Neueste Artikel

Comicgeschenkideen 2005

Ihr sucht noch schnell ein schönes Geschenk zum unbarmherzig nahenden Weihnachtsfest?
Am besten einen Comic – entweder, um Fans glücklich zu machen oder um neue Leser anzufixen?

Vielleicht findet Ihr dann ja was Passendes in unserer Liste! Zu vielen der angeführten Comics gibt es übrigens auch eine Rezension bei uns.

Als besonderen Service bieten wir diesmal maßgeschneidert Comics (bis auf wenige Ausnahmen alle 2005 erschienen) für diverse Geschenke-Zielgruppen an.

Der zu Beschenkende ist …
Zuckerfisch3

… die/eine Freundin

Zuckerfisch
von Naomi Fearn
Zwerchfell Verlag

Süß, aber nicht klebrig. Nett, aber nicht harmlos.

__comiccombo __amazon

sincity4… der/ein Freund

Sin City 4: Dieser feige Bastard
von Frank Miller
Cross Cult

Ehre, Aufopferung und einsame Helden sind zentrale Themen dieser Serie – auch wenn sich diese nicht immer mit dem Gesetz vereinbaren lassen.
Dank der populären, seine Herkunft geradezu propagierenden Verfilmung ist nun auch mal ein Comic cool, also ein ideales Geschenk. Hochwertige Hardcoveraufmachung.
Band 4 eignet sich gut zum Einstieg, man kennt die Handlung aus dem Film und er hat außerdem den Vorteil, dass er im momentanen Gegensatz zu den vorherigen Bänden noch ohne Probleme lieferbar ist, da erst vor wenigen Wochen erschienen.

__comiccombo __amazon

SgtFrog1… der kleine Bruder

Sgt. Frog
von Mine Yoshizaki
TOKYOPOP

Schön durchgeknallte Alien-Komödie. Jungs lieben sowas.

__comiccombo __amazon

rudi_aerger … der große Bruder

Immer Ärger mit Rudi
von Peter Puck
ECC (Ehapa)

Wortgewaltig, pointiert, sarkastisch, klug. Seit 20 Jahren existiert bereits Rudis Welt, mit deren Hilfe Peter Puck eine große Kelle voll schwarzen Humors auf große und kleine Katastrophen des Alltags und nervige Mitmenschen verteilt. Es ist genug für alle da.

__comiccombo __amazon

persepolis1
… die Mutter

Persepolis
von Marjana Satrapi
Edition Moderne

Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, meiner Mom einen Comic ans Herz zu legen. Aber der hier könnte ihr wirklich gefallen.

__comiccombo __amazon

das_komplott… der Vater

Das Komplott – Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion
von Will Eisner
DVA

Geschichtsinteressierte Väter werden sich über die letzte große Arbeit der Comiclegende Will Eisner freuen, der den Protokollen der Weisen von Zion auf den Grund geht – dem angeblichen  Beweis für jüdische Welteroberungspläne, der bis heute immer wieder hervorgekramt wird. Ein ausführlicher, eindringlicher Aufklärungscomic.

__comiccombo __amazon

pe3… ein comicbesessener Freund

Panik Elektro 3: Lovestories
Anthologie
Schwarzer Turm

Auch wer schon alles zu kennen glaubt, der findet hier noch neue Künstler, Erzählweisen und Stilmittel. Eine Wundertüte.

__comiccombo __amazon

scott_pilgrim… ein(e) Freund(in), der/die gerne sein/ihr Englisch in Schuss halten will

Scott Pilgrim
von Bryan Lee O’Malley
Oni Press (US)

Wunderbare Dialoge, die sich sehr authentisch anfühlen. Dürfte schwer ins Deutsche übertragbar sein, deshalb lieber gleich das Original lesen.
Der dritte Teil ist für Ende Januar 2006 angekündigt.

__comiccombo __amazon

locasc Locas: The Maggie and Hopey Stories (A Love and Rockets Book)
von Jaime Hernandez
Fantagraphics Books (US)

Dieser Band sammelt alle Maggie und Hopey-Storys des ersten Love & Rocket Runs und zeigt, warum diese zurecht zu dem Besten gezählt werden, was der amerikanische Comic je hervorgebracht hat: Neben den wundervoll eleganten Zeichnungen von Jaime Hernandez bietet Love & Rockets einen besonderen Reiz: Anders als die meisten Comiccharaktere altern die Figuren hier, und den beiden Protagonistinnen bei den ersten Falten und Gewichtszunahmen, bei wechselnden Jobs und Beziehungen und vor allem bei der Entwicklung ihrer eigenen Beziehung zuzusehen macht erstens die Figuren zu den glaubhaftesten und sympathischsten überhaupt und zweitens einen Heidenspaß. Für alle, die gerne gute Comics lesen oder Strangers in Paradise mögen und mal wissen wollen, wo Terry Moore geklaut hat…

__amazon

aka_cover… ein(e) Freund(in) in den besten Studentenjahren

A.K.A.
von Chris Deutsch
Epsilon Verlag

Erfrischend, unkonventionell, witzig. Viel Geplapper von drei Freunden, die irgendwie in einer Beziehungskrise stecken. Herrlich abgedreht, manchmal sinnfrei, aber immer mit einem aufmerksamen Auge fürAlltäglichkeiten – und vermutlich nur amüsant für eine Leserschaft unter 35. Da aber richtig.
 
__comiccombo __amazon

felsfest… ein festivalbegeisterter Freund

Felsfest Open Air
von Miguel Fernandez
Schwarzer Turm

Jeder, der schon mal auf einem Festival war und u.a. die scheinbar immer zu wenigen Dixie-Klos verflucht hat, wird seinen Spaß hiermit haben. Die Hauptgeschichte um einen schüchternen Jungen, der seine Angebetete auf einem Festival dem fiesen Machomusiker ausspannen will, ist zwar recht konventionell, die vielen kleinen Seitenhiebe auf die Festival- und Musikszene sind allerdings göttlich. Ein Riesenspaß für die Zielgruppe.

__comiccombo __amazon

Bildquellen: Scott Pilgrim und Locas amazon.de, ansonsten comiccombo.de


Mind the Gap 18: Previews 12/2005


Vorbestellungen für Februar 2006

DAREDEVIL #82
Marvel Comics/Marvel Knights | 40 Seiten | $ 2.99 | DEC05 1984

Das neue Gespann, das ab Februar den pulpigsten aller Marvel-Helden betreuen wird, besteht aus Autor Ed Brubaker und Zeichner Michael Lark. Zwar sind Brubakers Arbeiten handwerklich tendenziell etwas feinsinniger und sorgfältiger als die von Bendis, aber an der Grundausrichtung dürfte sich nach dem Wechsel nicht viel ändern. Genau wie die DC-Serien Catwoman, Gotham Central oder Sleeper, fällt auch Daredevil samt und sonders in das Feld, auf dem Brubaker ein Meister ist: düstere Häuserschluchten; sadistische Gangster; Helden, die moralische Grauzonen wie Schneckenhäuser mit sich herumschleppen; Verdrängtes aus der Vergangenheit, das sich langsam aber unaufhaltsam seinen Weg zurück an die Oberfläche knabbert. Lark (Gotham Central, The Pulse) geht von seinem Zeichenstil her als Zwilling seines Vorgängers Alex Maleev durch (wahlweise auch gerne als David Mazzucchellis kleiner Bruder), weshalb auch künstlerisch keine großartigen neuen Akzente zu erwarten sind.

Die bevorstehenden Änderungen werden also wohl eher im Detail zu finden sein. Während Bendis sich gerne in ausschweifenden Dialogszenen und spontan strukturierten Plots austobt und dabei auch schon mal den Faden verliert, ist Brubaker ein viel disziplinierterer Geschichtenerzähler, der Schwerpunkte in komplexen Handlungen und Motivationen setzt, was eine kontrolliertere und vorausschauendere Herangehensweise erfordert. Ähnlich subtil verhält es sich mit Lark und Maleev. Letzterer brilliert eher mit atmosphärischen Einzelillustrationen oder dem Mimenspiel bei Dialogen (die berühmten talking heads), während sein Nachfolger insgesamt mehr an dem sequentiellen Aspekt seiner Kunst interessiert zu sein scheint.

Versteckt im Kleingedruckten des Previews-Werbetextes: Angeblich soll diese Ausgabe 40 statt der üblichen 32 Seiten haben, und das noch dazu ohne Werbeseiten. Durchaus lobenswert.

FURY: PEACEMAKER #1 (of 6)
Marvel Comics/Marvel Knights | 32 Seiten | $ 3.50 | DEC05 1990

Ein immer wieder gerne erzähltes Gerücht besagt, Autor Garth Ennis und Zeichner Darick Robertson seien schuld daran, daß vor wenigen Jahren ein Nick-Fury-Film mit George Clooney in der Hauptrolle geplatzt ist. Als Clooney nämlich die erste Fury-Serie, damals erschienen auf Marvels Erwachsenen-Label Max Comics, zu Gesicht bekam, soll er diese Version der Figur – immerhin ein misanthropischer, moralisch und emotional vergammelter alter Drecksack – so abstoßend gefunden haben, daß er dankend auf die Rolle verzichtete. Daraufhin wiederum soll der für Marvels Hollywood-Eskapaden zuständige Avi Arad in New York aufgekreuzt sein und Bill Jemas, dem damaligen Chef der Comic- und Lizenzabteilungen, sein ausdrückliches Mißfallen über dessen Management ausgesprochen haben.

Ob das der Grund ist, warum Peacemaker, die Fortsetzung von Fury, nicht mehr bei Max Comics, sondern bei dem wesentlich zahmeren Marvel-Knights-Label erscheint, darüber kann natürlich nur spekuliert werden. Tatsache ist jedenfalls, daß Jemas schon vor zwei Jahren in die Wüste geschickt wurde, und daß Max Comics mittlerweile mit Punisher gerade mal noch eine Serie zu bieten hat, nachdem sowohl Alias als auch Supreme Power neu konzipiert, umbenannt und inhaltlich entschärft wurden. Nun kann man bei einem Comic von Ennis und Robertson zwar getrost davon ausgehen, daß er wenigstens lesenswert sein wird. Da bei Fury aber gerade die wüst übersteigerte Brutalität und Sinnlosigkeit der rudimentären Handlung der springende Punkt war, ist es zweifelhaft, ob die Serie unter diesen strengeren Rahmenbedingungen noch eine Chance hat, ihre pädagogisch äußerst bedenkliche Wirkung auch in vollem Umfang zu entfalten.

Zudem handelt es sich hier um einen weiteren Comic, den Marvel ohne ersichtlichen Grund mit dem unverschämten $-3.50-Preisschild versieht, nur weil man weiß, daß er sich wahrscheinlich trotzdem respektabel verkaufen wird. Vielleicht lohnt es sich, Fury: Pacemaker, pardon: Peacemaker, im Auge zu behalten. Im Zweifelsfall wird aber empfohlen, auf den preisgünstigeren und lesefreundlicheren Softcover-Sammelband zu warten.

HELLBOY: MAKOMA, OR: A TALE TOLD BY A MUMMY IN THE NEW YORK CITY EXPLORERS‘ CLUB ON AUGUST 16, 1993 #1 (of 2)
Dark Horse Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | DEC05 1990

Viele Informationen zu dem Projekt bietet Previews nicht gerade. Erstens, Makoma wird geschrieben von Hellboy-Papa Mike Mignola und gezeichnet von Richard Corben. Zweitens, es handelt sich dabei augenscheinlich um einen Prequel zu der letzten Hellboy-Miniserie, The Island. „Ein früheres Zusammentreffen mit der mächtigen Mythologie Afrikas“ soll man hier finden, was auch immer das bedeuten mag. Wenn sich schon der bloße Werbetext beizeiten bemüht, undifferenzierten Stuß über einen sehr großen, sehr differenzierten Kontinent abzulassen, dann weckt das jedenfalls nicht gerade Vertrauen in die Fähigkeiten der Herren Autoren. Und, ach ja: Mignola selber soll den Bleistift auch für ein paar Seiten abstauben.

Nun ja, da sich die Hellboy-Comics im Zuge des erfolgreichen Films verstärkter Beliebtheit erfreuen, kann man es Mignola und Dark Horse kaum verübeln, daß sie die Bestie füttern wollen, solange sie hungrig ist. Nach einer essentiellen Geschichte, die danach schreit, erzählt zu werden, hört sich die Sache allerdings kaum an. Die Serie wird wahrscheinlich eher was für Hardcore-Fans sein.

I (HEART) MARVEL: WEB OF ROMANCE
Marvel Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | DEC05 2003

Obwohl diese Veranstaltungen regelmäßig zur Veröffentlichung der übelsten Gurken führen, scheint Marvels Vertrauen in das sogenannte „Fifth-Week-Event“ ungebrochen zu sein. Im Klartext: Ein paar Mal jedes jahr gibt es Monate, die mit fünf Mittwochen (Mittwöchern? Mittwürschdel?) ausgestattet sind, statt nur mit vieren. Da nun der Mittwoch bei den Amis bekanntlich der Tag ist, an dem die neuen Comics erscheinen, muß man sich als Verlag für solche Monate natürlich etwas ganz besonderes einfallen lassen.

Okay, man muß eigentlich gar nicht nicht. Man könnte ja einfach die vorhandenen Produkte gescheiter verteilen oder von der ein oder anderen Serie eine Extra-Ausgabe feilbieten. Stattdessen gibt es regelmäßig ein Fünfte-Woche-Ereignis, das genauso spannend und notwendig ist, wie es sich anhört. Denn seine Existenz ergibt sich nicht etwa aus kreativen Impulsen oder zwingenden Fragen, die in der Handlung früherer Veröffentlichungen aufgeworfen wurden. Nein, nein, nein. Der einzige Grund, warum es „Fifth-Week-Events“ gibt, ist tatsächlich die ebenso banale wie unumstößliche Tatsache, daß manche Monate nun mal mit einer fünften Auslieferungswoche daherkommen.

Dementsprechend ernüchternd gestaltet sich die Themenauswahl. Nachdem 2005 bereits rätselhafte Schimären wie Marvel Knights 2099 (angeblich zum fünften Geburtstag des Marvel-Knights-Labels; nur daß dieses dummerweise schon sechs Jahre existierte) und wieder Aufgewärmtes wie What If…? als „Fifth-Week-Events“ zum Zuge kamen, hat man für März 2006 schon mal anklingen lassen, daß man dem geneigten Leser nochmal das New Universe von 1986 näher bringen möchte. Und wenn einem der Terminus „New Universe“ überhaupt gar kein Begriff ist, dann ist das an und für sich kein Zufall.

Wie dem auch sei. Für den Februar 2006 hat man sich entschlossen, rechtzeitig zum Valentinstag nochmal an die Schnulzencomics zu erinnern, die Marvel – damals unter dem Namen Atlas – in den 50ern veröffentlichte. Die Aktion nennt sich I (Heart) Marvel und besteht aus vier Einzelausgaben, einem Sammelband der alten Originale (Marvel Romance) und einer angenehm seltsamen Remix-Miniserie (Marvel Romance Redux: But He Said He Loved Me), in dem die Autoren Keith Giffen, Jimmy Palmiotti, John Lustig und Roger Langridge ihren Schabernack mit alten Schnulzencomics von Jack Kirby und Steve Ditko treiben und diese mit neuen Texten versehen.

Eins der interessantesten Exponate aus dieser illustren Auswahl stellt sicher das Heft I (Heart) Marvel: Web of Romance dar, in welchem der beliebte Independent-Cartoonist Tom Beland (True Story Swear to God) und Invincible-Zeichner Cory Walker eine Valentinstags-Geschichte mit Peter Parker und Mary Jane erzählen, in der obskure Schurken wie der Mandrill und der Drachenmann Spider-Man ans Leder wollen.

Und der Vollständigkeit halber sollen die drei anderen Einzelhefte auch nicht unerwähnt bleiben: Protagonist von I (Heart) Marvel: Outlaw Love von Fabian Nicieza (Cable & Deadpool) und Jon Proctor (Gun Theory) ist – warum auch immer – die Antwort, die von Bullseye gejagt wird, aber selber viel mehr an einer Romanze mit Ruby Thursday interessiert ist. (Die Antwort, wie sich viele übergewichtige Schnauzbartträger mittleren Alters sicher gerne erinnern werden, ist ein obskurer Spider-Man-Schurke aus den frühen 80ern.) In I (Heart) Marvel: Marvel Ai erzählen C.B. Cebulski, Kei Kobayashi und Tomoko Tamiguchi gleich drei Geschichten. Ebenfalls drei Stories gibt es, zu guter letzt, in I (Heart) Marvel: My Mutant Heart, geschrieben von Daniel Way, Peter Milligan und Tim Fish, mit Zeichnungen von Marcos Martin, Ken Knudtsen und Fish.

Grundsätzlich ist, wie bereits erläutert, bei solchen Aktionen immer Vorsicht geboten, denn sie entpuppen sich schnell mal als Griff ins Klo. In diesem Fall läßt aber zumindest die Auswahl der Autoren hoffen. Größtenteils.

KID ETERNITY (TPB)
DC Comics/Vertigo | 144 Seiten | $ 14.99 | DEC05 0327

Der Sammelband enthält die ursprünglich 1991 erschienene Vertigo-Serie Kid Eternity, geschrieben von Grant Morrison und gezeichnet von Duncan Fegredo. Die Figur des Christopher Freeman, alias Kid Eternity, gehörte anno dazumal dem Verlag Quality Comics, bevor man sie sich bei DC – möglicherweise für einen Appel und ein Ei – unter den Nagel riß. Freeman starb in der Ur-Version des Comics als Teenager in einem Unfall, woraufhin er wegen einer Verwechslung von der zuständigen Behörde wieder auf die Erde zurückgeschickt wurde, um 75 Jahre lang Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Zu diesem Zweck gab man ihm die Fähigkeit mit auf den Weg, historische Persönlichkeiten zu beschwören, die ihm behilflich sein sollten.

Daß der 30jährige Morrison an der Neuinterpretation des Konzepts in der Frühphase seines Schaffens in der amerikanischen Branche einen Heidenspaß gehabt haben dürfte, ist offensichtlich. Für alle Anhänger des Schotten mit dem achtdimensionalen Hirn, die noch nicht in Besitz der drei Prestige-Format-Ausgaben sind, ist dieses Büchlein deshalb ein Pflichtkauf.

PAT NOVAK FOR HIRE (GN)
Moonstone Books | 48 Seiten | schwarzweiß | $ 4.95 | DEC05 3113

Wenn US-Urgestein Steven Grant gerade mal nicht an seiner aufschlußreichen Kolumne “Permanent Damage“ für Comic Book Resources feilt, schreibt der gute Mann hin und wieder auch noch Comics – unter anderem stammt beispielsweise die vielbeachtete Miniserie Punisher: Circle of Blood von 1986 aus seiner Feder.

In Pat Novak for Hire widmet sich Grant der Hauptfigur einer Serie von US-Radio-Hörspielen aus den 40ern. Pat Novak ist ein ehemaliger Privatdetektiv, der sich mittlerweile auf seinem Hausboot in San Francisco zur Ruhe gesetzt hat, wo er mit seiner Enkelin lebt. Aber natürlich hält die Idylle nicht lange vor, denn der Haudegen wird von einem seiner alten Fälle eingeholt.

Illustriert wird das Heft von Tom Mandrake, dessen rauher, düsterer Stil zuletzt in Marvels Weapon X zu betrachten war. Zu der in schwarzweiß gehaltenen Pulp-Übung Pat Novak sollte er ausgezeichnet passen.

QUEEN & COUNTRY: DECLASSIFIED, VOL. 2 (TPB)
Oni Press | 96 Seiten | schwarzweiß | $ 8.95 | DEC05 3142

Während Greg Rucka das Hier und Jetzt seiner Agenten-Seifenoper Queen & Country mit den beiden Romanen A Gentlemen’s Game und Private Wars gerade auf erstaunlich rasante Weise durcheinandergewirbelt hat, müssen Anhänger des Comics erstmal mit diesem Sammelband vorlieb nehmen.

Nachdem in der ersten Declassified-Serie die Vergangenheit von Paul Crocker, dem Chef von Queen-&-Country-Protagonistin Tara Chace, beleuchtet wurde, ist diesmal ihr ehemaliger Kollege Tom Wallace dran, den man in seinen jüngeren Tagen auf einer Mission in der damaligen britischen Kolonie Hongkong begleiten darf.

Zeichner ist Rick Burchett, der schon in Detective Comics mit Rucka zusammengearbeitet hat. Insbesondere nach der Lektüre von A Gentlemen’s Game dürfte dieser Band wohl einen besonderen Stellenwert haben.

SAM & TWITCH: THE BRIAN MICHAEL BENDIS COLLECTION, VOL. 1 (TPB)
Image Comics | 224 Seiten | $ 24.95 | DEC05 1752

Damals, als sein Name noch für qualitativ überzeugende Krimis stand, schrieb Brian Michael Bendis verschiedene verschiedene Serien für Todd McFarlanes Abteilung von Image Comics, wie etwa den Spawn-Ableger Sam & Twitch. Zwar spielte die Reihe dabei im gleichen Universum wie Spawn selbst, mit dem ganzen pseudo-biblischen Krimskrams hat sie aber dankenswerter Weise nichts am Hut. Viel eher geht es um grausige Mordfälle, die von Bendis in gewohnter Manier aufgearbeitet werden.

Künstlerisch betreut wird der hier enthaltene Geschichtenzyklus von Ashley Wood, Alberto Ponticelli, Clayton Crain und Alex Maleev. Die im Original aus dem Jahr 1999 stammenden Stories wurden 2000 schon einmal in einem Sammelband veröffentlicht, seinerzeit unter dem Titel Sam & Twitch, Book One: Udaku. Nixdestrotrotz behauptet der neue Previews, daß sie in The Brian Michael Bendis Collection „erstmals voll in Farbe“ erscheinen, also war die frühere Version wohl in schwarzweiß.

In Anbetracht der momentanen Schwemme an lust- und lieblosen, handwerklich peinlich schlechten Arbeiten à la Secret War, New Avengers oder House of M sollte dieser Band eine gute Gelegenheit bieten, sich nochmal daran zu erinnern, warum man Bendis eigentlich irgendwann mal gut fand.

SUPERMARKET #1
IDW Publishing | 32 Seiten | $ 3.99 | DEC05 3067

Yakuza-Gangster und Porno-Schweden rivalisieren in Supermarket, einer neuen Reihe von Kultautor Brian Wood (Demo, DMZ, Local), die von Kristian Donaldson gezeichnet wird. Die Anzeige beschreibt den Comic als „Anti-Konsumerismus mit einer gesunden Dosis Gewalt und Humor.“ Ob die Tatsache, daß er bei IDW erscheint, einem Verlag, der grundsätzlich für Produkte, die anderswo $ 2.99 kosten, einen Zähler mehr verlangt, als gewiefte Anspielung im Sinne der Prämisse zu betrachten ist, konnte vor Redaktionsschluß leider nicht ermittelt werden.

Woods Arbeiten sind im Prinzip durchaus empfehlenswert; wenn der Mann sich konsequent an einer Figur festbeißt und eine Charakterstudie abliefert, dann ist das üblicherweise eine feine Sache. Auf der anderen Seite passieren aber leider auch schon mal Sachen wie Couscous Express, die ihre arg übertriebenen Konzepte zu ernst nehmen und dabei unfreiwillig komisch wirken. Bleibt abzuwarten, in welche Kategorie Supermarket fällt.

Zimtsterne, Spritzgebackenes oder getrocknete Rentierklöten sind wie immer herzlich willkommen; schaut einfach im Forum vorbei oder schickt eine E-Mail.

Batman: The Dark Knight Strikes Again (US)

Du bist ein Comicmacher, aber nicht irgendeiner. Vor fünfzehn Jahren hast du einen der vielleicht beiden wichtigsten Superheldencomics aller Zeiten geschrieben und gezeichnet. Ein Comic der analysiert wurde, interpretiert wurde, der eine ganze Generation an Comicmachern beeinflusst hat, der die Art, wie wir Superheldencomics lesen, leben, denken verändert hat. Du hast Comicgeschichte geschrieben.
Und jetzt hast du die Chance, zurückzukehren. Du darfst ein Sequel schreiben. Alle Augen sind auf dich gerichtet. Jeder weiß, was du mit diesem Charakter in der Vergangenheit geschafft hast. Und nun hast du die Gelegenheit noch einen drauf zu setzen.
Was heißt Gelegenheit? Pflicht. Die Erwartungshaltung könnte höher nicht sein. Der Druck ist immens. Wie also übertriffst du dein Meisterwerk?

Die Antwort: Du versuchst es erst gar nicht.

Als die erste Ausgabe von Frank Millers The Dark Knight Strikes Again 2001 erschien, war es eines der heißesten Comicereignisse des Jahres. Alle Augen waren auf Miller gerichtet. Die Erwartungen waren klar: Miller würde zu dem zurückkehren, was er schon 1986 mit The Dark Knight Returns gemacht hatte, aber eben für eine neue Generation. Man erwartete DKR  + X. Was X genau sein würde, wusste so recht niemand… aber es war ganz sicher nicht das, was Miller hier bot. Die Wellen im Internet schlugen, wie sie das oft und gerne tun, hoch. Miller wurde in der Luft zerissen, The Dark Knight Strikes Again in Grund und Boden gebrüllt. Einige stellten sich dem wütenden Mob in den Weg und lobten DKSA als Geniestreich, als Spielerei mit den Erwartungen der Leser, als gewollt und gekonnt. Der Comic polarisierte. Soviel ist sicher.
Wie sehe ich, als Comicfan, DKSA nun fast vier Jahre nach dieser Kontroverse?
Nun, ich stimme der großen Mehrheit der Internetfans zu:

The Dark Knight Strikes Again ist ein gewaltiges „Fuck you!“ an die Fans und Superhelden an sich.

Und ich stimme der großen Mehrheit der Internetfans nicht zu: Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes.
 

Das hier ist ein direktes Sequel zu DKR, es ist also unmöglich, die Verbindung zum Vorgänger nicht zu sehen. Und wenn man DKSA unter diesem Gesichtspunkt sieht, dann… ja, dann ist es eine herbe Enttäuschung, ein Tritt in die Nieren. Das hier stellt die Comicszene nicht auf den Kopf und das hilft Comics nicht, in eine völlig neue Dimension vorzustoßen und das wird nie die Bedeutung haben, die DKR hat und das hat Frank Miller hier wohl auch gar nicht gewollt.

Natürlich ist das nur meine Interpretation des Comics. Ich kann Frank Miller auch nur vor den Kopf schauen, aber das hier fühlt sich nicht an wie der Versuch, die Comicwelt umzugestalten, sondern wie ein Comic, in dem Frank Miller einfach nur auf all das einprügeln wollte, was ihm nicht gefällt. Und wenn das tatsächlich seine Intention war, dann ist ihm das gelungen. DKSA ist ein Comic, der sich einfach nur zornig anfühlt. Rasend. Speed Metal. Grindcore. Wenn Howard Beale einen Comic geschrieben hätte, dann wäre am Ende dieser DKSA dabei rausgekommen.

Frank Miller scheint auf vieles wütend zu sein. Ein Teil seines Zorns entlädt sich, wie schon 1986, auf die Politik und auf die Medien. Der US-Präsident existiert nicht, sondern ist ein Hologramm, das von Lex Luthor und Brainiac kontrolliert wird. Aber das interessiert die Bevölkerung nicht. Dass der Präsident nicht existiert, eine Marionette ist, muss aber nicht unbedingt seinen Approval Ratings schaden. Stand-Ins für Ari Fleischer, John Ashcroft und Donald Rumsfeld haben alles unter Kontrolle. Die US-Bevölkerung hat Wichtigeres zu tun, als sich um solche Kleinigkeiten zu scheren. Und dieses vernichtende Fazit zog Miller schon vor den Anschlägen des 11. September.

Abgesehen davon haut Miller erneut auf die Medienlandschaft ein. Die Soundbites sind noch abstruser als 1986, auch wenn Miller offenbar verpasst hat, dass es schon einen Sender gibt, der die Nachrichten von nackten Moderatorinnen präsentieren lässt. Die liberalen und die konservativen Talking Heads befinden sich in einer Echokammer. Selbst der marxistische Oliver „Green Arrow“ Queen und der erzkonservative Vic „The Question“ Sage dürfen in einem der besten Momente des Comics bei Hannity, Colmes und Bill O'Reilly auftreten. John Q. Public darf gelegentlich einen belanglosen Kommentar in die Kameras sprechen und so seine Ignoranz und seine ganze Hässlichkeit zeigen. Den Konflikt um die Zukunft der Welt tragen derweil andere aus.

Wen Miller als Superheld nicht mag, der hat schlechte Chancen. Superman. Sidekicks. C-Superhelden. Cheesecake-Superheldinnen. Niemand bleibt hier vor Millers Zorn verschont. Er vertritt eine Position, die weit über Zynismus hinausgeht und im Nihilismus angekommen ist: Sollen die Dinge doch zur Hölle fahren, soll doch alles zerstört werden, vielleicht verdienen wir es gar nicht besser. Superman erkennt, dass er mehr Übermensch als Mensch ist und gibt jede Rücksicht auf menschliches Leben auf. Ein wütender Dr. Manhattan. Und selbst Batman sieht letzlich einem Mord seelenruhig zu, ja er genießt sogar jeden Moment und stellt dann ganz salopp fest: „Get used to it. […] It's a whole new ballgame.“ Wenn das Ende von DKR schon faschistoide Züge zeigte, dann ist das hier Millers endgültiges „Ich habe es gesagt und ich sage es noch einmal: Demokratie funktioniert einfach nicht!“

Das Ganze hat nur ein großes Manko: Millers Geschichte ist vom formalen Standpunkt her schwach. Das beginnt schon mit dem logischen Zusammenhang. Dinge passieren – nur warum sie passieren, wird oft nicht erklärt. Er setzt Dinge als gegeben voraus, die nicht mit der derzeitigen DC-Kontinuität konform gehen. Das wird am besten am Ende des dritten Bandes deutlich, wenn plötzlich ein Hal Jordan mit gottgleichen Kräften auftritt und das Geheimnis um die Identität eines Superheldenserienkillers (nein, nicht Ray Palmers Exfrau) gelüftet wird. Es gibt einfach keine logische Erklärung für dessen Motiv, zumindest nicht on page. Es ist eher, als ob Miller hier endgültig mit einem Charakter abrechnen will, den er einfach nicht ausstehen kann. Das ist nur fair, aber trotzdem kann man erwarten, dass diese Abrechnung besser in die Geschichte integriert wird.
Und manchmal werden zudem Charaktere eingeführt, ohne dass erkennbar ist, warum sie da sind oder welche Funktion sie in Millers Comic einnehmen. Auch hier fällt sofort wieder der Superheldenserienkiller ein. Miller klaut zudem manchmal bei sich selbst, Motive aus Hard Boiled, Sin City, Give Me Liberty sind hier zu finden, und in anderen Momenten wildert er bei Grant Morrison. Aber viele der Szenen, die er dabei präsentiert, sind trotzdem ziemlich kreativ. Die Art, wie die neue Regierung etwa The Flash oder The Atom kalt gestellt hat, ist einfach genial.

Die Charakterzeichnung ist… naja, „nicht vorhanden“ wäre fast noch zu nett. Superman hat eine deutliche Charakterentwicklung zu verzeichnen, aber damit hört es auch schon auf. Batman und all die anderen Figuren bleiben Schablonen. Archetypen. Batman ist tierisch angefressen. Green Arrow ist Marxist. The Question ist ein Erzkonservativer. Elastoman ist ein schmieriger, alter Mann und Plasticman ist einfach nur wahnsinnig. Über diese oberflächliche Charakterisierung geht Miller zu keinem Zeitpunkt hinaus.

Aber das würde auch nicht zu dem Comic an sich passen. DKSA ist nicht DKR. Die Geschichte entfaltet sich nicht langsam, die Geschichte beginnt mit einem Stakkato an Medienszenen und so setzt sie sich fort. Haupthandlung, Nebenhandlung, Kommentare von Fernsehpersönlichkeiten, vom Präsidenten, vom einfachen Mann auf der Straße, all das gibt es in kurzer Folge, wild durcheinander gewürfelt. Ruhige Momente sind fast keine vorhanden. Dieser Comic strotzt geradezu vor ungezügelter Energie, von der er manchmal nicht weiß, wohin damit.
Dazu passen auch die Zeichnungen. Millers Stil hier ist im besten Fall als hässlich zu bezeichnen, das alles sieht sehr dahingeschmiert aus, so als ob Miller hier in Eile gewesen wäre. Große Flächen und wenig Details. Das hat nichts mehr mit den geschickten Schwarz-Weiß-Kompositionen zu tun, die er uns in Sin City geboten hat. Aber auch das trägt zu der wütenden Grundstimmung des Comics bei.

Um einen musikalischen Vergleich zu ziehen: Sicher, man kann eine hochkomplexe, vielstimmige Rockoper schaffen, mit abgestimmtem Timing und handwerklich perfekten Gitarrensoli. Aber wenn man einfach nur wütend sein will, dann ist simpler Drei-Akkorde-Punk die bessere Wahl.

Wer eine Neuerung der Comicszene sehen will, der ist hier fehl am Platz. Wer eine wirklich gut gemachte Superheldengeschichte lesen möchte, die respektvoll mit dem DC-Universum umgeht, der sollte zu Daryn Cookes New Frontier greifen. Wer auf einen genialen Comic im Stile von DKR gehofft hat, der wird ihn hier nicht finden. Aber wer gewillt ist, die Erwartungshaltung zurückzuschrauben und einfach nur Frank Miller dabei zuzusehen, wie er im Overdrive auf alles scheißt, was ihm in der normalen Welt oder in der Welt der Superhelden nicht passt, wer einen Comic lesen will, der einfach nur pure, ungebändigte Wut ausstrahlt, der nicht direkt aus dem Bauch heraus entstanden zu sein scheint, der ist hier genau richtig. Vielleicht fasst ein Hamlet-Zitat das alles am Besten zusammen:

It is a tale told by an idiot,
full of sound and fury,
Signifying nothing.

DKSA mag keine größere Bedeutung haben… aber den Teil mit „sound and fury“ hat Miller verdammt gut drauf.

Batman: The Dark Knight Strikes Again
DC Comics
Text und Zeichnungen: Frank Miller
Farben: Lynn Varley
256 Seiten, farbig, Softcover; ~19,50 Euro
ISBN: 1-56389-929-9

Als Nachfolgewerk zu The Dark Knight Returns:


Für sich betrachtet:

Bildquelle: dccomics.com

Der Feind 1: Die Fliegen

Yasmine Giggs ist eine aufstrebende Kriminologin, die zusammen mit einem angehenden Anthropologen und einer jungen Psychiaterin ein Expertenteam bildet, das Inspektor Lowry bei der Aufklärung einer bizarren Mordfallserie helfen soll, bei dem die Opfer gehäutet und ihnen Fliegenmaden in die Körperöffnungen gesteckt werden. Wenn die Polizei die Toten findet, werden diese immer bereits von Unmengen von Fliegen umschwärmt.
Die Ermittler finden schnell heraus, dass die Insekten eine symbolische Bedeutung haben. Und auch eine zur Aufklärung gern gesehene Gemeinsamkeit der Opfer kristallisiert sich heraus. Dies alles führt die Gruppe unerwarteterweise in klerikale Kreise.

Doch das ist nur die vordergründige Geschichte. Weitaus interessanter ist, dass Yasmines Vater einem Geheimbund anzugehören scheint, der in die Morde verstrickt ist… Und er ahnt eine Gefahr für seine Tochter, denn er hält sich nicht mehr an die Regeln dieser Gesellschaft. Wie ernst es wird, merkt Yasmine, als sie im Haus der eigenen Familie angegriffen wird und nur durch eine zunächst unbekannte dritte Person ihr Leben behält.

Immer mehr vermischen sich Berufs- und Privatleben. Yasmine verliert zunehmend die Kontrolle und sie kann nur noch hilflos zuschauen, wie ihr Fundament aus scheinbar sicheren Fixpunkten in ihrem Leben auseinanderbröselt.

Dies alles hört sich vermutlich einigermaßen spannend an – ist es aber leider nicht wirklich. Die interessante Grundidee, über den Serienmörderplot eine geheimnisvolle Familiengeschichte drüberzulegen, bei der Vater und Tochter zuerst anscheinend auf verschiedenen Seiten stehen, geht völlig unter in dem Chaos dieses Bandes. Die Geschichte drängt nach vorne, hat aber viel zu viele Handlungslücken, die mich mehr als einmal daran zweifeln ließen, dass ich hier wirklich den ersten Band einer Serie lese. Gerade bei einer Serienmörderjagd, wie sie hier auf den ersten Anschein im Mittelpunkt steht, sollten die Schlüsse, die die Protagonisten ziehen, zumindest einigermaßen nachvollziehbar sein. Hier geht alles hopplahopp, und man fühlt sich als Leser irgendwo zwischen überrumpelt bis bevormundet.
Ich weiß nicht, was der Autor Thierry Robberecht noch alles vorhat, dass er es in Die Fliegen so eilig hat, aber die Handlung hätte man guten Gewissens auf zwei Bände aufteilen und mit mehr Hintergrund erzählen können.

Die nicht sehr überzeugende Autorenleistung ist umso mehr zu bedauern, als dass der Zeichner Alberto Pagliaro und der Kolorist Cosimo Lorenzo Pancini eine wunderbare Arbeit abliefern. Die reizvollen, etwas kantigen Figuren haben mich des öfteren – positiv – an Powers von Mike Oeming erinnert, und die in großen Teilen monochromatische Farbgebung ist sehr stimmungsvoll. Etwas mehr Emotionen hätten den Figuren allerdings gut getan, in manchen Situationen wirken salzsäulenhafte Gesichtszüge und Körpersprache nicht so ganz überzeugend… Und Fliegen mit Saugrüssel verwirren mich. Die haben doch eher sowas zum Ausklappen?

Bei der deutschen Bearbeitung liegt einiges im Argen. Die Schriftart des Letterings ist meiner Meinung nach nicht so geschickt gewählt und die Rechtschreibfehler springen einem ins Auge. Die Übersetzung kommt an manchen Stellen recht verkrampft rüber und liefert eindeutig zu viele Ausrufezeichen mit.

Ich wünsche der Serie, dass der 2. Band nahbarer wirkt und sein Tempo etwas zügelt, damit wir hinterkommen. Der Ansatz ist an sich gut und spannend, wenn nicht… ja, es gibt viele wenns. Hoffen wir auf das Beste. Es wäre schade, wenn ein so schönes Artwork und eine vielversprechende, geheimnisvolle Idee weiterhin untergehen würde in einem Wust von hektischen, unverständlichen Vorkommnissen wie hier geschehen. Und etwas mehr Sorgfalt bei der Übersetzung und dem Lektorat würde dem Eindruck des 2. Bandes sicherlich auch gut tun.
Übrigens sei der sensible Leser gewarnt: in Der Feind 1 gibt es sowohl Nackt- als auch Leichendarstellungen.

Der Feind 1 – Die Fliegen
Epsilon Verlag
Text: Thierry Robberecht
Zeichnungen: Alberto Pagliaro
Farben: Cosimo Lorenzo Pancini
48 Seiten, farbig, Softcover; 10,- Euro
ISBN: 3937898166

nicht so doll

Bildquelle: Epsilon Verlag