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Daniel & Oleg: Du weisst, ich weiss

 „Daniel und Oleg sind eine WG“, sagt der Klappentext. Und zwar eine im Hamburger Schanzenviertel, wo sich eine Melange aus Alt-68ern, Punks und hippen Werbefuzzis zum sogenannten Szeneviertel vereint. Daniel will um jeden Preis ganz vorne dabei sein, wenn es um die richtigen Styles geht, egal ob es um Musik, Mode, Frisuren oder die Inneneinrichtung geht. Oleg dagegen ist eher der gemütliche Typ, dessen Leben sich zwischen Bong und Spielkonsole abspielt.

Autor René Roggmann und Zeichner Olli Ferreira (manchmal könnte es auch umgekehrt sein) stellen vor allem die Figur des Daniel in den Mittelpunkt ihrer Kurzcomics (meist sind es One-Pager), die sie schon seit einigen Jahren produzieren, aber noch nie veröffentlicht haben. Daniel gehört zu den Auskennern, er liest die richtigen Magazine und weiß Bescheid. Er ist aber auch ein fürchterlich unentspannter Typ, der vor lauter Stilwillen komplett verkrampft. Muss man diese Platte nicht schon längst haben, darf man jene Band noch gut finden, was ist cool, was ist uncool, und vor allem: bin ich selber cool? Und ist das alles überhaupt noch „indie“? An Oleg dagegen prallen diese Fragen ab, sie könnten ihm egaler nicht sein. Mehr noch, Oleg hat ein paar feine spitze Nadeln im Repertoire, mit dem er Daniels aufgeblasene Coolness-Luftballons immer wieder aufs schönste zum Platzen bringt.

 Trotz aller Übertreibungen sind Roggmanns und Ferreiras Charaktere erstaunlich nah am Leben, was auch für die Nebenfiguren gilt. Wer in einer größeren Stadt lebt, unter 50 ist und sich auch nur ansatzweise für Popkultur interessiert, kennt so ähnliche Typen. Ein bisschen Daniel steckt in vielen von uns, und so lacht man über seine verzweifelten Taten, weil man sich ein bisschen ertappt fühlt, aber dann wieder froh ist, dass man selber nie so extrem sein könnte.

Lebensnah ist Daniel & Oleg auch wegen der Dialoge. Die Figuren sprechen wie echte Menschen, was viel schwieriger hinzukriegen ist, als es sich anhört. Und da dieser Comic sehr wortlastig ist, muss man auch das feine, sehr stylishe Handlettering erwähnen. Zeichnerisch beschränkt sich Olli Ferreira aufs Wesentliche, seine Bilder erscheinen auf den ersten Blick extrem simpel und reduziert. Wer aber genau hinsieht, erkennt filigrane Feinheiten und die Fähigkeit, mit wenigen Strichen viel auszudrücken.

Eigentlich müsste Daniel & Oleg längst als regulärer Comic in einem Magazin wie Spex oder Intro laufen. Aber für Daniel wäre das vermutlich der totale Sell-Out. Zum Glück gibt es das kleine, comic-affine Fanzine Jackpot Baby!, das inzwischen vor allem online aktiv ist. Extra für diesen Comic entstand das erfreulichste Joint Venture seit langem: Gemeinsam sorgen der Zwerchfell Verlag und Jackpot Baby! dafür, dass ein Comic gedruckt wird, der bis dato nur ein paar Insidern in Form von herumgereichten Fotokopien bekannt war.

 Daniel & Oleg ist ein großer, gagreicher Spaß, der trotz aller Gemeinheiten sehr liebevoll die Welt des Indierock und ihre Fans auf Korn nimmt. Ein bisschen sollte man mit dieser Welt schon vertraut sein, um den Comic genießen zu können. Wer noch nie von den White Stripes oder Charlotte Roche gehört hat, liest vielleicht doch lieber was anderes, dem Rest aber sei Du weisst, ich weiss sehr empfohlen.

Daniel & Oleg: Du weisst, ich weiss
Zwerchfell/Jackpot Baby!
, Dezember 2007
Text und Zeichnungen: René Roggman und
Olli Ferreira
Softcover; schwarz-weiß; 64 Seiten; 10,- Euro
ISBN: 978-3-928387-82-8

Sowas von adorable, Alter!

nlintX


Der Lehrling des Magiers 1

 Mit Raymond E. Feists Der Lehrling des Magiers veröffentlicht Panini Comics ein weiteres Bruchstück seines wachsenden Fantasy-Segments. Darin geht es um Freundschaft, Lehrjahre und die erste große Liebe. Aber Drachen und Trolle kommen auch vor, keine Sorge.

Panini gilt gemeinhin als Verlag der Superhelden. Batman, Superman, Spider-Man und die Fantastischen Vier verlassen dort jeden Monat Hand in Hand die Druckerpresse, frisch verpackt und eingeschweißt, bereit und versandfertig für den Kiosk. Wer jedoch genauer hinsieht, stellt fest, dass Panini noch mehr als Superhelden zu bieten hat. Mittlerweile beackert der Verlag eine ganze Reihe unterschiedlicher Segmente. Neben den Helden in Strumpfhosen erscheinen dort auch Comics zu Filmen und Fernsehserien (Star Wars, Buffy), zu Computer- und Rollenspielen (Silent Hill, Hellgate, Warhammer 40.000) sowie jede Menge Literatur für adoleszentes Publikum (Criminal, Sandman, DMZ). Von der riesigen Auswahl an Mangas einmal ganz zu schweigen.

Ein weiteres, kontinuierlich von Panini erschlossenes Segment sind Fantasy-Comics. Als Vorlage solcher Comics dienen Romane, die sich in der Vergangenheit bereits erfolgreich ein Publikum erobert haben. Dragonlance, Elric und Conan zum Beispiel sind seit langer Zeit Fixsterne am Himmel der Fantasy-Literatur, und es ist zu erwarten, dass eingefleischte Fans der Romanvorlagen auch bei den Comics zugreifen werden.

Mit Raymond E. Feists Der Lehrling des Magiers befinden wir uns mitten drin. Paninis Fantasy-Comics wenden sich weniger an ein erwachsenes, sondern eher an ein jugendliches Publikum. So auch die Geschichte um die beiden Freunde Pug und Tomas. Sie wachsen zusammen auf Schloss Crydee in dem fantastischen Reich Midkemia auf. Als es Zeit wird, einen Lehrmeister zu suchen und eine Ausbildung anzufangen, kommt der athletische Tomas bei dem Schwertmeister Fannon unter. Er wird zu einem Krieger herangezogen und im Umgang mit der Klinge trainiert. Pug hingegen geht bei dem Meistermagier Kulgan in die Lehre und zeigt dort einiges Geschick und Talent. Die Freundschaft und die Lehrzeit der beiden Jungen bilden einen wichtigen Teil der Geschichte. Später kommen noch andere Momente hinzu, beispielsweise Pugs Gefühle für die schöne Prinzessin Carline oder eine Bedrohung aus einer anderen Dimension.

An die Grenzen des durch Comics Erfahrbaren führt dieser Comic sicherlich nicht. Ihm haftet eben jene merkwürdige Sperrigkeit an, die häufig entsteht, wenn ein Roman zu einem Comic umgeschrieben wird. Die Figuren sind ein wenig zu glatt und konturlos, zwar unterscheidbar, aber eben doch noch zu nah am Klischee, um frisch und lebendig zu wirken. Sieht man von dieser grundlegenden Schwäche der Charakterisierung und der Atmosphäre einmal ab, funktioniert Der Lehrling des Magiers bemerkenswert gut. Die verschiedenen Handlungsebenen greifen gut ineinander über, und trotz der Fülle von Nebenfiguren behält der Leser die Übersicht. Optisch macht außerdem die erste Hälfte von Brett Booth einiges her. (Die zweite Hälfte des Bandes von Ryan Stegman fällt hingegen etwas schwächer aus.)

Thematisch ist Der Lehrling des Magiers ein Comic für Jugendliche. Es geht um Aufbruch und Lehrzeit, um die Fragen, wer man ist und wohin man im Leben gehört. Durchmischt wird das Ganze mit Miniaturdrachen, Trollen, Feuerbällen und Elfen. Ein innovativer Comic ist das nicht. Aber es ist solide Fantasy, die ja schon immer gerne etwas konservativ daherkam.

Die Midkemia-Saga: Der Lehrling des Magiers 1
Panini Comics, November 2007
Story: Raymond E. Feist
Text: Michael Avon Oeming, Bryan J. Glass
Zeichnungen: Brett Booth, Ryan Stegman
148 Seiten; Softcover; vierfarbig; 16,95 Euro
ISBN 978-3866075030

Solide Roman-Adaption

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Bildquelle: paninicomics.de

Alan Moores WildC.A.T.S: Heimkehr nach Khera

 Auf den ersten Blick ist Heimkehr nach Khera ein ziemlich gewöhnlicher Superhelden-Comic. Vom Cover bis zur letzten Seite springen da dem Leser die WildC.A.T.S entgegen: bunte, athletische Körper ohne den geringsten Makel. Sie sind ein außerirdisches Superhelden-Team, vergleichbar mit der JLA oder den Teen Titans. Sie können durch die Luft fliegen, Wände einreißen und andere tolle Sachen machen. Ihre Fähigkeiten setzen sie natürlich nur zum Guten ein, Menschheit beschützen, Katastrophen verhindern, Katzen retten und so. Von den knalligen Seiten lächelt einem die glatte Plastikwelt der US-Comicindustrie entgegen. Nach wie vor führen Superhelden in den USA die Verkaufszahlen an.

Frank Neubauer kennt sich mit Superhelden aus. Schließlich hat er sie lange übersetzt, beispielsweise für Ehapa oder Dino Comics. Vor einer Weile fand er sehr passende Worte, um den Charme vieler Superhelden-Comics zu beschreiben. „Bei manchen Serien stumpft man ab, weil man bei Heft 20 weiß: Okay, da kommen jetzt vier Seiten Vorstellung der Figuren, fünfzehn Seiten auf die Mütze hauen und drei Seiten Abgesang“, so Neubauer in einem Gespräch mit Comicgate. Schema F also. Was tun? Durchblättern, lächeln und wegwerfen, das Zeug?

So ein Einstieg verrät natürlich, dass bei Heimkehr nach Khera vieles anders ist. Muss es auch, schließlich ist der kürzlich bei Panini erschienene Band schon zwanzig Jahre alt. Kurz nach seiner Erstveröffentlichung in den USA erschien er hierzulande bei Splitter. Diese Ausgaben sind natürlich längst vergriffen, so dass das Szenario lange Zeit in der Versenkung verschwunden war. Einen stinknormalen Superhelden-Comic hätte niemand wieder ans Licht holen müssen.

In Wirklichkeit handelt es sich bei WildC.A.T.S: Heimkehr nach Khera um eine seltene Perle im Superhelden-Universum. Einen ersten Hinweis darauf könnte der Name des Autoren auf dem Cover sein, wenigstens für eingefleischte Comic-Fans. Denn hier hat der Brite Alan Moore Hand angelegt. Moore, eher bekannt durch Klassiker wie V wie Vendetta, Watchmen oder From Hell, hat im Laufe seiner Karriere auch Spuren im amerikanischen Mainstream hinterlassen. So schrieb er unter anderem auch an Jim Lees WildC.A.T.S mit.

Neben Frank Miller ist Alan Moore einer der großen Dekonstruktivisten des Superhelden-Comics. Soll heißen: Anstatt Geschichten von aalglatten Übermenschen zu erzählen, nimmt er Abstand von solchen Konzepten und konzentriert sich auf die zerbrechlichsten Stellen seiner Figuren. Eben dieses Interesse macht Heimkehr nach Khera spannend und unterhaltsam. Wer sich jetzt ein düsteres, sich selbst auflösendes Werk denkt, liegt falsch. Es sind noch immer Superhelden, sie bleiben es auch bis zum Ende, aber sie ringen mit sich selbst, nicht mit ihren Feinden. Parallel beackern Moore und der fabelhafte Zeichner Travis Charest zwei Schauplätze, nämlich Khera und die Erde. Ein Teil der WildC.A.T.S ist zu ihrem Heimatplaneten zurückgekehrt, einige andere sind auf der Erde geblieben und versuchen dort, ein neues Superhelden-Team aufzubauen.

Auf Khera müssen die WildC.A.T.S feststellen, dass der Krieg gegen die Erzfeinde (die Daemoniten) inzwischen gewonnen wurde. Nach dem Krieg kam weder ein Paradies noch der himmlische Friede, sondern eine strenge soziale Hierarchie und mit ihr eine Ordnung, die auf viele einstige Lichtgestalten einen finsteren Schatten wirft. Wer Freund oder Feind ist, hängt plötzlich vom eigenen Standpunkt ab und ist nicht mehr vordefiniert. Es ist die Ebene der Politik, die Alan Moore da berührt. Die Folge ist der Zusammenbruch des Teams, weil jeder auf andere Art und Weise auf die soziale Ungerechtigkeit reagiert. Man könnte auch sagen, die WildC.A.T.S zerfleischen sich selbst in dem Moment, als ihnen die Feinde ausgehen.

Die Probleme auf der Erde sind etwas anders gelagert. Dort versuchen die verbliebenen WildC.A.T.S ein neues Team aufzubauen. Das gelingt nach einigen Anstrengungen auch, aber das Ergebnis ist höchst unbefriedigend. Die neuen Mitglieder sind in erster Linie gewalttätig und auf ihren eigenen Vorteil bedacht und erst in zweiter Linie Diener am Gemeinwohl. Mit H.A.R.M., dem ersten Superschurken, den sie fertig machen, bekommt der Leser beinahe Mitleid. „Er hatte nur einen kindischen Traum… Er wollte 1500 Pfund wiegen und Boden-Luft-Raketen in den Schultern haben.“ Aus der Traum. Die neuen WildC.A.T.S besuchen den Schwerverbrecher zuhause und erschießen ihn, natürlich aus Versehen. Kein Wunder, dass die Unterwelt auf so eine Provokation reagiert. Ganz zu schweigen von der Witwe…

Wer als Kind gerne Superhelden-Comics gelesen hat und glaubt, dem Medium inzwischen entwachsen zu sein, sollte einen Blick auf Heimkehr nach Khera werfen. Dieser Comic macht einfach Spaß. Unter der Oberfläche des recht simplen Plots schlummert ein wunderbarer Witz und Verstand, so dass sich die Geschichte trotz ihres Alters noch immer frisch und lebendig anfühlt. Und nicht nur die Story und die Dialoge, sondern auch die Zeichnungen und die Kolorierung sind brilliant. Hier wurde aus der Versenkung geholt, was nicht dorthin gehört. Auf die Mütze hauen und drei Seiten Abgesang? So einfach macht es sich Moore bei den WildC.A.T.S zum Glück nicht.

WildC.A.T.S 1: Heimkehr nach Khera
Panini Januar 2008
Autor: Alan Moore
Zeichnungen: Travis Charest u.a.
Originalausgabe: WildC.A.T.S #21-27 (Wildstorm, Juli 1995 – März 1996)
212 Seiten; vierfarbig; Softcover; 19,95 Euro

Bester Superhelden-Stoff

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Bildquelle: paninicomics.de

Olaf G.

 Was passiert, wenn man zwei wild gewordene, norwegische Comic-Zeichner mit ein paar Stiften und einer Flasche Calvados bewaffnet auf unsere liebliche, bayerische Provinz loslässt? Genau diese ungewöhnliche Konstellation ergab sich nämlich 2004, als die beiden Zeichner Lars Friske und Steffen Kverneland von ihrem Heimatland Norwegen aus nach Tegernsee und München fuhren. Dort lustwandelten die beiden auf den Spuren ihres Landsmanns, des legendären Simplicissimus-Zeichners Olaf Gulbransson, und porträtierten ihre etwas abstruse Odyssee in dem 183 Seiten starken Comicalbum Olaf G., das Dank dem Berliner avant-Verlag seit Anfang 2008 auch auf deutsch erhältlich ist.

Noch bevor die Bilderreise richtig losgehen kann, zeichnen sich bereits die ersten Probleme ab. Auf den ersten Seiten des Comics folgt einem Selbstporträt von Gulbransson, aus dessen sehr reichhaltigem Fundus sich die beiden für Olaf G. bedient haben, eine Zeichnung von Fiske und Kverneland, die diesem nachempfunden ist. Natürlich ist es nur gut und recht, sich für solch ein Projekt bei den Werken des zu betrachtenden Künstlers zu bedienen. Niemand würde es für verwerflich halten, wenn die Schüler dazu die Bilder des Meisters abkupferten. Doch ist es die Ähnlichkeit dieser Bilder, die sich im Laufe der Geschichte eben nicht bestätigt. Während Gulbransson von seinen Kollegen beim Simplicissimus, wie Fiske und Kverneland zu recht andeuten, als der größte Minimalist gefeiert wurde, versuchen die Werke seiner norwegischen Nachfahren durch Bild- und Farbgewalt zu überzeugen. Es sind genau die graphischen Unterschiede, die Olaf G. zu einem interessanten Comic machen.

Original von Gulbransson Variation von Fiske und Kverneland

 Selbstverständlich wirken die Bilder der beiden Norweger im Vergleich zu Gulbranssons feiner Feder etwas überladen. Fiske und Kverneland bedienen sich jeweils einer ganz eigenen Technik: Fiske nutzt Geraden, die wie mit dem Lineal gezogen wirken, und lässt diese an rechtwinkligen Kanten enden, die aus Menschen groteske Robotmenschen werden lassen. Das Resultat dieser Darstellungsweise ist eine Welt voll von geordneter Unordnung, die eine Gegenposition zu Gulbranssons einfachen, weichen Bleistiftzeichnungen darstellt. Sein Kollege Kverneland kontrastiert andererseits die Einfachheit des Simplicissimus-Zeichners durch eine fast fotorealistische Welt, deren Farben aber jeden Moment zu explodieren drohen. Im Gegenzug dazu werden Rückblicke in Gulbranssons Vergangenheit durch die minimalistische Farbwahl (schwarz-weiß) verdeutlicht. Ein Vergleich mit oder gar eine Übersetzung von Gulbranssons Leben war nie Ziel dieses Comics, deshalb soll es sich nicht an Gulbranssons Stil anlehnen. Die graphische Darstellung von Kverneland und Fiske steht also gleichberechtigt neben der Gulbranssons und macht die gesamte Geschichte zu einer wunderbaren Bilderreise.

Die Narration der Geschichte profitiert ebenso von den unterschiedlichen Stilen der Künstler. Immer wieder springt die Erzählung in Olaf G. vom erfüllten Leben Gulbranssons hin ins bayerische Wirtshaus, vor deren Gästen Fiske und Kverneland aus Angst vor perversen Orgien fliehen. Während zu Beginn der Geschichte Entdeckungen auf ihrer Reise noch als Anreize genutzt werden, um einen Blick in Gulbranssons Vergangenheit zu werfen, so dreht sich diese Kausalkette im Laufe der Handlung in ihr Gegenteil um:  Oft sind es gerade die Abstrusitäten aus Gulbranssons Anekdoten, die auch Fiske und Kverneland dazu bewegen, sich z.B. bayerische Hüte mit Gamsbart zu kaufen oder sich in Tracht zu zeichnen. Ähnlich wie bereits in der graphischen Darstellung zu sehen, entzieht sich der Comic absichtlich jeder Einteilung in bestimmte Segmente der Narration. Immer wenn man denkt, dass es sich eigentlich um einen reinen Reisebericht handelt, wechseln Fikse und Kverneland zur Biographie. Gerade dieses Wechselspiel ist es, das dem Comic seine Lust am Erzählen und Bebildern verleiht.

Der avant-Verlag, präsentiert ja inzwischen (zusammen mit ein paar anderen Verlagen) seine Werke offiziell als „Graphic Novels“. Diese Genre-Betitelung soll den Leser überzeugen, einen anspruchvollen Comic, also ein hochwertiges Produkt zu kaufen. Solange uns aber europäische Comickultur auf diesem hohen Niveau präsentiert wird, muss man sich gar nicht den amorphen, amerikanischen „Graphic Novel“-Stempel aufdrücken lassen, der in Wirklichkeit nichts über einen Comic aussagt. Hoch anrechnen muss man es da Andreas Platthaus von der FAZ , der das Problem unsanft umschifft und Fiskes und Kvernelands Comic simpel, aber treffend als „Sachcomic“ bezeichnet.

Am Ende des Comics angekommen, wird man feststellen, dass Olaf G. trotz einiger Eingewöhnungszeit hinsichtlich der graphischen Mischform ein hochkomplexer Sachcomic ist, der Lust macht, mehr in der Geschichte des Simplicissimus und auch der von Gulbransson zu forschen. Außerdem richtet der avant-Verlag unsere Aufmerksamkeit für europäische Comics weg von den franko-belgischen Alben hin auf unbekannte Gefilde: Comics aus Norwegen.


Olaf G.

avant-Verlag, Dezember 2007
Text und Zeichnungen: Lars Fiske, Steffen Kverneland und Olaf Gulbransson
Hardcover; farbig und schwarz-weiß; 183 Seiten; 24,95 Euro
ISBN: 978-3-938511-37-4

Norwegischer „Sachcomic“ vom Feinsten!


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Coconino Classics
Simplicissimus Online-Edition
Gulbransson-Museum Tegernsee
Wikipedia: Gulbransson , Simplicissimus

Bildquelle: avant-Verlag.de

The Darkness 1 (US)

Cover von The Darkness 1 (neue Neue Serie)Es gab mal eine Zeit in den Neunzigern, da spielte Image Comics und besonders sein Unterlabel Top Cow richtig gut mit im Comicgeschäft. Zugpferde waren Witchblade von Fanliebling Michael Turner und der männliche Gegenpart zu Sarah Pezzinis ausladenden Kurven, The Darkness in Form des Mafiakillers Jackie Estacado. Diese beiden Serien spielten im selben Comicuniversum, hatten einige Crossover und waren das blühende Leben. Nun denn, alles hat mal ein Ende, und während sich Witchblade noch einigermaßen hielt (die meisten Comicleser sind halt Männer), ging es immer weiter bergab mit Jackie. Ich bin sicher nicht die Einzige, die The Darkness schon des öfteren eingestellt gesehen hat, aber Totgesagte leben nun mal länger. Und das mitunter gar nicht so schlecht.

Ich gebe zu: unbefangen bin ich nicht. The Darkness war eine meiner ersten Comicserien und beinhaltete zudem mal nicht das damals übliche Zeug, so viel dralle Weibsbilder wie möglich einzusetzen. Jackie war ein Antiheld, politisch eigentlich immer unkorekt, und viel Tiefsinn hatten die Mafiageschichten rund um den Träger der Finsternis (eine Macht, die Jackie an seinem 21. Geburtstag erhielt und mit der er im Dunklen alles formen kann, was er will) nicht wirklich. Aber irgendwie mochte ich ihn, wie er, einer seiner wenigen Gefühlsregungen folgend, innerlich seiner Jugendliebe hinterstolperte und sie dann durch seinen Onkel Franchetti verlor, dem Paten des Mafia-Clans und so etwas wie sein Stiefvater.

Nun, ich werde hier jetzt nicht die ganze Vorgeschichte runterrattern. Es gab Höhen und Tiefen in der Serie. Als die Schreiberlinge auf einmal Jackie ein schlechtes Gewissen verpassten und ihn von jetzt auf gleich zu einem – für seine Verhältnisse – Gutmenschen machten, gehörte das wohl eher zu Letzterem und ließ die Fanboys aufheulen, die Serie stieg ab. Und Jackie starb. Und tauchte wieder auf: in der „neuen Serie“ (so genannt bei Infinity, dem Verlag für die deutschsprachigen Ausgaben), die wieder mit der Nr. 1 losging und in der Jackie den Franchetti-Clan anführte. Das fühlte sich im Lauf der Zeit aber alles recht halbherzig an, die Teams wurden schnell durchgewechselt, die Geschichten waren zum Teil abstrus und nie wirklich mein Ding. Die für Profiverhältnisse mitunter grottenschlechten Zeichner fabrizierten Seiten, die wie bessere Fanarts aussahen und man hatte das Gefühl, dass niemand mehr wirklich an die Serie glaubte. Ein Ende schien vorprogrammiert.

Und dann, oh Wunder, interessierte man sich für The Darkness, um es als Videospiel umzusetzen. Und das war wohl gar nicht so schlecht. Das Interesse stieg letztes Jahr wieder an, es wurden ein paar Comics zum Spiel produziert und in einem extra TPB veröffentlicht (in Bezug zum Spiel wurden sie mit Level 0 bis 5 betitelt, haben aber nicht viel mit der Comicserie zu tun), und man scheint nun wieder Potenzial in den Comic zu sehen und päppelt ihn dementsprechend wieder hoch. Mich freut's.

Beispielseite aus The First Born In der dreiteiligen, geschniegelt und gebügelten Miniserie The First Born, die in den USA im Sommer/Herbst 2007 erschien und in der nochmal alles aufeinandertrifft, was im Top-Cow-Universum Rang und Namen hat (The Darkness, Sarah Pezzini, die neue Trägerin der Witchblade Dani, Magdalena, Angelus und ihre ganzen Himmelsscharen etc. pp.) wird von Autor Ron Marz (u.a. Sojourn) der Grundstein gelegt für Neuanfänge bei Witchblade und The Darkness. Und da tut sich so einiges. Die Story ist reichlich krude und neigt mitunter sogar zum Kitsch, reinigt aber auch vom Mief des Vergangenen und macht Platz für Neues. Die Zeichnungen von Stjepan Sejic mit ihrem Mix aus extremer Detailtreue und grobem Drübergepinsel sind als Splashpages faszinierend, an manchen Stellen im Comic aber über's Ziel hinausgeschossen. Hier wäre weniger mehr gewesen; nichtsdestotrotz ein Augenschmaus.

Seite aus The Darkness 1 Nun aber endlich zum eigentlich vorgestellten Comic, der von Phil Hester (u.a. Zeichner von Green Arrow mit Kevin Smith als Autor) geschrieben wird: Jackie hält am Ende von The First Born nichts mehr in New York und er macht sich auf in Richtung Mittel-/Südamerika, nach „Sierra Munoz“, um dort ein neues Leben zu beginnen. Wie sich auf den einführenden Seiten herausstellt, hat er den vorherigen (mutmaßlichen) Drogenbaron und Landesvater entsorgt und sich dort breit gemacht. Dabei versucht er, sich bei dem Volk beliebt zu machen, was ihm wohl auch ganz gut gelingt. Ein Anschlag auf sein Leben lässt ihn aber nichts Gutes ahnen (wobei von ihm Typen gekillt und Frauen laufen gelassen werden …?), und auch seine neuen Geschäfte, die Produktion von Drogen auf ganz neuen Wegen, laufen noch nicht so recht an. Schlussendlich gibt es noch einen Cliffhanger, der vielleicht ein altes Problem von Jackie endlich lösen kann …

Alles in allem lässt sich die neue neue Serie für Fans ganz gut an. Die Zeichnungen von Michael Broussard sind (Alt-)Image-typisch – die Damen erinnern mitunter an Michael Turner – und eine Erholung von der schlechten Qualität am Ende der zweiten „Staffel“. Jackie sieht endlich wieder so aus, wie er für Fangirls aussehen sollte, nur hat er jetzt einen Bart. Aufatmend nimmt der Leser zur Kenntnis, dass storytechnisch keine Angelus oder sonstiger kruder Schnickschnack auftaucht. Und es gibt keine abstrusen Träume. Eine Wohltat für geplagte Fans: Das hier scheint eine geradlinige Geschichte zu werden. Vielleicht nicht mit besonders viel Tiefgang, aber auch nicht mit irgendwelchem ausuferndem Geschwafel, einem hilflosen Protagonisten oder himmlischen Heerscharen. Ebenfalls interessant: Jackie scheint diesmal völlige Kontrolle über die Finsternis zu besitzen – der Kontrollverlust war ja eines der Themen der zweiten Staffel. Man kann nur noch hoffen, dass Phil Hester & Co Jackie wieder ein wenig zum Ursprung zurückführen und ihn etwas kantiger umsetzen, so wie er von Marc Silvestri, Garth Ennis und David Wohl erschaffen wurde. Dann sollte eigentlich nichts schief gehen. Ob sich dies schon darin manifestiert, dass Shit und Fuck nicht mehr so lustig zens1*@t werden wie früher – wer weiß.

Übrigens gibt es einen „First Look“ für 99 US-Cent. Das Heft lohnt sich aber nur, wenn man sich nicht sowieso die erste Normal-Ausgabe kaufen möchte, denn im First Look sind einfach nur die ersten acht Seiten abgedruckt.

The Darkness VOL 3 #1 (US)
Top Cow, Dezember 2007
Autor: Phil Hester
Zeichner: Michael Broussard
32 Seiten, farbig, Softcover; 2,99 USD

Produktseite bei Top Cow

Videotrailer zur neuen Serie mit Links zu einem sehr interessanten Interview mit den Darkness-Autoren Paul Jenkins, Phil Hester and Ron Marz zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Serie (bei CBR, englisch)

Kein schlechter Start

Ausser Dienst

 Im März 2004 fasste Lewis Trondheim einen Entschluss: Der französische Zeichner, der mit 39 Jahren schon auf ein beeindruckend umfangreiches Werk zurückblicken konnte, wollte nach 14 Jahren des pausenlosen Zeichnens eine lange Pause einlegen, ohne ein Album zeichnen zu müssen. Eine Zeitlang wollte er von kleinen Werbeaufträgen, Lizenzeinnahmen und dem Schreiben von Szenarios leben und als Koordinator für die Zeichentrick-Version seines Comics Le Roi Catastrophe arbeiten. Doch daraus wurde nichts. Nach 80 Tagen musste Trondheim wieder zeichnen.

Das Ergebnis dieser nicht vollzogenen Schaffenspause ist Außer Dienst. Dieser Band erzählt keine in sich geschlossene Geschichte, sondern ist eher ein Essay in Comicform. Trondheim, der sich selbst wie schon in Approximate Continuum Comics als Figur mit Vogelkopf zeichnet, sinniert über seinen Beruf und über die These, die ihn am meisten umtreibt: Comiczeichner altern schlecht.

 Trondheim ist der Ansicht, dass die meisten Comicschaffenden relativ schnell den Zenit ihrer Kunst erreichen und dann entweder stagnieren oder schwächer werden. Er hat Angst davor, sich endlos zu wiederholen, künstlerisch zu erstarren und vom Autor zum Handwerker zu werden. Um diese These zu überprüfen, befragt er zahlreiche Kollegen und bittet sie um ihre Ansicht zu dem Thema. All das hält er zeichnerisch fest, in einer sehr lockeren Form. Es gibt keinen erzählerischen roten Faden, die Zeichnungen wirken etwas roher als gewohnt, es gibt keine festen Panels, und etliche Seiten scheinen direkt aus Trondheims Skizzenbuch entnommen: ungewohnt realistische Naturansichten oder Tierskizzen.

Die Sammlung vieler Gedanken zum Altern von Comicmachern ergibt insgesamt eine spannende Selbstbespiegelung, eine Innenansicht aus einer Branche, die sowohl Kunstszene als auch kommerzielles Business ist. Trondheim betreibt dabei ein exzessives Namedropping und haut dem Leser reihenweise Namen von Zeichnern, Szenaristen und Verlagen um die Ohren. Glücklicherweise enthält der Band ein Glossar mit kurzen Erläuterungen zu allen genannten Namen, trotzdem kann man sich schnell mal überfordert fühlen, wenn man kein ausgewiesener Kenner der frankobelgischen Comics und ihrer Geschichte ist.

 Doch Trondheim wäre nicht Trondheim, wenn er die Schwere des Themas nicht immer wieder durch seinen typischen Humor aufbrechen würde. So lässt er beispielsweise ein kleines Publikum mitspielen, das stellvertretend für die Leserschaft steht. Diese Zuhörer dürfen ab und zu Zwischenfragen stellen, bekommen als Antwort aber auch mal einen deftigen Fußtritt verpasst. Zwischendurch stellt sich Trondheim immer wieder voller Sarkasmus selbst in Frage und ermahnt sich, dass er doch wirklich keinen Grund zum Selbstmitleid habe.

Ein wirklich zufriedenstellendes Ende findet der Band nicht, die wesentlichen Fragen müssen offen bleiben. Die einzige Antwort, die für Trondheim letztlich bleibt, heißt: weitermachen, weiterzeichnen.

Nicht jeder Leser wird Gefallen an dem experimentellen Ansatz finden, den Trondheim hier verfolgt. Wer aber selbst auf irgendeine Weise kreativ tätig ist, sei es nun in der Comicbranche oder anderswo, findet in dem Band einige interessante und anregende Gedanken, die es Wert sind, selbst weitergedacht und -diskutiert zu werden.

Außer Dienst
Reprodukt
, Dezember 2007
Text und Zeichnungen: Lewis Trondheim
Broschiertes Softcover; schwarz-weiß; 80 Seiten; 12,- Euro
ISBN: 978-3-938511-37-4

Ein Essay als Comic, nachdenklich und humorvoll

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Bildquelle: reprodukt.com

Brodie’s Law 1

Cover Brodie's Law 1 Das britische Comic-Magazin 2000AD gilt gemeinhin als Karriere-Sprungbrett für Comic-Künstler. Auch David Bircham hat dieses Sprungbrett genutzt. Der britische Inde-Zeichner verdiente sich in den Neunzigern bei 2000AD seine Sporen und startete 2004 seine eigene Action-Serie. Der Titel: Brodie’s Law. Die Hauptfigur: Jack Brodie, Berufsverbrecher auf der Flucht, muskulöser Racheengel und Frauenschwarm. Auf zwei Tradepaperbacks hat es Brodie’s Law im Vereinigten Königreich bisher gebracht. Das ist genug, um sich nicht nur auf der Insel damit zu beschäftigen. Sogar die Filmindustrie hat schon angeklopft. Cross Cult bringt jetzt den ersten Band von Brodie’s Law in Deutschland heraus.

Wie der Titel vermuten lässt, kreist die Geschichte um eine Figur namens Brodie. Jack Brodie, um genau zu sein. Er ist ein düsterer Held, muskulös, tätowiert, nicht gut, nicht richtig böse, sondern irgendwas dazwischen. Der Einstieg ist klassisch. Jack sollte einen vermeintlich einfachen Diebstahl erledigen, doch hinter den Kulissen ging etwas schief. Sein Einbruch bei der Firma P-Fact galt einer einzigen CD – Forschungsdaten, die ihm nun das Leben zur Hölle machen. Seine Frau ist tot, sein Sohn entführt, die Polizei hat ihn zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Außerdem machen auch noch ein paar Verbrecher auf ihn Jagd. Der Wagen ist also ganz schön in den Dreck gefahren. Obwohl Brodie ein zäher Kerl ist, weiß er, dass er diese Jagd nicht lange durchhalten wird. Zum Glück findet er ein Schlupfloch, das ihm ganz neue Perspektiven eröffnet. Auf seiner Flucht trifft er auf die ehemalige P-Fact-Forscherin Tomokai Yoshida. Mit ihrer Hilfe kann er die Daten auf der gestohlenen CD nutzbar machen und ein Serum namens PM13 herstellen, das ihn zu einem menschlichen Chamäleon werden lässt.

Wenn bei Cross Cult ein Comic wie Brodie’s Law erscheint, fährt das Projekt wahrscheinlich im Fahrwasser von Frank Millers legendärem Comic-Epos Sin City. Die Geschichte wurde geschrieben für Freunde harter Kriminalliteratur. Es geht um kantige Kerle, heiße Babes, Waffen, Autos und Gewalt. Das Schöne an Brodie’s Law: Man spürt, dass es sich um kein langweiliges Industrieprodukt handelt, dem auf halber Strecke die Puste ausgeht. In diesem Comic steckt viel Herzblut. Der Text ist kurz und knackig. Unter anderem fällt positiv auf, dass auch nach dem ersten Band genug Fragen und Handlungsstränge offen bleiben, um die Geschichte weitererzählen zu können.

Seite aus Brodie's Law 1 Nicht so schön an Brodie’s Law sind die Kinderkrankheiten, die in diesem Comic schlummern. Obwohl die Erzählstruktur versucht, keinem gängigen 08/15-Schema zu folgen, bleibt leider oft zu wenig Zeit, um die unterschiedlichen Charaktere in Ruhe herauszuarbeiten. Die Geschichte konzentriert sich stark auf Brodie und bringt sein Umfeld nur skizzenhaft. Ebenfalls noch nicht ganz ausgereift ist das Artwork von Brodies Law. David Bircham bezeichnet seinen Stil als detailreich und fett. Seine Figuren erinnern ein wenig an Robert Crumb und machen Spaß anzugucken. Allerdings füllen sie die Seiten so sehr aus, dass kaum Platz für etwas anderes bleibt. Bircham ist einem Anfängerfehler erlegen und hat auf Hintergründe so gut wie verzichtet. Figuren, Fahrzeuge und Waffen kann er gut. Hintergründe jedoch meidet er. Das ist schade und hätte Brodie’s Law um einiges stärker gemacht. Gewöhnungsbedürftig dürfte für viele Leser außerdem die Kolorierung sein. Dominierend ist Schwarz. Unterlegt werden die Seiten mit diffusen Grundtönen, die dem Erzählten etwas Dreckiges verleihen. Dass die Geschichte vielleicht besser komplett in schwarz-weiß funktioniert hätte, sei einmal dahingestellt.

Brodie’s Law ist ein Comic für Genre-Fans, denen eine gute, harte und rasante Handlung wichtiger ist als die erwähnten Schwachpunkte. Hartgesottene Krimi-Unterhaltung für Erwachsene gibt es in der deutschen Comic-Landschaft derzeit nicht allzu viel. Wer Sin City durch hat oder nicht bis zum nächsten 100 Bullets-Band warten will, liegt mit Brodie’s Law nicht daneben.

Brodie’s Law 1 – Projekt Jameson
Cross Cult Dezember 2007
Text: Alan Grant, Daley Osiyemi
Zeichnungen: David Bircham
Übersetzung: Christian Langhagen
Originalausgaben: Brodie’s Law #1-6 (Pulp Theatre Entertainment 2004-2005)
156 Seiten; vierfarbig; Hardcover; 19,80 Euro
ISBN 9783936480870

www.brodieslaw.com
www.cross-cult.de

Harter, düsterer Krimi mit viel (Herz-)Blut


Bildquelle: cross-cult.de