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Young, Larry (OmU)

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Larry Young veröffentlichte Ende der 90er Jahre seinen ersten eigenen Comic, „Astronauts in Trouble“, im eigens dafür gegründeten Verlag AiT/PlanetLar. Sechs Jahre später ist der Verlag eine feste Größe im Independent-Bereich der US-Comicbranche. Die meisten seiner Comics erscheinen direkt als Graphic Novel und nicht im Heftformat. Larry Young ist nicht nur Autor und Gründer des Verlags, sondern auch Redakteur und vor allem Marketingchef, der für die Promotion seiner Comics auch ungewöhnliche Wege zu nutzen weiß.

Comicgate: Larry, von deinen „Loose Cannon“-Kolumnen bis hin zu deinem „Planet of the Capes“-Comic (über den wir später noch reden) bist du immer jemand gewesen, der offen seine Meinung zum amerikanischen Comicmarkt von sich gegeben hat. Also, wie sieht du den momentanen Zustand der Industrie und wo in ihr siehst du AiT/PlanetLar stehen?

Larry Young: Ich bin mir nicht mal sicher, dass wir sowas Besonderes sind. Wir sind ein Verlag, genau wie Marvel oder DC oder wer auch immer. Die 12,95$, die du brauchst um „The Invisibles: Bloody Hell in America“ von deinem lokalen Comichändler zu kaufen, sind die gleichen 12,95$, die du brauchst um dir eine Ausgabe von „Last of the Independents“ zuzulegen. Insofern sehe ich uns einfach nur als einen Comicverlag, genau so wie Marvel und DC. Zum „Zustand der Industrie“: den Comics geht es gut, die „Industrie“ und die „Kunstform“ kann man nicht trennen, weil Comics kommerzielle Kunst sind. Es gibt zuviele Verlage, die denken, dass der Job erledigt ist, sobald ein Comic gedruckt und vertrieben worden ist. Aber das ist nur die halbe Arbeit. Das Spiel ist nicht vorbei, wenn du dich angezogen hast und aufs Feld gehst. Du musst das Spiel immer noch spielen und du musst dabei auch Punkte machen. Und nachdem du einen Comic produziert hast, musst du da rausgehen und sicherstellen, dass die Leute auch davon wissen. Schreiben, zeichnen, drucken, verkaufen. Einschäumen, abspülen und wieder von vorn, weißt du? Nichtmal die Shampoo-Firmen sagen dir, wann du aufhören solltest und genauso solltest du auch nicht einfach aufhören, wenn du im Comicgeschäft bist.

CG: In den letzten Jahren hat AiT sehr stark auf die „Original Graphic Novel“ gesetzt und Comics direkt als Paperback herausgebracht. Mit „Demo“ seit ihr zum monatlichen Heftformat zurückgekehrt und habt keine Paperbacksammlung der Einzelhefte veröffentlicht. Was hat euch dazu bewegt und würdest du das Experiment als Erfolg bezeichnen?

LY: Brian Woods Vision für den Comic war, dass er in diesem Format erscheinen sollte und ich habe seiner Vision vertraut. Das war es, was er gebraucht hat, also hat er es auch bekommen. Es war ein voller Erfolg. Nicht nur ein künstlerischer Triumph, mit Becky Cloonans meisterhafter Arbeit in allen zwölf Ausgaben, sondern ebenso ein kommerzieller Erfolg, der meinen Punkt der „kommerziellen Kunst“ von oben untermauert. Brian hat gut geschrieben, Becky hat gut gezeichnet und ich habe gut promotet und wenn alle drei Teile der Maschine so perfekt arbeiten, dann haben wir einen Volltreffer.

CG: Buchhandel gegen Direktmarkt. Wie wichtig werden diese beiden Absatzmärkte jeweils für die Zukunft von AiT sein und wie schlagen sich eure Titel im Direktmarkt, wenn man die „Franchiseflut“ bedenkt, die da momentan herrscht (z.B., dass circa 20 „Batman“- oder „X-Men“-Titel erscheinen, die Platz in den Regalen einnehmen, der für kleinere Verlage wichtig sein könnte)?

LY: Bezüglich unserer Einnahmequellen denken wir nicht in solchen „entweder, oder“-Kategorien. Sowohl der Direktmarkt, als auch der Buchhandel sind geschätzte Handelspartner. Genauso wie die die verschiedenen Onlinehändler, die wir beliefern. Unsere Firma ist sechs Jahre alt und hat 70 Titel veröffentlicht, die alle lieferbar sind. Insofern hat das, was im Direktmarkt mit „Batman“ und den „X-Men“ passiert, wenig mit uns zu tun. Wenn ein Händler sein ganzes Geld durch Comics aus den Top 100 macht, dann wird er keine Comics von irgendwem außer DC, Marvel, Image und Dark Horse bestellen. Aber wenn ein Händler sein Geld mit einer breiten Auswahl an Comics macht, dann fangen „Astronauts in Trouble“, „Channel Zero“, „Electric Girl“ und „Come in Alone“ sicher an, sich ihren Platz in den Regalen zu verdienen.

CG: Dennoch ist für Comics ein Platz im Verkaufsregal wichtiger als für normale Bücher. Als visuelles Medium seit ihr doch auch darauf angewiesen, dass Kunden Impulskäufe tätigen. Weil ihnen das Cover gefallen hat oder weil sie das Artwork mochten, als sie den Comic schnell durchgeblättert haben. Solche Dinge sind nicht möglich, wenn man bei einem Onlinehändler bestellt. Also habt dir da nicht irgendwelche Sonderaktionen, damit Leser bei ihrem lokalen Comichändler nach AiT-Titel fragen oder um bei Händlern ein Interesse an euren Produkten zu schaffen?

LY: Aber wir sehen unsere Paperbacks nunmal so: Sie sind „normale Bücher“ und so vermarkten wir sie auch. In den Staaten stellen die meisten auf Comics spezialisierten Händler, die Paperbacks auf Lager haben und ein gutes Geschäft mit ihnen machen, diese mit dem Buchrücken nach außen ins Regal. Das heißt, die meisten ihrer Kunden sehen nur die Buchbindung statt dem Titelbild. Und weil wir seit sechs Jahren ein funktionierender Betrieb sind und Mimi Rosenheim und ich eine so gute Beziehung zu unseren Handelspartnern haben, steht der Markenname „AiT/PlanetLar“ für hohe Qualität auf dem Markt. Wir sind nicht auf Formatgimmicks wie „Sammelcover“ oder Verkaufsaktionen mit ungewöhnlich hohen Rabatten angewiesen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Wir machen einfach weiterhin qualitativ hochwertige Comics, ich vermarkte und promote sie und die Händler, die Interesse daran haben, Geld zu verdienen, wissen dass unsere Schiene weiterläuft, weil die Titel immer wieder nachgedruckt werden und darum erhältlich sind.

Klar, dein normales „Spider-Man“-Trade verkauft sich im ersten Moment besser als „Electric Girl“, aber das liegt daran, dass Marvel seine Titel nicht im Druck hält. Händler müssen ihre Bestellungen im Voraus abgeben. Das „Spidey“-Trade verkauft sich auf Anhieb 6.000 Mal, während „Electric Girl“ vielleicht ein bisschen öfter 1.000 Mal verkauft wird. Aber am Ende des Jahres hat man vom „Spider-Man“-Trade nur 6.000 Stück verkauft, weil es nicht mehr gedruckt wird. Das „Electric Girl“-Trade ist immer erhältlich und hat sich zu Jahresende 10.000 Mal verkauft. Steter Tropfen höhlt den Stein.

CG: Seit ihr in irgendwelche Lizenzgeschäfte verwickelt, indem ihr die Rechte für eure Comics an ausländische Verlage, Filmstudios oder Videospielehersteller verkauft?

LY: Auf jeden Fall. Aber wir können nicht wirklich über diese Geschäfte mit anderen Medien sprechen, bis die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, die Projekte offiziell bekanntgeben. Wir halten uns da lieber ein bisschen bedeckt, denn „steter Tropfen höhlt den Stein“. Ich empfinde immer ein bisschen Mitleid mit den Leuten, die ihre Deals voreilig bekanntgeben und dann später zusehen müssen, wie das alles in sich zusammenfällt. Ich werde beispielsweise nicht über den „Astronauts in Trouble“-Film reden, ehe ich nicht im lokalen Kino in einer Schlange stehen und ein Ticket kaufen kann.

CG: Wie wichtig sind diese Deals mit anderen Medien für deine Firma? Marvel und DC machen angeblich 80% ihrer Einnahmen durch Lizenzgeschäfte, ist sowas also für AiTs Existenz von grundlegender Bedeutung, oder ist es eher ein netter Bonus, der es erlaubt, ein bisschen herumzuexperimentieren und „gewagtere“ Comics auszuprobieren?

LY: Das ist einfach nur eine zusätzliche Einnahmequelle.

CG: Während die großen Verlage versuchen, ihre Stammleser zu halten, sind kleinere Verlage gezwungen, ständig um neue Leser zu kämpfen. ONI peilt momentan „den neuen Mainstream“ an und veröffentlicht viele von Manga inspirierte, amerikanische Comics. Könnte so ein Ansatz auch für AiT interessant sein, oder wie hofft ihr neue Leser zu gewinnen?

LY: Naja, unser Geschäftsplan ist nicht von dem abhängig, was andere Verlage machen. Außer dass wir da vielleicht eine Menge warnender Geschichten sehen, die uns zeigen, welche Fehler wir nicht machen sollten. Ich habe keinen Zugang zur, kein Wissen über oder auch nur eine Zuneigung für die Manga-Ästethik. Es wäre insofern dumm von uns, den Versuch zu unternehmen, sowas zu produzieren und zu vermarkten. Wir machen einfach weiterhin das, was wir am besten können und das ist „Making Comics Better“.

CG: Trotzdem, versucht ihr nicht, bestimmte Nischen zu besetzen oder überhaupt erst zu schaffen, also eine gewisse Käufergruppe zu erzeugen, die ganz sicher zu euch zurückkommt? Indem ihr beispielsweise Comics verlegt, die sehr wahrscheinlich die Leser von bestimmten anderen AiT-Titeln ansprechen? So im Sinne von: „Ihr mögt 'Channel Zero'? Dann werdet ihr diesen Titel hier genau so mögen.“

LY: Klar, das haben wir zuerst gemacht, als wir nur „Astronauts in Trouble“, „Nobody“ und „Channel Zero“ hatten. Wir mussten schrittweise mit unseren Projekten wachsen. Wir haben zuerst mit dem Action-Adventure/Science-Fiction-Titel „Astronauts in Trouble“ ziemliches Aufsehen erregt. Dann haben wir „Nobody“ verlegt, einen Action-Adventure-Titel mit einem unheimlichen „Horror“-Element. Charlie Adlard war als Künstler an beiden Titeln beteiligt, also hatten wir da einen netten Übergang. Dann haben wir „Channel Zero“ veröffentlicht, eine anspruchsvolle Geschichte, in der Politik und politischer Kommentar unter einem dünnen „Cyberpunk“-Mantel zu finden waren…

Aber jetzt, mit 70 veröffentlichten Titeln, haben wir ein breites Spektrum an Genres abgedeckt. Wenn du „Astronauts in Trouble“ nicht magst, weil das einfach nicht dein Ding ist, dann ist das cool. Vielleicht magst du ja „Last of the Independents“. Oder vielleicht ist das Action-Adventure-Ding mit Medien und Raumfahrern oder Cowboys gegen Mobster nicht so nach deinem Geschmack und du stehst eher auf romantische Arbeiten. Dann könnten dir „Ursula“ oder „True Story Swear to God“ eher in deine Richtung gehen. Superhelden? „Hench“, „Foot Soldiers“ und „Planet of the Capes“. Comedy? „Sky Ape“, „The Annotated Mantooth“ und „Scurvy Dogs“. Was für alle Altersschichten… und damit meine ich alle Altersschichten… von 8 bis 80? „Electric Girl“ und „Jax Epoch“. Einen Titel über den Enstehungsprozess eines Comics? „Public Domain“ oder das „Demo Scriptbook“. Erwachsene Themen? „Able“, „Nobody“ und „Codeflesh“. Wir decken das alles ab. Wir haben etwas für jeden Geschmack. Genau so wie HBO [ein amerikanischer Pay-TV-Sender — CG] die Alternative zu den großen Netzwerksendern ist, sind wir die Alternative zu Marvel oder DC.

CG: Mit „Proof of Concept“ hast du das klassische „Showcase“-Format wiederbelebt. Du hast verschiedene, mögliche Serien ausprobiert und dann durfte die Leserschaft entscheiden, welche Serie ihr am besten gefällt. Hat das im Hinblick auf die Verkaufszahlen und die Leserbeteiligung so geklappt, wie du dir das gedacht hast und können wir in Zukunft noch weitere Konzeptalben erwarten?

LY: Wir werden immer neue Formate und Präsentationsmethoden ausprobieren, genau so wie wir versuchen werden, alten Konzepten etwas Neues abzugewinnen. Dinge, die neu und anders sind, ziehen mich ziemlich an. „Proof of Concept“ hat meine Erwartungen übertroffen und wir sind momentan in der Vorbereitungsphase für ein monatliches „Hemoglobin“-Heft [einer der in „Proof of Concept“ vertretenen Titel — CG.]. Die ganze Geschichte hat uns eine gewaltige, positive Reaktion eingebracht. Also, auch wenn wir kein „Proof of Concept – Band 2“ machen werden, werden wir auch zukünftig neue Konzepte ausprobieren. So wie wir das mit dem Paperslipcover und der Landschaftsorientierung bei „Last of the Independents“ gemacht haben oder als wir Warren Ellis Photographie-und-Prosa-Buch „Available Light“ oder das „Channel Zero“-Designbuch „Public Domain“ verlegt haben. Da zeichnen sich also immer neue Dinge am Horizont ab.

CG: Die Blogosphäre scheint nicht in der Lage zu sein, die Verkaufszahlen von Comics der Großen Zwei positiv zu beinflussen. Sie hat Titel wie „She-Hulk“ oder „Human Target“ unterstützt und trotzdem verkauften die Serien sich nur schlecht oder wurden gleich ganz eingestellt. Trotzdem beteiligst du dich aktiv in der Blogosphäre und hast sogar dein eigenes Weblog. Wo liegt hier das Potential für Independent-Verlage im Vergleich mit den Majors?

LY: Nun, das ist einfach eine Frage des Maßstabs. Ich glaube, dass die Leute die in ihren Blogs Comics rezensieren, definitiv die Verkaufszahlen eines Comics positiv verändern können, aber es kommt halt auf die Größenordnung an. Bei einem großen Verlag mag es statistisch irrelevant sein, wenn man die Verkaufszahlen bei einem Buch um eine bestimmte Menge erhöht. Aber wenn die Verkaufszahlen bei einem Independentcomic um die gleiche Menge steigen, dann ist das äußerst bedeutsam. Wenn Laura Gjovaag beispielsweise ein positives Review zum neuesten „Batman“-Paperback verfasst und die Verkaufszahlen um 800 Stück anwachsen, dann ist damit kaum das Mittagessen von DC Verleger Paul Levitz für einen Tag abgedeckt. Aber wenn sie eine positive Kritik über Nate Southards und Shawn Richards Tradepaperback „Drive“ verfasst und da die Verkaufszahlen um 800 Stück anwachsen, dann haben Nate und Shawn auf einmal ihre Druckereikosten bezahlt und alle weiteren Verkäufe sind dann direkter Gewinn. Insofern haben Comicblogger keinerlei Einfluss auf die großen Verlage, aber sie können einen ziemlich großen Einfluss auf die Independentverlage habe. Das ist einer der Gründe, warum ich es mag, mit Bloggern zu interagieren. Das und der Fakt, dass ich in meinem Herzen wirklich ein riesig großer Comicfan bin.

CG: Machen die großen Firmen einen Fehler, wenn sie die Blogosphäre weitestgehend ignorieren? Oder würde eine aktivere Teilnahme eher die Struktur der Blogosphäre zerstören und viel mehr weißes Rauschen hervorrufen, wie man das auf den größeren Comicmessageboards schon beobachten kann?

LY: Wie ich oben schon sagte, die großen Verlage sind relativ unbetroffen von einem lautstarken Publikum.

CG: „Planet of the Capes“ wurde aktiv in der Blogosphäre beworben. Du hast Ken Lowery von „Ringwood“ mehrere Interviews gegeben und kostenlose Kopien an einige Blogger geschickt. Die Reaktionen auf den Titel waren gemischt (Sean Collins liebte ihn, während John Jakala empfahl ihn nicht zu kaufen), aber dennoch: Hat das starke Interesse, das die Blogosphäre gezeigt hat, sich auch in den Verkaufszahlen bemerkbar gemacht und würdest du nochmal einen Comic auf diese Weise promoten?

LY: Ja, „Planet of the Capes“ hat sich am Anfang gut verkauft und verkauft sich jetzt immer noch in einer ordentlichen, gesunden Menge. Meine Comics sind ziemlich polarisierend, weil ich eine eigentümliche Sichtweise habe, was das Storytelling betrifft. Entweder du magst sie, oder du magst sie nicht. Ich denke schon, dass die Rezensionsexemplare geholfen haben, dem Werk mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, aber ich kann nicht ohne weiteres sagen, dass es sich nicht genau so gut verkauft hätte, wenn ich mich nicht an die Blogger gewandt hätte. Ich kann aber sagen, dass ich auch weiterhin Rezensionsexemplare an Blogger schicken werde, deren Texte mir gefallen und deren Meinungen ich respektiere. Insofern sind Blogger für mich nur eine weitere Möglichkeit, Rezensionen zu erhalten, wie beim Direktmarkt/Buchhandel/Onlinehandel-Kommentar oben. Ich glaube dass Blogs eine genau so legitime Quelle für Rezensionen sind wie „Wizard“ und „Entertainment Weekly“, egal wie groß ihr Publikum sein mag.

CG: Es gibt die alte Binsenweisheit, dass Superheldencomics mehr Aufmerksamkeit erregen. Obwohl „Planet of the Capes“ eine Satire auf Superhelden und den Comicmarkt an sich ist, würdest du in dem Falle zustimmen? Gab es außerhalb der Blogosphäre eine deutlichere Reaktion auf „Capes“ als auf andere AiT-Titel und war das, wie es Dorian Wright sah, ein „Einstiegscomic“ der geholfen hat, dass Superheldenfans deinen Verlag bemerken?

LY: Für mich sieht es auf jeden Fall danach aus.

CG: Trotzdem, selbst wenn es als „Einstiegscomic“ funktioniert – was sicherlich eine tolle Sache ist -, ist es nicht ein wenig entmutigend, dass ihr soviele Genres verlegt, die kaum ein anderer Verlag abdeckt (Western, Science Fiction, Piraten) und trotzdem dreht sich im Grunde alles um die Superhelden?

LY: Naja, es dreht sich nicht alles um die Superhelden, wie du bemerkt hast. Werke mit Superheldenelementen, die wir veröffentlicht haben – „Hench“, „Planet of the Capes“, selbst die ersten paar Ausgaben von „Demo“ – bedienen nur einen Teil unserer Leserschaft. Wir haben viel mehr Projekte für jeden Geschmack und alle möglichen Leute lesen Comics. Sicherlich wird der amerikanische Comicmarkt von Marvel und DC und ihren Superhelden dominiert, aber die haben mir gegenüber ja auch einen Vorsprung von 55 Jahren. Komm 2054 wieder und sprich nochmal mit mir und ich bin mir sicher, dass unsere breite Palette an Comics dann dominierend sein wird.

CG: Du hast auch positive Rezensionen von Bloggern als Werbung für deine Comics genutzt. Das passt zu dem „Graßwurzel“-Gefühl von Blogs, die normalen Comicfans die Chance geben, sich Gehör zu verschaffen. Bemerkst du trotzdem negative Reaktionen auf diese Entwicklung von den altbewährten Kritikern? Und besteht, wenn man deine aktive Beteiligung in der Blogosphäre bedenkt, nicht die Gefahr, dass sich Blogger mit dir „verbrüdern“ und sich darum zurückhalten und ihre Kritiken abschwächen?

LY: Hey, ich bin nur ein Typ, der Comics liebt. Ich liebe Comics so sehr, dass ich meine eigenen machen muss. Ich habe auch Entwicklungsprozessbücher geschrieben und veröffentlicht, um anderen zu helfen, ihre eigenen Comics zu machen, also werde ich immer an Gesprächen über das Medium, das ich liebe, teilnehmen. Wenn jemand seine Kritik einschränkt wegen etwas, das ich geschrieben oder getan oder gesagt habe, dann ist das doch wohl kaum meine Schuld, oder? Die Leute sind selber verantwortlich für das, was sie tun.

CG: Zeit für etwas Kommerz. Ich bin mir sicher, dass deine Antwort als Verleger ist: „Die sind alle richtig gut“, aber wenn du einen Comic von AiT/PlanetLar nennen solltest, von dem du findest, dass ihn soviele Leute wie möglich lesen sollten: Welcher Comic wäre das und warum?

LY: Ich kann nicht bloß einen aussuchen. Das sind alles unsere Kinder und wir lieben sie alle auf eine unterschiedliche Art und Weise.

CG: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten.

LY: War mir ein Vergnügen, Björn.
English

Comicgate: Larry, from your „Loose Cannon“ columns to your „Planet of the Capes“ comic (which we'll talk about later), you've always been quite outspoken about your opinions on the American comic book market. So, how do you see the current state of the industry and where do you see AiT/PlanetLar in it?

Larry Young: I'm not sure we're as unique as all that. We're publishers, just like Marvel and DC and whoever. The $12.95 it takes to buy „The Invisibles: Bloody Hell in America“ from your local comics retailer is the same $12.95 it'll cost to buy yourself a copy of „Last of the Independents“, so I just see us as comic book publishers, just as Marvel and DC. As to the „state of the industry,“ comics are fine; the „industry“ and the „art form“ aren't separate, since comics are a commercial art. Too many publishers think the job's over when the book is printed and distributed, but that's only half the gig. The game isn't over when you suit up and trot out onto the field; you gotta play the game and keep score, too. And after you produce a comic book, you gotta get out there and make sure people know about it. Write, draw, print, sell. Lather, rinse, repeat, you know? Even the shampoo companies don't tell you when you should stop, and you shouldn't stop when you're doing comics, either.

CG: In recent years, AiT was pushing the „original graphic novel“, publishing comics directly as paperbacks. With „Demo“ you returned to a monthly pamphlet schedule, not releasing a paperback collection of the title. What motivated you to do so and do you regard this experiment as a success?

LY: Brian Wood's vision for the book was that it take that format, and I trusted his vision. That's what he needed, so that's what he got. It absolutely was a success; not just as an artistic triumph, with Becky Cloonan's virtuoso performance across all twelve issues, but also a commercial success as well, speaking to my point about commercial art, above. Brian wrote well, Becky drew well, and I promoted well, and with all three parts of the machine working perfectly like that, that's a home run.

CG: Bookstores versus Direct Market. How important will either of these outlets be for the future of AiT and how do your titles hold up in the Direct Market, considering the „franchise glut“ we have nowadays (i.e. around 20 „Batman“ or „X-Men“ titles taking up shelve space that might be important to smaller publishers)?

LY: We don't think in either-or ways like that for our revenue streams. Both the Direct Market and book trade are valued retail partners, just as are the various online venues we supply. Our company is six years old with 70 titles in-print and available, so whatever's happening in the direct market with „Batman“ and „X-Men“ really has little to do with us. If a retailer is making all his money on the Top 100 comics, he won't be stocking anyone's books other than Marvel, DC, Image, and Dark Horse. But if a retailer makes his money on a wide selection of comics, all of a sudden „Astronauts in Trouble“, „Channel Zero“, „Electric Girl“, and „Come in Alone“ certainly start to earn their shelf space.

CG: Nevertheless, for comics shelve space is more important than for regular books. As a visual medium you also depend on customers making a purchase „out of an impulse“. Because they liked the cover or enjoyed the artwork while flipping through a book. Things you can't do when you order via an online retailer. So, aren't there any special initiaves to get readers ask for AiT books at their local comic store or to make retailers interested in your products?

LY: Here's how we see our trade paperbacks, though: they are „regular books“ and we market them that way. In the States, most comic book specialty retail shops who stock trade paperbacks and do a good business with them shelve them „spine-out.“ That is, most of their shopping customers only see the binding of the trade paperback instead of „face-out“ which displays the cover. So since our company has been a going concern for six years, and Mimi Rosenheim and I have such a good relationship with our retailing partners, the AiT/Planet Lar company brand means high-quality in the marketplace. We don't have to do format gimmicks like collectible covers and deep discounting sales to get attention; we just keep doing quality books and I market and promote them and those retailers interested in making money know that our line keeps turning as they're always in print and available.

Sure, your average „Spider-Man“ trade sells more out of the gate than „Electric Girl“, but that's because Marvel doesn't keep its stuff in print. Retailers have to front-load their orders. That „Spidey“ trade will sell 6,000 initially, and maybe „Electric Girl“ will do a tick more than a 1,000. But at the end of the year, that „Spidey“ trade has still only sold 6,000, because it's out of print. That „Electric Girl“ trade is always available, and has sold 10,000 at the end of the year. Slow and steady wins the race.

CG: Are you involved in any licensing deals, selling the rights to your comics to foreign publishers, movie studios or video game manufacturers?

LY: Absolutely. We can't really talk about any of these other-media deals until the companies we've partnered with announce the projects, though. We like flying under the radar, as „slow and steady wins the race.“ I always have a bit of pity for people who announce deals prematurely to later see them fall through. I'm not going to talk about the „Astronauts in Trouble“ movie until you can stand in line to buy a ticket at your local theatre, for example.

CG: How important are those other-media deals for your company? Marvel and DC allegedly get 80% of their money from licensing deals, so is this essential for AiT's existence as well or is it rather a nice extra that allows you to experiment a little and try out more „daring“ comics?

LY: It's just another revenue stream.

CG: While the big companies try to hold their regular readers, smaller publishers constantly have to fight for new ones. ONI now goes for „the new mainstream“ and publishes lots of manga-inspired American comic books. Might such an approach be interesting to AiT as well, or how do you hope to gain new readers?

LY: Well, our business plan doesn't depend on what any other publishers do, other than, say, as a bunch of cautionary tales to avoid what we see are mistakes that they make. I don't have any facility, knowledge, or even fondness for the manga aesthetic, so it'd be silly for us to try to produce and market such a thing. We're just going to stick with what we do best, and that's Making Comics Better.

CG: Still, don't you try to fill or create certain niches, trying to create a certain group of buyers that will surely come back? For example, publishing comics that might very likely resonate with readers of other AiT titles? The kind of: „You like 'Channel Zero'? Then you'll like this title just as well!“

LY: Sure, at first, when we only had „Astronauts in Trouble“, „Nobody“ and „Channel Zero“. We had to grow incrementally with our projects. We first made a big splash with the action-adventure/sci fi of „Astronauts in Trouble“. Then we published „Nobody“, an action-adventure book with a creep, „horror“ element to it. Charlie Adlard was the artist on both books, so that was a nice transition. We then published „Channel Zero“, which was an ambitious story adding politics and commentary under a thin cyberpunk guise…

But now, with 70 books, we've done the broad spectrum of genres: if you don't like „Astronauts in Trouble“, that's not your thing, that's cool. You might like „Last of the Independents“. Or maybe that action-adventure thing of media and spacemen or cowboys versus mobsters isn't your taste, and you like more romantic works. Then „Ursula“ or „True Story Swear To God“ may be more to your liking. Superheroes? „Hench“ and „Foot Soldiers“ and „Planet of the Capes“. Comedy? „Sky Ape“ and „The Annotated Mantooth“ and „Scurvy Dogs“. All ages… and by that I mean all ages… from 8 to 80? „Electric Girl“ and „Jax Epoch“. Process books? „Public Domain“ and „The Demo Scriptbook“. Mature themes? „Abel“ and „Nobody“ and „Codeflesh“. We've got it all covered. We've got something for everyone. Just as HBO is the television alternative to the major networks, so are we the comics alternative to Marvel and DC.

CG: With „Proof of Concept“ you resurrected the traditional „Showcase“-format, trying out several different possible titles and then let the readership decide which one it likes best. Did this work out as planned in terms of sales, as well as reader response, and can we expect more of such concept albums in the future?

LY: We're always going to be trying new formats and presentations and new spins on old ones. I'm very attracted to the new and different. „Proof of Concept“ exceeded my expectations, and we're in the early stages of a „Hemoglobin“ [one of the titles featured in „Proof of Concept“ — CG.] monthly book right now. That story got a hugely positive response. So while we won't be doing „Proof of Concept – Volume Two“, we certainly will be trying new concepts in the future, as we did with the paper slipcover and landscape orientation of „Last of the Independents“ or Warren Ellis' hardcover photography-and-prose book „Available Light“, or the „Channel Zero“ design book „Public Domain“. Always new things on the horizon.

CG: The blogosphere seems unable to positively effect the sales of comics published by the Big Two. It embraced titles like „She-Hulk“ or „Human Target“ and still they were selling poorly or simply cancelled. Nevertheless, you are actively participating in the blogosphere, having your own weblog. What is its potential for independent publishers compared to the majors?

LY: Well, it's a matter of ratios. I think that folks with comics review blogs absolutely do positively impact sales of comics, but it's all a matter of scale. Moving the needle up a certain quantity on a book from a large publisher may be statistically insignificant, but if the sales go up on an independent book that same amount, it is spectacularly significant. If Laura Gjovaag, say, writes a positive review of the latest „Batman“ trade paperback and sales go up 800 copies, that barely pays for DC publisher Paul Levitz' lunch that day. If she writes a positive review of Nate Southard and Shawn Richter's trade paperback „Drive“, and sales go up 800 copies, all of a sudden Nate and Shawn have paid for their printing bill and all other sales are direct profits. So comics bloggers have no impact on the large publishers and can have quite a large impact on the independent press. That's one of the reasons I like interacting with bloggers; that, and the fact I really am quite a big comics fan, at heart.

CG:Are the major companies making a mistake by mostly ignoring the blogosphere or would an active embracement rather destroy its structure, creating a much lower „signal to noise“-ratio, as it can already be found on the bigger comic messageboards?

LY: As I said above, the larger publishers are relatively unaffected by a vocal audience.

CG: „Planet of the Capes“ was actively pushed via the blogosphere. You did several interviews on it with Ken Lowery from „Ringwood“ and sent free copies to some bloggers. The reactions to the title were mixed (Sean Collins for example loved it, while John Jakala recommended not to buy it), but still: did the strong interest which the blogosphere showed in this title translate into actual sales and would you once again push a comic this way?

LY: Yes, „Planet of the Capes“ sold well initially and continues to sell at a nice healthy velocity now. Because I have a singular vision when doing story-telling, my books are quite polarizing. You're either going to like them or you're not. I think the review copies helped bring attention to the work, but I can't directly say it wouldn't have sold the same if I hadn't done that blogger outreach. I will say that I continue to send review copies to bloggers whose writing I enjoy and whose opinions I respect, so, like the direct market/book trade/online merchants revenue stream comment above, bloggers are just another review stream to me. Blogs are just as viable a review source as „Wizard“ and „Entertainment Weekly“, I think, no matter the size of the audience they command.

CG: There is the old truism that comics featuring superheroes get more publicity. Even though „Planet of the Capes“ was a satire on superheroes and the comic book market, would you agree in this case? Beyond the blogosphere, was there a stronger reaction to „Capes“ than to other titles for AiT and was this „a gateway book“, as Dorian Wright saw it, that helped to make superhero fans notice your company?

LY: It certainly looks that way to me.

Yet, even if this works as a „gateway book“ – which certainly is a good thing -, isn't it somewhat disheartening that you publish so many genres which next to no publisher covers (western, science fiction, pirates) and still, it's basically all about superheroes?

LY: Well, it's not all about superheroes, as you note. The superhero-esque works we've produced – „Hench“, „Planet of the Capes“, even the first few issues of „Demo“ – are just part of an audience we serve. We have many more projects for all sorts of tastes, and all sorts of people read comics. Certainly the American comic book industry is dominated by Marvel and DC and their superhero characters, but they've got a fifty-five year head start on me. Come back and talk to me in 2054 and I'm sure our broad line books will be dominating then.

CG: You also use positive reviews by bloggers as blurbs for your comics. This reflects the „grass roots“ feeling of blogs, giving ordinary comic fans a chance to make themselves heard. Still, did you ever notice any negative backlash to this approach from traditional critics? And isn't there the danger – given your active participation in the blogosphere – that bloggers „fraternize“ with you, restraining themselves and thus limiting their criticism?

LY: Hey, I'm just a guy who loves comics. I love comics so much, I have to make my own. I've written and published process books to help others make their own, as well, so I'm always going to be part of the conversation about the medium I love. If someone limits their criticism of something because of something I've written or done or said, that's hardly my fault, is it? Folks are responsible for their own actions.

CG: Time for some commercialism. I'm sure that your answer as a publisher would be „They are all very good,“ but if you had to name one comic from AiT/PlanetLar, which you think should be read by as many people as possible: which one would it be and why?

LY: I can't choose just one. They are all our children, and we love them all differently.

CG: Thanks for taking your time in answering our questions.

LY: My pleasure, Björn.

AiT/PlanetLar
Homepage des Verlags

CESA #41
Sascha Thau über Larry Young und seinen Verlag

Astronauts in Trouble
Das erste Kapitel als PDF

No Trouble at all
Essay über Larry Youngs Comics bei Comic Book Galaxy

“Bei uns ist nichts ausverkauft“
Presserklärung und Diskussion bei Newsarama

Tempel, Georg

CG: Was hat es mit Deinem Nickname „efwe“ im Comicforum auf sich?

GT: Das ist einfach zu erklären, es sind die Initialien meiner Mittelnamen: Georg F.W. Tempel. Was die wiederum bedeuten, kann sich jeder selbst zusammen reimen.

CG: Wie bist Du mit Comics in Kontakt gekommen, seit wann arbeitest Du für Egmont vgs, und was sind Deine Aufgaben dort?

GT: Die ersten Comics (“Felix“, „Fix & Foxi“) hab ich von meinen Eltern erhalten, und irgendwie bin ich davon dann auch nicht mehr los gekommen. „Zack“ und „Primo“ waren dann die nächsten Stationen. Und so hat man sich dann eben „hoch gearbeitet“ bis zum Comicrezensenten im örtlichen Stadtmagazin. Daher kamen auch die Kontakte zu den einzelnen Comicverlagen. Bei Ehapa bin ich seit 1991, als die Stuttgarter den Reiner-Feest-Verlag übernommen haben, wo ich zuvor als Redakteur tätig war. Hier habe ich als Redakteur begonnen, war dann verantwortlicher Redakteur, stellv. Chefredakteur, Chefredakteur und schließlich Verlagsleiter von EMA (Egmont Manga & Anime). Ich habe mich eine Zeitlang um Comics mit Anbindung an Film oder Fernsehen gekümmert, war für die sog. „e-Comix“ (Comics zu Videospielen) zuständig und habe das Mangasegment seit 1994 aufgebaut.

CG: Wieviele Comics gibt Egmont vgs im Jahr etwa heraus, und wie teilt sich das in die Sparten auf? Wie schaffst Du es, bei der Menge den Überblick zu behalten?

GT: Im Jahr 2004 haben wir knapp über 300 Comics herausgegeben. Davon waren etwa 240 Manga und der Rest aus dem Bereich der Ehapa Comic Collection (ECC). In diesem Jahr wird die Zahl ähnlich sein. Im Zeitalter von PC, Notebooks und anderen technischen Hilfsmitteln ist es zum Glück nicht so schwer, den Überblick zu behalten. Außerdem hab ich ein ganz gutes Gedächtnis.

CG: Sehr verwirrend sind für manche die ganzen Namen, die rund um Ehapa schwirren:
Ehapa, Egmont, EMA, ECC, Cultfish, vgs,…
Kannst Du da bitte mal eine kurze Übersicht geben?

GT: Um das alles zu verstehen, muss man wissen, dass wir einem dänischen Konzern angehören, der weltweit agiert, der Egmont-Gruppe. Deshalb haben auch alle zugehörigen Firmen „Egmont“ im Namen. In Deutschland gehören dazu Egmont Ehapa (Jugend- und Kindermagazine), Egmont vgs (TV, Bücher, Ratgeber, Comics), Egmont Franz Schneider (Kinderbücher) und Egmont Horizont (Mailorder Buchclub).
EMA, ECC und Cultfish sind Labels, unter denen bestimmte Produktgruppen veröffentlicht werden. EMA ist das Label für Manga- und Manhwapublikationen im Buchhandel, ECC für alle anderen Comics im Buchhandel und Cultfish für Non-Comic-Jugendmagazine bei Ehapa.

CG:Warum habt Ihr den Verlag aufgetrennt (auch örtlich), welche Vorteile habt Ihr erhofft? Haben sich die Erwartungen erfüllt, oder gibt’s auch Nachteile? Und wer entscheidet eigentlich über solche grundlegenden Änderungen?

GT: Im Jahr 2002 wurde analysiert, wo man in der deutschen Gruppe Synergien nutzen könnte. Als Ergebnis kam dabei heraus, dass sich die drei Buchverlage/Abteilungen jeweils einen eigenen Vertriebsinnen- und außendienst leisten, was unter ökonomischen Gesichtpunkten ziemlicher Schwachsinn ist. Deshalb wurde beschlossen, dass die Buchhandelsaktivitäten in Köln gebündelt werden und das Magazingeschäft in Berlin bleibt.
Natürlich gab es die üblichen Übergangsprobleme, dass die neue Herstellung anders arbeitet als die in Berlin oder der Vertrieb sich erst einmal in die neuen Produkte einarbeiten musste, aber das läuft mittlerweile alles bestens, und ich muss sagen, dass wir die Entscheidung nicht bereut haben.
Solche Entscheidungen werden dann schon von ganz hoher Ebene aus getroffen, da damit doch erhebliche logistische und finanzielle Belastungen verbunden sind. In der Projektphase war ich allerdings involviert und wusste, was da kommen würde.

CG:Wieviel Freiheit habt Ihr (Egmont vgs) denn eigentlich bezüglich des Comicprogramms in Deutschland?

GT: So lange wir uns an gewisse Richtlinien halten (keine Pornografie, keine rechtsradikalen Sachen), sind wir frei in unseren Entscheidungen. Bisher habe ich noch keinen Einspruch in Programmausrichtungen gehabt.

CG: Ihr habt vom Programm her keine bestimmte Ausrichtung, sondern eine sehr große Bandbreite – von Frankobelgiern über Funnies bis hin zu fernsehbegleitenden Serien und Manga ist alles dabei. Sicherlich hat das den Vorteil, dass man schwächere Titel auffangen kann. Haben sich denn auch Nachteile ergeben, oder siehst Du sogar Gefahren, wenn man nicht aufpasst?

GT: Im Bereich Manga wollen wir einfach mit unseren Lesern älter werden und trotzdem weiterhin Lesefutter für jüngere Käufer bieten. Das führt zwangsläufig zu einem breiten Sortiment. Im klassischen Comicbereich pflegen wir die angestammten ECC-Titel wie „Asterix“, „Lucky Luke“, „Blueberry“ und Disney und probieren immer mal gerne wieder etwas Neues. Ich denke, dass wir eigentlich für einen großen Anbieter ein ganz normales Portfolio haben. Es gibt sicher Dinge, von denen würden wir die Finger lassen. Also Titel, wie sie etwa bei Reprodukt oder Edition Moderne erscheinen. Zum einen würde uns das keiner abnehmen – dazu haben wir keine „street credibility“ – und zum anderen sind die möglichen Verkäufe so unterirdisch, dass wir mit unserem Apparat nicht glücklich würden.

CG: Wie siehst Du momentan den deutschen Comicmarkt? Zuerst Alben, dann Hefte, nun Manga… bahnt sich bereits etwas Neues an? Oder ist das Interesse an Manga ungebrochen?

GT: Noch ist mir kein neuer Trend aufgefallen. Andere mögen Comics aus Korea (Manhwa) als Trend sehen, aber das subsumiere ich unter Manga. Und ein Ende des Interesses an Manga ist noch nicht zu erkennen. Wir haben seit Beginn unserer Tätigkeit steigende Umsätze zu verzeichnen und gehen auch für 2005 von einem Zuwachs aus. Ich denke, das ist auch der Grund, warum neben Tokyopop nun auch Heyne in das Geschäft einsteigen will. Und wenn mundgemalte Comics aus Zimbabwe der neue Trend sein sollten, werden wir sicher dabei sein. 😉

CG: Spürt Ihr eigentlich Tokyopop auf dem Markt? Und was hältst Du von diesem neuen Mangaverlag (bzgl. Programm, Auftreten, Zielgruppe…)? Wie ist das Verhältnis untereinander?

GT: Tokyopop spüren wir nicht. Auch wenn das – zugegebenermaßen sehr gute – aggressive Marketing anderes erwarten lassen würde. Ich denke, bisher hat Tokyopop seinen Marktanteil bei unseren Mitbewerbern Carlsen und Panini abgeknabbert. Letztendlich ist das eh eine Entscheidung mit den Füßen. Der Leser kauft, was ihm gefällt, und nicht einen Verlagsnamen. Und da wir von den properties recht gut aufgestellt sind, mache ich mir erst mal keine Sorgen. Aber sorglos oder unachtsam werden wir natürlich nicht.
Untereinander gehen wir freundlich und – wie ich hoffe – respektvoll miteinander um, wissen aber doch, dass wir Konkurrenten um eine heiß umkämpfte Zielgruppe sind.

CG: Ihr habt ja vor nicht allzu langer Zeit einige deutsche Nachwuchskünstler unter Vertrag genommen (Thomas von Kummant, Benjamin von Eckartsberg, Christian „Mana“ Nauck, Peter Puck…), was ich als sehr positives Signal empfinde. Ist das vielleicht für Euch auch eine Art neuer Trend? Wird es in die Richtung „Eigenproduktionen“ weitergehen?

GT: Ja, ich möchte verstärkt in Richtung Eigenproduktionen gehen, da die Beispiele aus dem letzten Jahr (“Die wilden Kerle“, „Atze“, „Die Chronik der Unsterblichen“) gezeigt haben, dass man mit Eigenkreationen, die auf einen deutschen Markt zugeschnitten sind, erfolgreicher sein kann als mit aus z.B. Frankreich gekauften Lizenzen. Und auch im kommenden Programm wird es wieder einige deutsche Titel geben.

CG: Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg? Ist das einfach eine Mentalitätsfrage?

GT: Das hat nichts mit Mentalität zu tun, sondern schlichtweg damit, dass ich auf angesagte Themen reagieren kann, ohne auf eine entsprechende Comic-Kreation aus dem Ausland warten zu müssen bzw. das Thema ist nur in Deutschland groß wie etwa „Die wilden Kerle“, „Atze“ oder auch „Berlin, Berlin“.

CG: Wie Du vor kurzem im ECC-Forum bekanntgegeben hast, werdet Ihr keine neuen frankobelgischen Serien ins Programm nehmen, die laufenden aber zumindest zu Ende bringen, was die Fans sicherlich zu schätzen wissen. Wie sahen denn die Verkaufszahlen aus, und ab welcher Anzahl verkaufter Exemplare hätten sich die Serien noch gelohnt?

GT: Die Verkäufe der neuen Serien waren offen gesagt grottenschlecht, und die Produkte haben sich in den seltensten Fällen gerechnet. Der Markt für das klassische franko-belgische Album scheint sich auf wenige Klassiker reduziert zu haben, von denen man noch ansehnliche Stückzahlen absetzen kann, aber ansonsten ist er wohl ein Mikromarkt. Wir können mit verkauften Auflagen von 2.000 Exemplaren und weniger einfach nicht leben.

CG: Warum macht Ihr da so einen radikalen Schlussstrich? Kann man nicht trotzdem zwischendrin einzelne frankobelgische Serien reinnehmen, von denen man absolut überzeugt ist?

GT: So richtig radikal ist der Schnitt ja nicht. Wir werden die Klassiker fortsetzen (“Asterix“, „Lucky Luke“, „Blueberry“), die angefangenen Serien beenden – d.h. in 2006 wird es also schon noch „Trugbilder“ #2 oder „Extra-Muros“ #3 geben – und sicher, wenn das Thema sich aufdrängt, die eine oder andere neue Serie ins Programm aufnehmen. Nur möchte ich diese geballten Neuanfänge, wie wir sie uns vor knapp zwei Jahren geleistet haben, nicht mehr.

CG: Im Comicforum befürchtet man jetzt schon eine Reduktion der Bandbreite an Comics in Deutschland, nachdem sich die großen Verlage von den Frankobelgiern zurückgezogen haben. Was entgegnest Du solchen Befürchtungen?

GT: Ich denke, allein durch die Kleinverlage, die sog. Küchentischverleger, wird eine gewisse Bandbreite gewahrt bleiben. Aber der Anspruch, alles, was vermeintlich gut ist, auch in Deutschland veröfffentlicht zu bekommen, ist einfach nicht zu erfüllen. Das ist weder im Bereich Musik noch Film möglich. Warum sollten Comics da eine Ausnahme bilden? Außerdem haben weder wir noch Carlsen uns komplett von den franko-belgischen Comics verabschiedet, sondern eher mal eine „Auszeit“ genommen.

CG: Worin siehst Du die Gründe für die schlechten Verkaufszahlen? Habt Ihr irgendwelche Fehler gemacht, die man erst im Nachhinein sieht? Und werdet Ihr eine andere Strategie bei den neuen deutschen Serien fahren?

GT: Nun, ich denke, das Publikum für franko-belgische Serien hat sich auf einen harten Kern reduziert, der auch tapfer weiter diese Comics kauft. Aber die Masse, die es noch in den 80er Jahren gab, ist mittlerweile älter geworden und hat andere Interessen oder auch Probleme, als sich Comics zu kaufen. Und die jüngere Zielgruppe ist einfach von einer anderen Ästhetik geprägt. Interessanterweise war/ist der weitaus größte Anteil der Käufer von franko-belgischen oder auch Superhelden-Comics männlich und älter als 16 Jahre. Manga dagegen werden zu mindestens 50% auch von weiblichen Lesern konsumiert. Das ist neu. Auch ist das Durchschnittsalter der Käufer wesentlich jünger. Ich denke, wir erleben einfach einen Generationswechsel, wie es ihn auch in anderen Medien wie Musik oder Film gab. Hier haben sich Seh- oder Hörgewohnheiten in den letzten 15 Jahren auch drastisch geändert. Warum sollten Comics als visuelles Medium davon verschont bleiben? Dieses unbedingte Bewahrenwollen alter „Werte“ und Sich-Verschließen gegenüber neuen Strömungen, wie wir es von manchen Lesern erfahren, hat manchmal etwas erschreckend dogmatisches. Gerade diese immer wiederkehrende Erneuerung im Comic hat mir Spaß und Freude am Medium erhalten.

Und was unsere deutschen Produktionen angeht, werden wir nicht einheimische Zeichner um der Nationalität Willen veröffentlichen, sondern suchen Anbindungen zu Events wie erfolgreiche Bücher, TV-Serien etc., die wir in einen umfassenden Marketingmix einschließen können. Spannend ist das besonders mit unseren Kollegen von vgs. Hier können wir Romane zur Serie – etwa „Berlin, Berlin“ – zusammen mit dem Comic bewerben. Damit wird das gesamte Marketingbudget für solche Bundles höher, und wir können mehr bewirken.

CG: Ich frage mich: was würde passieren, wenn ich einen beliebten Manga im frankobelgischen Stil zeichnen lassen würde oder den Inhalt eines dieser in Deutschland lahmenden frankobelgischen Alben als Manga umsetzen würde (ohne dass der Leser durch Vorwissen voreingenommen wäre). Wie wäre dann die Resonanz?
Oder mit anderen Worten: was denkst Du, macht den Erfolg auf der einen und den Misserfolg auf der anderen Seite aus? Trend, Image, Zeichenstil, Inhalt, Werbung?

GT: Eine interessante Idee. Aber ich denke, einfach nur ein französisches Thema – wenn wir bei dem Beispiel bleiben wollen – von einem japanischen Zeichner umsetzen zu lassen, würde nicht funktionieren. Es gibt bestimmte kulturelle Inhalte, zwischenmenschliche Aspekte (wie Menschen in Japan miteinander umgehen) etc., die das Flair der Manga ausmachen. Und Mangaleser sind für solche Zwischentöne sehr empfindsam.
Also nein, das würde nicht funktionieren. umgekehrt hat es ja auch nicht geklappt. So wurde z.B. Disneys „W.I.T.C.H.“ von japanischen Zeichnern für den dortigen Markt eins zu eins adaptiert, und das Resultat war ein Flop. Schade eigentlich, da das Artwork wirklich toll ist. Aber man hat daraus gelernt. Z.Zt. gibt es eine japanische Adaption des Prinzessinnen-Themas von Disney, wo aber von Anfang an eine eigene japanische Prinzessin (kilala) eingeführt wurde. So könnte das möglicherweise ein Erfolg werden.

CG: Tut es Dir um eine frankobelgische Serie besonders Leid, die Dir vielleicht sehr am Herzen lag und bei der Du nicht verstehen kannst, warum sie nicht angenommen wurde?

GT: Da kann ich ganz schnell und eindeutig „Spoon & White“ nennen. Diese Serie hat Charme, Witz, geniale Stories voller Anspielungen und ist zeichnerisch toll umgesetzt. Hier erlaube ich mir wahrscheinlich sogar den Luxus, einen weiteren (sechsten) Band 2006 ins Programm zu nehmen, da wir alle diese Serie lieben.

CG: Wie erfolgreich sind eigentlich Manga in Frankreich/BeNeLux? Gibt es dort genug „Nachwuchs“ für die typischen Frankobelgier? Wenn ja, wie kann man sich das erklären?

GT: In Frankreich sind Manga immer noch wesentlich erfolgreicher als in Deutschland. Dort gibt es ca. 17 Manga Publisher. Alle großen französischen Verlage wie Glénat, die Dargaud-Gruppe, Castermann etc., die eigentlich durch ihre einheimischen Produktionen bekannt sind, veröffentlichen Manga oder haben eigene Mangalabels. Aber parallel dazu laufen auch die Eigenkreationen immer noch ganz gut. Allerdings auch nicht mehr so erfolgreich wie im letzten Jahrzehnt, wenn man von den großen Bestsellern wie „Asterix“, „Lucky Luke“, „Valerian & Veronique“, „Largo Winch“, „Titeuf“ etc. mal absieht. Ich denke, das liegt daran, dass man in Frankreich zum einen ein völlig anderes Vertriebssystem für Comics hat als in Deutschland, und zum anderen eben auch Erwachsene Comics lesen, was bei uns ja immer noch eher eine Seltenheit ist.

CG: Es fällt auf, dass Ihr Euch mit so einigen Eurer kommenden Publikationen an bestimmten Ereignissen ausrichtet – seien es Buch- oder Videospieladaptionen oder auch Comics zur Fußball-WM. Erhofft Ihr Euch dadurch ein größeres Publikum (was Comics prinzipiell sicher nicht schaden könnte)?

GT: Wir erhoffen uns das nicht nur, sondern haben in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, das dem so ist. Ich möchte da nur auf den Schiller-Comic von Horus hinweisen, der schon immense Vorbestellungen aufweisen kann, weil auf dieses Thema auch Buchhändler anspringen, die ansonsten nur sehr wenig oder gar nichts mit Comics am Hut haben.

CG: Rückblickend auf das Jahr 2004, was war Dein persönlicher Höhe- und Tiefpunkt bei Ehapa?

GT: Nach der Definition von oben musst du mich schon nach Höhe- bzw. Tiefpunkt bei vgs fragen… 😉 Es war schon ein Tiefpunkt, als ich den Entschluss fassen musste, die franko-belgischen Comics drastisch herunterzufahren.
Ich bin mit „Zack“ aufgewachsen und habe von daher eine starke Affinität zu diesen Sachen. Außerdem war unsere Erwartungshaltung doch sehr groß gewesen, da wir an das Konzept geglaubt haben, uns eng an die Originalausgabe zu halten (Großformat, Hardcover, Bilderdruck) und das auch noch zu einem – im Vergleich mit anderen – erschwinglichen Preis anzubieten.
Und als Höhepunkt habe ich empfunden, dass der als Schrott geschmähte „Atze“-Comic sich zu einem Bestseller entwickelt hat, der zehnmal so viel verkauft als manch franko-belgische Serie.

CG: Kannst Du Dir den Erfolg erklären? Wurde da z.B. viel Werbung außerhalb des „normalen“ Comickreises gemacht?

GT: Genau das ist der Punkt. Der Band wurde von Leuten gekauft, die sich ansonsten keinen Comic kaufen würden, da er zum Beispiel auf Atzes laufender Tour angeboten wird. Außerdem steht Atze Schröder voll hinter dem Produkt und hat ihn bei Erscheinen immer wieder in laufende TV-Kameras gehalten, wenn er irgendwo eingeladen war. Selbst Günther Jauchs „stern tv“ brachte einen längeren Beitrag inklusive Homestory über den Zeichner Jörg Reymann, da diese Medien immer wieder Themen suchen. Und der neue „Lucky Luke“ ist da leider nicht interessant genug.

CG: Gibt es eine Schmerzgrenze (Inhalt, Zeichnungen), unter der Ihr einen Comic nicht auf den Markt bringen würdet, auch wenn er sich sehr wahrscheinlich gut verkaufen würde? Ich denke da auch an den Vanessa S.-Comic, dessen Qualität der Illustrationen, höflich ausgedrückt, recht umstritten war. Hat dieser Eure Erwartungen bzgl. Verkaufszahlen erfüllt?

GT: Schmerzgrenzen sind subjektiv. Es gibt vom Konzern vorgegebene Grenzen (s.o.), aber ansonsten sind wir für fast alles offen. Man darf nicht vergessen, dass wir Teil der Unterhaltungsindustrie sind und ich nicht an der grafischen Brillanz unserer veröffentlichten Comics gemessen werde, sondern allein an den Zahlen, die im Jahresabschluss stehen. Also muss ich erst einmal kommerziell denken.
Wenn sich dann aber Kommerz und Kunst vereinen lassen, ist das besonders schön, da ich ja schon aus der Fanecke komme. Aktuellstes Beispiel ist da für mich „Zoe“ von Christian „Mana“ Nauck. Der Band ist kommerziell erfolgreich, da er sich auf ein gerade angesagtes Thema bezieht, gleichzeitig erfüllt er aber auch gewisse grafische Ansprüche. „Vanessa S.“ war ein Versuch, der leider nicht so funktionierte, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber wenn man nur erfolgreich wäre, wäre das auch etwas langweilig auf Dauer, da es keine neuen Herausforderungen geben würde.

CG: Im Herbst erscheint u.a. „Metal Gear Solid“ bei Euch. Im welchen Format ist es geplant? Ashley Woods Zeichnungen sind ja eher abstrakt, so dass sich vor einiger Zeit mg/publishing nicht herangetraut hat und man vermutlich auch schlecht abschätzen kann, wie die Serie ankommt. Setzt Ihr da stark auf die Spielefans?

GT: „Metal Gear Solid“ wird im Originalformat veröffentlicht, drei Hefte in einem Band. Hier setze ich zum einen auf die Spielefans, aber auch auf die Comicleser, die grafisch anspruchsvolle Werke mögen. Da wir die Reihe „nur“ über den Buchhandel vertreiben, ist der Druck, nun Unmengen verkaufen zu müssen, nicht da. Außerdem ist es doch toll, wenn man mit Manga so viel Geld verdient, dass man sich dann diese Experimente leisten kann.

CG: Wie läuft das eigentlich so mit den Lizenzen? Gibt es da oft ein Gerangel um Titel mit anderen Verlagen, oder sind die Themen/ausländischen Verlage eher „aufgeteilt“?

GT: Aufgeteilt sind Themen oder Verlage sicher nicht. Wiewohl die Ausländer – ob in Japan, Frankreich oder USA – ihre „Favoriten“ haben, mit denen sie bevorzugt arbeiten. Aber generell ist das Spiel um die Lizenzen offen und ab und an gibt es schon gewisse „Bieterstreitigkeiten“ um begehrte Lizenzen.

CG: „Yossel“ und „Auschwitz“: Wie kam es zu der spontanen Aufnahme der beiden Alben ins Sommerprogramm? Wenn mich nicht alles täuscht, soll auch ein Teil des Verkaufs gespendet werden, oder? Wie wichtig oder authentisch siehst Du die beiden Comics pünktlich zu 60 Jahre KZ-Befreiung als Teil der Aufklärung oder Vergangenheitsbewältigung?

GT: Ich habe beide Bände im Januar in Angoulême gesehen und fand es fast schon beschämend, dass es Lizenzausgaben in allen größeren europäischen Ländern gibt (“Auschwitz“ erscheint sogar in Korea), sich aber kein deutscher Verlag an das Thema herangetraut hat. Eine traurige Tatsache. Außerdem besitzen beide Bände eine grafische Eindringlichkeit, die sie über vordergründiges Zurschaustellen hinausheben. Und da wir nicht mit dem Grauen Geld verdienen wollen, geht ein Teil des Erlöses tatsächlich an den Hilfsfonds „Jüdische Sozialstation“ e.V. – Ghetto-Überlebende Baltikum.

CG: Vor einiger Zeit, kurz nachdem der Irakkrieg begonnen hatte, haben wir US- und britische Comicmacher u.a. gefragt, ob Comics politisch sein dürfen.
Hinsichtlich der beiden eben genannten Alben steht Deine Antwort ja schon fest. Denkst Du, Comics (oder Unterhaltungsmedien an sich) haben sogar eine gesellschaftliche Pflicht, mehr als nur Spaß und Kurzweil zu bieten?

GT: Ich finde schon, dass Comics politisch sein können und dürfen, so wie es auch Filme oder Musik sind. Ob Unterhaltungsmedien im Allgemeinen eine Pflicht zum Politischsein haben, kann man sicher nicht generell beantworten. Es kommt da immer aufs Umfeld an, wo diese Politisierung stattfindet.

CG: Was ist eigentlich dran an dem Gerücht, dass CrossGen (mit dem neuen Material) bei Egmont vgs landen könnte (wegen der Disney-Lizenz)?

GT: Das stimmt in der Tat. Ich prüfe z.Zt., welche Lizenzen es gibt, was machbar wäre, aber vor allem auch, ob es Sinn hat, hier einzusteigen. Man muss sich ja nun nicht auf-Teufel-komm-raus in bestehende Strukturen hineindrängen. Aber vor Frühling 2006 wird es sicher keine CrossGen-Serie in der Ehapa Comic Collection geben, sollte ich mich dafür entscheiden.

CG: Zu Eurem Internetauftritt: der hinkt mittlerweile im Vergleich zu den Websites anderer Comicverlage hinterher. So fehlen Leseproben, und auf dem neuesten Stand (z.B. Neuerscheinungen bei Alben) ist sie auch nicht gerade. Plant Ihr da schon was Neues? Wie wichtig empfindest Du das Internet und die entsprechende Präsentation eines Verlags?

GT: Das Internet ist mir sehr wichtig, wie man an manganet.de erkennen kann. Hier wird zweimal im Monat aktualisiert, es gibt Aktionen, Vorschauen etc. Allerdings gab es in den letzten Monaten andere Prioritäten, als sich um eine eigene Site für die ECC zu kümmern, zumal wir bis November 2004 ja noch bei den Berliner Kollegen mitliefen.
Deshalb freut es mich umso mehr, dass ich ankündigen kann, dass die ECC ab voraussichtlich August 2005 unter www.ehapa-comic-collection.de ihren eigenen Auftritt mit eigenem Shop erhalten wird. Unsere Online-Redakteure sitzen da gerade mit unserem Online-Support zusammen an der Entwicklung.

CG: Panini und Carlsen haben das Comicforum vor geraumer Zeit verlassen. Spielt Ihr auch mit dem Gedanken, ein eigenes Forum zu entwickeln, oder werdet Ihr dem Comicforum treu bleiben?

GT: Nein, für ein eigenes Forum gibt es keine Pläne, und das wird Bernd Glasstetter sicher freuen (gell, Bernd?).

CG: Abschlussfrage: Welcher ist eigentlich Dein persönlicher Lieblingscomic?

GT: Einen All-Time-Favorite habe ich nicht. Das ändert sich immer wieder. Im Moment ist es „Yossel“ von Joe Kubert aus unserem eigenen Programm, Und dank der Neuauflage von „Spirou“ bei Carlsen habe ich auch diese Serie erneut für mich entdeckt.

CG: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch, Georg!

Mana

Comicgate: Christian, gerade warst du zusammen mit Michael Vogt und den anderen Kollegen von INKplosion auf der Buchmesse in Leipzig. Du hast unter anderem auch Workshops für angehende Comickünstler gegeben. Bitte erzähl uns ein wenig über deine Erlebnisse dort. Wie war die Resonanz?

Christian Nauck: Wer eine sehr objektive und mitreißende Berichterstattung in Comicform lesen will, die sich trefflicherweise auch noch mit meinen Erfahrungen deckt, sollte hier klicken: Alexander Gellners Leipzig-Erfahrungen. Leider endet sie schon bei Seite 3, da die unsichtbare Fliege Krumpholz all seine Stifte klaute, als wir alle einen Kaffe mit Yann (Krehl) trinken waren.

Daher muss ich wohl doch noch was dazu erzählen: Leipzig ist schon sehr mangalastig ausgelegt, was es für mich jetzt nicht so megainteressant machte. Im Großen und Ganzen war ich aber doch erstaunt, wie sich der Comic- und Mangabereich auf der Messe gemausert hatte. Unser Workshopbereich war auch riesig, was speziell für uns ein nicht unerheblich positiver Faktor war. 😉

Die Workshops selbst haben dann am meisten Spaß gemacht, wenn die Leute auch wirklich interessiert waren, neue Anstöße zu bekommen.

CG: Hast du Potential unter den Teilnehmern entdeckt?

Ich kann Mangazeichner meist nicht besonders gut einschätzen, wenn es um Können oder Talent geht, da man schwer sagen kann, was einstudiert ist und was nicht. Ein oder zwei waren aber schon dabei, wo man durchaus auf mehr hoffen kann.

Für mich war Leipzig noch interessant, weil ich die Freude hatte, Maike Hallmann endlich persönlich treffen zu können, für deren neuen Roman ich zusammen mit Kai Spannuth ein Cover gemacht habe, und ich „die Ehapas“ und Kai Meyer persönlich kennengelernt habe, was sehr angenehm und für die kommende Zusammenarbeit (dazu unten mehr) sehr praktisch war.

CG: INKplosion ist ja schon seit längerem deine hauptsächliche Veröffentlichungsplattform. Das Online-Magazin erfreut sich aufgrund exzellenter regelmäßiger Webcomics und Print-Specials großer Beliebtheit. Wie kam es zu deiner Mitarbeit damals, und wie beurteilst du die Entwicklung der INKies?

CN: Micha (Vogt) und Alex (Gellner) habe ich damals übers Forum kennengelernt, das erste mal über den Weg gelaufen sind wir uns dann aber auf dem Berliner Comicgarten. Da sie mich dann sofort mit Geld und Ruhm geködert haben, konnte ich natürlich nicht anders, als mich mit reinzuhängen. 😉

Ich finde gut, wie’s im Moment läuft, vor allem gefällt mir, dass wir immer eine ziemlich bunte Mischung im Magazin haben. Was ich noch gerne sehen würde, wären ein paar neue Gesichter. Sowas kommt ja meistens schubweise, also einfach mal schauen, wann’s wieder soweit ist. Dass wir uns letztes Jahr mit „Versus“ weiter in den Printbereich vorgewagt haben, fand ich natürlich auch nicht verkehrt. Es haben sich dadurch schon neue Türen geöffnet und wir konnten unsere Zusammenarbeit schon mal aufs Härteste durchtesten.

Ansonsten hoffe ich noch sehr, dass die „Moritaten“ mal eigenständige Kurzstorys machen, Steffi (Schütze) wieder mit was rausrückt und dass Micha bald mit seiner Mariachi-Story loslegt, für mich irgendwie der Klassiker des INK-Magazins. Ich selbst würde gern wieder etwas für INK machen, leider siehts erstmal zeitlich etwas zu knapp aus, aber vielleicht lassen sich kleinere Comics dazwischenschieben. Ohne INK gehts dann auf Dauer eben doch nicht. Und wenn Alex mit seinem neuen Gazegull Zyklus durchstartet, bleibt eh nix mehr stehen!

CG: Zwischen dir und Alexander Gellner kam es schließlich zu einer Art Duell, bzw. zwischen euren beiden Comic-Charakteren, nämlich Deinem Clown Serge und Alex‘ Gazegull. Was zuerst in schwarzweiß im INK-Special #10 begann, führte dann zur vierten und bislang aufwendigsten Print-Ausgabe von INKplosion, dem Prestige-Band “Versus“ (geinkt von Michael Vogt, koloriert von Sven Strangmeyer). Kannst du uns etwas dazu sagen, wie das Projekt entstand und wie die Kooperation mit Alexander Gellner verlief? Wie kam Sven dazu?

CN: Du hast es schon fast gesagt. Unsere beiden Kämpfer waren einfach noch nicht ausgelaugt genug, also musste neuer Platz geschaffen werden. Erst in unseren Köpfen, dann auf unseren Schreibtischen (seit einer Weile habe ich jetzt zum Glück nen kippbaren Lichttisch, da kann man die Schräge nicht mehr so gut vollmüllen), dann im INKmag. Als dann die ersten Seiten fertig waren, war Micha so überzeugt von der Qualität, dass wir das Onlinekonzept durch eine erweiterte, schönere, bessere, einfach noch fantastischere Printausgabe ergänzt haben. Die Suche nach einem Coloristen gestaltete sich dann gar nicht so kompliziert, da Sven zu der Zeit im Forum aktiv war und man so leicht abchecken konnte, dass sein Stil ins Konzept passt. Schnell angeschrieben, angetestet und für supergenial passend befunden. Als sehr angenehm stellte sich auch schnell die Zusammenarbeit heraus, da Sven sehr gut mit meiner Kritik bzw. Rummäkelei klarkam und einfach verdammt schnell und gut gearbeitet hat. Die Kooperation mit Alex lief auch sehr locker ab. Wir trafen uns ab und zu, um die grobe Marschrichtung des Comics festzulegen, trafen uns dann ein paar Monate später wieder, um sie wieder umzuwerfen usw. 😉
Wir sprachen meist im Groben ab, was auf welche Seite kam, zeichneten sie dann und trafen uns zum Ende hin noch mehrmals, um die Dialoge zusammen mit Steffi Schütze für die Printversion zu überarbeiten.

CG: Man vernahm einige Stimmen von Lesern, die erstaunt waren über die professionellen Actionzeichnungen, wie sie in dem Comic zu finden sind. Wie waren die Reaktionen der Fans und Fachleute aus deiner Sicht?

CN: Die Reaktionen waren zu meiner wirklichen Überraschung durchweg positiv (bis auf ein paar Fanboys und Mangakiddies, die das Heft zu teuer fanden, bzw. rummaulten, dass es nicht umsonst war). Ich hatte erwartet, dass wir mit unserem Zeichen- wie auch Erzählstil genau zwischen den Lagern landen würden. Optisch zu Amerika-Mainstream-orientiert, für den Superheldenleser zu teuer und unsinnig… also zu sehr independent. Gerade der DVD-mässige Specialbereich hinten im Heft machte unserer Meinung nach das Heft erst richtig rund, konnte die Leute aber durch den hohen „Nicht-Comic“-Anteil auch abschrecken.

Letzten Endes haben aber, soweit wir es anhand der Reaktionen abmessen können, die meisten Leser sich doch amüsiert und „Versus“ als das genommen, was es ist: ein Spaßcomic. Wir zitieren, bemühen Klischees und verarschen Superhelden, weil wir sie eigentlich auch gerne lesen. Mehr steckt nicht dahinter, die gewollte Sinnlosigkeit als Konzept, die meisten sind wirklich damit klargekommen. Das hätte ich vor dem Print noch nicht gedacht. 😉

CG: Würdest du selbst auch sagen, dass „Versus“ deine bislang am besten gelungenste Arbeit war?

Jup, auf jeden Fall war „Versus“ meine bis dato beste Arbeit. Manche Szenen haben wir uns extra reingeschrieben nach dem Motto: „Holla, das würde ich gern sehen, kann ich das zeichnen? Keine Ahnung, muss ich halt ranklotzen!“ Ich habe daraufhin Sachen gezeichnet, von denen ich vorher nicht wusste, ob ich dazu in der Lage wäre. Allein dieser Aspekt war an „Versus“ immens wichtig für mich.

CG: Und wenn Marvel anklopfen würde…?

CN: …würde ich sagen: „Keene Zeit, machtma ’n Abjang!“
Naja, genau kann ich das nicht sagen. Die kommenden ein, zwei Jahre hätte ich eh keine Zeit, für danach kann ich nicht sprechen. Aber es hat schon was reizvolles; andererseits ist das geforderte Pensum gewaltig und die Bezahlung auch nicht der Überflieger. Also – der wirkliche Traumjob ist es auch nicht… vielleicht, wenn ich nen cartoonigeren, schneller umsetzbareren Style hab. 😉

CG: Kommen wir zu deinem aktuellen Projekt. Du zeichnest für Ehapa/vgs das Comicalbum „Zoe“, eine Art Spin-Off von „Berlin, Berlin“, einer TV-Serie über die fiktive Comickünstlerin Lolle, gespielt von Felicitas Woll. Ist dies deine erste Comic-Auftragsarbeit?

CN: Ja, war es. Die ich allerdings vor ein, zwei Jahren nie angenommen hätte. Durch „Versus“ wusste ich, welches Pensum und welche Qualität ich liefern kann. Von daher konnte ich in etwa abschätzen, ob „Zoe“ für mich in der kurzen Zeit machbar war.

CG: Wie bist du dazu gekommen? Bist du selbst Fan der TV-Serie? Und… wer ist Zoe überhaupt?

CN: Nope, habe die Serie vorher nie gesehen. Ich habe aber mit Uwe Heinelt zusammen an diversen Aufträgen gearbeitet u.a. an Requisiten für „Berlin, Berlin“. Uwe, der im Sommer dann mit dem zweiten Band für „Berlin, Berlin“ (ebenfalls bei Ehapa) begann, kam dann die Idee zu einem weiteren Band – eben „Zoe“.

Zoe ist eine Figur, die von Lolle in „Berlin, Berlin“ erdacht wird. Sie zeichnet einen Comic mit ihr, der dann auch verlegt wird (in der 3.Staffel, glaube ich). Die Idee war nun, diesen fiktiven Comic wirklich herauszubringen, mit mir als Lolles Ghostwriter, oder besser „Ghostdrawer“. Und das haben wir dann auch gemacht.

CG: Bei „Zoe“ musstest du dich wahrscheinlich ein wenig an Uwe Heinelt orientieren, der für die regulären Comic-Umsetzungen von „Berlin, Berlin“ zuständig war und ist, oder? Wie war es, dich künstlerisch eingrenzen zu müssen, im Gegensatz zur Arbeit bei Inkplosion, wo es sicherlich etwas lockerer zuging? Wieviel Freiheit wurde Dir gelassen?

CN: Das war nicht ganz ohne. Wenn man sich den Comic anschaut, wird man vielleicht bemerken, wie sich der Stil zu den letzten Seiten hin verändert. Zu Beginn habe ich mich noch recht stark an Uwes Vorgaben orientiert, hatte aber, logischerweise, auch das Gefühl, mich dadurch einzuschränken. Als ich merkte, dass Uwe mir mehr Freiraum ließ, wurde ich etwas lockerer. Trotzdem hatte ich bis zum Ende hin mit den fremden Charakteren zu kämpfen. Zoe ist ja wie Lolle sehr ikonografisch angelegt, was eine Umsetzung im Comic nicht immer ganz einfach macht. Am meisten Spaß haben dann auch die selbst entworfenen Charas, wie die Skins oder die kleinen Gags im Hintergrund gemacht.

Von den generellen Stil- und Charaktervorgaben abgesehen, hatte ich allerdings viele Freiheiten. Die brauchte ich auch, da das Skript sehr filmähnlich geschrieben war und die Umsetzung fürs Comic sich daher meist als schwierig und zeitaufwendig herausstellte. Nachdem der Grundstil geklärt war, gab es eigentlich keine weiteren Einschränkungen von Uwe oder Ehapa, was sehr angenehm war.

CG: Was kann der Leser beim gerade erschienen „Zoe“ erwarten? Weiteres Futter für die TV-Gucker oder eher neues Material in deinem gewohnten Stil?

CN: Hah, das fragst du mich?! 😉 Also, wer meinen Stil mag, wird ihn auch bei „Zoe“ hoffentlich mögen. Vielleicht nicht in jeder Figur oder Haltung, aber die Strichführung, die Art der Überzeichnung etc. – es gibt schon Elemente, wenn auch in einer „verzerrten“ Darstellung, in denen man mich und meinen Stil wiedererkennt. Zu der Story kann ich wirklich nicht viel sagen, ich hoffe einfach nur, dass sie im Zusammenspiel mit den Zeichnungen locker und lesenswert daherkommt. Das müssen mir dann aber andere Leute sagen, ich selber kann das nicht mehr beurteilen.

CG: Wenn du „Zoe“ mit deinen früheren Werken vergleichst, hast du da selbst eine zeichnerische Entwicklung entdecken können?

CN: Uh, schwere Frage. Die Vorzeichen sind anders. Ich habe mich an einem anderen Stil orientiert und ich hatte krassere Zeitvorgaben… bzw. Geldvorgaben. Ich habe gelernt, Sachen nicht x-mal zu überarbeiten, nicht immer das „perfekte“ Panel am Schluss sehen zu wollen. Ich habe während des ganzen Comics stets versucht, den Spagat zwischen Qualität und Anspruch und der Deadline zu schaffen, das war in dem Ausmaß neu und wichtig für mich. Inwieweit mich „Zoe“ auch zeichnerisch nach vorne gebracht hat, werde ich wohl erst bei meinem nächsten Projekt wissen.

CG: Wo siehst Du dich mittlerweile von deinen zeichnerischen Fähigkeiten her?

Irgendwo in der Mitte. Ich kann gewisse Dinge gut, sehr viele überhaupt nicht. Man kann nur dranbleiben. Auf jeden Fall ist die Bestätigung von Außen da, was gut tut.

CG: Was sagt Uwe Heinelt zu Zoe?

CN: Der ist zufrieden… soweit ich’s verstanden habe ;). Am Anfang hat ihm die Koloration nicht ganz so zugesagt, aber mittlerweile gefällts ihm glaube ich doch. Ist halt für ihn auch noch mal ein ganz eigenes Ding, seine Charaktere in einer anderen Version zu sehen.

CG: Bist du mit dem Ergebnis, wenn es in gedruckter Form vor dir liegt, hundertprozentig zufrieden?

CN: Ups, glaube den Großteil habe ich eben schon beantwortet. Hundertprozentig zufrieden bin ich definitiv nicht. Aber ich bin schon stolz es so durchgezogen zu haben. Ich habe ja von den Layouts bis zum Lettering alles allein gemacht. Nur die Farbseparation habe ich ausgelagert und am Ende bei der Druckvorstufe waren Mel (Maathuis) und Micha (Vogt) mir eine unglaublich große Hilfe – ohne sie hätte ich da ziemlich dumm ausgesehen.

CG:: Was waren deiner Meinung nach die größten Hürden bei der Arbeit an dem Band, und auf was bist du besonders stolz? Hast Du vielleicht sogar neue Seiten an Dir entdeckt?

Ein sehr großes Problem war der Zeitruck. Ich habe bis auf zwei bis drei Jobs nebenbei fünf Monate nur an „Zoe“ gearbeitet. Das schlaucht ungemein und nimmt einem die Möglichkeit, sich nebenbei weiter zu orientieren. Auch dieses permanente Nur-am-gleichen-Projekt-arbeiten war nervig und machte es ziemlich schwer, dran zu bleiben und das tägliche Pensum zu schaffen, am nächsten Tag war ja wieder das gleiche dran. Aber natürlich war’s auch hier so, wenn etwas gut gelungen ist, freut man sich dann doch, egal wie stressig es war. Und jetzt freu ich mich halt auf die Veröffentlichung. Und manche Szenen waren auch wirklich spaßig zu zeichnen – gerade Gesichtszüge entgleisen zu lassen, bringt fun. In den Punkten sind meine Zeichnungen dann zum Teil auch gleich recht mangalastig ausgefallen.

CG: Wie sieht jetzt die Zukunft aus? Sind weitere Bände aus dem Lolle-Umfeld geplant oder folgen evtl. weitere Projekte oder Kooperationen mit anderen Künstlern für Ehapa?

CN: Lolle ist für mich vorbei. Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, diesen Comic zu machen, aber jetzt brauche ich neue Ziele. Sehr wichtig für mich war, sollte ich ein neues Comicprojekt in Angriff nehmen, dass ich noch Zeit für andere Aufträge oder mein Portfolio habe.

Da Ehapa mit „Zoe“ wohl zufrieden war, hat sich auch wirklich ein Nachfolgeauftrag ergeben. Es handelt sich dabei um die Comicumsetzung der „Wellenläufer“-Romane von Kai Meyer. Kai hatte meine Zeichnungen gesehen und konnte sich diese in einer Wellenläuferumsetzung auch gut vorstellen. Ich werde diesmal nur die Zeichnungen machen – die Koloration wird voraussichtlich wieder Sven machen, Micha macht die Organisation. Somit ist dieser Auftrag ein echter Hammer: wunderbare Buchvorlagen, ich kann die Charaktere selbst entwerfen, es hat fantastische Elemente und ich muss das Projekt nicht allein durchziehen. Als Szenaristen konnten wir Yann Krehl verpflichten, was mich schon mal guter Dinge stimmt. Im Moment schreibt Yann am Skript für Band 1 und ich entwerfe die Charaktere. Wenn alles glatt läuft, ist das Album dann zur nächsten Leipziger Buchmesse erhältlich.

CG: Und langfristig gesehen? Wo siehst du dich in ein paar Jahren? Gibt’s in Gedanken schon Ideen für die entferntere Zukunft? Ist es dein Traum, als Comiczeichner dein Lebensunterhalt zu verdienen?

CN: Das tue ich Moment sogar. „Wellenläufer“ wird den Grundstock meines monatlichen Einkommens stellen, dazu kommt noch ein paar mal im Jahr ein Werbecomic für Carrera, den Rest werde ich durch Illustrationen reinbekommen müssen (wie im Moment durch Bibi-Blocksberg-Gameboy-Illus). Wenn’s nach mir ginge, könnt’s so weiter gehen, aber mit fix steigendem Einkommen. Ich brauche unbedingt eine Wohnung mit Arbeitszimmer! 😉

CG: Vielen Dank für deine Zeit, Christian, und viel Erfolg weiterhin.

Nauck, Christian

Comicgate: Christian, gerade warst du zusammen mit Michael Vogt und den anderen Kollegen von INKplosion auf der Buchmesse in Leipzig. Du hast unter anderem auch Workshops für angehende Comickünstler gegeben. Bitte erzähl uns ein wenig über deine Erlebnisse dort. Wie war die Resonanz?

Christian Nauck: Wer eine sehr objektive und mitreißende Berichterstattung in Comicform lesen will, die sich trefflicherweise auch noch mit meinen Erfahrungen deckt, sollte hier klicken: Alexander Gellners Leipzig-Erfahrungen. Leider endet sie schon bei Seite 3, da die unsichtbare Fliege Krumpholz all seine Stifte klaute, als wir alle einen Kaffe mit Yann (Krehl) trinken waren.

Daher muss ich wohl doch noch was dazu erzählen: Leipzig ist schon sehr mangalastig ausgelegt, was es für mich jetzt nicht so megainteressant machte. Im Großen und Ganzen war ich aber doch erstaunt, wie sich der Comic- und Mangabereich auf der Messe gemausert hatte. Unser Workshopbereich war auch riesig, was speziell für uns ein nicht unerheblich positiver Faktor war. 😉

Die Workshops selbst haben dann am meisten Spaß gemacht, wenn die Leute auch wirklich interessiert waren, neue Anstöße zu bekommen.

CG: Hast du Potential unter den Teilnehmern entdeckt?

Ich kann Mangazeichner meist nicht besonders gut einschätzen, wenn es um Können oder Talent geht, da man schwer sagen kann, was einstudiert ist und was nicht. Ein oder zwei waren aber schon dabei, wo man durchaus auf mehr hoffen kann.

Für mich war Leipzig noch interessant, weil ich die Freude hatte, Maike Hallmann endlich persönlich treffen zu können, für deren neuen Roman ich zusammen mit Kai Spannuth ein Cover gemacht habe, und ich „die Ehapas“ und Kai Meyer persönlich kennengelernt habe, was sehr angenehm und für die kommende Zusammenarbeit (dazu unten mehr) sehr praktisch war.

CG: INKplosion ist ja schon seit längerem deine hauptsächliche Veröffentlichungsplattform. Das Online-Magazin erfreut sich aufgrund exzellenter regelmäßiger Webcomics und Print-Specials großer Beliebtheit. Wie kam es zu deiner Mitarbeit damals, und wie beurteilst du die Entwicklung der INKies?

CN: Micha (Vogt) und Alex (Gellner) habe ich damals übers Forum kennengelernt, das erste mal über den Weg gelaufen sind wir uns dann aber auf dem Berliner Comicgarten. Da sie mich dann sofort mit Geld und Ruhm geködert haben, konnte ich natürlich nicht anders, als mich mit reinzuhängen. 😉

Ich finde gut, wie’s im Moment läuft, vor allem gefällt mir, dass wir immer eine ziemlich bunte Mischung im Magazin haben. Was ich noch gerne sehen würde, wären ein paar neue Gesichter. Sowas kommt ja meistens schubweise, also einfach mal schauen, wann’s wieder soweit ist. Dass wir uns letztes Jahr mit „Versus“ weiter in den Printbereich vorgewagt haben, fand ich natürlich auch nicht verkehrt. Es haben sich dadurch schon neue Türen geöffnet und wir konnten unsere Zusammenarbeit schon mal aufs Härteste durchtesten.

Ansonsten hoffe ich noch sehr, dass die „Moritaten“ mal eigenständige Kurzstorys machen, Steffi (Schütze) wieder mit was rausrückt und dass Micha bald mit seiner Mariachi-Story loslegt, für mich irgendwie der Klassiker des INK-Magazins. Ich selbst würde gern wieder etwas für INK machen, leider siehts erstmal zeitlich etwas zu knapp aus, aber vielleicht lassen sich kleinere Comics dazwischenschieben. Ohne INK gehts dann auf Dauer eben doch nicht. Und wenn Alex mit seinem neuen Gazegull Zyklus durchstartet, bleibt eh nix mehr stehen!

CG: Zwischen dir und Alexander Gellner kam es schließlich zu einer Art Duell, bzw. zwischen euren beiden Comic-Charakteren, nämlich Deinem Clown Serge und Alex‘ Gazegull. Was zuerst in schwarzweiß im INK-Special #10 begann, führte dann zur vierten und bislang aufwendigsten Print-Ausgabe von INKplosion, dem Prestige-Band “Versus“ (geinkt von Michael Vogt, koloriert von Sven Strangmeyer). Kannst du uns etwas dazu sagen, wie das Projekt entstand und wie die Kooperation mit Alexander Gellner verlief? Wie kam Sven dazu?

CN: Du hast es schon fast gesagt. Unsere beiden Kämpfer waren einfach noch nicht ausgelaugt genug, also musste neuer Platz geschaffen werden. Erst in unseren Köpfen, dann auf unseren Schreibtischen (seit einer Weile habe ich jetzt zum Glück nen kippbaren Lichttisch, da kann man die Schräge nicht mehr so gut vollmüllen), dann im INKmag. Als dann die ersten Seiten fertig waren, war Micha so überzeugt von der Qualität, dass wir das Onlinekonzept durch eine erweiterte, schönere, bessere, einfach noch fantastischere Printausgabe ergänzt haben. Die Suche nach einem Coloristen gestaltete sich dann gar nicht so kompliziert, da Sven zu der Zeit im Forum aktiv war und man so leicht abchecken konnte, dass sein Stil ins Konzept passt. Schnell angeschrieben, angetestet und für supergenial passend befunden. Als sehr angenehm stellte sich auch schnell die Zusammenarbeit heraus, da Sven sehr gut mit meiner Kritik bzw. Rummäkelei klarkam und einfach verdammt schnell und gut gearbeitet hat. Die Kooperation mit Alex lief auch sehr locker ab. Wir trafen uns ab und zu, um die grobe Marschrichtung des Comics festzulegen, trafen uns dann ein paar Monate später wieder, um sie wieder umzuwerfen usw. 😉
Wir sprachen meist im Groben ab, was auf welche Seite kam, zeichneten sie dann und trafen uns zum Ende hin noch mehrmals, um die Dialoge zusammen mit Steffi Schütze für die Printversion zu überarbeiten.

CG: Man vernahm einige Stimmen von Lesern, die erstaunt waren über die professionellen Actionzeichnungen, wie sie in dem Comic zu finden sind. Wie waren die Reaktionen der Fans und Fachleute aus deiner Sicht?

CN: Die Reaktionen waren zu meiner wirklichen Überraschung durchweg positiv (bis auf ein paar Fanboys und Mangakiddies, die das Heft zu teuer fanden, bzw. rummaulten, dass es nicht umsonst war). Ich hatte erwartet, dass wir mit unserem Zeichen- wie auch Erzählstil genau zwischen den Lagern landen würden. Optisch zu Amerika-Mainstream-orientiert, für den Superheldenleser zu teuer und unsinnig… also zu sehr independent. Gerade der DVD-mässige Specialbereich hinten im Heft machte unserer Meinung nach das Heft erst richtig rund, konnte die Leute aber durch den hohen „Nicht-Comic“-Anteil auch abschrecken.

Letzten Endes haben aber, soweit wir es anhand der Reaktionen abmessen können, die meisten Leser sich doch amüsiert und „Versus“ als das genommen, was es ist: ein Spaßcomic. Wir zitieren, bemühen Klischees und verarschen Superhelden, weil wir sie eigentlich auch gerne lesen. Mehr steckt nicht dahinter, die gewollte Sinnlosigkeit als Konzept, die meisten sind wirklich damit klargekommen. Das hätte ich vor dem Print noch nicht gedacht. 😉

CG: Würdest du selbst auch sagen, dass „Versus“ deine bislang am besten gelungenste Arbeit war?

Jup, auf jeden Fall war „Versus“ meine bis dato beste Arbeit. Manche Szenen haben wir uns extra reingeschrieben nach dem Motto: „Holla, das würde ich gern sehen, kann ich das zeichnen? Keine Ahnung, muss ich halt ranklotzen!“ Ich habe daraufhin Sachen gezeichnet, von denen ich vorher nicht wusste, ob ich dazu in der Lage wäre. Allein dieser Aspekt war an „Versus“ immens wichtig für mich.

CG: Und wenn Marvel anklopfen würde…?

CN: …würde ich sagen: „Keene Zeit, machtma ’n Abjang!“
Naja, genau kann ich das nicht sagen. Die kommenden ein, zwei Jahre hätte ich eh keine Zeit, für danach kann ich nicht sprechen. Aber es hat schon was reizvolles; andererseits ist das geforderte Pensum gewaltig und die Bezahlung auch nicht der Überflieger. Also – der wirkliche Traumjob ist es auch nicht… vielleicht, wenn ich nen cartoonigeren, schneller umsetzbareren Style hab. 😉

CG: Kommen wir zu deinem aktuellen Projekt. Du zeichnest für Ehapa/vgs das Comicalbum „Zoe“, eine Art Spin-Off von „Berlin, Berlin“, einer TV-Serie über die fiktive Comickünstlerin Lolle, gespielt von Felicitas Woll. Ist dies deine erste Comic-Auftragsarbeit?

CN: Ja, war es. Die ich allerdings vor ein, zwei Jahren nie angenommen hätte. Durch „Versus“ wusste ich, welches Pensum und welche Qualität ich liefern kann. Von daher konnte ich in etwa abschätzen, ob „Zoe“ für mich in der kurzen Zeit machbar war.

CG: Wie bist du dazu gekommen? Bist du selbst Fan der TV-Serie? Und… wer ist Zoe überhaupt?

CN: Nope, habe die Serie vorher nie gesehen. Ich habe aber mit Uwe Heinelt zusammen an diversen Aufträgen gearbeitet u.a. an Requisiten für „Berlin, Berlin“. Uwe, der im Sommer dann mit dem zweiten Band für „Berlin, Berlin“ (ebenfalls bei Ehapa) begann, kam dann die Idee zu einem weiteren Band – eben „Zoe“.

Zoe ist eine Figur, die von Lolle in „Berlin, Berlin“ erdacht wird. Sie zeichnet einen Comic mit ihr, der dann auch verlegt wird (in der 3.Staffel, glaube ich). Die Idee war nun, diesen fiktiven Comic wirklich herauszubringen, mit mir als Lolles Ghostwriter, oder besser „Ghostdrawer“. Und das haben wir dann auch gemacht.

CG: Bei „Zoe“ musstest du dich wahrscheinlich ein wenig an Uwe Heinelt orientieren, der für die regulären Comic-Umsetzungen von „Berlin, Berlin“ zuständig war und ist, oder? Wie war es, dich künstlerisch eingrenzen zu müssen, im Gegensatz zur Arbeit bei Inkplosion, wo es sicherlich etwas lockerer zuging? Wieviel Freiheit wurde Dir gelassen?

CN: Das war nicht ganz ohne. Wenn man sich den Comic anschaut, wird man vielleicht bemerken, wie sich der Stil zu den letzten Seiten hin verändert. Zu Beginn habe ich mich noch recht stark an Uwes Vorgaben orientiert, hatte aber, logischerweise, auch das Gefühl, mich dadurch einzuschränken. Als ich merkte, dass Uwe mir mehr Freiraum ließ, wurde ich etwas lockerer. Trotzdem hatte ich bis zum Ende hin mit den fremden Charakteren zu kämpfen. Zoe ist ja wie Lolle sehr ikonografisch angelegt, was eine Umsetzung im Comic nicht immer ganz einfach macht. Am meisten Spaß haben dann auch die selbst entworfenen Charas, wie die Skins oder die kleinen Gags im Hintergrund gemacht.

Von den generellen Stil- und Charaktervorgaben abgesehen, hatte ich allerdings viele Freiheiten. Die brauchte ich auch, da das Skript sehr filmähnlich geschrieben war und die Umsetzung fürs Comic sich daher meist als schwierig und zeitaufwendig herausstellte. Nachdem der Grundstil geklärt war, gab es eigentlich keine weiteren Einschränkungen von Uwe oder Ehapa, was sehr angenehm war.

CG: Was kann der Leser beim gerade erschienen „Zoe“ erwarten? Weiteres Futter für die TV-Gucker oder eher neues Material in deinem gewohnten Stil?

CN: Hah, das fragst du mich?! 😉 Also, wer meinen Stil mag, wird ihn auch bei „Zoe“ hoffentlich mögen. Vielleicht nicht in jeder Figur oder Haltung, aber die Strichführung, die Art der Überzeichnung etc. – es gibt schon Elemente, wenn auch in einer „verzerrten“ Darstellung, in denen man mich und meinen Stil wiedererkennt. Zu der Story kann ich wirklich nicht viel sagen, ich hoffe einfach nur, dass sie im Zusammenspiel mit den Zeichnungen locker und lesenswert daherkommt. Das müssen mir dann aber andere Leute sagen, ich selber kann das nicht mehr beurteilen.

CG: Wenn du „Zoe“ mit deinen früheren Werken vergleichst, hast du da selbst eine zeichnerische Entwicklung entdecken können?

CN: Uh, schwere Frage. Die Vorzeichen sind anders. Ich habe mich an einem anderen Stil orientiert und ich hatte krassere Zeitvorgaben… bzw. Geldvorgaben. Ich habe gelernt, Sachen nicht x-mal zu überarbeiten, nicht immer das „perfekte“ Panel am Schluss sehen zu wollen. Ich habe während des ganzen Comics stets versucht, den Spagat zwischen Qualität und Anspruch und der Deadline zu schaffen, das war in dem Ausmaß neu und wichtig für mich. Inwieweit mich „Zoe“ auch zeichnerisch nach vorne gebracht hat, werde ich wohl erst bei meinem nächsten Projekt wissen.

CG: Wo siehst Du dich mittlerweile von deinen zeichnerischen Fähigkeiten her?

Irgendwo in der Mitte. Ich kann gewisse Dinge gut, sehr viele überhaupt nicht. Man kann nur dranbleiben. Auf jeden Fall ist die Bestätigung von Außen da, was gut tut.

CG: Was sagt Uwe Heinelt zu Zoe?

CN: Der ist zufrieden… soweit ich’s verstanden habe ;). Am Anfang hat ihm die Koloration nicht ganz so zugesagt, aber mittlerweile gefällts ihm glaube ich doch. Ist halt für ihn auch noch mal ein ganz eigenes Ding, seine Charaktere in einer anderen Version zu sehen.

CG: Bist du mit dem Ergebnis, wenn es in gedruckter Form vor dir liegt, hundertprozentig zufrieden?

CN: Ups, glaube den Großteil habe ich eben schon beantwortet. Hundertprozentig zufrieden bin ich definitiv nicht. Aber ich bin schon stolz es so durchgezogen zu haben. Ich habe ja von den Layouts bis zum Lettering alles allein gemacht. Nur die Farbseparation habe ich ausgelagert und am Ende bei der Druckvorstufe waren Mel (Maathuis) und Micha (Vogt) mir eine unglaublich große Hilfe – ohne sie hätte ich da ziemlich dumm ausgesehen.

CG:: Was waren deiner Meinung nach die größten Hürden bei der Arbeit an dem Band, und auf was bist du besonders stolz? Hast Du vielleicht sogar neue Seiten an Dir entdeckt?

Ein sehr großes Problem war der Zeitruck. Ich habe bis auf zwei bis drei Jobs nebenbei fünf Monate nur an „Zoe“ gearbeitet. Das schlaucht ungemein und nimmt einem die Möglichkeit, sich nebenbei weiter zu orientieren. Auch dieses permanente Nur-am-gleichen-Projekt-arbeiten war nervig und machte es ziemlich schwer, dran zu bleiben und das tägliche Pensum zu schaffen, am nächsten Tag war ja wieder das gleiche dran. Aber natürlich war’s auch hier so, wenn etwas gut gelungen ist, freut man sich dann doch, egal wie stressig es war. Und jetzt freu ich mich halt auf die Veröffentlichung. Und manche Szenen waren auch wirklich spaßig zu zeichnen – gerade Gesichtszüge entgleisen zu lassen, bringt fun. In den Punkten sind meine Zeichnungen dann zum Teil auch gleich recht mangalastig ausgefallen.

CG: Wie sieht jetzt die Zukunft aus? Sind weitere Bände aus dem Lolle-Umfeld geplant oder folgen evtl. weitere Projekte oder Kooperationen mit anderen Künstlern für Ehapa?

CN: Lolle ist für mich vorbei. Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, diesen Comic zu machen, aber jetzt brauche ich neue Ziele. Sehr wichtig für mich war, sollte ich ein neues Comicprojekt in Angriff nehmen, dass ich noch Zeit für andere Aufträge oder mein Portfolio habe.

Da Ehapa mit „Zoe“ wohl zufrieden war, hat sich auch wirklich ein Nachfolgeauftrag ergeben. Es handelt sich dabei um die Comicumsetzung der „Wellenläufer“-Romane von Kai Meyer. Kai hatte meine Zeichnungen gesehen und konnte sich diese in einer Wellenläuferumsetzung auch gut vorstellen. Ich werde diesmal nur die Zeichnungen machen – die Koloration wird voraussichtlich wieder Sven machen, Micha macht die Organisation. Somit ist dieser Auftrag ein echter Hammer: wunderbare Buchvorlagen, ich kann die Charaktere selbst entwerfen, es hat fantastische Elemente und ich muss das Projekt nicht allein durchziehen. Als Szenaristen konnten wir Yann Krehl verpflichten, was mich schon mal guter Dinge stimmt. Im Moment schreibt Yann am Skript für Band 1 und ich entwerfe die Charaktere. Wenn alles glatt läuft, ist das Album dann zur nächsten Leipziger Buchmesse erhältlich.

CG: Und langfristig gesehen? Wo siehst du dich in ein paar Jahren? Gibt’s in Gedanken schon Ideen für die entferntere Zukunft? Ist es dein Traum, als Comiczeichner dein Lebensunterhalt zu verdienen?

CN: Das tue ich Moment sogar. „Wellenläufer“ wird den Grundstock meines monatlichen Einkommens stellen, dazu kommt noch ein paar mal im Jahr ein Werbecomic für Carrera, den Rest werde ich durch Illustrationen reinbekommen müssen (wie im Moment durch Bibi-Blocksberg-Gameboy-Illus). Wenn’s nach mir ginge, könnt’s so weiter gehen, aber mit fix steigendem Einkommen. Ich brauche unbedingt eine Wohnung mit Arbeitszimmer! 😉

CG: Vielen Dank für deine Zeit, Christian, und viel Erfolg weiterhin.

Robi

Comicgate: Autor und Verleger, das ist nicht gerade eine häufige Kombination: Wie kommt’s?

Rochus Hahn: Ich arbeite hauptsächlich als Drehbuchautor. Nach nun 25 Jahren in dieser Branche hat sich eine gewisse Frustration eingestellt, was die Umsetzung meiner Bücher durch Regisseure angeht. Daher war der Schritt naheliegend, Herzblutstoffe im Bereich der Comics umzusetzen. Der Verlag war, weil Mille (Michael Möller) und ich endlich künstlerische Freiheit wollten.

CG: Als Drehbuchautor bist Du auch mitverantwortlich für den Erfolg des Filmes „Das Wunder von Bern“. Wie lange hast Du daran gearbeitet?

RH: Etwa ein Jahr. Ich schrieb die drei ersten Fassungen des Buches, und Sönke Wortmann hat dann die Bucharbeit übernommen, als er sich mit dem Skript einigermaßen wohl gefühlt hat und es an die Feinarbeiten ging. Die wollte er ganz nach seinen Vorstellungen haben, weil das sein wichtigstes Filmprojekt überhaupt war.

CG: Hast Du diesen Erfolg erwartet? 3,6 Millionen Zuschauer für ein deutsches Drama ist sehr ungewöhnlich.

RH: Ich hab schon damit gerechnet, weil ich von mir ausging. Als ich die Dokumentation des Wunders von Bern zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich total fasziniert und auch sehr ergriffen. Da hab ich dann am Ende auch geheult. Beim Film nicht mehr, aber eben bei der Dokumentation. Wir in Deutschland haben wirklich dicke Bücher mit dunklen Kapiteln, aber nur eine einzige Erfolgsstory. Jedes Land braucht eine Legende. Es sagt was aus, dass wir Deutschen auf die Weltmeisterschaft in Bern zurückgreifen mussten.

CG: Hast Du von dem Erfolg profitiert?

RH: Nicht unbedingt in finanzieller Hinsicht. Die Senator-Film ging pleite, und so war auch meine Beteiligung futsch. Aber beruflich ist dieser Erfolg überaus wertvoll. Jeder Produzent hat es heute schwer, Stoffe beim Sender zu plazieren. Da müssen schon schwergewichtige Namen ins Aufgebot der Kreativen, und da wird der ‚Wunder von Bern-Hahn‘ gerne genommen.

CG: Was machst du im Moment?

RH: Ich habe gerade die dritte Saison der Serie „Bewegte Männer“ für SAT 1 fertig geschrieben und setze mich danach an eine Kinoadaption des Buches: „Warum Männer lügen & Frauen schlecht einparken“. Danach ist wieder eine Serie dran, und dann muß ich mal gucken.

CG: Hört sich nicht so an, als ob du da noch viel Zeit für Comics hast, geschweige denn für deinen Verlag!

RH: Dazu kommt, dass ich einen dreijährigen Sohn und eine einjährige Tochter habe, die mich auch beanspruchen. Ich hab tatsächlich zu wenig Zeit für die Comics, aber es ist auch mehr mein Steckenpferd. Mille schmeißt das Tagesgeschäft im Verlag, und ich schreibe Szenarios für unsere Serien…

CG: Da kommt einiges zusammen: Alraune, Horst, Arsinoe, Dipperz, die Hurengeschichten. Und auch das neue SF-Epos von Toni Greis, Luna.

RH: Ja, so das Notwendigste, um die Zeichner Greis und Geier zu versorgen, mache ich schon. Die sind unsere Stützen. Aber die neuen Formate, die anstehen, kann ich unmöglich betreuen. Durch meine Drehbücher verdiene ich gut und kann das Verlagsgeschäft mit Geld auf Touren halten, aber es gibt keine Schreiber. Ich meine, natürlich gibt es sie, aber find mal einen.

CG: Deswegen also auch der Autorenwettbewerb…

RH: Ja. Zeichner kommen mit ihren Mappen zu uns, die Texter gehen zu den Verlagen oder sonstwohin. Die kommen nicht automatisch auf die Idee, was für Comics zu machen.

CG: Was ist denn für dich an Comics besser als an Filmen?

RH: Filme sind teuer. Deswegen heuert man auch immer eine Armada Verhinderer und Bremser an, die demonstrieren, dass die Investoren Angst um ihr Geld haben. Bei Comics ist es völlig egal, ob in der ersten Szene brennende Zeppeline auf Berlin stürzen, es wird gezeichnet. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit einem Zeichner konzentrierter. Zu viele Köche verderben eben den Brei. Die Künstler, mit denen ich arbeite, halten sich sehr genau an das Skript, und die Ergebnisse sind manchmal so umwerfend, dass ich von meinen eignen Stories umgehauen werde. Siehe Geier mit Horst, Toni Greis mit Luna und Andi Drude mit Dipperz 2&3.

CG: Was ist denn der Unterschied zwischen einem Drehbuch und einem Szenario?

RH: Ich weiß es auch nicht so ganz genau, weil ich Szenarien auf meine eigene Art schreibe. Vielleicht gibt es da in Frankreich auch Normen. Ich kenne sie nicht. Drehbücher sind komprimierte Geschichten. Beim Roman erzählst du alles, was dir wichtig erscheint, beim Filmskript muß deine Geschichte in 100 Minuten passen. Das heißt, du mußt ökonomisch mit dem Platz umgehen. Comic-Szenarios sind noch komprimierter. Das ist der Unterschied. Du hast weniger Bilder, um etwas auszudrücken und mußt dir schon gut überlegen, welche Bilderfolge deiner Geschichte am besten gerecht wird.

CG: Bei dem Autorenwettbewerb hofft ihr, Szenaristen zu finden. Was wird von ihnen erwartet?

RH: Ich erwarte alles und gar nichts. Die Leute haben drei Seiten. Wenn einer fünf schickt, fällt er deswegen auch nicht durchs Raster. Aber ich will etwas sehen. Ich bilde mir ein, Talente zu erkennen. Deshalb erwarte ich, dass mir die Leute ihr Herzblut schicken und nicht versuchen irgendwas nachzumachen, was gerade überall in ist. Für mich hat gutes Schreiben immer etwas Biografisches. Das heißt: Selbst wenn ich einen Space-Western mit schwulen Vampiren habe, will ich mich mit der Geschichte identifizieren können, sie muß etwas mit den Bedürfnissen, Zwängen und Sehnsüchten von uns allen zu tun haben, sonst berührt sie mich nicht.

CG: Die, die ausgewählt werden, dürfen zu dir in einen Workshop kommen. Was bringst du ihnen bei?

RH: Schreiben hat etwas zu tun mit Talent, Routine und Technik. Es ist wie Geige spielen. Die hohe Schule erreichst du, wenn du viel, viel übst. Also schreibst. Schreiben muß Spaß machen, damit man sich ans leere Blatt traut, und es sollte Erfolgserlebnisse nach sich ziehen, damit man am Ball bleibt. Ich möchte versuchen, den Autoren zu helfen, ihre persönliche Schreibe zu finden.

CG: Danke für die Auskünfte, Robi!

Verlag Schwarzer Turm

Infos zum Wettbewerb

Übersicht zu Robis Arbeiten

Robi bei der Promisichtung

Hahn, Rochus

Comicgate: Autor und Verleger, das ist nicht gerade eine häufige Kombination: Wie kommt’s?

Rochus Hahn: Ich arbeite hauptsächlich als Drehbuchautor. Nach nun 25 Jahren in dieser Branche hat sich eine gewisse Frustration eingestellt, was die Umsetzung meiner Bücher durch Regisseure angeht. Daher war der Schritt naheliegend, Herzblutstoffe im Bereich der Comics umzusetzen. Der Verlag war, weil Mille (Michael Möller) und ich endlich künstlerische Freiheit wollten.

CG: Als Drehbuchautor bist Du auch mitverantwortlich für den Erfolg des Filmes „Das Wunder von Bern“. Wie lange hast Du daran gearbeitet?

RH: Etwa ein Jahr. Ich schrieb die drei ersten Fassungen des Buches, und Sönke Wortmann hat dann die Bucharbeit übernommen, als er sich mit dem Skript einigermaßen wohl gefühlt hat und es an die Feinarbeiten ging. Die wollte er ganz nach seinen Vorstellungen haben, weil das sein wichtigstes Filmprojekt überhaupt war.

CG: Hast Du diesen Erfolg erwartet? 3,6 Millionen Zuschauer für ein deutsches Drama ist sehr ungewöhnlich.

RH: Ich hab schon damit gerechnet, weil ich von mir ausging. Als ich die Dokumentation des Wunders von Bern zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich total fasziniert und auch sehr ergriffen. Da hab ich dann am Ende auch geheult. Beim Film nicht mehr, aber eben bei der Dokumentation. Wir in Deutschland haben wirklich dicke Bücher mit dunklen Kapiteln, aber nur eine einzige Erfolgsstory. Jedes Land braucht eine Legende. Es sagt was aus, dass wir Deutschen auf die Weltmeisterschaft in Bern zurückgreifen mussten.

CG: Hast Du von dem Erfolg profitiert?

RH: Nicht unbedingt in finanzieller Hinsicht. Die Senator-Film ging pleite, und so war auch meine Beteiligung futsch. Aber beruflich ist dieser Erfolg überaus wertvoll. Jeder Produzent hat es heute schwer, Stoffe beim Sender zu plazieren. Da müssen schon schwergewichtige Namen ins Aufgebot der Kreativen, und da wird der ‚Wunder von Bern-Hahn‘ gerne genommen.

CG: Was machst du im Moment?

RH: Ich habe gerade die dritte Saison der Serie „Bewegte Männer“ für SAT 1 fertig geschrieben und setze mich danach an eine Kinoadaption des Buches: „Warum Männer lügen & Frauen schlecht einparken“. Danach ist wieder eine Serie dran, und dann muß ich mal gucken.

CG: Hört sich nicht so an, als ob du da noch viel Zeit für Comics hast, geschweige denn für deinen Verlag!

RH: Dazu kommt, dass ich einen dreijährigen Sohn und eine einjährige Tochter habe, die mich auch beanspruchen. Ich hab tatsächlich zu wenig Zeit für die Comics, aber es ist auch mehr mein Steckenpferd. Mille schmeißt das Tagesgeschäft im Verlag, und ich schreibe Szenarios für unsere Serien…

CG: Da kommt einiges zusammen: Alraune, Horst, Arsinoe, Dipperz, die Hurengeschichten. Und auch das neue SF-Epos von Toni Greis, Luna.

RH: Ja, so das Notwendigste, um die Zeichner Greis und Geier zu versorgen, mache ich schon. Die sind unsere Stützen. Aber die neuen Formate, die anstehen, kann ich unmöglich betreuen. Durch meine Drehbücher verdiene ich gut und kann das Verlagsgeschäft mit Geld auf Touren halten, aber es gibt keine Schreiber. Ich meine, natürlich gibt es sie, aber find mal einen.

CG: Deswegen also auch der Autorenwettbewerb…

RH: Ja. Zeichner kommen mit ihren Mappen zu uns, die Texter gehen zu den Verlagen oder sonstwohin. Die kommen nicht automatisch auf die Idee, was für Comics zu machen.

CG: Was ist denn für dich an Comics besser als an Filmen?

RH: Filme sind teuer. Deswegen heuert man auch immer eine Armada Verhinderer und Bremser an, die demonstrieren, dass die Investoren Angst um ihr Geld haben. Bei Comics ist es völlig egal, ob in der ersten Szene brennende Zeppeline auf Berlin stürzen, es wird gezeichnet. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit einem Zeichner konzentrierter. Zu viele Köche verderben eben den Brei. Die Künstler, mit denen ich arbeite, halten sich sehr genau an das Skript, und die Ergebnisse sind manchmal so umwerfend, dass ich von meinen eignen Stories umgehauen werde. Siehe Geier mit Horst, Toni Greis mit Luna und Andi Drude mit Dipperz 2&3.

CG: Was ist denn der Unterschied zwischen einem Drehbuch und einem Szenario?

RH: Ich weiß es auch nicht so ganz genau, weil ich Szenarien auf meine eigene Art schreibe. Vielleicht gibt es da in Frankreich auch Normen. Ich kenne sie nicht. Drehbücher sind komprimierte Geschichten. Beim Roman erzählst du alles, was dir wichtig erscheint, beim Filmskript muß deine Geschichte in 100 Minuten passen. Das heißt, du mußt ökonomisch mit dem Platz umgehen. Comic-Szenarios sind noch komprimierter. Das ist der Unterschied. Du hast weniger Bilder, um etwas auszudrücken und mußt dir schon gut überlegen, welche Bilderfolge deiner Geschichte am besten gerecht wird.

CG: Bei dem Autorenwettbewerb hofft ihr, Szenaristen zu finden. Was wird von ihnen erwartet?

RH: Ich erwarte alles und gar nichts. Die Leute haben drei Seiten. Wenn einer fünf schickt, fällt er deswegen auch nicht durchs Raster. Aber ich will etwas sehen. Ich bilde mir ein, Talente zu erkennen. Deshalb erwarte ich, dass mir die Leute ihr Herzblut schicken und nicht versuchen irgendwas nachzumachen, was gerade überall in ist. Für mich hat gutes Schreiben immer etwas Biografisches. Das heißt: Selbst wenn ich einen Space-Western mit schwulen Vampiren habe, will ich mich mit der Geschichte identifizieren können, sie muß etwas mit den Bedürfnissen, Zwängen und Sehnsüchten von uns allen zu tun haben, sonst berührt sie mich nicht.

CG: Die, die ausgewählt werden, dürfen zu dir in einen Workshop kommen. Was bringst du ihnen bei?

RH: Schreiben hat etwas zu tun mit Talent, Routine und Technik. Es ist wie Geige spielen. Die hohe Schule erreichst du, wenn du viel, viel übst. Also schreibst. Schreiben muß Spaß machen, damit man sich ans leere Blatt traut, und es sollte Erfolgserlebnisse nach sich ziehen, damit man am Ball bleibt. Ich möchte versuchen, den Autoren zu helfen, ihre persönliche Schreibe zu finden.

CG: Danke für die Auskünfte, Robi!

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Robi bei der Promisichtung