Das urbane Teenager-Leben, von dem Arthur Dela Cruz in „Kissing Chaos“ erzählt, hat rein gar nichts mit Daily-Soap-Klischees oder Zoten-Comedy à la „American Pie“ zu tun. Natürlich spielen auch hier die Liebe und ihre Probleme eine große Rolle, aber das Umfeld ist härter, dreckiger, realistischer.
In diesem Band geht es vor allem um Ashley, die pausenlos im Internet chattet. Wenn sie mal nicht online ist, unterstützt sie den Möchtegern-Revoluzzer Jersey bei seinen anarchischen Protestaktionen. Und dann ist da noch der zurückhaltende Eric, der mächtig in Jerseys Freundin verliebt ist.
„Nonstop Beauty“ beginnt als völlig eigenständige Geschichte – keine der Hauptfiguren aus dem ersten Band tritt hier auf. Erst später, als Ashley eine sehr wichtige Email bekommt und sich mit einem ihrer Chatpartner trifft, werden Verknüpfungen erkennbar. Wie es aussieht, fungieren die einzelnen Teile der Serie als Puzzlesteine, die am Ende ein großes Ganzes ergeben werden. Wie dieses aussehen wird, ist bisher nur in Ansätzen erkennbar, es deutet sich jedoch eine große Verschwörungstheorie an. Trotzdem ist dies keine waschechte Fortsetzung, der Zusammenhang zwischen den einzelnen Bänden ist eher lose. Man könnte hier auch problemlos zuerst den zweiten und dann den ersten Teil lesen.
Dela Cruz springt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, was auch durch leichte Abwandlungen seines Zeichenstils deutlich wird. Dieser besteht aus ziemlich groben Bleistiftskizzen, die jedoch mit Rastern und Graustufen-Rendering verfeinert werden. So entsteht eine sehr spezielle Stimmung, die perfekt zu der Unsicherheit passt, die die Figuren in „Kissing Chaos“ ausstrahlen. Erzählerisch hat sich Dela Cruz im Vergleich zum ersten Band deutlich gesteigert. „Nonstop Beauty“ ist wesentlich dichter und spannender, die Charaktere haben mehr Tiefe, es gibt weniger Klischees und mehr Originalität.
Ein großes Lob an Eidalon, dass man dort diesem Material, das gewiss kein Mainstream ist, auch in Deutschland eine Chance gibt.
Kissing Chaos #2: Nonstop Beauty
Eidalon
Text und Zeichnungen: Arthur Dela Cruz
128 Seiten; 9,90 €



Komplett heißt dieser Sammelband von Webcomics „Piled Higher And Deeper, Chapter 2: Life is tough and then you graduate“ – und ist mit das Witzigste, das ich je gelesen habe.
Ein Comic, zwei Besprechungen. Sowohl Ben als auch Thomas haben sich die „Hurengeschichten“ angesehen. Und beide waren überrascht.
Vielleicht bin ich ja einfach zu blöd dafür. Mir wurde „Marshal Law“ als eine bissige Abrechnung mit dem Superheldengenre angekündigt, als geistreiche Dekonstruktion, die mindestens so gut funktioniert wie „The Dark Knight Returns“ oder „Watchmen“, die aber oft übergangen wird. Das habe ich hier nun wirklich nicht entdecken können. 

Ein kleines, eigenproduziertes Heft. Ein menschenumschlungender schwarzer Kreis ziert das Cover auf beigem Grund, ein kryptisch erscheinender Titel bildet mittig den Kontrast. Ein verzücktes „schau mal an, gar nicht uninteressant“ in meinen Gedanken lässt mich die erste Seite gespannt aufschlagen. Ähnliches sollte ich mir schließlich auch am Ende über das gerade Gelesene denken.
Alles was ich bisher über den Erpel Howard wusste, war, dass er der Star eines eher öden Films war, und dass ich die „Howard the Duck“-Anspielungen in „Lobo the Duck“ (Amalgam) allesamt nicht verstanden habe. Insofern bietet das „Essential“-Paperback eine ideale Gelegenheit, Bildungslücken zu schließen. Und siehe da, der Comic-Howard hat mit dem Filmenterich wenig gemein. Steve Gerber nutzt seinen Comic, um Religion, Philosophie, Moral Values, Präsidentschaftspolitik, die Comicszene, Pornographie und Gewalt im Kino zu diskutieren. Dabei setzt er Howard als Stellvertreter seiner selbst ein. Howard wurde aus seiner Entenwelt auf die Marvelerde katapultiert, allerdings hat die Marvelerde hier viele Züge unserer realen Welt an sich. Gebrochene Herzen und vom Leben gebrochene Menschen lassen sich regelmäßig finden, wobei überzogene Comicparodien wie der Erzschurke Dr. Bong oder der amerikahassende kanadische Superheld „Le Beaver“ (der nie Mitglied von Alpha Flight war, wie ich glaube) trotzdem immer wieder für Humor und Albernheiten sorgen und verhindern, dass der Comic zu depressiv wird. Trotzdem hat vor allem die gefiederte Hauptfigur durchaus Tiefe vorzuweisen. Howard hat mit psychischen Problemen und konstanter Unsicherheit zu kämpfen. Die Außenseiterrolle, die eine Ente in der Menschenwelt einnimmt, nutzt Gerber, um seine eigene Sicht der Dinge zu reflektieren und seine Entfremdung vom Lebensgefühl der Siebziger und sein Unverständnis über viele Aspekte urbanen Lebens wiederzugeben. Dabei merkt man oft, dass er den Dingen nicht weniger ratlos gegenübersteht als Howard.
Bei den Webcomics hat sich ein neuer Cartoonist zu uns gesellt: Miguel Fernandez mit seiner Reihe „Gegen den Strich“.
Wittek
Spong
Frauke Pfeiffer
Zwölf Geschichten sind eingegangen und ich habe vier der fünf Plätze vergeben.