6
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: dani books

Tardi – Schwarz auf Weiß

Filmplakat Tardi – Schwarz auf Weiß

Tardi – En noir et blanc
Frankreich 2006
Regie: Pierre-André Sauvageot

Parallel zur Ausstellung „Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“ im Literarischen Colloquium Berlin zeigen zwei Berliner Kinos ab dem 16. Januar zwei Wochen lang einen Dokumentarfilm, in dem einer der wichtigsten französischen Comiczeichner über seine Arbeit spricht. Tardi – Schwarz auf Weiß stammt aus dem Jahr 2006, ist also nicht mehr nagelneu – doch das Ansehen lohnt sich trotzdem.

 

Szene aus Tardi – Schwarz auf WeißJacques Tardi, mitllerweile 67 Jahre alt, gehört zu den ganz Großen des französischen Comics. Neben seiner langlebigen Serie Adeles ungewöhnliche Abenteuer steht er vor allem für atmosphärische Adaptionen von Kriminalromanen und für die schonungslose Comic-Darstellung des Ersten Weltkriegs. Der 50-minütige Film von Pierre-André Sauvageot, der in einem Zeitraum von zwei Jahren gedreht wurde, zeigt Jacques Tardi bei der Arbeit an den Alben Killer stellen sich nicht vor und Das Geheimnis des Würgers (beide Edition Moderne 2006/2007). Außerdem arbeitet er zu dieser Zeit bereits an dem Comic über die Kriegserinnerungen seines Vaters, dessen erster Band erst vor kurzem auf Deutsch erschienen ist.

Schwarz auf Weiß ist ein sehr zurückgenommener Film, der aufs Wesentliche reduziert bleibt. Es gibt keine Stimme aus dem Off, keine Vorstellung des Künstlers oder seines Werdegangs. Sauvageot steigt ohne Einleitung direkt ein und geht davon aus, dass seine Zuschauer wissen, wen sie hier zu sehen bekommen. Was wir sehen, ist ausschließlich Jacques Tardi selbst und seine Arbeit. Wir sehen ihm an seinem Zeichentisch, zeichnend, über seine Arbeit sprechend und eine erstaunliche Menge von Zigaretten rauchend. Oft blickt ihm die Kamera über die Schulter und schaut ihm direkt beim Zeichnen, Tuschen oder Retuschieren zu.

Szene aus Tardi – Schwarz auf WeißWenn fertige Comicseiten im Bild zu sehen sind, geschieht das ohne jene Effekthascherei, die in letzter Zeit üblich geworden ist, wenn Fernsehsendungen Comics zeigen. Hier wird nichts animiert, gedreht, ein- oder ausgeblendet, auch kein Text vorgelesen – Tardis Originale dürfen für sich sprechen, was ihnen auch mühelos gelingt.

Für viele Comicinteressierte dürfte es schon ausreichen, einem Meister des Fachs einfach nur beim Zeichnen zuzusehen. Aber Tardi hat auch viel Interessantes zu sagen. So spricht er nicht nur über inhaltliche und technische Aspekte des Comiczeichnens, er äußert sich auch als streitbarer Kritiker der Gesellschaft und kritisiert zum Beispiel das Schulsystem oder die Medienlandschaft. Dass Tardi vor etwa einem Jahr den Orden der französischen Ehrenlegion aus Überzeugung abgelehnt hat, passt ins Bild eines Künstlers, der den Reichen und Mächtigen stets sehr skeptisch gegenübersteht.

Szene aus Tardi – Schwarz auf WeißGelegentlich verlässt der Film Tardis Arbeitszimmer, dann begleiten wir den Künstler auf Streifzügen durch Paris, wo er mit einer einfachen Kompaktkamera Häuser und Straßen fotografiert. Diese Fotos dienen ihm später als Referenzmaterial für seine Zeichnungen, denn die Verortung der Geschichten an einem realen Schauplatz ist für Tardi, wie er im Film betont, ein extrem wichtiges Element seiner Comics.

Dem Regisseur Sauvageot, der sich schon mehrfach dokumentarisch mit Comickünstlern befasst hat (u.a. mit José Muñoz und Willem), ist hier mit einfachen Mitteln ein sehr interessantes Porträt einer starken Künstlerpersönlichkeit gelungen. Keine umfassende Biographie, sondern ein Werkstattbericht, dem man auch gerne noch länger als 50 Minuten zugesehen hätte.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Sehenswerter, aus Wesentliche konzentrierter Werkstattbericht

 

Der Film läuft bis mindestens Ende Januar in den Berliner Kinos Lichtblick und Moviemento, teilweise begleitet von Sonderveranstaltungen. Weitere Infos gibt es auf Facebook.
 

Abbildungen: © Sabcat Media

 

Jackie Kottwitz Gesamtausgabe – Band 2

Cover Jackie Kottwitz 2Mittlerweile liegt der zweite Band der Gesamtausgabe von Jackie Kottwitz (im Original: Jérôme K. Jérôme Bloche) vor, der erneut drei Originalalben der hervorragenden Detektivserie aus den späten 80ern enthält. Die dritte Geschichte, „Zelda“, ist sogar eine deutsche Erstveröffentlichung, während die beiden davor abgedruckten Stories gegenüber den damaligen Carlsen-Alben „nur“ mit einer Neukolorierung aufwarten (einen Vergleich zwischen den Farbgebungen kann man hier bewundern).

Der noch recht unerfahrende Jackie Kottwitz verdingt sich, ganz wie seine großen Vorbilder, als Detektiv mit Hut und Trenchcoat, lebt allerdings eher wie ein Student. Aus seinem kleinen Appartement heraus ermittelt er und schwingt sich mit Turnschuhen an den Füßen auf dem Fahrrad zur Zeugenbefragung. Charakterisiert ist die Figur als leicht tollpatischig und gutmütig. Aber eben auch ausgestattet mit einem scharfen Verstand und einer schnellen Kombinationsgabe, weswegen die Fälle am Ende eigentlich auch immer aufgeklärt werden.

Diesmal verschlägt es Jackie ins Hafengebiet, wo er die Identität eines Weltkriegssoldaten aufklären muss. „Späte Rache“, so der Titel der Geschichte, ist interessanterweise das erste Album, das von Alain Dodier nicht nur gezeichnet, sondern auch allein getextet wurde. Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass die Idee dazu aus einem Ereignis mit Dodiers Vater resultierte und der Künstler unbedingt diese persönliche Episode eigenverantwortlich gestalten wollte.

Diesen Hintergrund lüftet Dodier selbst in einem Interview aus dem Jahr 2002, welches in diesem zweiten Band der Gesamtausgabe in deutscher Sprache zum Abdruck kommt. In Bezug auf die ebenfalls in diesem Buch enthaltene Story „Der Dritte im Spiel“ (an der auch Autor Makyo wieder beteiligt ist) erklärt der Zeichner seine Abneigung gegenüber den Szenen, die in England spielen. Denn Schauplätze außerhalb Frankreichs, seiner ihm bekannten Heimat, bringt er nur höchst ungern zu Papier und hat dies folglich auch außerhalb dieser England-Story nie mehr versucht.

Seite aus Jackie Kottwitz 2Aber auch abseits diese Anekdote aus dem Entstehungsprozess ist „Der Dritte im Spiel“ sehr brisant, da die Story in Jackies Familiengeschichte wühlt und er zum ersten Mal mehr über die Vergangenheit seiner Eltern erfährt. Er ermittelt er in eigener Sache, was ihn letztlich zu einem Trip auf die britische Insel verleitet.

Der Grundtenor der Erzählungen in diesem Band ist insgesamt bereits etwas ernsthafter, ohne allerdings den Kottwitz-typischen Humor einzubüßen. Die Ermittlungsmethoden der Hauptfigur mögen aus heutiger Sicht antiquiert wirken, aber gerade das macht auch mit den Charme dieser Comicserie aus. Und sieht man einmal von den kleinen Details ab, wirkt Jackie Kottwitz auch nach über 20 Jahren frisch und modern.

Schade nur, dass man vermutlich erst 2015 in den Genuss des dritten Teils der Gesamtausgabe von Finix kommen wird. Aber da jede Story in sich abgeschlossen ist, muss man sich immerhin nicht mit fiesen Cliffhangern herumschlagen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Spannende Fälle, eine interessante Hauptfigur und schöne Zeichnungen – die Serie hat qualitativ nochmal zugelegt

 

Jackie Kottwitz Gesamtausgabe, Band 2
Finix Comics, Dezember 2013
Text: Alain Dodier, Pierre Makyo
Zeichnungen: Alain Dodier
Übersetzung: Oriol Schreibweis, Michael Steets
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,80 Euro
ISBN: 9783941236790
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Finix Comics

Zur Rezension von Band 1 geht es hier!

Links der Woche 1/14: Looking Forward to Looking Back

Unsere Links der Woche, Ausgabe 1/2014:

 

Graphic Novels beleben den Buchmarkt
Deutschlandradio Kultur, Shelly Kupferberg
Eine Sendung der Radio-Reihe Lesart mit Studiogast Reinhard Kleist, in der einige aktuelle Comics, alle mit politischem Hintergrund, vorgestellt wurden.

Wer wird König von Angoulême?
intellectures, Thomas Hummitzsch
Der jährlich vergebene Grand Prix von Angoulême ist eine Art Preis für das Lebenswerk eines Comickünstlers und wird Anfang Februar zum nächsten Mal vergeben. Der Preisträger wird über eine Abstimmung unter professionellen Comicschaffenden ermittelt. Thomas Hummitzsch stellt die Liste der 25 Nominierten für 2014 vor.

„Manga ist in Japan vor allem ein Business. Es geht nicht ums »Schönzeichnen«“
animey, Asuka
Ein zweiteiliges Interview mit Mangazeicherin Carolin Eckhardt, deren Serie Oku-sama Guten Tag! im japanischen Web-Magazin Tonari no Young Jump und auch in Form gedruckter Sammelbände erscheint. Der Manga erzählt von einem frisch verheirateten Paar, dessen weibliche Hälfte aus Deutschland stammt, und will den Lesern auch Wissen über deutsche Kultur vermitteln.

Internationaler H-TEAM-Comic-Wettbewerb 2014
H-Team e.V.
Die Münchner Wohlfahrtsorganisation H-Team, die sich vor allem um Bürger mit Wohnungsproblemen kümmert, schreibt einen Comicwettbewerb zum Thema „Schuldenprävention für Kinder und Jugendliche“ aus, der mit insgesamt 3.000 Euro dotiert ist.

Die besten Comics des Jahres 2013
nordbayern.de, bb
Eine weitere Jahresbestenliste. Diese hier, entstanden für das Webportal der Nürnberger Tageszeitungen, lässt Comicmenschen aus der Region zu Wort kommen: von Comic-Salon-Leiter Bodo Birk über Podcaster und Journalisten bis zu verschiedenen Ilustratoren und Zeichnern.

2013 : l’année de la décélération
ACBD, Gilles Ratier
Der Verband der französischen Comickritiker hat wieder seine jährliche, umfassende Marktbilanz vorgelegt. Demnach war 2013 das „Jahr der Entschleunigung“. Nachdem die Titelflut zuletzt Jahr für Jahr gewachsen ist, gab es im letzten Jahr, erstmals seit 17 Jahren, einen Rückgang der Menge an Neuerscheinungen um 7,3 Prozent.

The 2013 Comics Industry Person of the Year is Kim Thompson
The Beat, Heidi MacDonald
Das US-Comicblog The Beat ermittelt jedes Jahr per Umfrage unter zahlreichen Leuten aus der Branche die Comic-Persönlichkeit des Jahres. Fürs letzte Jahr fiel die Wahl auf den im Juni verstorbenen Kim Thompson, Co-Verleger von Fantagraphics. Thompson war nicht nur ein wichtiger Wegbereiter für den amerikanischen Independent-Comic, er sorgte mit seinen Übersetzungen auch dafür, dass viele wichtige europäische Comics einen Weg auf den amerikanischen Markt fanden. Der Beitrag listet auch weitere Namensnennungen aus der Umfrage auf.

The Best New Webcomics of 2013
io9, Lauren Davis
Schöne Auswahl von zwölf empfehlenswerten Webcomics des vergangenen Jahres, die man alle kostenlos und sofort lesen kann.

14 for ’14: Comic Book Creators To Watch In The New Year
Comics Alliance, Andrew Wheeler
Comics Alliance nennt und verlinkt 14 ComickünstlerInnen, die 2014 von sich reden machen werden.