Neueste Artikel

MTG Folge 4: Previews 06/2004

DARK HORSE:
Die Jungs von Dark Horse haben sich auf ihr gutes altes Zugpferd zurückbesonnen. Mit Aliens vs. Predator: Thrill of the Hunt TPB schlachtet man einen Ochsen. Dabei springt nicht nur der Comic von Mike Kennedy und Roger Robinson (Batman:Gotham Nights) raus, der zum zweiten Mal den letzten Kampf der beiden Außerirdischen zeigt, sondern auch ein ganzes Sortiment von Plüschtieren und anderem Merchandise. Hatte ich bereits erwähnt, dass es dazu auch noch einen Film geben wird?

Es scheint sich eingebürgert zu haben in der Welt der Comics, dass man als Autor einfach so vorbeikommen kann und sofort von jedem gelobt wird. So auch bei Schreiberling Mark Ricketts (Nowheresville). Das neue Wunderkind erzählt in Lazarus Jack TPB die Geschichte vom Zauberer Jackson Pierce, der mit Hilfe von schwarzer Magie seine verschwundene Familie wieder finden will.

DC COMICS:
Trotz des neuen Designs bei DC Comics sind es immer noch die altbewährten Methoden, die Leser zu ködern. Obwohl es mir schon einige Mühe abverlangt hat, mich durch den Dschungel der neuen Titeln zu kämpfen, habe ich folgende Titel hervorgehoben:

Ganz stolz ist DC auf seine Idee mit den 12-Cents-Comics. Man glaubt doch tatsächlich noch, dass die Jugendlichen den günstigen Comic kaufen, nur um dann die anderen acht Batman-Serien lesen zu müssen. Und das drei Monate lang: War Games.

Weitere Methoden, neue Leser zu ködern, bietet uns DC mit Majestic #1. Nach dem gelungenen Debüt im DC-Universum versucht der Superheld einen Weg zurück in seine Heimat zu finden. Als Bösewicht wird ihm der Eradicator zur Seite gestellt. Etwas mehr als die paar Seiten im Previews bietet dccomics.com.

Vom „Wizard“ wird die neue Versessenheit auf das Wiederaufbereiten alter Serien bei Marvel und DC positiv gesehen. Auch wenn Manhunter #1 nicht mehr ganz die neue Idee ist, so sollen Schreiber Marc Andreyko (Torso) und Zeichner Jesus Saiz dennoch versuchen, bereits zum fünften Mal, Jack Kirbys Heldin wieder interessant zu machen.

Es sieht fast so aus, als würde man sich in The Authority: Human on the Inside HC Themen annehmen, die sonst nur für Vertigotitel bestimmt sind. So bringt Ben Oliver (Puncture) die drei Rachegöttinnen zum Leben, während der Drehbuchautor John Ridley (Three Kings) ihnen die richtigen Texte auf den Leib schneidert. Hinter der ganzen Intrige gegen The Authority kann natürlich nur einer stehen: Der amerikanische Präsident.

Wie bereits letzten Monat angekündigt, hat man sich bei DC Humanoids Publishing angenommen. Eine interessante Mischung, da sie vor allem eine amerikanisch-europäische Zusammenarbeit auf der kreativen Ebene, wie am Beispiel von I am Legion: The Dancing Faun deutlich wird, fördert. Vielleicht sind wir hier genau an dem Punkt, an dem John Cassaday (Planetary) und der europäische Autor Fabien Nury dem amerikanischen Mainstream ein neues Gesicht geben.

Wenn ich die Herrschaften auf die Titelseite des Previews aufmerksam machen dürfte? Dort befindet sich das erste Bild einer Serie, die nur Frank Quitely (New X-Men) so schön gestalten konnte. Im Previews werdet Ihr weitere Bilder finden und sehen, was ich meine. Er besitzt die Fähigkeit, in einem Comic wie WE3 #1, bei dem die Tiere die Protagonisten sind, die Menschen wie Monster aussehen zu lassen. Hierzu muss sein Partner Grant Morrison mit seinem britischen Sarkasmus nicht mehr viel hinzufügen.

IMAGE:
Mit Six OGN hat Michael Avon Oeming (Powers) eine Alternative zu „Men in Black“ geschaffen. Diesmal sind es aber nicht die Menschen, die sich um die Aliens kümmern müssen. Die Außerirdischen selbst haben Agent Six beauftragt, alle flüchtigen Agenten wieder einzufangen. Doch wird er in der Lage sein, in unserer emotionalen Welt klar zu kommen? Eine richtige Tour de Psychoanalyse erwartet uns.

Ich bilde mir wirklich ein, in den Augen von Ely diesen dummen Gesichtsausdruck von Earthworm Jim wieder zu erkennen. Wenn man davon ausgeht, dass Doug Tennapel der Erfinder beider Serien ist, kann dies sicher zutreffen. In Tommysaurus Rex findet man den Witz von Filmen wie „Elliot das Schmunzelmonster“, doch leider nicht mehr als das.

TOP COW:
Wie lange haben wir darauf gewartet? Endlich hat es Tony Daniel geschafft, ganz alleine einen Comic zu schreiben und zu zeichnen. HumanKind heißt das gute Stück und verspricht uns: NICHTS. Es scheint nun überall bekannt zu sein, dass man sich bei Top Cow jeder aufgewärmten Idee herzlich annimmt. Da war ja „The Tenth“ noch besser, Mr. Daniel!

MARVEL:
Während man im „Wizard“ bereits darüber philosophiert, ob das Ultimate-Universum das „normale“ Marvel-Universum ablösen soll, schreibt Brian K. Vaughan fröhlich weiter. Was es sonst neues gibt? Ab>Ultimate X-Men #50 ist auch Andy Kubert wieder dabei. Und Gambit ist auch mit von der Partie.

Jeder Avenger ist dabei. Wirklich jeder! Aber ist das Grund genug, Avengers #501 zu bestellen? Wenn das nicht reichen sollte, dann gibt es da ja noch Brian Michael Bendis und David Finch. Die beiden können auch Stroh zu Gold spinnen.

“Revamp Fever“ Teil 2: X-Force #1 ist leider erst die zweite Auflage des Titels aus den Achtzigern. Gleiches kreatives Team, gleiches Team-up, gleich lahme Story?

Wenn man sich die Vorschau von X-Men: The End Book One: Dreamers and Demons anschaut, da weiß man ohne hinzusehen, wer dafür verantwortlich ist: Chris Claremont. Der gute alte Chris ist wieder da und hat gleich seine alten Ideen mitgebracht. Da haben wir die Shi’Ar, die Brood und ein Hound. Wenn nun keiner mehr weiß, wovon ich hier eigentlich rede, dann hat Chris Claremont sein Ziel erreicht. Lasst Chris nicht gewinnen!

Dann doch lieber einen schönen Spin-Off als ein billiges Remake. Bei Doctor Spectrum kann man wenigstens von einer neuen Geschichte ausgehen. Auch wenn uns Marvel hier leider keinen Vorgeschmack gibt, auf was wir uns bei den Zeichnungen von Travel Foreman und dem Geschriebenen von Samm Barnes freuen können.

WIZARD:
Was haben Kirsten Dunst, Jerry Seinfeld, Joss Whedon und Kevin Smith gemeinsam? Genau, sie schreiben alle für die Jubiläumsausgabe des Wizard X. Hinzu kommen noch mehr Seiten als zuvor und ein Cover, das auch ich nicht schlecht machen kann. Jim Lee und Alex Ross zeichnen Superman und Batman.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
Auch die Kleinverlage müssen jetzt schon um ihre Leser kämpfen. Da reicht es AdHouse Books, den Machern von Pink Sketchbook nicht aus, dass sie schon den brillanten Scott Morse für ihre erste Ausgabe haben. Nein, sie geben uns zu jeder Ausgabe noch einen pinken Plastikumschlag und einen Sticker. Danke, Jungs!

Die beste Idee des Monats geht auf jeden Fall an den Amaze Ink Verlag. Nicht nur, dass sie Bill and Ted Comics veröffentlichen, sie bringen uns auch 15 Minutes #1. Der Comic stellt die 15 Minuten Ruhm da, die laut Andy Warhol jedem Menschen zuteil werden. In der ersten Ausgabe bekommt ein Durchschnittsbürger per Post die mächtigste Waffe der Welt. Und dann…?

Bei Antartic Press scheint man der Auffassung zu sein, dass die amerikanische Bevölkerung trotz CNN-Berichten nicht vollständig über Saddam Hussein informiert worden sei. Da Comics diese Aufgabe, wie jeder weiß, vortrefflich erfüllen, hat man sich dazu entschieden, Dictators: Saddam Hussein herauszubringen, um den Diktatoren dieser Welt gerecht zu werden.

Das ist nun wirklich der letzte Witz über Aspen Entertainment. So beeindruckend sich Michael Turner nach seiner Krebserkrankung zurückgemeldet haben mag, auf so viele Nullnummern, Sonderausgaben und Variantcover wie bei Soulfire #1 können wir gerne verzichten. Mal sehen ob es eine Nummer zwei geben wird. Ich nehme noch Wetten an!

Oft kann ich den Tradepaperbacks, die versuchen, alte Serien wieder aufzuwärmen, nichts abgewinnen, doch bei The Terminator Rewired GN (iBooks) muss ich ehrlich gestehen, dass da schon so einige gute Geschichten dabei waren. Es sollte schon reichen, sich die Namen auf der Zunge zergehen zu lassen: James Robinson, Matt Wagner, Alan Grant und Guy Davis.

Steve Niles hat jetzt sogar sein eigenes Imprint (Unterverlag) bei IDW Publishing: Meeednight Pulp. Der erste Comic dieser Serie ist Secret Skull.

Ein sehr viel versprechender Comic aus dem Hause Moonstone macht sich einen Namen: Cyclone Bill and the Tall Tales #1. Dan Dougherty erzählt seine kleine Geschichte von dem Aufstieg und Fall einer Rockband. Doch dem noch nicht genug. So schafft Dougherty eine so genannte Tall Tale, eine Lügengeschichte nach dem Muster von Mark Twain (Huckleberry Finn). Am Ende fragt man sich, ob es wirklich Elvis war, der die Charaktere nach Graceland eingeladen hat.

Nach dem Erfolg von „Days like This“, einem quasi dokumentarischen Comic, haben sich J. Torres (Teen Titans Go!) und Scott Chandler (Guys who bowl) wieder zusammengesetzt, um Scandalous GN (Oni Press) zu kreieren. Eine Geschichte über das Hollywood der 50er Jahre. Eine Mischung aus Stars und Intrigen, die auch Robert Altmans Film „The Player“ blass aussehen lassen würde.

BOOKS:
Sowohl laut „The Comics Journal“ als auch dem Previews als DAS Buch für Comics bekannt. Kramer’s Ergot 5 TP (Gingko Press) bietet für 35 Dollar 320 Seiten angefüllt mit Comics von Leuten wie Chris Ware, dem deutschen Helge Ruemann, dem Altpunk Gary Panter, Ron Rege Jr. und vielen anderen.

Nachdem ich mir schon „The Philosophy of D’oh“ gekauft habe und auch von dem Band über die Religion bei den Simpsons nicht ablassen konnte, muss ich nun auch die beiden neuen Bände haben, um meine Freunde an meinem Wissen teilhaben zu lassen: The Quotable Bart & Homer TPs.

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers

MTG Folge 3: Previews 05/2004

Previews Special:
Es scheint so, als würde man sich bei Diamond Comics darauf geeinigt haben, jedem Monat ein spezielles Thema zu geben. Diesmal ist es der „Kid-Friendly Month“. Wie der Name schon sagt, wird vor allem auf Produkte hingewiesen, die Kindern in die Hand gedrückt werden können. Zu dieser Rubrik gehören, vielleicht auch wegen des Trends zur Brutalität in Comics, vor allem Brett- und Kartenspiele.

DARK HORSE:
Nach dem enttäuschenden „The Unfunnies“ kommt hier nun von Dark Horse der Versuch eines Comics über die kleine, gemeine Welt des Alltags. Hierzu hat man sich Joe Casey (Superman, X-Men) angeworben und dann noch gleich mit Steve Parkhouse einen Künstler nachgelegt, der mit Alan Moore in „The Bojeffries Saga“ ein solches Thema bereits angeschnitten hat: Milkman Murders #1.

Ob es wirklich interessant sein kann, zu sehen, wie Comiczeichner einen experimentellen Kurzfilm adaptieren? Wie man genau bei Dark Horse die Verbindung zu BMW Films geschafft hat, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Noch bemerkenswerter sollte aber sein, dass gleich die erste Ausgabe von BMW Films‘ The Hire #1 (of 6) von Matt Wagner (Grendel) getextet und gezeichnet wird.

Obwohl es mich immer etwas nervt, dieselben Titel wieder und wieder hier zu besprechen, hat es The Amazing Adventures of the Escapist #3 auch verdient in diese Auswahl geschafft. Allein die Namen reichen schon, um einem das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen: Brian K. Vaughan (Y: The Last Man), Mark Wolfman (EC-Comics), Dean Haspiel und ein Cover von Mike Mignola.

Eigentlich halte ich nicht viel von Comic-T-Shirts, obwohl ich neuerdings auch mit einem Superman T-Shirt von H&M rumlaufe, aber was Dark Horse da mit dem neuen Hellboy T-Shirt auf dem Weg gebracht hat… Respekt! Laut Verlag kann man dann sogar mit seinem esoterischen Wissen prahlen.

DC COMICS:
Und dann war es wieder einmal Zeit für einen Spin-Off, eine Fortsetzungsgeschichte einer längeren populären Serie, von der man sich genauso viel erhofft wie vom Original. Bei Justice League Elite wird man meiner Meinung nach nicht viel Erfolg haben. Erwachsen aus den Ereignissen von JLA #100, bringt uns das Erfolgsteam von Action Comics #775, Doug Mahnke und Autor Joe Kelly, die etwas brutalere Seite von DC.

Ich selbst habe das letzte Remake dieser Serie mitgemacht und war enttäuscht. Deshalb warne ich Euch hier. Fallt bitte nicht auf Doom Patrol #1 rein. Und auch der alte Mann John Byrne ist kein Garant mehr für eine gute Geschichte.

Einen weitereren Versuch eines Neuanfangs bietet uns Neil Gaiman (Sandman). Laut Previews dient er dem britischen Fernsehschreiberling Si Spencer als Hilfe beim Schreiben. The Books of Magick: Life during Wartime spielt scheinbar nicht in der Welt, in der wir Tim Hunter verlassen haben. Außerdem sind Zantanna und John Constantine eingesperrt. Dann findet noch ein Krieg der Welten statt…

Die wichtigste Nachricht des Monats kommt auch aus dem Hause von DC Comics. Man hat sich dort mit Humanoids Publishing eine Erweiterung des Programms besorgt. Der Independent-Verlag hat sich vor allem auf europäische Autorencomics spezialisiert. Die Nachricht mag uns als Europäer nicht sonderlich interessieren, aber in den USA kann dies das Verhältnis zwischen den beiden Großverlagen erheblich verändern. Genaueres zur der Fusion findet Ihr im aktuellen Comics Journal.

IMAGE:
Tradepaperback-Alarm! Mit Firebreather Vol.1 TP bringt uns Image endlich wieder etwas, das sich interessant anhört. Außerdem ist der Comic von Phil Hester (Deep Sleeper) und Andy Kuhn. Ein Jungdrache, dessen Vater ihn zum König der Monster machen und dessen Mutter ihn aufs richtige College schicken will, hat es als Scheidungskind nicht einfach.

Das Fliegen als Thema: In Flight GN haben sich mehrere Künstler, professionell und nicht-professionell, diesem verschrieben. Wenn man sich die Zeit nehmen möchte, kann man nicht nur Imitationen von Moebius finden, sondern bestimmt auch auf kleine Überraschungen stoßen.

MARVEL:
Und wieder einmal wird sich alles ändern! Als Meilenstein in der Geschichte bezeichnet Marvel Avengers #500. Gezeichnet von David Finch und geschrieben von Brian Michael Bendis beginnt hier die „Avengers Disassembled“-Story. Ein Totgeglaubter kehrt zurück, und alles stellt sich auf den Kopf. Wieder mal alles beim Alten im Hause Marvel.

Man kann Rogue #1 entweder als kleine Erfrischung sehen oder als ein weiterer Schritt hin zur Ideenlosigkeit im Haus der Ideen.

Eine kleine, vielleicht spannendste Ausnahme bietet uns der Drehbuchautor Hans Rodionoff, der die neue Miniserie zu Man-Thing schreibt. Der Dreiteiler dient als Einleitung für den Film, der auch demnächst in die Kinos kommen soll. Außerdem heißt der Zeichner Kyle Hotz (The Hood), toller Name.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
Wie bereits letzten Monat angedeutet, ist Cerebus doch nicht so tot, wie man denken mag. In dem Magazin Following Cerebus #1 (Aardvark-Vanaheim) gibt Dave Sim doch ein paar Einblicke für den Leser. Zudem gibt es Essays, Interviews und interessante Aufsätze. Ein Muss für jedes Erdferkel.

Wahrscheinlich kann dieser Titel nicht als Produkt von MAUS und Apocalypse Now verstanden werden. Was er aber sehr wohl kann, ist ein weiteres Bild des Vietnam-Krieges abliefern. Ob Apocalypse Meow Vol.1 TP (ADV Manga)mit der Fabelvariante dem Krieg ein neues Bild geben oder Aspekte sogar besser beleuchten kann, bleibt abzuwarten.

Nicht nur um ein Produkt des „Kid-Friendly Month“ vorzustellen, hat es Ursula GN (AiT/PlanetLar) in diese Liste geschafft, sondern weil es sich um eine schöne Geschichte handelt. Auf 80 Schwarz-Weiß-Seiten versuchen Fábio Moon und Gabriel Bo zu erklären, was passiert, wenn Feen sich verlieben, und wie es sich anfühlt, den Seelenverwandten schon als Kind getroffen zu haben.

Bei Atomeka A1 Big Issue #0 handelt es sich nicht um eine von diesen tollen Anthologien, deren Künstler man eh nicht kennt, sondern um eine nette Idee vom Atomeka Verlag. Dort dachte man sich, dass es doch nett wäre, wenn man alte Comics, wie zum Beispiel The Bo Jeffries Saga von Alan Moore und Steve Parkhouse, wieder neu auflegen würde. Auch Ted McKeever hat etwas beizutragen. Wenn Ihr Euch diesen Monat eine Anthologie kaufen wollt, dann bitte diese.

Wer würde es mir krumm nehmen, wenn ich nichts über eine weitere Nullnummer schreibe. Das wird mittlerweile zum Running Gag. Fathom: Cannon Hawke #0 (Aspen).

Einen herzlichen Glückwunsch an Devil’s Due Publishing. Dieser Verlag hat es endlich geschafft, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist aber gar nicht so schwer, wenn der Titel des Comics Army of Darkness: Ashes 2 Ashes #1 lautet. Dazu nehme man noch ein Cover von Marc Silvestri, eines von Ben Templesmith und noch eins von J. Scott Campbell. Dann ist der Inhalt auch schon egal.

Etwas ganz Neues. Da hat sich Kristine McKenna aufgemacht, um einige Leute zu interviewen. Unter diesen finden sich Namen wie Robert Altman, Elvis Costello und auch Jacques Derrida. Dann hat sie Portraits von ihren Interviewpartner zeichnen lassen. Die Bilder stammen von Daniel Clowes, Charles Burns, Tony Millionaire und Phoebe Gloeckner. Ich glaube, dass Interview-Comics nicht ganz neu sind. Aber Talk to Her #2 (Fantagraphics) ist bestimmt einer der besseren.

Es reicht hier zu sagen, dass Daniel G. Clowes wieder mal einen neuen Band von Eightball (die #23, auch Fantagraphics) fertig gestellt hat. Das reicht. Mehr muss nicht gesagt werden. Jetzt lauft alle los und kauft das verdammte Ding!

Eine Geschichte über Killer im Retro-Look. Das übersteigt selbst mein Verständnis. Aber Follow Me Closely hält sich eng an den von Oni Press eingeschlagenen Stil. Daniel Kralls Erzählung über einen Jungen, der mit seiner Stiefmutter nach Europa durchbrennt, könnte etwas werden.

Etwas Angst macht mir TokyoPop. Mit der Frage „What is Manga?“ beginnen 19 Seiten über Comics, von denen ich noch nie gehört habe. Oh Entschuldigung! Den ersten Teil von Remote habe ich ja selbst vorgestellt. Auf jeden Fall findet man auf diesen Seiten fast alle Themengebiete, die Mangas abdecken. Schaut mal rein.
BOOKS:
Du bist verzweifelt und suchst nur noch nach dem richtigen Weg, dich selbst zu ruinieren? Dann haben Adam Wasson und Jessica Stamen genau das richtige für Dich: The Self-Destruction Handbook TP (Three Rivers Press). Es versteht sich als Anleitung, um Dir das Leben selber zu versauen. Welche Droge ist die beste zum Selbstmord? Wie kannst Du am besten Deine verlorene Geliebte beschatten? Fragen, die das Leben oder auch dessen Zerstörung ausmachen.

Ein schönes Geschenk für alle die, die das „Buch der Toten“ schon haben und sich am liebsten ihren Arm absägen würden, um eine Schrotflinte stattdessen dort zu befestigen. Unseen Force: The Films of Sam Raimi TP (Applause Books) beschreibt den Werdegang von Regisseur Sam Raimi. Es finden sich im Buch Interviews mit Freunden und Kollegen, Bilder von „Spiderman“ I und II und leider auch Berichte von „Xena“.

COLLECTIBLES:
Leider hatte ich in letzter Zeit nicht genug Ruhe für anständige Kritiken. Das mag wohl daran liegen, dass ich in einer WG wohne und man sich dort immer gut verstehen muss. Da ich immer ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich jemanden abweisen muss, bin ich froh, dass die Aufgabe von nun an vom Emily The Strange: „Get Lost“ Door Hanger erledigt wird.

GAMES:
Es sind immer wieder die Kartenspiele, die solch nette Ideen verstecken. Bei Burn in Hell zum Beispiel geht es nur darum, so viele Massenmörder, Kannibalen und Musiker wie möglich zusammenzubringen. Die restlichen Regeln gibt uns hoffentlich Steve Jackson, Erfinder des Spiels, als Beilage im Karton.

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers

MTG Folge 2: Previews 04/2004

DARK HORSE:
Was sich da bei Dark Horse in den letzten Monaten herausentwickelt hat, hat nichts mehr mit normalem Horror zu tun. Da reicht ein Steve Niles (30 Days of Night) alleine nicht mehr aus. Da holt sich der Verlag einfach den Musiker und neuerdings auch Filmemacher Rob Zombie. Um diese beiden Horrormonster würdig zu begleiten, braucht Zeichner Nat Jones eigentlich nur noch einen Rotstift. The Nail wird als Vierteiler erscheinen und bietet unter anderem noch Zombie-Biker und eine brutale Wrestler-Familie.

Dieses Team wohnt mittlerweile auch schon in den Büros von Dark Horse: Neil Gaiman und Michael Zulli bedürfen keiner weiteren Vorstellung und können sich deshalb getrost ans Werk machen. Creatures of the Night HC ist eine Adaption von Gaimans „Smoke and Mirrors: Short Fictions and Illusions“. Wie der Titel schon sagt, stehen Mythen und Märchen, das Spezialgebiet der beiden, auf der Tagesordnung.

DC COMICS:
Im „Wizard“ bereits ausgiebig angepriesen, folgt hier die offizielle Ankündigung von Identity Crisis. Für ein Ereignis, das das gesamte DC-Universum erschüttern soll, erzählt Bestseller-Autor Brad Meltzer (The Zero Game) eine Geschichte über die JLA, die deren wichtigstes Geheimnis betrifft. Das Zeichnerteam Rags Morales und Michael Blair (JSA und Hawkman) wird zeigen, wie weit die JLA geht, um dieses Geheimnis zu bewahren. >

Der neue Zuwachs im Hause Vertigo sieht äußerst vielversprechend aus. Das Thema hört sich zwar zuerst nach einem billigen Abklatsch von „Charmed“ an, aber dank Autor Jonathan Vankin (Vertigo Pop) und Zeichner Leigh Gallagher entwickelt sich The Witching schnell zu einem schmerzhaften Trip durch Amerika, dem man dennoch gerne folgt.

IMAGE:
Vor ungefähr 146 Ausgaben stand Todd McFarlane da, wo John Romita Jr. genau jetzt steht. Denn nach einer sehr erfolgreichen Zeit bei „Amazing Spider-Man“ versucht der beliebte Zeichner, einen eigenen Titel bei Image zu veröffentlichen. Das Problem ist nur, dass die Ähnlichkeit zu „Spawn“ sich verheerend auf Romitas Karriere auswirken könnte. The Gray Area mag vom Graphischen her etwas Neues darstellen, aber den Bösewicht, der nach dem Tod gegen seinesgleichen kämpft, kennen wir schon. Tut mir leid, John.

Jetzt fängt auch schon Image damit an, kleine thematische Imprints, Verlagsuntergruppen, zu entwickeln. Dieser nennt sich „Alternative Image“ und kommt zum Glück dem, was Alternative eigentlich bedeutet, näher als z.B. „Wizard Edge“. Der wichtigste Aufhänger ist Doctor Cyborg: Outpatient. Mit Mike Oeming (Powers) als Zeichner dürfte es für den Schreiberling Allan Gross kein Problem sein, seine Geschichte über den überintelligenten Doktor Malcolm Syberg zu erzählen. Den Doctor Cyborg-Webcomic, auf deutsch präsentiert von Comicgate, kann man übrigens unter www.doctorcyborg.de lesen.

Als Genremischung kann man Small Gods #1 sehen. Denn wenn man von einer Detektivgeschichte sprechen würde, wäre außen vorgelassen, dass die Charaktere übersinnliche Fähigkeiten haben. Leider scheint das Thema „Superheld in der normalen Welt“ eine allzu oft benutzte Idee zu sein. Ob Jason Rand und Juan E. Ferreyra aus dieser abgenutzten Idee noch etwas herausholen werden, werden wir erst in drei Monaten sehen.

MARVEL:
Eine unglaubliche Vielzahl an Nummer-Zwei-Titeln, und Marvel scheint doch immer noch etwas nachlegen zu können. Passend zum zweiten Spider-Man-Film zieht man bei Marvel alle Register. Die Schülerin von Straczynski, Fiona Avery, schreibt eine neue Serie, Amazing Fantasy #1, über eine junges Mädchen, das im Spinnenkostüm um die Häuser schwingt, und nimmt dabei gerne die graphische Hilfe von Mark Brooks (Marvel Age Spiderman) an. Spidergirl #75 trägt den Titel „Team Spider“, um den oben genannten Titel gleich in die Familie willkommen zu heißen.

Auch Mary Jane bekommt ihre eigene Serie. Während man mit Sean McKeever (The Waiting Place) einen erfahrenen Marvel Autor berufen hat, ist Takeshi Miyazawa (Sidekicks) noch nicht so lange an Bord. Mary Jane #1 profitiert von jedem der beiden Künstler und stellt so ein gutes Portrait für das neue Image Marvels dar.

Auch eine nette Idee bietet uns Powerless #1. Obwohl sie nicht ganz neu ist, werden die Charaktere ihr übriges tun, um Autor Matt Chernis und Zeichner Michael Gaydos ihre Aufgabe zu erleichtern. Wer schon immer Matt Murdock, Peter Parker und Logan ohne ihre Fähigkeiten sehen wollte, muss sich nun keine alten „What if…“s mehr besorgen.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
An all die, die Ihre Telefonbücher noch nicht ganz zusammen haben. Wahrscheinlich werdet auch Ihr es schon wissen. Das letzte Cerebus Paperback: The Last Day (Aardvark-Vanaheim) ist jetzt auch endlich da. Somit hat die Saga nun endlich ein Ende. Oder auch nicht…? Seht nach, was Cerebus da folgt… (in der nächsten „Mind the Gap“)

Ich beginne nun, vielmehr seit letztem Monat und seit der Buchmesse in Leipzig, doch mal zu schauen, was es da so an Mangas gibt. Zum Beispiel wäre da die gute alte Story mit dem Geschlechtertausch. Man kann sagen, dass es das schon zu oft gab. Ja, aber man sollte Ai Morinaga auch eine Chance geben, seine Variante in Your & My Secret Volume 1 TP (ADV)zu erzählen.

Als den feinen Unterschied zwischen Bösewicht und Held sieht sich der Comic Hench GN (AiT/PlanetLar). Illustriert von Manny Bello und geschrieben von Adam Beechen (Teen Titans Go!) beschreibt Hench die Geschichte von Mike Fulton, einem Familienvater, der ins Kreuzfeuer der Superhelden gerät.

Eine weitere Nullnummer aus dem Hause Aspen. Warum der Verlag von Michael Turner nicht in der Lage ist, anständige Miniserien zu produzieren, weiß wohl nur er. Fathom: Dawn of War #0. Vielleicht geht’s ja bald los.

Jetzt hat man auch bei CrossGen Comics eingesehen, dass das Heil im Gothic-Genre liegt. Deshalb haben sich Chuck Dixon und Leonardo Manco (Hellblazer) auf den Weg gemacht, das Geheimnis eines alten Herrenhauses zu lüften. Ob Raven House #1 in der Lage sein wird, eine Konkurrenz für Dark Horse oder IDW Publishing zu werden, bleibt abzuwarten.

Der zweite Manga in diesem Monat heißt XXXholic Vol.2 GN (Del Rey). Das CLAMP-Team erschafft sich eine kleine Welt um einen mysteriösen Laden herum, dessen Besitzerin Menschen Wünsche erfüllt, aber immer auch eine Gegenleistung erwartet. Wie werden die Künstler mit der Moral, die in diesem Comic steckt, umgehen?

Eigentlich sollte es ausreichen zu sagen, dass Jason einen neuen Comic veröffentlich hat. Man sollte jetzt nicht mehr sagen müssen, was für ein begabter Zeichner er ist und wie sein Minimalismus trotzdem große Gefühle transportieren kann. Aber manchmal reicht ein Name eben nicht aus, um diesen Eindruck zu beschreiben. You can’t get there from here GN (Fantagraphics).

Da IDW Publishing mit Steve Niles es sich jetzt leisten kann, ein paar größere Seiten im Previews zu bekommen, will der Verlag auch seine Titelspanne erweitern. Mit Will Eisner’s John Law Detective in Dead Man Walking ist dies gut gelungen. Ein wunderschönes Paperback, gemischt aus der alten Serie von Will Eisner und einer neuen Geschichte von Gary Chaloner.

Und dann mag man es kaum glauben, aber Steve Niles, die Person, die diese Kolumne für sich in Anspruch nimmt wie kein anderer, hat zusammen mit Zeichner Aadi Salman die Geschichte des Hyde neu inszeniert.

Der nächste Comic ist nur ganz knapp am „Read of the Month“ vorbeigeglitten. Denn wenn Scott Morse (Barefoot Serpent) etwas in die Hand nimmt, kommt nur gutes heraus. Fast schon als Hommage kann man Spaghetti Western (Oni Press)bezeichnen, der Sergio Leone und Clint Eastwood gewidmet ist. Hinzu kommt noch, dass Morse im August zusammen mit Greg Rucka eine neue Serie starten wird. Da lohnt es sich jetzt schon, alles von ihm gelesen zu haben.

Der Co-Autor von Titeln wie „Pistolwhip“ und „Mephisto and the Empty Box“ macht auf sich aufmerksam. Mit 2 Sisters schafft sich Matt Kindt einen Namen und spinnt seine Erzählung rund um den zweiten Weltkrieg und weiter.

Aber das reicht den Jungs bei Top Shelf nicht. Deshalb arbeitet auch noch David Yukovich bei ihnen, um die Geschichte von vier Männern zu erzählen, die, wie der Titel schon sagt, Less than Heroes sind.

Da hat sich doch ein Amerikaner mal exakt dieselbe Figur genommen wie ein Deutscher. Inwieweit Jim Massey es schafft, mit Death Takes a Holiday (Varmint Press) den „Kleinen Tod“ von Bernd Natke zu übertreffen, bleibt fraglich.

BOOKS:
Dieser Vorschlag gehört wohl eher zu dem Feld der Sekundärliteratur, sprich Bücher über Comics. So sammelt Herausgeber Sean Howe Aufsätze von berühmten Autoren, die über Comics schreiben. Es sind diesmal aber eben nicht Scott McCloud oder Will Eisner, sondern Autoren wie der Rolling Stone Editor Greil Marcus oder Amie Bender: Give our Regards to the Atomsmashers TP (Pantheon Books).

CALENDARS:
Obwohl es etwas früh dafür ist, sollte man sich wegen der weißen Wände bei sich zuhause schon jetzt um das Dekor fürs nächste Jahr kümmern. Das dachte man sich beim Previews auch und führte eine neue Rubrik ein: Kalender. Von Seite 385 bis 403. Alles von Tori Amos bis zu den Sea Monkeys.

APPAREL:
Da sich Kleidung jeder selber aussuchen sollte, will ich hier auch nur kurz auf diese zwei hinweisen: Zum einen hätten wir da die Crab Scrambley T-Shirts auf Seite 436 und das T-Shirt – passend zu Ferris macht blau – Der Würstchenkönig von Chicago auf Seite 439.

TOYS & MODELS:
Unglaublich dämliche Action Figuren, die jeder braucht. Zu diesen gehören auf jeden Fall die neue Kollektion von Monty Python wie die Ritter, die immer „Nie!“ sagen, und das Killer-Kaninchen. Des weiteren sollte man auf Ren und Stimpy Figuren achten. Denn jede der vier Figuren kommt mit einem Klotz. Schaut mal nach auf Seite 452, dann seht Ihr, was ich meine.

Eigentlich traue ich mich ja nicht zu den Büsten vor, aber wenn der Großmeister Yoda als Figur zu haben ist, werde auch ich schwach. Der kleine grüne Kerl kommt geradewegs aus der Cartoon Network Serie und schaut verdammt grimmig drein.

GAMES:
Zombies!!! 4: The End. Na, wenn das kein Titel für ein Spiel ist, dann weiß ich’s nicht. Jedenfalls machen sich hierbei bis zu sechs Spielern daran, das Buch der Untoten zusammenzusetzen, um die Untoten zu verbannen. Leider kann ich nicht sagen ,wie gut sich das Spiel ohne das Grundset spielen lässt.

VIDEOS:
Für einige von Euch mag Wizards ein alter Hut sein, aber andere werden nicht wissen, dass Ralph Baksh nach dem Herr der Ringe-Zeichentrickfilm 1977 diesen epischen Kampf zweier Zauberer erschuf. Die DVD ist also ein Muss für alle die, die glaubten, anspruchsvolle Zeichentrickfilme werden nur in Japan gedreht.

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers

MTG Folge 1: Previews 03/2004

Für alle diejenigen, die nicht wissen, was es mit dem Previews und dessen Versand Diamond Comics auf sich hat, denen sei gesagt, dass es nicht so aufwendig ist, wie es erscheint. Der Previews ist ein Katalog, den Ihr bei Eurem Comichändler einsehen oder kaufen könnt. Dieser Katalog zeigt Veröffentlichungen fast aller amerikanischen Comicverlage ungefähr drei Monate im voraus. Hierzu gehören nicht nur Comics, sondern auch Magazine, Spielzeug, T-Shirts oder alle anderen Produkte, die etwas mit Comics im Allgemeinen oder im Speziellen zu tun haben. Der Previews teilt sich mittlerweile in drei Teile auf: Der normale Katalog (Previews), ein Katalog nur für Marvel-Produkte (Marvel Previews) und ein Erwachsenenkatalog (Previews Adult).

Es kann sein, dass Euer Comichändler eine bestimmte Deadline festlegt, in der Ihr bestellen müsst. Leider gibt es auch oft Probleme mit dem Zoll oder mit Auslandssperren für bestimmte Artikel, so dass nicht immer alles ankommt. Aber bezahlen tut Ihr ja eh erst, wenn Ihr die Ware in der Hand haltet.

In der Rubrik „Read of the Month“ stelle ich meinen ganz persönlichen Liebling des Monats vor, danach kommen (wie auch im Katalog) zuerst die Highlights der vier großen Verlage, danach die Indies alphabetisch.
Dann wünsche ich Euch noch viel Spaß beim Schmökern!

READ OF THE MONTH:
Wenn der Previews schon mal mit dem „Manga Month“ einen Spezialmonat ausruft, dann kann ja mal gucken, was sie sich dabei gedacht haben. Zwei der japanischen Comics, die man sich dabei anschauen sollte, sind Duck Prince Book 1 von Ai Morinaga (CPM Manga) und Remote 1 GN von Seimaru Amagi und Tetsuya Koshiba (Tokyopop). Während der erste Comic das alte Motiv des hässlichen Entleins in die japanische Kultur übersetzt, setzt Remote die neue/alte Tradition japanischer Horrorcomics fort. Remote hat sogar, wie es in Japan oft üblich ist, schon den Weg zur TV-Serie gefunden. Die beiden Comics zeigen sowohl die graphische als auch die thematische Spannweite, die Comics aus Japan auf dem amerikanischen Markt einnehmen.

DARK HORSE:
Nach der erfolgreichen Cartoon-Network-Serie beginnt Dark Horse damit, seine Helden in Cartoonfiguren umzuwandeln. So berichten Haden Blackman und Ben Caldwell über die Abenteuer vom alten Ben Kenobi und seinen Jedi-Kollegen in Star Wars: Clone Wars Adventures Vol.1 TP.

Da hat Steve Niles nun endlich nach mehreren Versuchen bei Dark Horse einen Zeichner gefunden, der in Sachen Horror mithalten kann. Wer sich schon bei Kelly Jones‘ Batman-Zeichnungen gefürchtet hat, kann sich bei Last Train to Deadsville: A Cal McDonald Mystery #1 auf was gefasst machen.

Wenn man die festen Größen bei Dark Horse zur Seite nimmt und mit ihnen ein Projekt der etwas anderen Art startet, muss man sich nicht wundern, wenn mit The Dark Horse Book of Witchcraft HC ein Comic entspringt, der nicht ganz aus dieser Welt zu sein scheint. Vor allem Scott Morse (Barefoot Serpent) und Mike Mignola (Hellboy) geben der Magie ein zweites Gesicht.

DC COMICS:
Wer dachte, dass Seaguy ein Sidekick von Aquaman sei oder ein Alptraum aus dem Vertigo Imprint, der sollte mal genau hinschauen und lesen, dass Grant Morrison nach langer Zeit der Abstinenz von den Geschichten, die ihn bei Vertigo so berühmt gemacht haben, wieder da ist. In wieweit er seine Talente nach dem X-Men Run verbraucht hat, sehen wir in drei Monaten.

Wie unschwer auf dem Cover des Previews zu erkennen ist, hat DC mit Firestorm #1 schon wieder ein neues heißes Eisen im Feuer. Ähnlich wie bei den Ultimate-Titeln von Marvel versuchen Texter Dan Jolly (JSA: The Liberty Files) und Zeichner ChrisCross (Outsiders) einen alten Helden und Publikumsliebling in einen Teenager zu verwandeln. Der Protagonist erlebt also die alltäglichen Probleme eines Jugendlichen, plus Superheldenleben.

Bei Vertigo hat man sich scheinbar vorgenommen, zu jedem Jubiläum, und die kommen nicht so oft, Starzeichner und Eisner-Award-Gewinner Craig P. Russell zu holen, um den jeweiligen Comic zu illustrieren. Auch der 48seitige Lucifer #50, der wieder einmal alles zu beinhalten scheint, spielt hierbei keine Ausnahme.

MARVEL:
Alles neu macht der Mai. Diese relativ einfallslose Bauernregel scheint sich doch oft genug zu bewahrheiten. Zum Beispiel im Hause Marvel. Dort ist man der Meinung, dass die X-Men mal wieder einer Generalüberholung, namens X-Men: Reload, bedürfen. Deshalb schreibt Joss Whedon (Buffy) Astonishing X-Men #1. Damit seine Ideen auch den richtigen Adressaten finden, hat man sich Zeichner John Cassady (Planetary) geangelt.

“Und das X-Men Universum wird nie wieder dasselbe sein.“ So scheinen alle anderen X-Serien betitelt zu sein. Das heißt in anderen Worten, dass sich entweder das kreative Team ändert oder eine neue Story ansteht. Für eingefleischte Fans nichts neues, aber für alle anderen vielleicht ein guter Punkt zum Einsteigen. Einen ausführlichen Comicgate-Artikel zum Thema X-Men: Reload findet ihr hier.

IMAGE:
Simple Schwarz-Weiß-Zeichnungen, eine Geschichte, die interessant und graphisch solide ist und die dann nach nur 48 Seiten auch schon endet. Das ist man seit den Anfängen von Image nicht mehr gewöhnt. Bedanken darf man sich bei dem Künstler AZAD. In Sammy: A very Sammy Day GN beschreibt er die Ursprungsgeschichte des unglücklichsten Gauners aller Zeiten.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
Dennis O’Neil, Peter David, Kurt Busiek und Max Allan Collins sind Namen, die eigentlich allen Lesern von Comics ein Begriff sein sollten. In dem 180 Seiten starken Comic-“Buch“ Comics Prose Volume 1 GN (About Comics)zeigen die insgesamt sechs Autoren, dass sie auch ohne ihre Kollegen am Zeichenpult in der Lage sind, eine Geschichte zu erzählen.

“Travel means going someplace.“ Mit diesem Spruch leiten Shannon Wheeler und seine Freunde die neue Ausgabe vom Too Much Coffee Man Magazine #20 ein, dessen Titelthema eigentlich die Reise sein sollte. Da man sich aber bei Adhesive Comics immer auf die besten Talente verlassen kann, wenn es um schwarzen Humor geht, bietet diese Ausgabe alles, was ansonsten auch bei TMCMM drin ist. Nur besser!

True Story Swear To God: 100 Stories TP. 100 Geschichten zum Preis von 10 Dollar. Bei so einem Angebot (von AiT/PlanetLar) kann doch eh keiner widerstehen, denkt sich Tom Beland und erzählt auf eine beeindruckende Weise die alltäglichen Geschichten, die sein Leben ausmachen.

Alternative Comics bringt doch gleich zwei Comics heraus, die man beide besprechen muss. Da lohnt es sich schon einmal, den Verlag namentlich zu erwähnen. Der erste Streich nennt sich Salmon Doubts GN, bei dem Fische aussehen wie Fische. Dennoch haben sie die Fähigkeit zu denken und zu sprechen. Verantwortlich dafür ist Adam Sacks, der graphisch und metaphorisch eine Welt erschafft, in der man Zeit hat, über die natürliche Selektion, auf dem Weg zum Laichen, nachzudenken. Den zweiten Streich versetzten uns Damon Hurd und Christopher Steiniger mit ihrem Comic The White Elephant GN. Der Comic inszeniert auf sehr sensible Weise ein Theaterstück als Comic, in dem Protagonist Gene sich in therapieähnlichen Stunden selbst zu heilen versucht.

Jeph Loeb und Michael Turner veröffentlichen Soulfire #0 (Aspen Comics). ´Nuff Said.

Dr. Blink: Superhero Shrink #0 ist Psychiater. Sein bekanntestes Werk hört auf den Namen „Chicken Soup for Super-Soul“. Wie der Spezialist für die Psyche von Superhelden arbeitet, zeigen Euch John Kovalic (Dork Tower) und Christopher Jones (Justice League Adventures) bei Dork Storm Press.

Obwohl man mehrere Künstler im Bereich der Comics kennt, deren Kinder eine ähnliche Lebensaufgabe suchen, arbeiten doch wenige von diesen als Teams zusammen. The Lizard of Oz GN (Fantagraphics) ist im engeren Sinne auch keine Kooperation, sondern die Weiterführung des Werks von Vaughn Bodé durch seinen Sohn Mark. Während der Vater das Charakterdesign und das Cover fertig stellte bevor er starb, kommt von Mark Bodé nicht nur die Geschichte, sondern auch ein Skizzenbuch. Vollendet wird der Comic durch eine Einleitung von Carlo McCormick, der nicht nur Einblick in das Leben der Bodés gibt, sondern auch in das Original von Frank Baum (Wizard of Oz).

Nach „RAW“ und „Drawn & Quarterly“ kann man mit Recht sagen, dass es wieder eine alternative Anthologie auf dem Markt gibt, die es sich anzuschauen lohnt. Blood Orange #1 (ebenfalls Fantagraphics)wird aller Voraussicht nach vierteljährlich erscheinen und Werke von Künstlern wie Rick Altergott, Mike Kupperman oder Rone Rege Jr., beinhalten.

Neben Dark Horse hat das Virus Steve Niles auch schon erfolgreich den IDW Publishing Verlag infiziert. Dort veröffentlicht der Autor von „30 Days of Night“ alles, was mit Horror zu tun hat. Die Story von Remains #1 spielt in Las Vegas und ähnelt dem Zombiestreifen „Dawn of the Dead“ von Romero. Die Zeichnungen und vor allem die Perspektiven, die Zeichner Kieron Dwyer wählt, unterstreichen das unbehagliche Gefühl, das Niles so hervorragend hervorruft.

Wer auf dem Berliner Comic Festival letztes Jahr schon die Gelegenheit hatte, das kleine Team von dem schottischen Verlag Metaphrog kennen zu lernen, bestellt Louis: Dreams Never Die GN bestimmt schon aus reiner Kollegialität. Für alle anderen sei gesagt, dass es sich um wunderschöne und offenherzige Erzählungen handelt, die diesmal von einer CD oder einer Vinyl begleitet werden.

Gewinner des Ignatz Awards und des Xeric Grants. Der Name dieses Comiczeichners wird nicht bei jedem die Glocken zu klingeln bringen. Das sollte er aber. Derek Kirk Kim, der Autor von Same Difference and other Stories GN (Top Shelf Productions), begann mit Internetcomics, bevor er den Durchbruch schaffte und nun seine Kurzgeschichten über die Quarter-life crisis schreibt.

BOOKS:
Auch bei den Büchern findet man, wenn man genau hinschaut, oft ein paar schöne Dinge. Zu diesen gehört auch Michel Gangés Freaky Flora: From A to Z HC (Gagné International Press). Der Künstler hinter „The Iron Giant“ legt seinen neuen Band aus seiner Reihe von verrückten Phantasien vor. Nicht nur ein Kinderbuch, sondern auch etwas, was man sich immer wieder gerne anschaut und sich nur wundern kann, woher man diese Idee wohl haben kann.

Immer wieder findet man auch schöne Sammlungen von Cartoon Strips in dieser Rubrik. Zu diesen gehört auch Patrick McDonnells Mutts Sunday Afternoon: A Mutts Treasury TP (Andrews McMeel Publishing). Die kleinen Anekdoten über Katze und Hund sind zwar schon ziemlich alt, dennoch schafft es McDonnell, ihnen immer wieder etwas Neues zu geben. Gerade Freunde der „Peanuts“ und „Calvin und Hobbes“ werden an diesem Band ihre Freude haben.

GAMES:
Mitunter verstecken sich im Previews auch kleine Überraschungen, die man nicht verpassen sollte. Pack of Flies zum Beispiel ist ein Kartenspiel, bei dem geblufft werden muss, um mit seiner Fliege die begehrten „Essensreste“ des Bauerhofes zu bekommen. Vorsicht vor Fliegenklatschen und Spinnweben!

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers

MTG Folge 11: Previews 02/2005

FREE COMIC BOOK DAY:
Wieder einmal ist es soweit. Der Free Comic Book Day steht vor der Tür. Am 7. Mai könnt Ihr alle versuchen, bei Euren Comicläden eine Prise Comics gratis zu bekommen. Das Event dient eigentlich der Vermarktung der Comics. Der Previews meint, dass es die perfekte Gelegenheit sei, Comics der ganzen Familie vorzustellen. Wie viele der bunten Heftchen aus Amerika Ihr schließlich ergaunern könnt, hängt meist von Eurem Verhältnis zum Comicladenbesitzer ab.

Wie es in Amerika so ist, hat man die kostenlosen Comics in zwei Lager eingeteilt: „Gold Sponsors“, dazu zählen vor allem die großen Verlage wie DC Comics, Marvel, Dark Horse, Image, aber auch kleine Größen wie Bongo oder Devil’s Due. Diese Comics sollte Euer Laden auf jeden Fall haben. Die kleineren Verlage schimpfen sich dagegen nur „Silver Sponsor“, doch oft gibt es hier die interessanteren Artikel. Ihr solltet vor allem nach AdHouse Books und Comics Festival Ausschau halten.

Aber tut mir bitte noch einen kleinen Gefallen und geht Eurem Comicladenbesitzer nicht allzu sehr auf den Nerv, da er einen Teil der Kosten dieses vermeintlich kostenlosen Comictags mitträgt.

STAR WARS:
Wahrscheinlich habt Ihr schon im letzten Previews gesehen, dass man sich bei Dark Horse darauf vorbereitet hat, den dritten und letzten (neuen) Star-Wars-Film zu begrüßen. In Comics ausgedrückt handelt es sich hierbei um eine ganze Reihe neuer Titel. Anfangen sollte man mit der offiziellen Comicadaption Star Wars: Episode III Revenge of the Sith #1-4 von Miles Lane. Während man sich mit Doug Wheatly einen bereits erfahrenen Star-Wars-Zeichner besorgt hat (“Star Wars Empire Vol.2“), überrascht der Coverzeichner Dave Dorman, dem ein kleines Meisterwerk gelungen ist, indem er die Magie der Originalplakate der 70er wiederauferstehen lässt

Hinzukommen weitere „kleine“ Star-Wars-Titel, die bereits eine längere Laufzeit haben. Was noch herausfällt aus dem Standardkonzept, ist eine Variante im Animations-Look namens Star Wars: General Grievous #1-4. Die Geschichte des Vierteilers lässt sich schnell zusammenfassen: Flynn Kybo macht sich auf die Suche nach einem Sith mit Namen General Grevious. Wer schon in den Neunzigern die Zeichnungen von Rick Leonardi – zu sehen in den Abenteuern der X-Men – mochte, wird sich über das, was er hier sieht, freuen. Fast hätte ich Chuck Dixon vergessen…

Um das ganze Sortiment abzuschließen, sollte man sich noch das ultimative Star Wars Stickerbuch zulegen, damit an Eurem Kühlschrank, in Eurem Zimmer und überall sonst die dunkle Seite der Macht herrscht.

THE FOUNTAIN HC:
In der Regel ist es nichts neues mehr, wenn sich ein Drehbuchschreiber, oder sogar ein Regisseur sich dazu entscheidet, für ein oder zwei Projekte die Lager zu wechseln, doch im Fall von Darren Aronofsky sollte man eine Ausnahme machen und sich einmal genau ansehen, was der Mann, der verantwortlich für „Pi“ und „Requiem for a Dream“ ist, zu sagen hat. Aronofsky hat sich bewusst dazu entschieden, sein neues Projekt zuerst bei Vertigo als Comic zu veröffentlichen, obwohl er den dazugehörigen Film, mit Hugh Jackman, schon dreht.

Aronofsky beschreibt drei verschiedene Zeitepochen: Die erst Geschichte spielt 1535, während eines Maya-Kriegs in Südamerika. Die zweite findet in unserer Zeit statt, in der sich ein Doktor auf die Suche nach einem Heilmittel für Krebs macht. Die letzte Geschichte erzählt von einer Reise durch die Galaxis und die Zukunft. Die drei Geschichten werden zusammengehalten durch ihren Protagonisten Thomas, der versucht das Leben seiner Geliebten zu verlängern.

Die gemalten Bilder von Kent Williams (“Blood: A Tale; Destiny: A Chronicle of Deaths Foretold“)verlangen dem Betrachter eine Menge ab. Obwohl das Bild auf den ersten Blick verstanden scheint, sollte man die Bilder nicht wie in einem Manga lesen, sondern sich Zeit lassen, wenn man über die Panels schweift. Man merkt dann schnell die Verbundenheit zwischen Film und Comic in den Bildern. Dort wird mit Zoom und Schuss-Gegenschuss gearbeitet. Der Effekt der Bilder ist aber auch beim schnellen Lesen unverkennbar.

THE FLY CHRONICLES TP:
„Life at the Bottom of the Food Chain“. So lautet der Untertitel der gesammelten Strips von Michal Blaney, der sich viel Mühe gibt, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen, eben aus der Fliegenperspektive. Mit seinem Sammelband, der bei Active Images erscheint, lässt Blanely die Tradition eines Gary Larson wiederaufleben. Obwohl die Bilder und der Humor einen beim ersten Blick schon zum Lachen bringen, kann ich mir nicht vorstellen, ob der Band in der Lage ist, dieses Niveau aufrecht zu erhalten: „Nathaniel, in this house, we vomit not our food and suck it back up without smacking our lips, please.“

NIL – A WORLD BEYOND BELIEF:
Ein Comic mit dem Titel NIL (Slave Labor Graphics) und einem Protagonisten, der sich Nul schimpft. Hinzu kommt ein philosophisches Mischmasch aus nihilistischem Chic? Das hört sich alles etwas zu obskur an. Auf der anderen Seite ist eben dieser Nul auf der Suche nach dem Sinn. Und was kann es besseres geben als nach dem Sinn zu suchen? Durch eine falsche Mordanklage aus dem System geworfen macht sich unser Held in Schwarz-weiß auf den Weg. James Turner steckt hinter dieser Idee und wenn sein Comic das halten kann, was das Cover verspricht, können wir uns auf einen Comic a la Chris Ware freuen, bei dem man aber vielleicht auch mal lachen darf.

RED SONJA #0:
Dieser Comic bringt hoffentlich wieder alle Feministen mit an den Tisch. Wir können uns hier zum ersten mal wieder streiten, ob die Autoren Mike Carey und Michael Avon Oeming nur das Bild der hübschen Frau benutzen oder ob es sich tatsächlich um die Reinkarnation von Barbarella handelt. In dem beigefügten Interview kann man sich auch nicht genau sicher sein, was die beiden Herren da wirklich mit Robert E. Howards Vorlage vorhaben.

Um den künstlerischen Teil bemüht sich Mel Rubi, dessen Arbeiten schon Titel wie die „Uncanny X-Men“ beinhalteten. Die erste Vorschau zeigt, dass er versucht den Charakter der Red Sonja mit seinen Zeichnungen abzurunden. Für die Cover dachte man sich bei Dynamite Entertainment, man könne einfach alle guten Leute wie Alex Ross, Art Adams, John Cassady, Joseph Michael Linsner, Michael Turner, Greg Land und Adam Hughes unter Vertrag nehmen. Und das hat man dann auch getan. Der Rest ist Fantasy-Geschichte.

ACTION PHILOSOPHERS #1:
Genau so sollten Comics aussehen: Simpler Titel, einfach zu verstehende Handlung und Philosophen, die sich die Köpfe einschlagen. Dafür haben sich die beiden Künstler hinter dem Werk, Fred Van Lente und Ryan Dunlavey, und ihr Verlag Evil Twin Comics den Xeric Award redlich verdient. Lasst uns noch einmal die Handlung zusammenfassen: Die beiden Künstler haben sich an die Arbeit gemacht, die Ideen von Philosophen wie Plato, dem Wrestling-Superstar aus dem alten Griechenland, Nietzsche, dem Übermenschen, und Bodhidharma, dem Großmeister des Kung-Fu, in eine verständliche Weise zu transportieren. Diese erlesene Truppe von Philosophen schlägt dann auch schon mal zu oder starrt Löcher in einen Berg.

SEEING THINGS HC:
Jim Woodring auf 104 Seiten. Nach dem großen Kritiker-Erfolg seines „Frank Book“ veröffentlicht Fantagraphics nun sein neues Hardcover. Für diejenigen, die mit Woodrings Arbeiten nicht vertraut sind, sei gesagt, dass er einer den Künstler ist, die oft ein bisschen zu genau hinschauen. Aus diesen Betrachtungen werden in Woodrings Kopf surreale Bilder, die aber in Exaktheit und Klarheit der Linie fast schon mit Hergé vergleichbar sind.

Das Buch setzt sich aus verschiedenen thematischen Segmenten zusammen: In „Lazy Robinson“ zeigt Woodring sein Talent für Porträts, die im Laufe ihrer Betrachtung zu etwas anderem werden. Im zweiten spielen „Frogs“ die Hauptrolle, während man sich unter der Beschreibung von „The Visible World“ nicht sonderlich viel vorstellen kann. Es ist vor allem „The Portfolio of Color“, das die Leser vor Freude jubilieren lässt und diese selbst strahlend und pfeifend in die Welt ziehen.

GUILTY GN:
Der zweite Gewinner des Xeric Awards bekommt auch seinen Platz in dieser Auswahl, aber nicht wegen des Preises, sondern wegen seiner Idee. Karl Stevens erzählt uns in schwarz-weiß von Ingrid, einer selbstbewussten Frau, die auf dem Weg nach hause ihren Exfreund trifft. Was ist zu tun? Sie entscheidet sich für den freundlichen Austausch von Gedanken und wird dadurch wieder in etwas gezogen, mit dem sie eigentlich abgeschlossen hatte.

Wie an der Vorschau bereits zu sehen ist, besitzt Stevens eine große Liebe fürs Details und gibt der Geschichte über sexuelle Frustration, Drogen, Alkohol und Orgien aus Lügen durch seine feinen Schattierungen ein realistisches Setting.

MOSQUITO GN:
Wer sagt eigentlich, dass die Comics von Klein- oder Eigenverlagen immer schwarz-weiß sein müssen? Mit seinem Comic Mosquito (Top Shelf) beweist uns Autor Don James (“The Octopi & the Ocean“), dass es auch in rot geht. Er erzählt diese südamerikanische Sage über einen Vampir ohne Worte, dafür sehr wirksam ausschließlich in roter Tinte. Ein Mann bekommt eines Morgens einen Brief mit Polaroidbildern von Vampiropfern und einer kleinen Karte zu einem Dorf. Natürlich macht sich der Mann auf, verlässt Frau und Kinder und geht dem Unheil entgegen.

MERCHANDISE:
In diesem Previews haben wir das Glück, dass er eine Fülle von nutzlosem und idiotischem Spielzeug enthält, für das wir alle eh schon zu alt sind. Den Anfang macht LOG ganz klassisch im Retro-Look. Dieser perverse Holzklotz aus dem Hirn von John Kricfalusi, dem Schöpfer von „Ren & Stimpy“, ist groß und aus Holz. Was will man mehr?

Danach kommt aber sofort das Merchandise zum neuen „Per Anhalter durch die Galaxis“-Film. Mal von den dämlichen Actionfiguren abgesehen, sollte man sich das unnütze Büromaterial und die Kill-O-Zap schon leisten.

Was nie fehlen darf, wenn man es mit dämlichem Spielzeug auf die Spitze treiben möchte, ist die Heilige Handgranate aus „Die Ritter der Kokosnuss“. „Die Fünf scheidet völlig aus!“

Des Weiteren hätten wir noch den Originalpflock von Buffy und den Drink für den weißen Abschaum der Gesellschaft, das White Trash Water. Womit wir auch wieder bei „Star Wars“ sind. Der Kreis schließt sich nämlich wieder mit dem Darth Tater Mr. Potato Head.

Frage des Monats: Was macht eigentlich die Frau, auf Seite 486, da mit dem Oktopus?

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers

MTG Folge 12: Previews 04/2005

DARK HORSE:
Hellboy ist wieder da! Mike Mignola hat bekanntlich bei der Verfilmung seines roten Riesen selbst eifrig mitgearbeitet und hatte daher wenig Zeit zum Comics machen. Nach längerer Pause erscheint nun immerhin ein Zweiteiler: Hellboy: The Island wird für einige Zeit der letzte Comic sein, bei der Mignola als Autor und Zeichner fungiert.

Paul Chadwicks „Concrete“, ein Independent-Klassiker der 80er und 90er Jahre, ist kürzlich in einer neuen Miniserie bei Dark Horse auferstanden. Jetzt werden auch die alten Geschichten in Sammelbänden neu aufgelegt. Los geht es mit Concrete Vol. 1: Depths TPB. Ausführliche Infos zu „Conrete“ gibt’s übrigens auf der informativen Chadwick-Website von Guido Weisshahn.

DC COMICS:
In der Reihe Solo, in der sich verschiedene Künstler in Kurzgeschichten austoben dürfen, ist diesmal Darwyn Cooke an der Reihe. Er beschäftigt sich hier vor allem mit dem Detektiv Slam Bradley, der auch in den „Catwoman“-Heften von Ed Brubaker (gezeichnet von Darwyn Cooke), eine größere Rolle spielte.

Das Wildstorm-Label vermeldet die Rückkehr von J. Scott Campbell (“Danger Girl“), der auch bei seiner neuen Serie wieder mit Andy Hartnell zusammenarbeitet.>Wildsiderz dreht sich um ein Team von Helden im Teenageralter, die die Kräfte von Tieren einsetzen und vervielfachen können. Um die Wartezeit für die Campbell-Fangemeinde, die vermutlich immer noch recht groß ist, zu verkürzen, gibt es erstmal eine Nullnummer mit Skizzen und einer Kurzgeschichte.

Mit Albion #1 beginnt Wildstorm die Wiederbelebung von Uralt-Superhelden aus Großbritannien. Auf den ersten Blick muss man staunen, denn da steht: Alan Moore und Dave Gibbons. Die Schöpfer von „Watchmen“! Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Gibbons als Coverzeichner und Moore als Ideengeber, der den groben Plot vorgibt. Das eigentliche Skript stammt von Alan Moores Tochter Leah und ihrem Gatten John Reppion, die Zeichnungen von Shane Oakley.

Bei Vertigo war die Sehnsucht groß, mal wieder etwas von Neil Gaiman zu veröffentlichen. Dumm nur, dass der zur Zeit lieber Romane schreibt. Also lässt man Mike Carey und Glenn Fabry einen Gaiman-Roman adaptieren und macht daraus die Miniserie Neil Gaiman’s Neverwhere. Hmm, ich persönlich greife lieber zum Roman, den es übrigens als „Niemalsland“ auch auf deutsch gibt.

Wer die Einzelhefte von We3 verpasst hat, sollte jetzt zugreifen: Grant Morrison und Frank Quitely erzählen die Geschichte dreier Tiere, die zu Hightech-Waffen hochgerüstet wurden und ungeplant in die freie Wildbahn geraten. Trotz des großen Gewaltanteils eine sehr anrührende Story, die auch mit einem großartigen Artwork glänzt.

IMAGE COMICS:
Wie so oft gibt’s bei Image eine Reihe neuer Titel, die ganz interessant aussehen, aber da man weder Autoren noch Zeichner kennt und die Kurzbeschreibungen sehr mager ausfallen, ist das Vorbestellen Glückssache. Die Kandidaten heißen:
Flak Riot #1 – eine Büroangestellte wird zur Kopfgeldjägerin. Mehr Infos gibt’s nicht, aber die abgedruckte Seitenvorschau für die Miniserie sieht zumindest graphisch sehr interessant aus.
Strange Girl #1 beschreibt Autor Rick Remender als Mischung aus „Tank Girl“ und „Doctor Strange“. Und auch hier gilt: interessantes Artwork, aber wenig Infos über den Inhalt.

Etwas weniger im Dunkeln tappt man bei der neuen Serie von Joe Casey (“Wildcats Version 3.0“): Godland #1 ist eine sehr kosmische Geschichte, deren knallbuntes Artwork – sicher nicht unbeabsichtigt – an Jack Kirby denken lässt.

Bereits im Jahr 2000 erschien ein One-Shot namens „Avigon“, der jetzt in Avigon: Gods and Demons GN nachgedruckt und fortgesetzt wird. Che Gilson erzählt von einem Mädchen, das in einer Gothic-Welt gefangen ist, die von Jimmie Robinson sehr hübsch bebildert wird. Sein Artwork erinnert an Tim Burtons „Nightmare before Christmas“ mit einem leichten Manga-Einschlag.

Robert Kirkman schafft mit seinen Image-Serien das, woran fast die gesamte Konkurrenz scheitert: die Hefte von „The Walking Dead“ und „Invincible“ finden von Ausgabe zu Ausgabe mehr Käufer. Damit das auch so bleibt, bietet Image ein verlockendes Angebot für „Invincible“-Fans und -Neueinsteiger: das edle Invincible: The Ultimate Collection, Vol. 1 HC ist ein relativ preisgünstiger Hardcoverband, in dem die ersten 13 Ausgaben der oft gelobten Superheldenreihe versammelt sind.

MARVEL:
Die Marvel-Previews (die dem dicken Katalog wie immer als eigenes Heft beiliegen) rühren aufs heftigste die Trommeln für das große Sommer-Blockbuster-Event 2005:>House of M. Die Kern-Miniserie schreibt Brian Michael Bendis, dazu kommen mehrere Spin-Offs, z.B. Spider-Man: House of M. Bereitet euch auf folgendes vor: sehr viele werden es kaufen, manche werden es mögen, es wird sehr viel darüber geschimpft werden (wahrscheinlich mit Recht), aber alleallealle werden drüber reden. Genau wie bei „Avengers Disassembled“ oder bei DCs „Infinite Countdown to Identity Crisis“ [TM]. Und damit wäre dann das Ziel auch exakt erreicht.

Außerdem bringt Marvel im Juni eine Menge Fantastic Four-Material auf den Markt, um (vielleicht) ein bisschen am (eventuellen) Erfolg des F4-Kinofilms zu partizipieren. Neben einer wie immer überflüssigen Comic-Adaption des Films gibt es auch so hübsche Ausgaben wie Ultimate Fantastic Four Vol. 1 HC oder das dicke Essential Fantastic Four Vol. 4 mit Klassikern von Lee und Kirby.

Es gibt tatsächlich noch neue Marvel-Serien, deren Titelheld nicht schon seit 20 oder 40 Jahren im Marvel-Universum herumvegetiert. Das allein ist schon etwas besonderes, auch wenn das Konzept von Gravity dann doch nicht sooo originell aussieht: nach dem Highschool-Abschluss geht zieht ein Junge vom Lande nach New York, um dort – richtig geraten – Superheld zu werden. Das Creative Team hinter der Miniserie, Sean McKeever und Mike Norton, hat für seine Independent-Reihe „The Waiting Place“ eine Menge Lob eingeheimst – „Gravity“ könnte also einen Blick wert sein.

Nach Brian Bendis (“Powers“) und David Mack (“Kabuki“) bekommt nun auch Joe Michael Straczynski die Gelegenheit, einen eigenen „creator owned“-Comic bei Marvels Icon-Label zu veröffentlichen. Zusammen mit Mike Deodato (“Amazing Spider-Man“) begleitet er in Dream Police #1 zwei Cops bei ihren Ermittlungen in der Welt der Träume.

INDEPENDENT PUBLISHERS:
Fantagraphics startet eine neue vierteljährliche Anthologie-Reihe namens Mome. Die darin vertretenen Kurzgeschichten stammen größtenteils von Talenten, deren Namen ich noch nie gehört habe, aber auch von Künstlern wie Paul Horneschmeier oder Jeffrey Brown, die im Indie-Bereich längst keine Unbekannten mehr sind.

Oni Press erweitert sein ohnehin schon breites Spektrum verschiedenster Genres um ein „two-fisted historical action adventure“, das im Jahr 1755 spielt und von der Besiedlung Kanadas handelt. Northwest Passage #1 wird geschrieben und gezeichnet von Scott Chantler, den man bisher nur als Zeichner kannte (“Days like this“).

Jeffrey Brown vervollständigt seine autobiographische Trilogie und legt nach „Unlikely“ und „Clumsy“ einen weiteren Comic zum Thema „Erwachsen werden und mit den Frauen klarkommen“ vor. Das neue Werk trägt den hübschen Titel aeiou und erscheint bei Top Shelf.

Oh, eine neue Graphic Novel von Daniel Clowes (“Ghost World“)? Naja, in Wirklichkeit ist Ice Haven GN (Pantheon Books) ein Nachdruck von „Eightball“ #22 in einem neuen Format. Als dieses Heft, eine Sammlung von 27 Kurzgeschichten, damals bei Fantagraphics erschien, hieß es dazu: „It’s a one-shot, intended to work only as a comic book, and will probably never be reprinted in book form, at least not without major revisions.“ Jetzt gibt’s also doch einen Nachdruck in Buchform.

Bitte verzeiht mir, wenn ich diesen Monat darauf verzichte, auch noch die obskuren hinteren Seiten des Katalogs zu durchforsten, wo man Merchandise, Trading Cards und allerlei nerdigen Schnickschnack findet. Vom vielen Kopfschütteln wird mir da immer ein bisschen blümerant zumute…

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers

MTG Folge 13: Previews 05/2005

EMILY:
Eine wirklich interessante Studie zur Populärkultur bietet sich in Form von Emily the Strange #1 an. Das bemerkenswerte dabei ist nicht der Comic an sich (der bei Dark Horse erscheint), sondern die Tatsache, dass seit nunmehr zehn Jahren Teenager, größtenteils Gothic-Fans, die kleine Dame durch die Gegend tragen. Sie verziert nicht nur Hüte und Taschen, sondern auch Kleider und T-Shirts.
Das Cover und die Previewbilder sehen dennoch sehr viel versprechend aus. Der Künstler hinter Emily, Cosmic Debris, setzt auf einfache Farben und besticht mit einer Zweidimensionalität, die beeindruckt. Obwohl die Farbwahl und die Illustrationen imponieren, handelt es sich bei den Geschichten wahrscheinlich nur um kurze Episoden und keine längere Handlung. Eben nur ein Nebenprodukt der Merchandise-Firmen.

SILENT DRAGON:
Nach einigen bemerkenswerten Auftritten bei Marvel und DC hat Leinil Yu durch Silent Dragon (DC Comics/Wildstorm) nun endlich einen Titel zugeschneidert bekommen, der seine Stärken perfekt ausnutzt. Allein auf den drei Seiten im Previews sieht man, dass Yu mit seinem Stil ein perfektes Bindeglied zwischen Japan und Amerika darstellt. Eine Neuerung ist vor allem die Geschwindigkeit des Comics. Während Yu sich Zeit für die Details nimmt, die Emotionen des Protagonisten von Silent Dragon #1, Renjiro, graphisch darzustellen, lässt er ihm auf Seite drei aber genauso die Freiheit für wuchtige Action. Wenn Yu diesen Staccato-Rhythmus bis zum Ende der Serie durchhalten kann, dürfen wir uns auf einen guten Comic freuen.
Hinzu kommt dann ja auch noch Autor Andy Diggle, der schon länger für DC tätig ist (“Adam Strange“ und „The Losers“). Diggles Plot erstreckt sich über Japan, die Yakuza und das japanische Militär. Im Mittelpunkt steht Renjiro, der sich für keine Seite entscheiden kann und deshalb natürlich in jeden Kampf verwickelt wird. Dennoch wirkt in diesem Comic, dessen Schwerpunkt auf dem Graphischen liegt, der Text nur als bloßes Nebenprodukt.

GROUNDED:
Beim ersten Blick auf Grounded (Image Comics)war ich mir sicher, dass es die Zeichnungen von Paul Azaceta sind, wegen denen ich dem Comic diesen Platz hier eingeräumt habe. Vor allem die Einleitung, ein Einblick in die fiktive Comicwelt des Protagonisten Jonathan, überzeugt durch ihre klaren Linien, die wiederum von der Rasterkolorierung durchbrochen werden. So schafft Azaceta das Flair eines Silver Age Comics. Immer wieder scheint diese Realität in die Wirklichkeit des Helden, der nicht wirklich ein Held ist, einzudringen.
Beim näherem Hinschauen und genauerem Lesen des Textes ist es dann wohl doch die Geschichte von Mark Sable, die mich mehr reizt als die bloßen Bilder. Das Thema, Superhelden in eine reale Welt zu platzieren, mag schon etwas abgedroschen sein, dafür ist aber die Perspektive eine relativ neue. Oder handelt es sich hier um einen Comic, bei dem sowohl das Graphische wie auch das Literarischen ein Ganzes bilden?

YURI MONOGATARI:
Wenn man die Themen lesbische Liebe und Comics zusammenbringt, fällt als einziges Kommentar meist nur: „Love and Rockets“. Der zweite Gedanke kommt etwas später, ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch immer derselbe: Manga. Der kleine Spezialverlag ALC Publishing erkundet speziell die schwul-lesbischen Bereiche des japanischen Comics. Dort hat man sieben englischsprachigen Künstlern aus aller Welt die Möglichkeit gegeben, ihre Geschichten zu erzählen. Das Ergebnis ist ein Amalgam aus Sience Fiction und Realismus, aus witzigen Beziehungen und der Angst vor der eigenen Sexualität. Der Comic stellt Homoerotik auf ganz unspektakuläre Weise dar.

FAT BOY AND HARVEY:
Was für ein grandioser Titel: Fat Boy and Harvey #1. Damit alleine haben Howard M. Shum und sein Kollege E. W. Clayton schon alles gesagt, was es zu sagen gibt. Der Rest ist dann nur noch ein Kinderspiel. Die Geschichte: Ein Künstler und sein etwas übergewichtiger Cousin aus Hong Kong erleben wilde Abenteuer mit Hollywoodgrößen und Rockstars. Im Kielwasser von verrückten Protagonisten wie z.B. „Street Angel“ werden diese beiden Antihelden sicher auch ihre kleine Fangemeinde finden.

LITTLE BOOK OF HORRORS: THE WAR OF THE WORLDS:
Es ist oft wirklich schade, dass man erst wieder Comics finanzieren kann, wenn die Vorlage erfolgreich im Kino lief. Obwohl der Stoff von H.G. Wells, War of the Worlds, nunmehr schon seit fünfzig Jahren präsent ist, muss erst Tom Cruise kommen, um ein gesundes Umfeld für einen Comic zu schaffen. Wie auch immer, IDW Publishing nutzt die Gunst der Stunde und setzt seinen besten Autor auf die Geschichte an: Steve Niles. Wie bereits beim Vorgänger in dieser Serie, „Little Book of Horror: Frankenstein“, legt man auch bei der Wells-Adaptation höchste Sorgfalt auf die Umsetzung der Originalgeschichte. Wahrscheinlich noch verstörender sind die Visionen von Ted McKeever, bei dessen Maschinen man nie sicher ist, wann die Maschine aufhört und etwas grotesk Biologisches anfängt. Man kann gespannt sein, welche Vorlage man bei IDW Publishing als nächstes auf dem Schreibtisch liegt.

CAPOTE IN KANSAS:
Ein Comic, der versucht, die wahren Begebenheiten hinter wahren Begebenheiten zu schildern. Das mag sich noch etwas zu komplex anhören. Capote in Kansas (Oni Press) beschreibt im Detail das Leben des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote, dessen Roman „In Cold Blood“ auf einer wahren Begebenheit basiert. Doch als Team sind Ande Parks und Chris Samnee anderen Dingen auf der Spur.
Der ganz in schwarz-weiß gehaltene Comic gibt nicht Capotes Roman sondern die Recherche, die jener führte, wieder. Der Trick dabei ist, dass Capote versucht hat, so real wie möglich zu schreiben und sich deshalb für seinen Roman eine reale Vorlage gewählt hat. Was passiert nun wenn in einem Comic eine biographische Geschichte über Truman Capote erzählt wird, in der dieser nach der Realität sucht? Das Produkt ist ein Mord in Kansas und ein Schriftsteller auf der Suche. Vielleicht inspiriert der Comic den einen oder anderen, das Original zu lesen.

BURYING SANDWICHES:
Der Name des Verlags ist Robert Sato. Ein ziemlich ungewöhnlicher Name für einen Verlag. Doch wenn man weiterschaut wird schnell auffallen, dass der einzige Comic, den eben dieser Verlag herausgibt, von demselben Rob Sato geschrieben und gezeichnet wurde. Das kleine schwarz-weiße X im Previews gibt uns mehr Aufschluss über das Produkt. Der Xeric Grant wird Comics aus eben solchen Verlagen verliehen: den Eigenverlagen. Weitab vom Mainstream erzählt Sato vom kulinarischen Horror, dem Übernatürlichen und subtilen Folterungen. Es bleibt abzuwarten, ob Sato nur wegen seiner beunruhigenden Visionen den Preis bekommen hat oder wegen seiner künstlerischen Gestaltung.

TOP SHELF:
Mit The King und The Surrogates traut man sich bei Top Shelf auch auf unbekannten Wegen weiter. Obwohl Comics wie Jeffrey Browns „Clumsy“ und „Unlikely“ noch immer zum Standardprogramm gehören, so zeigen diese beiden Neuerscheinungen, dass sich Top Shelf verändern will oder wird. Der erste Titel, The King GN, entworfen von Rich Koslowski, bewegt sich auf den Spuren eines Elvis-Imitators, der im Laufe der Geschichte zunehmende Ähnlichkeit mit dem wirklichen King annimmt. Durch die Augen eines Journalisten nimmt der Leser Teil an der Suche nach dem wahren King. Ein Vorhaben, das an „Citizen Kane“ erinnert.
Der zweite Titel The Surrogates #1 scheint auf den ersten Blick nichts mit dem King gemein zu haben. Das Thema ist Cyberpunk und das Jahr ist 2054. Das erste Cover der fünfteiligen Miniserie erinnert etwas an „Popbot“, doch die Geschichte wirkt nicht so verstrickt. Mit welchem Erfolg auch immer diese beiden Titel auf dem Markt starten werden, sicher ist, dass Top Shelf expandiert.

Frage des Monats: Warum ist Toby Maguire als Superheld in einem Top-Cow-Comic auf Seite 172 zu sehen?

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers