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The Walking Dead startet

“Wie viele Stunden hat ein Tag, wenn man nicht die Hälfte davon vor dem Fernseher verbringt?
 
Wie lange ist es her, dass wir uns wirklich anstrengen mussten, um etwas zu bekommen, das wir wollten?
Wie lange ist es her, dass wir etwas wollten, das wir wirklich brauchten?

Die Welt, die wir kannten, ist Vergangenheit.

Die Welt des Kommerzes und der Dekadenz ist einer Welt der Verantwortung und des Überlebens gewichen.

Eine Epidemie apokalyptischen Ausmaßes lässt rund um den Globus die Toten auferstehen, um sich an den Lebenden schadlos zu halten.

Nach ein paar Wochen ist die Gesellschaft am Ende.

Es gibt keine Regierung mehr. Keinen Supermarkt. Kein Internet. Kein Kabelfernsehen.

In einer Welt, die von den Toten regiert wird, sind wir gezwungen, endlich unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

So steht es geschrieben auf der Rückseite des 1. Sammelbandes von The Walking Dead, und es zeigt, wohin die Richtung geht: der Comic benutzt das Horrorelement Zombies, um auszuloten, wie Menschen in Extremsituationen reagieren. Dabei geht Autor Robert Kirkman sehr akribisch vor. Er erzählt in einem gemächlichen Tempo, das trotzdem keine Langeweile aufkommen lässt, von den Überlebenden einer Katastrophe und ihrem täglichen Kampf gegen die Untoten. Die Serie läuft noch in den USA, ist also momentan open end.

Unser Special beinhaltet:

– ein Interview mit Autor Robert Kirkman (Deutsch und Englisch)

– ein Interview mit Tony Moore, dem Zeichner der ersten sechs Hefte und der Cover bis Heft 25 (wurde dafür für den Eisner-Award nominiert) (Deutsch und Englisch)

– eine exklusive Leseprobe (S.31 bis S.40)

ein Gewinnspiel (Cross Cult spendiert 5 Sets: je ein Comic und ein T-Shirt, grau, Größe L)

Für letzteres mailt uns einfach mit dem Betreff „TWD 1“ an gewinnen (at) comicgate.de, wie die erste Serie hieß, an der Robert Kirkman und Tony Moore zusammengearbeitet haben (die Antwort findet sich in den Interviews). Nicht vergessen: wir benötigen natürlich auch eine Postadresse von Euch!
Einsendeschluss ist der 31. Januar 2006.
Jeder Haushalt darf nur einmal teilnehmen. Gibt es mehr richtige Einsendungen als Gewinne, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eure Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.
Viel Glück!

Cross Cult (Verleger von TWD; mehr Infos zum Band, Leseprobe)

TWD-Special bei Splashcomics (mit der kompletten Einleitung von Robert Kirkman und einer weiteren Leseprobe)

Walking Dead is TM and © Robert Kirkman, 2006. All Rights Reserved.
Mit freundlicher Genehmigung von Cross Cult.

Cargo: Comicreportagen Israel – Deutschland

Der Gedanke war folgender: Man tausche drei deutsche Comicautoren gegen drei israelische Künstler und lässt sie für ein paar Wochen das jeweilige Gastland erkunden. So sollten schließlich Comicreportagen mit dem ganz persönlichen Eindruck der Kreativen entstehen, fernab von politischen oder historischen Beziehungen der Länder.

Wie bemerkenswert die Umsetzung dieser vom Goethe-Institut und der Kulturstiftung des Bundes unterstützten Idee gelang, davon kann man sich im Comicalbum „Cargo“ aus dem Avant-Verlag überzeugen. Die sechs darin abgedruckten Geschichten der drei deutschen (Tim Dinter, Jan Feindt und Jens Harder) und der drei israelischen Autoren (Rutu Modan, Guy Morad und Yirmi Pinkus) könnten kaum unterschiedlicher sein, was mal wieder sehr schön zeigt, über welche Vielfalt an Interpretationen und Darstellungsformen das Medium Comic verfügt, um ein und dieselbe Thematik zu behandeln.

Während Tim Dinter in seiner Story beispielsweise den Weg wählt, sich als Neuankömmling in Tel Aviv die Probleme der dort ansässigen Kunstschaffenden anzuhören, verschafft sich sein deutscher Kollege Jan Feindt als einer, der das Land schon besser kennt, einen Einblick in die soziale Struktur der Stadt. Jens Harder dagegen interessiert mehr die Geschichte der Religionen in Jerusalem und wie Christen, Moslems und Juden dort in Koexistenz miteinander leben.

Recht ungewöhnlich und stilistisch komplett unterschiedlich kommen die drei Erzählungen der Gastautoren, die Deutschland besuchten, daher. Rutu Modan lässt ihre Eindrücke von unserem Land einfach in ganzseitigen, unkommentierten Illustrationen stehen, Yirmi Pinkus untermalt mit Bildern aus Deutschland Paul Celans Gedicht „Todesfuge“, bzw. helfen ihm die Verse in diesem Fall, seine Geschichte zu transportieren, und Guy Morad erzählt in einer melancholischen Episode mit Hilfe eines fiktiven Charakters von Liebe, Alleinsein und Freundschaft vor zeitgeschichtlichen Hintergründen.

“Cargo“ ist insgesamt äußerst bemerkenswert geraten. Die Autoren setzten jeder für sich und unbefangen das Gesehene oder Erlebte um. Der Leser des Albums erhascht dadurch lediglich kleine Einblicke in beide Länder, aber gerade diese kleinen großen Begegnungen in die alltäglichen Probleme der Menschen sagen sehr viel über das Leben in Deutschland und Israel zur momentanen Zeit aus.

Zu diesem Band gibt es übrigens parallel auch eine englischsprachige Version, ebenfalls beim Avant-Verlag.

Cargo: Comicreportagen Israel – Deutschland
Avant-Verlag
144 Seiten; zweifarbig; 20×28 cm; 19,95 €
ISBN: 3-9809428-7-2

Bildquelle: www.avant-verlag.de

Comicgate als RSS-Feed

Mit dem Feed ist es möglich, sich die aktuelle Comicgate-Inhalte in einem Newsreader (wie z.B RSSOwl oder Sage) anzeigen zu lassen und so immer aktuell über Updates informiert zu sein. Mehr zum Thema RSS gibt's u.a. hier.

Der Feed, den es sowohl im RSS- als auch im Atom-Format gibt, enthält die zehn aktuellsten Beiträge, die bei Comicgate erschienen sind (Artikel, Cartoons, Webcomics, Rezensionen usw.), mit Ausnahme der Beiträge des Blogs Welt am Draht. Für diese gibt es einen eigenen Feed.

Die Links zu den Feeds findet ihr in der linken Spalte unserer Website, oder direkt hier:

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Daisy Kutter: The Last Train (US)

Daisy Kutter ist gelangweilt. Früher war sie eine gefürchtete Wildwest-Verbrecherin wie Calamity Jane, jetzt lebt sie als Besitzerin eines kleinen Ladens- Legal, aber öde. Wenigstens gibt's ab und zu eine Partie Poker im Saloon – und Daisy ist eine hervorragende Zockerin. Als ein zwielichtiger Unternehmer Daisy anheuern will, damit sie seine eigene Eisenbahn überfällt, gerät sie in Gewissensnöte…

„The Last Train“ hat viele Elemente von klassischen Westerngeschichten: Pferde, Schießeisen, Saloons und Sheriffs, auch ein Tumbleweed darf mal durchs Bild kullern. Das ganze wird allerdings dadurch gebrochen und ergänzt, dass es in dieser Westernwelt auch Roboter gibt. Diese ähneln den Blechbüchsenjungs aus „Futurama“ und üben verschiedene Jobs aus, vom Kartenausteiler im Saloon über Lokomotivführer bis hin zur Killermaschine.

Der Plot, der bedächtig beginnt und in einem furiosen Actionfinale endet, ist kompetent erzählt und bietet einige Überraschungsmomente, bleibt aber insgesamt recht konventionell. Dieses kleine Manko weiß Autor und Zeichner Kazu Kibuishi allerdings auszubügeln: durch eine sehr charmante Charakterisierung seiner Hauptfiguren – Daisy hat ein kompliziertes Privatleben – und vor allem durch eine tolle grafische Gestaltung.

Seiner japanischen Herkunft zum Trotz hat Kibuishis Zeichenstil wenig mit Manga zu tun. Vielmehr erinnern seine Zeichnungen, die am Computer mit Graustufen veredelt wurden, immer wieder an Film-Storyboards. Das liegt auch an seiner sehr filmischen Erzählweise. Es gibt viele Sequenzen, die ohne Text auskommen und nur die Bilder sprechen lassen. Dass dabei klassische Spaghettiwestern, die dieses Stilmittel auch sehr oft verwenden, ausgiebig zitiert werden, ist Ehrensache.

Der preiswerte Sammelband, der in einem leicht verkleinerten Format erscheint, bietet neben der Geschichte noch etliche Extra-Seiten mit Entwürfen, einer Pin-Up-Galerie und einem Blick auf den Entstehungsprozess einer Comicseite.

Der erst 28-jährige Kazu Kibusihi hat mit „Daisy Kutter“ eine schwungvolle, witzige und actionreiche Westernstory zu Papier gebracht, die besonders durch ihre visuelle Gestaltung glänzt. Ein Talent, von dem noch einiges zu erwarten ist. Kibuishi ist übrigens auch Herausgeber der hochinteressanten Anthologiereihe „Flight“, die bei Image erscheint.

Daisy Kutter: The Last Train
Viper Comics
Text und Zeichnungen: Kazu Kibuishi
192 Seiten; s/w; 10,95 US-$
ISBN:  0-9754193-2-3

Bildquelle: www.boltcity.com

Panik Elektro 3: Lovestories

Was vor drei Jahren als als ein sehr dick geratenes Fanzine mit starkem Underground-Faktor begann, hat sich mit der dritten Ausgabe zu der wohl wichtigsten Plattform der deutschsprachigen Indiecomic-Szene gemausert. Das Underground-Feeling ist zwar immer noch da, aber die hochwertige Produktion, etliche Farbseiten, die Mitwirkung einiger (in Szenekreisen) bekannter Künstler und die große Zahl relativ leicht zugänglicher Stories sorgen dafür, dass das dritte „Panik Elektro“ ein professionelles Produkt ist.

Das Tolle an diesem Band ist das wirklich immense Spektrum, das hier abgedeckt wird.
Liebe heißt das Thema, und das ist ein so universelles, dass sich damit eine riesige Bandbreite von Geschichten erzählen lässt: lustige, traurige, romantische und deprimierende. 65 Künstler (wenn ich mich nicht verzählt habe) sind vertreten und bieten einen beeindruckenden Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten grafischen Erzählens. Das ist sowohl inhaltlich als auch formal höchst abwechslungsreich, so dass die alte Floskel „für jeden Geschmack was dabei“ mal wieder ausgepackt werden muss.

Neben geradlinig erzählten Geschichten ist auch Platz für verstörende, rätselhafte und fragmentarische Beiträge wie z.B. „Gaza“ von Arnulf Röder oder der seltsame, aber grafisch sehr beeindruckende Trip ins „Borderland“ von Moki. Zum Zug kommen sowohl junge Nachwuchstalente als auch altgediente Underground-Veteranen, aber auch bekanntere Namen wie Mawil und Flix und ausländische „Gaststars“ wie Adrian Tomine, Jaime Hernandez und James Kochalka.

Es liegt in der Natur der Sache, dass keinem Leser jeder Beitrag gleich gut gefallen wird. Je nach Geschmack und Tagesform wird hier jeder einen anderen Liebling finden.
Und selbst der hartnäckigste Alleskenner dürfte hier noch auf Überraschungen treffen, neue Künstler und Stile kennenlernen. Einzelne Highlights hervorzuheben, ist fast ungewöhnlich – zu meinen persönlichen Favoriten gehören auf jeden Fall „Manege d'Amour“ von Pietras & Fourbaux, die witzig-böse Story „Space Love“ von Laska und Tobi Dahmens melancholisches „Wiedersehen“.

Dass bei aller Vielfalt die Qualität der Beiträge durchweg von hohem Niveau ist und kein echter Schrott vorkommt, ist das Verdienst von Herausgeber Wittek und seiner Mitstreiter Mille Möller und Frank „Spong“ Plein, die für die Auswahl verantwortlich sind.

18 Euro sind nicht wenig Geld, aber eine lohnende Investition für eine dicke Sammlung origineller Comics und ein Ticket zu einer mehrstündigen Entdeckungsreise.

Panik Elektro #3: Lovestories
Schwarzer Turm
herausgegeben von Wittek
ca. 290 Seiten; s/w und farbig; 18,- Euro
ISBN:  3-934167-23-3

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Bildquelle: schwarzerturm.de

Interview mit Robert Labs

Robert Labs galt als Senkrechtstarter der deutschen Mangaszene, als er im Alter von 18 Jahren sein Debüt „Dragic Master“ vorlegte. Inzwischen ist er sechs Jahre älter und um viele Erfahrungen reicher. Mit seinem neuesten Werk „The Black Beach – Ein Surfermärchen“ (Carlsen Comics) bewegt er sich weg vom Manga und hin zu einem westlichen Comicstil.

Wir haben Robert auf der Frankfurter Buchmesse getroffen, wo er kurz vorher gerade zum ersten Mal ein fertig gedrucktes Exemplar seines neuen Comics in den Händen halten durfte.

 

 

Comicgate: Robert, nach „Dragic Master“ und „Crewman 3“, die im Mangastil gezeichnet waren, sieht dein neues Werk „The Black Beach“ ganz anders aus. Wie kam es dazu?

Robert Labs: Ich habe irgendwann meine alten Comics, die ich vor Jahren gezeichnet hatte, herausgeholt, und war durchaus stolz darauf. Ich habe gemerkt, dass ich im Mangastil weniger Freiheiten habe, vor allem, was die Entwicklung und den Ausdruck der Figuren angeht. Wenn ich im Comicstil zeichne, gibt es viel weniger Regelvorgaben, an die man sich halten muss.

CG: Was sind das zum Beispiel für Regeln?

RL: Ein Beispiel wäre, dass man im Manga die Mundwinkel einer Figur nur bis zu einem bestimmten Grad dehnen soll, sonst beschweren sich die Leser, dass es kein Manga mehr sei. Im Comic ist einfach viel mehr Vielfalt möglich. Das hier ist jetzt mein „ehrlicher Stil“, meine eigene Sprache, bei der ich mich nicht verstellen und anpassen muss.

  CG: Wie hat denn der Carlsen Verlag reagiert, als du plötzlich mit etwas ganz anderem ankamst?

RL: Die waren natürlich erst mal skeptisch, da dieses neue Projekt recht schwer kalkulierbar ist. Man kann schwer einschätzen, wie es sich verkaufen wird. Ich musste Überzeugungsarbeit leisten, was mir auch gelungen ist. Schließlich ist es ja auch keine komplette Abkehr vom Manga. Im Zeichenstil schon, aber die Erzählweise der Geschichte, die Panelaufteilung usw. haben schon noch Ähnlichkeiten mit Manga.

CG: Was sind die Vorbilder für deinen neuen Stil? Er erinnert sehr an Zeichentrickfilme…

RL: Ja, genau. Ich liebe diesen 2-D-Animationsstil. Ich mag die Sachen von John Kricfalusi („Ren & Stimpy“), oder auch den „Tiki Style“ von Shag. Aber auch „Bone“ von Jeff Smith hat mich beeinflusst.

CG: Wie wird denn der neue Comic jetzt vermarktet?

RL: Es gab einige Ideen, z.B. einen Vorabdruck in einem Surfermagazin, woraus dann aber leider nichts wurde. Ursprünglich sollte der Comic schon im Sommer veröffentlicht werden, es hat sich aber alles verzögert, auch weil Carlsen seine Veröffentlichungstermine umgestellt hat. Wenn „The Black Beach“ im Sommer erschienen wäre, hätte sich eine Promotour durch diverse Strandbars mit Cocktails usw. angeboten, aber im Herbst bringt’s das nicht mehr so. Mal sehen, vielleicht ergibt sich auf der Messe noch was. Genial wäre natürlich ein TV-Auftritt, so wie Ralf König neulich bei Stefan Raab. Aber es ist richtig schwer, da reinzukommen. Ich hatte vor einigen Jahren einen Auftritt bei „Galileo“, den ich selber total schlecht fand, aber es hatte trotzdem einen großen Publicity-Effekt für „Dragic Master“. Man erreicht im Fernsehen einfach wahnsinnig viele Leute, die sonst nie was davon mitkriegen würden.

CG: Damals, als dein erster Manga bei Carlsen erschien, warst du praktisch der erste „Germangaka“ und es gab einen richtig großen Hype um dich, mit Scharen von Teenies, die dich bei Signiertouren belagert haben. Auf der anderen Seite gab es auch viel Kritik, die zum Teil in richtiges Labs-Bashing ausartete. Wie siehst du das im nachhinein?

  RL: Naja, ich war erst damals erst 18 Jahre alt und habe mich schon ein bisschen von dieser Star-Rolle blenden lassen. Mir war das damals gar nicht so richtig bewusst, und ich habe mich auch schwergetan damit. Eigentlich bin ich ein schüchterner Typ, kein Bühnenmensch. Die Leute sollen meine Geschichten mögen, nicht mich als Person. 

CG: Wurde dieser Hype vom Verlag mit angefacht?

RL: Ich denke schon. Über die ganze Promotion hatte ich wenig eigene Kontrolle. Es lief nach dem Motto „ Du bist der Zeichner, lass uns mal den Rest machen.“ Und da Carlsen eben kein Kleinverlag ist, sondern Teil eines großen Konzerns, hat man da selber recht wenig Einfluss.

CG: Wie ist das, wenn es sogar Forenuser gibt, die sich „roblabsfan“ nennen?

RL: Ach, der ist lustig! Zuerst dachte ich ja, dass das mein Vater sei, der mich veralbern will, aber es hat sich rausgestellt, dass es echt ein richtiger Fan ist, der alles verfolgt, was ich so mache. Und das ehrt einen natürlich. Es ist ein komisches Gefühl, aber solche Leute sind wichtig. Wir machen am Samstag auf der Buchmesse ein kleines Treffen von Usern aus meinem eigenen Forum, es gibt Kekse und wir lernen uns kennen. Das sind nicht so viele Leute, aber die sind mir sehr wichtig, und man muss so eine Fanbasis auch pflegen. Das sind auch diejenigen, von denen man Feedback bekommt.

CG: Joachim Kaps, der damals dein Redakteur bei Carlsen war, ist auch so etwas wie dein Entdecker und Förderer. Allerdings ist der jetzt nicht mehr bei Carlsen, sondern hat den deutschen Ableger des TOKYOPOPs-Verlags aufgebaut, welcher hauptsächlich Manga veröffentlicht. Hättest du mitgehen können?

RL: Nein, ich habe einen festen Vertrag bei Carlsen, der bis 2007 gilt. Außerdem war ja damals, als er von Carlsen wegging, noch gar nicht klar, was als nächstes kommt. Das passierte erst ein halbes Jahr später. Und ob „Black Beach“ ins Programm von TOKYOPOP passen würde, weiß ich auch nicht so recht… Aber ich muss auf jeden Fall sagen, dass ich Jo alles zu verdanken habe. Ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier. Danke, Jo. 🙂

CG: Im Gegensatz zu vielen anderen Comicmachern bist du nicht in kleinen Schritten nach oben gekommen, sondern hast einen Senkrechtstart hingelegt.

RL: Das Gute daran, dass ich noch so jung war, als es los ging, war, dass ich den Umgang mit der Sache lernen konnte und mich, mit einem festen Vertrag beim Verlag im Rücken, entwickeln konnte. Das Negativste war sicher, dass ich mir dadurch mein Abi versaut und nicht bestanden habe. Rückblickend habe ich es aber nicht bereut und würde es wieder so machen.

CG: Du bist ja sowohl der Autor als auch der Zeichner deiner Geschichten. Gehört Zeichnen und Schreiben für dich zusammen?

RL: Irgendwie schon. Ich habe nichts gegen Arbeitsteilung, aber vor allem in Amerika ist es ja so, dass der Autor oft viel wichtiger ist als der Zeichner. Der wird zuerst genannt, sein Name steht vielleicht auch größer auf dem Cover. Das finde ich nicht fair. Die Geschichte kommt vom Autoren, aber der Zeichner hat eigentlich viel mehr Arbeit am Comic. Das Schöne am Comic ist ja, dass ich mein eigener Regisseur bin. Da gibt es zwar auch ein paar Menschen, die mitmachen und z.B. über das Cover entscheiden, aber das ist eine  übersichtliche Zahl an Leuten. Wenn man das mit der Filmbranche vergleicht, da sind soviele dran beteiligt, dass man oft den Eindruck hat: „Viele Köche verderben den Brei“. Ich habe neulich „Brothers Grimm“ gesehen, das ist ein gutes Beispiel dafür. Das ist kein echter Terry-Gilliam-Film! Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass ich vielleicht mal eine Geschichte zeichne, die jemand anderes geschrieben hat.

CG: Hast du deine Geschichte schon komplett fertig, bevor du mit dem Zeichnen anfängst?

RL: Beim ersten Band von „Dragic Master“ stand die Handlung vorher fest, beim zweiten ist sie zum Teil erst während des Zeichnens entstanden. Bei „Black Beach“ aber habe ich die ganze Geschichte vorgescribbelt, ehe es ans Zeichnen ging, und das soll auch in Zukunft so bleiben. Wenn man erst mal am Zeichnen ist, wird es mit dem Weitererzählen oder mit Änderungen an der Geschichte sehr schwierig.
Das ist auch der Grund dafür, dasss ich jetzt erst mal einzelne abgeschlossene Geschichten machen will und keine Serien. Da habe ich mir früher zuviel zugemutet. Innerhalb einer Serie ist eine Stiländerung nicht möglich und es gibt die Gefahr, dass die Leser und auch man selbst mit der Zeit das Interesse verliert, vor allem wenn sich Fortsetzungen immer wieder verzögern wie bei „Dragic Master“. Das hat auch viele Leser enttäuscht, was ich gut verstehen kann.

CG: Was sind deine nächsten Projekte nach „Black Beach“?

  RL: „Strawberry Royale“ ist ein Testprojekt – es ist ein Comic für die PSP (Playstation Portable), bei dem ich mal sehen möchte, wie das ankommt. Die Geschichte ist recht simpel, es geht einfach um zwei Tussen, die auf der Suche nach einem Cocktailrezept sind. Es soll einfach actionreich und spaßig sein.

CG: Wie kamst du auf die Idee?

RL: Ich habe gesehen, dass der Eidalon-Verlag Comics für die PSP anbietet („Megatokyo“), außerdem kann man auf pspcmx.com einige US-Comics herunterladen. Bei denen passt allerdings das Format nicht gut. Es sind Comicheftseiten, wo man reinzoomen und herumscrollen muss, um sie zu lesen. Das ist bei „Megatokyo“ besser, und „Strawberry Royale“ wird auch auf das PSP-Format zugeschnitten sein.

CG: Ist das dein eigenes Baby oder ist da der Carlsen Verlag auch mit im Spiel?

RL: Zuerst soll das mal ein kostenloser Testballon sein, nichts kommerzielles. Wenn es sich in die gewünschte Richtung entwickelt, darf ich mehr verraten. 😉

 

 

 

CG: Deine nächste längere Geschichte heißt „El Pajaro“…

RL: Genau. Das ist spanisch und heißt „der Vogel“. Das wird eine ernstere Geschichte, die in den 70er Jahren im südamerikanischen Dschungel spielt. Es ist eine Krimistory mit Mystery-Elementen. Es dreht sich ein wenig um eine von mir entwickelte Theorie über den Chupacabra, den berühmt-berüchtigten „Ziegensauger“ aus Südamerika.
Immer wieder wird von Bauern berichtet, deren Tiere blutleer und „ausgesaugt“ aufgefunden wurden. Daher der Name. Viele Ufologen vermuten dahinter eine wild im Dschungel lebende ausseridische Kreatur, die sich nachts auf die Felder schleicht und ihren Blutdurst stillt. Zumindest wurde sie von vielen Zeugen als „außerirdisch“ anmutend beschrieben. Ich hab mir dazu eine spannende Idee überlegt, nach dem Motto „was wäre wenn“ und garniere das Ganze mit einer kleinen Prise Überraschung…
Erscheinen soll „El Pajaro“ dann im Winter 2006.

CG: Gibt es sonst weitere Pläne für deine Zukunft?

RL: Ein Traum wäre es, an der Kölner Animation School zu studieren, was aber sehr schwierig und auch teuer ist. Die nehmen jedes Jahr nur zehn Leute. In Köln lehrt übrigens Harald Siepermann, der bei Disney u.a. an „Tarzan“ gearbeitet und auch die Figur Alfred J. Kwack entworfen hat. Wäre natürlich fantastisch, ihn mal kennenlernen zu dürfen.

 

CG: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, und viel Erfolg mit deinem Surfermärchen!

Black Beach – Ein Surfermärchen
Carlsen Comics
Text und Zeichnungen: Robert Labs
112 Seiten, Softcover; 7,90 Euro

einkaufswagen cc

links

Website von Robert Labs
CG-Interview mit Rob aus dem Jahr 2001
Robs Mini Mangas bei Comicgate

 

Immer Ärger mit Rudi

Peter Puck ist ein Comic-Altmeister und mit seiner Figur „Rudi“ seit 20 Jahren auf dem deutschen Comicmarkt unterwegs. Trotz zahlreicher gut verkaufter Rudi-Bände, der Präsenz in diversen Stadtzeitungen und „Zack“, eines Max-und-Moritz-Preises 2002 als „Bester Deutschsprachiger Comic-Künstler“ und Kritikerlob von allen Seiten gilt er irgendwie immer noch als Geheimtipp. 
Dies will er nun mit dem siebten Rudi-Band endgültig ändern. Auf alteingesessene Rudi-Fans kommen deshalb ein paar Veränderungen zu.
(Neueinsteiger können natürlich bedenkenlos zugreifen, da die Strips unabhängig voneinander funktionieren).

Peter Puck hat den Verlag gewechselt – vom eher unbekannten Heinzelmännchen-Verlag zur großen ECC, der Ehapa Comic Collection. Das etwas pixelig geratene Titelbild ist durch die Hintergrundpanels anders gestaltet als früher und das Format ist gewachsen – vielleicht als Vorsichtsmaßnahme des Verlages, Pucks berühmt-berüchtigte wortgewaltigen Sprechblasen lesbar unterzubringen?
Der augenfälligste Unterschied zu den früheren Rudi-Alben ist aber die komplette Kolorierung der Strips. Wie man aus Interviews weiß, ist befürwortet der Zeichner dies stark – gewöhnungsbedürftig ist es allemal.

Der Titel verwirrt zunächst etwas. Denn eigentlich hat Rudi Ärger, und zwar mit dem Rest der Welt. Fans erwartet also die übliche – und ersehnte – Kost, nämlich meist einseitige Strips über den sarkastischen Loser und seinen besten Freund Fred, wie sie von einer Katastrophe in die nächste taumeln, sich über nervige Mitmenschen aufregen müssen und die ständig leere Brieftasche versuchen zu füllen. Dabei kommen sie aber hoch erhobenen Kopfes aus dem auch selbst verschuldeten Chaos heraus. Puck lässt seine Figuren zwar des öfteren scheitern, führt sie aber nie vor. Zwischendurch sind sie selber Giftzwerge, die sich elitär über gesellschaftliche Szenen und Normen lustig machen und denen man als Leser begeistert zustimmt – nur um sie dann doch wieder bei der nächstbesten Frau scheitern zu sehen.
Aber es gibt auch andere Aspekte im Leben Rudis als immer nur der leidgeprüfte Pessimist zu sein. Umarmen möchte man Peter Puck z.B. für die Erfindung des Modems, das einfach angeschlossen wird und funktioniert.
Für die Anteilnahme beim Frustriertsein über die beklopptesten Google-Suchergebnisse, die nie das bieten, was einem weiterhelfen könnte; es sei denn, man bekommt keine Spammails und ist tatsächlich auf der Suche nach Pornoseiten.
Für den Tipp, wie man den Tod überlistet: einfach zulabern, wie auch direkt zwei Seiten lang exemplarisch gezeigt wird.

Puck erzählt pointiert, böse und intelligent, und selbst in kleinen Details verstecken sich oft bessere Gags als manch andere in ihren ausgewiesenen lustigen Comics bieten können. Er schert sich nicht um Konventionen oder Moden. Selbst vor sich selber macht Peter Puck nicht halt und nimmt sich dementsprechend gerne immer mal wieder auf's Korn, sei es im Text oder in den Zeichnungen.
Seine Figuren sind souverän und ausdrucksstark umgesetzt. Hintergründe gibt es weniger – aber die würden ja meist auch gar nicht mehr hinpassen vor lauter Sprechblasen.

Lediglich die großen Einpanel-Einseiter (Suchbilder, Parodien, Puzzle,…)  waren mir in diesem Band etwas zuviel des Guten, da ihnen der Schwung der Strips fehlt. Aber das ist schon okay. Hier bekommt man schließlich für sein Geld einen deutlichen Mehrwert – in zehn Minuten ist dieser Comic mit Sicherheit nicht durchgelesen, dafür sorgt der schreibwütige Peter Puck schon…

Übrigens: Rudi wird auch im Internet veröffentlicht, und zwar monatlich auf peter-puck.de (die Alben sind immer eine Sammlung der veröffentlichten Strips). Dort gibt es auch eine Leseprobe zu diesem Band.

Immer Ärger mit Rudi
Ehapa Comic Collection
Text und Zeichnungen: Peter Puck
48 Seiten, Softcover, komplett farbig; 10,- Euro
ISBN:  3770429052

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Bildquellen: Cover von comiccombo.de, Panel von peter-puck.de