Rezensionen

Travis 1: Huracan

Travis 1 – Huracan Der Orkan Valentin droht über Jamaica hinwegzufegen und Millionen Opfer zu fordern. Das soll Science Fiction sein? Nein, das ist bereits Gegenwart. Dass die Firma Baxter & Martin im Orbit eine Raumstation unterhält, die mit Hilfe eines gigantischen Laserstrahls die oberen Luftschichten erwärmt und dadurch in der Lage ist, diesen Orkan zu neutralisieren, das ist allerdings Science Fiction. Das ist die Welt, in der „Huracan“, der erste Band der Serie Travis spielt.

Der Pilot Travis betreibt eine Ein-Mann-Spedition und transportiert mit seinem Raumschiff Versorgungsgüter von der Erde zu der Raumstation Huracan. Oben erwartet ihn die Wissenschaftlerin Anna, mit der er ein Verhältnis zu haben scheint. Dieses Mal haben die „Schauerleute“ im Weltraumhafen ihm allerdings ohne sein Wissen eine gefährliche und illegale Fracht an Bord geschmuggelt: eine Gruppe brutaler Terroristen unter der Führung eines gewissen Vlad. Die scheinen bestens mit der Station vertraut zu sein, dort sogar einen Undercover-Komplizen eingeschleust zu haben, so dass sie den Satelliten in kürzester Zeit unter ihre Kontrolle bringen.

Wie so viele technische Errungenschaften kann der Laser nicht nur zur Vermeidung von Naturkatastrophen benutzt werden, sondern auch als schreckliche Waffe. Die Terroristen drohen, den Laser derart einzusetzen, sollten sie die geforderte Geldsumme nicht erhalten. Zu überbringen ist die Summe vom Erfinder Inger Carlsen, mit dem Vlad noch eine Rechnung offen hat. In der Tat kennen sich Carlsen, Vlad und Anna anscheinend von früher her schon sehr gut, und bald stellt sich die Frage: Wer von den dreien ist der größte Verbrecher?

Travis entgeht in der Zwischenzeit der Zerstörung seines Transportschiffs und versucht, Anna mit dem Beistand seiner attraktiven Holo-KI Peggy zu retten. Als Carlsen mit dem Geld eintrifft und in die Hände Vlads gerät, stellt der Erpresser Anna und den Erfinder vor eine grausame Wahl und es kommt zum nervenaufreibenden Showdown, in dem Travis und Peggy sich als Helden erweisen.

Man merkt dem Comic an, dass seine Autoren aus dem Umfeld Olivier Vatines (Aquablue, Star Wars – The Trawn Trilogy) kommen: Kräftige, atmosphärische Farben, schöne Zeichnungen aber keine spektakulären Layouts, gute, spannende Unterhaltung, die neben Action auch eine durchdachte Geschichte ohne Schwarzweißmalerei bietet. Als Vergleich drängt sich mir Golden City von Pecqueur und Malfin (deutsch bei Epsilon) auf. Was daran liegen mag, dass beide Serien dasselbe Koloristenteam, Schelle & Rosa, haben.

Erfreulich ist die Tatsache, dass dem Szenaristen Fred Duval ein spannender, temporeicher SF-Thriller gelingt, der thematisch und zeitlich sehr nahe an der derzeitigen globalen Situation liegt. Klimakatastrophen und Terrorismus statt Weltraumschlachten und exotischer Aliens. Was nicht heißt, dass der Comic auf Knalleffekte wie explodierende Shuttles oder einen Kampfroboter verzichtet.

Die Weltraumszenen sind vom Zeichner Christophe Quet dementsprechend überzeugend umgesetzt. Auch wenn die Geschichte layoutmäßig weitgehend traditionell erzählt wird, auf aufwändig verschachtelte und überblendete Panels also verzichtet und sich nicht – wie zum Beispiel Bajram in Universal War One – in seitenlangen Weltraumpanoramen ergeht, so weiß die Grafik doch eine beeindruckende Stimmung zu erzeugen. Besondere Aufmerksamkeit erhalten technische Details und Hintergründe, wie zum Beispiel das Innere der Raumstation oder eines Aufzuges. Alles in allem: schöne Bilder, sehr viel Bewegung, atmosphärische Settings. Und das zusammen mit einer klugen und unterhaltsamen Geschichte, das ist vorbildlicher frankobelgischer Comicgenuss.

Dieser erste Band der Serie war vor Jahren übrigens schon bei Splitter – dem alten Splitter Verlag, wohlgemerkt! – angekündigt, aber meines Wissens ist er dort nicht mehr erschienen. Ein Glück, denn bei Bunte Dimensionen ist er weitaus besser aufgehoben und hat eine vorbildliche Ausstattung und ein sauberes Lettering erhalten. Der zweite Band ist mittlerweile übrigens auch erschienen. Obwohl „Huracan“ in sich einigermaßen abgeschlossen ist, gibt es einige lose Enden, die mit Spannung auf die Fortsetzung blicken lassen. Ein sehr erfreulicher frankobelgischer SF-Titel!

 

Travis 1: Huracan
Bunte Dimensionen, Oktober 2006
Text: Fred Duval
Zeichnungen: Christophe Quet
Farben: Pierre Schelle & Stéphane Rosa
48 Seiten, farbig, Hardcover; 13,- Euro
ISBN: 978-3-938698-51-8

spannend und schön umgesetzter SF-Thriller

 

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Bildquelle: comiccombo.de